Dienstag, 14. Mai 2013

Loving Christians Teil II



1987 war ich mal ein paar Tage in Beograd, fuhr durch das noch nicht zerbombte Serbien.
Das war richtig nett. Im Gegensatz zu den Nachbarländern, war nach meinem Eindruck die Stimmung einfach prächtig.
Die Leute hatten gute Laune. Sogar die Fahrten in den Trabbi-Taxis machten Spaß, weil die Fahrer immer vor Geschichten sprudelten.
Abends feierte man und ließ es sich in der wunderschönen Altstadt gut gehen.
Nun ja, offenbar habe ich mich ein wenig blenden lassen. Die folgenden Jahre verliefen bekanntlich ein wenig suboptimal in der Gegend.
Aber es ist eigenartig, wie ein paar persönliche Eindrücke als nachhaltige Vorurteile hängen bleiben.
Ich bin immer noch von einer Grundsympathie gegenüber Serben durchdrungen und registriere vermutlich Meldungen, die in mein Vorurteil passen, stärker als andere.
Kürzlich blieb ich in der Süddeutschen Zeitung kurz im Sportteil hängen (ich schäme mich auch) und las einen Artikel über den serbischen Top-Ten-Spieler Janko Tipsarevic. Er sei „Feingeist der Tennisszene“!

Er selbst hat ein Faible für anspruchsvolle Literatur, trägt Tätowierungen mit Sprüchen von Schopenhauer und Dostojewski, seine gespiegelte Brille ist sein anderes Markenzeichen. Ein serbisches Männerheft kürte ihn jüngst zum "Man of the Year".

[…]  Tipsarevic ist Malocher und Feingeist. Patriot und Weltbürger. Verschlossen und offen. Er liest Bücher über Psychologie. Und den Herrn der Ringe. Er spielt mit der Presse. Und verdammt sie. Er hängt mit Star-DJs wie Steve Angello ab. Und setzt sich für krebskranke Kinder ein. "Das Leben ist nicht schwarz oder weiß", sagt er, "es ist grau." […]  Tipsarevic kann herrlich selbstkritisch sein. Auf seiner Homepage hat er mal eine Art Brief verfasst, der an den jungen Tipsarevic gerichtet war. Er liest ihm regelrecht die Leviten.  Ein andermal hat er eingeräumt, er müsse mit der schweren Literaturkost kürzer treten. Die schweren Gedanken würden nur Zweifel fördern, und das kann man sich bei ihm tatsächlich gut vorstellen: Wie es in ihm brütet. Wenn er redet, redet er wohlbedacht, formuliert auch in Englisch anspruchsvolle Sätze, die selten stereotyp wirken. Was aber nicht bedeutet, dass er schlanke Gedanken nicht auch draufhätte. Als er in München gefragt wird, wie es zu seiner Tätowierung des Dostojewski-Spruchs "Schönheit wird die Welt retten" kam, der in japanischer Schrift den Unterarm ziert, sagt er verschmitzt: "Ich habe damit begonnen und konnte ja schlecht mittendrin aufhören." Humor hat dieser formidable Typ auch.

In der Tennis-Top-Ten gibt es einen zweiten, noch sehr viel bekannteren Serben, nämlich die Nummer 1, Novak Đoković. 
Nein für Tennis, interessiere ich mich wirklich nicht, aber selbst ich habe mitbekommen, daß Đoković nicht mit den herkömmlich tumben deutschen Sportlern zu vergleichen ist. 
Er spricht sechs Sprachen (sic!) fließend, kennt sich mit Kunst und Mode aus, tritt als UNICEF-Botschafter auf, brilliert als Sänger, führt eine Restaurantkette, unterhält die Weltpresse mit genialen Statements und ist nebenher auch noch der mit Abstand komischste Tennisspieler, der mit seinen Parodien und Schauspieleinlagen die Menschen rund um den Globus in Verzückung geraten läßt.

Mit Grausen denkt man da an die Doofbratze Boris Becker, dessen Twittermitteilungsdrang in diametralen Gegensatz zu seiner Bildung steht, so daß er sich immer wieder als Depp der Sportlerwelt enttarnt.

Also, Beweisführung abgeschlossen: Serbien ist toll!

Allerdings. (Es gibt ja immer ein „aber“)
Allerdings gibt es da einen kleinen Wermutstropfen. 
Die Serben sind natürlich auch religiös. Zu den gut sieben Millionen Serben gehört auch die Serbisch-Orthodoxe Kirche (serbisch Српска Православна Црква/Srpska Pravoslavna Crkva, abgekürzt СПЦ/SPC) und die Leute haben schwer einen an der Waffel.

