Mittwoch, 19. Juni 2024

Der Weg zu Gott

Rudolf Gehrig (* 1993), Hardcore-Katholiban beim Cringe-Sender EWTN, wurde im radikalen Anti-Abtreibungs-Milieu sozialisiert, demonstrierte schon als Kind bei den „Marsch für das Leben“-Fanatikern. 



Aber im zarten Alter von 17 Jahren kam ihm und einigen Freunden plötzlich die Erleuchtung, wie man ein für allemal Schwangerschaftsunterbrechungen stoppt. Mit täglichen „Gebetsstürmen“ gemeinsam um 20 Uhr. Sein Motto: „Gebete sind die radikalste Form der Einmischung“.

AIAC - ABORTION IS A CRIME

[….]  Beten ist die radikalste Form, sich einzumischen. Dies sagte der 18-jährige Rudolf Gehrig aus Würzburg, als er in Meran den Preis des Lebens 2012 verliehen bekam. Er hatte mit zwei weiteren Jugendlichen im sozialen Netzwerk Facebook die Aktion AIAC (Abortion Is A Crime - Abtreibung ist ein Verbrechen) gestartet und eine Seite zum Lebensschutz eingerichtet. Seit über einem Jahr beten aufgrund dieser Initiative jeden Abend Jugendliche ein Vaterunser für das ungeborene Leben, für die Frauen, die den verhängnisvollen Schritt der Kindstötung schon getan haben, für alle, deren Leben bedroht ist [….]

(Kathnet, 25.05.2012)

Aus seiner Sicht offenbar logisch. Denn Gott liest nicht die Süddeutsche Zeitung oder folgt Rudis Facebook-Postings, aber er hört beruflich auf Gebete. Rudi musste ihm also nur mitteilen, daß einige Teenager in Unterfranken diese Vorbehalte wider des  Abruptio graviditatis hätten und mit einem Fingerschnipp könnte Gott das Problem abschaffen.

Dann geschah allerdings etwas völlig Unvorhergesehenes: Trotz der Gebetsstürme aus dem Lager der Pickligen und dieser radikalsten Einmischung in Gottes Angelegenheit, hörten die Abtreibung NICHT von eben auf jetzt auf!
Wie konnte das sein?

Wie sich herausstellte, soll man zwar dauernd beten, aber offenbar ist der einzige Zweck des Unterfangens, damit die Hände vom Masturbieren abzuhalten. Die Handlungen des Allmächtigen kann man aber nicht damit beeinflussen, da dieser a) ohnehin allwissend ist und somit gar nicht der Wunschübermittlung per Gebet bedarf, da er das ohnehin alles schon weiß und b) ist der Lauf der Dinge grundsätzlich nicht per Gebet zu beeinflussen, weil alles schon vorbestimmt ist.

Wer das als widersprüchlich empfindet, hat damit, c), einen weiteren Beweis der generellen Vorbestimmtheit, da Gottes Wege unergründlich sind.

Man sollte also Gott einfach nicht so mit der Beterei auf den Sack gehen, obwohl er natürlich schon weiß, daß ihm auf sein Gehänge getreten wird, weil es vorbestimmt ist. Vermutlich nerven ihn daher Gebete, Gottesdienste und Pilgerreisen umso mehr.

Diese ganze Pilgerreiserei ist dem Allmächtigen möglicherweise ohnehin zu penetrant.

Wenn Christen in Busladungen anrücken, fühlt sich der Mann im Himmel gestört.

Muß man verstehen. In seinem Alter. Dank seiner Superkräfte, kann er sich aber auch mal dieser lästiger Bittsteller entledigen, wenn sie zu sehr nerven.

 

[….] Tragisches Ende einer Pilgerfahrt: Bei einem schweren Busunglück am ungarischen Plattensee sind in der Nacht zu gestern 19 Reisende aus Polen ums Leben gekommen, unter ihnen zwei Kinder. [….]  Der Reisebus aus Lublin war auf dem Weg zum Marien-Wallfahrtsort Medjugorje in Bosnien-Herzegowina. […..]

(HH Abla, 02.07.2002)

 

[….] Mindestens 13 Menschen sind am Freitag beim Zusammenstoß eines Busses mit einem Lastwagen nahe dem ostpolnischen Bialystok ums Leben gekommen.

Elf der Opfer sind Jugendliche, die auf Pilgerfahrt unterwegs zum Wallfahrtsort Tschenstochau waren. [….]

(FAZ, 30.09.2005)

 

[….]  Pilgerfahrt in den Tod: Ein Bus mit polnischen Pilgern ist am Sonntag in den französischen Alpen in ein Tal gestürzt und ausgebrannt[….] 26 Insassen starben. Die anderen 25 wurden schwer verletzt. Vielen von ihnen wurden nur wenig Überlebenschancen eingeräumt. „Die Opfer mit schweren Verbrennungen wurden mit Hubschraubern zu Spezialkliniken in Marseille und Lyon transportiert“, teilte die Präfektur mit. [….] „Überall liegen Leichen. Das ist wie das Ende der Welt. So etwas habe ich noch nie gesehen“, sagte ein Augenzeuge dem Sender France-Info. Mehrere Opfer wurden von den Fluten der Romanche mitgerissen und konnten erst nach stundenlanger Suche geborgen werden.

[….] Die jetzt verunglückten 49 polnischen Pilger und zwei Busfahrer waren auf der Rückreise von einer Tour zu katholischen Pilgerorten in Frankreich und auf der iberischen Halbinsel. Sie hatten die Nacht in Notre-Dame-de-la-Salette etwa 50 Kilometer südlich von Grenoble verbracht. Dort findet gerade eine Begegnung von Priestern und Gläubigen aus Polen, Russland, der Ukraine, Großbritannien und Frankreich statt. [….]

