Samstag, 21. März 2020

Licht und Schatten


Regierungserfahrung und Intelligenz sind durchaus wünschenswerte Eigenschaften für die Personen, die während einer allgemeinen Großkrise wie dieser als Minister amtieren.

Olaf Scholz ist vermutlich der wichtigste Mann Deutschlands, weil er an der Kasse sitzt während alles Pleite geht und unbedingt zu gewährleisten ist, daß einerseits die Gesundheits- und Lebensmittelversorgung funktionieren und daß andererseits keine Panik entsteht, die alles exponentiell verschlimmern würde.

Er kann das und tut das Richtige. Auch der Mann, der den mit Abstand größten Haushalt betreut – Sozialminister Heil – ist sich offenbar von Anfang an klar darüber wo es drückt und wie gehandelt werden muss.
Andere Figuren wie Verkehrsminister Oondi Scheuer, von dem man gern wüßte wie der öffentliche Personennahverkehr und der Warentransport weitergeht oder Bildungsministerin Anja Karliczek, die Millionen verunsicherten Schülern und Studenten  mal irgendeine Leitlinie vorgeben könnte, sind vollkommen abgetaucht.
Julia Klöckner ruft zwar ab und zu dazu auf nicht zu hamstern und verspricht stetigen Lebensmittelnachschub, aber wie die Landwirte das machen sollen, wenn sie keine Erntehelfer mehr bekommen, weiß sie auch nicht.
Stattdessen nur die populistische Ansage, das könnten ja die Flüchtlinge machen.
Als ob das eine Lösung dafür wäre, wie man so viele Mitarbeiter unterbringt und versorgt, wenn diese jeweils zwei Meter Abstand voneinander halten sollen.
Als ob die Spargelstechterdebatte von 2002 nicht gezeigt hätte, daß so ein Knochen- und Fleißjob nicht angeordnet werden kann.
Jens Spahn ist der Mann, der seit Jahren die drastischen Medikamentenengpässe ignoriert, bei 100.000 nicht besetzten Stellen im Pflegebereich empfiehlt, jede Krankenschwester könne ja ein paar Stunden länger arbeiten, die drastischen Warnungen vor den jetzt eingetretenen Engpässen bei der Versorgung mit hygienischer Schutzkleidung konsequent ignoriert.
Seit Jahren warnen Experten hörbar in den Medien vor den Arzneimittelenpässen.


Spahn tut nichts.

(….) 274 Medikamente sind derzeit nicht lieferbar, weil die raffgierigen Pharmakonzerne in völlig unverantwortlicher Weise nur sehr viel teurere Alternativen zur Verfügung stellen.
Die Unterschiede sind gewaltig.
Meine Eltern gehörten zu den über eine Millionen Menschen, die dauerhaft Blutverdünner nehmen mussten.
Das Mittel der Wahl – damals: Phenprocoumon = Rattengift. Bekannter unter dem Namen Marcumar.
Preis: 98 Stück für 12,50 Euro.
Da man oft nur eine Viertel Tablette am Tag braucht, reichen diese 12,50 Euro für ein ganzes Jahr.
Der alte Herr, den ich betreue, bekommt seit zwei Jahren statt Marcumar das moderne Mittel Xarelto zur Blutverdünnung.
98 Stück Xarelto 20mg von Bayer kosten 320,80 Euro; man muss immer eine am Tag nehmen. Das sind knapp 1.200,- im Jahr, also nahezu exakt der hundertfache Verdienst für die Pharmaindustrie. (….)

Wenig verwunderlich, daß der arbeitsscheue „Erfahrungsjurist“ Seehofer ebenfalls nicht in der Lage ist vorausschauend und bundeseinheitlich zu reagieren, sondern sich in der Frage der Einschränkungen des öffentlichen Lebens beliebig von den Landes-Innenministern und MPs treiben lässt. An vorderster Front ausgerechnet sein Intimfeind Markus Söder, der so tut, als ob er Bundesinnenminister wäre.

Königin der Doofheit ist – natürlich mal wieder Saskia Esken, die offenbar immer noch nicht im geringsten begriffen hat, was für ein weltweites Problem gerade über uns gerauscht ist.

