Donnerstag, 14. Juli 2016

Polit-Auguren.



Der arme Chris Christie.
Nun hat er sich bis zum totalen Würdeverlust für Trump verbogen und erniedrigt, sich als billige Hilfskraft zum Kaffee-holen missbrauchen lassen und wird doch kein VP-candidate.
So wie es aussieht wird Mike Pence, Gouverneur des Bundesstaats Indiana, Trumps Vizepräsidentschaftskandidat.
Der VP-pick ist alles andere als unwichtig.
Mit einem Griff ins Klo, wie ihn John McCain 2008 hinlegte, kann man sich die Präsidentschaft abschminken.
Üblicherweise soll ein VP natürlich Zustimmung bei den Wählergruppen und den Bundesstaaten generieren, wo der Kandidat schwächelt.
Joe Biden war perfekt – alt, weiß, erfahren – so deckte er all das ab, was der junge, schwarze Kandidat Obama 2008 nicht hatte.
Ihm traute jeder zu im Zweifelsfall „sofort übernehmen“ zu können und andererseits hatte er nicht so einen brennenden Ehrgeiz, daß er seinem eigenen Präsidenten schaden würde.
Paul Ryan, mächtigster Republikaner, erklärte vorgestern im CNN-Townhall-meeting ob Jake Tappers bohrender Fragen, Trumps Vize müsse konservativ sein.
Konservativ, konservativ, konservativ.
Ganz klar, die GOPer fürchten sich vor Trumps Sprunghaftigkeit. Wird er sich wirklich hasserfüllt gegen Schwule und brutal gegen Schwangere einsetzen?
Die fanatische Ideologie eines Ted Cruz kann Trump bisher nicht nachweisen.

Mike Pence, 57, seit 2013 Gouverneur ist sicher konservativ genug für die GOP.
Vehement tritt er für Folter, militärische Abenteuer und Guantanamo ein.
Als ehemaliger Radio-host gehört er Sarah Palins Tea Party an und vertritt ultrakonservative „Familienwerte“.
Wie üblich sind Pence‘ „Family values“ ein Euphemismus für blanken Hass und Diskriminierungen.
LGBTI sind für ihn bloß Kranke, die in christlichen Konversionstherapien „geheilt“ werden könnten. Natürlich stritt Pence stets gegen „gay marriage“ und die Aufnahme von Schwulen in die Army.

[…]
• Congress should oppose any effort to put gay and lesbian relationships on an equal legal status with heterosexual marriage.
• Congress should oppose any effort to recognize homosexual’s as a "discreet and insular minority" entitled to the protection of anti-discrimination laws similar to those extended to women and ethnic minorities.
• Congress should support the reauthorization of the Ryan White Care Act only after completion of an audit to ensure that federal dollars were no longer being given to organizations that celebrate and encourage the types of behaviors that facilitate the spreading of the HIV virus. Resources should be directed toward those institutions which provide assistance to those seeking to change their sexual behavior.
[…]

[…] Pence is under intense scrutiny since last week, when he signed the "religious freedom" law. Critics say the bill aims to legalize discrimination against same-sex couples, and a number of businesses and governments have since announced economic boycotts of the state. […]

Die hetzerischen Ansichten des mutmaßlichen Trump-VPs ließen sich lange fortsetzen.
So einen Mann wünschen sich die Teebeutler im Weißen Haus.

Ich bin aber auch zufrieden mit der Personalie.
Nachdem ich gestern längere Diskussionen verschiedener Polit-Experten auf CNN lauschte, habe ich Hoffnungen, daß Pence Trumps abschreckendes Potential noch verstärken könnte.
Bis heute waren Gingrich, Pence und Christie in der engeren Wahl.
Profi-Politauguren tippten auch Gingrich oder Christie. Pence schied aus, weil er nicht „primetime-tauglich“ wäre.
Ähnlich wie 2008 Frau Palin könne man ihn nicht ins „national TV“ stellen, weil er sich dann um Kopf und Kragen rede.
Zu abstrus seine Bildungslücken und sein christlicher Fanatismus.

