Freitag, 18. März 2022

Wieso sich die konservativen Dunkelkatholiken im Aufwind wähnen.

Erzbischof Wolfgang Haas, einer meiner früheren Lieblingsbischöfe, für den ich schon in den sozialen Medien Fan-Seiten und Huldigungsgruppen erstellt habe, verschwand bedauerlicherweise wie sein geistiges Pendant Tebarzt-van Elst einige Jahre aus der Berichterstattung.

Aluhut

Obschon Haasi dreimal so schwer wie TVE ist, verfügen beide gleichermaßen über diese besondere Kombination aus Prunksucht, Raffgier, Heuchelei, erzkonservativer Gesinnung und abstoßender Physiognomie.





TVE, 62, wurde 2014, nachdem er sein halbes Bistum Limburg entvölkert hatte, ins Abklingbecken Vatikan entsorgt. Dort fristet er sein Dasein als Kurienbischof und Apostolischer Delegat im Päpstlichen Rat für die Neuevangelisierung mit Zuständigkeit für die Katechese, abseits der schönen Öffentlichkeit.

Haasi, 73, seit 1997 der erste Erzbischof des Erzbistums Vaduz, hatte es in seiner früheren Position als Bischof von Chur geschafft, sich derartig unbeliebt zu machen, daß Woytila extra ein neues Bistum schuf, um den der Todsünde Völlerei frönenden Haas irgendwie loszuwerden.  Haasis Beliebtheit bei seinen Schäfchen schwankt zwischen Woelki und Fußpilz.

[….] Der frühere Churer Weihbischof Peter Henrici hat seinem ehemaligen Bischof, dem heutigen Erzbischof von Liechtenstein, Wolfgang Haas (73), und der Kirchenleitung unter Papst Johannes Paul II. schwere Vorwürfe gemacht. Haas [….] „war nicht fähig, sich als Bischof anerkennen zu lassen oder gar zu regieren", so Henrici in einem neuen Interviewband, aus dem die "Neue Zürcher Zeitung" (Samstag) zitiert.  Haas' gröbste Fehler macht Henrici demnach bei der Priesterausbildung aus. Es sei ihm darum gegangen, möglichst viele Jungpriester nachzuziehen, die sein äußerst konservatives Weltbild geteilt hätten. "Der Bischof nahm ungeeignete Priesteramtskandidaten auf, betreute sie persönlich und weihte sogar den einen oder anderen gegen den ausdrücklichen Rat von Regens Peter Rutz", so der frühere Churer Weihbischof und Generalvikar mit Sitz in Zürich (1993-2003). Der Schaden, den Haas dem Bistum zugefügt habe, liege "weniger in dem, was er tat, als in dem, was er nicht tat oder nicht tun konnte". [….] Unter dem sehr konservativ agierenden Haas (1988/90-1997) stürzte das Bistum in eine tiefe Krise, der der Papst aus Polen schließlich dadurch begegnete, dass er 1997 das kleine Erzbistum Liechtenstein schuf, um Haas aus Chur in seine Heimat zu befördern. Diese Ära der Spannungen wiederholte sich unter Bonnemains Vorgänger Vitus Huonder (2007-2019).[….]

(KNA, 27.11.2021)

Die Kombination aus Frauen- und Schwulenhass einerseits und freundlicher Toleranz gegenüber Kinderfi**ern andererseits, wird allerdings auch im Vatikan nicht mehr so uneingeschränkt positiv gesehen, wie früher. Also rüstete der Liechtensteiner Pykniker in den 10ner Jahren verbal etwas ab, um nicht wie ein zweiter TVE, als Kurienerzbischof im Vatikan zu versauern.

Das wäre natürlich insbesondere für die Atheisten äußerst bedauerlich, wenn ein Bischof mit einer so enormen Gläubigen-Vertreibungspotenz nutzlos in Rom versteckt würde. So wirkungsvolle Helden der Säkularisierung gibt es selten und sollten wie Woelki, Meisner, Mixa, Huonder, Krenn, TVE, Groer, Laun, Dyba, Burke, Viganò oder Bertone öffentlich maximal präsent sein, um die Kirchenaustrittszahlen kontinuierlich zu erhöhen.

Deshalb war ich sehr glücklich über Haasis Rückkehr in die Öffentlichkeit. Mit einem Paukenschlag reihte er sich in der Kaczyński-Kyrill-Putin-Orbán-Front ein und hetzte in einer derben menschenfeindlichen gegen Schwule.

[….]  Gegen göttliche Schöpfungsordnung!  «Ehe für alle» ist für Haas eine «teuflische Attacke». Erzbischof Wolfgang Haas sieht das «Treiben des Satans und der Dämonen». [….]

(Vaterland Vaduz, 17. März 2022)

Franzls Topleute als Top-Homohetzer? In der westeuropäischen Welt macht man sich so nicht beliebt und aus Rom wird Haas ebenfalls nicht gezwungen derartig drastisch Hass zu schüren. Warum tut er das also?

Er kennt offensichtlich die Untersuchungen, die Ex-Mitglieder der Kirche nach ihren Austrittsgründen befragen und wird von den synodalen Reformbemühungen molestiert.

[….] Derweil vollzieht sich jedoch an der Basis eine dramatische Entwicklung. Während der "Synodale Weg" versucht, Reformen auf den Weg zu bringen, gehen die Austrittszahlen immer weiter in die Höhe. Das Sozialwissenschaftliche Institut der Evangelischen Kirche in Deutschland hat vor kurzem eine Studie veröffentlicht, in der aus beiden großen Kirchen ausgetretene Menschen nach ihren Motiven für diesen Schritt gefragt wurden. Auch wenn die Austrittswellen rund um die Missbrauchsskandale in Köln und München dabei noch gar nicht erfasst sind, sprechen bereits diese Ergebnisse eine deutliche Sprache.
Wenig überraschend waren für viele aus der katholischen Kirche ausgetretene Menschen die Missbrauchsskandale der wichtigste Austrittsanlass. Doch danach folgt direkt die "Ablehnung von Homosexuellen in der Kirche" – vor allen anderen Anlässen und weit vor der Ablehnung der Kirchensteuer.
[….]

(Michael Louis, 15.03.2022)

Schon der ultrakonservative Bischof Johannes Dyba, bekundete Sympathien für eine viel kleinere, aber konservativere Kirche, bevor er im Jahr 2000 endgültig die Hühner sattelte.

Sollten doch die Frauenversteher, Ökopaxe und Homotolerante alle austreten. Umso konservativer wäre der verbliebene Rest; umso leichter hätten es schwarzbraune Hardliner-Bischöfe in Laiengremien.

Maria 2.0, Kirchenvolksbegehren, eckige Tische, Kirche von unten und synodale Wege werden immer zahmer, je weniger liberale Katholiken in ihnen engagiert sind.

So wie sich die braune AfD-Führung oder Donald Trump freuen, wenn die letzten verbliebenen Anständigen und Nicht-Kriminellen aus der Partei austreten, atmet Haasi bei jeder Emanze auf, die sein Erzbistum verlässt. Umso einfacher hat er es, sich intern durchzusetzen und umso weniger wird seine Position hinterfragt.

Für Erzkonservative mit Mitra ist wohldosierte Homohetze also letztendlich ein Mittel, sich Kritik zu ersparen und ungefährdet im Sattel kleben zu bleiben.

Wenn sie damit den Reformprozess behindern, sollte man sich nicht grämen, sondern begeistert sein, weil sich damit die Exodus-Spirale der RKK immer mehr beschleunigt.  Liberale Gläubige treten aus, dadurch wird die Rest-Kirche konservativer und gleichzeitig noch abstoßender, so daß noch mehr Menschen austreten.

