Dienstag, 2. April 2024

Eine Ikone der CSU

Die meisten Leute interessieren sich nicht für Politik, wissen kaum etwas und kennen höchsten drei Leute aus dem Bundeskabinett.

Die wenigsten Minister erreichen es, sich so einen Namen zu machen, daß sie über die politische Echokammer hinaus bekannt sind.

Einer, der es wirklich geschafft hat, ist der Scheuer-Andi, der jahrelang die deutschen Satiriker glücklich machte, weil er nicht nur so unfassbar dämlich ist, sondern auch genauso verblödet aussieht. 

[…..]  So geht der Satz „Lampedusa darf kein Vorort von Kiefersfelden werden.“ auf Scheuer zurück.

Für deutlich mehr Wirbel allerdings sorgte dieses Zitat: „Entschuldigen Sie die Sprache: Das Schlimmste ist ein fußballspielender, ministrierender Senegalese, der über drei Jahre da ist. Weil den wirst du nie wieder abschieben.“ In der Formulierung indiskutabel bringt es zugleich den Grundsatz der christsozialen Migrationspolitik auf den Punkt, wonach die so oft geforderte Integration zumindest bei nicht anerkannten Flüchtlingen zu verhindern sei, um kein Abschiebehindernis zu schaffen.

Aufsehen erregte auch der Besuch einer kleinen, von Scheuer angeführten CSU-Delegation bei Floridas höchst umstrittenem Gouverneur Ron DeSantis vor knapp einem Jahr. „Die starken strategischen und außenpolitischen Einschätzungen des Gouverneurs heben die transatlantische Zusammenarbeit hervor“, schrieb der CSU-Politiker hinterher auf Twitter über den Republikaner, der in seinem Bundesstaat beispielsweise eine stark homophobe Politik umsetzt. […..]

(Dominik Baur, 02.04.2024)

Wann immer Gagschreiber an Ideenlosigkeit leiden, müssen sie nur ein Scheuer-Bild einblenden und das Publikum johlt.

[….]  Es sollte wohl nach freier Entscheidung klingen, als Scheuer im Januar mitteilte, bei der Wahl 2025 nicht mehr zu kandidieren. Allerdings ist zu hören, dass ihm die CSU in seinem Passauer Wahlkreis da schon den Rückhalt entzogen gehabt habe für eine neuerliche Kandidatur. Indem Scheuer sein Mandat nun vorzeitig abgibt, kann er seinem Rückzug doch noch einen halbwegs selbstbestimmten Anstrich geben. "Er will demonstrieren: Ich entscheide das selbst", sagt ein Parteikollege.

Auch die Häme habe wohl eine Rolle gespielt, sagt derselbe CSU-Mann: "Wenn sie in der Heute-Show einen Lacher brauchen, blenden sie den Scheuer ein." Und dann das jüngst veröffentlichte Buch des früheren Scheuer-Pressesprechers, in dem ein fiktiver "Bundesfiaskominister" seine Mitarbeiter anbrüllt und Kellnerinnen an den Busen grapscht. Alles zusammen sei "verletzend auf Dauer", das könne "jeder nachvollziehen". [….]

(Andreas Glas, 02.04.2024)

Und nun ist er weg aus der Politik. Ausgeschieden als der Aprilscherz, der er immer war.

[….] Der ehemalige Bundesverkehrsminister und CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer hat sein Bundestagsmandat niedergelegt und scheidet damit vorzeitig aus dem Parlament aus. Das bestätigte der Bundestag ZDFheute.

"Nach dem heutigen 1. April 2024 lege ich mein Mandat als Mitglied des Deutschen Bundestages nieder", schrieb der Politiker am Montag in einer Mitteilung an die Mediengruppe Bayern.

Zu seinen Beweggründen wollte er sich nicht ausführlicher äußern, er betonte aber ausdrücklich, dass es sich "nicht um einen Aprilscherz" handele. Zu seinen Zukunftsplänen äußerte sich Scheuer zunächst nicht. […..] Als Minister geriet Scheuer wegen der gescheiterten Pkw-Maut massiv in die Kritik - auch innerhalb der CSU wurde er in der Folge von vielen als Belastung gesehen.

