Samstag, 4. November 2023

Historische aufgeladene Zeiten

Viele Rechtsextreme, viele Idioten und leider auch zu viele engagierte Linke, blamieren sich, seit die Hamas am 07.Oktober 2023 mehr als 1.400 Israelis massakrierte und rund 250 Menschen als Geiseln verschleppte, mit verstörenden Aussagen.

Möglicherweise gab es schon beim Jom Kippur-Krieg 1973, oder dem Sechstagekrieg von 1967 so abwegige deutsche Meinungen dazu. Aber glücklicherweise gab es damals noch kein Internet, so daß nicht jeder Depp seine irrelevanten Ansichten publizierte.

Ich möchte 20 Axiome zur Nahost-Meinungsäußerung in Deutschland nennen, die ich mir nicht etwa gerade selbst ausdenke, sondern seit Jahrzehnten rauf und runter gebeten werden. Aber offensichtlich dennoch immer weniger gehört werden.

1.   Niemand ist gezwungen sich zu positionieren.

2.   Niemand muss Nahost-Experte sein.

3.   Kritik an Israelischer Politik ist nicht verboten.

4.   Politisches Handlungen der Jerusalemer Regierung zu kritisieren, ist nicht antisemitisch.

5.   Einzelne Menschen jüdischen Glaubens in Deutschland für Netanyahus Handlungen zu beschimpfen, ist antisemitisch.

6.   Die Hamas ist nicht identisch mit den Palästinensern.

7.   Ein nach 1945 geborener Deutscher ist nicht Schuld am Holokaust.

8.   Die Deutschen Bürger sind aber dafür zuständig, den Holocaust nicht zu vergessen und ihn nicht zu wiederholen.

9.   Für die historischen Leiden des jüdischen und des palästinensischen Volkes ist Deutschland sehr stark mitursächlich und sollte deswegen auf internationaler Ebene nicht ausgerechnet am Lautesten kritisieren und den moralischen Zeigefinger schwenken.

10.Hamas-Terror, der zum Beispiel beinhaltet, die deutsche Geisel Shani Louk, nackt zur Schau zu stellen, sie zu vergewaltigen, foltern, köpfen, zu zerstückeln und mit solchen Taten im Netz zu prahlen, ist eben nicht mit den Aktionen Israelischer Soldaten zu vergleichen.

11.Wenn man auf Social Media Israel beschimpft und dafür seinerseits kritisiert wird, bedeutet das nicht „man darf ja gar nichts mehr sagen“.

12.Meinungsfreiheit in Deutschland bedeutet nicht das Recht, seine Meinung immer widerspruchslos kund zu tun.

13.Wenn deutsche Juden nur unter besonderem Schutz in Schulen oder Synagogen gehen können, ist das nicht ihre Schuld, sondern eine elende Schande für die deutsche Gesellschaft.

14.Empathie für die getöteten Kinder im Gaza-Streifen zu empfinden, bedeutet nicht, israelfeindlich zu sein.

15.Empathie für die von der Hamas gefolterten und getöteten Israelis zu empfinden, bedeutet nicht, alle Palästinenser zu hassen.

16.Die internationale Gemeinschaft verlangt nicht von Fritze Meier in der Fußgängerzone von Buxtehude, eine Lösung des Nahostkonfliktes aus dem Ärmel zu schütteln.

17.Nicht jeder Deutsche muss über historisches Fachwissen verfügen.

18.Wer historische Vergleiche bemüht, sollte aber die Fakten kennen.

19.Deutsche Rechtsradikale, die mit ihrem extremen Hass auf Migranten und Muslime Stimmungen machen, sind nicht automatisch Israel-Freunde.

20.Die Kriegsverbrechen Putins rechtfertigen selbstverständlich nicht, 80 Jahre rückwirkend den deutschen Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion.

Eine besonders perfide, abscheuliche Form des Rechtsradikalismus, betreibt der verschwörungstheoretische David Berger, der auf seinem Blog übelste Polemik gegen alle dunkelhäutigen Migranten auskübelt und sich gleichzeitig immer wieder als großer Israelfreund inszeniert, während er selbst unablässig antisemitische Klischees füttert – „Strippenzieher Soros, Great Reset, internationaler Finanzverschwörer“.

Heute erinnert sich der historische Superschwurbler Berger an die „Schlacht um Berlin“, als die sowjetischen Marschälle Iwan Konew und Georgi Schukow, vom 20.04.-02.05.1945 Hitlers Hauptstadt eroberten. Dabei wurden zwei Millionen Granaten abgeschossen, die Stadt komplett zerstört. Es kamen 100.000 Rotarmisten und ungezählte Deutsche ums Leben.

Es gab dafür sehr gute Gründe: Deutschland hatte der Sowjetunion den Krieg erklärt, 25 Millionen ihrer Bürger in einem Vernichtungskrieg ermordet. Die Rote Armee hatte auf ihrem Weg nach Berlin unter anderem das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau befreit und wußte genau, was die Deutschen taten.

[….]  Nach der sowjetischen Winteroffensive stand die Rote Armee Ende Januar 1945 entlang der Oder und Lausitzer Neiße von Stettin bis Görlitz knapp 80 Kilometer vor Berlin. Die Eroberung der deutschen Reichshauptstadt war ausgegebenes Ziel der sowjetischen Führung unter Josef W. Stalin. Im Februar und März brachten die Sowjets rund 2,5 Millionen Soldaten mit über 6.000 Panzern sowie 7.500 Flugzeugen für den Angriff auf Berlin in Stellung. Ihnen gegenüber standen an der Oderfront rund eine Million deutsche Soldaten, die sich aus Resten von Wehrmachtsarmeen, Einheiten der Waffen-SS und deren Hilfstruppen sowie aus improvisierten Verbänden von Polizei und Volkssturm zusammensetzten. Kaum 800 Panzer konnten die Verteidiger aufbieten, die zudem unter erheblichem Munitions- und Treibstoffmangel litten. In Berlin waren gerade knapp 100.000 Mann zur Verteidigung zusammengezogen. Etwas über 40.000 davon waren Angehörige des Volkssturms. [….]  Am 16. April 1945 leitete die Rote Armee mit einem Zangenangriff auf Berlin das nahe Ende des NS-Regimes ein. Die 1. Ukrainische Front unter Marschall Iwan Konew (1897-1973) überrollte die deutschen Verteidigungsstellungen an der Lausitzer Neiße südlich von Berlin, während die 1. Weißrussische Front unter Georgij K. Schukow nach verlustreichen Kämpfen auf den Seelower Höhen die Stadt im Norden umging. [….]  Der Tod drohte dabei nicht nur durch sowjetische Granaten. Gemäß einem Führerbefehl Hitlers vom 22. April wurden in den letzten Kriegstagen noch ungezählte Zivilisten und Soldaten von fanatischen Einsatzkommandos der Waffen-SS rücksichtslos erschossen, wenn sie in Verdacht standen, die deutsche Widerstandskraft zu schwächen. [….]  Am 30. April hissten Rotarmisten auf der Spitze des zuvor von Freiwilligen der französischen Waffen-SS Einheit "Charlemagne" verteidigten Reichstags die rote Fahne mit Hammer und Sichel. Wenige hundert Meter entfernt hatte sich Hitler Stunden zuvor in seinem Bunker das Leben genommen, [….]  (Lebendiges Museum Lemo)

Da der katholische Klerikalfaschist und selbst erkannte Kämpfer wider des Antisemitismus Berger, stets seine Kirche lobpreist, sei in diesem Zusammenhang auf die vatikanische Bewertung der deutschen Auschwitz-Täter und der sowjetischen Auschwitz-Befreier verwiesen.

