Montag, 5. Februar 2018

Ins Klo manövriert.



Die ultrarechte Bloggossphäre frohlockt.
Das große ostdeutsche AfD-freundliche Umfrageinstitut INSA misst gegenwärtig bei der Sonntagsfrage 15% für die AfD und 17% für die SPD.
Angesichts einer Fehlermarge von +/- 2,5% könnte Gaulands braune Hassschürer-Bande die alte stolze Tante SPD bereits bundesweit überholt haben. So wie es im Osten Deutschlands schon lange der Fall ist.
(Warum haben wir noch mal die DDR gekauft?)

Die Demoskopie wirft einige Fragen über das Urteilsvermögen der Deutschen auf.
Wieso nimmt die AfD verglichen mit der Bundestagswahl noch mal um ein Viertel zu? Hat sie parlamentarisch etwa irgendetwas erreicht? Irgendwelche Vorschläge gemacht, die Deutschland nützen würden? In irgendeiner  Art politische Kompetenz gezeigt?
Im Gegenteil, die rechten Parlamentarier zeigen sich coram publico als planlose Stümper ohne Sachkenntnis mit dafür aber weit überdurchschnittlich schlechten Manieren.
Offensichtlich gefällt dem deutschen Michel so eine Partei, weil sie den anderen Parteien so gar nicht gefällt.
Die AfD wirkt durch ihre pure Anwesenheit im Bundestag zutiefst destruktiv auf das Parlament.
Es wird nicht regiert, es wird keine Regierung gebildet. Es wird nicht debattiert, sondern echauffiert.


Die AfD provoziert und dann kann man es nur noch falsch machen.
Ignoriert man die Braunen, inszenieren sie sich als Opfer, widerspricht man ihnen, adelt man ihre Hetze zu demokratischer Meinung und am schlimmsten ist es natürlich, wenn man sich wie Hofreiter provozieren lässt und zur Freude der Neunazis so in den Rumpelstilzchen-Modus geht, daß die AfD auf einmal seriös wirkt.

Die Partei, die am 24.09.2017 am meisten verloren hat, also die CDU mit – 8,6 Prozentpunkten (SPD – 5,2) und in den folgenden Monaten am stärksten versagte, indem ihre Vorsitzende und Kanzlerin kläglich daran scheiterte eine neue Regierung zu bilden oder auch nur die geringste Auskunft darüber zu geben in welche Richtung es jetzt eigentlich gehen soll, wird für ihr Nichtstun und Schweigen belohnt.
Tumbes Aussitzen und alle Zukunftsprobleme ignorieren sind schließlich die Qualitäten, für die Merkel geliebt wird.
Auch die zutiefst verantwortungslose FDP, die einfach keinen Bock hatte zu arbeiten und Deutschlands Zukunft einen dicken Mittelfinger entgegenstreckte, wird dafür nicht vom Wähler abgestraft, sondern hängt weiterhin stabil im zweistelligen Bereich – für nichts.

Nur die SPD hadert. Hadert mit sich und der Welt, mit ihrem eigenen Personal, mit ihrer Verantwortung und ihrem guten Willen.

Sie schaffte es durch extrem untaugliches Taktieren ihres hoffnungslos überforderten Chefs von dem ohnehin schlechtesten Bundestagswahlergebnis aller Zeiten noch einmal fast ein Viertel abzugeben.
Schulz bringt zwar keine Regierungserfahrungen mit, kann dafür aber umso zielsicherer Fettnäpfe ansteuern und sich durch crazy Ausschließeritis zum Deppen machen.
Seine Autorität befindet sich im freien Fall.
Höchste Zeit das Handtuch zu werfen und eine kompetente (Scholz) oder eloquente Person (Maas) an die Spitze zu stellen.
Jemand muss die SPD jetzt anführen, der sowas kann.

Stattdessen drängt sich die einzige Person der Parteispitze als heimlicher Schulz nach vorn, die noch unfähiger und unsympathischer als der Noch-Chef ist – Andrea Nahles.

Auf die Idee muss erstmal jemand kommen. Eine erprobte Multiversagerin ohne rhetorisches Talent und dafür umso abstoßenderem Charakter, soll es jetzt richten.