Die von der CSU im Wahlkampf als "Ausländermaut" propagierte Gebühr war vor dem Europäischen Gerichtshof gescheitert, weil nur ausländische Autofahrer zahlen sollten. Weil das Bundesverkehrsministerium mit den vorgesehenen Betreibern unter Scheuer schon vor der Gerichtsentscheidung Verträge geschlossen hatte, musste der Bund 243 Millionen Euro Schadenersatz an die Unternehmen zahlen. [….] Im März dieses Jahres veröffentlichte der Ex-Sprecher Scheuers, Wolfgang Ainetter, ein brisantes Buch. Darin brüllt ein fiktiver Minister seinen Mitarbeiter an und grapscht Kellnerinnen an den Busen.

Der Autor betont, er habe einen "fiktiven, satirischen Krimi" geschrieben. Den Vorwurf einer versteckten Abrechnung mit seinem früheren Chef wolle er nicht gelten lassen.  [….]

(ZDF, 01.04.2024)

Der Dr.-Titel Betrüger Scheuer wäre nicht Scheuer, wenn er sich nach seinem Ausscheiden aus dem Parlament, nicht selbst bereichern würde.

Er wird in Berlin bleiben und seinen Kontakte mit zwei Phantom-Beratungsfirmen vergolden, die er just gründete und sich selbst als Geschäftsführer eintragen ließ.

[…..]  Bei den neuen Firmen handelt es sich um die Positanis Holding und die Tancredis GmbH. Zweck der Positanis Holding sei dem »Business Insider« zufolge »das Halten von Unternehmensbeteiligungen im eigenen Namen, auf eigene Rechnung und nicht als Dienstleistung für Dritte« sowie die »Verwaltung eigenen und fremden Vermögens«.

Die Holding scheint dementsprechend das Privatvermögen des Ehepaars zu verwalten, was Firmenbeteiligungen beinhaltet. Eine ebenjener Beteiligungen bezieht sich auf die zweite von Scheuer gegründete Firma. So soll die Tancredis GmbH die »Erbringung von Unternehmensberatungsleistungen und zugehörige Dienstleistungen« gewährleisten. Scheuer ist bei beiden Unternehmen als Geschäftsführer aufgeführt.

Es scheint, als wolle Scheuer seine Expertise und Beziehungen als ehemaliger Verkehrsminister in entsprechenden Branchen einbringen. Bereits im Oktober hatte das Logistikunternehmen Mosolf Group verlauten lassen, dass Scheuer Mitglied des Fachbeirats werden würde. Nur einen Tag nach Scheuers Ausscheiden aus dem Bundestag ließ das Unternehmen nun eine offizielle Mitteilung folgen. Mosolf ist ein wichtiger Dienstleister in der Autobranche.  [….]

(SPON, 02.04.2024)

Üblicherweise hackt eine Krähe der anderen kein Auge aus. Gerade die Exilbayern der CSU-Landesgruppe im feindlichen roten Berlin, mit dem bösen linksgrünversifften, so gar nicht deutsch-Gillamoosigen, Neukölln, halten eigentlich zusammen wie Pech und Schwefel.

Aber „der Andi“ ist so unfassbar schlecht, daß auch seine Parteigenossen nicht umhin können, zuzugeben, daß er der schlechteste Bundesminister nach 1949 ist. Ihm weint nun wirklich niemand eine Träne nach. Außer der Heute-Show.

[….]  Eher still sind auch die Begleitgeräusche zu Scheuers plötzlichem Abschied aus der Politik. Irgendwie seltsam, wenn man bedenkt, wie sehr dessen Karriere, die unter dem Titel "Mautdebakel" haften bleibt, die Republik aufgewühlt hat. Die Deutsche Presseagentur (dpa) verbreitete die Nachricht am Montag mit Prioritätsstufe vier - mit demselben Nachrichtenwert kündigte sie "typisches Aprilwetter in Bayern" an. Und aus der CSU war fast gar nichts zu hören, kein Lebewohl, praktisch nirgends. In dieser Gefühlskälte, die Scheuer in der Partei schon länger zu spüren bekam, ist die Haupterklärung zu suchen, weshalb Scheuer hinschmeißt. [….]

(Andreas Glas, 02.04.2024)



Montag, 1. April 2024

Impudenz des Monats März 2024

Und schon wieder einmal zeigt der Kalender eine „1“ - hohe Zeit für mich den Blödmann des Monats zu küren.

In den USA steht man bei den diesjährigen Präsidentschaftswahlen vor einer Richtungsentscheidung, vor ganz besonders wichtigen Wahlen.

Das sagt man zwar jedes Jahr, in dem Präsidentschaftswahlen stattfinden, aber dieses Mal stimmt es wirklich.

