Montag, 27. Januar 2014

Der Christ des Tages - Teil LXII-B



In der von mir geliebten US-Serie „Sons Of Anarchy“ (jetzt gibt es sicher Ärger…) spielt der Charakter Chuck "Chuckie" Marstein (Michael Marisi Ornstein) einen zwanghaften Masturbanten. Er leidet an „ZMS“ (Zwanghafte Masturbationsstörung) und muß Tourette-artig in den unpassendsten Situationen anfangen zu onanieren.
Eine schöne Idee der Drehbuchautoren so eine psychische Störung unter den ultraharten Rockern zu platzieren.
Piermont "Piney" Winstons (William Lucking) reagiert immerhin mit einem guten Spruch, als er von “ZMS” hört. „Das hatte ich auch mal! Und dann wurde ich 13.“
Da ich im Zeitalter von Google lebe, wollte ich natürlich wissen, ob sowas tatsächlich existiert.
Im englischen Originaltext heißt es:

Chuck proved to be rather paranoid and also afflicted with compulsive masturbation disorder that reared itself at inopportune times.

Eine Suche im Internet nach compulsive masturbation disorder, CMD, kommt zu keinem rechten Ergebnis. Offenbar streiten Sexualwissenschaftler darüber, ob so ein Syndrom existiert, oder ob es lediglich eine Form der Hypersexualität ist.
In seriösen Portalen wird aber eifrig darauf hingewiesen, daß Masturbation an sich nicht krankhaft, sondern vielmehr a) ganz normal und b) sogar gesund ist. (Offenbar wirkt Masturbation prophylaktisch gegen Hodenkrebs)

Warum diese eilfertigen Rechtfertigungen?
Ganz klar, im religiösen Umfeld und insbesondere in Amerika ist Masturbation immer noch verpönt und wird sogar zunehmend bekämpft.

Die mormonischen Anti-Wichs-Verhaltensregeln, aufgestellt in den 1970ern von Mark E. Petersen, einem der zwölf Apostel der Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage (The Church of Jesus Christ of Latter-day Saints) gelten immer noch und ein echter amerikanischer Präsidentschaftskandidat wie der frühere Mormonen-Bischof Mitt Romney lebt danach.
Der Apostel hatte gütig und einfühlsam auf die Masturbanten eingewirkt.

Be assured that you can be cured of your difficulty. Many have been, both male and female, and you can be also if you determine that it must be so.
This determination is the first step. That is where we begin. You must decide that you will end this practice, and when you make that decision, the problem will be greatly reduced at once.

Petersen stellt einen “Guide To Self-Control” auf und fügt im Anschluß wertvolle Tipps für hartnäckige Wichser hinzu.
Das sollte das Leben aus jeder Nudel vertreiben.

[…] 3. When the temptation to masturbate is strong, yell STOP to those thoughts as loudly as you can in your mind and then recite a prechosen Scripture or sing an inspirational hymn. […]
11. In the field of psychotherapy there is a very effective technique called aversion therapy. […] For example, if you are tempted to masturbate, think of having to bathe in a tub of worms, and eat several of them as you do the act.
12. During your toileting and shower activities leave the bathroom door or shower curtain partly open, to discourage being alone in total privacy. Take cool brief showers.
[…] 15. Reduce the amount of spices and condiments in your food. Eat as lightly as possible at night.
16. Wear pajamas that are difficult to open, yet loose and not binding.
[…] 18. It is sometimes helpful to have a physical object to use in overcoming this problem. A Book of Mormon, firmly held in hand, even in bed at night has proven helpful in extreme cases.
19. In very severe cases it may be necessary to tie a hand to the bed frame with a tie in order that the habit of masturbating in a semi-sleep condition can be broken. This can also be accomplished by wearing several layers of clothing which would be difficult to remove while half asleep.[…]

In der Tat. Man muß das eigentlich für einen Witz halten.
Aber weit gefehlt.
Ähnlich der Promise-Keeper-Bewegung, der in Amerika Millionen Teenager angehören und damit schwören keinen Sex vor der Ehe zu haben, gibt es jetzt vermehrt auch eine „NoFap“-Bewegung!

Interessanterweise zeichnen sich die Promisekeeper durch rapide vermehrte Teenagerschwangerschaften aus, weil sie aus einem Umfeld kommen, in dem Sexualität einerseits so tabuisiert ist, daß niemand über Verhütung Bescheid weiß. Andererseits breiten sich unter den Jungfräulichen Geschlechtskrankheiten aus, weil nach Clinton-Vorbild „Sex“ streng als vaginale Penetration interpretiert wird und Teenager auf exzessiven Anal- und Oralverkehr ausweichen.

Die „NoFaps“ hingegen sind echte Abstinenzler.
 Und sie kommen gewaltig.
100.000 junge Männer haben sich bei in einer Web-Community namens „No Fap“ zusammengeschlossen und versprechen sich gegenseitig die Hand von der Nudel zu lassen!

The benefits listed here are based on the anecdotal reports of NoFap community members. They range from zero to life-changing. Individual results will vary; they are absolutely not guaranteed.

