Auf den letzte Metern seines elenden Lebens als Nazi-freundlicher
Hassprediger, der Jahrzehnte dafür sorgte, daß weltweit Männer in Kleidern
kleine Jungs straflos vergewaltigen konnten, schien Ratzinger doch noch zu
stolpern. Ein knappes Jahr bevor er am 31. Dezember 2022 in der Vatikanstadt
final den Arsch zukniff, mischte er sich in die Geschehnisse um den
berüchtigten Pfarrer H. ein,
den er als Münchner Erzbischof auf Kinder losließ.
Selbstverständlich brachte Ratzinger keine Empathie für
die Opfer auf, selbstverständlich log Ratzinger Anfang 2022 über seine frühere
Rolle in Bayern.
[…..] Im März 2010 lässt
die New York Times eine Bombe platzen, die das Pontifikat Ratzingers bis heute
belastet. Sie macht den Fall Peter H. erstmals öffentlich und wirft die Frage
auf, welche Rolle der deutsche Papst im Umgang mit einem Täter im Priesteramt spielte.
Denn H. beging nicht erst in den 1980er Jahren Straftaten – schon zuvor und
auch danach wurde er immer wieder wegen Vorfällen von Gemeinde zu Gemeinde
versetzt und missbrauchte immer wieder Jungen. Bislang sind 23 Opfer
dokumentiert. Die Dunkelziffer dürfte deutlich höher liegen. […..] Die
Verantwortung des klerikalen Missbrauchs war bis zum deutschen Papst
vorgedrungen. […..] Dieser Brief entzog der Verteidigungsstrategie den
Boden. Denn er zeigte: Der spätere Papst war nicht nur von den Sexualstraftaten
eines Priesters in seinem ehemaligen Bistum informiert; er war auch für den
Wiedereinsatz des wegen Kindesmissbrauchs verurteilten Straftäters
mitverantwortlich – in die Gemeinde, in der Perr später missbraucht wurde. Und
das, obwohl Ratzinger als Präfekt der Glaubenskongregation die Möglichkeit
gehabt hätte, eine Voruntersuchung gegen den Priester einzuleiten und ihn aus
dem Dienst entfernen zu lassen. [….]
(Correctiv, 29.03.2024)
Als er der Lüge überführt wurde, gab es
selbstverständlich keine Konsequenzen für ihn. Schließlich tolerieren Justiz, Politik und Gläubige offenbar
wohlwollend, wenn Sadisten in Soutanen Kinder quälen.
Auch 40 Jahre später sperrt sich Ratzingers früheres
Erzbistum dagegen, Gerechtigkeit walten zu lassen. Mit ungeheuerlicher Perfidie
schieben sie immer noch den Opfern die Schuld in die Schuhe.
[…..] In dem holzgetäfelten
Gerichtssaal des Landgerichts Traunstein erinnert sich Andreas Perr an ein
Gespräch von vor 14 Jahren zurück. Ein Gespräch, das sein Trauma vermutlich
noch verstärkte.
Perr verklagt das Erzbistum
München und Freising auf 300.000 Euro Schmerzensgeld,
da der Missbrauch durch den Priester Peter H.
ihn aus der Lebensbahn geworfen habe und für seine Drogensucht verantwortlich
sei. Seine Stimme ist klar, er wirkt überzeugend. Dies sehen auch andere
Prozessteilnehmer so. Eine Gutachterin bestätigt seine Glaubwürdigkeit, sie hat
Perr vor vielen Jahren untersucht. Im Gerichtssaal in Oberbayern spricht der
Kläger auch über den 23. März 2010.
Damals sitzt Andreas Perr,
von den Drogen gezeichnet, dem Missbrauchsbeauftragten des Erzbistums Münchens
und Freising, Siegfried Kneißl, gegenüber. Das Gespräch findet im Pfarramt von
Garching an der Alz statt. Perr berichtet dem Kirchenmann, wie der Priester H.
ihn in dem Pfarrhaus missbrauchte, als er elf oder zwölf Jahre alt war, Mitte
der 1990er Jahre. Und Perr hat einen Zeugen. An jenem Sommertag im Pfarrhaus
zeigte der Pfarrer zwei Jungen gleichzeitig einen Pornofilm und nötigte sie zur
Masturbation. Die Tat selbst wird im Verfahren nicht bestritten.
In diesem Prozess geht es
um Schadensersatz. Aber dahinter steht auch ein Streit um Glaubwürdigkeit; die
des Betroffenen Andreas Perr und die der Kirche selbst. Die Kirche ist jedoch
bereits seit 2010 im Zwiespalt: einerseits Aufklärung zu versprechen, aber
andererseits den Papst zu schützen. [….]