Das sagt man zwar auch jedes Jahr, in dem Präsidentschaftswahlen stattfinden, aber dieses Mal stimmt es wirklich.

Dieses Mal steht ein Trump zur Wahl, der nicht nur Gewaltenteilung und Demokratie abschaffen will, sondern auch bereits bewies, dafür die Chuzpe und kriminelle Energie aufzubringen.

Wer auch nur einen Funken Liberalität, Anstand oder ein Gefühl für humanistische Werte aufbringt, wählt natürlich Biden und nicht Trump.

Die Christen hingegen fallen oft nicht unter diese Kategorien und müssen sich nun zwischen einerseits dem frommen Katholiken Joe Biden, der jeden Sonntag in die Kirche geht und andererseits dem zigtausendfachen Lügner, Rassisten und Vergewaltiger Trump entscheiden.

Biden, der Mann, der sich anständig verhält und Menschen mit Respekt behandelt und Trump, der aggressive Prolet, der mit wüster Fäkalsprache auffällt, sich mit Kriminellen umgibt und jede noch so niedrige moralische Grenze unterschreitet.

Man ahnt es schon, die Evangelikalen stellen sich genauso wie der mächtige katholische US-Klerus hinter Trump und verdammen Joe Biden, weil dieser es nicht nur wagt für Schwulen- und Frauen- und POC-Rechte einzutreten, sondern auch Politik gegen Folter und Waffengewalt Politik. I Gitt. Schauderhaft. Das können US-Christen gar nicht leiden.

Und damit ernenne ich die US-Christen zur

Impudenz des Monats März 2024.

Ihre eindeutige Positionierung für das Böse, das Gewalttätige und Abscheuliche; ihre Parteinahme für Vergewaltiger, Homophobe, Antisemiten, Transphobe, Misogyne, Xenophobe und Pädosexuelle hilft der GOP, hilft den rasenden Hass-Apologeten wie MTG und Boebert im Kongress, hilft Trump.


Aber im Socialmedia-Zeitalter des Jahres 2024 macht diese Positionierung die Christen nicht unbedingt sympathisch.

Immer mehr Amerikaner mögen die christlichen Methoden nicht. Immer mehr Amerikaner fremdeln damit, wenn Christen ihre eigenen Kinder aus dem Haus jagen, sobald sie nicht dem heteronormativen Bild entsprechen. 


Immer mehr Amerikaner stören sich daran, Kinder, wie in der Bibel gefordert, laufend zu verprügeln und ihnen schon im Kindergartenalter scharfe Waffen in die Hand zu drücken, damit sie sich gegenseitig erschießen können. 

Immer mehr Amerikaner lehnen es ab, von ihren Onkels, Vätern oder Priestern vergewaltigten 12-Jährigen zu verweigern, solche Schwangerschaften zu unterbrechen.


Immer mehr Amerikaner lehnen es ab, Kranke in den Tod zu schicken, wenn sie sich die Medikamente nicht leisten können.

[….] Laut einer Untersuchung zum Thema Religion und Glauben distanzieren sich in den USA Menschen zunehmend von Religionsgemeinschaften. Ein Grund dafür seien nach deren Auskunft „negative Lehren“ über sexuelle Minderheiten, berichtete am Donnerstag das Public Religion Research Institute in Washington. Bei der Erhebung gaben laut dem Institut 26 Prozent der Umfrageteilnehmer an, sie hätten keine Bindung zur Religion, deutlich mehr als 2013 (21 Prozent).

Das Public Religion Research Institute hatte gefragt, warum Menschen den „Glauben ihrer Kindheit“ ablegen: 67 Prozent der Abgesprungenen gaben an, sie hätten aufgehört, an ihren vormaligen Glaubenslehren festzuhalten. 47 Prozent sagten, die negative Haltung der Religion zu schwulen und lesbischen Menschen sei ein Grund. Missbrauch durch Geistliche nannten 31 Prozent als Grund für eine Abkehr, 20 Prozent störten sich an der Politisierung ihrer ehemaligen Glaubensgemeinschaft.  [….]

(EPD, 28.03.2024)

Immer mehr Amerikaner treten aus der Kirche aus. Immer weniger Amerikaner gehen regelmäßig in die Kirche.

Man kann es nur mit völliger geistiger Umnachtung erklären, daß sich so viele Amerikaner unbedingt einen Präsidenten mit strikten religiösen Überzeugungen wünschen und gleichzeitig Trump für den besseren Christen als Biden halten.

