Freitag, 3. Juli 2015

Okzidentale Gastfreundschaft.



Deutsche sind nicht nur Reiseweltmeister, nein, sie überfluten auch dauerhaft zu Millionen das Ausland.
Ob nun als Proll-Invasion auf Mallorca, Billigpauschaltourist in der Türkei, als Demenz-Heer in Osteuropa, Bumsbomberbesatzung in Thailand, Ferienhausbesitzer an der Algarve, Uni-Schmarotzer-Brigaden in Österreich und der Schweiz oder Jobvagabund in Skandinavien. Deutsche lassen sich wie selbstverständlich überall nieder.
Mehrere Hunderttausend Deutsche ziehen jedes Jahr ins Ausland. Genaue Zahlen über die gegenwärtig im Ausland lebenden Deutschen gibt es nicht. Die Bundesregierung versäumt bisher das zu erfassen, obwohl Deutsche auch im Ausland wählen dürfen und Sozialleistungen beziehen.
300.000 Deutsche leben in der Schweiz, die insgesamt nur so viele Einwohner wie Niedersachsen hat (rund acht Millionen). Knapp 200.000 Deutschen hocken dauerhaft in Österreich.
Noch mehr hausen in Spanien und den USA.

Umgekehrt haben wir es nicht so gerne.
Kommen Menschen aus anderen Ländern nach Deutschland, beginnt der Abwehrkampf – und wenn es noch so gute Gründe dafür gibt hierher zu kommen.

Der Deutsche Bundestag beschließt am heutigen Donnerstag ein Gesetz zur Erleichterung von Abschiebungen und zur Ausweitung von Abschiebehaft. Das Gesetz erlaubt es unter anderem, Flüchtlinge in Abschiebehaft zu nehmen, wenn sie auf ihrer Flucht Geld an Schleuser gezahlt haben; ohne die Dienste von Schleusern ist allerdings die Flucht nach Europa kaum noch möglich. Auch wird es wieder gestattet, Flüchtlinge zu internieren, die aus einem anderen EU-Land in die Bundesrepublik eingereist sind; dies hatte der Bundesgerichtshof letztes Jahr untersagt. Das Gesetz ist Teil der vielfältigen Maßnahmen, mit denen die Bundesregierung unerwünschte Migranten aus Deutschland fernhalten will. Anfang vergangener Woche ist etwa der EU-Militäreinsatz im Mittelmeer gestartet worden, der sich offiziell gegen Schleuser richtet, aber faktisch jegliche Flucht aus Nordafrika nach Europa unmöglich machen kann. Flüchtlinge aus Südosteuropa sucht Berlin gegenwärtig mit einer Medienkampagne abzuschrecken. Befeuert von Parolen einflussreicher Politiker gegen Flüchtlinge, eskaliert zur Zeit die Gewalt unter anderem gegen Flüchtlingsheime. Allein seit dem vergangenen Wochenende wurden zwei fast bezugsfertige Flüchtlingsunterkünfte in Brand gesteckt.
 [….] Gleichzeitig heizen einflussreiche deutsche Politiker Ressentiments in der Bevölkerung gegen Flüchtlinge an. Bereits im Januar hatte der sächsische Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) in Bezug auf muslimische Migranten geäußert: "Der Islam gehört nicht zu Sachsen." Der sozialpolitische Sprecher der sächsischen CDU-Landtagsfraktion, Alexander Krauß, schloss sich jetzt mit der Forderung nach drastischen Repressalien gegen Flüchtlinge an: "Wer keine Papiere hat oder seinen Namen vergessen hat, sollte sofort im Gefängnis untergebracht werden. ... Ein Aufenthalt hinter Gittern fördert die Gedächtnisleistung enorm." Vergangene Woche hat sich nun auch der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) zu Wort gemeldet. Seehofer beklagte "extrem hohe [...] Zahlen beim Asylmissbrauch aus Balkan-Staaten" und erklärte: "Die Rückführung abgelehnter Asylbewerber muss noch stärker stattfinden als bisher." Der CSU-Politiker verlangt: "Mehr Balkan-Staaten müssen zu sicheren Drittstaaten erklärt werden, in die wir dann schneller abschieben können."
[….] Die Äußerungen erfolgen in einer Phase dramatisch zunehmender Angriffe auf Flüchtlinge und auf Flüchtlingsunterkünfte. Verzeichneten die deutschen Behörden im Jahr 2013 offiziell bereits 55 Angriffe auf Flüchtlingsheime, waren es 2014 schon 170 - ein Anstieg auf das Dreifache. Allein im ersten Halbjahr 2015 wurden laut offiziellen Angaben 150 Attacken auf Flüchtlingsheime verübt, beinahe um die Hälfte mehr als im Vorjahr. Dabei können Flüchtlingsorganisationen eine noch höhere Zahl an Angriffen nachweisen. Demnach kam es bereits 2014 neben 36 Brandstiftungen zu 211 anderen Übergriffen, etwa mit Steinen und Sprengsätzen, während im selben Jahr mindestens 81 Flüchtlinge persönlich attackiert wurden. Die Amadeu Antonio Stiftung, die sich dem Kampf gegen rechte Gewalt verschrieben hat, listet für 2014 außerdem nicht weniger als 292 flüchtlingsfeindliche Kundgebungen auf.] In diesem Jahr wurden bereits elf Brandanschläge gezählt - zuletzt in der Nacht von Samstag auf Sonntag im sächsischen Meißen und am frühen Montagmorgen im schleswig-holsteinischen Lübeck.[….]