Abstaining from PMO (Porn, Masturbation, Orgasm) has often resulted in…

    Recovery from porn-induced sexual dysfunction. Many fapstronauts report that NoFap’s programs have cured erectile dysfunction and delayed ejaculation, along with other sexual issues.
    Increased self-control. Some fapstronauts do not feel like they have a pornography or masturbation problem. They are here to put their willpower to the test by facing their own instincts to pursue easy sexual arousal or indulge in certain sexual behaviors.
    More hard-drive space. Some of the larger porn collections we’ve heard about can take up terabytes of information. No more hoarding. Permanently deleting it will free up a lot of hard drive space. As an added bonus, you won’t be hesitant to let people borrow your computer anymore.
    More time. No more spending hours at the computer looking for that one video to get you off. That time can be better spent pursuing  your passions, bettering your life, and spending time with friends or a significant other. The possibilities are endless.
    Improved attitude. Many nofappers described increased happiness throughout their lives, especially in their attitudes towards sex and interpersonal relationships.

The preceding was only a brief overview and we recommend that you browse through the various sections of the website to gain a fuller understanding on what you may have to gain by participating in a challenge.

In der Süddeutschen Zeitung erschien heute ein Interview mit dem “NoFap”-Gründer Alexander Rhodes, 24, einem Programmierer aus Pittsburgh, der darauf schwört, sein Leben habe sich ohne Onanie enorm verbessert.

Alexander Rhodes: Pornos brachten mich dazu, meine Lust über alles andere zu stellen – über Liebe, Zuneigung, Einfühlungsvermögen. Keine Pornos mehr zu schauen war der Versuch, diese Fähigkeiten zurückzubekommen.

SZ: Wie schwer ist dir das Aufhören gefallen?

Alexander Rhodes: Ich war ein wirklich hypersexualisierter Junge. Ich habe mindestens sechs mal am Tag masturbiert. Eine Woche oder ein Monat Pause sind da eine harte Nummer. Oh Mann, das war ’ne krasse Zeit! Der Slogan auf der Website heißt: „Mach mit bei der ultimativen Herausforderung“. Den habe ich nicht einfach so gewählt.

SZ: Auf der Seite heißt es außerdem: „Erlange die Kontrolle über deine Sexualität und verwandle sie in Superkräfte!“

Alexander Rhodes: Das ist keinesfalls nur lustig gemeint. [….]  Viele haben berichtet, dass ihr Leben sich dramatisch zum Besseren gewendet hat. Für manche sind die Veränderungen minimal, aber für jemanden, der süchtig nach Pornos war und sehr viel masturbiert hat, fühlen sie sich an wie Superkräfte. Außerdem spielt es auf das Konzept der sexuellen Transformation an: Das Umlenken der Energie des menschlichen Sexualtriebs in andere Bahnen, um dein Leben insgesamt zu verbessern.

SZ:  […] Die meisten Fapstronauten sind in deinem Alter oder jünger. Warum ist das Thema vor allem für Teenager und Jungs bis 25 so attraktiv?

Alexander Rhodes: […] Wir sind mit Youporn erwachsen geworden. Und jetzt haben wir mit den Auswirkungen davon zu kämpfen. Ich glaube, dass „NoFap“ noch ganz schön wachsen wird. […]

Vor meinem geistigen Auge sehe ich den Hamburger Weihbischof Jaschke frohlocken und jubilieren. Das Konzept der sexuellen Transformation, nämlich das Umlenken der Energie des menschlichen Sexualtriebs in andere Bahnen, um dein Leben insgesamt zu verbessern, hatte er in Talkshows schon auf seinen Zölibat angewendet und behauptet die „Sublimation“ seines Sexualtriebes in geistige Kraft helfe ihm sehr.

Rhodes‘ Aussagen klingen im SZ-Interview allerdings wenig fanatisch und nicht religiös.
So weit, so gut.
 Wer einer Angewohnheit frönt, die ihm wenig Spaß macht und zu viel Zeit kostet, mag tatsächlich froh sein, sich wieder anderen Dingen zuwenden zu können.

Die Religioten dieser Welt werden aber entzückt auf den Zug aufspringen.
Und damit komme ich auf den bereits portraitierten Christen des Tages Nummer 62.

Es ist der erst 18-Jährige Würzburger Katholik Rudolf Gehrig, der passende Worte findet, um Papst Benedikt XVI. zu beschrieben:

Verzeihen Sie, wenn ich das so flapsig sage, aber ich finde den Kerl einfach nur genial!     Er ist genau der Richtige zur richtigen Zeit! Er ist der einzige auf Gottes weiter Erde, der keiner politischen Lobby verpflichtet ist, sondern ganz allein Gott und der ihm anvertrauten Herde. Und er macht seine Sache gut.

Der Abiturient ist nicht irgendein Christ, sondern ein von Kath.net international preisgekrönter „Lebensschützer“, welcher bei der Preisverleihung eine bemerkenswerte Rede hielt.

Die Einleitung war ein selbstgedichtetes Poem, welches Günther Grass locker in den Schatten stellt.
 
