Mittwoch, 28. April 2021

Grüne Manie

Mir ist schon klar, daß ich wie eine Schallplatte mit Sprung klinge.

Aber was soll man anderes machen mit diesen extrem CDUCSU-affinen Hamburger Grünen?

Heute war der Grüne Umweltsenator Anjes Tjarks mit seinem Kumpel Andreas Scheuer auf gemeinsamer Wahlkampfradtour.

Daran merke ich wie alt ich bin; ich erinnere mich noch gut an die Ur-Grünen, die sicherlich nicht öffentlich mit den unangenehmsten und betrügerischsten CSU-Politikern gekuschelt hätten. Aber heute sind CSU und Grüne kaum zu unterscheiden.  Beide vertreten den kirchenfreundlichsten und finanzkräftigsten Teil der Wählerschaft. Es ist eher eine gemeinsame OLIVE Partei.

Wenn der ehemalige Eistänzer und heutige CSU-General ausnahmsweise mal Grüne kritisiert, statt sie zu umarmen, ist das heute ein Ereignis.

Aber Annalena Baerbock als „Enthaltungskünstlerin“ zu bezeichnen, ist angesichts ihrer stromlinienförmigen Politik, die niemals konkret wird und nie aneckt, auch bloß eine zutreffende Beschreibung der Realität.

 
Heute muss ich das hanseatisch-grüne Ärgernis aber erneut erwähnen, weil sie wieder einmal ihrem Lieblingshobby frönen: Straßenbäume abhacken.

Grüne hassen Bäume; das scheint absolut manisch zu sein. Sobald sie auf irgendeiner Ebene  - im Bezirk oder Land - an die Schaltstellen der Macht kommen, beginnen sie ihren Abholzungsfeldzug. Kaum ein Wald, Hamburger Hain oder auch nur eine Gruppe weniger alter Straßenbäume, die vor den Grünen Kettensägen sicher ist.

Nun trifft es den Bezirk Hamburg-Nord. Nachdem die Grünen bei der Wahl am 26. Mai 2019 mit 35,7 % ein Rekordergebnis erzielten und mit Michael Werner-Boelz den Bezirksamtsleiter stellen, wird gerodet.

Für ihren Radwahn versiegeln sie manisch Flächen, betonieren. Für ihre „protected bikelane“ in der Tangstedter Landstraße (Hamburg-Langehorn) müssen auch 100-Jährige Linden für Parkplätze dran glauben – gegen den massiven Protest der Anwohner.

[…..] 51 von den 143 Parkplätzen sollen durch die Fällung von 16 Bäumen auf der Westseite geschaffen werden. Darunter teilweise fast 100-jährige Linden, wie die Kaiserlinde von 1924. Bereits 2017 hatte die Bezirksversammlung allerdings beschlossen, dass es politisch gewünscht sei, die Zahl der Straßenbäume in Hamburg-Nord nicht sinken zu lassen.  Wie könnten die Grünen, die bei den Wahlen 2019 die Mehrheit im Bezirk erreichten, eine Fällung dieser Bäume verantworten? „Für uns Grüne wäre der Verlust von 16 Bäumen zum Parkplatzerhalt sehr schmerzlich“, kommentiert Timo Kranz, Fraktionsvorsitzender der Grünen, die Pläne. […..]

(MoPo, 28.04.2021)

Es gibt natürlich nur Unions-affine passionierte Baummörder unter den Hamburger Grünen.  Einige Kommunalpolitiker wollen wenigstens ein paar der abgeholzten Straßenbäume wieder aufforsten. Aber dann blockiert der Grüne Umweltsenator Kerstan die Mittel.

In der Zeit der SPD-Alleinregierung von 2011 bis 2015 gab es in Zusammenarbeit mit der Loki-Schmidt-Stiftung ein massives Baumpflanzungsprogramm, das mich so begeisterte, daß ich eine Pappel in meiner Straße zur Hälfte finanzierte. Die andere Hälfte legte die Stiftung in Zusammenarbeit mit Olaf Scholz drauf. Aber seit 2015 die Grünen mitregieren und den Umweltsenator stellen, kann die SPD nicht allein entscheiden und so wird immer mehr abgeholzt ohne nach zu pflanzen.

Seit 2015 die Grünen in Hamburg mitregieren, wurden 10.649 Straßenbäume gefällt und nur 7154 Kleine nachgepflanzt. Unterm Strich ein Verlust von 3495 Bäumen.

Einen noch größeren Baumverlust gibt es auf den Hamburger Privatgrundstücken. Seit die Grünen mitregieren, werden großzügig Fällgenehmigungen erteilt. Wie viel nachgepflanzt wurde, verschleiert der Grüne Umweltsenator zum Ärger des NABU.

[….] Zwischen 2015 und 2018 wurden in den Bezirken Mitte, Altona, Nord und Harburg jährlich durchschnittlich 5.000 Fällgenehmigungen erteilt. Die tatsächlichen Baumverluste sind unklar, denn die Nachpflanzungen werden nur stichprobenartig überprüft“, moniert Dr. Katharina Schmidt, Baumschutzexpertin beim NABU Hamburg. Der schleichende und unüberschaubare Grünverlust kann für ganz Hamburg nur grob geschätzt werden. Der NABU Hamburg fordert die Zahlen zu Fällgenehmigungen und Ersatzfestsetzungen bei Privatbäumen ebenfalls für die Öffentlichkeit transparent zu machen. […..]

(NABU, 29.03.2021)

Transparenz? Nicht mit den Hamburger Grünen!

Dienstag, 27. April 2021

Annalena, die Öde

 Während Linke der SPD noch 20 Jahre später nachtragen, daß sie eine völlig richtige Reform machte, die nahezu einmütig als Ursache der anschließenden Wirtschaftskraft und der extrem sinkenden Arbeitslosenzahlen angesehen wird, vergessen sie kurioserweise ganz schnell, daß die Grünen die Hartz-Gesetzgebung ebenso wie die Gewerkschaften nicht nur mittrugen, sondern massiv bewarben. Viele Grüne waren damals radikaler als die SPD.

Nach 2005 waren sie nur leider nicht ehrlich und ließen ganz gern die SPD die Prügel kassieren, während sie auf einmal so taten, als wären sie nicht dabei gewesen. Der damalige starke Mann, Außenminister und Vizekanzler Joschka Fischer zog absolut mit Schröder an einem Strang.

Nur ist Fischer jetzt vergessen, während Schröder als ewiger Buhmann herhalten muss.

Grüne mit Rückgrat  und linkem Profil wie Jürgen Trittin, der sich traute unangenehme Wahrheiten auszusprechen, wurden sukzessive in der grünen Partei entmachtet und durch fromme Merkel-Freunde à la Katrin Göring-Eckardt und den konservativen Cem Özdemir ersetzt.

Als großer Trittin-Freund bedaure ich das sehr. Ihn hätte ich gern als Kanzler erlebt.

Die gegenwärtigen Grünen haben aber aus Trittins klaren Ansagen gelernt, daß der Wähler das absolut nicht hören will. Veggie-Day, 5Mark-für-den-Liter-Benzin, Flugverbote, Tempolimit.

Das sind gar keine guten Narrative, um die demoskopischen Zahlen noch oben zu puschen.

Also gibt es jetzt nur noch Nettigkeiten und falls mal einer konkret nachbohrt, fängt Baerbock das Schwurbeln an wie eine Reinkarnation Helmut Kohls.

[…..] Annalena Baerbock muss aus Floskeln Inhalte machen.  Nach 20 Minuten stellte der ProSieben-Moderator der grünen Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock eine einfache Frage: Was ist ein gutes Gehalt für Pflegerinnen und Pfleger? Es folgte eine Antwort, wie man sie von Politikern kennt: wortreich und nichtssagend. Es gebe große Unterschiede in der Bezahlung, sagte Baerbock. Man müsse genau hinsehen, aber eine tarifliche Bindung müsse schon sein. Keine Zahl, nur Nebel.  Annalena Baerbock ist eine Kandidatin des Ungefähren, die Aura des Aufbruchs ist wichtiger als Fakten, das Karma entscheidender als das Konkrete. Eine Strategie, die zunächst nachvollziehbar ist. Die grüne Kandidatin will der breiten Mitte, wie sie es nennt, ein Angebot machen. Sie steht für ein frisches Lebensgefühl, einen Bruch mit politischen Konventionen, einen Neuanfang. Sie trifft damit die Sehnsucht vieler, die nach 16 Jahren Angela Merkel müde sind, erschöpft auch von der trägen Coronapolitik und den testosteronschweren Machtkämpfen in der Union.  [….]

(Martin Knobbe, SPIEGEL-Leitartikel, 24.04.2021, 17/2021)

Ekelhafterweise ist das gar nicht dumm von Baerbock, sondern eine erfolgreiche Strategie, um Menschen von den Grünen zu überzeugen.

Es ist aber dennoch eine ärgerliche Form der Wähler-Weiterverdummung.

(…..) Der Gipfel der grünen Politikverweigerung war die umstrittene Abstimmung am 21.04.2021 zur „Bundesnotbremse“. CDU, CSU und SPD steckten dafür viel Kritik ein, die AfD rotierte auf Hochtouren, um die Aluhutszene fest an sich zu binden, die FDP reichte Verfassungsbeschwerde ein. Sämtliche Ärzte, Fachleute und Virologen befürworteten die Notbremse nicht nur, sondern hielten sie für zu schwach. Die Linke stimmte zusammen mit AfD und FDP dagegen.

Die Grünen aber mit ihrer Abgeordneten Annalena Baerbock zeigten maximale Unverantwortlichkeit, dachten nur an ihre Wahlchancen und nicht etwa an das Wohl des Landes, indem sie sich enthielten. Bloß niemanden auf die Füße treten, bloß nichts sagen, auf das man festgenagelt werden kann, bloß keine Position beziehen.

15 Monate Pandemie und die Grünen haben dazu leider keine Meinung. Sie haben nicht nur keine eigenen Vorschläge, sondern sie können noch nicht mal sagen, ob sie die Groko-Pläne ablehnen oder unterstützen. (….)

(Genosse Trend, 26.04.2021)

Der aktuelle SPIEGEL mit seiner Baerbock-Titelgeschichte ist aber unter dem Strich ein pures Grünen-Werbeheft. Das Titelbild der möglichen nächsten Kanzlerin ist meiner Ansicht nach nahezu perfekt. Sie wirkt seriös, sympathisch. Locker und gleichzeitig entschlossen.  Besser hätte es keine Profi-Werbeagentur ausleuchten können.

