Freitag, 19. Juni 2020

Jana


Normalerweise sind Bildung, Prosperität und Intelligenz die Todfeinde der organisierten Religion.
Je schlauer die Menschen und je weniger bedrohlich ihre Lebensumstände, desto atheistischer werden sie.

Daher verlieren die Kirchen in West- und Nordeuropa, in Nordamerika und Australien kontinuierlich an Einfluss, während sie in Südamerika und Afrika wachsen.

Corona, gemeint damit ist den weltweite Pandemie mit bisher 8,7 Millionen Infizierten und 460.000 Toten, ist daher ein echtes Geschenk für die Christenfürsten. Irrationale Panik und rationale Todesangst – genau das braucht es, um aufgeklärte Menschen dazu zu bringen wieder ihre Kirchensteuern zu bezahlen.
Kein Wunder also, daß sich der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) ehrlich über die halbe Million Toten freut.

[….] Limburger Bischof Bätzing: „Corona-Krise ist Glücksfall der Geschichte.“
„Niemand, kein Volk, kein Land, keine Wirtschaft ist eine Insel. Alles hängt mit allem zusammen“, sagte Bätzing in seiner Rede. Die Krise, so schlimm sie auch sei, habe viel Gutes hervorgebracht. „So viel Freundlichkeit und Humor habe ich selten erlebt“, sagte der Limburger Bischof, der Anfang März zum Nachfolger des bisherigen DBK-Vorsitzenden Reinhard Marx gewählt worden war.
„Mit so vielen bisher Unbekannten habe ich nie zuvor unterwegs gesprochen.“ Selten hätten andere seine guten Wünsche so gern angenommen und es ihm mit tollen Ideen gedankt. [….]

Bätzig kann Hilfe in Form einer globalen Wirtschaftskrise, zig Millionen Arbeitslosen, Pleiten, Verzweiflung, Massensterben und Zukunftssorgen wirklich gebrauchen. Die kirchlichen kinderfickerfreundlichen Bolsonaro- und Trump-Fanboys verfangen in Deutschland immer weniger mit ihren biblischen Botschaften.

[….] Zwei von drei Jugendlichen finden Glauben unwichtig
Dass Jugendliche sich vom Glauben entfernen, liegt vor allem daran, dass in den Familien keine religiösen Traditionen mehr gepflegt werden. Die Kirche kann das nicht kompensieren.
Laut der jüngsten Shell-Studie hat der Glaube sowohl für katholische wie auch für evangelische Jugendliche erheblich an Bedeutung verloren. Nur noch 39 Prozent der katholischen und 24 Prozent der evangelischen Jugendlichen sagen, dass ihnen der Glaube wichtig sei. Das lässt befürchten, dass sich der Trend zu immer mehr Kirchenaustritten von Menschen in der Familiengründungsphase weiter verstärken wird. Bereits jetzt tritt etwa ein Viertel aller Getauften im Alter zwischen 25 und 35 Jahren aus der Kirche aus. [….]

Die Jugendlichen selbst sind der Kirche ohnehin herzlich egal, da sie in der Regel noch kein oder kaum Geld verdienen.
Aber wenn sie erst mal ausgetreten sind, fehlen später die Kirchensteuerzahler.

[…..] Noch nie gab es so viele Kirchenaustritte wie 2019
Immer mehr Menschen treten aus der Kirche aus. Das vergangene Jahr bricht offenbar alle Rekorde: 2019 reichten besonders viele Katholiken eine Abmeldung ein. … „Wir wissen bereits, dass es im vorigen Jahr noch einmal einen erheblichen Anstieg gegeben hat“, sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Limburger Bischof Georg Bätzing, dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Im Jahr 2018 waren 216.000 Katholiken ausgetreten, der Rekord aus dem Jahr 2014 lag mit 218.000 Austritten nur wenig höher. […..]

Blöderweise verträgt sich das „Gottesgeschenk Corona“ nicht mit kirchlichen Praktiken wie dem gegenseitigen Oblaten-in-den-Mund-stecken, Messdiener-Fellatio, alle Finger in eine gemeinsame verkeimte Wasserpfützen stippen oder dem engen Zusammenrotten, um mit weit aufgesperrten Mundschutz-losen Mündern Viren auszuspeien (Vulgo: Singen).

Wo dennoch Gottesdienste stattfinden, fungieren sie gern als Covid19-Brutstätte.

