Eigentlich
war ich davon ausgegangen, daß Nahles weiterhin intellektuell untergetaucht bis
zur Bundestagswahl 2017 im politischen Tarnmodus bleibt.
Sie hofft
darauf ungerechtfertigt wieder mit einen schönem Ministerpostenbelohnt zu werden, verteilt parteiinterne
Wohltaten, so daß ihr möglichst viele Sozi-Funktionäre zu Dank verpflichtet
sind.
In aller Stille baut
Andrea Nahles das Arbeitsministerium zu einer Art Gegenparteizentrale um. Sie
will Parteichef Gabriel nicht stürzen, aber bereit sein für die Ära nach ihm.
[….] Sie stellt sich politisch und strategisch
für die Zukunft auf wie niemand sonst in der SPD. Und sie wappnet sich zugleich
für die Post-Gabriel-Ära.
[….]
Sie will sich bereithalten. Deshalb
schart sie ein Team von Leuten um sich, die schon jetzt Programme entwerfen,
die der SPD irgendwann wieder zur Macht verhelfen könnten. [….] Denn vom ersten Tag im Arbeitsministerium an
hatte Nahles mehr im Sinn als nur ein ordentlich geführtes Haus. Stein für
Stein formt sie das Ministerium um zu einer Art heimlicher Parteizentrale.
Staatssekretär Thorben Albrecht stand seiner Chefin schon im Willy-Brandt-Haus
als Abteilungsleiter zur Seite und hat einige Jahre beim DGB zugebracht. [….][….]
Die Truppe soll Antworten finden auf alle
wichtigen Fragen der Zeit, egal ob es um die Arbeitswelt geht, um Umverteilung,
Familienthemen oder Flüchtlinge. Nahles' Denkfabrik soll Antworten für die
Zukunft liefern. "An Andrea kommt in der SPD niemand mehr vorbei",
sagt ein SPD-Spitzenmann.[….]
(DER
SPIEGEL 46/2015)
Spätestens
2018 dürfte das große Köpferollen in der SPD-Spitze beginnen und dann würde sie
wie Kai aus der Kiste auf den Stuhl der Vorsitzenden hopsen.
Vorbild Merkel.
Die mochte innerhalb der CDU auch niemand so richtig, als sie den Parteivorsitz
übernahm. Aber die Situation der Partei war damals dermaßen desaströs, daß sich
niemand die Hände schmutzig machen wollte. Konkurrenten waren nicht da und
offenbar erkannte nur Merkel, daß es eigentlich nur besser werden konnte.
Nahles denkt
vielleicht auch, daß es nach einem Gabriel-induzierten Wahlabsturz nur besser
werden kann.
Für die
These spricht, daß irgendwann einmal auch Merkel abtreten wird. Die
Vorsitzende, die die Partei personell und konzeptionell komplett ausbluten
ließ. Ohne Merkel hat die CDU ein ähnlich großes Problem wie die SPD. Man sieht
in Baden-Württemberg, daß auch in den extremen CDU-Hochburgen nie vorstellbar
gewesene Abstürze möglich sind.
Man
erinnere sich auch an die katastrophale Großstadtschwäche der CDU, die bei den
Hamburger Bürgerschaftswahlen am 15.02.2015 mit 15,9% durchs Ziel ging – wenige
Jahre nachdem sie dort noch mit absoluter Mehrheit regiert hatte.
Gegen
die These vom zwangsläufigen Wiederaufstieg der SPD spricht allerdings ihre
zimperliche Anhängerschaft, die üblicherweise nicht einfach mit jemand
zufrieden ist, der einen irgendwie an die Macht bringt, sondern damit auch noch
inhaltliche Forderungen verbindet.
Die ehemalige
Messdienerin und äußerst fromme Katholikin Nahles liebt nur Jesus noch mehr als
ihre Heimat, die Eifel – so beobachtet es die konservative WELT.
Eine Journalistin hat
Andrea Nahles einmal "fanatische Heimatliebe" attestiert. Für sie ist
die Eifel Anfang und Ende ihres Lebens. Dorthin wird sie zurückkehren, auch
wenn sie eines Tages Bundeskanzlerin wird. [….] Ist zu viel Eifel in Andrea Nahles, um sich
auf der Weltbühne zu bewegen?