Als besonderen Coup gibt es eine persönliche Story des SPIEGEL-Redakteurs Malte Müller-Michaelis, der 2001 zusammen mit Baerbock Politikwissenschaft studierte und eng mit ihr befreundet war.

Er liefert die intimen Einblicke, die die Grünenchefin immer vermeidet.

Ein kleiner Einschub an dieser Stelle: Ich finde es gut und richtig wie konsequent sie ihr Privatleben aus der Politik raushält. Und ich finde es natürlich erbärmlich schlecht, daß fast alle Medien darüber orakeln wie sie den schweren Job einer Kanzlerkandidatin bloß bewältigen soll, obwohl sie doch Mutter wäre! Das ist im Jahr 2021 eine echte Unverschämtheit. Nicht ein Journalist hat je gefragt, wie Laschet und Söder die Arbeit schaffen könnten, obwohl sie doch Kinder haben.  Ich bin kein Freund davon Frauen vorzuziehen, weil sie Frauen sind. Aber diese Mutter-Fragen sind eigentlich ein Indiz dafür, daß es immer noch notwendig ist Frauen zu fördern.

Müller-Michaelis lässt es nun ordentlich menscheln und da er sein Lenchen ganz offensichtlich immer mochte und auch immer noch mag, hilft er ihr in der Phase der gesteigerten Medienaufmerksamkeit, indem er die Facette an ihr ausleuchtet, die sie sonst nicht zeigt.

Da Baerbock zufällig in derselben Stadt und an derselben Uni wie ich studierte, ging ich mit einem besonderen Interesse an den Artikel.

Aber was für eine Enttäuschung! Die Grüne Hoffnung war offensichtlich der langweiligste Durchschnittsstudent, den man sich vorstellen kann.

Es wimmelt nur von Klischees, die ich schon als 18-Jähriger Student so schrecklich fand, daß ich das niemals mitgemacht hätte.

Wohnung in der hippen ultraangesagten Schanze.

Jedes Wochenende in der Kaiserkeller-Disco, Große Freiheit 36. Für die Nicht-Hamburger – das ist unter 1.000 Läden auf dem Kiez sicher der Langweiligste, in den sich nur Touristen und Jugendliche aus der Vorstadt verirren. Ganz schlimm.

[….] Über die wichtigsten Fragen unserer Studienzeit herrschte in der kleinen Gruppe meist Einigkeit, ohne dass es großer Debatten oder gar einer Befragung der Basis bedurft hätte. Zum Beispiel darüber, dass wir uns Woche für Woche donnerstags ab 22 Uhr im Kaiserkeller trafen, um bei dem immer selben Alternative-Rock-Mix das Wochenende einzuläuten. Drei Akkorde, Gitarre, Schlagzeug, Bass, Bier – mehr brauchten wir nicht für einen gelungenen Abend. Die Playlist eines Kaiserkeller-Abends könnte ich heute noch zusammenstellen. Eines der Lieder, bei denen Annalena garantiert auf die Tanzfläche hüpfte, war »Nobody's Wife« von Anouk. […..]

(MMM, SPIEGEL, 24.04.2021)

Es gab nichts zu diskutieren für Baerbock, die sich damals „Lenchen“ nannte und dazu frönten sie nicht nur den langweiligsten Freizeitbeschäftigungen, sondern auch noch immer den gleichen!

Aber es kommt noch übler. Ihr Hobby war FUSSBALL SPIELEN und auch außerhalb blieb die immer gleiche Gruppe der Kommilitonen offenbar immer zusammen, verreiste auch zusammen und zwar in das Ole-von-Beust-Reichenparadies Sylt. Mehr Klischee geht nicht.

OK, doch, sie heiratete früh, schön spießig, im Brautkleid mit Schleier.

Damit sind wirklich alle Punkte abgearbeitet, mit denen man sich für eine RCDS-Karriere qualifiziert. Langweiliger geht es nicht mehr. Solche Studenten habe ich an der Hamburger Uni gemieden wie der Teufel das Weihwasser.

Anschließend ging es natürlich ebenso straight weiter. Praktikum bei der Europaabgeordneten Elisabeth Schroedter, Hocharbeiten zur Büroleiterin, eigenes Bundestagsmandat, Aufstieg in der Partei.  Glücklich verheiratete Cis-Hetero-Frau und Mutter und zahlendes Kirchenmitglied, die nie auch nur einen zehnminütigen Umweg in ihrer Karriere beschritt.

Nein, all das disqualifiziert sich natürlich nicht als Kanzlerkandidaten.

Aber diese extrem glatten Karrierepolitiker ohne einen einzigen Bruch in der Biographie sind mir suspekt.   Ich habe lieber Schröder- oder Fischer-Biographien mit vielen Umwegen, die enorme Erfahrungen aufweisen und die eigentlich für sie vorgesehenen Lebenspfade verließen. Die mussten sich durchbeißen und haben sich gegen enorme Widerstände durchgesetzt.  Ich glaube, letztere haben eine größere Problemlösungskompetenz als eine Baerbock, bei der noch nie irgendetwas schwierig war und nie etwas schief ging.

 Das wolkige Programm der Grünen ist leider auch keine Hilfe.

[…..] Solardächer sollen Standard werden – alles freiwillig? Kurzstreckenflüge sollen unnötig, Langstreckenflüge verringert werden – wird Reisen wieder zum Privileg der Reichen? Die Fahrgastzahlen im öffentlichen Nahverkehr sollen verdoppelt werden – auf wessen Kosten?  Ach ja, die Kosten: Die Grünen streben finanzielle Verbesserungen in vielen Bereichen an. Sie wollen das Geld aus einer CO2-Abgabe an die Bürger weiterreichen und trotzdem jährlich 50 Milliarden Euro unter anderem in klimaneutrale Infrastruktur investieren. Die Schuldenbremse im Grundgesetz soll dafür aufgeweicht, eine Vermögensteuer eingeführt werden. Reicht das? Woher kommt das restliche Geld? Und wer trägt den Schuldenberg wieder ab? […..]

(SPIEGEL, Nr.17, 24.04.2021, s.6)

Montag, 26. April 2021

Genosse Trend

Aus Sicht der CDU (und ich argumentiere sehr ungern aus so einer Perspektive) war es richtig, sich für Laschet als Kanzlerkandidaten zu entscheiden.

Friedrich Merz trägt nicht nur die Last mit sich, daß er sich in ökonomischen Fragen meistens irrt und groteske Fehlprognosen in die Welt setzt, daß er ein erstaunliches Talent an den Tag legt, alle Fettnäpfchen zu treffen und innerparteilich als Serienverlierer dasteht, sondern immer mehr als ewig-gestriger AfD-Opa gegen Schwule und Gendersternchen wettert.

Das kommt bei den picklig-pyknischen bierseligen Verbindungs-Studenten des Phänotyps Kuban an, die sich grämen zu uncool und zu häßlich zu sein, um eine Freundin zu finden, die aus Mitleid mit ihnen schlafen würde. Aber bundesweit gibt es dafür keine Mehrheiten mehr.

[….] Für jemanden der sich darüber entrüstet, dass es eine „Sprachpolizei“ gebe, die die Bevölkerung zum Gendern zwingen will, ist es also völlig unproblematisch, exakt das zu tun, was er der anderen Seite vorwirft - nämlich Zwang. Das ist argumentatives Totalversagen.  Der Kampf gegen die eigene Bedeutungslosigkeit hat Friedrich Merz‘ Ego so groß werden lassen, dass er sich selbst im Wahlkampf um die Bundestagswahl nicht klar hinter die Leute aus der eigenen Partei stellen kann. Ein politisches Armutszeugnis. Wer dann noch Maaßen-freundlich am rechten Rand fischt, die eigenen rechtskonservativen Reflexzuckungen so wenig im Griff hat und sprachliche Entwicklungen in Richtung Gerechtigkeit verbieten will - das ist pure Verzweiflung. […..]

 (Sonja Thomaser, FR, 23.04.21)

[….] Das Problem ist, dass Merz sich eines ohnehin schon die Gesellschaft spaltenden Themas auf eine Art und Weise bedient, die diesen Spalt noch tiefer treibt. Und das nur, um die eigene Wählerschaft zu mobilisieren. So Vorgehen hat einen Namen: Populismus. Der Merz des Frühjahrs 2021 sollte sich fragen, ob er wirklich da weitermachen will, wo er vor zwei Dekaden mit der leidigen Leitkultur-Debatte durchgestartet war.

Ein Liberaler ruft nach Verbot! [….]

(Sebastian Huld, ntv, 23.04.2021)

Markus Söder beweist nach dem Eingeständnis seiner Niederlage gegen Laschet jeden Tag, daß er den Charaktertest nicht besteht. Immer wieder stichelt er, tritt nach, ist beleidigt, beschädigt die CSUCDU insgesamt.

Söder und Merz wären als CDUCSU-Kandidaten zwar gut für die SPD gewesen, aber hochgefährlich für ihre eigenen Parteien.  Armin Laschet geht allerdings so schwer angeschlagen in das Rennen mit Baerbock und Scholz, daß es die Union in den Umfragen regelrecht abstürzt.

Kantar/Emnid und Forsa sahen die Grünen schon bundesweit vor der CDUCSU.

Nun zieht Civey vom SPIEGEL nach.

[…..] Zwischen Baerbock-Euphorie und Laschet-Frust: Eine Woche nach der Kür der Kanzlerkandidaten liegen die Grünen nur noch knapp unter der 30-Prozent-Marke und sind nun klar stärkste Kraft.  Die Grünen demonstrierten Geschlossenheit und präsentierten perfekt inszeniert Annalena Baerbock als Kanzlerkandidatin. CDU und CSU verloren sich im Schwesternstreit und einigten sich erst nach erbittertem Machtkampf auf Armin Laschet (CDU) als Spitzenmann – eine Wahl, mit der große Teile der Unionsbasis nicht einverstanden sind.  Die Umstände der Kandidatenkür spiegeln sich in der aktuellen Auswertung der SPIEGEL-Sonntagsfrage wider. In der repräsentativen Erhebung des Meinungsforschungsinstituts Civey verliert die Union deutlich und rutscht auf 24 Prozent ab – das sind 6 Prozentpunkte weniger im Vergleich zum Wert eine Woche zuvor.  Bündnis 90/Die Grünen ziehen mit einem bemerkenswerten Plus von 5 Prozentpunkten im Vergleich zur Vorwoche an der Union vorbei und kratzen nun sogar an der 30-Prozent-Marke. […..]

