Donnerstag, 2. August 2012

Gottvertrauen.




Ein religiöser Mensch relativiert nicht, er muß nicht abwägen. 
Seine Welt ist absolut. Sein Gott ist die Inkarnation des Superlativs. Allmächtig und allwissend. Gott kann alles. Er läßt nichts ohne seinen Plan geschehen. Man kann Gott nicht hintergehen, nicht seinem langen Arm entkommen.
Der „Q“ des Universums. 

Einzig die Interessen Gottes sind nicht universal. Er kümmert sich zwar um viele, aber eben nicht um alles.
Wir wissen, daß Gott ein Sportfreak ist. Schießt ein amerikanischer Basketballer aus Boston ein Tor, hat ihm Gott den Fuß geführt. 
Und auch bei den Europameisterschaften im Damen-Brustschwimmen sitzt Gott im Publikum. Sie Siegerin weiß es und dankt Gott anschließend für ihre Goldmedaille.

Medizin ist ein Beispiel für die Dinge, welche Gott nicht interessieren.
 Myriaden Kinder verhungern jeden Tag, leiden an Infektionskrankheiten oder treten auf Antipersonen-Minen. 
Hier griff Gott noch nie ein. Kein einziges mal ließ er einen amputierten Arm, ein abgerissenes Bein oder ausgestochene Augen nachwachsen.
Das wissen die Milliarden Anhänger und beten daher auch nicht dafür. 

Beim Kauf der Fernsehzeitschrift am Freitag das richtige Rubbellos aus der Plexiglaskugel zu klauben. Das ist Gottes Liga. Da lohnt es sich ihn um Hilfe anzuflehen.

Paradoxerweise sind die überzeugtesten Anhänger Gottes, die Hardcore-Gläubigen, die am meisten von Gottes Allmächtigkeit überzeugt sind, gleichzeitig auch die Kleingläubigsten.

Selbst Gottes Stellvertreter auf Erden, Vizegott Ratzinger vertraut so wenig auf seinen Chef, daß er sich den Gläubigen lieber nur hinter Panzerglas zeigt.


Sollte nicht ein allmächtiger Gott in der Lage sein ein Pontifikat auch ohne irdisches Panzerglas vor Attentätern zu schützen?
Und wer sollten diese Attentäter überhaupt sein, wenn nicht auch Gottes Geschöpfe, die seinem Plan folgen?

Oder gibt es auf der Erde auch gottfreie Schöpfung, die Attentäter hervorbringt, welche noch mächtiger als der Allmächtige sind?

Ein Blitzableiter auf einem Kirchturm ist das denkbar
stärkste Misstrauensvotum gegen den lieben Gott.
Karl Kraus, öst. Schriftsteller


„In letzter Zeit war die Leistungsbilanz Gottes, was die Juden anbelangt nicht gerade überwältigend." 
Er könne nicht zugleich allmächtig und gerecht sein - denn wäre er es, hätte er Ausschwitz nicht zugelassen. Doch offensichtlich konnte er es nicht verhindern.

Und was ist wenn es einen Gott gibt, der Ausschwitz verhindern wollte, aber nicht konnte?

Auch dazu hat Bauer eine einfache Antwort: 

„Ein armer Kerl, der Unterstützung braucht, der sich seine Stärke von uns holen muß - einen solchen Gott brauche ich nicht!“

Die Deutschen organisierten Christen halten ihren Gott im Gegensatz zu Atheisten ebenfalls für so klein und schwach, daß sie es nachdem Gott 2000 Jahre lang auch ohne gesetzlichen Schutz auskam, nun plötzlich für absolut notwendig erachten den lieben Gott vor Lästerern zu schützen.
Der Mann wird ja auch nicht jünger.
Der ewige, allmächtige und omnipotente Gott könnte offenbar in Depressionen verfallen, wenn ein Frechdachs wie Tammox ihm sagte „Dich gibt es gar nicht!“

Nach den Attacken der beiden großen Doppel-M-Religioten (Martin Mosebach und Matthias Matussek) und des Christen des Tages Nr. 64, Prof. Robert Spaemann, wird der § 166 wieder heiß diskutiert.

"Es wird das soziale Klima fördern, wenn Blasphemie wieder gefährlich wird", schrieb Mosebach in einem Essay.   Er kritisierte Christen, die sich die Schmähung ihres Glaubens gefallen ließen. "Auch Bischöfe blicken verlegen zur Seite, wenn von Blasphemie die Rede ist, sie wollen sie bloß nicht wahrnehmen, um nicht Stellung beziehen zu müssen", schrieb Mosebach.
"Politisch werden wir es nicht hinkriegen"

Der berüchtigte Gaga-Paragraph, welcher Blasphemie unter Strafe stellt.
 Ein Homunculus unter den Paragraphen, denn er stellt eine abstrakte Sache nur in Abhängigkeit von dem Aufschrei der Religioten unter Strafe.

Das heißt; ein und dasselbe Vergehen ist mal strafbewehrt, mal nicht.

§ 166 Beschimpfung von Bekenntnissen, Religionsgesellschaften und Weltanschauungsvereinigungen
(1) Wer öffentlich oder durch Verbreiten von Schriften (§ 11 Abs. 3) den Inhalt des religiösen oder weltanschaulichen Bekenntnisses anderer in einer Weise beschimpft, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.
(2) Ebenso wird bestraft, wer öffentlich oder durch Verbreiten von Schriften (§ 11 Abs. 3) eine im Inland bestehende Kirche oder andere Religionsgesellschaft oder Weltanschauungsvereinigung, ihre Einrichtungen oder Gebräuche in einer Weise beschimpft, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören.

Sage ich „Gott hat Hühneraugen“ und keiner steht auf, um zu versichern Gott habe wohlgeformte vollkommen Hühneraugen-freie Zehen, komme ich straffrei davon. 

Je mehr Vertreter der Gott-hat-makellose-Füße-Theorie sich aber empören und desto lauter sie dies tun, desto höher die Chance, daß ich in den Knast komme.

Gute Zeiten für Fundis, Irrationale und Krawallmacher - je hysterischer und exzessiver sie reagieren, desto eher bekommen sie ihren Willen.

Hätten Gott, Allah und Jahwe tatsächlich überzeugte Anhänger, wüßten diese, daß Gott nicht weniger allmächtig wird, nur weil ein Atheist dies behauptet.
Indem sie aber Gott zur potentiellen beleidigten Leberwurst herabstufen, demonstrieren sie, wie wenig sie glauben. 
Sie sind alle kleine Ratzingers, die sich lieber hinter Panzerglas verstecken und kleine Pfarrer, die lieber einen Blitzableiter gegen Gottes Blitze auf dem Kirchendach installieren.
Der Bamberger Bischof prescht vor.

Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick setzt sich für ein Gesetz gegen Blasphemie ein. "Wer die Seele der Gläubigen mit Spott und Hohn verletzt, der muss in die Schranken gewiesen und gegebenenfalls auch bestraft werden", erklärte Schick am Mittwoch in Bamberg. […] Gegen "heilige Personen, heilige Schriften, Gottesdienste und Gebete sowie heilige Gegenstände und Geräte aller Religionen" dürfe kein Spott und Hohn zugelassen werden.
Satire über religiöse Einstellungen und Gefühle stelle eine Verletzung der im Grundgesetz garantierten Menschenwürde dar, betonte der Erzbischof. Eine Gesellschaft, die das, was religiösen Menschen hoch und heilig sei, nicht schütze, schade sich selbst. Sie dränge einen Teil ihrer Bürger an den Rand oder sogar in den Untergrund, mahnte Schick. Christen müssten deshalb fordern, dass die "Person Jesu Christi, Gott der Vater, Maria, die Heiligen, die Hostie des Altarsakraments, die sakralen Gegenstände wie Kelche und Monstranzen, auch die Kirchengebäude und Prozessionen von unserem Staat geschützt werden".
Zugleich rief Schick die Gläubigen auf, auch selbst das Heilige heilig zu halten. Christen sollten deutlich machen, dass sie Verunglimpfungen ihrer Überzeugungen und Werte in Medien und öffentlichen Organen nicht hinzunehmen bereit seien.