Man hat ähnliche
Makel, auf eine Pfarrerstochter aus der DDR gemünzt, schon einmal entdeckt und
sich schwer getäuscht. Wie Angela Merkel ist Andrea Nahles Machtpolitikerin mit
Leidenschaft. [….]
(DIE
WELT, 01.08.2015)
Nahles‘
Frömmigkeit scheint sogar ausgeprägter zu sein, als ich dachte.
Denn zu
Ostern, dem höchsten christlichen Feiertag, an dem das größte Wunder Gottes,
die Wiederauferstehung Jesu gefeiert wird, glaubt auch die Arbeitsministerin an
Wunder.
Osterwunder: Nahles
sieht SPD kurz vor großen Siegen
[….]
Im
Osten kämpft die SPD weitenteils mit der 10-Prozent-Marke. Bundesweit steht die
Partei unter Führung von Sigmar Gabriel in Umfragen so schlecht wie seit Jahren
nicht. Und was sagt Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles dazu? Sie sieht die
Chancen für die Sozialdemokraten bei der Bundestagswahl 2017 wachsen. Warum?
»Frau Merkel hat ihren Nimbus der Unbesiegbarkeit inzwischen verloren«,
behauptet die SPD-Politikerin der »Bild«. »Für die SPD heißt das: Wir können
nächstes Jahr selbstbewusst in den Wahlkampf ziehen.« [….]
Politikaffine
Amerikaner können sich nicht beklagen. Es ist ordentlich was los im Wahljahr
2016.
Vielleicht
wird es, kurz vor ihrem 70. Geburtstag doch noch was mit dem Amt des
US-Präsidenten und Hillary.
Bisher
hatte sie in ihrem Leben arge Timingprobleme.
Hillary Diane Rodham Clinton (* 26. Oktober 1947 in Chicago) ist definitiv
fleißig, gebildet, intelligent und ehrgeizig genug für das höchste Amt der
Welt.
Als ihr
Mann 1993 US-Präsident wurde, hätte sie mit Mitte-40 auch ein gutes Alter dafür
gehabt, aber damals war die Nation noch nicht so weit, um eine Frau in Betracht
zu ziehen. 2001, als ihr Mann aus dem Amt schied, war sie 53, konnte aber nicht
direkt kandidieren, weil sie nun in der Schublade „First Lady“ steckte und sich
erst einmal als Senatorin eigene Meriten verdienen mußte.
Auch
2004 mit mittlerweile Ende 50 wäre es sehr schwierig gewesen zu kandidieren, da
sie noch Junior-Senatorin war, Bush erst eine Amtszeit hinter sich hatte und
ein Amerika im Krieg sich immer noch mit einer weiblichen Oberkommandierenden
schwer getan hätte.
2008,
mit 61 sah es wirklich gut aus, aber da unterlag sie gegen den jüngeren Obama,
gegen den sie natürlich auch 2012 nicht antreten konnte.
Inzwischen
geht sie auf die 70 zu und hat aufgrund ihrer Dekaden andauernden Präsenz in
der Politik mit miserablen Ratings bei ihrer „likeability“ zu kämpfen.
Hätte sie doch bloß 2008 bei den demokratischen Vorwahlen gegen den 14 Jahre
jüngeren Obama gewonnen.
Sie wäre
als Präsidentin sicher härter gegen die GOP vorgegangen, hätte vielleicht auch ob
ihrer Hautfarbe weniger Blockaden erleben müssen.
Barack
Obama wäre ein wichtiger Minister geworden und könnte jetzt, 2016, mit
administrativer Erfahrung und im besten Präsidentschaftskandidatenalter von 54
Jahren nächster US-Präsident werden.
Hätte,
wäre, könnte.
Inzwischen
wirkt Hillarys Bewerbung geradezu etwas verzweifelt. Es ist ihre letzte Chance
und in den parteiinternen Vorwahlen steht sie nur deswegen so gut da, weil ihr
als reicher und einflussreicher Strippenzieherin hunderte Superdelgates die
Treue geschworen haben.
Dabei
dreht sich der Wind an der demokratischen Basis. Hillary gilt wegen ihrer
Verbindungen zur Wall-Street als befleckt.
