Donnerstag, 14. März 2013

Ansehensverlustimmunität



Heute ist auch in der atheistischen Szene noch alles vom Kampf um die Deutungshoheit der Personalie Bergoglio geprägt.
Während sich alle deutschen Politiker von ganz links bis ganz rechts freudig und erwartungsvoll zeigen, stöbern die wenigen kirchenfernen Schreiberlinge in Franzis homophober und Junta-philer Vergangenheit umher.
Ob der neue Papst nur ein normaler Schwulenhasser ist, wie es konservative Kleriker nun einmal immer sind, oder ob er das Homobashing mit einer manisch-neurotischen Verve wie Ratzi vertritt, muß man noch abwarten.

Katholiken sind offenbar immer sehr naiv. 
Als man 2005 in Deutschland „Wir sind Papst!“ jubelte, wurde die Wahl des erzkonservativen Panzerkardinals auch als Zeichen des Aufbruchs bewertet und eine Öffnung hin zur liberalen Weltanschauung erwartet.
Das ist ähnlich wahrscheinlich wie ein Eintreten Brüderles für einen Spitzensteuersatz von 100%.
Den besten Text zur Wahl Bergoglios fand ich beim Postillon und der besteht aus insgesamt drei Sätzen:
Überraschung! Katholische Kirche wählt alten, konservativen weißen Mann zum Papst!

Wer hätte das gedacht? Obwohl Franziskus (76) alt, weiß und erzkonservativ ist, wurde er Papst.
Oder etwas ausführlicher formuliert von Deniz Yücel:
Was hat man denn erwartet?

Alter Sack der Xte

Der neue Papst ist, den bislang vorliegenden Informationen nach zu urteilen, ein reaktionärer alter Sack wie sein Vorgänger, der seinerseits einem reaktionären alten Sack gefolgt war, der wiederum einen reaktionären alten Sack beerbt hatte. Alter Sack I. folgte Alter Sack II., Alter Sack II. aber folgte Alter Sack III., in einem fort, jahrein, jahraus.  Ob dieser oder jene alte Sack nun eine Schwäche für die Schwachen („katholische Soziallehre“) hatte oder sich lieber mit esoterischem Klimbim („katholische Dogmatik“) beschäftigte, ist in etwa so relevant wie die Frage, ob er nebenher Briefmarken sammelte oder lieber doch Schmetterlinge.

Der neue alte Sack, der künftig unter dem Künstlernamen Franziskus auftreten wird, hat, so ist zu hören, als er noch Jorge Bergoglio hieß und Erzbischof von Buenos Aires war, gegen die Ehe von Lesben und Schwulen („Plan des Teufels“) und die Adoption von Kindern durch gleichgeschlechtliche Paare („Kindesmissbrauch“) gekämpft. Noch früher soll er als Leiter der argentinischen Jesuiten ein enges Verhältnis zur Militärjunta (das waren jene Freaks, die auch die Falklands heimholten wollten) unterhalten haben.
Aber ist das so verwunderlich? Und was hat man denn erwartet? Einen gutaussehenden schwulen Afrikaner, der George Bataille, Simone de Beauvoir und die Situationisten verehrt, der den Islam, das Judentum oder die Lehren irgendwelcher Bettelmönche aus dem Anhaltischen für ebenbürtige Wege zu Gott hält, der den päpstlichen Anspruch auf Führung („Petrus-Primat“) und Unfehlbarkeit („Ich hab recht, du nicht“) sausen lässt und der nach der Sonntagsmesse mit einem Joint beim Formel-1-Rennen Entspannung sucht?
Renate Künast (deren Friseur offenbar farbenblind geworden ist und ihr ein ganz grauenhaftes Orange auf die Birne geklatscht hat) entgegnete auf die Frage Gerd-Joachim von Fallois nach den schwulenfeindlichen Sprüchen des Papstes nur ganz entspannt, nun ja, sie erwarte ja auch nicht von der katholischen Kirche die Vorkämpferin für die Homoehe zu sein.