(Correctiv, 29.03.2024)
Man weiß es, man kann wirklich nicht überrascht sein und
ist dennoch geschockt: Auch im Jahr 2024 will die offizielle römisch-katholische
Kirche lieber die kriminellen, perversen, bösartigen Missbrauchstäter schützen,
als ihren Opfern zu helfen. Dabei ist gerade der genannte „Fall Pfarrer H.“
seit Jahrzehnten bekannt und die Schuld der Kirche steht außer Frage. Nicht
religiöse Menschen wie ich, machen aber immer noch einen schweren Denkfehler:
Wir glauben, es wäre falsch Kinder zu vergewaltigen, halten das für ein
Verbrechen und nehmen dementsprechend an, es gelte solche Taten zu verhindern
und sich ganz fürchterlich zu schämen, wenn jemand in irgendeiner Form dafür
mitverantwortlich ist.
Aber genau wie bei Trumps Republikanern, gilt sexuelle
Gewalt gegen Unschuldige, Schwache und Kinder, bei Katholiken offenkundig
keineswegs als Tabu, sondern wird mindestens achselzuckend akzeptiert, oft
sogar aktiv unterstützt.
(…..) Seit 15, 20 Jahren erwachsen leise Zweifel in mir, ob pädosexuell
übergriffige Männer wirklich allgemein so gehasst werden.
Seit im Jahr 2002 noch unter Papst Johannes-Paul II die erste große
Pädosex-Enthüllungswelle aus den USA über die Katholische Kirche rollte, konnte
man klar beobachten welche Toleranz die Gläubigen gegenüber ihren kinderfi*kenden
Priestern aufbringen.
Das zeigt schon die Tatsache, daß es überhaupt bis ins 3. Jahrtausend
dauerte, daß diese Fälle Medienaufmerksamkeit bekamen.
Wir wissen inzwischen aus breiten Untersuchungen in vielen Ländern, daß von
katholischen Geistlichen vergewaltigte Kinder natürlich auch schon in den
Jahrzehnten zuvor versuchten sich zu beschweren, aber oft sogar von ihren
eigenen Eltern verstoßen wurden, die lieber zum Priester als zu den Opfern
hielten. Für die 4.000 Bischöfe weltweit galt das ohnehin: Das Ansehen der
Kirche und der sadistischen Vergewaltiger in Soutane war stets höher zu
bewerten als das Leid der missbrauchten Kinder.
Ganz offensichtlich galten pädosexuelle Attacken als vergleichsweise
tolerabel und damit viel weniger schlimm als zum Beispiel Fremdgehen oder gar
homosexuelle Liebe.
In extremer Weise bekam ich diesen Zusammenhang im Fall Pfarrer Peter H.
aus Bad Tölz vorgeführt.
Vor nun genau zehn Jahren im Zuge der Canisius-Enthüllungen machte der Fall
des aus Essen stammenden verurteilen Kindersex-Straftäters Schlagzeilen, weil
er ins Erzbistum München-Freising geschickt wurde und der damalige Chef, ein gewisser Joseph Ratzinger,
nachdem er vom Essener Bistum informiert wurde, Pfarrer H. gleich wieder als
Pfarrer auf Kinder los lies.
Inzwischen wissen wir natürlich auch, wie gut alles zusammenpasste mit dem
späteren Ratzinger, der als Römischer Kardinal sogar weltweit unter Androhung
schwerster Kirchenstrafen allen Bischöfen verbot kinderfickende Priester an die
Staatsanwaltschaften zu melden.
Es war jener Präfekt Ratzinger, dessen eigenen Bruder ebenfalls seit
Jahrzehnten als besonders grausamer und jähzorniger Sadisten-Priester auf
Vorschulkinder in Regensburg einschlug. Georg Ratzinger geriet beim Verprügeln
acht- oder neunjähriger Jungs so sehr in Ekstase und Rage, daß ihm dabei schon
mal das Gebiss aus dem Maul quer durch den Klassenraum flog. Loving Christians,
also.
Ein Spiegel-TV-Bericht aus dem Jahr 2010 zeichnete den Weg des pädophilen
Peter H. in seinen bayerischen Pfarreien nach und dort sah ich zu meiner
(damaligen!) Verblüffung, wie sich wütende Gläubige gegen das Kamerateam und
vor ihren Pfarrer stellten.
Peter H. flößte im Jahr 1979 einem
Elfjährigen und mindestens drei weiteren Kindern Alkohol ein und zwang sie dann
ihn oral zu befriedigen. Die Kinder berichteten ihren Eltern, die sich beim
Gemeindepfarrer beschwerten. Die Angelegenheit landete beim Generalvikar, der
die Eltern so lange unter Druck setzte, bis sie von einer Anzeige absahen. H.
sollte nicht bestraft werden, sondern einfach ins nächste Bistum geschickt
werden – allerdings, so viel brüderliche Solidarität herrscht unter Bischöfen –
nicht ohne daß Essen den Münchnern ausführlich erklärt hätte was sie da für
einen Typen bekommen.