Die extreme xenophobe Gewalt insbesondere in Sachsen überschattet gelegentlich wie ganz alltäglich und legal in den Bundesländern die Würde von (ausländischen) Menschen mit Füßen getreten wird.

Beispiel Bayern:

[….] Es ist fünf Uhr morgens, als die Polizei passend macht, was nicht passt. Vor gut zwei Wochen kommen Beamte in eine Asylunterkunft in Wallerstein im Ries und überbringen Mohammad M. (Name geändert), 29, die Botschaft, dass sie ihn gleich mitnehmen werden. Der afghanische Flüchtling wird abgeschoben, er muss zurück nach Bulgarien, weil er dort zuerst europäischen Boden betreten hat. Die Polizisten aus Nördlingen händigen M. zwei amtliche Bescheide aus, darunter einen aus Donauwörth: "Das Landratsamt Donau-Ries erlässt folgenden Bescheid", steht da. Das Wort Bescheid ist groß und fett gedruckt und unterstrichen.
Allein, dieser Bescheid ist an einen anderen Mann adressiert. An einen, der als Palästinenser in Damaskus geboren wurde, einen, der nicht in Wallerstein lebt, sondern in Asbach-Bäumenheim. Mohammad M. weist die Beamten darauf hin. Und was machen diese? Streichen im Adressfeld den Namen durch und notieren handschriftlich daneben den passenden. Im Betreff streichen sie den Namen ebenfalls durch, der Rest bleibt, wie er ist: Abschiebung nach Italien. Italien? Egal. Wenige Stunden später sitzt M. im Flugzeug in ein Land, das für seinen Umgang mit Asylbewerbern heftig kritisiert wird. Deutschland hat dafür einen Flüchtling weniger. [….]

Am anderen Ende der Republik, in Hamburg, interessieren sich die Behörden vor allem für den Schniedelwutz der jungen Flüchtlinge.

Schwanzvergleich bestimmt das Alter

[….] Hamburg scheut weder Kosten noch Mühen, wenn es um Flüchtlinge geht. Panoramaschichtaufnahmen der Kieferknochen, Röntgenbilder von Handskelett und Schlüsselbein und gern auch noch eine Computertomographie obendrauf: Um das Alter von jugendlichen Flüchtlingen zu ermitteln, setzt die Stadt das gesamte Arsenal an Medizintechnik in der Uniklinik Eppendorf (UKE) ein. [….] „Es erfolgt eine Inaugenscheinnahme der bezüglich einer Abschätzung des Entwicklungs- bzw. Reifezustandes maßgeblichen Partien der Körperoberfläche, insbesondere bei männlichen Probanden der Gesichtsregion und der Achselhöhlen sowie der Genitalregion. Bei weiblichen Probanden erfolgt eine Inspektion des Entwicklungszustandes der Brustdrüsen“ [….]
[….] Sehr kritisch sieht Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Hamburger Ärztekammer, das Verfahren: „Auch bei Untersuchungen der Geschlechtsmerkmale muss die Privatsphäre gewahrt bleiben. [….]