Das Patriarchat in Belgrad sieht sich immer noch als eine Art Nationalkirche Großserbiens, bzw Großjugoslawiens und läßt keine Gelegenheit unversucht Streit anzufangen.
Gegen Homosexuelle zu hetzen, ist da nur eine Fassette des Hasses, den serbisch-orthodoxe Popen und Bischöfe zu bieten haben.
Aber von vorn.
Als Kirche des Königreichs Jugoslawien hatte die SPC im zweiten Weltkrieg unter der extremen Brutalität der katholischen Ustascha-Faschisten in Kroatien zu leiden.
Die extra aus dem Vatikan angereisten Folterspezialisten der Kroaten gingen so unfassbar gewalttätig gegen die orthodoxen Serbenchristen vor, daß vereinzelt die deutsche SS eingriff, um das Morden zu stoppen. 
Was die Katholiken anrichteten, war selbst den Nazis unter dem Totenkopfsymbol zu grausam.
Hunderte Priester wurden von Katholiken zu Tode gefoltert.
Diese Opfer führten aber zu einem für den kommunistischen Teil der Welt extrem freundlichen Umgang der Tito-Sozialisten mit der SPC. 
Man hatte auf derselben Seite gegen die katholischen Faschisten gekämpft. 
Die SPC wurde im Jugoslawienkrieg der 1990er Jahre zu einem extrem nationalistischen Spieler.
Patriarch Pavle der serbisch-orthodoxen Kirche reichte den Hauptkriegsverbrechern Radovan Karadžić und Ratko Mladić nur wenige Tage nach dem Massaker von Srebrenica geweihtes Brot. 
Wie so oft in der Geschichte der Menschheit, stehen christliche Kirchen eher an der Seite von Unterdrückern und Diktatoren und agitieren gegen deren Opfer und Freiheitsbewegungen.
 Wir kennen das aus Südamerika und auch die Syrischen Christen unterstützen das Assad-Regime.

Inzwischen hat Serbien eine demokratisch gewählte Regierung und die mögen einige Bischöfe gar nicht. 
Sie stehen an der Seite der extremen Nationalisten.
 Elf Millionen Serben weltweit bekennen sich zu dieser SPC.
Zwei Bischöfe haben in Serbien einen handfesten Skandal ausgelöst: Die Geistlichen drohten der Regierung in Belgrad und dem Parlament mit dem Tod, unter anderem mit einer symbolischen Totenmesse. […] Es muss ein gespenstischer Auftritt gewesen sein: Die serbischen Bischöfe Amfilohije und Atanasije lasen am Freitag bei einer Demonstration von Nationalisten in Belgrad eine Totenmesse für die Regierung und das gesamte Parlament.