[…..] Martin Schulz führt längst nicht mehr die SPD an. Das strategische Zentrum der Sozialdemokraten leitet die Fraktionschefin Andrea Nahles. […..]  Wen weite Teile von Partei und Fraktion als derzeit größtes Problem ausgemacht haben, wurde am Tag nach dem Sonderparteitag deutlich. Die Bundestagsfraktion kam an jenem Montag kurz zusammen, um noch einmal über den Parteitag zu reden, der mit nur 56 Prozent für Koalitionsverhandlungen gestimmt hatte. Teilnehmer berichteten später von einer hoch emotionalen Debatte, in der Entsetzen über das knappe Abstimmungsergebnis ebenso zum Ausdruck kam wie Kritik an der Rede des Parteivorsitzenden Martin Schulz. Der musste sich verteidigen und sagte, manchmal komme eben alles zusammen: Druck, Stress und Krankheit. Die Fraktionsmitglieder aber lobten vor allem Andrea Nahles' Auftritt in Bonn. Sie habe emotionalisiert, sie habe Schlimmeres verhütet.
[…..] Es ist eindeutig: Nahles ist inzwischen das strategische Zentrum der SPD. Sie führt die Partei in diesen Tagen von der Fraktion aus. […..]

Dabei bleibt es immer noch bei dem Dilemma, daß die SPD mangels Alternative gar nicht anders kann als Groko.
Die Verhandlungsergebnisse sind offenbar mies, aber eben immer noch besser als CDU/CSU-pur.
Eine Minderheitsregierung kommt nicht in Frage, weil Merkel das nicht will.
Und selbst wenn; dann bedeutete das wechselnde Mehrheiten in einem Parlament, welches über eine absolute rechte Stimmenmajorität verfügt.
Humanität und Familiennachzug könnte man dann ganz abschreiben, weil die FDP ebenso antihuman braun über Flüchtlinge denkt wie CSU und AfD.
In „freier Abstimmung“ hätten FDP, CSU, CSU und AfD in allen bürgerrechtsfeindlichen und antisozialen Projekten eine Mehrheit.

Es bliebe als letzte Möglichkeit nur die Neuwahl – aber wie würde das wohl ausgehen mit einem völlig überforderten Tölpel als SPD-Vorsitzenden und einer Partei, die in den Groko-Verhandlungen soeben bewiesen hätte, daß sie nicht regierungsfähig ist?
Dann wäre die SPD bald einstellig.

Sonntag, 4. Februar 2018

Altern ist die einzige Möglichkeit länger zu leben.



Das wird noch Jahrzehnte dauern bis sich die Stadt Hamburg von den katastrophalen finanziellen Fehlentscheidungen der CDU-Regierung (2001-2011) erholt haben wird.
Ein einziges Desaster, das von dem im neoliberalen Wahn gefangenen CDU-Größen Beust und Peiner angerichtet wurde.
Im Zuge des Verkaufs des Landesbetriebs Krankenhäuser (LBK), galt für die CDU und deren neoliberalen Freunde in fast allen Wirtschaftsredaktionen die Prämisse „Kostenreduzierung.“
Der Gesundheitssektor wäre viel zu teuer, es müßten unter allen Umständen Personalkosten gespart werden. Das könnten aber nur private Betreiber erreichen.

Das ist eine a priori widersinnige Ansicht, da in der Sharholder-Value-Welt unablässig Geld aus den Betrieben herausgezogen wird, das als Ausschüttungen und Dividenden an die Aktionäre fließt.
Wie soll eine große Firma sparen, wenn sie Milliarden zusätzlich (an private Eigentümer) weggeben muss?
Hinzu kam natürlich die ethische Frage, ob man Gesundheit überhaupt zu einer Ware machen sollte. Ist es moralisch vertretbar einen Mann wie Bernd Broermann durch das Leid kranker Menschen zum Milliardär zu machen?

Die Prämisse der grundsätzlichen Notwendigkeit im Gesundheitssektor zu sparen wurde weit weniger hinterfragt.
Voller Entsetzen waberten immer nur die angeblich viel zu hohen Prozent-Zahlen der Gesundheitsindustrie am deutschen BIP durch die Presse.

[…..] Die Gesundheitsausgaben in Deutschland beliefen sich im Jahr 2015 auf 344,2 Milliarden Euro oder 4 213 Euro je Einwohner. Dies entspricht einem Anteil von 11,3 % des Bruttoinlandproduktes. Mehr als jeder neunte Euro wurde somit für Gesundheit ausgegeben. Im Vergleich zu 2014 stiegen die Gesundheitsausgaben um 15,0 Milliarden Euro oder 4,5 %. Damit nahmen die Gesundheitsausgaben das vierte Jahr in Folge stärker zu als das Bruttoinlandsprodukt. [….]

Der Staat sollte dafür sorgen Pharmareisen einzuhegen, so daß sie als Monopolisten nicht kranke Menschen nach Belieben schröpfen können.
Wieso gibt es diesen Schwachsinn mit Re-Importmedikamenten, daß man also eine Packung einer Pille mit dem gleichen Inhaltsstoff von dem gleichen Hersteller für die Hälfte bekommt, sofern sie vorher in Italien ausgeliefert wurde und dann zurück nach Deutschland geliefert wurde?

