Sonntag, 27. August 2017

Der Wahnsinn ist über mir

Die Troll- und Meme-Kultur erschwert die sachliche Auseinandersetzung im Internet erheblich.
Meme-Bildchen verwenden in der Regel Zitate oder (kurze) Sätze, um maximal zu amüsieren oder zu schockieren.
Wenn man aber einen schnellen Knalleffekt erzielen will, bleibt die Seriosität der Aussage auf der Strecke.

Man stelle ein unvorteilhaftes Bild von Heiko Mass oder Claudia Roth mit einem (erfundenen) muslimfreundlichen/deutschfeindlichen Inhalt in eine AfD-Facebookgruppe oder irgendeine andere rechte Filterblase und wird maximale Aufmerksamkeit generieren.
Es wird geteilt, geliked, gehatet und in der Aufwallung der Gefühle wird niemand mehr überprüfen, ob die dem Justizminisrer in den Mund gelegten Zitate wirklich stimmen.

Dabei sollte es doch Grundkonsens sein niemals die Worte „Quelle Internet“ zusammen zu benutzen.

Ich erlebe solche Internetspäße selbstverständlich auch auf der anderen Seite des politischen Spektrums. Ein Bild eines dicken und bunt herausgeputzten Kardinals mit einem homophoben Spruch oder ein Artikel mit einem idiotischen Andreas-Scheuer-Zitat – let alone Trump-Tweets – und ich bin inzwischen sofort geneigt das zu glauben.
Es ist anstrengend sich konsequent zu zwingen jede Meldung zu prüfen, bevor man sie virtuell weiterreicht. Zudem gibt es massenhaft satirische Meldungen von „Eine Zeitung“, „der Postillon“, „the Onion“, die man guten Gewissens weiterleitet, die aber auch nichts anderes als eine Falsch-Information sind.
Die halb-seriöse Nachrichtenseite „Newslo“ verbreitet wahre Storys über radikale rechte Ansichten, die sie dann aber an einer Stelle entscheidend ausschmückt, bzw radikalisiert. Mit dem Teil wird für die Story geworben. Man klickt die Geschichte, weil man es tatsächlich für möglich hält, daß Mike Pence das gesagt hat.

[….] Newslo is the first hybrid News/Satire platform on the web. Readers come to us for a unique brand of entertainment and information that is enhanced by features like our fact-button, which allows readers to find what is fact and what is satire. […]
(fakenewswatch)

Newslo ist dennoch seriös, weil man farblich mit einem Klick („show facts“, „hide facts“) die erfundenen Parts der Story farblich kennzeichnen kann.

Sarah Palin: “If You’re In America, Speak American – The Way It’s Been For Thousands Of Years” [….]

Aber wer macht schon diesen mehrere Sekunden dauernden Schritt, wenn man auch in einer einzigen Sekunde einfach den Link teilen und Empörung generieren kann?

Newslo promoviert „trollen“ zu einem eigenen Mediengenre.
Trollen ist natürlich besonders verwerflich, weil es den Hass noch anstachelt und die Umgangsformen vergiftet.

Aber ich trolle auch – aus Verzweiflung.
Wie soll man sonst mit einer Kommentar-Website wie Kreuznet umgehen, wenn jedes Factchecking sofort von den Betreibern gelöscht wird?
Natürlich mischt man sich daraufhin als angeblich frommer Tradi unter die braunen Brüder und mischt den Laden auf – in der Hoffnung eine gewisse abschreckende Wirkung zu erzielen.
Trollen in guter Absicht.

In den sozialen Medien wird aber nicht nur getrollt, sondern es hat sich inzwischen auch eine Trollphobie entwickelt.
Die inzestuösen Filterblasen führen zu so stark vereinheitlichten Meinungen, daß jeder Widerspruch sofort als „Trollerei“ bekannt wird.
Mir ist das mehrfach mit kritischen Blogartikeln zum SPD-Wahlkampf passiert, die ich in geschlossenen Sozi-Gruppen postete, in der besten Absicht konstruktiv dazu beizutragen ein besseres SPD-Wahlergebnis zu erzielen.
Diese Gruppen sind aber so verschworen, daß man nur jubilierend und frohlockend vom nächsten Kanzler Martin Schulz spricht. Wer es wagt zu bezweifeln, daß er gewinnt, oder gar suggeriert, im Wahlkampf laufe nicht alles 100% perfekt für die Sozis, wird als vermeidlicher Troll enttarnt und blockiert.

