Mittwoch, 23. September 2020

Und noch einmal CDU-Sexismus in Reinkultur.

Der schreibende Nazi-Mob wettert in Blogs und sozialen Medien gegen alle, die nicht genauso denken wie sie selbst und nicht genauso aussehen wie sie selbst.

Diese Leute, die David Bergers, NeverforgetNikis, Jürgen Elsässers, Hildmans, Kubischecks, Stürzenbergers, van Laacks, Lengsfelds verfügen über einen unendlichen Vorrat von Hass und Häme.

Die Hetze sprudelt jeden Tag wieder neu aus ihnen heraus und jeder kann ein Opfer dessen werden. Insbesondere auch diejenigen, mit denen sie eben noch Seite an Seite standen.

Die Hetzte trifft aber nicht jeden gleich intensiv. Sie haben eine Handvoll „Lieblinge“, die sie über alle Maßen triggern, wenn nämlich viele verschiedene Trigger in einer Person vereint sind.

Zu dem Personen, deren Namen nur erwähnt werden muss, um diese rechtsextremen Hetzer pawlowsch zu sabbern und knurren zu bringen gehören George Soros (reich, liberal, Jude, Trump-Gegner, Philanthrop), Claudia Roth (Grün, Frau, bunte Kleidung, LGBTI-freundlich, Menschenrechtsaktivistin), Sawan Chebli (SPD, Frau, Muslima, ärmliche Herkunft, Aufsteigerin), Anetta Kahane (Jüdin, links, Aktivistin, Einsatz für Migranten) und Greta Thunberg (jung, Frau, unangepasst, Klima).

Es sind also insbesondere Frauen, auf die neben den wirklich gefährlichen oben genannten Hetzern auch die bekannten publizistischen Figuren des rechten Randes der Demokratie, also Maaßen, Tichy, Matussek, Broder, Sarrazin, losgehen wie ein Knallfrosch im Nitroglycerin-Bad.

Das lässt sich zweifellos psychologisch mit einer tief verunsicherten Männlichkeit erklären; diese alten konservativen Männer fühlen sich bedroht, wenn eine Frau sich nicht gehorsam in die zweite Reihe einordnet, womöglich aus eigener Kraft gegen Widerstände Karriere macht und auch noch selbstbewußt auftritt.

(…..)  Sawsan Chebli, 40, geboren in Berlin, ist dafür ein Paradebeispiel.

Sie ist Tochter palästinensischer Flüchtlinge, die lange Zeit in Deutschland nur geduldet wurden und sich als Staatenlose vieler Rechte beraubt durchschlugen. Erst mit 15 Jahren bekam Chebli ihren ersten Pass – und damit die deutsche Staatsbürgerschaft. Mit zehn Geschwistern hauste sie in einem Moabiter Zimmer; insgesamt waren sie 12 arme, ungebildete Kinder. Erst in der Schule hörte sie das erste mal deutsch. Die Chancen standen katastrophal schlecht.

Aber sie ist schlau.

 Was dann folgte ist nicht das typische Flüchtlingsschicksal:


1999 Abitur am Lessing-Gymnasium.

2004 Abschluss an der FU Berlin als Diplom-Politologin und Expertin für internationale Beziehungen.

2010 bis 2014 war sie Grundsatzreferentin für interkulturelle Angelegenheiten in der Berliner Senatsverwaltung für Inneres und Sport

2014 bis 2016 stellvertretende Sprecherin des Auswärtigen Amts.

2016 ist sie Bevollmächtigte des Landes Berlin beim Bund.

2016 Staatssekretärin für Bürgerschaftliches Engagement und Internationales.

Man ahnt schon, Chebli passt nicht gut in Schubladen. Sie ist überzeugte Muslimin, aber säkular, trägt kein Kopftuch, macht Karriere als deutsche Beamtin. Sie engagiert sich in der SPD, tritt für Frauenrechte ein, hält aber ihr Privatleben radikal aus der Öffentlichkeit fern.

Im Vergleich zu vor Selbstbewußtsein platzenden Politikern des Schlages Spahn, Söder oder Altmaier ist sie scheu und unauffällig.

Aber im Gegensatz zu vielen deutschen Karrierepolitikerinnen ist sie nicht auf den Mund gefallen, vertritt ihre Meinungen auch dort wo es wehtut und inszeniert ganz gern mal ihren Erfolg.

Meiner Ansicht nach ist es das Normalste der Welt, daß eine Frau mit dem Hintergrund zwischen Zurückhaltung und Vorlautheit mäandert.

Ihre Kollegen sehen das scheinbar nicht so; sie wird leidenschaftlich gehasst dafür, daß man sie so schlecht einordnen kann.

[….] Viele ehemalige Kollegen verdrehen bei Erwähnung ihres Namens mindestens die Augen. Chebli erregt Misstrauen, Abneigung, Wut, Neid. Als sie vor eineinhalb Jahren als Staatssekretärin für Bürgerschaftliches Engagement ins Berliner Rote Rathaus wechselte, gingen bei ihr Morddrohungen ein. Im Netz wurde sie als "trojanisches Pferd der Muslimbrüder" bezeichnet und als "Migranten-Aschenputtel" beschimpft. [….]

(DER SPIEGEL, 13.07.2018)

Zu allem Übel ist die zierliche Staatssekretärin auch noch attraktiv und zieht sich gern sehr schick an.