[…..]  Almost all Americans (94%) say it is “very” or “somewhat” important to have a president who personally lives a moral and ethical life. And a majority (64%) say it’s important to have a president who stands up for people with their religious beliefs.

About half of U.S. adults (48%) say it is important for the president to hold strong religious beliefs. Fewer (37%) say it’s important for the president to have the same religious beliefs as their own.

Republicans are much more likely than Democrats to value religious qualities in a president, and Christians are more likely than the religiously unaffiliated to do so. For example:

·        Republicans and GOP leaners are twice as likely as Democrats and Democratic leaners to say it is important to have a president who has the same religious beliefs they do (51% vs. 25%).

·        70% of White evangelical Protestants say it is important to have a president who shares their religious beliefs. Just 11% of religiously unaffiliated Americans say this. […..]

(Pew, 15.03.2024)

Noch sind die USA ein überwältigend christliches Land, aber die religiöse Bindung nimmt ab. Möge den Christidioten ihre Trump-Liebe weiter um die Ohren fliegen und die Jugend in den Atheismus treiben.

Sonntag, 31. März 2024

Das geht böse aus in Kyjiw

Meine gestern beschriebene optimistische Weltsicht zeigt sich gerade besonders deutlich in der Ukraine.

Die Menschen stehen vor dem Megaproblem Klimaerhitzung, welches alle ökonomischen und finanziellen Ressourcen aller Nationen gemeinsam erfordert, um möglichweise die schlimmsten Folgen abzumildern.

Aber nicht nur gibt es kein gemeinsames Handeln, nein, wir prassen sogar aberwitzige Summen raus, um das Klima drastisch weiter anzuheizen – in Form von Waffen und Explosivkörpern, die nicht nur für den sprichwörtlichen „heißen Krieg“ stehen, sondern auch einen katastrophalen CO2-Ausstoß haben. Das geschieht durch den Treibstoffverbrauch, die Explosionsgase, die Brände und schließlich auch durch den Material- und Energieverbrauch beim Wiederaufbau.

[….] Einen massiven Klimaschaden, den Russlands Krieg in der Ukraine angerichtet hat, errechnet die zivilgesellschaftlich organisierte internationale "Initiative on GHG accounting of war". Das schlimmste Einzelereignis ist für die Wissenschaftler die Zerstörung des Kachowka-Staudamms im Juni 2023. Vor dem internationalen Strafgericht in Den Haag, der gegen Russlands Präsident Wladimir Putin einen Haftbefehl erlassen hat, könnte das noch zusätzlich als "Ökozid" verfolgt werden.

Der Bruch des Damms führte zu einer zerstörerischen Flut und einem Totalverlust dieses Wasserreservoirs. Weitere Großereignisse sind die Anschläge auf die Nord-Stream-Pipelines und die dadurch verursachten Treibhausgasemissionen, die ebenfalls in der Studie berücksichtigt wurden.

Insgesamt kommt die zivilgesellschaftlich organisierte Initiative in ihrer nunmehr dritten Studie über die Umweltfolgen des Ukraine-Kriegs zu dem Ergebnis, dass der Klimaschaden einem Äquivalent von 150 Millionen Tonnen CO2 entspricht, soviel wie die jährlichen CO2-Emissionen Belgiens.  [….]

(Tagesschau, 04.12.2024)

Daß auch Grüne und SPD sich für die so offensichtlich klimapolitisch katastrophale Waffenproduktion, Aufrüstung und militärische Unterstützung der Ukraine einsetzen, zeigt daß Klimarettung mindestens auf Priorität Zwei abgerutscht ist; womöglich sogar als noch nachrangiger betrachtet wird. Diese Kurzsichtigkeit ist zutiefst menschlich. Man will schließlich den angegriffenen Ukrainern helfen und Putin keineswegs gewinnen lassen. Auch im eigenen Interesse.

Willy Brandt sagte einst:

„Frieden ist nicht alles, aber ohne Frieden ist alles nichts.“

Das sind weise Worte, die aber im 21. Jahrhundert ergänzt werden müssen:

„Frieden ist nichts, wenn sich unsere Affenkugel in einen unbewohnbaren Glutball verwandelt hat!“

Die kurzsichtige „Logik“ der massiven militärischen Unterstützung für die Ukraine, lautet offenkundig, daß gebremste Erderwärmung nicht mehr wichtig ist, wenn Moskaus Truppen ante Portas stehen und unsere demokratische Existenz entziehen.

Ein Dilemma ohne Ausweg. Ich fürchte Russlands Sieg ungefähr genauso, wie Russlands Niederlage.