[….] Deutsche Verbraucher, die im Grenzgebiet zu Frankreich leben, sollten die Medikamentenpreise vergleichen. Für diejenigen, die etwa in Kehl in Baden-Württemberg leben, lohnt sich der kurze Weg über die Brücke, um in Frankreich eine Packung Viagra zu kaufen. In der Apotheke kostet das verschreibungspflichtige Medikament dort rund 100 Euro. In Deutschland dagegen rund 60 Euro mehr. Gleiches gilt für die Anti-Baby-Pille. Das Präparat Minidril kostet in Frankreich rund fünf Euro, in Deutschland dagegen über 30 Euro. [….]
(Berliner Morgenpost, 08.03.2016)

Grundsätzlich ist aber ein teures Gesundheitssystem mit einem hohen Anteil am BIP kein Übel. Im Gegenteil, das kann ein enorm wichtiger Wirtschaftsfaktor sein, sehr vielen Menschen gut bezahlte Jobs verschaffen und sogar massiv Kapital anlocken.
 Das zur Universität Hamburg gehörende Krankenhaus UKE, das daher nicht vom Beust-Senat verkauft werden konnte, verdient heute zum Vorteil aller Patienten und aller Studierenden sehr viel Geld, indem es sich gezielt um sehr reiche Russen und Scheichs bemüht.
Das UKE bietet auf vielen Gebieten die modernsten und besten Behandlungsmethoden weltweit an. Sonst würden chinesische Milliardäre im Privatjet nicht extra hierher fliegen.
Diesen hohen Standard, von dem letztlich alle Hamburger Patienten profitieren, erreicht man nicht, indem man das Krankenhaus vorher kaputtspart.

Als Sozialdemokrat ist mir nicht wirklich verständlich weshalb der medizinische Direktor schon als Grundgehalt mehr als das Doppelte von Angela Merkel bekommt, aber abgesehen von diesen Einzelfällen wäre ich sofort dafür zu haben allen Pflege-, Reinigungs-, Labor- und Küchenkräften die Gehälter zu verdoppeln.
Hohe Gehälter machen diese Jobs attraktiv und sind gesamtwirtschaftlich betrachtet nicht verschwendet, weil die gemeine Krankenschwester nicht ihre Millionen in Steueroasen auf Panama parken wird, sondern das Geld mutmaßlich in Deutschland wieder ausgibt, dort also die Nachfrage ankurbelt und wiederum Arbeitsplätze schafft.

Hohe Grundgehälter im Pflegebereich sind ökonomisch hochvernünftig und moralisch ohnehin geboten.
Denn was sagt es über uns als Gesellschaft aus, wenn wir Altenpfleger oder Krankenschwestern grundsätzlich als minderwertig betrachten, so daß sie mit so wenig Gehalt auszukommen haben, daß sie sich jedenfalls nicht eine Wohnung im 5-km-Umkreis des UKE leisten können?

Gesundheitsminister Gröhe, der konservative Jurist hat in dieser Angelegenheit genauso versagt wie seine Vorgänger von der FDP.
Gewinne, Gewinne, Gewinne sollten nur Pharmaindustrie, Krankenhausbetreiber und die Hersteller von Medizinprodukten machen.
Nicht aber die vielen Menschen, die im Pflegebereich arbeiten.

Folgt man den bisherigen Presseberichten zu den Groko-Verhandlungen, scheinen CDU, CSU und SPD dabei auch weiterhin katastrophal moralisch zu versagen.
Es werden pauschal 8.000 neue Stellen in der Pflege versprochen, aber diese sind ausdrücklich als „medizinische Behandlungspflege“ bezeichnet. Das bedeutet, die Krankenkassen und nicht der Staat haben zu bezahlen.
Nicht bedacht wird die Frage woher diese 8.000 Menschen eigentlich kommen sollen. Viele Häuser und ambulante Pflegedienste suchen händeringend nach Pflegekräften.
Aber wer macht den Job, wenn man dafür wie in der Hamburger Innenstadt bei ambulanten Diensten für maximalen Stress und Arbeit rund um die Uhr inklusive aller Sonn- und Feiertage 1.000 Euro im Monat verdient?

