Donnerstag, 20. August 2020

Unter Frommen – Teil II

In Deutschland für die Kirche oder eine der vielen Firmen und Institute unter kirchlicher Trägerschaft zu arbeiten, ist nur bedingt empfehlenswert.
Da ohnehin nur Kirchenmitglieder für christliche Kindergärten/Krankenhäuser/Pflegeheime/Verlage arbeiten dürfen, ist es unnötig eine solche Warnung an Atheisten, Muslime, Hindus oder Juden auszusprechen. Sie sind in den Augen unserer lieben Bischöfe – von Käßmann über Bedford-Strohm und Marx bis zu Woelki – ohnehin unwürdig auch nur durchzufegen in ihren edlen Räumen.

Aber auch für die gläubigsten und kirchentreuesten weißen Christen kann es schnell mal ungemütlich werden mit so einem Arbeitgeber.
Der Chirurg in einem katholischen Krankenhaus, der es wagt sich scheiden zu lassen und dann womöglich sogar eine andere Frau heiratet, wird genauso gefeuert, wie die allseits beliebte Kindergärtnerin, wenn sie die furchtbare Todsünde begeht sich in eine Frau zu verlieben.

Arbeitsschutzrecht, Antidiskriminierungsregeln, Tariflöhne, Streikrecht – all das was für alle anderen Angestellten in Deutschland selbstverständlich ist – kann man als Krankenpfleger oder Lehrerin unter kirchlicher Trägerschaft ohnehin vergessen.
Kirchen haben das Recht zu diskriminieren und ihre Mitarbeiter mit Gering-Löhnen abzuspeisen.

(…..) Finanzielle Überlegungen klammer Kommunen sind fast immer der Grund dafür Krankenhäuser, Pflegeheime, Seniorenstifte, Kitas oder eben auch Schulen in kirchliche Trägerschaft abzugeben.
Der Staat spart dadurch Personalkosten.

Aber wieso eigentlich?
Der Grund ist das kirchliche Arbeitsrecht, welches Krankenpfleger, Putzfrauen, Ärzte, Lehrer, Kindergärtnerinnen klar schlechter stellt. Es gelten keine allgemeinen Tarifverträge, Streiks sind grundsätzlich verboten.

Abgesehen von der grundsätzlichen Frage, ob es gesellschaftlich eigentlich wünschenswert ist Pflegekräfte und Grundschullehrer noch schlechter zu bezahlen, gilt es auch zu bedenken, daß die 1,3 bis 1,5 Millionen Angestellten von Caritas und Diakonie unter kirchlicher Knute diskriminiert werden dürfen.
Läßt sich ein katholischer Chefarzt scheiden, kann die Kirche ihn feuern. Outet sich seine Kollegin als lesbisch, fliegt sie ebenso.
Noch abartiger: Kirchen stellen in der Regel nur Kirchenmitglieder ein.
Bei der Personalpolitik heißt es also „Juden unerwünscht.“
Natürlich auch „Muslime unerwünscht und Atheisten unerwünscht!“

