Sonntag, 4. Dezember 2022

Einbürgerung light  

Es ist das alte Seth McFarlane-Gesetz: So sehr sich Christen und Konservative auch bemühen, Menschenrechte zu bekämpfen und den gruppenbezogenen Hass zu schüren; sie verschwenden letztendlich nur ihre Zeit.

Gestern mußte ich mal wieder an den stets gut gelaunten Seth McFarlane denken, der immer mal wieder bei Bill Maher zu Gast ist und dort einst einen schlauen Satz über den kirchlichen Widerstand gegen die Homoehe tat. Seine These lautete, daß die Kirchen mit ihrem Widerstand gegen Aufklärung ihre Zeit verschwenden.

Menschenrechte, Meinungsfreiheit, Religionsfreiheit, Pressefreiheit, Rechtsstaat, Frauenemanzipation, Folterverbot, Abschaffung der Sklaverei, Abschaffung der Todesstrafe, Freiheit der Kunst, Abschaffung der Prügelstrafe, Tierrechte, Ächtung von Antisemitismus, Schwulenrechte, Abschaffung des Verbots gemischtrassiger Ehen, Abschaffung des Verbots gemischtkonfessioneller Ehen, Verbot von Vergewaltigungen in der Ehe, etc pp - all das mußte gegen den erbitterten Widerstand der Kirchen erkämpft werden.
Die Kirchen waren dagegen und verschwendeten damit sinnlos über Dekaden ihre Kraft.

Glücklicherweise hat sich der kirchliche Widerstand üblicherweise als Mißerfolg erwiesen, weswegen Seth Macfarlane es als Zeitverschwendung betrachtet auf Seiten der Kirche zu stehen:

It is a huge waste of time; if you look back in history every civil rights-movement; the blacks or woman, they always lose. Anyone who tries to fight the advance on any particular minority-group is going to lose - whether it is now, whether it is 20 years from now.
They are wasting their time.

(Alle Mann zurück, 15.07.12)

Die politische Entsprechung der Kirche ist die CDU, die auch stets als letzte Partei noch Menschenrechte bekämpft und intensiv für Ungerechtigkeiten wirbt. Man könnte es relaxed als vergeblichen Kampf der Schlechten für das Schlechte ansehen. Sie werden ja doch eines Tages verlieren. Aber sie gestalten diese Prozesse natürlich ungeheuer quälend, so daß man kein Auge ob der moralischen Irrtümer der konservativen zudrücken möchte.

(Schneckentempo Dank der CDU 28.03.14)

Überflüssig zu erwähnen: Die schrillen Warnungen aus CDU, CSU, GOP und AfD stellen sich immer ans hanebüchener Unsinn heraus. Merkel und Merz stemmten sich gegen die gleichgeschlechtliche Ehe, warfen ihr gesamtes politischen Gewicht in die Waagschale, um Lesben und Schwule zu diskriminieren. Letztendlich scheiterten sie und stehen nun blamiert da. Das ist kein nationales Phänomen, sondern sieht in der ganzen Welt so aus. Sechs von sieben G7-Staaten haben inzwischen komplizierte Sonderregellungen wie die „eingetragene gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaft“ fallen lassen und lassen jeden heiraten, der möchte.

Bekanntlich ist keine Gesellschaft der sechs Nationen daran zerbrochen. Gott schickte eine Plagen. Es gibt nach wie vor heterosexuelle Ehen, weil nicht, wie befürchtet, sofort alle Männer schwul wurden.

Auch Japan wird irgendwann nachziehen.

Weil die Konservativen religiösen Männer nirgends in der Welt die Ausweitung von Bürgerrechten klaglos akzeptieren, sondern immer einige von ihnen losziehen, um Angehörige von Minderheiten oder generell Schwächere – Frauen, Schwule, Schwarze, Juden, Migranten – umzubringen, werden ihnen gern politische Brücken gebaut.

Es geht in kleinen Schrittchen voran, um die Aggressionen der reaktionären Gläubigen zu zügeln. Gerd Schröder startete daher mit einer Art „Ehe light“. Es war irgendwie offiziell, vor einem Standesbeamten geschlossen. Durfte aber nicht „Ehe“ heißen, bedeutete weniger steuerliche Privilegien und Kinder durften die Homos schon mal gar nicht adoptieren, obwohl man schon damals aus Studien wußte, daß sich Kinder von gleichgeschlechtlichen Eltern sogar besser entwickeln, als diejenigen, die in heterosexuellen Elternhäusern aufwachsen.

Der Grund ist so simpel wie einleuchtend: Heteros bekommen auch versehentlich Kinder, haben Nachwuchs, wenn sie den Partner nicht recht mögen oder die Lebensumstände suboptimal sind.  Alle Kinder von Homos sind hingegen Wunschkinder, die nicht zufällig ins Leben platzen, wenn die Eltern gerade drogensüchtig oder obdachlos oder völlig verarmt sind.



Selbst homophobe Machos wie Friedrich Merz, der im Bundestag gegen die Strafbarkeit von Vergewaltigung in der Ehe stimmte, weil er es für ein biblisch gewolltes Vorrecht des Mannes hält, seine Ehefrau sexuell zu missbrauchen, trauen sich nicht mehr, einen mit einem Mann verheirateten Mann wie Jens Spahn aus der Fraktion zu werfen.

In Frankreich gibt es die homosexuelle Ehe seit 2013. Vorläufer war seit 1999 die PACS-Ehe. Das Gegenstück zur seit 2001 geltenden eingetragenen Lebenspartnerschaft in Deutschland, besteht allerdings nach wie vor und ist deutlich eleganter, weil es heterosexuellen Franzosen offen steht.

Denn, Überraschung, nicht jeder Heterosexuelle ist ein konservativer Sack, der von christlicher Ehe träumt.

