Donnerstag, 8. März 2012

Die Protestunten sind unser Unglück!


Als treuer Kreuz- und Kath.net-, sowie Kathweb-Leser weiß ich natürlich über die Angriffe der gottlosen Blasphemisten und Homoperversen auf die einzig wahre Kirche Bescheid.

Die Internet-Blockwarte des Katholizismus wachen eifersüchtig über die Reinhaltung der katholischen Liturgie und geben exegetischer Vermischung keine Chance.
Ein katholischer Priester, der auch nur daran denkt sich beim Abendmahl mit den volkstümlichen Lutheranern zu verkuppeln, begeht ganz klar Kirchenschade und muß aus dem Vatikan-Körper ausgemerzt werden.

Ein als besonders gefährlich herauszuhebender Vatikan-Schädling kommt aus Österreich und streckt seine infektiösen Finger schon nach Süddeutschland aus.
Helmut Schüller lautet der Name, der die Vertreter der reinen Lehre erschauern lässt.

Allein 56 Schmähartikel veröffentlichte Kreuznet über diesen Pfarrer, dem sie einerseits konsequent eine „Ein-Mann-Show“ attestieren, aber andererseits durch die Quantität der Schüller-Warnungen unfreiwillig doch einen ordentlichen Einfluss zubilligen. 
Der von ihm gestartete „Aufruf zum Ungehorsam“ gegenüber den Bischöfen ist brandgefährlich für Rom. Was könnte die Kurie auch gegen ein aufmüpfiges Priestertum unternehmen, wenn diese sich plötzlich in großen Mengen dazu entschließen sollten den Bischöfen nicht mehr zu gehorchen?

Die weltliche Macht, um Gehorsam mittels Daumenschrauben, Eiserner Jungfrau und Streckbank zu erzwingen, haben die Papsttreuen schon lange eingebüßt.
 Sie leben von der Erinnerung an diese Macht; verlassen sich darauf, daß ihnen die Schafe aus Doofheit und Trägheit weiter folgen.

Zu blöd, daß in Europa jedes Jahr Millionen Katholiken zu der Einsicht gelangen, den Papst einen guten Mann sein zu lassen und auf seine Vorschriften zu pfeifen.

Pfarrer Schüller will die Menschen hingegen unbedingt in der Kirche behalten.

Die österreichische Pfarrer-Initiative hat laut eigenen Angaben aktuell knapp 400 Mitglieder (Priester und Diakone) sowie über 2000 Unterstützer. Sie tritt unter anderem für überschaubare Pfarrgrößen, die Zulassung wiederverheirateter Geschiedener zur Kommunion und die Öffnung des Priesteramtes für Verheiratete und Frauen ein.

Schüller streitet aber heftig mit seinen Vorgesetzten über die richtigen Methoden dies zu erreichen. Die Ratzingerische Taktik hält Schüller für verfehlt und ruft zum Boykott auf.

Seit dem „Aufruf zum Ungehorsam“, in dem wir uns dazu bekennen, künftig in eigener Verantwortung Zeichen der Erneuerung unserer Kirche zu setzen, kam von vielen Seiten aus dem In- und Ausland Zustimmung und Ermutigung – von bischöflicher Seite jedoch vorwiegend Zurückhaltung, bisweilen auch heftige Ablehnung. Zu einem Dialog kam es nur selten und abseits der Öffentlichkeit. Wir aber setzen dem gegenwärtigen Aushungern der Gemeinden und der Seelsorge unter dem Druck des Priestermangels und der Überalterung des Klerus mehrfach ein entschiedenes NEIN entgegen:

1   Wir sagen NEIN wenn wir zusätzlich immer weitere Pfarren übernehmen sollen, weil uns das zu reisenden Zelebranten und Sakramentenspendern macht, denen die eigentliche Seelsorge entgleitet. Wir widerstehen damit dem Trend, an vielen Orten flüchtig anwesend zu sein, aber keine spirituelle und emotionale Heimat zu finden und anzubieten.

 2   Wir sagen NEIN zu immer mehr Eucharistiefeiern am Wochenende, weil so die vielen Dienste und Predigten zu oberflächlichem Ritual und allzu routinierter Rede werden, während Begegnung, Gespräch und Seelsorge verkümmern. Kurz vor der Messe anzukommen und gleich danach weiterzufahren, macht unseren Dienst zur hohlen Routine.

 3   Wir sagen NEIN zur Zusammenlegung oder Auflösung der Pfarren, wenn sich keine Pfarrer mehr finden.
Hier wird der Mangel zum Gesetzgeber erhoben, statt dem Mangel durch die Änderung unbiblischer Kirchengesetze abzuhelfen. Das Gesetz ist für den Menschen da – und nicht umgekehrt. Gerade das Kirchenrecht hat den Menschen zu dienen.

4    Wir sagen NEIN zur Überforderung der Pfarrer, die man in einen mehrfachen Pflichterfüllungsstress drängt, deren Zeit und Kraft für ein geistliches Leben wegadministriert wird und deren Dienste weit über das Pensionsalter hinaus beansprucht werden. So kann sogar das früher verdienstvolle Wirken durch allzu lange Beanspruchung beschädigt werden.