Weißhaarige Alpha-Männer mit Testosteronüberschuss verwirrt das. Sowas kennt Seehofer nicht aus Bayern. (…….)

(Gutmenschenmob, 22.10.2018)

Derzeit wird Chebli einem starken Shitstorm ausgesetzt, weil sie wieder einmal etwas tat, was „sich für eine kleine, junge Frau aus der Unterschicht nicht gehört“.

Ihr Chef, der notorisch erfolglose und Charisma-freie Berliner Bürgermeister Müller, der es vermochte nach 20 Jahren unangefochtener SPD-Herrschaft in Berlin seine Partei auf Platz vier zu drücken, hat keinen Bock mehr auf den Stress und verkündete 2021 in den Bundestag wechseln zu wollen.

Da er in seinem Heimat-Wahlkreis Berlin-Tempelhof-Schöneberg aber keine Chance gegen Kevin Kühnert hat, beschloss er kurzerhand sich in Charlottenburg-Wilmersdorf aufstellen zu lassen. Per order die mufti.

Das ist aber der Heimat-Kreisverband Cheblis; sie möchte dort selbst gern für den Bundestag kandidieren und keineswegs kampflos Müller den Platz überlassen, nur weil er weiß, älter, ein Mann und ihr Chef ist.

Sie fordert eine Kampfabstimmung der SPD-Basis um den Kandidatenplatz und wird sie auch bekommen.

Wieder ist Chebli also „die Aufmüpfige“, die nicht devot in die zweite Reihe tritt und dem Mann den Vortritt lässt.

Das braun-konservative Weltbild einiger Berliner Publizisten geriet dadurch in so schwere Schwingungen, daß folgender Satz in „Tichys Einblick“ über die Staatssekretärin geschrieben wurde:

   "Was spricht für Sawsan? Befreundete Journalistinnen haben bislang nur den G-Punkt als Pluspunkt feststellen können in der Spezialdemokratischen Partei der alten Männer."

(TE, 22.09.2020)

Ab hier bekam die Geschichte einen besonderen Twist; denn ausgerechnet die CSU-Staatssekretärin im Bund Dorothee Bär las dieses Zitat und entgegnete "Das ist widerlicher Dreck! Wo steht denn so ein Müll?", offensichtlich nichtahnend, daß a) der „widerliche Dreck“ von Roland Tichy stammt und b) eben dieser Tichy auch Vorsitzender der Ludwig-Ehrhard-Stiftung ist, in der auch Bär selbst aktiv ist.

Da sich die konservative CSU-Frau nun aber öffentlich so weit aus dem Fenster gelehnt hatte, blieb ihr nur übrig konsequent zu sein: Sie verkündete ihre Mitarbeit in der LES zu beenden. 

[…..] Die Staatsministerin für Digitales, Dorothee Bär (CSU), hat ihre Mitgliedschaft in der Ludwig-Erhard-Stiftung aus Protest gegen deren Vorsitzenden Roland Tichy beendet. "Grund für diese Entscheidung ist eine Publikation in dem Magazin Tichys Einblick, die frauenverachtende und in höchstem Ausmaß sexistische Äußerungen gegenüber meiner Kollegin Sawsan Chebli enthält", sagte Bär dem Handelsblatt. […..] "Derartige Ausfälle sind unerträglich und mit den Zielen der Stiftung absolut unvereinbar", sagte Bär, Ludwig Erhards Ansinnen wäre heute sicher nicht die Herabwürdigung von Frauen, sondern das Fördern weiblicher Karrieren. "Sofern die Stiftung einen Vorsitzenden hat, unter dessen Federführung solche Texte veröffentlicht werden, kann und will ich sie nicht weiter unterstützen. Es zeigt eine gesellschaftspolitische Geisteshaltung, die ich nicht akzeptiere." […..]

(ZEIT, 23.09.20

Die 1967 gegründete erzkonservative LE-Stiftung soll gemäß Satzung „der Fortentwicklung und Stärkung der Sozialen Marktwirtschaft“ dienen und verschreibt sich der Aufgabe „freiheitliche Grundsätze in Politik und Wirtschaft durch staatsbürgerliche Erziehungs- und Bildungsarbeit im In- und Ausland sowie durch wissenschaftliche Tätigkeit auf dem Gebiet der Wirtschaft und Ordnungspolitik“ zu fördern. Ihr gehören 75 Mitglieder an.

Damit richtet sich nun aber der Fokus auf die weiteren Angehörigen der Stiftung.

 


Wie halten sie es eigentlich mit ihrem Chef und Vorsitzenden Roland Tichy, der im Namen der Stiftung gegen Klimaschutz wettert und in seinem Blatt über den „G-Punkt“ von SPD-Politikerinnen mit Migrationshintergrund orakeln lässt.

Selbstverständlich gehört auch Multifunktionär Friedrich Merz, der selbst mit multiplen Shitstorms kämpft  zur Ludwig-Erhard-Stiftung.

Es wäre eine Gelegenheit von seinen eigenen schwulenfeindlichen Sprüchen abzulenken. Aber der Mann ist nicht lernfähig.

Einer der Merzschen Helden, Donald Rumsfeld, dem damals die CDU-Größen Merkel, Schäuble, Merz und Pflüger begeistert in den Irak-Krieg folgen wollten, sagte im Jahr 2002 an die Adresse der Kriegsgegner „Wenn du in einem Loch sitzt, solltest du aufhören zu graben“.

