Dienstag, 6. März 2012

Die Menschenwürde ist antastbar.




Das mit den Menschenrechten, der „unantastbaren Würde“ ist international betrachtet eine ziemlich komplizierte Sache.
 Für wen gelten die eigentlich? 
Das kann je nach Hautfarbe und Geschlecht variieren. Weiße Männer in Europa und Nordamerika haben maximierte Menschenrechte. Bei Frauen darf es schon etwas weniger sein; es macht uns nichts aus, wenn sie wie in Deutschland für die gleiche Tätigkeit 22% weniger verdienen als ein Mann. 
Und bei Schwarzen oder Asiaten…, naja, da wird bei Massakern schon mal weggesehen.
 Es wird aber noch mehr differenziert.
Syrische Menschenleben sind wertloser als Libysche. Um Letztere zu retten betreibt die NATO recht große Mühen. Bei den billigen Syrern guckt man demonstrativ weg.
Wir empören uns ziemlich darüber, wenn im Iran Schwule an Baukränen aufgehängt werden und beklagen lautstark, dass in einem Teheraner Prozess die Aussage einer Frau grundsätzlich nur die Hälfte eines Mannes zählt.
 Wenn nebenan in Saudi Arabien Schwule getötet werden, stört das niemanden.
 Und von den Rechten, die Frauen im Iran haben, wagen die Damen in Riad noch nicht einmal zu träumen. Offensichtlich sind Saudi-Araber weniger wert.

Man weiß ja noch nicht mal, wie man überhaupt die Menschenrechte definiert.
 Noch nicht mal unter Freunden.
So wurde letztes Jahr ein bekannter Chef eines extrem antidemokratischen Zwergstaates im Bundestag empfangen. Der Geront, der einem bizarren Nachthemd-Fetisch frönt, Frauen grundsätzlich komplett aus der Teilhabe an der Macht ausschließt und ein Kinderschutzalter von 12 Jahren in seinem Staat gelten läßt, wurde mit Standing Ovations bejubelt. 

Der Greis im Kleid unterschreibt aber die UN-Menschenrechtscharta nicht, sondern lässt vielmehr seine Emissäre bei der UN ausrichten, es müsse ein umfassendes Recht auf Homophobie gewährt bleiben.

Für den schottischen Kardinal Keith Michael Patrick O’Brien ist same-sex-marriage vergleichbar mit Sklaverei; erst ihre Einführung sei das Ende der Menschenrechte.

Keith Michael Patrick O’Brien wettert „gegen die vom britischen Premierminister David Cameron und dessen Regierung angedachten Öffnung der Ehe für Lesben und Schwule. In einem Artikel in der britischen Zeitung “The Sunday Telegraph” hetzt der Glaubensvertreter gegen Lesben und Schwule und bezeichnet die “Homo-Ehe als einen grotesken Irrsinn” sowie einen Vorschlag einer “unaufrichtigen Regierung“. Weiter behauptet er, dass die Ehe-Öffnung für Lesben und Schwule eine “Zerstörung der allgemein anerkannten Menschenrechte” wären.“

Also ausgerechnet bei Ländern, deren Einwohner im Menschenwürde-Index ganz unten angesiedelt sind.
Niemand greift ein, wenn in Ruanda, in Somalia oder dem Sudan der ein oder andere Genozid vollzogen wird. 
Auch nicht wenn es sich um Christen handelt. 

Schwarze Leben zählen noch lange nicht so viel wie Weiße. Da dürfen auch Katholiken mal nach Herzenslust Leute massakrieren.

Als Schauplatz des schlimmsten Genozids der letzten Dekaden steht Ruanda zum einen für die Grausamkeit, zu der Menschen fähig sind - mindestens 850.000 Tutsi wurden regelrecht abgeschlachtet.
Zum anderen zeigt das Beispiel Ruanda die sagenhafte Indolenz, zu der die Weltgemeinschaft fähig ist, wenn es um Schwarze in Afrika geht.
Während im Europäischem und Amerikanischen Blätterwald sofort ein Orkan ausbricht, wenn es (wieder einmal) zu einem Konflikt in oder um Israel kommt und von ganz links bei ganz rechts gerne „Genozid!“ gekreischt wird, wenn dabei ein Dutzend Palästinenser getötet werden, läßt es dieselben Leute vollkommen kalt, wenn fast eine Million Tutsi ermordet werden.

