Freitag, 12. September 2014

Subsidiarität


Jeder deutsche Bundespolitiker, der etwas auf sich hält übt so lange das Wort „Subsidiaritätsprinzip“ auszusprechen, bis es ihm in jedem zweiten Satz flüssig über die Lippen kommt.
Wer von Subsidiarität spricht, erweckt den Eindruck sich im Dschungel der Zuständigkeiten auszukennen und zudem das Fach „politische Theorie“ belegt zu haben.
Mit so einem schönen Begriff im Wortschatz klingen selbst unterbelichtete Blitzbirnen wie Alexander Dobrindt fast intelligent.
Der Zungenbrecher wirkt zudem latent ehrfurchteinflößend und erstickt damit die Frage danach, was das eigentlich bedeutet im Keim.
Dabei bedeutet „Subsidiaritätsprinzip“ im politischen Sinne einfach nur, daß die Leute möglichst selbst entscheiden sollen und dementsprechend wenige Befehle von ganz oben kommen sollen. Angewendet wird es insbesondere auf Entscheidungshierarchien; beispielsweise Kommune -> Kreis -> Bundesland -> Bund  -> EU.
Die EU soll also nicht über Dinge entscheiden, die ein Kreistag selbst regeln könnte.
Üblicherweise wird das „Subsidiaritätsprinzip“ abhängig von der eigenen Position in der Hierarchie angewendet. Je weiter unten man steht, desto wichtiger ist einem die Regel.
Zudem ist das „Subsidiaritätsprinzip“ themenabhängig.
Lange Zeit galt es Konservativen als Ehrensache nicht in die Familien hineinzuregieren. Vergewaltigen in der Ehe oder das Schlagen von Kindern wollte die Rechte in Deutschland möglichst lange nicht unter Strafe stellen. KITAs galten als Teufelszeug.
Bei Homoehe und Abtreibung argumentieren Konservative genau umgekehrt; da sollten gerade staatliche Regeln von ganz oben durchgesetzt angewendet werden.

Besonders schön läßt sich das „Subsidiaritätsprinzip“ beschwören, wenn man gleichzeitig auf zwei, drei oder mehr verschiedenen Hierarchieebenen sitzt.
Dann kann man sich für alles Gute selbst loben und das was beim Urnenpöbel nicht gut ankommt auf „die da oben schieben“.
Horst Seehofer bestimmt als CSU-Chef die Personalien bis hinunter in die Bezirke, prägt die Landespolitik, ist einer der großen drei Entscheider in der Bundespolitik und bestimmt als solcher auch über das Brüsseler Personal mit.
Die bösen Brüsseler Beamten lassen sich in Bayerischen Wahlkämpfen trefflich verdammen und verulken, wenn man dabei verschweigt, daß die meisten dieser Beamten aus Deutschland kommen und maßgeblich von Führungsfiguren wie Merkel und Seehofer ausgesucht wurden.
Ebenso schön poltert es sich gegen die Bundesregierung in Berlin, wenn man in niederbayerischen Festzelten dezent verschweigt, daß die CSU diese Bundeskanzlerin gewählt und diesen Koalitionsvertrag ausgehandelt hat.

Gurkenkrümmungsverordnungen wurden auf Druck der deutschen Gemüsegroßhändler von deutschen Politikern durchgedrückt.
Es war die erste Merkel-Regierung, die Brüssel dazu zwang das Glühbirnenverbot zu exekutieren.

Es ist nicht die Schuld Europas oder des Bundes, daß es keinen flächendeckenden Breitbandinternetzugang gibt.
Wer sich tagtäglich über das Rumpel-Internet ärgert und sich beim Downloaden den Hintern platt wartet, kann dafür geradezu grotesk plastisch die Schuldigen ausmachen.
Es sind auf Bundesebene Alexander Dobrindt (im Kabinett Merkel III Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur) und auf Europaebene Günther Oettinger designierter EU-Kommissar für Digitale Wirtschaft und Gesellschaft.


Beide zeigen ihre Eignung für das Thema schon durch ihre exzellenten Englischkenntnisse.



