Mittwoch, 11. Juli 2012

Gewissheiten.




Es gibt Phänomene, über die in der öffentlichen Darstellung fast Konsens herrscht.

Volksbefragungen = GUT!

Geburtenrückgang = SCHLECHT!

Patriotismus und Fahnenschwenken = GUT!

Hohe Scheidungsrate = SCHLECHT!

Hitze und Sonnenschein = GUT!

Hohe Benzinpreise = SCHLECHT!

Fußball-WM = GUT!

Mitgliederschwund bei den Kirchen = SCHLECHT!

Gewaltige Exportüberschüsse = GUT!

Großstädte werden zu Single-Hochburgen = SCHLECHT!

Superbillge Flugtickets = GUT!

Man könnte die Liste fortführen. Viele Themen haben eine entweder rein positive oder rein negative Berichterstattung.
Entweder ist das ein Zeichen von miesem Journalismus oder ich bin ein Außenseiter in gewaltiger Potenz! Zu allen Punkten vertrete ich die diametral entgegengesetzte Meinung!

Das Hauptproblem des Planeten Erde ist meiner Ansicht nach die massive homo-sapiens-Infektion. 7,056 Milliarden Stück gibt es davon augenblicklich. Tendenz stark steigend. Mit am dichtesten besiedelt ist Deutschland. Daß dieses Land eines Tages nur noch die Hälfte der Einwohner haben könnte, halte ich für eine feine Sache.
 Andere Nationen sind mit viel kleinerer Bevölkerungszahl hochzufrieden. 
Oder sind Schweden und Norweger deprimiert, weil sie so wenige sind?

Die Möglichkeit der Ehescheidung halte ich auch für eine grandiose Angelegenheit. Was für ein Fortschritt, daß insbesondere Frauen nicht mehr in einer Ehehölle ausharren müssen, in der sie verprügelt und unterdrückt werden.
 Über Jahrhunderte war das so, weil es gar keine Alternative gab.
Ich behaupte auch, daß es für Kinder viel besser ist, wenn sich die Eltern trennen, statt ständig Streit zu Hause erleben zu müssen. 

Es ist auch im Sinne der Ökologie und Nachhaltigkeit zu begrüßen, wenn Benzin- und Kerosinpreise so exorbitant hoch sind, daß die Menschen tatsächlich deutlich weniger Auto fahren und nicht andauernd Flugreisen unternehmen, um die Ozonschicht zu ruinieren und mit Hotelhochhäusern zugeballerte Orte wie Lloret de Mar zu generieren.

Und nun sprudeln mal wieder alarmistische Meldungen über die immer höhere Quote der Singlewohnungen durch die Presse.
Wie furchtbar!!
2011 lebte nur jeder siebte Kleinstädter allein, aber fast jeder dritte Großstädter. Je mehr Menschen sich also für das Stadtleben entscheiden, desto mehr Single-Haushalte gibt es. Sie sind unter anderem eine Begleiterscheinung des zunehmend urbanen Lebensstils.   […] So stieg die Zahl der großstädtischen Single-Haushalte bei den 35- bis 65-Jährigen im erhobenen Zeitraum sogar um 61 Prozent. Anders als bei den jungen Leuten ist dies kein urbanes Phänomen. Obwohl die Zahl und Quote der Single-Haushalte in den Kleinstädten insgesamt niedriger ausfällt als in den großen Städten, steigt sie dort in diesem Alterssegment ganz besonders rapide - um 73 Prozent in 20 Jahren. […]  Die Zahl der Ehen ist rückläufig, dafür hat sich die Zahl der allein lebenden Verheirateten innerhalb von 20 Jahren verdoppelt. […]  Nicht nur Verheiratete leben öfter allein als früher, auch die Zahl der Haushalte mit ledigen Singles ist von 1991 bis 2011 um 67 Prozent gestiegen; die Zahl der geschiedenen Singles stieg um 81 Prozent - nur die Zahl der Witwen sinkt beständig. Das neue Alleinsein ist keine Frage des Alters.

Diese Zahlen ergeben sich übrigens aus dem Mikrozensus, dessen Ergebnisse Patalong gerne so interpretieren würde, daß Singles unfreiwillig Singles sind, daß sie diesen Zustand gerne beenden würden und daß man sie bedauernd sollte.

Statistische Daten sind gar nicht so leicht zu deuten. 
Und man sollte ihnen bekanntlich nur trauen, wenn man sie persönlich gefälscht hat.

Bei der Datenerhebung haben die deutschen Behörden übrigens wie beim Meldegesetz oder der NSU-Analyse ihr großes Können gezeigt.

Ich zum Beispiel wurde gleich mehrfach gezählt. 
Hat mir aber nichts ausgemacht, da der „freiwillige Helfer“ mir die Fragebögen immer zugeschickt hat und ich allein nach Herzenslust dies und das ankreuzen konnte.
Dadurch war ich so geübt, daß ich auch noch die weiteren beiden Bögen ausfüllte und zurückschickte - sozusagen als Kompensation, weil bei anderen Gezählten gar keine Fragebögen ankamen. 

Briefe an verstorbene Hausbesitzer, leere Bescheide ohne Fragebogen: Die Antwort der schleswig-holsteinischen Landesregierung auf eine Kleine Anfrage des CDU-Abgeordneten Werner Kalinka zeigt eine Reihe von Pannen bei der Volkszählung 2011 im Norden auf. […] Das Statistikamt Nord hatte für Hamburg und Schleswig-Holstein 50.000 Bescheide für die Gebäude- und Wohnungszählung verschickt. Allein in Schleswig-Holstein seien jedoch 26.000 von 32.000 nichtig, weil Fragebogen fehlten. Der Grund: menschliches Versagen beim Druckdienstleister.   Außerdem wurden Tote angeschrieben, weil die Anschriften der Hauseigentümer veraltet waren. Viele, die ihre Fragebögen online ausfüllten, bekamen erneut Post. Sie hatten ihre Bogen aus Versehen nicht verschickt, weil allein ein Ausdruck schon als Sendebeleg gewertet wurde.