Lästern verboten. Zurück ins Mittelalter.

Was für eine dreiste Gotteslästerung! Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick hält seinen eigenen Gott für einen derartigen Schwächling, dass er nicht einmal imstande sein soll, sich selbst gegen Blasphemie zu wehren. Dies geht aus einer Pressemitteilung des Erzbistums hervor, derzufolge Schick "Hohn und Spott" gegen "heilige Personen, heilige Schriften, Gottesdienste und Gebete sowie heilige Gegenstände und Geräte aller Religionen" gesetzlich verbieten lassen will.
Theologen laufen seitdem Sturm gegen die blasphemische Forderung Schicks, der Gott fast schon beiläufig seine Allmacht abspricht, und ihn als verweichlichten Bittsteller karikiert, der auf die Gnade derer angewiesen ist, die er geschaffen hat.
Professor Theobald Kleinst von der katholisch-theologischen Fakultät der Universität Münster ist außer sich: "Wenn sich Gott durch eine blasphemische Äußerung gekränkt fühlt, dann stehen ihm mehrere Möglichkeiten zur Verfügung, sie auf seine Weise zu ahnden", erklärt der Theologe. "Er kann eine Sintflut anzetteln oder direkt einen Blitz auf den Lästerer schleudern oder ihn dazu verdammen, bis an sein Lebensende eine pinke Kappe tragen zu müssen. Oder Gott wartet, bis der Gotteslästerer stirbt, und wirft ihn dann in die Hölle."

Obwohl Theobald Kleinst überzeugend die Fakten darlegt, schmeißen sich die Usual Religioten-Suspects auf Schicks Seite und geben ebenfalls zu Protokoll, Gott für einen mickrigen Loser zu halten.

Unterstützung kam dagegen aus der CSU: "Wer nicht so zu seinem Anstand findet, der braucht ein Gesetz", sagte Thomas Goppel, der Sprecher der Christsozialen Katholiken.
Goppel spielte auf das Satire-Magazin Titanic an, das den Papst vor einigen Wochen mit einem gelben Fleck auf der Soutane gezeigt hatte. […]
Goppel [...]  nahm für Schick Partei: Mit der eigenen Religion werde leichtfertig umgegangenen, während bei Vertretern des Islams größte Zurückhaltung an den Tag gelegt werde. Notwendig sei eine Rückkehr "zu Maßstäben des Umgangs miteinander".
Allerdings beurteilte auch Goppel eine mögliche Verschärfung des Blasphemie-Paragrafen skeptisch: "Politisch werden wir es nicht hinkriegen", sagte Goppel. Zuletzt war Ministerpräsident Edmund Stoiber damit 2006 gescheitert.
 Der islamische Theologe und Imam der Gemeinde Penzberg, Benjamin Idriz, begrüßte den Vorschlag. "Blasphemie ist der Beginn eines Hasses, der zu Kriegen und Auseinandersetzungen führt." Er finde es richtig, wenn religiöse Werte und Symbole vor Spott geschützt würden.

Das Religiotenboot ist mit Goppel, Schick, Stoiber, Matussek, Mosebach, Spaemann und Idriz zwar schon recht voll, aber der braune Abschaum von Hakenkreuznet passt noch mit hinein.

Der Sandkasten für feige Gottesbeschimpfer muß geschlossen werden. Erzbischof Ludwig Schick appelliert an die durch das Pastoralkonzil windelweich gewordenen Neugläubigen.

Amen.

Mittwoch, 1. August 2012

Impudenz des Monats Juli 2012.




Und schon wieder einmal zeigt der Kalender eine „1“ - hohe Zeit für mich den Blödmann des Monats zu küren.

Der Juli war ein äußerst ergiebiger Monat des Irrsinns.

 Die R-Fraktion drehte am exzessivsten am Rad.
Romney, Rösler, Ratzinger, Rüstungslobby und *Ruckerberg.

Die Polterei des Obama-Herausforderers war schon Gegenstand mehrerer Postings.

In schriller Tonart und mit verbalem Ungeschick hat sich der republikanische Kandidat auf seiner außenpolitischen Jungfernfahrt mehr geschadet als genutzt - und in der nüchternen Substanz hat er wenig Alternativen zum Kurs von Barack Obama zu bieten.  Die amerikanischen Sender widmeten Romneys Reise viel Zeit. Aber sie zeigten einen Aspiranten, der auf der Route von London über Jerusalem nach Danzig und Warschau wiederholt stolperte. Das verheerende Echo auf seine Kritik an Londons 'beunruhigend' miserabler Organisation der Olympischen Spiele schallte laut nach Amerika zurück. […] Und die Häme, mit der die Sun auf ihrer ersten Seite Romneys Geschick auf fremdem Parkett kommentierte, liefert Rohmaterial für künftige Attacken der Obama-Kampagne: 'Mitt the Twit' (Mitt, der Trottel) titelte das Boulevardblatt. Unter derselben Überschrift organisiert sich nun bei Facebook eine Schar satirischer Romney-Gegner.
(Christian Wernicke, SZ, 01.08.12)


Rösler packt aber beständig eine Schippe drauf

Gestern wurde bekannt, daß Röslers Ministerium mit einem dreistelligen Millionenaufwand „Verkaufsseminare“ für Ärzte fördert, damit sie ihren Patienten außer der medizinischen Versorgung noch allerlei anderes andrehen können. 
Ein Triumpf der Mediziner-Lobby.

Dass der Bundeswirtschaftsminister Verkaufsseminare für Ärzte fördert, ist ein Skandal. Legal, aber nicht legitim. Man braucht schon reichlich Chuzpe, wie offensichtlich Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP), hier von Wettbewerb unter Ärzten zu sprechen, von "Know-how" für kleine Betriebe - und das Ganze mit Marketing-Seminaren für Gemischtwarenhändler zu vergleichen. Diese Patientenansprache braucht das Gesundheitswesen nicht. Kein seriöser Arzt wäre lieber Verkäufer geworden.

Heute schon der nächste Lobbybeglückungsschlag des FDP-Chefs.

In den Zeiten der knappen Haushalte und Bildungsmisere schenkt Klientel-Knecht Rösler der Schwerindustrie-Lobby gute zwei Milliarden Euro.

Tausende Konzerne zahlen bis zum Jahr 2022 kaum Ökosteuer.
 […] Die deutsche Schwerindustrie erhält auch in Zukunft Ermäßigungen bei der Ökosteuer. Das Bundeskabinett verabschiedete am Mittwoch eine entsprechende Neuregelung. Danach bleiben vor allem besonders energieintensive Unternehmen von einem Großteil der Steuer verschont. […] Laut Subventionsbericht der Bundesregierung handelt es sich um die viertgrößte Steuervergünstigung, in diesem Jahr verzichtet der Bund dafür auf etwa 2,1 Milliarden Euro. […] Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sprach von "knallharter Klientelpolitik". Die Ausnahmen setzten falsche Marktsignale und verhinderten so Innovationen, sagte BUND-Chef Hubert Weiger.