[….]  
Zehn­tau­sen­de Men­schen lei­den in Deutsch­lands Hei­men un­ter man­gel­haf­ter Für­sor­ge, un­ter schlecht ver­sorg­ten Wun­den, feh­len­der Hil­fe beim Es­sen. Die Qua­li­tät der Pfle­ge hat sich in den ver­gan­ge­nen Jah­ren ver­schlech­tert, wie ein of­fi­zi­el­ler Prüf­be­richt nun fest­stellt. Umso fas­sungs­lo­ser macht der Kom­pro­miss für die Pfle­ge, den Uni­on und SPD in die­ser Wo­che aus­ge­han­delt ha­ben. Nicht etwa weil er so mi­ni­mal aus­ge­fal­len ist: 8000 zu­sätz­li­che Stel­len soll es ge­ben, macht um­ge­rech­net kaum mehr als eine hal­be Fach­kraft pro Heim, dazu ein paar wol­ki­ge Ver­spre­chen für hö­he­re Löh­ne. Nein, die Plä­ne ma­chen fas­sungs­los, weil sie ma­xi­mal un­ehr­lich sind. Die Ko­ali­tio­nä­re drü­cken sich um die ein­fa­che Wahr­heit her­um, dass gute Pfle­ge nun ein­mal kos­tet.
[….] Doch Pfle­ge ist ein Teil­kas­ko­sys­tem. Stei­gen die Ar­beits­kos­ten, müs­sen die Pfle­ge­be­dürf­ti­gen über Zu­zah­lun­gen die Ze­che über­neh­men – bei wach­sen­der Al­ters­ar­mut wäre das un­trag­bar. Da­her braucht es die ehr­li­che De­bat­te dar­über, was die Ge­sell­schaft für ihre Müt­ter und Vä­ter zu zah­len be­reit ist. Ob sie die Pfle­ge für eine ge­mein­schaft­li­che Auf­ga­be hält und Steu­er­mit­tel be­reit­stellt. Oder ob sie es ak­zep­tiert, not­falls hö­he­re Bei­trä­ge auf ihre Löh­ne zu zah­len.
In an­de­ren So­zi­al­kas­sen hat die Ko­ali­ti­on kei­ne Angst vor teu­ren Pro­jek­ten. Mehr als drei Mil­li­ar­den Euro wird der neue Müt­ter­ren­ten­zu­schlag kos­ten, ein Lieb­lings­pro­jekt der CSU. Je­der Euro wäre in der Al­ten­pfle­ge bes­ser an­ge­legt. [….]
(DER SPIEGEL, 02.02.2018, s. 59)

Ganz mies verhandelt, Herr Schulz und Frau Nahles.
Es hätte grundsätzlich gewaltige Gehaltszulagen für Pflegeberufe aus der Bundeskasse geben müssen.
Abgesehen davon, daß im Moment wirklich das Geld da ist, würden von hohen Gehältern alle profitieren.
Das Ansehen der Berufe, die Nachwuchswerbung, die Patienten und natürlich die Pfleger selbst.

Die andere Alternative ist das Modell Indien.

Ein befreundeter pensionierter Dermatologe war in den letzten Jahren mehrmals im indischen Chittapur, um dort ehrenamtlich Kinder zu behandeln.

[….] Chittapur liegt im Staate Karnataka, einer der ärmsten Gegenden Zentralindiens.
Da der Ort mit ca. 30000 Einwohnern bis dahin über keine zahnärztliche Versorgung verfügte, gründete Dr. Michael Ohm 1998 auf dem Gelände eines katholischen Nonnenklosters eine kleine Zahnstation, in der er regelmässig 2x im Jahr arbeitet. Während seiner Abwesenheit wird die Station von einer indischen Zahnärztin geleitet.
Um auch Kindern aus den ärmsten Familien des Ortes eine Lebensperspektive zu geben, gründete Dr. Ohm zusammen mit Freunden die Kinderhilfe Chittapur e.V..
Diese Einrichtung wird von Sponsoren getragen, die bereit sind, für einen monatlichen Betrag von 20,- Euro ein Patenkind zu betreuen.
Inzwischen erhalten knapp 400 Kinder eine Schulausbildung, Bekleidung, ärztliche und zahnärztliche Versorgung, sowie regelmässige Mahlzeiten. [….]

Wochenlang behandelte er dort mit einem Hamburger Kieferchirurgen Kinder, die wegen ihrer Gaumenspalten ausgesetzt wurden, sowie Kinder und Senioren mit schweren Verbrennungen.
Auch im 21. Jahrhundert sperren nämlich indische Männer mit finanziellen Sorgen ihre Kinder und Eltern in einen Schuppen, den sie dann anzünden.

In Indien, dem Land, in dem früher beim Tod eines Mannes seine Witwe gleich mitverbrannt wurde, gibt es ohnehin nur sehr rudimentär ausgebildete soziale Verantwortung.
Lächerliche 1,6% aller Inder über 60 Jahre erhalten Rente.
Alte müssen also ihren Kindern auf der Tasche sitzen. Pflege- und Altenheime gibt es so gut wie gar nicht, der Pflegeberuf ist kaum entwickelt und nur der untersten Kaste zuzumuten.
Stattdessen setzt man seine Eltern und Schwiegereltern als unnütze Esser einfach auf der Straße aus.
Frauen, für die schon bei der Geburt gilt „Töchter zu bekommen, ist wie Nachbars Garten zu wässern“, gelten im Alter als besonders unnütz.
Sie bekommen vielfach einfach einen Tritt in den Hintern und müssen sich dann als Bettlerinnen auf der Straße hausen.
Wenige „Glückliche“ landen in von internationalen Hilfsorganisationen betriebenen Heimen.
Eine sehr kostengünstige Methode, liebe Großkoalitionäre.
So befördert man das neoliberal erwünschte „sozialverträgliche Frühableben“, schont Renten- und Pflegekassen.