Die Datengier hatte sich aber schon Monate vorher angekündigt, als das Statistikamt Nord massenhaft Menschen abmahnte endlich die Fragebögen auszufüllen, obwohl sie schon längst gezählt worden waren.
 Doppelt und dreifach hält eben besser.

Seit Tagen erreichen etwa sogenannte Erinnerungsschreiben ungerechtfertigt Gebäude- und Wohnungseigentümer, die ihre Daten bereits übermittelt hatten. Das Statistikamt Nord selbst meldete zuvor, dass schon 158 000 von 288 000 angeschriebene Hamburger Immobilienbesitzer ihrer Auskunftspflicht gegenüber dem Zensus nachgekommen waren. Dennoch verschickten die Erhebungsstellen 350 000 Mahnschreiben in Hamburg und Schleswig-Holstein. "Der Fehler lag im System", sagt Annette Olbrisch, Referatsleiterin der Hamburger Zensusstelle. […]Beispielsweise hatte der Hamburger Herbert Lühmann laut ausgedrucktem Internetprotokoll seine Daten bereits am 23. Mai um 14.52 Uhr erfolgreich übermittelt. Jetzt erhielt er trotzdem die Aufforderung, seine Angaben baldmöglichst zu machen. "Ich halte diese Arbeitsweise für absolut unglaublich", sagt er und mache sich ernsthaft Sorgen um seine Daten, "wenn das Statistikamt nicht mal in der Lage ist, die internen Vorgänge vernünftig zu koordinieren."
Diese Sorge treibe seit der vergangenen Woche viele Hamburger um, bestätigt Datenschützer Johannes Caspar. "Bei uns haben sich vor allem diejenigen gemeldet, die mehrere Fragebögen in einen Umschlag gesteckt haben und nun Mahnschreiben bekommen. Das war schon eine Menge, und hier muss man sagen, dass das nicht gut gelaufen ist."

„Nicht gut gelaufen“ - diese euphemistische Formulierung könnte man durchaus zum Motto erheben.

Dienstag, 10. Juli 2012

Gesundgeschrumpft!




Volksabstimmung, Volksabstimmung  - wie mich das nervt.
Wenn schon den Bundesverfassungsrichtern mit ihrem gesammelten Hochschul-Sachverstand die Köpfe über dem ESM-Schirm rauchen; wie sollte so eine Materie von Frau Puvogel auf der Straße entschieden werden?

Weltweit kann man beobachten, daß die Wähler aus Doofheit sogar gegen ihre eigenen Interessen wählen. So ist der US-White-Trash in den Trailerparks eine verlässliche Stütze der Republikanischen Partei und schaufelt die Milliarden damit zu den Superreichen.

Unter den dümmsten und ärmsten Deutschen rekrutiert die CDU ihre Stammwählerschaft.

Wie soll eine sinnvolle Volkswahl dann erst bei Themen funktionieren, die man tatsächlich am besten GEGEN kurzfristige nationale Interessen entscheiden sollte?

Der Urnenpöbel neigt eher zu Schwarmdummheit und daher bin ich froh, daß wir eine repräsentative Demokratie haben, in der professionelle Volksvertreter, die sich in die Materie einarbeiten, über schwierige Fragen entscheiden.

Natürlich würde es mir leichter fallen diese Überzeugung zu vertreten, wenn die Parlamentarier nicht fortgesetzt ihre totale Doofheit beweisen würden. 
Die Interviews von PANORAMA und anderen Politmagazinen, die im Plenum nach den simplen Eckpunkten von Gesetzen fragen (Welche EU-Länder haben eigentlich schon Geld aus dem Rettungsschirm bekommen, wie viel deutsches Geld ist in Griechenland?) und großes Rätselraten der Abgeordneten ernten, sind Legende.

Gerade haben sie es als brave Lobby-Erfüllungsgehilfen verstanden Benzinverbrauch und Klimazerstörung zu forcieren, indem sie schwere dicke deutsche PS-Protz-Autos als besonders umweltfreundlich einstufen ließen.

Triumpf für die Autolobby in Brüssel vermeldet SPON. 
Na, ob das nicht Elfriede Meier auf der Straße doch sinnvoller entscheiden hätte?

Die Hersteller schwerer Limousinen wie etwa BMW und Daimler sollen es künftig einfacher als die Hersteller leichter Kleinwagen haben, die neuen Klimaschutzvorgaben zu erfüllen.. […]
Das Ergebnis sei eine deutliche Erleichterung für die deutschen Oberklassehersteller wie BMW und Daimler, die große und schwere Limousinen produzieren. Als Gegner der Deutschen traten in Brüssel die Hersteller leichterer Kleinwagen wie Fiat, Toyota und Renault auf.

Und nun das neue Meldegesetz, über das die ganze Republik lacht:

 In 57 Sekunden hatte der Deutsche Bundestag mit den Stimmen der Regierungsfraktionen mal eben so auf Wunsch von ein paar Lobbyhörigen CSU- und FDP-Parlamentariern verfügt, daß Ortsämter zukünftig private Daten der Bürger verkaufen dürfen.

Dabei sind die Parlamentarier von CDU, FDP und CSU so unfassbar dämlich, daß sie gar nicht merken, welches Gesetz sie da verabschiedeten.

So löppt dat im Bundestag!

Von einem Datenschutzskandal ist jetzt die Rede, von einer "Nacht- und Nebel-Aktion" des Bundestages. Die Abgeordneten müssen Hohn und Spott über sich ergehen lassen.
 Für Außenstehende muss es tatsächlich merkwürdig wirken: Innerhalb von 57 Sekunden wird das Gesetz vermeintlich durchs Parlament gejagt. Die Reden dazu werden lediglich zu Protokoll gegeben. Die Redner sind während der Sitzung gar nicht anwesend - ihre Texte lediglich im schriftlichen Protokoll nachzulesen.

Es ist eine Sache sich mit Bundestagsparteien zu beschäftigen, die andere Meinungen vertreten, als die, die ich klug finde.