Donnerstag, 2. Juli 2015

Homo homini lupus



OK; es ist müßig über das Wetter zu reden und noch müßiger sich darüber zu beklagen.
Ich nehme auch für mich in Anspruch das üblicherweise nicht zu tun.
Im Gegenteil; mit schöner Regelmäßigkeit weise ich in irgendwelchen Geschäften meine sich über Kälte, Regen oder Schnee beklagenden Mitmenschen drauf hin, wie froh sie sein sollten, daß wir hier so verschiedenen Jahreszeiten haben.
Wie öde es wäre, wenn die Natur immer gleich aussähe.
Im Übrigens liege es doch nur an uns sich entsprechend anzuziehen.
Was soll das Gefriere in diesen Breitengraden, wo so gut wie jeder finanziell in der Lage wäre sich dem Zwiebelprinzip frönend den Außentemperaturen anzupassen.
Ich zum Beispiel kann Kälte sehr gut vertragen und friere fast nie, aber wenn es draußen unter Null °C anzeigt, laufe ich auch nicht im T-Shirt umher.

Grundsätzlich halte ich aber den Sommer für problematischer als den Winter, da man sich nun einmal nur bis auf die nackte Haut ausziehen kann.
Wer dann immer noch schwitzt, ist hilflos.
Das ist so ähnlich wie mit Pollen.
Davor kann man sich so gut wie gar nicht schützen und muß es ertragen.

Hitze ist tatsächlich sehr gefährlich – aber eben in erster Linie für die Alten und Kranken unserer Gesellschaft.
Der Aspekt des Wetters ist wirklich zum Kotzen – er offenbart wie sehr das öffentliche Leben nur auf die Schönen, Jungen und Gesunden fixiert ist.
Seitenweise zeigen Zeitungen und TV-Nachrichten hübsche, schlanke Menschen zwischen 15 und 25, die eigenartigerweise auch alle tagsüber gar keine Verpflichtungen haben, sondern sich in Freibädern, an Stränden und Beach Clubs im Bikini räkeln.
Jedes Jahr dasselbe.

Myriaden Menschen in Deutschland liegen in Heimen und verdursten während die Mopo den „Supersommer“ bejubelt.
Das Problem der Exsikkose in Altenheimen wurde durch das Hoch „Michaela“ im Jahr 2003 europaweit diskutiert.
Hilflose und pflegebedürftige Menschen trinken fast nie von allein genug Wasser und es reicht nicht ihnen einfach irgendwo ein Glas hinzustellen; es braucht eine pflegende Person, die ihnen das Wasser auch einflößt.
Auf dieses Weise starben 2003 mindestens 40.000 Menschen über 75 Jahren in Westeuropa.

Der 11. und der 12. August waren aufgrund der Windstille besonders belastend. Die Wirkung der Hitzewelle wurde durch die sehr erhöhten Nachttemperaturen verstärkt, die fehlende Luftbewegung verursachte einen steilen Anstieg der Stickoxide, die sich bei der Entstehung des Ozons ansammelten. Die Leichenhallen waren sehr schnell voll belegt, da man die Leichen wegen der beträchtlichen Hitze nicht in ungekühlten Räumen lagern konnte. Ein gekühlter Hangar der Halles des Pariser Vororts Rungis, das Logistikzentrum der Transporte für den Handel mit Lebensmitteln, wurde zur Verfügung gestellt, damit dort die Leichen vorläufig abgelegt werden konnten. Am 24. August gab es immer noch 300 Leichen in Paris, für die sich keine Angehörigen gemeldet hatten und die in Rungis und in Kühllastern in Ivry-sur-Seine ihrer Beisetzung harrten.

