Neulich sprach ich einen alten Mitschüler.
Er arbeitet seit vier Jahren in einer Behörde, nachdem er
vorher 20 Jahre in einem Privatunternehmen Karriere gemacht hatte, sehr viel Geld
verdiente. Aber 12-Stunden-Tage und dauernde Geschäftsreisen waren ihm
irgendwann so lästig, daß es das viele Geld nicht mehr wert schien. Im Alter
von 50 meldete er sich „beim Amt“, um sich für einen Job zu bewerben.
Der Chef fiel aus allen Wolken, weil er auf dem Posten noch
nie eine derart überqualifizierte Person hatte. Es war in etwa so, als hätte
sich ein Chefarzt für eine Halbtagsstelle als Schulkrankenschwester beworben.
Natürlich gab es sehr viel weniger Geld, aber dafür
Jobsicherheit und die Aussicht eine ruhige Nine-to-five-Kugel zu schieben, um
auch mal Freizeit zu haben und den Hobbies zu frönen.
Wer hätte gedacht, daß der Aspekt „Jobsicherheit“ durch eine
Pandemie so bald eine große Rolle spielen würde?
‚Fühlst du dich denn nun entspannter und glücklicher‘, fragte
ich und hörte ein Zähneknirschen durch die Telefonleitung.
Finanziell wäre es eine schwierigere Umstellung als erwartet
gewesen; ihm sei gar nicht bewußt gewesen, wieviel Geld er früher ausgegeben
hätte.
Und so gemütlich ist es im Amt auch nicht, weil alle Kollegen
Beamte sind und jedes Klischee erfüllen. Immer nur Dienst nach Vorschrift, um
17.00 Uhr wird der Kugelschreiber fallen gelassen; egal welche Katastrophe sich
anbahnt.
Bei jeder Schwierigkeit wird achselzuckend erklärt, weswegen
man dafür nicht zuständig wäre.
Es bleibt also alles an meinem Freund hängen, der es gewöhnt
ist Probleme zu lösen und die Tatenlosigkeit nicht erträgt.
Außerdem ist es auf Dauer schwer zu ertragen, wenn die
Vorgesetzten vergleichsweise ahnungslos sind. Sein direkter Chef ist 60 Jahre alt
und lehnt Computer ab. Es muss alles in Papierform geschehen; mit Emails will er
nichts zu tun haben.
‚Wieso ist denn ausgerechnet so ein Depp der Chef da und
verdient doppelt so viel wie du?‘
-
Weil streng nach Dienstjahren und nicht nach Qualifikation
befördert und das Gehalt erhöht wird.
‚Aber der wird doch bald mal in
Rente gehen; kannst du dann wenigstens den Chefposten bekommen?‘
-
Nein, denn das ist „gehobener Dienst“ und so
eine Gehaltsstufe erreicht man dort nur mit einem abgeschlossenen
Hochschulstudium.
‚Du hast doch damals eins der
beste Abis unserer Stufe gemacht und sogar zwei Uni-Abschlüsse mit
Auszeichnung!‘
- Das zählt nicht, weil beide Diplome von Fachhochschulen stammen. Das wird in
Behörden nicht anerkannt.
Der einzige in dem Büro, der den
Job wirklich versteht und 20 Jahre Berufserfahrung hat, kann also prinzipiell
keine Leitungsfunktion übernehmen und niemals so gut wie die Beamten bezahlt
werden.
Deswegen sind es offenbar auch
getrennte Arbeitswelten. Man wechselt eher nicht von einer „Karriere in der
Wirtschaft“ hinüber in die Politik oder Beamtenwelt.
Anders sieht es an der absoluten Spitze der Beamtenpyramide
aus. Die Top-Stellen werden nach Parteizugehörigkeit und Mauschelei vergeben.
Qualifikation und Bildungsabschlüsse spielen keine Rolle. So ähnlich wie bei
Klerikern, die auch ganz oben in der Besoldungstabelle einsteigen und sich
nicht wie mein armer Schulfreund mit schnöden A-Gehaltsstufen begnügen müssen.
(….) Katholischer Bischof zu sein ist eine feine Sache. Man kann immer bequeme Klamotten tragen, reist durch die Welt, steigt nur
in Luxushotels ab, wird von allen Menschen ehrfürchtig „Eminenz“ oder
„Exzellenz“ genannt, von Regierenden hofiert, wohnt in prächtigen Villen,
fliegt Erster Klasse, ist weltweit vernetzt, hat Zugang zu allen Talkshows oder
Zeitungen, wenn man mal seinen Senf dazu geben will, ist privat versichert, hat
immer ein kleines Heer willfähriger Diener um sich herum, muss nie selbst
kochen oder putzen, hat bis ins allerhöchste Alter weitere Aufstiegschancen,
ist nahezu immun vor Gericht und kommt nach dem Tod garantiert in den Himmel.
Es ist aber nicht alles nur positiv.