Friedrich Merz nimmt sich den Ratschlag allerdings nicht zu Herzen und gräbt sich nach seiner schwulenfeindlichen Attacke tiefer in sein Loch der Uneinsichtigkeit.

Obwohl man ihm bundesweit erklärte, wie diskriminierend, missachtend, falsch und ungehörig seine gedankliche Verknüpfung von Homosexualität und Pädophilie ist, gibt sich der renitente Multimillionär absolut beratungsresistent und unterstreicht tags darauf noch einmal explizit diesen angeblichen Zusammenhang.

[…..] Merz sagte der “Welt” weiter: “Die Toleranzgrenze ist immer überschritten, wenn Kinder betroffen sind, und da haben wir nun genug abscheuliche Dinge gesehen in letzter Zeit.” Das werde er auch in Zukunft so sagen, “selbst wenn es offenbar dem einen oder anderen nicht gefällt”. [….]

(RND, 22.09.2020)

Das ist schon interessant; der Mann, der so gern Kanzler werden will ist nicht nur ganz offensichtlich intellektuell nicht in der Lage seinen Irrtum zu bemerken, sondern ihn verlassen auch alle politischen Instinkte. Selbst wenn er anderer Meinung ist, sollte er doch erkennen sich total verrannt zu haben, weil ihm niemand, auch nicht aus seinem engsten Umkreis beispringt. Kein CDUler will ihn noch verteidigen.

[…..] Friedrich Merz hat sich „verplappert“. Okay, das kann passieren. Zumal, wenn man zu verbaler Inkontinenz neigt, die Worte einem mitunter unkontrolliert entgleiten. Doch statt sich zu entschuldigen, behauptet er jetzt in der „Welt“, da sei etwas „bösartig konstruiert“worden. Um dann nochmals sein eigentliches Motiv zu unterstreichen: „Die Toleranzgrenze ist immer überschritten, wenn Kinder betroffen sind, und da haben wir nun genug abscheuliche Dinge gesehen in letzter Zeit.“ Was es fast noch schlimmer macht. Denn wieder konstruiert er diese merkwürdige Assoziation zwischen Homosexualität und Pädophilie. Und profiliert sich darüber hinaus als selbstloser Tugendwächter, dem es doch nur um das Wohl der Kinder geht. Damit begibt sich Merz in schlechteste Gesellschaft: Donald Trump hatte Hillary Clinton unterstellt, als Mitglied einer „Pizza-Connection“einem Pädophilenring anzugehören. […..][…..]

(H. Stutte, Mopo.de, 23.09.2020)

Von diesem Merz kann man nicht erwarten, daß er den Tichy-Affront begreift und sich aus Solidarität mit Chebli ebenfalls aus der LES zurückzieht.

Gut so; dann erkennt auch der Begriffsstutzige woran er bei Merz ist.

Dienstag, 22. September 2020

Nicht lernfähig.

Margarete Stokowski beschreibt heute in einer wie so oft wunderbaren Kolumne das Problem mit alten weißen, nicht lernfähigen Männern wie Merz und Lindner.

Sie müssen eben mit den „Methoden eines Hundetrainers“ mühsam dazu gebracht werden ihre eigene Borniertheit und Bequemlichkeit zu erkennen.

Als weiße, heterosexuelle, konservative christliche, sehr reiche Cis-Männer können sie sich einfach nicht vorstellen wie es ist in einer Minderheitenposition zu sein und grundlos diskriminiert zu werden.

Das gilt natürlich nicht für alle weißen, heterosexuellen, konservativen christlichen Cis-Männer; denn auch solche Menschen können sensibel sein.

Die Lindners und Merzen sind aber zu borniert, um lernen zu wollen und leiden zudem unter einem Umfeld, welches nicht korrigierend wirkt. Als Alphas wird ihnen in ihren eigenen Blasen nicht widersprochen.

[…..] Das Bittere ist, dass diese "Witze" von Umstehenden, die nicht einverstanden sind, oft mit einem gequälten Lächeln quittiert werden. Das ist, wie wenn man einem bettelnden Hund am Tisch etwas abgibt: Er kommt wieder. Männer, die diese Art von Pointen machen, werden jedes unsichere Lachen als Beweis für ihren edgy Mut werten und glauben, die anderen trauen sich nur nicht, richtig zu lachen. Sie glauben eher entgegen jeder Wahrscheinlichkeit, dass alle um sie herum etwas schwerhörig oder dumm sind, als dass ihr Gag einfach schlecht war.  Die einzige Lösung ist, es als demokratische Aufgabe anzusehen, konsequent nicht mehr über diesen peinlichen Humor von Männern zu lachen. Wenn man sie auslacht, werden sie denken, man lacht mit ihnen. Da unterscheidet sich Feminismus nicht von Hundetraining: Es braucht klare Signale. Mit gekränkten Männeregos dieser Sorte ist zwar nicht zu spaßen, aber wann immer man die Chance hat, sollte man sie ein bisschen brechen. […..]

(Margarete Stokowski, 22.09.20)

Was aber bei CDU- und FDP-Männern nicht funktioniert, obwohl das Parteien sind, in denen auch Frauen Führungspositionen übernehmen dürfen, kann erst Recht nicht im uralten Männerbund katholische Kirche.