Donnerstag, 17. März 2022

Benzin ist relativ billig

Mit meiner Freundin in einem fränkischen Kaff, in dem sich Fuchs und Hase Gute Nacht sagen, kann ich abendfüllend darüber diskutieren, ob das Stadt- oder das Landleben besser ist. Beide Lebensmodelle haben viele Vor- und Nachteile, die ich an dieser Stelle nicht alle erneut aufzählen will.

Klar ist aber, daß in einem 50-Seelen-Dorf ohne Geschäfte und einem nur dreimal am Tag fahrenden Bus, ein eigenes Auto einen anderen Stellenwert bekommt, als in der Stadt mit ihren mannigfachen ÖPNV-Alternativen.  Daher sagt es sich als Städter viel leichter „lass doch mal das Auto stehen und nimm das Fahrrad, respektive die U-Bahn!“

Wer in gesünderer Luft und fabelhafter Ruhe auf dem Land lebt, ist mit größerer Wahrscheinlichkeit Pendler. Er genießt die vergleichsweise sehr niedrigen Wohnkosten, muss dafür aber mehr für Benzin ausgeben.

Landeier, die aus ökologischen Gründen nicht in der smoggigen Stadt leben möchten, verursachen also paradoxerweise mehr Emissionen, weil sie in ihren großen freistehenden Häusern pro Person mehr heizen, als der Städter in seiner beengten Mietskaserne und auch mehr Benzin verbrennen als der urbane Mensch in S-Bahn und auf dem Fahrrad.

Als Städter bin ich parteiisch und sehe die Lobbymacht der Pendler gar nicht gern. Wer schon billiger und auf größeren Fuß wohnt, als wir, soll nicht auch noch dafür belohnt werden, indem ihm das Tanken verbilligt wird.

Das Gegenargument liegt aber auch auf der Hand: Wer mit Garten im Grünen weit außerhalb der Stadt lebt, kann möglicherweise gar nicht anders, als mit dem privaten PKW unterwegs sein, weil ihm die Alternativen fehlen.

Das Problem ist offensichtlich bekannt; im Wahlkampf 2021 sprachen fast alle Parteien von der Verbesserung der „Verkehrsanbindungen im ländlichen Raum“. Neu sind diese Versprechungen allerdings nicht und es überrascht bei der Kaskade von grotesken CSU-Bundesverkehrsministern in den Merkel-Jahren nicht, daß die Bundesregierung dabei bisher nicht nur total versagte, sondern sogar in großem Maßstab die Situation verschlimmerte, indem regionale Bahnstrecken stillgelegt wurden.

Aber warum fahre ich als Innenstadtmensch einer 2-Millionenmetropole eigentlich Auto, statt Bus und Bahn? Dabei steigen doch angeblich die Benzinpreise so fürchterlich stark an.

1.)
Ich kann es ökologisch verantworten, weil ich nur ca 1.500 km im Jahr fahre. Die allermeiste Zeit steht das Auto als friedlich rum und verursacht gar keine Emissionen.

2.)
Ich bin Sozialphobiker und könnte (zumindest in volle) Busse oder Bahnen gar nicht einsteigen.

3.)

Ich transportiere Dinge, kutschiere einen sehr gebrechlichen Senioren. Das ist im ÖPNV ohnehin nicht möglich.

4.)

Fahrrad geht nicht, weil nach meinen Bein-OPs das Knie nicht mitmacht.

5.)

Covid-Sicherheit gibt es nicht in Bus und Bahn.

6.)

Im Gegensatz zu all den Beschreibungen, die das Privat-Auto als Luxus darstellen, ist mein Auto, das ich seit 20 Jahren fahre und das daher längst abgezahlt (und völlig wertlos) ist, deutlich billiger als ÖPNV.

35 Jahre Unfallfreiheit setzen mich in so eine Schadensfreiheitsrabattklasse, daß ich selbst bei der überteuerten Axa nur 55 Euro im Monat KfZ- und Haftpflichtversicherung für die alte 120-PS-Kiste zahle. Hinzu kommen bei meinen ultrakurzen Strecken noch 20 bis 30 Euro Benzingeld. Für 80 Euro im Moment bin ich also völlig frei, kann jederzeit, bequem überall hin fahren, bin unabhängig von Wetterkapriolen und Tageszeiten, kann sogar bis zu vier Leute ohne einen Aufpreis mitnehmen.

Die Monatskarte für das ÖPNV-Gesamtnetz in Hamburg kostet 262 Euro. Mit 1.Klasse-Zusatz sogar 317,40 Euro!

Der Umstieg auf ÖPNV würde in meinem Fall also bedeuten, mich langsamer,  unbequemer und Corona-Risiko-behafteter zu bewegen, dafür aber den vierfachen Preis zu zahlen.

Die ersten beiden Semester meines Studentenlebens fuhr ich vorbildlich mit Bus und Bahn zur Uni, ließ meinen 34PS-Fiat Panda (Benzinverbrauch 4 l/100km) zu Hause stehen. Irgendwann begann ich aber zu rechnen und stellte fest, daß selbst die für Studenten verbilligte Monatskarte deutlich teurer als Benzingeld und KfZ-Versicherung war.

Die Zahlen von damals habe ich nicht mehr im Kopf, aber ich erinnere mich, daß ich meinen erstaunten Kommilitonen, die wissen wollten, wieso ich plötzlich nur noch mit dem Auto käme, empörte Vorträge über drastische Fehlanreize im Verkehr hielt. Es müsste natürlich umgekehrt sein; ÖPNV sollte billiger als der PKW sein.

Nun stelle ich fest: Nach dreieinhalb Dekaden und viel Grüner Regierungsbeteiligung in Hamburg, meinem besonderen Freund, dem grünen Verkehrssenator Tjarks und obwohl ich ein grotesk übermotorisiertes Auto mit veralteter Abgastechnik fahre, beträgt das Preisverhältnis ÖPNV zu Privatauto immer noch Vier zu Eins.

Absurd.

Der Preis ist für mich nur eins von sechs Argumenten für das Auto. Selbst wenn Autofahren teurer wäre, würden mich die Argumente 1-5 vermutlich weiter Auto fahren lassen.

Aber klimapolitisch ist die Verkehrspolitik des Hamburger Rotgrünen Senats eine Totalkatastrophe. Tjarks kann nicht weiter als bis zu seiner Nasenspitze denken, ist unfähig sich vorzustellen, daß andere Menschen weniger jung oder weniger sportlich als er sein könnten. Also setzt er ausschließlich auf Radwege, für die er Monat für Monat Straßenbäume fällen lässt, während der ÖPNV absurde Rekordpreise verlangt, die einen geradezu zwingen, Auto zu fahren.

Der Mann ist eine klimapolitische Doppelpest: Bäume abhacken und die Weichen auf Auto stellen.

In Pfaffenhofen, Templin oder der Hauptstadt Tallin ist (war) der ÖPNV kostenlos.

Das sind echte Anreize.

Ich schlage vor: Pro Liter Benzin 50 Cent ÖPNV-Abgabe, 500 Euro KfZ-Steueraufschlag und dafür kostenloser ÖPNV in ganz Deutschland.

Die gesamte Infrastruktur von Kontrolleuren und Ticketautomaten könnte ebenfalls eingespart werden.

Tjarks; 317,40 Euro im Monat, also 3.800 Euro im Jahr für Bustickets sind einfach zu viel!

Mittwoch, 16. März 2022

Noch mehr unangenehme Wahrheiten

Während sich Deutschland kollektiv so sehr um die Benzinpreise sorgt, daß Finanzminister Lindner zum Staatssozialismus übergehen will und damit die Kassen russischer Ölkonzerne noch mehr auffüllt, sollten wir unseren Kompass gerade rücken.

Postillon 16.03.22
 

Vielleicht lernen wir auch in Deutschland mit etwas weniger Heuchelei zu agieren.