So
ändern sich die Zeiten. Die wohlwollenden Kontakte zu Industriemagnaten und
Bankern galten bei ihrem Mann 1992 noch aus Ausweis seiner wirtschaftlichen
Kompetenz. Nach den Lehmann Brothers ist das eher ein Igitt-Faktor.
Zudem
ist Obama unbeliebt und so entstand in großen Teilen der US-Bevölkerung eine
enorme Parteiwechselstimmung.
Da traf
es sich gut für die Republikaner, daß sie auch noch mit zwei relativ jungen
Latinos antraten.
Was
zählt schon Erfahrung, wenn große Teile der amerikanischen Öffentlichkeit ins
Post-Truth-Zeitalter diffundiert sind und perfide Hetze Politik ersetzt?
Da kommt
es gerade Recht, daß die Republikaner mit Donald Trump an ihrer Spitze einen selbst
in Amerika noch nie dagewesenen Niveau-Limbo aufführen.
Der von
Trump stets nur abfällig als „little Marco“ titulierte Kandidat Rubio hatte
sich darauf eingelassen und ob Trumps angeblich kleiner Hände gemutmaßt, dieser
habe sicher auch nur einen kleinen Penis.
Eine Steilvorlage,
die der so Deminuierte nicht auf sich sitzen ließ und auf offener Bühne vor
Millionen johlenden TV-Zuschauern und weltweitem Entsetzen auf die enorme Größe
und Stärke seiner Hände verwies und betonte, dies sei auch in seiner Hose der
Fall.
Not even the best political forecasters could have guessed that Donald
Trump's hand and genitalia size would become 2016 presidential campaign topics.
But they have, and it's thanks in large part to Florida Sen. Marco Rubio.
Die
vielen Kommentatoren, die heuchelten nun könne und dürfe es aber wirklich nicht
mehr schlimmer kommen, täuschten sich.
Trump sorgte selbst mit immer neuen Beleidigungen dafür, daß er bei mindestens
2/3 der Frauen als unwählbar gilt.
Trump has called Clinton “very shrill,” belittles her for a lack of
stamina and energy, and late last year jabbed her and husband, Bill Clinton,
for the latter’s marital indiscretions while he was president. In another
instance, Trump said Hillary Clinton “got schlonged” in her 2008 primary fight against
then-Sen. Barack Obama.
“I have some very real concerns should he become the nominee. I think it
would be catastrophic for our party,” said GOP strategist Katie Packer, who
leads the Our Principles PAC, an anti-Trump super PAC. “Half of the reason why
I’m fighting so hard to stop Donald Trump is because I think he’s a walking,
talking stereotype of a sexist misogynistic pig.”
Polling shows Trump sliding sharply among women in recent months,
hurting the GOP’s already shaky position with that demographic. Trump’s
favorability numbers have decreased 10 points among women nationwide since
November, to 23 percent, while his unfavorable number among women has jumped to
75 percent from 64 percent, according to a Washington Post-ABC News poll taken
this month.
Das
mutmaßlich von Carly Fiorina gesteuerte Super-PAC “Make Amerika Awesome” veröffentlichte diese
Woche 15 Jahre alte Nacktbilder von Trumps dritter Ehefrau Melania und
implizierte damit so Eine dürfe nicht
First Lady werden. Nach diversen erfolglosen Anti-Trump-Werbeclipsscheinen sie diesmal mehr Erfolg zu haben, denn der Gescholtene tat
ihnen den Gefallen darauf einzugehen.
“Lyin’ Ted Cruz just used a picture of Melania from a G.Q. shoot in his
ad,” Trump posted on Twitter. “Be careful, Lyin’ Ted, or I will spill the beans
on your wife!” As The Blaze reported, Trump actually posted the threat twice;
the original version included Cruz’s Twitter address.[….]
“My wife is smoking hot, that’s no
secret,” Trump boasted. “She was a super model, for God’s sake. Ted’s wife, on
the other hand, not so much. I think we all agree on that one. But be that as
it may, I’d like to say that Ted Cruz better watch how personal he gets with
Melania because he forgot to clean up his own backyard. I mean, I have friends
everywhere, in the business world, in media, now also in politics. I can dig up
anything about anyone, literally anything about anyone. And let me tell you,
Heidi Cruz looks like a woman who likes to take pictures. Combine that with her
daddy issues, which she obviously has since she’s married to a pathological
liar and traditionalist like Ted Cruz, and you’ve got yourself a selfie-crazy
wife, I’m telling you.”