Der Vatikan war der erste Staat, der Hitler mit dem berüchtigten Konkordat erheblich aufwertete, Hitler selbst war Katholik, wurde nie exkommuniziert, Rom wußte ab 1942 über den Holokaust Bescheid, verurteilte das aber nie öffentlich. Die RKK ließ nach Hitlers Tod durch den hochrangigsten deutschen Kardinal Bertram ein Totenrequiem für den verehrten Führer abhalten und unternahm bekanntlich nach Kriegsende viele Anstrengungen, um die SS- und KZ-Schlächter über die „Rattenlinie“ vor der alliierten Justiz zu verstecken. Die schlimmsten Faschisten – Franco, Tiso, Mussolini – waren allesamt Katholiken.

Der slowakische Nazi-Diktator Jozef Tiso, der als glühender Hitler-Fan stolz verkündete alle slowakischen Juden ins Vernichtungslager geschickt zu haben, war selbst katholischer Priester.

Wie Hochhuth im „Stellvertreter“ 1962 feststellte, schwieg der Papst zum Holokaust und warf damit auch jeden moralischen Anspruch der RKK in den Orkus.  Sie störten sich nicht an der deutschen Kriegsschuld oder dem Holokaust, im Gegenteil, sie waren begeistert davon, daß Hitler die atheistische Sowjetunion angriff.  Anders als Hitler und die Nazis, verdammte Pius XII Hitlers Gegner mehr als deutlich. Beispielsweise in der Enzyklika „Divini Redemptoris“ (am 19. März 1937 veröffentlicht).   Die "acta apostolicae sedis", die Gesetzessammlung des Heiligen Stuhls vom Juni 1949 machte die Exkommunikation der Kommunisten und ihrer Anhänger aktenkundig und offiziell.

Die Weisung des Vatikans lautet: Kein Katholik kann Mitglied einer kommunistischen Partei sein oder sie begünstigen. Kein Katholik darf Bücher, Zeitungen oder Zeitschriften veröffentlichen, lesen oder verbreiten, in denen die kommunistische Doktrin verkündet wird. Jeder Katholik, der die materialistische und antichristliche Lehre des Kommunismus verkündet, sie verteidigt oder gar verbreitet, verfällt als Abtrünniger des katholischen Glaubens der Exkommunikation.
(DER SPIEGEL)

Der unfehlbare Papst definiert „kommunistische Erzsünder“ als Intellektuelle und KP-Propagandisten, die automatisch exkommuniziert sind.   Mitglieder der katholischen Kirche blieben hingegen Adolf Hitler, Heinrich Himmler, Reinhard Heydrich, Rudolf Hoess, Julius Streicher, Fritz Thyssen, Klaus Barbie, Leon Degrelle, Emil Hacha, Ante Pavelic, Konrad Henlein, Pierre Laval, Franco, Mussolini, oder Josef Tiso.
Das ist die Realität der Heiligen Römisch-katholischen Kirche.
Die Befreier von Ausschwitz, die Rote Armee, wurden verdammt und exkommuniziert, aber der Lagerkommandant Rudolf Hoess, sowie der Megasadist Josef Mengele blieben Mitglieder der RKK.
Nach 1945 half der Vatikan den Massenmördern des Jüdischen Volkes der Justiz zu entkommen.   Adolf Eichmann, Alois Brunner, Dr. Josef Mengele, Franz Stangl (Kommandant der Vernichtungslager Sobibór und Treblinka), Gustav Wagner (Stangls Assistent), Klaus Barbie, Edward Roschmann („Der Schlächter von Riga“) und Aribert Heim (KZ Mauthausen) sind einige der Männer, die auf Veranlassung des Papstes durch Bischof Hudal mit Vatikanischen Papieren ausgestattet vor der alliierten Justiz nach Südamerika flüchteten.
Die überlebenden Juden, die sich nach Israel retten konnten, schätzte der Vatikan weit weniger.  Es dauerte bis 1993 - fast ein halbes Jahrhundert - bis sich der Vatikan dazu herab ließ auch nur diplomatische Beziehungen zu Jerusalem aufzunehmen.


Als es schließlich 1948 trotz vatikanischer Vetos zur Gründung des Staates Israel kam, polemisierte der "Osservatore Romano": "Der moderne Zionismus ist nicht der wahre Erbe des biblischen Israel, sondern ein weltlicher Staat ... deshalb gehören das Heilige Land und seine geheiligten Stätten der Kirche, die das wahre Israel ist."
Im Sommer 1948 schwieg Papst Pius XII. wochenlang, als arabische Artillerie Jerusalem beschoß. Aber kaum hatten Israels Truppen die Jerusalemer Neustadt besetzt, erließ er eine Enzyklika ("In multiplicibus curis"), in der er für die Internationalisierung Jerusalems eintrat, da die Sicherheit der Heiligtümer unter den Juden nicht gewährleistet sei -- ganz im Sinne des heiliggesprochenen Papstes Pius X.: "Es ist nicht angenehm, daß die Türken unsere Heiligtümer besitzen, aber die Juden in der Erlangung unserer heiligen Stätten zu begünstigen, das können wir nicht."
Im Mai 1949 wiegelte der Vatikan einige katholische Staaten gegen die Aufnahme Israels in die Uno auf, "weil das Land den vollen Internationalisierungsplan nicht durchgeführt hat". Daß auch Jordanien -- wie damals alle arabischen Staaten -- die Internationalisierung Jerusalems kategorisch ablehnte, kritisierte der Papst nicht, obwohl mehr als 90 Prozent aller heiligen Stätten Jerusalems in der Hand der Jordanier waren.
Gebete für die "treulosen Juden".
Und die Tatsache, daß die Juden die einzigen Pilger waren, die 19 Jahre lang ihre heiligen Stätten nicht besuchen konnten, überging der Vatikan mit Schweigen. Auch unter Pauls Regierung war die Kurie stets darauf bedacht, die Araber auf Kosten Israels zu hofieren. Der Staat Israel wird vom Vatikan noch immer nicht offiziell anerkannt. Als der Papst 1964 zehn Stunden in Israel weilte, vermied er für das israelische Staatsoberhaupt die Anrede "Herr Präsident".