(dpa, 22.07.2007)

 

[….] Tödliches Ende einer Pilgerfahrt. Auf dem Rückweg von dem portugiesischen Marien-Wallfahrtsort Fátima sind bei einem Busunglück im Osten des Landes 15 Rentner getötet und 23 verletzt worden, 5 von ihnen schwer. Die 60 bis 75 Jahre alten Opfer, allesamt Portugiesen, gehörten der Seniorengruppe einer Erwachsenen- Universität an. [….]

(Handelsblatt, 06.11.2007)

 

[….] Tödliches Ende einer Pilgerreise. Ein voll besetzter Reisebus rast auf einer Autobahn in der Nähe von Neapel in ein Stauende und stürzt von einer Brücke. Mindestens 38 Menschen kommen ums Leben.

[….] Die Reisegruppe hatte eine Pilgerreise in den Ort Pietrelcina unternommen und befand sich auf der Rückreise nach Neapel. [….]

(taz, 29.07.2013)

 

[…] Tragisches Ende einer Pilgerreise: Bei einem Busunglück sind im Südosten Spaniens mindestens 14 Menschen ums Leben gekommen. Mehr als 40 weitere Insassen des Busses wurden verletzt. Das Unglück war der schwerste Busunfall in Spanien seit mehr als zehn Jahren.

Der Bus war in der Nacht in der Nähe von Murcia von der Fahrbahn abgekommen und eine 15 Meter tiefe Böschung hinabgestürzt. Die Ursache ist noch unklar. Die Insassen des Busses waren auf dem Rückweg von einer Pilgerreise nach Madrid.

Der 36-jährige Gemeindepfarrer, der die Reise organisiert hatte, war nach Angaben der Rettungsdienste unter den Toten. [….]

(Stuttgarter Zeitung, 09.11.2014)

 

[….]  Pilgerreise in Madagaskar. [….] Bei einem schweren Busunglück auf dem afrikanischen Inselstaat Madagaskar sind 21 Menschen ums Leben gekommen und 118 verletzt worden.

An Bord seien junge Christen auf dem Weg zu einem Jahrestreffen gewesen. [….]

(Blick, 01.08.2017)

 

Aber auch die Kirchen selbst sind nicht gerade sicher. Gott ist berüchtigt für seine Launen.

 

[….] Tödlicher Granaten-Angriff in Diplomaten-Kirche. Die Terroristen stürmten während der Predigt ins Gotteshaus und warfen Handgranaten: Bei einer Terror-Attacke auf eine Ausländer-Kirche in Islamabad sind mindestens fünf Menschen getötet worden, darunter zwei Amerikaner. [….]

(Spon, 17.03.2002)

 

[….] Bei einer blutigen Geiselnahme in einer irakischen Kirche sind in der Nacht zum Montag 55 Menschen ums Leben gekommen. Die ehemalige Umweltministerin und christliche Aktivistin, Pascale Warda, sagte, 50 Christen seien in der Sajjidat-al-Nadscha-Kirche getötet worden. Mit ihnen starben fünf Geiselnehmer und mehrere Angehörige der Sicherheitskräfte. [….]

(Welt, 01.11.2010)

 

[….] Beim Einsturz einer Kirche in Uyo im Süden von Nigeria sind Dutzende Menschen ums Leben gekommen. Regionale Medien gaben die Zahl der Todesopfer zwischen 50 und 200 an.

Die amtliche Agentur NAN berichtete am späten Samstagabend von insgesamt 60 Toten, andere Agenturen von bis zu 200. Auch Stunden nach dem Unglück bargen Suchmannschaften Opfer aus den Trümmern des Gotteshauses, das am Samstagmittag aus noch unbekannter Ursache während eines Gottesdienstes eingestürzt war.

Augenzeugen berichteten, das noch im Bau stehende Gebäude sei mit Gläubigen voll besetzt gewesen. Rund 30 Minuten nach Beginn des Gottesdienstes sei zunächst das Dach eingestürzt, ehe das gesamte Gebäude zusammenfiel. [….]

(BZ, 11.12.2016)

 

[….] Tödlicher Unfall in der Kirche Santa Croce in Florenz. Herabfallende Steine haben einen spanischen Touristen in der berühmten Kirche Santa Croce in Florenz erschlagen. Die Kirche wurde nach dem tragischen Unglück geschlossen. [….]

(BR24, 19.10.2017)

 

[….] Bluttat im Gottesdienst – Texas trauert um 26 Tote

[….] Pastor Frank Pomeroy ist an diesem Sonntag nicht in der Kirche. Aber seine 14-jährige Tochter sitzt im Gottesdienst. Es ist Mittag in Sutherland Springs im US-Bundesstaat Texas. Draußen steigt in diesem Moment ein Mann aus einem Auto. Er ist ganz in schwarz gekleidet, trägt eine kugelsichere Weste. In seiner Hand hält er ein Gewehr. Er schießt. Dann betritt er das Gotteshaus. Er schießt weiter. Mindestens 26 Menschen sterben. Zahlreiche weitere werden verletzt. Das jüngste Opfer ist fünf Jahre alt, das älteste 72. [….]

(dpa, 06.11.2017)

 

[…..] Tote nach Attentat auf Gottesdienst in Nigeria. Mindestens 16 Menschen sind bei einem Attentat im Süden Nigerias gestorben. Nach dem Neujahrsgottesdienst haben Unbekannte das Feuer auf die Gläubigen eröffnet – wer die Täter waren, ist noch unklar. […..]