Letzteres ist gefährlich, weil Putin auf einem Atomwaffenarsenal sitzt und wohl kaum achselzuckend die Schande der Niederlage akzeptieren würde.

(….) Die Taurus-Fans Merz, Hofreiter und Strack-Zimmermann reden nicht drüber, aber ganz offenbar hält die US-Regierung einen russischen Atomschlag für absolut möglich. Es ist sogar noch schlimmer; schon zweimal herrschte Alarmstufe Rot, so daß Biden Olaf Scholz kontaktierte, um ihn auf diese bevorstehende Gefahr hinzuweisen.

[….] Olaf Scholz zieht die Konsequenzen aus der realen Gefahr atomarer Eskalation

Mehrfach stand die Welt am Abgrund, weil Wladimir Putin den Einsatz von taktischen Atomwaffen in der Ukraine erwog. Olaf Scholz hat daraus in der Taurus-Frage die Konsequenzen gezogen – und gewinnt plötzlich an Statur als Friedenskanzler

Im Herbst 2022 stand die Welt am Rande eines Atomkriegs. Zum ersten Mal seit den Tagen der Kubakrise 1962. Das enthüllten jetzt gemeinsam die New York Times und der Sender CNN.

US-Präsident Joe Biden war am 6. Oktober 2022 von seinen Geheimdiensten darüber informiert worden, dass hohe russische Militärs aufgrund des ukrainischen Vormarschs in Richtung Krim den Einsatz taktischer Atomwaffen erwägen würden. Biden war alarmiert. Er fürchtete eine Eskalation zum nuklearen „Armageddon“. Der Nationale Sicherheitsrat trat zusammen, es wurden Notfallpläne für den Ernstfall ausgearbeitet. […..]

(Der Freitag, Ausgabe 11/2024)

Freitag-Autor Wolfgang Michal denkt sich das nicht aus, sondern bezieht sich auf seriöse Recherchen der New York Times und CNN, die von Biden’s Armageddon Moment im Oktober 2022 berichten. Letztlich kam es nicht zum russischen Atomschlag, weil die Ukraine doch nicht erfolgreich die Krim rückerobern konnte. (….)

(Ausweg Atomweltkrieg, 14.03.2024)

Derzeit scheint dieses Szenario aber eher unwahrscheinlich, da Putin seinen wichtigsten Unterstützer Donald Trump dazu manipuliert, die US-Unterstützung für die Ukraine zu stoppen. Trump bewundert Putin grenzenlos.

[…..]  Angesichts der für die Ukraine immer schwierigeren Lage an der Front hat Präsident Wolodymyr Selenskyj eine deutliche Warnung an die USA ausgesprochen. Sein Land sei auf die Militärhilfe aus den USA angewiesen, sagte der Präsident in einem Interview mit der Washington Post. Wenn der Kongress die Lieferung weiter blockiere, bliebe seinen Truppen bald nur noch der Rückzug. An eine Gegenoffensive sei ohne die entsprechenden Waffen gar nicht zu denken, fügte er hinzu: Das Militär könne kein Vorrücken planen, weil es nicht wisse, ob es die dafür nötigen Waffen haben werde, sagte er.

Nach der erfolglosen Gegenoffensive der Ukraine im vergangenen Jahr rücken die russischen Streitkräfte an der Front erneut vor. Außerdem haben sie die Raketen- und Drohnenangriffe auf ukrainische Städte und die zivile Infrastruktur verstärkt. Den ukrainischen Truppen fällt es zunehmend schwer, sie zurückzudrängen, vor allem aufgrund von Munitionsmangel. […..] Selenskyj forderte Demokraten und Republikanern in Washington auf, das politische "Gezänk" um die Militärhilfe zu beenden, weil viel mehr auf dem Spiel stehe. "Wenn die Ukraine fällt, wird Putin die Welt spalten", sagte er.

Der US-Senat hatte die Militärhilfe im Wert von 60 Milliarden Dollar schon im Februar gebilligt, doch im Kongress blockieren die Republikaner die Zahlung – vor allem unter Druck von Abgeordneten, die dem Ex-Präsidenten Donald Trump nahestehen. […..]

(Zeit, 30.03.2024)

Die Ukrainischen Soldaten sind, wenig überraschend, nach zwei Jahren im Dauereinsatz, demoralisiert und müde. Putin hingegen sitzt auf den größeren (menschlichen) Ressourcen und rekrutiert jeden Monat weitere 30.000 russische Kämpfer. Das meldet der britische Geheimdienst. Außerdem gibt es schwere Angriffe auf die Ukrainische Energieinfrastruktur. Viele Gebiete sind ohne Strom.