(DER SPIEGEL 11.11.1974)

Reguläre diplomatische Beziehungen zu Russland, dem Rechtsnachfolger der Sowjetunion nahm der Vatikan erst im Dezember 2009 (sic!) auf.  Wie auch immer die Kurienkardinäle wirklich über Hitler, den Holocaust, die Juden, den Kommunismus, Russland und Deutschland denken mögen; mit den Tätern des Massenmordes an den Juden einigte sich der Vatikan ganz schnell. 1951 nahm der Vatikan diplomatische Beziehungen mit der Bundesrepublik Deutschland auf und eröffnete eine Apostolische Nuntiatur in Bad Godesberg.
Die Auschwitz-Befreier und die Opfer selbst waren weit weniger angesehen.

(Das größere Übel 16.11.2010)

Der AfD-Fanboy David Berger mit seinem verschwörungstheoretischen Hetzblog „Philosophie Perennis“ zitiert die Radiomeldung: „Achtung, Achtung, eine wichtige Mitteilung: Marschall Stalin teilt soeben mit: Berlin ist gefallen“.

Daran erinnerte ihn nämlich die heutige palästinensische Solidaritätsdemonstration in Berlin.

[…..]  Bilder, die um die Welt gehen: Etwa 30.000 Menschen marschieren derzeit bei einer anti-israelischen Demonstration in Berlin. Ihre Gesten sind die von Eroberern, auf Plakaten wird der Holocaust relativiert, Allahu akbar-Rufe und „Intifada bis zum Sieg“-Geschrei schallen durch die Straßen.

[….]  Als jemand, der immer auch geschichtlich denkt, fiel mir angesichts dieser Bilder natürlich ein derzeit noch viel berühmteres Foto (c) Mil.ru, Public domain, via Wikimedia Commons) ein:

  [….]

(David Berger, 04.11.2023)

Nicht nur weiß Berger nicht, wie das in der Tat berühmte Foto entstand, weswegen es nachgestellt wurde, sondern er verkehrt alle historische Tatsachen in ihr Gegenteil.

Die „Linke“ Rote Armee griff nicht Berlin an, um die Israelfreundliche Hitler-Regierung zu ärgern.

Die Zerstörung Berlins vom 02.05.1945 hat aber auch gar keine Ähnlichkeiten zur Demo vom 04.11.2023. Und die Regierungszeit von Bergers katholischen Kollegen Adolf Hitler war übrigens auch kein „Vogelschiss“.

Freitag, 3. November 2023

FDP-Kreislauf

Es ist schon ein hepatitisgelbes Muster:

Aus der Opposition mit Maximalforderungen und rechtem Geraune Aufmerksamkeit erregen.

Mit populistischem Auftreten hohe Wahlergebnisse generieren.

Zweimal mit Lindner (2009 als Generalsekretär, 2021 als Parteichef) in die Bundesregierung eintreten, dabei erstaunt feststellen, daß man nicht nur kein geeignetes Personal hat, sondern auch in der Oppositionszeit völlig vergaß, sich irgendwelche Konzepte zu überlegen.

Hart in der Realpolitik aufschlagen.

Dabei alle FDP-Minister als Total-Stümper entlarven.

Hysterisch kreischend auf die stetig fallenden Umfrageergebnisse starren.

Wenn man sich langsam, von 15% oder 11% kommend, der 5%-Hürde annähert, kategorisch den Zusammenhang zwischen schlechter Eigenperformance und Umfrageergebnissen leugnen.

Das gelbministerliche Kollektivversagen aus den Schlagzeilen verdrängen, indem man in einen radikalen Gurkentruppe/Wildsäue-Modus verfällt, wüste Lügenstorys verbreitet, sich kesselflickerartig mit den Koalitionspartnern streitet.

Schließlich im demoskopischen APO-Bereich aufschlagen, rumheulen, daß man eigentlich sowieso nie in diese doofe Regierung wollte und lieber in der Opposition rumschmollen wolle.

[…..] Innerhalb der FDP gibt es Unzufriedenheit mit der derzeitigen Rolle als kleinstes Glied in der Ampelkoalition mit SPD und Grünen. Einzelne Parteimitglieder an der Basis drängten Parteichef Christian Lindner zuletzt sogar zu einem Austritt aus dem Dreierbündnis  . Eine Umfrage der ARD könnte den parteiinternen Gegnern der Regierungsbeteiligung nun neuen Zulauf verschaffen. Dem »Deutschlandtrend« zufolge kämen die Liberalen inzwischen nur noch auf vier Prozent der Stimmen und würden damit womöglich an der Fünfprozenthürde scheitern.  [….]

(SPON, 03.11.2023)

Auch das ist ein Déjà-vu. Schon als die FDP/CDU/CSU-Regierung (2009-2013) den Bach runter ging, warf Lindner hin und lief vor dem selbstverursachten Elend weg. Ab Dezember 2011 ließ er den Rest der „Gurkentruppe“ um Phips Rösler allein weitermachen.

[….] Die schwarz-gelbe Koalition, die 2009 an die Regierung gekommen war, stand unter keinem guten Stern: Sie war schlecht vorbereitet und erschien als Bündnis niemals wirklich harmonisch. Was auch daran lag, dass sich die stark gewordene FDP überschätzte. [….] Vor allem aber musste Schwarz-Gelb das finanz- und europapolitische Krisenmanagement fortführen. Die FDP tat sich erkennbar schwer damit, [….] Die Quittung für die magere Regierungsbilanz und die internen Streitigkeiten war das spektakuläre Ausscheiden aus dem Bundestag in der Bundestagswahl vom 22. September 2013.    [….]

(Tagesspiegel Wahlspezial 2013)

Der Schönwetter-Porschepartei fehlt es einfach an Ernsthaftigkeit, Kompetenz und Charakter für die Regierung. Wenn auch noch Krisen von außen hinzu kommen, sind die Milliardärs-Lobbyisten hoffnungslos überfordert und wollen wieder weglaufen.

Lindner ist nur deswegen noch im Amt, weil er schon so oft feige weglief und insbesondere 2017 bei seinem peinlichen Kneifen vor der Jamaika-Verantwortung ein erbärmliches Bild abgab.

Noch stemmt sich der Vierprozent-Parteichef gegen seinen erneuten Untergang, indem er sich der rechtsradikalen Stimmung anpasst und hetzerische Lügen über die Schwächsten der Gesellschaft verbreitet.

Das gefällt nicht jedem, aber den armen Idioten, die keinen Porsche fahren, gibt der Top-Lobbyist von der „Partei der Besserverdienenden“ einen weisen Ratschlag:

[…..] „Ich gehe noch weiter: Letztes Jahr habe ich von meinem eigenen Geld meine Hochzeit auf Sylt bezahlt. Und wissen Sie was? Wer ein Problem mit Porsche, Sylt oder sonst was hat: Es gibt so viele Parteien, dann kann man eine andere wählen.“

Auf die Frage von RP-Chefredakteur Moritz Döbler, ob Lindner aus heutiger Sicht die Bilder seiner Hochzeit immer noch angemessen finde, versicherte der Liberale: "Absolut. Ich werde doch nicht erlauben, dass privateste Lebensereignisse zensiert werden von irgendwelchen Medien." Die seien nicht nach Sylt eingeladen worden, über seine Hochzeit zu berichten.  [….]