Solche Typen fallen aber nicht vom Himmel, sondern sind die klassischen Resultate davon, daß der Urnenpöbel massenhaft CDU und CSU auf den Wahlzetteln ankreuzt.
Letztlich ist es die beliebteste Kanzlerin aller Zeiten, die solche Personalien verbricht.
Ihr Händchen für extrem ungeeignete Personen ist legendär. Man erinnere sich nur an Verteidigungsminister Jung, Familienministerin Schröder, Gesundheitsminister Gröhe, diverse CDU-Generalsekretäre oder die Fehlgriffe im Bundespräsidialamt.
Wer Merkel wählt oder sie dadurch in den Sattel hebt, daß er nicht zur Wahl geht, darf sich nicht über die Pfeifen Oettinger und Dobrindt beklagen.


Tatsächlich ist Subsidiarität (von lat. subsidium „Hilfe, Reserve“) auf der alleruntersten Ebene verankert. Es ist der einfache Wähler, der sich bei Bundes- und EU-Wahlen erbärmliche Funktionäre wie Juncker aussucht, die dann in so grotesker Weise Lobbyinteressen gegen die kleinen Wähler durchsetzen, daß man die Funktionsfähigkeit der Demokratie wirklich bezweifeln muß.

Man sollte doch annehmen, daß der Urnenpöbel in den letzten sechs Jahren ein Gefühl dafür entwickelt haben müßte, daß Investmentbanker und Derivatehändler die ganze Welt in den Abgrund stoßen.
Es sind Banker, die halb Europa ruiniert haben. Dafür bluten nun Griechen und Spanier. Der Steuerzahler ist so doof, daß er die Verluste der Banker verstaatlichen läßt und die Gewinne privatisiert.
Und damit es schön so weitergeht, wird die Brüsseler Finanzpolitik gleich direkt von einem korrupten Bankenlobbyisten gesteuert.
Möglichen machen es Juncker und die EVP, die vom EU-Pöbel zur größten Macht im Parlament aufgeblasen wurde. Jetzt gibt es inkarniert von Jonathan Hill die Strafe für so viel Wählerdoofheit.

[….] Am Donnerstag hat Jean-Claude Juncker die neue Kommission vorgestellt. Die Namen waren im Vorfeld bekannt, die Dossierzuteilungen überraschten dann sogar manchen Experten.
So verantwortet künftig ein gemäßigter Euroskeptiker den Bereich Finanzen in der EU-Kommission. Der Brite Jonathan Hill war Camerons erste Wahl, wohl weil er als treuer Konservativer gilt. [….] Parlamentspräsident Martin Schulz nannte den britischen Kommissar einen "radikalen Anti-Europäer".  Vor seiner Tätigkeit im Oberhaus, war der 54-jährige Lord Hill Lobbyist und PR-Manager. In Brüssel ist er nun für die Banken zuständig. Und das, obwohl gerade aus Großbritannien Widerstand gegen mehr Regeln für den Finanzsektor kommt. Nirgendwo kann ein britischer Kommissar also die Interessen seiner Heimat besser vertreten als auf diesem Posten. [….] Ebenso als "Fehlgriff" wird der ungarische Kandidat, der FIDESZ-Politiker Tibor Navracsics, von Lunacek bezeichnet. Er soll künftig für Bildung, Kultur und Jugend zuständig sein. Dabei ist besonders die FIDESZ-Regierung in der Vergangenheit immer wieder für Medienzensur und fragwürdige Kulturpolitik angeprangert worden.  Auch der spanische Kandidat, Miguel Arias Cañete, fiel Anfang des Jahres unangenehm auf. Mit Frauen könne man keine gleichberechtigte Diskussion führen, soll der konservative Politiker und künftige Energiekommissar vermeldet haben. Würde ein Mann außerdem seine intellektuelle Überlegenheit demonstrieren, gelte das gleich als sexistisch, ärgerte sich Arias Cañete laut Medienberichten. [….]

[….] Der konservative Brite und ehemalige Finanzlobbyist Jonathan Hill soll in Zukunft ausgerechnet für die Finanzmarkt- und Bankenregulierung zuständig sein. Eine Fehlbesetzung, wie sie im Buche steht.  Jonathan Hill gehört zu den Mitbegründern der britischen Lobbyberatungsfirma Quiller Consulting. Quiller Consulting hat unter anderem die global agierende HSBC Bank und viele andere Finanzmarktakteure beraten. Somit ist Hill bestens in der Londoner Finanzbranche vernetzt. Es ist also nicht verwunderlich, dass die Londoner Finanzbranche Hills Nominierung begrüßt und feiert. [….]