Die alten Regeln, nach denen man nicht coram publico wie gedruckt lügen darf, wenn man Präsident werden will, gelten zwar nicht mehr seit Trump ausschließlich im fact-free room agiert, aber ich bezweifele, daß es der GOP nützt neben den Clown auch noch einen Deppen aus Podest zu heben.
Es ist offensichtlich, daß Pence genau die Anforderungen an den Veep, die bis gestern erhoben wurden, gerade nicht erfüllt.

Nach allgemeiner Expertenansicht sind noch drei, vier Männer in der engeren Auswahl, allesamt altgediente Politiker mit Regierungserfahrung. Sie, so die Logik, könnten Trumps mangelhafte Kenntnisse des Regierungsbetriebs etwas ausbalancieren.
[…] Sollte er danach aus irgendeinem Grund amtsunfähig werden, rückt der Vize auf. Dann wäre es schon gut, wenn der kein kompletter Hallodri ist. […]

Trumps Fans sind zwar begeistert, daß ihr Idol sich gerade nicht an den bisherigen Regeln orientiert, aber ob das die unentschlossenen Wähler der Swing-States auch so sehen, bezweifele ich.
Noch.
Ich kann in den USA politische Worst-Case-Szenarien natürlich nie mehr ausschließen.

Mittwoch, 13. Juli 2016

Es soll halt nicht sein.



Vielleicht hat es der ein oder andere schon gelegentlich anhand meiner zarten Andeutungen zwischen den Zeilen erahnt: Ich bin gar nicht religiös. Kirchenmitglied bin ich auch nicht.

Gläubige haben mich schon gefragt, ob ich eigentlich persönlich schlechte Erfahrungen gemacht hätte.
Nein, ich bin kein Opfer. Das wurde bereits eine Generation zuvor erledigt.
Mein Vater wuchs katholisch auf. Mein Opa starb, als mein Vater sieben Jahre alt war. Daraufhin mußte meine Oma arbeiten, den Lebensunterhalt verdienen und die Priester achtete auch das Gedeihen ihrer kleinen Kinder.
Offensichtlich traute man damals Witwen nicht zu, Kinder „zu erziehen“ - das Wort „Alleinerziehende“ war vermutlich noch nicht erfunden.
Die Fürsorge des Pfarrers bestand in Prügeln, seelischen Misshandlungen und einem geradezu manischen Interesse an Masturbation. Lange bevor mein Vater wußte was das eigentlich ist, mußte er sich in der Beichte darüber ausfragen lassen.
An seinem 18. Geburtstag trat er aus der Kirche aus und war zeitlebens Atheist.
Das war eine eigenartige Übereinstimmung mit meiner Mutter, die auf einem anderen Kontinent in einer anderen Konfession aufwuchs und ebenfalls an ihrem 18. Geburtstag aus der Kirche austrat.
Sie glaubte damals allerdings schlicht nicht an Gott, während mein Vater durch ein langes Kindheits-Martyrium regelrecht aus der Kirche getrieben wurde.

In der Folge der Lebensgeschichten meiner Eltern wuchs ich natürlich konfessionslos auf und bin ihnen dankbar, daß ich nie getauft wurde, also nie in irgendeinem Kirchenbuch auftauchte.
Als Kind kam ich nach Deutschland. Wir zogen zu meiner Oma, die ebenfalls nicht besonders religiös war. Es wurde nicht gebetet, nicht in der Bibel gelesen, nicht in die Kirche gegangen.
Allerdings waren meine Großeltern, beide im 19. Jahrhundert geboren, Kirchenmitglieder.
Das gehörte sich damals so und bei besonderen Anlässen; Hochzeiten oder Beerdigungen; ging man in die Kirche.
Meine Oma erklärte mir, als ich ein kleines Kind war, daß sie durchaus an Gott glaube, sich aber nur bei wirklich existenziellen Fragen und riesigen Problemen an ihn wendete. Man könne nicht mit jeder Kleinigkeit zu Gott laufen und von ihm erwarten die Dinge zu regeln, während man abwartete.
Oma, die als Erwachsene zwei Weltkriege durchlebt hatte, die erlebte wie die Heimat komplett zerstört wurde, die Kinder im Krieg verloren hatte und Hunger kannte, wußte im Übrigen was „echte Probleme“ sind.