(ZDF, 05.09.2023)

Vielleicht trifft Lindner hier das erste mal in seinem Leben den richtigen Ton: Wer keinen Porsche hat, wählt vermutlich wirklich eine andere Partei.

Hoffentlich. 2025 müssen die Hepatitisgelben unbedingt aus dem Bundestag verschwinden.

Donnerstag, 2. November 2023

Theologische Abwege

Bekanntlich bin ich ein Fan der meisten Bischöfinnen, weil die mit ihre debilen Einfältigkeit so zuverlässig für einen immer größeren Strom der Kirchenaustritte sorgen.

(….)  Beim intellektuellen Elend der evangelischen Theologie denkt man immer, der Bischof oder die Bischöfin, mit der man sich gerade beschäftigt, müsste nun wirklich die dümmste Person der EKD sein. Die beiden Bayern Breit-Kessler und Bedford-Strom scheinen gegenwärtig den Kampf um den Titel „weltdümmster Theologe“ (Pleonasmus!) unter sich auszumachen.

Aber da hatte ich offensichtlich zu Unrecht die gleichermaßen naiv-verblödete wie auch selbstverliebte Margot Käßmann kurz aus den Augen verloren, die mit ihrer frappierenden Peinlichkeit, sehr verdienstvoll die Menschen massenhaft aus der Kirche treibt.

In so einer Situation ist es der psychischen Gesundheit außerordentlich förderlich, bei den wenigen positiven Meldungen innezuhalten, den Moment zu genießen und Erfolge zu zelebrieren.  Gestern war so ein Tag! Die jahrelangen Bemühungen der atheistischen EKD-Hauptagenten haben sich nun ausgezahlt. Die radikal-naive BILD-Haustheologin Käßmann, ihre bayerische Bischofskollegin Gaga-GONG Breit-Keßler, sowie ihr bayerischer Oberchef  Zimmertemperatur-IQ Bedford-Strohm schafften es, in der letzten Saison über eine halbe Millionen Gläubige aus der evangelischen Kirche Deutschlands zu jagen und damit die psychologisch wichtige Marke von 20 Millionen Mitgliedern deutlich zu reißen. Applaus!

[…] EKD verliert über 500.000 Mitglieder

Die evangelische Kirche hat im vergangenen Jahr deutlich mehr Mitglieder verloren als im Pandemiejahr 2020. Demnach ging die Zahl der Kirchenmitglieder um mehr als eine halbe Million zurück, wie die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) am Mittwoch in Hannover mitteilte - so viele wie noch nie. [….]

(Evangelisch, 09.03.2022)

Besonders erfreulich erscheint mir die neue EKD-Ratsvorsitzende Kurschus zu sein, die nach den beeindruckenden Loser-Vorgängern Margot Käßmann (2009-2010) Nikolaus Schneider (2010 bis 2014) und Heinrich Bedford-Strohm (2014-2021) auch 2022 für Kontinuität in der trüben intellektuellen Einfältigkeit deutscher evangelischer Theologen steht.

(Danke, lieber G*tt!, 10.03.2022)

Aber die Hamburger Bischöfin Kirsten Fehrs, ist ähnlich wie die weltweit erste Bischöfin, die Hamburgerin Maria Jepsen, oder auch Werner Thissen, ehemaliger Metropolit der Norddeutschen Kirchenprovinz, eine dieser bedauerlichen Ausnahmen. Nicht doof, nicht unsympathisch und im Vergleich zu ihren Brüdern und Schwestern im Amte, geradezu von angenehmer Persönlichkeit.

Dennoch ist und bleibt sie lutherische Theologin, was schon wegen der singulären persönlichen Abartigkeit Martin Luthers und seines fanatischen Judenhasses, mehr als problematisch ist.

Ich bestaune ihre geistigen Verrenkungen, wenn es darum geht das Offensichtliche zu negieren – nämlich, daß die Bibel mit ihren tumb-debilen Regeln einer primitiven Hirtenkultur, hoffnungslos outdated ist. Ein Verein, wie die EKD, der 2023 das Produkt Bibel anbietet, kann bei der Kundenbindung nur scheitern.

Ein Buch als „Gottes Wort“ zu preisen, das Sklaverei gutheißt, Misogynie, Krieg, Gewalt gegen Kinder und Antisemitismus propagiert, muss als Marketingstrategie scheitern. Die Inhalte mögen durchaus irgendwann einmal modern gewesen sein; so wie einst Kassettenrekorder oder VHS-Videotheken die Menschen anlockten und begeisterten.

Aber 2023 kann man diese Produkte nicht mehr an den Mann bringen, muss sie aufgeben. 

Fehrs vollbringt eine doppelte Drehung, indem sie indirekt einräumt, daß ihre Religion eine altmodische und gefährliche Fehlentwicklung ist. Statt aber daraus den einzig richtigen Schluss zu ziehen, sich von der toxischen Ramschware zu trennen, preist sie gerade diese menschenfeindlichen Fehlfunktionen.

[….] Zum Reformationstag hat die deutsche Bischöfin Kirsten Fehrs dazu aufgerufen, die heiligen Schriften nicht Fanatikern zu überlassen. Terror und Rassismus müssten entschlossen bekämpft werden. [….]

(ref.ch, 31.10.2023)

Sie bewirbt ein Produkt, das offenkundig hervorragend dafür geeignet ist, von Fanatikern, Rassisten und Terroristen verwendet zu werden, mit dem Argument, es sei so schlecht, daß man es nicht entsprechend schlechten Usern überlassen dürfe.

Mit der Argumentation könnte auch ein Apotheker für Contergan werben – damit nicht nur die anderen Kinder verstümmelt geboren werden.

[….]  Religion werde häufig für Ideologien vereinnahmt, sagte die stellvertretende Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Es sei eine Erkenntnis von Martin Luther (1483-1546) gewesen, dass Staat und Kirche unterschiedliche Aufgaben hätten: «Seine Erfahrung war: Wo die Kirche politische Macht ausübt, wird die Religion zum Zwangssystem und der Staat totalitär.» Diese Erkenntnis sei besonders wichtig, wenn Religion zur Rechtfertigung für Unterdrückung oder als Brandbeschleuniger für Gewalt missbraucht werde. Fehrs wies in dem Zusammenhang auf die Rolle des Oberhaupts der russisch-orthodoxen Kirche, Patriarch Kyrill, im Ukraine-Krieg hin. Der Geistliche steht seit Kriegsbeginn fest an der Seite Putins und hat die russische Aggression theologisch legitimiert. Vor dem Hintergrund des Angriffs der Hamas auf Israel verurteilte Fehrs Antisemitismus: «Er fordert unser unmissverständliches Nein. Er ist menschenverachtend. Gottlos. Nicht zu dulden.» Gleichzeitig rief sie zum Einsatz für Demokratie mit einer Gemeinschaft auf, die sich «entschlossen gegen Rassismus und Terror stellt, wo und wie auch immer.» [….]