[….] Nach dem monatelangen Poker um die wichtigsten Ressorts in der neuen EU-Kommission bleibt für Deutschland nur ein Platz in der zweiten Reihe. Merkels CDU-Parteigenosse Günther Oettinger hat in der Behörde keinen der sieben machtvollen Vizepräsidenten-Posten ergattert - und verantwortet auch keines der Schlüsselressorts.
[….] Künftig aber wird er sich um das Mini-Ressort Digitales kümmern, also Telekommunikation, Netzausbau oder Urheberrechte. Und wird auch noch von dem Esten Andrus Ansip als Vizepräsident überwacht. [….] Nichtsdestotrotz regnete es prompt Häme. Der FDP-Fraktionschef im EU-Parlament, Alexander Graf Lambsdorff, nannte die Personalie eine »schallende Ohrfeige für die Bundesregierung«. Der grüne Europa-Abgeordnete Jan Philipp Albrecht sprach von der »größten Fehlbesetzung« der neuen Kommission unter Jean-Claude Juncker. Das EU-Parlament muss dem Personalpaket noch zustimmen.
[….] Am meisten überraschte Juncker mit der Berufung des konservativen britischen Europaskeptikers Jonathan Hill zum Finanzkommissar. Ausgerechnet Großbritannien: Die Briten wollen ihre Bankenmetropole London schützen und bremsen regelmäßig bei EU-Vorstößen. Laut EU-Diplomaten ist dies ein großes Zugeständnis an Premier David Cameron, damit das Land in der EU bleibt. Cameron will sein Volk 2017 über einen EU-Austritt abstimmen lassen. Nun könnte Hill die von Cameron geforderten Reformen der EU im Londoner Sinne vorantreiben. [….]

Da wird es in den nächsten Jahren wieder viele Gründe geben, sich gegen „die da oben“ zu empören.


Donnerstag, 11. September 2014

Gute Prolls



Wenn man sich mit absoluter Sicherheit unbeliebt machen will, muß man nur etwas gegen Fußball sagen.
Insbesondere in dem Land, das gerade Weltmeister wurde, funktioniert das immer.
Auf den Mainstream werde ich aber niemals Rücksicht nehmen; also bleibe ich dabei, daß Fußball ein massenverblödendes Proletenspiel ist, das auch noch zu Gewalt und Patriotismus, bzw Nationalismus führt.

Besonders ärgerlich ist es für mich als TV-Gebührenzahler auch noch mit dafür zu sorgen, daß hochkorrupte rechtslastige Krakenorganisationen wie die Fifa jedes Jahr Milliarden Euro einnehmen.
Ich will verdammt noch mal nicht solche Funktionäre wie Mayer-Vorfelder oder Blatter mitfinanzieren, nur weil ich einen Fernseher besitze.
Da Christoph Schwennicke im April 2013 Fußball so wunderbar charakterisiert hat, muß ich das in einzelnen nicht selbst formulieren, sondern schließe mich dem an und lese seine Suada noch einmal genüsslich…

 […] Ich finde Fußball doof. Nein, ich finde Fußball grässlich – und ungemein langweilig. Ein Reigen alter Männer steht am Rand und schreit herum, viele mehr oder weniger junge Männer rennen auf einer Wiese herum, erst alle nach links, dann Ballverlust, dann wieder nach rechts, Ballverlust, wieder nach links.
[…] Fußballgucken finde ich, ist Ödnis in Vollendung, die überflüssigste Sache der Welt. Dann doch lieber Minigolfspielen, oder Monopoly, und das ist schon ganz schön schlimm öde.
Wer meine, wie ich finde, einzig vertretbare Grundeinstellung zum Fußball hat, bekommt ganz viel Lebenszeit geschenkt. Ganze Wochenenden verplempern Fußballbegeisterte an diese ungemein primitive Sportart. Dekaden an sinnlos verbrachter Lebenszeit kommen da zusammen.
[…] Dieses Spiel ist unästhetisch und ordinär. Schon der Klang, wenn der Ball getreten wird, macht mich übellaunig. Es ist ein zutiefst ordinäres Geräusch, es klingt so ähnlich wie die Schläge von Bud Spencer in den alten Prügelfilmen mit Terence Hill. Die Spieler haben keine Manieren, tun sich absichtlich weh, sind nicht nur furchtbar verschwitzt, sondern oft auch noch sehr verdreckt und vom Regen pitschenass und rotzen dauernd auf die Wiese. Manchmal sogar ins Nackenhaar eines Gegners. Das ist so unappetitlich. […]

Und gerade wenn man denkt, das Schlimmste sei vorbei, weil Deutschland das WM-Finale unter dem Böllergeknalle ganz Deutschlands gewonnen hat, schaltet man den Fernseher ein und schon wieder spielen Argentinien und Deutschland gegeneinander. Diesmal sind allerdings die „Gauchos“, welche eben noch in Berlin mit diffamierenden Tänzen der Deutschen lächerlich gemacht wurden, mit 4:0 Weltmeister geworden.

