Freitag, 17. November 2023

Die Moslems

Alle Zeitungen, die ich als Print-Abo beziehe, hatten heute das gleiche Titelthema; die Hamburger Blätter sowieso; aber auch die Süddeutsche, berichtet über die bundesweite Razzia gegen islamische Einrichtungen, von denen „die blaue Moschee an der Außenalster“ sicherlich das prominenteste Objekt war.

[…..] Allein in Hamburg waren 300 Polizistinnen und Polizisten im Einsatz. Zahlreiche Polizeikräfte durchsuchten die Blaue Moschee an der Alster, den Sitz des IZH. Schwer bewaffnete Polizistinnen und Polizisten sicherten die Zugänge. In der Hansestadt wurden zeitgleich 30 weitere Objekte mit Verbindungen zum IZH durchsucht. Darunter auch ein unscheinbares Bürogebäude in der Nähe des Flughafens, das offenbar Sitz einer islamischen Akademie ist.

Bei der Großrazzia wurden nach Angaben des Innenministeriums größere Bargeldmengen, Mobiltelefone und Laptops sowie Schriftstücke und Flugblätter sichergestellt. Es habe keine Zwischenfälle gegeben. Das beschlagnahmte Material soll nun durch die Sicherheitsbehörden des Bundes ausgewertet werden.

Hamburgs Innensenator Andy Grote (SPD) bezeichnete die Razzia gegen das IZH als "harten Schlag". Die Zeit des IZH sei "erkennbar abgelaufen", sagte er. "Je schneller das IZH nun als Ganzes aus Hamburg verschwindet, umso besser. Mit dem heutigen Tag sind wir dem ein ganzes Stück näher."

Die Verdachtsmomente gegen das IZH wögen schwer, sagte Faeser. Die Aktivitäten des Zentrums seien darauf ausgerichtet, das Revolutionskonzept der obersten iranischen Führer zu verbreiten. Das Bundesamt für Verfassungsschutz gehe davon aus, dass das IZH auf bestimmte Moscheen und Vereine großen Einfluss bis hin zur vollständigen Kontrolle ausübt. Innerhalb dieser Kreise sei häufig eine antisemitische und antiisraelische Grundeinstellung feststellbar, hieß es in einer Mitteilung des Bundesinnenministeriums. Faeser sagte: "Gerade jetzt, in einer Zeit, in der sich viele Jüdinnen und Juden besonders bedroht fühlen, gilt: Wir dulden generell keine islamistische Propaganda und keine antisemitische und israelfeindliche Hetze."  [….]

(NDR, 17.11.2023)

Die Mopo titelt reißerisch „MULLAHDÄMMERUNG“ in großen Lettern.

Die Einschläge kommen näher. Ich wohne nur wenige hundert Meter entfernt von der Blauen Moschee. (Aber doch so weit, daß die Mieten erheblich niedriger sind!) Von mir aus gesehen, befindet sich 50m vor der wirklich wunderschönen, beeindruckenden Moschee auch noch das russische Generalkonsulat, welches seit Februar 2022 permanent von Peterwagen eingekreist ist. Das war mal eine der ruhigsten Wohngegenden überhaupt. Auf dem östlichen Außenalsterstreifen zwischen Ufer und Sierichstraße, gibt es keinerlei Geschäfte, keinen ÖPNV. Man geht dort in aller Ruhe spazieren; es ist die Understatement-Seite des großen Stadt-Sees. Die Immobilienpreise sind natürlich enorm, aber es gibt keine protzigen Villen oder riesige Grundstücke. Die meisten Bewohner könnten sich vermutlich Ferraris und Porsches leisten, aber man sieht kaum welche in den Straßen. Wer mit seinem Reichtum angeben will, zieht in andere Gegenden. Hier schätzt man die Unauffälligkeit. Und nun das: Auf Schritt und Tritt schwer bewaffnete Polizisten. Es erinnert ein bißchen an den Juli 2017, den berüchtigten G20, als ebenfalls nur 50 m von der Blauen Moschee entfernt, im Gästehaus des Hamburger Senats, Donald und Melania Trump untergebracht wurden und rund um die Uhr Hubschrauber über mir kreisten.

Natürlich bekamen die Anwohner alle den gewaltigen Einsatz gegen die Moschee mit und so hörte ich mir beim heutigen Freitagseinkauf eine Menge islamophober Meinungen an. Es wäre höchste Zeit, daß endlich gegen die Islamisten durchgegriffen werde.

Erstaunlich, denn in den letzten Jahrzehnten, insbesondere vor 2015, war man sich durchaus bewußt darüber, daß es sich nicht nur um ein architektonisches Juwel, sondern eben auch ein schiitisches Gotteshaus handelte, welches in der edlen Diaspora also nicht von türkischen, kurdischen oder arabischen „Gastarbeitern“ besucht wurde (da die weit überwiegend sunnitisch sind), sondern von Exil-Iranern.

Bei ihnen handelt es sich nach einem weit verbreiteten Klischee um liberale Akademiker-Exilanten, die 1979/1980 nach der islamischen Revolution des Ruhollah Musawi Chomeini den Iran verlassen mussten. Das sind typischerweise Ärzte, Architekten, Ingenieure, mit denen es nie Integrationsprobleme gab.

Ich war immer stolz auf das Hamburger Zeichen der Toleranz; einer auffälligen Moschee an so prominenter Stelle, direkt am Außenalsterufer.

Es gibt kein Problem mit „dem Islam“, wie die bestens integrierten und ökonomisch erfolgreichen Deutsch-Iraner beweisen, die (fast) alle Muslime sind.

Allerdings Muslime, die mit den Mullahs in Teheran nichts zu tun haben möchten.

Insbesondere nach 2015 kamen aber Schiiten aus Syrien und dem Irak nach Hamburg, die aus anderen sozialen Schichten stammen.

Das war in meiner Nachbarschaft immer deutlich zu sehen, weil die Blaue Moschee nicht mit Bus oder Bahn zu erreichen ist. Die freitäglichen Besucher bekam ich in früheren Jahrzehnten am Hofweg, der ersten Straße von der Moschee aus gesehen, an der es wieder Geschäfte und eine Buslinie gibt, nie zu sehen. Natürlich nicht, denn das sind sehr wohlhabende Menschen, die mit der eigenen Limousine bis zur Moschee fahren und die optisch auch nicht auffallen, weil Iranerinnen keine Kopftücher oder gar Schleier tragen. In den letzten acht Jahren veränderte sich das Straßenbild; nun sieht man am Freitagabend auch mal ganze Familien mit mehreren verschleierten Frauen von der weit entfernten nächsten U-Bahnstation Mundsburg, oder der Bushaltestelle Hofweg/Zimmerstraße zu Fuß in Richtung Moschee gehen.

Der extrem rechten Hamburger CDU ist das IZH schon lange ein Dorn im Auge; immer wieder forderte sie, die Moschee zu schließen, das IZH aus der Schura zu werfen; versuchte damit den rotgrünen Senat mit populistischen Tönen, wie beim Gender-Verbot, vor sich her zu treiben. Die Gegenargumente lauteten „mangelnde Zuständigkeit“, oder, durchaus plausibel: solange das IZH legal und Teil der Schura bliebe, könne man es wesentlich besser beobachten, einschätzen und beeinflussen.

Als Quasi-Anwohner hat sich für mich nichts geändert; ich habe nie irgendetwas Verdächtiges bemerkt oder gar politische Aktivitäten wahrgenommen. Ich sehe bloß ganz normale freundliche Leute, die zum Gottesdienst wandern. Einer Aktivität, die mir ganz genauso fremd und nicht nachvollziehbar erscheint, wie eine katholische Messe.