So einfach ist das also. 
Eine Organisation, die mit vielen Milliarden Euro Steuermitteln versorgt wird und allgemein als Vermittlerin der „WERTE“ bejubelt wird, kann ruhig auch extrem antihumanistische Hasspropaganda verbreiten. 
Macht ja nichts.

Es ist und bleibt ein Faszinosum für mich, daß eine Religion, die sich so nachhaltig als sadistisch disqualifiziert hat weiterhin als Autorität für Menschenrechte und moralische Werte angesehen wird.
Es ist schließlich kein Geheimwissen mehr über die hunderttausendfache Kindermisshandlung durch Kirchenmitglieder Bescheid zu wissen.
800.000 Kinder wurden allein in Deutschland von ca. 1950 – 1980 in protestantischen und katholisch geführten Gulags gequält, missbraucht, geschlagen, ausgenutzt, versklavt und unter Drogen gesetzt.
Und Deutschland ist keineswegs ein Einzelfall. In Holland, Belgien, Österreich, Irland oder der Schweiz verfuhren die Kirchen-Perversen genauso mit Menschen unter 21 Jahren.
Es gab durchaus Todesfälle, in Holland haben Bischöfe die Kastration von Jungen durchführen lassen, wenn sie diese für potentiell homosexuell hielten.
Millionen Menschen haben die christlichen Kirchen in den letzten Dekaden systematisch zu seelischen Wracks gemacht. Zu psychisch Gestörten, die bis heute unter schweren Angststörungen und Depressionen leiden und nie im Leben glücklich werden konnten.
Das ist das Werk der Kirchen.
Man weiß das alles. Letzte Woche gab es zu dem Thema mal wieder zur Primetime einen Film und eine Dokumentation im ZDF.
Über 800.000 Mädchen und Jungen waren zwischen Kriegsende und 1975 in westdeutschen Heimen untergebracht. In den sechziger Jahren gab es etwa 3000 solcher Einrichtungen, zwei Drittel davon standen unter kirchlicher Leitung, ein Viertel war staatlich, der Rest privat organisiert. Etwa die Hälfte der Insassen konnte das Heim nach zwei bis vier Jahren wieder verlassen, der Rest blieb bis zur Volljährigkeit, bis zum 21. Lebensjahr - die gesamte Kindheit und Jugend lang.

Wie es hinter den Mauern dieser Einrichtungen zuging, hat der SPIEGEL-Journalist Peter Wensierski aufgeschrieben. Sein Buch "Schläge im Namen des Herrn", erschienen 2006, beschreibt aus der Perspektive der Opfer, wie es war, pädagogisch schlecht oder gar nicht ausgebildeten Erziehern und Aufsehern ausgeliefert zu sein, verprügelt zu werden für Ungehorsam oder schlicht aus Willkür, keine schulische Ausbildung zu bekommen, dafür Zwangsarbeit verrichten zu müssen, eingesperrt zu werden in "Besinnungsstübchen" genannte Kerkerzellen.

"Schläge im Namen des Herrn" brachte eine Tatsache ans Licht, die lange verdrängt worden war: Auch in der Bundesrepublik gab es staatlich sanktionierte Menschenrechtsverletzungen.
Jede andere Organisation, die auch nur ein Promille dieser Schuld auf sich geladen hätte, wäre längst verboten, ihr Besitz wäre konfisziert worden.