Sie beließen es nicht bei dem symbolischen Akt, sondern drohten Regierungschef Ivica Dacic direkt mit einem ähnlichen Schicksal wie dem vor zehn Jahren ermordeten ersten demokratischen Ministerpräsidenten Zoran Djindjic. Am Samstag legte Amfilohije nach: "In der Regierung soll alles das absterben, was krank ist", sagte er der Zeitung "Politika".
Ganz reizend. Aber wenig überraschend, denn schon immer waren hohe Kleriker Meister im Verdrehen von historischen Fakten, Erschaffen von Mythen und logen sich die Welt so zu Recht, wie man am besten Hass und Zerstörung verursachen kann. 
Versöhnung mit ehemaligen Kriegsgegnern bekämpfen die Antagonisten der Nächstenliebe mit allen Mitteln.
Serbische Nationalisten und die serbisch-orthodoxe Kirche hatten auf den Belgrader Platz der Republik gerufen. Unter der Losung 'Wir bleiben in Serbien!' protestierten am vergangenen Freitag rund 3500Menschen friedlich gegen ein Abkommen Serbiens mit Kosovo. Doch dann traten zwei Bischöfe auf - und lösten einen politischen Feuersturm aus. Bischof Amfilohije schimpfte über das Abkommen zwischen Serbien und Kosovo, das auf Druck der EU zustande gekommen war. […] Doch sein Bischofskollege Atanasije setzte noch eins drauf.  […] Der streitbare Bischof [zog] eine Parallele zwischen Regierungschef Dacic und dessen 2003 wegen entschlossener Reformen ermordeten Amtsvorgänger Zoran Djindjic. 'Dacic interessiert das himmlische Reich nicht. So hat auch Djindjic gesprochen, und wie er geendet ist, möge Gott richten.'  […] Der Einfluss [der SPC] auf viele der gut sieben Millionen Einwohner des EU-Beitrittskandidaten Serbien ist kaum zu überschätzen: Einer Politika-Umfrage zufolge genießt die Kirche das höchste Ansehen aller gesellschaftlichen Institutionen - weit vor Regierung, Justiz oder Armee. […] Niemand hat über Jahrhunderte den Opfermythos eines allzeit bedrohten Serbien so gepflegt und trat dabei oft gleichzeitig für serbische Vormacht und Expansion ein wie die orthodoxe Kirche. Sie steht in byzantinischer Tradition und sieht sich ausdrücklich als Staatskirche. […] Schon 1982 trommelten führende Kirchenvertreter - darunter der heutige Patriarch Irinej Bulovic - zum Widerstand gegen einen angeblichen 'langsamen, gut geplanten Genozid' am 'serbischen Volk in Kosovo'. […] Mit einer Hetzserie bereitete der Mönchstheologe Atanasije Jevtic - der heute so radikale Bischof - im Kirchenorgan Pravoslavije 1983/84 mit erfundenen Vergewaltigungen serbischer Frauen durch Kosovo-Albaner und anderen Genozid-Schauermärchen den geistigen Boden für den späteren Krieg in Kosovo mit vor. […] Auch den Krieg in Kroatien und in Bosnien-Herzegowina bereitete die Kirche mit vor und unterstützte ihn. Die Bischöfe sahen im Autokraten Slobodan Milosevic 'das Versprechen ihrer Fantasien über einen Großserbischen (und Orthodoxen) Staat', stellte die Serbienforscherin Sabrina Ramet in einer Studie über die 'Politik der Serbisch-Orthodoxen Kirche' fest. […] Als im Bosnienkrieg Srebrenica 1995 in die Hände serbischer Einheiten fiel und Kommandeure ankündigten, Moscheen zu zerstören, feierte der orthodoxe Bischof Vasilije-Kacavenda das 'Wunder und die Gnade Gottes, dass die tapferen Kämpfer in drei Tagen die serbische Erde befreit haben, die von Türken besetzt war'. Die Kirche trat auch gegen das Abkommen von Dayton auf, das den Krieg in Bosnien beendete, weil damit das Projekt Großserbien erst einmal gestoppt war.

Bis heute verbreitet die serbisch-orthodoxe Kirche ihre Mythen und Verfälschungen im Religionsunterricht, auch staatliche Fernsehsender und viele Zeitungen multiplizieren sie unreflektiert. […] Nicht nur radikale Bischöfe wie Amfilohije und Atanasije greifen gern in die Politik ein. Ihr Oberhaupt, der Patriarch selbst, steht kaum zurück, wenn es um homophobe Parolen geht oder darum, die EU zu geißeln, wenn sie von Serbien Verhandlungen über eine Normalisierung der Beziehungen mit Kosovo fordert. Anfang April zog Patriarch Irinej gegen eine Einigung mit Kosovo zu Felde. […]
 (Florian Hassel, SZ vom 14.05.2013)

Montag, 13. Mai 2013

Homo homini lupus - Teil I



Auf Facebook habe ich just eine nur notdürftig getarnte NPD-Gruppe entdeckt, die gezielt Hasspropaganda und Ausländerhetze verbreitet.
Eins der rechten Hetzbilder dieser speziellen Gruppe habe ich „Facebook“ gemeldet.
Der erste denunziatorische Akt meines Lebens.
Aber nachdem ich es gewohnt bin Abmahnungen wegen meiner angeblich etwas kritischen Sicht auf die katholische Kirche zu bekommen [Wie kommen die bloß auf so eine Idee?], wollte ich einmal selbst versuchen gegen eine hochgradig menschenverachtende Gruppe vorzugehen.
Genützt hat es allerdings nichts.
Die Rückmeldung von Facebook lautete:
Foto nicht entfernt!  Danke für deinen Bericht. Wir haben das von dir gemeldete Foto geprüft und festgestellt, dass es nicht gegen die Facebook-Gemeinschaftsstandards zu Hassbotschaften, die u.a. Beiträge oder Fotos, die Menschen aufgrund ihrer ethnischen Herkunft, ihres Geburtslandes, ihrer Religion, ihres Geschlechts, ihrer sexuellen Orientierung, Behinderung oder ihres Gesundheitszustands angreifen umfassen, verstößt.
(Facebook 12.05.13)
Wie immer in solchen Fällen, möchte ich den Neonazis nicht durch Verlinkungen noch mehr Aufmerksamkeit schenken.
Wer sich aber mal so richtig kräftig vor Ekel übergeben will, der kann das tun, indem er auf Facebook nach der Gruppe 
„Es ist bereits Fünf vor Zwölf!!! Hört endlich auf mit dem Multikultiwahn“ 
sucht.
Es haben sich schon jede Menge Fans der Menschenhetze eingefunden. 
18.326 „Gefällt mir“-Angaben verzeichnen die Braunen.
Die Selbstbeschreibung der knapp 20.000 Gleichgesinnten liest sich wie eine bemüht harmlose Bestandsaufnahme.
„GEGEN Meinungsdiktatur und falsche Toleranz - FÜR Familie, Volk und Heimat!