Meine Großeltern fühlten sich ihrer Gemeinde aber so verpflichtet, daß sie der Kirche die Kanzel stifteten. Opa war damals Unternehmer und hatte ein sehr soziales Gewissen. Er freute sich, wenn er für die Nachbarn und Kollegen etwas tun konnte, auch wenn Oma die Suppe mit Wasser strecken mußte.

Daß in der Kirche um die Ecke eine Kanzel mit unserem Familiennamen drauf steht, erfuhr ich um 1980 herum.
Ich war nie bei einem Gottesdienst gewesen, aber meine Mitschüler waren auf einmal alle bei diesem geheimnisvollen „Konfer“.
Da gingen sie nachmittags hin und am Ende des Jahres bekam man einen Anzug, schicke neue Schuhe und jede Menge Geld.
Man sprach begeistert davon, was man sich alles mit seinen zukünftigen „Konfer“-Reichtümern kaufen könne.
 Fahrräder, Spiele, Rollschuhe – sogar an Ponys oder Mofas wurde gedacht.
Was hatte es bloß mit diesem „Konfer“ auf sich?
Irgendwas mit Kirche, aber was eigentlich?
Unter einer „feierlichen Segenshandlung der evangelischen Kirchen, die den Übertritt ins kirchliche Erwachsenenalter markiert“ konnte ich mir wirklich gar nichts vorstellen.
Ich fragte meine Mutter, ob ich auch zum Konfirmationsunterricht gehen könne.
Sie war wie vom Donner gerührt, freute sich aber auch, daß ich mich aus eigenem Antrieb dafür interessierte und versprach mich beim Pastor anzumelden.
Sie schärfte mir allerdings ein, mich nicht wegen des Geldes konfirmieren zu lassen und versprach, ich bekäme am Ende der Unterrichtszeit auch Geschenke, wenn ich mich gegen die Kirche entschiede.
Deal.
Die Kirchenleitung willigte ein auch ungetaufte Kinder zu unterrichten; die Taufe könne dann bei der Konfirmation nachgeholt werden.
Umso besser. Im Gegensatz zu den anderen Kindern, die zwangsgetauft wurden, könnte ich mich also selbst entscheiden und den Schritt bewußt gehen.

So kam ich in die kleine Luther-Kirche „Up de Worth“, die am 1. Advent 1937 mit der von meinen Großeltern gestifteten Kanzel eingeweiht wurde.
Es ist ein kleines, rustikales, gepflegtes Gebäude aus Hamburger Backsteinen mit Fachwerkfassaden, auch „Kaffeemühle“ genannt.