[…] Das Gesetz stammt aus dem Jahr 1999: Der Pacte civil de solidarité, kurz PACS genannt, sollte das Zusammenleben gleichgeschlechtlicher Paare rechtlich anerkennen. 2013 wurde in Frankreich die Homo-Ehe eingeführt; mittlerweile werden PACS-Verträge zu 95 Prozent von Partnern unterschiedlichen Geschlechts abgeschlossen. Dazu reicht eine gemeinsame Erklärung aus: In ihr wird festgelegt, wie das Zusammenleben aussehen, wie mit gemeinsamem Besitz umgegangen werden soll. Gütertrennung wie auch Gütergemeinschaft sind möglich, wichtig ist der Solidaritätsgedanke: Beide Partner verpflichten sich zu gegenseitiger Hilfe, stehen etwa gemeinsam für ihre Mietkosten ein. Nach welchen Kriterien sich diese Hilfe richten soll, entscheiden sie selbst. Die Pariser Rechtsanwältin und Notarin Nathalie Couzigou-Suhas:

„Es gibt sehr viele, die sich verpacsen und sagen, na, wir heiraten später – vielleicht, weil sie jetzt keine Zeit zum Heiraten oder nicht das Geld dafür haben. Das ist etwas anderes, als der Gesetzgeber damals wollte: Das heißt, eine Institution ist der PACS-Vertrag noch nicht geworden.“ […] Um den Unterschied zur Ehe zu betonen, konnten PACS-Verträge früher nur vor einem Amtsgericht geschlossen werden, die große Hochzeitszeremonie im Rathaus blieb den PACS-Partnern verwehrt. Im November 2017 wurde diese Regelung aufgehoben: Auch ein Dorfbürgermeister kann nun Paare verpacsen. Ein PACS-Vertrag ist in vielem eheähnlich. PACS-Partner werden steuerlich gemeinsam veranlagt, können gemeinsam Steuervergünstigungen anmelden. […]

(Deutschlandfunk, 13.05.2018)

Genauso unseriös, menschenfeindlich und gesellschaftsschädigend, wie bei der „Homoehe“ agieren CDU, CSU und AfD bekanntlich auch beim Staatsbürgerschaftsrecht. Auch hier beharren sie wider besseres Wissens und wider jeder Moral darauf, anderen Menschen kategorisch nicht die gleichen Rechte zuzugestehen, die sie für sich selbst ganz selbstverständlich in Anspruch nehmen.

So muss ich mir von einem Ostdeutschen CDU-Bundestagsabgeordneten, der noch nicht einmal halb so lange wie ich in Deutschland lebt, erklären lassen, daß ich unwürdig bin, den gleichen Pass wie er zu bekommen.

[….] Wenn #Amthor den Dreiklang "Ordnung, Steuerung und Begrenzung von Migration" fordert, meint er damit eigentlich "Pushbacks, Abschiebungen und Menschenrechtsverletzungen".  [….]

(Seebrücke, 11.06.2022)

Es ist schon abenteuerlich mit welcher Perfidie Christen in dieser Frage agieren. Der Reaktionäre Ostdeutsche Philipp Amthor wuße genau, was er tat, als er sich 2019 katholisch taufen ließ und demonstrativ den Kinderfick**n beitrat.

[…] Die CDU/CSU handelt wider ihre bessere Erkenntnis. Sie weiß es besser, als sie es sagt; der CDU-Vorsitzende Friedrich Merz weiß es auch, weil es sogar sein Vor-Vor-Vorgänger, der CDU-Chef Helmut Kohl, schon gewusst hat. Die Union handelt aber nicht danach: Kein Staat kann es "auf Dauer hinnehmen, dass ein zahlenmäßig bedeutender Teil der Bevölkerung über Generationen hin außerhalb der Gesellschaft bleibt". […] Es ist dies eine Erkenntnis, die schon die schwarz-gelbe Regierung Helmut Kohls verkündet hat; sie findet sich in der Antwort des Kabinetts Kohl III auf eine Große Anfrage der SPD aus dem Jahr 1988.

Diese Erkenntnis war und ist zutreffend; die richtigen Konsequenzen wurden aber bis heute nicht gezogen. Die CDU/CSU verhindert das wider besseres Wissen. Sie tat das schon damals, als vor 23 Jahren die rot-grüne Regierung des Kanzlers Schröder eine grundlegende Reform des Staatsbürgerschaftsrechts plante. […] Die CDU/CSU agitiert aber auch 23 Jahre später noch dagegen. Sie wirft dem Gesetzesvorhaben vor, den deutschen Pass zu "verramschen". Das ist giftiger Populismus. Es ist vielmehr so: Merz und Co. verramschen die Zukunft der deutschen Gesellschaft. Sie schüren Ressentiments. Sie gefährden den inneren Frieden. Und die FDP? Sie war einst Vorreiterin der Liberalität, zumal bei Staatsbürgerschafts-Fragen. Heute ist sie, wie ihre Kritik an einer erleichterten Einbürgerung zeigt, von allen guten Geistern verlassen. […] Homogenisieren kann man die Milch, nicht die deutsche Gesellschaft. Wenn doppelte Staatsbürgerschaften mit dem geplanten Ampel-Gesetz mehr als bisher erlaubt werden sollen, ist das nicht schädlich, sondern hilfreich - weil es nicht zwingt, eine Wurzel abzuschneiden. Hauptaufgabe der Sozialisation der Altbürger und der Neubürger in einem Einwanderungsland Deutschland ist, Heterogenität als Normalität nicht nur zu ertragen und zu tolerieren, sondern zu respektieren. […]

(Heribert Prantl, 02.12.2022)

Es gibt keinen moralisch oder sachlichen Grund, der Christdemokratisch-sozialen xenophoben Hetze nachzugeben. Allerdings verfügen die Rechten über eine Blockademacht im Bundesrat. Die Wähler belohnen drastisch ausländerfeindliche Politik – und sei sie auch noch so unvernünftig.

Daher könnte eine „Staatsbürgerschaft Light“ möglicherweise ein politischer Weg sein, um die tobenden Konservativen erst mal wieder von den Bäumen zu locken.

Eine Art Pacte civil de solidarité mit der Nation, um Merz und Amthor das Gefühl zu geben, daß zukünftig Eingebürgerte (wie ich) immer noch klar weniger Rechte haben, als die Blutsbiodeutschen.