Ich fühle mich regelrecht verfolgt vom Doofensport Fußball; insbesondere seit auch noch ein Fußballer und ein Fußballtrainer den Supermarkt gekauft haben, in dem ICH wöchentlich mein grocery shopping vollziehe.
Unverschämtheit. Ich war schon viel länger da! Können die nicht einen anderen Lebensmittelladen erwerben?


Wenn ich morgens meine Zeitungen von der Fußmatte aufklaube, will ich jedenfalls nicht schon gleich auf der Titelseite irgendwelche dieser kurzbehosten Denkbremsen mit aufgerissenen Mäulern sehen.
Besonders dieser eine mit dem Tiernamen, den Merkel so liebt und der jetzt scheinbar Chef von allen Fußballern geworden ist, sieht physiognomisch so abstoßend aus wie ein humanisierter Pitbull: Keine Augen, keine Augenbrauen, keine Lippen, dafür aber eine Riesengummer und eine Ausstrahlung, die auf einen Zimmertemperatur-IQ schließen läßt.
Kein Wunder, daß Merkel den immer als ihren Liebling der Nationalmannschaft bezeichnet.
Und kein Wunder, daß er auch auf Merkel steht. Das entspricht seiner Geistesleistungsfähigkeit.

Heute titelte das Hamburger Abendblatt mit einer Fußballstory.
Ich wollte gerade ohnmächtig vor Wut zusammenbrechen, als ich im Fallen aus dem linken Augenwinkel sah, daß es sich diesmal um eine tatsächlich interessante Story handeln könnte.
So ist es denn auch.
Es geht um Clubs der Leistungsklasse B, Staffel III; was auch immer das heißt. Offenbar irgendwelche Typen, die ein, zwei Millionen weniger als Merkels Liebling verdienen. (Merkel mag scheinbar nur den Reichsten.)
Das Problem bei dieser Division ist eine Mannschaft aus Hamburg-Barmbek; quasi mein Nachbarstadtteil. Der SC Osterbek wurde 1973 gegründet, spielt in Gelb-Schwarz (à la Guido und Angie) und mischt in irgendwelchen Amateur-Wettbewerben von Hamburg-Nord mit. „Untere Herren B-III“ – das klingt für meine Ohren ein bißchen nach schwulen Resteficken im Darkroom unter dem Darkroom.
Genauer recherchieren kann ich leider nicht, da deren Website heute offline ist.
Die Spieler dieses  Vereins scheinen richtig sympathische Kerlchen zu sein.
Sie grölen die erste Strophe des Deutschlandliedes, sind mit Nazisymbolen tätowiert und geben in den sozialen Netzwerken rechtsextremes Zeug von sich.

Der SC Sternschanze hatte keine Lust mit den Nazis Ball zu spielen.

Wer Hamburg kennt, weiß daß „in der Schanze“ die linksalternative Szene zu Hause ist. Dort hält man nichts von Hetze gegen Ausländer und so nehmen die Spieler lieber Punktabzüge hin, als gegen Nazis zu spielen.
Entsprechende Ankündigungen an den Hamburger Fußball-Verband gab es schon vor vier Jahren.

Sternschanze III mit offenem Brief an HFV […]
„Sehr geehrter Herr Marschner, sehr geehrter Herr Ennuschat, sehr geehrter Herr Picker, liebe Sportsfreunde,
die Dritte Mannschaft des SC Sternschanze hat sich erneut dazu entschlossen, in dieser Saison nicht gegen die Fünfte Mannschaft des Meiendorfer SV (MSV) anzutreten und dies jetzt auch öffentlich zu machen.
Die Gründe für unsere Entscheidung sind die gravierenden Vorfälle bei vorangegangenen Spielen gegen den MSV. In der Vergangenheit ist es zu zahlreichen rassistischen und sonstigen schweren Beleidigungen, Pöbeleien und sogar körperlichen Übergriffen von Spielern, Betreuern und sonstigen Begleitern der Meiendorfer auf unsere Mannschaft, unsere Fans und den Schiedsrichter gekommen. In der vergangenen Spielzeit wurden überdies im Heimspiel gegen den MSV durch deren überhartes Einsteigen zwei Spieler des SC Sternschanze schwer verletzt.
Erschwerend kommt hinzu, dass es sich bei diesen Vorfällen nicht etwa um ein einmaliges Ereignis handelt. Wegen ähnlicher Vorkommnisse haben wir uns bereits in der Vergangenheit gezwungen gesehen, beim HFV die Entsendung eines Spielbeobachters zu beantragen. Leider wurde dem nicht entsprochen. [….]