Heute ist die Kirche wie so viele Evangelische weiblich. Frau Pastorin Tröstler und Pastorin Zanda Ohff werden im Gemeindebüro von Doris Rebentisch und Carolin Waschkeit unterstützt. Die Jugendarbeit leitet Diplom-Theologin Anja Pasche.
Zu meiner Zeit war der Chef natürlich ein Mann, Pastor M.
Er selbst habe aber keine Zeit sich um Kinder  zu kümmern.
Den Konfirmandenunterricht führte ein Gemeindehelfer im Nebengebäude durch.
In der Kirche hätten wir nichts zu suchen.
Ich wollte wissen was es mit der Bibel und dem Glauben auf sich hatte, konnte mir aber kein Gehör verschaffen, weil allen anderen Konfirmanden schon ab der ersten Stunde ausschließliche diskutierten wie sie ihre zukünftigen Reichtümer, die es zur Konfirmation hageln würde, zu verprassen gedächten.
Der Lehrer war desinteressiert, die Schüler waren desinteressiert.
Der einzige, der sich tatsächlich für die Kirche und ihre Bedeutung interessierte war ich.
Und ich fragte.
Das gefiel dem Gemeindehelfer gar nicht. Ich solle an Gott glauben und ihn nicht hinterfragen.
Einige Wochen später erhielt meine Mutter einen Anruf von Pfarrer M. Ihr Sohn sei für den Konfirmandenunterricht ungeeignet, weil er alles hinterfrage.
So schnell kam also das „Aus“ für meine Kirchenkarriere.
Immerhin hatte der Pastor damals eine richtige Eingebung.
Ich tauge wirklich nicht dazu blind Dogmen zu folgen.

Nur wenige Jahre später sah ich Pastor M. wieder. Meine Oma war gestorben und er besuchte uns anschließend, um zu erfahren, was sie eigentlich für ein Mensch gewesen wäre. Schließlich sollte er die Trauerrede in der Kirche halten.
Tatsächlich fand die Trauerrede dann in der kleinen Wellingsbüttler Kirche unter der von ihr gestifteten Kanzlei statt.
Ich war am Boden zerstört und weinte bitterlich.
Pastor M. war sauer, weil seine Rede davon gestört wurde. So herrschte er währenddessen meine Mutter an, sie möge ihr Kind zur Raison bringen.


So erlebte ich es kurze Zeit später bei der Beerdigung meines Freundes wieder.
  Pfarrer hören sich gern selbst reden und reagieren aggressiv bei Störungen von weinenden Angehörigen.

Die meisten Jungs haben in der Grundschule einen besten Freund.
Meiner hieß Mark und a posteriori bin ich der Meinung, daß wir uns wirklich sehr gern mochten.
Ich jedenfalls wollte immer möglichst viel Zeit mit ihm verbringen.
Obwohl, oder vermutlich eher „weil“ wir so unterschiedlich waren, ergänzten wir uns perfekt.
Ich war 1 ½ Jahre jünger, aber besser in der Schule und der kontemplative Typ.
Er war mehr der klassische „Rabauke“, der sich immer selbstlos vor mich stellte, wenn irgendjemand gemein zu mir war.
Marks Elternhaus war…. nun ja, das würde zu persönlich werden.
De facto wohnte Mark teilweise bei mir.
Kurzfristig verloren wir uns etwas aus den Augen, nachdem ich mit neun Jahren die Schule wechselte.
Es würde mich brennend interessieren, was aus ihm geworden wäre - wenn er nicht mit 14 bei einem Verkehrsunfall gestorben wäre.

Am Tag der Beerdigung hatte ich eine prägende Erfahrung mit der Kirche.
Von der Bibel hatte ich schon im Konfirmandenunterricht gehört, aber den Kurs hatte ich bereits abgebrochen - trotz der Drohung des Pfarrers dann keine Geschenke zu bekommen.
Da meine Eltern aber beide schon lange aus der Kirche ausgetreten waren, schreckte mich das wenig.
Mark hingegen wollte sich unbedingt konfirmieren lassen - WEGEN der Geschenke. Ob er an Gott geglaubt hat, weiß ich nicht. Die Beerdigung war jedenfalls kirchlich.

Man setzte mich neben Marks Mutter, die nicht gerade überraschend die ganze Zeit heulte und immer wieder stammelte, daß ihr Sohn genauso groß wie ich wäre.
Dem Pfarrer, der bei seiner Rede soeben Marks tiefe Gläubigkeit anhand des Konfirmationsspruchs „bewiesen“ hatte, missfiel es außerordentlich gestört zu werden.
Daher herrschte er die weinende Mutter während der Trauerrede an, sie solle sich gefälligst zusammenreißen - schließlich bewiese der frühe Tod ihres Sohnes, daß Gott ihn besonders geliebt habe.