So eine „eingetragene Nationalitätspartnerschaft“ könnte den Behörden sehr viel Zeit ersparen, der Wirtschaft extrem dienstlich sein und wäre außerdem ein Zeichen der Humanität. Böse Ausländer wie ich, die mit einem Nicht-EU-Pass geschlagen sind, könnten für ihr Leben in Deutschland einen „PACS-Pass“ bekommen, der eine formale Loyalitätsbekundung zum deutschen Staat beinhaltet. Ich wäre somit in der CDU-Nationalhierarchie von der Unterklasse des US-Amerikaners auf die höhere Stufe des Rumänen und Ungarn aufgestiegen.

Damit einher ginge das kommunale Wahlrecht, eine Arbeitserlaubnis, die Anerkennung im Ausland erworbener Ausbildungsabschlüsse und unbefristetes Aufenthaltsrecht.

Damit sie aber weniger Rechte als blutsdeutsche CDU-Mitglieder haben, dürften sie nicht bei Landtags- und Bundestagswahlen wählen und würden weniger Sozialleistungen beziehen. Vielleicht 50% vom Bürgergeld und 35% des Wohngeldes? Das wäre Verhandlungssache des Vermittlungsausschusses. Die CDU ergötzt sich prinzipiell daran, weniger Privilegierten etwas weg zu nehmen. Ihre Zustimmung zum Staatsbürgerschaft-PACS müsste die Vernünftigen in der Politik irgendetwas radikal Unvernünftiges kosten, um den Rechten das wohlige Gefühl zu geben, Minderheiten zu diskriminieren und für jeden offensichtlich rechtlich schlechter zu stellen.

Aber da gäbe es viele Möglichkeiten, um die Vorurteile der CDU-Basis zu befriedigen. Staatsbürgerschaft-PACS könnten verpflichtet werden, doppelte Rundfunkgebühr zu zahlen oder im Bus immer hinten sitzen zu müssen. Dobrindt und Söder wären sicher kreativ, wenn es darum ginge, Ausländer mit Rechten, dennoch irgendwie sichtbar zu diskriminieren. Wie wäre es, wenn Eingebürgerte im Restaurant immer neben dem Klo sitzen müssten? Oder beim Bäcker nur das Brot vom Vortag kaufen dürften? Oder bei Lidl nur krumme Gurken und Äpfel mit Schalenfehler bekämen? Tanken mit 10% Ausländeraufschlag? Blinddarm-OP nur ohne Vollnarkose? Kein Einlass in Oktoberfestbierzelten? Sangria-Aufschlag auf Mallorca? Einlass ins Freibad erst nach 21.00 Uhr?

Samstag, 3. Dezember 2022

Spinner überall  

Phasenweise fröne ich intellektuell niederschwelligen TV-Angeboten und tauche so lange in ein seichtes Genre ein, bis ich es vollständig erfasst habe.

Eine dieser peinlichen Episoden, war mein Interesse an „House-Flipping“-Sendungen auf Home And Garden TV (HGTV).

Es gibt eine große Auswahl von Paaren (es sind immer zwei Menschen), die in verschiedenen US-Städten, mit ganz verschiedenen Budgets in jeder Folge ein heruntergekommenes Haus kaufen, es sanieren, renovieren, dekorieren und schließlich mit stattlichem Gewinn weiter verkaufen. Alles mit perfekt ausgeleuchteten Vorher/Nachher-Bildern, die den Zuschauer staunen lassen. Es ist diese angenehme Form des Reality-TV, bei der man sich einbildet, eine ganz konkrete „reale“ Geschichte zu erleben, obwohl höchstwahrscheinlich alles gestellt und inszeniert ist.

HGTV streut so breit, damit jeder Zuschauer sich mit seinem Lieblings-Houseflipper-Paar identifizieren kann. Das funktioniert auch bei mir. Viele der Protagonisten sind so entsetzlich amerikanisch, laut und nervenaufreiben, daß ich sie nicht ertragen kann. Es gibt aber auch Unterhaltsame und sogar zwei, drei Flippe-Paarer, die ich wirklich sympathisch finde, so daß ich mich dabei erwische mit zu fiebern und ihnen einen hohen Gewinn zu wünschen.

Als deutscher Zuseher bekommt man ein Gefühl für Preise, beliebte Materialien, amerikanische Bauvorschriften und Bau-Methoden.

Ich meine, inzwischen aber alle Mechanismen erfasst zu haben und so flachte mein Interesse so stark ab, daß ich glücklicherweise HGTV nicht mehr einschalten muss.

Als Serviceleistung, um anderen Menschen Stundenlang Zeitverschwendung mit HGTV zu ersparen, folgt nun mein Destillat der Haupterkenntnisse:

1.)

Alle Amerikaner sind verrückt.

2.)

Arbeitsschutzkleidung ist unbekannt. Egal, ob Maurer, Zimmermann, oder Dachdecker: Bei der Arbeit trägt man Baggy Shorts, Flipflops und eine Baseball-Kappe.

3.)

Man wundere sich nicht über erhebliche Sturmschäden. Auch mehrere Millionen Dollar teure Luxushäuser, sind in der Regel nur bessere Pappschachteln. Keller und Fundamente gibt es kaum. Beim Neubau errichtet man ein Ständerwerk aus dünnen Holzlatten, lässt diese dann von den Trockenbauern mit Gipsplatten versehen und als Höchstes der Gefühle, wird an den Außenwänden eine dünne Schicht Putz aufgetragen.

4.)

Es gibt keine Geschmacksunterschiede, mal abgesehen von Nuancen bei der Farbwahl. Amerikaner müssen einen offenen Grundriss haben. Eine große Küche mit bunt gefliestem „backsplash“ und Kücheninsel, weil die Mutter den ganzen Tag brav kocht, aber dabei vom Herd aus die Kinder beobachten will. Es braucht unbedingt eine „entertaining area“ mit großem Flatscreen-TV, weil alle pausenlos „friends and family“ einladen, um gemeinsam Football zu gucken, während Muttchen alle bekocht. Die Eltern schlafen in einem möglichst riesigen Zimmer (master bedroom), das ein „en suite“ Bad haben sollte. Kinder hingegen benötigen offenbar keinen Platz und werden gern in winzige Kammern gesteckt, da sie sich im Gegensatz zu den Eltern, offenbar nicht bewegen und nie spielen. Teppich ist verpönt und ein Garten ist kein Garten ohne eine riesige Grillstation.

5.)

