Donnerstag, 22. August 2013

Geistige Giganten des Konservatismus - Teil IX


Geistige Giganten des Konservatismus – Teil IX

Es mag meiner Staatsbürgerschaft geschuldet sein, daß ich bei den idiotischsten und groteskesten Konservativen immer an die USA denke.
 Aber die GOPer und Evangelikalen in Amerika bilden auch ein unerschöpfliches Reservoir von massiver Verdummung und Schamlosigkeit.
Die Schlichtheit der fanatisierten Gedankenwelt einer Sarah Palin oder Michelle Bachman oder eines Bryan Fishers oder Tony Perkins verführt immer wieder dazu solche Leute herzlich auszulachen. Aber damit ist es bedauerlicherweise nicht erledigt. Denn diese Irren haben Macht und sprechen für Millionen andere Amerikaner, die genauso denken und genauso wählen.
Es kann durchaus passieren, daß Unterbelichtete dieses Schlages ins Weiße Haus einziehen und dann hat die ganze Welt zu leiden.

Engstirnige, gemeingefährlich konservative Menschenhasser gibt es aber selbstverständlich auch in allen anderen Nationen.
In Saudi Arabien leben 12 Millionen entrechtete Frauen aufgrund der Macht fanatisierter Konservativer in Käfighaltung.
Und auch in Russland erleben wir wie der zunehmende Einfluß der hetzerischen russisch-orthodoxen Kirche Millionen Menschen gewissermaßen zum Abschuß freigibt.
Die häßliche Fratze des destruktiven Christentums, die todgeprügelte Homosexuelle zu spüren bekommen, zeigt sich nicht nur durch die Gesichter der Popen und Patriarchen, sondern auch in höchst anstoßenden Politikern.
Eine dieser russischen moralinsauren Menschenhasserinnen küre ich hiermit zum Geistigen Giganten des Konservatismus (GGK) Nummer 9.
Es handelt sich um die ultrakonservative Juristin und Duma-Abgeordnete Jelena Misulina. Die 58-Jährige ist Vorsitzende des Komitees für Familie, Frauen und Kinder und versteht sich selbst als Inquisitorin zur Erhaltung der russischen Werte.

Die russische Parlamentarierin Jelena Misulina ist Wladimir Putins neue Topkämpferin für Moral. Sie soll wieder Ordnung und Zucht im Land sicherstellen - von der Beschneidung der Homosexuellen-Rechte über ein Fluchverbot im Internet bis hin zu einer Besteuerung von Scheidungen.

Wie es bei selbsternannten Moralexperten der ganz rechten Seite üblich ist, hetzt Misulina mit Vorliebe gegen Homosexuelle.
Nach wie vor bin ich davon überzeugt, daß Putin viel zu intelligent ist, um an den Unsinn zu glauben, daß Schwule für rapiden Bevölkerungsrückgang verantwortlich sind und durch ihre pure Sichtbarkeit schon massenhaft Jugendliche schwul machen können.
Putin, der einst unumstritten regierte, konnte vor 15 Jahren durchaus als Schöngeist und nachdenklicher Zuhörer auftreten.
Seit er aber das dritte mal zum Präsidenten gewählt wurde und mit der bizarren Medwedew-Rochade das Verbot von mehr als zwei Amtszeiten umging, bläst ihm Gegenwind ins Gesicht. Er ist gewissermaßen Opfer seines eigenen Erfolges geworden. Das zu Jelzins Zeiten unter Chaos und Kriminalität ächzende Volk erlebte in den Putin-Jahren einen gewaltigen ökonomischen Aufstieg und entdeckte seine bürgerlichen Freiheiten. Ein auf diese Art selbstbewußter gemachtes Wahlvolk erwärmt sich aber nicht mehr ganz so leicht für einen bisweilen machohaft auftretenden Präsidenten.
Putin, der einst im Schlaf seine 2/3-Mehrheiten einfuhr, mußte sich ernsthaft um seine Wiederwahl sorgen, erreichte gerade mal eben noch die absolute Mehrheit.
Der Mann braucht nun Verbündete und ging auf die stärkste gesellschaftliche Kraft zu. Die unermessliche reiche und einflussreiche orthodoxe Kirche. Rein machtpolitisch gedacht war das ein geschickter Schachzug. Mit der Unterstützung des mächtigen Patriarchen Kirill muß Putin nicht um seine politische Macht fürchten.
Dafür gibt er dem frommen Geronten im goldgewirkten Kleidchen ab und zu ein paar Häppchen in Form von homophoben Gesetzen und drakonischer Bestrafung von Blasphmie („Pussy Riot“). So bilden Putin und Kirill eine echte Symbiose.