[….] 120 Millionen Inder sind inzwischen 60 oder älter. Bis zum Jahr 2050 werden es 320 Millionen Menschen sein.
[….] Acht alte Frauen sitzen auf Plastikstühlen auf der Terrasse des Abhaya Sadan. Ihre farbenfrohen Saris strahlen in der Nachmittagssonne. Gleich ist es 15 Uhr. Gleich bekommen sie eine Tasse Tee, mit viel Milch. [….] Abhaya Sadan, das Haus ohne Angst, wie die deutsche Übersetzung für das indische Altenheim lautet, ist ein friedlicher Ort. Es liegt etwas außerhalb des südindischen Coimbatore im Bundesstaat Tamil Nadu. Die acht Frauen, die hier leben, die meisten von ihnen ohne Papiere, hatten Glück im Unglück. Keiner wollte sie mehr. Der einen brach die Schwiegertochter im Streit das Handgelenk, der eigene Sohn kümmerte sich nicht. Eine andere lebte nach dem Tod ihres Mannes allein in Armut, die drei Kinder wollten nichts mehr von ihr wissen. Eine weitere wohnte mit ihrem Enkel zusammen. Als sie krank wurde, reichte das Geld nicht aus, um ihr zu helfen. Eine erzählt, ihr Mann habe sich vor Jahren eine neue Frau gesucht und den einzigen Sohn mitgenommen. Seitdem lebte sie allein. In Armut. Zurückgelassen. Alle acht Frauen waren in der einen oder anderen Form ihren Familien zur Last geworden. Und wer zur Last wird, nicht mehr funktioniert und nicht mehr arbeiten kann, der steht allein da.
"Wenn du alt bist, sollst du sterben, lautet die gängige Denkweise vieler Inder" [….]
 Schon heute müssen auf dem Land 66 Prozent aller Männer und 28 Prozent aller Frauen bis ins hohe Alter hinein arbeiten, um zu überleben. [….] Viele alte Menschen werden wie die acht Frauen im Abhaya Sadan im häuslichen Umfeld missbraucht. Sei es durch Worte oder durch Schläge, hat Help Age India durch Umfragen herausgefunden. "Zehn Prozent der Alten sind depressiv", sagt Cherian. Altersheime wie das Abhaya Sadan sind eine Seltenheit. Derzeit sind lediglich 214 000 Menschen in Heimen untergebracht. Da die meisten davon auf Spenden angewiesen sind und nur begrenzte finanzielle Mittel haben, sind die Möglichkeiten in den Heimen eingeschränkt. Hospize für sterbende alte Menschen sind eine Rarität, sagt Father Thomas. [….]
Altern in Indien hat viele Gesichter. Auch bei den wohlhabenden Indern ist es kein würdevoller letzter Lebensabschnitt, so erscheint es. [….]
An nur vier Universitäten in ganz Indien wird Geriatrie gelehrt. Pro Jahr absolvieren acht Ärzte die Weiterbildung zum Facharzt für Geriatrie. An die 100 Fachärzte für Innere Medizin durchlaufen ein einjähriges geriatrisches Training. [….]
Das Problem des Fachkräftemangels zieht sich durch alle Bereiche der Altenversorgung in Indien, es fehlt an Personal in Altenheimen, in den wenigen Hospizen wie denen von Father Thomas und auch in der ambulanten Pflege. Mohanraj Raj betreibt in Mangalore einen privaten ambulanten Pflegedienst. Derzeit betreuen er und sein Team 50 Haushalte, Menschen also, die sich durchaus eine Pflegekraft leisten können. "Es ist für uns allerdings extrem schwierig, überhaupt Personal für die Altenpflege zu finden", sagt Raj. Bis an die äußersten Grenzen des Karnatakas muss er fahren, dorthin, wo die Arbeitslosigkeit besonders hoch ist, um überhaupt Frauen zu finden, die sich um andere kümmern wollen. Viele lehnten es ab, sagt Raj, andere Menschen zu waschen und sie zu betreuen. [….]
 Häufig gäben die Familien der Pflegekraft nichts zu essen oder ließen sie viele andere, über die Pflege hinausgehende Arbeiten mitmachen und behandelten sie schlecht. [….]