Die Staatengemeinschaft interessiert das einfach nicht.
Ein Menschenleben ist eben nicht gleich Menschenleben.
Je dunkler die Hautfarbe, desto geringer das Interesse.

Dieser offenkundige Rassismus der westlichen Weltöffentlichkeit wird umso deutlicher, wenn man sich dazu vergegenwärtigt, daß das erst 1962 aus belgischer Kolonialherrschaft entlassene Land eine fast rein christliche Bevölkerung hat.
Unsere christlichen Mitbrüder!
Knapp 60% Katholiken, knapp 40% Protestanten.

Das am dichtesten bevölkerte Land Afrikas wurde gründlich missioniert.

Es handelte sich 1994 also um einen Genozid an Christen - verübt durch Christen.
Ein Christengenozid, der keineswegs beendet ist - aus Furcht vor Rache flohen mindestens zwei Millionen Hutu in die Nachbarstaaten; insbesondere in den Kongo, in dem jetzt fröhlich weiter gemordet wird.

Der katholische Klerus spielte eine besonders aktive Rolle im „Bürgerkrieg“ - nicht etwa als Friedensstifter, sondern als Todesengel.
Heute sind rund 50 Kirchen in Knochenmuseen umfunktioniert - in ihnen lagern die Gebeine der Opfer.

There are the bones of adults and, heartbreakingly, also of babies and toddlers who were hacked to death. Visitors come not to see how life was lived but to remember how people were killed.
These bone museums are a silent indictment against many clergymen who were involved in the genocide, in which some 800,000 ethnic Tutsis and moderate Hutus were put to death in just one hundred days - a faster killing rate than that achieved by the Nazis in Germany.

Die Katholiken haben das einst geradezu paradiesisch schöne Ruanda in einen Friedhof verwandelt.
Obwohl die Aufklärung des Völkermordes alles andere als gründlich voran geht, kann man schon jetzt sagen, daß der katholische Klerus nach den Berufssoldaten diejenige Berufsgruppe ist, die am stärksten in den Völkermord verwickelt war.

Internationale Gerichtshöfe verurteilten wenigstens einige der Mord-Priester und Terror-Nonnen.
So wurde die katholische Nonne, Schwester Theopister Mukakibibi, im Jahr 2006 zu 30 Jahren Haft wegen Völkermordes verurteilt.

Im Februar 2009 wurde Pater Emmanuel Rukundo zu 25 Jahren Gefängnishaft verurteilt.

Rukundo habe bekannt, mit seinen Morden die ethnische Minderheit der Tutsi „vollkommen oder zumindest in Teilen“ habe ausrotten wollen. ….. Nach Angabe des Gerichtes war der Geistliche zusammen mit Soldaten des Hutu-Volkes an der Tötung von Tutsi-Zivilisten beteiligt, die sich in der Stadt Gitarama in ein Seminar geflüchtet hatten.

Inzwischen finden noch größere Grausamkeiten im Nachbarland Kongo statt; sogar der Hardcore-Zyniker Scholl-Latour ist ernsthaft entsetzt.

Peter Scholl-Latour: Ich entrüste mich nicht leicht. Aber ich glaube, dass die Massaker, die zurzeit wieder am Kongo Millionen Opfer fordern, die größte menschliche Tragödie unserer Tage darstellen. Daran gemessen sind die schrecklichen Ereignisse vom 11. September 2001 in New York nur eine tragische Episode.   […]
ZEIT: Sie haben von dem Mitgefühl gesprochen, das in Ihrem Buch Afrikanische Totenklage steckt. Woher kommt die Anteilnahme?

