Samstag, 26. März 2016

Osterspaß



Eigentlich war ich davon ausgegangen, daß Nahles weiterhin intellektuell untergetaucht bis zur Bundestagswahl 2017 im politischen Tarnmodus bleibt.
Sie hofft darauf ungerechtfertigt wieder mit einen schönem Ministerposten  belohnt zu werden, verteilt parteiinterne Wohltaten, so daß ihr möglichst viele Sozi-Funktionäre zu Dank verpflichtet sind.

In aller Stille baut Andrea Nahles das Arbeitsministerium zu einer Art Gegenparteizentrale um. Sie will Parteichef Gabriel nicht stürzen, aber bereit sein für die Ära nach ihm.
[….] Sie stellt sich politisch und strategisch für die Zukunft auf wie niemand sonst in der SPD. Und sie wappnet sich zugleich für die Post-Gabriel-Ära.
[….] Sie will sich bereithalten. Deshalb schart sie ein Team von Leuten um sich, die schon jetzt Programme entwerfen, die der SPD irgendwann wieder zur Macht verhelfen könnten. [….] Denn vom ersten Tag im Arbeitsministerium an hatte Nahles mehr im Sinn als nur ein ordentlich geführtes Haus. Stein für Stein formt sie das Ministerium um zu einer Art heimlicher Parteizentrale. Staatssekretär Thorben Albrecht stand seiner Chefin schon im Willy-Brandt-Haus als Abteilungsleiter zur Seite und hat einige Jahre beim DGB zugebracht. [….][….] Die Truppe soll Antworten finden auf alle wichtigen Fragen der Zeit, egal ob es um die Arbeitswelt geht, um Umverteilung, Familienthemen oder Flüchtlinge. Nahles' Denkfabrik soll Antworten für die Zukunft liefern. "An Andrea kommt in der SPD niemand mehr vorbei", sagt ein SPD-Spitzenmann.[….]
(DER SPIEGEL 46/2015)

Spätestens 2018 dürfte das große Köpferollen in der SPD-Spitze beginnen und dann würde sie wie Kai aus der Kiste auf den Stuhl der Vorsitzenden hopsen.
Vorbild Merkel. Die mochte innerhalb der CDU auch niemand so richtig, als sie den Parteivorsitz übernahm. Aber die Situation der Partei war damals dermaßen desaströs, daß sich niemand die Hände schmutzig machen wollte. Konkurrenten waren nicht da und offenbar erkannte nur Merkel, daß es eigentlich nur besser werden konnte.
Nahles denkt vielleicht auch, daß es nach einem Gabriel-induzierten Wahlabsturz nur besser werden kann.

Für die These spricht, daß irgendwann einmal auch Merkel abtreten wird. Die Vorsitzende, die die Partei personell und konzeptionell komplett ausbluten ließ. Ohne Merkel hat die CDU ein ähnlich großes Problem wie die SPD. Man sieht in Baden-Württemberg, daß auch in den extremen CDU-Hochburgen nie vorstellbar gewesene Abstürze möglich sind.
Man erinnere sich auch an die katastrophale Großstadtschwäche der CDU, die bei den Hamburger Bürgerschaftswahlen am 15.02.2015 mit 15,9% durchs Ziel ging – wenige Jahre nachdem sie dort noch mit absoluter Mehrheit regiert hatte.

Gegen die These vom zwangsläufigen Wiederaufstieg der SPD spricht allerdings ihre zimperliche Anhängerschaft, die üblicherweise nicht einfach mit jemand zufrieden ist, der einen irgendwie an die Macht bringt, sondern damit auch noch inhaltliche Forderungen verbindet.

Die ehemalige Messdienerin und äußerst fromme Katholikin Nahles liebt nur Jesus noch mehr als ihre Heimat, die Eifel – so beobachtet es die konservative WELT.

Eine Journalistin hat Andrea Nahles einmal "fanatische Heimatliebe" attestiert. Für sie ist die Eifel Anfang und Ende ihres Lebens. Dorthin wird sie zurückkehren, auch wenn sie eines Tages Bundeskanzlerin wird. [….]  Ist zu viel Eifel in Andrea Nahles, um sich auf der Weltbühne zu bewegen?
Man hat ähnliche Makel, auf eine Pfarrerstochter aus der DDR gemünzt, schon einmal entdeckt und sich schwer getäuscht. Wie Angela Merkel ist Andrea Nahles Machtpolitikerin mit Leidenschaft. [….]
(DIE WELT, 01.08.2015)

Nahles‘ Frömmigkeit scheint sogar ausgeprägter zu sein, als ich dachte.
Denn zu Ostern, dem höchsten christlichen Feiertag, an dem das größte Wunder Gottes, die Wiederauferstehung Jesu gefeiert wird, glaubt auch die Arbeitsministerin an Wunder.