Herr Bergoglio in Rom lehnte sich daher weit aus dem Fenster, als er versuchte mit seiner stärksten geistlichen Waffe, dem Urbi Et Orbi, die Pandemie einzudämmen. Natürlich erreichte er damit lediglich einen unfreiwilligen Beleg für die Sinnlosigkeit religiöser Rituale, weil die Infektions- und Totenzahlen auch nach Franzels nuklearer Aktion völlig unbeeindruckt weiter anstiegen.

Kirche versuchte also in Coronazeiten auf virtuelle Formen auszuweichen.
Denn in diesem komischen Internet soll sich die Jugend von heute vorzugsweise aufhalten.
Die Evangelische Kirche gründete also den Jugend-Youtube-Kanal Jana.
Dort wollte und sollte die jung konservative Vloggerin Jana Highholder die U25-Generation „abholen“, indem sie ihnen beispielsweise erklärte nicht abtreiben zu sollen. Natürlich nennt die EKD ihre Star-Jugendbeauftragte aber nicht profan „Youtuberin“ oder gar „Vloggerin“, sondern kreißte und gebar den extra abschreckenden Neologismus „Online-Netzwerk christlicher Sinnfluencerinnen und Sinnfluencer“.


Es kam wie es kommen musste: Während andere Youtuber scheinbar spielend im Alleingang Millionen Abonnenten gewinnen und für ihre einzelnen Videos achtstellige Klickzahlen erreichen, kommt Highholder mit ihrer aggressiven missionarischen Aufdringlichkeit und der geballten Medienpower der Milliardenschweren Kirche kaum jemals aus fünfstellige Klickzahlen.
Ihre Fähigkeiten als Vloggerin kann ich an dieser Stelle leider nicht analysieren, da ich nach wenigen Sekunden Ohrenschmerzen von ihrer Stimme bekam und es mir nicht gelang einzelne Videos länger anzusehen.
Die EKD hatte nach zwei Jahren ein Einsehen.

[….] Evangelische Kirche stellt Youtube-Kanal "Jana" ein
Der von der Evangelischen Kirche in Deutschland mitfinanzierte christliche Youtube-Kanal "Jana" wird eingestellt. Grund dafür seien finanzielle Einbußen, die durch die Corona-Krise entstanden sind, teilte das Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik mit.
Das Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik (GEP) hatte den Kanal gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland (aej) im Auftrag der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) verantwortet. Im Februar war das evangelische Contentnetzwerk "yeet" an den Start gegangen, das mediale Inhalte verschiedener Sinnfluencerinnen und Sinnfluencer anbietet.
Wie das GEP mitteilte, wird der Vertrag mit der Kölner Produktionsfirma Mediakraft für den Youtube-Kanal nicht verlängert. Das Gesicht des Kanals ist die mittlerweile 22-jährige Medizinstudentin Jana Highholder. Sie hatte im April 2018 mit dem Kanal begonnen. In ihrem letzten Video äußerte sie sich stolz über das Erreichte. [….]

Donnerstag, 18. Juni 2020

Das macht mich müde


Der 197ste Fleischskandal bei Tönnies und Co.
Dazu kann man inhaltlich nichts mehr schreiben; so selbstverständlich und erwartbar ist das.
Schon vor weit über 30 Jahren haben wir im Politikunterricht in der Schule über die Paten der Fleischmafia gesprochen, die als Prototyp der CSU-Amigos zu den Großspendern der Unionspolitiker gehörten und ganz selbstverständlich in der bayerischen Staatskanzlei ein- und ausgingen, um Politik zu gestalten.

[….] Honeckers guter alter Bekannter aus dem Bayerischen war der Rosenheimer Fleischwarenmillionär Josef März, Konzernchef und Senior der Familienfirma "Gebr. März KG", einer der intimsten Spezis des damaligen Ministerpräsidenten und CSU-Vorsitzenden Franz Josef Strauß. [….]

Der andere Metzger-Multimillionär war der schwäbische legendäre Strauß-Amigo Alexander Moksel, der ebenfalls von seinem CSU-Kumpel mit in die DDR genommen wurde, um Geschäfte mit dem DDR-Devisenbeschaffer Alexander Schalck-Golodkowski, der Millionen an Moksel-CSU-Geheimkonten in der Schweiz überwies.