Scholl-Latour: Ich kenne die Kongolesen gut und mag sie. Auch dort habe ich kritische Situationen erlebt, und gelegentlich hat man mir das Gewehr auf die Brust gesetzt. Aber die Kongolesen sind ein heiteres, liebenswertes Volk. Vor ein paar Jahren bin ich nach Kisangani gelangt, das frühere Stanleyville. Ich war der einzige Ausländer außer ein paar Mitarbeitern des Roten Kreuzes. Da ist mir ein alter elender Mann begegnet, und ich habe ihn, wie dort üblich, gefragt: »Wie geht’s?« Ein Kongolese antwortet dann eigentlich immer: »Es geht« oder »Es geht gut« oder »Es geht so leidlich«. Aber dieser Alte sagte: »Es geht schlecht, Monsieur.«

Die Massenmorde nehmen immer größere Auswüchse an.

Die im Kongo kämpfende 3000 Mann starke ruandische Hutu-Miliz FDLR (Demokratische Kräfte zur Befreiung Ruandas), die vor 15 Jahren das Volk der Tutsi fast ausgerottet hat, betätigt sich nach wie vor als amoralische Mord-Organisation.
Waffen kauft sie der regulären Kongolesischen Armee ab.

Dieser Umstand, von zahlreichen Zeugen beim laufenden Stuttgarter Kriegsverbrecherprozess gegen die FDLR-Führung geschildert, wird auch von den UN-Experten bestätigt. "Über 95 Prozent" der Waffen und Munition der FDLR kommen demnach direkt von Kongos Armee. Ehefrauen von Armeeoffizieren, die in Nord-Kivus Provinzhauptstadt Goma leben, seien in diesem Geschäft als Mittelsfrauen tätig - sogar dann, wenn ihre Männer gerade in Kampfhandlungen gegen die Miliz verwickelt sind.

Das Geld für die Waffenverkäufe erhält sie Hutu-Miliz FDLR unter anderem von der protestantischen Kirche ECC (Église du Christ au Congo) im Ostkongo, einer Partnerkirche der Evangelischen Kirche in Deutschland.

Deutsche EKD-Funktionäre möchten das lieber nicht an die große Glocke hängen und protestierten scharf gegen derartige Veröffentlichungen. Wer zahlt schon gern Kirchensteuer, wenn davon über Umwege Waffen für Massaker in Zentralafrika bezahlt werden?

Die ECC ist ein Zusammenschluss der protestantischen Kirchen in der Demokratischen Republik Kongo, Mitgliedskirche der Vereinten Evangelischen Mission (VEM) und zahlte 5000 Dollar an die Killer von der Hutu-Miliz.
Die Schneiders und Käßmanns und Hubers und Göring-Eckhardts sind ziemlich still bezüglich ihrer Evangelischen Missionare in Afrika.

Kuye-Ndondo wa Mulemera, kongolesischer Bischof und ECC-Präsident in der Provinz Süd-Kivu, habe „viel beigetragen“. Es seien, so [der ehemalige Missionar Kare] Lode, „Auslagen“ auf „Reisekosten“ erstattet worden, sobald die FDLR „Rechnungen“ vorgelegt habe. Zuvor hatte er geschildert, dass die FDLR den Transportmitteln der UN nicht traute. Deswegen seien sie „tagelang durch den Dschungel zu Fuß marschiert“ und die Treffen hätten sich deswegen verspätet. Wie „Auslagen“ von tausenden Dollar bei Fußmärschen entstanden sein sollen, bleibt unklar. Im Kongo versteht man unter „Transport“-Kosten in der Regel Schmiergeld.
[…] In seiner Aussage macht Lode klar, dass FDLR-Chef Murwanashyaka kein Interesse an der Demobilisierung hatte. Murwanashyaka habe Lode am Telefon aus Deutschland zu verstehen gegeben, er solle nur mit ihm als Präsidenten verhandeln, nicht jedoch mit seinen Kommandeuren im Kongo.
[…]
Auch sogenannte Friedensverhandlungen sind ein Geschäft. Lode erwähnte evangelisch-katholische Rivalitäten. Laut UN-Bericht zahlte Kongos Regierung 2011 rund 60.000 Dollar an die FDLR-Führung, um Verhandlungen zu beschleunigen, die dann im Sand verliefen. Die FDLR nutzt konkurrierende Gespräche dazu, ihre militärische und womöglich auch ihre finanzielle Situation aufzubessern.
(Simone Schlindwein 06.03.12)

Montag, 5. März 2012

und nun lebt es sich ganz ungeniert.....