[…..] Die SPD-Vorsitzende Saskia Esken sieht die Einführung von Ausgangssperren angesichts der Ausbreitung des neuartigen Coronavirus skeptisch. „Ich finde die Idee problematisch, weil dann womöglich der Lagerkoller droht - vor allem, wenn Kinder mit im Spiel sind“, sagte Esken dem „Handelsblatt“.
Den Vorschlag ihres Parteikollegen und niedersächsischen Innenministers Boris Pistorius, wonach der Staat härter gegen die Verbreitung von Falschnachrichten in der Coronakrise vorgehen soll, sieht Esken ebenfalls kritisch. [….]
(SWP, 20.03.2020)

Zum Glück ist die SPD-Co-Vorsitzende schon nach so wenigen Monaten an der Spitze bundesweit als derartig irrelevante Dummschwätzerin bekannt, daß man sich höchstens in einem Nebensatz über sie echauffiert.

[…..] Wer in den letzten Tagen an einem bayerischen See die Radfahrer-Pulks sah, die Picknick-Gruppen, die Fußballspieler, die lustigen Burschen mit dem Biertragl, der sah auch ein Abbild des sorg- und verantwortungslosen Teils der Gesellschaft. Eigennutz ist alles, das Gemeinwohl scheint wenig zu zählen. Und wenn die SPD-Chefin Saskia Esken trotzdem glaubt, "die freiheitliche Gesellschaft" brauche keine Ausgangsbeschränkungen, dann hätte sie vielleicht etwas genauer hinschauen sollen in Berlin und in Freiburg, in München und in Stuttgart, bevor sie twitterte. […..]

Mein Dank gilt alles seriösen Medien, die seriöse SPD-Politiker wie Scholz und Heil zu Wort kommen lassen und insbesondere diejenigen Sozis, die von Haus aus Fachleute sind – der habilitierte Labormediziner Dr. med. Peter Tschentscher, oder Prof. Karl Lauterbach, der in Harvard Epidemiologie studierte – anhören.

Freitag, 20. März 2020

Ungleichzeitigkeit.


Diktaturen können sich so ganz anders anfühlen.

Eine meiner besten Freundinnen wurde 1918 in Wien geboren.
Als Hitler 1938 dort die Macht übernahm, war sie Studentin und bereits in einer Gruppe, die untergetauchte jüdische Professoren mit Lebensmitteln versorgte. Sie hasste Hitler, sah klar voraus in welchem Desaster das enden würde. Sie lebte bis 1945 einerseits in ständiger Furcht, brachte andererseits enormen Mut auf, um Regimegegnern zu helfen.
Eine meiner Tanten war nur drei Jahre jünger, erlebte ihre Kindheit in einem Hamburger Vorort. Die Machtübernahme Hitlers begann für sie 1933, als sie 11 Jahre alt war in völlig unpolitischen und eher sorglosen Verhältnissen.
Sie war ohnehin Spätentwicklerin und ein burschikoses Mädchen, das mit großer Begeisterung die BDM-Stationen durchlief und sich den vielen Wanderungen, Lagerfeuern und Zelttouren pudelwohl fühlte.
Es war etwas weit vom Schuss, von der Verdrängung jüdischer Geschäftsleute bekam sie kaum etwas mit und 1942, mit 20 Jahren, war sie vollkommen entsetzt, als ein ehemaliger Schulfreund auf Fronturlaub plötzlich sagte, der Krieg ginge sowieso verloren.
Sie war entsetzt, daß er an dem Führer zweifeln konnte.
Dabei lebte sie noch nicht mal in einer Nazi-Familie. Ihre eigenen Eltern verachteten Hitler, aber sprachen darüber nicht mit ihr. Sie lebte in einer Glücksblase.
Einmal begegnete ihrer Jungmädel-Schar bei einer Wanderung im Alstertal einer Gruppe weiblicher KZ-Häftlinge aus Neuengamme, die zu einem Arbeitseinsatz getrieben wurden. Sie war entsetzt, weil die so elend aussahen. Die ausgemergelten Frauen taten ihr unendlich leid, aber sie stellte deswegen keineswegs das System in Frage. Offenbar mussten die ja etwas furchtbar Schlimmes getan haben, um diese Strafe zu verdienen. So ihre Vermutung. Daß der Führer irgendetwas Unrechtes tun könnte kam ihr gar nicht in den Sinn.