Revolution frisst ihre Kinder -
Vater Staat treibt sie ab.
Der Staat ist so entsetzlich dumm
täglich bringt er seine Kinder um
mit den Steuern staatlich subventioniert
werden tausende Frauen traumatisiert
Vater Staat ist höchst kriminell
Er mordet lautlos und professionell
Anderseits ist er wieder entsetzt
Wenn man Babyleichen im Müll entdeckt
Vater Staat ist so selbstgerecht
Spricht arrogant vom „Selbstbestimmungsrecht“
„mein Bauch gehört mir“, wie man gerne spricht
Doch Eigentum verpflichtet, oder nicht?
Weil Vater Staat seine Kinder gar nicht will
Heißt das Motto „I’m not born but killed“
Und so redet er uns ständig ein
Herr über Leben und Tod zu sein.

Den Preis der katholischen Ultras bekam er für die von ihm gegründete Facebook-Gruppe, AIAC: ABORTION IS A CRIME ("Abtreibung ist ein Verbrechen"), welche jeden Abend um 20.00 Uhr (wenn die bösen Atheisten die Tagesschau gucken) einen Gebetssturm auslöst, um die ungeborenen Kinder zu retten.



Der fromme Rudi, mittlerweile 20 Jahre alt, arbeitet inzwischen für den katholischen Sender EWTN, den die amerikanischen Nonne „Angelica“ gründete.


Mutter Angelica, 90, Klarissin vom Orden der Poor Clares of Perpetual Adoration (Arme Klarissen der ewigen Anbetung) wurde in Canton, Ohio, geboren und gründete 1976 den religiösen Sender Eternal Word Television Network, EWTN.
Der Erfolg ist enorm, nach eigenen Angaben erreicht das inzwischen auch in deutscher Sprache gesendete Programm 200 Millionen Haushalte und ist damit der weltweit größte katholische Privatsender.
Man orientiert sich streng am päpstlichen Lehramt, lehnt Frauenpriestertum, Homosexualität, Ehescheidungen und andere Perversionen strikt ab.
Aber man muß der lieben Mutter Angelica einfach zustimmen, weil sie so sympathisch ist.

Der fromme Rudi betätigt sich für EWTN unter anderem als Aktivist, der wider die Sexualaufklärung an Schulen agitiert.
Daß die Baden-Württembergische Landesregierung nun sogar in der Schule zu einer toleranten Sicht auf Homosexuelle einwirken will, geht dem Ex-Würzburger gegen den katholischen Strich.
Der fromme Rudi hat noch nie masturbiert und will auch nicht, daß andere Kinder mit solchen Perversionen konfrontiert werden.


Der fromme Rudi schreibt mitreißende Reportagen von Anti-Sex-Demos auf Kath.net, die den Schülern ihre masturbationsfreie Jugend ohne Gedanken an Homoperversion erlauben sollen.
Denn eins ist für den frommen Rudi ganz klar: SEX IST SCHECHT!
Amen.

'Kinder brauchen Liebe, keinen Sex!'
Die Initiative „Besorgte Eltern NRW“ hat am vergangenen Wochenende zu einer Demonstration in Köln aufgerufen, um gegen den Sexualkunde-Zwang an deutschen Grundschulen zu protestieren. Das Aktionsbündnis um Mathias Ebert wollte darauf aufmerksam machen, dass der Staat auch beim Thema „Aufklärung“ die Erziehungsrechte der Eltern zu respektieren habe, die in Artikel 6 des Grundgesetzes festgelegt sind. Dort heißt es unter anderem: „Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht.“
[….]  Am Rande der Veranstaltung bekundeten auch andere Organisationen ihre Solidarität mit den Demonstranten von „Besorgte Eltern NRW“. Hedwig von Beverfoerde, Sprecherin der „Initiative Familienschutz“ erklärte: „Diese Demonstration ist Teil einer wachsenden Bewegung. Immer mehr Eltern wehren sich endlich gegen die massive Zwangsindoktrinierung unserer Kinder mit einer zerstörerischen Sexualisierungsideologie, die über das staatliche Bildungssystem rücksichtslos in das intimste Empfinden der Kinder eingreift und die Werterziehung der Eltern gezielt unterminiert."
Angela Doose von der „Jugend für das Leben Deutschland“ unterstrich ebenfalls die Wichtigkeit der Elternrechte in Erziehungsfragen: "Ein so sensibles Thema wie Sexualität gehört in das vertraute Umfeld einer Familie. Fürsorgliche und verantwortungsbewusste Eltern wissen am besten, wann ihre Kinder in welchem Ausmaß aufgeklärt werden müssen. Sexualkunde gehört nunmal zur Erziehung und das Recht der Eltern, ihre Kinder zu erziehen, garantiert das Grundgesetz!" [….]








Sonntag, 26. Januar 2014

Überflüssige Studien – Teil VIII



Wieder einmal eine sinnlose Befragung.