Die Kirchen jedoch hält man hartnäckig für „werteorientiert“ und für besonders gut geeignet Kinderbetreuung zu übernehmen.
Dabei ist auch bekannt, daß katholische Geistliche mit ihrer bizarr unterdrückten Sexualität immer wieder kleine Jungs vergewaltigen und daß diese Fälle dann von den Vorgesetzten bis hoch zum Papst vertuscht werden.
Noch gestern fand man so einen Kinderfickerschützer so würdig den neuen Papst wählen zu lassen – würdiger als jede Frau dieses Universums!
Kardinal Roger Mahony, der bis 2011 über ein Vierteljahrhundert lang die Geschicke des Erzbistums von Los Angeles geleitet hatte, saß in der Sixtinischen Kapelle zur Wahl eines Papstes, als ihn die alten Geschichten aus der Heimat einholten: Seine Diözese verpflichtete sich zur Zahlung von 9,9 Millionen Dollar Entschädigung an vier Männer, die von einem pädophilen Priester über Jahre hinweg missbraucht worden waren.

Mahony hatte den Gemeindepfarrer zwar schon 1986 wegen sexueller Übergriffe verwarnt und in Behandlung geschickt, dann aber andernorts wieder als Pfarrer eingesetzt. Der Täter wurde rückfällig und im Jahr 2000 entlassen, ein Strafgericht verurteilte ihn später zu zehn Jahren Gefängnis, von denen er fünf absaß. Angeblich belästigte und misshandelte der Priester über drei Jahrzehnte 23 Jungen.

[…] Erst im Januar hatte die Kirchenbehörde 12000 Dokumente freigeben müssen, die nachzeichneten, wie lax der Kardinal Fällen sexuellen Missbrauchs durch Priester intern nachgegangen war. Ein Opferanwalt erklärte, die Papiere hätten eine außergerichtliche Einigung mit seinen Mandaten enorm beschleunigt: 'Kardinal Mahonys Fingerabdrücke waren überall auszumachen.'  
Macht ja nichts.
 Mit solchen Stimmen wurde Franzi gewählt.
Die schwulenhassende, kinderseelenvernichtende und sexuell übergriffige RKK ist keineswegs geläutert. 
 Auch im Jahr 2013 ist sie intensiv damit beschäftigt sich gegen die Aufklärung zu wehren und diejenigen zu diffamieren, die Licht ins Dunkel bringen wollen. 
Anfang der Woche wurde die katholische Kirche durch einen gerichtlichen Vergleich dazu gezwungen die Vorwürfe gegen Prof. Pfeiffer zurück zu nehmen. Wieder einmal hatten die Bischöfe gelogen.
Anfang des Jahres kündigte die Kirche das groß angelegte Projekt, seither schieben sich beide Seiten die Schuld zu. Konkret geht es im Vergleich darum, wie die Vertragsverhandlungen zwischen Kirche und Pfeiffers Kriminologischem Forschungsinstitut Niedersachsen (KfN) abliefen, die schließlich in die Zerrüttung führten. Die Bischofskonferenz darf auf ihrer Seite dbk.de nun nicht mehr behaupten, sie habe mit Pfeiffer schon im Juni 2012 eine Einigung erzielt, welche die 'Wissenschafts- und Publikationsfreiheit zweifelsfrei garantierten'. […]

Pfeiffer sprach am Dienstag von einer neuen Niederlage der Kirche vor Gericht. Sein Institut habe sich durchgesetzt. Die 'krasse Unwahrheit', man habe sich im Juni auf Publikationsfreiheit geeinigt, sei damit korrigiert. Schon im Januar waren die Kirchenanwälte mit einem Antrag gescheitert, dass Pfeiffer ihnen nicht mehr öffentlich 'Zensurwünsche' vorwerfen darf. Anders als mit einer bloßen Unterlassung sei die Kirche nun durch den Vergleich dazu verpflichtet, die Geschehnisse mit bestimmten Formulierungen darzustellen.
(SZ vom 13.03.2013)
Ja, Bergoglio mag im persönlichen Auftreten deutlich sympathischer als Ratzinger sein – aber das ist irrelevant das Kind RKK ist seit Dekaden im Brunnen.

Die Organisation gehört einfach abgeschafft.

Mittwoch, 13. März 2013

Franzi also.