5         Wir sagen NEIN wenn das Kirchenrecht ein allzu hartes und unbarmherziges Urteil spricht: über Geschiedene, die eine neue Ehe wagen, über gleichgeschlechtlich Liebende, die in Partnerschaft leben, über Priester, die am Zölibat scheitern und deshalb eine Beziehung eingehen – und über die Vielen, die ihrem Gewissen mehr gehorchen als einem von Menschen gemachten Gesetz.

 Weil Schweigen als Zustimmung verstanden wird und wir unsere Verantwortung als Priester und Seelsorger wahrnehmen wollen, müssen wir diesen fünffachen Protest aussprechen. Er ist ein „Protest“ im wörtlichen Sinn: ein „Zeugnis für“ eine Kirchenreform, für die Menschen, deren Seelsorger wir sein wollen, und für unsere Kirche. Die Freudlosigkeit des heutigen Kirchenbetriebs ist kein gutes Zeugnis für die „frohe Botschaft“, die uns bewegt. Denn wir wollen „nicht über den Glauben herrschen, sondern der Freude dienen“ (2 Kor 1,24).


Der vom Vatikan konsequent gestärkte ultrakonservative Flügel der RKK schäumt vor Wut. Getroffene Hunde bellen.

Rollator-Reformer rollen ins Abseits.
Die Ein-Mann-Show ‘Pfarrer-Initiative’ von Hw. Helmut Schüller, die in Österreich die Frauenordination fordert, steht für Hw. Jolie nicht mehr innerhalb der Kirche.
In diesem Fall sei nicht der Dialog das Mittel, sondern eine theologische Klärung über das, was katholisch ist.     Hw. Schüller sagt aber laut Hw. Jolie zu Recht, daß „Kommunion für alle“ längst die gängige Praxis in den meisten Gemeinden sei.
Gleichzeitig bemerkt Hw. Jolie: Wer als Priester gegen solche Mißstände aufsteht und den Glauben verteidigt, bekommt große Schwierigkeiten. Hw. Jolie sagt nicht von wem – von den altliberalen Bischöfen.

Der hier als „Rollator-Reformer“ bezeichnete 58-Jährige findet aber längst Gehör über die Landesgrenzen hinaus. Die Bayern sehen schon rot.

Der Passauer Bischof Wilhelm Schraml hat zum Zusammenhalt des Klerus aufgerufen. Tendenzen wie dem "Aufruf zum Ungehorsam" österreichischer Priester und Diakone müsse theologisch klar und argumentativ entschieden entgegengewirkt werden, sagte Schraml bei einer Konferenz im niederösterreichischen Stift Göttweig.

Wenn es um miese Diffamierungen geht, kann natürlich der Abschaum unter den deutschen Bischöfen nicht still sein.

Regensburger Bischof übt scharfe Kritik an der "Pfarrer-Initiative" von Helmut Schüller: Ungehorsam gegenüber Gott und gegenüber der legitimen kirchlichen Leitung trägt Spaltung in die Kirche hinein und verfälscht unser Grundverhältnis zu Gott.     "Darum ist es ganz und gar unchristlich und unserem katholischen Glauben diametral entgegengesetzt, wenn in unserem Nachbarland eine von einigen Leuten ins Leben gerufene sog. „Pfarrer-Initiative“ in ihrer Besserwisserei meint, sich in Fragen der Lehre und Pastoral über den Glauben der Kirche stellen zu können. Die Unterstützer schlagen ihre Weiheversprechen in den Wind, wenn sie in ihrer Aktion zum Ungehorsam aufrufen. Der Ungehorsam gegenüber Gott und der Ungehorsam gegenüber der legitimen kirchlichen Leitung – gegen Papst und Bischöfe – ist ein Übel, das Spaltung in die Kirche hineinträgt und unser Grundverhältnis zu Gott verfälscht."

Die schrillen Töne des Unsympathischsten aller deutschen Kirchenfürsten kommen nicht von ungefähr. Auch an der Bayerischen Basis rumort es.

In der Diözese Passau überlegen die „Passauer Priester im Dialog“, mit der reformorientierten österreichischen Pfarrer-Initiative zu kooperieren. Im Februar bekam die Gruppe Besuch aus Österreich: In Vertretung von Obmann Helmut Schüller berichtete Arno Jungreithmair, ein oberösterreichischer Vertreter der Pfarrer-Initiative, über die Ereignisse rund um den „Aufruf zum Ungehorsam“.
[…] In der Diözese Würzburg hat die deutsche „Pfarrer-Initiative“ ihr Zentrum. „Wir haben uns vor rund vier Jahren gegründet“, sagt Pfarrer Christian Ammersbach aus Schweinfurt. Vorbild sei die 2006 entstandene österreichische Pfarrer-Initiative gewesen.

Die krasse Heuchelei des Papstes, der von ihm gehätschelten ultrakonservativen Opus-Dei-Bischöfe hat durchaus das Zeug die RKK in zwei Teile zu sprengen. 
Einen Piusbrüder-artigen Ultra-Papst-Treuen und einen Katholizismus-Light-Teil, der peu à peu die alten Zöpfe des Katechismus abschneidet.