NACHTRAG:

Mit Ebonoy und Ivory wird es nun doch nichts - Das Stabsmusikkorps äußerte Bedenken, da sich der Titel schwerlich als Trompetenversion intonieren lasse.

Wulff aber, um keine Extrawurst verlegen, zog gleich ein Wunschquartett aus dem Ärmel.

Und da Wulff auch über die musikalische Begleitung seines Abschieds entscheidet, tut sich nun ein weiterer Nebenkriegsschauplatz auf: Denn nach Angaben des Bundespräsidialamts möchte er vom Stabsmusikkorps statt der üblichen drei Titel gleich vier Stücke gespielt bekommen - eine Ehre, die zuletzt dem in der Truppe sehr beliebten Ex-Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) zuteil wurde.
Demnach stehen auf Wulffs Wunschliste "Over the Rainbow" von Harold Arlen, der "Alexandermarsch" von Alexander Leonhardt und "Da berühren sich Himmel und Erde" von Christoph Lehmann. Als vierten Titel habe er sich die "Ode an die Freude" von Ludwig van Beethoven gewünscht.

Der konservative Focus bemängelt unterdessen, die ganze Veranstaltung gerate ob des Absagen-Hagels und der öffentlichen Kritik zur Farce.

Na, das passt doch perfekt zur Amtsführung des peinlichsten Präsidenten aller Zeiten! Immer weiter so.


Nein, das wird wohl niemand behaupten, daß Christian Wulff noch einen guten Ruf zuverlieren hätte.
Insofern finde ich es schon beeindruckend konsequent, daß er nicht nur überhaupt ohne falsche Bescheidenheit auf die Extra-Würste  - NEBEN DES 200.000-Euro-Ehrensoldes - besteht, sondern auch noch ganz à la Raffke eine besonders hohe Summe abgreift.

Doch bei den Zuwendungen für Sekretärin, Referent, Dienstwagen usw. gibt es Unterschiede. Während Wulff-Vorgänger Horst Köhler über insgesamt 397.000 Euro im Jahr verfügen kann, erhält Walter Scheel „nur“ 241.000 Euro. Die Kosten teilen sich unter anderem in Personalkosten, Auto, Mieten, Bewirtschaftungskosten (Heizung, Reinigung, Energie) und Dienstreisen auf.
Klar ist dabei: Das Alt-Präsidentenbüro von Köhler im noblen Rosmarin-Karree an der Berliner Friedrichstraße ist teurer als das an Scheels Alterssitz in Bad Krozingen, Weizsäckers Büro in Berlin kostet mehr als das von Herzog in Heilbronn.

Wulff verlangt Bemutterung im Wert von 280.000 Euro oben drauf!

Ungeachtet der Debatte um Wulffs Ehrensold in Höhe von jährlich 199.000 Euro will das Präsidialamt im kommenden Haushalt auch das Büro und den Mitarbeiter für den Ex-Präsidenten beantragen. Die Kosten für den Stab sollen sich auf etwa 280.000 Euro pro Jahr belaufen.    Die Zahlungen hängen unter anderem von der Lage und damit von der Miethöhe der jeweiligen Büros ab. Zwischen 200.000 und 350.000 Euro im Jahr werden so je nach einstigem Amtsinhaber aus Steuergeldern aufgewandt, heißt es in Berlin, die höchsten Kosten liefen derzeit für Köhler auf. Hinzu kommen noch einmal Mittel für den Personenschutz, die aus dem Topf des Bundeskriminalamts beglichen werden.