Sie erzählte mir die Begebenheit später immer wieder, weil sie a posteriori ihre eigene Naivität gar nicht fassen konnte.
Als sie zum Ende des Krieges langsam begriff was die Nazis wirklich waren, beschloss sie nie wieder in ihrem Leben so dumm zu sein.
Und sie hielt sich daran, blieb bis zum Alter von 90 Jahren politisch sehr linksliberal, atheistisch und bürgerrechtlich engagiert.

Meine Wiener Freundin hingegen war nach 1945 so traumatisiert, daß sie fortan die Finger von Politik ließ und sich ganz den schöngeistigen Dingen hingab. Sie wurde eine exzellente Literaturkennerin, Opern- und Theaterliebhaberin.

Sie beide lernten sich erst mit über 70 Jahren kennen, tickten politisch zwar sehr ähnlich, aber ich staunte immer, daß diese beiden wachen, intelligenten Frauen, die beide ihre Jugend im Nationalsozialismus erlebten und fast gleich alt waren, vollkommen unterschiedliche Erfahrungen gemacht hatten.
Ich war eins dieser kontemplativen Blagen, die sich schon als Teenager fasziniert jedes Detail aus dem Krieg und der NS-Zeit erzählen ließen – aber schon bei diesen beiden Schilderungen gab es so gut wie nichts Deckungsgleiches.
Sie schienen aus anderen Universen zu stammen.

Der Gedanke, daß Diktaturen weniger einheitliche Zentralherrschaften sind als es im Geschichtsunterricht gelehrt wurde, kam mir wieder im „Wendejahr 1989“, als man in Lea Roshs legendären „Freitagnacht“-Talkshows das erste mal Leute wie Wolfgang Thierse, Regina Hildebrandt, Bärbel Bohley, Manfred Stolpe, Friedrich Schorlemmer und Co kennenlernte.
Selbst in der vergleichsweise kleinen DDR herrschte regionale Willkür.
Die damals aus kirchlichen SED-kritischen Gruppen zum „Neuen Forum“ und „Bündnis 90“-Jung-Politiker hatten völlig andere Erfahrungen gemacht.
Die promovierte Biologin Hildebrandt (1941-2001) war immer eine laute SED-Kritikerin, dachte gar nicht daran zur FDJ oder sonstigen Regime-freundlichen Organisationen zu gehen. Sie machte da einfach nicht mit, war aber enorm in ihrem Ostberliner Kirchenchor engagiert. Die Hauptstadt-SED nahm das offenbar hin. Man konnte im gewissen Rahmen eine SED-ferne Existenz mit den entsprechenden Freiheiten führen.
Dennoch konnte Hildebrandt Abitur machen und ihr Wunschfach studieren.
Wolf Biermann, nur gut vier Jahre älter als Hildebrandt und ebenfalls in Ost-Berlin lebend – sogar als Sohn einer überzeugten Kommunistin – hatte keine dieser Freiheiten. Ihn stufte die Stasi als gefährlich ein und veranstaltete eine gewaltige Totalüberwachung aller Personen, mit denen er auch nur entfernt Kontakt hatte.
Während also die Berliner Biologin Hildebrandt laut und unbehelligt im Kirchenchor sang, wurde quasi nur ein paar Straßen weiter der Sänger Biermann zum Staatsfeind gemacht und bekanntlich 1976 mitsamt seiner Partnerin Eva-Maria Hagen und kurz darauf auch ihrer Tochter Nina Hagen aus dem Land geworfen.
Auch die Bürgerrechtler aus der berühmten Leipziger Nikolaikirche konnten nur über Hildebrandts Erfahrungen mit dem SED-Regime staunen. Die örtliche Partei griff ganz anders durch bei engagierten Christen.
Wer nicht in die FDJ ging und sich von der Kirche lossagte, konnte nicht Abitur machen und studieren.
Sahra Wagenknecht stammt aus Jena, wuchs aber ebenfalls in Ostberlin auf. Sie war in der FDJ, machte 1988 auf der EOS „Albert Einstein“ in Berlin-Marzahn Abitur, war aber bei der vormilitärischen Ausbildung für Schüler nicht staatstreu genug. Daraufhin wurde sie als „nicht genügend aufgeschlossen fürs Kollektiv“ eingestuft, durfte natürlich nicht studieren und dazu verdonnert Sekretärin zu werden.