Egal, ob es sich um eine 150.000-Dollar-Hütte in Detroit oder eine 5 Millionen Dollar-Villa in Anaheim, Ca, handelt: Ohne „AC“ (Klimaanlage) geht es nicht. Strompreis und Klimapolitik spielt offenbar keine Rolle; jeder Raum muss sich eiskalt kühlen lassen.

6.)

Noch einmal: Alle Amerikaner sind verrückt. Bei Hausbesichtigungen schleppen sie Schaminnen an, die nach schlechten Stimmungen pendeln und den Geistern früherer Bewohner fahnden. Kein Einzug ohne esoterische Rituale. Mindestens ein Räucherbündel aus getrocknetem Salbei muss durch jeden Raum gewedelt werden, um die Umgebung „spirituell zu reinigen“.

 

Unglücklicherweise schwappt dieser Einheits-Wohngeschmack schon seit ca 15 Jahren auch nach Deutschland. In Deutschland errichtete Häuser mögen stabiler sein und über die, in den USA unbekannte Technik der unterirdischen Stromleitungen verfügen, so daß nicht bei einem Herbststurm alles wieder zusammenkracht, oder zumindest die Strom- und Internet-Masten umknicken.

Das Wohnungsbau-Design ist aber vollständig vereinheitlicht: Offene Küche, bodentiefe Fenster, lichtdurchflutet, heller Parkettboden (je nach Preislage ggf aus Laminat oder Vinyl).

Da die Leute keine Bücher mehr lesen, brauchen sie auch keinen Wandplatz für Regale. Wer als Interessent einwirft, daß eine geschlossene Küche auch Vorteile habe, weil man beispielsweise bei starker Geruchsentwicklung die Tür schließen könne, oder wer gar nicht so gern von den Nachbarn gegenüber, durch die „bodentiefen Fenster“ beobachtet wird, muss damit rechnen, als sonderlicher Ketzer aus der Stadt gejagt zu werden. Denn „das macht man jetzt so“, die Mieter/Käufer wünschen sich das.

Auch das schamanische Ausräuchern der Räume wird zwischen Flensburg und Bodensee populär.

[….] Boom der Räucherrituale: Warum sich die Deutschen die Bude vernebeln  [….]  Es ging schon harmonischer zu in mitteleuropäischen Haushalten als in den Jahren 2020 bis 2022. Für die Haushalte sind die Begleiterscheinungen der Pandemie aber anscheinend ein längerfristiges Problem: »Räume sind Energiespeicher. Sie vergessen nichts von dem, was in ihnen geschieht«, sagt Christine Fuchs. »Es ist wichtig, dass wir regelmäßig eine reinigende Hausräucherung durchführen!« Denn der Rauch von glimmenden Pflanzenteilen soll alles hinauskärchern, was sich an schlechter Stimmung in einer Wohnung eingenistet hat. Aha. Beim Räuchern werden getrocknete Kräuter, Harze oder Hölzer erhitzt oder verbrannt. Meist über glühenden Kohlen, alternativ in Schalen, auf Stövchen oder zum Büschel gebunden. Dabei entstehen Duft und Qualm. Christine Fuchs hat sich damit ein ganzes Imperium aufgebaut. Früher arbeitete die Betriebswirtin in der Personalentwicklung eines Stuttgarter Automobilkonzerns. Inzwischen vertreibt sie mit ihrer Firma Lab.danum Bartflechte aus Osttirol und Myrrhe aus Somalia, gibt Räucherkurse und hat mehrere Bücher zum Thema geschrieben. Mit Beginn des ersten Corona-Lockdowns explodierte der Bestelleingang ihres Onlineshops. [….]

(SPON, 13.03.2022)

Die multiplen Krisen wirken als Esoterik-Verstärker.


[….] Esoterik-Boom dank Krise [….] – Krieg, Corona, Inflation: Eine Krise jagt die nächste – und immer mehr Menschen sehnen sich nach Trost. Dabei suchen immer mehr Ratsuchende Zuflucht in esoterischen Angeboten – und die schießen derzeit wie Pilze aus dem Boden. Bundesweit berichten Beratungsstellen von steigenden Anfragezahlen. „Sogenannte Schamanen, unseriöse Coachings und aggressive Verschwörungstheoretiker haben deutlichen Zulauf“, sagt Sabine Riede, Leiterin des Vereins Sekten-Info NRW. Ähnliches berichten zwei weitere staatlich geförderte Stellen: die Zentrale Beratungsstelle für Weltanschauungsfragen (Zebra) für den süddeutschen Raum in Freiburg und die Sekteninfo Berlin. [….] Sehr beliebt seien derzeit etwa schamanische Angebote, die mit indianischen Amuletten, Bildern, Symbolen und Musik Stabilität gegen die „böse Welt“ draußen versprächen. […]

(MoPo, 16.11.2022)

Freitag, 2. Dezember 2022

Sex, Natur und Kirche  

Die umjubelte Ratzinger-Rede vor dem Bundestag am 22.09.2011 war für die fromme Katholikin Andrea Nahles ebenso, wie für den frommen Volker Beck, eine grandios genutzte Gelegenheit, sich nicht nur bis auf die Knochen zu blamieren, sondern auch noch der ganzen Welt ihre moralische und intellektuelle Unterbelichtung zu demonstrieren.

Noch niemals zuvor hat ein religiöses Oberhaupt vor dem Deutschen Bundestag gesprochen. Dafür gab und gibt es gute Gründe. Das Grundgesetz formuliert im Blick auf Religionen ein fundamentales Verfassungsgebot: Es verpflichtet den Staat deutlich zur religiösen und weltanschaulichen Neutralität. Das heißt, der Staat muss sich in religiösen und weltanschaulichen Fragen strikt unparteiisch verhalten.
[…] Diese privilegierte Hervorhebung durch den Bundestag wird auch als eine Zurücksetzung anderer Religionen und Weltanschauungen verstanden werden. Deshalb ist dieser Auftritt ein Fehler und mit der Neutralität des Staates unvereinbar. Zudem schafft er einen falschen Präzedenzfall für die Zukunft.
(Rolf Schwanitz in der FTD 21.09.2011)

Der Grünen Schwulenaktivist sprang zu standing Ovations auf, um dem radikal misogynen und homophoben Holocaustleugner-Fan und Kinderfic**r-Förderer zu applaudieren. Die Rote Sozialdemokratin fabulierte in diametraler Umkehrung des vom Papst Gesagten, er haben sich für den Naturschutz ausgesprochen.