[….]  Moral zählt neuerdings mehr als Exporte und billiges Erdgas. Diese deutsche Bigotterie ist schwer erträglich, denn jahrelang galt: Wenn Deutschland ein gutes Geschäft wittert, ist alles andere fast egal.  [….]

(Sascha Lobo, 16.03.2022)

Nicht nur ist das Benzin absolut gesehen zu billig, weil die Menschen eben nicht weniger tanken, sondern auch relativ gesehen günstiger als in früheren Jahrzehnten. Die Einkommen sind ab den 1960ern schneller als die Benzinpreise gestiegen, so daß man immer weniger durchschnittliche Arbeitszeit für einen Liter Benzin aufbringen musste

[….] Aktuell arbeiten deutsche Autofahrer pro Liter durchschnittlich 6,6 Minuten und damit zwei Minuten mehr als im Vorjahr. Für die Füllung eines 40-Liter-Tanks muss also fast anderthalb Stunden länger gearbeitet werden als im Vorjahr. [….] Der bisherige Höchststand der vergangenen 30 Jahre lag bei 6,2 Minuten im Jahr 2012 (der Benzinpreis lag damals bei 1,60 Euro). Blickt man noch deutlich weiter zurück, relativieren sich die Werte zusätzlich: Im Jahr 1960 arbeiteten deutsche Verbraucher für jeden Liter noch 16 Minuten, also mehr als doppelt so lange wie heute. [….]

(David Böcking, 16.03.2022)

Preise in Relation zum Durchschnittslohn zu setzen, zeigt insbesondere bei Lebensmitteln erstaunliche Ergebnisse.

Wir essen nämlich unglaublich billig, bekommen Nahrungsmittel, die vor 50 Jahren als kostbar und wertvoll galten, zu Ramschpreisen nachgeworfen.

Als ich geboren wurde, waren Butter und Eier fünfmal, Milch dreimal und Kartoffeln doppelt so teuer wie heute.

Die hochsubventionierte industrielle Landwirtschaft, die rücksichtslos Dünger, Fungizide, Pestizide, Insektizide und Antibiotika einsetzt, großflächig Flora und Fauna zerstört, macht es möglich.

Dabei gibt es längst Alternativen aus ökologischer Landschaft.  Seit 30 Jahren beobachte ich nach jedem Gammelfleischskandal, nach Pferden in der Lasagne, Dokumentationen über grausame Tiertransporte oder entsetzlichen Zuständen in Geflügelgroßmästereien, wie die Verbraucher vor dem Kauf von Billigfleisch und Billigeiern zurückschrecken, schwören, am Tierwohl interessiert zu sein und fürderhin lieber im Biomarkt zu kaufen.

Es bleibt aber stets bei Absichtserklärungen aus dem Effekt heraus. Einen Tag später, greifen dieselben Leute im Discounter wieder zum billigsten Hack und den Chemie-Putenbrüsten. Deutsche wollen billig und viel fressen. Möglichst dreimal am Tag Fleisch.  Lieber auf Geschmack und Qualität zu setzen, bleibt Franzosen und Italienern vorbehalten.

Der Ukrainekrieg lässt Deutschland, aber auch die US-Amerikaner, ob der steigenden Benzinpreise verzweifeln. Eine Lächerlichkeit, verglichen zu dem was die Ukrainer, aber auch Russen im Moment erdulden müssen.

Größere Probleme als private Tankrechnungen in Wuppertal oder Buxtehude, kommen aber auf all die Länder zu, die von Getreideimporten abhängig sind, weil sowohl Russland, als auch die Ukraine große Weizenproduzenten sind.

Hauptabnehmer sind die Arabellion-Länder, in denen die hohen Brotpreise schon einmal mehrere Regierungen wegfegten.

[….] Ägypten ist auf Weizenimporte aus dem Ausland angewiesen. Für das Erntejahr 2021/22 prognostizierte die USDA für Ägypten ein Importvolumen von 12,5 Millionen Tonnen Weizen. Damit war das nordafrikanische Land der führende Importeur von Weizen weltweit. Besonders wichtig für die ägyptische Weizenversorgung in den Vorjahren waren die Länder Russland und die Ukraine. [….]

(Statista, Sandra Ahrens, 15.03.2022)

Die Weizenernten der Ukraine werden ausfallen, aus Russland darf nicht importiert werden.

In Nordafrika wird man sich auf Hungernöte einstellen müssen.

[….] „Putins Krieg überzieht nicht nur die Ukraine mit unermesslichem Leid. Die Auswirkungen werden weit über die Grenzen der Region zu spüren sein“, sagte Martin Frick, Direktor des WFP in Deutschland. Weltweit leiden aktuell etwa 280 Millionen Menschen an Hunger. Die Zahl könnte in den kommenden Monaten dramatisch steigen. [….] Vor allem Länder in Afrika, Nordafrika und Asien sind von Weizen-Importen stark abhängig. Mit Beginn des Krieges hatten die Preise aber bereits Rekordniveau erreicht. Ägypten mit seinen 100 Millionen Einwohnern importiert sein Getreide fast ausschließlich aus Russland und der Ukraine. Ebenso Tunesien. Dort begann einst der „Arabische Frühling“. Eine der Gründe, warum diese Revolution die ganze Region erfasste, waren auch gestiegene Brotpreise, die vor allem die Ärmsten der Armen hart trifft.

Auch die Stabilität der Türkei hängt wohl nicht unwesentlich von „verträglichen“ Brotpreisen ab. Die Kombination aus einer gigantischen Inflation und steigenden Nahrungsmittelpreisen könnte sich als gefährliche Mischung erweisen. Die Türkei bezieht auch mehr als die Hälfte ihres Getreides aus Russland. [….]

(Mopo, 04.03.2022)

Deutschland verbraucht im Jahr etwa 43 Millionen Tonnen Getreide, produzierte im Geschäftsjahr 2021 genau 43,3 Millionen Tonnen.

Sind wir also aus dem Schneider? Könnte man in der ersten Sekunde meinen.  Richtig pervers wird es aber, wenn wir eine andere Zahl ansehen: 8,6 Millionen Tonnen Getreide essen wir in Deutschland!

[….] Insgesamt ernteten deutsche Bauern im Wirtschaftsjahr 2021/21 etwa 43,3 Millionen Tonnen Getreide – verbraucht werden hierzulande ebenfalls knapp 43 Millionen Tonnen. Davon werden jedoch „nur“ 8,6 Millionen Tonnen bzw. 20 Prozent für die menschliche Ernährung benötigt.  Immerhin knapp 25 Millionen Tonnen oder 58 Prozent der Ernte fließen in der Futtertröge der Tiere. Immerhin 3,8 Millionen Tonnen oder knapp 9 Prozent werden außerdem für die Energiegewinnung eingesetzt und auch die Industrie verbraucht etwa 8 Prozent der Ernte (darunter als Braugerste und Stärke) und für Saatgut werden 2 Prozent benötigt. [….]

(Dr. Olaf Zinke, agrarheute, 14.03.2022)

Der massenhafte Fleischkonsum Deutschlands ist also perverser denn je. Wer Putin nicht finanzieren will, sollte nicht nur weniger tanken und heizen, sondern auch kein Fleisch fressen.

Keine Kinder bekommen, Urlaub mit dem Flugzeug sein lassen und natürlich auch keine Haustiere anschaffen! All das sollten wir für den Planeten tun!

Über 80% des erzeugten Getreides verprassen wir für die Tiermast und die Produktion von Biodiesel, während 25.000 Kinder jeden Tag auf der Welt verhungern. Prof. Dr. Matin Qaim, Professor of International Food Economics and Rural Development, klärt auf.