Aber diese sagenhafte UN-Professionalität, mit der insbesondere Merkels Laienschar durch das politische Theater stolpert, bereitet mir ernsthaft Kopfschmerzen.

Die derzeitige Form des Parlamentarismus in Deutschland scheint ungefähr so gut zu funktionieren wie der Verfassungsschutz. Wenn sich struktureller Informationsmangel und Arbeitsüberlastung sehr lieb haben, dann bekommen sie ein Kind namens Unprofessionalität.
Wir werden unprofessionell regiert in Zeiten, in denen handwerkliche Professionalität der absolute Mindeststandard sein müsste. […]
Nach Informationen von Abgeordnetenwatch soll Hans-Peter Uhl (CSU) die seltsamen Änderungen am Meldegesetz vorangetrieben haben. Uhl fordert hauptberuflich bei jeder Gelegenheit und auch zwischen den Gelegenheiten die Vorratsdatenspeicherung. Offenbar wird Uhl von einer großen Liebe zur Datenspeicherung um jeden Preis getrieben, vielleicht sollte er Archivierungskurse geben beim Verfassungsschutz.
[…] Die eingangs erwähnte, erschütternde Unprofessionalität der Regierung ist auch überdeutlich geworden, während sich das regierte Volk so einig ist wie niemals zuvor. Bei einer nicht repräsentativen Online-Umfrage von tagesschau.de haben sich von über 65.000 Teilnehmern unfassbare 99,1 Prozent gegen das Gesetz ausgesprochen.

Auch wenn ich es für falsch halte; es ist kein Wunder, daß mehr und mehr Desillusionierte ihre Parteibücher zurückgeben.

Ich fasse meins auch nur noch mit einer Kneifzange an, wenn ich an Deppen wie Nahles und Tierse denken muß.
Wäre ich Mitglied bei einer der Regierungsparteien, hätte ich mein Büchlein schon längst in einer Jauchegrube versenkt.

Offensichtlich haben viele Christdemokarten genau diesen Drang und so kann ich als Sozi stolz verkünden:

Wir sind nach vier Jahren wieder MITGLIEDERSTÄRKSTE PARTEI! Yes!

Internen Aufstellungen der Parteien zufolge hatte 
die SPD Ende Juni 483226 Mitglieder, die CDU 482951.

Korrekter müßte es heißen: Die SPD ist wieder die weniger mitgliederschwache Partei. 
Die Austrittsströme sind etwas langsamer als die in der CDU.
Daß die SPD in den 1970er Jahren allein in Westdeutschland mal über eine Million Mitglieder hatte, ist ohnehin kaum noch vorstellbar.

In den letzten zwei Monaten flohen 1.446 Mitglieder aus Merkels Partei, während „nur“ 1.156 Mitglieder aus der SPD austraten.

In der letzten bekannt gegebenen Statistik rangierten die Sozialdemokraten noch 15 Mitglieder hinter den Christdemokraten. 484397 Mitglieder hatte die CDU Ende April, die SPD kam nur auf 484382. […] Zu dem Erfolg hat auch der Triumph von Hannelore Kraft bei der Landtagswahl im Mai beigetragen. Nordrhein-Westfalen sei 'ein richtiger Schub' gewesen, heißt es im Willy-Brandt-Haus.
(SZ 10.07.12)

Das ist die moderne Dialektik à la Nahles und Co: 
Wenn in acht Woche über tausend Mitglieder aus der Partei austreten, wird das mit den Worten „Schub“, „Triumph“ und „Erfolg“ bewertet. 
Immerhin ist man wieder vor der CDU, die noch mehr Leute verlor.

Montag, 9. Juli 2012

Neues vom Kabinettsküken.




In Deutschland erblickten letztes Jahr 663.000 Neugeborene das Licht der Welt.
Das waren mal doppelt so viele vor 40 Jahren.
Dabei scheißen die konservativen Familienpolitiker doch Eltern geradezu mit Geld zu. Weswegen gebären die nicht mehr?
Kristina Schröder steht vor einem Rätsel. Lediglich ihre Vorgängerin Ursula von der Leyen hatte es vor vier Jahren geschafft einen Anstieg in der Geburtenrate zu verkünden. Endlich mal eine Erfolgsmeldung.
Wie war ihr das gelungen?

Nun, ganz einfach: Sie hatte gelogen, daß sich die Balken bogen und als rauskam, daß die Geburtenrate in Wahrheit sogar gesunken war, tauchte die zweitbeliebteste Politikerin Deutschlands ab. 
Das Übliche eben.

Deutschland liegt seit vielen Jahren am Ende der Geburtenskala. Irland liegt mit 16 Geburten pro 1000 Einwohner in Europa ganz vorn, vor Frankreich(12), Großbritannien (12), Spanien (11), Schweden (10), Italien (9), Deutschland (8).   Deutschland gibt mit 195 Milliarden Euro in 2009 12 Milliarden mehr für die Förderung der Familie aus als 2005. Davon entfallen fünf Milliarden auf das Elterngeld. Diese Rechnung beinhaltet aber das Ehegattensplitting (Kosten: 20 Mrd. Euro im Jahr), das auch kinderlosen Ehepaaren zugutekommt. Von den 192 Milliarden sind 72 Milliarden rein „ehebezogen“.

Daß die Entscheidung Kinder zu bekommen nicht ausschließlich vom Geld abhängt, wollen CDU-Familienministerinnen nicht begreifen. 
Zig Milliarden werden als „Familienleistungen“an Menschen verteilt, die gar keine Kinder haben und/oder ohnehin Millionäre sind.

„Fälle“ mit Kind aber ohne Trauschein oder ohne Partner oder mit Partner aber dafür nicht heterosexuell, gelten in der Welt der von der Leyens und Schröders hingegen nicht als Familie.

Welche Maßnahmen tatsächlich zu einer höheren Geburtenrate führen könnten, ist mehr als offensichtlich:
Betreuungsangebote, Kitaplätze, Ganztagsschulen.