Wenn in Deutschland ein alter Mensch in einem Heim zu vertrocknen droht, muß man 112 rufen und ihn schnellstens in Krankenhaus bringen lassen. Dort bekommt er dann zwei bis drei Tage lang intravenös Ringerlösung oder NaCl-Lösung. Das kostet ungefähr 2000 Euro inklusive der Krankenwageneinsätze und ist absolut alltäglich in den Kliniken bei einem Wetter wie heute.
Natürlich könnte man auch stattdessen für einen Bruchteil des Geldes etwas mehr Pflegepersonal in den Heimen einstellen, so daß die alten Menschen a priori genug zu trinken bekommen und gar nicht erst in Lebensgefahr geraten.
Die Absurdität ist bekannt* und wurde in vielen Büchern (Stichwort Claus Fussek) beschrieben. Aber die 2000 Euro für den Krankenhausaufenthalt kommen aus einem anderen Topf, dem der Krankenkasse und nicht dem der Pflegekasse. Merkel und Co kümmern sich aber nicht darum, weil es auch keinerlei Druck auf sie in dieser Angelegenheit gibt. Die Presse versagt hier vollkommen bei ihrer einseitigen Sommerbejubelung. Sie verweigert ihren Job auch auf die Missstände hinzuweisen.
Es ist ein bißchen ähnlich bei der leidigen Diskussion Auto versus Fahrrad, die vermutlich in allen deutschen Großstädten läuft. Die Straßen sind ursprünglich für Autos geplant worden, da aber heute glücklicherweise mehr Menschen Rad fahren verlangen sie überall Fahrradwege, die auf Kosten der Auto-Straßen abgezwackt werden.
Zumindest die Hamburger Lokalpresse steht ausnahmslos auf der Seite der Radfahrer und brandmarkt genau wie fast alle Parteien die sturen Autofahrer, die weiter auch in der Innenstadt fahren wollen. Dadurch haben die Radfahrer so starkes Oberwasser, daß sie zunehmend aggressiv werden. Tatsächlich muß man sein (Auto-)Fahrverhalten ändern. Beim Rechtsabbiegen genügt kein kurzer Schulterblick mehr; nein man muß sich einmal komplett umdrehen, weil auf Fußwegen, Fahrradwegen und Straßen bei grün UND rot jederzeit irgendein Irrer auf seinem 4000-Euro-Mountainbike einem vor die Kühlerhaube rasen kann.
Natürlich ist es aus ökologischen Erwägungen unstrittig, daß der Umstieg möglichst vieler PKW-Nutzer auf das Rad zu wünschen ist.
Aber die Presse hätte verdammt noch mal auch die Pflicht an diejenigen zu denken, für die das nicht möglich ist.
 Ist gibt jede Menge Alte, Pflegefälle, Herzkranke, Behinderte, oder einfach junge Leute mit Mitralklappeninsuffizienz, die nicht die Puste zum Strampeln haben, also die schlicht und ergreifend nicht in der Lage sind Rad zu fahren.
Es wäre ganz nett zu berücksichtigen, daß auch diese Menschen Zugang zu Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen haben müssen.

Verblüffenderweise gibt es immerhin gelegentlich für die nichthumane Natur Mitleid, obwohl jeder immer nur den Sommer bejubelt.

Die Natur leidet. Dazu muß ich nur aus dem Fenster sehen – alle Büsche und Gräser sind braun und vertrocknet. Natürlich trifft es auch die Fauna.

Hitzewelle löst Fischsterben in der Elbe aus
Fischer sprechen von einer Katastrophe. Bisher schon 100 Tonnen Kadaver. Einer der Gründe: die verstärkte Algenblüte.

Die Hamburger Umweltbehörde warnt vor dem Kontakt mit giftigen Blaualgen in der Binnen-und Außenalster. Vor allem in Höhe Lombards- und Kennedy-Brücke haben sich dort in den vergangenen Tagen ganze Algenteppiche gebildet.