Neu ist allerdings, daß die Verbandsbosse beim SC Osterbek diesmal nicht die Nazis belohnen und den Typen von der Sternschanze keine Punkte geben, sondern daß die Rechten gemaßregelt wurden. Das Spiel wurde abgesagt.

 […]  Als der Libero der 3. Herren des SC Osterbek vor dem Anpfiff auf dem Fußballplatz die erste Strophe der Nationalhymne anstimmte, dachten die Gegenspieler noch an einen geschmacklosen Scherz. Als sie Tätowierungen und Kleidungsstücke mit eindeutig rechtsextremistischem Bezug entdeckten, war endgültig Schluss mit lustig. Und spätestens, als Nachforschungen im sozialen Netzwerk Facebook den Verdacht nationalsozialistischer Umtriebe in Reihen der Osterbeker Amateure erhärteten, war sich die 5. Herrenmannschaft des SC Sternschanze einig: "Da spielen wir nicht länger mit."
[…]  In einem Brief an den Hamburger Fußball-Verband und die anderen Clubs der Leistungsklasse B, Staffel III, begründeten die Kicker von der Schanze Ende vergangener Woche auf acht Seiten ihren Beschluss, fortan nicht mehr gegen die Osterbeker Mannschaft antreten zu wollen. Lieber nehme man Punktabzug in Kauf.
Die Reaktion erfolgte prompt: Der Verband strich die für kommenden Sonntag um elf Uhr an der Schanzenstraße angesetzte Partie aus dem Spielplan. So etwas gab es noch nie im Hamburger Amateurfußball.
Am 18. September berät das Präsidium über weitere Maßnahmen. Zuvor hatte der Vorstand des SC Osterbek mit Heimat in Bramfeld von sich aus Konsequenzen gezogen und fünf namentlich bekannte Männer mit sofortiger Wirkung aus dem Verein ausgeschlossen. Die Spielerpässe wurden eingezogen.
[…]  "Wir wollen solchen Leuten keine Plattform zum Spielen geben", begründete Sternschanze-Trainer Carsten Heidemann die einmütige Entscheidung seines Teams. "Es geht nicht an, dass wir Neonazis im sportlichen Wettstreit auf Augenhöhe begegnen", ergänzt Mitspieler Sergio Dias. […]

Gute Aktion des Fußballverbandes.
Wenn das Schule macht, werden womöglich sogar eines Tages Schwule auf dem Fußballfeld erlaubt.


NACHTRAG:

Das Sportgericht muß erst noch entscheiden. Dieser SPON-Bericht war noch nicht erschienen, als ich das Posting schrieb.

NACHTRAG II

Mittwoch, 10. September 2014

Hurra, wir verblöden. Teil 37.000



Das ist schon eine ziemlich kranke Sache, daß Merkel und Schäuble im Austeritätswahn bei ohnehin schrumpfender Wirtschaft dem Simpel-Märchen von der „schwarzen Null“ frönen.
Wir sägen den Ast ab, auf dem wir sitzen, wenn die öffentliche Hand nicht mehr investiert.
Es droht die soziale Katastrophe, weil die Infrastruktur zerfällt, Schulen vergammeln und Unis schrumpfen.
Wer soll eines Tages die versumpften Wasserwege, die maroden Deiche, die zerbröselnden Brücken und porösen Siele reparieren, wenn Ingenieure aussterben und das Billiglohnland Deutschland zwar ein Heer von Billigjobbern, aber keine Steuereinnahmen mehr hat?

Im Bemühen Deutschland kontinuierlich zu verdummen, werden gegenwärtig bei einer Analphabetenquote von 10% und einer der niedrigsten Akademikerrate Europas Studienplätze abgebaut.