Aber um das umzusetzen, müßte Frau Schröder ja etwas tun und das hasst sie! 
Lieber winkt sie die Bildungsfernhalteprämie durch, die dafür sorgt, daß der Nachwuchs verblödet und die Prekariatler, die ohnehin keinen Job haben, sich vermehren.

„Mit der Herdprämie ist nicht nur mehr Geld im Haus, sondern immer auch ein Balg, das man zum Bierholen schicken kann.“
(Martin Kaysh)

Nein, sinnvolle Arbeit ist nicht so Kristina Schröders Ding.

Sie könnte sich zum Beispiel endlich darum kümmern ein Gesetz für Babyklappen auf den Weg zu bringen. 
Knapp 100 gibt es davon mittlerweile in Deutschland.
 Statt sein Baby auf dem Dachboden mumifizieren zu lassen, aus dem Fenster zu werfen, im Wald auszusetzen, in Blumenkübeln einzugraben, es in Tiefkühltruhen zu lagern oder einfach in den Müll zu werfen, scheint es Konsens zu sein, daß es irgendwie humaner ist Neugeborene in Krankenhäusern abzugeben.

Die Betreiber der Klappen operieren ohne klare gesetzliche Grundlage, seit vor zwölf Jahren die erste eröffnet wurde. Der Umgang mit den abgegebenen Kindern erscheint einigen Experten so undurchsichtig wie die Rechtslage.
Das Deutsche Jugendinstitut (DJI) hat der Bundesregierung in einer Studie empfohlen, endlich einen eindeutigen gesetzlichen Rahmen für Babyklappen zu schaffen.
(SPIEGEL 09.07.12)

Naja, „Konsens“ ist vielleicht übertrieben. 
Schröders Ministerium findet Babyklappen bähbäh.

"Die Duldung von Babyklappen ist die Duldung rechtswidrigen Tuns." Neue Klappen sollten nicht mehr zugelassen, bestehende Einrichtungen nur unter strengen Auflagen geduldet werden.
Kinder, die in Babyklappen gefunden würden, seien künftig "unverzüglich" in die Obhut der Jugendämter zu geben, forderten die Fachreferenten. Bei Verstößen gegen solche "unverzichtbaren Mindestanforderungen" müssten die zuständigen Sozialbehörden der Länder "konsequent einschreiten". Andernfalls müsse vorsorglich "ein explizites Verbot von Babyklappen in das Gesetz aufgenommen werden".
(SPIEGEL 09.07.12)

Nun hat die Ministerin den Stecker gezogen und tut mal wieder so, als ob sie nicht dazu gehört. Ärger mit den Klappenbetreibern und Befürwortern scheut sie - also unternimmt sie gar nichts.

Rechtssicherheit? Interessiert Schröder doch nicht und mehr Klappen will sie ohnehin nicht.

Dafür hat Merkels Totalausfall des Bundeskabinetts eine ganz andere Spitzenidee entwickelt.
 Sie will dem „Koma-Saufen“ einen Riegel vorschieben, indem sie Jugendlichen unter 16 Jahren einfach grundsätzlich das Ausgehen verbieten will!

Laut der „BamS“ gibt es eine Vorlage des Schröder-Ministeriums, die sich bereits in der regierungsinternen Ressortabstimmung befindet.
 Demnach sollen öffentliche Veranstaltungen mit Alkoholausschank nach 20 Uhr für Jugendliche unter 16 Jahren ohne Begleitung eines Erziehungsberechtigten künftig untersagt sein. Auch zu Konzerten wie denen von Justin Bieber müssten Eltern also mit.

Ein genialer Plan. 
Und so ungeheuer durchdacht. 
Außerdem sehr praktikabel, denn in einem Land, in dem alle Kinder zwei von der Herdprämie zu Hause gefesselte Eltern haben, können die Kinder ja auch unter ständiger Obhut bleiben. 

Daß 16-Jährige frei draußen rumlaufen dürfen ist ohnehin ein Anachronismus aus den 68ern. 
Dieser ausufernde Liberalismus muß endlich abgeschafft werden.
 Dann gibt es auch keine Drogenproblematik, kein Komasaufen und keine Jugendkriminalität mehr.

Deutsche Kinder sollten vor der Volljährigkeit gar nicht mehr vom Gameboy und der Glotze getrennt werden dürfen. 

Wie man hört, soll diese sogenannte „frische Luft“ draußen auch die Lungenbläschen überanstrengen und dieses helle Sonnenlicht ist auch nicht gesund für Teenagerhaut!

Völlig unverständlich, daß diese linken Socken von der Süddeutschen nun schon wieder was zu meckern haben:

Der Vorschlag mag für manche Pädagogen und Verbotsverfechter verlockend klingen. Dennoch ist zu wünschen, dass er dort verschwindet, wo manch ähnlich unsinnige Idee bereits gelandet ist: im Papierkorb.
Denn es braucht wahrlich keine neuen Reglementierungen. Kein Jugendlicher lernt den vernünftigen Umgang mit Bier, Wein und Schnaps über noch mehr Verbote. Vorbilder können hier viel mehr bewirken. Eltern, die sich nicht ans Steuer setzen, wenn sie mal ein Glas zu viel getrunken haben. Lehrer, die Alkohol nicht verteufeln, aber die Gefahren auch nicht verharmlosen. Und Politiker, die nicht mit seltsam realitätsfernen Ideen in den Kampf gegen das Komasaufen ziehen.

So ein Unsinn.
Kristina Schröder hat hier in Wahrheit eine grandiose Idee nur noch nicht ganz zu Ende gedacht.

Das langfristige Ziel sollte es sein alle unter 21-Jährigen zu kasernieren.
 Die Insel Rügen zum Beispiel böte sich als Jugend-Ghetto an.
Dort könnte man dieses nervende junge Gemüse unter militärischer Aufsicht drillen und zu guten CDU-affinen Staatsbürgern formen.
Und wer würde sie schon vermissen in Restdeutschland?
Die Eltern könnten ihrer Arbeit nachgehen, bzw die Herdprämie verpulvern.
 Jugendliche nerven doch nur in der Öffentlichkeit, nehmen die Plätze in Bussen weg, lärmen auf der Straße und atmen einem die Luft weg. 
Jawohl!
Ich bin Frau Merkel wirklich dankbar, daß sie so vorausdenkende Minister das Land regieren lässt!