Seit Putin im vergangen Jahr ins Präsidentenamt zurückkehrte, hat er seine bröckelnde Unterstützung in der Bevölkerung gestärkt, indem er sich der russisch-orthodoxen Kirche zuwandte und wie diese die traditionellen Werte betont.
Gegen Homo-Partnerschaften und Scheidung. Dieser Konservativismus wird als krasser Gegensatz zu dem dargestellt, was im Westen vor sich geht - nach Kreml-Lesart ein Sittenverfall, der die russische Gesellschaft bedroht.



Die Durchsetzung dieser menschenfeindlichen Politik überlässt Putin der GGK-IX.

Misulina ist Putins eisenharte Faust in der Familienpolitik und erfreut die konservativen Kleriker.



Ihr Ausschuss bereitete mehrere umstrittene Gesetze vor, vom Verbot der Adoption russischer Kinder durch US-Bürger bis zum Gesetz gegen "Schwulenpropaganda". In ihren oft ungeschickten Medienauftritten prangert sie Moralverfall an und spricht sich für immer neue Einschränkungen aus. Im Internet wird sie deshalb gnadenlos ausgelacht und beschimpft. Der Blogger und Komiker Juri Chowanski forderte, Misulinas psychische Gesundheit zu überprüfen. Knapp 63.000 Internetnutzer haben bereits seine Online-Petition unterschrieben.

Misulina steht für ein konservatives Familienbild, das von der orthodoxen Kirche in Russland unterstützt wird. Im Konzept der Familienpolitik, das unter der Leitung von Misulina entstand, steht: "Die Ehe wird ausschließlich als Union zwischen einem Mann und einer Frau verstanden…, die mit dem Ziel geschlossen wird, sich fortzupflanzen, drei und mehr Kinder zur Welt zu bringen und zu erziehen." Gleichgeschlechtliche Ehen lehnt Misulina kategorisch ab und kritisiert europäische Länder, die sie zulassen. "Ich bin mir sicher, dass die Länder, die jetzt homo- und heterosexuelle Beziehungen gleichstellen, in ein paar Jahren dagegen kämpfen werden", sagte sie im Interview mit dem russischen Fernsehsender Channel 1.

Misulina gehörte zu den Autoren des Gesetzes, das "Schwulenpropaganda" unter Minderjährigen verbietet. Ihre Aussagen, die noch nicht gesetzlich verankert wurden, gehen noch weiter. Sie sprach sich etwa dafür aus, dass gleichgeschlechtlichen Paaren Kinder entzogen werden können. Und sie schlug vor, Abtreibungen und Scheidungen zu erschweren, etwa durch die Einführung einer Sondersteuer für sich scheidende Paare. Misulina versteht sich als Gegnerin jeder Form von Unzucht. Kürzlich schloss sie nicht aus, dass russische Internetseiten mit Schimpfwörtern blockiert werden können.

(Julia Smirnova, Die Welt 19.08.13)



Wie man auch in Frankreich sehen konnte, wirkt die Hasspropaganda durchaus – wenn sie gemeinsam von Kirchen und Konservativen Parteien betrieben wird.

So wird ein Volk aufgehetzt und die Minderheiten leben gefährlicher.



Russen halten Homosexualität für Krankheit

Nach einer Umfrage des unabhängigen Lewada-Zentrums vom Mai ist die Zahl der Russen, die Homosexualität entweder als «zügellos» oder als eine «Krankheit infolge eines psychologischen Traumas» betrachten, in den vergangenen Jahren gestiegen - von 68 Prozent 1998 auf 78 Prozent in diesem Jahr. Während 2005 noch 51 Prozent der Russen gleiche Rechte für Schwule und Lesben befürwortet hätten, sei die Zahl 2013 auf 39 Prozent gesunken.

Die Intoleranz habe im vergangenen Jahr deutlich zugenommen, nachdem das Thema Homosexualität in der politischen Diskussion immer häufiger aufgetaucht sei, stellt Soziologin Maria Plotko vom Lewada-Zentrum fest. Schwulenfeindliche Propaganda falle auch deshalb leicht auf fruchtbaren Boden, weil - belegt durch Umfragen - nur wenige Russen persönlichen Kontakt zu einem Schwulen oder einer Lesbe hätten.




Über Misulina zu lachen, ist als angesichts ihrer zerstörerischen Wirkung nicht angebracht.