[….] Die Zahl der Hungernden könnte so kurzfristig um über 100 Millionen Menschen ansteigen, schätzt Qaim. Um das zu verhindern, könne man an verschiedenen Stellschrauben drehen. Zuallererst sollte man versuchen, die Handelswege aus Russland heraus für Lebensmittel offen zu halten und Schiffstransporte von Lebensmitteln weiterhin zu ermöglichen. Andererseits könne man auch die Nachfrage drosseln, indem die Verwendung von Pflanzen für Biokraftstoffe und Biogas eingeschränkt wird – auch wenn das die Energie- und Kraftstoffkrise befeuern könnte.  „Also weltweit geht ja einiges an Getreide und Ölsaaten auch in die Biokraftstoff-Produktion. Das ist zum Teil Bio-Ethanol, Biodiesel. Bei uns spielt Biogas eine Rolle, wo relativ viel Mais reingeht. In dem Augenblick, wo man Biogas aufgrund von Reststoffen und Abfällen produzieren kann, ist das eine gute Idee. Aber wenn das heißt, dass noch mehr Mais in diesen energetischen Bereich reingeht, gibt es eine unmittelbare Konkurrenz zwischen Tank und Teller.“ [….]

(Deutschlandfunk, 10.03.2022)


Dienstag, 15. März 2022

Totalcrash im Finanzministerium.

Daran gab es nie einen Zweifel: Christian Lindner würde ein beschissener Minister werden.

Daß der Markt-Fanatiker aber bereits nach wenigen Wochen im Amt, den Staatssozialismus zu Ungunsten des Klimas einführen will, erstaunt mich aber doch.

Kaum zu glauben, aber wahr, der Porschefahrer sorgt sich um seine Buddys mit ihren spritschluckenden 300PS-Karren und will den Benzinpreis deckeln. Bis zu 40 Cent „Krisenrabatt“ pro Liter kann sich Lindner vorstellen.

[….] "Es muss ein nächstes Entlastungspaket geben", sagte Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) am Montag. Der Staat dürfe die Bürger und die Wirtschaft mit steigenden Preisen nicht alleinlassen. "Wir müssen schnell und spürbar zu Entlastungen kommen." So sei ein staatlich finanzierter Rabatt auf den Spritpreis denkbar. Jedem Autofahrer könnte damit beim Bezahlen an der Tankstelle ein Nachlass auf den Rechnungsbetrag gewährt werden. [….] Ein Rabatt von zehn Cent für einen Monat würde den Staat 550 Millionen Euro kosten, so Lindner. Allerdings wollte er sich noch nicht auf ein Entlastungsvolumen festlegen. "Es wird, wenn es nach mir geht, mehr als zehn Cent und mehr als ein Monat sein müssen." [….] Doch Ökonomen sehen die Rabatt-Idee kritisch. "Davon halte ich nichts", sagte Clemens Fuest, der Chef des Münchener Ifo-Instituts, der Süddeutschen Zeitung. "Hilfen sollten nur dort gewährt werden, wo die Lasten nicht tragbar sind, also bei einkommensschwachen Haushalten oder sehr energieintensiven Unternehmen." Letztlich trügen künftige Steuerzahler die Last dieser Entlastung - denn der Staat müsse sich dafür verschulden. Jens Boysen-Hogrefe, Steuerexperte beim Kieler Institut für Weltwirtschaft, bezifferte die Mehrkosten für den Staat auf mindestens zehn Milliarden Euro im Jahr.  Auch beim grünen Koalitionspartner trifft Lindner auf Vorbehalte. "Eine planwirtschaftliche Festlegung und Subventionierung des Benzinpreises ist keine wirklich zu Ende durchdachte Idee", sagte der Grünen-Haushaltsexperte Sven-Christian Kindler. "Das funktioniert nicht als Antwort auf die fossilen Preissteigerungen durch Putins Krieg." Die Umweltorganisation Greenpeace warnte, der Rabatt verzerre Preissignale. [….]

(Michael Bauchmüller, Henrike Roßbach, 15.03.2022)

Hohe Spritpreise sind klimapolitisch wünschenswert, weil sie eine Lenkungswirkung in Richtung von weniger Verbrauch und damit weniger klimaschädlichen Gasen führen.

Jeder Liter weniger ist ein guter Liter, heißt es völlig richtig im aktuellen SZ-Leitkommentar.

Noch ist diese positive Lenkungswirkung aber gar nicht eingetreten.

Die Deutschen tanken eben nicht weniger.

Es fahren eben nicht mehr Menschen ÖPNV. Die aktuellen Fahrgaszahlen beim Hamburger Verkehrsverbund HVV steigen eben nicht, weil noch keine bisherigen Autofahrer, wegen der hohen Benzinpreise zu Bus und Bahn wechseln.

Aus ökologischer Sicht ist also der Liter Benzin zu billig.

Umso irrer ist Lindners Plan, den Steuerzahler – damit also die Niedrigverdiener, die sich kein Auto leisten können und die Vernünftigen, die bewußt auf das Auto verzichten – diejenigen subventionieren zu lassen, die in ihren 80.000-Euro-SUVs und 150.000-Euro-Sportwagen ihre gewaltigen Tanks auffüllen.

Kaum drei Monate im Amt und schon betreibt Lindner klimatisch sehr kontraproduktive Klientelpolitik an der Zapfsäule.

[….] Der Markt regelt alles. Jahrelang lullte uns die FDP mit ihrem Mantra ein, egal wie falsch es war. Es entbehrt nicht einer gewissen Komik,, dass nun ausgerechnet ein FDP-Finanzminister Lindner die Spritpreise deckeln und einen Teil staatlich subventionieren will (heißt: wir alle bezahlen). Auch das ist falsch. Denn das Gebot der Stunde heißt nicht: tanken und Auto fahren um jeden Preis. Sondern: Sprit sparen. Wir müssen unsere Ölimporte reduzieren. Zudem würden Besitzer:innen von überdimensionierten Spritfressern besonders profitieren. Eine Familie, die bewusst auf ihr Auto verzichtet, hat dagegen nichts von dieser Geldverteilung mit der Gießkanne. [….]

(Frank Wieding, Mopo, 15.03.2022)

Wir wissen doch von 1973/74 wie es ist, wenn das Öl knapp wird und das Benzin sich extrem verteuert.

Wir hatten 50 Jahre Zeit, um uns Alternativen zu überlegen, waren aber zu blöd dazu und sind sehenden Auges tumb in die Katastrophe marschiert.

  Helmut Schmidts Rezepte von damals, wirken aber immer noch. Sonntagsfahrverbot oder Tempo 100 auf allen Autobahnen würde den Benzinverbrauch sofort drastisch senken. Das wäre vernünftig.  Aber „Vernunft“ passt nicht zu den Marktideologen und Auto-Fetischisten von der FDP.

[….] Lindner fliegt Tank-Rabatt um die Ohren.

Heftiger Gegenwind für die Idee von Finanzminister Christian Lindner (FDP), einen Tank-Rabatt einzuführen, um die gestiegenen Spritpreise abzufedern. Sowohl von den Koalitionspartnern als auch von der Wissenschaft kommt bisher vor allem lautstarke Kritik. Lindner indes hat konkretisiert, mit wie viel Cent er den Liter gerne bezuschussen würde. Der FDP-Politiker will den Spritpreis auf unter zwei Euro pro Liter Diesel oder Benzin drücken. Die konkrete Ausgestaltung des Rabatts ist zwar weiter offen. In der „Rheinischen Post“ rechnete der FDP-Politiker aber vor, 40 Cent Entlastung pro Liter für drei Monate würden den Staat 6,6 Milliarden Euro kosten. In etwa dieser Größenordnung dürfte sein Vorschlag sich also bewegen.  [….]