Innenministerin Faeser und Innensenator Grote haben selbstverständlich viel mehr Informationen als ich. Teherans Einfluss auf das IZH scheint demnach beträchtlich gewachsen zu sein. Imame predigen mutmaßlich gefährliche und antisemitische Inhalte.

Nach dem „Schwarzen Schabbat vom 07.10.2023“ gab es in mehreren deutschen Städten propalästinensische Demos, bei denen hunderte Muslime antisemitisches Gedankengut rausschrien.

Das „Tätervolk Deutschland“ reagiert richtigerweise sensibel auf Antisemitismus. Die Ampel geht richtigerweise gegen antisemitische Vereinigungen vor.

Nicht richtig ist es hingegen, von einigen Hundert auf der Straße grölenden Muslimen auf alle sechs Millionen Muslime in Deutschland zu schließen.

Genau das geschieht aber. Die meisten Deutschen mögen generell „den Islam“ nicht. "Allahu akbar"-Rufe, Moschee-Besuche, freie muslimische Glaubensausübung ist grundgesetzlich garantiert. Viele Deutsche möchten es dennoch gern verbieten.

Islam und Islamismus werden munter verquickt. Dabei gehören 99,5% der Muslime in Deutschland nicht zu einer extremistischen Strömung.

[….] Kürzlich fragte mich eine Journalistin, ob nun nicht auch Rufe wie "Allahu akbar" verboten werden sollten. Ich denke, das wäre verhängnisvoll. Damit würde man Islamisten in die Hände spielen. Sie hätten erreicht, was sie wollen - ihre islamistische, radikalpolitische Deutung religiöser Symbole durchzusetzen und einen Keil durch die Gesellschaft zu treiben. "Allahu akbar" ist einer der wichtigsten Glaubensaussprüche im Islam. Mit diesen Worten wird das Gebet eingeleitet. Es bedeutet so viel wie "Gott ist größer" und versteht sich als Ausdruck von Demut. Ein Verbot würde eine Glaubensgemeinschaft pauschal kriminalisieren und "Allahu akbar" zur Kampfformel degradieren - genau das, was die Islamisten daraus machen wollen. Damit würde man befördern, womit sich die muslimische Bevölkerung seit Jahren konfrontiert fühlt: die Gleichsetzung von Islam und Islamismus.

Wie verbreitet dieser Generalverdacht bereits ist, belegen die Zahlen einer bisher unveröffentlichten Auswertung des "Religionsmonitors 2023" der Bertelsmann-Stiftung. Demnach sind 54 Prozent der Nicht-Muslime in Deutschland der Meinung, der Islam sei "in erster Linie" eine politische Ideologie. 73 Prozent glauben, islamistische Terroristen fänden starken Rückhalt im Islam. 57 Prozent sind überzeugt, der Islam rufe zur Gewalt auf. Solche Zahlen sind für die große Mehrheit der deutschen Muslime überaus schmerzvoll. Sie verstärken ihr Gefühl, ausgegrenzt und "Opfer" zu sein. Wenn nun eine Kriminalisierung muslimischer Glaubensformeln diskutiert wird, befeuert das die islamistische Behauptung, Musliminnen, Muslime und ihr Glaube würden in den westlichen Gesellschaften nicht als gleichwertig behandelt. Die Einzigen, denen ein solches Verbot nutzt, wären die Islamisten und andere Extremisten.

Stattdessen muss man sich die Mühe machen, genauer hinzusehen, was legitime Äußerungen von Glauben und humanitären Überzeugungen sind, und wo Äußerungen gegen grundlegende Werte verstoßen. [….]

(Yasemin El-Menouar, "Senior Expert" der Bertelsmann-Stiftung, 16.11.2023)

Pauschalurteile sind immer falsch, ungerecht und perfide.

Es gehört zwar zum allgemeinen Sprachgebrauch zu pauschalisieren, indem man „die Schwaben“ als geizig oder „die Bayern“ als doof oder „die Amerikaner“ als ungebildete waffenfanatische Trumpisten bezeichnet. In geschriebener und offiziellerer Form sollte das nicht vorkommen, denn selbstverständlich sind weder alle Schwaben, noch alle Bayern oder alle Amis gleich. Bei Millionen Individuen ist ein breites Charakterspektrum so selbstverständlich, daß man von meiner US-amerikanischen Staatsbürgerschaft natürlich nicht darauf schließen kann, Trump-Fan zu sein.

Eine solche Unterstellung wäre bösartig und dumm.

Umso erbärmlicher, daß ausgerechnet der Mann des Wortes in Deutschland, der Bundespräsident genau das tut. Hardcore Religiot Steinmeiner geht sogar noch weiter.

[….] Der Bundespräsident ruft Arabischstämmige und Muslime auf, sich von der Hamas und dem Terror zu distanzieren. Hat Steinmeier je etwas von Sippenhaft gehört? [….] Ob Frank-Walter Steinmeier vorhat, eine neue Hotline einzurichten, ist noch nicht bekannt. Leserinnen und Leser, die nach der Lektüre dieses Textes den Drang verspüren, sich von Hass und Gewalt zu distanzieren, finden die bisherige Nummer der Telefonzentrale von Schloss Bellevue jedoch auf bundespraesident.de. [….] Wer zum Beispiel christlichen, hinduistischen oder gar keines Glaubens, italienischstämmig oder blütenweißer Hautfarbe ist, kann diese sachdienlichen Hinweise aber eigentlich getrost schon wieder vergessen. Denn für sich selbst zu sprechen, das hat Steinmeier bei einem "Runden Tisch zum friedlichen Zusammenleben" in dieser Woche nun von Muslimen und Arabern eingefordert, denn, herrje, soviel Differenzierung muss sein: Es gibt ja Muslime, die keine Araber sind und Araber, die keine Muslime sind.

[….] "Erteilen Sie dem Terror eine klare Absage!"

[….]  Von den in der Folge des 7. Oktobers so verdächtig stillen muslimischen Organisationen kann man Stellungnahmen erwarten und wenn sie ausbleiben: einfordern. Dazu sind Verbände da: dass sie für ihre Mitglieder als Gruppe sprechen, dass sie Positionen artikulieren, Ansprechpartner sind, nach innen wie nach außen.  Aber kann und sollte man solche Stellungnahmen auch von jedem einzelnen, tatsächlichen oder auch nur aufgrund irgendwelcher Merkmale vermuteten Mitglied einer eher diffus definierten Gruppe verlangen? Folgt man Steinmeiers Logik, sollen sich also die fünf Millionen in Deutschland lebenden Muslime und die 1,5 Millionen Arabischstämmigen von Verbrechern distanzieren - und das individuell. Sippenhaft nun nicht mehr nur wegen Clankriminalität: Ist das wirklich die Lehre aus den Bildern der gespenstischen Demonstrationen von Hamas-Freunden und Kalifats-Begeisterten auf der Sonnenallee, in Essen und Duisburg? [….]

(Moritz Baumstieger, SZ, 10.11.2023)

Der Mann ist wirklich schlimm!

Natürlich deckt es die Religionsfreiheit, ein Religiot zu sein. Das kann ich ihm nicht vorwerfen.

Aber Steinmeier ist auch Volljurist und ranghöchster Mann im Staate. Da sollte er doch die Verfassung kennen und achten.

Nein, nur weil ich Amerikaner bin, verpflichtet es mich nicht extra dazu, mich von Trump zu distanzieren.

Ich muss mich als Deutscher auch nicht von Steinmeier distanzieren. Ich möchte es aber.

Donnerstag, 16. November 2023

Polnische Erosion

Die dominante Religion in Polen ist die römisch-Katholische Kirche.