Mittwoch, 21. August 2013

Einer von den Guten



Die einfachste Methode Politik zu betrachten, ist das allgemeine Verdammen.
„Die sind sowieso alle korrupt/alle gleich/geldgierig/Versager.“
Für Denkfaule, die sich gar nicht erst die Mühe machen realpolitisch zu denken, ist das die perfekte Haltung.
Man fühlt sich dann so schön überlegen, ohne daß man den geringsten intellektuellen Beitrag geleistet hat.
Daher betone ich so gerne bei jeder Gelegenheit wie richtig die Agendapolitik war.
Man hätte nur den Weg weiter gehen sollen und nicht gleich bei den ersten kleinen Änderungen hysterisch CDU wählen sollen, die dann im Bundesrat mit ihrer Mehrheit jedes rotgrüne Hartzgesetz mitschreiben konnten.
Der flexiblere deutsche Arbeitsmarkt gibt Deutschland eindeutig einen Wettbewerbsvorteil.
 Die Erfinder hatten sich – verständlicherweise – einige Auswüchse nicht vorstellen können. Deswegen evaluiert man solche Megagesetze zu einem späteren Zeitpunkt und hätte das systematische Ausbeuten von Arbeitnehmer und das Verlagern der Lohnkosten vom Arbeitgeber auf den Steuerzahler stoppen müssen, indem man unter anderem einen Mindestlohn einführt.
Die abtrünnigen rotgrünen Wähler, die dann zur Linken liefen, haben dies allerdings verhindert, indem sie Angela Merkel ins Kanzleramt brachten.
So ist es nun seit acht Jahren und es hat nicht den Anschein, daß der Urnenpöbel irgendetwas daran zu ändern gedenkt.
Dabei gäbe gerade Merkels Kabinett wirklich Anlass „die Politiker“ pauschal zu verdammen.
Mit Sicherheit gab es in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland noch nie so viele Totalversager auf Ministerposten wie unter Merkel.
Dreiste Lügen, Faulheit, Arbeitsverweigerung und Lobbywunscherfüllung in einem Ausmaß wie nie kennzeichnen die Arbeit von allen Ministern.
Immer wieder schüttelt man sich und wähnt sich in einem Traum; es kann doch nicht angehen, daß eine jähzornige geistig minderbemittelte Gestalt wie Ronald Pofalla tatsächlich die Regierung und die Geheimdienste der viertgrößten Industrienation der Erde leitet! Es ist doch ein Ding der Unmöglichkeit, daß eine denkfaule, misogyne, ewig-gestrige Roland-Koch-Bewunderin als Familienministerin die moderne Arbeitswelt gestalten soll.
Es ist doch nicht zu fassen, daß ein eitler, an Außenpolitik gänzlich desinteressierter Geck oberster Diplomat Deutschlands ist. Es ist doch schier unglaublich, daß ein rechtslastiger Mauschler, der bis 2009 tönte das Entwicklungshilfeministerium müsse abgeschafft werden nun Entwicklungshilfeminister ist. Man kann doch einfach nicht glauben, daß die größte Wirtschaftsmacht Europas von einem fachfremden Politazubi, der lediglich die Wünsche der FDP-Parteispender erfüllt, als Wirtschaftsminister geführt wird.
Es kann doch nicht wahr sein, daß diese größte Macht Europas im Zeitalter von Terrorismus und Totalüberwachung von einem unwilligen bayerischen xenophoben Provinzler seine Verfassung schützen läßt.
Und dann Ich-hab-damit-nichts-zu-tun-Ramsauer! Und Verbraucherverarschungsministerin Aigner. Und Ich-weiß-von-nichts-und-wußte-auch-noch-nie-was-de Maizière. Und Europas Zerstörer Schäuble. Es ist ein einziges Trauerspiel.
Und was sind die Alternativen?
Die strategisch unfähige Linke, die sich im SPD-Hass ergeht und mit Kipping und Riexinger zwei Vorsitzende leistet, die auch nach anderthalb Jahren im Amt total unbekannt sind und rein gar nichts zur politischen Debatte beitragen.
Die Grünen, die sich mit Katrin Göring-Kirchentag eine fromme Theologin als Spitzenkandidatin gewählt haben, die auf Diskriminierung von kirchlichen Angestellten beharrt und „Verständnis“ dafür aufbringt, wenn Evangelen keine  Schwulen akzeptieren mögen.
Die im rechtsextremen Spektrum wuchernde AfD, die mit dumpfen Vorurteilen gegen Ausländer und Homosexuellen Stimmung machen will.
Die in der Praxis vollkommen untauglichen Piraten, die ihr spärliches Personal kaum jemals länger als ein paar Wochen einsetzen können, bis diese vor Überforderung jammernd aufgeben.
Und die Sozen blamieren sich mit Gabriels Zickzack-Kurs und der Politwitzfigur Nahles, die als Hardcore-Katholikin offensichtlich ihre Hirnzellen in Messweindämpfen abgetötet hat.
Umso mehr sehe ich mich veranlasst immer mal wieder positive Ausnahmen auch ausdrücklich zu loben. Dies habe ich immer wieder getan und beispielsweise Trittin, Struck, Steinbrück und Michael Schmidt-Salon bejubelt. Es ist viel schwerer sich hinter einen Politiker zu stellen und ihn zu verteidigen als in der bequemen Statler-and-Waldorf-Position alles und jeden in Bausch und Bogen zu verdammen.
Heute möchte ich einen meiner Facebook-Freunde in meine persönliche Polit-Ehrentribüne erheben. Es ist Henryk M. Broders Partner bei der Deutschland-Safari: Hamed Abdel-Samad.
Der 1972 in der Nähe von Gizeh geborene Literat, Philosoph, Historiker und Politologe lebt heute mit einer Fatwa auf seinen Kopf. Er und seine Familie werden mit dem Tode bedroht, weil er den ägyptischen Muslimbrüdern auf den Schlips getreten ist, indem er die gemeinsamen Wurzeln der Muslimbruderschaft und des europäischen Faschismus aufzeigte.
Der fromme Sohn eines sunnitischen Imams machte immer wieder eine neue Katharsis durch. Er lernte als Kind den Koran auswendig, wurde zwei Mal vergewaltigt, wurde als 17-Jähriger überzeugter Marxist, ging später an der Universität Kairo zu den Muslimbrüdern, wo er in Kampftechniken ausgebildet wurde und verschrieb sich aufgrund seiner nicht auszumerzenden Individualität den europäischen Philosophen und Aufklärern.
Später lehrte er in Erfurt, Braunschweig, Japan und nun wieder in Berlin. Zusammen mit Michael Schmidt-Salomon spielt er eine bedeutende Rolle in der Giordano-Bruno-Stiftung.
Adel-Samads Klugheit ist genauso bemerkenswert, wie seine analytischen Fähigkeiten.
Ich empfehle unbedingt das einstündige Interview, welches der Schweizer Journalist Frank A. Meyer vor zwei Wochen mit ihm für „Vis à Vis“ führte anzuhören.