(SPON, 26.04.2021)

Bei all den demoskopischen Daten und den sich daraus ergebenden Koalitionsoptionen, wird bezeichnenderweise kaum jemals erwähnt, daß Grüne und SPD umfangreiche Wahlprogramme vorgelegt haben; die CDU aber keine Idee hat weswegen man sie wählen sollte.

Die Sozis sind wie immer gewissenhaft, detailliert, haben viel gerechnet.

Die Grünen bleiben diesmal etwas vager, haben umständliche Gegenfinanzierungen ausgelassen, wollen lieber nicht sagen, wenn sie belasten wollen. Das stört im Wahlkampf nur.

Die Grünen machen sich aus Erfahrung mit vergangenen Wahlkämpfen einen schlanken Fuß. Sie haben gelernt, daß der SPD-Weg der klaren und ehrlichen Ansagen vom Urnenpöbel gar nicht gemocht wird. Die vagen Merkel-Typen, die nie etwas konkret sagen und zu allem nur wolkig wabernd Allgemeinplätzchen ablassen, schneiden bei Wahlen viel besser ab, weil sie niemand verschrecken.

Daher trauen sich die Grünen auch nicht ihre religiösen, esoterisch durchgeknallten und homöopathischen Anhänger oder schwurbeligen Impfgegner vor den Kopf zu stoßen.

Der Gipfel der grünen Politikverweigerung war die umstrittene Abstimmung am 21.04.2021 zur „Bundesnotbremse“. CDU, CSU und SPD steckten dafür viel Kritik ein, die AfD rotierte auf Hochtouren, um die Aluhutszene fest an sich zu binden, die FDP reichte Verfassungsbeschwerde ein. Sämtliche Ärzte, Fachleute und Virologen befürworteten die Notbremse nicht nur, sondern hielten sie für zu schwach. Die Linke stimmte zusammen mit AfD und FDP dagegen.

Die Grünen aber mit ihrer Abgeordneten Annalena Baerbock zeigten maximale Unverantwortlichkeit, dachten nur an ihre Wahlchancen und nicht etwa an das Wohl des Landes, indem sie sich enthielten. Bloß niemanden auf die Füße treten, bloß nichts sagen, auf das man festgenagelt werden kann, bloß keine Position beziehen.

15 Monate Pandemie und die Grünen haben dazu leider keine Meinung. Sie haben nicht nur keine eigenen Vorschläge, sondern sie können noch nicht mal sagen, ob sie die Groko-Pläne ablehnen oder unterstützen.

Erbärmlicher geht es nun wirklich nicht in einer Krise mit 80.000 Todesopfern und nie dagewesenen finanziellen Verwerfungen für einen Partei, die in fünf Monaten die Bundeskanzlerin stellen will.

Aber wahltaktisch war das offensichtlich völlig richtig. Beim Urnenpöbel kommt das richtig gut an.

Laschet strampelt sich inzwischen ab, um auf seine neue Hauptkonkurrentin einzuschlagen. Immerhin liegt die CDUCSU damit noch gute zehn Prozentpunkte vor der SPD. Das ist insofern erstaunlich, da die Last der Regierung von den SPD-Ministern getragen wird, während das C-Personal durch die Bank vollkommen versagt.

Dreist ist vor Allem, daß es von den C-Parteien immer noch kein einziges Wort eines Wahlprogrammes gibt.  Das wird bei den Konservativen zwar immer eher schwammig gehalten, aber bisher war es so, daß man tatsächlich Merkel kannte und wußte, daß sie ohnehin alles irgendwie laufen läßt und garantiert nicht proaktiv und vorrausschauend Probleme angeht.

Deswegen ist Deutschland eben technologisch vielfach abgehängt, hat eine museumsreife Armee, ist nicht in der Lage nach 15 Monaten Pandemie Schulunterricht online zu garantieren, weil wir bei der Digitalisierung 20 Jahre zurück liegen und noch nicht mal ein Smartphone bauen können – mal ganz abgesehen von Großprojekten.

Immerhin wurden unter der gegenwärtigen Kanzlerin allerlei CDU-Essentials abgeräumt. Wehrpflicht weg, Homophobie ad acta gelegt, Schwarze Null obsolet, Atomkraft abgewickelt  - Koalitionen mit so ziemlich jedem möglich.

Aber was würde ein CDU-Kanzler anders als Merkel machen? Oder würde er weiter ziellos mäandern?
Keiner weiß es, weil es kein Programm gibt und niemand in der Union sich traut irgendwelche Pläne vorzulegen.   Man wüßte noch nicht mal wer das eigentlich tun könnte. Vordenker wie Geißler oder Biedenkopf sind lange abgeschafft.  Laschet tritt als weiße Projektionsfläche an und liegt damit fast gleichauf mit Barbock.

Die SPD wird zwischen ihnen zerrieben und kommt in der Zuspitzung auf zwei potentielle Kanzlerparteien gar nicht vor.

Das ist ein bekanntes Phänomen, das man aus vielen Wahlen aus Deutschland kennt und mehre Merkmale aufweist:

1.   Die Öffentlichkeit ist nicht in der Lage, sich mit mehr als zwei Parteien zu beschäftigen.

2.   Politische Inhalte sind offensichtlich nahezu irrelevant.

3.   Es wird keine Partei gewählt, die keine Chance hat den Regierungschef zu stellen.

4.   Der Wähler bevorzugt die Partei, die wahrscheinlich am stärksten wird, weil er dann auch zu den Siegern gehört. Niemand will zu den Verlierern gehören und wählt daher auch nicht die Partei, die demoskopisch absackt.

5.   Trends verstärken Trends. Gute Umfragen generieren noch bessere Umfragen.

6.   Bauch vor Kopf. Man wählt den, der auch von der veröffentlichen Meinung als möglicher Sieger präsentiert wird.

7.   Die Journalisten konzentrieren sich fast ausschließlich auf die mutmaßlichen Sieger-Parteien.

Als kleinere Partei gegen diese Regeln aus eigener Kraft Medienaufmerksamkeit zu generieren und Trends umzukehren, ist zwar möglich, aber sehr schwer. Dafür braucht es sehr überzeugende Kandidaten und absolut zündende Argumente. Seit Gerhard Schröder gab es aber keinen so guten Wahlkämpfer mehr. Keiner der heute Aktiven kann ihm das Wasser reichen.

Helfen könnte es einer im Wahlkampf nicht trendbegünstigten Partei, wenn der medial zentrale Kandidat ganz drastische Fehler begeht. Martin Schulz schaffte es 2017 sich von 33% ganz allein durch eigene Doofheit auf 20% herunter zu plappern.

Megaskandale (Schill 2004 in Hamburg, Bankenkrise Berlin 2001, Barschel-Skandal 1987, Mappus-Desaster mit EnBW und Fukushima 2011) können einen deutlichen Trend umkehren. Da haben die Konkurrenzparteien Glück. Derartig große Skandale sind aber selten.
Die Grünen sind 2021 zu professionell und straff zentralistisch organisiert, so daß ich keine derartigen Fehlleistungen von ihnen erwarte.

Die CDU andererseits sitzt schon so tief im Sumpf nach den Maskendeals und dem schmutzigen öffentlichen Kampf gegen Söder, daß Laschets Ruf nun ohnehin ruiniert ist. Die Erwartungen an ihn sind kaum noch messbar und können daher auch kaum enttäuscht werden.

So sieht es also nach einem schwarzgrünen Zweikampf aus.   Die wechselseitigen Wunschpartner kabbeln sich darum, wer am Ende die Nase vorn haben wird. Das verspricht Spannung und generiert Medienaufmerksamkeit von allein.

Olaf Scholz, der fähigste und seriöseste Kandidat, hat dagegen kaum Chancen, zumal er für eine Programmpartei antritt und leider mit zwei völlig unfähigen Parteichefs leben muss, die in der Öffentlichkeit bestenfalls als Witzfiguren wahrgenommen werden. Frau Esken twittert ganz gern und reagiert auf jeden der durchschnittlich drei bis fünf Kommentare.  Ob der Krefelder Endsechziger Norbert Walter-Borjans überhaupt noch lebt, kann ich nicht sagen. Von dem habe ich seit Monaten nichts mehr gehört.

Sonntag, 25. April 2021

Unsichtbare Vernunft

Nach 15 Monaten Pandemie in der Welt nervt mich am meisten, immer wieder Zeuge davon werden zu müssen, wie eigentlich hochvernünftige intelligente Menschen entweder selbst einen Aluhut aufsetzen, oder aber sich so äußern, daß vollkommen erwartbar AfD und Verschwörungstheoretiker ihren Honig daraus saugen.

Von Schlagersängern, Fernsehköchen, Rechtspopulisten wie Lindner, Reality-TV-Sternchen erwarte ich ohnehin nichts Gutes.

Aber es gibt leider auch eine länger werdende Liste von namhaften Journalisten, die auch langsam abdriften. Ich nenne bewußt keine Namen, um nicht noch mehr Aufmerksamkeit dafür zu generieren.

Ich staune über die „Hygienedemonstranten“, die Arm in Arm mit Neonazis in Stuttgart und Berlin und Dresden umherspazieren, über die überproportional viel in Film, Funk und Fernsehen berichtet wird, die aber hartnäckig behaupten, sie kämen in den klassischen Medien nicht vor.

Das sind alles kleine Reinkarnationen von QAnonistin Marjorie Taylor Green, die nach dem versuchten Sturm des US-Capitols mit einem ZENSUR-Mundschutz an das Rednerpult des Repräsentantenhauses trat und jammernd beklagte, ihre Meinung nicht äußern zu dürfen, während sie im Zenit der Aufmerksamkeit der Weltpresse stand und von hunderten TV-Stationen übertragen wurde.

Die Lauten, die Fiesen und die Doofen sind viel sichtbarer als die Vernünftigen, die alle die Berichte und ausführlichen Dokumentationen aus den Krankenhäusern kennen, in denen derzeit schon über 5.000 Covid-19-Patienten mit enormen Aufwand behandelt werden, die um die 80.000 Toten in Deutschland wissen und sich daher auch an die Hygieneregeln halten.

Gelegentlich werden aber auch die Vernünftigen laut. Nach der katastrophal verunglückten Jan-Josef-Liefers-Aktion, gibt es nun die viel beachtete Reaktion #allemalneschichtmachen des medizinischen Personals.