Ein anderes echtes Wärmeproblem sind für mich die optischen Qualen, die mir täglich bereitet werden.
Ich bin ohnehin Misanthrop und möchte mich gar nicht gern mit der biologischen Konstitution meiner Mitmenschen beschäftigen.
Menschen sind eigentlich ziemlich ekelhafte Getriebene ihrer warmblütigen Natur und des erhöhten Energiebedarfs durch das große Hirn.
Ich fände es viel netter, wenn man wie ein Weißer Hai nur einmal im Monat essen müßte. Komodowarane und dicke Boas brauchen sogar nur drei, viermal im Jahr eine üppige Mahlzeit.
Menschen denken aber unablässig ans Fressen, sie verdauen kontinuierlich und produzieren dabei Kubikmeter weise Abgase, literweise harnstoffstinkendes Giftwasser und von anderen Produkten anderer Körperöffnungen will ich erst gar nicht reden.
Menschen stinken auch. Manchmal von Natur aus, manchmal auch künstlich generiert durch allerlei Duftwasser.

Nebenbei bemerkt, von Saddam Hussein hieß es immer, er habe derart empfindlich auf Körpergerüche reagiert, daß seine Leibwächter ständig duschen mußten und wenn dennoch einer in seiner Gegenwart die Duftnote Mief-Achsel verbreitete, ließ er ihn hinrichten. Eine verständliche Reaktion, die ich mir für meine Karriere als Diktator oder Weltherrscher auch noch vorbehalte.

Aber das ist nur die olfaktorische Problematik der sozialen Zwangskontakte.
Akustisch und optisch wir es auch immer schlimmer, je wärmer es ist.

Heute war ich Lebensmittel einkaufen und in der Kühlregalabteilung machte es immer schmatz-schmatz-schmatz, weil dort eine Frau undefinierbaren Alters feuchtfüßig in ihren Plastik-Flipflops umherwatschelte. Schmatz-schmatz-schmatz. Wer kann da noch Joghurt und Quark aussuchen, ohne mit Würgereiz zu kämpfen?

Und meine armen Augen!
Ich habe heute mehrfach nackte Männerfüße gesehen. Ist das nicht ein Fall für den UN-Menschenrechtsrat? Muß ich das ertragen?
Dabei bin ich weder paraphil noch Podologe!
Das ist nicht in Ordnung.

Niemand kann behaupten er wüßte es nicht besser. Wie jedes Jahr wird in Zeitungen ausdrücklich erklärt welche Kleidung Männer auch an heißen Tagen nicht tragen dürfen.

[….]  Insbesondere fürs Büro gilt, den lässigen Kleidungsstil zu Hause zu lassen. [….]  
Dont Nr. 1: Kurze Hose im Büro „Meine absolute Horrorvorstellung bei Männern sind 7/8 Hosen”, sagt Stiltrainer Jan Schaumann. Ob im Büro oder in der Freizeit: Diese Beinbekleidung zeugt für ihn von geringem modischem Bewusstsein. Während hochwertige Bermuda-Short in der Freizeit erlaubt sind, gehören kurze Hosen aller Art nicht ins Büro.
[….]  Dont Nr. 2: Sandalen An den Füßen scheinen die Regeln der Stilexperten streng. „Männer und Sandalen, da schüttelt es nicht nur mich”, so Schaumann. Zum geschlossenen Schuh gibt es für Schaumann keine Alternative. „Im Büro werden Lederschuhe getragen, mit einer hochwertigen Leder- statt Plastiksohle, in der man weniger schwitzt.” [….]  Dont Nr. 3: T-Shirts und kurze Hemden Kurzärmlige Hemden gibt es an jeder Ecke zu kaufen und sind genauso oft zu sehen. Im Büro sind sie aber ein schwieriger Fall. „An der Arbeit die Unterarme zu zeigen, ist verpönt”, sagt Roetzel. Hochgekrempelt werden dürfe nur, wenn man allein am Schreibtisch sitzt. [….]  
Dont Nr. 5: Hauptsache bequem „Wer in einer Jogginghose das Haus verlässt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren.” Mit dieser Aussage sorgte Karl Lagerfeld für Aufsehen. Auf die Arbeitskleidung bezogen liegt der Modeschöpfer aber nicht ganz verkehrt. Der Schlabberlook hat es zwar in die Modeläden geschafft. „Doch im Beruf hat er nichts verloren”, warnt Oexle. [….]  
Dont Nr. 7: Körperbehaarung Um zu klären, wie viel Körperbehaarung erlaubt ist, stellt Roetzel eine einfache Fragen: „Will ich die Brust-, Achsel-, oder Ohrenhaare eines Fremden sehen? Nein.” In der Öffentlichkeit gilt es also, Behaartes zu bedecken. [….]  
 (Hamburger Morgenpost, 01.07.2015, s. 23)