Ich finde es klasse! 
Klasse und konsequent. So wird noch einmal überdeutlich um was für eine Sorte Mensch es sich beim langjährigen CDU-Bundesvizevorsitzenden Christian Wulff handelt und wie es um Frau Merkels Urteilskraft bestellt ist.
 Immerhin hat sie ganz allein den zehnten Mann an der Staatsspitze auserkoren; stets betont, welch ein „wunderbarer Präsident“ er sein werde und ihn bis zum Schluß eisern unterstützt.

Und es bleibt ja auch noch ein Fan übrig. 
Einer, der Wulff abgöttisch liebt und der ihn mit allen erdenklichen Wohltaten überschütten möchte - Christian Wulff selbst.
Er findet sich weiterhin einfach fabelhaft und kann bis heute kein Fehlverhalten erkennen; er meint er wäre „immer aufrichtig“ gewesen.

Daher will Wulff auch zum Abschied am 08.03.12 nicht irgendein kleineres Karo, sondern den größten Pomp, den die Bundesrepublik auffahren kann; den großen Zapfenstreich!

Daß irgendwelche Typen anfangen zu nörgeln, ficht den Anstands-freien Großburgwedeler nicht an.

"Ich halte den Großen Zapfenstreich für Herrn Wulff für unangemessen", sagte der Sprecher des Seeheimer Kreises in der SPD, Johannes Kahrs, Handelsblatt Online. "Seine Wahl, die Amtsführung und die Begleitumstände um seinen Rücktritt waren peinlich und unwürdig", sagte er.
Auch SPD-Haushaltsexperte Carsten Schneider sieht keinen Grund für einen Großen Zapfenstreich für Wulff.  […] Steuerzahlerbund-Vize Reiner Holznagel plädierte ebenfalls für einen Zapfenstreich-Stopp. "Es ist tatsächlich die Zeit für Bescheidenheit und Zurückhaltung. Nur so kann das Amt des Bundespräsidenten wieder eine breite Akzeptanz finden".  […]
Der frühere Heeresinspekteur Generalleutnant a. D. Helmut Willmann hält nach Informationen des Spiegels eine pompöse Verabschiedung ebenfalls für unangemessen. […]
Altbundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) warf Wulff vor, dem Amt des Staatsoberhaupts "schweren Schaden" zugefügt zu haben. "Er hat gleich die gesamte politische Klasse mit beschädigt", sagte Schmidt der Bild-Zeitung. Der Ex-Bundespräsident sei kein Opfer der Medien geworden: "Er ist ein Opfer seiner selbst", erklärte Schmidt.

Viel Freude mit der Zapfenstreichplanung hat der letzte Bundespräsident nicht; es prasselt ein gewaltiger Shitstorm auf ihn herab.
 Die Kommentatoren verfallen sogar schon in Mitleid.

Im Vote von SPIEGEL ONLINE sprechen sich mehr als 90 Prozent gegen den Zapfenstreich aus. Das Fernsehen zeigt fast jeden Abend Straßenumfragen, in denen Bürger gegen ihren Ex-Präsidenten pesten.
Kurz gesagt: Es ergießt sich ein Kübel Häme, Neid, Hass über Christian Wulff.
Man möchte sagen: Es reicht! Die Art und Weise, wie nun mit Wulff umgegangen wird, ist stillos, ja unmenschlich.


Walter Scheel, Richard von Weizsäcker, Roman Herzog und Horst Köhler behandeln Wulff unterdessen wie einen Aussätzigen; alle vier sagten die Teilnahme am Zapfenstreich ab, weil keiner sein Image durch gemeinsame Bilder mit dem intellektuell unterentwickelten Schnorrer und chronischen under-achiever Wulff ruinieren lassen will.
Es ist für die vier Vorgänger schon ärgerlich genug, daß durch den Bundesschnäppchenjäger im Amt ein grelles Licht auf die Kosten, die sie heute noch verursachen, geworfen wird. 