Trotz ihres quasi göttlichen Standes müssen sie sich nach der schnöden
Beamtenbesoldungstabelle B (für höhere Beamte); B1-B11 (7.000 bis 15.000 Euro
monatlich) bezahlen lassen. Sie steigen aber erst ab B8 ein in die schnöde
weltliche Gesellschaft. B8 bekommen etwa die Bürgermeister von Bremen oder Magdeburg.
B9 stehen Staatssekretären in den Bundesministerien, dem
Verfassungsschutzpräsidenten, Botschaftern, Gerichtspräsidenten, Direktoren der
Bundesbank, dem BKA- und BND-Chef, allen Generalleutnants, Vizeadmiralen,
Generaloberstabsärzten und Admiraloberstabsärzten der Bundeswehr und dem Chef
des Bundesrechnungshofes zu.
B10 erhalten Ministerialdirektoren, der Chef der Rentenversicherung sowie
Generäle und Admiräle der Bundeswehr, sowie die meisten Behördenchefs (BAMF,
Bundeswehrbeschaffungsamt, Bundesversicherungsamt, etc)
Ein Bischof bekommt B8, ein Erzbischof oder Kardinal erhält mindestens B9
Nach der aktuellen Besoldungstabelle sind das
monatlich für
B8 11.373,67 EUR, B9 12.051,37 EUR, B10 14.197,53 und B11 14.749,49 EUR Ein Domdekan muss von B2 (8.176,63 EUR) leben, ein Generalvikar darbt mit
B3 (8.658,13 EUR).
Bei den Bischöfen, Erzbischöfen und Kardinälen kommen aber Zuschläge aus
Rom hinzu, so daß Letztere leicht auf 15.000,00
EURO monatlich kommen.
Brutto oder netto muss man in diesem Fall nicht fragen, da die Gottesmänner
fast völlig von Steuern und Abgaben befreit sind.
(…..)
(Bischofsleid, 08.03.2020)
Horst Seehofer, der schon
Bundestagsabgeordneter, Parteichef, Bundesminister, Ministerpräsident und
Bundessuperminister war, besitzt gar keine akademische Qualifikation.
Er hat noch nicht mal Abitur gemacht, sondern begann nach seinem
Realschulabschluss eine Lehre zum „Amtsboten“ und stieg in der bayerischen
Kommunalverwaltung bis zum Verwaltungsinspektor auf.
Ohne einen Hauch von medizinischer Kenntnis war er von 1992
bis 1998 Gesundheitsminister unter Helmut Kohl. Ebenfalls ohne die geringste
Fachkenntnis war er von 2005 bis 2008 Bundesminister für Ernährung,
Landwirtschaft und Verbraucherschutz, wechselte dann in das Amt als bayerischer
Ministerpräsident und ist seit 2018 nun als erster Laie und Nicht-Jurist
Verfassungsminister.
Seehofer ficht das aus mehreren Gründen nicht an. Erstens war er für die früheren Ministerien auch nicht
qualifiziert, zweitens nennt er sich frech „einen Erfahrungsjuristen“, der
schon so viele Anwälte kennengelernt habe, daß er sich selbst als Anwalt fühle
und drittens ist Seehofer so notorisch arbeitsscheu, daß er ohnehin kaum im Ministerium
ist.
Das immerhin ist ein Argument. So sehr man sich auch anstrengt,
es fällt einem keine politische Handlung ein, für die er als Minister jemals
gestanden hat.
(…..) Lockdown, Grenzschließungen, rechtsradikaler Terror,
Flüchtlingskatastrophen an Europas Süd- und Ost-Grenzen, Koordination
Bundesländer-Coronamaßnahmen, Logistik für die Verteilung von
Hygienematerialien, Information der Bevölkerung über
Ausgangssperren. All das ist das ureigentliche Spielfeld
eines Superministers für Heimat, Bau, Integration, Inneres, Verfassung etc. [….] Unglücklicherweise heißt der Bundesminister Horst Seehofer, der seit
2018 allenfalls durch strikte Arbeitsverweigerung auffällt. (…..)
(Die Schande Bayerns und Deutschlands, 29.12.2020)
Insbesondere während der Pandemie, in der so viel Koordinierungsbedarf
für einen Bundesinnenminister bestanden hätte und in der so viele verwaltungsrechtliche Fragen
auftauchen, ist der Amtsinhaber konsequent abwesend.
Crazy Horst hat ganz offensichtlich keine Lust mehr und ist
nur noch durch ostentatives Schwänzen und Abwesenheit aus dem Kabinett bekannt.
Während Scheuer
und Müller regelmäßig in den Medien auftauchen – wenn auch im Falle Scheuers
fast ausschließlich als Witzfigur, taucht Seehofer komplett ab. Horst
Seehofers Faulheit ist so ausgeprägt, daß sie regelrechter Arbeitsverweigerung
gleichkommt.
(….) Seehofer ist nicht mit rationale Maßstäben zu bewerten, sondern eher
neroesk-Trumpisch.