Nun verlangen die Priester, dass sich die Gemeinden offen über Verbote der Hierarchie hinwegsetzen. Nur so könnten sie der Wirklichkeit des Glaubens- und Gemeindelebens gerecht werden und es gebe weniger Heuchelei. Den Aufruf von Papst Benedikt XVI. in Madrid an die Jugend der Welt zu mehr "Ehrlichkeit" hörten denn auch viele österreichische Gläubige ungern. Ehrlichkeit werde von der Kirchenstruktur eher bestraft als belohnt, sagen sie.
Besonders betroffen fühlen sich die etwa 700 Mitglieder der Vereinigung "Priester ohne Amt", Geistliche, die trotz Zölibat Frau und Kinder haben und sich zu diesen bekennen. Ihr Amt müssen sie dann aufgeben. Priester, die Geliebte und Nachwuchs verleugnen, werden gewöhnlich im Amt belassen, wodurch sich nach Kritikermeinung der Papstappell zur Ehrlichkeit ins Groteske wendet. […]
Vor 20 Jahren war Österreich nominell zu 85 Prozent katholisch. Heute ist die Stadt Wien amtlich nicht einmal mehr zur Hälfte katholisch, auch die Landgemeinden schmelzen ab. Dazwischen liegen Missbrauchsskandale wie jener um den früheren Wiener Erzbischof Hans-Hermann Kardinal Groer, die Ernennung einer Reihe von reaktionären Priestern zu Bischöfen und diverse Affären mehr.

Das Episkopat is not amused.

Ziel der [Pfarrer-] Initiative war und ist es, ein klares Zeichen für die Erneuerung der katholischen Kirche zu setzen. Mittlerweile haben sich etwa 400 Priester und Diakone und etwa 2000 Laien in der Alpenrepublik der Bewegung angeschlossen. Sie ist längst international geworden. In Frankreich, Brasilien, Irland, Belgien, den USA und Australien haben sich katholische Geistliche die Ziele der österreichischen Kollegen bereits zu Eigen gemacht. Nur im benachbarten Bayern, wo sich viele Christen mit der konservativen Haltung ihrer Bischöfe in Augsburg, Regensburg, Passau oder München schwertun, hatte der Protest aus Österreich noch keine Spuren hinterlassen.
Das könnte sich jetzt ändern. […]    Ein Gedanke, der den bayerischen Bischöfen einiges Unwohlsein bereiten dürfte. Denn das, was die Pfarrer-Initiative am 19. Juni 2011 unter der Rubrik 'Aufruf zum Ungehorsam' veröffentlicht hat, ist nicht nur ein Papier, das ein bisschen für Wirbel sorgt und nach einiger Zeit einfach folgenlos in den Schubladen verschwindet. Nein, im Nachbarland wird das, was die rebellischen Pfarrer und Diakone zu Papier gebracht haben, von diesen im kirchlichen Alltag auch schon praktiziert. So wird dort beispielsweise 'gutwilligen Gläubigen' die Eucharistie nicht länger verweigert, das gilt insbesondere für Geschiedene, die wieder geheiratet haben, aber auch für Mitglieder anderer christlicher Kirchen und ab und zu auch für Ausgetretene. Sie missachten auch das Predigtverbot für kompetent ausgebildete Laien und Religionslehrer; sie sprechen sich bei jeder Gelegenheit für die Zulassung von Frauen und Verheirateten zum Priesteramt aus; sie akzeptieren einen Wortgottesdienst mit Kommunionspendung als 'priesterlose Eucharistiefeier'.
 (SZ 08.03.12)

Anders als Müller und Schraml es sich wünschen, sehen die meisten normalen Priester die Pfarrer-Initiative nicht als ungehorsam, schismatisch und unchristlich an.
 Mit ihren verbalen Ausfällen geben die hardcore-Kirchenfürsten unfreiwillig den Initiatoren um Schüller Recht - Bischöfe und Kurie haben sich Meilen von den Gläubigen entfernt.

Die Pfarrerinitiative und deren Aufruf zum Ungehorsam kennen 86 Prozent, 67 Prozent halten es für eine gute Idee, dass diese – wie von deren Sprecher Helmut Schüller angekündigt – weltweit aktiv wird.     Die Zusammenlegung oder Schließung von Pfarren bezeichnen 86 Prozent der Katholiken jedoch als „problematisch“. Die Hälfte der Befragten u. a. deshalb, weil man auf eine Kirche in der näheren Umgebung nicht verzichten will.  Etwa ein Drittel der Befragten fürchtet, dass Priester in Zukunft weniger Zeit für Seelsorge haben könnten und so der persönliche Kontakt verloren geht.   Gehorsam, wie ihn die Kirchenleitung angesichts der aktuellen Diskussion nun verstärkt einmahnt, ist laut Umfrage keine entscheidende Kategorie mehr. Fast zwei Drittel (60 Prozent) glauben, dass eben dieser nicht zur „Katholikenpflicht“ gehört. Insofern widersprechen auch 71 Prozent der Strategie von Kardinal Christoph Schönborn im Umgang mit den revoltierenden Pfarrern. Dass Helmut Schüller einen „Privatfeldzug“ gegen den Wiener Erzbischof führt, verneinen immerhin 77 Prozent. Auch dass die Pfarrerinitiative bald versanden könnte, hält die Mehrheit (68 Prozent) für ausgeschlossen. Vielmehr sind sich 82 Prozent sicher, dass die Reformer nicht mehr zu stoppen seien. 78 Prozent meinen, der Kirchenkonflikt habe bereits gesamtgesellschaftliche Relevanz erreicht.

