Sonntag, 10. März 2013

Die Bayern auf dem Rechten Weg.



Walter Kardinal Kasper wurde am 05.März 1933 geboren und hat es damit so gerade eben noch geschafft ins Konklave zu rutschen. Fünf Tage nachdem Ratzi den Lafo machte, wurde Kasper 80 Jahre alt.
Im Interview mit der Katholiken-Zeitung „DIE ZEIT“ wird er beim Papa Toto zu einem Geheimfavoriten hochgejazzt.
Interviewerin ist allerdings die „Glauben & Zweifeln“-Ressort-Chefin Evelyn Finger, die grundsätzlich auf’s falsche Pferd setzt und beim Thema Religion jedes Mal wieder mit eklatanten Wissenslücken begeistert.
Kasper kennt, im Gegensatz zu Finger aber die Regel, daß man die Gelüste Papst zu werden weit, weit von sich weisen muß, wenn man seine Chancen wahren will. 
Frau Finger ficht das nicht an; sie führt das Interview auf dem Niveau einer Hauptschul-Schülerzeitung.
ZEIT: Aber wer wird nach und neben ihm neuer Papst? Bitte eine Prognose! Vielleicht Sie selbst? Manche behaupten, Sie seien Geheimkandidat.
Kasper:(lacht) Ganz sicher nicht.
ZEIT: Es heißt aber, die Papstwahl komme gerade noch rechtzeitig vor Ihrem 80. Geburtstag, sodass Sie wählbar sind und wählen dürfen.
Kasper:(lacht) Ja, das darf ich! Es handelt sich um genau fünf Tage. Denn wenn man vor dem 28. Februar, also vor der Sedisvakanz noch nicht 80 ist, dann darf man wählen. Ich werde am 5. März 80.
ZEIT: Was ist eine Sedisvakanz?
Aber wie verrückt ist die Personalie Kasper?
Nicht ganz so abwegig, wie man vielleicht denkt.
Der süddeutsche Küng-Schüler und Dogmatik-Professor gilt inzwischen, ähnlich wie Ratzinger im Jahr 2005, nicht mehr so sehr als Deutscher, denn als Römer.
 Seit 14 Jahren hat er die Vatikanische Staatsbürgerschaft und war Präfekt der Ökumene-Kongregation, die in der globalisierten Welt als besonders wichtig gilt.
Kasper führt als Kardinalpriester den zweithöchsten Kardinalsrang und ist heute noch Mitglied der Glaubenskongregation, der Kongregation für die orientalischen Kirchen, der Apostolischen Signatur, des Päpstlichen Rates für die Gesetzestexte und des Päpstlichen Rates für die Kultur.
Ich glaube auch nicht, daß er ganz so liberal ist, wie man ihm immer nachsagt – sonst hätte ihn Ratzi nicht noch vor zwei Jahren in einen höheren Kardinalsrang erhoben.

Gegen Kasper spricht sein Alter. 
Man möchte doch nicht noch mal so ein Kurzpontifikat. Allerdings ist er auch bei weitem nicht so gebrechlich wie die Kollegen Meisner (79) oder Lehmann (76).

Für mich wäre ein Kasper-Papst natürlich ein enormes Problem, da er von allen Kardinälen, die ich kenne noch der am wenigsten Widerliche ist.
Er könnte sicher Sympathien zurück gewinnen und ist diplomatisch bei weitem nicht so ungeschickt wie Ratzi.
Als politisch denkender Atheist, wäre mir hingegen ein häßlicher Ätztyp, der persönlich in Kinderfickervertuschungen verstrickt ist, willkommen.

Es ist meine ewige Furcht, daß der politische Gegner einen Rattenfänger mit viel Charisma aufböte.
Schließlich weiß ich wie begrenzt die Macht der Argumente ist. 
Die Majorität des Urnenpöbels ist dafür grundsätzlich nicht zugänglich und orientiert sich an diffusen Sympathien und dem öffentlich aufgebau(sch)ten Image entlang.
 