 In kirchlichen Einrichtungen gilt das Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG) nicht. In § 118, Absatz 2 heißt es, dass das Gesetz „auf Religionsgemeinschaften und ihre karitativen und erzieherischen Einrichtungen unbeschadet deren Rechtsform“ keine Anwendung findet. Die Kirchen praktizieren ein eigenes kirchliches Arbeitsrecht, das in wichtigen Punkten vom allgemeinen Arbeitsrecht abweicht und mit mehreren Grundrechten kollidiert.
Für die über eine Million Beschäftigten in kirchlichen Einrichtungen, vor allem von Caritas und Diakonie, hat dies in zweierlei Hinsicht weitreichende Folgen.
Zum einen gilt dort eine besondere Loyalitätspflicht, die sich nicht nur auf das Verhalten am Arbeitsplatz erstreckt, sondern bis ins Privatleben der Beschäftigten reicht. Das bedeutet zunächst, dass Konfessionslose und Angehörige nichtchristlicher Religionsgemeinschaften in diesen Einrichtungen generell keine Anstellung finden.
[…] Zum anderen müssen die Beschäftigten auf grundlegende Arbeitnehmerrechte verzichten. In kirchlichen Einrichtungen wird der sog. Dritte Weg praktiziert. […]  Der Dritte Weg kennt […] kein Streikrecht, auch ein Betriebsrat ist nicht vorgesehen.
[…]  Das kirchliche Arbeitsrecht hat zur Folge, dass in Sozialeinrichtungen wie Krankenhäusern oder Sozialstationen, die völlig oder weitestgehend aus öffentlichen Mitteln bezahlt werden, die Grundrechte nicht uneingeschränkt gelten. Insbesondere das Recht auf Religions- und Weltanschauungsfreiheit ist weitestgehend außer Kraft gesetzt. Dies führt zum Phänomen der „Zwangskonfessionalisierung“ […]  Diese Sonderstellung kirchlicher Sozialeinrichtungen ist Ergebnis intensiver Lobbyarbeit der Kirchen. Sie widerspricht jedoch dem Geist des Grundgesetzes ebenso wie dem den europäische Antidiskriminierungsrichtlinien.

Angesichts des dieser Tage wieder extrem medial präsenten Fachkräftemangel in der Pflegebranche ist es ein Skandal größten Ausmaßes auf kirchliche Träger zu setzen.

Null Prozent Finanzierung durch die Kirche, aber 100 Prozent Hoheit über die private Lebensführung der dort Beschäftigten! Das dürfe wohl nicht sein! […]  Kirchliche Krankenhäuser werden nicht etwa aus der Kirchensteuer finanziert – wie die meisten Menschen glauben. Die Investitionen zahlt der Staat nach dem Krankenhausfinanzierungsgesetz, die laufenden Kosten der Behandlung werden durch Beiträge der Versicherten über die Krankenkassen oder Zusatzbeiträge bezahlt. Damit ist es völlig unvereinbar, dass einer vergewaltigten Frau die Hilfe verweigert wird. […]  Die Eingriffe der Kirchen und ihrer Einrichtungen wie Caritas und Diakonie in die private Lebensführung ihrer rund 1,3 Millionen Beschäftigten passen nicht in die moderne Demokratie. Sie verstoßen auch gegen Grund- und Menschenrechte: Zum Beispiel gegen den Gleichheitsgrundsatz nach Artikel 3 Grundgesetz, wie das Bundesarbeitsgericht im Falle der Kündigung eines Chefarztes in einem katholischen Krankenhaus wegen Wiederverheiratung als Geschiedener entschieden hat.  Oder die Diskriminierung Homosexueller. Oder sie verstoßen gegen das Recht auf Streik nach Artikel 9 GG, wie mehrere Landesarbeitsgerichte und das Bundesarbeitsgericht entschieden haben.
Oder gegen die Menschenrechtskonvention, so der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg, als einem Organisten nach 14 Jahren untadeliger Arbeit wegen Ehebruch gekündigt wurde. Dieser Mann musste sich 13 Jahre lang durch 7 (!) Instanzen quälen, bevor er Recht bekam. Und dann der dauernde Verstoß gegen die Glaubensfreiheit nach Art. 4 GG, wenn zum Beispiel Krankenschwestern oder Pfleger in kirchlichen Krankenhäusern aus der Kirche austreten und dann gekündigt werden. Oder als Konfessionslose oder Muslime erst gar nicht hineinkommen. […]  Es ist doch geradezu absurd, dass bei den Kirchen für das ganze Personal inklusive Putzfrau, technisches Personal, Laborkräfte wichtige arbeitsrechtliche Schutzrechte und Mitbestimmung ausgeschlossen sind. Und wenn – wie zum Beispiel im Rheinland – weit über die Hälfte der Krankenhäuser kirchlich sind, dann führt das eben dazu, dass bei der Berufsberatung eine Mitarbeiterin jungen Muslimen, die sich für eine Ausbildung im pflegerischen Bereich interessieren, davon abrät, weil sie in der Gegend hier keine Arbeitsstelle finden würden!!
[…]  In vielen Gegenden finden Sie überhaupt keine nichtkonfessionellen bzw. städtischen Kindergärten. Mein Mann und ich haben das selbst erlebt, dass unsere Kinder im katholischen Kindergarten in Königswinter nicht aufgenommen wurden, weil wir und die Kinder nicht in der Kirche waren. Das ist nun wirklich toll: Mit meinen Lohn- und Einkommensteuerzahlungen als Konfessionsfreie bezahlt die Stadt den katholischen Kindergarten fast oder ganz komplett mit der Folge, dass man danach seiner Kinder nicht hineinbekommt.
[…]  Den Kirchen ist es gelungen, diesen Irrglauben zu verbreiten. Dabei steht fest, dass die Kirchensteuer nur zu einem Bruchteil von unter 5 % für soziale Zwecke ausgegeben wird. Der frühere Caritasdirektor und Finanzdirektor der Erzdiözese Köln, Norbert Feldhoff, hat schon vor Jahren darauf hingewiesen, dass die Kirche die Kirchensteuer nicht benötigt, um die Sozialarbeit zu finanzieren. […] 