Ein interessanter Aspekt der heute erfolgten Papstwahl ist die Entlarvung der Journalistischen Prognosen als völlige Makulatur.
Alle Namen, die die Großsprecher als Papabili ausposaunten kann man jetzt wieder vergessen. Paul Badde, Andreas Englisch, Jüsten, Dobrinski – sie alle hatten eben auch keine Ahnung was in den Köpfen der Purpurträger vorgeht.
Die Konklave-Berichterstattung ist überwiegend lächerliches Zeug. Kein Wunder: Fast alle Journalisten halten das Thema Kirche an sich für mittelalterlichen Schwachsinn.   Die derzeit in allen Details verhandelte Frage nach den Favoriten bei der morgen beginnenden Papstwahl ist ein Klassiker des fernfuchtelnden Hausfrauenjournalismus. Keiner hat eine Ahnung, aber alle haben etwas zu sagen. […] Also interviewen Journalisten, die ihre Basisinformationen von aus dritter Hand informierten Journalisten haben, Journalisten, die immerhin aus zweiter Hand informiert sind und zudem über den unschätzbaren Vorzug verfügen, dass sie die Tanten von Journalisten kennen, die einmal bei einer Zeitung gearbeitet haben, bei der es einen gibt, der sich „Vatikanist“ nennt.

Die Option, die Wahrheit zu sagen und zu schreiben, existiert offensichtlich nicht. Die Wahrheit ist: Wir haben keine Ahnung, weder von den Mechanismen in den Führungsetagen der römisch-katholischen Kirche, noch von den Mustern und Inhalten der Interaktion unter den Wahlberechtigten, eigentlich nicht einmal in Grundzügen von der Organisation, um die es geht. Ist aber so: Es gibt in Redaktionen kaum noch Menschen, die die katholische Kirche nicht für eine skurrile Ansammlung von wirklichkeitsfremden Idioten mit kinderschänderischen Neigungen halten, deren Noch-Existenz sie für ein im Grunde unverzeihliches Versäumnis der Evolution halten.
Erstaunlich an dieser kollektiven journalistischen Schmach ist die Tatsache, daß der Neue, Franzi, (nicht der Erste! Beim Ersten sagt man das noch nicht!) bis vor kurzem noch Jorge Mario Kardinal Bergoglio SJ (* 17. Dezember 1936 in Buenos Aires, Argentinien), enorm gut in das Anforderungsprofil der RKK passt.

Bergoglio ist schon deswegen nicht sehr überraschend, weil er auch schon im Konklave 2005 ein heißer Kandidat war und an die 40 Stimmen zusammenbrachte, bevor er zu Gunsten Ratzis zurückzog. (Im ersten Wahlgang 10, im zweiten Wahlgang 35 und im dritten Wahlgang soll er 40 Stimmen erhalten haben.)

Bergoglio hat den Riesenvorteil, daß er eben nicht zur Kurie gehört.
 Offensichtlich hat man allgemein übersehen wie extrem unbeliebt die Vatikanischen Kardinäle geworden sind. Zu offensichtlich war das totale Regierungs- und Verwaltungsversagen während der Herrschaft Woytilas und Ratzinger.
Vatileaks, Bischof Williamson, Moto Proprio, Personalentscheidungen, Vatikanbank IOR. Selbst Kurienbischöfe mußten mindestens acht Monate auf einen Termin beim Papst warten. Es gab noch nicht einmal Kabinettssitzungen, weil die einzelnen Vatikanischen Ministerien (Präfekturen/Diskasterien) eifersüchtig auf ihre Einflussgebiete achteten und stets gegeneinander arbeiten.
So konnte es nicht weitergehen. Das sprach klar gegen einen Kurienkardinal und gegen einen Italienischen Kandidaten.

Bergoglio hat den Riesenvorteil, daß er Südamerikaner ist.
 Südamerika ist nun einmal der katholischste Kontinent des Planeten. Dort leben fast 50% der Katholiken. Im globalen Süden wächst die RKK, in Europa schrumpft sie. 
Die enorme personelle Dominanz der Europäer im Kardinalskollegium ist ein abzuschaffendes Relikt.