 Die Tönnies Holding aus dem nordrhein-westfälischen Rheda-Wiedenbrück ist Deutschlands größter Schlachtbetrieb für Schweine mit über 9.000 Mitarbeitern und fest im Mastdarm der CDU verankert. Besitzer Clemens Tönnies, Privatvermögen 2,3 Milliarden Euro, erfüllt in jeder Hinsicht das Klischee des fiesen fetten Fleischers mit erzkonservativer Weltsicht, Geldgier und tiefer Verachtung für Umweltschutz und Tierwohl.

Als Fußball-Funktionär ist er mit Gazprom verstrickt, raffte mit Cum-Ex-Geschäften Geld vom Finanzamt und musste schon eine Geldbuße in Höhe von 128 Millionen Euro wegen drastischer Kartell-Verstöße zahlen.
2019 kam auch noch ein Gloria-von-Thurn-und-Taxis-Gedächtnis-Award für die übelsten rassistischen Sprüche über Afrikaner und deren angebliche Potenz.

Konsequenzen musste er nicht befürchten – dafür sorgt schon die Regierungspartei CDU.

[….] Der frühere Fernsehkommissar und Ex-Bundestagsabgeordnete Charles M. Huber tritt nach der Diskussion über die Aussagen des Aufsichtsratschef von Schalke 04, Clemens Tönnies, aus der CDU aus.
[….]  Als Grund nennt er Äußerungen des Afrika-Beauftragten der Kanzlerin, Günter Nooke (CDU), die seiner Auffassung nach eine rassistisch motivierte Kommunikation von Tönnies relativieren. [….] Tönnies hatte beim Tag des Handwerks in Paderborn Steuererhöhungen im Kampf gegen den Klimawandel kritisiert. Stattdessen solle man lieber jährlich 20 Kraftwerke in Afrika finanzieren. «Dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn's dunkel ist, Kinder zu produzieren», sagte Tönnies. Nooke hatte hierauf gefordert, eine ehrliche Debatte zu führen. «Die von Tönnies angesprochenen Probleme wie das Verschwinden des Regenwalds und das Bevölkerungswachstum auf dem afrikanischen Kontinent sind real und darüber muss gesprochen und gegebenenfalls kontrovers diskutiert werden», sagte Nooke dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. [….]

Die Schweinemäster sind so tief in der CDU verankert, daß selbst der eher konservative Ethikrat Ministerin Klöckner just dafür anpfiff willfährig die gewünschten Tierquälermethoden abzusegnen.

[….]  Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner hat zum zweiten Mal binnen kurzer Zeit massive Kritik für ihre Position zur Schweinehaltung einstecken müssen. Eine heute veröffentlichte Stellungnahme des Deutschen Ethikrates zum verantwortlichen Umgang mit Nutztieren wirft der Ministerin "nicht hinnehmbare" Zustände vor.
Anfang des Monats war sie mit dem Versuch gescheitert, einen Verordnungsentwurf durch den Bundesrat zu bekommen, der es den Bauern erlauben würde, Millionen Sauen viele weitere Jahre lang in engen Metallkäfigen, im sogenannten Kastenstand, zu halten. Im letzten Moment hatten sich die Länder mit grüner Regierungsbeteiligung geweigert, einem Kompromiss zuzustimmen. Der hätte das Leid der zur Bewegungslosigkeit verurteilten Sauen für acht Jahre besiegelt und das Leben der Tiere auch danach nur unwesentlich verbessert. [….]

Klöckner ist eine Erfüllungsgehilfin der Tierquälerei.