Soziale Einrichtungen unter kirchlicher Trägerschaft sind in Wahrheit natürlich nicht billiger für den Staat, wenn man die rund 20 Milliarden Euro jährlich dagegen verrechnet, die uns allen durch die  Steuerfreiheit der Kirchen verloren gehen. RKK und EKD zahlen keine Körperschaftssteuer, Gewerbesteuer oder Umsatzsteuer. Es fallen keine Schenkungssteuern und Erbschaftssteuern an, wenn man die Kirche als Begünstigten einsetzt. Spenden an die Kirchen gehen auch zu Lasten des Steuerzahlers, da sie bei Einkommens-/Körperschaftssteuer steuermindernd berücksichtigt werden. (…..)

Schon in den 1960ern und 1970ern startete die Humanistische Union (damals noch mit starker Unterstützung der FDP) Kampagnen gegen diese unhaltbaren Zustände.

Letztendlich waren all die Versuche erfolglos. Es wurde nur immer grotesker, weil die Post-1982er FDP immer konservativer und frommer wurde. Heute wagt kein „Liberaler“ mehr Widerworte gegen die RKK; die es ermöglichte Myriaden kleine Kinder sexuell zu missbrauchen und zu quälen.
Dafür übernahm die SPD den säkularen Part im Parteienspektrum. Die Kirchenferne der Sozis erreichte unter dem ungläubigen Gerd Schröder ihren Höhepunkt, als ein halbes Dutzend Sozi-Minister mit ihm ohne die Gottesformel eingeschworen wurden.
Sein Staatssekretär Schwanitz wurde sogar zu einer bedeutenden Figur der organisierten deutschen Atheisten.
Aber mit dem Ende von RotGrün im Jahr 2005 übernahmen mit Macht die frommen Christen die SPD. Nahles, Thierse, Steinmeier, Griese – allesamt Hardcore-Religioten.

Was für ein grotesker Witz: Die Deutschen treten in Rekordzahl aus den Kirchen aus; deren Ansehen sinkt aufgrund der Prügel- und Pädophilie-Skandale ins Bodenlose, aber dafür sind die Bischöfe so stark im Bundestag vernetzt wie nie.
Unter den Parlamentariern aller Parteien sind fromme Christen grotesk überrepräsentiert und sorgen energisch dafür ihren religiösen Führern Milliarden Euro und Sonderrechte zu erhalten.

Aus der Politik ist keine Hilfe mehr zu erwarten.
Die Grünen sind längst zu einer Tochter-Organisation der EKD geworden. Der einzige grüne Ministerpräsident ist Mitglied im Zentralrat der Katholiken und bekundet immer wieder für die fromme Frau Merkel zu beten.
Kaum besser sieht es bei den Linken aus. Deren einziger Regierungschef, Bodo Ramelow in Thüringen, ist ebenfalls streng gläubiger praktizierender Christ.