Bergoglio hat den Riesenvorteil, daß er als persönlich bescheiden gilt.
Die Prunksucht Benedikts ging schließlich mehr und mehr Menschen auf die Nerven. 
Was war das heute für ein Unterschied zu Ratzingers Auftritt im April 2005 nach seiner Wahl – er trat im maximalen Protz mit allen päpstlichen Insignien vor die Gläubigen, reckte beide Arme im Politikergestus über sich.
Franziskus hingegen kam in der ganz schlichten weißen Soutane, jubelte nicht und zeigte sich demütig.

Bergoglio hat den Riesenvorteil, daß er als Jesuit a priori als Asket gilt.
Der Name Franziskus ist natürlich Programm. Der heilige Franz von Assisi, 1181-1226, Gründer der Franziskaner propagierte absoluten Verzicht auf jede Form von materiellem und geistigem Besitz.
Welch kluger PR-Schachzug des Konklave so einen Mann der steinreichen Kirche mit ihren Luxus-verliebten Kardinälen vorzusetzen.
In der Kurie pflegte man bisher einen ganz anderen Stil.
Geistliche teilen sich Palazzo mit Schwulensauna

[…] 19 Geistliche, unter ihnen ein Kardinal, wohnen in einem Palazzo Tür an Tür mit Europas größter Schwulensauna. So viel Nähe zur Homosexualität pflegt die katholische Kirche in der Öffentlichkeit sonst eher selten.

[…]  In der Ewigen Stadt wohnt der 76-jährige Inder [Kardinal Ivan Dias] laut der britischen Zeitung Independent in einem schicken Zwölf-Zimmer-Luxusappartement - nur einen Stock über Europas größter Schwulensauna, dem "Europa Multiclub".  […] Laut Independent und BBC hat sich der Vatikan 2008 für rund 23 Millionen Euro in den Gebäudekomplex eingekauft. Den Saunaklub beherbergt der riesige Palazzo seit 2004.

Ein beworbenes "Special" der Schwulensauna ist die "Bären-Nacht". In einem Video tritt ein rundlicher Mann auf, der strippt. Bevor er sich auszieht, verwandelt er sich in einen Priester im Gewand.
Solche Pressemeldungen möchte man doch zukünftig bitte vermeiden.
Dennoch gehen die Kurialen mit Bergoglio nicht das Risiko ein die Kirche völlig umzukrempeln. Der Mann ist immerhin 76 und gilt als gesundheitlich angeschlagen.
Da wird er schon nicht allzu forsch die Diskasterien ausmisten, mag mancher Präfekt insgeheim denken.

Bergoglio hat den Riesenvorteil, daß er trotz seiner Parteinahme für die Armen und seines persönlichen Desinteresses an Statussymbolen, moraltheologisch als stramm konservativ gilt. Als unter der Präsidentin Cristina Kirchner in Argentinien als erstes amerikanisches Land die volle rechtliche Gleichstellung von gleichgeschlechtlichen Ehen eingeführt wurde, hielt der Erzbischof von Buenos Aires stramm dagegen. Schwule, Verhütung, Kondome, Frauenpriestertum – all das wird es mit Franziskus nicht geben.