(ref.ch, 31.10.2023)

Die Frau tritt für ein Produkt ein, das nach ihren eigenen Worten Aggression legitimiert, als Brandbeschleuniger für Gewalt dient. Sie bezieht sich auf einen der weltgrößten Antisemiten, um mit seinen Lehren Antisemitismus zu verurteilen.

Wir irre kann man sein? Wenn schon eine Bischöfin, Luther und ihre christliche Religion als derartig anfällig für Menschenverachtung und Gewalt darstellt, kann doch nur der eine Schluss gezogen werden: Die christliche Religion gehört auf den Müllhaufen der Geschichte und nicht auch noch unterstützt!

Mittwoch, 1. November 2023

Impudenz des Monats Oktober 2023

Und schon wieder einmal zeigt der Kalender eine „1“ - hohe Zeit für mich den Blödmann des Monats zu küren.

Das war ja nur eine Frage der Zeit, bis in meiner liberalen roten Heimat mit der satten 2/3-RG-Mehrheit im Parlament auch die Schockumfragen einschlagen. Es war doch mal so schön.

(….)  [….] Wie das Landeswahlamt weiter mitteilte, schaffte die AfD den Wiedereinzug in die Bürgerschaft mit 5,3 Prozent (2015: 6,1 Prozent). Stärkste Kraft wurde die SPD von Bürgermeister Peter Tschentscher mit 39,2 Prozent (45,6). Auf Platz zwei landeten die Grünen mit 24,2 Prozent (12,3). Auf die CDU entfielen 11,2 (15,9), auf die Linke 9,1 Prozent (8,5). Das endgültige Ergebnis soll am 11. März feststehen. Die konstituierende Sitzung der neuen Bürgerschaft ist für den 18. März geplant. […..]

(NDR, 24.02.20)

Durch das zusätzliche FDP-Mandat gibt es ein Ausgleichsmandat, so daß die neue Bürgerschaft 123 statt 121 Abgeordnete haben wird.

SPD und Grüne verfügen über 87 von 123 Sitzen. Das ist eine 70,7%-Mehrheit.

Sogar SPD und Linke hätten mit 67 Sitzen eine absolute Mehrheit von 54,5% der Mandate im Parlament. Den linken Durchmarsch zeigt eindrucksvoll die Addition von SPD, Grünen und Linken, die zusammen auf 100 von 123 Mandaten kommen. Das entspricht 81,3 % der Sitze.   (….)

(Zahlen zum Genießen, 24.02.2020)

In den folgenden drei Jahren nach der letzten Bürgerschaftswahl passierte das, was man von Bürgermeister Tschentscher erwarten konnte. Hamburg kam besser als andere Bundesländer durch die Pandemie, konnte seine Spitzenstellung bei der Wirtschaftsleistung pro Kopf deutlich ausbauen und wuchs im Vergleich zu Gesamtdeutschland ökonomisch überproportional.

Auch die Bildungssituation verbesserte sich deutlich. Hamburg liegt im Bildungsmonitor auf einem Spitzenplatz, weit vor den anderen Stadtstaaten.

Ganz offensichtlich, war es eine weise Entscheidung der Hamburger, die CDU auf 11,2% zu marginalisieren und RotGrün stark zu machen.

Dennoch zeigt aber eine Trendresearch-Umfrage von gestern, einen dem Bundestrend entsprechenden Schlag in die rotgrüne Magengrube. Es gäbe zwar noch eine rotgrüne Mehrheit, aber sie scheint gewaltig geschrumpft zu sein.

[….]  Mehr als 1000 Hamburger und Hamburgerinnen wurden für die vom Abendblatt beauftragte Umfrage online befragt. Das Ergebnis: Die rot-grüne Koalition könnte bleiben, müsste aber Verluste hinnehmen. Die SPD käme auf 31 Prozent, dabei hatte sie 2020 noch 39,2 erreicht. Die Grünen würden auf 19 Prozent sinken und damit um 5,2 Prozentpunkte schlechter als bei der vergangenen Wahl abschneiden. Damit könnte der Hamburger Senat weiterhin regieren, doch die Opposition legt ordentlich zu: Die AfD würde sich der Umfrage nach sogar fast verdreifachen und von ihren 5,3 Prozent bei der vergangenen Wahl auf 14 Prozent steigen. Auch die CDU könnte sich nach der historischen Wahlschlappe 2020 (11,2 Prozent) wieder freuen und eine echte Kehrwende hinlegen. Mit 18 Prozent landet sie in der Umfrage nur knapp hinter den Grünen auf dem dritten Platz und macht dem kleineren Koalitionspartner damit ernsthaft Konkurrenz. [….]

(MoPo, 01.11.2023)

Es ist offenkundig; die Wähler lassen sich nicht von rationalen Überlegungen, sondern der rassistischen Merz/AfD/Spahn-Hetze leiten.

[…..] Was geht bloß in den Köpfen dieser Menschen vor?

1.   Die Abhängigkeit bei Öl und Gas von einem russischen Kriegsverbrecher beendet.

2.   Erneuerbare Energien massiv ausgebaut.

3.   Beschluss der Ampel zur Abschaltung von todsicheren Atomkraftwerken umgesetzt.

4.   Massive Förderungen für energiesparende Heizsysteme bei Neubauten.

Und die Umfragewerte der CXUAFD steigen…. […..]

(Darum Grün)

Die Grünen, die das Wählerverhalten beklagen, und mit Fakten dagegenhalten, verstehen nicht, daß Wut und Hetze, Stimmungen und Empörung, stärker sind als Ratio. Menschen, die einmal verärgert sind, egal ob begründet oder nicht, rächen sich durch Liebesentzug und Protestwahl an den RRG-Parteien.

Für mich unerklärlich ist es aber, wie sehr die Grünen in den Stadtstaaten, die Bedeutung der Verkehrspolitik unterschätzen. Dabei handelt es sich weniger um große Politik, sondern eigentlich nur um Verwaltung.

Wer da aber versagt, indem er viele Bürger durch Baustellen, wegfallende Parkplätze, das Abschaffen von „Brötchentasten“ oder; spezifisch Hamburgisch; das manische Abholzen von Straßenbäumen zu Gunsten von Velorouten, verärgert, wird bestraft.

Das hat schon die Grünen in Berlin aus der Regierung gekegelt und fast die Grünen in Bremen getötet. Im dritten Stadtstaat Hamburg, ist es der grüne Fanatiker Verkehrssenator Anjes Tjarks, der die Bürger durch tägliches Piesacken kontinuierlich mehr in Rage bringt.

Die Zahl der Verkehrstoten steigt unter seiner Radikal-Kur immer weiter an. Das Anwohnerparken ist ein solches Desaster, daß der Senat zurückrudern musste, um durch „Überlappungszonen“ den Zorn der Anwohner zu bremsen.

Straßenschäden, führen zu Unfällen, die nicht nötig wären.

[….]   Bis Ende März gab es bereits 23 Unfälle in Hamburg, die auf Straßenschäden zurückzuführen sind. Das ergab eine Kleine Anfrage der CDU. Sie fordert den rot-grünen Senat nun zum Handeln auf. In Hamburg stehen an 45 Straßen Schilder, die auf erhebliche Straßenschäden hinweisen - teilweise schon seit Jahren. Immer wieder kommt es wegen dieser Schäden auch zu Unfällen mit Verletzten. Während es dadurch in den vergangenen vier Jahren insgesamt zu 87 Verkehrsunfällen kam, sind es in diesem Jahr bis Ende März bereits 23 gewesen.