Viel zu viel Aufmerksamkeit wird auch den schweren Religioten geschenkt, die sich immer noch hartnäckig für die Kindermissbrauchs-Organisation RKK einsetzen.    Niemand bei klarem Verstand würde auf Einsicht der Männer wie Müller, Ratzinger, Woelki, Heße, Marx, die sich seit Jahrzehnten bemühen Kinderfic**r zu beschützen und ihr Tun weiter ermöglichen, setzen.   Sie stehen für eine Organisation, die sich bis heute nicht den deutschen Gesetzen unterwerfen will, sondern ausschließlich auf das Kirchenrecht setzt, welches bezeichnenderweise in der Vergewaltigung von Kindern gar keinen Straftatbestand erkennt. Nur der Verstoß gegen den Zölibat wird geahndet.

[…..] Dass Kleriker zu Missbrauchstätern wurden und werden, liegt vielleicht sogar in der inneren Logik der Kirche begründet. Um das zu verstehen, hilft ein Blick ins Kirchenrecht: Kirchenrechtlich wird sexueller Missbrauch bis heute rein vom Priester her gedacht. Kirchenrechtlich gesehen verstößt ein Priester, der sich an einem Kind, Jugendlichen oder Erwachsenen vergeht, gegen das sechste Gebot: "Du sollst nicht ehebrechen." Und weil der zölibatär lebende Priester mit der katholischen Kirche verheiratet ist, betrügt er lediglich die Kirche. Die Opfer kommen als Geschädigte nicht vor, sie sind gar nicht da.  Aus diesem Grund haben Betroffene von sexuellem Missbrauch in kirchenrechtlichen Verfahren gegen Täter bis heute keinerlei Rechte. Sie können keine Akten einsehen, sie können nicht als Nebenkläger auftreten, sie sind nur Zeugen. Die katholische Kirche könnte etwas dagegen tun, sagt zum Beispiel die Theologin Doris Reisinger: Sie könnte ein Recht auf sexuelle Selbstbestimmung in ihren Rechtsnormen verankern; im weltlichen Bereich ist dies etwas völlig Selbstverständliches. Doch wenn sie das täte, müsste sie den Gläubigen auch zugestehen, über ihr Schlafzimmer selbst zu entscheiden. Hier liegt der Knackpunkt: katholische Kirche und Selbstbestimmung des Menschen - das geht offenbar nicht zusammen. […..]

(Annette Zoch, 19.03.2021)

Politikern wie Annette Schavan, Wolfgang Thierse oder Winfried Kretschmann, die sich für so ein Kindermissbrauchssystem engagieren, indem sie sogar im Zentralrat der Katholiken sitzen, kann ich nicht vertrauen.

Noch-ZdK-Chef Sternberg ist begeistert, daß sich so viele Prominente wie nie für seinen homophoben, frauenfeindlichen Verein einsetzen, der Kindervergewaltiger schützt, Frauen als minderwertig erwachtet, Waffen segnet, aber keine Schwulen!

[…..] Zahlreiche Schwergewichte wie Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) und der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann sind ausgeschieden. Neu dabei sind die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) und Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU). Auf die 45 Plätze für Einzelpersönlichkeiten haben sich so viele Menschen beworben wie noch nie, insgesamt 105 - und das "trotz des schlechten Bildes der katholischen Kirche in der Öffentlichkeit", so Sternberg. Das sei "beeindruckend". [….]

(SZ, 24.04.2021)

Schande über Dreyer, Thierse, Monika Grütters, Maria Böhmer, Emilia Müller, Schavan, Kretschmann, AKK, Armin Laschet, Hildegard Müller, Dieter Althaus, Christa Nickels, Andrea Nahles, Rita Süßmuth, Philipp Rösler, Daniel Günther, Rainer Haseloff, Maria Flachsbarth, Erwin Teufel und Julia Klöckner, die alle im ZdK aktiv sind (oder waren).

Allesamt Regierungschefs, Minister und Staatssekretäre, sowie ein Bundestagspräsident. Eine einfache Krankenschwester aus einem katholischen Hospital oder Gärtner einer katholischen Schule findet man hingegen nicht im katholischen Laiengremium. Dafür aber Militärs und Hochadel.    Es war schon immer das Erfolgs- und Reichtumsgeheimnis der RKK, sich mit den Mächtigen und Regenten eines Landes zusammen zu tun, um die gewaltigen Geldflüsse in die Taschen der Kirchenfürsten aufrecht zu erhalten.

Neben diesen sichtbaren Ärgernissen der Religiotie, gibt es aber eine größere Bewegung der Vernünftigen, die unter weitgehendem Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindet.

Hunderttausende erkennen jedes Jahr welche ein unrettbarer amoralischer Sumpf die Kirchen sind.

Vielerorts sind die Kirchenaustrittstermine auf Monate ausgebucht.

[….] Düsseldorf: Termine für Kirchenaustritte sind begehrt

Über 300 Termine werden monatlich vom Amtsgericht online für Düsseldorfer*innen angeboten, die aus der Kirche austreten wollen. Doch die Nachfrage ist aktuell so groß, dass bereits am Morgen des 1. März alle Termine ausgebucht waren. Neue Termine werden erst zum nächsten Ersten im April eingestellt. Der Verein Düsseldorfer Aufklärungsdienst fordert deshalb in einem Brief an die Präsidentin des Amtsgerichts, die Zahl der Termine aufzustocken. […..]

(Report Düdo, 02.03.2021)

[….]    Der Appell aus der katholischen Kirche auszutreten, zieht Kreise: Dass der Vatikan der Segnung gleichgeschlechtlicher Paare eine Absage erteilt hat, empört nicht nur das Ehepaar Traber, das die Aktion im Netz initiiert hat.   Von einer „Mords-Resonanz“ auf ihren öffentlich gemachten Austritt aus der katholischen Kirche berichteten der Kabarettist Otmar Traber und seine Frau Lioba Burg-Traber aus Benningen (Kreis Ludwigsburg) am Montag. Gut tausend Mal sei die Homepage https:/kirchenaustritt-jetzt.de aufgerufen worden, 23 Personen hätten ihren Austritt über diese Website öffentlich gemacht – „und darunter sind nicht wenige Hauptamtliche“, erklärte der Theologe. […..]

(Stuttgarter Nachrichten, 22.03.2021)

[….] EKHN rechnet mit 20% weniger Mitgliedern bis 2030

Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) rechnet damit, bis 2030 ein Fünftel ihrer Mitglieder zu verlieren. Das geht aus einer Mitteilung vom 24. April über die Online-Tagung der Synode hervor. [….]

(IDEA, 24.04.2021)

[…..] München: Kirchenaustritt im Akkord: Keine Termine beim Standesamt mehr

Für den Kirchenaustritt gibt es zwei Möglichkeiten: per Online-Termin beim Standesamt oder per Termin beim Notar. Laut KVR kostet das immer rund 25 Euro. Eine Austritts-Bescheinigung kostet zehn Euro extra. [….]

(Münchner Abendzeitung, 21.04.2021)

[….] Wartezeit auf Kirchenaustritt kann in Osnabrück derzeit drei Monate und länger betragen.  Nicht nur von den Parteien wenden sich viele Bürger derzeit mit Grausen ab, auch die Kirchen verlieren Mitglieder, dass es nur so ein Laufen ist. Im Bürgeramt der Stadt Osnabrück führt das zu rekordverdächtigen Engpässen bei der Terminvergabe. Wer den Schoß der Kirche verlassen möchte, muss Wartezeiten von drei Monaten und mehr in Kauf nehmen. [….]

(ABM, 23.04.2021)

[….] Termine zum Kirchenaustritt bis Ende Juni ausgebucht

Die Krise im Erzbistum Köln hält an: In der Stadt ist über Monate hinweg kein Termin für einen Kirchenaustritt mehr frei. Die nächste Chance gibt es am 1. Mai – dann werden die Termine für Juli vergeben. […..]

(Spon, 01.04.2021)

[….] Viele Katholiken in Rheinland-Pfalz kehren derzeit der Kirche den Rücken. Es gebe gerade vermehrt Nachfragen nach Terminen, um den Austritt aus der Kirche zu erklären, teilt die Stadt Kaiserslautern mit.  [….]

(dpa, 23.03.2021)

[….] Viele Bochumer treten aus den Kirchen aus

Termine für den Kirchenaustritt sind beliebt. In Bochum treten etwa gleich viele Evangelen und Katholiken aus. […..]

(Lokalkompass, 12.04.2021)

[….] Es sieht aus, als gäbe es auch in München einen Woelki-Effekt: Die Termine im Kreisverwaltungsreferat (KVR) für Kirchenaustritte sind bis Ende Juni ausgebucht, für mehr als drei Monate. Und das, obwohl die Austretenden im Fünf-Minuten-Takt durchgeschleust werden. In Köln kommt das dortige Amtsgericht schon seit Längerem kaum mehr hinterher, alle Austrittswünsche zu erfüllen, man führt das auf den Ärger über den Kölner Kardinal Woelki und dessen Management der Missbrauchsvertuschung zurück. […..]

(SZ, 30.03.2021)

 So lange so viele Deutsche schlau genug sind, das Weite zu suchen, mögen sich die wichtigen und mächtigen Politiker gern im ZdK amüsieren und Pfründe verteilen.

Samstag, 24. April 2021

Die irreale Welt

Als ich vor einigen Jahren im Wartebereich des UKE-Herzzentrums (UHZ) ausharrte, kam ich mit einer Patientin ins Gespräch, die weit über 90 war, auf mich einen sehr gefassten Eindruck machte, aber sie erklärte mir, das Alter mache wirklich keinen Spaß. Alle ihre Freunde wären tot, dement oder schwer krank. Wo sie hingucke, nichts als Elend, Leiden, ständig müsse man zu Ärzten, 20 Pillen am Tag nehmen und rede auch nur über Krankheiten.

Nun ist Alter nicht gleich Alter.   Es gibt Menschen, die schon mit Mitte 40 Alzheimer bekommen, manche sind mit 70 pflegebedürftig und nicht mehr mobil, andere, wie die Queen, sind mit 95 noch voll einsatzfähig und arbeiten.

Die Dame im UHZ war auch noch völlig klar, aber sie war deprimiert von all den Krankheiten. Früher wäre das nicht so gewesen. Sie könne sich nicht dran erinnern, daß in ihrer Jugend Freunde oder Bekannte so lange und so schwere Krankheiten gehabt hätten. Aber jetzt kenne doch jeder Krebspatienten und habe Angehörige mit Infarkten und Herzklappen-OPs.