Er
konnte es aber nicht dabei belassen und legte fleißig nach.
Zum
Beispiel mit fiesen Fotos, die Heidi Cruz sehr unvorteilhaft zeigen.
Ted Cruz
konnte sein Glück gar nicht fassen. Indem Trump so weit gegangen war, lieferte
er ihm die Steilvorlage sich als konservativer Familienfreund und treuer
Ehemann zu inszenieren, sich wortgewaltig vor seine Heidi zu stellen.
Das tat
Cruz, der seinerseits auch nicht weiß wann man besser aufhören sollte, zwei
Tage lang. In jede Kamera polterte er gegen den in Führung liegenden GOPer. So
hoffte er die vielen stramm konservativen Evangelikalen auf seine Seite zu
ziehen.
Trump,
der Frauenfeind.
Auch ihm
freundlich gesonnene GOP-Strategen sind jetzt besorgt. Fiorina, Rosie O'Donnell, Clinton, Megyn Kelly,
Heidi Cruz – das sind jetzt schon eine Menge Frauen, die Trump explizit
sexistisch angriff.
Vorgestern
traf sie sich in Los Angeles unter anderem mit Vertretern der amerikanischen
Muslim-Gemeinde, um eine gemeinsame Strategie gegen den IS-Terror öffentlich zu
debattieren.
So
wünscht man sich es vermutlich von einer US-Präsidentin.
Donald Trump und Ted
Cruz sind zwei Männer, die sich um einen der wichtigsten politischen Posten der
Welt bewerben. Und dabei weit gekommen sind. Zwei Männer, die sich auf Twitter
eine Auseinandersetzung liefern, die peinlich zu nennen eine krasse
Untertreibung wäre.
Der Wahlkampf in den
USA, er wird noch lange dauern, bis am 8. November endlich abgestimmt wird. Und
wer darauf hofft, dass die Show irgendwann nicht mehr niveauloser werden kann,
der ist ein unverbesserlicher Optimist.
Nun
beginnen auch eingefleischte Republikaner zu überlegen, ob Hillary Clinton
nicht den Typen vorgezogen werden sollte, die währenddessen über ihre
Penisgrößen und alte Tittenbilder ihrer Ehefrauen diskutieren.
Die neueste Umdrehung trifft den ultrakonservativen superreligiösen und
radikal-konservativen Ted Cruz, der laut Gerüchten mindestens fünf
außereheliche Affären gehabt haben soll.
So etwas
verbreitet sich heutzutage natürlich über Twitter und Facebook.
Bewiesen
ist nichts, aber immerhin gibt es erste Anzeichen, daß auch seriöse Medien
zumindest Teile der Anschuldigungen glauben.
The April 4 edition of The National Enquirer makes damaging claims about
Ted Cruz in a bold, above-the-fold headline. But don’t be so quick to write it
off as another silly claim by a silly tabloid. A political columnist for The
Washington Times just backed up the story that Cruz had multiple extramarital
affairs.
Als ob
das noch nicht schlimm genug wäre, outete die Boston-Herald-Journalistin und
Trump-Unterstützerin Adriana Cohen live auf CNN die dort immer wieder als Cruz-Unterstützerin
kommentierende Amanda Carpenter, die daraufhin wie ein Rohrspatz losschimpfte.
Da Ostern vor der Tür steht, bemerkt man wieder einmal
überdeutlich welch eine (Medien-) Macht die christlichen Kirchen haben.
Im
säkularen gibt Hamburg das Abendblatt heute voller Stolz auf einer Doppelseite alle
Gottesdiensttermine bekannt.
Zwei
Tage vorher wurde ich schon von der umfangreichen Beilage „Himmel und Elbe“
molestiert, die so tut, als ob hier ein neues Kirchenzeitalter ausgebrochen
wäre.