Das arme pfälzische Dummerle hatte nicht die geringste Ahnung, was der philosophische Begriff des päpstlichen Naturrechts bedeutet, fand offenbar „Naturrecht“ und „Naturschutz“ fangen beiden mit Natur an und meinen dann auch das gleiche. Dabei bedeutet Ratzis mittelalterlich-frühneuzeitliche Naturrechtslehre, daß grundlegende Werte wie Sklaverei, Minderwertigkeit der Frau, Verdammung von Homosexualität „naturgegeben“ sind und sich daher einer demokratischen Gesetzgebung entziehen. Daraus abgeleitet, können Masturbation, PID, Verhütung, Abtreibung, Kondome, Frauenordination, Toleranz gegenüber Ungläubigen, keinesfalls durch weltliche Parlamente gerechtfertigt werden.

Ratzinger ist ein Fanatiker, der niemals vor dem Bundestag Rederecht bekommen haben dürfte.

Der Umgang mit den Missbrauchsfällen durch die Kirche, das gezielte Verstecken der Täter und die Einschüchterung der Opfer zeigen deutlich die Missachtung unseres Staates und unserer Gesetze. Dafür trägt der Papst die Verantwortung. Es ist ein schlimmer Affront für die Opfer dieses verbrecherischen Handelns, aber auch für jeden rechtschaffenen Bürger, wenn der Hauptverantwortliche für dieses kriminelle Verhalten der Kirche jetzt im Deutschen Bundestag reden darf. Wie sollen wir das unseren Kindern erklären, wenn wir sie zu Anstand und Rechtstreue erziehen wollen? Was sollen die vielen Bürger, die gerade wegen dieses Papstes und seiner erschreckenden Moral aus der Kirche ausgetreten sind, von unseren Volksvertretern halten?
(Offener Brief an die Bundestagsabgeordneten des GBS-München)

Wenn Naturforscher beobachten, wie Primaten masturbieren, Schildkröten oder Pinguine dem Homosex frönen, bedeutet das eben gerade nicht im päpstlichen Sinne „naturgegeben“ und somit zulässig.

In der verqueren vatikanischen Vorstellung bedeutet die „grundlegende Natur der Dinge“ genau das Gegenteil: Dass sich etwas eben nicht aufgrund aktueller Meinungen oder Erkenntnisse ändern ließe.

Die metaphysische Verklärung des Naturrechts, der auch Dummerle Nahles aufsaß, ist keineswegs harmlos. Genauso wenig ist „Natürlichkeit“ an sich für einen zivilisierten Menschen erstrebenswert.

(….)  Die Zivilisation ist aber unnatürlich. Deswegen bekommen in Hamburg Menschen mit Grauem Star eine Cataract-Operation. Wie am Fließband werden in einem kleinen ambulanten Eingriff neue Linsen eingesetzt und dabei auch gleich die Kurzsichtigkeit korrigiert.

Wir lassen der Natur eben nicht ihren Lauf, sondern greifen ein. Wir implantieren Zähne, passen Hochleistungshörgeräte und Cochlea-Implantate an, setzen Defibrillatoren und Pacemaker in die Brusthöhle, entfernen Tumore aus Prostata und Dickdarm. All das ist völlig unnatürlich und in der Geschichte der Menschheit sehr neu. Aber der evolutionäre Humanismus verlangt solche technischen Korrekturen an der natürlichen Biologie.

Dementsprechend wollen wir auch Kindersterblichkeit in Deutschland möglichst nicht akzeptieren – auch wenn das ein natürlicher Ausleseprozess wäre.

In vielen moralischen Aspekten ist Unnatürlichkeit überlegen.

Das betrifft den Beginn genauso wie das Ende des Lebens, welches wir mit Opiaten und Morphinen erheblich angenehmer gestalten, als es natürlich wäre.(…)

(Wunschkinder, 22.12.2015)

In dieser päpstlichen Weltsicht ist Sex eine ekelige Angelegenheit, die man eigentlich besser unterlassen soll und die man keinesfalls zum Vergnügen tun darf. Erlaubt ist Geschlechtsverkehr ausschließlich in der heterosexuellen Ehe zum ausdrücklichen Zweck der Fortpflanzung. Das bedeutet: Kein Oralsex, kein Analsex, kein Sex während der unfruchtbaren Tage, kein Sex während der Schwangerschaft, kein Sex nach dem Klimakterium und ganz bestimmt kein Sex mit Verhütungsmitteln. Selbstredend schließt das auch vorehelichen Sex, gleichgeschlechtlichen Sex oder Sex ganz allein aus.

Die einzige Ausnahme, die geduldet wird, ist wenn Priester Messdiener vergewaltigen. Das ist nach Kirchenrecht weniger schlimm, weil die missbrauchten Kinder in den Augen des Vatikans praktischerweise gar nicht existieren.

(……) Viel zu viel Aufmerksamkeit wird auch den schweren Religioten geschenkt, die sich immer noch hartnäckig für die Kindermissbrauchs-Organisation RKK einsetzen.    Niemand bei klarem Verstand würde auf Einsicht der Männer wie Müller, Ratzinger, Woelki, Heße, Marx, die sich seit Jahrzehnten bemühen Kinderfic**r zu beschützen und ihr Tun weiter ermöglichen, setzen.   Sie stehen für eine Organisation, die sich bis heute nicht den deutschen Gesetzen unterwerfen will, sondern ausschließlich auf das Kirchenrecht setzt, welches bezeichnenderweise in der Vergewaltigung von Kindern gar keinen Straftatbestand erkennt. Nur der Verstoß gegen den Zölibat wird geahndet.