Das wirkt in der Tat so. Eine Erklärung ist, daß viele Jugendlichen die Leiden des Alters weniger wahrnehmen.

Der Hauptgrund für die wenigen schweren Alterserkrankungen vor 100 Jahren ist aber, daß die Menschen schon längst gestorben waren, bevor sie krank wurden.    Ohne moderne Medizin, Antibiotika und minimal invasive Operationstechniken starb man eben an einer Lungenentzündung oder einem kleinen Herzinfarkt. Krebsarten wurden gar nicht erst richtig bemerkt bevor es zu spät war.

In der Rückschau wirkten die zum Tode führenden Erkrankungen kurz und wenig dramatisch.

All diese Erkrankungen überlebt man aber heute in Deutschland, erholt sich und kann sich die nächste schwere Malaise einfangen, wird wieder operiert, zur Reha geschickt, medikamentös eingestellt, lebt noch mal drei Jahre und bekommt dann die nächste Krebsart.

Wir feiern uns für die gestiegene Lebenserwartung, betrachten es als Segen und werden von den Kirchen angetrieben unter allen Umständen auch noch die letzte Stunde des Lebens angeschlossen an zwei Dutzend Schläuche, trachetomiert, intubiert an der ECMO rauszuholen. Hier gehen Kirchen, Pharmaindustrie und Krankenhausbetreiber Hand in Hand – denn Intensivmedizin ist unfassbar teuer.

Da klingeln bei den Multimilliardären wie Bernd Broermann, dem Betreiber der Asklepiosklinken richtig die Kassen. Die 86 Helios-Kliniken, 120 Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) und zehn Präventionszentren gehören dem Fresenius-Konzern, der über 36 Milliarden Euro umsetzt.

Die christliche Krankenhausverbände DEKV und kkvd betreiben 550 Krankenhäuser mit 138.000 Betten in Deutschland. Da rollt der Rubel richtig durch die Apparatemedizin. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt, daß die Kirchen so vehement Patientenverfügungen, Sterbehilfe und assistierten Suizid bekämpfen.

In dem Wahn immer länger zu leben, gerät die prozentual am meisten zunehmende Bevölkerungsgruppe der über 100-Jährigen immer mehr in den Fokus. Wieso leben einige Menschen so lange? Haben sie bestimmte Gene? Bestimmte Verhaltensweisen? Spezielle Ernährung?

Natürlich kann ein Einfluss der Ernährung festgestellt werden, aber es gibt nicht den einen Altersfaktor wie den französischen Rotwein oder die Meeresfrüchte in Okinawa oder das Olivenöl auf Sardinien. Viele Menschen in diesen speziellen Hotspots mit sehr vielen Hochbetagten passen aber in keine Schablone der Altersforscher.

Der große Irrtum ist es, anzunehmen diese Hochbetagten wären sagenhaft gesund aufgrund einer besonderen Konstitution.     Nein, sie weisen auch alle alterstypischen Erkrankungen auf, sitzen im Rollstuhl, sind blind, haben Schmerzen und fürchterliche persönliche Verluste erlebt.

Das Besondere ist eher, ihre Leidensfähigkeit. Sie können die Krankheiten besser ertragen ohne zu verzweifeln.

Eine Konsequenz der Hightech-Medizin und der ständig steigenden Lebenserwartung, ist die Vervielfachung der Pflegeheime und Demenzeinrichtungen.

So gern Konservative auch auf den Verfall der Familien schimpfen, so klar muss man auch feststellen, daß es Stadien von Demenz gibt, die entweder 24 stündige Überwachung am Tag oder aber freiheitsberaubende Mittel (Gurte, festgebundene Hände, sedierende Medikamente) – also beides Methoden, die man in einem Privathaushalt nicht allein leisten kann.

Ich hatte schon mit vielen solchen Fällen zu tun und sehe nur zwei praktikable Lösungen.   Entweder man bemerkt die Diagnose rechtzeitig und handelt dann so entschlossen wie Gunther Sachs, um die Krankheit gar nicht voll ausbrechen zu lassen.  Oder aber, man ist sehr reich. In dem Fall braucht man keine moldawischen oder ukrainischen Pflegerinnen ausbeuten, sondern kann ein Team von qualifizierten Pflegefachkräften gut bezahlen und in seiner heimischen Villa unterbringen.    Es gibt auch sehr schöne Einrichtungen mit genügend Personal, so daß kein Dementer angebunden werden muss oder in vollen Windeln liegt. Für 10.000 bis 12.000 Euro im Monat bekommt man dort ein Anderthalb-Zimmer Apartment. Für alle weniger Betuchten bleibt nur die Hoffnung rechtzeitig abzureisen.

Trotz meiner Erfahrung mit Dementen, kann ich nicht sagen, wie man sich fühlt, wenn es einen voll erwischt hat.

 Es gibt offensichtlich Unglückliche, es gibt Aggressive und es gibt diejenigen mit ständig wechselnden Stimmungen.

In einer freikirchlichen Einrichtung in Hamburgs Nordwesten erlebte ich einmal einen Herren, der vermutlich Mitte 70 war, sich gern aus seinem Zimmer stahl, wenn er mal musste, sein Geschäft im Fahrstuhl verrichtete und anschließend die verspiegelten Wände mit seinen Exkrementen einrieb.    Abgesehen von dem bedauernswerten Reinigungspersonal, die sich darum kümmern mussten, traf es seine Söhne am härtesten. Es handelte sich um eine Zahnarztdynastie. Ihr Vater hatte die Praxis gegründet und war Zeit seines Lebens ein besonders eleganter Mann, der Nadelstreifenanzüge trug und so viel Würde ausstrahlte. Und nun das! Sie konnten es nicht ertragen ihn so gedemütigt, halbnackt mit seinen Ausscheidungen spielen zu sehen und kamen nur sehr selten zu Besuch.

Ich konnte dem Senior-Dentisten natürlich nicht in den Kopf gucken, aber er wirkte außerordentlich zufrieden, war geradezu begeistert, wenn er wieder einen Fahrstuhl eingerichtet hatte. Er machte einen glücklichen Eindruck hielt sich vielleicht für einen bedeutenden Künstler.   Wer weiß, vielleicht erlebte er die beste Zeit seines Lebens.

Demenz kann auch ein Segen sein – so hört man in Pflegeheimen immer wieder.   Gemeint ist damit, daß Patienten ein plötzliches Gefühl von Unglück, Einsamkeit, Trauer über verstorbene Familienmitglieder im nächsten Moment vergessen haben können und sich wie ein kleines Kind über eine Biene freuen, die am Fenster sitzt.

Wir verstehen die heute Krankheit gut genug, daß wir Demente nicht mehr korrigieren, sondern ihre Welt akzeptieren.   Das macht das Zusammenleben für alle beteiligten leichter.

Ich kann mir gut vorstellen, ebenfalls aggressiv zu werden, wenn mein Umfeld mir ständig erzählt, daß ich gar nicht Napoleon bin, obwohl ich das doch sicher weiß. Es muss doch auch nerven, wenn ich ausgeschimpft werde, weil jemand meine große Vernissage im Louvre nicht schätzt und hartnäckig behauptet, das wäre nur Kacke im Fahrstuhl.

[…..] Es gibt eine Sache, die in der Kommunikation mit Demenz-Erkrankten sehr hilfreich ist: Validation. Das bedeutet, dass man diese Menschen nicht ständig korrigiert und darauf hinweist, dass sie schon wieder etwas verwechseln oder falsch erinnern, sondern dass man einfach mitgeht. Dass man das, was sie eben anbieten, für gültig, valide erklärt. Ich komme aus einer Theaterszene, wo man viel über Improvisation entdeckt hat. Dabei gab es eine Regel: Wenn jemand etwas anbietet, muss man das Angebot annehmen. Also wenn dir jemand ein Aufnahmegerät hinhält und sagt, das ist eine Banane, dann ist das eben eine Banane. Ich akzeptiere, dass das, was du vorgibst, Realität ist. So ähnlich hab ich das mit meiner Mutter empfunden. [….]

(Clemens Schick über seine demente Mutter, 23.04.2021)

Validation ist in der Tat der Schlüssel.   Das ist auch das Prinzip von Demenz-Dörfern, in denen niemand eingesperrt ist, in denen es eine Bushaltestelle (als Attrappe) gibt und einen Laden, in dem man auch mal mit einem Knopf bezahlen kann.  Die irreale geistige Welt, in der Demente leben ist endgültig abgetrennt von der Unsrigen. Man kann sie nicht zurückholen und soll daher auch keinesfalls an ihnen herumzerren. Damit täte man ihnen nur weh und macht sich selbst das Leben schwer.

Anders verhält es sich mit Covidioten und Aluhüten.

Man gerät immer wieder in Versuchungen auch in diesen Fällen um des lieben Friedens willen auf Validation zu setzen, ihnen nicht zu widersprechen.

Es erspart viel Lebensenergie, wenn man sich nicht mit den Spinnern aus der Reichsbürger und Impfgegner- oder Homöopathie-Szene anlegt.

Leider ist das dennoch keine Option, da wir in derselben Welt leben. Anders als Demente entscheiden diese Menschen über unser Leben mit, indem sie wählen, demonstrieren, Leserbriefe schreiben, politische Parteien bilden und die sozialen Medien vergiften.

Hier muss gegengehalten werden. Sie müssen immer wieder mit der Nase auf die Realität gestoßen werden.

Freitag, 23. April 2021

Der Glaube an sich selbst und Nathanaels Penis

Deutsche können nicht singen. Insbesondere die Frauen sind unfähig.

Daran glaube ich immer noch fest.  Es ist unklar wieso, die britischen Inseln reihenweise auch weiße Frauen hervorbringen, die Stimmen mit Weltstarqualität haben.

Horse, Sarah Jane Morris, Alison Moyet, Annie Lennox, Låpsley, Lou Rhodes, Adele, Amy Winehouse, Kate Bush, Carmel, Anne Clark, Beth Gibbons, Allison Goldfrapp, Duffy, Annabel Lamb – das sind nur ein paar, die mir in fünf Minuten eingefallen sind.

Das ist ja wohl auffällig, daß es in Deutschland trotz der größeren Anzahl Menschen nie solches Potential gibt.

Wenn man nach einem weiblichen Sänger mit internationalen Hits fragt, wird immer noch Nena genannt. Aber erstens ist 99 Ballons schon 400 Jahre her und zweitens spielt sie stimmlich nun wirklich nicht in der Winehouse-Lennox-Adele-Liga mit.