Sonntag, 8. Juli 2012

Hartnäckig blöd.



Never change a winning team. 
 So lautet ein sinniger Spruch aus Politik und Wirtschaft.
Der Umkehrschluß müßte lauten: 
Wenn etwas andauernd auf die Schnauze fällt, sollte man mal etwas anderes ausprobieren.

Offensichtlich ist so eine Weisheit aber in der Politik unbekannt. 
Sonst müßten Dauer- und Ausschließlich-Versager wie Ronald Pofalla, Annette Schavan, Guido Westerwelle und Kristina Schröder längst aus Merkels Kabinett geworfen worden sein. 
Setzte die Kanzlerin stattdessen auf Lothar Matthäus, Verona Feldbusch und Kader Loth, könnte es nur besser werden.

Bei den politischen Strategien sieht es noch viel übler aus.

Seit zig Jahren schaufelt man beispielsweise durch das Ehegattensplitting viele Milliarden Euro zu den reichen, kinderlosen Paare und garantiert, daß die Kinder alleinerziehender Mütter im Regen stehen bleiben.

Besonders gaga ist auch das sogenannte „Kilometergeld“ (eigentlich Entfernungspauschale), mit der Benzinverbrauch und Umweltzerstörung mit Milliarden subventioniert werden. 
Genau umgekehrt wäre es richtig.

Die Pendlerpauschale sollte abgeschafft, die Pendler sollten stattdessen besteuert werden. „Abgase, Verkehrslärm, Stau oder Parkplatzmangel könnten gute Gründe sein, die Pendlerpauschale abzuschaffen und sie durch eine Pendlersteuer zu ersetzen“, sagte der Leiter des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts (HWWI) der Hamburger Morgenpost am Freitag. „Damit könnten Städter für das Leid entschädigt werden, das ihnen autofahrende Pendler antun.“

Noch immer sind trotz einer PISA-Keule nach der Nächsten konservative Politiker von dem extrem ungerechten und kontraproduktiven Selektionsschulsystem in Deutschland nicht abzubringen. 
Man maßt sich an Kinder mit neun, zehn Jahren auf Haupt-, bzw Restschulen zur Chancenlosigkeit zu verdammen. 
Die Kinder, die pädagogische Hilfe und schulische Betreuung am nötigsten hätten, bekommen davon am wenigsten.

Mit sagenhafter Hartnäckigkeit verfolgt die internationale Staatengemeinschaft in einigen Fällen auch das Konzept der Militärintervention. 
Rein willkürlich selbstverständlich.  
 In Staaten, in denen aufgrund von gewaltigen Leichenbergen ein militärisch durchgesetztes „Nationbuilding“ am ehesten sinnvoll wäre, wie dem Kongo, Syrien, Nordkorea, Somalia oder dem Sudan wird noch nicht einmal dran gedacht.

Der Zweite Weltkrieg dauerte fast sechs lange grausame Jahre. In Afghanistan ballern die amerikanischen Alliierten schon doppelt so lange rum.
99% der Mittel werden für das Militär ausgegeben. Systematisch hat man die Afghanen dazu gebracht die Besatzer zu hassen. 
Befürworter des fortdauernden militärischen Engagements verweisen auf die Verbesserung der Situation der Frauen und all die Mädchen, die nun zur Schule gehen dürfen.
Blöd nur, daß die Taliban zurück sind und die Schulen wieder niederreißen. Umdenken kann man nicht aufoktroyieren. Die Anerkennung der Frauen läßt ebenfalls zu wünschen übrig.

Ein Taliban hat nach Worten eines Provinzgouverneurs eine mutmaßliche Ehebrecherin auf offener Straße hingerichtet. Die Tat habe sich vor etwa einer Woche im Dorf Kimchok in der Nähe der afghanischen Hauptstadt Kabul ereignet, berichtete Gouverneur Basir Salangi am Samstag.
Der Nachrichtenagentur Reuters liegt ein dreiminütiges Video vor, welches das Verbrechen zeigt. […]  Die Aufzeichnung zeigt einen mit einem Turban gekleideten Mann, der unter den Augen von etwa 150 jubelnden Männern fünfmal mit einer Automatikwaffe auf eine am Boden kniende Frau schießt. Ein Beobachter sagt: "Es ist Allahs Befehl, dass sie hingerichtet wird."
[…] Menschenrechtsexperten beobachten seit einiger Zeit die wachsende Gewalt gegen Frauen am Hindukusch. Als die Taliban von 1996 bis 2001 an der Macht waren, wurden Ehebrecherinnen stets öffentlich hingerichtet.

Vielleicht ist die Strategie des Westens doch etwas suboptimal?

Nach wie vor ist Afghanistan der Hauptopiumproduzent der Welt. 
Das Zeug wächst da gut und ist oft die einzige Möglichkeit für einfache Bauern ihre Familien zu ernähren. 
 Hauptsächlich werden damit aber Warlords, Drogenbarone und Waffenhändler reich. 
Möglich macht es die Kriminalisierung des Opiumanbaus, die die Droge so teuer macht.

Vor fünf Jahren hat dazu ausgerechnet „Mr. Fettnapf“ der deutschen Politik einen sinnvollen Vorschlag unterstützt: 
Dirk Niebel empfahl den Aufkauf der Opium-Ernte in Afghanistan. Auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn.
 Selbstredend will er davon nichts mehr wissen, seitdem er Macht hat.