Wenn die Konservativen durch eigene Doofheit Wähler verprellen, ist das allerdings willkommen.
Heute hat CSU-General Doofbrindt wieder einmal über das Ziel hinaus geschossen und in offensichtlicher Unkenntnis der auch unter CSU-Anhängern mehrheitlich positiv betrachteten Homoehe, laut aufgejault.
Dabei ist die vollständige Gleichstellung von Homos und Heteros mit Sicherheit nur noch eine Frage der Zeit.
Den Baum, den Dobrindt nun wie ein wilder Affe hinaufklettert, muß er doch irgendwann wieder runter kommen und dann wird er blamiert dastehen.
 Nebenbei bugsiert Dobrindt auch die Kanzlerin in schwere See, da er ihr Antihomo-Machtwort ignoriert.
Sehr gut.
Bestimmt hätte Alexander Dobrindt einen prima CSU-Generalsekretär abgegeben. Vor 30 Jahren. Damals hätte er dem bayerischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß gedient, der als CSU-Chef den Spruch prägte: "Lieber ein kalter Krieger als ein warmer Bruder". Damals waren die christsozialen Feindbilder mit Blick gen Osten und in die Gesellschaft hinein noch klar.
Der Kalte Krieg ist lange vorbei, die Schwulen sind mitten in der Union angekommen - aber der CSU-Politiker Dobrindt tut einfach so, als sei das alles nicht passiert. "Die Union als Volkspartei hat die Aufgabe, der stillen Mehrheit eine Stimme zu geben gegen eine schrille Minderheit", sagte er der "Welt am Sonntag".
Die "schrille Minderheit"? Drei Viertel der Bevölkerung wünschen sich nach aktuellen Umfragen weitere rechtliche Erleichterungen für Homo-Ehen, das Bundesverfassungsgericht hat für sie gerade erst gesetzliche Verbesserungen bei der Adoption angemahnt.
Papperlapapp, sagt der CSU-Generalsekretär. "Konservativ modern sein heißt unbequem modern sein, weil man nicht nach dem Rhythmus des Zeitgeistes tanzt." Er weiß, was die Leute wirklich möchten, nämlich: "Die Menschen wollen keine Veränderung der Gesellschaft, in der Ehe und Familie nicht die Normalität sind."
[…]   Das Thema Homo-Ehe ist ohnehin schon ein heikles Thema für die Koalition. Und nun kommt auch noch Dobrindt und zerdeppert weiteres Porzellan.

Samstag, 9. März 2013

Babylonische Verwirrung.



Natürlich habe ich, insbesondere als ganz junger Mensch, in Gesprächen mit viel Älteren darauf insistiert, es sei doch unmöglich vom Verschwinden der Juden aus der Deutschen Öffentlichkeit nichts mitbekommen zu haben. Man versteht das heute nicht.
 
Aber das dritte Reich war willkürlich und nicht homogen. Was an einem Ort an der Tagesordnung war, kann woanders undenkbar gewesen sein.

Faszinierend waren für mich immer die Schilderungen dreier ungefähr gleichalter Damen zu vergleichen, von denen zwei in Wien und eine nördlich von Hamburg aufwuchsen.
 Ich war mit allen sehr gut befreundet und habe viele Jahre mit ihnen diskutiert.
Alle drei waren in der Nachkriegszeit politisch engagiert. Für die Demokratie, gegen die Wiederaufrüstung, gegen rechts.
Die Wienerinnen, Jahrgang 1917, erlebten den „Anschluß Österreichs“ als Studentinnen. Hitler kam über sie als sie schon erwachsen waren und entsprechende Kontakte zu zumindest widerständisch denkenden Professoren hatten. 
Es war gar keine Frage, ob oder warum man jüdischen Familien half. Man tat es einfach. Sie gehörten zu den Menschen, die sich von Anfang an keine Illusionen darüber machten, daß es einen schrecklichen Krieg geben würde.

Die junge Marion Dönhoff ist auch so eine Person, die schon als Abiturientin nach einer Begegnung mit Hitler (um 1927 oder 1928) vollkommen klar erkannte was blühen würde und schon damals niederschrieb, daß ihre ostpreußische Heimat in einem grausigen Krieg verloren gehen würde, wenn Hitler je an die Macht käme.

 Beide Damen aus Wien erzählten mir immer wieder, wie sehr sie sich später darüber wunderten gar keine Angst gehabt zu haben. Zum Teil schoben sie das auf ihre relative Jugend, aber insbesondere fühlten sie sich wohl von einem unsichtbaren Netz getragen. 
Man wußte nämlich ganz genau, wer gegen Hitler war, ohne daß man offen darüber gesprochen hätte.
Während einer Prüfung hatte zum Beispiel ein Professor die auf dem Schreibtisch stehende Hitler-Büste wenige Zentimeter zur Seite gedreht. Das war vollkommen ausreichend. Die Studenten wußten ganz genau was damit gemeint war. Daß er auch ein „Anti“ war.