Hier sind Männer noch ganz unter sich. 400.000 Geistliche, 4.000 Bischöfe, 120 Kardinäle, zwei Päpste und darunter genau Null Frauen.

Nur daran zu denken weibliche Diakone einzusetzen ist für Kardinal Woelki schon Frevel.

Seit zwei Jahrzehnten wird weltweit öffentlich über den massenhaften sexuellen Missbrauch an Kindern durch katholische Geistliche diskutiert.

Seit einem vollen Jahrzehnt, Canisius 2010, beherrscht das Thema die deutschen Schlagzeilen.

Immer wieder kommen neue Horrorzahlen über die schiere Anzahl gequälter kleiner Jungs und die Vertuschung durch die Bischöfe ans Licht.

Aber es ist wie im Merzschen Sumpf und Lindners Blase: Wenn die mächtigen alten Männer stets unter sich bleiben, stellt sich keine andere Perspektive ein.

Und leider, auch das eine Parallele, lassen die Öffentlichkeit und die Politik sie gewähren.

25 Millionen Mitglieder der RKK sind eben noch nicht ausgetreten, die Einnahmen der Kirche sprudeln üppiger denn je und weder Exekutive noch Legislative denken daran wie in anderen Nationen die Ermittlungen an sich zu ziehen und damit dafür zu sorgen, daß Myriaden misshandelten Kindern a posteriori Gerechtigkeit widerfährt.

[…..] H. ist ein Symbolfall im Missbrauchsskandal der katholischen Kirche. 1980 kam er von Essen nach München. Eltern warfen ihm vor, er habe ihre Kinder missbraucht; in München sollte er in Therapie. Der Erzbischof dort hieß Joseph Ratzinger - der spätere Papst Benedikt XVI. In München wurde H. wieder als Seelsorger eingesetzt. Er missbrauchte Jungen und wurde zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Er wurde Pfarrer und beging weitere Taten. […..] Ein brisantes kircheninternes Dokument, das die Süddeutsche Zeitung einsehen konnte, belegt, wie die Kirchenleitung bis hin zur Glaubenskongregation den gewalttätigen Priester schützte, vor Strafe bewahrte - und seine Opfer alleinließ. Und wie sie sich bis heute schwertut, H. zu bestrafen. Es zeigt, wie wenig bislang die Verantwortung von Kardinälen, Bischöfen, Generalvikaren und Personalchefs im Missbrauchsskandal aufgearbeitet ist.

Es lässt ahnen, welch schmerzhaften Prozess die katholische Kirche noch vor sich hat, wenn sie nun in vielen Bistümern die Akten erneut durchforsten lässt: Wer wusste von den Taten und schwieg? Zwei Kardinäle sind in den Fall des Priesters H. involviert, der verstorbene Essener Kardinal Franz Hengsbach sowie der emeritierte Kardinal Friedrich Wetter in München. Und eben Benedikt XVI., der emeritierte Papst.  […..] Das Dekret stellt fest: Peter H. habe sich in fünf Fällen des mittelschweren sexuellen Missbrauchs schuldig gemacht, indem er nackt mit Minderjährigen in einem Bett geschlafen und sich so sexuell erregt habe. Er habe sich in zwei weiteren Fällen einer geringfügigen Straftat schuldig gemacht, indem er Jungen Pornos vorgeführt habe.   Drei Monatsgehälter muss H. an die Kinderstiftung "Tabaluga" zahlen. Er darf sich nicht mehr "Pfarrer im Ruhestand" nennen. Aber: Er bleibt Priester der katholischen Kirche. […..][…..] Es fällt auf, wie misstrauisch das Dekret gegenüber den möglichen Opfern ist. In einem Fall mutmaßt Wolf, ein Therapeut habe einem Patienten eine Missbrauchsgeschichte eingeredet. Um die möglichen Opfer geht es nicht. Es geht nur darum, ob und wie H. sein Keuschheitsversprechen gebrochen hat.   Es heißt, der Münchner Kardinal Marx und sein damaliger Generalvikar Peter Beer seien 2016 erzürnt gewesen über das Dekret. Weder Marx noch Beer wollen sich äußern - Beer ist mittlerweile in Rom Professor am vatikanischen Zentrum für Kinderschutz. […..]  

(SZ vom 22.09.2020)

Es nervt mich.

Es nervt mich sogar ungeheuer, weil unter anderem ich auch seit 15 Jahren immer wieder darüber berichte und insbesondere auch ausführlich über den Fall „Pater H. und Ratzinger“.

Es bleibt aber ohne Konsequenzen, weil wir als Gesellschaft die RKK lassen, weil man ihr eben nicht vehement widerspricht und weil die alten weißen Männer unter sich eben nicht von allein einsichtig werden.

Montag, 21. September 2020

Der fiese Richter von der Seitenlinie

Markus Söder ist ohnehin immer Gespräch als CSU-Chef und durch die Fülle der bayerischen Corona-Pannen.

Außenpolitiker Norbert Röttgen rückt wegen Nordstream-2, Nawalny und Belarus mehr in den öffentlichen Focus.

Armin Laschet schließlich machte Schlagzeilen mit der gut überstandenen NRW-Kommunalwahl und der Erkenntnis, die Laschet-Familie stamme in direkter Linie von Karl, dem Großen ab. Im CDU-Armin fließe also kaiserliches Blut.