Rückblick:
Afghanistan wurde 2004 von einer Anti-Mohn-Kampagne überrollt. Ein Bericht der Vereinten Nationen vom November 2003 warnte, dass der afghanische Mohnanbau im Jahr 2004 auf Rekordhöhe geschnellt war. Mit einem geschätzten Wert von 2,4 Milliarden Dollar macht der Mohnhandel 60 Prozent der Wirtschaft des Landes aus und versorgt die Welt mit 87 Prozent des insgesamt verbrauchten Opiums. Auf den UN-Bericht reagierte Präsident Hamid Karsai mit einen nationalen »Dschihad gegen die Drogen«, und die internationale Gemeinschaft erhöhte ihr Antidrogenbudget auf fast eine Milliarde Dollar.
2/3 der Landbevölkerung Afghanistans hängen direkt von der Mohnernte ab und nachdem man sie schon nicht gerade durch das militärische Rambo-Vorgehen der Amis wirklich begeistern konnte, wurde im Januar 2004 wurde eine afghanische Einheit für Drogenbekämpfung ins Leben gerufen; im Jahr 2004 beschlagnahmte sie 80 Tonnen Opiate sowie 30 Tonnen Vorläuferchemikalien und zerstörte 70 Drogenlabore. Nachdem das ganze Land also schon in Trümmern lag, wurde nun auch noch begonnen der ärmsten Bevölkerung systematisch die Lebensgrundlage zu entziehen. Einem Bericht der UN-Behörde für Drogen und Verbrechen (UNODC) vom März 2005 zufolge sank der Anbau in den meisten Mohnanbaugebieten des Landes merklich. Wohl aus Angst vor den regierungsamtlichen Erntevernichtungen reduzierten viele Bauern zunächst den Anbau.
 Nun frage ich mich was wohl die deutschen Bauern sagen würden, wenn islamisches Militär hier patrouillierte, die Kohlrabi-Ernte mit Flammenwerfern abfackeln würde und dann verlangte man solle es dafür noch schätzen. Das Schlagwort „Kampf um die Herzen“ will ich gar nicht erst aussprechen. Dörfer, die traditionellerweise Opium anbauen, sind ebenso abhängig von der Pflanze wie die Süchtigen, die sich Heroin spritzen. Die Einzigartigkeit des Mohns – keine andere Pflanze wächst so leicht und bringt so viel Geld – führt dazu, dass ganze Dörfer sich um ihn herum organisieren. Die westlichen Truppen versprachen zwar Kompensationen, aber die sind ob der chaotischen Lage nie eingetroffen. Wie lange wartet da wohl ein hindukuschlerischer Bauer OHNE Existenzgrundlage ab, nur weil GW Bush nun mal den Opiumanbau nicht mag?
Nun schreiben wir also das Jahr 2007, die afghanische Mohnernte hat einen absoluten Rekordwert erreicht und versorgt angeblich bis zu 95 % der weltweiten Nachfrage. Viele Hilfsorganisationen vor Ort sehen natürlich die Zusammenhänge weniger ideologisch, als die Fanatiker im Weißen Haus oder bei der NATO. Die Europäer und auch die Deutschen sind dabei übrigens NICHT hilfreich. Merkel hat sich ja ohnehin bei dem Thema abgemeldet und widerspricht GWB sowieso nicht. Nun breitet sich der Terror immer mehr aus und die Taliban feiern ihr Comeback – mit freundlicher Unterstützung der debilen Strategie von EU und USA; so befindet der thinktank Senlis Council:

Nicht wir gewinnen den Kampf um die Köpfe und Herzen des afghanischen Volkes, sondern die Taliban. Tatsächlich haben die von der internationalen Gemeinschaft angewandten Methoden zur Bekämpfung der Aufstandsbewegung und die Vernichtung der Mohnernten den Aufständischen sogar geholfen, an Macht zu gewinnen. Statt des versprochenen Wiederaufbaus hat die internationale Gemeinschaft bisher eine Politik der Zerstörung verfolgt. Die aggressive, von den USA angeführte Anti-Drogen-Strategie der Erntevernichtung hat es nicht geschafft, die Unterstützung der Afghanen zu gewinnen, denn sie hat eine Kettenreaktion von Armut und Gewalt ausgelöst, durch die die armen Bauern, deren einzige Existenzgrundlage vernichtet wurde, nun ihre Familien nicht mehr ernähren können. Man zieht Menschen nicht auf seine Seite, indem man sie bombardiert, sondern indem man ihnen hilft. Die Taliban haben das Versagen der internationalen Gemeinschaft für eine extrem effektive antiwestliche Propaganda genutzt, die in den Augen der Öffentlichkeit deutliche Zweifel an den Gründen sät, mit denen die internationale Gemeinschaft ihre Präsenz in Afghanistan rechtfertigt.

Daher schlagen auch Kendall (ehemaliger Generalsekretär von Interpol) und Norine MacDonald (Vorsitzende und Gründerin des Senlis Council, einer Denkfabrik, die sich mit Sicherheits- und Entwicklungsfragen beschäftigt.) vor, in Afghanistan wissenschaftliche Pilotprojekte zur Untersuchung eines Lizenzsystems für den Opiumanbau durchzuführen. Dieses würde eine Kernkomponente für den wirtschaftlichen Wiederaufbauprozess darstellen. Ein System, in welchem der Mohn zur Herstellung von Schmerzmitteln wie Morphium und Kodein in Lizenz angebaut würde, würde es den Bauern ermöglichen, ihrer traditionellen Erwerbsbeschäftigung und Lebensweise nachzugehen und – was noch wichtiger ist – ihre Familien zu ernähren. Es herrscht weltweit ein Mangel an Morphium und Kodein, insbesondere in den unterentwickelten Ländern, in denen diese lebenswichtigen Medikamente häufig knapp oder gar nicht erhältlich sind.

Unnötig zu erwähnen, daß statt dieses sinnvollen Vorschlages weiterhin eine vollkommen kontraproduktive Drogenkriminalisierungs-Strategie durchgezogen wird.

Wie üblich sitzen die ignorantesten Weltverschlechterer in den USA.
 Dort wird konsequent der „war on drugs“ weitergeführt.

Aus grundlegenden freiheitlichen Überzeugungen würde ich für den legalen Konsum von Drogen plädieren. Verbot von Haschisch und Kokain erscheint mir willkürlich angesichts einer westlichen Gesellschaft, in der sich jedes Jahr legal Myriaden Menschen mit Fett, Alkohol und Schusswaffen umbringen.
 Wäre es nicht sinnvoller Schusswaffen zu verbieten und stattdessen die Leute ihre Joints rauchen zu lassen?