Osterwunder: Nahles sieht SPD kurz vor großen Siegen
[….]  Im Osten kämpft die SPD weitenteils mit der 10-Prozent-Marke. Bundesweit steht die Partei unter Führung von Sigmar Gabriel in Umfragen so schlecht wie seit Jahren nicht. Und was sagt Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles dazu? Sie sieht die Chancen für die Sozialdemokraten bei der Bundestagswahl 2017 wachsen. Warum? »Frau Merkel hat ihren Nimbus der Unbesiegbarkeit inzwischen verloren«, behauptet die SPD-Politikerin der »Bild«. »Für die SPD heißt das: Wir können nächstes Jahr selbstbewusst in den Wahlkampf ziehen.« [….]
(Neues Deutschland, 26.03.2016)

HALLELUJAH!

Freitag, 25. März 2016

Unglückliche Hillary im Glück.


Politikaffine Amerikaner können sich nicht beklagen. Es ist ordentlich was los im Wahljahr 2016.
Vielleicht wird es, kurz vor ihrem 70. Geburtstag doch noch was mit dem Amt des US-Präsidenten und Hillary.
Bisher hatte sie in ihrem Leben arge Timingprobleme.

Hillary Diane Rodham Clinton (* 26. Oktober 1947 in Chicago) ist definitiv fleißig, gebildet, intelligent und ehrgeizig genug für das höchste Amt der Welt.
Als ihr Mann 1993 US-Präsident wurde, hätte sie mit Mitte-40 auch ein gutes Alter dafür gehabt, aber damals war die Nation noch nicht so weit, um eine Frau in Betracht zu ziehen. 2001, als ihr Mann aus dem Amt schied, war sie 53, konnte aber nicht direkt kandidieren, weil sie nun in der Schublade „First Lady“ steckte und sich erst einmal als Senatorin eigene Meriten verdienen mußte.
Auch 2004 mit mittlerweile Ende 50 wäre es sehr schwierig gewesen zu kandidieren, da sie noch Junior-Senatorin war, Bush erst eine Amtszeit hinter sich hatte und ein Amerika im Krieg sich immer noch mit einer weiblichen Oberkommandierenden schwer getan hätte.
2008, mit 61 sah es wirklich gut aus, aber da unterlag sie gegen den jüngeren Obama, gegen den sie natürlich auch 2012 nicht antreten konnte.
Inzwischen geht sie auf die 70 zu und hat aufgrund ihrer Dekaden andauernden Präsenz in der Politik mit miserablen Ratings bei ihrer „likeability“ zu kämpfen.
Hätte sie doch bloß 2008 bei den demokratischen Vorwahlen gegen den 14 Jahre jüngeren Obama gewonnen.
Sie wäre als Präsidentin sicher härter gegen die GOP vorgegangen, hätte vielleicht auch ob ihrer Hautfarbe weniger Blockaden erleben müssen.
Barack Obama wäre ein wichtiger Minister geworden und könnte jetzt, 2016, mit administrativer Erfahrung und im besten Präsidentschaftskandidatenalter von 54 Jahren nächster US-Präsident werden.
Hätte, wäre, könnte.

Inzwischen wirkt Hillarys Bewerbung geradezu etwas verzweifelt. Es ist ihre letzte Chance und in den parteiinternen Vorwahlen steht sie nur deswegen so gut da, weil ihr als reicher und einflussreicher Strippenzieherin hunderte Superdelgates die Treue geschworen haben.
Dabei dreht sich der Wind an der demokratischen Basis. Hillary gilt wegen ihrer Verbindungen zur Wall-Street als befleckt.
So ändern sich die Zeiten. Die wohlwollenden Kontakte zu Industriemagnaten und Bankern galten bei ihrem Mann 1992 noch aus Ausweis seiner wirtschaftlichen Kompetenz. Nach den Lehmann Brothers ist das eher ein Igitt-Faktor.
Zudem ist Obama unbeliebt und so entstand in großen Teilen der US-Bevölkerung eine enorme Parteiwechselstimmung.
Da traf es sich gut für die Republikaner, daß sie auch noch mit zwei relativ jungen Latinos antraten.

Was zählt schon Erfahrung, wenn große Teile der amerikanischen Öffentlichkeit ins Post-Truth-Zeitalter diffundiert sind und perfide Hetze Politik ersetzt?