[…..] Wie sehr die Ukraine von den US-Militärhilfen abhängt, hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj noch einmal in einem Interview mit der Washington Post verdeutlicht. Eine weitere Blockade im Kongress bedeute nach Selenskyjs Worten, dass sich die Streitkräfte mehr und mehr zurückziehen müssten.

"Wenn es keine US-Unterstützung gibt, bedeutet das, dass wir keine Flugabwehr haben, keine Patriot-Raketen, keine Störsender für die elektronische Kriegsführung, keine 155-Millimeter-Artilleriegeschosse", sagt er. "Das bedeutet, dass wir zurückweichen, uns zurückziehen, Schritt für Schritt, in kleinen Schritten", sagte er. […..]  Heute hat Selenskyj angekündigt, weitere Mitarbeiter zu entlassen. Ihren Hut nehmen mussten Selenskyjs langjähriger Assistent Serhij Schefir, der dem ukrainischen Staatschef seit 2019 gedient hatte, sowie drei Berater und zwei Vertreter des Präsidialbüros. […..] Die Entlassungen erfolgten in einer Phase, in der die Ukraine wieder verstärkt von Russland angegriffen wird. In der Nacht hat Russland nach ukrainischen Angaben zwölf Drohnen des Typs "Schahed" und vier Raketen auf den Osten des Landes abgefeuert. Neun der Drohnen seien abgefangen worden. Die ukrainische Armee sprach in Social-Media-Beiträgen von 38 Raketen, 75 Luftangriffen und 98 Attacken mit Mehrfachraketenwerfern binnen 24 Stunden. […..] Das ukrainische Energieunternehmen Centrenergo gab bekannt, dass eines der größten Wärmekraftwerke in der Region Charkiw durch russischen Beschuss vollständig zerstört worden sei. […..] Russland hat in den vergangenen Tagen an der ukrainischen Energieinfrastruktur erheblichen Schaden verursacht. Behördenvertreter in der Region Poltawa sagten, eine Infrastruktureinrichtung sei mehrfach getroffen geworden. […..]

(Tagesschau, 30.03.2024)

Trump und seine putinophilen Jünger werfen sich in die Bresche für Russland. Moskau-Mitch und Leningrad-Lindsey, Putins Trolle im US-Kongress,  arbeiten also weltweit an der Abschaffung von Demokratie und Freiheit. 

Das geht böse aus in der Ukraine. Putins Sieg hätte schlimme Folgen.

(….) Putin hätte freie Bahn, könnte sich in den nächsten Jahren weitere Länder einverleiben.

Andere Diktatoren, wie Kim Jong Un, Xi und Erdoğan wären ermutigt, ebenfalls Angriffskriege zu beginnen, wenn sie lernen, daß sich Aggressivität und Skrupellosigkeit auszahlt, weil die Demokraten der Welt nicht in der Lage, oder Willens sind, so ein Vorgehen aufzuhalten.

Die unmittelbare Folge für die EU wäre aber ein gewaltiger Flüchtlingsstrom. Analysten rechnen mit zehn Millionen weiteren Ukrainern, die ihr Land verließen. Niemand könnte ihren Asylwunsch abschlagen; zu offensichtlich wäre die reale Gefahr für ihr Leben, wenn sie unter Putins Schlächtern bleiben müssten.

Einige AfD-Ministerpräsidenten mögen das Kriegsende und den russischen Sieg bejubeln. Fragt sich, ob sie das auch noch tun, wenn sie weitere zwei, oder drei Millionen Ukrainer in Deutschland mit Obdach und Sozialleistungen versorgen müssen. (….)

(Ausweg Atomweltkrieg, 14.03.2024)

Samstag, 30. März 2024

Keine Osterhoffnung.

Für die aktuellen, aber auch die grundlegenden Großkrisen der Menschheit; Gaza/Ukraine einerseits und Klima/Überbevölkerung andererseits; sehe ich keinerlei Anlass zur Hoffnung. Äußerster Pessimismus ist die einzig rationale Betrachtungsweise. In meinem Hinterkopf besteht zwar noch die infinitesimal winzige Chance, mit wirklich inspirierenden, charismatischen Führungsfiguren (Mandela, Brandt) die Weichen der Welt wieder richtig zu stellen. Aber erstens sehe ich nirgendwo so eine Person (und es müßten schon einige dieser Personen gleichzeitig Regierungschefs der wichtigsten Nationen sein) und zweitens sorgt unsere Internet-Algorithmenwelt für die massive Verblödung der Wähler, so daß richtig gutes Regierungspersonal gar nicht erst gewählt würde.