Dabei
nähert sich die Zahl der Konfessionslosen in der dieser Stadt der
Zwei-Drittel-Marke. Aktive Gottesdienstbesucher muß man mit der Lupe suchen.
Evangelische Kirche
Negativ-Rekord: Austrittswelle in der Nordkirche
Protestanten in
Hamburg verlieren in einem Jahr 12.000 Mitglieder, ein bundesweiter Rekord. […] In keinem Bundesland ist das
Interesse am evangelischen Gottesdienst so gering wie in Hamburg. Da wird
regelmäßig in Gemeindebriefen, im Internet und in Zeitungen für eine
Veranstaltung geworben, die so sicher wie das Amen in der Kirche stattfindet.
Aber gerade einmal zwei Prozent der evangelischen Kirchenmitglieder in Hamburg
nehmen daran teil.
Das jedenfalls geht
aus einer neuen Statistik der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) für das
Jahr 2014 hervor. Pro Sonntag besuchen durchschnittlich 10.358 Hamburger einen
evangelischen Gottesdienst – rund 60 Teilnehmer je Feier.
98% der
Hamburger Kirchenmitglieder und 99,5% aller Hamburger besuchen keine evangelischen Gottesdienste und dennoch halten die üppig bezahlten
hanseatischen Kirchenfunktionäre ihre Arbeit für so großartig, daß sie sich gar
nicht erklären können, wieso ihre Schäfchen schreiend weglaufen.
Bevor
ich es vergesse: Falls ein Hamburger, der dies liest noch Mitglied der Kirche
ist: Hier findet man die Stelle, wohin man sich
wenden muß, um auszutreten.
Die bizarre
Kostümshow der Katholo-Geistlichen mit ihren grellen Drag-Kostümen und den
brennenden Handtäschchen überstrahlt ein bißchen die Tatsache, daß Evangelen
noch fundamental irrer sind und übleres Personalaufweisen.
(…….)Möglicherweise ist es tatsächlich so, daß der
intellektuelle Niedergang der evangelischen Theologie, der in Huber und Käßmann
ihre Apotheose fand, die eigentlich noch absurderen Katholiken (Zölibat, Primat
des Papstes, Frauen-Ausschluss,..) in Relation gut dastehen läßt. (…..)
(……….)
Der Niedergang des deutschen Protestantismus ist vermutlich unaufhaltsam.
Der
Grund ist, daß es einfach keine sympathischen Führungspersönlichkeiten in der
EKD gibt.
Die
Laien werden von Politikern dominiert, die sich aus dem unsympathischsten
Bodensatz ihrer jeweiligen Parteien rekrutieren: Volker Kauder, Hermann Gröhe,
Günther Beckstein, Kathrin Göring-Kirchentag, Irmgard Schwätzer (FDP),
Christoph Matschie (SPD), Kerstin Griese (SPD), Josef Philip Winkler (Grüne),
Pascal Kober (FDP) oder Stefan Ruppert (FDP) sind die schlimmen Namen.
Bei
den Theologen der EKD sieht es sogar noch düsterer aus: Huber, Schneider,
Käßmann, Bedford-Strohm oder gar Petra Bahr heißen die Menschenschrecker, die
meistens in die Talkshows geschickt werden.
Kein
Wunder, daß die Gläubigen schneller aus der EKD flüchten als aus der
zölibatären Kinderficker-RKK. (………….)
Zum
höchsten christlichen Fest Ostern verbreitete sich meine besondere Freundin Bischöfin Breit-Keßler im GONG und
demonstrierte ihre geistige Schlichtheit in bewährter Kombination mit
Sendungsbewußtsein und Belehrungsattitüde.
Breit-Keßler
kennt ihr nicht?
Das war die hier:
Gerade konnte ich im GONG vom 21.08.2015 ein Statement von Susanne
Breit-Keßler, der Regionalbischöfin für München und Oberbayern, lesen.
Uiuiui.
Den Menschen, die sich keinen Urlaub leisten können,
ruft sie zu:
Arbeit und Alltag sind eine Form der Selbstbestätigung, die einem zeigt:
Hier hast du deine Fähigkeiten und Gaben- es ist schön, was du alles kannst!