Oder die Rüstungslobby.
Die katholischste aller katholischen Ministerinnen, Annette Schavan, findet unterdessen immer noch keine Zeit sich endlich mal um ein sinnigeres Bildungssystem zu kümmern, welches die Fachkräfte hervorbringt, die auch benötigt werden, statt durch Herdprämie für Bildungsferne zu sorgen.
 Fachkräfte werden ob der systematisch gewollten Verblödung der Deutschen nun durch Schavan massiv aus Südeuropa importiert.

Es ist aber nicht so, daß das Schavan’sche Forschungsministerium ganz untätig wäre. 
Nein, Merkels Vize kümmert sich um den einen, den einzigen Aspekt, dem sich die ganze Bundesregierung mit Verve widmet:
Die Welt und ihre Krisengebiete mit deutschen Waffen zu überschwemmen. 
Hunderte Millionen zahlt Schavan an Rüstungskonzerne.

Das Haus unterstützt auch zahlreiche Rüstungskonzerne mit Millionen - das geht aus einem aktuellen Katalog hervor, der laufende und abgeschlossen Förderprojekte beschreibt. Mittel aus dem Haushalt des BMBF haben unter anderem namhafte Branchenvertreter wie Diehl Defence, Thales Defence oder Rheinmetall Defence erhalten. Allein Cassidian, die Rüstungssparte des EADS-Konzerns, bekommt zur Zeit in sieben Projekten rund vier Millionen Euro aus dem Forschungsetat.  […] Annette Schavan hilft nun der hiesigen Rüstungsindustrie, dieses Geschäftsfeld weiter zu erschließen. Im Rahmen des Programms "Forschung für die zivile Sicherheit" hat das Ministerium in den vergangenen fünf Jahren insgesamt 279 Millionen Euro zur Verfügung gestellt, Anfang des Jahres wurde das Programm verlängert.

Offensichtlich hat man mich nachts doch in einen Idiocracy-Film gebeamt.

Normal ist das doch alles nicht.

Die meisten Postings habe ich im Juli aber demjenigen gewidmet, der jetzt auch tatsächlich als Impudenz des Monats ausgezeichnet wird:

Volker Beck.

Bei Beck handelt es sich um einen ehemaligen LGBT-Aktivisten, der sich inzwischen mit der Bibel in der Hand an das Rednerpult des Bundestages stellt und aus dem Alten Testament zitiert.

Damit will er eine Folterpraxis, der jährlich tausende Jungs zum Opfer fallen, in Gesetzesform gießen. 
Die Perversion legitimieren.

Infant circumcision causes 100 deaths each year in US.
A new study published yesterday in Thymos: Journal of Boyhood Studies estimates that more than 100 baby boys die from circumcision complications each year, including from anesthesia reaction, stroke, hemorrhage, and infection. Because infant circumcision is elective, all of these deaths are avoidable.
The International Coalition for Genital Integrity applauds that, for the first time, a rational attempt has been made to estimate the scale of the problem, and is simultaneously appalled by how many baby boys needlessly die each year in the United States.

Der Idiot des Monats sieht es so:

Eine Beschneidung […] hat praktisch keine beeinträchtigenden […] Folgen.

Beck, der Vorreiter der Kinderquäler vergreift sich extrem in Ton und wird gegenüber Kritikern im direkten Gespräch unverschämt.

Bei jeder Gelegenheit beklagt er sich über die Stimmen der Vernunft, die es wagen ihm, dem Religionsversteher (und Kinderqual-Förderer) zu widersprechen.

Beck: Viele aus der jüdischen Community haben sich bei mir bedankt. Aber die überwiegende Reaktion im Internet ist massiv ablehnend bis hasserfüllt. Ich erschrecke mich da oft. Es zeigt sich ein tiefes Unverständnis von Religion als Phänomen. Da spürt man oft eine tiefe Verletzung durch Religion. Da wird die Ausübung von Religion immer schon als übergriffig erlebt, als politischer Anspruch, wieder das ganze Leben aller bestimmen zu wollen. Man merkt: Auch die Weltanschauung des Atheismus kann fundamentalistische Züge annehmen.

Beck: Ist es nicht auch im Sinne des Kindeswohls, dass es aufwachsen kann als jüdisches oder muslimisches Kind, weil im jüdischen Glauben ist eben vorgeschrieben als erstes Gebot, das von Gott in der Bibel zitiert ist, der Beschneidungsbefehl, und der begründete damals den Bund Gottes mit Abraham. Darüber kann man als Befund nicht hinweggehen und das muss man auf jeden Fall einbeziehen, wenn man eine Grundrechtsabwägung trifft.

Bei Beck war die Fallhöhe einfach am höchsten.

Von Rösler, Schavan, Romney und Ratzi ist man hingegen schon lange gewohnt, daß sie jeweils das Schlimmste tun.

 NACHTRAG:


*Kaum zu glauben, aber wahr:  
Mein Facebook-Account wurde heute Morgen gelöscht. 
Wegen der besonderen Schwere des Regelverstoßes sogar unverzüglich und ohne Warnung.

Daher habe ich nicht die Möglichkeit meinen Account mit hunderten Kontakten und Dutzenden politischen Gruppen, in denen ich politisch aktiv war, wieder herzustellen. 
Mein ungeheures Verbrechen: Ich benutze für meinen Account keinen Klarnamen und nur mit Klarnamen verdient die Schnüffelorganisation Facebook mit Adressenhandel und Werbung so richtig viel Geld.

Bisher sind es rund eine Milliarde Dollar im Jahr, die Multimilliardär Marc Zuckerberg durch Werbung einnimmt. 
Viel zu wenig also. 
Das muß mehr werden. Mit allen Mitteln.

Die New Yorker Musikplattform Limited Run klagt das soziale Netzwerk an, achtzig Prozent der ihm in Rechnung gestellten Werbeklicks mit Robotern generiert zu haben. Mit sechs verschiedenen Statistikinstrumenten will man beobachtet haben, dass nur ein Fünftel der von Facebook berechneten Klicks auch tatsächlich den Weg auf ihre Homepage fanden. Die restlichen Besucher seien nicht Kunden, sondern Roboter gewesen.

Wie Facebook bemerkt hat, daß ich nicht unter meinem echten Namen bei der Californischen Geldmaschine registriert war, ist nicht sehr rätselhaft.

Mit regelrechten Stasi-Methoden werden im Moment Facebook-User ausgefragt.

"Ist dies der echte Name deines Freundes?", fragt Facebook seit einigen Tagen manche Mitglieder. Das zugehörige Dialogfenster zeigt Name und Bild eines Kontakts. "Deine Antwort bleibt anonym und hat keinen Einfluss auf das Konto deines Freundes", heißt es auf Screenshots, die derzeit kursieren. Als Antwortmöglichkeiten stehen "Ja", "Nein", "Ich kenne diese Person nicht" und "Ich möchte nicht antworten" zur Auswahl.   Auf Anfrage von Süddeutsche.de bestätigt Facebook die Echtheit der Bildschirmfotos und erklärt, es handele sich um einen Test, mit dem Fake-Accounts identifiziert werden sollen. Die Auswertung erfolge anonym und diene einzig dazu, aggregierte Daten für statistische Zwecke zu erhalten.  Das Portal hat in seinen Geschäftsbedingungen festgelegt, nur den echten Namen von Nutzern zu akzeptieren.

Offenbar funktioniert das Denunziantentum. 
Schließlich bin ich aufgeflogen.