Köhler gab sogar bekannt auf seine 199.000-Euro-Apanage zu verzichten.
 (Das fällt ihm allerdings relativ leicht, da Kohl und Merkel ihn zuvor auf internationale Bankpöstchen gehievt hatten, die ihm eine weit höhere Pension als die lumpigen 200.000 Euro im Jahr einbringen)

Erbärmlich bemüht und damit Wulff-angemessen ist auch der traditionelle Musikwunsch des in Schimpf und Schande von Dannen Schleichenden:

Bei der für Donnerstag geplanten Verabschiedung wünscht sich Wulff vom Stabsmusikkorps der Bundeswehr das Lied "Ebony and Ivory" von Paul McCartney und Stevie Wonder.

Offensichtlich will Wulff damit seinen „Der Islam gehört auch zu Deutschland“-Satz und unterstreichen. Der verzweifelte Versuch also, eine völlig gescheiterte Präsidentschaft a posteriori geistig aufzumotzen.
In Wahrheit ist Wulff auch deswegen als dummdreister Schnorrer in Erinnerung, weil er einfach unfähig war seinen Job intellektuell auszufüllen. 
Zu keinem einzigen der aktuellen Megaprobleme fand der geistige Tiefflieger und Redner-Azubi Worte. 
Wulff war der große Schweiger, der dafür umso lieber nahm.

In der Tat empfindet man fast Mitleid für seine so offensichtliche Realitätsentkoppelung: Er merkt gar nicht, wie er sich immer tiefer reinreitet und noch die letzten Rudimente des einst vorhandenen Wohlwollens zertrümmert.

"Ebony and Ivory" ist nicht nur unerträglich plump mit der Tür ins Haus fallend und in einer Weise zum Mitschämen komponiert, daß sich mir schon 1982, als das Lied in den Charts war die Fußnägel hochbogen, sondern es ist auch musikalisch erbärmlich.
Primitive Melodie, schlimme Komposition.

Wenn ich Wulff etwas raten sollte, würde ich ihm andere Wunschtitel empfehlen:

„Loser“  (Beck)












Du hast im Ritz gesessen
Echten Lachs gegessen
Alles ohne mich!

Sekt und Grappa saufen
Mit von Hohenstaufen
Alles ohne mich!

Nachts um drei
Lässt du die Gerste frei
Alles ohne mich!

Das ist gemein
So gemein
Hundsgemein!
Das ist gemein
So gemein
Hundsgemein!

Du tanzt im Alcazar
Mit Scheich Ramadar
Alles ohne mich!

Da gibst du an
Mit meinem neuen Caravan
Alles ohne mich!

Hast in den Safe gefasst
Mein letztes Geld verprasst
Alles ohne mich!

Das ist gemein
So gemein
Hundsgemein!
Das ist gemein
So gemein
Hundsgemein!

Sonntag, 4. März 2012

Freiheit


Lars Haferkamp schreibt im aktuellen „vorwärts“ Gauck sei deshalb der SPD-Kandidat für das Bundespräsidentenamt, weil er „ohne wenn und aber für die Freiheit“ eintrete.
Damit wäre er genau auf der Linie Willy Brandts. Der Verdienst diesen Brandt-Fan ins Bellevue-Schloß zu hieven gebühre Sigmar Gabriel, der rein im Interesse des Landes gehandelt habe und im Gegensatz zu bösen, bösen Bundeskanzlerin nicht das parteipolitische Kleinklein gesucht habe.