(katholisch.de, 02.01.2018)

 

[….] Ruanda: 16 Tote nach Blitzeinschlag während Gottesdienst. Ein Blitz hat in Süden Ruandas während des Gottesdienstes in einer Kirche eingeschlagen. 16 Menschen starben, mehrere wurden verletzt. [….]

(Morgenpost, 11.03.2018)

 

Was will uns Jesus („Gott ist Liebe“) mit all den Massakrierten im Gottesdienst eigentlich sagen?  Offenbar ist es lebensgefährlich christliche Gottesdienste zu besuchen.

Vorzeitig zu fliehen, kann aber auch tragisch enden.

 

[…] Drama am Rande eines Gottesdienstes in Glinde bei Hamburg: Zwei Kinder sind am Freitagmittag in ein Regenrückhaltebecken gefallen und untergegangen. […] Stundenlang kämpften die Ärzte um ihr Leben – vergeblich. […] Nach ersten Erkenntnissen hatten die Kinder (5 und 6 Jahre alt) einen großen Gottesdienst in einem nahegelegenen Hotel verlassen, mit dem Hinweis, auf die Toilette zu müssen. […] In dem Hotel habe eine europaweite Veranstaltung einer afrikanischen christlichen Gemeinschaft mit etwa 300 Teilnehmern stattgefunden, so der Feuerwehrsprecher. Der anwesende Priester habe nach dem Unfall die Seelsorge übernommen. Zwei Frauen, vermutlich die Mütter der Kinder, seien kollabiert und ebenfalls ins Krankenhaus gebracht worden, sagte der Sprecher. […]

(Mopo, 11.08.18)

G*tt kann aber mit seinen Christenschafen noch froh sein. Denn die Luschis beten immer weniger, gehen seltener auf Pilgerreisen und in Gottesdienste.

Kollege Allah ist komplett am Arsch, weil seine Schafe beten und pilgern MÜSSEN.

Das nervt ja mal richtig! Dabei gibt auch Allah klare Signale, was er vom ewigen Ringelreih-Tanz um die Kaaba in Mekka hält.

[….] Die Statistik zeigt die Anzahl der Todesopfer bei Unglücken während der muslimischen Pilgerfahrt Hadsch im Zeitraum der Jahre von 1990 bis 2015. Bei der Massenpanik in Mina nahe Mekka am 24. September starben mindestens 717 Pilger. Laut Behördenangaben entstand die Massenpanik, als sich zwei Pilgergruppen auf dem Weg vom und zum Ort der symbolischen Teufels-Steinigung an einer Wegkreuzung in die Quere kamen. Der Hadsch ist die jährliche Pilgerfahrt gläubiger Muslime nach Mekka, an der laut Koran jeder Muslim einmal in seinem Leben teilnehmen soll. Er ist die fünfte Säule des Islam.   […..]

(Statista Research Department, 24.09.2015)

Die 2024er Hadsch verspricht wieder einmal besonders tödlich zu sein, da es im Land der weltweit größten Erdölreserven, also einem der Hauptverursacher der Klimaerhitzung, immer heißer wird.

[….] In der Großen Moschee von Mekka, an der Kaaba also, zeigte das Thermometer bis zu 51,8 Grad an. So meldete es das saudische Staatsfernsehen. Eine Temperatur, die Menschen gefährlich werden kann, ihr Körper kann sich nicht mehr abkühlen, sie erleiden einen Hitzschlag. Die Regierung des Königreichs mahnte die Pilger, den Kopf zu bedecken, genügend zu trinken, nicht allzu lange in der Sonne zu bleiben. Bloß gehört eben das, viele Stunden in der Sonne zu verbringen, zu den Ritualen – sie finden draußen statt. […..] Es ist nun die Klimakrise, die den Unterschied zeigt. Mit Geld, dem Zugang zu klimatisierten Räumen also oder zu medizinischer Versorgung, steigen die Chancen, den Hadsch zu überleben, das heilige Ritual an einem heißesten Orte der Welt. [….]

(SZ, 19.06.2024)

Mal sehen, ob der Rekordwert von 1990, als 1.426 Menschen bei der Hadsch starben, dieses Jahr überboten wird. An die Tausend Leichen sind schon gezählt.

[….] Wegen der extremen Hitze während der muslimischen Pilgerfahrt Hadsch in Saudi-Arabien sollen bereits mehr als 900 Menschen ums Leben gekommen sein. Allein aus Ägypten seien mindestens 600 Pilger wegen der hohen Temperaturen von bis zu 51,8 Grad gestorben, sagte ein arabischer Diplomat am Mittwoch der Nachrichtenagentur AFP. Viele Angehörige suchten die Krankenhäuser verzweifelt nach vermissten Pilgern ab und befürchteten das Schlimmste.  […..]

(RP, 19.06.2024)

Allahu Akbar!

Halleluja.

Dienstag, 18. Juni 2024

Schlussstrich unter die Wiedervereinigung

Den Beitritt der DDR am 03.10.1990 zum Staatsgebiet der BRD kann man rein finanziell schwer bilanzieren, weil sich so etwas wie „Friedensdividende“ schlecht auf den Euro genau ausrechnen lässt.

Natürlich wurden dennoch immer wieder solche Bilanzen aufgestellt.

Fest steht eins: Alle Versprechen der CDU und CSU, von den „blühenden Landschaften“, die man „aus der Portokasse“ bezahlen könne, waren allesamt gelogen.

Man kann ihnen noch nicht einmal zu Gute halten, es damals nicht besser wissen zu können, weil die SPD es ja besser wußte und schon ihr 1990er Kanzlerkandidat Lafontaine völlig zutreffend vorhersagte, welche enormen Kosten und Anstrengungen auf uns zukommen würden.