[….] Dieser Kastenstand ist so klein, dass sich die Sau darin kaum bewegen kann. Dadurch können die natürlichen Bedürfnisse des Hausschweins nicht ansatzweise erfüllt werden.
[….] Muttersauen werden wie Gebärmaschinen behandelt. Ihr Leben ist ein ununterbrochener Zyklus aus künstlicher Besamung, Trächtigkeit, Geburt, Säugezeit und erneuter Besamung. Eine Sau kann so zwei bis drei Mal im Jahr trächtig werden.
  Mit rund sieben Monaten wird die Jungsau zum ersten Mal besamt. Dazu wird sie im „Deckzentrum“ in den Kastenstand gesperrt. Per Hormonspritze wird die „Rausche“ (Phase der Empfänglichkeit) herbeigeführt. So kann die Sau künstlich besamt werden. Danach bleibt sie für mindestens vier Wochen im Kastenstand. Die Industrie argumentiert, dass es so wahrscheinlicher sei, dass die Trächtigkeit erhalten bleibt.
Etwa eine Woche vor dem errechneten Geburtstermin wird die Sau in den „Abferkelstall“ gebracht. Dort wird sie erneut für etwa 5 Wochen in einen Metallkäfig (Kastenstand in der „Abferkelbucht“) eingepfercht in dem sie etwa zehn bis 20 Ferkel zur Welt bringen muss, die sie dort rund drei bis vier Wochen säugt. Dabei trennt das Gitter die Mutter von ihren Ferkeln.
Zwar können die Ferkel unter den Stangen an die Zitzen der Mutter gelangen, die Mutter kann jedoch keinen liebevollen Kontakt zu ihren Ferkeln aufnehmen. Nach der Säugephase wird die Sau meist sofort wieder ins Deckzentrum und erneut in den Kastenstand gebracht. [….] Eine Sau durchläuft diesen „Produktionszyklus“ so lange, bis sie die gewünschte „Aufzuchtleistung“ von durchschnittlich etwa 30 Ferkeln pro Jahr nicht mehr erbringt. Danach wird sie geschlachtet.
Die meisten Sauen überleben diesen Zyklus nur wenige Jahre. Dabei würde die natürliche Lebenserwartung von Schweinen sehr viel höher liegen.  [….]

Tönnies hält seine Mitarbeiter allerdings auch nicht wesentlich besser und so  entwickelte sich einer seiner Betriebe zu einem Covid19-Hotspot.

[….] Nach dem Ausbruch einer Corona-Infektion unter mindestens 657 Mitarbeitern einer Fleischfabrik im ostwestfälischen Rheda-Wiedebrück schließt der Landkreis Gütersloh alle Schulen und Kitas. Das sei "ein probates Mittel, um die Ausbreitung des Virus zu verhindern," sagte Landrat Sven-Georg Adenauer (CDU). Ein genereller Lockdown von Behörden und Geschäften sei jedoch nicht geplant, da sich die Gefahr klar eingrenzen lasse. [….]

Ebenso wenig überraschend: CDU-Landesvater Laschet springt Tönnies bei und schiebt in einer perfiden, miesen, xenophoben Attacke Ausländern die Schuld in die Schuhe – aber nicht Clemens Tönnies.

[….] Außenminister Heiko Maas hat die Äußerung von Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet über rumänische und bulgarische Arbeiter in dem vom Coronavirus schwer getroffenen Schlachtbetrieb Tönnies als "höchst gefährlich" kritisiert. Bei einem Besuch in Bulgarien forderte der SPD-Politiker den stellvertretenden CDU-Vorsitzenden auf, sich dafür zu entschuldigen.
Laschet, der auch Kandidat für den CDU-Vorsitz ist, hatte auf die Frage, was der Corona-Ausbruch über die bisherigen Lockerungen aussage, geantwortet: "Das sagt darüber überhaupt nichts aus, weil Rumänen und Bulgaren da eingereist sind und da das Virus herkommt. Das wird überall passieren."
[….] Maas sagte, für die Äußerung gebe es keine sachliche Grundlage. "Es ist höchst gefährlich über solche Schuldzuweisungen, die in der Sache auch noch absurd sind, Diskussionen, die wir auch in Deutschland haben, zu verstärken und auch zu verschärfen." Laschet gieße damit "Öl ins Feuer", wie es "niemand, der verantwortliche Politik macht, tun darf". […..]


Wieso diese unglaublichen Zustände in der Schlacht- und Mast-Industrie existieren? Brutale, abartige Zustände, die seit Jahrzehnten in der Presse angeprangert werden, von TV-Magazinen dokumentiert und von Tierschutzorganisationen bekämpft werden.


Dafür gibt es drei einfache Gründe.

Die Großschlachter bezahlen die C-Parteien.

Die Wähler wählen die C-Parteien.

Die Bürger kaufen ständig das Billigfleisch von Tönnies, weil ihnen beim Fressen Ethik und Moral vollkommen egal sind.

Mittwoch, 17. Juni 2020

Das Corona-Siegertreppchen

Mit Lügen, Prahlereien, drastischen Beschimpfungen und absurden Theorien kann man wunderbar das Publikum unterhalten, Wähler begeistern und Wahlen gewinnen.
Das zeigen Rechtspopulisten in allen Demokratien.