Bergoglio hat den Riesenvorteil, daß er unter den stramm konservativen Kardinälen als angenehm rechts gilt. Mit menschenrechtsfeindlichen Faschisten arrangierte er sich offenbar gern.
Bergoglio wurde verschiedentlich eine zu große Nähe zur Militärdiktatur 1976–1983 vorgeworfen, die ca. 30.000 als „subversiv“ eingestufte Personen entführen und ermorden ließ. Der Menschenrechtsanwalt Marcelo Perrilli warf dem in Argentinien als „Kardinal der Armen“ verehrten Bergoglio 2005 vor, in das Verschwindenlassen der Jesuiten Franz Jalics und Orlando Yorio im Jahr 1976 verwickelt gewesen zu sein. Perrilli erstattete deshalb Anzeige gegen Bergoglio bei einem Gericht in Buenos Aires. Ein Sprecher des Kardinals bezeichnete die Anzeige als Verleumdung. Nachdem sie wieder freigekommen waren, sagten Jalics und Yorio gegenüber dem Ordensgeneral Pedro Arrupe in Rom aus, sie seien von Bergoglio denunziert worden. Noch während die beiden Priester verschwunden waren, hatte Bergoglio Arrupe brieflich mitgeteilt, Jalics und Yorio seien aus dem Jesuitenorden ausgeschlossen worden.

Während der Militärdiktatur kam es zu weiteren Entführungen und Misshandlungen von Seminaristen, Mitarbeitern des Colegio Máximo San José und politischen Aktivisten in San Miguel, einige davon unter Beteiligung des Jesuitenpaters Martín González. Betroffene und Zeitzeugen sind der Ansicht, dies hätte nicht ohne das Wissen Bergoglios geschehen können, der während seiner Amtszeit als Ordensprovinzial seinen Sitz im Colegio Máximo hatte.
(Wikipedia)
Man wird Franzi erst genauer beurteilen können, wenn er Personalentscheidungen getroffen hat.

Als Atheist bin ich natürlich enttäuscht, da er wesentlich sympathischer als sein Vorgänger wirkt und daher nicht unbedingt die Kirchenaustritte so effektiv wie Benedikt XVI. fördern wird.

Aber ich bin zuversichtlich; auch er wird schnell demonstrieren, daß man aus seinem Verein austreten muß.

Dienstag, 12. März 2013

Die spinnen, die Katholen.


Beim Bügeln habe ich mir heute die Sendung „WEST.ART am Sonntag“ vom 03.03.13 angesehen, bzw angehört.
Ich hasse es mit Brille zu bügeln, weil der Dampf die Gläser immer so beschlagen läßt.
Ohne Brille sehe ich aber den TV-Bildschirm etwas verschwommen. In dem Fall ist eine Talkshow natürlich sinnig. Deswegen habe ich immer eine aktuelle „Bügel-Videocassette“ mit den TV-Sendungen, die es mir eigentlich nicht wert sind meine Zeit damit zu verschwenden, die aber ganz gut beim Multitasking nebenher laufen können.
Thema war:
„Die missglückte Aufarbeitung des Missbrauchsskandals, die Debatte um eine vergewaltigte Frau, der in katholischen Krankenhäusern die "Pille danach" verweigert wurde, der Rücktritt von Papst Benedikt XVI. oder auch arbeitsrechtliche Streitigkeiten: Vor allem die katholische Kirche sorgte in den vergangenen Wochen für Schlagzeilen. Und das in einer Zeit, in der sich immer mehr Menschen von der Institution Kirche distanzieren. Katholische wie evangelische Gemeinden verlieren seit Jahren Mitglieder.“ (WDR.de)
Was man immer wieder bei Kirchenthemen in Talkshows erlebt, ist natürlich das enorme Unwissen der Moderatoren.
Dabei ist Holger Noltze eigentlich einigermaßen gebildet. („Jahrgang 1960; in Essen geboren und studierte Germanistik, Hispanistik und Geschichte in Bochum und Madrid. Das Studium schloss er mit einer Dissertation über den „Parzival“-Roman von Wolfram von Eschenbach ab. […] Seit 2005 beschäftigt er sich auch als Professor für Musik und Medien/ Musikjournalismus an der Universität Dortmund mit der Vermittlung von Kultur. 2010 ist sein neues Buch „Die Leichtigkeitslüge. Über Musik, Medien und Komplexität“ in der Edition Körber Stiftung erschienen. Holger Noltze schreibt nebenbei für die FAZ und „Literaturen““)

Dennoch haut Noltze dann mal en passant raus, er habe ja GAR NICHT GEWUSST, daß Kirchliche Kindergärten, Krankenhäuser und Schulen gar nicht von der Kirchensteuer bezahlt werden.