Facebook ruft seine Kunden nun zu Spitzeldiensten auf, sie sollen dem US-Konzern melden, welche ihrer Freunde sich verdächtig verhalten, weil sie Pseudonyme nutzen. Das Netzwerk will zum weltweiten Melderegister werden: echte Namen, echte Personen, alles andere ist verboten. Bei Verdacht auf falschen Namen sperrt das Netzwerk Nutzer und schaltet diese erst wieder frei, wenn sie die Kopie eines Ausweises schicken.
Dabei gibt es Menschen, die aus guten Gründen nicht mit ihrem im Pass eingetragenen Namen im Netz unterwegs sein wollen - Stalking, Angst vor Repressionen, Sorge um den Datenschutz (die soll es sogar bei manchen Facebook-Nutzern noch geben). Kritiker eines Klarnamenszwangs wie die Flickr-Gründerin Caterina Fake und die Sozialforscherin Dana Boyd argumentieren, für viele Menschen ermöglichen Pseudonyme im Web erst eine wirklich freie Nutzung.
Facebook begründet seinen Aufruf zur Denunziation so: Man wolle die "Plattform sicherer" machen, Klarnamen seien die "Grundlage" für den Austausch zwischen "echten Menschen". Sind also Stalking-Opfer und politisch Verfolgte ein Sicherheitsrisiko für Facebook?
Facebooks Vorgaben zur Veröffentlichung echter Namen und Porträts schaffen die Grundlage für ein privates Melderegister. Facebook deklariert diese Informationen generell als öffentlich, ohne Widerspruchsmöglichkeit: Name, Profilbild, Geschlecht, Angaben zu Netzwerken (Schule, Arbeitsplatz), Nutzername und Nutzerkennnummer. Diese von Facebook veröffentlichten Informationen lassen sich zum Beispiel so nutzen:
  •     Jemand fotografiert Passanten, Software ordnet jedem Gesicht den echten Namen und das Facebook-Profil zu. Solche Software entwickeln derzeit US-Forscher. In einem ersten Experiment gelang es dank der Facebook-Daten, Hunderte von Nutzern von Flirtseiten per Gesichtserkennung und Facebook-Datenabgleich zu demaskieren.
  •     Forscher des Massachusetts Institute of Technology (MIT) haben schon 2009 in einer Studie gezeigt, dass sich die sexuelle Orientierung innerhalb der Plattform auf Basis der Kontakte einer Person vorhersagen lässt.
  •     Kriminelle recherchieren in öffentlich zugänglichen Facebook-Profilen persönliche Informationen über Opfer, die dabei helfen, E-Mail-Konten zu übernehmen.
Diese und diverse andere Risiken existieren, weil Facebook die echten Namen seiner Mitglieder und eine Reihe weiterer Informationen zwangsweise veröffentlicht. Meldet man sich neu bei Facebook an, ist sogar die Freundesliste standardmäßig öffentlich. Facebook liefert also nicht nur allen Interessierten Klarnamen plus Porträt, sondern auch alle privaten und beruflichen Kontakte eines Mitglieds - Facebook differenziert da nicht von sich aus. Kein Wunder, dass das die Auskunftei Schufa bei einem - nach Protesten eingestellten - Analyseverfahren Facebook-Profile auslesen.

Herr Zuckerberg muß in seinem Orwell-Imperium offenbar noch einige Säuberungen durchführen, um mit den Adressen richtig Reibach zu machen.

Bisher gibt es noch zu viel Widerstand in Europa.

Laut einer Forsa-Umfrage nutzen mehr als die Hälfte (58 Prozent) aller Facebook-Mitglieder ihren vollständigen, realen Namen. 18 Prozent verwenden Abkürzungen oder nennen nur einen Teil des Namens, 20 Prozent Spitz- oder Fantasienamen.

Da sind noch Millionen User zu eliminieren!

Dienstag, 31. Juli 2012

Mitt, the twit, weiter on tour.




Nachdem er England erledigt hatte und sich erfolgreich binnen zweier Tage auf der gesamten Insel zur persona non grata gemacht hatte, waren für den Obama-Herausforderer noch zwei Stationen übrig.


Viele Chancen, um sich als weltgrößter Blödmann der Diplomaten zu präsentieren.
Man weiß nicht ob Romney tatsächlich so unterbelichtet ist, wie er sich in Europa gibt, oder ob er sich nur so verblödet stellt, um den verblödeten Wählern in Amerika zu gefallen.


Einem guten Diplomaten gelänge möglicherweise beides:
 Sich bei den Teebeutlern des bible-belts beliebt zu machen und dennoch nicht in Europa nur verbrannte Erde zu hinterlassen.

Mit, the twit, hingegen schafft es nur sich in den Augen der europäischen Presse in die Schublade des hinterwäldlerischen Ignoranten zu setzen.


Romney reist nicht nach England oder Israel, um seinen Horizont zu erweitern, um vor Ort dazuzulernen, sondern fliegt mit Augenklappen und Ohrenstöpseln ein, um seine primitive Gut-versus-Böse-Sicht zu verkünden.

Der Republikaner war sogar idiotisch genug, um ausgerechnet in Israel die rassistische Karte zu ziehen. Offenbar kennt jeder Menschen der Erde das Schicksal der Palästinenser, die de facto in einem Ghetto leben müssen. 
Der Gazastreifen ist das am dichtesten besiedelte Gebiet der Erde. Sie sind von jeder ökonomischer Versorgung abgeschnitten. 

Nur Romney hat noch nichts gemerkt:

Vor einer Gruppe israelischer Geldgeber in Jerusalem sprach Romney über die ökonomischen Unterschiede zwischen Israel und den palästinensischen Gebieten. Das mehr als doppelt so hohe Pro-Kopf-Einkommen der Israelis lasse einen extremen Unterschied wirtschaftlicher Stärke erkennen. "Wenn ich hierherkomme, über die Stadt schaue und die Errungenschaften dieser Nation betrachte, erkenne ich die Kraft der Kultur und einiger anderer Umstände", sagte Romney.  Palästinenser reagierten empört. Der ranghohe palästinensische Politiker Sajeb Erakat warf Romney Rassismus vor. "Das ist ein rassistisches Statement. Dieser Mann sieht nicht, dass die palästinensische Wirtschaft ihr Potential aufgrund der israelischen Besatzung nicht ausschöpfen kann", sagte Erakat gegenüber der Nachrichtenagentur AP. Romney mangele es offenbar an Informationen, Wissen, Verständnis und einer Vision für die Region, so Erakat weiter.

Fast unnötig zu erwähnen, daß Romney bei den ökonomischen Zahlen auch noch falsch liegt. 
Der Weltbank zufolge ist Israels Pro-Kopf-Einkommen gut 20 mal so hoch wie das palästinensische und nicht doppelt so viel. 
Romney irrt sich also um einen Faktor zehn. 
Oder anders ausgedrückt: um 1000%.
It’s the economy, stupid?

Nun haben amerikanische Toppolitiker unter den Palästinensern nicht die größten Fans. Es gab aber US-Präsidenten wie Bill Clinton, die immerhin Verständnis zeigten.
Sich in beide Positionen hineindachten und versuchten die Kriegsparteien an den Verhandlungstisch zu bekommen.
Das ist für US-Politiker sehr schwer, da sie bei der leisesten Israelkritik sofort innenpolitischen Ärger bekommen. Niemand wüßte das besser als Barack Obama, der in Jerusalem reichlich unbeliebt ist, nachdem er die Israelische Regierung ein paarmal zur Raison gerufen hatte. 
Dabei hatte der jetzige Präsident keinen seiner Wünsche (Stopp des Siedlungsbaues z.B.) tatsächlich mit Nachdruck vertreten und knickte stets ein, wenn Bibi nicht so wollte, wie er sollte.