Factchecking vergessen, Verschwörungstheorien glauben, trollen, Memes generieren – all das ist eine zivilisatorische Unkultur, die unter anderem dazu führt, daß ein Hass- und Lügen verbreitender Twitterer US-Präsident geworden ist.

Als Konsequenz sollte man sich dieser Kultur verweigern. Streng bei den Fakten bleiben, keine Memes verwenden, jegliche Ironie vermeiden und statt sarkastischem Galgenhumor nur mit ehrlicher Betroffenheit auf die Nachrichtenlage reagieren.
Mit gutem Beispiel vorangehen bis die Troll- und Meme-Kultur Vergangenheit ist. Erst dann kann wieder seriös über Politik gesprochen werden.

Aber natürlich bin ich nicht so konsequent.

Ich verwende weiterhin diese Stilmittel.
Und zwar aus Notwehr.
Die reale politische Welt ist zu so einem T(r)ollhaus verkommen, daß man sie nicht mehr mit Mitteln des seriösen Journalismus beschreiben kann, ohne selbst wahnsinnig zu werden.

Beispiel Alex Jones, der fette, fleischfressende, rechtsradikale Verschwörungstheoretiker, der sich gern die Klamotten vom Leib reißt und Reporter zum Fellatio auffordert.
So geht Journalismus im Weißen Haus 2017.

Breitbart News, Gateway Pundit, LifeZette, Newsmax und Infowars.
Solche Typen besiedeln inzwischen das White House Presse-Corps und werden dort bevorzugt behandelt.

Ein guter Mann ist zum Beispiel Alex Jones, der sich schon seit 20 Jahren ganz und gar dem Hass und den Verschwörungstheorien verschrieben hat. Er zeigt es den linken Zecken. Für ihn ist es endlich so weit. Mit Trumps Einzug ins Weiße Haus wurden die Tore zur Hölle geöffnet, die Dämonenherrschaft ausgerufen. Nun ist auch Herr Jones Mainstream. Alex Jones weiß wie man sich gewählt ausdrückt und erklärt Demokraten mal die neue Welt.


Veit Medick, SPIEGEL-Korrespondent in Washington besuchte Anfang des Jahres die Infowars-Studios in Austin, Texas, und lernte Alex Jones als seriösen, kontrollierten Mann kennen.

[…..] Alex Jo­nes […..]  glaubt, dass die Re­gie­rung über Wet­ter­waf­fen ver­fügt, mit de­nen sie künst­li­che Tor­na­dos er­zeu­gen kann. Er ist über­zeugt, dass die Schwu­lenehe die Ver­schwö­rung ei­nes glo­ba­len Ge­heim­bun­des ist, „um den Zu­sam­men­bruch der Fa­mi­lie zu be­wir­ken“ und „Gott ab­zu­schaf­fen“. Er ist sich zu „95 Pro­zent si­cher“, dass das World Tra­de Cen­ter am 11. Sep­tem­ber 2001 nicht durch ei­nen An­schlag zer­stört, son­dern von der Re­gie­rung ge­sprengt wur­de. Das Mas­sa­ker an der San­dy-Hook-Grund­schu­le im Jahr 2012, bei dem 20 Kin­der star­ben, sei eine „Ente“ von Waf­fen­geg­nern. Es gibt kaum ein The­ma, zu dem Jo­nes nicht eine ei­ge­ne, von kei­ner­lei Fak­ten ge­stütz­te Wahr­heit an­zu­bie­ten hät­te. [….] Seit­dem Trump den eta­blier­ten Me­di­en den Krieg er­klärt hat, fühlt sich Jo­nes als jour­na­lis­ti­sche Avant­gar­de. In Wa­shing­ton fürch­ten man­che, dass sich sei­ne dunk­le Ge­dan­ken­welt im Re­gie­rungs­all­tag nie­der­schla­gen wird. Als Trump kürz­lich über Mil­lio­nen il­le­ga­le Wäh­ler­stim­men fan­ta­sier­te und der Pres­se vor­warf, nicht aus­rei­chend über Ter­ror­an­schlä­ge zu be­rich­ten, hör­ten vie­le schon Alex Jo­nes spre­chen. [….]Es ist Nach­mit­tag, Jo­nes läuft durch das Stu­dio. Der Ad­re­na­lin­pe­gel ist hoch, der Blut­zu­cker nied­rig. Er muss jetzt mal was es­sen. Auf den Tisch im Kon­fe­renz­raum ha­ben sei­ne Leu­te Grill­plat­ten ge­stellt. Hühn­chen, Rind, Würs­te. „Gu­tes Bar­be­cue“, sagt Jo­nes. „Schon pro­biert?“