Also bitte meine lieben Geschlechtsgenossen: Haltet Euch daran!

So und jetzt fliege ich nach Nowosibirsk.



Mittwoch, 1. Juli 2015

Impudenz des Monats Juni 2015.

Und schon wieder einmal zeigt der Kalender eine „1“ - hohe Zeit für mich den Blödmann des Monats zu küren.

Die Wahl hat auch mit Griechenland zu tun. Ich staune heute wieder einmal wie gut es Merkel zu gelingen scheint, ihren Kopf aus der Schlinge zu ziehen, ohne daß es irgendeinen richtigen Aufschrei in der relevanten Medienwelt gibt.
Im Gegenteil; sie wirken noch mehr gleichgeschaltet und bepöbeln jede Objektivität vergessend einseitig die griechische Regierung.

Rolf-Dieter Krause, dem ARD-Publikum seit vielen Jahren als ebenso sachkundiger wie besonnener Korrespondent in Brüssel vertraut, zeigte sich hellauf empört. "Die Jungs von Syriza", seien "so was von verantwortungslos", dass man sie "zum Teufel jagen" müsse.

Immerhin, einige Medien machen den „Faktencheck“ und kommen klar zu dem Ergebnis, daß Merkel uns wieder einmal belügt und in Wahrheit eine Hauptschuld an den katastrophalen Zuständen in Griechenland trägt.
Aber wer hört schon auf echte Experten, wenn man auch den tumben Boulevard hat?

Während gestern beispielsweise die Hamburger Morgenpost in ihrem Leitartikel Giannis Varoufakis nur noch als „Wirroufakis“ beschimpfte (offensichtlich meint ein gänzlich fachfremder Redakteur einer Boulevardzeitung es besser zu wissen als der weltweit anerkannte Ökonomieprofessor Varoufakis, der auf drei Kontinenten Lehrstühle innehatte) liest man an anderer Stelle kleinlaut, daß Varoufakis RECHT HAT. Und das obwohl er auf einem Motorrad fährt und manchmal keine Krawatte trägt.

Varoufakis' These lautet, dass die Troika-Hilfen kein Akt der Solidarität europäischer Bürger und Steuerzahler mit dem griechischen Volk waren, sondern ein Akt der Selbsthilfe des europäischen Finanzsektors zu Lasten der EU-Bürger. Diese These lässt sich nicht einfach von der Hand weisen. Grund genug, um die Selbstgerechtigkeit deutscher Wutbürger in Frage zu stellen.

Das hindert aber verkommene Ideologenperiodika wie „Welt“ oder „Handelsblatt“ nicht daran Varoufakis Lüge und Feigheit vorzuwerfen.

„Der Vizekanzler ist in dieser Frage ein kompletter Ausfall; er bedient im Zweifel lieber die nationalistischen Untertöne des Medienboulevards, statt auch nur eine Initiative zu starten, die der griechischen Wirtschaft wieder auf die Beine geholfen hätte.“
(Gregor Gysi 30.06.2015)

Auf dem gleichen erbärmlichen Niveau präsentieren sich heute auch Schäuble, Merkel und Gabriel im Bundestag.