Einen großen Trumpf haben die Bischöfe noch - die gläubigen Schafe sind zu dämlich, um einfach aus der RKK auszutreten - NOCH.

Aber sie wenden sich mit immer kritischeren Fragen an ihre erzkonservativen Bischöfe, die dem Kirchenvolk mit blanker Verachtung gegenübertreten.

In mehreren Diözesen, vornehmlich im Süden, solidarisieren sich Pfarrer mit den aufmüpfigen Amtsbrüdern im Nachbarland, die Revolutionäres fordern: Laien sollen predigen und Gottesdienste leiten, wiederverheiratete Geschiedene die Kommunion empfangen, Priester, die gegen das Zölibatsgesetz verstoßen haben und heute mit Frau und Kindern leben, in die Seelsorge zurückkehren, Frauen soll der Zugang zum Amt ermöglicht werden.
"Die römische Verweigerung einer längst notwendigen Kirchenreform und die Untätigkeit der Bischöfe erlauben uns nicht nur, sondern sie zwingen uns, dem Gewissen zu folgen und selbstständig zu werden", begründen die Reformbefürworter ihr spektakuläres Vorgehen.
(Gernot Facius 27.02.12)

Mittwoch, 7. März 2012

Kommunaler Spaß.



Eine gestandene Sozialdemokratin hat mir in den letzten Dekaden regelmäßig gestanden, daß sie zwar SPD wähle, aber insgeheim doch einen CDU-Sieg herbei sehne, da die anstehenden Probleme so gewaltig wären, daß man eigentlich niemanden wünschen könne die Suppe auszulöffeln.

Die Bundestagswahl von 1998 ist ein klassisches Beispiel dafür: 16 Jahre Schwarz-Gelb hatten die Strukturen dermaßen verkrustet, daß vom Ausländerrecht, über Bildung, Finanzen, Gesundheit und Rente bis zu Steuern alles dringend angepackt und reformiert gehörte.

Die gute Konjunktur verschaffte zwar zunächst etwas Luft, aber nachdem Rot/Grün begonnen hatte überfällige Reformen durchzudrücken, murrte auch gleich der Urnenpöbel und schickte lieber wieder eine langjährige Ministerin aus der Kohl-Zeit ins Kanzleramt.

Und es läuft so wie immer: Die Bürgerlichen drücken sich um Entscheidungen, fassen die extremen Baustellen (Steuerrecht, Gesundheitssystem, Bildung) gar nicht erst an und beschränken sich darauf Lobbyisten zu beglücken. 
Bis der Karren wieder so tief im Dreck steckt, daß doch ausnahmsweise mal Sozialdemokraten ins Kanzleramt geschickt werden. Die MÜSSEN dann harte Schnitte machen und schon ist das scheue Urnenreh wieder verschreckt.

Ähnliche Befürchtungen hatte ich auch Anfang 2011 in Hamburg, nachdem die CDU in zehn Jahren ein absolutes finanzielles Desaster angerichtet hatte, alles verkauft hatte, das nicht niet- und nagelfest war und politische Mega-Hypotheken (Elbphilharmonie, Moorburg, Elbvertiefung,…) hinterließ.

In diesem Fall irrte ich mich aber. 
Ursache des Beustschen Polit-Desasters war das CDU-Personal, das unablässig Probleme mit der Staatsanwaltschaft bekam und reihenweise Rücktritte wegen krimineller Machenschaften verursachte.
SPD-Bürgermeister Scholz hingegen ist ein effizienter und uneitler Chef, der seinen Laden im Griff hat. 
Er suchte sich eine fähige Senatsmannschaft zusammen und voilà: Plötzlich klappt alles.

 Die letzte Umfrage des Hamburger Abendblattes stammt vom 19.02.2012 und ergab CDU= 21 %, SPD =  52 %, GAL = 12 %,  FDP = 2 %, Linke = 6 % und Piraten = 4 %.

Die CDU Hamburg-Mitte versucht nun wieder das Heft des Handelns in die Hand zu nehmen und beeindruckte mich kürzlich mit einer Umfrageaktion. 
Gleich ein halbes Dutzend Faltblätter fand ich im Briefkasten vor.

Christoph Ploß, der Ortsvorsitzende der CDU Winterhude hatte einen tollen Vorschlag für mich: 

„Treten Sie der CDU Winterhude bei und engagieren Sie sich als Mitglied aktiv in unserem Ortsverband.“ 

Eine Bombenidee des Bürschchens, das schon aus 100 m Entfernung phänotypisch als CDU-Kader erkennbar ist.

 (Auf dem Bild links der stellvertretende Bezirksvorsitzende, notorische Pleitier, Obermauschler und regelmäßig vor Gericht angeklagte Andreas Wankum)

Im CDU-Umfragebogen, der die Stimmung der Basis ausloten soll, wird beklagt, daß mehrfach defekte Gehwegplatten nur durch Sand aufgefüllt wurden und zudem eine Laterne im Hamburger Stadtpark nur mangelhaft den abendlichen Joggern leuchtete.

SKANDAL! Ob die Hamburger Landesregierung über diese katastrophalen Zustände stolpert?