Der Katholizismus war dort immer stark, aber als 1978 sensationell nach einem halben Jahrtausend der erste nicht-italienische und nach 2.000 Jahren Christentum der erste Pole Papst wurde, waren alle Polen als Katholiken hinter Karol Józef Wojtyła vereint. Als JP-II stand er nicht nur für Tradition und tiefe Mariengläubigkeit, sondern auch als Antipode zum kommunistischen Regime.

Meine Verwandten in der fernen USA, die Polen 100 Jahre zuvor verlassen hatten, platzten vor Stolz. Einer von ihnen war Papst.

Während seines Pontifikats gingen über die Hälfte aller Polen jeden Sonntag in den Gottesdienst. Seine Heimat galt das Land mit dem höchsten gesellschaftlichem Religiositätsniveau Europas.

Viele Jahre nach seinem Tod, ist die katholische Kirche immer noch die wichtigste und mächtigste Stütze von Jarosław Kaczyńskis rechtspopulistischer Prawo i Sprawiedliwość (PiS). Der PiS, die dieses Jahr abgewählt wurde.

Wie konnte das passieren? Nun, da es in Polen besonders viele Pfarreien und besonders viele Geistliche gibt, sind auch die pädosexuellen Übergriffe auf Messdiener und schwulen Sexpartys unter Priestern sehr häufig Thema in den Medien.

[….] Für die katholische Kirche ist die Angelegenheit maximal peinlich. Eigentlich sollen ihre Priester enthaltsam leben und sich ganz auf Gott konzentrieren, deshalb verbietet das sogenannte Zölibat katholischen Geistlichen die Ehe. Nicht weniger rigoros verhält sich der Vatikan zur gleichgeschlechtlichen Liebe: Homosexualität widerspreche dem Willen Gottes, so die Linie Roms, auch wenn es ein offenes Geheimnis ist, dass auch Männer der Kirche Sex miteinander haben. Doch in Polen wird ein Fall jetzt zum Aufreger – und das nur wenige Wochen vor der Parlamentswahl.

Anlass für die öffentliche Debatte ist eine Sexparty unter katholischen Priestern, die mit einem medizinischen Notfall endete. Das berichtet die Zeitung "Gazeta Wyborcza" unter Berufung auf einen der Partygäste. Demnach feierten die Geistlichen ihre Orgie in Dąbrowa Górnicza im Süden des Landes in einer kirchlichen Dienstwohnung. Auch ein Sexarbeiter sei angeheuert worden. "Die ganze Veranstaltung war rein sexueller Natur, die Teilnehmer nahmen alle Potenzmittel", zitiert die Zeitung ihre anonyme Quelle. "Dann geriet alles außer Kontrolle und der Sexarbeiter verlor das Bewusstsein." [….]. Fest steht nur, dass ein herbeigerufenes Rettungsteam zunächst nicht zu ihm durchkam: Wohl aus Furcht vor dem Skandal ließen die Priester die Sanitäter nicht ins Gebäude. Diese mussten erst die Polizei rufen, die den Helfern den Weg frei machte zu dem ohnmächtigen Sexarbeiter. [….]

Er bete dafür, dass Pfarrer Tomasz Z. von seiner sexuellen Orientierung geheilt werde, schreibt Bischof Kaszak weiter. Allein dieser Satz zeigt das extrem konservative Weltbild der katholischen Kirche in Polen. In Deutschland sind sogenannte Konversionstherapien zur "Behandlung" von Homosexualität seit 2020 verboten. Heikel ist die außer Kontrolle geratene Priesterorgie aber nicht nur für die polnische Kirche, die sich nach außen gerne als Hüterin einer strengen Sexualmoral darstellt. [….]

(T-online, 25.09.2023)

Auch im konservativen Polen lassen sich diese Skandale im Social Media-Zeitalter  weniger gut unter den Tisch kehren. Im Vergleich zur Volkszählung von 2011, sank die Zahl der polnischen Katholiken bis 2021 um 15 Prozentpunkte, um rund sechs Millionen Menschen, auf rund 71% ab.

Noch schmerzlicher für die Konservativen: die Polen gehen viel seltener in Gottesdienste und selbst diejenigen, die sich als religiös bezeichnen, hören vielfach nicht mehr auf ihre Kleriker.

[…..] In einer Zeitreihe von 1992 bis 2021, die im November 2021 publiziert wurde, (ausführlich die gesamte Untersuchung (in Polnisch) „Polski pejzaż religijny – z dalekiego planu“) wird die Entwicklung des Gottesdienstbesuchs nach Altersgruppen dargestellt. Dazu schreibt CBOS, dass bei den Jüngsten die „Glaubens- und Religionsabkehr am schnellsten“ geschieht.

„Unter Berücksichtigung des Alters ist der Prozess der Glaubens- und Religionsabkehr bei den Jüngsten am schnellsten. Der Anteil der regelmäßig Praktizierenden in der jüngsten Altersgruppe (18-24) sank von 69 % im Jahr 1992 auf 23 % im Jahr 2021. Der Anteil der Nichtpraktizierenden stieg in diesem Zeitraum von 8 % auf 36 %.
Der Grad der Religionsausübung unter den Befragten im Alter von 25 bis 34 Jahren war anfangs etwas niedriger als unter den Jüngsten: 1992 praktizierten 62 % von ihnen regelmäßig, während 8 % dies nie taten. Derzeit praktizieren 26 % der Befragten in diesem Alter regelmäßig und 30 % nehmen nicht an Gottesdiensten teil. Das etwas höhere Niveau der Religionsausübung als bei den Jüngsten deutet darauf hin, dass der Prozess der Aufgabe der Religionsausübung in dieser Altersgruppe etwas langsamer ist. Obwohl die Veränderungen in der Religiosität hauptsächlich jüngere Befragte betreffen, sind sie auch bei Menschen mittleren Alters und älteren Menschen sichtbar. Bei den Ältesten ab 65 Jahren ist der Anteil der niedergelassenen Ärzte von 73 % im Jahr 1992 auf heute 56 % gesunken und der Anteil der Nichtteilnehmenden von 9 % auf 17,5 % gestiegen.“
  [….]

(FOWID, 15.02.2023)

Natürlich; mit 71% Katholiken bleibt Polen im Vergleich zu Deutschland (unter 25% Katholiken) ein erzkatholisches Land.

Aber die jüngste Altersgruppe ist EU-affin und sieht anders, als Patriarch Kyrill I, oder Wojciech Polak (Erzbischof von Gniezno und Primas der katholischen Kirche in Polen) nicht Homosexualität als größtes Übel unserer Zeit an.

Sie distanzieren sich unaufhaltsam von der Papstkirche.

[….]  Polen ist ein katholisches Land. Fast 33 Millionen, somit mehr als 85 Prozent*  der Bevölkerung, sind Katholiken. Es gibt dort 10.361 Pfarreien, die sich in den Weihnachtstagen über leere Kirchenbänke sicherlich nicht beklagen werden. Es sind Tage, die dem in Deutschland weit verbreiteten Klischee von Polen als einem strenggläubigen katholischen Land entsprechen.

Doch von der bereits erwähnten hohen Zahl getaufter Polen und den über Weihnachten vollen Kirchen sollte man sich nicht täuschen lassen. Das Nachbarland, das von vielen Geistlichen, aber auch Politikern der regierenden PiS als letzte Bastion des Christentums dargestellt wird, säkularisiert sich unaufhaltsam.

Das belegen die regelmäßig veröffentlichten Statistiken des Statistikinstituts der katholischen Kirche. Während 1990 noch 50,3 Prozent der Katholiken an der Sonntagsmesse teilnahmen, waren es 2019 nur noch 36,9 Prozent.

Verantwortlich für die fortschreitendende Säkularisierung ist vor allem der Umgang der Kirche mit Missbrauchsfällen. Diese wurden über Jahrzehnte nicht nur vertuscht und verschwiegen. Einige Bischöfe stellten die Vorwürfe sogar als "Angriffe auf die Kirche" dar und betrieben eine Täter-Opfer-Umkehr.  [….]