Zumal das Beispiel Holland zeigt, daß Jugendliche weit weniger Marihuana rauchen seit es legal ist, weil es einfach „uncool“ geworden ist und der Reiz des Verbotenen fehlt?
Ein bißchen ähnlich ist es auch mit Abtreibungsgesetzen: Dort wo es die freiesten Regelungen gibt, sinkt die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche langfristig, weil Frauen nicht mehr übermäßig unter Druck gesetzt werden und zu Panikreaktionen gezwungen sind.
 Das sind aber grundsätzliche moralische Überlegungen. 

Den „war on drugs“ sollte man aber vor allem deswegen beenden, weil diese Strategie spektakulär gescheitert ist.
 Allein in Mexico hat der von den USA aufgezwungene Kampf gegen die Kartelle schon 60.000 Tote gekostet. 
Der extreme Druck hat darüber hinaus dazu geführt, daß die Drogenbarone heute reicher und mächtiger als je zu vor sind. Washington treibt die Heroin, Crack- und Koks-Preise hoch. 
Milliarden werden für Polizeiarbeit, DEA, Militär, Geheimdienste, Juristerei und Gefängnisse verschleudert, die in Sozialmaßnahmen und Prävention wesentlich besser und menschenfreundlicher angelegt wären.

Die Milliardenprofite der Drogenkartelle und die damit regelrecht erzwungene exorbitante Beschaffungskriminalität (um nämlich die wahnwitzigen Preise zu zahlen), könnte man mit der Legalisierung von eben auf jetzt stoppen.

Drogenkriminalisierung hatte ursprünglich den Sinn Menschen vom Drogenkonsum abzuhalten. Dieses Ziel ist aber genauso gescheitert, wie die Prohibition nicht den Alkohol ausmerzen konnte.

Stattdessen sitzen jetzt allein in den USA über eine Million Menschen nur wegen Drogendelikte in den hoffnungslos überfüllten Gefängnissen und werden durch die Zustände dort in eine kriminelle Zukunft gedrückt.

Bis ein Toppolitiker der Demokraten oder Republikaner den einzigen sinnvollen Schluß zieht und öffentlich fordert Drogen zu legalisieren, dürfte aber noch Zeit vergehen. 
Die Borniertheit in den USA ist nicht zu unterschätzen.
Südamerikaner sind da glücklicherweise weniger dumm. 
Uruguay geht voran.

Vier Jahrzehnte dauert der Krieg gegen die Drogen schon, und er hat nichts als Horror gebracht. Anfang der siebziger Jahre begann der damalige US-Präsident Richard Nixon die Schlacht, doch die Dealer werden immer mächtiger und grausamer. Drogenkartelle haben ganze Regionen übernommen, manche sind zu Konzernen gewachsen. Sie erschießen, enthaupten, entführen, erpressen, bestechen. Das Milliardengeschäft finanziert von Mexiko über Kolumbien bis nach Guinea-Bissau und Afghanistan Terroristen, Auftragskiller, Guerilleros, Paramilitärs. Durchlöcherte und geköpfte Leichen säumen die Routen, Stoff und Konsumenten werden trotzdem nicht weniger. Da hat Uruguay eine gute Idee: Gebt das Zeug endlich frei.  Die Republik will als erste Nation Lateinamerikas zunächst Marihuana legalisieren. "Das Verbot bestimmter Drogen verursacht dem Land mehr Probleme als die Droge selbst", argumentiert die linke Regierung von Präsident José Mujica. […] Auch frühere lateinamerikanische Staatschefs unterstützen das, ebenso Guatemala, regiert von einem vormaligen General. Sie wollen den Preis der Drogen senken und damit den Gewinn der Kriminellen. Das ist der richtige Ansatz.
[…] Bei den Drogen wiederholen sich die Fehler der amerikanischen Prohibitionszeit. Mexikaner schmuggelten damals den Schnaps nach Norden, es entstand das Golf-Kartell, das mittlerweile am Rauschgift verdient. Erst als das Gemetzel zu schlimm wurde, dachte Washington um und kassierte Alkoholsteuern.
(Peter Burghardt 03.07.2012)

Samstag, 7. Juli 2012

Positive Entwicklungen.




Sowohl der priesterliche Nachwuchs, als auch die Karrierebischöfe werden immer extremer.

Wer im Vatikan etwas werden möchte, muß radikal konservative und weltfremde Ansichten vertreten. Ganz im Gestern verhaftet sein.
Da ist es nur konsequent, daß der einzige Bischof, der sich absolut konsequent gegen die Aufklärung der Missbrauchsfälle gewehrt hat, der die Opfer drangsalierte, ihnen Schweigevereinbarungen aufpresste, der Pädophilen eine neue Wirkstätte bot, der die Laien allesamt vor den Kopf stieß, der Pfarrer auf den ganz fundamentalistischen Weg zwang vom Papst zum obersten Glaubenswächter und Großinquisitor befördert wurde.

Gerhard Ludwig Müller, der Abschaum-Bischof, wird Präfekt der Glaubenskongregation.

Müller gilt als herrisch und unfähig zum Umgang mit Menschen, die eben diese Umgangsformen und seine Handlungen zu hinterfragen wagen. Von seinem neuen Amt als Präfekt der Glaubenskongregation herab, die mit einem Netz von Informanten weltweit den rechten Glauben kontrolliert, wird er wohl wie gewohnt, mal rüde, mal anmaßend, aber immer mit Lust, noch manchen kompromittieren. Nur werden die Geschurigelten nun Bischöfe sein und nicht mehr Dorfpfarrer.
(Rudolf Neumaier, SZ, 05. Juli 2012)

Daß der zweitmächtigste Bayer des Vatikans früher mal wie sein Kollege Ratzinger auch etwas liberalere Ansichten vertrat, muß jetzt schnell verdrängt werden. 
Vom Paulus soll nichts mehr übrig bleiben. Karriere macht man nur als Saulus.