Aufgabe: Unsere (...) angeführten Appelle sind nur Schlagwörter – mit einem “Gefällt mir-Klick” oder “teilen” werden diese Werte nicht verteidigt und Missstände nicht bekämpft. Kein Blog, keine Facebook-Gruppe, ja selbst politische Parteien werden allein mit dem Aufzeigen politischer Missstände und Fehlentwicklungen, aus unserer Sicht, nicht stoppen können, wenn zuvor die Mehrheitsbevölkerung nicht mehr gewillt und bereit ist, unsere heimatbewussten, (...) Werte zu leben."

Deutsche! Österreicher! Schweizer! Seid Ihr auch der Meinung, dass es so mit der Zuwanderung nicht mehr weitergehen kann? Wenn ja, empfehlt unsere Seite an all eure Freunde und veröffentlicht diesen Verweis um zu zeigen, dass wir gegen diese Masseneinwanderung und den Multikulti-Wahnwitz der etablierten Parteien sind.

Für den Erhalt unserer kulturellen und ethnischen Identität - für Familie, Volk und Heimat!

Beschreibung: Gemeinsam eine Gegenöffentlichkeit schaffen, lasst UNS den Zeitgeist bestimmen, statt von ihm bestimmt zu werden - für Familie, Volk und Heimat!“
(Es ist bereits Fünf vor Zwölf!!! Hört endlich auf mit dem Multikultiwahn)
Wohin solche Statements führen, kann man in München beim NSU-Prozess beobachten.
„Im Bereich der rechten Straft- und Gewalttaten gibt es, wie Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) vor einigen Wochen bereits im Interview mit dem Tagesspiegel angekündigt hatte, einen Anstieg. Die rechten Straftaten sind um 4,4 Prozent auf 17.616 Fälle gestiegen. Die Zahl der rechten Gewalttaten legte um 1,7 Prozent auf 842 zu. […]

Schlüsselt man den Bereich der rechten Straf- und Gewalttaten etwas weiter auf, sieht man einen Anstieg insbesondere im Bereich der fremdenfeindlichen Straf- und Gewalttaten (+ 16,5 beziehungsweise + 10,8%). Die Zahl der antisemitischen ist 2012 auch um 10,6 Prozent gestiegen. Die versuchten rechten Tötungsdelikte haben ebenfalls leicht zugenommen: Es gab sechs Versuche, eines mehr als 2011. […]   Die politisch links motivierte Kriminalität und Gewalt ist deutlich zurückgegangen.
Dabei wissen wir, daß nur ca jede dritte rechte Gewalttat überhaupt in der Kriminalitätsstatistik landet, weil Polizisten und Staatsanwaltschaften gezielt xenophobe Hintergründe verschweigen.
 Zweihundertsechsundsechzig. Diese Zahl hierzulande "untergetauchter Rechtsextremisten" ist seit Anfang der Woche bekannt. Sie stammt aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linkspartei – und sie sagt weniger aus über die tatsächliche Gefahr durch Neonazis als über die Probleme der Behörden damit. [….]  Manche Bundesländer sind eher lax darin, Neonazis in den Datenbanken auch als solche kenntlich zu machen.
Die Bundesregierung mit den selbst gerne mal xenophobe Töne anschlagenden Ministern Friedrich und Schröder erkennt die Majorität der Todesopfer noch nicht einmal als Opfer rechtsextremer Gewalt an.
Seit der Wiedervereinigung im Oktober 1990 bis Ende 2011 sind nach Recherchen der MUT-Redaktion und des Opferfonds CURA der Amadeu Antonio Stiftung 182 Menschen durch die Folgen menschenfeindlicher Gewalt ums Leben gekommen. Oft waren die Täterinnen und Täter in rechtsextremen Gruppen organisiert und sind mit ihrer Tat einer rassistischen, homophoben und/oder obdachlosenfeindlichen Gesinnung gefolgt. Oft genug hatten sie aber auch keinen offensichtlichen rechtsextremen Hintergrund, sondern handelten auf Grundlage eines diffusen rechten Weltbilds. Aufnahme in diese Liste fanden alle Mordfälle, die nach gründlicher Sichtung der Quellen aus rechtsextremen und rassistischen Motiven erfolgten oder wenn plausible Anhaltspunkte für diese Annahme bestehen. Dazu kommen solche, in denen Täterinnen und Täter nachweislich einem entsprechend eingestellten Milieu zuzurechnen sind und ein anderes Tatmotiv nicht erkennbar ist.