Sie die Welt, widewidewitt, so zu machen wie sie einem gefällt, ist viel einfacher als sich immer an Fakten und der Wahrheit zu orientieren, als tragfähige Kompromisse zu suchen, politische Gegner mit einzubeziehen und dauerhaft nachhaltig zu handeln.
Daher kümmern sich Bolsonaro, Boris und Donald auch nicht um lästige demokratische Spielregeln, faire Wahlbedingungen oder das Parlament.
Ihre Fans feiern sie dafür „Politiker anderen Typs“ zu sein.
Boris Johnson war schon lange als haltloser Hallodri bekannt, der lügt, daß sich die Balken biegen. Nachdem er die Brexitverhandlungen vollständig chaotisiert hatte holte er bei den vorzeitig am 12. Dezember 2019 durchgeführten
Unterhauswahlen 2019 eine gigantische absolute Mehrheit von 365 Sitzen (Labour 203 Sitze, Liberaldemokraten pulverisiert auf 11 Sitze).

Anders als die in weiten Teilen vollständig verblödeten Wähler in GB, Bra, Ostdeutschland oder den USA, lässt sich Sars-CoV2 so gar nicht von xenophoben und radikalen Sprüchen beeindrucken.


Trump, Johnson und Bolsonaro weigerten sich allesamt Monate das Virus ernst zu nehmen, spotteten über die Staaten in Asien und Südeuropa, die drastische Lockdown-Maßnahmen ergriffen.

Eine Pandemie mit losem Mundwerk zu bekämpfen scheint aber nicht zielführend zu sein, da so ein Virus nicht FOX-News guckt.

Ein halbes Jahr nach den ersten Corona-Fällen haben die drei rechtspopulistisch-antiseriös regierten Länder USA, Brasilien und Großbritannien zusammen über 200.000 Todesfälle aufzuweisen, belegen Gold, Silber und Bronze des weltweiten Todesrankings.
120.000 Tote in den USA, 46.000 in Brasilien, 42.000 in GB – aber nur 8.500 in Deutschland.


 Noch drastischer fällt der Vergleich der Todesfälle im Verhältnis zur Bevölkerung aus.
621 Tote pro eine Million Briten, 362 Tote pro eine Million Amerikaner.
Zum Vergleich: 0,3 Tote/1Mio in Taiwan, 3 Tote/1Mio in China, 4 Tote/1Mio im dicht bevölkerten Singapur, 7 in Japan, 106 in Deutschland.
Überraschung; Leugnen und Gebete helfen doch nicht gegen einen Lungenvirus.

Die Kombination aus Pandemie und populistischer Idiotenregierung aus dem engen Trump-Freundeskreis ist toxisch.

[….] Sie tanzen und sie sterben [….] Lateinamerikas größte Nation ist am Abgrund. Noch diese Woche könnte die Zahl der mit dem Coronavirus infizierten Menschen in Brasilien auf über eine Million klettern, spätestens im August soll das Land die USA überholen. Dann gibt es nirgendwo auf der Welt mehr Infizierte als hier - und das sind nur die offiziellen Zahlen. Mittlerweile sterben so viele Menschen in Brasilien an Covid-19, dass man nicht mehr weiß, wohin mit den Leichen.
Präsident Jair Bolsonaro hat die Gefahren durch den Erreger zuerst geleugnet, dann die Verantwortung von sich gewiesen. Menschen sterben, so sei das nun mal, sagt der Präsident. Die Leute sollten nicht glauben, er sei der Messias, nur weil das sein zweiter Name sei.
[….] Nach der Ausgangssperre sei es eine Zeit lang ruhig gewesen, aber dann tönte der Präsident im Fernsehen, das Virus sei nur ein "Grippchen" und nicht gefährlich. Und die Nachbarin erzählte ihr, der Pastor in der evangelikalen Kirche habe gesagt, dass Gott helfen werde. Ende April waren die Straßen wieder voll. [….]