Der Verkehrsexperte der Hamburger CDU, Richard Seelmaecker, hat die Verkehrspolitik des Senats deshalb kritisiert. Er forderte SPD und Grüne auf, Straßen besser zu unterhalten und Schäden schneller zu beseitigen. "Das Aufstellen von Warnschildern in der ganzen Stadt ist keine Lösung, sondern ein Armutszeugnis", so Seelmaecker. [….]

(NDR, 21.05.2023)

Selbstverständlich sind das Petitessen im Vergleich zum Ukrainekrieg, Gaza, dem Klimawandel oder dem Energieumbau.

Aber die ganz großen Themen sind schwer zu fassen und  parteipolitisch schwer zuzuordnen. Wer sich aber jeden Tag über eine fehlgeplante Baustelle ärgert oder durch den Tjarks-Wahn keinen Parkplatz mehr findet, kann seinen Ärger sehr konkret an einer Person und einer Partei und einem Senat festmachen.

Durch die Tjarksschen Baummorde und Gaga-Planungen, generiert RotGrün völlig unnötig so viel Ärger auf kleinster Ebene, daß man die Wähler kaum noch zurückholen kann. Dann fällt der Schritt zu AfD und CDU leichter, auch wenn man weiß, daß sie die großen Probleme nicht lösen. Aber Berlin zeigt, wie die CDU immerhin einige Ärgernisse für Autofahrer wieder abschafft und das reicht offenkundig für eine Wahlentscheidung. Weniger Parkpoller, weniger 30Km-Zonen, Wiederzulassung von Autos in frisch eingerichteten Fußgängerzonen.

Das schadet zwar der Umwelt, wird aber als bürgerorientierte Politik verstanden.

Dienstag, 31. Oktober 2023

Evangelen ohne Scham

Vor zwei Wochen saß im „Internationalen Frühschoppen“, noch frisch unter dem Eindruck des Hamas-Gemetzels vom 07.Oktober 2023, der russische Journalist Konstantin Goldenzweig dem noch sichtlich geschockten Chefredakteur der Jüdischen Allgemeine gegenüber und berichtete, wie der Antisemitismus auch im Putin-Russland immer virulenter wird. Er selbst hatte im Juni 2015 auf der Bayerischen Elmau erlebt, wie schnell es notwendig sein kann, seine Heimat zu verlassen.

[….] Es ist Montag vergangener Woche im bayerischen Elmau, Konstantin Goldenzweig hängt mit seinem Fernsehteam etwas gelangweilt im Medienbereich des Gipfels herum. Es gibt wenig zu tun, weil Putin nicht dabei ist. G7 anstatt von G8, die Vorgeschichte ist bekannt. Am Morgen ist der letzte Beitrag gelaufen, es ging vor allem um die Proteste. G8-Gegner kommen zu Wort, die den Gipfel als Potemkinsche Dörfer kritisieren. „Der Gipfel ist umzingelt“ - steht über dem Beitrag. Goldenzweig hat seine Arbeit getan. Da spricht ihn jemand vom Sender Phoenix an – ob er nicht ein Interview geben könne über die Sichtweise der Russen auf den Gipfel. Goldenzweig sagt zu. Ein paar Minuten später steht er dann vor dieser grünen Bergwiese, im Anzug und mit dem Mikrofon in der Hand, und tut, was er nicht tun soll: Er sagt, was er wirklich denkt. Dass der russische Präsident beleidigt sei über die Nichteinladung, dass die heutige Situation in Russland mit jener in den späten 80er Jahren vergleichbar sei, einem „anderen autoritären System“, als man es sich auch nicht vorstellen konnte, dass es so schnell zusammenbrechen würde. Das Verhältnis Merkel-Putin vergleicht er mit den „pragmatischen“ Beziehungen zwischen Brandt und Breschnew. Und er spricht das offene Geheimnis über die Ukraine aus, das aber in Russland zumindest in den Medien keinen Platz haben darf: Putin habe ein großes Interesse daran, dass die Lage in der Ostukraine möglichst lange instabil bleibe, weil Moskau davon profitiere.  [….]

(Krautreporter, 17.06.2015)

Seinen Job verlor er innerhalb von 24 Stunden.

Rechts-Autokraten wie Putin, Trump oder Recep Tayyip Erdoğan nutzen Antisemitismus genauso gern aus, wie arabische Potentaten oder „Sieg Heil!“-skandierende gewählte AfD-Politiker.

Mit Antisemitismus läßt sich hervorragend Pogromstimmung erzeugen und von anderen Problemen ablenken, erklärte Goldenzweig in der Phoenix-Sendung.

Eine gute Woche vor dem Pogrom von Dagestan.

[….] Ein Mob stürmt ein Rollfeld, um ein Flugzeug zu überfallen. Randalierer schwenken Palästina-Flaggen, sie wollen Passagiere aus Israel lynchen. [….] Es war eben kein Friedensprotest auf dem Flughafen in Machatschkala in Dagestan, sondern ein antisemitischer Aufstand - den bisher übrigens niemand von offizieller Seite als antisemitisch verurteilt hat. [….]  Der Kreml hat den Aufruhr so hingebogen, wie es ihm nützt: Er hat die Schuld dem Westen zugeschoben, der nichts anderes tue, als Zwietracht zu säen in Russland, im Nahen Osten, überall. [….]  Statt Position zu beziehen nach den terroristischen Angriffen gegen Israel, versucht Putin den neuen Krieg zu nutzen.  [….]

(Silke Bigalke, SZ, 30.10.2023)

Überall auf der Welt kommt es nun vermehrt zu antisemitischen Übergriffen.

Deutsche Juden trauen sich nicht, ihre Kinder in die Schule zu schicken, Gläubige verbergen ihre Kippa, verstecken die Kette mit dem Davidstern. Das ist schon lange Realität in Deutschland. Jüdische Einrichtungen müssen massiv geschützt werden, man kann keine Synagoge betreten, ohne durch einen Metalldetektor zu gehen.

SCHANDE ÜBER DEUTSCHLAND! Diese unentschuldbare Gefährdungslage wurde in den letzten drei Wochen noch einmal deutlich verschärft. Gut 80% der antisemitischen Straftaten in Deutschland werden dem rechtsextremen Milieu rund um den AfD-Sumpf zugeschrieben. Aber nun kommt auch noch die verzweifelte Empörung arabischstämmiger Migranten hinzu, die sich völlig zu Recht über das Schicksal Unschuldiger in Gaza aufregen.

Ok was Pogromstimmung wie im 19. Jahrhundert in Dagestan. Was kommt als nächstes? Ein deutsch-französischer Befreiungskrieg? Die Erfindung der Dampfmaschine? Die Pest?