Jetzt habe ich schon so viele Simpel-Zusammenhänge dargestellt - Religiöse haben einen niedrigeren IQ als Atheisten, Dümmere sind auch konservativer und Konservative sind religiöser - und wieder einmal hat sich jemand die Mühe gemacht einen zu erwartenden Zusammenhang empirisch zu untermauern.

Heute wissen wir auch aus der Hirnforschung, daß religiöse Menschen einen signifikant niedrigeren IQ als Atheisten haben.

Je höher die Bildung, desto größer die Neigung kritisch zu hinterfragen, selbst zu denken und nicht einfach blind den Vorgaben eines Predigers zu folgen.


Diesen Beobachtungen schloss sich nun Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen an und veröffentlichte eine Sonderauswertung der Studie „Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ der Autoren Prof. Beate Küpper, Hochschule Niederrhein und Prof. Andreas Zick, Universität Bielefeld.

Die Ergebnisse sind wie immer:

Schwulenhass ist umso verbreiteter, je ungebildeter und religiöser man ist.

Ein Fünftel der Befragten in Nordrhein-Westfalen neigt zu homophoben Einstellungen.
Homophobie ist bei den Älteren, in der Tendenz auch bei den weniger Gebildeten, Männern, Befragten mit Migrationsgeschichte und auf dem Land verbreiteter.
Grundlegende Werthaltungen fördern oder schützen vor Homophobie: Mit zunehmender Religiosität, einer ablehnenden Haltung gegenüber kultureller und religiöser Vielfalt und einer autoritären Grundhaltung nehmen homophobe Einstellungen zu.
Mit der politischen Selbstpositionierung von Links über die Mitte nach Rechts nehmen homophobe Einstellungen zu. Wer sich politisch machtlos fühlt, neigt eher zu Homophobie. Darüber hinaus sind politische Einstellungen etwa zur Demokratie für Homophobie unbedeutend.
Eine gewisse Rolle spielt zudem die Abschätzung sozialer Beziehungen. Wer seine sozialen Beziehungen nach Kosten-Nutzen bewertet und wer über mangelnde soziale Unterstützung klagt, tendiert eher zu Homophobie.
Mit zunehmendem Einkommen sinken homophobe Einstellungen. Allerdings spielt die eigene finanzielle Lage verglichen mit anderen Einflussfaktoren insgesamt kaum eine Rolle für das individuelle Ausmaß von Homophobie. So ist beispielsweise die Angst vor der eigenen Arbeitslosigkeit unerheblich.
Homophobie ist mit anderen Vorurteilen signifikant verknüpft. Wer homosexuelle Menschen abwertet, wertet mit größerer Wahrscheinlichkeit insbesondere auch Frauen, aber auch Migrantinnen und Migranten im Allgemeinen, Juden und Muslime und in der Tendenz sogar Langzeitarbeitslose, Obdachlose und Menschen mit Behinderung stärker ab. 


Der beliebteste Papst aller Zeiten begibt sich ins „Neuland“ und will wissen was seine Schäfchen eigentlich von der Moral seiner Kirche halten.
Moral der Kirche kennt ihr nicht?
Macht nichts, erklär‘ ich euch:

Homoehe bähbähbäh, Sex mit Kindern schlecht, wird aber verziehen und vertuscht, wenn Geistliche die Täter waren. Frauen auch bähbähbäh, dürfen nicht den Altarraum betreten, weil sie unrein sind. Verhütungsmittel auch bähbäh, Sex ist nur was für die Ehe und die Ehe ist nur was zum Kinderbekommen. Wer keine Kinder will, darf nicht heiraten – das gilt auch für Gelähmte oder Impotente. Masturbation ist Sünde. Und AIDS wird durch Kondome verbreitet. Psychisch Kranke sind von Dämonen besessen, so daß ihnen am besten ein Exorzist helfen kann.

Knapp 25 Millionen Deutsche sind immer noch Mitglied in diesem Verein, der 27 Fürstentümer im Lande unterhält, in denen sonderbar kostümierte Männer in langen Kleidern wie kleine Könige absolutistisch herrschen und nach Herzenslust vom Steuerzahler finanzierten Lehrern an staatlichen Schulen die Lehrerlaubnis entziehen oder lesbischen Reinigungskräften im Krankenhaus die Kündigung schicken.

Im Jahr 2013; Deutschland hatte einen schwulen Außenminister, verkaufte Kondome an Unverheiratete und wählte sogar ein minderes Weibsbild, das zudem noch geschieden war, zur Regierungschefin; wollte Papst Franziskus wissen, ob sich seine allemannischen Untertanen eigentlich noch buchstabengetreu an die Worte der Bibel und die Verfügungen des Kathechismus der Katholischen Kirche (KKK) halten.

Mit Spannung blickte der Vatikan auf die Ergebnisse. Sollte es wirklich möglich sein, daß in Deutschland onaniert würde? Ist es womöglich vorstellbar, daß sogar nicht miteinander Verheiratete Geschlechtsverkehr, also Unzucht, ausübten???
Also nein, allein schon die Vorstellung ist zu schrecklich.