Faktencheck Griechenland: Rotzfrech gelogen
[…]
Behauptung Nr. 1: Der Vorschlag enthielt „ein Wachstumsprogramm mit 35 Milliarden Euro speziell für Griechenland.“
Dafür findet sich kein Beleg. Die Offerte unter dem schönen Titel „A new start for growth and jobs“ war nicht Teil der Verhandlungen mit der Troika, sondern sollte offenbar nach dem Ja aus Athen hinzugefügt werden. Glaubt man den Dokumenten, die die Bundesregierung dem Bundestag zur Zustimmung geschickt hat, so handelt es sich auch nicht um ein Griechenland-Paket. Vielmehr geht es um förderfähige Zuschüsse, die alle EU-Länder bekommen können.
Behauptung Nr. 2: Griechenland muss seine Renten nicht kürzen.
Das ist eindeutig falsch. Schon die Rahmenvereinbarung der Gläubiger von Anfang Juni, die im Kanzleramt in Berlin ausgehandelt worden war (mit Juncker, ohne Tsipras) sah Einsparungen im Rentensystem in Höhe von einem Prozent der Wirtschaftsleistung vor.
[…] In den “Prior actions“, die die EU-Kommission selbst ins Internet gestellt hat, ist von einem sofortigen Abbau eines Solidaritätszuschlags (EKAS) die Rede. Auch die geforderte zügige Erhöhung des Renteneintrittsalters auf 67 ist eine – wenn auch indirekte – Rentenkürzung.
Behauptung Nr. 3: Es waren Erleichterungen bei den griechischen Staatsschulden geplant.
In den Dokumenten findet sich davon keine Spur. Vor allem Berlin sperrte sich bis zuletzt gegen die Forderung nach einem Schuldenschnitt oder einer Umschuldung. Mehr als vage Verweise auf eine alte, nie umgesetzte Zusage der Eurogruppe von 2012, über die „Tragfähigkeit“ der Schulden zu reden, wollten die Gläubiger nicht machen. […]
 (Eric Bonse taz 30.06.2015)

Merkel windet sich in direkter Verletzung ihres Amtseides aus der Verantwortung.
Sie badet sogar in Selbstzufriedenheit ob ihres Coups als Hauptverantwortliche für nichts verantwortlich gemacht zu werden.
Das gelingt ihr mit ihrer üblichen perfiden Methode, indem sie von Anfang an so viele verschiedene Player ins Boot holte, daß es in dem Wirrwarr gar nicht zu einem Ergebnis kommen konnte und die Verantwortlichkeiten so diffus sind, da möglichst wenige auf sie selbst zeigen.

Den toxischsten Einfluß auf die Verhandlungen hatte zweifellos der IWF mit seiner brutal ordoliberalen Chefin Christine Lagarde.

Lagarde wurde auf persönlichen Wunsch Merkels hinzugezogen und wird hiermit von mir zur Impudenz des Monats Juni 2015 gekürt.

Niemand hat so sehr die Einigung mit Athen torpediert wie Lagarde.
Zudem vergiftete sie mit ihrer Persönlichkeit immer wieder die Atmosphäre, indem sie zu Beleidigungen und Beschimpfungen griff.

Lagarde kennt Ihr nicht?
Macht nix, erklär‘ ich Euch:

Christine Madeleine Odette Lagarde, Baujahr 1956 ist stramm rechte UMP-Politikerin. Sie wuchs in der Normandie auf und ging 17-Jährig in eine konservative Mädchenschule in Bethesda, Maryland.
Zurück in Frankreich wollte sie auf die für alle erfolgreichen Politiker quasi obligatorische legendäre Elite-Uni École Nationale d'Administration (ENA), rauschte aber trotz intensiver Vorbereitung durch die Aufnahmeprüfung, so daß sie es schließlich nur zu einem Master of Business Law (LL.M.) an der weit weniger renommierten Université Paris X-Nanterre Master brachte.
Als französische Ministerin der beiden konservativen Kabinette de Villepin und Fillon war sie ebenso erfolglos und landete schließlich wegen der Bernard Tapie-Affäre im Visier der französischen Justiz
Am 4. August 2011 entschied der oberste französische Gerichtshof ein Ermittlungsverfahren wegen Amtsmissbrauchs gegen Lagarde zuzulassen, das im März 2011 eröffnet wurde.
Im Mai 2011 wurde Lagarde tagelang verhört und mußte eine peinliche Durchsuchung all ihrer Amtsräume über sich ergehen lassen.
Sie kam erst aus der Schusslinie, als sie wenige Wochen später am 5. Juli 2011 geschäftsführende Direktorin des IWF in New York wurde.