Die gleichen Handgriffe, die gleichen Gesichter. Tägliche Routine hat ihre
guten Seiten. Es liegt an einem selber, ob man den Werktagen zusätzliche
funkelnde Glanzlichter aufsteckt. „Durch Stillesein und Hoffen würdet ihr stark
sein“ heißt ein biblisches Wort (Jesaja 30,15). Gebete am Morgen und Abend
setzten Akzente, die die Tage voneinander unterscheiden.
(Bischöfin Susanne Breit-Keßler)
Na, das hört eine alleinerziehende Mutter mit drei Putzjobs sicher gerne von
einer Bischöfin, die aus Steuermitteln ein fünfstelliges Monatsgehalt bezieht.
Hier ist
es eine Pröbstin, die Irrelevantes aus ihrem eigenen Alltag als bahnbrechende
und zu verallgemeinernde Weisheit hochjazzt.
Ob man
das im Theologiestudium so lernt? Suhlen in Banalitäten als Selbstzweck?
Dabei
wird dem kirchlichen Bildersprachen-Drang entsprechend eine so unfassbar
plump-primitive Metaphorik eingesetzt, daß ich nur hoffen kann, Frau Lützenich,
meine frühere Deutschlehrerin muß das nicht lesen.
Ihr
stürben vor Schreck die Hälfte der Hirnzellen ab.
Oft geht es mir so,
dass ich für einen kleinen Moment richtig froh bin, wenn ich das Altpapier
weggebracht habe. Das mag lächerlich klingen, aber solange sich die gelesenen
Zeitschriften und Zettel bei mir stapeln, machen sie mir ein schlechtes
Gewissen und rufen: "Wir wollen in den Container!"
Ich war auf dem Weg
zum Gottesdienst. […]
Und dann fiel mir etwas auf: Ein Mann
brachte eine große Holzkiste mit Altpapier zum Container und sortierte es
sorgfältig hinein, sodass nichts danebenfiel. Der Nächste zog einen gelben Sack
mit Verpackungsmüll zum entsprechenden Behälter.
Als ich weiterging:
eine Frau, die ihren Müllbeutel aus der Wohnung trug. […] Verblüffend, dachte ich, dass viele Menschen diesem Bedürfnis, bei sich
Ordnung zu schaffen, offenkundig mit Vorliebe sonntagmorgens nachgehen. Die
einen, indem sie zu Hause aufräumen, die anderen, in dem sie zum Gottesdienst
gehen. […]
Sascha
Lobo nennt es Kollektivkatastrophen
was wir gerade mal wieder in Brüssel erleben.
Auf merkwürdige, aber
irgendwie nachvollziehbare Weise tritt das Publikum selbst, seine Trauer, seine
Wut, seine Hilflosigkeit dabei in den Vordergrund, die tatsächlichen Opfer
geraten zum Anlass. Das Wichtigste scheint, sich in solchen Situationen nicht
allein fühlen zu müssen. Wir sind doch alle Überlebende, irgendwie.
Immer ist irgendwo
jemand, der mit dem Smartphone live sendet oder fast live vom Ort des
Geschehens oder ein paar Kilometer entfernt, das ist auch Bewältigung, verpackt
in eine Nachrichtennachahmung: Bitte, Welt, nimm zur Kenntnis, was wir
durchmachen, aber wir haben Glück und bis jetzt überlebt.
Unser
elendes Twitter-Instagram-Facebook-Zeitalter führt dazu, daß ich nur noch mit
Schwierigkeiten erfahre was eigentlich ganz genau gestern in Brüssel geschah,
weil ich erst einmal von lauter eingefärbten Profilbildchen, Trauer-Emojis und
Drama-Memes erschlagen werde.
Es gibt jetzt sogar schon Gegen-Memes, mit denen
sich immer mehr Entnervte gegen die allertumbsten Sprüche, wie zB „Pray for Brussels“,
wehren.
Als
Nachrichtenkonsument wird man auch eine sehr bizarre Nebenebene gezerrt, auf
der man sich fast nur noch mit den Reaktionen auf solche Anschläge beschäftigt.
Die
eigentlichen Fragen, also die nach den Ursachen und den möglichen Abhilfen,
werden gar nicht mehr gestellt, wenn man die perfide Hetze sieht, mit der die Petrys, von Storchs und Pretzellssofort
die Toten für ihre Zwecke nutzen.