Zum Glück legt Ploß die Finger in die Wunde und treibt die SPD-Bezirksregierung mit knallharten investigativen Anfragen in die Enge.

 In der letzten Zeit hat es in der Bellevue an der Außenalster durch starke Regenfälle viele Pfützen  gegeben, die aufgrund der schlechten Pflege des Bodenbelags nur unzureichend versickerten.
Dies hatte zur Folge, dass Spaziergänger und Jogger sich im Fall von Regen nur auf
Fahrradwegen oder der Straße fortbewegen konnten.

Vor diesem Hintergrund frage ich den Herrn Bezirksamtsleiter:

1.) Welche staatlichen und/oder privaten Institutionen sind für die Verkehrssicherungspflicht bzw.
die Instandhaltung und Pflege in der Bellevue zuständig (bitte unterteilen in Straße, Radweg,
Fußweg und die Rasenflächen)?

2.) Wer haftet im Falle von Verletzungen in der Bellevue (bitte unterteilen in Straße, Radweg,
Fußweg und die Rasenflächen)?

3.) Gibt es Planungen des Bezirksamtes, den Zustand des Fußwegs in der Bellevue zu
verbessern und den Bodenbelag auszubessern? Wenn ja, welche? Wenn nein, warum nicht?

Hat man jemals von so einem Gehweg-Super-GAU gehört? Es regnete und das mitten im Februar! Und dann bildeten sich auch noch Pfützen! Der Winterhuder Pfützen-Gate stellt Fukushima und die Nahost-Problematik locker in den Schatten!

Es ist gut, daß die CDU aufpasst, wenn die SPD nicht richtig wirtschaftet.

Wie das in den zehn Jahren CDU-Landesregierung Hamburg lief (2001-2011) kann unterdessen die Scholz-Regierung ausbaden.

Die Größenordnungen sind dabei etwas anders als beim Pfützengate von Winterhude.

Da ist zum Beispiel der Verkauf der städtischen Kliniken (LBK), der von 76,8 Prozent der Wähler beim Volksentscheid vom 29.02.2004 strikt abgelehnt wurde. Schon damals schrieben die LBK übrigens schwarze Zahlen!
Kein Wunder, denn Verhandlungsgenie Peiner (CDU-Finanzsenator) hatte dem Asklepioskonzern, dem er auch persönlich verbunden ist, die Perlen überlassen und der Stadt die Last der Pensionszahlungen überlassen und ein Rückehrrecht für die Angestellten eingeräumt. 


Bislang hat die Stadt 140 Millionen Euro für Ex-Klinik-Angestellte aufgewendet. Für die SPD ist der Verkauf „der mit Abstand schlechteste Deal der Stadt“.
Per Volksentscheid hatten die Hamburger 2004 gegen den Verkauf gestimmt. Doch der CDU-Senat ignorierte das. Für 243 Millionen Euro wurden die zehn Kliniken an Asklepios verkauft. Den Mitarbeitern wurde ab 2008 ein Rückkehrrecht zur Stadt eingeräumt.
15 Millionen Euro hat Asklepios der Stadt für die „Rückkehrer“ überwiesen. Die Kosten für Gehälter, Umschulungen, Förderungen und Qualifizierungen beliefen sich laut Senat bislang aber auf 155 Millionen Euro! „Der Verkauf ist der mit Abstand schlechteste Deal, den die Stadt je getätigt hat“, sagt SPD-Gesundheitsexperte Martin Schäfer.

Naja, 140 Millionen futsch? Macht ja nichts.
 Die CDU-Mitte bemüht sich in all ihrer Bürgernähe um die wirklich dringenden Fragen
Wie sieht es eigentlich mit den „Hal­te­mög­lich­kei­ten vor Läden“ (Frage 10) und der „Rei­ni­gung von Stra­ßen­schil­dern“ (Nr 8, CDU-Fragebogen) aus?

Ein Bezirksabgeordneter der CDU-Mitte ist immerhin nicht völlig auf den Kopf gefallen und weiß wie man sich in so einer Fraktion verhalten sollte.
Bernd Ohde, 57, Ex-Fraktionschef in der Bezirksversammlung Hamburg-Mitte und Landesvorsitzender der Kommunalpolitischen Vereinigung der CDU trat mit sofortiger Wirkung aus der CDU aus.

Der seit Jahren krisengeschüttelte CDU-Kreisverband Hamburg-Mitte steht vor einer Zerreißprobe. […]
Das Abendblatt erreichte Ohde im Dänemark-Urlaub. […]  "Ich habe mit diesem Schritt meine Konsequenzen aus dem Verhalten des Landesvorstands gezogen." […]
Es hat offensichtlich Streit zwischen Ohde und dem Landesverband wegen des Ausschlusses von vier Mitgliedern aus seinem Ortsverband gegeben. [….CDU-Chef] Weinberg weist sämtliche Kritik im Zusammenhang mit dem Parteiausschluss zurück: "Es handelte sich hierbei um vier Personen, deren Aufnahmeanträge offensichtlich von einer Person ausgefüllt wurden. Das hatte eine Kontrolle der Aufnahmeanträge ergeben. Deshalb hatten wir die vier Mitglieder per Einschreiben aufgefordert, uns mitzuteilen, ob sie wirklich Mitglied in der CDU bleiben wollen." Als es keine Reaktion gab, seien die Mitglieder ausgeschlossen worden, sagte Weinberg.   