Ihre unselige Rolle entfaltete sie vollends in den Verhandlungen mit Athen der letzten Wochen, indem sie immer neue drastische Austeritätsforderungen aufstellte – mithin Tsipras genau das Toxin verabreichen wollte, das Griechenland erst in diese Superkrise gebracht hatte.

Die Verhandlungen zwischen Griechenland und seinen Geldgebern über ein Reformprogramm werden offenbar von Spannungen zwischen der EU-Kommission und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) überschattet. Nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung blockiert der IWF einen Kompromiss, der in den vergangenen Tagen vorbereitet worden war.
Demnach könnte Griechenland Kürzungen bei kleinen Renten aufschieben, wenn es im Gegenzug seine Militärausgaben um den gleichen Betrag – rund 400 Millionen Euro – vermindert. Diesen Vorschlag habe Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker dem griechischen Regierungschef Alexis Tsipras unterbreitet.
Der IWF akzeptiere jedoch keine Tauschgeschäfte dieser Art, sagte ein Unterhändler der FAS.

Griechenland müsse glaubhafte Reformpläne vorlegen, sagte IWF-Chefin Lagarde im Interview mit dem französischen Magazin "Challenges". "Sie können kein Programm nur mit dem Versprechen auf eine verbesserte Steuereintreibung aufbauen, so wie wir es schon die letzten fünf Jahre mit sehr wenig Ergebnis gehört haben", sagte Lagarde.
Und ohne Zustimmung des IWF können die ausstehenden Milliarden aus dem gemeinsamen Hilfspaket nicht ausgezahlt werden.

Christine Lagarde, de Frau, die so hart auf Steuererhöhungen und Rentenkürzungen besteht – nachdem die griechischen Renten bereits um 40% gekürzt wurden und nun bei durchschnittlich bei 700 Euro liegen und anders als in Deutschland oft die ganze Familie ernähren, weil es keine Sozialhilfen gibt, hat selbst keine Geldsorgen und zahlt auch selbst gar keine Steuern.

Als Chefin des IWF bekommt sie ein Jahresgehalt von 467.940 Dollar plus eine pauschale Aufwandsentschädigung in Höhe von 83.760 Dollar. Ihre Einkünfte muss sie nicht versteuern.

Wasser predigen, Wein trinken: Gerade hatte Christine Lagarde einen Sturm der Entrüstung in Griechenland ausgelöst, weil sie Athen brüsk empfahl, endlich dafür zu sorgen, dass die Griechen ihre Steuern zahlen. Der Ratschlag erweist sich als Eigentor: Denn nun stellt sich heraus, dass die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF) für ihr Salär von rund 37.000 Euro im Monat selbst gar keine Steuern entrichtet, wie die britische Zeitung "Guardian" berichtet.
"Ich finde, sie sollten sich alle zusammen selber helfen, indem sie ihre Steuern zahlen", hatte Lagarde im Interview mit "The Guardian" gesagt. Griechische Eltern müssten Verantwortung für ihre Kinder übernehmen, indem sie ihre Steuern beglichen. Es sei die Aufgabe des IWF und ihr eigener Job, die Wahrheit zu sagen und den Ländern harte Konditionen aufzuerlegen.
Lagarde verdient 551.700 Dollar steuerfrei.
[….] Damit verdiene die 56jährige mehr als US-Präsident Barack Obama – und der müsse sein Gehalt auch noch versteuern, kommentierte der "Guardian". Zudem habe sich die IWF-Chefin eine Klausel im Vertrag gesichert, laut der ihr Salär an jedem 1. Juli im Jahr ansteigt.