„Whom the gods love, die young“ - das ist ja das was man in der Situation am liebsten hört.

Im Jahr 2014 sah sich sogar Helmut Schmidt veranlasst auf der Trauerfeier des Hamburger Ehrenbürgers Siegfried Lenz, der sein enger Freund war, Partei für ihn zu ergreifen, nachdem Michel-Pastor Alexander Röder den Atheisten Lenz auf unverschämte Weise vereinnahmt hatte.

Die Beerdigung meiner Oma war das letzte mal, daß ich die Kleine Kirche in Welllingsbüttel betrat.
Ich wohne längst ganz woanders, aber im Abstand von 5 bis 10 Jahren fahre ich noch durch die Straße „Up de Worth“ und halte an der Kirche, weil ich mir die Kanzel gerne noch einmal ansehen möchte.

Es funktionierte nur nie, weil die Kirchentüren immer verschlossen sind.

Heute dann die Überraschung. Schon von weitem konnte ich von meinem Auto aus sehen, daß die Kirchentüren aufstanden, als ich nachmittags vorbei tuckerte.

Natürlich hielt ich an, atmete durch und ging auf Zehenspitzen in das Gebäude.
Nach den unangenehmen Erfahrungen gruselt es mich immer noch ein wenig.
In den vorderen Bänken spielten fünf, sechs Kinder, die von einigen Frauen mit Kostümen und Dekorationen versorgt wurden.
Offensichtlich plante man irgendeine Art „Event“ für das draußen mit einem großen Banner angekündigte Sommerfest.


Ich schlich zu einer der Damen, die ganz rechts damit beschäftigt war ein Plakat zu falten und fragte flüsternd, ob ich mich kurz umgucken und den Altar ansehen dürfe.
Das gehe nur wirklich nicht, herrschte sie mich an, „sehen sie denn nicht, daß wir hier gerade proben?“.

Und so flog ich, wieder einmal, aus der Wellingsbüttler Kirche.
Ich werde dort offensichtlich in jedem Lebensalter als Störung empfunden.
Für Gebete, Zwiesprache mit Gott oder Stille Andacht im Kirchenschiff hat man keine Chance „Up de Worth.“ Dort ist man wohlhabend und bleibt unter sich. Fragen unerwünscht.

Das verrückte an der Geschichte ist, daß ich schon viele Jahre vor meiner „Konfer-Erfahrung“ längst ohne es zu wissen mit der Kirchengemeinde in Kontakt gekommen war, weil ich wöchentlich das zugehörige Altersheim am Rabenhorst besuchte, Kuchen buk, das ganze Jahr Geld sammelte, weil ich mir vorgenommen hatte, daß nicht nur Kinder, sondern alle alten Leute ein Geschenk zu Weihnachten bekommen sollten.
Alte Menschen lebten im Altersheim, also war ich als kleines Gör eines Tages einfach mit dem Fahrrad dahin gefahren und hielt mich dort gern auf.
Natürlich wußte ich nicht, daß die Kirchengemeinde das Heim betrieb, hatte dort auch nie einen Pfarrer gesehen.

Wer etwas für seine Gemeinde tun will, sich sozial engagiert, der trete sofort aus der Kirche aus.
Kirchen geben um die fünf Prozent ihres Etats für soziale Zwecke aus. Wer also seine Mitgliedsbeiträge bezahlt (vulgo Kirchensteuer), verschwendet 95% davon.
Das sieht auch eine Mehrheit der Hamburger so. Inzwischen sind unter 28% Mitglieder der evangelischen Kirche.

Hamburg ist auf gutem Wege.