Vor zwei Tagen kam eine Bekannte von mir aus dem Skiurlaub in Österreich zurück nach Hamburg. Sie und ihre Kinder sind in freiwilliger Quarantäne in ihrer glücklicherweise großen Wohnung in „den Walddörfern“, aber knapp an Lebensmitteln, weil sie lange nicht zu Hause waren.
Um niemand anzustecken, versuchte sie bei REWE online eine Grundausstattung für die Familie zu bestellen, sammelte den virtuellen Warenkorb voll, klickte anschließend auf „Liefertermin auswählen“ und erhielt den nächsten Termin in drei Wochen.
Drei Wochen ohne Lebensmittel sind zu lang. Was also tun, wenn man als Österreich-Rückkehrer als Virenschleuder gilt, die Wohnung nicht verlassen soll, aber erst Mitte April Lebensmittel geliefert bekommen kann?
Als wir heute Abend telefonierten, staunte sie nicht schlecht wie es mir unterdessen ergangen war.
Ich habe ebenfalls seit einer Woche meine Wohnung nicht verlassen. Weniger weil ich nicht darf, sondern weil diverse Termine ausfielen und ich nicht musste. Zum Wochenende wurden auch meine Lebensmittel etwas knapp. Gestern, Donnerstag loggte ich mich ebenfalls bei Rewe.de ein.
Ich hätte zwar auch in den Laden fahren können, dachte aber, die Belegschaft wäre entlastet, wenn einer weniger in dem Gemuse rumsteht.
Online gab es einen Hinweis, daß ausnahmsweise einige Artikel nur in Mengenbeschränkung ausgegeben werden könnten.
Ich klickte großzügig in den Warenkorb, wurde aber nicht eingeschränkt.
Lieferzeitpunkt: Wie immer, gleich am nächsten Tag. Heute Abend, etwa 30 Minuten nach dem angegebenen Zeitfenster traf die Lieferung ein. Der junge Mann, der alles anschleppte hatte mich aber schon eine Stunde vorher angerufen und sich tausendmal entschuldigt, daß er ausnahmsweise nicht pünktlich sein könne. Ein extrem angenehmer, höflicher und sympathischer Zeitgenosse, der sich erneut entschuldigte, weil leider die gesalzene Butter, die ich bestellt hatte nicht da war und er mir stattdessen von derselben Marke die gesalzene Balance-Version eingepackt hätte.
Vormittags war ich bei meinem Gemüsehöker. Auch dort volle Regale, ausgesprochen freundliche Menschen und geduldig in dem neuerdings angeratenen Abstand wartenden Kunden.
Alle waren sich einig nun zusammen zu halten und sich nicht das Leben schwer zu machen.
Natürlich habe ich auch die Videos von den Irren in Deutschland gesehen, die sich in Discountern um Klopapier prügeln und in heillose Panik geraten, weil sie meinen bald verhungern zu müssen.
Meiner aus Österreich zurückgekommen Bekannten geht es ähnlich und ich kann es ihr nicht verdenken. Mit kleinen Kindern eingesperrt, nichts zu essen und auch noch finanzielle Sorgen, weil der kleine Laden, den sie mit ihrem Mann betreibt nun geschlossen bleiben muss und keinen Umsatz macht.
Etwa sieben Kilometer Luftlinie südlich von ihr, in meiner Nachbarschaft, sieht die Welt ganz anders aus.

Donnerstag, 19. März 2020

Linke Zersetzer.