Er häuft sich das Es­sen auf ei­nen Plas­tik­tel­ler, dann zieht er plötz­lich sein Hemd aus, er er­klärt nicht, war­um. Mit nack­tem Ober­kör­per sitzt er da und schau­felt Fleisch in sich hin­ein. Eine Ka­ri­ka­tur von Männ­lich­keit, aber auch eine Macht­de­mons­tra­ti­on ge­gen­über dem Re­por­ter, den er vor sich hat. Er kann tun, was er will.
Dann steht Jo­nes auf und hält sich eine Wurst an den Schritt. „Willst du lut­schen?“, fragt er.
(DER SPIEGEL, Veit Medick, 25.02.2017, s.90ff)

Erfreulicherweise läßt sich Trump nun im Weißen Haus von Alex Jones beraten.(…)

Kann man sich nicht ausdenken. Bis General Kelly am 31.07.2017 Trumps Stabschef wurde, informierte sich der US-Präsident bei INFOWARS, glotze die inkarnierte Hetzsatire und machte damit Politik. Er imitiert den wahnsinnigen Hetzer sogar.


[….] 11 times Donald Trump sounded a lot like Alex Jones
Alex Jones, radio host and founder of InfoWars.com, is known for promoting conspiracy theories. He has called 9/11 an inside job, suggested the Sandy Hook and Pulse Nightclub shootings were “false flag” attacks, and said Hillary Clinton is a “demon” and an “interdimensional invader.”
Jones and InfoWars have an audience of more than 6.5 million a month, including the United States’ next president. Donald Trump and his son Donald Trump, Jr., have both shared articles from InfoWars, and Trump Sr. was a guest on Jones’s show in 2015, where he complimented Jones’s “amazing” reputation. Trump reportedly called Jones to thank him for his support after the election. [….]

Kann man das noch mit seriösen Journalistischen Mitteln beschreiben?

Im Büro des mächtigsten Mannes der Welt, dem Leader Of The Free World, hocken ein Haufen Nazis – Stephen Bannon und Miller, Seb Gorka, Michael Anton, Daniel Scavino und Peter Navarro – während der Chef INFOWARS glotzt?

Kann man es noch mit seriösen Journalistischen Mitteln beschreiben, wenn Trumps religiöse Berater Kritik an ihm für Gotteslästerung halten?


Wie konnte eine Wahnsinnige wie Paula White überhaupt jemals in die Nähe des US-Präsidenten kommen?