Das frustriert einen Atheisten wie mich natürlich schon, daß solche Basis-Informationen, die in Zeitschriften, Blogs, Vereinen, Artikeln und Dutzenden Büchern immer und immer wieder transportiert werden, scheinbar gar nicht adaptiert werden. 
Noch nicht mal promovierte Journalisten wissen das. 
Da wundert es wenig, daß das gemeine Volk erst Recht dem alten Märchen von der sozialen Mildtätigkeit der Kirchen anhängt.
Gleich mehrfach betonte Noltze sogar, daß er vorher noch nie gehört habe, daß die Kirchen der zweitgrößte Arbeitgeber Deutschlands wären.
Die Kunde hör‘ ich wohl, allein mir fehlt der Glaube.

Dabei ist doch nun gerade das Thema der entrechteten kirchlichen Arbeitnehmer seit langer Zeit öffentlich präsent. 
Gerdia betont zu meiner Genugtuung auch immer wieder, es könne ja wohl nicht angehen, daß weiterhin Juden, Muslime und Atheisten von den 1,3 Mio Arbeitsplätzen im Gesundheits- und Pflegebereich ausgeschlossen sind, die aber alle vom Staat bezahlt werden.
Eine Information zu veröffentlichen ist leicht in Deutschland.
Aber wie stellt man es an, daß sie auch in die Birnen des Urnenpöbels gelangt?
Ich weiß keine Antwort.

Und immer noch läßt eine große Redaktion die Pfaffen mit Falschinformationen durchkommen.
Natürlich waren die Gäste fast dieselben wie immer (Jürgen Domian, Weihbischof Jaschke etc) und der Erkenntnisgewinn lag im homöopathischen Bereich.
Doch da hatte dann auch Frank Plasberg schon keinen Sinn mehr fürs Konklave und eröffnete die allgemeine Aussprache: Kondome, Kitas, Kirchensteuer. Von allem ein wenig und nichts richtig. Als WDR-Kollege Jürgen Domian sein "Wenn Jesus heute auf der Welt wäre ..." anstimmte, schien die Zeit für den erlösenden Griff zur Fernbedienung gekommen zu sein. Doch dann wurde es tatsächlich noch spannend, und Domian ließ vergessen, dass er eben noch eine aus allen Religionen zusammengeklaubte Spiritualität mit persönlicher Geschmacksnote propagiert hatte. 
Wie kann es sein, so stellte er zur Debatte, dass Kirchen beider Konfessionen hierzulande leer stehen oder gar abgerissen werden, sich die Geistlichkeit aber mal lautstark, mal durch die Lobby in öffentliche Angelegenheiten von der Sterbehilfe über die Sexualerziehung bis zum geöffneten Supermarkt am Sonntag einmischt? Wie kann es sein, dass dies und viele Sonderrechte vom Grundgesetz weiter gedeckt werden, obwohl wir längst in einer nachchristlichen Gesellschaft leben? Lange schon ist bei uns eine Grundsatzdebatte über das Verhältnis von Staat und Kirche überfällig. Und auch, wenn die Amtskirchen an der Diskussionstheke nur mit einer B-Klasse vertreten waren - ein katholischer Weihbischof und eine Vize-Präses für den protestantischen Part -, so wäre es doch interessant gewesen, sich mit ihnen das immer offensichtlichere Missverhältnis zwischen kirchlichem Einfluss und schwindendem Rückhalt in der Bevölkerung vorzunehmen.