Der ein oder andere mag noch etwas über die politische Situation des Islamismus lernen.
Ich will nur einen winzigen Nebenaspekt aus dem Interview rausgreifen; Saudi Arabien.
Hamed Abdel-Samad prangert die Heuchelei des Westens und insbesondere Deutschlands an, weil „wir“ intensiven Handel mit einem Land führen, in dem „12 Millionen Frauen in Käfighaltung leben müssen“.
Dieses Saudi-Arabien, welches die strenge wahabitische Auslegung des Islams praktiziert, in dem jede andere Religionsausübung verboten ist, in dem Frauen noch nicht mal Auto fahren dürfen, in dem es nicht einen Funken Demokratie gibt, in dem Vergewaltigungsopfer als „Ehebrecherinnen“ gesteinigt und Homosexuelle aufgehängt werden, päppelt die fromme Frau Merkel mit Panzerlieferungen auf.
Dieselbe Bundesregierung warnt bei jeder Gelegenheit vor den Gefahren des Islamismus. Einer totalitären Ideologie, die sich durch antiwestliche Stimmungen und Petrodollars speist.
Die Bundesregierung sorgt bei beiden Kraftquellen des Islamismus für Nachschub.

Chancellor Angela Merkel’s government has come under fierce criticism for its spiralling arms exports after new figures showed Germany on course to deliver record quantities of weapons and military hardware to the Gulf states despite grave doubts about their human rights records.
Federal government statistics showed that Mrs Merkel’s conservative-liberal coalition approved arms exports to the Gulf totalling €817m (£703m) in the first half of 2013. Last year, Germany exported €1.42bn of arms to the area – more than twice the figure for 2011.
The latest available statistics, covering exports in the six months to the end of June, suggest that last year’s surge in arms sales to the Gulf is set to be eclipsed this year. Qatar, a state criticised for human rights abuses, but which owns a 17 per cent stake in the German car giant Volkswagen, is earmarked to receive the bulk of shipments worth more than €635m.
“Angela Merkel shows absolutely no restraint regarding weapons exports,” complained Jan van Aken, a Left Party MP who campaigns against arms sales, “She behaves as if there had never been an Arab Spring. She is becoming the Arab despots’ favourite girlfriend,” he added. In its most recent annual report, Amnesty International lists cases of torture in Qatar and criticises its authoritarian government for showing a disregard for women’s rights and freedom of expression. Like neighbouring Saudi Arabia, Qatar sent tanks and soldiers to quash protests in Bahrain in the spring of 2011.