Hurra, als 60+Inder kann man Inuit-Geronten nur beneiden.
 Wenn diese von ihren Kindern auf einer Eisscholle ausgesetzt werden, können sie sich wenigstens ausziehen und/oder ins Wasser gleiten. Bei den Temperaturen kommt der Tod dann relativ schnell.
In Indien ist hingegen langsames Verhungern die wahrscheinlichste Option.
Das dauert…

Samstag, 3. Februar 2018

Wieder ohne Not der Kirche nachgekrochen.



Es gibt christliche Feiertage, die ich nur am Fehlen der „Süddeutschen Zeitung“ morgens auf meiner Fußmatte bemerke.
Der Zeitungsausträger war da, wie die anderen abonnierten Blätter vor meiner Tür zeigen, aber ausgerechnet meine Lieblingszeitung ist nicht dabei?
Offensichtlich wieder einer dieser bayerischen Sondertage, die im richtigen Deutschland niemand kennt.

[….] Niedersachsen und Bremen gehören mit Hamburg, Berlin und Schleswig-Holstein zu den Ländern mit nur neun Feiertagen. Bayern hat hingegen 13 Feiertage, Baden-Württemberg 12. […..]

Nun wollen die Nordländer NdS, SH, HB und HH auf Initiative Daniel Günthers, des äußerst frommen CDU-Ministerpräsidenten in Kiel und des Hamburger Oppositions-Führers André Trepoll nachlegen.
Die ostdeutschen Bundesländer hatten sich schon vor längerer Zeit einen zusätzlichen Feiertag selbst genehmigt.

[….] Normalerweise ist der Reformationstag zur Erinnerung an den Thesenanschlag von Martin Luther 1517 an der Schlosskirche zu Wittenberg nur in fünf Bundesländern gesetzlicher Feiertag – in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. […..]

Nach den offiziellen Zahlen von 2015 sind in Bremen etwa 50% der Bürger konfessionslos, in Hamburg gehörten sogar 62% keiner Religionsgemeinschaft an. In den Nordwestdeutschen Flächenländern bringt es die EKD ebenfalls nur noch auf relative Mehrheiten. 46% der Niedersachsen und 48% der Schleswig-Holsteiner sind offiziell Protestanten. Regelmäßige Kirchgänger sind davon etwa 6%.

Wir Konfessionsfreien sind schon seit einigen Jahren die relativ größte Gruppe in Gesamtdeutschland, da beide Kirchen zusammen jedes Jahr um die 400.000 Mitglieder verlieren.


Herr Günther ist strenggläubig, aber für mich bleibt unverständlich weshalb auch die Bürgermeister Sieling und Scholz bei der Wahl eines Feiertages wieder einmal die Mehrheit der Bürger ignorieren.

Kirche ist ekelhaft. Wieso wird das nicht erkannt?

Ist es nicht offensichtlich, daß 99% der Nazis Christen waren? Daß in den Kirchen für Hitler gebetet wurde, daß Kirchen Waffen segnen, daß Militärbischöfe noch heute Soldaten auf den Krieg einstimmen, daß Luther der Stammvater aller protestantischen Antisemiten ist, daß sich gerade die "C"-Parteien immer mit ausländerfeindlichen Parolen ins Gespräch bringen, daß christlich erzogene Jugendliche mehr Vorurteile haben und weniger teilen, daß Christen weit überdurchschnittlich Prügelstrafe, Folter und Militäreinsätze befürworten, daß alle gesellschaftlichen Liberalisierungen wie Frauenwahlrecht oder das Verbot von Vergewaltigung in der Ehe gegen den erbitterten Widerstand der Kirchen erkämpft werden mußten, daß Kirchen die eifrigsten Unterstützer von faschistischen Mörderregimen in Südamerika waren, daß die katholische Kirche bis 1975 fest an der Seite der Franco-Diktatur stand, daß es die Kirchen sind, die massiv in Osteuropa und Russland gegen Schwule und Lesben hetzen, daß in christlichen Kinderheimen Hundertausende Kinder verprügelt, ausgebeutet und missbraucht wurden, daß deutsche Bistümer noch heute an den Börsen Geld mit Waffenproduzenten verdienen, daß Kardinal Woelki und Bischof Bohl als erstes von Ausweisungen sprachen, daß die evangelische Kirche in Sachsen Pegida in Schutz nimmt, daß Petrys Ex-Ehemann Pfarrer ist. Daß Beatrix von Storch bibeltreue Christin ist. Daß Christen vier Kontinente kolonialisiert und ausgebeutet haben, daß Christen den Tod von 100 Millionen indigenen Menschen in Nord- und Südamerika anzettelten, daß die Päpste das bis heute als „glückliche Schuld“ schönreden, daß Kirchen die Welt mit Konfessionskriegen, Inquisition und Kreuzzügen überzogen haben, daß Religionen die Hautursache für Gewalt in der Geschichte der Menschheit sind.
Daß die katholische Kirche nach 1945 die KZ-Schlächter vor der alliierten Justiz in Sicherheit brachte, daß sich die Kirchen in Argentinien bemüßigt fühlte Adolf Eichmann zu beschützen, daß Papst Pius XII pauschal alle Angehörigen der Armee, die Auschwitz BEFREITE exkommunizierte, aber hingegen für Hitler nach seinem Tod noch ein Requiem veranstaltete, ihn bis heute nicht exkommunizierte.
Daß der Vatikan bis heute die UN-Menschenrechtskonvention nicht akzeptiert, daß Kirchen in Afrika für die Todesstrafe auf Homosexualität kämpfen, daß Kirchen den sexuellen Missbrauch von Kindern in der ganzen Welt vertuschten.