 Da wollte und konnte F*tzenfritz nicht weiter tatenlos daneben stehen. Friedrich Merz wandte sich also wie sein Vorbild Donald Trump an ein Presseorgan, welches keine kritischen Fragen stellen würde und an dessen Begeisterung für Merz kein Zweifel besteht: Die BILD!

Dem Multimillionär, der nie ein Regierungsamt innehatte und nie eine Wahl gewann gelang wie dem großen Orangen in Washington eindrucksvoll auch unter diesen freundlichsten Umständen ein Interview so zu verhunzen, daß gleich zwei Shitstorms folgten.

Privatier Merz, der zwei Flugzeuge besitzt und Millionen für seine Aufsichtsratssitze kassiert, also sicher nie wieder im Leben arbeiten muss, erklärte die Corona-bedingten Berufseinschränkungen kurzerhand zu einer Art Faulheit und warnte in bester „Mehr Kapitalismus wagen“-Manier davor sich ans Nichtarbeiten zu gewöhnen. Offenbar möchte er diese Form der Existenz den Superreichen wie ihm selbst vorbehalten.

[….] Der CDU-Politiker Friedrich Merz ist besorgt darüber, dass sich wegen der Corona-Krise zu viele Deutsche an ein "Leben ohne Arbeit" gewöhnen könnten. "Wir müssen ein bisschen aufpassen, dass wir uns nicht alle daran gewöhnen, dass wir ohne Arbeit leben können", sagte Merz, der auf dem Parteitag im Dezember für den CDU-Vorsitz kandidieren will, der "Bild"-Zeitung. "Wir müssen zurück an die Arbeit."   Besonders kritisch bewertete Merz die Situation an den Schulen: "Es bleiben einfach zu viele Lehrer zu Hause." [….] Der frühere Unionsfraktionschef kritisierte zudem die von der CDU-geführten Bundesregierung beschlossene Verlängerung des Kurzarbeitergelds. Er befürchte, dass die Regelung Mitarbeiter auf Arbeitsplätzen halte, wo sie eigentlich nicht mehr gebraucht würden. [….]

(NTV, 21.09.20)

Der Kult um Merz entkoppelt sich wie alle Kulte immer mehr von der Realität.

Die Generation „Jung, schön und sexy“ in der CDU, also Tilman Kuban und Philipp Amthor, hält ihr Idol Merz für ökonomisch immer genialer, je mehr Unsinn er redet.


JU goes QAnon; je offensichtlicher Merz seine völlige Ahnungslosigkeit von wirtschaftlichen und finanziellen Zusammenhängen offenbar, desto mehr werten sie es als Beweis für das diametrale Gegenteil.

[……] Mit seiner Aussage über ein "Leben ohne Arbeit" steht der CDU-Politiker nun in der Kritik. Merz habe entweder ökonomisch keine Ahnung oder sei sozial zynisch oder beides, schrieb Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) auf Twitter. "Mit Kurzarbeit sichern wir Millionen von Arbeitsplätzen in der Coronakrise und stabilisieren die gesamtwirtschaftliche Lage", heißt es in dem Tweet weiter.  Der Bundestagsabgeordnete Fabio De Masi (Linke) kommentierte die Aussage von Merz schlicht mit dem Satz: "Der merkt gar nichts mehr." […..]

(SPON, 21.09.2020)

                 

Merzens BILD-Interview geriet sogar zum Doppelgriff ins Klo, indem er gleich noch auf die Frage nach seiner Meinung zur Homosexualität Pädophilie assoziierte.

[…..] Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), der mit einem Mann verheiratet ist, sagte: "Wenn die erste Assoziation bei Homosexualität Gesetzesfragen oder Pädophilie ist, dann müssen Sie eher Fragen an Friedrich Merz richten." SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil forderte Merz zu einer Entschuldigung auf. "Schwule immer in den Verdacht zu rücken, dass da etwas mit Kindern sei, zeigt ein rückständiges Denken", sagte Klingbeil der Bild. "Da ist eine deutliche Entschuldigung fällig."   Der Juso-Chef und stellvertretende SPD-Chef Kevin Kühnert schrieb bei Twitter: "So laviert jemand, der nicht kaschieren kann, dass er mit der Normalisierung des Umgangs mit Homosexualität eigentlich nichts anfangen kann." […..]

(Zeit, 21.09.20)

Der Mann, der immer gegen „die Ehe für alle“ gestimmt hatte und auch im Bundestag gegen die Strafbarkeit von Vergewaltigung in der Ehe stimmte, hat eine Geschichte voller schwülstiger Atlmänner-Schwulenfeindlichkeit.

Während aber andere Gegner der „Homoehe“, wie zum Beispiel Angela Merkel, die lange dafür stritt LGBTIQs ihre Rechte vorzuenthalten immerhin erkannten, daß man mit dem Thema keinen Blumentopf mehr gewinnen kann und sich öffentlich nie homophob äußern, beindruckt der 64-jährige Merz damit in all den Jahrzehnten nichts dazu gelernt zu haben und noch genau wie seine Urgroßeltern zu denken.