Von dem Joch der Pfaffen kann sich Deutschland nur durch anhaltende Massenaustritte befreien.

Wolfgang Köhler hatte nie eine Intention der Kirche zu schaden; arbeitet er doch beim ultrafrommen Sender „Bibel-TV“.
Seine Religiotie war so sehr ausgeprägt, daß er annahm als Bibel-IT-Spezialist Wertschätzung und faire Behandlung seiner frommen Chefs zu erfahren.
Als das nicht funktionierte, beschloss der fromme Köhler mit zwei Kollegen einen Betriebsrat zu gründen, um die Anliegen der Bibel-TV-Angestellten zu vertreten.
Sehr witzig. Arbeitnehmervertretung bei den Religiösen!
Bibel-TV, ansässig in Hamburg-Hammerbrook, wird herzlich gelacht haben und feuerte alle drei Aufsässigen.

Bibel-TV wurde inzwischen von der Kirche Gewerkschaft verklagt, mehrere gefeuerte Mitarbeiter erstellten einen Offenen Brief.



Sie alle werden noch lernen, daß es nur einen Weg gibt mit der Kirche zu leben: Nämlich ohne sie. Austreten ist das einzige, das hilft.

[…..]  Aus der Arbeitgeber-Bibel.   Der christliche Fernsehsender Bibel TV aus Hamburg behindert die Gründung eines Betriebsrats. Potenzielle Gründer wurden gefeuert.
[…..]   „Mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe wird bestraft“, wer „eine Wahl des Betriebsrats behindert“, heißt es in § 119 des Betriebsverfassungsgesetzes.
Ausgerechnet ein mit christlicher Ausrichtung für sich werbendes Unternehmen aus Hamburg sieht sich nun mit einem entsprechenden Strafantrag konfrontiert: […..]  Bibel TV.
Gestellt hat den Strafantrag die Kirchengewerkschaft.[…..] Der Vorwurf der Gewerkschaft: Der promovierte Theologe, der auch Pastor in einer Hamburger Gemeinde ist, habe den Sender verlassen müssen, weil er einen Betriebsrat gründen wollte. […..]  Mehrheitseigner von Bibel TV ist die Rentrop-Stiftung mit 52 Prozent. Namensgeber Norman Rentrop wiederum ist Gründer des VNR Verlags für die Deutsche Wirtschaft AG. […..]  Zu den Minderheitsgesellschaftern gehört das Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik (GEP), in dem auch die renommierte Zeitschrift epd Film erscheint. Finanziell gesehen geht es Bibel TV gut. Laut dem letzten veröffentlichten „Wirkungsbericht“ nahm man 2018 10,8 Millionen Euro Spenden ein. Der Jahresüberschuss betrug 603.000 Euro.
Die Geschichte hinter dem Strafantrag beginnt im August 2019, als eine Gruppe um Preuß zu einer Betriebsversammlung zwecks Wahl eines Wahlvorstandes für einen Betriebsrat einlädt. Im September erfährt Preuß, dass sein bis Ende Juli 2020 laufender Vertrag nicht verlängert wird. Zwei Tage später bekommt er seine erste Abmahnung, vier weitere Tage später die nächste, im November noch eine.
Kurz vor Weihnachten erhält er eine betriebsbedingte Kündigung und wird mit sofortiger Wirkung freigestellt. Einer weiteren Person, die einen Betriebsrat auf den Weg bringen wollte – einer fest angestellten Online-Redakteurin – wird fristlos gekündigt. […..]  Hubert Baalmann, der Sekretär der Kirchengewerkschaft, sagt, einen Betriebsrats-Verhinderungsversuch habe er „in dieser massiven Form“ bisher noch nicht erlebt. [….]

Mittwoch, 19. August 2020

Je christlicher und konservativer, desto handgreiflicher.