Neun Jahre Bundesforschungspolitik unter CDU-Leitung hinterlassen inzwischen deutliche Spuren. Bildung ist mehr denn je von Portemonnaie der Eltern abhängig.
Während in Polen 53% der Jugendlichen studieren, und in Island sogar über 60%, bringt es Deutschland gerade mal auf eine Studierendenquote von 30,9%.

Trotz der steigenden Zahl an Studienanfängern weist die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) im „Bildungsbericht 2014“ auf einen Rückstand Deutschlands hin. 31 Prozent der jungen Leute werden im Lauf ihres Lebens voraussichtlich ein Studium abschließen, heißt es in der am Dienstag präsentierten Studie. Im Schnitt der OECD-Nationen seien es 38 Prozent, in europäischen Ländern wie Finnland, Dänemark oder Polen sogar um die 50 Prozent. Die „Bildungsexpansion“ in vielen Ländern habe Menschen die Möglichkeit verschafft, ein höheres Bildungsniveau zu erreichen als ihre Eltern. In Deutschland sei dagegen „kein wesentlicher Zuwachs“ von Generation zu Generation zu erkennen. Nur 24 Prozent der Erwachsenen seien höher gebildet als Vater und Mutter; und 65 Prozent der jetzigen Studenten stammen aus akademischen Elternhäusern.
 (SZ vom 10.09.2014)

Mit der Bildungsfernhalteprämie von neuerdings sogar 150 Euro monatlich pro Blag, die für Prekariatseltern gezahlt wird, die ihre Kinder möglichst lange von frühkindlicher Bildung abschotten, wird sich der Trend weg von den höheren Schulen weiter verschärfen. Zukünftige OECD-Studien dürften für Deutschland also noch düsterer aussehen.

Nachwuchs schlechter gebildet als die Eltern
Junge Leute geben sich mit weniger Wissen zufrieden als die vorherige Generation. […]  Andere Staaten strengen sich mehr an. Die Einkommenskluft zwischen den Akademikern und Facharbeitern steigt. Und: Für Schüler aus sozial schwachen Familien "bleibt das Versprechen Aufstieg durch Bildung oft in weiter Ferne", sagte Bildungsforscher Heino von Meyer bei der Vorstellung der Studie der Organisation für Entwicklung und Zusammenarbeit am Dienstag.
[…] Wenn man je zehn Elternhäuser vergleicht, mit und ohne Hochschulabschluss, seien die Chancen der Akademikerkinder "doppelt so hoch", sagte von Meyer.
In Deutschland hängt der Bildungsabschluss noch immer von der familiären Herkunft ab. Den Experten zufolge gehen in Deutschland Kinder von hoch qualifizierten Eltern mit einer mehr als doppelt so großen Wahrscheinlichkeit an die Universität oder Fachhochschule wie Kinder von Mittel- und Niedriggebildeten. Nur 24 Prozent aller Erwachsenen zwischen 25 und 64 Jahren sind besser ausgebildet als ihre Eltern. 58 Prozent haben den gleichen Bildungsstand, 18 Prozent bleiben hinter den Qualifikationen ihrer Eltern zurück. Bei den heute 25- bis 34-Jährigen liegt dieser Anteil sogar noch höher: bei 24 Prozent.
[…] Während in Deutschland 28 Prozent der 25- bis 64-Jährigen über einen Studienabschluss verfügen, sind es im OECD-Schnitt 33 Prozent.

Dienstag, 9. September 2014

In den Kinderschuhen.



Heute gab es in der „atheistischen Szene“ breites Lob für die SWR-Reportage „Die Story im Ersten: Vergelt's Gott - Der verborgene Reichtum der katholischen Kirche.


 
Ausgestrahlt wurde die Sendung gestern Abend um 22.45 Uhr; zur Sicherheit also klar nach der Primetime, wenn die frommen Bürger schon in den Federn liegen. Immerhin 1,75 Millionen Zuschauer schalteten ein und bekamen zwar nicht unbedingt Klarheit darüber wie viele hundert Milliarden Euro Vermögen die RKK-Deutschland hortet, aber man konnte sich doch einen guten Eindruck darüber verschaffen wie sorgfältig die Kirchenfürsten ihre Reichtümer verschleiern.
Zudem präsentierte der Autor Stefan Tiyavorabun eindrückliche Beispiele für die Heuchelei der Top-Kleriker; insbesondere Papst Franzens Berater Kardinal Marx.
Marx, der in einem besonders prächtigen Palais residiert und sich für schlappe zehn Millionen Euro dazu noch eine Villa in Rom – „Palazzo Marx“ – leistet, während er offiziell die neue Bescheidenheitslinie des Papstes vertritt.
Dazu prasst der Luxuskardinal noch einmal 30 Millionen des Kirchenvermögens für sein Diözesanmuseums raus, während er das Obdachlosenheim nebenan schließen läßt. Dort fehlen wenige Euro, um die Einrichtung offen zu halten.