(Max Czollek @rubenmcloop, 30. Okt. 2023)

Es ist völlig legitim die Politik der Netanyahu-Regierung scharf zu kritisieren. Wenn man aber zufällig in Deutschland lebende Juden (die womöglich säkular sind oder selbst Netanyahu verachten), jüdische Schulkinder oder Kultureinrichtungen für israelische Militärpolitik in Haftung nimmt, ist das purer Antisemitismus. Antisemitismus, der wie andere Formen des gruppenbezogenen Menschenhasses niemals zu rechtfertigen ist. Mein türkischer Kioskbesitzer ist nicht für ISIS verantwortlich, ich bin als Amerikaner nicht für Trumps Hass verantwortlich und ein zufälligerweise jüdisches Kind in Deutschland ist nicht verantwortlich für die Gräuel in Gaza.

Wow Pogromstimmung in Russland ich finde langsam reicht es echt mit der Wiederholung der Geschichte lass mal lieber weitermachen und was Neues erfinden die Vergangenheit war nämlich echt scheiße #dagestan

(Max Czollek @rubenmcloop, 29. Okt. 2023)

Verantwortlich für Antisemitismus sind aber einerseits nachsichtige Justiz und nicht handelnde Politiker, sowie andererseits rechte Regierungspolitiker, die Öl ins Feuer gießen.

Wollte mir ne Caption überlegen aber mir fällt nur ein: Das ist er, das ist der Take des Ex-Antisemiten #Aiwanger zu Antisemitismus in Deutschland. Besser kann man die deutsche Selbstentlastung über den Migrationsdiskurs kaum auf den Punkt bringen. #Versöhnungstheater

(Max Czollek @rubenmcloop 31. Okt. 2023)

Die vielleicht am meisten erschütternde Aussage der letzten drei Wochen, war für mich Konstantin Goldenzweigs sachliche Feststellung, er habe sehr viele jüdische Freunde, die sich in Berlin und anderen deutschen Orten niedergelassen hätten, Schreckliches in ihren vorherigen Ländern erlebt hatten und nun sehr damit haderten, ob Deutschland die richtige Entscheidung war. Wird auch hier die Vergangenheit wiederholt, kommt es zu Pogromen, muss man wieder seine Koffer packen?

Diese Verunsicherung aller Juden weltweit, erklärt auch, wieso Israel so immanent wichtig ist. Es gibt nur diesen einen wirklich sicheren Zufluchtsort für Juden auf diesem Planeten. Die gewaltige Mehrheit aus Milliarden Christen und Muslimen ist latent immer und überall dazu willens und fähig, Juden zu verfolgen, zu quälen, zu töten. Allein 150.000 Juden aus Ägypten, die Jahrhunderte dort lebten, mussten in den letzten Jahren nach Israel übersiedeln, weil sie nicht mehr sicher waren.

Israel muss also unter allen Umständen als sicherer Hafern erhalten bleiben. Auch aus diesem Grund ist es mehrfach tragisch, wenn Israels Sicherheit so wie am 07.10.2023 erschüttert wird.

Die Deutschen haben nicht nur allen Grund wegen ihrer Vergangenheit im 20. Jahrhundert das Existenzrecht Israels zur Staatsraison zu erheben.

Es gibt aber einen zweiten Grund, weswegen gerade wir Deutschen nicht an vorderster Front des Israel-Kritik stehen sollten. Der Judenhass ist historisch religiös bestimmt. „Juden als Gottesmörder“ sind seit 2.000 Jahren ein zentrales Element des Christentums.  Die Bibel ist eine antisemitische Schrift.

    „Denn, Brüder, ihr seid Nachahmer der Gemeinden Gottes geworden, die in Judäa sind in Christus Jesus, weil auch ihr dasselbe von den eigenen Landsleuten erlitten habt, wie auch sie von den Juden, die sowohl den Herrn Jesus als auch die Propheten getötet und uns verfolgt haben und Gott nicht gefallen und allen Menschen feindlich sind, indem sie – um ihr Sündenmaß stets voll zu machen – uns wehren, zu den Nationen zu reden, damit die errettet werden; aber der Zorn ist endgültig über sie gekommen.“

– Paulus - 1 Thess 2,15-16

    „Warum versteht ihr meine Sprache nicht? Weil ihr mein Wort nicht hören könnt. Ihr seid aus dem Vater, dem Teufel, und die Begierden eures Vaters wollt ihr tun. Jener war ein Menschenmörder von Anfang an und stand nicht in der Wahrheit, weil keine Wahrheit in ihm ist. Wenn er die Lüge redet, so redet er aus seinem Eigenen, denn er ist ein Lügner und der Vater derselben. Weil ich aber die Wahrheit sage, glaubt ihr mir nicht.“

Jesus – Joh 8, 43–45

Das Christentum ist der eigentliche Ursprung des Judenhasses.

[……] Wäre die Bibel ein aktuelles Buch, das heute erstmals veröffentlicht würde, müssten sich Autor und Verleger mit aller Wahrscheinlichkeit wegen Verletzung der Rassismusnorm verantworten. Die Verantwortlichen müssten mit einer Verurteilung rechnen. Das „heilige Buch“ enthält zahlreiche Aufforderungen zu Völkermorden. Rassistische Aussagen werden aber vor allem gegen die Juden gemacht. [….] Picken wir ein paar Beispiele heraus und beginnen mit Paulus. [siehe oben] (1 Thess. 2; 14-16). Mindestens in diesem Aspekt ist die Bibel prophetisch: Auch 2000 Jahre später wirkt der Fluch noch immer nach.

Die Unreinen und Ungläubigen aus dem Judentum werden an anderer Stelle so charakterisiert: „Denn es gibt viele Ungehorsame, Schwätzer und Schwindler, besonders unter denen, die aus dem Judentum kommen. Diese Menschen muss man zum Schweigen bringen, denn aus übler Gewinnsucht zerstören sie ganze Familien mit ihren falschen Lehren … Für die Reinen ist alles rein, für die Unreinen und Ungläubigen aber ist nichts rein, sogar ihr Denken und Gewissen sind unrein. Sie beteuern, Gott zu kennen, durch ihr Tun aber verleugnen sie ihn; es sind abscheuliche und unbelehrbare Menschen, die zu nichts Gutem taugen.“ (Tit. 1; 10-16). […..]

(Hugo Stamm, 24.07.2010)

Spezifisch deutsch ist aber der extreme eliminatorische Judenhass des Martin Luthers, den die evangelische Kirche ungeniert auch im Angesicht des Hamas-Terrors und der gegenwärtigen antisemitischen Übergriffe in Deutschland am heutigen Reformationstag feiert.

"Luthers Ratschläge gegen die Juden hat Hitler genau ausgeführt."
(Karl Jaspers 1962)

Die deutschen Protestanten haben keinerlei Schamgefühl und sollten sich in Grund und Boden schämen, daß sie auch heute noch den neben Hitler größten Antisemiten der Geschichte feiern.