[….] After Charlottesville, Trump’s Spiritual Adviser Doubles Down:
Resisting Him Is Resisting “the Hand of God”
Televangelist and pastor Paula White has known Donald Trump since the early 2000s, and she is thought to be the president’s closest spiritual adviser. She prayed at his inauguration, appeared with him when he signed his executive order easing restrictions on pastors engaging in politics, and told evangelical TV host Jim Bakker she is in the White House at least weekly these days. This week, as Trump faced sustained criticism over his response to the violent white-nationalist rally in Charlottesville, Virginia, she proved her loyalty once more, appearing on the Jim Bakker Show to defend Trump’s presidency and his spiritual bona fides in apocalyptic terms. While White has condemned white supremacy as evil and has a racially mixed fan base, she didn’t mention Trump’s equivocations that have roiled the nation.
Instead, she made an extended comparison of the president to the biblical figure Esther on Bakker’s show Monday in an interview that at times sounded more like an impassioned sermon. Like Esther, White said, Trump is a come-from-nowhere figure elevated to leadership against all odds in order to do God’s will. She described Trump as a generous, humble man of “character and integrity” and vouched repeatedly for the state of his soul. “He surrounds himself with Christians, and he is a Christian,” she told Bakker, about a man who’s been widely reported as being irreligious for most of his life, prompting applause from the studio audience. “He loves prayer.” [….]

Dazu fällt mir nur ein: RESIST!

‘Raised up by God’: Televangelist Paula White compares Trump to Queen Esther.

Und dann muss ich zum Meme greifen….






Samstag, 26. August 2017

Der Minusmann – Teil XX



Viele Unionsminister fallen nicht gerade mit besonderer Ehrlichkeit auf.
Schäuble und von der Leyen sind gewohnheitsmäßige Lügner.
Aber Thomas de Maizière spielt in einer Lügenklasse für sich, weil er nicht nur Fakten frisiert, um selbst ein bißchen besser dazustehen, sondern mit seinen Lügen gezielt xenophobe Hetze betreibt, die natürlich besonders perfide ist, wenn sie aus dem Mund des obersten Verfassungsschützers, nämlich des Bundesinnenministers kommt.
 
(…..)Man fragt sich was eigentlich noch passieren muß, daß Merkel den Mann endlich entläßt. De Maizière ist als Minister von drei verschiedenen Ressorts jeweils mit dreisten Lügen und totaler Unfähigkeit aufgefallen.
Nun hat sein Ministerium eine handfeste außenpolitische Krise zu verantworten, die dazu führen könnte, daß der gesamte Flüchtlingspakt mit der Türkei zusammenbricht. (…..)










Gerade unser Verfassungsminister Thomas de Maizière ist Paradebeispiel eines Amoralikers, der immer wieder Lügen über Flüchtlinge verbreitet.

Dieser Minusmann ist nah dran zum schlechtesten deutschen Minister aller Zeiten zu avancieren.
Wenn der Innenminister in seinen ganzen Unfähigkeit noch unfreiwillig komisch ist, wie bei seiner inzwischen berühmten „Ein Teil der Antwort würde sie nur verunsichern“-Nichtaussage zur Terrorgefahr, hat man wenigstens noch was zu lachen.

Unglaublich, dieser Thomas de Maizière.
Völlig schmerzfrei. Immer und immer wieder der dreistesten Lügen überführt, als ausländerfeindlicher Hetzer peinlich aufgefallen und politisch so unfähig, daß sogar die ihm zu tiefer Dankbarkeit verpflichtete Merkel ihn partiell entmachten mußte, weil er so offensichtlich überfordert ist in seinem Job.

Jeder Politiker mit einem Funken Anstand und Ehrgefühl würde nun zurücktreten, oder aber sich zumindest ganz fürchterlich schämen.
Da ohnehin Peter Altmaier de Maizières Job mitmacht, sollte sich der Innenminister, wenn er schon drei Liter Superkleber auf seinen Ministersessel gegossen hat, still und unauffällig verhalten.
Aber nein, de Maizière denkt sich sofort eine neue perfide Gemeinheit aus.

Der Innenminister verstört nicht nur durch Lügen, Heucheln und Hetzen; nein er generiert auch durch demonstratives Nichtstun Probleme und bekommt zunehmend seine destruktive Ader nicht unter Kontrolle.
Seit Merkel ihn entmachtete, steht ihm offensichtlich der Sinn nach neroesken Handeln. Nun will er auch die Bundesregierung insgesamt schlecht aussehen lassen.