In Freising etwa halten die Verantwortlichen das Diözesanmuseum für so bedürftig, dass sein Erhalt mit 30 Millionen Euro gesichert ist - während für das katholische Obdachlosenheim der Stadt laut ARD-Recherchen schlappe 64.000 Euro fehlen. Das Heim wird geschlossen.

Um es klar zu sagen:
Ja, die Reportage war gut und richtig. Hoffentlich sehen sich das noch möglichst viele Menschen an.

Nachdem ich nun auch den Beitrag gesehen habe, kann ich mich wieder einmal nur über den unterschiedlichen Wissensstand der Menschen wundern.
Bzw - es wundert mich natürlich nicht mehr wirklich.
Genau die TOPs der Reportage, die Tiyavorabun als Gerüst benutzt- also Diözesanadministrator Stefan Heßes eigenartige Angaben, die dubiosen Methoden des Münchner Generalvikars Peter Beer, die seit 1803 fließenden Sonderzahlungen in Höhe von rund 560 Millionen Euro jährlich an die Kirchen, das Rokoko-Palais Holnstein und Dutzendfach mein Lieblingsbischof TVE - habe ich alle schon lange in meinem Blog beschrieben.

Und dabei bin ich ja nur jemand, der Zeitungen liest. Ich betrieb keine eigenen investigativen Recherchen, indem ich selbst nach Limburg gefahren wäre und Fragen gestellt hätte. Das heißt also; es wurden in der Reportage skandalöse finanzielle Machenschaften aufgedeckt, die längst öffentlich bekannt waren!
Das hätte/könnte/sollte jeder seit vielen Jahren wissen.
Offensichtlich sind aber die Kirchenmitglieder zu phlegmatisch, um sich dafür zu interessieren. Sie zahlen brav und stellen keine Fragen.

Genauso war es auch mit den Missbrauchsfällen, von denen Bischöfe wie Andreas Laun behaupten, das sei erstmals 2010 an die Öffentlichkeit geraten. Also habe man vorher gar nichts dagegen unternehmen können, weil man es gar nicht gewußt habe.
Völliger Blödsinn.
Darüber gab es schon seit 20 Jahren Berichte und zwar nicht nur in winzigen Provinzzeitungen, sondern auch in der Süddeutschen Zeitung oder der ARD-Sendung „Panorama“.
Die meisten Leute haben sich aber Mühe gegeben das zu ignorieren.
Das ist das Elend an der Kirche: Es gab IMMER einige Menschen, die aufklärten. Hier in Deutschland konnte man beim IBKA, der HU und so weiter seit Jahrzehnten alles erfahren, was jetzt als großer Skandal erscheint.
In der gestrigen Reportage kommt Hans-Peter Schwintowski, Professor für Handelsrecht in Berlin, zu der schockierenden Aussage, daß die staatlichen Sonderzahlungen an die Kirchen, um beispielsweise die Bischofsgehälter aufzubringen, seiner Ansicht nach sogar verfassungswidrig wären.

Guten Morgen.

Die bahnbrechende Untersuchung „Trennung von Staat und Kirche“ des Juristen Erwin Fischer (* 7. August 1904; † 15. Juli 1996) erschien 1964 im Szczesny Verlag München. Vor einem halben Jahrhundert konnte man das also schon alles schwarz auf weiß nachlesen.
Die Humanistische Union, HU, wurde 1961 von Gerhard Szczesny zusammen mit Fritz Bauer und Erwin Fischer gegründet.
 (Von Anfang an dabei war übrigens eine Tante von mir, die eng mit Szczesny zusammenarbeitete und das Hamburger Büro der HU leitete. Daher kenne ich viele Geschichten aus der Zeit.)