[…..] Dass Kleriker zu Missbrauchstätern wurden und werden, liegt vielleicht sogar in der inneren Logik der Kirche begründet. Um das zu verstehen, hilft ein Blick ins Kirchenrecht: Kirchenrechtlich wird sexueller Missbrauch bis heute rein vom Priester her gedacht. Kirchenrechtlich gesehen verstößt ein Priester, der sich an einem Kind, Jugendlichen oder Erwachsenen vergeht, gegen das sechste Gebot: "Du sollst nicht ehebrechen." Und weil der zölibatär lebende Priester mit der katholischen Kirche verheiratet ist, betrügt er lediglich die Kirche. Die Opfer kommen als Geschädigte nicht vor, sie sind gar nicht da.  Aus diesem Grund haben Betroffene von sexuellem Missbrauch in kirchenrechtlichen Verfahren gegen Täter bis heute keinerlei Rechte. Sie können keine Akten einsehen, sie können nicht als Nebenkläger auftreten, sie sind nur Zeugen. Die katholische Kirche könnte etwas dagegen tun, sagt zum Beispiel die Theologin Doris Reisinger: Sie könnte ein Recht auf sexuelle Selbstbestimmung in ihren Rechtsnormen verankern; im weltlichen Bereich ist dies etwas völlig Selbstverständliches. Doch wenn sie das täte, müsste sie den Gläubigen auch zugestehen, über ihr Schlafzimmer selbst zu entscheiden. Hier liegt der Knackpunkt: katholische Kirche und Selbstbestimmung des Menschen - das geht offenbar nicht zusammen. […..]

(Annette Zoch, 19.03.2021)

Politikern wie Annette Schavan, Wolfgang Thierse oder Winfried Kretschmann, die sich für so ein Kindermissbrauchssystem engagieren, indem sie sogar im Zentralrat der Katholiken sitzen, kann ich nicht vertrauen. (…….)

(Unsichtbare Vernunft, 25.04.2021)

Nach ratzingerischer und bergoglioner Auffassung, sind Masturbation oder Homosex deswegen falsch, weil der Samen dabei entgegen seiner göttlichen Natur verschwendet wird. Der Same gehört aber ausschließlich in eine Vagina, in deren für Geistliche völlig unverständlichen Anatomie, schon ein befruchtungswilliges Ei wartet, so daß Gott ein neuen Leben schenkt. Das ist der in päpstlichen Augen „natürliche“ Weg des Ejakulats: Zum Leben hin ausgerichtet. Einen neuen Christen schaffen und nicht etwa in einem Kondom oder Taschentuch zu landen. Das wäre die bekannte „Kultur des Todes.“

Eine problematische Sichtweise. Nicht nur, weil es offensichtlich falsch und sogar hanebüchener Unsinn ist, sondern weil Biologie und Natur eben nicht so funktionieren. In der Natur ist das Leben keineswegs heilig. Im Gegenteil, es wird laufend getötet, um zu leben.

Den Christen sei an dieser Stelle ins Stammbuch geschrieben, daß auch die meisten menschlichen Embryonen ganz natürlich absterben, bevor sie geboren werden. Das hat Gott so eingerichtet.

Gott ist somit der größte Abtreiber überhaupt. Letztendlich läßt er 9 Embryos absterben, um ein Kind zu erzeugen

How many embryos and fetuses never make it to birth?  How many babies die in natural childbirth?  How many infants die before reaching age five?  The statistics are not good.  The most hazardous journey of life is the first few months. According to the calculations of Gregory Paul (see his published articles here), who used the best figures from embryology and neonatal doctors, as few as one-quarter of all conceptions avoid reabsorption or miscarriage, and of those fetuses that do make it to full-term, another large percentage die during natural childbirth.  It’s obvious that embryos are not well-designed for making it to infancy.

The female body was not well-designed for childbirth, either, since the ratio of fetal skull size to female hip size doesn’t make for great odds for the mother.  Every year, more than half a million women die in pregnancy or childbirth.  Natural evolution, not religion, explains the tough compromises forced on the human body, and why few embryos make it to infancy and so many mothers die in the process.

Although the odds of a fertilized egg making it to a live birth are less than 1 in 5, another hazardous journey through infancy lies ahead.  Before modern medicine, around 20% of children in England and the United States died before the age of five, and that number was much higher in pre-industrial societies.  For most of the existence of our human species, over the past one hundred thousand years or so, probably only around half of all born babies reached the age of five.

All these poor odds add up to the fact that for most of human existence there had to be 10 pregnancies or more to guarantee the life of a single five year old child.

(John Schock, 27.04.2011)

Wie schwachsinnig die christliche Vorstellung vom natürlichen Sex ist, zeigt sich auch an der Üppigkeit der natürlichen Fortpflanzung.

Die Mondfischdame stößt 300 Millionen Eier ab, wenn sie auf einen Kerl trifft. Dann bekommen sie 300.000.000 kleine Mondfischbabys. Da die Welt aber nicht gerammelt voll mit Mola Molas ist, sondern die riesigen Viecher, im Gegenteil, sehr selten sind, wissen wir auch, was Gott diese Leben wert sind: Nichts. Fast alle werden schnell wieder getötet.

Auch der Homo Sapiens-Mann bekommt ein großes Problem, wenn er kein Leben verschwenden will. Pro Ejakulation werden 30 bis 600 Millionen lebensfähige Spermien ausgestoßen. Landen sie in einer ovulierenden Frau, sterben bei 600 Millionen Schwimmern, immer noch 599.999.999. Wenn Sex katholisch korrekt mit Ehe, Frau und verhütungslos stattfindet, sind die Quoten für das Überleben des einzelnen Spermiums annähernd genauso minimal, als wenn Mann direkt in die Kloschüssel onaniert oder vom 12-Jährigen Messdiener fellationiert wird.

Die Lösung wäre aus katholischer Sicht, wenn Mann es lernte, beim Orgasmus genau ein Spermium abzuschießen.

Die Mormonin Gabrielle Blair fordert bereits das „verantwortungsvolle Ejakulieren“.

Denn Sperma sei eine „gefährliche Waffe“.