(ZDF, 25.12.2022)

*Das ZDF nennt an dieser Stelle stark von der Volkszählung 2021 abweichende Zahlen. Selbst der Vatikan räumt einen wesentlich niedrigeren Katholiken-Anteil ein:

[…..]  Nur noch 27,1 Millionen Polinnen und Polen gaben an, dass sie katholisch seien, wie das nationale Statistikamt mitteilte; 2011 waren es noch 33,8 Millionen. Ihr Anteil an der Bevölkerung sank demnach von 87,7 auf 71,3 Prozent. Das Ergebnis sorgt in Polen auch deshalb für Aufsehen, weil die katholische Kirche im Land seit Jahren keine Angaben zur Zahl der Austritte macht. Zuletzt gab es mehrere öffentliche Kampagnen dafür, der Kirche den Rücken zu kehren. […..]

(Vatikan, 29.09.2023)

Wieso die RKK-Polen so sorgsam ihre Mitgliedszahlen verschweigt, kann man ob der dramatischen Erosion erahnen.

Dennoch stellen die osteuropäischen Oberkleriker mit sicherem Griff ins Klo die falsche Diagnose und verlangen von Rom und Deutschland viel hasserfüllter und bösartiger gegen Schwule und Trans-Menschen zu agieren.

[….] In Deutschland setzen sich viele katholische Bischöfe dafür ein, Homosexuelle und trans Menschen nicht weiter auszugrenzen. Doch die Kirche in Polen hält die Ablehnung queerer Menschen für einen der zentralen katholischen Glaubensfundamente, wie der Posener Erzbischof Stanisław Gądecki in einem am 9. November an Papst Franziskus gesandten Brief beklagt.

In dem Schreiben kritisierte er den Synodalen Weg, mit dem sich die deutsche Kirche modernisieren will. In dem Reformprozess wird etwa die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare und die Anerkennung geschlechtlicher Vielfalt gefordert. Laut Gądecki würden solche Vorschläge dem katholischen Glauben widersprechen und sich an "linksliberalen Ideologien" orientieren. Zum Thema der Segnung Homosexueller schrieb Gądecki etwa: "Man kann fragen, warum es nötig ist, Menschen zu segnen, die in Sünde leben." Er wendet sich auch gegen die Forderung aus Deutschland, dass transgeschlechtliche Gläubige ihren Namen und den Geschlechtseintrag im Taufregister ändern dürfen.

Gądecki hatte sich – wie auch andere Vertreter der katholischen Kirche in Polen – wiederholt gegen die Akzeptanz queerer Menschen ausgesprochen. Letztes Jahr warnte er etwa seinen deutschen Amtskollegen Georg Bätzing davor, "die Lehre der Kirche über die Sünde homo­sexueller Handlungen zu ändern" (queer.de berichtete).
Auch politisch ist Gądecki aktiv: So forderte er die kürzlich abgewählte rechtspopulistische PiS-Regierung 2019 noch auf, queere Menschen weiter zu diskriminieren (queer.de berichtete). Auch bei anderen Themen zeigte er sich voll auf Regierungslinie – etwa bei der Forderung der PiS-Regierung nach 1,3 Billionen Euro Reparationen von Deutschland, mit der sie antideutsche Ressentiments im Wahlkampf wecken wollte.
  [….]

(Queer, 16.11.2023)

Mit Erzbischof Stanisław Gądecki verfügt die polnische Kirche also auch über einen atheistischen Topagenten, wie Kardinal Woelki.

Erfreulich zu hören, wie intensiv die Bischöfe östlich der Oder daran arbeiten, die Menschen aus der Kirche zu jagen. Denn wenn man die Zahlen aus Deutschland auch nur ansatzweise auf unseren östlichen Nachbarn übertragen kann, sieht es schwarz aus für die Kirche, und zwar dunkelschwarz.

(…) [….]  Die große Mehrheit der Befragten sieht Reformbedarf bei den Kirchen: 80 Prozent der evangelischen und 96 Prozent der katholischen Kirchenmitglieder sind der Meinung, dass sich die eigene Kirche grundlegend verändern müsse, um eine Zukunft zu haben. 95 Prozent der Katholiken befürworten, dass die katholische Kirche die Heirat von Priestern zulassen sollte, mehr als 80 Prozent der katholischen und evangelischen Kirchenmitglieder finden, die Kirchen sollten homosexuelle Partnerschaften segnen. Die Studie zeigt, dass nicht nur die Kirchenbindung, sondern auch die Bedeutung von Religion zurückgeht. [….]

(SZ, 14.11.2023)  (….)
(Religiosität raus, 15.11.2023)

Danke liebe RKK! Immer weiter so! Schießt Euch fleißig selbst weiter in die Knie!

Mittwoch, 15. November 2023

Religiosität raus

Die Leute gehen nicht mehr in die Kirche, Gottesdienste werden leerer, Pfarrer fehlen, es gibt immer neue Rekordzahlen bei den Kirchenaustritten, Kirchengebäude werden entwidmet, verkauft und abgerissen.

All das sind Tatsachen, die auch kein noch so überzeugter Religiot bestreitet.

Dennoch weigern sich aber beide großen christlichen Kirchen hartnäckig das Urproblem anzuerkennen: Das Produkt, welches ihre Vereine anbieten ist Mist.

Die christliche Lehre ist gewalttätig und spalterisch, die Bibel mit ihrem Antisemitismus, der Frauenverachtung und der Sklaverei-Befürwortung, hoffnungslos outdatet, das Personal kriminell, die Institution Kirchen stand historisch fast immer auf der falschen Seite (zB für die deutschen Betreiber von Auschwitz und gegen die sowjetischen Befreier von Auschwitz) und schockiert auch im Jahr 2023 noch als größte Stütze Orbáns, der PiS, Putins Angriffskrieges und Donald Trumps.

Ehrliche Bischöfe müssen einsehen, wie fatal es ist, als ewige Geozentristen aus purem Starrsinn Heliozentristen (wie einst Giordano Bruno) zu töten.

Sie sollten den toten Gaul nicht weiterreiten.

(….) Ich bestaune ihre geistigen Verrenkungen, wenn es darum geht das Offensichtliche zu negieren – nämlich, daß die Bibel mit ihren tumb-debilen Regeln einer primitiven Hirtenkultur, hoffnungslos outdated ist. Ein Verein, wie die EKD, der 2023 das Produkt Bibel anbietet, kann bei der Kundenbindung nur scheitern.

Ein Buch als „Gottes Wort“ zu preisen, das Sklaverei gutheißt, Misogynie, Krieg, Gewalt gegen Kinder und Antisemitismus propagiert, muss als Marketingstrategie scheitern. Die Inhalte mögen durchaus irgendwann einmal modern gewesen sein; so wie einst Kassettenrekorder oder VHS-Videotheken die Menschen anlockten und begeisterten. Aber 2023 kann man diese Produkte nicht mehr an den Mann bringen, muss sie aufgeben.  (….)

(Theologische Abwege, 02.11.2023)

Die Zahlen aus der Marktforschung könnten nicht deutlicher sein.

[….] Für fast acht von zehn Befragten einer Studie der Evangelischen Kirche hat Religion keine oder nur wenig Bedeutung. Schon nächstes Jahr könnte der Anteil der christlich-konfessionell gebundenen Menschen in Deutschland unter 50 Prozent liegen. Kirchenbindung und Religiosität der Deutschen schwinden schneller als bislang erwartet. Das ist ein zentrales Ergebnis der sechsten Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung, die die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) in Ulm bei der Tagung der EKD-Synode veröffentlicht hat. [….] Die Erhebung kommt außerdem zu dem Schluss, dass die vor vier Jahren durch eine andere Studie prognostizierte Halbierung der Mitgliederzahl in der evangelischen Kirche bis 2060 bereits in den 2040er-Jahren erreicht sein dürfte. Nur 27 Prozent der befragten Katholiken schließen einen Kirchenaustritt derzeit aus. Bei den Evangelischen sind es 35 Prozent. Vor rund zehn Jahren bei der vorangegangenen Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung waren es noch 74 Prozent. [….]