[….] In der Vergangenheit war Merz allerdings wiederholt mit homophoben Kommentaren aufgefallen. Der "Bunten" sagte er 2001 über Berlins damaligen Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD): "Solange er sich mir nicht nähert, ist mir das egal!" Bei einer Rede vor Tausenden CDU-Anhängern in Oberhausen sagte Merz einmal, er habe nichts gegen die Homo-Ehe - "solange ich da nicht mitmachen muss". […..]

(SPON, 21.09.20)

Bezüglich seiner stramm neoliberalen Ansichten aus dem letzten Jahrtausend ist es genauso – Merz nimmt die Realität nicht zur Kenntnis, hat nie dazugelernt.

Angesichts dieser Fülle der „self inflicted wounds“ bleibe ich bei meinem Plädoyer für Friedrich Merz; er möge Kanzlerkandidat der CDU/CSU werden.

Wann immer der Mann, der Greta Thunberg „krank“ nennt und seine Kinder nicht zu FFF-Demos gehen lässt den Mund aufmacht kommt Unsinn heraus.

Umso besser für RRG.



Sonntag, 20. September 2020

Wenn Frauen fehlen

Das ist eigentlich gar nicht merkwürdig, daß Männerbünde – freiwillige und unfreiwillige – mit unterdrückter Homosexualität erfüllt sind.

Freiwillige Frauenfreiheit wie in Priesterseminaren, bei den US-Boyscouts oder dem Vatikan haben a priori einen überproportional hohen Schwulen-Anteil, weil sie für die Männer besonders attraktiv sind, die kein Interesse an Frauen haben.

Dieses Argument entfällt beispielsweise bei deutschen Protestanten, weil dort auch und gerade Frauen Geistliche werden. Dementsprechend gibt es unter evangelischen Pastoren ganz durchschnittlich viele Schwule, während sie bei den Katholiken extrem geballt auftreten.

In andere männerbündnerische Verhältnisse begibt man sich nicht unbedingt freiwillig; oder zumindest nicht explizit wegen der Abwesenheit von Frauen:
Gefängnis, Wehrdienst, Jungsinternate, Sportvereine, Armee, Messdiener.

Auch hier kommt es zu überdurchschnittlich viele homosexuellen Handlungen.

Ursache dafür ist aber nicht der grundsätzlich höhere Schwulenanteil, sondern die Kombination aus bei fast allen Menschen vorhandener partieller Bisexualität und dem Mangel an heterosexuellen Gelegenheiten.

Es gibt sogar Begriffe dafür wie „knastschwul“. Damit ist eine Art Generalentschuldigung für rein heterosexuelle Männer gemeint, die wegen der Alternativlosigkeit mit anderen Männern kopulieren.

Die homophilien Schwingungen altehrwürdiger Bildungsanstalten wie englischen Eliteschulen sind legendär und seit Jahrhunderten Gegenstand der Literatur.

Dafür stehen beispielsweise Robert Musils „Die Verwirrungen des Zöglings Törleß“ von 1906 oder das 1981 von Julian Mitchell verfasste Theaterstück „Another Country“, welches im Jahre 1984 kongenial von Marek Kanievska mit Rupert Everett und Colin Firth verfilmt wurde. Hier wird das Eton College der 1930er Jahre in seiner ganzen Pracht ausgebreitet.

Evelyn Waugh schildert in seinem Jahrhundertroman „Wiedersehen mit Brideshead“ von 1944 genauso erotische Schwingungen zwischen den Hauptpersonen im England der 1920er wie dem 1913 geschriebenen und 1971 posthum veröffentlichten E.M. Forster-Roman „Maurice“, der im viktorianischen Cambridge spielt.

Ob so viele derartige Romanzen unter Männern überhaupt stattgefunden hätten, wenn sie während ihrer Pubertät nicht strikt von Mädchen abgeschirmt gewesen wären und in Schlafsäle mit vielen anderen hormonüberfluteten Jungs gestopft worden wären, wage ich zu bezweifeln.

Offensichtlich sind sie diejenigen Mächtigen, die so sehr darauf dringen keine Frauen in ihre Institutionen zu lassen durchaus darüber bewußt damit den perfekten Nährboden für nächtliches Necking unter Nackten zu schaffen.

Was unter ganz jungen Teenagern sehr harmlos ist, weitet sich aber unter Erwachsene im Gefängnis oder in der Armee von Sex zu Gewalt aus.

(….) In Afrika sind Männer-Vergewaltigungen durch Armee-Angehörige offenbar an der Tagesordnung.

[….] Im Gegensatz zu den Medienkampagnen über die Vergewaltigungen von Frauen in Kriegsgebieten wird die sexuelle Gewalt an Männern durch Soldatinnen und Soldaten explizit verschwiegen, obwohl das quantitative Ausmaß seriösen Schätzungen zufol­ge um ein Vielfaches höher ist. Während bei Frauen auch eindeutige Begriffe wie „Vergewaltigung“ verwendet werden, wird die sexuelle Gewalt gegen Männer durch Begriffe wie „Kulturelle Destabilisierung“ kaschiert und damit der bewußten Wahrneh­mung entzogen. Dabei sind Männer in kriegerischen Auseinandersetzungen immer schon bevorzugt an den Genitalien gefoltert, durch Verstümmelungen gedemütigt oder durch Vergewaltigung und sexuellen Mißbrauch beschämt und traumatisiert worden. Männer und die Integrität männlicher Sexualität scheint allerdings – wie immer – nicht einmal ansatzweise schützenswert zu sein.