[….] Kennen Sie den Film »Natürlich blond«? Reese Witherspoon spielt darin eine Art Barbiegirl, die an die Eliteuniversität Harvard kommt. Und in einer Szene sagt sie genau das, nämlich dass, wenn Männer ihr Sperma beim Masturbieren vergeuden, sie ihre potenziellen Kinder vergeuden. Das wurde vermutlich nicht so ernst genommen von dieser Figur und Männer wollen nicht in die Verantwortung gezogen werden. Aber dieser Gedanke, dass Männer ihr Sperma kontrollieren können und sollten, ist genau derselbe, den ich in meinem Buch vertrete. Wir müssen uns auf das Sperma konzentrieren, nicht das Ei. Wenn eine Frau Sex hat, kann sie in den allermeisten Momenten nicht schwanger werden. Ein Mann hingegen kann eine Frau immer schwängern.  [….] Ich finde es nicht übertrieben zu sagen, dass Sperma eine Waffe ist. Jeden Tag sterben 700 Frauen bei einer Geburt. Und man muss nicht mal den Tod heranziehen; Schwangerschaften sind ein Riesentrauma für den Körper. Ich war sechs Mal schwanger und habe sechs Kinder. Und wenn mich jemand vor ein paar Jahren gefragt hat, ob es schwierige Geburten waren, habe ich immer gesagt, nein, total unkompliziert. In Wahrheit habe ich dauerhafte Narben und alle möglichen Schäden davongetragen. Aber die erkennen wir nicht an. Ich fand schwanger sein schrecklich. Meine Karriere hat gelitten, mein Sozialleben, alles Mögliche. Ich habe es so gewollt, und es ist gut so, aber es hat meinen Körper eben auch dauerhaft verletzt. Aber es ist so normal, das nicht zu sehen und herunterzuspielen. Schwangerschaften reizen aus, was ein menschlicher Körper leisten kann, sie sind gefährlich. Und wir tun so, als wäre es keine große Sache und ein Wunder. Es ist ein Wunder, aber es ist auch verrückt und gefährlich und darüber reden wir nicht. Also, ja, Sperma verursacht Schwangerschaften und diese sind sehr gefährlich. Wir machen Witze über Sperma, aber es kann jemandem das Leben ruinieren, indem es eine Schwangerschaft auslöst. [….]

(Gabrielle Blair, 02.12.2022)

Da gibt es also noch so einiges für die Lehrpläne im Priesterseminar. Das Einzelsperma-Ejakulieren, wird viel zu schlecht beherrscht.

Donnerstag, 1. Dezember 2022

  Impudenz des Monats November 2022

Und schon wieder einmal zeigt der Kalender eine „1“ - hohe Zeit für mich den Blödmann des Monats zu küren.

Sie grübeln noch. Prüfen, verifizieren, beraten, recherchieren.

Vier Jahre bereits rauchen die Köpfe einer Hamburger Behörde, ob dieser entscheidenden Silvesternacht des 31.12.1949:

Wo schlief meine damals 11-Jährige Mutter, wo wachte sie am 01.01.1950 auf?

Es konnte eingegrenzt werden auf Deutschland, auf Hamburg; auch der Stadtteil wurde eindeutig nachgewiesen. Aber in welchem Haus genau lebte sie damals??

 Die Mühlen des deutschen Staatsangehörigkeitsrechtes mahlen langsam.

Meine Ururgroßeltern waren in Deutschland geborene Deutsche, meine Urgroßeltern waren in Deutschland geborene Deutsche, meine Großeltern waren in Deutschland geborene Deutsche, meine Mutter war in Deutschland geborene Deutsche – all das ist Dank des NS-Ahnenpasses rechtssicher dokumentiert. Deswegen ist es nur folgerichtig, daß ich, nachdem ich ebenfalls in Deutschland geboren wurde, natürlich kein Deutscher sein kann. Schließlich wurde über die väterliche Blutlinie minderwertiges Ausländerblut eingekreuzt. So einem kann man nicht blitzartig, nach über einem halben Jahrhundert, einen Deutschen Pass geben. Damit verramsche man nämlich die Deutsche Staatsbürgerschaft, wie CDU und CSU feststellen.

Nein, bei so einem Undeutschen muss genau geprüft und 73 Jahre lang eruiert werden: Wo lebte die Mutter am 01.01.1950.

Sonst kann man natürlich nicht über den Einbürgerungsantrag entscheiden.

Das ist die behördliche Realität des Jahres 2022, wenn man sich um die Deutsche Staatsbürgerschaft bemüht. Ein Begehren, welches noch nicht einmal meinem Gehirn entsprang, sondern das 2011 von einem gewissen Olaf Scholz, der auch heute noch eine Rolle in der Deutschen Politik spielen soll, an mich herangetragen wurde.

 [….] Senat startet Einbürgerungsinitiative

Die ersten 4.000 von insgesamt 137.000 Bürgerinnen und Bürgern ausländischer Herkunft, die möglicherweise die Voraussetzung für eine Einbürgerung erfüllen, erhalten ab heute Post von Bürgermeister Olaf Scholz. Der Bürgermeister wirbt in einem persönlichen Schreiben für die Annahme der deutschen Staatsbürgerschaft.

„Die Einbürgerung ist viel mehr als ein Verwaltungsakt. Sie ist das Bekenntnis zu unserem Staat und zu unserer Gesellschaft. Wer hier schon länger lebt und die Voraussetzungen erfüllt, sollte auch deutscher Staatsbürger werden, weil nur dann alle Möglichkeiten der Teilhabe bestehen“, sagte Scholz und bezeichnete die Initiative als wichtigen Beitrag zur Integration. 

Mit dem deutschen Pass erhalte man zum Beispiel alle staatsbürgerlichen Rechte, insbesondere das volle aktive und passive Wahlrecht. Der Wegfall des aufenthaltsrechtlichen Verfahrens bedeute weniger Bürokratie für den Einzelnen. Und durch das Entfallen zahlreicher Visumspflichten würden Reisen ins Ausland deutlich erleichtert, heißt es in dem Brief des Bürgermeisters.

Von den cirka 1,8 Millionen Hamburgerinnen und Hamburgern verfügen etwa 400.000 – also mehr als 20 Prozent – über einen Migrationshintergrund. Von diesen besitzen wiederum 236.000 (noch) nicht die deutsche Staatsangehörigkeit. Etwa 137.000 Personen erfüllen möglicherweise die Voraussetzungen für eine Einbürgerung, insbesondere hinsichtlich der schon absolvierten Aufenthaltsdauer.