Glückwunsch, Kirche!
Das muß erst mal jemand nachmachen: Eine Organisation, die dermaßen vom Staat mit Geld zugeschissen und privilegiert wird, dennoch kontinuierlich zu schrumpfen, ist eine echte Leistung!
37.000 Menschen traten 2014 aus der Nordkirche aus.
Bitte weiter so.
2% der Hamburger Protestanten, entsprechend 0,5% aller Hamburger gehen sonntags in die Kirche. Und das in einem Bundesland, in dem ohnehin nur 27,9% Mitglied der evangelischen Kirchen sind.
Für meinen Geschmack sind einer von 200 immer noch viel zu viele Gottesdienstbesucher, aber auch wenn man es religionspolitisch neutral betrachtet, muß man sich schon fragen, woher die hanseatischen Kirchen die Chuzpe nehmen sonntagsmorgens mit ihrem grausam lauten Gebimmel die Stadt aufzuwecken, wenn 99,5% offensichtlich nicht geweckt werden wollen.





Dienstag, 12. Juli 2016

Zu viel des Schlechten



Daß Sahra Wagenknecht sich hat hinreißen lassen aus Angst vor der AfD ebenfalls alarmistisch nach einem Ende des Flüchtlingszuzuges zu rufen, werde ich ihr nicht verzeihen.
Ohne daß ich es belegen kann, vermute ich natürlich, daß sie die xenophoben Töne von ihrem katholischen Ehemann aufgegriffen hat.
Schon vor elf Jahren war er mit rechtspopulistischen Tönen aufgefallen.

Vor rund 1.500 Zuhörern hatte der frühere SPD-Vorsitzende gesagt, weil der Staat verpflichtet sei, seine Bürger zu schützen, müsse er verhindern, „daß Familienväter und Frauen arbeitslos werden, weil Fremdarbeiter zu niedrigen Löhnen ihnen die Arbeitsplätze wegnehmen“.
Der Begriff Fremdarbeiter stammt laut Brockhaus-Lexikon ursprünglich aus dem nationalsozialistischen Sprachgebrauch und steht für ausländische Zwangsarbeiter, die aus den besetzen Gebieten nach Deutschland deportiert worden waren.

Schon ganz schön widerlich in welche Richtung sich das Ehepaar Wagenknecht-Lafontaine entwickelt hat.

Das Lob der Rechtspopulisten hat gerade noch gefehlt. „Frau Wagenknecht hat die Situation sehr schön auf den Punkt gebracht“, findet AfD-Vize Alexander Gauland. „Wer freiwillig zu uns kommt, hat sich wie ein Gast zu benehmen. Möchte oder kann er das nicht, indem er gewalttätig und respektlos seinen Gastgebern gegenübertritt, dann muss er sofort Deutschland verlassen.“
Er freue sich darüber, so Gauland, „dass die Linke dies nun genauso wie die AfD sieht“.
Einen Tag vorher hatte Sahra Wagenknecht ganz anderes zu hören bekommen – aus ihrer eigenen Truppe. Mit Vehemenz und nahezu geschlossen stellte sich die Linksfraktion gegen ihre Vorsitzende.
Deren Äußerung nach den Silvesterübergriffen in Köln („Wer sein Gastrecht missbraucht, der hat sein Gastrecht eben auch verwirkt“) sei nicht hinnehmbar, donnerten die Abgeordneten. Weil das Recht auf Asyl nicht verwirkbar sei. Weil man als Linke Solidarität und Menschenrechte gefälligst nicht in Frage zu stellen habe. Und weil ja wohl auch keiner ernsthaft daran denken könne, syrische Flüchtlinge zurück in die Folterkeller des Assad-Regimes zu schicken.

Noch immer ist es Lafontaines grenzenloser Hass auf die SPD, der maßgeblich dafür verantwortlich ist, daß die CDU regiert und es nicht zu RRG kommen kann.