Die Zustimmung zu Folter, Todesstrafe und Prügelstrafe steigt je konservativer und frommer die Menschen sind,
Das ist auch in sich logisch, da Toleranz und Humanismus Argumente auf ihrer Seite haben. Wer aber nicht mit Fakten argumentieren kann, greift umso leichter zur Gewalt.


[….] Conservative Protestants, on the other hand, represent one faith tradition where physical punishment of children is sometimes recommended and encouraged. Conservative Protestants are significantly more likely than parents of other religious backgrounds to support and practice corporal punishment. This support of corporal punishment is largely based on conservative beliefs that the Bible is inerrant and should be interpreted literally.
In addition, many Conservative Protestants believe that children are prone to egocentrism and sinfulness at birth and therefore the parent must shape the will of the inherently rebellious child. From this perspective, the child’s submission serves as a model for their future relationship with God. [….]


Konservativen fehlt das geistige Rüstzeug, um gewaltfrei zu argumentieren.
Christen leben durch ihre Religiotie in einem „wir sind besser als die“-Wahn, durch den sie sich zur Brutalität ermächtigt fühlen.

Kommt beides zusammen wie bei US-Republikanern, lieben sie Leute wie Trump, die leidenschaftlich dafür eintreten mehr und gemeiner zu foltern, Polizisten brutaler durchgreifen zu lassen und Todesstrafe zu exekutieren.

Kinder zu misshandeln ist aber auch in anderen Teilen der Welt ein Signature Move der Religiösen und ganz besonders der Katholiken, die Myriaden minderjähriger Schutzbefohlener verprügelt und vergewaltigt haben.

Körperstrafen, Gewalt und Brutalität stehen aber nicht nur auf der politischen Agenda der Rechten, die in allen westlichen Demokratien auch im Jahr 2020 den Linksliberalen, Sozialdemokraten und Humanisten verächtlich vorwerfen zu lasch und milde mit Kriminellen umzugehen.

Physische Gewalt gehört aber auch zur gelebten Kultur der Rechten.

Der AfD-Rechtsaußen Andreas Kalbitz kämpft derzeit verbissen, um seinen Verbleib in der Partei. Das ist durchaus wörtlich zu verstehen.
Der Landes- und Fraktionsvorsitzende Brandenburgs streckte am 10.08. seinen Vize und Parlamentarischen Geschäftsführer der Fraktion, Dennis Hohloch mit einem derartigen Faustschlag nieder, daß dieser einen Milzriss erlitt und in ein Krankenhaus eingeliefert werden musste.

   […..] Bereits am Dienstagmorgen hat die Staatsanwaltschaft Potsdam ein Ermittlungsverfahren gegen den aus der AfD ausgeschlossenen Politiker  eingeleitet. Das sagte ein Behördensprecher dem Tagesspiegel am Dienstagvormittag. „Wir haben nach der Presseberichterstattung entschieden, Ermittlungen einzuleiten“, erklärte der Sprecher. "Wir prüfen, ob eine Straftat vorliegt." Es gehe um den Anfangsverdacht der fahrlässigen Körperverletzung.
[…..]

Für Weidels, Gaulands und Höckes Liebling ist das eine durchaus übliche Argumentationsmethode.

[….] Kalbitz soll am Rande der Fraktionsklausur 2019 einen Fraktionsmitarbeiter eine "gepfefferte Watsche ins Gesicht" gegeben haben. [….]

In Kalbitz‘ getreuer AfD-Fraktion empfindet man offensichtlich nicht nur große Liebe für den handgreiflichen Stil.