Die Einbürgerungsinitiative besteht aus folgenden Bausteinen:

    Briefkampagne des Ersten Bürgermeisters: Schreiben an alle 137.000 Hamburgerinnen und Hamburger ohne deutsche Staatsangehörigkeit, die mindestens 16 Jahre alt sind und die zeitlichen Voraussetzungen für eine Einbürgerung erfüllen, um diese für eine Einbürgerung zu interessieren. Jeden Monat werden 4.000 Briefe verschickt. Auch wer noch keinen Brief des Bürgermeisters erhalten hat, kann selbstverständlich jederzeit die Einbürgerung beantragen.

    Fortsetzung der regelmäßigen Einbürgerungsfeiern im Rathaus und Begrüßung der neu eingebürgerten Hamburgerinnen und Hamburger durch den Ersten Bürgermeister. Zusätzlich gibt es ein persönliches Begrüßungsschreiben des  Bürgermeisters an alle Eingebürgerten.

    Fortführung der Kampagne „Hamburg. Mein Hafen. Deutschland. Mein Zuhause“, einschließlich des erfolgreichen Projekts „Einbürgerungslotsen“

    Behandlung des Themas „Einbürgerung“ im Schulunterricht: Künftig soll die Thematik im Unterricht der Jahrgangsstufen 9 und 10 sowie 11 bis 13 anhand eigens dafür entwickelter Unterrichtsmaterialien behandelt werden. […]

(Senatskanzlei Hamburg, 08.12.2022)

Zur Impudenz des Monats November 2022 küre ich Friedrich Merz, der wieder einmal inhaltlich kongruent zur AfD völkische und sehr schlechte Politik betreibt.

In Ermangelung eigener politischer Konzepte, kopiert Merz immer mehr die AfD, plappert ihre rechtspopulistischen Sprüche nach.

Völlig ungeniert machen CDU und AfD in den Bundesländern gemeinsame Sache.

Der CDU-Partei- und Fraktionschef kennt keinen Anstand und verbreitet das faschistische Narrativ der schmarotzenden Asylanten, die arbeitsscheu die üppigen Sozialleistungen abgriffen, die von den fleißigen Deutschen erarbeitet würden.

Das ist schlimm, weil es gesamtwirtschaftlich gesehen genau umgekehrt ist. Wir sind auf die Arbeitskraft der Migranten angewiesen, weil Deutsche zu faul und körperlich zu schwach geworden sind, um harte Jobs anzunehmen.

Wir brauchen aber nicht nur kräftige willige Menschen, die als  Straßenreiniger, Bauarbeiter oder Spargelstecher taugen (also Migranten), sondern auch kluge gut ausgebildete Fachkräfte, die als IT-Spezialisten, Architekten oder Ingenieure oder Ärzte arbeiten (also Migranten), weil zu viele Deutsche Analphabeten sind, die Schulen zu schlecht sind und viel zu wenig Informatiker ausgebildet werden.

Merzens Lügen sind aber in einem anderen Sinne sogar noch schlimmer: Sie werden nämlich von den meisten Deutschen geglaubt. Und so wird in den täglichen Umfragen eine erleichterte Einbürgerung immer kategorischer abgelehnt.

[…] Tatsächlich hat Deutschland sogar ein doppeltes Migrationsproblem. Es kommen zu wenige Leute zu uns. Und es hauen zu viele Fleißige und Gutqualifizierte ab. Anstatt über die Begrenzung von Zuwanderung zu reden, müsste deshalb auch die Union von früh bis spät über die gegenteiligen Fragen diskutieren: Wie schaffen wir es, mehr Leute ins Land zu holen, wie, sie zu halten?

Ausländer rein – diese Forderung kommt nicht von Multikulti-Träumern, sondern praktisch von allen, die sich auf seriöse Weise mit Wirtschaft und unseren sozialen Sicherungssystemen beschäftigen.

Das Statistische Bundesamt hat es mit kalter Präzision vorausberechnet: Die Zahl der Erwerbspersonen von derzeit etwa 44 Millionen würde ohne Zuwanderung sinken, und zwar um bis zu 25 Prozent bis 2060. Kein Fürsorgesystem der Welt ist in der Lage, das mal eben so abzufedern. Schon gar nicht die deutsche Rentenkasse, die Ähnlichkeit mit einem Schneeballsystem hat.  Die Zuwanderungsdebatte gehört endlich vom Kopf auf die Füße gestellt, das gilt auch für die Union.  [….]

(SPON, 01.12.2022)

CDU und CSU befinden sich nicht nur unangenehmerweise auf rechtspopulistischen Abwegen; sondern sie punkten damit beim Urnenpöbel, der in der Krise nur zu gern in die rechtsfaschistische Ecke folgt und CDUCSU zur beliebtesten Partei kürt.

Immer größere Schnittmengen zwischen CDU und AfD schaden nicht etwa den Christdemokraten, sondern SPD und Grünen.

[….] "Staatsbürgerschaft wird zu leichtfertig vergeben" – Union fordert Einbürgerungstest für Babys

Sie tauchen plötzlich in Deutschland auf, ohne Geld, ohne Job, ohne Ausbildung, ohne Sprachfertigkeiten – und doch erhalten sie problemlos die deutsche Staatsbürgerschaft: Die Rede ist von Babys. Allein 800.000 waren es im Jahr 2021. Die Union will diesen Missstand beheben und fordert einen verpflichtenden Einbürgerungstest spätestens einen Monat nach der Geburt.

"Wir haben herausgefunden, dass die allermeisten Deutschen ihre Staatsbürgerschaft einfach so bei der Geburt ohne irgendwelche Voraussetzungen erhalten", erklärte CDU-Chef Friedrich Merz. "Das ist ein absolutes Unding! Die allermeisten Babys können überhaupt nichts, sind ökonomisch komplett unproduktiv und liegen der Gesellschaft oftmals 15 und mehr Jahre auf der Tasche!"  [….]

(DPO, 29.11.2022)

Eine Schande für die Mehrheit der Deutsche, die diesem rechtspopulistischen CDUAFD-Pfad folgt.

Schande aber insbesondere für Friedrich Merz, der genau weiß, wie sehr er aufhetzt, den rechten Mob mobilisiert, zur Spaltung beiträgt und eben auch der deutschen Ökonomie schwer schadet. Aber Wählerstimmen und damit auch Macht, sind im wichtiger.

Pfui Teufel.