Romney aber gießt a priori noch Öl ins Feuer, indem er sich bei der Israelischen Rechten anbiedert.

Fast alles, was der Aspirant in Jerusalem anstellt, schürt den Eindruck, dass er nicht einmal zu begreifen versucht, wie vertrackt die Lage im Nahen Osten ist. Stattdessen malt Romney die Krisenregion in Schwarz-Weiß: Israel ist gut, der Rest - Palästinenser und Mullahs in Iran - soll sich gefälligst fügen.
Dieses einseitige Weltbild ist weniger tumb als kalt kalkuliert. Romney wirbt in Jerusalem um Wahlkampfspenden (Mindestpreis 50000 Dollar für jeweils zwei Plätze beim Frühstück). Und er umgarnt die jüdischen Wähler daheim. Die Republikaner hoffen, dass die Spannungen zwischen Obama und Israels Premierminister Benjamin Netanjahu diesmal viele von ihnen ins konservative Lager treiben. Also tut Netanjahu, was Romney von ihm erwartet: 'Mitt, da kann ich nur voll und ganz zustimmen', säuselte Bibi, da sein Gast schwadronierte, wie wild entschlossen er sei, Irans Atom-Zentrifugen mit Waffengewalt zu zerschmettern.

Noch nicht einmal die notorisch heikle Frage des Status der heiligen Stadt Jerusalem scheint dem Republikaner bekannt zu sein. 
Das hindert ihn unglücklicherweise aber nicht daran sich um Kopf und Kragen zu reden.

Romney hatte am Sonntag erklärt, Jerusalem sei die Hauptstadt Israels. Zugleich ließ er erkennen, dass er die US-Botschaft nach Jerusalem verlegen würde, wäre er Präsident. Erakat sagte am Montag, Romneys Äußerungen seien beunruhigend und belohnten "Besatzung und Aggression". Zudem widersprächen sie der langjährigen politischen Haltung der USA.
 Damit habe Romney bei dem Friedensprozess geschadet, zitierte die palästinensische Zeitung "Al-Quds" Erakat. Der Ostteil Jerusalems wurde von Israel 1967 erobert und später annektiert. Seither siedeln sich dort mehr als 200.000 jüdische Siedler an. Von der Uno wird die Annexion nicht anerkannt. Die Palästinenser wollen Ost-Jerusalem zur Hauptstadt ihres eigenen Staates machen.
Auch das Weiße Haus kritisierte die Äußerungen Romneys. Präsidentschaftssprecher Josh Earnest sagte am Montag, die Verärgerung der Palästinenser sei verständlich. Der Herausforderer von Obama solle sich "ausführlicher dazu äußern, was er habe sagen wollen". Wenn Romney Jerusalem am Sonntag als "Israels Hauptstadt" bezeichnet habe, so entspreche dies nicht der Position der US-Regierung.
Die Hauptstadtfrage müsse in Verhandlungen zwischen Israelis und Palästinensern über den Endstatus Jerusalems geklärt werden. Das sei die Haltung auch früherer US-Regierungen gewesen, egal ob diese von den Demokraten oder den Republikanern gestellt worden sei, sagte der Sprecher.



Eins ist jetzt schon klar: Sollte Romney tatsächlich US-Präsident werden, wird der Friede in Nahost in weitere Ferne rücken, da Romney jetzt schon seinen Kredit verspielt hat und als Bibis Büttel dasteht.

In Warschau trieb es den Top-GOPer zu Lech Walesa, den vermutlich einzigen polnischen Namen, den Amerikaner kennen. 
Daß der Ex-Präsident und Papstfreund vorher Gewerkschaftsführer war, schien niemand in Romneys Team zu wissen. 
Der Multimillionär, der so gerne Leute feuert, ahnte scheinbar gar nicht, wie er Mitgliedern der Solidarnosc mit seinem Besuch der berühmten Danziger Werft auf die Füße trat. 
Sie verwahrten sich gegen diese Vereinnahmung.

Denn der Republikaner, so heißt es in einer Erklärung von Solidarnosc, unterstütze "Angriffe auf Gewerkschaften und Arbeitnehmerrechte".

Nach dem Desaster von GB und Jerusalem lagen die Nerven blank.
 Mitt wollte nur noch nach Hause zu den Teebeutlern, wo ihn niemand mit Fakten nervt und die Sinnigkeit seiner Aussagen hinterfragt. 





Also tat „the twit“ das einzig ihm Mögliche, um sich nicht noch tiefer reinzureiten: 
Er kam, sah und schwieg.


Dafür war es dann sein Pressesprecher Rick Gorka, der Romney vollständig blamierte.

Dem Berichten zufolge soll dieser regelrecht die Nerven verloren haben. Der Zwischenfall ereignete sich demnach, als Romney den Pilsudski-Platz in Warschau verließ, um zu seinem Auto zu gelangen. Reporter der US-Pressedelegation versuchten bei der Gelegenheit den republikanischen Präsidentschaftskandidaten zu seiner Fauxpas-Serie zu befragen.
Romney ignorierte dem Bericht zufolge die Journalisten und stieg in sein Auto ein. Pressesprecher Gorka jedoch nicht. Dem platzte der Kragen. "Leck mich am Arsch", soll er gerufen haben, "das hier ist ein heiliger Platz für das polnische Volk. Zeigen sie etwas Respekt." Einem Reporter von "Politico" soll er dann noch gesagt haben, er solle sich "verpissen".

CNN: "Governor Romney are you concerned about some of the mishaps of your trip? Governor Romney just a few questions sir, you haven't taken but three questions on this trip from the press!
Gorka: "Show some respect"
NYT: "We haven't had another chance to ask a question..."
Gorka: "Kiss my ass. This is a Holy site for the Polish people. Show some respect."
Moments later, Gorka told Jonathan Martin, a reporter for Politico, to "shove it." About a half-hour later, the aide called reporters to apologize.

Schon lustig.
 Wie jeder Politazubi weiß gilt es ohnehin als sehr unhöflich, wenn Politiker auf Auslandsreisen die Innenpolitik ihres Heimatlandes kommentieren. 
Auf Staatsbesuch aber rumzupöbeln und mit Fäkalsprache um sich zu werfen, ist ungefähr so angemessen, wie bei Omas Beerdigung auf das Buffet zu schiffen.

Als Angela Merkel ihren ersten Auslandsbesuch als Kanzlerin tat - 2005 nach London - überschüttete sie SPRINGER-Presse sie mit Lob. 
Was für eine gute Figur sie doch gemacht habe!

 Es oblag Volker Pispers darauf hinzuweisen, daß Merkel bereits acht Jahre als Ministerin Auslandsbesuche absolviert habe. 
Habe man etwa erwartet, daß sie auf den roten Teppich kotze, oder Tony Blair in den Schritt greife, wenn man ob der Tatsache, daß sie es schaffe aus dem Auto zu steigen und dem Premierminister die Hand zu geben schon in Begeisterungstürme verfalle?
 
Bei Romney hingegen ist es offensichtlich angemessen die Erwartungen so niedrig zu hängen. 

Wenn er einem Regierungschef nicht seinen blanken Hintern zeigt, kann man schon von diplomatischem Geschick sprechen.

Fast bedauere ich es, daß Romney keinen Zwischenstopp in Berlin einlegt. 



Vielleicht hätte er ja Merkel in den Hintern gekniffen oder Guido einen „Homoperversen“ genannt.

Montag, 30. Juli 2012

Die zweite Reihe.



 Fipsi hat es echt drauf!
Nachdem er schon vom Bestatter-Verband den „goldenen Ehrensargnagel“ für den Ruin der FDP verliehen bekam, versucht er nun im Alleingang die Europäische Wirtschaft lahm zu legen.