(Mopo, 15.03.2022)


 

Montag, 14. März 2022

Erkenntnisse umsetzen

Es war Glück und Pech zugleich, daß mir die Schule sehr leicht fiel. Obwohl ich viel schwänzte und allen erdenklichen illegalen Substanzen zugeneigt war, machte mir das Abitur keine Sorgen.
Eine Woche vor den Abiklausuren gab es schulfrei, um sich vorzubereiten. Das bedeutete für mich, daß ich mit den Typen aus der Stufe unter mir saufen gehen musste, weil „meine Leute“ alle lernten. Am Abend vor der ersten Klausur zeigte ich einigen von Ihnen die „Talking Heads“-Nacht im Stairway am Neuen Pferdemarkt. Das war sehr feuchtfröhlich und lustig.

Ich fand es klug von mir, Fächer gewählt zu haben, für die man sich nicht vorbereiten musste. Mathe, weil es so einfach war, Deutsch, weil es Spaß machte und Naturwissenschaften, weil da alles logisch und strukturiert erschien.

Und ich war jung, bzw schnell. Ein Jahr hatte ich gewonnen, weil ich früher dran war; also mit 18, statt wie üblich mit 19 Jahren, das Abiturzeugnis in der Hand hielt und fast zwei weitere Jahre, weil ich als Amerikaner nicht zum Bund, bzw Zivildienst musste.

Mit 18 Jahren über meine Zukunft zu bestimmen, war die erste echte große Fehlentscheidung meines Lebens. Ich hatte mit keinen „Erwachsenen“, niemand in der Familie gesprochen, weil ich das unter „Schulangelegenheiten“ abhakte. Dafür hatte sich nie jemand interessiert. Meine Eltern haben kein einziges mal nach Hausaufgaben gefragt oder mitbestimmen wollen, welche Fächer/Freizeitaktivitäten ich wählte. Schule war für Schüler. Also mein Business.

Wäre ich nur meinen Neigungen gefolgt, hätte ich Germanistik oder Politologie studiert. Irgendeine vermeidlich rationale Stimme in meinem Kopf flüsterte mir allerdings ein, das wären brotlose Künste, das liefe auf eine Karriere als Taxifahrer hinaus. Naturwissenschaften hingegen böten ziemlich sicher einen Job und ein überdurchschnittliches Einkommen. Außerdem war mir das bisher immer so leicht gefallen, auch wenn es mich nicht im Innersten begeisterte.

Die ausschlaggebende Überlegung war aber, daß ich nicht, wie bei der Nachrüstungsdebatte Anfang der 1980er Jahre um den NATO-Doppelbeschluss, die Stationierung der Pershing-II-Raketen oder der Volkszählung von 1987, machtlos sein wollte. So oft hatte ich demonstriert, mir den Mund fusselig geredet und die Mehrheit wählte doch tumb Kohls CDU und CSU mit ihrer Atompolitik.

Bei anderen großen Problemen der Zeit würde aber das große politische Debattieren womöglich unnötig, indem man eine wissenschaftliche Lösung präsentierte. So dachte ich damals.

Die ganz großen politischen Brocken meines damaligen Umfeldes waren nach Tschernobyl 1986 und den gehäufte Leukämie-Fällen in der Umgebung meines Nachbar-AKWs Krümmel, der Ausstieg aus der Atomkraft, das Beenden der Dünnsäure-Verklappung in der Nordsee, das durch „sauren Regen“ verursachte Walsterben und das durch Fluor-Kohlenwasserstoff-Treibgase entstandene Ozonloch.

Mit meinen 18 Jahren erkannte ich darin einen denkbar simplen Zusammenhang aus Ursache und Wirkung.

Dafür brauchte ich keinen Chemie-Leistungskurs in der Schule, um zu wissen, daß die Kohlenstoff-Halogen-Verbindung (z.B. C-Cl) immer giftig ist, weil der Mensch nicht über die biochemischen Möglichkeiten verfügt, diese Bindung aufzuspalten. Alle hochproblematischen Supergifte der Zeit – Dioxin, Lindan, FCKW, chemische Kampfstoffe, DDT, aber auch das Perchlorethylen (aus der Reinigung) – weisen diese toxische C-Cl-Bindung auf.  Die, meiner Ansicht nach, lösbare Aufgabe, bestand nun also darin, die durchaus vorhandenen ungiftigeren Alternativen zu finden, bzw die laborchemisch möglichen Alternative technisch in Massenproduktion günstig hinzubekommen.

Mein damaliges ICH erlebte durchaus Fortschritte, die zwar von allerlei Gejammer der Industriebosse und konservativen Politikern begleitet wurden, aber doch so überzeugend waren, daß sie Realität wurden.

Anders als in den Merkel-Jahren, wurden Autokonzerne nicht wie rohe Eier behandelt, denen man Verpflichtungen zu niedrigerem CO2-Ausstoß nicht zumuten mochte. Die ersten „Kats“ kamen 1985, aber 1993 waren sie EU-weit Pflicht. Und siehe da, dafür verschwand sogar das hochgiftige Blei aus dem Benzin und dennoch gingen Mercedes, BMW und VW nicht Pleite.

Siehe da, Haarspray-Dosen funktionierten auch mit einem Pumpsystem oder Halogen-freien Treibgasen. Nicht zu glauben, auch die Rheinische Farbindustrie überlebte es, als sie ihre versiffte Schwefelsäure wieder aufarbeiten musste, statt wie vorher billig alles in die Nordsee zu kippen (und damit die gesamte Tierwelt zu ermorden).

Schon im ersten Semester wurden wir animiert, die „alternative Vorlesungsreihe“ zu besuchen, in der alle erdenklichen Umweltprobleme debattiert wurde. In den folgenden Semestern arbeitete ich selbst als STEP-Tutor (Studieneingangsphase) für die Erstsemester. Ich zeigte ihnen die Abläufe, passte im Labor auf, daß sie sich nicht versehentlich in die Luft jagten und besprach in dieser hochpolitisierten Zeit, die enormen Aufgaben, die auf uns Chemiker zukämen.

Die Themen der späten 1980er, die immer ausführlich an meinem Fachbereich debattiert wurden, waren die Endlichkeit der fossilen Energieträger, die Möglichkeiten der technischen Chemie Verbundverpackungen zu recyclen, die zunehmende Antibiotika-Resistenz durch den weltweiten Verschreibungswahn und natürlich auch der besondere Zugang unserer Nuklearchemie-Leute zum AKW Krümmel, das ich natürlich auch schon besichtigt hatte.

Aber wieso sollte das nicht funktionieren? Dünnsäureverklappung, FCKWs, bleihaltiges Benzin waren wir doch schließlich genauso losgeworden, wie das Todknüppeln von Robbenbabys für die Pelzindustrie oder das Delphin-Morden als Thunfisch-Beifang.

Zeitsprung 35 Jahre.

Daß im Jahr 2022 in Deutschland gewaltige SUV-Spritschlucker, die 10 bis 20 mal so viel Leistung wie mein damaliger 34 PS-Panda, die beliebtesten Autos sind, hätte ich mir in meinen pessimistischsten Träumen nicht vorstellen können.

Daß wir immer noch 100 Millionen Tonnen Erdöl und 100 Milliarden Kubikmeter Erdgas pro Jahr in Deutschland verbrennen, auch nicht.

Wieso haben wir die Massentierhaltung immer grotesker intensiviert?

Warum hacken wir 35 Jahre später schneller denn je unsere letzten Urwälder ab?

[….] Studie zum Regenwald:  Amazonas nähert sich Kipppunkt

Der Amazonas hat eine Schlüsselrolle für das Weltklima und die Artenvielfalt - doch für Fleischproduktion und Rohstoffe wird immer mehr Regenwald abgeholzt. Einer neuen Studie zufolge könnte sich ein Großteil dadurch in Savanne verwandeln.  Der Regenwald im Amazonasgebiet hat seit Anfang der 2000er-Jahre kontinuierlich an Widerstandsfähigkeit eingebüßt. Bei mehr als drei Vierteln des Waldes habe die Fähigkeit nachgelassen, sich von Störungen wie Dürren oder Bränden zu erholen, heißt es in der Studie eines britisch-deutschen Forscherteams, die in der Fachzeitschrift "Nature Climate Change" veröffentlicht ist. […]

(Tagesschau, 07.03.2022)

Wieso laufen immer noch AKWs? Gelten einigen gar als Zukunftstechnologie?