(Tagesschau, 14.11.2023)

Es fasziniert, wie sehr sich die Top-Kleriker, im Angesicht der von ihnen selbst erhobenen Zahlen, immer noch winden, mit dialektischen Kniffen die Realität umschiffen.

[….] Bischof Kohlgraf [….] unterstrich [….]: „Wir treten damit in die Situation einer säkularen Mehrheitsgesellschaft ein. Was bedeutet das für unser Verständnis und unseren Auftrag als Kirche? Sicherlich geht es nicht um die Perspektive der kleinen Herde bzw. des heiligen Rests, der sich schmollend zurückzieht und abschottet. Auch eine massiv schrumpfende Kirche möchte ein wichtiger Faktor in gesellschaftlicher wie religiöser Hinsicht bleiben. Sie hat noch eine Botschaft. Wir verlieren als Christen nicht unseren Auftrag, Zeugen der Hoffnung zu sein, die uns trägt – das Evangelium anzubieten, Menschen dabei zu begleiten, in eine lebendige Christusbeziehung hineinzuwachsen und in ihr zu wachsen.“ Die KMU zeige nicht nur eine Krise der Institution, so Bischof Kohlgraf: „Auch die christliche Botschaft, das Evangelium, verliert für immer mehr Menschen an Lebensrelevanz. [….]  Denn wollen wir eine gesellschaftlich relevante Kirche, deren Botschaft sich für viele als immer irrelevanter erweist?“   [….]

(Deutsche Bischofskonferenz DBK, 14.11.2023)

Katholidioten und Evangelioten erleben gleichermaßen den völligen Realitätsverlust, indem sie zwar die Begriffe „Irrelevanz“ oder „Vertrauensverlust“ verwenden, aber dennoch hartnäckig den Ungläubigen und Exmitgliedern unterstellen, sie wären trotzdem auf Sinnsuche, den nur Religionen erfüllen könnten, wendeten sich womöglich schlechten Alternativen zu.

Dabei interpretieren sie frech jedes Interesse an Religion automatisch als Religiosität.

Michael Schmidt-Salomon beklagt genau, wie andere atheistische Publizisten, Philipp Möller zum Beispiel, daß seine Bücher in den Buchläden oder den Onlineplattformen unter „Religion“ oder „Theologie“ auftauchen und somit seine Leser von kirchlichen Analytikern flugs als „potentiell religiös“ einsortiert werden, obwohl das diametrale Gegenteil der Fall ist.

Ich habe das gleiche Phänomen mehrfach bei Umfragen zur Kirche erlebt, an denen ich teilnahm. Natürlich bin ich extrem an Kirche und Religion interessiert und damit haben sie mich schon als potentielles Schäfchen im Sack. Dabei führt gerade genaue Kenntnis der Religion und die ausführliche Beschäftigung mit kirchlicher Historie zu Atheismus.

Je mehr man über Religion liest, desto areligiöser wird man. Jeder engagierte Atheist erlebt die frappierende Unkenntnis der durchschnittlichen Gläubigen.

Jugendliche in christlichen Familien hören dann auf am Sonntag mit in die Kirche zu gehen, wenn sie das erste mal den Priester in der Predigt genau zuhören, statt den Salmon stumpf über sich ergehen zu lassen.

Die Daten der sechsten Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung, KMU-VI, zeigen aber im Gegensatz zu den Verlautbarungen der Bischöfe beider Konfessionen, daß die verloren Schafe eben nicht verzweifelt weiter auf Sinnsuche sind.

Man braucht eben nicht gerade in Krisen (wie Corona) die Kirchen.

Es braucht nicht nur kein Christentum, um moralisch zu handeln; im Gegenteil; Religion korrumpiert die Moral.

[….]  Die große Mehrheit der Befragten sieht Reformbedarf bei den Kirchen: 80 Prozent der evangelischen und 96 Prozent der katholischen Kirchenmitglieder sind der Meinung, dass sich die eigene Kirche grundlegend verändern müsse, um eine Zukunft zu haben. 95 Prozent der Katholiken befürworten, dass die katholische Kirche die Heirat von Priestern zulassen sollte, mehr als 80 Prozent der katholischen und evangelischen Kirchenmitglieder finden, die Kirchen sollten homosexuelle Partnerschaften segnen. Die Studie zeigt, dass nicht nur die Kirchenbindung, sondern auch die Bedeutung von Religion zurückgeht. Mehr als die Hälfte der Befragten geben an, Religiosität spiele in ihrem Leben keine Rolle. Der Anteil derer, denen eine kirchliche Religiosität wichtig ist, ist in den vergangenen Jahren auf 13 Prozent gesunken. Nur sechs Prozent der Befragten neigen Religiositätsformen zu, die nichts mit der Kirche zu tun haben. Das widerspreche der verbreiteten Annahme, sagt EKD-Referentin Erichsen-Wendt, dass es viele Leute gebe, die mit der Institution Kirche nichts anfangen könnten, aber ihre Religiosität in anderen, zum Beispiel esoterischen Zusammenhangen ausübten. "Wer religiös ist, ist das in der Regel im Kontext von Kirche." Aber es sind eben immer weniger. [….] So betet der Studie zufolge fast die Hälfte der Bevölkerung nie, nur neun Prozent lesen mehrmals im Jahr in der Bibel. Auch die Zahl der Deutschen, die häufiger als ein Mal pro Jahr einen Gottesdienst besuchen, ist zurückgegangen. Vor 20 Jahren waren es noch knapp 40 Prozent, inzwischen sind es nur noch 25 Prozent. [….]

(SZ, 14.11.2023)

Dienstag, 14. November 2023

Nazi-Toleranz

Genau wie Bernd Höcke, verzichtet auch Donald Trump inzwischen vollständig auf jede Distanzierung zu Hitler und der NSDAP.

Völkische, menschenverachtende Politik wird von immer mehr Wählern geschätzt.

Natürlich gab es schon in früheren Nachkriegs-Jahrzehnte Rechtsradikale und Antisemiten in meinen beiden Heimatländern: NPD, Aryan Nation, Skinheads Sächsische Schweiz (SSS) oder der KKK. Seit 1952 wurden allein in Deutschland 79 rechtsextreme Organisationen verboten.

NPD und AfD sind leider nicht verboten und in Höckes Heimat-Bundesland wollen 35% der Wähler den Menschen als Regierungschef, der so redet:

[….] Die 25 Nazi-Zitate von Höcke

1.    „Und diese dämliche Bewältigungspolitik, die lähmt uns heute noch viel mehr als zu Franz Josef Strauß’ Zeiten. Wir brauchen nichts anderes als erinnerungspolitische Wende um 180 Grad!“ (Was heißt, die Zeit des Nationalsozialismus positiv zu betrachten, was man aus seiner Rede auch einfach herauslesen kann, Quelle.)