Philipp Rösler spekuliert über einen Euro-Austritt Griechenlands, andere Politiker sekundieren: Über die Zukunft der Währungsunion wird mittlerweile diskutiert, als ginge es um den Ausbau einer Kreisstraße. Diese neue Wurstigkeit ist brandgefährlich - denn für Deutschland hängt fast alles am Euro.
[…] Es wird von Tag zu Tag schwieriger, Politiker zu finden, die den Bestand der Euro-Zone langfristig garantieren wollen.
Diese Stimmung ist äußerst gefährlich. Man kann es gar nicht oft genug sagen: Für Deutschland steht sehr viel auf dem Spiel. Wenn die Währungsunion zerbricht, hat das unabsehbare Folgen.
    Der Großteil der Rettungsgelder wäre verloren, Banken und Versicherungen müssten Hunderte Milliarden Euro abschreiben, die Regierung müsste schon wieder die Finanzindustrie vor dem Kollaps retten.
    Weil die neue Mark massiv aufwerten würde, wären viele deutsche Produkte für das Ausland unerschwinglich. Die Konjunktur bräche ein, Konzerne gingen pleite oder verlagerten Jobs, die Arbeitslosigkeit würde massiv ansteigen. Und so weiter.

Das destruktive Potential haben fast alle FDP-Politiker.
 Als Lindner und Westerwelle das Sagen bei den Liberalen hatten, wurde von Hotelsteuerermäßigung bis Herdprämie auch nur sinnloser Murx beschlossen und zudem mit Verbaldurchfall à la „Spätrömische Dekadenz“ begossen.

Glücklicherweise arbeiten die Minister Bahr, Westerwelle, Leutheusser-Schnarrenberger und Niebel de facto gar nicht mehr politisch. 
Sie sitzen nur noch ihre Pöstchen aus und haben sämtliche anstehenden Probleme auf den St Nimmerleintag verschoben.

Rösler hingegen ist immer noch politisch aktiv. Unglücklicherweise. So ist er beispielsweise damit beschäftigt die Energiewende zu hintertreiben und den ökologischen Fortschritt zu blockieren.

Erneut stört Philipp Rösler die Abkehr von fossiler Energie – ein zentrales Vorhaben der Regierung. So wird Politik unzuverlässig und ineffektiv.

Bevor man sich nun zufrieden zurücklehnt, weil die Häuser Niebel und Westerwelle sich nicht tatsächlich in die Außen- und Weltpolitik einmischen, muß man sich vergegenwärtigen, daß politisch paralysierte Pappenheimer nicht wirklich „nichts“ tun.

Sie wirken stattdessen hinter den Kulissen und beschäftigen sich damit ihren Kumpels auf Kosten des Steuerzahlers nette Pöstchen zuzuschieben.

Das wär schon an sich ärgerlich. Hinzu kommt aber, daß die Pöstchen, die zunehmend von Niebel-Westerwelle-Freunden besetzt werden, nicht alle unwichtig sind.

Da ist zum Beispiel der begehrteste Diplomatenposten, den Deutschland zu vergeben hat: Botschafter in Washington. Guido setzte vor anderthalb Jahren seinen Mann dort ein.

Nun hat sich Außenminister Guido Westerwelle für einen neuen Mann entschieden. […] Die Residenz des deutschen Botschafters in Washington schmiegt sich in die Hügel des Edelvororts Georgetown, von der Terrasse lassen sich die Lichter der US-Hauptstadt und ihrer Umgebung bestaunen. Der berühmte Architekt Oswald Mathias Ungers hat den Bau entworfen, im Keller lädt die schnieke "Berlin Bar" zum Verweilen ein. Am Jahrestag der deutschen Einheit veranstaltet die Botschaft stets eine große Sause, die sich in der Washingtoner Szene wachsender Beliebtheit erfreut.
Kein Wunder, dass der Posten als Leiter der wichtigsten deutschen Auslandsvertretung - als "Mr. Germany" in Washington - extrem begehrt ist. Das Rennen  […] hat nun Peter Ammon gemacht, derzeit noch verbeamteter Staatssekretär im Auswärtigen Amt.

Ammon hat sich in den letzten 18 Monaten ganz nach seinen Vorbildern Niebel und Westerwelle entwickelt. 
Die Deutsche Botschaft in den USA hat jeglichen Einfluss verloren. 
Andere Diplomaten reißen Witze über ihn und die Sprachlosigkeit zwischen Merkel und Obama ist Legende.
Es gibt eben keinen Mittler mehr, weil Westerwelle einen Vollpfosten in Washington stationiert hat.

Der deutsche Botschafter in den USA, Peter Ammon, ist wegen angeblicher Passivität in die Kritik geraten. „Die deutsche Position wird in den USA im Moment einfach nicht aktiv und kraftvoll genug vertreten – obwohl das gerade in der Euro-Krise so dringend notwendig wäre“, kritisierte der ehemalige Regierungskoordinator für die Beziehungen zu den USA, der SPD-Mann Karsten Voigt.
Der ehemalige US-Botschafter in Berlin, John Kornblum, befand: „Deutschlands Repräsentanten werden derzeit in Washington einfach nicht gehört.“

Guidos Mann in den USA ist allerdings auch zu beschäftigt, um sich um Politik zu kümmern.

Peter Ammon, Botschafter in Washington, ist ein Freund des populären Liedguts. Regelmäßig lädt der promovierte Ökonom per offizielles Rundschreiben zum "Sing Along"-Abend in seine Residenz nahe dem noblen Viertel Georgetown. Angeführt von Ammon und seiner Gattin, schmettern die Gäste dann Gassenhauer wie "En unserem Veedel" von den Bläck Fööss.   In seinem Tagesjob als deutsche Stimme in Amerika gibt Ammon, erst seit September vorigen Jahres im Amt, seltener den Ton an. […]
Wie lustlos Ammon sein Geschäft verrichtet, haben prominente Besucher aus Deutschland erlebt: Briefings, etwa für Abgeordnete oder Journalisten, bestehen oft aus Plattitüden ("Alles hängt mit allem zusammen"). "Ich hätte mehr erfahren, wenn ich in der Zeit die 'FAZ' gelesen hätte", grummelte ein Parlamentarier enttäuscht.
Zum Jahresempfang des einflussreichen American Institute for Contemporary German Studies sollte Ammon sprechen. Aber statt eigene Worte zu finden, verlas er ein Grußwort von Bundeskanzlerin Angela Merkel.
Der Zeitpunkt für solch bescheidene Auftritte ist schlecht gewählt: Amerikas Elite zeigt mitten in der Euro-Krise so viel Interesse an Deutschland wie lange nicht mehr. Doch Ammon hat die Zahl politischer Veranstaltungen in seiner Residenz beschnitten, so dass sich Mitglieder wichtiger Netzwerke in der Außen- und Sicherheitspolitik - über Jahrzehnte von Vorgängern mühsam umworben - vernachlässigt fühlen.
(SPIEGEL 30.07.12)

Niebel, der ehemalige FDP-Generalsekretär, bemüht sich seit 2009 intensiv lang gediente FDP-Kader mit lukrativen Pöstchen in dem Ministerium, das er immer abschaffen wollte - nämlich seinem - zu versorgen.

Daß er bei der Gelegenheit auch noch auch Tuchfühlung mit faschistischen Ideologen und rechten Diktatoren kommt, freut ihn umso mehr.
 So kann er seine Partei weiter in nach rechts schieben.
 Gerne schickt er verdiente FDP-Leute in Prachtresidenzen deutscher Botschafter in Südamerika. Kumpel Harald Klein wurde von Niebel als Generalkonsul in der eindrucksvollen Residenz von Rio de Janeiro auserkoren.