Daß sich aber ausgerechnet der Minusmann de Maizière empört über die zunehmende Radikalisierung zeigt, ist schwer erträglich.
Immerhin ist es der Bundesinnenminister selbst, der seit Monaten bereitwillig Öl ins Feuer gießt.
De Maizière ist genau der Brandstifter, der mit seinen Halb- und Unwahrheiten die Nazis erst ermutigt.
Der Innenminister schlug die Internierungslager für Heimatvertriebene vor, um damit dem rechten Pöbel den Eindruck zu vermitteln, die Syrer wären alle kriminell.
Der Bundesinnenminister steht einem Wahlkreis vor, in dem seine CDU offen undemokratisch und PEGIDA-freundlich auftritt.

De Maizière hat aus seinen fortwährenden öffentlichen Lügen aber eins gelernt:
Obwohl sie in der Regel klar enttarnt werden – so zB seine Mega-Lügen bei der Eurohawk-Affäre, bei der Kundus-Katastrophe oder den angeblichen „Scheinsyrern“ – schadet es ihm politisch überhaupt nicht.
Er sitzt weiterhin fest im Sattel, die CDU ist mit Abstand stärkste Partei in den Umfragen und die Bundeskanzlerin läßt ihn ohne einen Rüffel gewähren.

De Maizières eigentlicher Job wäre es, die ihm unterstellten Sicherheitsbehörden funktionsfähig arbeiten zu lassen. Genau das schafft er allerdings nach Jahren immer noch nicht. Panne reiht sich an Panne.

Die rechtsextreme Gewalt geriet während seiner Amtszeit völlig außer Kontrolle; am schlimmsten in seinem Herkunftsbundesland Sachsen.

[….] 2016 hat es in Deutschland mehr als 3500 Angriffe auf Flüchtlinge und Flüchtlingsunterkünfte gegeben. Dabei wurden 560 Menschen verletzt, unter ihnen 43 Kinder, wie die Zeitungen der Funke-Mediengruppe am Sonntag unter Berufung auf eine Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Parlamentsanfrage berichtet. Demnach wurden 2545 Angriffe auf Flüchtlinge außerhalb ihrer Unterkünfte gezählt. Hinzu kamen 988 Angriffe auf Flüchtlingsheime - das waren nur geringfügig weniger als im Vorjahr mit 1031 Angriffen. Zudem wurden 217-mal Hilfsorganisationen oder freiwillige Asyl-Helfer attackiert. [….]

[….] Brandsätze in Flüchtlingsheimen, Hetzjagden auf Ausländer, fremdenfeindliche Kundgebungen: Die Zahl rechter Aktionen und Straftaten steigt - und in den Statistiken stechen die sogenannten neuen Länder besonders hervor. Sachsen, Thüringen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern haben ein ernstes Problem mit Rechtsextremismus. Der aktuelle Regierungsbericht zum Stand der Deutschen Einheit sieht darin "eine große Gefahr" für die Entwicklung der gesamten Region. [….]

In de Maizières Sachsen-CDU pflegt man immer noch freundlichen persönlichen Umgang mit Nazis.

Aber auch sein BAMF funktioniert bis heute nicht.

Franco A., der rechtsradikale Bundeswehrsoldat, der sich als syrischer Flüchtling ausgab, sprach beim BAMF Deutsch, beherrschte kein arabisch und wurde dennoch anerkannt.

Anis Amri, der Attentäter vom Breitscheidplatz, der am 19.12.16 zwölf Menschen tötete, war den Behörden seit Juni 2016 unter 14 Alias-Namen bekannt.
Ahmad Alhaw, der am 28.07.17 in einem Supermarkt in Hamburg-Barmbek um sich stach, war den Behörden vorher als Islamist bekannt.

Das Dauerversagen seiner nicht zusammenarbeitenden Ämter läßt den Innenminister aber nicht an Rücktritt denken.
Nein, lieber mischt er den Wahlkampf mit Nebelkerzen auf.

[….] In einem Pilotprojekt im Bahnhof Südkreuz in Berlin testet der Bundesinnenminister die automatische Gesichtserkennung bei Videoüberwachungsanlagen, bricht damit geltendes Recht und ebnet den Weg in die totale Überwachung. [….]