Die Dame in Hamburg hingegen wurde erst nach dem Krieg wirklich politisch und hatte noch im Alter von über 20 schockiert reagiert, als ein Freund sie im Fronturlaub besuchte und unumwunden erklärte der Krieg sei verloren.
Es wurde das Trauma ihres Lebens – wie konnte ich übersehen was geschah? 
Das sollte ihr nicht noch einmal passieren und so verfolgte sie fortan intensiv das politische Geschehen.
Aber wieso hatte sie „nichts gemerkt“?
Ein paar Erklärungen gibt es. 
Anders als in Wien, begann die Hitler-Zeit in Hamburg schon Anfang 1933. Da war sie noch ein Mädchen und wurde sofort im BDM indoktriniert. Eine Jugendorganisation, die äußerst effektiv war. 
Zudem lebte sie außerhalb einer Stadt und hatte keine politisch denkende Freude. 
Mit Frauen wurde ohnehin nicht über so was gesprochen. In ihrem Elternhaus gab es zwar Einladungen, aber nach dem Essen gingen die Herren ins Herrenzimmer, um die politische Lage zu diskutieren, während die Ehefrauen im Damenzimmer Musik hörten und Handarbeiten machten.
So war das in den 1920er und 1930er Jahren.
Wer ein bißchen naiv veranlagt war, vertraute dem was ihm erzählt wurde.

Einmal begegnete ihre Jungmädel-Schar einem kleinen Trupp von Zwangsarbeiterinnen. 
Alle waren ehrlich schockiert über den Anblick der verstörten und ausgemergelten Frauen. (Sie gehörten, wie ich später herausfand zu einem Außenlager des KZs Neuengamme).
Die Mädchen empfanden ehrliches Mitleid und räteselten noch lange was für schlimme Verbrechen die Elenden wohl begangen haben müßten, um so eine Strafe zu verdienen.

Daß sie womöglich unschuldig sein könnten, kam niemanden überhaupt in den Sinn. 
Keiner fasste den Gedanken, daß irgendwas nicht mit richtigen Dingen zugehen könnte.

Wie kann es nun sein, daß „man“ auch, wenn man noch jung und naiv ist, auf so eine naheliegende Frage gar nicht kommt?

Nach reiflicher Überlegung bin ich zu dem Schluß gekommen, daß man dieses Problem a posteriori nicht wirklich beurteilen kann. 
Wir alle wissen nun einmal ganz genau was es mit dem Naziregime auf sich hatte und schließen in Mikrosekunden und unterbewusst auf ein Verbrechen.

Ich bin überzeugt davon, daß „der Mensch“ so gut wie nicht in der Lage ist sich Unwissenheit vorzustellen, nachdem er einmal wissend geworden ist.

Inzwischen gehöre ich selbst zu den älteren Menschen, die das gelegentlich Teenagern erklären müssen, daß es einmal Zeiten gab, in denen man nicht aus Bosheit, sondern aus purem Nichtwissen "Schlimmes" tat.

Rauchen während der Schwangerschaft, Plastikverpackungen, unangeschnallt Autofahren und zwar ohne Katalysator und Airbags.

Daß Astrid Lindgrens Pipi Langstrumpf einen Vater hatte, der „Negerkönig“ in Takatukaland war, ist niemanden als auch nur im entferntesten als ungehörig aufgefallen.
Heute tut es in den Ohren weh. 
Aber tatsächlich war das vor 40 oder 50 Jahren eine völlig normale Ausdrucksweise.
Es ist unsinnig Frau Lindgren deswegen Rassistin zu nennen.

Wer heute noch einmal Peter von Zahn-Fernsehreportagen aus den USA sieht, fällt natürlich darüber wie er die „Neger“ beschreibt und über die „Negerfrage“ orakelt. 
Aber das war die damalige Sprache, die man sich mit der heutigen Konnotationskraft gar nicht mehr neutral vorstellen kann. Es war aber so.
Es ist unsinnig Herrn von Zahn deswegen einen Rassisten zu nennen.

Denis Scheck, dessen großartige Sendung „Druckfrisch“ just zehnjähriges Jubiläum feierte, konnte es sich nach seiner Suada gegen die falsche sprachliche Korrektheit nicht verkneifen noch einmal nachzulegen.
Anläßlich des Jubiläums der Sendung besprach er diesmal nicht die aktuellen TopTen der SPIEGEL-Bestsellerliste, sondern die meistverkauften Bücher aller Zeiten.
Platz 5 (über 100 Millionen verkaufte Exemplare)
Agatha Christie: Und dann gabs keines mehr.

Zehn Menschen werden auf eine unbewohnte Insel eingeladen und finden dort einer nach den anderen Tod, weil sie in ihrer Vergangenheit schwere Schuld auf sich geladen haben. Der Clou: Der Mörder muss unter ihnen sein. Dieser Roman der momentan eher unterschätzten Agatha Christie wurde zum meistverkauften Krimi aller Zeiten. So reizvoll die aristotelische Einheit von Zeit, Ort und Handlung dieses Krimis auch ist: Dieser Ruhm ist sicher unverdient. Amüsant und spannend liest sich das im Original 1939 unter dem Titel "Ten little niggers" erschienene Buch aber immer noch.
„Nigger“? Normal 1939.
Es ist unsinnig Christie (1890 – 1976), die Schöpferin von Detektiv Hercule Poirot und Miss Marple eine Rassistin zu nennen. 
Vielleicht war sie etwas antisemitisch, weil sie insbesondere in ihren frühen Büchern Juden gerne schlecht aussehen ließ. Das müßte man genauer untersuchen, aber der Gebrauch der Vokabel „Nigger“, der ein Zitat des Zählreims „Zehn kleiner Negerlein“ aus dem Jahr 1868 war, macht keine Rassistin aus ihr.