Niebel hat seinem Schützling zu einer ungewöhnlichen Blitzkarriere verholfen. Bis vor zwei Jahren war Klein bei der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung, dann holte Niebel ihn als Abteilungsleiter in sein Ministerium, erst im Mai dieses Jahres wechselte Klein ins Auswärtige Amt.  […] Tatsächlich scheint die Versetzung Teil einer langfristig geplanten Personalrochade zwischen dem Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und dem Auswärtigen Amt zu sein. Niebel schanzt offenbar Vertrauten mit Hilfe seines Parteifreundes Guido Westerwelle begehrte Auslandsposten zu: So sind diese für den Fall abgesichert, dass die FDP nach der Bundestagswahl im kommenden Jahr nicht mehr an der Regierung beteiligt ist. "Die FDP drückt massiv Parteimitglieder in die mittlere Beamtenebene", sagt ein Insider. "Das hat es nicht mal unter Hans-Dietrich Genscher gegeben."
In Lateinamerika  […] baut der Außenminister auf die Kontakte von Parteifreund Niebel und der Friedrich-Naumann-Stiftung. Die Naumänner haben in den vergangenen Jahren ein dichtes Netzwerk zu rechten bis offen reaktionären Parteien und Politikern in der Region geknüpft. Im politischen Spektrum stehen die einst liberalen FDP-Leute heute deutlich rechts von der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung.
In Brasilien arbeitet die Stiftung mit der Oppositionspartei Democratas zusammen, einem streng konservativen Sammelbecken von Großgrundbesitzern, Unternehmern und Ex-Militärs. In Honduras und Paraguay stehen sie Militär- und Unternehmerkreisen nahe, die gegen demokratisch gewählte Präsidenten geputscht haben.
Entwicklungsminister Niebel stört das offenbar nicht: Nur einen Tag nach der im Eilverfahren durchgepeitschten Absetzung von Staatschef Fernando Lugo Ende Juni reiste er nach Paraguay, obwohl ihm die deutsche Botschaft abgeraten hatte - die Lage sei zu unübersichtlich. Der FDP-Mann traf den zum Präsidenten ausgerufenen Federico Franco und versicherte, der Regierungswechsel sei rechtmäßig verlaufen. Kenner der Szene überraschte die ungewöhnliche Geste nicht: Francos Partei gehört dem von der Naumann-Stiftung begründeten Netzwerk Relial an, einem Zusammenschluss rechter und liberaler Parteien in ganz Lateinamerika.
[…]  Der Coup gegen Lugo lief ähnlich ab wie die Absetzung von Präsident Manuel Zelaya in Honduras drei Jahre zuvor. In Tegucigalpa gab es eine rechte FDP-Seilschaft: Geschäftsmann Roberto Micheletti, der Anführer der Putschisten und Nachfolger Zelayas, war Vizepräsident der Liberalen Internationalen, seine Partei gehört Relial an; der lokale Vertreter der Naumann-Stiftung, Christian Lüth, erklärte, von einem Putsch könne keine Rede sein, das sei eine "Legende". Niebel-Freund Harald Klein, damals Leiter des Lateinamerika-Büros der Naumann-Stiftung, unterstützte ihn. Bald darauf holte Niebel Klein als Abteilungsleiter ins BMZ, Lüth folgte ihm nach.
 (DER SPIEGEL 23.07.12)

Selbst wenn der deutsche Urnenpöbel in einem Jahr ausnahmsweise mal das richtige machen sollte und die FDP in die außerparlamentarische Opposition schickt, ändert das zunächst einmal nichts daran, daß die halbe diplomatische Welt mit rechtslastigen FDP-Trotteln durchsetzt ist.

Sonntag, 29. Juli 2012

Wenn das der Führer wüßte!



Die ZEIT schickte Marco Ansaldo, Evelyn Finger und Arno Storn nach Rom.
Glaubt man dem ausführlichen Bericht über die angespannte Stimmung im Vatikan, sieht es übel aus für die Katholische Kirche.
Die Geheimnistuerei über die päpstlichen Finanzen und die katastrophale Öffentlichkeitsarbeit passten einfach nicht mehr zur Informationsgesellschaft des 21. Jahrhunderts.
Das Autoren-Quintett (neben den oben Genannten arbeiteten auch Kerstin Kohlenberg und Alexander Schwabe an dem Artikel) sieht immer noch durch die nationale Brille und beeilt sich festzustellen wie beliebt Ratzi im Vatikan wäre.
Das unausgesprochene „obwohl er doch Deutscher ist“, schwingt immer mit. 

Die BILD-Zeitung-indoktrinierten Deutschen scheinen immer noch zu glauben, daß der fromme Ratzinger 2005 aus dem Himmel fiel. 
Und wie eigenartig es doch sei, daß in dieser Kurie aus lauter eingeschworenen Italienern nun ausgerechnet dieser Neue, dieser Ausländer, zum Papst gewählt wurde. 
Das müsse ja offensichtlich daran liegen, daß er so integer und gelehrt sei.

Eine völlig absurde Sichtweise. 
Ratzinger hat seit 30 Jahren die Fäden des Vatikans in der Hand. 
Keiner kennt die Fallstricke und Intrigenkultur der kirchlichen Macht so gut wie er. Gezielt und konsequent hat er seine Karriere vorangetrieben. Schon während des Woytila-Pontifikats war es de facto Ratzinger, der herrschte, weil sich sein Papstvorgänger nicht für kuriale Kabale interessierte und viel reiste.

Insofern war es auch alles andere als überraschend, daß Ratzinger ihm auf den Papstthron nachfolgte. Er hatte das richtige Alter (nach einem solchen Megapontifikat wird nie ein junger Kardinal gewählt, weil man eine kürzere Übergangszeit braucht, um sich zu sortieren) und er hatte die richtigen Verbindungen.
 Schließlich verdankte die Mehrzahl der berechtigten Wähler des Konklaves Herrn Ratzinger die Erhebung zum Kardinal.

Der Papst ist ein Vatikangewächs wie kaum ein Pontifex vor ihm.

Obwohl nun alles den Bach runter zu gehen scheint, lieben die Vatikaner ihren Chef, konstatiert die ZEIT:

Wer nur lange genug beim Wein mit den Kirchenmännern zusammensitzt, der hört Vatikankritik, die selbst Luther erblassen ließe. Über den Vatikanstaat: »Wir sind durch Vetternwirtschaft genauso vergiftet wie der ganze politische Organismus Italien. « Über die Kurie: »Wir haben zu viele mittelmäßige Leute, weil die uns von den Bischöfen geschickt werden, und wer gibt schon gern freiwillig einen guten Mann weg.« Über die Kardinäle: »Das Schlimmste ist, wenn ein Priester Macht will. Dann entsteht gottloses Kirchentum. Papst Benedikt hat sich unbeliebt gemacht, weil er gegen eine bestimmte pseudochristliche Betriebsamkeit kämpft.« Ja, das Erstaunliche ist, dass hier keiner den Papst kritisiert. Alle bewundern ihn als Wahrheitsapostel und Vatikanaufklärer, sie preisen seine, wie sie sagen, franziskanische Art der Verkündigung. Anders als in Deutschland kritisiert in Rom niemand seine Härte in Glaubensfragen. Darin liegt die Tragik. Dass der Papst zu Hause als Reaktionär kritisiert und in Rom als Protestantenfreund beargwöhnt wird. Dass der Vatikan aufbrechen muss, aber nicht kann, weil er sich ständig angegriffen fühlt. Sich nach außen verteidigt. Und so scheint gerade den treuesten Gottesdienern die Lage hier manchmal aussichtslos: »Wir sind eine sterbende Kirche. Wir sind eine geschlagene Armee. Das Ende ist abzusehen.«
(26.07.12 s.55)

Ja, der arme Ratzi. So eine Tragik.
 Die nörgelnden Deutschen bezichtigen ihn erzkonservativ zu sein und dabei gibt er sich solche Mühe es Allen Recht zu machen.