Selbst Tulsi Gabbard – und die ist als praktizierende Vaishnava im Brahma-Madhva-Gaudiya-Sampradaya selbst für amerikanische Verhältnisse ziemlich irre – hat es eingesehen. Sie zieht ihre Präsidentschaftskandidatur zurück und unterstützt Joe Biden, weil er mathematisch der einzig mögliche Trump-Herausforderer ist.
In Demokratien mit indirektem Verhältniswahlrecht wie in Deutschland – wir wählen weder den Bundeskanzler, noch den Bundespräsidenten direkt, sondern bestimmen die Zusammensetzung des Bundestags und der Bundesversammlung – kann es sinnvoll sein als kleinere Spartenpartei bis zum Ende durchzuhalten.
Mit der Wahl der FDP 1980 trug man zu den entscheidenden Stimmen bei der Kanzlerwahl Helmut Schmidts bei. Wer 2002 die Grünen wählte, stimmte für Gerd Schröder.
Im US-amerikanischen prähistorischen Wahlmänner-System, herrscht ein reines Mehrheitsrecht.
Mit dem System wären alle FDP-Stimmen von 1980 gestrichen worden und Franz-Josef Strauß wäre Bundeskanzler geworden.
In einem US-Bundesstaat kann man theoretisch mit 1+1 Stimmen, die gesamte Macht, also 100% der Wahlmänner gewinnen.
In der Praxis bedeutet das in dem zwei-Parteiensystem, daß eine der Parteien fast sicher einen vollständigen Sieg davon trägt, wenn ein unabhängiger Kandidat antritt, der der anderen Partei ein paar Stimmen wegnimmt.
Bill Clinton profitierte 1992 von dem knorrigen erzkonservativen texanischen Öl-Milliardär Ross Perot.

Er holte 45 Millionen Stimmen, die 43% der Stimmen entsprachen und gewann damit 370 Wahlmänner, also eine satte absolute Mehrheit von 69% im entschiedenen Wahlmännergremium.

Möglich wurde diese enorme Ergebnisverzerrung durch den unabhängigen Perot, der fast 20 Millionen Stimmen, also 19% absolut holte, aber durch das Mehrheitswahlsystem Null Wahlmänner erhielt.
Der amtierende Präsident George H. Bush war mit 39 Millionen (=38%) der abgegebenen Stimmen nur auf 168 Wahlmänner gekommen.
Politisch waren sich Perot und Bush viel näher. Mutmaßlich wäre der damals noch unbedarfte Gouverneur aus Arkansas nie Präsident geworden, wenn Perot seine völlige Chancenlosigkeit begriffen und Bush unterstützt hätte.
Immerhin; wie sich herausstellte, war Bill Clinton ein Naturtalent, brachte wie versprochen die Wirtschaft in Schwung und wurde 1996 mit 47 Millionen Stimmen (=49,2%) wiedergewählt. Perot war erneut angetreten, holte aber nur acht Millionen Stimmen.

Daß ein konservativer Außenseiter den liberaleren Kandidaten begünstigt, ist ungewöhnlich.
Normalerweise sind es linksliberale Sturköpfe, die den Konservativen helfen.
Im Jahr 2000 gewann bekanntlich GW Bush mit 50,4 Millionen (=47,9%) gegen Al Gore mit 51 Millionen (=48,4%) Stimmen.
Florida hatte die Wahl entschieden:
Bush: 2.912.790, Gore: 2.912.253, Nader: 97.488
GWB hatte mit gut 500 Stimmen alle 25 Wahlmänner des Staates geholt. Der Grüne Ralph Nader errang fast 100.000 Stimmen für die Mülltonne, mit denen er den späteren Kriegstreiber und Verursacher einer Megaweltfinanzkrise Bush zum Präsidenten machte
Insgesamt erreichte Nader 2.883.105 Stimmen und war damit der Wegbereiter der Ära Bush.
Der vollkommen uneinsichtige Nader trat 2004 wieder an, holte aber nur noch 465.650 Stimmen.

Die am stärksten durch das Wahlrecht verzerrte Wahl war 2016:

Donald Trump: 62.984.825 Stimmen = 46,09% = 304 Wahlmänner
Hillary Clinton: 65.853.516 Stimmen = 48,18 % = 227 Wahlmänner.

Wieder waren es die kleinen, liberaleren Parteien, die dafür sorgten, daß Trump gewann. Sie hatten keinerlei Chancen auf einen einzigen Wahlmann, nahmen aber Clinton die entscheidenden Stimmen weg.
Besonders hart muss man die Grüne Jill Stein kritisieren, die dafür sorgte, daß Trump alle Wahlmänner im Rustbelt holte.