Wieso ist dir das nicht aufgefallen, als du „Zehn kleine Negerlein“ in der Schule sangst, mag man mich jetzt fragen.
Heute kann ich es aber auch nicht mehr verstehen. Damals fiel es mir nicht auf.

Als ich auf das Gymnasium kam, lernten wir im Musikunterricht den Kanon kennen. Das machte mir großen Spaß und so sang ich eben auch den Caffee-Kanon, den Carl Gottlieb Hering (1766-1853) komponiert und getextet hatte.
Ganz normales Schulliedgut in modernen Hamburger Schulen.

C-A-F-F-E-E, trink nicht so viel Kaffee!..

....Nicht für Kinder ist der Türkentrank,

Schwächt die Nerven, macht dich blass und krank,

Sei doch kein Muselmann, der ihn nicht lassen kann.
Es ist unsinnig meinen damaligen Musiklehrer deswegen einen Rassisten zu schimpfen.

Ein anderer Spruch aus meiner Kindheit, der niemanden heute mehr über die Lippen käme wäre: „Benimm dich ordentlich, sonst kommst du ins Heim!“
Das war eine völlig übliche Redewendung, die man als Drohung benutze. 
Wenn ein Kind ungezogen war, mußte es ins Heim.
Welche Zustände in christlichen Kinderheimen herrschten, daß Kinder dort keineswegs aus eigenem Verschulden hingelangten und daß man sich darüber nicht lustig machen sollte, wußte nur eine sehr kleine Minderheit.
Meines Wissens war Ulrike Meinhof die erste Journalistin, die sich der Problematik der vielen Heimkinder annahm. Das Myriadenfache Elend der Kinder zu recherchieren ist ihr großes Verdienst.
 Aber Baader und Meinhof taugten aus bekannten Gründen nicht als Moralapostel, deren Anliegen man in breiter Öffentlichkeit wahrgenommen hätte. 
Es dauerte noch Jahrzehnte, bis es zu einem „Runden Tisch Heimerziehung“ kam.
Heute kriegt jeder Bauchgrimmen bei der Vorstellung von malträtierten, ausgebeuteten und sexuell missbrauchten Kindern in kirchlichen Heimen.
Es ist aber unsinnig deswegen jeden, der 1950 oder 1960 mit „dann kommst du ins Heim“ drohte zum Mitwisser von Kindesmissbrauch zu machen.

Das aktuellste Beispiel aus der Reihe „Darüber haben wir nie nachgedacht“ ist für mich die Genitalverstümmelung an kleinen Jungs.
Im letzten Jahr ist dieses Thema in diesem Blog immer wieder und in aller Ausführlichkeit beschrieben worden.
Wer sich die blutige Prozedur einmal auf einem Video angesehen hat und wer um die Todesfälle und verursachten Impotenzen durch die Penisbeschneidung weiß, kann einfach nicht mehr verstehen, wie es möglich ist so eine Barbarei zu erlauben.
Dabei ist es ja richtig, daß Juden, Moslems und anglosächsische Masturbationsgegner über Jahrhunderte, bzw Jahrtausende ihren Söhnen am Penis rumschnitten.
Warum habe ich mich noch nicht vor zehn oder zwanzig Jahren dagegen engagiert? 
Wieso dauerte es bis 2012 bis darüber eine öffentliche Diskussion entbrannte?
Daran hat „man“ eben gar nicht gedacht.
Auch das kann ich jetzt schon nicht mehr verstehen.
 Warum kam mir das früher nie in den Sinn? 

Kennt man einmal die richtige Frage, ist es automatisch undenkbar diese Frage nicht zu stellen.

Freitag, 8. März 2013

Das Volk ist schon viel weiter?


Moderne Politiker wie Seehofer oder Merkel haben keine unumstößlichen Überzeugungen mehr.

Strauß oder Kohl hätten sicherlich nie so viele Wenden und Verrenkungen mitgemacht.
Allerdings war damals die Welt noch einfacher. Unvernetzt und nicht globalisiert. 
Damals blieb man bei seinen Vorurteilen und stellte keine Fragen.