Diese Schwarz-gelbe Regierung ist erbärmlich und moralisch absolut verkommen.
Sie gehört abgewählt.
Wer sich dem durch Wahlenthaltung oder Stimmen für die nicht als Alternativregierung in Betracht kommenden AfD/Linke/Piraten entzieht, macht sich mitschuldig, daß tausende Tonnen Killerwerkzeugnachschub aus Deutschland in die Krisenregionen der Welt geschickt werden.

Munitionstransporte – täglich  rund 40 Tonnen Munition über den Hamburger Hafen
Mehr als 3.500 Tonnen Munition in drei Monaten, 233 Container mit beschussfähigen Patronen, 1 Container mit Raketen. Hochgerechnet sind das knapp 15.000 Tonnen Munition im Jahr. Und 240 Container.n
In der Senatsantwort auf eine Schriftliche Kleine Anfrage zu Munitionstransporten durch den Hamburger Hafen durch die Linksfraktion in der Hamburger Bürgerschaft finden sich Daten über Gefahrgüter aus dem Bereich Munition, Explosivstoffe und Waffentechnik, die in Hamburg in den vergangenen drei Monaten (13.5.- 13.8) verschifft wurden. In diesen drei Monaten allein wurden Gefahrgüter dieser Art im Umfang von mehr als 3.500 Tonnen für den Export verladen (brutto), die Netto-Explosivstoffmasse betrug 224 Tonnen. Den größten Anteil machen Patronen aus, auch Raketen wurden umgeschlagen.



Dienstag, 20. August 2013

Angie im Glück



Merkels gewaltige Sympathiewerte und das sensationelle Abscheiden der CDU in Umfragen kommt nicht aus heiterem Himmel. Dafür gibt es viele Ursachen.
Maßgeblich tragen zu dieser Stimmung die auf breiter Front versagenden Medien bei, die ihren eigentlichen Auftrag völlig vernachlässigen. Wie die amerikanische Presse, die eine Dekade zuvor das investigative Arbeiten vollkommen aufgegeben hatte und sich stattdessen in George W. Bush-Hofberichterstattung beschränkten, schreiben auch die großen deutschen Pressehäuser und die von CDU-Parteimitgliedern verwalteten Fernsehstationen unkritisch und wohlwollend.
Es wundert wenig, daß sich Merkel gleich den Moderator des ZDF-Heute-Journals Steffen Seibert als Regierungssprecher holte.
Was er nun für die CDU-Kanzlerin verkündet, berichten seine ehemaligen Kollegen als wären es Fakten. Überprüft und hinterfragt wird gar nicht mehr.

Eigentlich sollten Medien ihren Regierenden streng auf die Finger schauen. Berichterstattung über Angela Merkel ähnelt aber selbst im Wahlkampf eher einem Stichwortgeben und Verlautbaren.
Die [ZDF-] Doku „Macht Mensch Merkel“ erzielte eine miserable Quote: einstellig, weniger als drei Millionen Zuschauer. […] Könnte es sein, dass sich das Publikum in Scharen von den Medien abwendet, weil die Berichterstattung zum Einschlafen ist?
Eigentlich ist der Film ja ganz nett. Aber: irgendwie kritiklos. Merkel wird gezeichnet als bürgernahe, besorgte, hilfsbereite Kanzlerin. [...]  Am Ende nennen die Autoren die Kanzlerin einen „Popstar der Politik“.
[…] Was sich im politisch-publizistischen Komplex der Hauptstadt mittlerweile eingeschliffen hat, ist eine Art höfische Huldigung Merkels und ihres Parteiengefolges. Der Berliner Medienwissenschaftler Lutz Hachmeister nennt es im Forum Talk-Republik „eine Art von Bewunderung für eine Machtpolitikerin, eine Frau, die auch noch aus dem Osten kommt“.
Und das sogar im Wahlkampf, wo es jetzt hieße, Gegensätze herauszuarbeiten. Als Merkel eine (Ost-)Berliner Schule besuchte, sei sie von begeisterten Bildjournalisten der Bundespresse umringt worden. Einen „Jubelparcours“ nannte das eine unbedarfte Lokaljournalistin. „Es herrschte eine Stimmung wie beim Justin-Bieber-Konzert“. Reporterfragen waren dort nicht erlaubt.