Es ist also weniger eine Frage des Erkenntnisgewinns, wenn man über die Kirchenmachenschaften aufklären will, sondern eine der Erkenntnisverbreitung.
Wie stellt man es an, daß auch die 50 Millionen Mitglieder der Kirche erfahren, daß ihre obersten Kleriker Milliarden über Milliarden in dubiosen Kassen verstecken?
Wie schafft man es die Desinteressierten, die einem triumphal entgegenhalten, sie wären ohnehin schon ausgetreten, dafür zu interessieren, daß sie dennoch Bischofsgehälter, Theologiestudium und katholische Kita bezahlen?
Und wie erreicht man es die Millionen Indifferenten dazu zu bringen ihren Landtags- und Bundestagsabgeordneten entsprechend Druck zu machen?

Da steckt die atheistische Bewegung bedauerlicherweise immer noch in den Kinderschuhen.
Der skandalöse Zustand, daß kirchlich betriebene Gesundheitseinrichtungen sich rasant weiter ausbreiten und in vielen Gegenden NRWs und Bayerns gar keine Auswahl mehr besteht, wird achselzuckend hingenommen.
Es wird über Personalmangel in Pflegeheimen geklagt und (außer Ingrid Matthäus-Maier) erklärt niemand, daß muslimischen und konfessionsfreien Jugendlichen in vielen Jobzentren dringend davon abgeraten wird sich zum Altenpfleger ausbilden zu lassen, da ohnehin alle Heime in kirchlicher Hand sind und dort gilt bekanntlich nicht nur „Juden unerwünscht“, sondern Muslime werden genauso wenig wie Lesben, Hindus oder Atheisten eingestellt – auch wenn die Stelle zu 100% von Staat finanziert wird.

Da kann so eine Sendung helfen; auch wenn sie zu kurz war und viele extrem skandalöse Kirchengeschichten fehlten.

Unterdessen hoffe ich, daß der Urnenpöbel eine größere Sensibilität dafür entwickelt, wie immer wieder Politiker aller Ebenen versuchen den Kirchen noch mehr Geld zuzuschieben.

Die auf einem riesigen Milliardenschatz hockende EKD bekommt mal eben vom Staat zusätzliche 70 Millionen Euro für das Lutherjahr, also der Privatfeier von Deutschlands dümmster Bischöfin und Lutherbotschafterin Käßmann.

Lutherjahr: Staat zahlt 70 Millionen – Kirche 17 Millionen
[…] Der Bund stellt aus dem Kulturetat 35 Millionen Euro für das 500-jährige Reformationsjubiläum zur Verfügung und das Land Sachsen-Anhalt, wo sich die meisten Lutherstätten befinden, 35 Millionen. Die evangelischen Landeskirchen haben 17 Millionen Euro bewilligt.

Wieso gibt es da nicht den geringsten öffentlichen Aufschrei, während Bürgerkriegsflüchtlinge wegen Geldmangels unter erbärmlichen Zuständen hausen müssen?
Es fehlt immer noch gewaltig an Aufmerksamkeit für die Spendierhosen des Staates gegenüber der Superreichen der Kirchen.
Die folgende Nachricht wurde heute von 20 Menschen gelesen.
Es sollten 20 Millionen sein!

"Nach den aktuellen Unwetterschäden an der kommunalen Infrastruktur und angesichts der allgemeinen Finanzlage der Stadt steht Münster vor ganz anderen Herausforderungen als der Finanzierung eines Katholikentags", sagt Daniela Wakonigg, Sprecherin des Internationalen Bundes der Konfessionslosen und Atheisten (IBKA) im Münsterland. "Es kann doch nicht sein, dass durch den immer härteren Sparkurs der Stadt überall Sozialwohnungen fehlen und ständig über Kürzungen im Kulturbereich nachgedacht wird, während gleichzeitig 1,5 Millionen Euro für die Finanzierung eines Katholikentags verpulvert werden."
Wakonigg plädiert für eine sinnvolle Verwendung der kommunalen Gelder: "Die Instandsetzung des durch das Unwetter zerstörten Bürgerzentrums Kinderhaus kommt allen Bürgerinnen und Bürgern zugute. Ein katholisches Vereinsfest wie ein Katholikentag spricht in erster Linie die Mitglieder der katholischen Kirche an und unterstützt sie in ihrem selbstgesetzten Missionierungsauftrag."
Nach Ansicht des IBKA sei deshalb ein Kirchentag auch von der Kirche selbst zu bezahlen, so Wakonigg, insbesondere, da die katholische Kirche über ausreichende Eigenmittel verfüge und ein Sponsoring von Kommune, Land oder Bund unnötig sei.