Als typisches CDU-Gewächs dient sich de Maizière nun auch noch der AfD an, tut das was Nazis am liebsten sehen, indem er gegen Linke vorgeht.

[….] "Rote Karte für den schwarzen Block! Linksterror stoppen", steht auf einem Wahlplakat, mit dem sich die rechtspopulistische AfD als law- and-order-Partei profilieren will. Doch damit unterscheidet sie sich kaum von der großen Koalition aus CDU/CSU, FDP und SPD, die nach den militanten Auseinandersetzungen beim G20-Gipfel wieder einmal die letzten Reste von politischem Widerstand bekämpften.
Nicht nur linke Zentren wie die Rote Flora in Hamburg sollen kriminalisiert werden. Der Schlag gegen Indymedia gehört dazu. Dabei musste erst ein Verein konstruiert werden, um dann gegen ihn vorzugehen.
Dass der Repressionsschlag mit den militanten Auseinandersetzungen in Hamburg begründet wird, zeigt einmal mehr, wie sehr es das politische Establishment geärgert hat, dass in Hamburg vor aller Welt deutlich geworden ist, dass Deutschland kein ruhiges Hinterland ist, wenn es die Mächtigen aus aller Welt empfängt. [….]

Diese offensichtliche Wahlkampfmaßnahme macht nicht jeden glücklich.

[….] Viele Beiträge auf der Webseite indymedia waren ekelerregend, gewaltverherrlichend und von einem selbstgerechten Ungeist. Doch ob man deswegen gleich die ganze Seite verbieten muss, wie es der Innenminister getan hat, ist die andere Frage.
[….] Das Vorgehen dagegen, erst ein generelles Verbot auszusprechen und dann weitere Beweise dafür zu sammeln, erinnert ein wenig an das alte Motto aus dem Western: Schieß erst, frage später. Nach den Hamburger Chaostagen ist die Frustration der Strafverfolger noch gestiegen, weil viele der angekündigten Strafverfahren im Sande verliefen - etliche Vorwürfe ließen sich nicht belegen. [….] Bei der Unkultur von Hass und Häme, die leider Teil des digitalen Zeitalters ist, müsste man aber, folgt man diesen Kriterien, sehr viel mehr Plattformen aller möglichen Betreiber dichtmachen - aber ob das wirklich wünschenswert ist? [….] Meinungsfreiheit gehört zu den wichtigsten Werten des Grundgesetzes. Mit der scharfen Waffe des Verbots sollten die Behörden sehr zurückhaltend umgehen. [….] Starke Gesten sind eben nicht dasselbe wie eine starke Demokratie. [….]

Neben der rechtlichen und moralischen Fragwürdigkeit eines solchen Verbots wenige Wochen vor einer Bundestagswahl, erscheint es mir besonders bezeichnend zu sein, daß der Innenminister damit ausgerechnet seinen Polizisten das Leben schwer macht.
CDU-Parteitaktik ist dem Polizeiminister eindeutig wichtiger als der Schutz der Bundesbürger.
Das Bundeskriminalamt ist schwer genervt von de Maizière.

[….] Der Bund deutscher Kriminalbeamter (BDK) reagiert mit Kritik. „Das Abschalten der Seite ist ein untauglicher Versuch“, sagt Hamburgs BDK-Chef Jan Reinecke. Die Seite werde sicher nächste Woche  über einen anderen Server wieder auftauchen. Und wenn die Plattform wirklich eine so zentrale Rolle bei der Mobilisierung von Linksextremen spiele, „dann hätte das Innenministerium sie doch besser vor dem G20-Gipfel abgeschaltet und nicht vier Wochen danach“.
Der BDK-Chef wertet das Verbot als eher geringen Erfolg und fordert weitreichendere Maßnahme gegen linke Gewalt. „Linksextremismus lässt sich nur im europäischen Verband bekämpfen.“ Dafür müssten aber Zuständigkeiten auf europäische Ebene verlagert werden. „Wir brauchen  einen europäischen Staatsanwalt mit entsprechnder Durchsetzungskraft.“
Sarkastisch fügt Reinecke hinzu: „Ich hoffe, der Bund stellt Hamburg jetzt viele 100.000 Euro für verdeckte Ermittler bereit. Denn nur so können wir weiter an die Informationen über Linksextreme kommen, die wir sonst kostenlos per Indymedia hatten.“ [….]