Heute gibt es viel weniger Stammwähler und Grundüberzeugungen.
In Bayern und Baden-Württemberg gibt es politisch äußerst aktive Ortsvereine der Grünen, die weitgehend aus ehemaligen CDU-, bzw CSU-Kommunalpolitikern bestehen.
FJS rotiert unter anderem deswegen in Lichtgeschwindigkeit.

Seine Meinung zu ändern ist allerdings nichts, das ich grundsätzlich kritisiere. 
 Im Gegenteil, ich halte es für klug, wenn man bereit ist dazu zu lernen.

Die parteipolitische Taktikerin Angela Merkel verschafft sich mit ihrer chronischen Vagheit außerdem enorme Handlungsspielräume, die sie dringend benötigt.
Ihre Agenda besteht nur aus einem Punkt, nämlich „ich mag gerne Kanzlerin sein!“. Diesem Hauptziel ordnet sie alles unter.
 Es braucht nur temporäre Festlegungen. 
Sie kann im Wahlkampf genauso gut für, wie gegen die Atomkraft argumentieren. 
Es ist ihr schlicht egal. Hauptsache, sie sitzt im Kanzleramt.
Merkels Wende-Fähigkeit ist taktisch klug und außerdem die grundsätzliche Voraussetzung für ihre chronische Unentschlossenheit.
Nur wenn man später einmal sich einander diametral widersprechende Konzepte gleich gut vertreten zu versteht, kann man es sich leisten erst als Allerletzte auf den fahrenden Zug aufzuspringen.
Ich verachte die Bundeskanzlerin keineswegs dafür, daß sie sich nicht entscheiden kann und keine Richtung vorgibt.
Aber ich verachte sie dafür, daß sie ständig das Gegenteil dessen behauptet und immer wieder von „alternativlos“ oder „bis hierhin und nicht weiter“ redet. Daß sie auf Parteitagen vom „christlichen Menschenbild“, welches sie leite, faselt.
Das ist natürlich eine glatte Lüge. In Wahrheit wird sie von gar nichts geleitet, sondern hängt ihr Fähnchen nach dem Wind, gibt stets den stärksten und reichsten Lobbyisten nach.

Bei Seehofer sind seine ewigen Wenden allerdings zum großen Teil weniger taktisch bewußte Handlungen, als vielmehr Ausdruck seiner psychopathischen Persönlichkeit, die von Antipathie und soziopathischem Umgang mit Mitarbeitern geprägt ist.
Glücklicherweise sind die „Mir-san-mir“-Bayern verrückt genug, das ewige Quertreiben und die chronische Unverlässlichkeit ihres Ministerpräsidenten als Zeichen von Unabhängigkeit und Stärke zu missverstehen, so daß die CSU in allen Umfragen zumindest der absoluten Mehrheit sehr nahe ist.
Auch Seehofer profitiert natürlich davon, daß seine Bajuwarischen Untertanten Internetanschlüsse haben und Trash-TV gucken, das in jeder Daily-Soap inzwischen ein sympathisches Schwulenpaar aufbietet und Umweltschutz nicht mehr für eine kommunistische Verirrung darstellt.
Seehofer und sein wichtigster Minister Markus Söder können heutzutage beide fremdficken und außerhalb ihrer Ehe Kinder zeugen, ohne daß es ihnen irgendwie politisch schadet.
Seehofer kann gerne bei der Frage der „Homo-Ehe“ den wilden Horst geben und sich als letzter Konservativer inszenieren. 
Wenn er damit auch wieder umfällt – und das ist nur eine Frage der Zeit – werden es ihm seine Anhänger nicht übel nehmen.
Laut ARD-Deutschlandtrend vom 07.03.13 finden 57% der Deutschen und 49% der Bayern die CSU ohnehin ZU konservativ.
66% der Deutschen insgesamt und sogar 52% der CSU-Fans sind für eine völlige Gleichstellung der „Homo-Ehe“mit der „Hetero-Ehe“.

Seehofer und seine Bayern-Minister können also bei dem Thema prima die ultrakonservative Basis umschmeicheln, ohne zu befürchten diese Position nach den Wahlen nicht doch ändern zu können.
Schwul ist cool. Das gilt auch in Bayern.

Aber noch nicht so ganz.

Wenn Homos Sozialdemokraten sind und tatsächlich Kinder aufziehen wollen, geht es dann doch zu weit.
 So viel Akzeptanz können die ehemaligen Strauß-Wähler noch nicht aufbringen.

SPD-Landrat Michael Adam denkt laut über die Adoption eines Kindes nach. In seiner Heimat Niederbayern gefällt das nicht jedem: In dem Online-Forum einer Lokalzeitung wird heftig gegen ihn polemisiert.