Irgendjemand
scheint Frau Steinbach ihr Klugtelefon abgenommen zu haben, denn offenbar setzte
sie gestern gar keinen perfid-faschistoiden Tweet ab.
Aber
dafür sprang die geistig mindestens ebenso verwerfliche CDU-Kollegin Lengsfeld
ein und gab Merkel die Schuld an dem Brüsseler Terroranschlägen.
Merkel habe
"alles dafür getan, dass der Terror in Europa Fuß fassen kann",
erklärte die Ex-CDU-Bundestagsabgeordnete Vera Lengsfeld auf Facebook.
Es kommt
eines Tages noch so weit, daß mir Merkel Leid tut wegen dieser Horror-Partei,
die sie an der Backe hat.
Wenn man
die oberste Schicht des Betroffenheits-Brummen und der Polit-Doofheiten der
Rechten durchdrungen hat, folgt unweigerlich die Diskussion darüber, ob das
alles „gar nichts mit dem Islam zu tun“ habe, ob kollektiv alle 1,irgendwas
Milliarden Muslime irgendwie mitverantwortlich wären, wer jetzt gefordert sei
sich zu distanzieren und natürlich kommen auch die Forderungen nach strengeren Gesetzen.
Die Westeuropäer
drehen durch und auch wenn nach wie vor die allermeisten Terrorismusopfer
Muslime in muslimischen Ländern sind, kann ich mich als weißer, atheistischer
Mann in einem NATO-Staat nicht dem Gruselfaktor entziehen.
Der
linke Terrorismus der 1970er und 1980er Jahre hatte auch schon ganz Deutschland
verrückt gemacht, dabei war die RAF „nur“ gegen oberste Staats-, Wirtschafts-
und Militärrepräsentanten gerichtet.
Der
später folgende und bis heute anhaltende Rechtsterrorismus in Deutschland
forderte bisher ungefähr 10 mal so viele Todesopfer wie der RAF-Terrorismus,
grub sich aber vergleichsweise wenig in das Bewußtsein der Deutschen ein, weil die
Opfer alle arm waren oder Minderheiten angehörten. Mundlos, Böhnhardt und
Zschäpe konnten bekanntlich fast ein Dutzend Menschen bei Anschlägen töten,
ohne daß irgendeinem bei Polizei, Staatsschutz oder Medien überhaupt
eingefallen wäre das als „Terrorismus“ zu bezeichnen. Die Opfer waren ja „bloß
Ausländer“ und wer weiß bei diesen Türken/Arabern/Kanaken schon genau, ob die
sich nicht gegenseitig erschießen? Offenbar waren ja gelegentlich sogar
BND-Agenten bei diesen Morden zugegen und hielten es nicht für nötig
einzugreifen.
Der
IS-Terrorismus ist ganz anders, weil er nicht opferspezifisch ist.
Es ist gewissermaßen
spezifisch für den Schrecken der Radikal-Islamisten, daß sie nicht spezifisch
sind und es ihnen „nur“ darum geht möglichst viele Menschen zu töten und
möglichst viel Aufmerksamkeit zu erregen.
Es ist
relativ unvorstellbar, daß ein RAF-Kommando versucht hätte ein Atomkraftwerk
hochzujagen, weil sie doch noch Skrupel angesichts der gewaltigen
Kollateral-Opferzahlen gehabt hätten.
Fanatisierte
Möchtegern-Märtyrer von IS oder Al Kaida würden hingegen sicher gern ein
belgisches AKW sprengen und große Teile Westeuropa unbewohnbar machen.
Zumindest
weiß man, daß Osama bin Laden und seine Kollegen gebannt den Einsturz der WTC-Türme
verfolgen. Mit großen Jubel wurde jeweils der Moment des Zusammenfalls
quittiert; die Vervielfachung der Opferzahlen löste also offensichtlich große
Freude aus.
Die
später von Augenzeugen berichteten Geschehnisse zeigen wieso es so schwer ist
mit religiösem Terror umzugehen. Wer seinen Gott so interpretiert, daß dieser
sich umso mehr freue, je mehr „Feinde“ getötet würden und dazu auch noch sein
eigenes Leben ohnehin wegwirft, weil er zum Märtyrer werden möchte, ist mit
westlicher Gerichtsbarkeit nicht zu sozialisieren.