(…..) Martin Luther, die Ikone der Evangelen, war ein besonders blutrünstiger und kriegsgeiler Gewaltphantast. Sein rasender Judenhass inspirierte Adolf Hitler. Allerliebst aber auch seine Empfehlungen an die protestantischen Fürsten, als die leibeigenen Bauern es wagten aufzubegehren.

[….]  »Drum soll hier zuschmeißen, würgen und stechen, heimlich oder öffentlich, wer da kann, und gedenken, dass nichts Giftigeres, Schädlicheres, Teuflischeres sein kann, denn ein aufrührerischer Mensch. Gleich als wenn man einen tollen Hund totschlagen muss; schlägst du nicht, so schlägt er dich, und ein ganzes Land mit dir. […] Solch wunderliche Zeiten sind jetzt, dass ein Fürst den Himmel mit Blutvergießen verdienen kann, bass, denn andre mit Beten […] Drum, liebe Herren, loset hier, rettet hier, helft hier, erbarmet euch der armen Leute, steche, schlage, würge hier, wer da kann. Bleibst du drüber tot, wohl dir, seliglichern Tod kannst du nimmermehr überkommen. Denn du stirbst in Gehorsam göttlichen Wortes und Befehls, Röm. 13,4, und im Dienst der Liebe, deinen Nächsten zu erretten aus der Hölle und Teufelsbanden.« [….]

(Martin Luther, Wider die mörderischen und räuberischen Rotten der Bauern, Mai 1525 o.O., zitiert nach Hans Heinrich Borcherdt (Hrsg.), Martin Luther, Ausgewählte Werke, Bd.4, München 1923, S. 294ff; WA18,357-361)

Es ist der Kern monotheistischer Religionen, intolerant zu sein. Kommt wie beim Christentum auch noch die Missionierung hinzu, ist es geradezu eine Gebrauchsanweisung für Krieg. Und so war es auch in der Praxis. Im Namen des Christentums wurden unzählige Kriege geführt, Völker versklavt und Zivilisationen ausgelöscht.

[….] In seinem Buch „Die mosaische Unterscheidung oder der Preis des Monotheismus“ (2003) hat der Heidelberger Ägyptologe Jan Assmann die seither viel diskutierte These formuliert, wonach den monotheistischen Religionen insgesamt ein exklusiver Wahrheitsanspruch inhärent ist. Ihm gegenüber muss jede Abweichung als Irrtum oder Lüge erscheinen, die es – wenn nötig, gewaltsam – auszumerzen gilt.  [….] Mit Blick auf die Frage, wie solche Säkularisate heutige Formen von Gewalt prägen, kommt Buc nicht umhin, dem Christentum eine dualistische bzw. manichäistische Weltsicht zu unterstellen, wonach die Wirklichkeit in Gut und Böse unterschieden ist.

Tatsächlich wurden in der Geschichte des Christentums zur Legitimation von Gewalt vorrangig solche biblische Texte rezipiert, die dualistische Tendenzen aufweisen. Bis in die jüngste Vergangenheit wurden das Johannesevangelium und mehr noch die Offenbarung des Johannes immer wieder dahingehend beansprucht, kriegerisches Vorgehen oder Gewalt gegen politische Feinde und Andersgläubige zu rechtfertigen. Im apokalyptischen Kampf gegen den Satan oder das „Reich des Bösen“ schien – und scheint – nahezu jedes Mittel erlaubt.

Zweifellos kennt das NT eine Metaphorik des Kampfes – etwa wenn es um die Standhaftigkeit im Glauben geht. Und nicht zu bestreiten sind Tendenzen in frühchristlichen Märtyrerakten, die jeweiligen Peiniger herabzusetzen, sie bisweilen gar zu dämonisieren. [….]

(Stimmen der Zeit Heft 1/2017)

Die evangelischen Christen, die besonders treu an der Seite Adolf Hitlers standen und auch heute noch mit Bernhard Felmberg das Amt des Militärbischofs ausfüllen, können sich nur deshalb als „Friedenskraft“ inszenieren, weil sie auf 2.000 Jahre Erfahrungen mit maximaler Heuchelei zurückblicken. (….)

(Danke Käßmann, 07.03.2023)

 SCHANDE SCHANDE SCHANDE über die evangelische Kirche!

«Luther war ein Riese, er sah den Juden, wie wir ihn erst heute zu sehen beginnen.» So beschreibt Adolf Hitler sein Idol, den evangelischen Reformator Martin Luther, in einem Gespräch mit seinem Mentor Dietrich Eckart. So immens war Hitlers Bewunderung für Luther, dass die Nazis Luthers zahlreiche Dekrete gegen die Juden mit deutscher Gründlichkeit, rückhaltloser Unterstützung der christlichen Kirchen und der tatkräftigen Hilfe gütiger Christenmenschen umsetzten. «Ich tue nur, was die Kirche seit fünfzehnhundert Jahren tut, allerdings gründlicher» («Mein Kampf»).

(Baseler Zeitung, 13.03.2015)

Alle deutschen Protestanten haben am heutigen Reformationstag zu erklären, wieso sie während Raketen auf Israel niederregnen und Juden in Deutschland verfolgt werden, Martin Luther mit einem Feiertag ehren.

»Wenn ich einen Juden taufe, will ich ihn an die Elbbrücke führen, einen Stein an den Hals hängen und ihn hinabstoßen und sagen: Ich taufe dich im Namen Abrahams.«

(Martin Luther, Tischreden, Nr. 1795)

Nicht nur taugt Luther offensichtlich nicht als Vorbild für einen Feiertag, sondern Lutherbotschafterin Käßmann verbreitet ungeniert Lügen, wenn sie diesen Mann zum Vorreiter der Menschenrechte und Aufklärung hochstilisiert. Schande über die deutschen Bischöfe!

Luther ist ein glasklarer Volksverhetzer; statt ihn heute auch noch zu feiern, sollten wir uns in Grund und Boden schämen.

Daß der Katholik Adolf Hitler den Ur-Protestanten Martin Luther so grenzenlos bewunderte, liegt nicht nur an der offensichtlichen Ursache, Luthers fanatischem und eliminatorischem Antisemitismus.

Darüber hinaus zeigte Luther „dem Führer“ beispielhaft, wie man Rücksichtslosigkeit und Destruktion mit nie dagewesener Radikalität praktizierte.

Luther. Ein widerlicher Geselle, ein Verbrecher an der Menschheit. Den haben wir noch nicht richtig aufgearbeitet. Wir gehen mit Luther um, als sei er ein „Heiliger“ der evangelischen Kirche. Er war aber ein für die damalige Zeit untypisch aggressiver Antisemit, Frauen verachtend bis ins Mark und vom Denken her völlig mittelalterlich. Teufel war sein Lieblingswort. Die Gesellschaft war sehr viel weiter.

(Richard David Precht, 22.01.2016)

Hitler lernte von Luther wie man jedes Maß-Halten hinter sich läßt und Bösartigkeit in einer ganz neuen Größenordnung praktiziert. Martin Luther verfasste schon im frühen 16. Jahrhundert detaillierte Pläne zur „Endlösung der Judenfrage“. Hitler besaß die technischen und politischen Mittel Luthers genozidale Vision umzusetzen.