2.    „Wir Deutschen […] sind das einzige Volk der Welt, das sich ein Denkmal der Schande in das Herz seiner Hauptstadt gepflanzt hat.“ (Die absichtliche Doppeldeutigkeit, mit der Höcke das Holocaust-Denkmal in Berlin bezeichnet hat, wird ihm als antisemitisch ausgelegt. Er behauptet, er habe den Holocaust mit der „Schande“ gemeint, der Kontext seiner Rede lässt das jedoch nicht vermuten, Quelle)

3.    „Ich will, dass Magdeburg und dass Deutschland nicht nur eine tausendjährige Vergangenheit haben. Ich will, dass sie noch eine tausendjährige Zukunft haben, und ich weiß, ihr wollt das auch.“ (Eine direkte Kopie nationalsozialistischer Sprache durch Höcke, siehe „Tausendjähriges Reich“ Quelle)

4.    „Das Problem ist, dass Hitler als absolut böse dargestellt wird.“ (Verharmlosung und Relativierung Hitlers und des Dritten Reiches, Quelle)

5.     Er sagt, dass „eben nicht die Aggressivität der Deutschen ursächlich für zwei Weltkriege war, sondern letztlich ihr Fleiß, ihre Formliebe und ihr Ideenreichtum. Das europäische Kraftzentrum entwickelte sich so prächtig, dass die etablierten Machtzentren sich gezwungen sahen, zwei ökonomische Präventivkriege gegen das Deutsche Reich zu führen.“ (Als Landolf Ladig drehte Höcke die Schuld am Zweiten Weltkrieg um und verherrlicht die NS-Herrschaft, Quelle)

6.    Ebenfalls als Landolf Ladig beklagte er die „Zinsknechtschaft“, „zinsverursachter Wachstumszwang“ und das „Zinsgeldsystem“. („Brechung der Zinsknechtschaft“ war zentraler Slogan der NSDAP, die damit eine „Herrschaft der Juden“ meinte, Quelle)

7.    „Wir müssen klar immer wieder darauf hinweisen, dass Merkel nicht das Problem ist, sondern dass sie der Kopf eines stinkenden Fisches ist… Dass nicht nur Merkel weg muss, sondern dass das Merkel-System weg muss […] und dieses Merkel-System sind sämtliche Kartellparteien, die es nicht gut mit diesem Land meinen.“ (Höcke möchte alle anderen Parteien abschaffen, Quelle)

8.    Höcke möchte laut seinem Buch den Kampf gegen den vermeintlich „bevorstehenden Volkstod durch den Bevölkerungsaustausch“ antreten. (Genau auf dieses rechtsextreme Märchen stützten sich auch der Christchurch- und Halle-Attentäter.)

9.    „Neben dem Schutz unserer nationalen und europäischen Außengrenzen wird ein groß angelegtes Remigrationsprojekt notwendig sein.“ („Remigration“ ist ebenfalls ein von Rechtsextremen und dem Christchurch-Attentäter genutztes Wort, was einfach „Deportationen“ bedeutet. Höcke möchte Massendeportationen durchführen, S. 254.)

10. Ziel dieser „Remigration“ sei es, nach „der erhofften Wendephase“ (Machtantritt der AfD) „kulturfremde“ Menschen (Afrikaner und Asiaten) zu deportieren. Und weiter „Vor allem eine neue politische Führung wird dann schwere moralische Spannungen auszuhalten haben: Sie ist den Interessen der autochthonen Bevölkerung verpflichtet und muss aller Voraussicht nach Maßnahmen ergreifen, die ihrem eigentlichen moralischen Empfinden zuwiderlaufen.“ Man werde, „so fürchte ich, nicht um eine Politik der ‚wohltemperierten Grausamkeit‘ herumkommen.“ (Höcke will diese Massendeportationen also notfalls mit Gewalt durchführen, S. 254ff.)

11. „Auch wenn wir leider ein paar Volksteile verlieren werden, die zu schwach oder nicht willens sind, sich der fortschreitenden Afrikanisierung, Orientalisierung und Islamisierung zu widersetzen.“ Er denke an einen „Aderlass“. (Höcke will bei seinen Massendeportationen auch den Tod oder die Verbannung von Menschen in Kauf nehmen [oder verursachen], die sich dagegen wehren.)

12. „Ich weise dieser Partei einen langen und entbehrungsreichen Weg. Aber es ist der einzige Weg, der zu einem vollständigen Sieg führt, und dieses Land braucht einen vollständigen Sieg der AfD und deshalb will ich diesen Weg – und nur diesen Weg – mit euch gehen, liebe Freunde!“ (Höcke träumt also von einem „Endsieg“ der AfD, Quelle)

13. „Mit der Bombardierung Dresdens und der anderen deutschen Städte wollte man nichts anderes, als uns unsere kollektive Identität [zu] rauben. Man wollte uns mit Stumpf und Stiel vernichten, man wollte unsere Wurzeln roden. Und zusammen mit der dann nach 1945 begonnenen systematischen Umerziehung hat man das auch fast geschafft.“ (Höcke bezeichnet die Entnazifizierung als etwas Schlechtes, ergo ist Nazi-Denken gut? Quelle)

14. „Eine wirkliche Demokratie ist Deutschland heute für mich nicht mehr. Deutschland ist für mich heute eine Maulkorbdemokratie, die leider auf dem besten Weg ist, eine Wohlfühldiktatur zu werden.“ (Höcke behauptet, wir würden in keiner Demokratie leben, weil er angeblich nicht mehr alles sagen dürfe, Quelle)

15. „Heimat verliert man dadurch, dass man zur Minderheit im eigenen Land wird. In den westdeutschen Großstädten ist es mittlerweile so, dass wir Deutschen Minderheit im eigenen Land sind.“ (Das ist natürlich eine Lüge, deutsche Staatsbürger sind natürlich nicht die Minderheit. Aber auch „Deutsche ohne Migrationshintergrund“ sind auch in allen westdeutschen Großstädten immer noch die größte Gruppe. Es ist wieder die rechtsextreme Theorie des Volkstods. Ähnliche Zitate brachte er sogar häufiger, Quelle)

16. „Die sogenannte Einwanderungspolitik, die nichts anderes ist als eine von oben verordnete multikulturelle Revolution, die nichts anderes ist als die Abschaffung des deutschen Volkes.“ (Wieder die Neonazi-Fantasien vom „Volkstod“, Quelle)

17. „Im 21. Jahrhundert trifft der lebensbejahende afrikanische Ausbreitungstyp auf den selbstverneinenden europäischen Platzhaltertyp.“ (Das ist klassische „Rassenlehre“ und einfach Rassismus, Quelle)

18. „Der Syrer, der zu uns kommt, der hat noch sein Syrien. Der Afghane, der zu uns kommt, der hat noch sein Afghanistan. Und der Senegalese, der zu uns kommt, der hat noch seinen Senegal. Wenn wir unser Deutschland verloren haben, dann haben wir keine Heimat mehr!“ (Höcke behauptet, jemand, der von einem vom Krieg zerstörten Land geflohen ist habe noch eine Heimat, aber die Deutschen würden ihre wohlhabende, friedliche Heimat verlieren, Quelle)

19. „Ich habe die AfD stets als letzte evolutionäre Chance für unser Land bezeichnet. Sie kann es nur bleiben, wenn sie – als eigentlich zutiefst bürgerliche Partei – über ihren Schatten springt: Sie muß in den nächsten Jahren als fundamentaloppositionelle Bewegungspartei gegen die Feinde des Gewordenen organisieren.“ (Höcke erklärt die AfD zum Feind aller anderen Parteien, Quelle)

20. „Die Sehnsucht der Deutschen nach einer geschichtlichen Figur, welche einst die Wunden im Volk wieder heilt, die Zerrissenheit überwindet und die Dinge in Ordnung bringt, ist tief in unserer Seele verankert, davon bin ich überzeugt.“ (Höcke behauptet, die Deutschen sehnen sich nach einem „Führer“, Quelle)