Nein, auch im Jahr 2017 sind „die Kirchen“ gut und Atheisten werden laufend als moralisch zweifelhaft dargestellt. (….)

Dabei gibt es schon jede Menge christlicher Feiertage – für die MINDERHEIT der Norddeutschen und gar keine säkularen Feiertage – für die MEHRHEIT der Norddeutschen.

[…..] Der Reformationstag am 31. Oktober soll auch in Schleswig-Holstein, Bremen, Hamburg und Niedersachsen ein freier Tag werden.
Diese Empfehlung gaben die Ministerpräsidenten der vier Länder auf einer Sondersitzung der Konferenz Norddeutschland (KND) am Donnerstag in Berlin ab, wie ein Sprecher des Hamburger Senats mitteilte. Nun müssen allerdings noch die Landesparlamente zustimmen.
"Mit der Verständigung auf den 31. Oktober sind wir auf dem Weg zu einem gemeinsamen zusätzlichen Feiertag in Norddeutschland einen wichtigen Schritt weitergekommen", sagte Bremens Bürgermeister Carsten Sieling (SPD). Ziel sei es, den Reformationstag schon in diesem Jahr als einen gemeinsamen neuen Feiertag zu begehen. […..]
(SPON, 01.02.2018)

Erstaunlich kräftig und eindeutig stemmt sich heute Mopo-Leitartikler Mathis Neuburger gegen diesen Plan. Er schlägt einen Volksentscheid vor, um das Datum eines neuen Feiertages festzulegen.

[….] Schon allein die Auswahl des Reformationstages zeigt von der Blase, in der unsere Politiker durch den Raum schweben. 500 Jahre Reformation sollten im vergangenen Jahr groß gefeiert werden, angefeuert von einer beispiellosen Werbe-Show der evangelischen Kirche, unterstützt von unseren Politikern mit großen Reden [und zig Millionen Steuergeldern! – T.] und einem freien Tag für alle. Nur: Der Funke sprang nicht über, dem gemeinen Volk was das abgehobene Brimborium herzlich wurscht, die Beteiligung bei den zig Veranstaltungen ließ arg zu wünschen übrig. Als Folge jetzt ausgerechnet diesen Tag par ordre die Mufti zum Dauerfeiertag zu machen, ist also mehr als zweifelhaft. [….]
(MOPO, 03.02.18)

Und dabei hat Herr Neuburger noch nicht mal erwähnt, daß Luther neben Hitler zu einem der übelsten Antisemiten der deutschen Geschichte gehört und somit generell als Feiertags-Anlass ausscheidet. Hitlers Inspiration mit einem neuen Feiertag ehren?

«Luther war ein Riese, er sah den Juden, wie wir ihn erst heute zu sehen beginnen.» So beschreibt Adolf Hitler sein Idol, den evangelischen Reformator Martin Luther, in einem Gespräch mit seinem Mentor Dietrich Eckart. So immens war Hitlers Bewunderung für Luther, dass die Nazis Luthers zahlreiche Dekrete gegen die Juden mit deutscher Gründlichkeit, rückhaltloser Unterstützung der christlichen Kirchen und der tatkräftigen Hilfe gütiger Christenmenschen umsetzten. «Ich tue nur, was die Kirche seit fünfzehnhundert Jahren tut, allerdings gründlicher» («Mein Kampf»).

Daß der Katholik Adolf Hitler den Ur-Protestanten Martin Luther so grenzenlos bewunderte liegt nicht nur an der offensichtlichen Ursache, Luthers fanatischem und eliminatorischem Antisemitismus.

Darüber hinaus zeigte Luther „dem Führer“ beispielhaft, wie man Rücksichtslosigkeit und Destruktion mit nie dagewesener Radikalität praktizierte.

Luther. Ein widerlicher Geselle, ein Verbrecher an der Menschheit. Den haben wir noch nicht richtig aufgearbeitet. Wir gehen mit Luther um, als sei er ein „Heiliger“ der evangelischen Kirche. Er war aber ein für die damalige Zeit untypisch aggressiver Antisemit, Frauen verachtend bis ins Mark und vom Denken her völlig mittelalterlich. Teufel war sein Lieblingswort. Die Gesellschaft war sehr viel weiter.