Sexuelle Gewalt gegen Männer wird weltweit als Kriegswaffe eingesetzt – doch kaum jemand spricht über die grausamen Taten. Gerade den Opfern fällt es schwer, das Tabu zu brechen und ihre Erlebnisse in Worte zu fassen: Ein Mann, er heißt Job, hält seinen Kopf zwischen den Händen und blickt beschämt auf den Boden, als er leise und traurig zu sprechen beginnt: „Ich wurde von Soldaten festgenommen und ins Gefängnis gebracht. Dort fesselten zwei Soldaten meine Hände und Beine und vergewaltigten mich, einer nach dem anderen.“ [….]

(Arte, 08.10.2010)

Sexuelle Gewalt gegen Männer durch US-Soldaten kennen wir natürlich auch aus Abu Ghuraib, Bagram und Guantanamo.

Homo-Vergewaltigungen werden auch immer wieder aus der russischen Armee berichtet. Dort führt das berüchtigte und ultra-brutale Großvater-System unter den Wehrpflichtigen zu mehren Suiziden jeden Tag.

[Um] Andrej Sytschow […..das] Leben zu retten, mussten die Ärzte beide Beine und seine Genitalien amputierten.

Gewalt unter Kameraden gehört zur russischen Armee wie Gleichschritt und Schießübungen. Erpressung, Prügel, Folter und Vergewaltigung sind an der Tagesordnung. Die Soldaten sind sich selbst die größten Feinde.

Der Volksmund nennt die Misshandlungen von Rekruten durch ältere Soldaten "Djedowschtschina", "Herrschaft der Großväter". Wer Erniedrigung und Schmerz im ersten Dienstjahr übersteht, gibt diese Grausamkeiten an nachfolgende Rekruten weiter. [….] Das Komitee der Soldatenmütter, eine Menschenrechtsorganisation, die gegen die Missstände kämpft, registriert jedes Jahr etwa 2000 Todesfälle in der Armee - in Friedenszeiten. Ein großer Teil lasse sich auf Misshandlungen zurückführen. Im vergangenen Jahr haben nach Angaben der Militärstaatsanwaltschaft 341 Soldaten ihrem Leben freiwillig ein Ende gesetzt.

Auslöser soll nach Expertenmeinung auch hier in den meisten Fällen die brutale Quälerei gewesen sein. Die Dunkelziffer der Gewaltfälle dürfte noch weit höher liegen. [….]

 (O. Bilger, SZ vom 11.11.2008)

In Deutschland gibt es "Djedowschtschina" vermutlich nicht in dieser extremen Form und in Amerika bringen sich die Soldaten statt während der Grundausbildung, überwiegend erst nach den Militäreinsätzen selbst um.

Innerhalb der US-Armee gibt es jährlich rund 20.000 Vergewaltigungen. Da allerdings auch Frauen „dienen“, stellen sie 90% der Opfer. […..]

(Anal-Soldaten, 20.03.2017)

Auch in der Bundeswehr, in der inzwischen glücklicherweise auch Frauen dienen, herrscht aufgrund des Männerüberschusses und alter Traditionen immer noch ein Faszinosum für Analsex.

(….) Von der deutschen Bundeswehr liest man hingegen jedes Jahr neue Quäl-Geschichten, in denen mit Vorliebe anale Methoden angewendet werden.

[….] Fallschirmjäger: Obst in den Po und Paddel drauf!

In einer Zweibrücken Kaserne ist es äußerst unappetitlich zugegangen: Fallschirmjäger sollen sich auf einer Feier Obst in den Hintern geschoben und mit einem Paddel drauf gehauen haben. Wegen dieser Vorfälle wird die Kompanie nun von ihrem Kongo-Einsatz entbunden. […..]

(STERN, 21.06.06)

[…..]  Das Amtsgericht Zweibrücken hat im Prozess zur "Dörrobst-Affäre" um obszöne Aufnahmerituale in einer Kaserne den angeklagten Hauptmann zu einer Geldstrafe in Höhe von 2000 Euro verurteilt.   Der Richter sah es als erwiesen an, dass der ehemalige Kompaniechef das "entwürdigende Verhalten" seiner Untergebenen auf einer Feier geduldet habe. […..] 

(SPON, 11.06.2008)

[…..] Schon wieder schockiert ein Skandal die Bundeswehr: Bei den Gebirgsjägern im oberbayerischen Mittenwald sind junge Soldaten mit entwürdigenden Mutproben und Aufnahmeritualen schikaniert worden. Sie mussten bis zum Erbrechen Alkohol trinken und rohe Schweinsleber essen, um in der internen Hierarchie aufsteigen zu können. [….]

(AZ, 10.02.10)

 [….] Nach SPIEGEL-Informationen bestätigten interne und bisher geheim gehaltene Ermittlungen, dass bei der Ausbildung von Sanitätern, im Militärjargon "Combat First Responder" genannt, offenbar sexuell-sadistische Praktiken an der Tagesordnung waren. [….] Demnach fesselten sich die Soldaten gegenseitig an Stühle, mussten stundenlang so verharren und wurden mit Wasserschläuchen abgespritzt. [….] Statt einer professionellen Armee, die für junge Menschen eine interessante Karriere bietet, erhält die Bundeswehr durch die Vorgänge in der Staufer-Kaserne wieder das hässliche Image einer männergeprägten Chauvinisten-Truppe, in der Rituale wie Erniedrigung bis hin zu den sexuell-sadistischen Ausbildungsmethoden weiterhin Platz haben und von den Vorgesetzten nicht geahndet werden. [….]