Im Gegenteil; es herrscht globale Kakistokratie. Es setzen sich auf allen Ebenen; vom ostdeutschen Landratsamt bis zum Weißen Haus; die übelsten Typen durch.

Natürlich entwickelt sich die Welt dysfunktional, wenn bei internationalen Gipfeln Persönlichkeiten wie Putin, Xi, Netanyahu, Orbán, Erdoğan, MBS, Sunak und demnächst Le Pen, Merz, Wilders und Trump zusammenfinden.

Im 21. Jahrhunderte wurde nicht nur in der Politik das Arschgeigen-Prinzip etabliert.

Auch alle andere Machtstrukturen pressen mit erschreckender Konsequenz immer die widerlichsten, korruptesten und gefährlichsten Typen nach oben.

Das deutschsprachige Europa feierte Rene Benko und Jan Marsalek als Finanzikonen, läßt Martin Winterkorn, Jürgen Schrempp, Josef Ackermann, Thomas Middelhoff oder Anton Schlecker zig Milliarden Euro Werte vernichten.

Mit ihrer wirtschaftlichen und finanziellen Power könnten die weltweit reichsten Multimilliardäre viel Gutes bewirken. Aber das wird natürlich nichts, da ihre Namen Koch, Zuckerberg oder Musk lauten.

Bei internationalen „gemeinnützigen“ Entitäten sieht es nicht besser aus. Saudi-Arabien übernimmt Vorsitz der Uno-Frauenrechtskommission.

Papst Frans, mächtigster Religiot der Welt, Führer von 1,4 Milliarden Katholiken, lässt gegen Wokeness, Frauen- und Selbstbestimmungsrechte kämpfen.

Bergoglios Kollege Kyrill I., Patriarch von Moskau und der ganzen Rus und damit der Vorsteher der Russisch-Orthodoxen Kirche, betätigt sich als bluttriefender Kriegstreiber, der mit aller Macht Putin unterstützt und damit die Queeren von der Welt tilgen will.

Bei der Führern der mächtigen US-Evangelikalen, der jüdischen Ultraorthodoxen, der Mullahs und Großayatollahs, sieht es keinen Deut besser aus. Auch hier stehen an stets die gefährlichsten Arschlöcher an der Spitze, die jede Hoffnung auf Frieden und Fortschritt zunichtemachen.

Mit sicherem Griff ins Klo werden selbstverständlich auch in Vereinen streng kakistokratisch die Führungsetagen besetzt. Das geschieht nicht etwa durch finstere Mächte im Hintergrund, sondern die ganz normalen Vereinsmitglieder wählen diese Typen. Ob FIFA, UEFA oder DFB – die Verbrecher an der Spitze sind das Abbild der Fußballfans, die sich wirklich nur mit äußerster Heuchelei empören können, wenn ihre Meisterschaften in Russland oder Katar stattfinden.

Plötzlich echauffiert man sich über die Kommerzialisierung. Als ob die FIFA jemals etwas anderes, als eine zutiefst korrupte Geldmaschine wäre, die über Leichen geht, um ihren Funktionären die Taschen vollzustopfen.

Es sind auch nicht irgendwelche dubiosen internationalen Strukturen, sondern der DFB, der es auch 2022 nicht wagt einen Gegenkandidaten zu FIFA-Boss Gianni Infantino aufzustellen, ist selbstverständlich genauso korrupt.

Der DFB, der seinen Spielern nicht mal eine Regenbogen-Armbinde zugesteht, ist nicht vom Himmel gefallen, sondern ein Abbild der Millionen deutschen Mitglieder, die tumb das erzkonservative homophobe Personal absegnen.

(….) Sich gegen Homophobie zu engagieren, wenn es wirklich nichts kostet und sogar opportun erscheint, ist aber nicht nur die Methode konservativer Parteien und Wirtschaftsunternehmen, sondern auch der Mehrheit der Bürger.

Nicht nur Markus Söder ist Gegner der Homoehe. Auch Angela Merkel stimmte dagegen, ihre Nachfolgerin im CDU-Parteivorsitz Kramp-Karrenbauer ebenso und insbesondere der radikal religiöse Armin Laschet mit seinem Opus Dei-Umfeld sind Feinde der LGBTIQ-Bewegung.