Eine komfortable Lage für die amtierende Scheinregierung, die sich gemütlich in ihrer Tatenlosigkeit ausruhen kann.
Der Urnenpöbel ist inzwischen derart von dem Merkel-zustimmenden Unterton der gesamten Presse indoktriniert, daß er es als Majestätsbeleidigung auffasst, wenn sich Politiker anderer Parteien kritisch zur Bundeskanzlerin äußern. Sie wird tatsächlich als die Obermutti empfunden, der man zwar nicht immer zustimmt, die man aber mit Händen und Füßen verteidigt, wenn jemand außerhalb der Familie frech wird.
Und so plätschert der Wahlkampf dahin. Alle lieben Merkel und wer das nicht tut, wagt es kaum das zu sagen, weil man sich dann den Zorn der phlegmatischen Masse zuzieht.
Ganz im Sinne ihres Ziehvaters Helmut Kohl modelliert sie Deutschland aus bräsigen, satten Geisteszwergen, die längst zu schwach geworden sind, um die volkszersetzenden Vorgänge, die Schwarzgelb ihnen einbrockt überhaupt zu bemerken – geschweige denn etwas dagegen zu unternehmen.

Tatsächlich passt die maue Vorstellung der Parteien zum dürftigen Interesse der Gesellschaft. Denn es ist ja nicht so, dass die Bundesbürger nach politischer Debatte und komplexen Problemlösungen gierten, dass sie sich von den Parteien unterfordert fühlten und deshalb an der etablierten Politik vorbei sprühende Kontroversen anzettelten. Um allein den Parteien den tristen Wahlkampf anzulasten, müsste sich die Öffentlichkeit selbst wacher und interessierter zeigen. Doch für einen spannenden Wahlkampf fehlen nicht nur die politischen Akteure, sondern es fehlt auch der gesellschaftliche Adressat. Die Republik wirkt satt und sorglos. Zu satt für die leidenschaftliche politische Auseinandersetzung.

Man kann das deutsche Phlegma politisch und soziologisch nicht mehr erklären.

Es spricht viel dafür, dass [Merkel] Kanzlerin bleiben wird. Warum?
[….]   Was kann die Tiefenpsychologie zur Analyse des Phänomens beitragen? Was bindet ein halbes Volk so dauerhaft an eine Gestalt und belohnt sie durch derart gute Umfragewerte? [….] Wählt man Mütter ab, die so viel Ruhe und Zuversicht ausstrahlen? Verstößt man sie, wo sie doch die Familie zusammenhält, kratzt man an ihrem Lack, wo sie doch mit der Kritik der Rivalen so umgeht, als handle es sich um voraussehbares, aber ungefährliches Kläffen?
[…] Diese Übertragung, diese Delegation der Verantwortung, gilt Angela Merkel. Sie wird es schon richten, glauben ihre Anhänger mit fast kindlicher Hingabe. In einem solchen 'regressiv' eingerasteten Vertrauen zur Mutter will man keine Veränderung, blendet eigene Zweifel aus, erhebt Vertrauen und Zuneigung zu einer weit über die Tagespolitik hinausreichenden Kategorie. Kinder verteidigen ihre Eltern, idealisieren sie, solange sie keine allzu offensichtlichen Schwächen zeigen oder gar Verbrechen begehen - selbst dies bedeutet noch lange keine Abkehr.
[….] Dass ein anderer Kanzlerkandidat vielleicht klüger ist, mehr informierte Worte pro Zeiteinheit hervorbringen kann und auf ironische Weise böse ist, festigt umso mehr die Anhänglichkeit an die unaufgeregt erscheinende Dame, die so viel Erfahrung und internationales Ansehen angehäuft hat und dem kindlichen Stolz das Bild der 'mächtigsten Frau der Welt' bietet. [….]
(Tilman Moser, SZ vom 05.08.2013)

Die unter Nahles vollkommen degenerierte SPD-Kampagnenfähigkeit kann dieser psychologisch agierenden Kanzlerin nicht viel entgegensetzen.
Heute will sie beispielsweise, daß ich HOCKER fotografiere.
Na, das wird die Unentschlossenen sicher beindrucken.