Pikantes Nebenproblem:
  Im Bezirk Hamburg-Mitte herrscht ein Patt. Die SPD hat 25 Sitze und auf ebenso viele Abgeordnete kommen alle anderen Parteien zusammen (CDU 9, GRÜNE/GAL 8, DIE LINKE 5. PIRATEN 2, FDP 2) Bisher hatte der FDP’ler Heinrich Otto Patzer stets mit der SPD gestimmt, aber seit sich herausstellte, daß er sein Mandat ermauschelt hatte und in Wahrheit gar nicht im Bezirk wohnt, sind die Mehrheiten unklar.
 Nachdem die GAL so fest an der CDU geklebt hatte, ist das Klima zwischen Rot und Grün vergiftet.

Da Bernd Ohde vom Sozialflügel seiner Ex-Partei „Null Bock mehr auf CDU“ hat, wird angenommen er könnte zur SPD übertreten und damit den Sozis die absolute Mehrheit bescheren.
 Während  sich die SPD zurück hält, wanzt sich die GAL hemmungslos an Ohde heran und tönt er wäre in ihrer Fraktion willkommen. Der neue CDU-Fraktionschef Jörn Frommann schäumt vor Wut; aber ihm sind die Hände gebunden.

Der Streit innerhalb der CDU-Mitte hat sich inzwischen auf den ganzen Landesverband ausgebreitet. Obwohl die ehemalige Regierungspartei unter Beust und Ahlhaus ohnehin schon galaktische 31 Prozentpunkte hinter der SPD zurück liegt, zerlegt sie sich jetzt selbst.
 Ganz so wie die FDP im Saarland.

Der Austritt des Bezirksabgeordneten Bernd Ohde aus der CDU hat in dem seit Jahren zerstrittenen Kreisverband Hamburg-Mitte für neuen Zündstoff gesorgt. In einer E-Mail attackiert der CDU-Bürgerschaftsabgeordnete Jörg Hamann seinen Abgeordnetenkollegen Heiko Hecht. Rechtsanwalt Hecht hatte in der Dienstag-Ausgabe des Abendblatts wegen des Austritts von Ohde auch Kritik an dem CDU-Landesvorsitzenden Marcus Weinberg geübt. Hamann schrieb deswegen an Hecht: Die Angriffe auf den neuen Landesvorsitzenden Weinberg und den Landesverband seien sehr hilfreich - für den politischen Gegner. Zum Ende wird Hamann persönlich und greift Heiko Hecht an: "Dann mal weiter viel Spaß in der letzten Reihe der Bürgerschaft, wenn Du mal hingehen und bleiben würdest. Steht im gesamten Landesverband noch irgendjemand zu Dir oder Euch?"  
Hecht weist die Kritik von sich: "Auf dieses Niveau werde ich mich nicht herablassen. Die Anspielungen von Herrn Hamann auf meine angeblich nicht ausreichend vorhandene Präsenz in der Bürgerschaft entbehren jeglicher Grundlage." […] Nach der Kritik von Hecht an seinem Landesvorsitzenden legte jetzt CDU-Bezirkspolitiker Joseph Johannsen nach.,[…]   "Der Landesvorsitzende sollte sich darauf konzentrieren, die Kreis- und Ortsverbände zu vereinen, stattdessen spaltet er sie, indem er sich klar auf die Seite von Jörg Hamann und Christoph de Vries schlägt."

Dienstag, 6. März 2012

Die Menschenwürde ist antastbar.




Das mit den Menschenrechten, der „unantastbaren Würde“ ist international betrachtet eine ziemlich komplizierte Sache.
 Für wen gelten die eigentlich? 
Das kann je nach Hautfarbe und Geschlecht variieren. Weiße Männer in Europa und Nordamerika haben maximierte Menschenrechte. Bei Frauen darf es schon etwas weniger sein; es macht uns nichts aus, wenn sie wie in Deutschland für die gleiche Tätigkeit 22% weniger verdienen als ein Mann. 
Und bei Schwarzen oder Asiaten…, naja, da wird bei Massakern schon mal weggesehen.
 Es wird aber noch mehr differenziert.
Syrische Menschenleben sind wertloser als Libysche. Um Letztere zu retten betreibt die NATO recht große Mühen. Bei den billigen Syrern guckt man demonstrativ weg.
Wir empören uns ziemlich darüber, wenn im Iran Schwule an Baukränen aufgehängt werden und beklagen lautstark, dass in einem Teheraner Prozess die Aussage einer Frau grundsätzlich nur die Hälfte eines Mannes zählt.
 Wenn nebenan in Saudi Arabien Schwule getötet werden, stört das niemanden.
 Und von den Rechten, die Frauen im Iran haben, wagen die Damen in Riad noch nicht einmal zu träumen. Offensichtlich sind Saudi-Araber weniger wert.

Man weiß ja noch nicht mal, wie man überhaupt die Menschenrechte definiert.
 Noch nicht mal unter Freunden.
So wurde letztes Jahr ein bekannter Chef eines extrem antidemokratischen Zwergstaates im Bundestag empfangen. Der Geront, der einem bizarren Nachthemd-Fetisch frönt, Frauen grundsätzlich komplett aus der Teilhabe an der Macht ausschließt und ein Kinderschutzalter von 12 Jahren in seinem Staat gelten läßt, wurde mit Standing Ovations bejubelt. 