Hitler lernte von Luther wie man jedes Maß-Halten hinter sich läßt und Bösartigkeit in einer ganz neuen Größenordnung praktiziert.

Martin Luther verfasste schon im frühen 16. Jahrhundert detaillierte Pläne zur „Endlösung der Judenfrage“.

Hitler besaß endlich die technischen und politischen Mittel Luthers genozidale Vision umzusetzen. (….)
(Hitlers Inspiration, 10. Juni 2016)

Mir persönlich sind Feiertage herzlich egal, weil die als kollektive Veranstaltungen funktionieren.

Es ist angesichts des süddeutschen Feiertagsübergewichts aber nicht abwegig, wenn Sieling, Weil, Günther und Scholz ihren Wählern zu Gefallen ebenfalls an weitere freie Tage denken.

Aber sie sollten dabei lieber den Vorschlägen Neuburgers, 23.05. oder 14.07., folgen.

Beides hätte Charme.
Der Tag der Unterzeichnung des GG insbesondere deswegen, weil es auf ewig daran erinnert, daß die CSU 1946 als einzige Partei neben der KPD gegen die deutsche Verfassung stimmte.
Der Tag der Erstürmung der Bastille wäre ein echter „Volksfeiertag“ und zudem eine große Geste an die Franzosen, mit denen wir zukünftig zusammen feiern könnten.

Noch besser wäre ein ausdrücklich säkularer Tag.

[…..] Christi Himmelfahrt soll künftig Evolutionstag heißen! Das ist das Ziel einer Kampagne, die die Giordano Bruno Stiftung am Aschermittwoch startete. Das Darwin-Jahr 2009 biete einen hervorragenden Anlass, um den enormen Erkenntnisgewinn durch die Evolutionstheorie gesellschaftlich stärker zu verankern, erklärte gbs-Sprecher Michael Schmidt-Salomon am Stiftungssitz in Mastershausen.
Eine gute Möglichkeit hierfür sei die Einrichtung eines offiziellen Feiertags: „Am Evolutionstag sollte gefeiert werden, dass wir endlich den kindlichen Narzissmus überwunden haben, der uns dazu verleitete, unsere Art als 'Krone der Schöpfung’ zu betrachten.“
(mein gegenwärtiges FB-Profilbild)
 Da nicht zu erwarten sei, dass die gesetzgebenden Länder den „Evolutionstag“ als zusätzlichen Feiertag einführen werden, biete sich die offizielle Umbenennung eines bereits bestehenden christlichen Feiertags an, heißt es in dem von Schmidt-Salomon verfassten Petitionstext. Der hierfür am besten geeignete Kandidat sei „Christi Himmelfahrt“, einer der neun bundeseinheitlich geltenden Feiertage. Christi Himmelfahrt empfehle sich schon allein deshalb, weil viele Familien an dem Tag Ausflüge in die Natur unternehmen würden. „Angemessener kann ein 'Evolutionstag’ kaum begangen werden!“, sagte der gbs-Sprecher, der mit dem kürzlich erschienenen Kinderbuch „Susi Neunmalklug erklärt die Evolution“ einen der provokantesten Beiträge zum Darwin-Jahr vorgelegt hat.
Für die Umbenennung von Christi Himmelfahrt in Evolutionstag spreche, so Schmidt-Salomon, dass die Mehrheit der in Deutschland lebenden Christen nicht mehr „an das Dogma der leiblichen Auffahrt Jesu in den Himmel“ glaube. Außerdem müsse endlich auch das konfessionsfreie Drittel der Gesellschaft berücksichtigt werden, dem aus Fairnessgründen ein Drittel der gesetzlichen Feiertage zustehe. „Davon sind wir noch meilenweit entfernt!“, kritisierte Schmidt-Salomon. „Die Umbenennung von Christi Himmelfahrt in Evolutionstag wäre ein erstes Anzeichen dafür, dass dieser Staat in seiner Feierkultur nicht nur gläubige Christen respektiert, sondern auch die vielen Millionen Bundesbürger, die eine dezidiert säkulare Weltsicht vertreten.“
Die Petition zur Umbenennung von Christi Himmelfahrt in Evolutionstag kann auf dem Internetportal zum Darwin-Jahr (www.darwin-jahr.de/e-day) unterzeichnet werden. Zur Unterstützung der Kampagne hat die Giordano Bruno Stiftung heute Charles Darwin persönlich in den Ring geschickt. In dem u.a. auf YouTube veröffentlichten Musikvideo „Children of Evolution“ erklärt der Jubilar in fröhlicher Rockstarpose, warum es keine Schande ist, ein „nackter Affe“ zu sein. [….]