Seit Jahren monieren zivilgesellschaftliche Personengruppen aus Medien, Opferberatungsgruppen und auch Fraktionen im Bundestag, dass die von der Bundesregierung geführte Statistik zu Todesopfern rechter Gewalt nicht die tatsächliche Dimension der Gewalt rechtsextremer und rassistischer Tötungsdelikte widerspiegelt. […] Für die hohe Zahl an Todesopfern in der Bundesrepublik Deutschland sind, wie die Recherchen zu der aktuellen Todesopferliste gezeigt haben, nicht nur der sich bekennende augenscheinliche Neonazi, den die Behörden meistens fähig sind, in das rechte Spektrum einzuordnen, verantwortlich. Nein, vielmehr rührt ein Großteil der Gewalt auch von Bürgerinnen und Bürgern her, die zwar rassistische Vorstellungen haben, nicht aber dem rechtsextremen Spektrum zugeschrieben werden. […] Nicht ohne Grund kritisierte die Fraktion DIE LINKE zuletzt in einer Großen Anfrage vom 29. März 2011 (Drucksache 17/7161) die große Differenz zwischen staatlich anerkannten Opfern (47) gegenüber den Todesopferzahlen (137), die die ZEIT bzw. Tagesspiegel am 16. September 2010 veröffentlicht hatten. In einer Pressemitteilung des Bundestages vom 13. Oktober 2011 antwortet die Bundesregierung: „Die Tatsache, dass ein Täter oder Tatverdächtiger aus dem rechten Milieu stammt, reicht aus Sicht der Bundesregierung allein nicht aus, um ein Delikt als rechtsextremistisch motiviert zu bewerten und entsprechend als Fall ‚Politisch motivierte Kriminalität‘ (PMK) zu klassifizieren.“

Ausgehend von 182 Todesopfern ergibt sich demnach eine Differenz von 119 Todesopfern. 119 Opfer also, die von der offiziellen Regierung nicht anerkannt werden. „Noch immer gibt es eine erhebliche Diskrepanz zwischen den Zahlen der Behörden und denen der Amadeu Antonio Stiftung. Dabei ist der Umgang mit Rechtsextremismus seitens der Behörden unprofessionell und der Umgang mit den Opferzahlen würdelos“, sagt Anetta Kahane, Vorsitzende der Amadeu Antonio Stiftung. Auch die Morde, die von der terroristischen Neonazivereinigung „Nationalsozialistischer Untergrund“ verübt wurden, werden als „Döner-Morde“ heruntergespielt. Doch „hier wurden keine Döner ermordet“, sagt Sönke Rix, Sprecher der SPD-AG Strategien gegen Rechtsextremismus. „Rechtsextreme haben 10 Menschen allein aus rassistischen und menschenverachtenden Motiven ermordet. Die Opfer, die sich nichts zu Schulden haben kommen lassen, hinterlassen Familien und Angehörige. Der Begriff ‚Döner-Morde‘ wertet die Opfer und die Angehörigen ab“, so Rix weiter.
Wäre ich einen Hauch naiver, würde ich jetzt schreiben, Facebook solle sich schämen so eine Propaganda zuzulassen. 
Aber das ist ja offenbar üblich, daß gegenüber rechts sämtliche Augen, inklusive Hühneraugen zugedrückt werden.
Wir haben erlebt wie die Jugendministerin-Darstellerin Schröder den Initiativen gegen Rechtsextremismus den Geldhahn abdrehte und Gesinnungstests verlangte.
Aktuell erleben wir in Hamburg, daß selbst extrem erfolgreiche Aussteigerprogramme aus dem Rechtsextremismus von der Bundesregierung gekappt werden.
Verantwortung übernehmen – Abschied von Hass und Gewalt“ heißt das Programm, das unter anderem in Hahnöfersand läuft. Es richtet sich an rechtsextremistisch oder islamistisch orientierte Gewalttäter. Jetzt aber dreht der Bund dem Verein „Violence Prevention Network“ den Geldhahn zu.  Eine Rückfallquote von nur noch 13,3 Prozent, langfristige Einsparungen von 17100 Euro pro Knacki, bundesweit knapp 700 Teilnehmer seit 2001 – die vom Verein präsentierten Zahlen deuten auf eine Erfolgsstory hin. Eine Erfolgsstory, deren Ende in diesem Jahr geschrieben wird?  „Aus haushaltsrechtlichen formalen Gründen“ werde das Programm abgewickelt, schreibt „Violence Prevention Network“.
Es gibt keine intelligenten Rechtsradikalen.
Man muß schon eine gehörige Portion Doofheit und Verkommenheit mitbringen.
Offenbar verfügen aber viele Menschen über eine rudimentär-rassistische Veranlagung, die man triggern kann, wenn nur laut genug gegen Schwule/Juden/Ausländer/Behinderte/… gehetzt wird.
 Ihre Hetze gegen die völlige Gleichstellung von gleich- und gegengeschlechtlichen Ehen hat zu einer sprunghaften Zunahme der homophoben Gewalt geführt.
Je verunsicherter die Massen sind, desto leichter lassen sie sich verführen.
Präsentieren ihnen rechte Parteien, Kirchen oder ähnlich einflussreiche antihumanistische Organisationen ein Feindbild, greifen sie gerne zu einer Opfergruppe, über sie sie sich erheben können.
Tu Quoque ist kein Argument. Jeder muß vor seiner Tür kehren.
Aber Deutschland ist und bleibt aufgrund seiner Geschichte dazu verdammt besonders sensibel mit dem Thema umzugehen und Anfängen zu wehren.
Diese Bundesregierung versagt bezüglich des Rechtsradikalismus‘ sträflich und auf ganzer Linie.
Es ist sogar noch schlimmer. Sie befördert selbst Vorbehalte gegen Ausländer/Schwule/Schwarze, wenn sie sich einen politischen Vorteil davon verspricht. 
Unvergessen sind Merkels Agitation gegen Homoehe und Doppelpass, ihre massive Unterstützung für den 1999er „Wo kann man hier gegen Ausländer unterschreiben?“-Wahlkampf in Hessen, ihr Propagieren der „deutschen Leitkultur“ und die abfälligen Bemerkungen gegenüber südeuropäischen Ländern.
Merkel schweigt auch beharrlich zu Friedrichs, Kauders und Schröders Ausfällen.
Diese Frau ist eine Schande für Deutschland und die 70%-Zufriedenheitswerte mit ihr sind eine Schande für den deutschen Wähler.