Hillary Clinton - Die vermutlich nächste Terroristin im Weißen Haus
Nach deutschem Recht ist diejenige eine Terroristin, die rechtswidrig Gewalt anwendet, um politische Ziele durchzusetzen. Das trifft auf Hillary Clinton, die auch „Killary“ genannt wird, in vollem Umfang zu.
[….] Um ihre imperialen Ziele durchzusetzen führen die USA rücksichtslos Krieg und morden weiter. Und Europa soll die Kriegs-Flüchtlinge aufnehmen. Wann verweigert Europa endlich dem zerstörerischen US-Imperialismus die Gefolgschaft und wahrt seine eigenen Interessen?

Es gibt wahrlich genügend Gründe Hillary Clinton zu kritisieren, aber in der realen Welt ist es natürlich so, daß keine Partei, die den Bundeskanzler und/oder Außenminister stellen will, mit jemand koalieren kann, der die (mutmaßlich zukünftige) Präsidentin der USA öffentlich als „Terroristin“ und Mörderin geißelt.

„Man kann nicht sonntags von Rot-Grün-Rot schwärmen und alltags den historischen Irrtum der Sozialfaschismusthese als saarländische Farce wiederaufführen“, sagte Trittin dem Handelsblatt. [….]

Was will Lafontaine damit erreichen Clinton so nieder zu machen?
Offenbar bevorzugt er also Trump als US-Präsidenten. Dieser pathologische Lügner, der „die Scheiße aus dem IS rausbomben“ will, sich brüstet noch viel grausamere Foltermethoden als Waterboarding einzusetzen?

Bei dem destruktiven Oskar hat es leider Tradition sich mich rechten Hetzern zusammen zu tun, um seinem privaten Rachedurst an der SPD zu frönen.

So heuerte er von 1999 bis 2006 für monatlich EUR 6.000,- bei der BILD-Zeitung an, um die rotgrüne Regierung zur Strecke zu bringen und Angela Merkel zur Kanzlerin zu machen.
Die BILD ist die Zeitung, die beispielsweise wahrheitswidrig von „den faulen Griechen“ schrieb und vehement Austeritätspolitik einforderte – „IHR GRIECHT NIX!“ – lautete eine ihrer Schlagzeilen.

Wagenknecht, immerhin Fraktionsvorsitzende ihrer Partei im Bundestag, tutet ins gleiche rechtspopulistische Horn.

Der EU warf [Sahra Wagenknecht] vor antidemokratisch und unsozial zu sein.
SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann konterte Wagenknechts Attacke auf die EU-Kommission umgehend mit scharfer Kritik. „Dass Sie eben von den Antidemokraten in Brüssel gesprochen haben, das ist, dass erstmals hier im Bundestag jemand den Sprachgebrauch der AfD eingeführt hat“, sagte er.
Scharfe Kritik kam auch von Frank Schwabe, einem der Sprecher der „Denkfabrik“ in der SPD-Bundestagsfraktion. Die „Denkfabrik“ lotet gemeinsam mit Politikern von Linkspartei und Grünen Möglichkeiten für ein rot-rot-grünes (kurz: R2G) Regierungsbündnis auf Bundesebene aus. „Solche Kraftmeierei von Lafontaine und Wagenknecht sind natürlich in der Sache unangemessen und sicher auch Störmanöver für Rot-Rot-Grün.

Lafontaine war bisher der Grund dafür, daß im Bund keine rot-rot-grüne Mehrheit zustande kam. Er schürt den Hass zwischen SPD und Linke so leidenschaftlich, daß niemals eine Kanzlermehrheit zusammen kommen konnte.
Es ist bedauerlich, daß Wagenknecht, immerhin Oppositionsführerin in Berlin, nach all den Jahren, in denen sie ihre Kompetenz bewies und zuletzt auch von Konservativen ernstgenommen wurde, im letzten Jahr das populistische Fach abgerutscht ist und als Marionette ihres schmollend im Saarland hockenden Ehemannes Furore macht.
So wird das jedenfalls nichts mit einer bundesweiten Mehrheit links der CDU.
Bei den drei Landtagswahlen am 13.03.2016, konnte man den Absturz der Linkspartei schon eindrucksvoll beobachten.