Also
bleibt uns offenbar nur übrig diesen Terror auszuhalten.
Aber das
ist leicht gesagt. Es gilt dabei nicht den Extremisten auf den Leim zu gehen,
indem man sich von den Werten verabschiedet, die Höcke und Abu Bakr
al-Baghdadi gleichermaßen verachten.
Dem
Superpopanz Sicherheit, vom ehemaligen Verfassungsminister Friedrich flugs als
über den Grundrechten stehend aufgeblasen, ist man bereit viele europäische
Freiheiten zu opfern.
Wir
sollten das nicht tun.
Wenn man
nach so einem Anschlag wie gestern weiter bohrt, durch die Lobo-Schicht und die
„wie böse ist der Islam-Schicht“ gedrungen ist, stößt man auch auf sinnvolle
Artikel.
Erhellendes
erschien dazu heute von Edelfeder Kurt Kister, dem
SZ-Chefredakteur und zweifellos einem der klügsten Journalisten des
deutschsprachigen Raumes.
Aber
auch wenn Kister sicher kein Religiot ist, rutschen ihm rudimentäre christliche
Überheblichkeiten in seinen Text, die ich nicht akzeptieren kann.
Kein Gott braucht
Mörder. Menschen, die sich auf Gott berufen, um andere Menschen zu verletzen
und zu töten, sind die größten Gotteslästerer. Sie schaffen sich einen Gott
nach ihrem Bilde und versuchen so, ihrem Hass, ihrer Paranoia und ihrer
Rachsucht höhere Weihen zu geben. Gläubige wie Ungläubige dürfen gerade auf
dieses zutiefst unmoralische Konstrukt nicht hereinfallen. Es ist nicht
"der" Islam, der tötet, sondern in Brüssel und Paris war es eine
kleine, verblendete Minderheit junger, aggressiver Männer, die sich auf etwas
berufen haben, was sie nie verstanden.
Alle
gläubigen Menschen erschaffen sich Gott nach ihrem Bild. Es gibt keinen Gott
und demzufolge auch keinen „echten Gott“ der gegen Morden ist und dazu einen „falschen
Gott“, den sich jemand nur ausgedacht hat.
Wenn man
diese Unterscheidung anfängt, landet man unweigerlich in einem unlösbaren
religiösen Antagonismus. Das ist ja der Kern der Tausenden von Religionen
ausgelösten Kriege – jeder meint, daß nur sein Gott der richtige wäre.
Wenn
Kister nun bestätigt, daß tatsächlich der eine Gott der Richtige und der andere
falsch ist, spielt er genau das gefährliche Spiel mit, das wir überwinden
sollten.
Übrigens: Auch George
W. Bush hat sich vor 13 Jahren im Irak-Krieg auf Gott berufen. Jesus hatte mit
diesem Feldzug so wenig zu tun wie Allah mit Molenbeek. Und gerade Christen,
die am kommenden Freitag des Todes Jesu am Kreuz gedenken, sind sich sicher,
dass er gestorben ist, um Menschen zu erlösen und nicht lebte, um töten zu
lassen.
Die
Aussage kann man angesichts der gewaltigen Kriminalgeschichte des Christentums,
die mit Sicherheit in den letzten 2000 Jahren viel mehr Opfer forderte als die
Opfer aller anderen Religionen zusammengenommen, nicht stehen lassen.
Wieder
versucht Kister den einen Gott, in diesem Fall Jesus, als etwas absolut Gutes
darzustellen.
Gewiss, Sicherheit und
Freiheit stehen immer in einem Spannungsverhältnis. Und dennoch darf der Westen
diese Freiheit nicht Schritt für Schritt aufgeben, um die abzuwehren, die ihn
wegen der Freiheit angreifen. Die auf den Rechten des Individuums und der
Menschenwürde ruhende Gesellschaft Europas hat nicht versagt, weil sie nun von
Fanatikern attackiert wird. Sie würde versagen, wenn sie bei der nötigen Abwehr
ihre Grundwerte in Frage stellte.