 (Matthias Gebauer, SPON, 27.01.2017)

Sexuelle Übergriffe bei Gebirgsjägern  [….] Nach den Vorfällen in der Bundeswehr-Kaserne in Pfullendorf wird ein weiterer Fall bekannt, in dem Soldaten einem Kameraden gegenüber übergriffig geworden sind. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung soll ein Soldat bei den Gebirgsjägern in Bad Reichenhall unter anderem durch Vorgesetzte sexuell belästigt und diskriminiert worden sein.

[….] Laut Ministerium handelte es sich dabei um eine Kompanie des Gebirgsjägerbataillons 231 in Bad Reichenhall. "Dort sei er zwischen November 2015 und September 2016 durch Mannschaftssoldaten und einige Vorgesetzte (Ausbilder) seines Zuges mehrmals diskriminiert sowie verbal und tätlich sexuell belästigt und genötigt worden" [….] Laut Ministerium laufen derzeit Ermittlungen gegen 14 Beschuldigte, davon zwei Feldwebel, zwei weitere Unteroffiziere und zehn Mannschaftssoldaten. [….] Ein Sprecher des Ministeriums betonte auf Anfrage, es handele sich um einen von zahlreichen Einzelfällen aus der Vergangenheit. [….]

(Christoph Hickmann, SZ vom 21.03.2017)

Ich möchte hier noch einmal klarstellen, daß ich moralisch keinerlei Einwände gegen analen Sex habe. Es ist völlig in Ordnung, wenn die Geistlichen im Vatikan es sich mit Freude gegenseitig besorgen.

Wenn es sich dabei aber um ein Demütigungsritual unter Zwang handelt, ist es kein Sex, sondern Gewalt.

Dafür gibt es erstens keinerlei Rechtfertigung, aber zweitens stellt sich die Frage wieso so viele Uniformierte darauf abfahren. (…..)

(Anal-Soldaten, 20.03.2017)

Da katholische Priester und Soldaten sehr genau wissen was über ihre Homo-Umtriebe gemunkelt wird, geben sie sich offiziell besonders homophob; jeweils deutlich schwulenfeindlicher als der Rest der Gesellschaft.

Gerade mit so viel Schwulerei in den eigenen Reihen muss man drakonische Strafen fürchten. Auch das ist in sich logisch und wäre in einer liberalen, toleranten und aufgeklärten Umgebung nicht notwendig, da Gerüchte über Homosexualität in den eigenen Reihen nicht als Beleidigung empfunden würden.

Dafür fehlt/e aber Armeeführung und Vatikan die längste Zeit das Selbstbewußtsein. Daher war auch die deutsche Bundeswehr offiziell bis zum Jahr 2000 ein schlimmer Ort für Schwule und ist es inoffiziell vielfach immer noch.

Ausgerechnet die homophobe Katholikin und strikte Gegnerin der „Ehe für alle“ Annegret Kramp-Karrenbauer ist nun zu einer Zeit Kriegsministerin, an dem man den systematischen diskriminierenden Umgang mit homosexuellen Soldaten zwischen 1955 und dem Jahr 2000 nicht mehr todschweigen kann. AKK stellte nun eine Studie zum Thema vor und entschuldigte sich – offenbar nicht wissend, daß man sich nicht selbst entschuldigen kann, sondern allenfalls um Entschuldigung bittet.

[…..] Bundeswehr: Triezen in der Truppe

Auf mehr als 300 Seiten beschreibt eine Studie, wie die Bundeswehr schwule Soldaten über Jahrzehnte diskriminiert hat. […..]  Die Zahlen, auf die Oberstleutnant Klaus Storkmann, Verfasser der Studie, Zugriff hatte, geben nur die Möglichkeit zur Annäherung. Homosexuelle Handlungen waren bis Ende der 1960er Jahre nach § 175 Strafgesetzbuch eine Straftat und wurden damit auch zum Fall für die Truppendienstgerichte. Diese konnten solche Handlungen mit bis zu fünf Jahren Gefängnis bestrafen. Mitte der Sechzigerjahre wurden der Studie zufolge jährlich etwa 45 Soldaten verurteilt.   Bis 1979 wurden homosexuelle Männer konsequent ausgemustert. Später konnten schwule Soldaten zwar in den Streitkräften bleiben, wurden aber nicht mehr mit verantwortungsvollen Aufgaben betraut. Bis vereinzelt in die Achtzigerjahre mussten schwule Soldaten noch psychologische Begutachtungen in Bundeswehrkrankenhäusern über sich ergehen lassen. Das Ministerium sprach Homosexuellen per Rundschreiben 1984 generell die Eignung zum Vorgesetzten und Ausbilder ab. Zeitzeugen berichten laut Studie "eindrücklich von dem hohen psychischen Druck, unter dem sie als homosexuell orientierte Soldaten dienten." Bei Sold und Pensionen mussten sie wegen fehlender Aufstiegschancen erhebliche Einbußen hinnehmen. […..]

(SZ vom 18.09.2020)