Wenn es nicht so traurig wäre, könnte man zynisch von „ausgleichender Gerechtigkeit“ sprechen, daß Merkel ihrerseits in vielen Ländern zur bestgehassten Frau avanciert ist. 
Nur wenige Jahre nachdem Deutschland in internationalen Umfragen noch Spitzenwerte in der Beliebtheit errungen hatte.

Leider sind aber nicht nur die Deutschen blöd, sondern auch die vielgeplagten Griechen, gegen die Merkels Freundin Friede Springer so gerne hetzt (BILD: „Ihr griecht nix von uns!“).
Griechenland hat nicht nur mit seinen Staatsschulden zu kämpfen. In dem Land wächst die Fremdenfeindlichkeit, doch gewaltsame Übergriffe werden kaum registriert oder bestraft. […] Politische Spannungen erschüttern das Land; besonders beunruhigend ist der Erfolg der rechtsradikalen Partei Goldene Morgenröte. Dazu kommen massive gesellschaftliche Probleme, die teilweise mit den zahllosen Migranten zusammenhängen, die in den vergangenen Jahren aus Ländern außerhalb der Europäischen Union nach Griechenland gekommen sind.  Bei all diesen Schwierigkeiten wird eine andere Krise leicht übersehen. Die fremdenfeindliche Gewalt gegen Migranten und Asylsuchende in Athen und anderswo droht, außer Kontrolle zu geraten. Massenausschreitungen gegen Menschen aus Afghanistan und Afrika sind an der Tagesordnung, die meisten werden nicht einmal offiziell registriert.

Dagegen muss Griechenland in diesem Jahr unbedingt etwas tun, gemeinsam mit Deutschland und den anderen EU-Mitgliedstaaten. Die Übergriffe selbst sind massive Menschenrechtsverletzungen. Allerdings wiegt noch schwerer, dass die Verantwortlichen normalerweise nicht bestraft werden. Weder die Polizei noch andere staatliche Organe bemühen sich ernsthaft darum, die Täter zur Rechenschaft zu ziehen. Diese Straflosigkeit zerstört die Illusion, dass in dem mit dem Nobelpreis ausgezeichneten Europa Toleranz und Frieden regieren.