21. „Die Überwindung des Parteigeistes und die enge Verbindung mit den neutralen, sachkompetenten staatlichen Institutionen halte ich für entscheidend bei der Lösung der anstehenden Probleme. Bis dahin ist es die Aufgabe der AfD, eine unüberhörbare parlamentarische Stimme und Vertretung der Volksopposition im Land zu sein.“ (Höcke möchte das Parteiensystem „überwinden“ und durch „staatliche Institutionen“ ersetzen, Quelle)

22. „Ein paar Korrekturen und Reförmchen werden nicht ausreichen, aber die deutsche Unbedingtheit wird der Garant dafür sein, dass wir die Sache gründlich und grundsätzlich anpacken werden. Wenn einmal die Wendezeit gekommen ist, dann machen wir Deutschen keine halben Sachen, dann werden die Schutthalden der Moderne beseitigt.“ (Höcke möchte keine Reformen einführen sondern will eine Revolution, Quelle)

23. „Die Weißen und die Schwarzen setzten sich vor ihrer Amerikanisierung aus mehreren hochdifferenzierten Völkern mit eigenen Identitäten zusammen. Jetzt sind sie in einer Masse aufgegangen. Diesen Abstieg sollten wir Europäer vermeiden und die Völker bewahren.“ (Muss man zu diesem offensichtlichen Rassismus noch etwas sagen? Quelle)

24. „Überlegung über ein Zusammengehen oder Koalieren mit Teilen des politischen Establishments setzt deren Läuterung und prinzipielle Neujustierung voraus. Das ist erst zu erwarten, wenn das Altparteienkartell unter der steigenden Krisenlast zerbrochen ist.“ (Höcke nennt nicht nur alle anderen Parteien kriminell, er will auch nur mit „Teilen des politischen Establishments“ zusammenarbeiten, wenn diese vollständig auf AfD-Linie stehen, Quelle)

25.„Die Altparteien sind nicht nur inhaltlich erstarrt, sie sind inhaltlich entartet.“ („Entartet“ ist ein offizieller Propagandabegriff der Nazis, mit welchem sie Kunstwerke bezeichneten, die nicht ihrer Ideologie entsprachen, Quelle)  [….]

(Volksverpetzer, 03.07.2023)

Schlimmer als die Schlechtmenschen, die tatsächlich die AfD wählen, sind wir, der Rest, der sich daran gewöhnt hat und nichts unternimmt.

In der Tat, ‚Nie wieder‘ ist jetzt. 2023 zeigt sich, ob wir besser sind als 1933.

Die Konservativen und Liberalen wiederholen augenscheinlich ihre Hitler-Appeasement-Strategie von 1931 und 1932. Sie rücken selbst immer weiter nach rechts, übernehmen die Rhetorik der Faschisten.

Statt auf die Seite der Demokratie, stellen sie sich zu den Autokraten und erklären die Verteidiger des Rechtsstaates zu Hauptgegnern. Anfang der 1930er hetzten die konservativen Christen gegen die SPD, heute gegen die Grünen.

Man kann jetzt schon sagen: Lindner, Merz und Söder versagen moralisch in epischen Ausmaß.

Bedauerlicherweise trifft das auch auf Merz‘ immer wieder rechtsaußen blinkende Parteifreundin Ursula von der Leyen zu, die von PiS und Fidesz ins Amt gehoben, achselzuckend EU-Mitgliedsstaaten in rechtsextreme Diktaturen kippen lässt.

[….] Orbán rückt noch weiter nach rechts

[….]  An diesem Dienstag soll in Ungarn das sogenannte Souveränitätsgesetz ins Parlament eingebracht werden. Wie gewöhnlich sind noch keine Details bekannt - weil Ministerpräsident Viktor Orbán und seine Partei Fidesz Gesetzestexte oft erst am Vorabend der Abstimmung in erster Lesung veröffentlichen. Damit es bloß keine ausführliche Debatte gibt. Aber so viel ist klar nach einer Rede Orbáns, die er am Montag auf einer sogenannten Souveränitätskonferenz hielt: Das Gesetz weitet die Durchgriffsrechte offenbar etwa von Polizei und Bürgerwehren aus, während jene schärfer kontrolliert werden sollen, die Fidesz als "Pseudo-Zivilorganisationen" abqualifiziert. Linke Politiker, so die Fidesz-Diktion, würden schließlich aus unbekannten Quellen finanziert, damit sie in Ungarn an die Macht kämen und sich ausländische Wirtschaftsgruppen auf Kosten Ungarns bereichern könnten. Die Opposition wolle dem ungarischen Volk gemeinsam mit feindlichen Mächten schaden. Aus derselben düsteren Ecke kommen seit Jahren Verschwörungsmythen, mit denen Fidesz vor einer geplanten "Umvolkung" mittels gezielt ins Land geschleuster Migranten durch den US-Milliardär George Soros warnt.

Was Orbán betreibt, ist klassische Eskalationspolitik: allmähliche Steigerung oder Verschärfung. Er ist ein Meister darin. [….] Denn das Wahlsystem wurde an die Interessen der Regierungspartei stetig angepasst. Fidesz dominiert nicht nur die Medien, sondern mittelbar auch den Zugang der Oppositionsparteien zu Staatsmedien. [….] Das ist mehr als "illiberale Demokratie", dahinter steht ein autokratisches Politikverständnis. Geplant ist eine Behörde, die alle "ungarnfeindliche" Aktivitäten überwacht; was immer das sein soll. Denn wer, so der Fidesz-Fraktionschef, die "Heimat verrate", müsse mit Konsequenzen rechnen. Die Rhetorik, mit der das Gesetz vorbereitet und auch von Orbán am Montag begründet wurde, zeigt rechtsextreme Denkmuster. Der Regierungschef inszeniert sich als Retter des irregeleiteten Volkes vor Vaterlandsverrätern und ausländischen Agenten, Liberale heißen bei ihm "Kommunisten". Er raunt von "dunklen Mächten", welche Ungarns Freiheit bedrohten. [….]

(Cathrin Kahlweit, 13.11.2023)

Deutschland, die EU und die USA versagen vor der Geschichte.

Montag, 13. November 2023

Endlich eine gute Nachricht

Optimismus und Realismus passen nicht mehr zueinander. Wer im Herbst 2023 bei der Zeitungslektüre, oder in der Tagesschau, viel Gutes erwartet, wird eine Kette der Enttäuschungen erleben.

Donald Trump holt die widerwärtigste Goebbels-Sprache raus, bezeichnet politische Gegner als „Ungeziefer“, deren „traurige, miserable Existenz [….] zerquetscht“ werde, wenn er ins Weiße Haus zurückkehre.

Rishi Sunak holt mit David Cameron die Erzursache des britischen Elends, als Außenminister in sein Kabinett.

Greta Thunberg zerlegt die FFF-Bewegung, lässt der weltweiten Klimabewegung die Luft raus, indem sie all ihren konservativen Kritikern Munition liefert.

Die Rechtsextremen inszenieren sich als islamophobe Judenfreunde, nur um ihrem Antisemitismus weiter zu frönen.

Neben AfDioten ventilieren auch Politiker der FDP und der C-Parteien offen verfassungswidrige und menschenverachtenden Vorschläge, ohne wahrnehmbaren Protest dagegen.

Da klingt doch ein sofortige Atomweltkrieg, um das Elend des Homo Demens gnädig zu beenden, gar nicht mal so negativ.

Umso erstaunlicher, erfreulicher, positiv überraschend, glücklich und begeisternd kommt da eine Meldung, die sich allerdings seit einer Woche latent ankündigte.