Laschet und Söder sind aber die liebsten Kanzlerkandidaten der Deutschen. Ihre CDUCSU führt mit Abstand die Umfragen zur Bundestagswahl an.

Wenn es Euch ernst ist mit Homorechten, dann wählt nicht CDU, CSU, AfD.

Ein weiterer ganz großer Akteur wider die Homo-Gleichstellung ist die Römisch-Katholische Kirche, die von weit über 20 Millionen Deutschen jedes Jahr mit Milliarden Euro unterstützt wird.

Wenn es Euch ernst ist mit Homorechten, dann tretet aus den Kirchen aus!

Im Moment wird die UEFA von allen Seiten für ihre servile Haltung gegenüber homophoben Diktatoren kritisiert. Der Protest gegen die UEFA mit Regenbogensymbolen ist aber für den milliardenschweren Funktionärsverein so lächerlich, daß er kurzerhand selbst sein Logo entsprechend einfärbte. Auch das kostet die UEFA nichts. Die verkrusteten Strukturen bleiben.

Wenn es Euch ernst ist mit Homorechten, dann kauft keine Tickets für Fußballspiele, boykottiert die TV-Übertragungen, gebt kein Geld für Fan-Artikel aus! All das ist nämlich nichts anderes als UEFA-Sponsoring und damit Unterstützung für die Homophoben.

Auch der Deutsche Fußball-Bund e. V. (DFB) mit sieben Millionen Mitgliedern ist als Dachverband von 26 deutschen Fußballverbänden Teil des homophoben Establishments. An der Spitze sitzen stets weit rechts stehende Unionspolitiker, die nahezu durch die Bank weg korrupt sind.

Wenn es Euch ernst ist mit Homorechten, dann tretet aus den Fußballvereinen aus.

Der DFB ist einer von 55 Mitgliedsverbänden eben dieser Union of European Football Association, UEFA, die vor Orbán und Putin kuscht.  Der CDU-Politiker Reinhard Grindel, 2002 bis 2016 weit rechts außen stehendes homophobes Mitglied des Deutschen Bundestags, ist UEFA-Vizepräsident, obwohl er so korrupt und verlogen ist, daß er 2019 vom DFB-Vorsitz zurücktreten musste.

Wenn es Euch ernst ist mit Homorechten, dann boykottiert Fußballübertragungen, verlaßt DFB-Vereine und wählt nicht CDUCSU.

Der DFB ist Teil der UEFA, die wiederum eine von sechs Kontinental-Konföderationen des Weltfußballverbandes FIFA ist.

Die FIFA dürfte in Punkto Korruption, Skrupellosigkeit und Diktaturaffinität unübertroffen sein.

Die nächsten Weltmeisterschaften vergab sie nach Katar. Dort gilt das Schariarecht. Frauen sind nicht gleichberechtigt und Schwule können von der Rechtssicherheit und Freiheit, die sie in Ungarn oder Polen genießen, nur träumen. In Katar gibt es drei Jahre Gefängnisstrafe, wenn man als Homosexueller enttarnt wird.

Wenn es Euch ernst ist mit Homorechten, dann werdet Ihr sicherlich nicht nur aus DFB-Vereinen austreten, nicht mehr CDU wählen, sondern ganz sicher auch kein einziges Spiel der WM 2022 gucken, demonstrativ jeden Fanartikel meiden, kein einziges Trikot kaufen, alle schwarzrotgoldenen Werbewimpel links liegen lassen und jede Fußballübertragung mit Einschaltquote Null quittieren. Oder sind Euch Homorechte so wenig wert, daß Ihr dafür noch nicht mal für zwei Stunden ein anderes TV-Programm einschalten würdet? (…)

(Buntwashing, 24.06.2021)

So läuft das im Sport. Ob im Schwimmverband, bei Turnern oder Leichtathleten – die Chefs sorgen stets für Korruption, Doping und schaffen Strukturen, in denen Trainer die Sportler misshandeln und vergewaltigen. Da halten sie sich ganz an ihre moralischen Vorbilder in den Religionen.

Die größte und reichste Sportorganisation von allen; das IOC, ist selbstverständlich auch die Mieseste und Korrupteste. Derzeit mit dem Deutschen Putin- und Lindner-Fan Thomas Bach an der Spitze.

So wird es natürlich nichts mit fairen, nachhaltigen und Olympischen Spielen der Menschenrechte.