Die Katholiken in Deutschland leben nicht nach der Lehre ihrer Kirche. Das ist nach SPIEGEL-Informationen das Teilergebnis einer Umfrage, die der Vatikan in Auftrag gegeben hat. [….] Laut Alois Glück, dem Chef des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, hat die Umfrage eine starke Diskrepanz zwischen Lehramt und Wirklichkeit ergeben. "Die Umfrage hat eine Dynamik ausgelöst, die nicht mehr zu stoppen ist", sagt die Präsidentin des Familienbunds der Katholiken, Elisabeth Bußmann.
[….] Vom Familienbund der Katholiken in Bayern erhobene Daten haben allerdings gezeigt, dass 69 Prozent der Gläubigen nicht nach der Lehre der Kirche leben und 86 Prozent künstliche Empfängnisverhütung nicht für eine Sünde halten - obwohl sie vom Papst verboten ist. Der Bund der Katholischen Jugend fand heraus, dass die kirchliche Sexualmoral für neun von zehn katholischen Jugendlichen keine Rolle spielt.


Samstag, 25. Januar 2014

Luthers fiese Epigonen.


Vergleicht man in Deutschland die katholische mit der evangelischen Kirche, wirkt Erstere immer als die Konservativere und Unangenehmere.
Die extreme Homophobie, bizarre Zölibatszwänge und die misogyne Personalpolitik gibt es nicht bei den Protestanten.
Außerdem sind die klischeeartigen Chefs, die in der Tradition der Fürstbischöfe absolutistisch herrschen immer Katholiken.
Protz, Prunk und Prassen ist das Motto von Typen wie Tebartz-van-Elst, Mixa oder Marx, während sich die protestantischen Amtskollegen demonstrativ bescheiden geben.

Amerikaner wundern sich über solche Einschätzungen, weil in den USA die katholische Kirche als relativ liberal gilt – verglichen mit den protestantischen Radikalen.
Ursache dieser unterschiedlichen Wahrnehmung ist der enorme Anteil der Evangelikalen in den USA.
Die Bibelfanatiker bringen groteske Megachurch-Multimillionäre hervor, die mit höchst bizarren Märchengeschichten 2/3 Amerikas in ihren Bann ziehen:
 Die Erde ist exakt 6000 Jahre alt, wurde von Gott genau der Genesis entsprechend geschaffen und anfangs lebte man in friedlicher Coexistenz mit den Dinosauriern.
 Die deutschen Evangelischen schön zu reden, ist aber auch nur sehr bedingt zu vertreten, denn intellektuell sind deren oberste Führer (Huber, Käßmann) gelegentlich so unterbelichtet, daß man sich fragt, wie die jemals ihren Hauptschulabschluß schaffen konnten.
Geistige Dünnbrettbohrerei in Kombination mit Freudlosigkeit und striktem Sündenverbot (Protestanten können sich Masturbation nicht in der Beichte verzeihen lassen; es gibt kein Moral-Reset) führen dazu, daß einst hochintelligente Protestantenkinder wie Uta Heinemann zur RKK konvertierten. Sie wollte der intellektuellen Enge entkommen.

Die Protestanten Deutschlands sind aber nicht nur durch besonders dümmliches Führungspersonal gekennzeichnet (Elisabeth Charlotte Motschmann, Irmgard Schwätzer, Katrin Göring-Kirchentag,…), sondern sie radikalisieren sich zunehmend.
Zwischen ein und zwei Millionen Deutsche Christen gehören dem evangelikalen Flügel an.
Durch den evangelikalen Einfluss konnten die Christen binnen kürzester Zeit über 100.000 Stimmen für eine menschenfeindliche homophobe Petition zusammen bekommen. Ekelhafte Umtriebe, die selbst vom ewig plappernden Plappermäulchen Käßmann mit (zustimmenden?) Schweigen quittiert wurde.
Groteske Typen sammeln sich an der evangelischen Basis die dümmsten Schäfchen ein,  um ihnen Schulbesuche auszureden, oder Hass auf Schwule einzutrichtern.

Ein Huhn, welches in Hamburg immer wieder für Furore sorgt, ist die radikale evangelikale Christin Gaby Wentland, 56.
Die Pastorenfrau gründete vor drei Jahren die Hilfsorganisation MISSION FREEDOM, mit der sie gegen Prostitution und Menschenhandel vorzugehen vorgibt.
Dabei verbreitet sie tränenrührige Geschichten wie die über „Lisa Heller“, 26, die schon mit neun Jahren in Hamburg zur Prostitution gezwungen wurde.
Wochenlang betete Wentland für die junge Hure und half ihr schließlich mit „Lichtduschen mit Jesu Licht“ dem Strich zu entkommen.
Solche Geschichten rütteln die Zuhörer wach und lassen sie kräftig spenden.
Die Öffentlichkeit ist so beeindruckt, daß die Mission-Freedom-Gründerin dieses Jahr den Bürgerpreis des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger verliehen bekommt.