Der Greis im Kleid unterschreibt aber die UN-Menschenrechtscharta nicht, sondern lässt vielmehr seine Emissäre bei der UN ausrichten, es müsse ein umfassendes Recht auf Homophobie gewährt bleiben.

Für den schottischen Kardinal Keith Michael Patrick O’Brien ist same-sex-marriage vergleichbar mit Sklaverei; erst ihre Einführung sei das Ende der Menschenrechte.

Keith Michael Patrick O’Brien wettert „gegen die vom britischen Premierminister David Cameron und dessen Regierung angedachten Öffnung der Ehe für Lesben und Schwule. In einem Artikel in der britischen Zeitung “The Sunday Telegraph” hetzt der Glaubensvertreter gegen Lesben und Schwule und bezeichnet die “Homo-Ehe als einen grotesken Irrsinn” sowie einen Vorschlag einer “unaufrichtigen Regierung“. Weiter behauptet er, dass die Ehe-Öffnung für Lesben und Schwule eine “Zerstörung der allgemein anerkannten Menschenrechte” wären.“

Also ausgerechnet bei Ländern, deren Einwohner im Menschenwürde-Index ganz unten angesiedelt sind.
Niemand greift ein, wenn in Ruanda, in Somalia oder dem Sudan der ein oder andere Genozid vollzogen wird. 
Auch nicht wenn es sich um Christen handelt. 

Schwarze Leben zählen noch lange nicht so viel wie Weiße. Da dürfen auch Katholiken mal nach Herzenslust Leute massakrieren.

Als Schauplatz des schlimmsten Genozids der letzten Dekaden steht Ruanda zum einen für die Grausamkeit, zu der Menschen fähig sind - mindestens 850.000 Tutsi wurden regelrecht abgeschlachtet.
Zum anderen zeigt das Beispiel Ruanda die sagenhafte Indolenz, zu der die Weltgemeinschaft fähig ist, wenn es um Schwarze in Afrika geht.
Während im Europäischem und Amerikanischen Blätterwald sofort ein Orkan ausbricht, wenn es (wieder einmal) zu einem Konflikt in oder um Israel kommt und von ganz links bei ganz rechts gerne „Genozid!“ gekreischt wird, wenn dabei ein Dutzend Palästinenser getötet werden, läßt es dieselben Leute vollkommen kalt, wenn fast eine Million Tutsi ermordet werden.

Die Staatengemeinschaft interessiert das einfach nicht.
Ein Menschenleben ist eben nicht gleich Menschenleben.
Je dunkler die Hautfarbe, desto geringer das Interesse.

Dieser offenkundige Rassismus der westlichen Weltöffentlichkeit wird umso deutlicher, wenn man sich dazu vergegenwärtigt, daß das erst 1962 aus belgischer Kolonialherrschaft entlassene Land eine fast rein christliche Bevölkerung hat.
Unsere christlichen Mitbrüder!
Knapp 60% Katholiken, knapp 40% Protestanten.

Das am dichtesten bevölkerte Land Afrikas wurde gründlich missioniert.

Es handelte sich 1994 also um einen Genozid an Christen - verübt durch Christen.
Ein Christengenozid, der keineswegs beendet ist - aus Furcht vor Rache flohen mindestens zwei Millionen Hutu in die Nachbarstaaten; insbesondere in den Kongo, in dem jetzt fröhlich weiter gemordet wird.

Der katholische Klerus spielte eine besonders aktive Rolle im „Bürgerkrieg“ - nicht etwa als Friedensstifter, sondern als Todesengel.
Heute sind rund 50 Kirchen in Knochenmuseen umfunktioniert - in ihnen lagern die Gebeine der Opfer.

There are the bones of adults and, heartbreakingly, also of babies and toddlers who were hacked to death. Visitors come not to see how life was lived but to remember how people were killed.
These bone museums are a silent indictment against many clergymen who were involved in the genocide, in which some 800,000 ethnic Tutsis and moderate Hutus were put to death in just one hundred days - a faster killing rate than that achieved by the Nazis in Germany.

Die Katholiken haben das einst geradezu paradiesisch schöne Ruanda in einen Friedhof verwandelt.
Obwohl die Aufklärung des Völkermordes alles andere als gründlich voran geht, kann man schon jetzt sagen, daß der katholische Klerus nach den Berufssoldaten diejenige Berufsgruppe ist, die am stärksten in den Völkermord verwickelt war.

Internationale Gerichtshöfe verurteilten wenigstens einige der Mord-Priester und Terror-Nonnen.
So wurde die katholische Nonne, Schwester Theopister Mukakibibi, im Jahr 2006 zu 30 Jahren Haft wegen Völkermordes verurteilt.

Im Februar 2009 wurde Pater Emmanuel Rukundo zu 25 Jahren Gefängnishaft verurteilt.

Rukundo habe bekannt, mit seinen Morden die ethnische Minderheit der Tutsi „vollkommen oder zumindest in Teilen“ habe ausrotten wollen. ….. Nach Angabe des Gerichtes war der Geistliche zusammen mit Soldaten des Hutu-Volkes an der Tötung von Tutsi-Zivilisten beteiligt, die sich in der Stadt Gitarama in ein Seminar geflüchtet hatten.