Deutschlands miesester Hass-Blog Philosophie Perennis, das Kreuznet in unkomisch, wurde zuletzt am 05.11.2023 upgedatet. Seither Schweigen. Der dunkelkatholische Social-Media-Komiker Bernhard Freienstein wandte sich am 04.11.2023 an seinen katholischen Freund im Geiste:


[….] Ich bitte Sie, David Berger, um einen größeren Einsatz für die Lehren der "vorkonziliaren" katholischen Kirche. Bei Ihnen kommt das Katholische leider nur verzerrt rüber, also überhaupt nicht. Die katholische Kirche ist ein absoluter Feind des Liberalismus. Sie, David Berger, definieren sich aber als liberal-konservativ. Streichen Sie das Liberale! Gott ist nicht liberal, sondern, um mit heutigen Begriffen zu arbeiten, totalitär und reaktionär. Und so müssen wir als Freunde Gottes, die wir Gott lieben und anbeten im Geist und in der Wahrheit, ebenfalls nicht liberal und ebenfalls totalitär und reaktionär sein. Mit Ihrer liberalen Haltung, David Berger, verstoßen Sie ständig z. B. gegen die Enzyklika "Mirari vos" Papst Gregors XVI. (1831-1846) von 1832, gegen die Enzyklika "Quanta cura" Pius' IX. (1846-1878) von 1864, gegen den "Syllabus errorum" der Römischen Kurie unter Papst Pius IX. von demselben Jahr und gegen die Enzyklika "Libertas praestantissimum" Papst Leos XIII. (1878-1903) von 1888. Auch wenn heute nur noch wenige Menschen diese Enzykliken hochhalten und verehren und sich nach ihnen richten, wir rechtgläubigen Katholiken müssen dazugehören. Und das vermisse ich bei Ihnen. Der katholische Integralismus ist heilsnotwendig.  [….]

(Bernhard Heinrich Freienstein, 04.11.2023)

Bis hierher ist es das ganz normales rechtsextreme Sektierertum, welches temporäre Allianzen der dunkelkatholischen Schwurbler immer wieder sprengt.

Interessant war aber der Kommentar des früheren Berger-Co-Autors Michael von Laack, der persönliche Informationen beitrug.

[….] "behalten Sie Ihn so in Erinnerung, wie er früher war." Ich habe David vor vier Tagen in Dinslaken (Niederrhein) unerwartet getroffen und muss Ihnen in diesem Punkt leider zustimmen: Er ist nur noch ein Schatten seiner selbst. Jegliche Selbstsicherheit ist geschwunden, körperlich hat er auch ein wenig abgebaut und wirkt fahrig bzw. unkonzentriert. Ob das nun auf Medikamente oder andere Substanzen zurückzuführen ist, kann ich nicht beurteilen. - Ich bin auf jeden Fall sehr besorgt, auch wenn er und ich uns ein knappes halbes Jahr nach meinem Weggang von "Philosophia Perennis" (im August 2021) überworfen haben, denn Freundschaft hinterlässt immer Spuren. [….] Das vollständige Überwerfen fand allerdings erst zwei Wochen nach Ausbruch des Ukrainekriegs statt, als ich öffentlich auf meinem damaligen wenige Monate zuvor von Dr. Frank Berghaus übernommenem Blog "Wissen bloggt", den ich mittlerweile aufgegeben habe, kritisierte, dass David einen Artikel auf PP veröffentlicht hatte, in dem behauptet wurde, dass Massaker von Butcha hätte die ukrainische Armee selbst inszeniert und Selenskyj sei der Führer eines weltumspannenden Netzwerks von Nationalsozialisten, die Russland und die EU erobern wollten. Nach meiner Kritik löschte er meine fast 1.000 über meinen Account erstellten Artikel von PP. Lediglich einige Artikel, die ich als Gastautor verfasst hatte, blieben (auch bis heute) noch stehen. Ob sie übersehen wurden oder das absichtlich geschah, weiß ich nicht. Anschließend blockierte er mich auf Twitter und antwortete mir auf keinem Kanal mehr. [….]

(Michael van Laack, 11.11.2023)

Es ist neu, daß auch Bergers rechtsradikale Mitstreiter sein von Siechtum und Drogen-Abusus gezeichnetes Äußeres thematisieren.

Heute nun gab es auch PP selbst Klarheit.

Der rechtsradikale, schwulenhassende, covidiotische, Verschwörungstheorien verbreitende, für die AfD als „Experte“ im Bundestag auftretende, verfassungsverachtende, radikal islamophobe, Putin- und Trump-verehrende, antisemitische, transphobe, mit Unrat um sich werfende, maximal heuchelnde, dunkelkatholische, Piusbruder-affine, völkisch tickende, drogensüchtige, Zwietracht säende, komplexbeladene, egomanische, früh gealterte, finanziell und intellektuell gescheiterte, sich mit allen Mitverschwörern zerstreitende, Faschismus-verherrlichende Höcke-Fanboy gibt auf!

[….] Diese Zeit war aufregend, man hätte dazu Tag und Nacht etwas zur Mainstreammedien-Propaganda Alternatives schreiben können. Aber bei mir ist nun der Punkt gekommen, dass ich erst einmal eine längere Pause brauche. Oder wie mein Arzt mir nun noch einmal eindringlich ans Herz gelegt hat: Wenn Sie jetzt nicht die Notbremse – zumindest für einige Monate ziehen – kann das Böse enden. Da ich das nicht will, sondern fest entschlossen bin, hier weiterzumachen, bitte ich meine Leser um Verständnis, dass auf „Philosophia Perennis“ erst einmal nichts oder nur in Ausnahmefällen etwas Neues erscheint. Ich hoffe, dass sich das nach der Pause wieder ändert und wäre sehr froh, wenn unsere Verbindung nicht abbricht. [….]

(David Berger, 13.11.2023, PP)

Es entspricht klischeehaft seiner unterentwickelten Souveränität, sich noch auf dem letzten Meter als Märtyrer darzustellen, der wie einst Hitler im Führerbunker seine Gesundheit dem deutschen Volke opfert.

Bei 99,999999% aller Menschen verbietet es der Anstand, sich wohlwollend über ihre gesundheitlichen Probleme zu äußern.

Aber es gibt diese ganz wenigen Ausnahmen, die einen derart toxischen Einfluß auf die Menschheit haben – Trump, Höcke, Erdoğan, MTG, Boebert, Gaetz und eben Berger -  bei denen jeder Philanthrop froh sein muss, wenn sie auf irgendeine Weise zum Schweigen gebracht werden.

(…..) Es gibt außer Donald Trump eigentlich niemanden, den ich so abgrundtief verachte, wie den verschwörungstheoretischen, antisemitisch-heuchelnden Hetzer David Berger, der im letzten Monat zweimal für die AfD als angeblicher „Experte“ im deutschen Bundestag seine widerlich-destruktive Ideologie verbreiten durfte.  Sein Pipi-Blog hat, wie damals Kreuznet, diesen Tote-Qualle-Am-Strand-Effekt. Man weiß schon vorher, daß es ekelig ist, verspürt aber dennoch den Drang ganz nah ranzugehen, um den modernden Leichnam genauer anzugucken. So geht es mir mit „Philosophia Perennis“ und weiche jedes Mal angewidert zurück. Denn das ist der große Unterschied zwischen David Bergers Blog und Kreuznet:

 Beide waren ungefähr gleich rechtsextrem und schäbig, aber die Kreuzler frönten einer gewissen Lust am Formulieren, kreierten Neologismen und sorgten so dafür, daß man sie bei allem Ärger auch herzlich auslachen konnte. Berger hingegen ist vollkommen humorlos.   (….)

(Rechts gegen rechts, 05.06.2023)

Was auch immer die wahren Gründe für das (hoffentlich nicht nur vorläufige) Ende der PP-Schundmaschine sein mögen; es ist ein Grund zur Erleichterung. Jeder Tag, an dem Berger nicht mehr die Axt an die deutsche Demokratie legt, ist ein Guter.

Annuntio vobis gaudium magnum: Habemus PP-Aus!