Warum ist das so? Wieso sind die Deutschen nicht nur generell unmusikalisch, begeistern sich für tumben Volksmusik-Mist, sondern haben auch einfach keine Sängerinnen mit großen Stimmen?

Es ist schon viele Jahre her, daß ich zuletzt DSDS sah.   Aus den gerade genannten Gründen erwarte ich selbstverständlich nicht darunter einen „Superstar“ zu finden, oder gar eine/n Sangeskünstler/in, der/die mir auch noch gefällt.   Ich unterlag aber der morbiden Faszination der ersten Castings, wenn die wirklich schlechten Kandidaten vorgestellt werden.

Es ging mir dabei noch nicht einmal um Schadenfreude und das kollektive Auslachen der von Bohlen (völlig zu Recht) verbal zertrümmerten Möchtegern-Superstars.

Aber ich versuchte aus einer psychologischen und soziologischen Perspektive zu verstehen, wie es angehen kann, daß so viele Menschen vollständig der Realität entkoppelt sind, überhaupt nicht in der Lage sind, sich realistisch selbst wahrzunehmen und oft auch noch einen ganzen Mikrokosmos von Nachbarn, Freunden und Familie anschleppen, die ebenso hartnäckig und taub großes Talent ausmachen, wo für jeden offensichtlich eben gar keins ist.

Ich staune über die Menschen, die so hartnäckig an sich selbst glauben, daß sie wie in einem religiösen Missionswahn, trotz ihnen entgegenschlagender überwältigender Ablehnung, immer wieder auf die Bühne drängen, weil sie sich selbst einfach für fabelhaft halten.

Armin Laschet glaubt als guter Katholik an sich, an seine Mission, an seine Bestimmung. Er war überzeugt ein guter CDU-Bundesvorsitzender zu sein und ist ebenso sicher, Bundeskanzler werden zu müssen.  Ein Teil dieses hartnäckigen Fehlglaubens mag genetisch bedingt sein.

So glaubt Laschets Sohn Joe hartnäckig daran ein wunderschönes Model zu sein.

So erkannte Armin Laschets Bruder Patrick das kaiserliche Blut in seiner Familie.

[….] Die Familie des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Armin Laschet (59) meint, direkt von Karl dem Großen abzustammen. Laschets Bruder Patrick habe detailliert Stammbäume zusammengetragen und eine Auflistung erstellt, die von Karl dem Großen (747/748-814) in insgesamt 40 Schritten zu Laschet und seinen Brüdern führe. [….] Der geborene Aachener Laschet bewundert Karl den Großen und hat in seinem Büro in der Düsseldorfer Staatskanzlei eine goldene Karl-Büste aufstellen lassen. "Als gebürtiger Öcher (Aachener) möchte man natürlich von Karl dem Großen abstammen, und die Wahrscheinlichkeit ist gegeben", zitieren die Autoren Laschets Bruder Patrick. [….]

(dpa, 16.09.2020)

Armin Laschet ist immun gegen die kontinuierlichen Abstimmungsniederlagen und partei-internen Pleiten.

Obwohl er in den seit über einem Jahr stattfindenden Ministerpräsidentenkonferenzen regelmäßig von den anderen Outsmarted wird, über 90% der Deutschen ihn für unfähig halten Kanzler zu sein und die Kanzlerin Rücksicht auf seine langsame Auffassungsgabe nehmen muss, hält er sich selbst unvermindert für genial.

[…..] Kürzlich platzte ihm in einer Videokonferenz mit Merkel und den anderen Ministerpräsidenten der Kragen. Sein Parteifreund, Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier, hatte angeregt, die Geschäfte noch länger geschlossen zu lassen, Laschet wollte sich gar nicht mehr einkriegen, bis die Kanzlerin ihn beruhigte: "Armin, alle können sehen, wie du dich aufregst."    Doch auch auf Merkel reagierte Laschet in dieser Schalte gereizt. Als sie, wieder einmal, die wissenschaftlichen Kriterien referierte, an denen man die Entscheidung über Lockerungen festmache, unter anderem die sogenannte R-Zahl, fragte Laschet: "Was ist jetzt wieder dieses R?", so wird er von Teilnehmern zitiert. […..]

(DER SPIEGEL, 02.05.2020)

Selbst im Kerngeschäft der Machtpolitik tappst Laschet bis in jüngste Zeit so unsicher durch die offensichtlichen Fallen, daß jeder Kommunalpolitiker aus Buxtehude nur staunen kann.

Im finalen Showdown mit Markus Söder, glaubte er noch Montag nach dem Votum seines eigenen Parteivorstands für ihn selbst, daß der CSU-Testosteronkanister daraufhin sicher sofort devot zurückziehen werde und er, Laschet, gar nicht mehr am nächsten Morgen in Berlin zu CDUCSU-Bundestagsfraktionssitzung erscheinen müsse, da nun alles geregelt wäre.

Sagenhaft, nach einem Jahr des Kandidatengerangels versteht der CDU-Chef immer noch rein gar nichts und hat keine Ahnung wie Söder tickt.

Dementsprechend geriet die Dienstags-Sitzung zur jetzt schon legendären Schlacht, in der Laschets Leute hilflos und unvorbereitet von Söder outsmartet wurden.

Neben seiner extremen Religiosität und den eigentümlichen Laschet-Genen liegt ein weiterer Grund für die ständigen politischen Pleiten des unbeliebtesten CDUCSU-Kanzlerkandidaten der Geschichte der Bundesrepublik in seiner Beratungsresistenz. Es ist eher eine Beratungsborniertheit, weil er im Alter von 60 Jahren immer noch glaubt, als Spitzenpolitiker einer der größten Industrienationen der Erde brauche er eigentlich gar keine Beratung, kein kompetentes Medienteam, keine Presseanalysten, keine Spindoktoren.

Laschet setzt ausschließlich auf sein dunkelkatholisches Opus-Dei-Mastermind Nathanael Liminski.

Der Staatssekretär und Chef der Staatskanzlei des Landes Nordrhein-Westfalen (CdS) im Kabinett Laschet wird im Falle einer Laschet-Kanzlerschaft nicht nur Kanzleramtsminister, sondern vermutlich der mächtigste Kanzleramtschef seit 1949.

Seine 15 Minuten Andy-Warholscher Berühmtheit hatte er schon vor 16 Jahren, als er 20-Jährig Frau Maischberger in der ARD über seinen Penis aufklärte.

[…..] Vor mehr als 15 Jahren nämlich hatte dieser Nathanael Liminski schon einmal für Aufsehen gesorgt. 2005 zählte der damals 20-Jährige zu den Mitbegründern der "Generation Benedikt", einer papsttreuen Jugendgruppe, die Keuschheit vor der Ehe predigte und Abtreibungen als Sünde geißelte. 2007 sitzt Liminski dann bei Sandra Maischberger im ARD-Studio und verteidigt seine erzkatholischen Prinzipien durchaus mit Witz. Dem Sexualaufklärer Oswalt Kolle etwa, der den Aktivisten mit dem Slogan "Use it or lose it" zum Sex ermuntern wollte, erwiderte Liminski: "Ich kann die Runde beruhigen, ich habe meinen Penis noch." […..]  "Ich kenne viele Homosexuelle, und einige tun mir leid", sagte er 2007 dem Spiegel, "der Staat muss schon aus reiner Selbsterhaltung die natürliche Form der Ehe und Familie fördern." [….]

(SZ, 22.04.2021)

Unglücklicherweise gab sich der junge Mann mit dem noch nie benutzten Penis nicht mit diesen 15 Minuten im Rampenlicht zufrieden, sondern nutzte sein erzkatholisches Netzwerk, um im CDU-Regierungsapparat aufzusteigen und sich seit vier Jahren dem Projekt Laschet zu verschreiben.

Seinen Penis verwendet der Opus-Dei-Mann inzwischen auch, aber das ist ja ohnehin das liebste Christenhobby.

(….) Interessant ist aber der Blick auf das Privatleben der Gay-Gegner. Was tun die eigentlich in ihrer Freizeit, wenn sie so ziemlich alles als unchristlich und undeutsch ablehnen, das Fernsehen, Musik, Kunst oder Sport bieten?   Mutmaßlich verfügen diese Leute, bedingt durch ihre unsympathischen Charakterzüge nicht über große Freundeskreise.   Was tut man da den ganzen Tag, wenn man nicht gerade Schwule, Schwarze und Linke beschimpft?

Nun, ein Hobby haben sie immerhin: Poppen!

[…..] Zum Be­ten kniet sich Joa­chim Kuhs auf die Kir­chen­bank, vor ihm liegt ein klei­ner ro­ter Tep­pich, da­mit die Ge­len­ke nicht schmer­zen.   Kuhs ist ein Mann, der gern lacht. Man sieht es an den Fal­ten um sei­ne Au­gen. Und er trägt gern An­zug, Hemd, Kra­wat­te. „Mei­ner lie­ben Frau und mir“, so stellt er sich gern vor, „wur­den zehn Kin­der an­ver­traut.“ Lie­be au­ßer­halb der christ­li­chen Ehe ist für ihn Sün­de, Ab­trei­bung gleich­be­deu­tend mit der Tö­tung ei­nes Men­schen.   Am Nach­mit­tag ver­sam­melt sich die Fa­mi­lie im Gar­ten, es gibt Bra­ten mit Kar­tof­fel­sa­lat, vier ver­schie­de­ne Ku­chen. Acht der zehn Kin­der sind schon er­wach­sen, fünf sind AfD-Mit­glie­der. Sie wa­ren scho­ckiert von ei­ner Bil­dungs­po­li­tik, die auch über un­ter­schied­li­che se­xu­el­le Ori­en­tie­run­gen auf­klä­ren soll­te, hal­ten nichts von ei­ner Fa­mi­li­en­po­li­tik, die das Mo­dell Mann-Frau-Kind nicht mehr zum al­lei­ni­gen Ide­al er­hebt. […..]

(Valerie Höhne, Peter Wensierski, DER SPIEGEL 29/2017 s.49)

Zehn Kinder sind das Maß der Dinge für die Frömmler.

Für die WELT, den Rheinischen Merkur und die Junge Freiheit arbeitet der ultrarechte Katholik Jürgen Liminski, 57, der es ebenfalls auf zehn Kinder bringt.

[….] Liminski ist verheiratet, hat gemeinsam mit seiner Ehefrau Martine Liminski zehn Kinder und lebt in Sankt Augustin. Eines seiner Kinder ist Nathanael Liminski, der Mitbegründer des Netzwerks „Generation Benedikt“ seit August 2013 umbenannt in „Initiative Pontifex“. Jürgen Liminski ist Mitglied der katholischen Laienorganisation Opus Dei und Vorsitzender des Landesverbandes Nordrhein-Westfalen der Paneuropa-Union. […..]