[….] Jetzt könnten [die Evangelikalen] bald die Zahl der Katholiken im Land übersteigen. Sie haben enorm an Einfluss gewonnen, auch dank Präsident Jair Bolsonaro: Im Wahlkampf hat er sich auf Gott berufen, öffentlich gebetet und die Nähe der einflussreichen evangelikalen Kirchengründer gesucht. Letztes Jahr war er sogar vor Edir Macedo niedergekniet. Der ehemalige Lotterieangestellte ist das Oberhaupt der Universalkirche des Königreichs Gottes, einer der größten Pfingstkirchen des Landes. Ihr gehört der Tempel des Salomon, eine Megakirche in São Paulo. Vor Tausenden ließ sich der Präsident auf der Bühne segnen, es war ein demonstrativer Kniefall vor den Evangelikalen.
Mit ihren TV-Kanälen, Radiosendern, Verlagen und Pastoren haben sie maßgeblich dazu beigetragen, dass Bolsonaro 2018 zum Präsidenten gewählt wurde. Er hat sich seitdem immer wieder bei ihnen revanchiert, nicht nur mit Auftritten, auch mit Steuervorteilen und Posten. [….]

Dienstag, 16. Juni 2020

Medienspreizung.

Mal abgesehen von Rechtsextremen und Verschwörungstheoretikern, können sich die meisten Deutschen darauf einigen im öffentlich rechtlichen Radio, sowie den Nachrichtensendungen von ARD und ZDF neutrale und recht seriöse Informationen geliefert zu bekommen.

In den USA gibt es keine vergleichbar starke öffentlich finanzierte Sendergruppe.
Die Rolle des neutralen Berichterstatters versuchte über viele Jahre CNN zu übernehmen.
Teilweise gelingt das immer noch.
CNN Breaking News ist mit 58 Mio. Followern einer der erfolgreichsten Twitteraccounts weltweit.
Aber die Einschaltquoten sind nicht mehr überragend seit ihnen erst rechts mit FOX und dann links mit MSNBC Konkurrenz gemacht wurde.
Hasan Minhaj sezierte 2017 beim ersten White House Correspondents Dinner ohne den amtierenden US-Präsidenten (weil das kleine Baby Trump beleidigt war und schmollend zu Hause blieb) das Dilemma eines „neutralen Senders“.
 Zu jedem Thema werden gleich viele rechte und linke Pundits geladen – unabhängig von deren Seriosität.
So konnten die notorischen Trump-Fans immer in epischer Breite live auf CNN lügen. Die heutige White House-Pressesprecherin Kayleigh McEnany, Kellyann Conway, Jeffrey Lord oder Corey R. Lewandowski konnten dabei beispielsweise behaupten Trump habe noch nie gelogen.
So wurden aber Fakten zunehmend zu einer Frage der Meinung.
CNN traute sich schließlich kaum noch die Trumpschen Spinner einfach auszuladen. Es waren ja auch immer so lebhafte Diskussionen – gut für die Quote.

[….] All you guys do is stoke up conflict. Don, every time I watch your show, it feels like I am watching a reality-TV show. “CNN Tonight” should just be called “Wait a Second. Now Hold On. Stop Yelling at Each Other,” with Don Lemon. […..]
(Hasan Minhaj)

Mit dieser elenden Methode, immer alternierend linke und rechte Gäste einzuladen, machten die ARD- und ZDF-Talkshows auch die AfD groß ab 2015, weil sie ihnen die Möglichkeit gaben in epischer Breite Gift zu streuen. Dabei handelte es sich um ein Totalversagen der Öffentlich-Rechtlichen mit tödlichen Folgen für die Opfer der rechten Gewalttäter.

Ebenso in den USA, wenn links und rechts immer brav nebeneinander gestellt werden, als ob es irrelevant wäre, wer die Wahrheit sagt und wer Lügen verbreitet.

Tatsächlich zeigt sich in all diesen Links-Rechts-Texten der vergangenen Wochen eine entpolitisierte Sicht auf Politik, die gewollt ist und eingeübt: Statt um Argumente geht es um Geometrie, statt um Inhalte geht es um Mehrheiten, statt um Visionen geht es um Verteidigung dessen, was man hat.
Es gibt sie aber immer noch, die Unterschiede zwischen rechten und linken Argumenten.
Und so ist Trump eben das Gesicht eines radikalen, dummen und egoistischen Kapitalismus und Sanders das Gesicht eines durchaus bescheidenen und wenig revolutionären Versuchs, diesen Kapitalismus wieder gerechter zu machen.
Wie, um Himmels Willen, kann man die zwei auf eine Art und Weise vergleichen? Wo am Ende sogar rauskommt, dass sie beide vor allem eines seien: Populisten?
Das ist das Gegenteil von gutem Journalismus, das ist Nebelwerferei.