[…] "Wir denken auch mal über ein Kind nach", hatte Adam nach dem jüngsten Karlsruher Urteil zur Homo-Ehe dem BR gesagt. Er und sein eingetragener Partner, der auch Adams Namen angenommen hat, hätten sich "grundsätzlich mit der Frage Adoption immer schon beschäftigt."

Dass Adams Bekenntnis manchem auch missfällt, macht etwa ein Blick ins Onlineforum der örtlichen Passauer Neuen Presse deutlich: "Kinder haben in diesen Personenkreisen nichts zu suchen", wird dort polemisiert, "dann haben wir in ein paar Jahren Sodom & Gomorrha pur", schreibt jemand anderes. Und dann gibt es noch den Vorwurf, es zeige sich "mal wieder, dass Adam nichts auslässt, um öffentliche Aufmerksamkeit zu erhalten".

Donnerstag, 7. März 2013

Im Ausschlussverfahren.


Nun dauert es nicht mehr lange, bis sich die 115 Geronten im Rock in der Sixtina einschließen, um Ratzis Nachfolger auszusuchen.
Üblicherweise kursiert vor der Wahl eine Reihe von Namen, die als „Papabili“ gelten.
Es gilt aber auch die Regel „Wer das Konklave als Papst betritt, verläßt es als Kardinal“.
Das bedeutet, daß derjenige, der allzu heftig an den Gitterstäben des Petersdom rüttelt und „ich will da rein“ brüllt, nicht genommen wird.
Aus genau dem Grund war Ratzi auch in den letzten Jahren des Woytila-Pontifikats bemüht seine eigenen Ambitionen zu kaschieren und in jeden Journalistenblock zu diktieren, er freue sich auf den Ruhestand und wolle bloß noch ein paar Bücher schreiben.
Als mächtigster und erfahrenster Kurienkardinal kannte er diese Regeln natürlich wie kein anderer und wußte wie man es anstellt Papst zu werden.

Dieses Mal sind die alten Regeln etwas aufgeweicht, weil in 30 Jahren De Facto-Ratzinger-Herrschaft die theologische Pluralität weitgehend verloren gegangen ist.
Fast alle Kardinäle sind ohnehin Ratzingerianer und unterscheiden sich nur minimal voneinander.
Daher spielen auch Landsmannschaften eine untergeordnete Rolle.
Die zunehmende Bedeutung der südamerikanischen und Afrikanischen Katholiken, die inzwischen die große Mehrheit der Gläubigen ausmachen, glich Ratzi dadurch aus, daß er weit überproportional Europäer zu Kardinälen erhob.
Prognosen fallen also schwer, insbesondere wenn sie die Zukunft betreffen.

Man zäumt das Pferd jetzt von hinten auf und schließt eher die aus, die keine Papabili sind. Kleidchenträger in Ratzis Alter sind beispielsweise recht unwahrscheinlich, da bestimmt niemand die „Entmystifizierung des Papstamtes“ (Woelki) verstärken will, indem in zwei Jahren wieder einer keinen Bock mehr hat und ins Kloster ziehen will.

Nicht wirklich ideal ist es außerdem, wenn man als Bischof ganz direkt an Vertuschungen von Kinderfickereien beteiligt war, oder wie Kardinal O’Brian selbst Hand angelegt hat.