Wir gehen jetzt gemeinsam in den Endspurt und nutzen unsere Chancen. Der Tür-zu-Tür-Wahlkampf ist Euer entscheidender Beitrag dafür, dass das gelingt. Macht weiter so, Ihr seid der Schlüssel zum Erfolg! [….]
Auch Peer, Sigmar und Frank-Walter legen noch mal eine Schippe drauf. Morgen startet die „Klartext Open Air"-Tour unter dem SPD-Schirm, bei dem wir den Menschen auf Augenhöhe begegnen. […]
Zum Schluss: Die Hocker vom Deutschlandfest sind in der ganzen Republik unterwegs: macht Fotos, ladet sie hier hoch und zeigt allen, wo die Hocker überall gelandet sind.
Wir freuen uns über 150 Jahre, auf die nächsten 33 Tage und die letzten 72 Stunden. Macht mit. Für unseren gemeinsamen Erfolg.
Herzliche Grüße
Andrea Nahles
(Mitgliederbrief 20.08.13)

Wenn jemand richtig Wahlkampf macht, indem er die Wahrheit sagt und die Folgen von Merkels Minus-Politik aufzeigt, wird das sofort als unangenehmes Poltern empfunden.
Da senkt die auf die Kanzlerin eingeschworene Presse empört die Daumen.

Angriff auf Bundesregierung
Schröder wettert gegen "Lügen" bei der Griechen-Rettung

Gerhard Schröder greift in den Wahlkampf ein: Der Altkanzler attackiert den Zickzackkurs von Merkel und Schäuble in der Frage neuer Griechenland-Hilfen. Die Regierung habe "vertuscht und verschleiert".
Eine solche Vorlage lässt Gerhard Schröder sich nicht entgehen. Am Morgen hatte Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) bei einer Wahlkampfveranstaltung in Ahrensburg gesagt, Griechenland benötige ein drittes Hilfsprogramm. Daraufhin nutzte der Altkanzler am Abend seinen ersten Wahlkampfauftritt in Detmold zum Frontalangriff auf die Griechenland-Politik der Bundesregierung.
Der Sozialdemokrat warf seiner Nachfolgerin Angela Merkel (CDU) vor, den Bürgern die Unwahrheit über die Kosten der europäischen Schuldenkrise zu sagen. "Mit Vertuschen und Verschleiern gewinnt man kein Vertrauen des Volkes, sondern nur mit Klartext", sagte Schröder bei einer Veranstaltung mit SPD-Spitzenkandidat Peer Steinbrück.
Während Schäuble ein drittes Hilfspaket für Griechenland andeute, sage Merkel immer, sie sehe das nicht, sagte Schröder. "Möglicherweise hat sie die falsche Brille aufgehabt." Der Sozialdemokrat schimpfte, es werde eine "ganz große Lüge" über die Kosten der Euro-Krise vorbereitet. Deutschland werde dafür zahlen müssen.

Frevel!
Daß der Gerd so was sagen darf!

Montag, 19. August 2013

Katholischer Nachholbedarf


Bei einer Million Euro Kirchensteuer, die die Kirchen stündlich in Deutschland kassieren, den Einkünften aus ihrem 700 Milliarden- Euro-Vermögen (zahlreiche Vermietungen, Weltbildverlag, ..) und weiteren 480 Millionen Euro, welche die Bundesländer jedes Jahr an die Kirchen zahlen, sind die Damen und Herren im Talar chronisch knapp bei Kasse. Dabei genießen sie Steuerfreiheit.
Pro Tag werden wird in Deutschland 25 Millionen Euro in „Kirchensteuer“ bezahlt. In Wahrheit ist das natürlich keine Steuer, sondern Mitgliedsbeiträge, die der  Staat als Inkassounternehmen für Katholen und Evangelen eintreibt.
Eine feine Sache. 
Damit werden aber nicht etwa die „sozialen Leistungen“ finanziert. [….]
 Von den allein in Deutschland über eine MILLION EURO PRO STUNDE an die Kirchen gezahlten Mittel werden aber auch nicht Bischofsgehälter oder Theologenausbildung bezahlt.
Zum Glück müssen sie ihre armen Bischöfe (die darben bei einem Monatslohn von lediglich 10.000 – 14.000 Euro) und deren geliebte Phaetons und 7ner BMWs nicht auch noch zahlen. Dafür kommt ebenfalls der Staat auf.
Es ist ja nicht so, daß die Kirchen etwas zu verschenken hätten.
Kirchlichen Taufen und Hochzeiten sind zwar kostenlos, aber ein paar Gebühren fallen schon an.