Pfarrer H. kam im Jahr 1980 zu Erzbischof Ratzinger, der den Fall intern
regelte, ohne Polizei, ohne Staatsanwaltschaft, ohne Prozess. An die
vergewaltigten Kinder verschwendete Ratzinger keinen Gedanken.
Der Ordinariatsrat unter Vorsitz von Erzbischof Ratzinger beschloss Peter
H., "für einige Zeit um Wohnung und Unterkunft" in einer Münchner
Pfarrgemeinde zu geben und "Kaplan H. wird sich einer
psychisch-therapeutischen Behandlung unterziehen".
Gerade einmal zwei Wochen nach seiner Ankunft in München wurde Kinderficker
Peter H. in der Gemeinde St. Johannes Evangelist bei Grafingen als Pfarrer
eingesetzt.
Dort missbrauchte H. sofort wieder mehrere Schüler, die er auch beim Sex
fotographierte und die Bilder an andere Pädophile verschickte.
Das Amtsgericht Ebersberg verurteilte ihn 1986 zu einer geringen Geldstrafe
und anderthalb Jahren Bewährungsstrafe.
Für Ratzingers Bistum immer noch kein Grund sich von dem Pfarrer zu
trennen. Es verschob ihn von Grafing nach Garching an der Alz.
Auch dort hagelte es sofort Beschwerden, weil Pfarrer H gar nicht daran
dachte aufzuhören Kinder sexuell zu belästigen. Warum sollte er auch? Er hatte
ja gelernt, daß seine allmächtige Kirche ihn immer beschützt.
Im Jahr 2008 schließlich wandte sich eins von Hs ersten Opfern von 1979 aus
Essen an seine aktuelle Gemeinde und wieder verschob in das Erzbistum einfach
weiter; diesmal nach Bad Tölz.
Ratzinger, seit 1981 Chef der Glaubenkongregation verfügte weltweit alle
Kinderfickerfälle zu vertuschen. Er weigerte sich, sich damit zu beschäftigen.
Schließlich hatte er in dem Vierteljahrhundert bis zu seinem Aufstieg zum Papst
wichtigeres zu tun: Theologen wie Ranke-Heinemann, Küng, Galliot und Drewermann
mussten abgesetzt werden, weil sie es wagten selbst zu denken und insbesondere
kämpfte Ratzinger leidenschaftlich gegen die südamerikanischen
„Befreiungstheologen“, die es wagten sich gegen die faschistischen Killerregime
auf die Seite der Armen zu stellen. Ratzinger merzte sie alle aus und brachte
die südamerikanische Kirche auf stramm faschistenfreundlichen Kurs.
Die Schäfchen in Bad Tölz gingen mit Ratzinger d’Accord. Auf die Frage, ob sie denn nicht wüßten, daß es sich um einen verurteilten
Kindersex-Straftäter handelte, ätzten sie empört zurück „Na und? Wer denn
nicht?“
[…..] Reichenwallner, 60, graue
Haare, Brille, ist ein gebürtiger Bayer mit sonorer Stimme. Seit 18 Jahren ist
er Bürgermeister von Garching an der Alz im oberbayerischen Landkreis
Altötting. Mehr als 16 Jahre davon war Peter H. der Pfarrer der Gemeinde mit 8500
Einwohnern. Im Spätsommer 2008 musste er die Pfarrei verlassen. Der offizielle
Grund, erinnert sich Reichenwallner: das Rotationsprinzip. […..] Andererseits sagen auch viele, was für ein
"guter Pfarrer" Peter H. doch war. […..] Pfarrer
Peter H. ist ein dickleibiger, jovialer Mann, der seine Pfarrei in Garching 21
Jahre lang straff führte. […..] "Er
war ein glänzender Prediger, ein glänzender Rhetoriker, der die Leute
anzog", sagt Bürgermeister Reichenwallner. […..] Den "beliebten Pfarrer" gehen lassen zu müssen, war ein
Schock für die kleine Gemeinde zwischen Chiemsee und Waginger See. "Das
kam für uns aus heiterem Himmel. […..] In
einer Mitteilung des Pfarrverbands Garching-Engelsberg wurde Peter H. als
"Pfarrer zum Anfassen" gelobt. Der Abschied im September 2008 war in
der Gemeinde von Wehmut geprägt - Bürgermeister Reichenwallner erinnert sich an
eine "melancholische Veranstaltung". Eine Garchingerin sagt, sie habe
weinen müssen damals. Sie war nicht die einzige.