(Das war damals noch der ehrliche und seriöse Lafontaine, lange bevor er ins rechtspopulistisch-völkische Schwurbeln abdriftete.)

Die Deutschen und insbesondere die Ossis wollten aber 1990 von der schnöden Realität nichts wissen, straften die ehrlichen Politikangebote ab, begeisterten sich stattdessen für die rechten Lügner und deren haltlose Versprechen.

Das ist eben Demokratie: Diktatur der Inkompetenz; die Doofsten entscheiden.

Die letzte Landtagswahl (Bayern 2023) verlief nach dem gleichen Muster.

In den knapp 34 Jahren nach dem 03.10.1990 flossen gewaltige Transferströme von West- nach Ostdeutschland.  Inzwischen deutlich über 2 Billionen Euro, also 2.000 Milliarden. Zwei Millionen Millionen. Der größte Anteil davon sind Sozialleistungen, die über Transfers in der Renten- und Arbeitslosenversicherung finanziert werden.

[…..] Vor 30 Jahren, am 1. Juli 1990, sind per Staatsvertrag zwei souveräne deutsche Staaten – die Bundesrepublik Deutschland (BRD) und die Deutsche Demokratische Republik (DDR) – eine Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion eingegangen. Zum Jubiläum der Maueröffnung wurde häufig über Unzufriedenheit mancher Bürger der neuen Bundesländer berichtet. Ist dieser Unmut gerechtfertigt? Nach drei Jahrzehnten und geschätzten Kosten von mehr als zwei Billionen Euro liegt die Frage nahe: Kann man bei der Wiedervereinigung von einem ökonomischen Erfolg sprechen?  [….]

(Prof. Michael C. Burda, 2020)

Schon vor 30 Jahren warnten unsere Klügsten, wie beispielsweise Hildegard Hamm-Brücher, vor der Verwendung pauschalisierender und abwertender Begriffe, wie „Jammer-Ossis“ und „Besser-Wessis“. Und tatsächlich, wir Westler hatten natürlich nach 1945 Glück, während die Ossis zum Warschauer Pakt gehörten und kaum Freiheiten genossen. Ja, daraus könnte man partiell das Recht ableiten, den westlichen Wohlstand schnell per Transferleistung und nicht, wie im Westen selbst, durch 45 Jahre harte Arbeit zu erlangen.

Möglicherweise hätte die DDR sonst niemals zum Westen aufschließen können.

Dagegen sprechen allerdings die anderen ehemaligen Warschauer Pakt-Staaten, die wie Polen oder die drei baltischen Republiken, keine Billionen von westlichen Bruderstaaten erhielten und dennoch ein höheres Wirtschaftswachstum und eine sehr viel bessere Digitalisierung aufweisen.

Nach 34 Jahren bekommt der Begriff „Jammer-Ossi“ mehr Berechtigung, denn je. Man muss inzwischen schon über 50 Jahre alt sein, um noch als Erwachsener das DDR-Regime erlebt zu haben. Die meiste Lebenserfahrung wurde inzwischen in der BRD erlangt. Die ständigen Geldtransfers aus dem Westen wurden nicht nur zur Sucht, sondern es schlich sich tatsächlich ein permanentes Jammern darüber ein, nicht genug zu bekommen – gepaart mit aggressiven Neid gegen alle, die vermeidlich auch Geld bekommen.

Hinzu kommen die Milliarden, die aus der EU in die ehemalige DDR fließen. Befragt man Bürger in den Städten und Gemeinden, die regelrecht mit Geld aus Brüssel überschüttet wurden, jammern sie, das sei zu wenig, andere bekämen zu viel und wählen deswegen die Dexit-Partei AfD.

(…..) […..] Überall im Ort profitieren die Menschen von den Fördermitteln aus Brüssel. Und trotzdem ist die AfD hier bei der Europawahl stärkste Kraft geworden. 38 % für eine Partei, die die EU in ihrer jetzigen Form abschaffen will. EU-Skepsis, EU-Ablehnung, auch bei den Menschen, die mit uns reden. […..]  Das nahe gelegene Chemnitz wird 2025 sogar europäische Kulturhauptstadt. […..] Sven Schulze (SPD), Oberbürgermeister Chemnitz: "Wir haben ja ganz massiv profitiert von Städtebauförderung. Das ist Umgestaltung von Wohnquartieren, das sind Schulen, das sind Kindergärten, das ist auch die Revitalisierung unseres Umfeldes. Es ist geholfen worden, die Wirtschaft umzugestalten, einen Transformationsprozess zu ermöglichen. Das dazu geführt hat, dass wir jetzt wieder genauso viele Industriearbeitsplätze hatten wie zum Ende der DDR. […..] Tausende Projekte wurden in der Stadt mit EU-Mitteln realisiert. Es flossen Gelder für Busse, Bahnen, Häuser, Straßen, Wirtschafts- und Sozialprojekte. Zum Beispiel für die Sanierung des Verbindungstunnels unter dem Hauptbahnhof 294.000 Euro. Oder für die Fernwärme in der Zietenstraße: 960.000 Euro. Und für den Weinhold-Bau der Technischen Universität zahlte die EU sogar 32,7 Millionen Euro. Seit 2000 hat allein die Stadt Chemnitz laut Wirtschaftsministerium 914 Mio. Euro aus Brüssel bekommen. Ganz Sachsen seit der Wende sogar 21,7 Milliarden Euro. Milliarden von der EU - und doch scheint es, als spiele das alles keine Rolle hier. Letzten Sonntag.. […..] Mehr als 28 Prozent für die AfD in Chemnitz, 12 Prozent über dem Bundesdurchschnitt und stärkste Partei […..]