[…..] Es ist ja auch nicht das erste mal, dass dir ‚das Maß‘ abhanden gekommen ist. Du erinnerst dich sicher noch an die Fraktionsklausur im Jahr 2019, als du Kevin in die Fresse geschlagen hast, weil du angeblich beim Saufen wichtige Reden in der Hotellobby schwingen wolltest, während Kevin mich zu später Stunde noch dazu holen wollte und plötzlich das Gespräch abriss. Später entschuldigte sich Kevin sogar noch bei mir, dass er das Gespräch nicht so abrupt beenden wollte, aber sich das Telefon nach deiner gepfefferten Watschen ins Gesicht rücklings im hohen Bogen auf den Steinfußboden begeben hatte. Dass sich ein aktueller Vizepräsident im Landtag, deine Stellvertreterin im Land und weitere Abgeordnete danach nicht zu Wort gemeldet haben und alles nur hinter verschlossenen Türen behandelt haben, und zwar ohne dich zu Konsequenzen aufzufordern, ist deren ganz eigener trauriger Beweis ihrer Unfähigkeit für die Ämter, die sie aktuell bekleiden.
Du nimmst alle deine sogenannten Kameraden in Mithaftung für deinen unterirdischen Scheiß. Selbst MdB Pasemann verbrennst du jetzt nochmal, indem du ihm eine falsche Story auftischst und ihn damit in die Parteiöffentlichkeit schickst. Du verbrennst ihn wissentlich. So viel zu deinem Verständnis von Kameradschaft. Genauso wird es allen gehen, die du für dich eingespannt hast. Um Dr. Roland Hartwig tut es mir am allermeisten leid. Ein so anständiger, hochbegabter, eloquenter und angenehmer Mitstreiter, den du mit deiner HDJ-Scheiße ins Feuer wirfst. Du bist Parteikrebs, Junge.
Ich weiß nicht, was für ein unfassbarer Schrotthaufen von Charakter da in deinem Innersten gegen den hoch engagierten und gewieften Teil deiner Persönlichkeit kämpft und warum dieser Schrotthaufen überhaupt da ist, aber ich bin es auch wirklich endlich leid, mir darüber Gedanken zu machen. [….]

Allerliebst, diese Rechten.

[….] AfD in Panik: Kalbitz will sich nach Rücktritt persönlich von jedem Fraktionsmitglied verabschieden
Bei der AfD in Brandenburg herrscht derzeit helle Aufregung: Nach seinem endgültigen Rücktritt als Fraktionsvorsitzender hat Andreas Kalbitz angekündigt, sich persönlich von jedem einzelnen Fraktionsmitglied verabschieden zu wollen. Die Abgeordneten befürchten das Schlimmste.
"Natürlich wäre es mehr als unhöflich, wenn ich nicht in meiner gewohnt herzlichen Art jedem von euch persönlich Tschüss sagen würde", hatte Kalbitz wörtlich erklärt. "Bis später, meine Lieben! Und immer auf die Deckung achten."
In den Räumen der AfD-Fraktion in Potsdam kam es daraufhin zu panischen Szenen. Mehrere der Abgeordneten meldeten sich spontan krank. Andere versuchten verzweifelt, Schutzwesten und Helme zu organisieren. Nicht wenige nutzten die Zeit bis zu Kalbitz Ankunft zur Kontaktaufnahme mit ihrem Notar, um ihren Nachlass zu regeln. […..]