Wieso wurden 35 Jahre lang so exzessiv Antibiotika verschrieben, daß alle deutschen Krankenhäuser Brutstätten für multiresistente Bakterienstämme geworden sind, um die 50.000 Menschen an MRSA verrecken?

Warum wird im Jahr 2022 der Plastikmüllberg insbesondere in Deutschland immer größer?

Meine Generation hat offensichtlich total versagt.

Jetzt lese ich in der Hamburger Morgenpost angesichts des Ukraine-Krieges und der scheinbar über Nacht hereingebrochenen Erkenntnis, daß wir nicht unendlich viel billiges Öl und Gas zu Verfügung haben, Tipps zum Energiesparen. Wie funktioniert ein Heizungsthermostat, Benzineinsparung durch weniger Rasen, duschen statt baden, Hände mit kalten Wasser waschen, beim Zähneputzen nicht das warme Wasser laufen lassen.

Ich fasse es nicht. Das wurde schon in den 1970ern bei der Ölkrise kommuniziert.

Offensichtlich steckte Homo Demens daraufhin den Kopf in den Sand und machte ein halbes Jahrhundert alles nur noch schlimmer.

Es gibt sogar immer noch Tabus, die kaum ausgesprochen werden dürfen, ohne einen Shitstorm zu ernten.  Das Generalproblem der Menschheit ist die Überbevölkerung. Nichts richtet so viel klimatischen Schaden an, wie ein weiterer Mensch! Wir müssen unbedingt mit dem Irrsinn aufhören von „Kindersegen“ zu sprechen, Kinderkriegen zu fördern.

Und die nächstgrößere Umweltpest, die unsere Zukunft ruiniert, wird ebenfalls nicht angesprochen: Haustiere.

Ein Hund ist so umweltschädlich wie ein KfZ, weil seine Futterproduktion so einen dramatischen Energie- und Wasser-Fußabdruck hinterlässt.

[…] In vielen Artikeln lässt sich nachlesen, wie schädlich die Haltung von Rindern für das Klima ist. Doch welchen ökologischen Fußabdruck hat eigentlich der beste Freund des Menschen? Dieser Frage sind Kim Maya Yavor und Dr. Annekatrin Lehmann nachgegangen. Sie haben unter der Leitung von Prof. Dr. Matthias Finkenbeiner am Fachgebiet Sustainable Engineering der Technischen Universität Berlin die Ökobilanz eines durchschnittlichen Hunds erstellt.

Wieviel CO2 produziert ein Hund?

Demnach stößt ein 15 kg schwerer Hund im Laufe von 13 Lebensjahren etwa 8,2 t CO2 aus. Das entspreche laut Prof. Dr. Finkenbeiner ...

    ... 13 Hin- und Rückflügen von Berlin nach Barcelona

    ... oder fast der Menge, die bei der Produktion eines Mercedes C250 emittiert wird.

Darüber hinaus scheidet der Durchschnittshund rund 1 t Kot und knapp 2.000 l Urin aus.

Das alles hat signifikante Folgen für die Umwelt. Dessen Ausmaß überrascht sogar die Forscher. Ihre Ökobilanz ist die erste, die den kompletten Lebensweg eines Hundes umfasst - vom Tierfutter bis hin zu den Ausscheidungen. In ihre Berechnungen haben Yavor, Lehmann und Finkenbeiner alle Stoff- und Energieströme einbezogen, die in einem Produkt stecken und auf die Umwelt wirken:

    Ressourcen für das Futter

    Ressourcen für die Herstellung des Futters

    Ressourcen für die Verpackung des Futters

    Ressourcen für den Transport des Futters

    Umweltauswirkungen der Exkremente

    Produktion der Kotbeutel

    Ressourcen für die Straßenreinigung

Hund: Futter und Kot am schädlichsten für die Umwelt

Tierfutter und die Exkremente der Hunde haben den größten ökologischen Fußabdruck. Die Forscher haben verschiedene Indikatoren untersucht, sogenannte Umweltwirkungskategorien; unter anderem den Klimawandel, Ozonabbau, Ozonabbau, Smog, Versauerung von Böden oder die Landnutzung. Bei fast allen Parametern fällt das Hundefutter mit circa 90 Prozent am schwersten ins Gewicht. […]

(Agrar Heute, 21.10.21)

Aber gerade in der Pandemie fangen die Deutschen an, sich wie wahnsinnig neue Hunde zuzulegen, so daß die Züchter ihre Rüden rund um die Uhr decken lassen und doch nicht den Bedarf erfüllen.

Mein Ich von vor 35 Jahren kann es nicht glauben, daß keine einzige Partei in Deutschland wagt, diese Probleme auch nur anzusprechen.

Mein Ich von heute ist ohnehin desillusioniert und fatalistisch.

Womit hätte es Mensch denn auch verdient, zu überleben?

Sonntag, 13. März 2022

Der Teufel scheißt auf den größten Haufen

Der HSV-Großzampano Klaus-Michael Kühne war jahrelang einer dieser Milliardäre an der Schwelle zur Elf-Stelligkeit, kratze also an der 10-Milliarden-Euro-Marke.  Elf-Stelligkeit ist eine feine Sache, denn dann ist man so reich und so unabhängig und so international, daß man sich nicht mehr wie gewöhnliche Millionäre mit Einkommen- oder gar Erbschaftssteuern herumplagen muss.

Der Hamburger Klaus-Michael Kühne hat seine Gelddruckmaschine „Kühne und Nagel“ längst in das Steuerparadies Schweiz verlegt und investiert die nun übrigen Milliarden gezielt in den Branchen, in denen man als Besitzer nur Däumchen dreht, abkassiert und dem Staat nichts abgibt.

(….)  Daher werden zukünftig die Familien Hertz, Kühne, Quandt, Klatten, Schwarz, Albrecht, Porsche, Otto und Co weiterhin ihre Geldspeicher mit Milliarden volllaufen lassen. Das war schon 2020/2021 so und der Trend verschärft sich.

Der olle Kühne hat mal eben 13,4 Milliarden Dollar in einem Jahr dazu "verdient".  Das sind 1,12 Milliarden pro Monat. Das sind 248 Millionen Dollar mehr pro Woche, oder 37 Millionen Dollar mehr PRO TAG.

Herr Schwarz nahm um 14,4 Milliarden Dollar zu.  Das sind 1,2 Milliarden pro Monat. Das sind 275 Millionen Dollar mehr pro Woche, oder 39 Millionen Dollar mehr PRO TAG.

Menschen mit lumpigen 20 oder 30 Milliarden Euro Privatvermögen darf man natürlich nicht mit ketzerischen Gedanken wie MINDESTSSTEUER oder VERMÖGENSSTEUER erschrecken.

Über Einkommenssteuer und Erbschaftssteuer lachen die Herrschaften dieser Größenordnung ohnehin sehr herzlich. Diese Steuern werden nur von der Mittelschicht bezahlt, die ein Haus oder drei vermietete Ferienwohnungen vererben. Wer aber Milliarden sein Eigen nennt, entzieht sich diesen Steuerpflichten durch Doppelstiftungsmodelle, Scheinfirmen in Steueroasen und findige Steuerberater.  Dennoch achten Katten und Co darauf, daß sie auch weiterhin genügend Millionen an die INSM spenden, um zu verhindern, daß der Urnenpöbel auf dumme Ideen am 26.09.2021 kommt. (….)