Im Jahr 2017 fühlte sich Minhaj von dieser Positionsvermeidung, die immer links, rechts und Umfragen zeigte, so genervt, daß er sich beim Nachrichtengucken an Schularbeiten erinnert sah.

[….] You know you’re news right? Come on. But every time I watch CNN, it feels like you’re assigning me homework. “Is Trump a Russian spy? I don’t know. You tell me. Tweet us @AC360.” No, you tell me. I’m watching the news. But it feels like I’m watching CNN watch the news. Please just take an hour, figure out what you want to say. Then go on the air.
But whenever I turn you guys on, it feels like a little kid just ran into the room and is trying to tell you a story. You’re just like: “There’s a wall. [Inaudible]Paul Ryan.” Breathe. Take a minute. Drink some milk. Then tell us the story, Wolf. [….]

Immerhin ist CNN aber offensichtlich lernfähig.
Alle Mutmaßungen aus dem 2016ner Wahlkampf, Trump würde sich im Amt schon seriös, zumindest seriöser als im Wahlkampf verhalten, sind zerstoben.
Das Gegenteil ist der Fall.
IQ45 steuert auf 20.000 Lügen im Amt zu und stachelt ununterbrochen und systematisch zum Hass von Amerikanern auf Amerikaner auf.
Es gibt nun zwei Amerikas, die keinerlei Berührungspunkte mehr haben. Man hasst Trump oder liebt Traum.
Man ist Rassist oder BLM-Aktivist.
Man guckt MSNBC oder FOX.
Fox muss keinerlei Rücksicht auf demokratische Wähler, liberale Zuseher oder gebildete Menschen nehmen, weil es die in ihrem Publikum schlichtweg nichts gibt.
Amerika teilt sich auf in zwei Medienblasen. Die linkere von beiden versucht sich immer noch strikt an Fakten zu orientieren und versucht geradezu rührend Trump und die GOP-Politik zu widerlegen, zu „debunken“, Lügen zu entlarven.
Als ob irgendjemand, der Trump wählt einen Sender einschaltete, auf dem er kritisiert wird.
Die rechte Blase hingegen hat das Universum der Tatsachen längst verlassen, schürt Hass auf Minderheiten und verbreitet ungeniert die abstrusesten Verschwörungstheorien.
Es ist kein Platz mehr für Neutralität.
Also wieso sollte noch irgendwer die links/rechts-Schema-Sendungen auf CNN gucken? Es gibt keine politische Mitte mehr in den Vereinigten Staaten.

CNN tat in dieser Situation das einzig Richtige.
Der Sender nimmt in seinen abendlichen Hauptsendungen – AC360° mit Anderson Cooper, Cuomo Prime Time und CNN Tonight with Don Lemon – kein Blatt mehr vor den Mund und bezieht sehr klar Position.
Und zwar pro Demokratie, pro Verfassung, pro Fakten – also contra Trump.


[….] CNN hat bemerkt, dass es in der Mitte zwischen Fox News und MSNBC nichts zu holen gibt, weil es kaum noch eine Mitte gibt in diesem Land. Also wurden die Primetime-Moderatoren Chris Cuomo und Don Lemon zu Trumps bissigen Chefkritikern und überholten so die MSNBC-Konkurrenten Maddow und Chris Hayes. Fox News rückt indes, auch nach Kritik von Trump, noch ein bisschen näher an den Präsidenten heran.
Es geht auch für die TV-Sender ums Gewinnen, sie müssen bei den Zuschauern punkten. Und das können sie derzeit am besten mit spektakulären Bildern und markigen Statements. [….]

Der angenehme Nebeneffekt: Es macht wieder großen Spaß Cooper, Cuomo und Lemon zu gucken.
Ich bemühe mich insbesondere Don Lemon nie zu verpassen und empfehle insbesondere seinen inzwischen schon legendären Übergabe-Flirt mit Chris Cuomo („I love you, D-Lemon“ – Chris Cuomo) und das ausführliche Lemon-Eingangsstatement „Don’s Take“.
Das ist lebendiger Journalismus. Mal ruhig, mal sezierend, mal engagiert, mal wütend – Lemon macht aus seinem Herzen keine Mördergrube.
Trump-Fans are not amused.