Inzwischen finden noch größere Grausamkeiten im Nachbarland Kongo statt; sogar der Hardcore-Zyniker Scholl-Latour ist ernsthaft entsetzt.

Peter Scholl-Latour: Ich entrüste mich nicht leicht. Aber ich glaube, dass die Massaker, die zurzeit wieder am Kongo Millionen Opfer fordern, die größte menschliche Tragödie unserer Tage darstellen. Daran gemessen sind die schrecklichen Ereignisse vom 11. September 2001 in New York nur eine tragische Episode.   […]
ZEIT: Sie haben von dem Mitgefühl gesprochen, das in Ihrem Buch Afrikanische Totenklage steckt. Woher kommt die Anteilnahme?

Scholl-Latour: Ich kenne die Kongolesen gut und mag sie. Auch dort habe ich kritische Situationen erlebt, und gelegentlich hat man mir das Gewehr auf die Brust gesetzt. Aber die Kongolesen sind ein heiteres, liebenswertes Volk. Vor ein paar Jahren bin ich nach Kisangani gelangt, das frühere Stanleyville. Ich war der einzige Ausländer außer ein paar Mitarbeitern des Roten Kreuzes. Da ist mir ein alter elender Mann begegnet, und ich habe ihn, wie dort üblich, gefragt: »Wie geht’s?« Ein Kongolese antwortet dann eigentlich immer: »Es geht« oder »Es geht gut« oder »Es geht so leidlich«. Aber dieser Alte sagte: »Es geht schlecht, Monsieur.«

Die Massenmorde nehmen immer größere Auswüchse an.

Die im Kongo kämpfende 3000 Mann starke ruandische Hutu-Miliz FDLR (Demokratische Kräfte zur Befreiung Ruandas), die vor 15 Jahren das Volk der Tutsi fast ausgerottet hat, betätigt sich nach wie vor als amoralische Mord-Organisation.
Waffen kauft sie der regulären Kongolesischen Armee ab.

Dieser Umstand, von zahlreichen Zeugen beim laufenden Stuttgarter Kriegsverbrecherprozess gegen die FDLR-Führung geschildert, wird auch von den UN-Experten bestätigt. "Über 95 Prozent" der Waffen und Munition der FDLR kommen demnach direkt von Kongos Armee. Ehefrauen von Armeeoffizieren, die in Nord-Kivus Provinzhauptstadt Goma leben, seien in diesem Geschäft als Mittelsfrauen tätig - sogar dann, wenn ihre Männer gerade in Kampfhandlungen gegen die Miliz verwickelt sind.

Das Geld für die Waffenverkäufe erhält sie Hutu-Miliz FDLR unter anderem von der protestantischen Kirche ECC (Église du Christ au Congo) im Ostkongo, einer Partnerkirche der Evangelischen Kirche in Deutschland.

Deutsche EKD-Funktionäre möchten das lieber nicht an die große Glocke hängen und protestierten scharf gegen derartige Veröffentlichungen. Wer zahlt schon gern Kirchensteuer, wenn davon über Umwege Waffen für Massaker in Zentralafrika bezahlt werden?

Die ECC ist ein Zusammenschluss der protestantischen Kirchen in der Demokratischen Republik Kongo, Mitgliedskirche der Vereinten Evangelischen Mission (VEM) und zahlte 5000 Dollar an die Killer von der Hutu-Miliz.
Die Schneiders und Käßmanns und Hubers und Göring-Eckhardts sind ziemlich still bezüglich ihrer Evangelischen Missionare in Afrika.

Kuye-Ndondo wa Mulemera, kongolesischer Bischof und ECC-Präsident in der Provinz Süd-Kivu, habe „viel beigetragen“. Es seien, so [der ehemalige Missionar Kare] Lode, „Auslagen“ auf „Reisekosten“ erstattet worden, sobald die FDLR „Rechnungen“ vorgelegt habe. Zuvor hatte er geschildert, dass die FDLR den Transportmitteln der UN nicht traute. Deswegen seien sie „tagelang durch den Dschungel zu Fuß marschiert“ und die Treffen hätten sich deswegen verspätet. Wie „Auslagen“ von tausenden Dollar bei Fußmärschen entstanden sein sollen, bleibt unklar. Im Kongo versteht man unter „Transport“-Kosten in der Regel Schmiergeld.
[…] In seiner Aussage macht Lode klar, dass FDLR-Chef Murwanashyaka kein Interesse an der Demobilisierung hatte. Murwanashyaka habe Lode am Telefon aus Deutschland zu verstehen gegeben, er solle nur mit ihm als Präsidenten verhandeln, nicht jedoch mit seinen Kommandeuren im Kongo.
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Auch sogenannte Friedensverhandlungen sind ein Geschäft. Lode erwähnte evangelisch-katholische Rivalitäten. Laut UN-Bericht zahlte Kongos Regierung 2011 rund 60.000 Dollar an die FDLR-Führung, um Verhandlungen zu beschleunigen, die dann im Sand verliefen. Die FDLR nutzt konkurrierende Gespräche dazu, ihre militärische und womöglich auch ihre finanzielle Situation aufzubessern.
(Simone Schlindwein 06.03.12)