Gaby Wentland erntet Lob von vielen Seiten, ihr Verein erhält Spendengelder der Aktion Mensch und des Hamburger Spendenparlaments, ist Mitglied in der Diakonie. Nun soll die 56-Jährige sogar mit dem mit 20.000 Euro dotieren Bürgerpreis der Deutschen Zeitungen ausgezeichnet werden. Das Hamburger Abendblatt hatte sie für die Auszeichnung vorgeschlagen.

Kleines Problem am Rande:
Wentland lügt. Lisa Heller war nie Hure.

Auf dem Kirchentag im Mai 2013 hatte die „Mission Freedom“ ihren ersten großen öffentlichen Auftritt: Erstmals zeigte eine frühere Zwangsprostituierte ihr Gesicht, sprach über ihr schockierendes Schicksal. Ihr eigener Vater habe sie bereits mit acht Jahren zur Prostitution in seinem Hamburger Bordell gezwungen, behauptete die junge Frau, die sich „Lisa Heller“ nannte. „Mission Freedom“ habe ihr geholfen.
„Diese Geschichte ist frei erfunden“, sagt Jörn Blicke, der das Dezernat „Milieu“ im Landeskriminalamt leitet. Das LKA hat recherchiert, immerhin hatte „Lisa Heller“ ihren Vater öffentlich eines Schwerverbrechens bezichtigt. Ergebnis: Als Kind kannte „Lisa Heller“ ihren Vater gar nicht, er hat nichts mit Prostitution zu tun, besaß nie ein Bordell.
Im NDR-Magazin „Panorama 3“ wischt Gaby Wentland die Erkenntnisse des LKA vom Tisch: „Da steht Aussage gegen Aussage. Wentland hat „Mission Freedom“ 2011 gegründet. Die vierfache Mutter ist Pastorin der Freien Gemeinde Neugraben. Die Worte ihrer Predigten („Die Braut Jesu findet ihre Erfüllung in Hingabe“) empfängt sie direkt von Gott, sagt sie.
Die göttlichen Eingebungen stehen online. Sie predigt auch über „Mission Freedom“: „Wir werden die Mädchen aus der Prostitution herausholen und ich denke, wir sind die Einzigen, die von Gott beauftragt sind, das zu tun (...) Ich will sehen, wie Tausende dieser jungen Frauen zurückgehen in ihre Heimatländer, erfüllt mit dem Heiligen Geist und sagen: Mein Gott kann alles!“
Die Vereinsgründerin ist überzeugt, dass der „mächtige Friede Gottes“ Verletzungen aus sexuellem Missbrauch heilen kann.

[….] Auf eine Kleine Anfrage der Linkspartei vom 22. Oktober hatte der Senat mitgeteilt, dass weder das Landeskriminalamt (LKA), noch Behörden und Beratungsstellen mit dem Verein zusammenarbeiten. Arbeit und Konzept des Vereins entsprächen „nicht den fachlichen Qualitätsanforderungen im Umgang mit Menschenhandel“. Auch die Anerkennung des „Mission Freedom Home“ als Frauenhaus sei im April 2013 abgelehnt worden.  Der Senat kritisierte die „spezifisch religiöse Ausrichtung im Umgang mit Opfern sexuellen Missbrauchs“. Nach Einschätzung Jörg Pegelows, Sektenexperte der Nordelbischen Kirche, hat Mission Freedom ein „stark missionarisches Interesse“.
Tatsächlich haben die Beratungsstellen bei häuslicher Gewalt und Zwangsheirat, Lâle und Verikom, im August eine Unterlassungsaufforderung an Mission Freedom gestellt, „ab sofort die Nennung der beiden Träger im Kontext der Arbeit von Mission Freedom zu unterlassen“.
Und auch das LKA winkt ab: „In der Tat arbeiten wir nicht mit Mission Freedom zusammen“, sagt Jörn Blicke, Dezernatsleiter Milieu. „Wir vermitteln keine Frauen an Mission Freedom und wir weisen auch nicht auf Mission Freedom im Rahmen unserer Präventionsrunden im Milieu hin.“ [….] Die Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration (Basfi) grenzt sich weiterhin klar von „Mission Freedom“ ab: „Die Basfi und die von ihr finanzierten Opferschutzeinrichtungen vermitteln keine Frauen an Mission Freedom. [….] „Erschreckend“ sei, heißt es in der Behörde, dass die Hamburger Diakonie sich hinter den Verein gestellt hat. Zwar räumt Diakoniesprecher Steffen Becker ein, „man sehe den Verein durchaus kritisch“. Und das Frauenhaus des Diakonischen Werkes lehnt die Zusammenarbeit ab. Aus dem Dachverband ausschließen werde man den Verein trotzdem nicht, sagt Becker. [….]



Freitag, 24. Januar 2014

Noch da, Grüne?