In Wahrheit verfolgt der Papst seine reaktionäre Agenda seit Dekaden unverändert. 
Wer es wagte zu widersprechen, wurde von ihm eiskalt abgesetzt.
 Das krasseste Beispiel dafür sind die Befreiungstheologen Südamerikas, die statt der faschistischen Folterregime lieber die notleidenden Armen unterstützen wollten.

Aber nicht mit Diktatorenfreund Ratzinger, der die Kirche der Armen erbarmungslos zerschlug. 

Mitleid kannte er nur gegenüber Kinderfickern, die er mit Engelsgeduld vor Strafverfolgung bewahrte und in der Kirche behielt.

Wie Ratzinger sich die Zukunft der Kirche vorstellt zeigen eindeutig seine Ernennungen:

Ratzinger hat eine tiefe Abneigung gegen Dunkelhäutige und fremdelt erkennbar auf anderen Kontinenten.

Kardinäle aus Entwicklungsländern beruft der gegenwärtige Papst praktisch nicht mehr und bläst stattdessen exzessiv die Europafraktion auf.

Bei der Kreierung der 22 neuen Kardinäle im Februar 2012 waren allein 16 Europäer! 
Obwohl Europa nur noch zehn Prozent der Weltbevölkerung stellt, erhebt Ratzinger 73% Europäer. 

Die Botschaft an die bevölkerungsreichsten katholischen Länder Nigeria oder Brasilien ist klar: „Ich halte Euch für irrelevant. Unwürdig für die höchsten Posten!“

Allein sieben Kardinäle stammen aus Mailand, welches ungefähr so groß wie München ist.

Von den 22 neuen Würdenträgern sind zehn an der Kurie in Rom tätig, 16 stammen aus Europa, vier sind älter als 80 Jahre, darunter auch Kardinal Becker. Mit den jüngsten Ernennungen erhöht sich die Zahl der Kardinäle auf 213, so viele wie noch nie. Unter ihnen sind 125 potentielle Papstwähler. In dieser Gruppe hat das Gewicht der Europäer und vor allem Italiener erneut zugenommen - Benedikts Vorgänger Johannes Paul II. hatte noch darauf geachtet, die Zahl der Kardinäle aus der so genannten Dritten Welt zu erhöhen. 30 der 67 europäischen Kardinäle unter 80 sind nun Italiener. 22 Purpurträger kommen aus Südamerika, 15 aus dem Norden des Kontinents; elf aus Afrika, zehn aus Asien und dem Pazifikraum.

Aber zurück zum Ist-Zustand. 
Wieso ist der Vatikan in so einer desolaten Verfassung, obwohl er einen derart brillanten und beliebten Chef hat?
Ratzi ist zu isoliert und bekommt nichts mehr mit. Dies beklage auch ein Insider, ein nicht namentlich genannter „Prälat“, der die Journalisten aus Hamburg empfing, um ihnen zu erklären worum es beim Machtkampf in Rom gehe.

»Das Problem sind die Vatikanfinanzen. Ich bete jeden Tag um eine Gelegenheit, dem Papst das zu erklären.« Leider spricht der Papst seit Wochen nur noch mit den allervertrautesten Kardinälen. Um ihm etwas mitzuteilen, muss man den Postweg benutzen, aber die Post öffnet der Heilige Vater natürlich nicht selbst. Manche im Vatikan finden, der letzte sichere Weg der Nachrichtenübermittlung an ihren obersten Chef seien die Zeitungen. Die muss er lesen. Deshalb sitzen wir hier, der Prälat hofft, dass die Journalisten dem Papst seine Wahrheit mitteilen. Dessen einziger offizieller Kommentar zu VatiLeaks bisher war eine Beschimpfung der teuflischen Presse und der angeblich von ihnen angestifteten Geheimnisverräter in den eigenen Reihen. Er wollte sagen, dass die Feinde von draußen kommen. Es ist die Paranoia aller geschlossenen Systeme: Man steckt in einer inneren Krise und fühlt sich bedroht von außen.
(26.07.12 s.55)

Der arme Ratzi.

Unfassbar, daß die Unwissenheitsmasche immer noch zieht. 
Schon 2009 hatte er sich damit rausgeredet nichts von Bischof Williamsons Holocaustleugnung und den ultrareaktionären Ansichten der Pius-Bischöfe gewußt zu haben, als er sie wieder in die Kirche aufnahm.

Der Papst! UNFEHLBAR, aber leider unwissend!

Und das in einer Angelegenheit, für die er über Jahrzehnte als Experte gedient hatte!
 Schließlich war es der Chef der Inquisition, Kardinal Ratzinger, welcher das Exkommunikationsverfahren gegen die Piusbrüder durchgeführt hatte.

Und nun erfahren wir wieder, der gute Papst hocke oben in seinem Arbeitszimmer und wäre so von der Welt isoliert, daß ihn noch nicht mal wichtige Vatikan-Größen sprechen könnten.

Das Schweigen ist Schwerstarbeit, auch für den Papst. Während der heißen Sommertage, als die Ermittlungen in Rom noch laufen, brennt bis spät in die Nacht Licht in seinem Arbeitszimmer im Apostolischen Palast. Man sieht es vom Petersplatz aus, drittes Fenster von rechts. Das Licht beweist, dass es den unnahbaren Pontifex wirklich gibt. Den abwesenden Vater, papa absconditus. Nur manchmal, zur festgelegten Stunde des Tages, schaut er aus dem Fenster zur Piazza San Pietro, zu den Touristen hinunter, um sein Angelusgebet zu sprechen.
(26.07.12 s.55)

Daß ein kleines Problemchen mit dem Istituto per le Opere di Religione (IOR) besteht, hat papa absconditus noch gar nicht bemerken können. 
Das ist ja auch etwas ganz Neues. 
Noch nie in der Vergangenheit gab es Unregelmäßigkeiten bei den Vatikanfinanzen.

Aber vielleicht stimmt es ja tatsächlich, daß sich der Papst nur mit den Glaubens-essentiellen Dingen beschäftigt.

Denn der Pontifex Maximus wird nur bei Vorgängen von universaler Bedeutung persönlich aktiv wird.

Zum Beispiel das Titelbild einer kleinen satirischen Zeitschrift aus Frankfurt.

Da wirft der flotte Ratzi sich in für den Vatikan sagenhafter Geschwindigkeit in die Schlacht.
Eine Fotomontage duldet er nicht.

"Wir danken dem Heiligen Vater für sein Interesse an unserem Magazin und bitten erneut um den päpstlichen Segen", sagte Fischer in einer Mitteilung gewohnt ironisch. Das Verbot der vergangenen Ausgabe habe eine Auflagensteigerung von mehr als 70 Prozent bewirkt, in den Bahnhofsbuchhandlungen sei die Ausgabe ausverkauft gewesen. "Nun hoffen wir, dass der Heilige Stuhl auch diesen neuen Titel ähnlich abwegig und rufschädigend interpretiert", sagte der "Titanic"-Chefredakteur. Es ist das erste Mal, dass ein Papst zivilrechtlich gegen die "Titanic" vorgeht.