Gary Johnson, Libertarian Party, 4.489.221 Stimmen; 3,28 %
Jill Stein, Green Party, 1.457.216 Stimmen,   1,07 %
Evan McMullin, Unabhängiger, 731.788 Stimmen, 0,54 %  

Auch wenn Bernie Sanders mutmaßlich nicht so geistesgestört ist als unabhängiger Kandidat anzutreten und damit absolut sicher Trumps Wiederwahl garantieren würde, schadet er schon jetzt den Demokraten enorm und hilft IQ45, indem er Biden weiter beschäftigt, beschädigt und die Kräfte der Partei bindest, statt sich auf den Gegner im Weißen Haus zu konzentrieren.
Sanders ist zur rein destruktiven Kraft auf der linksliberalen Seite geworden.

[….] Trumps Gegner steht fest [….] Bernie Sanders kann ihn nicht mehr einholen, aufgeben will er noch nicht. [….] In Florida, dem wichtigsten Bundesstaat dieses Wahltags, holte Biden etwa 62 Prozent der Stimmen, Sanders bloß 23. Der frühere Vizepräsident kommt nun nach einer Zählung der Nachrichtenagentur AP auf 1121 Delegierte, Bernie Sanders auf 839. Der Linkspolitiker ist damit in einen Rückstand geraten, den er in den verbleibenden Vorwahlen praktisch nicht mehr aufholen kann. [….]
Beim Fernsehsender MSNBC, dem inoffiziellen Haussender vieler Demokraten, diskutierten die Moderatoren mit Wissenschaftlern die verschiedenen Szenarien zur Ausbreitung des Coronavirus. Sie schalteten zu Korrespondenten, die vor ausgeräumten Regalen in einem Supermarkt standen. Und als sie dann doch mal noch ein Interview mit einem Politiker ausstrahlten, war es ein Bürgermeister, der sich mit dem Virus angesteckt hatte. "Beispiellos!", riefen die Moderatoren mehr als einmal an diesem Abend, und sie meinten dabei stets die Pandemie und nicht Bidens Erfolg. [….]

Sanders befindet sich erneut im Nero-Modus und beweist damit einmal mehr, daß er als Präsident ungeeignet ist.

[….] Die nächsten Vorwahlen in Ohio, Georgia, Louisiana und Kansas sind wegen der Corona-Krise um Wochen verschoben und interessieren ohnehin niemand mehr. Das Land hat andere Probleme als die endlose Kandidatenkür der Demokraten, deren Ausgang festzustehen scheint.
Die Frage ist nur, wann der eigensinnige Sanders das einsieht und aus dem Rennen ausscheidet. Der moderate Biden hat mit der Übernahme linker Forderungen zum kostenlosen Studium und dem Schutz von Privatleuten vor einer Insolvenz schon wichtige Friedensangebote an den anderen Flügel gemacht. “Ich höre Euch. Ich weiß, was auf dem Spiel steht”, rief er am Dienstagabend den Sanders-Anhängern zu.
 Man kann nur hoffen, dass der 78-Jährige seine Niederlage akzeptiert und die Größe zu einem baldigen Abgang hat. Endlose weitere innerparteiliche Personaldiskussionen bis zum Wahlkonvent im Juli würden den Demokraten im derzeitigen Ausnahmezustand des Landes massiv schaden. [….]

Auch in den USA interessiert natürlich nur noch ein Thema: Corona und alle damit verbundenen Folgekatastrophen: Möglicherweise Hunderttausende Tote, eine gigantische Pleitewelle, Arbeitslosigkeit, Obdachlosigkeit, Börsenzusammenbruch.
Trumps Krisenmanagement war bisher eine einzige Katastrophe – also auch eine Steilvorlage für die Demokraten und Joe Biden mit medizinischen, epidemiologischen Konzepten und Plänen zur sozialen Abfederung der Seuchenfolgen zu überzeugen.
Bedauerlicherweise zwingt Sanders aber Biden und den Rest der Partei in eine Phantasiewelt, die ohnehin niemand mehr beachtet und räumt damit das Feld für die Trump-Administration. Sorry, Sanders, die Pläne zur Senkung der Studiengebühren sind völlig irrelevant. Schulen und Unis sind ohnehin geschlossen.