Das muß man den Regierungsparteien lassen.
Mit ihren parteipolitischen Entscheidungen haben sie sich im Gespräch gehalten.
Der neue CDU-General macht mit ultrakonservativen Ansichten auf sich aufmerksam (Prostitutionsverbot, Abtreibungsverbot, Sterbehilfeverbot…) und der CSU-General zeigt sich gleich mal von der braunen Seite – „wer betrügt, der fliegt“.
Geschickt illustriert Andreas Scheuer dabei die spezielle CSU-Interpretation solcher Sinnsprüche. Was man öffentlichkeitswirksam von anderen verlangt, gilt natürlich nicht für einen selbst. Scheuers eigene Lügen (aufgepimpter Lebenslauf) und Betrügereien (Doktor-Mauscheleien) führen in der Amigo-Partei selbstverständlich NICHT dazu, daß er fliegt.
Auch die neue SPD-Generalin Yasmin Fahimi erregte als vermeidlich linke Gewerkschafterin mit iranischem Migrationshintergrund viel Aufmerksamkeit. Ist sie Gabriels Signal an die Linke für 2017??

Wer oder was neue FDP-Generalin ist, weiß ich nicht. Aber die APO-Aktivitäten beschränken sich ohnehin derzeit auf das Präsentieren ihrer nackten Hintern. Es lohnt sich also nicht zu googeln. Die FDP ist irrelevant und bleibt es hoffentlich auch endgültig, wenn sie bei den Sächsischen Landtagswahlen Ende August von 10% auf unter zwei Prozent geschrumpft wird und somit ihre letzte Regierungsbeteiligung verliert.

Die Linke lebt. Erstaunlicherweise.
Aber ich werde täglich mit Pressemitteilungen bombardiert, die thematisch überzeugen, mit Fakten angereichert sind und zudem auch noch griffig formuliert sind.

Die Oligarchen von Davos. In Davos trifft sich eine Parallelgesellschaft, die die Grundsätze der Demokratie verachtet"…..

Geschickt nutzen die LINKEn dazu noch die Medienaufmerksamkeit, die ihnen ein mir namentlich nicht bekannter ZDF-Moderator bereitet.

Aber was ist nur mit den Grünen los?
Kann die alte junge Partei nicht ohne ihre seit Jahrzehnten erprobten Altvorderen?

Idiotischerweise haben die Grünen den kontinuierlich unterschätzten Spitzenkandidaten Jürgen Trittin zum einfachen Abgeordneten degradiert, während die schwere Religiotin Katrin Dagmar Göring-Eckardt, die hauptsächlich die letzte Wahlniederlage verursacht hatte, zur Fraktionsvorsitzenden aufstieg.
Katrin Göring-Kirchentag, die schon in der EKD mit der CSU kuschelte und durch dröhnende Langweile auffällt, wird für die Wahrnehmung der dezimierten Restgrünen ungefähr so hilfreich sein, wie ein Bleigürtel für einen Ertrinkenden.
Auch Claudia Roths Abschiebung auf den Bundestagsvizepräsidentenposten reißt eine gewaltige Lücke.
Selbst echte Polit-Maniacs wie ich können sich an keine politisch relevante Stellungnahme der neuen Bundesvorsitzenden Simone Peter oder des neuen Grünen Bundesgeschäftsführers Michael Kellner erinnern.
Im Bundestag fällt Anton Hofreiter durch lange Haare und debil wirkenden extrem langsam gesprochenen  Bayerischen Akzent auf. Und mal ehrlich; wenn ich nach der Ersten Parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen frage; wäre irgendeiner auf den Namen „Britta Haßelmann“ gekommen? Dabei ist das ein sehr einflussreicher Posten, mit dem große Namen wie Joschka Fischer, Peter Altmaier oder Thomas Oppermann verbunden sind. Lediglich der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Konstantin von Notz ist mir mit einigen Interviews und Artikeln positiv aufgefallen. Immerhin einer arbeitet also bei denen.

Des Weiteren ist mir nicht aufgefallen, daß von den Grünen ein einziger konstruktiver Vorschlag zu den aktuellen politischen Problemen gekommen wäre.
Haben die überhaupt eine Meinung zu Prokon, Sotchi, Syrien, der Energiewende, Pofalla oder der xenophoben Hetze aus Teilen der Union?
Gibt es irgendwelche Stellungnahmen der Grünen zum „No-Spy-Abkommen“, zu den Diskussionen über Prostitutions- und Sterbehilfeverbot?
Setzen sie sich noch für die rechtliche Gleichstellung Schwuler und Lesben ein? Haben sie eine Idee zum Ausbau der Energiegewinnung aus Braunkohle?
Am 25. Mai sind übrigens Europawahlen. Ein wichtiges Thema der anderen Parteien. Insbesondere die CSU macht massiv Stimmung gegen Brüssel.
Haben die Grünen schon davon gehört, daß diese Wahl ansteht. Gibt es dazu irgendwelche Überlegungen? Oder gar einen Kandidaten?

Erbärmlich, was die zweite Generation nach Fischer und Schily bei den Grünen leistet.

In Hessen wird mit dem rechtesten CDU-Verband Deutschlands koaliert.
Roland Kochs Kofferträger Bouffier, der alle ausländerfeindlichen Hetzkampagnen der Hessen CDU, die einst zig Millionen DM Schwarzgeld als „jüdische Vermächtnisse“ tarnte und bis heute nicht aufklärte woher das Geld stammte, darf jetzt mit Tarek Al Wazir an seiner Seite regieren, als ob die CDU eine absolute Mehrheit hätte.