Erst das Land, dann die Partei - nach diesem Motto handelte SPD-Chef Sigmar Gabriel. Von der CDU wurden laut Gabriel sogar „gestandene Sozialdemokraten“ als Präsidentschaftskandidaten ins Gespräch gebracht, nur um Gauck zu verhindern. In der Presse war von Henning Voscherau  und Klaus von Dohnanyi zu lesen. Doch Gabriel suchte keinen parteitaktischen Vorteil. Er blieb bei seinem überparteilichen Vorschlag. Ganz anders Angela Merkel. Sie betrieb Parteitaktik. Eine Politik, die ihr selbst und ihrer Partei nutzen sollte, aber nicht dem Land.
(Vorwärts, März 2012, s.12)

Es ist immer wieder beeindruckend was für einen Blödsinn auch Sozialdemokraten verzapfen können.
 Dieser kurze Absatz strotzt nur so von Un- und Halbwahrheiten.
Selbstverständlich dachte Gabriel rein parteitaktisch, als er 2010 Trittins Personal-Vorschlag folgte. Merkel, die eine gute Freundin Gaucks ist, hätte den konservativen Christen vermutlich selbst als Kandidat nominiert, wenn Rot-Grün die Personalie nicht parteitaktisch vergiftet hätte. 
Daß Gauck 2010 gewählt werden könnte, schien ohnehin unmöglich ob der riesigen schwarzgelben Mehrheit. 
Gabriels Absicht war es einen Keil in die Regierungskoalition zu treiben.
 Hätte Rot-Grün eine Mehrheit in der Bundesversammlung gehabt, wäre garantiert ein Sozialdemokrat von ihm nominiert worden.

Das gleiche Spiel trieb die Kanzlerin mit dem Namen von Dohnanyi, der wie ich meine ein guter Hamburger Bürgermeister war, aber in den folgenden Dekaden kontinuierlich geistig abgedriftet ist und heute einer Clement-artigen FDP-Vorliebe frönt.
 Er hat immer wieder dezidiert anti-rotgrüne Positionen bezogen und fährt als enger Freund Angela Merkels längst auf CDU-Ticket.
 Das ging soweit, daß Dohnanyi sogar nach der großen und genialen Parteitagsrede Helmut Schmidts aus dem Dezember 2011 ernsthaft von dem 93-Jährigen Ex-Kanzler verlangte er müsse sich bei Guido Westerwelle entschuldigen, da er dessen „Außenpolitik“ zu Unrecht angegriffen habe. 
Von einem „gestandenen Sozialdemokraten“ zu reden, ist also der blanke Hohn.

Der frühere Hamburger Bürgermeister Klaus von Dohnanyi forderte Altkanzler Helmut Schmidt (beide SPD) auf, in der Rede auf dem SPD-Parteitag enthaltene Äußerungen über die Bundesregierung zu korrigieren. Die Merkel-Regierung im Zusammenhang mit der Bewältigung der Eurokrise "deutschnational" zu nennen, sei "grundfalsch" und "sehr gefährlich", kritisierte Dohnanyi den Altkanzler. "Ich finde, das war ein großer Fehler und ich hoffe, er findet einen Weg, das zu korrigieren."

Außerdem phantasiert Haferkamp ein Bundespräsident Voscherau würde „ihr selbst“, also Merkel, und „nicht dem Land“ nützen. Im Gegensatz zu Gauck.

Auch das ist einfach abwegig. 
Ich denke, ein schnörkelloser Intellektueller wie Voscherau, der persönlich bescheiden, aber kenntnisreich und witzig ist, würde dem Land ganz enorm nutzen.
 Im Gegensatz zum über alle Maßen eitlen und selbstverliebten Religioten Gauck, der offensichtlich nicht immer so besonders viel nachdenkt, bevor er redet und zudem auch gerne von Dingen redet, von den er gar nichts versteht.

„Das weltweite Internet bietet alle Voraussetzungen, um die in den ersten zehn Artikeln unserer Verfassung verankerten Grundrechte aller Bürger in diesem Land auszuhöhlen. Dies gilt insbesondere für das Recht auf freie Meinungsäußerung und Pressefreiheit in Artikel Fünf – eine wesentliche Grundlage unserer funktionierenden Demokratie – und es gilt letztlich auch für den Kernsatz unserer Verfassung, den Artikel Eins des Grundgesetzes: Die Würde des Menschen ist unantastbar.“


Willkommen in der Realität. 
Gauck outet sich hier nebenbei nicht nur als Internet-Depp, sondern er kennt auch offensichtlich nicht die Grundrechte in unserer Verfassung.
Beides ist nicht so schlimm, aber als Ahnungsloser dennoch dazu Analysen abzugeben, nur weil man sich selbst so gern reden hört, scheint mir weniger als Qualifikation zum Bundespräsidenten nützlich zu sein.