Dienstag, 18. August 2020

Nervosität


Sie wird den 10. Februar 2020, als sie den CDU-Vorsitz und die Kanzlerkandidatur 2021 hinwarf, weil niemand sie mehr ernst nahm und die Werte der CDU hinter die Grünen zurückfielen.
Hätte Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer nur einen Monat weiter tumb ausgeharrt, könnte sie sich im Schein eines gewaltigen demoskopischen CDU-Booms sonnen, wäre unangefochten gewesen und mit hoher Wahrscheinlichkeit nächste Kanzlerin.
Stattdessen versank alles im Chaos. Ihre Ankündigung im Dezember den neuen Chef zu bestimmen und den Auswahlprozess bis dahin zu moderieren, wurde von ihren nordrhein-westfälischen Testosteron-Boys Röttgen, Laschet und Merz in der Luft zerrissen. AKKs Wort hatte gar keine Relevanz mehr; selbst Markus Söder, der Mann, der jahrelang die CSU-Personalpolitik chaotisiert hatte, erklärte gönnerhaft die Personalfrage müsse vor der Sommerpause geklärt sein.
Inzwischen gilt wieder der Dezember-Termin. Frühestens. Gut möglich, daß der CDU-Parteitag Corona-bedingt gar nicht stattfinden kann.
Merz verschwand schnell wieder in der Versenkung, infizierte sich symbolträchtig gleich selbst mit Sars-CoV-II und war auch einmal wieder nur der Typ, der nie eine Wahl gewonnen und nie ein Regierungsamt innehatte.
Auch Röttgen, Vorsitzender des Bundestagsausschusses für Außenpolitik wurde nicht mehr wahrgenommen.
Der Lockdown war die Stunde der Exekutive. Es lief alles auf die Antipoden Laschet und Söder hinaus, die als mächtige Ministerpräsidenten ihre Regierungskunst in Krisen zeigen konnten, während die Konkurrenz tatenlos zusah. Zunächst machte der NRW-MP die großen Fehler, gab eine erbärmliche Figur beim Tönnies-Skandal ab und so stieg schließlich Söder zum haushohen Kanzlerkandidat-Favoriten auf. Aber auch das Mantra „Söder kann Regierung, Söder kann Krise“ wurde diesen Monat im bayerischen Test-Chaos obsolet.
 Und nun? Das CDU-interne Chaos ist so gewaltig, daß keiner mehr weiß, ob die ursprünglichen Drei Plus Eins (Laschet, Merz, Röttgen + Söder) es in die Endrunde schaffen, oder ob doch Spahn zugreift.
Die Parteibasis hat jetzt schon keinen Bock mehr.

[…..] In der CDU wächst der Wunsch nach einem vorzeitigen Ende des Wettrennens zwischen Laschet, Merz und Röttgen um Parteispitze und Kanzlerkandidatur. Doch eine einvernehmliche Lösung ist nicht in Sicht.
[…..] Es gebe "natürlich einen großen Wunsch nach Einigkeit und Einheit in der CDU", gestand Ziemiak ein. Die Partei sollte deshalb auch in Personalfragen möglichst schnell möglichst geschlossen sein. Aber ist eine einvernehmliche Lösung realistisch? […..] Und so war Ziemiaks Antwort auf die Frage, ob es vor dem Parteitag noch zu einer einvernehmlichen Lösung kommen könne, nicht sonderlich erstaunlich. Der Generalsekretär sagte, da verlange man von ihm jetzt "ein Orakel". Er "sehe diese Einigung zum jetzigen Stand" aber nicht - und ihm sei "nichts bekannt, was darauf hinweisen würde".  [….]

Trübsal auch bei den Grünen, die ein grundlegendes Richtungsproblem mit sich herumschleppen.
Die Wähler der Grünen sind mit klarer Mehrheit CDU-affin, wünschen sich eine schwarzgrüne Koalition. Die Parteibasis hingegen hegt immer noch eine Abneigung gegen CDU und CSU, möchte lieber ein GRR-Bündnis. Die Parteiführung aber strebt ganz klar ein Bündnis mit den xenophoben und Klima-schädigen C-Parteien an.
Robert Habeck konnte dieses prinzipielle Problem bisher mit großer Vagheit und wolkigen Wohlfühl-Äußerungen zu Pferde oder in der Natur übertünchen.
Nun rutschen die Grünen aber sogar hinter die SPD zurück und man wüßte doch gern, wie und wer sich für die Grünen zu Olaf Scholz positioniert.
Antworten liefern die Oliven allerdings nicht. Inhaltlich konkret werden mögen sie gar nicht. Aber man weiß immerhin aus den Jamaika-Koalitionsverhandlungen Ende 2017, daß Habeck und Baerbock gern den Klimaschutz opfern, wenn sie dafür mit der CSU auf die Regierungsbank dürfen.