(Über das Wahlvolk kann ich mich nur wundern, 14.06.2021)

Wenn man jeden Tag (sic!) um 30 oder 40 Millionen Euro reicher wird, hat man ein echtes Problem. Ein Problem, die Phantasie dafür aufzubringen, was man mit den unfassbaren Geldbergen anfangen soll. Kein Wunder eigentlich, daß Leute wie Branson, Bezos (200 Milliarden Dollar) oder Musk (300 Milliarden Dollar) damit begannen ihr Geld buchstäblich in den Weltraum zu schießen - während immer mehr Menschen in Armut fallen, in den USA obdachlos in Zelten leben oder zu Hunderttausenden in Afrika verhungern. (….)

(Wohin mit der Kohle? 18.01.12022)

Inzwischen steuert Kühne auf 40 Milliarden Euro Privatvermögen zu. Allein durch sein Engagement bei Hapag-Lloyd wurden just weitere zwei Milliarden an ihn überwiesen. Die Containerreederei schüttete im vergangenen Geschäftsjahr über neun Milliarden Euro Dividende an die Aktionäre aus und zahlte insgesamt 61 Millionen Steuern. Ein Steuersatz von etwa 0,5%.

[…] Hapag-Lloyd hat 2021 auf Basis vorläufiger Zahlen mit einem Gewinn vor Steuern und Zinsen (Ebit) von 9,4 Milliarden Euro abgeschlossen, nach 1,3 Milliarden Euro im Jahr zuvor.  Die vollständigen Jahreszahlen sollen am 10. März veröffentlicht werden. Wesentlicher Treibstoff für die Gewinnexplosion 2021 sind die enorm gestiegenen Preise – im Branchenjargon Frachtraten – für Transporte auf See, die angesichts knapper Kapazitäten und gestörter Lieferketten die Gewinne aller Container-Reedereien in diesem Jahr durch die Decke gehen lassen. [….]

(Mopo, 25.02.2022)

Der Altenpfleger, die Krankenschwester, der Rettungssanitäter zahlen also einen zigfach höheren Steuersatz als Kühne, weil sie eben zu arm sind, um sich über die Caymans, die Schweiz oder Liechtenstein Konstruktionen zu basteln, in denen ihre Einkünfte steuerfrei bleiben. Diese Möglichkeiten haben nur Superreiche, die dadurch superschnell noch superreicher werden.

[…] Am 10. März hat die Hapag Lloyd AG ihre Bilanz für 2021 vorgelegt. Diese Zahlen offenbaren einen „himmelschreienden Skandal“, so Norbert Hackbusch, hafenpolitischer Sprecher der Fraktion DIE LINKE in der Hamburgischen Bürgerschaft: „Es ist obszön, dass Hapag Lloyd bei einem Vorsteuergewinn von 9,4 Milliarden Euro nur ganze 61,3 Millionen Euro Steuern bezahlt. Das sind lächerliche 0,65 Prozent.“  Hapag Lloyd hat seinen Umsatz von 12,8 Milliarden in 2020 auf 22,3 Milliarden Euro in 2021 erhöht. Dabei lagen die von Hapag Lloyd genannten Transportvolumen praktisch auf dem Niveau des Vorjahres. Grund für die Umsatzsteigerung von fast 100 Prozent waren also ausschließlich gestiegene Preise. Während der Umsatz um knapp 100 Prozent wuchs, explodierte der Nettogewinn von 927 Millionen (2020) um fast 1000 Prozent auf 9 Milliarden Euro in 2021. […] Norbert Hackbusch: „Von der faktischen Null-Besteuerung auf Unternehmensebene profitiert auch einer der Haupteigner von Hapag Lloyd, Klaus-Michael Kühne. Von der Gesamtdividende von 6,3 Milliarden Euro erhält er allein 30 Prozent, also fast 1,9 Milliarden. Kein Wunder, dass sich das Vermögen von Herrn Kühne allein in den vergangenen zwei Jahren auf nunmehr 37 Milliarden Euro verdoppelt haben soll. Auch das ist obszön, wird aber durch die deutsche Steuerpolitik unterstützt.“ […]

(Norbert Hackbusch, Linke, Fachsprecher für Hafen, Kultur, Medien und öffentliche Unternehmen, 12.03.2022)

Nicht mehr transportiert, nicht mehr geleistet, nur die Preise erhöht, zehnfacher Gewinn, keine Steuern.

Wie das funktioniert? Das Zauberwort heißt „Tonnagesteuer“, die als eine der letzten Maßnahmen der schwarzgelben Kohl-Regierung 1998 eingeführt wurde.  Die steinreichen Reeder jammerten FDP-Wirtschaftsminister Rexrodt und CDU-Verkehrsminister Wissmann (den späteren europäischen Superlobbyisten der Autoindustrie) voll, sie hätten es so fruchtbar schwer gegen die ausländische Konkurrenz mit deren niedrigen Lohnkosten und geringen Steuersätzen. Leider müssten sie alle ihre Schiffe auch ausflaggen, um konkurrenzfähig zu bleiben.

Für Milliardäre hatten CDU und FDP natürlich ein offenes Ohr. Also schenkten sie ihnen die Tonnagesteuer“, bei der unabhängig von Frachtraten und Verdienst ein minimaler Pauschalbeitrag pro Schiff gezahlt wird. Es muss nur einmal die  Nettoraumzahl, also die Größe des Schiffes angegeben werden und darauf errechnet man einen Mikro-Steuersatz von weniger als einen Cent pro Tonne. Als Gegenleistung für diese gigantische Steuerbefreiung versprachen die Reeder künftig keine Schiffe mehr auszuflaggen.

Während aber bei Hartz-Empfängern genau kontrolliert wird, wie sie sich verhalten, verlässt sich die Politik bei Milliardären gern auf vage Ansichtserklärungen. Die Reeder hielten sich nie an ihr Versprechen. Heute fahren von 2044 Containerriesen im Besitz deutscher Reeder gerade mal noch 300 unter deutscher Flagge. In den folgenden 24 Jahren fiel allerdings keinem SPD-, CDU-, CSU- oder FDP-Bundesminister ein, an den Tonnagesteuerdeal von 1998 zu erinnern und die Reeder-Extrawürste zurück zu nehmen.

Stephanie Lamprecht rechnet in ihrem Mopo-Kommentar vom 12.03.2022 aus, daß der Allgemeinheit allein bei Hapag-Lloyd im Jahr 2021 drei Milliarden Euro Steuereinnahmen entgehen, die stattdessen bei Multimilliardär Kühne in der Schweiz landen. Davon könne Hamburg zwei Jahre alle seine Lehrer bezahlen.

Aber wozu Lehrer, wenn man die Milliarden doch viel lieber einem 84-Jährigen Hamburger Steuerflüchtling in der Schweiz schenken kann, der bisher nur 37 Milliarden hat? Der arme Mann soll ja nicht darben.

Was macht Kühne mit seinem Geld, außer immer schnell noch mehr Geld zu generieren?
Nun, er hat zwei Hobbys. Zum einen liefert er sich mit ein paar weiteren Hamburger Multimilliardären einen Wettkampf um das luxuriöseste Hotel der Stadt. Als Kühnes FONTENAY wegen Corona schlecht gebucht war, hielt er sofort die Hand auf für STAATSHILFEN. So läuft das. Er verabschiedet sich aus der Solidargemeinschaft, indem er sich in die steuerfreie Schweiz absetzt, verlangt aber von der Solidargemeinschaft, ihm zu helfen.