Freitag, 25. August 2017

Ach, und das noch, Pim Spahn



Der in den ganz braunen, identitären Reichsbürger-Sümpfen tauchende Dr. David Berger ist formal scheinbar immer noch CDU-Mitglied.
Aber er hasst die linksradikale Merkel natürlich für ihre Asylpolitik.
Seine Synapsen sind in vielen Hirnarealen komplett durchgeschmort, aber er verfügt noch über Realitäts-Rudimente, glaubt beispielsweise nicht daran, daß die NPD bei am 24.09.2017 eine absolute Mehrheit bekommen kann.
Sein Realismus läßt ihn aber von einer CDU-AfD-Koalition unter einem Kanzler Jens Spahn träumen, der dann von Merkel befreit sofort begänne alles Muslimische aus Deutschland zu vertreiben.
Ganz so abwegig ist Bergers feuchter Polittraum vermutlich noch nicht mal, denn Pim Spahn mag Politiker wie Gauland oder Trump.
Außerdem ist Merkel schon 12 Jahre im Amt; irgendwann muß sie ja mal aufhören.
Nicht ausgeschlossen, daß anschließend keiner aus der Generation 60+ das Ruder übernimmt, sondern daß einer wie er, geboren 1980, den Generationenumbruch vollzieht.
Allein bei der Vorstellung wachsen die beiden rechten Hauptstadt-Homos Berger und Spahn um einige Zentimeter.

Berger tut was er kann, veröffentlichte auf seinen Websites beispielsweise einen Gauland-Brief, in dem er sich an Spahn heranwanzt.

[….]  Lieber Jens Spahn, [….]    Als ich Ihr Interview gelesen habe, fand ich mich und die Positionen meiner Partei fast überall wieder. Es ist erfrischend, dass just Sie diese Positionen erwähnen, denn kämen sie von mir, würden sie höchstwahrscheinlich als rechtsradikal abgetan werden.
So richtig all ihre Forderungen sind, so alleine stehen Sie damit innerhalb der Union dar. Denn Ihre Parteivorsitzende wird nichts davon umsetzen. Die AfD-Positionen, die Sie vertreten, lassen Sie einsam werden.
Nur wenn die AfD in den Bundestag einzieht, haben wir gemeinsam eine Chance, diese Themen auf die Tagesordnung zu bringen und vielleicht sogar gegen Frau Merkel durchzusetzen.
In der Hoffnung auf gemeinsame konstruktive Debatten im nächsten Deutschen Bundestag verbleibe ich mit freundlichen Grüßen
Ihr Alexander Gauland [….]
(Bergers PP-Blog, 19.07.2017)

Der Tradi-Katholik bemüht sich Jens Spahn stets nur im wärmsten Licht zu beschreiben; das ist umso auffälliger, daß Berger über alle anderen Mitglieder der „Alt-Parteien“ nur Hass auskübelt.