Der neue Präfekt der Römischen Glaubenskongregation, Gerhard Ludwig Müller, fährt beim Thema Kommunion für wiederverheiratete Geschiedene erwartungsgemäß eine harte Linie. “Eine gültig geschlossene Ehe unter Christen ist unauflöslich und umfasst das Versprechen der lebenslangen Treue“, sagte der als konservativ geltende Erzbischof und frühere Regensburger Oberhirte der “Passauer Neuen Presse“ und der “Mittelbayerischen Zeitung“ (Samstag). Die Lehre der katholischen Kirche sei da “ganz klar“.   Demnach dürfen Geschiedene, die wieder geheiratet haben, die Sakramente nicht entgegennehmen.

Auch auf der untersten Karrierestufe sieht es nicht anders aus.
 Es zieht die Ultrakonservativen in die Priesterseminare. Regelrechte Fundamentalisten sind die Jugendlichen, die mit ihrem Papst-Engagement auffallen.

Der Christ des Tages Nr 62, Rudi Gehrig wurde für seine tägliche „Entfesselung eines Gebetssturms“ mit dem Kath.net-„Preis des Lebens 2012“ gewürdigt. 
Ratzingers Parade-Christ wünscht sich nun das Mittelalter zurück, wie er dichterisch zum Ausdruck brachte.

finsteres mittelalter

wie finster war doch das mittelalter
als man sich zwar noch verspekulierte über das „wie?“ der schöpfung
aber um das „woher?“ und „warum?“ wusste

wie finster war doch das mittelalter
als man zwar sagte die erde sei eine scheibe
aber damit sorgsamer umging als wir mit unserer kugel

wie finster war doch das mittelalter
als man zwar im religiösen eifer kriege führte
aber sich noch seiner religiösen identität bewusst war

wie finster war doch das mittelalter
als man sich zwar selbstgeißelte und schlug
aber noch ein gefühl für sünde hatte

wie finster war doch das mittelalter
als der vater zwar das absolute oberhaupt war
aber kinder noch geschenke Gottes

wie finster war das mittelalter
als es zwar eine dunkelziffer an abtreibungen gab
aber keine staatlich legitimierte

wie hell ist dagegen das heute
wenn wir uns von physikern und biologen den sinn des lebens erklären lassen
wenn wir zum skifahren nach dubai fliegen
wenn wir kriege anzetteln wegen ein bisschen erdöl
wenn wir anwälte brauchen die uns die strafe weglügen
wenn wir mehrere stiefväter aber wenige kinder haben
wenn wir menschen im reagenzglas zeugen und babys in die mülltonne werfen

wie gut dass wir längst drüber weg sind
über das mittelalter
das finstere.
Rudolf Gehrig, 22.05.2012

Während man an der Spitze der Kleriker-Hierarchie, genau wie am Fuße scharf rechts abbiegt, flüchtet das Fußvolk aus der Gaga-Organisation RKK.

Normale Priester lassen sich kaum noch finden. 


Der Ruhrbischof Overbeck, einer der jüngsten und konservativsten Aufsteiger der teutonischen Episkopats mach sein Priesterseminar in Bochum zu. 
 Mangels Interesse.

Im Ruhrgebiet will so gut wie niemand mehr katholischer Pfarrer werden: 52 der 57 Zimmer im Bochumer Priesterseminar stehen leer. Eine ganze Ausbildungsstätte für gerade einmal fünf Priesterkandidaten – diesen Luxus will sich Bischof Franz-Josef Overbeck nicht länger leisten. Daher schafft er die eigenständige Priesterausbildung zum kommenden Wintersemester ab.
Wie bereits die Bistümer Aachen und Osnabrück schickt auch das Bistum Essen zukünftig die wenigen Unerschütterlichen, die trotz der tiefen Krise der katholischen Kirche noch Priester werden wollen, an das Seminar in Münster. Damit setzt sich eine Entwicklung fort, die bereits in den vergangenen Jahren deutliche Spuren im Revier hinterlassen hat: Wegen des massiven Mitgliederschwunds und damit verbundenen Einnahmeausfällen musste das Bistum Essen seine 259 Pfarreien zu 43 Gemeinden zusammenlegen. 96 katholische Kirchen wurden seit dem Jahr 2006 im Bistum sogar endgültig geschlossen.
Insgesamt hat sich die Zahl der Katholik*innen im Revier seit der Gründung des Ruhrbistums im Jahr 1958 um 40 Prozent reduziert.

Overbecks Kollege Bischof Gebhard Fürst, Chef der Diözese Rottenburg-Stuttgart, schaffte es am heutigen Samstag gerade mal einen einzigen Mann zum Priester zu weihen.

Nur eine einzige Priesterweihe - das gab es noch nie in der württembergischen Diözese, die immerhin die viertgrößte unter den 27 deutschen Bistümern ist. Trotzdem ermutigte Bischof Gebhard Fürst den 32-jährigen Krug beim Gottesdienst im Rottenburger Dom am Samstag, "in den Menschen beherzt Begeisterung für Gott zu entfachen".
Immer seltener sind junge Theologen in Deutschland bereit, das zölibatäre Leben eines Priesters zu führen. 108 Priester wurden im vergangenen Jahr nach Angaben der Deutschen Bischofskonferenz bundesweit geweiht - nicht einmal halb so viele wie noch vor 15 Jahren. Im Bistum Rottenburg-Stuttgart ist der Rückgang noch stärker. Dort sank die Zahl der Priester in den vergangenen 20 Jahren um ein Drittel auf rund 650. Bundesweit gibt es noch rund 15.000 Priester - ein Viertel weniger als vor 20 Jahren. Laien fordern seit langem Konsequenzen.
Bis 2020 - so eine Schätzung der deutschen Bistümer - wird es in zwei Dritteln der Gemeinden keinen Priester mehr geben. Das heißt: keinen regelmäßigen Sonntagsgottesdienst mit Eucharistie, kein Spenden der Sakramente.

Ich drücke Müller und Ratzinger von ganzen Herzen ehrlich die Daumen, daß sie die RKK weiterhin so gezielt ins Aus führen!