(WDR, 13.06.2024)

Keine neue Erkenntnis; wie auch CDU und FDP, steht insbesondere die AfD für einen totalen finanziellen und ökonomischen Niedergang Deutschlands.

Ein Austritt aus der EU, würde auf einen Schlag zwei Millionen Arbeitsplätze kosten und genau wie der Grenzschließungs/AusländerRaus-Wahn Deutschland in eine tiefe Rezession ohne Ausweg führen.

Schon jetzt wirkt Ossistan durch die extrem hohen Wahlergebnisse der Nazi-Partei um ihren völkischen Führer Bernd Höcke massiv abschreckend auf ausländische Investoren und dringend benötigte Facharbeitskräfte. (….)

(Die Doofen von Chemnitz, 14.06.2024)

Warum sind die Ossis so von Neid, Missgunst und Fernstenhass zerfressen, daß sie Demokratie verachten, gewalttätig werden und Nazis wählen?

[….]  Wenn im September in Thüringen ein neuer Landtag gewählt wird, könnte die AfD die meisten Stimmen erhalten. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage des Instituts Infratest dimap für den Mitteldeutschen Rundfunk. Die vom Landesverfassungsschutz als erwiesen rechtsextrem eingestufte AfD von Spitzenkandidat Björn Höcke kommt demnach auf 28 Prozent, die CDU von Spitzenkandidat Mario Voigt folgt mit 23 Prozent. Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) würde aus dem Stand 21 Prozent erreichen.

Es folgt mit elf Prozent die Linke von Ministerpräsident Bodo Ramelow, die in Thüringen derzeit eine Minderheitsregierung mit SPD und Grünen anführt. Die SPD wird bei sieben Prozent gesehen, während die Grünen mit vier Prozent den Wiedereinzug in den Erfurter Landtag verpassen würden.   [….]

(SPON, 18.06.2024)

Zu allem Übel wettern insbesondere die Jung-Ossis gegen die Demokratie und wählen bewußt Europa-feindliche Nazi-Parteien.



Welche Entschuldigung gibt es dafür? Nach 34 Jahren kann man die Demokratie-Untauglichkeit und die antihumanistische Widerlichkeit von 18-Jährigen nicht mehr auf das Honecker-Regime schieben. Es gibt schließlich auch ähnlich beschissene Jungwähler im Westen, die ganz ohne DDR-Sozialisation so wurden. Aber es sind prozentual viel weniger. In der Ex-DDR massiert sich die braune Pest.

Eine abscheuliche Bevölkerung, die sich daran ergötzt, Gewalt gegen Schwächere auszuüben.

[….] Der Übergriff auf die beiden Mädchen aus Ghana und andere Polizeimeldungen vom Wochenende werfen die Frage auf: Macht es sich diese Gesellschaft zu leicht und tut rechtsextreme Gewalt als alltäglich oder als Einzelfall ab?

Polizeimeldungen aus Mecklenburg-Vorpommern, alle vom vergangenen Wochenende: Auf einer Festwiese in Penkun wird ein Mann mit „südländischem Aussehen“ zusammengeschlagen. In Schwerin beobachtet eine Zeugin, wie 20 Männer oberkörperfrei auf der Schlossbrücke den Hitlergruß zeigen. In Neubrandenburg feiern bis zu 15 Personen zu „L’Amour toujours“ von Gigi D’Agostino, sie skandieren „Sieg Heil“. In Rostock-Warnemünde brüllt eine 15-Jährige ausländerfeindliche Parolen, ihr Vater und Umstehende versuchen, einem einschreitenden Beamten die Dienstwaffe zu entreißen. In Grevesmühlen werden zwei Mädchen aus Ghana von einer Gruppe Jugendlicher rassistisch beleidigt und körperlich bedrängt.

Der letzte Fall löst bundesweites Entsetzen aus, aber Übergriffe wie diese kommen nicht aus dem Nichts. Vorher muss Gewalt, verbale und physische, alltäglich werden. Die Täter müssen sich sicher fühlen, als Vollstrecker eines angeblichen Volkswillens, Gestalter eines gesellschaftlichen Umbruchs. Die extreme Rechte ist dort stark, wo sie Zustimmung spürt. Schweigen als Einvernehmen reicht schon, noch wirkmächtiger ist eine gewonnene Wahl. [….]

(Ulrike Nimz, 18.06.2024)

Ich bin nicht mehr bereit, im Jahr 2024 diese antizivilisatorische Verkommenheit vieler Ossis mit DDR-Sozialisierung und Benachteiligungsgefühlen zu rechtfertigen.

Nichts rechtfertigt es, Nazis zu wählen und rechtsextreme Gewalt zu akzeptieren.

Ich denke, es handelt sich bei der Idioten-Konzentration im Osten Deutschlands eher um ein mit den USA vergleichbares Problem.

Dort gab es bekanntlich keine „Wiedervereinigung“ in der jüngsten Vergangenheit. Alle wuchsen im selben System auf. Dennoch ist eine Hälfte der Bevölkerung moralisch völlig verdorben, gewalttätig, antidemokratisch, dumm und fies.

Offensichtlich ist ein Teil der Menschheit ethisch und intellektuell nicht in der Lage, im Internet- und Socialmedia-Zeitalter zu überleben, ohne eine Metamorphose zu realitätsnegierenden Nazis anzutreten.

Die drei Ost-Ministerpräsidenten Schwesig, Kretschmar und Ramloow, die drei verschiedenen Parteien angehören, verlangen nach der jüngsten Braunwerdung ihrer Landeskinder, man müsse mehr auf den Osten zugehen.