 [….] Es ist bizarr: Die USA werden, wie der Rest der Welt auch, von einer Pandemie überrollt, die selbst nach niedrigen Schätzungen Hunderttausende Menschen töten wird; die das Land und die Gesellschaft auf eine gewaltsame Art und Weise erschüttern und verändern wird, wie keine andere Krise in den vergangenen Jahrzehnten. Aber die Demokraten tun immer noch so, als sei alles normal. Sie führen, wenn auch nur virtuell, weiter Wahlkampf, sie veranstalten Debatten, und sie halten Vorwahlen ab. In einigen Bundesstaaten wurden die Primaries zwar verschoben, aber nur auf Juni. Als ob dann alles wieder in Ordnung sein werde.
[….]  Angeblich will Sanders, [….]  Einfluss auf die Formulierung des neuen Parteiprogramms nehmen. [….]
Den amerikanischen Bürgern würde man wünschen, dass sie von solchem Blödsinn verschont bleiben. Sie haben andere Sorgen. Schon der amtierende Präsident hat wertvolle Zeit verschwendet, weil er wochenlang erzählte, Corona sei eigentlich nur ein böser Schnupfen. Die Amerikaner brauchen nicht auch noch zwei Demokraten, die über Steuersätze diskutieren oder darüber, wer vor zwanzig Jahren mal was Dummes gesagt hat. [….]

Sollte Trump wiedergewählt werden, kann man sich – wieder einmal – bei den Linken bedanken. 

Mittwoch, 18. März 2020

Es geht viel schlimmer


Mir kann niemand unterstellen irgendwelche Sympathien für Angela Merkel zu hegen. Ich lehne ihre Politik seit 1990 kategorisch ab.
Meiner Ansicht nach trägt sie große Schuld an dem Auseinanderfall Europas, daran, daß die EU auch bei Corona und angesichts der Zustände auf Lesbos nicht in der Lage ist mit einer Stimme zu sprechen.
Anders als Brandt, Schmidt, Kohl und Schröder hat sie sich nie für die EU erwärmt, nie Initiativen gezeigt. Sie verhielt sich engstirnig, populistisch und unsolidarisch bei der Finanzkrise 2008/09. Sie stimmte weder Flüchtlings- noch Energiepolitik mit Brüssel ab, sie drückte deutsche Sonderwünsche (keine CO2-Abgabe durch), verhinderte gemeinsame Wirtschafts- und Klimapolitik.
Nach ihrer heutigen Corona-Ansprache werden die sozialen Netzwerke mit in Herzchen-Emojis eingebetteten MUTTI-Versalien geflutet.
In diese Jubelarien werde ich niemals einfallen.

Aber es bricht mir auch kein Zacken aus der Krone, wenn ich zugebe immerhin froh zu sein nicht in Brasilien, GB oder der USA zu leben.
Ich stimme also meinem FB-Freund Norman zu:

[…..] Es ist intellektuell befriedigend eine Regierungschefin zu haben, die in ganzen Sätzen sprechen kann. Die sich der Wissenschaft nicht verschließt, und, bei aller Kritik, in diesen Stunden ihr Bestes tut, um die straffen Maßnahmen von Bund und Ländern zu erklären, dessen Einschränkungen wohl für jeden von uns völliges Neuland darstellen. Die Vorstellung, wir hätte eine Flachpfeife an der Spitze wie die USA, wäre in dieser Krise geradezu mörderisch (Im wahrsten Sinne des Wortes). […..]

Nachdem die sagenhaften Fehlleistungen Trumps gestern an dieser Stelle Gegenstand waren und nun sogar die schlimmsten Hetzer von FOX-News umdenken…..


…. glaubt der irre Boris von London immer noch, er könne sich eher um seine eigenen Popularitätswerte kümmern und müsse keine drastischen Maßnahmen wie im Rest Europas ergreifen.

[…..] Die Straßen in London waren übers Wochenende überraschend belebt. Während Länder rund um die Welt den Notstand ausriefen, um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen, gibt sich die britische Regierung betont gelassen: Bislang will sie weder Schulen noch Läden schließen, und ob größere Anlässe stattfinden, ist den Veranstaltern überlassen. […..] Die Briten [sollen]  durch die Verbreitung des Coronavirus eine sogenannte „Herdenimmunität“ erlangen: Wenn ein Großteil der Bevölkerung am Virus erkrankt und dadurch immun wird, könnte das Virus auf längere Frist besser bekämpft werden. […..] Ein Epidemiologe, der in Harvard unterrichtet, schreibt im „Guardian“, er habe den Vorschlag der britischen Regierung zunächst für Satire gehalten. Herdenimmunität sei in diesem Fall nicht relevant, da es sich nicht um eine Impfung handle, sondern um eine richtige Pandemie, die tödlich enden kann. „Die Sterberate mag relativ gering sein, aber ein kleiner Bruchteil einer sehr großen Zahl ist dennoch eine große Zahl“, schreibt er. [……]