Doch schon grätschte Frank Plasberg dazwischen und leitete zur Lebens- und Leidensgeschichte einer ehemaligen Nonne über. In bekannter Manier stoppte er damit, was noch gar nicht recht begonnen hatte und verwies entschuldigend auf "die Struktur der Sendung".
TV-Bischof Jaschke konnte quasi unwidersprochen behaupten die kirchlichen Angestellten würden sehr gut behandelt und der enorme Zuspruch der christlichen Schulen und Kindergärten zeige ja, daß sie vieles richtig machen.
Ein aufgeweckter Moderator hätte so ein Scheinargument natürlich in der Luft zerfetzt:
In weiten Teilen gibt es gar keine anderen Anbieter von medizinischen Leistungen oder nichtchristliche KITA-Träger. 
Eltern sind also dazu GEZWUNGEN ihre Kinder dorthin zu geben. 
Sie sind auch GEZWUNGEN Mitglied der Kirche zu sein, ihre Kinder taufen zu lassen, um überhaupt einen Platz zu bekommen.
Genau das ist offensichtlich ja auch die Absicht der „Juden unerwünscht“-Politik von Caritas und Diakonie.
Plasberg hatte davon offenbar aber noch nie etwas gehört.

In der Noltze-Gesprächsrunde immerhin habe ich doch eine neue Information zur Kenntnis genommen.
Ludwig Ring-Eifel, der Chef der Katholischen Nachrichtenagentur „KNA“ und heimliche Zwilling von Ex-CDU-Generalsekretär Laurenz „Skinhead“ Meyer hatte seine ganz eigene Erklärung dafür weswegen Abschaum-Kurienerzbischof Müller von „Pogromstimmung“ gegen die Kirche und Kardinal Meisner von „Katholikenphobie“ spräche.
Tatsächlich würden nämlich in Deutschland neuerdings und fortwährend Kirchen tätlich angegriffen, indem beispielsweise Brandanschläge verübt würden.
 Die Presse schweige darüber aber, um keine Nachahmer auf den Plan zu rufen.
Lese man in atheistischen Blogs, bekäme man aber schnell einen Eindruck von der Gewalttätigkeit gegen katholische Gotteshäuser.

Ach was?
Nun bin ich sowohl links, als auch Atheist und Blogger.
Ich kenne auch viele andere sehr kirchenkritische Blogger und verfolge die Szene in den sozialen Plattformen.

Daß aber jemand jemals zur physischen Gewalt gegen kirchliche Einrichtungen aufgefordert hätte, habe ich noch nie gehört.
 Das ist so abwegig, daß der Gedanke mir ganz neu war.
Dazu muß man offensichtlich Hardcore-Katholiban sein, um sich so was auszudenken.

Natürlich ließ Noltze auch diese wahnwitzige Behauptung einfach so dahin geplappert dastehen und fragte nicht nach, ob es dafür auch nur die geringsten Belege gäbe.

Ach ja, der Chef der Nachrichtenagentur erklärte nebenbei bemerkt auch, die Demokratie habe sich aus dem Katholizismus entwickelt.
„Eine steile These“ befand Noltze immerhin – aber da war die Zeit zu Ende. 
Und Papst Ratzinger hätte die "Reinigung der Kirche" vom Missbrauch begonnen. Haha, Ring-Eifel. Ausgerechnet der Großvertuscher.

Neu ist ein lockerer Umgang mit dem Christlichen Glauben übrigens nicht.
Heute Morgen hörte ich das schöne Lied „Im Café zum zerbrochenen Schwan“ (Schröder Roadshow 1983) mit folgender Textpassage:
Der panierte Nyltest-Tarzan bindet seinen Schlips

Zur letzten Runde heut Nacht

Das versoffene Genie erzählt den alten Witz

Über den schon lange niemand mehr lacht

an der Endstation der verkauften Gefühle

bricht die Liebe in die Knie

und die Ausgekotzten der Gesellschaftsmühle

versinken in Agonie

hier hat der liebe Gott sein Schöpfungsdiplom verschenkt

während Jesus Christus sich im Herrenklo erhängt.