[…] Nach dem jüngsten Erfolg populistischer Parteien fordert Manuela Schwesig Zugeständnisse für Ostdeutschland.  [….]

Ich glaube, ich höre nicht richtig? Wenn Menschen Nazis wählen, soll man sie dafür belohnen, indem man ausgerechnet denen, die schon zwei Billionen Euro, wie ein schwarzes Loch abgesaugt haben, noch mehr Geld und Sonderzulagen zuschieben?

[…..] Mecklenburg-Vorpommerns Regierungschefin Manuela Schwesig (SPD) hat vor der Ost-Ministerpräsidentenkonferenz an diesem Dienstag in Wittenberg (Sachsen-Anhalt) mit Kanzler Olaf Scholz (SPD) eine stärkere Berücksichtigung ostdeutscher Anliegen gefordert. «Die letzten Wahlen haben gezeigt, dass die Menschen in Ostdeutschland sehr unzufrieden sind», sagte Schwesig auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur.  Ein wichtiges Thema für die Menschen sei die flächendeckende Gesundheitsversorgung. Die Krankenhausreform mit den Vorhaltepauschalen gehe in die richtige Richtung, aber die ländlichen Räume müssten stärker berücksichtigt werden.   [….]

(dpa, 18.06.2024)

Das war das, was wir 34 Jahre gemacht haben: immer mehr Geld nach drüben schicken und die Ossis wurden immer Nazi-affiner und raffgieriger.

Das funktioniert offensichtlich nicht.

Man kann nicht auf die Ossis zugehen; das erlebt jeder Politiker von Links bis CDU, der in Ostdeutschland auftritt und mit dem Pack reden will: Sie werden niedergebrüllt, beworfen, attackiert und geschlagen.

Und ja, es mag eine Minderheit sein, die sich bei Auftritten von Scholz, Baerbock oder Lindner, wie ungewaschene Orks aufführt. Aber entscheidend ist, daß die Ossi-Mehrheit, das wenn nicht akzeptiert, so doch achselzuckend hinnimmt und sich ihren Nazi-Nachbarn nicht in den Weg stellt.

Dieses antimoralische Verhalten darf nicht auch noch belohnt werden.

Umgekehrt wird ein Schuh draus. Wer so offensichtlich Europa und die Demokratie ablehnt, indem er gesichert rechtsextreme Nazis wie Bernd Höcke wählt, soll seinen Willen bekommen und zukünftig ohne Transferzahlung aus dem verhassten Brüssel oder von der verhassten Ampel auskommen.

Das medizinische und Pflegepersonal mit Migrationshintergrund sollte gezielt aus dem Osten in den Westen abgeworben werden. Die internationalen Unternehmen sollten ihre Investitionen in Ostdeutschland in die Westbundesländer verlegen.

Nach 34 Jahren wird es langsam Zeit, eine Lektion zu erteilen. Die fürchterlich mit der Demokratie unzufriedenen Jung-Ossis sollen mal ein Jahr auf Probe ohne zugewanderte Arbeitskräfte, ohne Rente, ohne Bürgergeld, ohne Jobs zu Recht kommen.  Mal sehen, wie toll sie dann noch Höckes völkische Phantasien finden.

Wiedervereinigung ist wie Daimler-Chrysler. Klingt erst mal wie eine gute Idee, wurde dann sehr teuer und musste nach einer Zeit der Kapital- und Ansehens-Vernichtung als gewaltiger Fehler betrachtet und rückgängig gemacht werden.

Montag, 17. Juni 2024

Beispiel Spiegel und Lambrecht

Im Sinne der Ampel – diese schreckliche Koalition mit der alles blockierenden hepatitisgelben Pest ist nun einmal bei den derzeitigen Mehrheitsverhältnissen die bestmögliche Regierung – freue ich mich über die gelebte grüne und rote Solidarität mit den Gelben, die ihnen umgekehrt von den Lindnerioten nie erwiesen wird.

Die schlechteste deutsche Bildungsministerin seit 1949 hatte die gesamte wissenschaftliche Community mit ihrem Desaster-Kurs gegen sich aufgebracht und schließlich im miesesten von der Leyen-Stil, ihre Staatssekretärin Döring als Bauernopfer den Löwen zum Fraß vorzuwerfen.

[….] Rückendeckung von SPD und Grünen

Der Koalitionspartner SPD hatte die Entscheidung der Ministerin, Döring in den einstweiligen Ruhestand zu versetzen, zuvor begrüßt: "Es ist gut, dass Bundesministerin Stark-Watzinger jetzt aufklärt und schwerwiegende Konsequenzen zieht", schrieb der bildungspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion Oliver Kaczmarek bei X. Nun müsse verloren gegangenes Vertrauen zurück erkämpft werden. Wissenschaftsfreiheit sei nicht verhandelbar.

Ähnlich äußerte sich der Vorsitzende des Bildungsausschusses im Bundestag, Kai Gehring (Grüne). Es sei wichtig, dass sich die Spitze des Hauses klar zur Wissenschaftsfreiheit bekannt habe. "Dieser klare Weg muss nun glaubwürdig fortgesetzt werden, um verloren gegangenes Vertrauen wiederherzustellen."  [….]

(Tagesschau, 17.06.2024)

Ich sage es außerordentlich ungern, aber in diesem Fall muss ich mich ausgerechnet auf die Seite der CDU-Populistin Prien zu schlagen, aber natürlich wird Döring hier auf häßliche Weise von ihrer Chefin geopfert. Stark-Watzinger bewies ihre ganze Verkommenheit, als sie am Sonntagabend verkündete, Bundeskanzler Scholz um die Entlassung Sabine Dörings gebeten zu haben, um den Kopf für ihr eigenes Versagen hinzuhalten.