(Wikipedia)

Leider überträgt sich das fundamentalistisch eingeengte Hass-Weltbild oft auf die Brut. So ist Gabriele Kubys Tochter Sophia ebenfalls ultra-katholische Aktivistin; beispielsweise als Sprecherin der „Generation Benedikt“ und Chefin der radikalen Abtreibungsgegner European Dignity Watch. Die Kuhs-Kinder streiten für die AfD und auch die jungen Liminskis treten in Papas Fußabdrücke.

(….) Hat man [Hendryk Broder] allerdings zufällig auf seiner Seite, sind seine Formulierungen ein absoluter Genuß.
Wenn er in seiner ruhigen Art in einer Talkshow sitzt und anwesende Bischöfe zur Weißglut bringt, gefällt mir das natürlich.
Unvergessen, als er im Februar 2009 in Illners Schwatzrunde die „affirmative Schleimerei“ des Papst-Bewunderers Nathanael Liminski (23) von der "Generation Benedikt" beklagte.  […..]  (…..)

(Tammox I, 14.08.2010)

Da will ein Evangelikaler wie Hartmut Steeb natürlich nicht als Schlappschwanz dastehen und begattet seine in der Gemeinde schweigende Frau ebenso fleißig.

Auch er kommt auf zehn Kinder.

[…..] Ein an­de­rer Mit­tels­mann zwi­schen re­li­giö­sen und po­li­ti­schen Rech­ten ist Hart­mut Steeb. Er ist der Ge­ne­ral­se­kre­tär der Deut­schen Evan­ge­li­schen Al­li­anz, ei­nes evan­ge­li­ka­len Netz­werks, dem nach ei­ge­nen An­ga­ben 1,3 Mil­lio­nen Mit­glie­der an­ge­hö­ren. […..]  Be­son­ders zu Frak­ti­ons­chef Vol­ker Kau­der habe er ei­nen „di­rek­ten Draht“. Auch mit CDU-Ge­sund­heits­mi­nis­ter Herr­mann Grö­he ver­ste­he er sich, der sei ein „gu­ter Christ“. […..] […..] Steeb spricht gern über sei­ne Hei­mat­ge­mein­de in Stutt­gart, über sei­ne Kin­der, er hat zehn, ge­nau wie Kuhs. Er sagt, dass Frau­en nicht ab­trei­ben soll­ten. Selbst wenn die Schwan­ger­schaft die Fol­ge ei­ner Ver­ge­wal­ti­gung ist. [….]

(Valerie Höhne, Peter Wensierski, DER SPIEGEL 29/2017 s.49)

(Christen-Hobby, 16.07.2017)

Armin Laschet ist nicht nur irrerweise davon überzeugt für die Kanzlerschaft qualifiziert zu sein.

Er wird dabei auch noch maßgeblich von einem ultrarechten Hardcore-Katholiban angetrieben.

Da ist für die schnöde Realität und nüchterne Fakten leider gar kein Platz.

Donnerstag, 22. April 2021

Naturprodukte

Mein Nachbar kam schimpfend von der Ostsee, aus seinem Wohnwagenparadies zurück. Er wollte da zu Saisonbeginn einiges an seinem Geräteschuppen anbauen und freute sich diebisch, den strengen Hamburger Corona-Auflagen zu entkommen. In Hamburg sind die Baumärkte geschlossen, aber wenn man über die Landesgrenze nach Schleswig-Holstein fährt, kann man in Günthers Locker-Land ohne Beschränkungen in den Baumärkten herumprassen.

Das ist ohnehin schon ein geflügeltes Wort in Hamburg, wenn sich jemand ärgert etwas nicht kaufen zu können: ‚Fahr‘ doch über die Grenze nach Rellingen. Fahr‘ doch über die Grenze nach Norderstedt.‘

In diesem Fall wurde nichts aus dem Baumarkt-Fun, weil das Holz entweder ausverkauft oder viel zu teuer war.

Deutsche Häuslebauer stöhnen noch lauter als sonst: Neben der unendlichen Bauauflagen-Flut gehen nun auch noch die Materialpreise durch die Decke.

[….] Während der Holzpreis im vergangenen Jahr derart am Boden war, dass so mancher Waldbauer erwog, die Arbeit in seinem Forst wegen Unrentabilität einzustellen, ist der Markt nun geradezu explodiert. Das liegt nicht nur daran, dass in Deutschland das Bauen mit Holz immer attraktiver wird. Sondern auch am immensen Holzhunger der amerikanischen Baubranche. Dort wird ohnehin deutlich mehr als in Deutschland mit Holz gebaut. Und mit Kanada ist einer der Hauptzulieferer für die US-Amerikaner nahezu ausgefallen – weil dort der kleine, aber gefräßige Bergkiefernkäfer Baumbestände von gigantischem Ausmaß vernichtet hat. Nun hat die USA den europäischen Holzmarkt für sich entdeckt.  [….]  Nun haben sich die Amerikaner auch mit deutschem Holz eingedeckt. „Gutes Holz ist mittlerweile Mangelware.“ [….] Tatsächlich liege der Preis für den Festmeter Rundholz derzeit wieder bei etwa 90 Euro, wie Johann Killer von der Waldbesitzervereinigung Wolfratshausen bestätigt. Zum Vergleich: In der Holzmarktkrise im vergangenen Jahr lag der Preis teilweise bei nur noch 25 Euro. [….]

(Merkur, 15.04.2021)

Holz ist ein Naturprodukt, ein nachwachsender Rohrstoff.

Wenn dies nicht mehr geschieht, weil ein Käfer die Bäume killt, bevor es die menschlichen Kettensägen tun, stiegen logischerweise die Preise.

[….] Der Plagegeist schimmert schwarz, ist kaum größer als ein Reiskorn, und wenn er mit seinem Gastgeber fertig ist, dann ist das an den rostroten Kiefernnadeln zu erkennen. In den Wäldern Nordamerikas hat Dendroctonus ponderosae, besser bekannt als Bergkiefernkäfer, bereits Wälder in einem Umfang zerstört, der das Wort "apokalyptisch" in den Sinn ruft. Allein in der kanadischen Provinz British Columbia hat der Käfer Wald auf einer Fläche von mehr als 180 000 Quadratkilometern niedergemacht. Vier Mal so groß wie die Schweiz. Der Klimawandel bietet dem Baumkiller so gute Lebensbedingungen wie nie zuvor. Bauholz ist auch deshalb so knapp und so teuer wie nie. [….]

(Thorsten Denkler, SZ, 24.03.2021)

Während Deutsche „Wein‘ leiser, Greta“-Aufkleber an ihre SUV-Hecks pappen und die Kanzlerin ohnehin jede Klimaschutzmaßnahmen abblockt, erhitzt sich der Planet immer weiter.

Der Klimawandel macht im Moment nicht nur das Holz teurer, sondern auch Paprika.   Die Bio-Variante kostet im Supermarkt gerade über 10 Euro und ist damit doppelt so teuer wie vor einem Jahr.

[…..] Vor wenigen Wochen gab es in Spanien einen massiven Wintereinbruch. Deshalb lagen die Temperaturen dort deutlich unter dem saisonüblichen Durchschnitt, was dazu führte, dass die Paprikas sehr viel langsamer wuchsen. Eine schlechte Ernte war die Folge. Weil jedoch die Nachfrage in den letzten Wochen konstant hoch blieb, steigt der Preis seit Tagen.  Ein Preisanstieg lässt sich aber nicht nur bei den Paprikas erkennen, sondern auch bei Gurken, Tomaten, Auberginen und Lauchzwiebeln. [….]

(Franken, 22.04.2021)

Als Vegetarier, der fast gar keine Fleisch-Ersatzprodukte konsumiert, sondern gleich auf Obst und Gemüse setzt, freue ich mich natürlich über die ganzjährige Auswahl.

Ich erinnere mich, als Kind bei meiner Oma gab es im Sommer oft Kopfsalat. Das war eben der einzige Salat, den man kannte. Dann schleppte meine Mutter irgendwann Eisbergsalat an. Wir waren begeistert von dem Zeug, weil man den nicht waschen musste und er so knackig war.
Nun hatte man außerdem zwei Salate zur Auswahl.

Im Jahr 2021 führt mein Gemüsemann gar keinen Eisberg-Salat mehr. Viel zu langweilig. Dafür gibt es keine Nachfrage. Der Großhändler bietet 130 Salatsorten kontinuierlich an. In meinem Laden um die Ecke gibt es stets um die 20, 25.    Natürlich habe ich meine besonderen Vorlieben, im Moment zum Beispiel frische Bunde Asia-Salatmix Baby Leafs aus dem Alten Land und französische rosa Wild-Radicchio.

Der Segen ist aber auch ein Fluch, da man den Sinn für das Regionale verliert und natürlich nicht klimafreundlich isst, wenn man Äpfel aus Neuseeland, Spargel aus Chile und Weintrauben aus Südafrika kauft.

Außerdem verliert man das Gespür für das Besondere, wenn es immer alles gibt.

Wenn nur einmal und nur für kurze Zeit im Jahr Erdbeeren oder Spargel oder Clementinen erhältlich sind, bieten sie die viel größere Gaumenfreude.
Es muss auch kein im Februar gestochener Folienspargel, bei dem jede Stange haargenau gleich aussieht. Sie dürfen auch natürlicher und langsamer wachsen, mal krumm oder kurz sein.

Sie sind dann wirklich Naturprodukte, die es dann gibt, wenn Jahreszeit und Wetter es erlauben.    Die Agrarindustrie in Kombination mit subventionierten Energiepreisen und lächerlich billiger Logistik, gaukeln uns vor, man könne jede Frucht immer und überall bekommen. Sie sieht auch immer gleich aus, schmeckt immer gleich.

Das funktioniert aber nur, wenn wir asoziale Bedingungen für die Erntehelfer, die chemische Keule auf den Feldern, abartige Energieverschwendung, aberwitzigen Energieverbrauch, astronomische Subventionen und die Bildung gewaltiger Nahrungsmittelkonzerne hinnehmen.

Eine naturschonenden Landwirtschaft der kurzen Wege und ohne Pestizide, kann nicht wie am Fließband funktionieren.   Sie ist wetterabhängig.