"In Bayern sind die Kirche
und die Gemeinde noch eng miteinander verwoben", sagt Reichenwallner. Auch
daher rührt das enge freundschaftliche Verhältnis zwischen Bürgermeister und
Pfarrer. […..] Reichenwallner nimmt ihn in Schutz:
"Jeden Tag tauchen neue Verfehlungen auf, warum wird jetzt ausgerechnet
dieser Fall so groß gespielt?", fragt der Bürgermeister. "Er ist
rechtskräftig verurteilt und hat sich seither soweit bekannt und von der
Diözese bestätigt nichts mehr zu Schulden kommen lassen - und eine gute Arbeit
in unserem Pfarrverband geleistet." […..]
(Julia Jüttner, DER SPIEGEL, 15.03.2010)
Missbrauchte Messdiener? Dafür konnte der Vatikan kein Mitleid aufbringen.
Für Papst Ratzinger schon.
"Den Papst und die gesamte
Kirche in die Missbrauchsskandale hineinziehen zu wollen ist ein Zeichen von
Gewalt und Barbarei"
(Erzbischof Rino Fisichella, Chef der päpstlichen Akademie für das Leben, 2010)
In den folgenden zehn Jahren gab es in Rom nicht nur keinen Lernprozess,
sondern Papstnachfolger Bergoglio ist sogar noch Kinderfic*erfreundlicher als
Ratzinger. Er reduzierte das Strafmaß mehrerer Pädo-Geistlicher, beförderte
verurteilte Kinderficker wie Kardinal Pell demonstrativ und sprach gar den
größten Kinderf*ckerförderer Johannes Paul-II heilig. (….)
(Pädo-Toleranz, 19.02.2020)
Über ein Jahr nachdem auch die Zweite der Ratzingerischen
Abscheulichkeiten in den Himmel hinauffuhr, halten ihm seine Münchner Komplizen
weiterhin die Stange und dreschen auf die Opfer ein.
[…..] Die Erinnerungen von Perr an das
Gespräch lassen den damaligen Missbrauchsgutachter nicht gut aussehen. Kneißl
habe ihm damals die Schuld für den Missbrauch nahegelegt, sagt Perr vor
Gericht. So steht es im Gerichtsprotokoll, das CORRECTIV, der BR und die ZEIT
einsehen konnten: „Als ich ihm meinem Fall schilderte, meinte er, ich wäre
selber schuld gewesen. Wenn ich schon Pornofilme beim Pfarrer schaue, hätte ich
mit sowas rechnen müssen.“ […..] Perrs Rechtsanwalt Andreas Schulz […..] ist sich sicher, dass Kneißl Druck auf seinen
Mandanten ausübte, um den Fall zu vertuschen:
„Herr Kneißl hat damals
natürlich aktiv dazu beigetragen durch Einschüchterungen von Kläger Perr, dass
dieser Fall aus dem Spektrum der Öffentlichkeit verschwand. Jetzt über seine
Anwälte vortragen zu lassen, das hätte er nicht gemacht, ist eine der üblichen
Verschleierungs- und Vertuschungsstrategien, die die katholische Kirche
generell macht”, erklärt Schulz gegenüber CORRECTIV. […..]
Das Erzbistum erkennt den
Missbrauch seines damaligen Priesters Peter H. an, bestreitet aber den von Perr
angegebenen Schaden mit „Nichtwissen“. Laut des Rechtsanwaltes von Perr,
Andreas Schulz, ist dies eine Verteidigungsstrategie der Kirche in einem Zivilprozess,
die den Kläger Perr zwingt, zu beweisen, dass der damalige Missbrauch durch den
Priester die Hauptursache für seine jahrzehntelange Drogensucht sei. „Damit
zieht sie den Kläger in einen langen prozessualen Weg, um ihn zu zermürben und
hoffnungslos zu machen — mit allen Sekundärtraumatisierungen und negativen
Belastungen, die ein solcher Weg für den Kläger mit sich bringt“, befindet
Schulz.
Die Tatsache, dass das
Erzbistum angibt, nicht zu wissen, welche verheerenden Folgen der klerikale
Missbrauch an Jungen für ihr ganzes Leben hat, wirft Fragen auf. Denn angeblich
bemüht sich die Kirche seit über einem Jahrzehnt um die Aufklärung dieses massenhaften
Verbrechens an Kindern durch ihre Priester – ihre Schränke sind gefüllt mit
Hunderten von Berichten, was die Opfer der Priester erleiden mussten und welche
Folgen sie davon trugen. […..]
(Correctiv, 29.03.2024)