Ratzinger war wohl der Letzte, der mit so einer Vergangenheit locker davon kam.
Er lud persönlich schon als Münchner Erzbischof Schuld auf sich und sorgte in dem Vierteljahrhundert als oberster Glaubenshüter massiv für die Vertuschung von kinderfickereien im Talar.
Er drohte Bischöfen, die sich an die Staatsanwaltschaft wenden wollten 2001 in einem Schreiben sogar die Exkommunikation an.
Mutmaßliche Missbrauchsopfer aus Norditalien beklagen, Joseph Ratzinger habe als Präfekt der Glaubenskongregation von ihrem Leiden gewusst und nichts dagegen unternommen. […]
Wie die Genueser Tageszeitung "Il Secolo XIX" ("Das 19. Jahrhundert") am Montag berichtet, soll ein Priester im norditalienischen Savona von 1981 bis ins Jahr 2000 Jungen sexuell missbraucht haben. Joseph Ratzinger, damals Präfekt der Glaubenskongregation, soll über die Verdachtsfälle informiert worden sein - und nichts unternommen haben.
"Il Secolo XIX" veröffentlichte einen Brief des ehemaligen Bischofs von Savona, Domenico Calcagno, an Ratzinger. In dem Schreiben vom 8. September 2003 bittet er den Präfekten um einen Rat betreffs des Priesters G., den er im Amt belassen möchte. "Wenn es möglich ist, würde ich gern vermeiden, dass man ihn in Kontakt bringt mit Kindern und Erwachsenen." Dann fügt er fast beruhigend hinzu: "Bisher ist davon nichts zu den Zeitungen durchgedrungen und es liegen auch keine Anzeigen vor."
Ratzinger antwortet nicht und auch sonst scheint sich niemand verantwortlich zu fühlen. G. wird von einer Gemeinde in die nächste strafversetzt, hat aber stets enge Kontakte zu Jugendlichen. Im Jahr 1992 soll dem mutmaßlichen Sexualstraftäter sogar erlaubt worden sein, ein Zentrum für Kinder in Notlagen zu eröffnen.
[…] Francesco Zanardi beschreibt, wie er von 1981 bis 1986 von G. etwa hundertmal missbraucht wurde. Der Geistliche habe ihn auf sein Schlafzimmer gelockt, manchmal mit aufs Land genommen, bisweilen direkt in der Sakristei sexuell stimuliert und zum Geschlechtsverkehr gezwungen. "Er hat das immer auf die witzige Ebene gezogen, mir gesagt, dass sein Penis so klein sei und er mal vergleichen wolle, wie das bei mir so aussähe." Ähnliches berichtete ein mutmaßliches Opfer aus dem Jahr 2000.
[…]  Monsignore Calcagno ist heute Kardinal und wird im Konklave einen neuen Papst wählen. Im Juli 2007 ernannte ihn Benedikt XVI. zum Sekretär der Güterverwaltung des Apostolischen Stuhls. Er ist außerdem Mitglied der Kardinalskommission des "Instituts für die religiösen Werke", der Vatikanbank IOR, die wegen Verdachts auf Geldwäsche und Kooperation mit der Mafia immer wieder negative Schlagzeilen macht.
Laut "Il Secolo XIX" belegen die Dokumente, die von der Staatsanwaltschaft Savona im Februar 2012 in der Diözese konfisziert wurden, dass Ratzinger zwei Jahre vor seiner Wahl zum Papst von den Verdachtsmomenten wusste. Die Aussagen der mutmaßlichen Opfer legen nahe: Nicht nur der Bischof von Savona war über die Schandtaten informiert, sondern auch zwei weitere Bischöfe.
(Spon 04.03.13)
Heutzutage kommt das irgendwie nicht mehr so gut an.

Ich fände es angemessen, wenn so ein Missbrauchsvertuscher Papst würde – denn so käme das Giga-Problem in den Zenit der Aufmerksamkeit. Wo es hingehört. 
Bei jeder Auslandsreise würde Ratzis Nachfolger dann entsprechend empfangen werden und müßte befürchten verklagt zu werden.
Die Opfer-Organisationen SNAP, welche auch den sagenhaften ABUSE-TRACKER betreibt, tut allerdings dem Vatikan den Gefallen die „belasteten Kardinäle“ (welch Euphemismus!) zu nennen, so daß der Heilige Geist im Konklave vor den größten Fauxpas gewarnt ist.
Missbrauchsopfer veröffentlichen schwarze Liste der Kardinäle

Sie beschuldigen aussichtsreiche Papst-Kandidaten, sexuellen Missbrauch innerhalb der katholischen Kirche vertuscht und verharmlost zu haben: Eine Gruppe von Missbrauchsopfern veröffentlicht eine Liste, mit der sie zwölf Teilnehmern des Konklaves schwere Vorwürfe macht.

[…] Die US-Organisation Snap (Netzwerk der Überlebenden von Missbrauch durch Priester) wirft zwölf Teilnehmern des Konklaves verharmlosende Äußerungen zum Thema Missbrauch in der katholischen Kirche vor. Außerdem hätten sie pädophile Geistliche geschützt.

Die katholischen Prälaten müssten "aufhören zu behaupten, dass mit Blick auf sexuellen Missbrauch durch Kleriker das Schlimmste vorüber ist", fordert Snap-Vorstand David Clohessy. Die ganze Wahrheit über den "weit verbreiteten, lang dauernden und tief verwurzelten" Missbrauch müsse in vielen Ländern erst noch aufgedeckt werden.

[…] Zudem sprach sich die US-Organisation gegen die Wahl eines Mitglieds der römischen Kurie zum neuen Papst aus. "Nach unserer Überzeugung hat kein derzeitiger Vatikan-'Insider' den Willen, wirklich reinen Tisch im Vatikan oder anderswo zu machen", sagte Snap-Vorstand Clohessy.
Die Liste ist recht lang, wenn man alle Kurienkardinäle einschließt.
Die geheime Untersuchung über die Vatileaks-Affäre, die ein Schwulennetzwerk im Vatikan enttarnt haben soll und im Konklave vorliegen wird, dürfte weitere Papabili ausschließen.
Viele bleiben gar nicht mehr übrig nach dem Ausschlussverfahren. Die SNAP-Liste der am wenigstens schlimmen Papst-Kandidaten ist daher kurz.
Cardinal Peter Turkson of Ghana made the list for claiming there were few child molesting clerics in Africa because they didn't tolerate gay people there.