[….] Die FDP-Ministerin reagierte damit auf die anhaltende Debatte um ihren Umgang mit Hochschullehrer:innen, die in einem offenen Brief das Recht auf friedlichen Protest an Berliner Hochschulen verteidigt hatten. Im Bildungsministerium war daraufhin geprüft worden, ob man den Unterzeichner:innen bereits erteilte Fördermittel wieder entziehen könne. Das ARD-Magazin „Pano­rama“ hatte vergangene Woche unter Berufung auf interne E-Mails darüber berichtet und damit große Empörung unter Wissenschaftler:innen ausgelöst. Rund 2.700 Forscher:innen schlossen sich in wenigen Tagen einer Rücktrittsforderung an, unter anderem prominente Professor:innen wie Axel Honneth, Hartmut Rosa, Anna Katharina Mangold und Wolfgang Merkel. Der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) Walter Rosenthal spricht gegenüber der taz „von einem schwerwiegenden Vorgang, der in der Wissenschaft für große Irritation“ sorge.

Es ist nicht das erste Mal, dass Stark-Watzinger aneckt. Vor gut einem Jahr brachte sie die Bundesländer gegen sich auf, als sie im Alleingang einen natio­nalen Bildungsgipfel einberief – den dann alle Bundesländer bis auf zwei boykottierten. Auch bei den Verhandlungen zum „Startchancen-Programm“ und zum Digitalpakt 2.0 wetterten die Bildungsminister:innen der Länder teils unverhohlen über die miese Zusammenarbeit und das fehlende Vertrauen in die Absprachen mit der Bundesministerin.  Vor allem aber in der Wissenschaft hat Stark-Watzinger keinen allzu guten Stand: Ihre Versprechen beispielsweise an Nachwuchsforscher:innen, die prekären Arbeitsbedingungen zu verbessern, konnte sie nicht wirklich einlösen. Im Gegenteil: In der Reform des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes ging sie vor allem auf die Wünsche der Hochschulen ein, die sich gegen zu viele Dauerstellen wehren.   […]

(taz, 17.06.2024)

Die Opposition hat Recht: Stark-Watzinger ist nicht zu halten und müsste sofort zurücktreten, wenn sie auch nur einen Funken Anstand in sich hätte.

Das gilt selbstverständlich auch für Lindner, Buschmann und Wissing.

Es wäre symptomatisch für die Männerpartei FDP, wenn ausgerechnet ihre Alibifrau des Kabinetts, als erste rausflöge. Gerechtfertigt wäre es allemal

[….] Staatssekretärin weg, Problem erledigt?

[….] Ganz so einfach ist das nicht. Bettina Stark-Watzinger bleibt für das verantwortlich, was in ihrem Ministerium passiert. Und es gab dort offensichtlich den Versuch, zu prüfen, ob man kritischen Geistern ans Geld gehen kann. Das ist ein Eingriff in die Wissenschaftsfreiheit, das geht nicht – ganz egal, wie falsch man die Meinung der Wissenschaftler finden mag.

Selbst wenn die Ministerin tatsächlich nichts von dem Prüfauftrag mitbekommen hat, den ihre Staatssekretärin verfasst haben soll: Schon seit Beginn der Debatte um den Gaza-Krieg und die Unis hat sie den Eindruck erweckt, dass es ihr im Umgang mit den Hochschulen an Verständnis und Feingefühl mangelt.

Wissenschaft funktioniert anders als Politik. Im Hauptstadtbetrieb mag es Beifall bringen, wenn man sich jeweils schnell auf eine Seite schlägt, in Talkshows knackige Sätze sagt, die von den Agenturen verbreitet werden. In der Wissenschaft kommt es auf andere Qualitäten an, aufs Recherchieren, Abwägen, Differenzieren. All das hat Bettina Stark-Watzinger auch schon vor der Fördergeldaffäre vermissen lassen.

Schon als der Protestbrief im Mai öffentlich wurde, erklärte sie in der Bild-Zeitung: „Dieses Statement von Lehrenden an Berliner Universitäten macht fassungslos. Statt sich klar gegen Israel- und Judenhass zu stellen, werden Uni-Besetzer zu Opfern gemacht und Gewalt verharmlost.“ Schon damals betonte sie, dass gerade Professoren und Dozenten „auf dem Boden des Grundgesetzes“ stehen müssten – und diskreditierte damit implizit die Unterzeichnenden. Zudem kann man den Satz auch als Grundlage für die Prüfung lesen, die später in ihrem Ministerium in Auftrag gegeben wurde. [….] Mit ihrem schlechten Krisenmanagement verstärkt sie den Eindruck, ihrem Amt nicht gewachsen zu sein.  […..]

(Kathrin Müller-Lancé, 17.06.2024)

Bei Stark-Watzinger kommt viel zusammen: Ignoranz, Borniertheit und das katastrophale Versagen als Ministerin. Aber wie so oft, werden es nicht die Skandale selbst sein, die sie aus dem Kabinett schleudern, sondern ihre Fähigkeit, die Situation bei der Aufklärung derselben, durch Dreistigkeit und Lügen ihre Lage massiv zu verschlimmern. Ihr beim politischen Mäandern zuzusehen, ist zum Mitschämen.