Schon lange bevor Boris Johnson Politiker wurde, pflegte er als Journalist wie gedruckt zu lügen. Pardon, nein, er log nicht nur, weil Lügner immerhin noch eine gewisse Beziehung zur Realität pflegen. Johnson ist wie auch Trump ein Bullshitter.

[….] Das Gegenteil von Wahrheit ist "Bullshit", wie es der Philosoph Harry Frankfurt genannt hat. Bullshit in diesem Sinne bedeutet, die Wahrheit zu missachten. Das unterscheidet den Bullshitter vom Lügner: Der Lügner hat immerhin so viel Respekt vor der Wahrheit, dass er bewusst die Unwahrheit sagt, sagt Frankfurt. Dem Bullshitter hingegen ist sie schlichtweg egal: Er behauptet einfach irgendetwas. Hauptsache, es nützt ihm im Moment. […..]

Eine Virus-Pandemie per bullshitting zu bekämpfen dürfte aber selbst einem mit absoluter Mehrheit wiedergewählten Großpopulisten wie dem britischen Premierminister nicht gelingen.
Gut möglich, daß sich die Briten schneller als gedacht zurück in die EU sehnen werden, wenn Lebensmittelversorgung und Gesundheitssystem bei ihnen zusammenbricht.

[…..] Britische Epidemiologen rund um den obersten medizinischen Berater der Regierung, Chris Whitty, verfolgen das Konzept der "Herden-Immunität", nach der Ansteckungen nicht verhindert werden sollen, um schnellstmöglich eine flächendeckende Immunisierung der Bevölkerung gegen das Corona-Virus zu erreichen. […..]  Wenn mindestens 60 Prozent der Bevölkerung das Virus gehabt hätten und wieder gesundet seien, sei auch das Risiko einer zweiten Welle im Winter geringer.
So soll unter anderem verhindert werden, dass das ohnehin chronisch überforderte nationale Gesundheitssystem (NHS) zusammenbricht. Großbritannien ist mit 4000 Intensivbetten und 5000 Beatmungsgeräten im internationalen Vergleich unterversorgt. […..]

Im Chor der Bullshitter-Regierungschefs werden allerdings sowohl der Ami als auch der Brite von dem Brasilianer übertroffen.
Der fanatisch Wälder-abholzende Faschist Jair Bolsonaro wird nicht ohne Grund von Trump über den grünen Klee gelobt.
Der Mann ist in jeder Hinsicht toxisch.

[…..]  Bolsonaro […..] trottete […..] die Rampe des Palasts hinunter und nahm ein Bad in der Menge. Bolsonaro schüttelte Hände. Er umarmte Leute. Er schnappte sich die Smartphones Dutzender Anhänger und knipste Selfies. Nicht einmal eine Maske trug er dabei. 
Als "Attentat auf die öffentliche Gesundheit" bezeichnete Rodrigo Maia, der Präsident des Kongresses, den Auftritt. Bolsonaro hätte sich eigentlich in Isolation befinden sollen. Nach einem Treffen mit dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump in dessen Golfresort Mar-a-Lago waren in der vergangenen Woche 13 Mitglieder seiner Delegation positiv auf Corona getestet worden, unter anderem sein Kommunikationschef, der designierte Botschafter in Washington und ein Senator, der erklärte, nach seiner Rückkehr den halben Kongress umarmt zu haben. […..]
Es ist nicht das erste Mal, dass sich Bolsonaro Erkenntnissen der Wissenschaft verweigert. Er leugnet den Klimawandel. Als im vergangenen Jahr der Amazonas-Regenwald in Flammen stand, bestritt er, dass dies an einer zunehmenden Abholzung des Waldes liegt.
Jetzt spricht er im Hinblick auf das Coronavirus von einer "Fantasie" und einer - von den Medien geschürten - "Hysterie". Sein Land, glaubt er, werde ohne größere Schäden durch diese "kleine Krise" kommen. […..]