Weiter so mit Bouffier
 […]  Eines kann man von der neuen Mannschaft des Volker Bouffier sicher nicht erwarten: einen „Politikwechsel“. Der CDU-Chef setzt dem Slogan, mit dem die Opposition aus SPD, Grünen und Linken im Wahlkampf losgezogen ist, genau das Gegenteil entgegen. „Weiter so“, lautet die Botschaft, die Bouffier mit seinem Personal aussendet.
Die alte Regierungsmannschaft der CDU ist im Wesentlichen auch die neue. Es sind genau jene Personen, die von den Grünen vor der Landtagswahl als „erschöpft und verbraucht“ gegeißelt wurden. Künftig sitzt man gemeinsam am Kabinettstisch des Volker Bouffier. […]

Noch erbärmlicher als in Hessen geben sich die Hamburger Grünen mit dem CDU-Liebchen Fegebank an der Spitze. Fegebank, die sich einst über die Räumung der FC-St.Pauli-Fanbar „Jolly Roger“ beklagte, die Innensenator Christoph Ahlhaus durchführen ließ, also DER Mann, den Fegebank selbst mit der schwarzgrünen Koalition ins Amt gebracht hatte, will sich jetzt allgemein gegen polizeiliche „Sonderzonen“ wenden.
Mehr Heuchelei war selten.

Hamburgs Polizei kann weiter eigenmächtig über den Erlass der umstrittenen Gefahrengebiete entscheiden. Grüne und Linke scheiterten am Donnerstag in der Bürgerschaft mit Anträgen zu einem Verbot dieser Sonderzonen. […]
Die alleinregierende SPD beschloss mit Unterstützung von CDU und FDP nur, dass die Polizei Gefahrengebiete künftig „in die jährliche Unterrichtung der Bürgerschaft“ einbeziehen muss, „um die regelmäßigen Möglichkeiten parlamentarischer Kontrolle auch dieser Maßnahme weiter zu verbessern“.
[…]  Für Grüne und Linke kann die Konsequenz aus dieser Aktion nur ein Verbot der Sonderzonen sein. „Hier hat die Polizei Politik gemacht“, kritisierte die Grünen-Innenexpertin Antje Möller. Das könne so nicht weitergehen.

Was für eine Heuchelei der Grünen!
Als die CDU-Alleinregierung die Gefahrenzonenregelung 2005 einführte hatten die Grünen nichts dagegen. Sie strebten sogar eine Koalition mit den Schwarzen an und machten auch während der GAL-CDU-Koalitionsjahre (2008-2010) nicht einmal ihren Mund auf. Kein Problem mit Gefahrenzonen.

Neben der großen 50.000-Mann-Gefahrenzone, die diesen Monat bundesweit Schlagzeilen produzierte, bestehen seit 2005 viele andere Dauergefahrenzonen.
Auch jetzt noch. Den ach so bürgerrechtlich engagierten Grünen ist das allerdings nie aufgefallen. Auch nicht in ihrer Regierungszeit.
Nun hängen sie sich in bemitleidenswerter Rückgratlosigkeit an die LINKE und beklagen eine Grundgesetzwidrigkeit, die offenbar seit neun Jahren ihrer Kenntnis entgangen ist.
Wer eine Dekade lang mit Tomaten auf den Augen durch das Parlament taumelt und mit den CDU-Hardlinern, die Schill zum Bürgermeister machten koalierte, sollte jetzt das praktische Taschengrabset auspacken und ein Loch ausheben, in das sie verschwinden könne.

Doch solche Sonderzonen gibt es weiterhin - allerdings von der breiten Masse unbemerkt. Die Linkspartei will die Gefahrengebiete jetzt verbieten.
So zum Beispiel in St. Georg: Bereits seit 1995 (!) besteht zwischen dem Hauptbahnhof und der Asklepios-Klinik eine polizeiliche Sonderzone. Anfangs nannte es sich noch "Gefahrenort", bis zur Gesetzesänderung 2005. Auch St. Pauli hat noch zwei aktive Gefahrengebiete.
Die Linkspartei will das jetzt beenden: Mit einem Antrag an die Bürgerschaft soll den Gefahrengebieten die Grundlage entzogen werden. Das Gesetz mit dem unattraktiven Namen "Norm §4 Abs.2 Satz 1 PolDVG" ermöglicht der Polizei, ohne richterliche Genehmigung eine Sonderzone zu beschließen. Diese muss nicht zeitlich eingegrenzt sein und der Beschluss muss auch nicht öffentlich bekannt gegeben werden.
Auch die Grünen wenden sich mit diesem Antrag an die Bürgerschaft. "Gefahrengebiete verschärfen Konflikte eher als deeskalierend zu wirken", sagte Antje Möller, innenpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion. "Alle anderen Bundesländer kommen ohne das Instrument aus. Das Hamburger Polizeigesetz bietet auch andere Möglichkeiten", so Möller.