Daher finde ich es ganz schön, wenn größere Effekte wie der Bergkiefernkäfer oder ein Wintereinbruch in Spanien direkt auf die Verbraucherpreise durchschlagen und wir Städter im Supermarkt merken, daß es nicht immer alles geben muss.

Daß wir keine genormten Industrieprodukte wie Stahlnägel oder Plastikbecher beim Obst-Höker kaufen, sondern natürlich gewachsene Pflanzen.

Daß es einige davon vielleicht bald nicht mehr oder nur noch extrem teuer gibt, wenn wir nicht doch langsam mal auf Greta Thunberg hören.

Mittwoch, 21. April 2021

Corona-Obrigkeitshörigkeit

Als der Corona-Mist vor einem Jahr los ging, noch kein Heilmittel, kein Schnelltest und erst recht keine Impfung in Aussicht stand, gab es angesichts der Horrorbilder aus Italien nur eine Handlungs-Option:

Mit allen Mitteln die Verbreitung der Pandemie stoppen.  Das hieß natürlich, die Quantität der Mensch-Mensch-Kontakte drastisch herunterfahren.

Sehr schnell wurde beobachtet, wie extrem die Sterberate vom Alter der Infizierten abhing.   Die über 80-Jährigen starben wie die Fliegen und so war es für jeden einsichtig, daß Altenpflege-Einrichtungen abgeriegelt werden mussten. Senioren mussten strikt isoliert werden.

Als rechtlicher Betreuer einer dementen Person stellte ich die Maßnahme nicht in Frage. Sicherheit ging vor.

Natürlich ärgerten mich die dummerhaft-lapidaren Anregungen aus dem Spahn-Ministerium, nach denen man auf Videotelefonate ausweichen könne.

Das kann nur jemand empfehlen, der noch nie eine Demenzstation gesehen hat.  Natürlich fehlt den meisten Dementen und Alzheimer-Patienten nicht nur das technische Knowhow, sondern auch die Abstraktionsfähigkeit. Wenn ich dort auf den Handybildschirm auftauche und von einer Betreuerin dem Patienten vor die Nase gehalten werde, erkennt er mich bestenfalls und hält das für ein Foto. Er versteht aber nicht, daß ich hier vor ihm erscheine und rede, während ich aber gleichzeitig gar nicht da bin und mich weit weg aufhalte.

Wir gewöhnten uns aber an den neuen Alltag, hielten Abstand, bestellten fürchterlich viel online und trugen nach den ersten Monaten der Engpässe immer ein Fläschchen Sterillium in der Jackentasche und eine FFP2-Maske auf der Nase.

So lange aus dem Pflegeheim ausgesperrt zu sein, wurde aber zu einer riesigen Belastung. Egal, ob man Angehöriger, einzige Kontaktperson oder Generalbevollmächtigter war. Keine Ausnahmen.

Natürlich brachte ich immer mal wieder Geschenke kontaktlos vorbei.

Vorher anrufen, ‚ich stehe vor der Tür und stelle hier etwas ab‘, zurück zum Auto gehen und aus der Ferne zugucken, wie ein Pfleger die Sachen an sich nahm.

Einmal konnte ich einen dieser Geschenkübergabetermine nicht einhalten und bat eine gemeinsame Freundin, die in einem Obstladen arbeitet, für mich zum Pflegeheim zu fahren. Blumenläden waren geschlossen, aber Obstläden, die auch Blumen verkauften, offen.

Meine Freundin fuhr also mit einem großen Blumenstrauß los und erzählte mir anschließend freudestrahlend, sie wäre gleich reingelassen worden, durfte hoch in das Zimmer gehen und habe sich sehr nett mit der von mir betreuten Person unterhalten. Sie hätte sich so sehr über Besuch gefreut nach all den Monaten.

Ich dachte, sie erzählt Märchen.   Wieso wird sie, als völlig Fremde problemlos raufgelassen, während ich als zuständiger Mensch alle Register gezogen hatte und stets scheiterte?

Des Rätsels Lösung: Sie war mit dem Firmenwagen, der einen Obstkorb auf dem Dach als Krone trägt gekommen und galt daher nicht als „Besuch“, sondern als „Dienstleisterin“.

Dienstleister hatten aber immer Zutritt, weil sie notwendig sind.

Rechtlich verstehe ich das: Die Politik war gezwungen zu handeln, musste also strikte Grenzen des Zugangs zu Altenheimen aufstellen. Da man die Pfleger, Köche, Reinigungsleute, Ärzte logischerweise nicht aussperren kann, traf es die privaten Besucher.

Epidemiologisch war die Regelung aber in der Phase vor den Tests und Impfungen grober Unfug. Die Gefährlichkeit einer Besuchsperson hing schließlich von der Anzahl ihrer Kontakte ab.

Demnach war ich maximal ungefährlich, weil ich Single bin, keine öffentlichen Verkehrsmittel nutze und ohnehin zu Hause arbeite.

Ich traf ohnehin nie einen Menschen.

Meine Freundin hingegen, hatte als Verkäuferin in einem sehr stark frequentierten Obstladen jeden Tag hunderte direkte Kontakte mit Fremden.

Sie wäre also diejenige gewesen, die man am allerwenigsten zu nicht geimpften über 90-Jährigen lassen sollte.

Aber sie durfte rein. Ich musste draußen bleiben. Dienstleisterin vs Privatbesuch.

Hätte ich ein Bein in der Aluhutszene gehabt, würde Covidioten-Telegrammeldungen lesen oder hätte eine Neigung zum Wutbürgertum, wäre dies der Zeitpunkt gewesen, das Kind mit dem Bade auszuschütten. Festzustellen, daß „die da oben nur Unsinn machen“. Hätte vielleicht aus Trotz fürderhin gar keine Corona-Regeln mehr akzeptiert.

Glücklicherweise bin ich aber habituell Naturwissenschaftler und habe nicht die allergeringste Neigung zu Metaphysik, Schwurbelei, Religion, Verschwörungstheorien, Esoterik und Extremismus.

Quantität schlägt Qualität.

Politiker müssen dafür sorgen die absolute Zahl der Kontakte zu reduzieren.   Es wäre wünschenswert, wenn dies nur durch perfekt durchdachte und praktikable Methoden geschieht.  So etwas zu erwarten ist aber aus vielen Gründen illusorisch.

Daher geht es nicht in erster Linie um die Logik und Qualität der Abstandsmaßnahmen, sondern darum das Gesamtkontaktgeschehen quantitativ runter zu regeln.   Es ist unterm Strich sinnvoller 1000 verschiedenen Menschen ein Treffen mit lediglich 2 Fremden zu verbieten, als zwei Menschen zu stoppen, die jeweils 100 andere küssen.

Trotz der Apps, der Desinfektion und den Impfungen, bleibt es angesichts der deutlich ansteckenderen verschiedenen Mutanten notwendig Kontakte zu reduzieren, um die Wellen zu brechen.

Die Alten sind geimpft und sterben nicht mehr an Covid19, aber nun liegen bald 5.000 mittelalte Patienten auf den Intensivstationen und kämpfen um ihr Leben.

Immer mehr Krankenhäuser müssen andere Operationen aufschieben. Hamburg nimmt jeden Tag Corona-Infizierte aus anderen Bundesländern auf, weil es dort keine Beatmungsplätze mehr gibt.

In den letzten Tagen musste ich mehrfach eine Arbeit abbrechen, um pünktlich vor 21.00 Uhr der Hamburger Ausgangssperre zu Hause zu sein.

Ich bin überfällig, in den Supermarkt zu gehen, weil ich das gewohnheitsmäßig spätabends tue.

Und es nervt mich. Statt um 23.00 Uhr einzukaufen, wenn da kaum noch Betrieb ist, man bequem Abstand halten kann, muss ich um 20.30 spätestens nach Hause und das Grocery Shopping auf den nächsten Tag verschieben – zu einer Uhrzeit, wenn es schon voll ist und sich alle aneinander drängen.    Statt Ladenschließung um 21.00 Uhr wäre es meines Erachtens sinnvoller die Öffnungszeiten auf 24/7 auszudehnen, so daß sich die Kunden mehr verlaufen können.

Aber, und es gibt ein großes Aber: Der strenge Hamburger Weg der allgemeinen Ausgangssperre ab 21.00 ohne Ausnahmen für Hunde und Jogger funktioniert.

Der habilitierte Labormediziner Peter Tschentscher, zurzeit Hamburgs Regierungschef, lag also richtig.

In Hamburg sinken die Infektionszahlen besser als in den Bundesländern, die lockern.

[….] Noch in dieser Woche soll die Pflicht zur Notbremse kommen: In Hamburg ist zu sehen, wie schnell die Infektionskurve abflachen könnte – vor allem die Ausgangssperre ist wohl effektiver als gedacht. [….]

(Julia Köppe, SPON, 19.04.2021)

Es ist also weniger relevant, ob ich jede einzelne Regel als sinnvoll erachte.

Wichtig ist vielmehr, die beschlossenen Maßnahmen konsequent zu befolgen und nicht immer aus der Reihe zu tanzen, wenn Einzelfälle absurd erscheinen.

[….] Die Entwicklung in Hamburg: Endlich mal ein Lichtblick.

Denn in der Hansestadt sind die Corona-Infektionszahlen seit Tagen rückläufig. Wurden vor einer Woche am 14. April noch 479 Corona-Infektionen bestätigt, sank die Zahl stetig bis auf 227 Neuinfektionen am Dienstag. Zwar sind am Mittwoch mit 400 erneut viele Infektionen gemeldet worden, dennoch sank die Sieben-Tage-Inzidenz im Vorwochenvergleich konstant weiter und lag zuletzt bei 130,3.  Auch deutschlandweit gehen die Zahlen der Neuinfizierten herunter. Doch Hamburg verzeichnet den stärksten Rückgang der Inzidenz – um 6,5 Prozent. [….] Hamburgs Innensenator Andy Grote (SPD) führt die positive Entwicklung in der Hansestadt auf die bestehende Ausgangssperre zurück: „Als wir die Ausgangssperre hier angekündigt haben, hatten wir eine Inzidenz von über 160. Wir sind das einzige Bundesland, dass seit diesem Zeitpunkt kontinuierlich zurückgeht auf heute 134.“ Wenn man sich die zeitliche Korrelation ansehe, sei dies die naheliegendste Begründung, so Grote. […..]

(MoPo, 21.04.2021)

Also Querdenker, bitte sofort aufhören bei Aluhutmärschen Superspreader-Events anzuzetteln, sondern lieber das tun, was „die da oben“ wollen.