Cardinal Dominik Duka of Czech Republic was cited for claiming that only 10 per cent of accusations against priests are proven.



Efforts to maintain secrecy rather than report abuse to law enforcement also led to condemnation.



Cardinal Norberto Rivera Carrera of Mexico made the list for claiming there are no "documented" cases of abuse against minors in Mexico and allegedly concealing multiple child sex abuse allegations.



Cardinal Tarsicio Bertone of Italy was cited for saying "if a priest cannot confide in his bishop for fear of being denounced it would mean there is no more liberty of conscience" and blaming the child sex abuse epidemic on the "homosexual infiltration" of the clergy.



Cardinal Oscar Rodriguez Maradiaga of Honduras was blacklisted for opposing the reporting of clerical sexual abuse to civil authorities and for saying the US media was bent on "persecution of the church."



Three US bishops made the list for failing to protect parishioners from known abusers and undermining reform efforts: Cardinal Timothy Dolan of New York, Cardinal Donald Wuerl of Washington and Cardinal Sean O'Malley of Boston.



Cardinal Leonardo Sandri of Argentina was dismissed as a "consummate Vatican insider" who publicly supported a notorious Mexican abuser, Father Marcial Maciel.



Cardinal Angelo Scola of Italy was blacklisted for minimizing church wrongdoings and calling coverage of Benedict's role in the crisis an "iniquitous humiliation."



Cardinal George Pell of Australia was cited for claiming the church was a victim of "smears," insisting that there are no cover ups and for trying to seal a potentially damming court file.



Cardinal Marc Ouellet, of Quebec, Canada was cited for refusing to meet with sex abuse victims and brokering a deal which SNAP said let "wrongdoers determine their own punishment."


Some of these names we’ve criticized before. Some may surprise observers. A few of these prelates are considered by some Catholics to be “reformers.” We obviously disagree with this depiction.
Often, this handful of so-called “reformers” has benefited from diligent and savvy public relations professionals. Sometimes, they’ve enjoyed working in jurisdictions where it’s very hard for victims to take legal action – civil or criminal – so cover ups stay covered up. Sometimes, they’ve been helped immeasurably by the very low expectations bar set by a particularly disgraced predecessor. Sometimes, they’ve gotten the benefit of the doubt from many because they’re charming and charismatic glad-handers.
There are several reasons why several Americans are on this list. We suspect virtually every bishop on the planet has dealt with child sex abuse by clerics. We strongly suspect that virtually every Vatican veteran has too. We know nearly every US bishop has dealt with a lot of cases. And we know that these four Americans have dealt with many dozens or hundreds of cases for years and years.
They have also claimed, like many of their brother bishops across the globe, that they’ve “learned” more about abuse and cover up in recent years. (We strongly doubt this.) If so, then their actions should be substantially more proactive and compassionate and effective than the actions of prelates elsewhere. We do not see that happening, however.
Most of these men have earned a spot on this list because of what they've done. Some, however, are on this list because of what they've said. We in SNAP often say "Actions, not words, protect kids." Nonetheless, words do matter. And when bishops make hurtful or misleading public comments, it hurts on two levels.
First, it hurts on a practical level. When bishops make insensitive or deceitful statements about this crisis, it exacerbates the hopelessness and helplessness many victims, witnesses and whistleblowers already feel. And when victims, witnesses and whistleblowers become even more hopeless and helpless, they're even less likely to take action. That means that more predators remain hidden. And that means more kids are hurt.
Second, it hurts on an emotional level. Hearing well-educated and powerful men minimize and mischaracterize, for self-serving purposes, the horror of what we've endured, simply adds to our pain.
So when bishops misdiagnose and mischaracterize this crisis (by claiming it involves only "a tiny percentage" of priests, or by implying it's all about individual predator's crimes, not about collective complicity by the church hierarchy), it's both harmful and wrong. When bishops try to spread the blame and diffuse outrage by stating the obvious - "abuse occurs in every institution" - it's both harmful and wrong. When bishops overstate the extent and effectiveness of their feeble new policies and procedures and protocols, it's both harmful and wrong.
When bishops pretend that their actions are proactive, ignoring the fact that they've been forced to finally respond by criminal prosecutions, civil lawsuits, media exposés, parishioner pressure and their own insurers and public relations staffers, it's both wrong and hurtful.
In conclusion, we urge the College of Cardinals to elect none of these twelve as the next pope. And we urge them to stop pretending the crisis has abated.