(…) Er lebt steuersparend in der Schweiz und zeigt dem Finanzminister seit Dekaden nur den Mittelfinger.  Es lohnt sich; Kühne ist einer der zehn reichsten Deutschen, wird von Forbes mit 13 Milliarden Dollar Privatvermögen angegeben.  Er scheißt als Großaktionär der HSV Fußball AG den Verein so mit Geld zu, daß er entscheiden kann wie er will.  Es gibt noch etwas Eigenartiges in Hamburg, der Stadt, in der so viele Milliardäre leben wie nirgends sonst in Deutschland. Gleich drei Milliardär-Geronten spielen nicht „wer hat die größte Yacht?“, wie man es in einer Hafenstadt erwarten könnte, sondern „wer hat das edelste Hotel?“

[…..] Sie sind megareich, nicht mehr die jüngsten, verfügen über ein Riesen-Ego und liefern sich aktuell einen skurrilen Wettstreit: Wer hat in Hamburg das tollste Luxushotel? Die Rede ist von Klaus-Michael Kühne (79, „The Fontenay“), Kurt Dohle (80, „Vier Jahreszeiten“) und Bernard grosse Broermann (72, „Atlantic“). [….]

(Mopo, 24.03.2016)

Broermann, der Krankenhaus-Milliardär ist auf diesem Blog ebenfalls sehr gut bekannt.  Das sind alte Männer aus ganz anderen Branchen, die derartig viel Geld steuerfrei zusammengerafft haben, daß sie sich ihre bizarren Hobbys etwas kosten lassen können. 13 Milliarden sind 13.000 Millionen; dafür kann man schon eine Menge Hotel bauen.  Kühnes „Fontenay“ läuft allerdings nicht wie geplant. Über nahezu unendliche Geldmittel zu verfügen reicht offenbar nicht aus, wenn man die Branche nicht kennt, oder wie zB Donald Trump einfach doof ist und reihenweise mit Spielcasino-Hotels pleitegeht.  Mit Dreizehntausend Millionen auf der hohen Kante kann man sich ein kränkelndes Prestige-Hotel leisten. Sollte man meinen. Aber man rafft nicht so viel Geld zusammen, wenn man selbst für Verluste gerade steht.  Nein, Kühne, der selbst unsolidarisch in der Schweiz lebt, will nun Solidarität von den deutschen Steuerzahlern. Sie sollen ihm die Verluste ersetzen.

[….]  Staatshilfen für „The Fontenay“ in Hamburg Kühne will vom Steuerzahler gerettet werden

Milliardär und Unternehmer Klaus-Michael Kühne sieht die Corona-Hilfen des Bundes kritisch. Das Geld nimmt er aber trotzdem gerne: Wie der 82-Jährige in einem Interview verrät, sorgt er sich um die steigenden Schulden Deutschlands – und hofft trotzdem darauf, dass der Staat sein Luxushotel „The Fontenay“ in Hamburg rettet.  Im Gespräch mit der „Welt“ verrät der HSV-Mäzen und Hotelier, dass es ihm Sorgen bereite, dass Deutschland zurzeit viele Milliarden Euro an Hilfen ausgibt. „Die Dimensionen schrecken mich schon, wenn Finanzminister Olaf Scholz von einer Bazooka spricht, ohne dies zu substantiieren. Seine Partei, die SPD, ist eher für das Schuldenmachen als für gutes Wirtschaften bekannt. Das macht mir große Sorgen“, sagt Kühne. [….]  Nun hofft der Milliardär, dass er auch die Einbrüche des „Fontenay“ mittels Staatshilfen finanzieren kann. „Das Hotel war bis vor wenigen Tagen noch geschlossen und die Mitarbeiter befanden sich zu 90 Prozent in Kurzarbeit. Ich gehe davon aus, dass es direkte Staatshilfen für die Hotellerie geben wird. Das ist die von der Krise am stärksten gebeutelte Branche“, so der 82-Jährige. [….]  er rechne bereits fest mit Hilfen aus der Bundeskasse. […..]

(MoPo, 25.05.20)

Die wenigen Deutschen, die sogar noch reicher als Kühne sind, sind sogar noch dreister. (…)

(Gier, 25.05.2020)

Kühnes zweites Hobby ist der HSV, der zwar sportlich chronisch schlecht ist, aber reiche Gönner hat.  Fußball ist genau wie ein Luxushotel ein eher teures Hobby. Die Starkicker verdienen neunstellig im Jahr, fahren Ferrari oder Lamborghini und wollen darüber hinaus auch noch mit Luxusreisen und Aufmerksamkeiten wie Diamant-besetzten Rolex oder in Blattgold gegrillten Kobe-Steaks bei Laune gehalten werden.

Der Londoner Fußball-Verein FC Chelsea ist daher auch sehr geknickt vom Eigentümerwechsel, nachdem Noch-Eigentümer Roman Abramowitsch gezwungen wurde zu verkaufen. Die Gehaltszahlungen an die Profis, Trainer und Betreuer belaufen sich auf monatlich 33,5 Millionen Euro; fällig am 01.April 2022 das erste mal ohne Abramowitschs Milliarden im Rücken.

Auch in Deutschland müssen die Fußballvereine solche Summen für ihre empfindlichen Millionen-Euro-absaugenden Ballspieler aufbringen.

Sie sorgen sich allerdings nicht so wie in England.  Nicht etwa, weil HSV-Freund Kühne noch reicher als Abramowitsch ist.  Im Gegensatz zu dem bei Spielern und Fans extrem beliebten Russen, ist Kühne geizig und gibt seine Millionen nur ungern weg. Aber die fehlenden Millionen durch den Corona-bedingten Ticketausfall sind dennoch unproblematisch, weil der deutsche Fußball andere Möglichkeiten hat, an Geld zu kommen.

Natürlich nicht etwa dadurch, daß Spieler oder Trainer für die ein oder andere Million weniger auf den Platz rennen würden. Das kommt nicht in Frage.

Aber wir haben ja schließlich Vater Staat, der bei Millionären und Milliardären immer ein offenes Ohr hat und was dazulegt.

Die Merkel-Regierung wurde sofort aktiv, denn Fußball dürfte so ziemlich die einzige Zuständigkeit gewesen sein, für sie sich Superminister Seehofer tatsächlich interessierte. So schuf die Bundesverwaltung sofort ein Multimillionenprogramm zur Unterstützung des Profisports.

Wenn der Bund spendabel ist, wollen sich die Länder auch nicht lumpen lassen. So bekam allein Schalke 04 im Jahr 2020 eine Bürgschaft von der Laschet-Regierung in Höhe von 38 Millionen Euro. Die Armen aus dem Tönnies-Universum hatten ja sonst nichts.

Das Geld war auch schnell wieder weg, also sprang zuletzt  Christian Lindner ein und verteilte noch mal großzügig sieben Millionen Euro an Schalke.

[…..] Fußball-Zweitligist FC Schalke 04 hat einen Bescheid erhalten, für die pandemiebedingten Umsatzverluste eine Überbrückungshilfe aus Bundesmitteln zu bekommen. Dies sagte der Vorstands-Vorsitzende Bernd Schröder in einem Interview mit den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. „Damit sind wir in der 1. und 2. Bundesliga übrigens kein Einzelfall“, betonte der 55-Jährige. „Es steht noch eine Abschlussprüfung aus, aber wir sind zuversichtlich, dass es ein mittlerer siebenstelliger Betrag sein wird, der bislang nicht in unserer Planung eingepreist war." [….]

(Reviersport, 09.03.2022)

Es ist erstaunlich schwierig, genaue Summen zu ergoogeln. Ich finde keine Liste, die aufzeigt, welche Profivereine, wann, wie viel staatliche Unterstützung bekommen haben.

Ein Verschwörungstheoretiker würde sich nun fragen, was da vertuscht werden soll. Ich halte mich aber an die vereinzelten Meldungen der Regionalpresse.

Sieben Millionen Euro Zuschuss scheint jedenfalls die Summe des Monats zu sein.  Herta BSC zB erhielt auch sieben Millionen Euro Corona-Beihilfe vom Bund.

Sicherlich gut angelegtes Geld, denn der Goldpreis für das Blattgold auf den Steaks steigt und so ein Ferrari will bei den Spritpreisen auch erst mal vollgetankt sein!