Ihm gelingt nichts. Er sät nur Zwietracht. All seine CSU-Herzensprojekte wie die Herdprämie oder die Antiausländermaut
sind verfassungswidrig und/oder gescheitert, seine CSU-Minister können einfachste Rechtsstaatsprinzipien nicht einhalten,
mit Grausen werfen prominente Parteimitglieder ihre Parteibücher weg,
er konnte nicht verhindern, daß der von ihm zutiefst gehasste Söder sein
Nachfolger wird, er konnte KTG nicht zurückbringen und insbesondere ist er
nicht in der Lage sein Amt in Berlin auszufüllen. Er ist so überfordert, daß er
seit Wochen alle wichtigen Termine schwänzt. Seehofer erschien nicht zum Integrationsgipfel
und stellte fürderhin seine Arbeit ein.
[….] In den vergangenen Tagen hat
sich Seehofer nicht gerade konstruktiv verhalten. In der CDU ist man genervt
von seinen ständigen Absenzen. Dass er die Unionsfraktionssitzung am Dienstag
geschwänzt hat, habe nicht zur Befriedung beigetragen, sagt einer aus der
Fraktionsspitze. Zur Aktuellen Stunde über das Flüchtlingsschiff Lifeline am
Mittwoch habe er herbeizitiert werden müssen. Und bei der Regierungserklärung
der Kanzlerin am Donnerstag habe er wieder gefehlt. Auch in der CDU-Zentrale
haben sie keine Erklärung. Was treibt den CSU-Chef wirklich? [….]
(SZ, 29.06.2018)
Seehofer hat scheinbar noch nicht mal begriffen, daß er nun Bundesminister
unter Merkels Anleitung ist und in Berlin arbeitet.
[…..] Horst Seehofer ist
Bundesminister mit Dienstsitz in Berlin. Laut "Bild"-Zeitung ist er
dennoch über das Gespräch mit Kanzlerin in der Hauptstadt unglücklich: „Ich
fahre extra nach Berlin, und die Kanzlerin bewegt sich null Komma null“,
zitiert ihn die Zeitung. [….]
(SPON, 01. Juli 2018)
Der arme Irre hält sich offenbar immer noch für den König von Bayern und
glaubt Merkel müsse devot zu ihm kommen. (….)
(Impudenz des Monats Juni 2018)
Seit Januar
2019 hat Seehofer jede einzelne CSU-Vorstandssitzung geschwänzt.
Faulheit ist schon allein keine gute Voraussetzung für einen
Ministerjob. Verblüffend ist aber, daß der Mann aus Nichtstun öffentlich
ableitet, besonders qualifiziert zu sein.
Er ist nicht nur selbsternannter „Erfahrungsjurist“, obwohl
er weder akademische noch praktische Erfahrungen in dem Job hat.
Nein, da er Gesundheitsminister war, meint er auch, sich
besser mit medizinischen und epidemiologischen Angelegenheiten als der
habilitierte Mediziner und Epidemiologe Prof. Dr. med. Karl Lauterbach
auszukennen.
Lauterbach, der sich selbst ebenso wie Merkel, Bundespräsident
Frank-Walter Steinmeier, der Präsident des Robert Koch-Instituts, Lothar Wieler
und Regierungssprecher Steffen Seibert
mit Astra Zeneca impfen ließ und den
Vektorimpfstoff als sehr gutes und wirksames Vakzin dringend empfiehlt, konnte
aber nicht zu dem „Erfahrungsmediziner Seehofer“ durchdringen.
[…..] Anfang April hatte die Bild-Zeitung berichtet, Seehofer habe einen
Appell von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) an die älteren
Kabinettskollegen, sich mit dem Vakzin von Astrazeneca impfen zu lassen,
zurückgewiesen. „Ich lasse mich nicht bevormunden“, sagte er demnach zu Bild. In sozialen Medien hatte es Kritik an dieser Entscheidung gegeben –
auch weil andere ältere Mitglieder des Kabinetts sich für eine Impfung mit
Astrazeneca entschieden. Seehofer erklärte seine Haltung so: „Es kann jeder zu
jedem Impfstoff seine persönliche Ansicht haben. Ich habe seit meiner Zeit als
Gesundheitsminister zu Sicherheit bei Arzneimitteln eine bestimmte Einstellung,
und die habe ich bis zum heutigen Tage.“ [….]
(Aerzteblatt, 11.05.2021)
Horst Seehofer war also nicht nur egoistisch und
besserwisserisch; nein, er talibanisierte auch noch seine eigene Bundesregierung,
indem er die Bemühungen gegen das schlechte AstraZeneca-Image anzugehen,
hintertrieb.
Damit verlangsamt der Innen-, Heimat-, Integrations-,
Sport-, Bau- und Verfassungsminister den Weg zur Herdenimmunität.
Seehofers medizinisches Wissen konnte ihn allerdings nicht
vor dem Sars-CoV-2 bewahren.
Der Superminister ist, wie heute gemeldet wurde, mit Corona infiziert. Vier Wochen nach seiner Erstimpfung erwischte es ihn. War da vielleicht jemand zu faul, um immer Masken aufzusetzen
und sich die Hände zu desinfizieren?
Nun sitzt er in heimischer Quarantäne und kann nicht in
Berlin arbeiten.
Also alles wie immer.