[….]  Spahn, der derzeit als Mitglied des Parteipräsidiums und  Parlamentarischer Staatssekretär im Finanzministerium tätig ist, gilt für viele Christdemokraten als der große Hoffnungsträger der Partei. [….]  Er betont dann aber, dass wir im Hinblick auf grundlegende Werte unserer offenen Gesellschaft nun dringende klare Ansagen brauchen:
    „Die Gleichberechtigung von Mann und Frau, der Umgang mit Juden, mit Schwulen und Lesben, mit anderen Religionen, mit dem Reichtum des Nachbarn. Das alles erfordert klare Ansagen und Regeln, die wir auch durchsetzen müssen. Das haben wir am Anfang nicht immer gemacht.“
Wer sich auf den Weg nach Deutschland mache, müsse sich gut überlegen, ob er sich hier in die westliche Kultur integrieren will. Wer dazu nicht bereit sei, solle sich eine neue Heimat suchen, die „besser zu ihm passt“.
Bei denen, die schon hier sind, fordert Spahn ein hartes Durchgreifen, damit deutsche Gesetze eingehalten werden. Dies sei besonders bei Migranten aus dem arabischen Raum notwendig, bei denen nicht nur mangelnde Bereitschaft zur Integration, sondern auch erhöhte Kriminalitätsraten feststellbar seien. Hier mit Verständnis zu agieren, sei fatal:
    „Der sozialpädagogische Ansatz, Tätern immer wieder eine neue Chance zu geben, funktioniert nicht mehr. Er wird gerade von diesen Jugendlichen als Einladung verstanden, munter weiterzumachen. Und es macht andersrum die Deutschen rasend, wenn sie immer wieder lesen müssen, dass Diebe, Grapscher und Betrüger nach der Aufnahme der Personalien gleich wieder freikommen.“
Dabei sollte uns nicht die dauernde Angst leiten, als „Fremdenfeind abgestempelt“ oder von den Migranten gewalttätig angegriffen zu werden.  Gerade in solchen Situationen sei unser Mut gefragt, denn hier entscheide sich, „ob wir unsere Art zu leben durchsetzen oder nicht.“ Diese Art zu leben, bedeute auch, dass wir nicht bereit sind, in Sachen Nacktheit und Bekleidung in eine „alte verklemmte Spießigkeit“ zurückzufallen. […]
(David Berger, 30.07.2017)

Da verstehen sich zwei.

Wer auf die von Berger abgrundtief gehassten Linken, Atheisten und Muslime eindrischt, erhält Generalpardon.

Unappetitliche Raffgier, die Spahn an den Tag legt, stört einen Katholiken ohnehin nicht.

[….] Finanzstaatssekretär Jens Spahn investiert in Steuer-Software
Der CDU-Politiker ist Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesfinanzministerium. Als solcher darf er kein Gewerbe ausüben. Über Unternehmensanteile sagt das Gesetz jedoch nichts.
[….] Dass man die Steuererklärung auf einem Bierdeckel erledigen kann, dürfte für Jens Spahn (CDU) keine erstrebenswerte Vision mehr sein. Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesfinanzministerium hat sich an der Pareton GmbH beteiligt, die ihren Umsatz damit erzielt, Menschen die leidige Steuererklärungen zu vereinfachen. Eine entsprechende Vorabmeldung des Magazins „Bilanz“ bestätigte das Bundesfinanzministerium am Donnerstag.
[….] Führt es nicht in einen Interessenkonflikt, wenn der Finanzstaatssekretär letztlich auf komplexes Steuerrecht setzt? Darf Spahn das als Staatssekretär überhaupt? Und ist der Name der Software, „Taxbutler“, nicht englisch?  Spahn hat 1,25 Prozent an der GmbH erworben. [….]
(FAZ, 25.08.17)

[….]  Man tut sich schwer damit, dem CDU-Politiker Jens Spahn abzunehmen, dass er nicht weiß, was er macht. Als pfiffig bezeichnet der Staatssekretär im Finanzministerium seine Idee, sich an einem jungen Unternehmen zu beteiligen, das Geld mit einer Software für Steuererklärungen verdient. Dank der Beteiligung könne er praktisch nachvollziehen, ob die Maßnahmen, mit denen sein Ministerium Start-ups fördert, tatsächlich wirkungsvoll sind. Es gehört Chuzpe dazu, mit einer so schlichten Begründung den Interessenkonflikt übertünchen zu wollen, der sich auftut. [….] Problematisch ist allerdings, dass der in der Union als Zukunftshoffnung gehandelte Spahn diese Gesetzeslücke als Freibrief für sich gelesen hat, obwohl Amt und private Geldanlage direkt miteinander verbunden sind.  Spahn ist nicht nur Finanzstaatssekretär, sondern auch Beauftragter der Bundesregierung für Fintech-Firmen. Er gibt also den gesetzlichen Rahmen vor für eine Branche, in die er sich eingekauft hat. [….]