Aber um schriftlich zu erklären das Internet höhle die Pressefreiheit, die Meinungsfreiheit oder die Versammlungsfreiheit aus, muß man schon regelrecht großverblödet sein. 

Daß so ein Mann, der die Freiheiten allesamt durch das Internet „ausgehöhlt“ sieht, zudem auch noch von der SPD-Parteizeitung als großer Freiheitsexperte bejubelt wird, macht einigermaßen fassungslos.

Man könnte zum Beispiel mal die Demonstranten auf dem Tahrir-Platz in Kairo fragen, ob das Internet ihrer Meinung nach die Versammlungsfreiheit bedroht. Oder nehmen wir das Recht auf die freie Entfaltung der Persönlichkeit, wie es in Artikel Zwei festgelegt ist.
Das Internet hat vielen Menschen überhaupt erst die Möglichkeit gebracht, ohne großen Aufwand Gleichgesinnte zu treffen, und so ihre Persönlichkeit zu entfalten – auch wenn das im Einzelfall bedeutet, sich Chatroulette-Schwänze anzusehen. Welche Entfaltungsmöglichkeiten uns das Netz genommen hat oder nehmen könnte, ist dagegen schwer nachzuvollziehen.

Freiheitsexperte Gauck ist Protestant im Lutherischen Sinne; also obrigkeitshörig.
Occupy-Aktivisten findet er „unsäglich albern“ und wenn der Staat sein soziales Gesicht zeigt, um die existentiellen Nöte der Unterschicht wenigstens ein bißchen abzufedern, macht Gauck den Westerwelle 2.0 und sieht den Nanny-Staat drohen.

Wie Gauck den Begriff Freiheit versteht, kann man in seinem Pamphlet Freiheit. Ein Plädoyer“, welches soeben erschienen ist, nachlesen.

Freiheit hat für Gauck zwei Gesichter. Das eine, „anarchische“, das er mit dem jugendlichen Drang nach Herrschaftsfreiheit verbindet und am Beispiel der Französischen Revolution in den Terror münden sieht, ist ihm „Freiheit von etwas“.
Freiheit als Pflicht
Dagegen setzt der einstige Kirchenfunktionär eine „Freiheit für und zu etwas“, eine, „die man nicht fürchten muss“ und die vor allem das ist: „Verantwortung“. Die „wunderbare Fähigkeit“ dazu hält Gauck für gottgeschaffen – und so bekommt Freiheit etwas von einer Pflicht, die sich auf fehlende materielle Bedingungen nicht herausreden dürfe: „Zu essen haben wir mehr als genug. Wir haben auch genug zu trinken. Damit kann man uns nicht locken.“
Dem Glück der Existenz, jenem „Erfüllt-Sein“ durch Verantwortung, von dem Gauck spricht, fehlt es am sozialen Fundament. Nicht durch „unsere Rolle im Wirtschaftsleben“ glaubt er die Menschen bestimmt, „entscheidend ist die Teilhabe an der Macht“. Die Freiheit, die Gauck hier meint, kennt nicht das, was ein Liberaler wie Ralf Dahrendorf „Dimensionen der Freiheit in Gesellschaft“ genannt hat, also ihre unauflösbare Verbindung mit Chancen.
Mehr noch: Gaucks Plädoyer zur „Bereitschaft, Ja zu sagen zu den vorfindlichen Möglichkeiten der Gestaltung“ sieht im Bestehenden schon das Erreichbare.

Das kommt also dabei raus, wenn Obersozi Gabriel mal nicht als Sozi agiert, sondern „für das Land“ entscheidet.

Vielen Dank.