Human Rights Watch hat zwischen November 2011 und dem ersten Halbjahr 2012 Dutzende rassistische Übergriffe dokumentiert. Die Welle der Gewalt reißt nicht ab. […] Viele Menschen in Griechenland, auch einige in führenden Positionen, würden diesen Aspekt der Krise gerne ignorieren. Ihrer Ansicht nach hat das Land ohnehin schon zu viele Probleme. Sie glauben, die rassistische Gewalt würde von alleine abebben, wenn das defekte Asylsystem endlich reformiert ist und die Wirtschaft wieder wächst. Diese Ausflüchte mögen nachvollziehbar sein. Aber sie verschleiern, dass die Intoleranz zunimmt. Immer stärker richtet sie sich auch gegen andere verletzliche Gruppen, zum Beispiel gegen Homosexuelle.

Ebenso beunruhigend ist, dass einige Politiker anscheinend deshalb untätig bleiben, weil sie eine populistische Reaktion von der Partei Goldene Morgenröte fürchten. So bezieht kaum jemand Position gegen die massive Fremdenfeindlichkeit. Als wir dem griechischen Parlament im November 2012 unsere Untersuchungsergebnisse zu xenophober Gewalt vorstellten, bezeichnete ein Mitglied der Regierungspartei Ausländer, die nach Griechenland kommen, als "Kakerlaken".
 (Hugh Williamson, Human Rights Watch, 13.05.13)

Sonntag, 12. Mai 2013

Geistige Giganten des Konservatismus – Teil IV



Geistig zurückgebliebene Radikalinskis wie Palin und Bachmann, sowie bösartige ultrarechte Demagogen und Lügner wie Rubio und Ryan sind für die Wähler aus der Mitte einfach zu extrem.

Andererseits vertreiben die wenigen verbliebenen Republikaner, die noch halbwegs zurechnungsfähig sind – wie zum Beispiel der neue Verteidigungsminister Chuck Hagel oder der einstige Hoffnungsträger Chris Christie - die fanatisierten Teebeutler von den Urnen.

Schwer vorstellbar, daß sich demnächst eine republikanische Führungsfigur finden läßt, die wie einst Ronald Reagan das ganze GOP-Spektrum abdeckt.
Das Spektrum ist nämlich breiter und bunter geworden.

Langfristig wird eine zerfasernde GOP die Mehrheitsfähigkeit verlieren und den Demokraten wieder Mehrheiten in beiden Kongresskammern ermöglichen.
Sie könnten sich dann auch wieder ein bißchen nach links orientieren – so wie es sich die Basis wünscht.

Dann könnte es wieder voran gehen in Amerika.
Insofern bin ich froh über jeden rechtsextrem-religiösen Spinner im GOP-Lager, der sich und seine Partei mehr ins Aus schießt

Der vierte geistige Gigant des Konservatismus (GGK), den ich in dieser neuen Reihe vorstellen möchte bringt alles mit, das man sich von einem amerikanischen Fundi wünscht:
Charlie Fuqua, *1949, ist Republikaner, Baptist aus Batesville, Arkansas, studierte Jura in Fayetteville, Arkansas, (Abschluß 1993) und arbeitet seit 20 Jahren als Anwalt bei Thompson, Chase, Fuqua & Finch.
Der fromme Familienvater hat bereits einige Erfahrung in der Politik vorzuweisen. 1995-1998 saß er im Arkansas House of Representatives und kandidierte anschließend LEIDER ERFOLGLOS für den Arkansas State Senate.
Nach 14 Jahren politischer Pause wurde er erneut aktiv und bewarb sich wieder um einen Sitz im Parlament.
 Den District 63 verlor er allerdings letztes Jahr deutlich.
 Der Democrat McLean holte 69.6% der Stimmen, während der GGK-IV mit 30.4% abgeschlagen landete.
Und das in einem Wahlbezirk eines GOP-Staates, den er schon zweimal gewonnen hatte.
Wie konnte das passieren?
Seine politischen Aussagen waren eigentlich im Rahmen des Üblichen für einen GOPer im Teebeutler-Zeitalter. Muslims und Kommunisten aus den USA rauswerfen, sich nach der Bibel richten, Abtreibung generell verbieten.
There is a strange alliance between the liberal left and the Muslim religion. It may be that since both are the enemies of Christianity, that they both believe that, my enemy’s enemy is my friend. However there are several similarities between the two. Both are antichrist in that they both deny that Jesus is God in the flesh of man, and the savior of mankind. They both also hold that their cause should take over the entire world through violent, bloody, revolution. Both want to end freedom of speech so that their doctrine cannot be criticized. Neither can survive in a free marketplace of ideas. They both lack an understanding of the true nature of God. That is, that God wants us to freely choose to love, warship, and serve him because we understand that he loved us while we were in the unlovable state of complete rebellion to him. God does not want to force himself on anyone. Love for him must be a free choice. Both Communism and the Muslim religion want to deny man that choice.
(Charlie Fuqua, 25.09.2012)
Eigenartigerweise kamen seine brillanten Ideen zur Kindererziehung nach der Bibel nicht ganz so gut an. Dabei bezog er sich in seinem bahnbrechenden Buch „Gods Law For America“ doch auf GOTTES Anweisungen selbst. Genauer gesagt, auf des 5. Buch Mose, Kapitel 21, in dem alles so weise geregelt wurde.
Die Verstoßung eines Sohnes
Dtn 21,18
Wenn ein Mann einen störrischen und widerspenstigen Sohn hat, der nicht auf die Stimme seines Vaters und seiner Mutter hört, und wenn sie ihn züchtigen und er trotzdem nicht auf sie hört,
Dtn 21,19
dann sollen Vater und Mutter ihn packen, vor die Ältesten der Stadt und die Torversammlung des Ortes führen
Dtn 21,20
und zu den Ältesten der Stadt sagen: Unser Sohn hier ist störrisch und widerspenstig, er hört nicht auf unsere Stimme, er ist ein Verschwender und Trinker.
Dtn 21,21
Dann sollen alle Männer der Stadt ihn steinigen und er soll sterben. Du sollst das Böse aus deiner Mitte wegschaffen. Ganz Israel soll davon hören, damit sie sich fürchten.
Widerspenstige Kinder sollte man öffentlich töten lassen, schrieb der Christ Fuqua in seinem schlauen Buch.