[…..] Baerbock oder Habeck? Die Grünen drücken sich vor einer Antwort auf die Frage, wer für das Kanzleramt kandidieren soll. […..] Nun hat also das große Herumeiern begonnen. Seit Olaf Scholz seine Kanzlerkandidatur verkünden ließ, geraten die Konkurrenten der SPD unter Druck, ihrerseits eine Kandidatin oder einen Kandidaten fürs Kanzleramt zu benennen. Die Union wird nervös, weil kein Mensch weiß, wer Angela Merkel beerben soll.
Aber auch die Grünen geraten in Verlegenheit. Sie werden jetzt wieder bei jeder Gelegenheit gefragt, ob Annalena Baerbock oder Robert Habeck den Wahlkampf anführen soll - und wann? Um die Antwort wird dann herumgeschwafelt. […..] Mal abwarten, gemach, ist ja noch Zeit: So wimmelte Parteichef Robert Habeck die K-Frage am Wochenende ab. Man kämpfe um Platz eins, also gegen die Union. Ebenso stoisch wehrte die Parteivorsitzende Annalena Baerbock die Personalfragen am Montag ab. […..] Wie will die Partei konservative Wähler gewinnen, ohne die linke Parteijugend zu verprellen? Woher kommt ökonomische Kompetenz im Fall einer Wirtschaftskrise? Was wird aus der humanitären Flüchtlingspolitik unter Schwarz-Grün? Gut möglich, dass sie entschlossenerer Klimapolitik geopfert wird.       
Uneingelöst ist auch das Versprechen, People of Colour in der Partei nach vorn zu rücken und für ein zeitgemäßes Bild vom Deutschsein zu kämpfen. Stärkste Kraft im progressiven Lager, wie die Grünen es nennen, wird eine Partei nicht per Selbsternennung. Es muss dafür härter angepackt werden. [….]

Bleibt noch Christian Lindner, der seinen Stunt von 2009, als in seiner Verantwortung als Generalsekretär die FDP nach dem Sensationswahlergebnis von knapp 15% binnen zwei Jahren auf 5% wegbrach.
Am 24.09.2017 kam die FDP aus der außerparlamentarischen Opposition auf 10,7% und zog mit sensationellen 80 Abgeordneten in den Bundestag ein.
Und wieder gelingt es Lindner, diesmal als Parteichef seine FDP binnen zweier Jahre auf die 5%-Hürde hinab zu wirtschaften.
Kein Wunder, Lindner kann eben nicht Krise, kann nicht führen, versagte katastrophal in Thüringen und zu allem Übel zeigt die Corona-Krise auch noch deutlich, daß der Neoliberalismus, das Steuersenkungen-only-Modell der FDP kaputt und untauglich ist.

Wie schon nach der Kemmerich-krise sucht Lindner sein Heil, indem er andere zu Sündenböcken bestimmt.
Die Generalsekretärin muss den Kopf hinhalten und wird für das Versagen ihres Chefs gefeuert.

[….] Lindner lässt Teuteberg fallen
Christian Lindner hat sich durchgesetzt: Die FDP-Generalsekretärin Linda Teuteberg muss ihren Posten räumen. Nachfolger soll der rheinland-pfälzische Wirtschaftsminister Volker Wissing werden. […..]

Der SPD-Coup vom August, als die Parteilinken Olaf Scholz frühzeitig zum Kanzlerkandidaten erkoren, ist zumindest schon einmal insofern ein Erfolg, daß sich die Umfragen in die richtige Richtung entwickeln und die anderen Parteien in den Hühnerhaufenmodus wechseln.


Das könnte für die Sozialdemokraten recht komfortabel werden.

[…..] Vor einer Woche hat mich der Parteivorstand auf Vorschlag von Saskia und Norbert als Kanzlerkandidat nominiert. Meine drei Kernthemen sind: Respekt in der Gesellschaft, ein Programm für eine wirtschaftlich starke und klimafreundliche Zukunft sowie ein soziales und souveränes Europa. […..]