Als Eheleute spenden Sie sich das Sakrament der Ehe „im Angesicht Gottes und vor seiner Kirche”. Deshalb ist die kirchliche Trauung kostenlos. Je nachdem können jedoch Gebühren beispielsweise für den Organisten oder Kosten für einen besonderen Blumenschmuck anfallen. Dies müssten Sie mit dem zuständigen Pfarrer klären.
(Kirchlichehochzeitinfo)

Nur weil es nichts kostet, bedeutet das noch lange nicht, daß man der Kirche nicht trotzdem Geld dafür geben muß.
Ähnlich verhält es sich bei den christlichen Beerdigungen. Die Kirchisten beeilen sich stets damit zu versichern, daß auch dieser Dienst am Menschen selbstverständlich kostenlos erbracht wird.
Bezahlen muß man aber dennoch.

Für die kirchliche Bestattung selbst sind keine Gebühren fällig. Anders ist dies im Hinblick auf die Friedhofsgebühren, die auch bei kirchlichen Friedhöfen anfallen.

Tja, für so ein einfaches Grab auf einem kirchlichen Friedhofwerden schon mal zwischen 2.000 und 10.000 Euro verlangt. Oder wie es ein Theologieprofessor ausdrückt:

Die kirchliche Bestattung ist nach protestantischer Lehre ein Adiaphoron, also ethisch neutral und mithin nicht heilsnotwendig. Was aber ist sie dann? "Sie ist ein Werk der Barmherzigkeit", sagt der Professor für Praktische Theologie an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, Reinhard Schmidt-Rost (62), im Gespräch mit evangelisch.de

Da sage noch mal jemand, das staatliche finanzierte Dialektik-Training (vulgo „Theologiestudium“) zahle sich nicht aus.
Es muß wohl daran liegen, daß die Katholiken tendenziell eher im reichen Süden beheimatet sind, daß sie ihre Gläubigen überhaupt noch umsonst in die Kirchen lassen.
Die Evangelen im gottlosen Nordosten Deutschlands sind schon weiter und kassieren gleich am Eingang die Besucher ab.
Wohlgemerkt jene Steuerzahler, die ohnehin schon über die Bundesländer für den Erhalt der Kirchen aufkommen!
Zur Kasse, bitte!
Touristen, die eine Kirche besichtigen möchten, werden nicht selten zur Kasse gebeten. »Unverschämt« finden das die einen. Für alternativlos halten es die anderen.
7 Euro kostet der Eintritt in den Berliner Dom. Bundesweit verlangen mittlerweile eine ganze Reihe protestantischer Gotteshäuser Eintritt. […]
Wer am Eingang der evangelischen Lübecker Marienkirche hinter der Kasse sitzt, braucht ein dickes Fell. Diskussionen gibt es regelmäßig, seit die Stadtkirche, die als Mutterkirche der norddeutschen Backsteingotik gilt, 2010 den »Marientaler« einführte. Zwei Euro »Erhaltungsgebühr« sind pro erwachsenen Besucher fällig. Nicht jeder ist dazu bereit, der Besucheransturm auf die Kirche hat nachgelassen.
[…]   Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts legte der letzte sächsische König August III. per Erlass fest, dass für die Besichtigung des Meißner Doms Eintritt zu entrichten ist. Heute öffnet der imposante Dom für 3,50 Euro seine schwere Tür. Auch nach rund hundert Jahren hagelt es für den obligatorischen Obolus an der Kirchenpforte noch Kritik.
[…]   Der katholischen Kirche in Deutschland sind Eintrittsgelder fremd. Die Deutsche Bischofskonferenz verweist auf einen allgemeinen Passus im Kirchenrecht, wonach Kirchen, in denen »die heiligste Eucharistie aufbewahrt wird, täglich wenigstens einige Stunden für die Gläubigen offen zu halten« seien, damit dort Gebete stattfinden können. Von den Besuchern Geld zu verlangen, stehe dieser Vorgabe entgegen.

Ich danke den Evangelischen, daß sie nicht mehr die armen Schlucker reinlassen. Sollen die doch ohne Gott auskommen.
Als Atheist kann man zufrieden sein. Offenbar stört es die Masse der Religiösen nicht, daß insbesondere katholische Geistliche systematisch Kinder missbrauchen und misshandeln; daß diese Untaten von den Kirchenchefs vertuscht wurden.
Aber Geld bezahlen die Deutschen nur höchst ungern.
Kircheneintrittsgebühren mögen den ein oder anderen Zweifler aufwecken.