Da er aber ein moderater, moderner Mann ist, proagiert er nicht einmal Massenmord an Kindern, sondern läßt es geradezu liberal klingen, wenn er beschwichtigend anfügt, es reiche durchaus ein paar Kinder abzuschlachten. Den anderen diene das dann schon als Beispiel. Der Mann hat ein Herz!
Er meint, es sei nicht nötig viele Kinder töten zu lassen. Allerdings seien die Hinrichtungen weniger Kinder ausreichend, um die anderen Kinder und ihre Familien zu mehr Disziplin zu bewegen.
(Humanist News)
Ja, was ist??
Wer sein Kind wirklich liebt, muß es auch züchtigen und ab und zu mal eins umbringen, wie es die vorbildliche Religion der Nächstenliebe vorschreibt.

Diese Ansicht sollten doch wirklich von den meisten Amerikanern akzeptiert werden, befand der GGK-IV.
In "God's Law," Fuqua's 2012 book, the candidate wrote that while parents love their children, a process could be set up to allow for the institution of the death penalty for "rebellious children," according to the Arkansas Times. Fuqua, who is anti-abortion, points out that the course of action involved in sentencing a child to death is described in the Bible and would involve judicial approval. While it is unlikely that many parents would seek to have their children killed by the government, Fuqua wrote, such power would serve as a way to stop rebellious children.

According to the Arkansas Times, Fuqua wrote:

    The maintenance of civil order in society rests on the foundation of family discipline. Therefore, a child who disrespects his parents must be permanently removed from society in a way that gives an example to all other children of the importance of respect for parents. The death penalty for rebellious children is not something to be taken lightly. The guidelines for administering the death penalty to rebellious children are given in Deut 21:18-21:

    This passage does not give parents blanket authority to kill their children. They must follow the proper procedure in order to have the death penalty executed against their children. I cannot think of one instance in the Scripture where parents had their child put to death. Why is this so? Other than the love Christ has for us, there is no greater love then [sic] that of a parent for their child. The last people who would want to see a child put to death would be the parents of the child. Even so, the Scrpture [sic] provides a safe guard to protect children from parents who would wrongly exercise the death penalty against them. Parents are required to bring their children to the gate of the city. The gate of the city was the place where the elders of the city met and made judicial pronouncements. In other words, the parents were required to take their children to a court of law and lay out their case before the proper judicial authority, and let the judicial authority determine if the child should be put to death. I know of many cases of rebellious children, however, I cannot think of one case where I believe that a parent had given up on their child to the point that they would have taken their child to a court of law and asked the court to rule that the child be put to death. Even though this procedure would rarely be used, if it were the law of land, it would give parents authority. Children would know that their parents had authority and it would be a tremendous incentive for children to give proper respect to their parents.

In the same book, Fuqua advocated for expelling Muslims from the U.S., saying it would solve what he described as the "Muslim problem." Fuqua, who has been backed by the state GOP and is seeking a comeback, has found himself under attack by Republicans since his comments surfaced at the same time it was reported that state Rep. Jon Hubbard (R-Jonesboro) endorsed slavery in his book. Fuqua told the Associated Press that he was surprised by the reaction to his writings on Muslims.

"I think my views are fairly well-accepted by most people," Fuqua said to AP.