[….] Die Frau, die am Montagnachmittag in der Bundespressekonferenz auf dem Podium sitzt, ist weiterhin in der Defensive. Bettina Stark-Watzinger druckst und windet sich [….] Dass Stark-Watzinger in der Nacht ihre beamtete Staatssekretärin Sabine Döring geschasst hat, verschafft ihr ein bisschen Luft. Döring, so lautet plötzlich die Darstellung, habe auf eigene Faust und ohne Kenntnis der Ministerin einen Prüfauftrag gegen aufmüpfige Lehrende veranlasst. Aber sollte die FDP-Politikerin geglaubt haben, die Sache sei nun bereinigt und geklärt, hat sie sich getäuscht.

Döring ist weg – aber Stark-Watzinger ist das Thema noch lange nicht los. Zumal sie sich in neue Widersprüche verheddert.

Auf die drängenden Fragen liefert die FDP-Politikerin noch keine befriedigenden Antworten: Was hat sie jenseits der bekannt gewordenen internen E-Mails von dem Prüfauftrag aus ihren Besprechungen gewusst? Und hat Stark-Watzinger womöglich selbst den Grund dafür geliefert, dass sich die Staatssekretärin zur Prüfung veranlasst sah?

Es war Stark-Watzinger selbst, die zunächst Mitte Mai in der »Bild«-Zeitung einen offenen Brief sehr heftig und für eine Bildungsministerin auf ungewöhnliche Weise kommentiert hatte. Den Brief hatten Wissenschaftler unterschrieben, weil sie mit der Räumung eines propalästinensischen Protestcamps an der Freien Universität Berlin nicht einverstanden waren. Sie wiesen auf das Recht auf friedlichen Protest, die Versammlungs- und Meinungsfreiheit hin.

Stark-Watzinger zweifelte daraufhin an, dass die Unterzeichnenden »auf dem Boden des Grundgesetzes« stünden. »Auf dem Boden des Grundgesetzes« ist wiederum eine Formulierung, die auch in der Prüfanfrage zu lesen war.

Damit wurde die Arbeitsebene des Ministeriums um eine »juristische Prüfung einer etwaigen strafrechtlichen Relevanz der Aussagen in dem offenen Brief« gebeten. Außerdem sollte geprüft werden »inwieweit vonseiten des BMBF ggf. förderrechtliche Konsequenzen (Widerruf der Förderung etc.) möglich sind«. [….] »Ich habe den Auftrag, förderrechtliche Konsequenzen prüfen zu lassen, nicht erteilt und auch nicht gewollt«, sagt Stark-[….] Auch für Stark-Watzingers Partei ist der Vorgang höchst unerfreulich. Das Thema Bildung ist für die FDP zentral, Parteichef Christian Lindner wollte nach der letzten Bundestagswahl unbedingt das entsprechende Ressort für seine Partei. Inzwischen dürfte sich mancher Spitzen-Liberale allerdings wünschen, man hätte damals anders entschieden. [….]

(SPON, 17.06.2024)

Ministerrücktritte sind nicht unbedingt schlecht. Sie können für die Partei, wie im Fall Lambrecht -> Pistorius, zu viel positivem politischen Kapital umgemünzt werden. Aber das hängt natürlich vom verfügbaren Personal ab. Der Wechsel Spiegel -> Paus war für die Grünen ein Nullsummenspiel.

Wenn die FDP von einem Stark-Watzinger-Rücktritt profitieren will, braucht sie einen starken Ersatz. Aber so eine Person gibt es in der Partei der hepatisgelben Lobbyknechte nicht. Alternativlosigkeit ist aber keine Entschuldigung für eine so eklatante Fehlbesetzung im Kabinett.

[….] Hat Bildungs- und Forschungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP) ihre Staatssekretärin geschasst, um Kritik zu besänftigen und ihre eigene Haut zu retten?

Dass eine Staatssekretärin einen solch gewichtigen Vorgang wie die Überprüfung Hunderter Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler eigenmächtig und ohne das Wissen ihrer Chefin anstößt, darf man mindestens anzweifeln. Ebenso, dass Stark-Watzinger erst am vergangenen Dienstag davon erfahren haben will – obwohl der NDR bereits am Tag zuvor berichtete und ein Beitrag von Dienstagfrüh, sechs Uhr, schon eine Stellungnahme des BMBF enthielt. [….] Bettina Stark-Watzinger hat als Forschungsministerin über mehrere Tage einen massiven Eingriff in das Grundrecht der Wissenschaftsfreiheit mindestens gebilligt, indem sie schwieg.

Der Impuls, unabhängigen Wissenschaftlern, die Deutschland so dringend braucht, Fördergelder entziehen zu wollen, nur weil sie politisch eine andere Haltung vertreten, hat dem ohnehin schon angeknacksten Verhältnis der Wissenschaft zu ihrem Ministerium massiv geschadet. Das Verhalten der Behörde muss die Forschenden mehr als beunruhigen. Gerade weil das Ministerium von einer Liberalen geführt wird, die vor wenigen Monaten erst das Wissenschaftsjahr 2024 zum »Jahr der Freiheit« erklärte. Offenkundig braucht es keine AfD, um einen autoritären Politikstil nach Gutsherrenart auf der Regierungsbank zu pflegen. [….]

(Miriam Olbrisch und Armin Himmelrath, 17.06.2024)

Als ich studierte, waren meine Kommilitonen und ich fassungslos über den völlig ungeeigneten, fachfremden, populistischen, nepotistischen, korrupten,  antisemitischen Bildungsminister Jürgen Möllemann, der es vermochte, die FDP für eine ganze Generation Studenten unwählbar zu machen.

Glückliche Jugend! Damals ahnte ich natürlich nicht, wie katastrophal die Gelben in den nächsten Jahrzehnten erst noch werden würden.