Da kommt es gerade Recht, daß die Republikaner mit Donald Trump an ihrer Spitze einen selbst in Amerika noch nie dagewesenen Niveau-Limbo aufführen.
Der von Trump stets nur abfällig als „little Marco“ titulierte Kandidat Rubio hatte sich darauf eingelassen und ob Trumps angeblich kleiner Hände gemutmaßt, dieser habe sicher auch nur einen kleinen Penis.


Eine Steilvorlage, die der so Deminuierte nicht auf sich sitzen ließ und auf offener Bühne vor Millionen johlenden TV-Zuschauern und weltweitem Entsetzen auf die enorme Größe und Stärke seiner Hände verwies und betonte, dies sei auch in seiner Hose der Fall.


Not even the best political forecasters could have guessed that Donald Trump's hand and genitalia size would become 2016 presidential campaign topics. But they have, and it's thanks in large part to Florida Sen. Marco Rubio.

Die vielen Kommentatoren, die heuchelten nun könne und dürfe es aber wirklich nicht mehr schlimmer kommen, täuschten sich.

Trump sorgte selbst mit immer neuen Beleidigungen dafür, daß er bei mindestens 2/3 der Frauen als unwählbar gilt.

Trump has called Clinton “very shrill,” belittles her for a lack of stamina and energy, and late last year jabbed her and husband, Bill Clinton, for the latter’s marital indiscretions while he was president. In another instance, Trump said Hillary Clinton “got schlonged” in her 2008 primary fight against then-Sen. Barack Obama.
“I have some very real concerns should he become the nominee. I think it would be catastrophic for our party,” said GOP strategist Katie Packer, who leads the Our Principles PAC, an anti-Trump super PAC. “Half of the reason why I’m fighting so hard to stop Donald Trump is because I think he’s a walking, talking stereotype of a sexist misogynistic pig.”
Polling shows Trump sliding sharply among women in recent months, hurting the GOP’s already shaky position with that demographic. Trump’s favorability numbers have decreased 10 points among women nationwide since November, to 23 percent, while his unfavorable number among women has jumped to 75 percent from 64 percent, according to a Washington Post-ABC News poll taken this month.

Das mutmaßlich von Carly Fiorina gesteuerte Super-PAC “Make Amerika Awesome” veröffentlichte diese Woche 15 Jahre alte Nacktbilder von Trumps dritter Ehefrau Melania und implizierte damit so Eine dürfe nicht First Lady werden. Nach diversen erfolglosen Anti-Trump-Werbeclips scheinen sie diesmal mehr Erfolg zu haben, denn der Gescholtene tat ihnen den Gefallen darauf einzugehen.

“Lyin’ Ted Cruz just used a picture of Melania from a G.Q. shoot in his ad,” Trump posted on Twitter. “Be careful, Lyin’ Ted, or I will spill the beans on your wife!” As The Blaze reported, Trump actually posted the threat twice; the original version included Cruz’s Twitter address.[….] “My wife is smoking hot, that’s no secret,” Trump boasted. “She was a super model, for God’s sake. Ted’s wife, on the other hand, not so much. I think we all agree on that one. But be that as it may, I’d like to say that Ted Cruz better watch how personal he gets with Melania because he forgot to clean up his own backyard. I mean, I have friends everywhere, in the business world, in media, now also in politics. I can dig up anything about anyone, literally anything about anyone. And let me tell you, Heidi Cruz looks like a woman who likes to take pictures. Combine that with her daddy issues, which she obviously has since she’s married to a pathological liar and traditionalist like Ted Cruz, and you’ve got yourself a selfie-crazy wife, I’m telling you.”

Er konnte es aber nicht dabei belassen und legte fleißig nach.
Zum Beispiel mit fiesen Fotos, die Heidi Cruz sehr unvorteilhaft zeigen.


Ted Cruz konnte sein Glück gar nicht fassen. Indem Trump so weit gegangen war, lieferte er ihm die Steilvorlage sich als konservativer Familienfreund und treuer Ehemann zu inszenieren, sich wortgewaltig vor seine Heidi zu stellen.
Das tat Cruz, der seinerseits auch nicht weiß wann man besser aufhören sollte, zwei Tage lang. In jede Kamera polterte er gegen den in Führung liegenden GOPer. So hoffte er die vielen stramm konservativen Evangelikalen auf seine Seite zu ziehen.


Trump, der Frauenfeind.
Auch ihm freundlich gesonnene GOP-Strategen sind jetzt besorgt. Fiorina, Rosie O'Donnell, Clinton, Megyn Kelly, Heidi Cruz – das sind jetzt schon eine Menge Frauen, die Trump explizit sexistisch angriff.

Vorgestern traf sie sich in Los Angeles unter anderem mit Vertretern der amerikanischen Muslim-Gemeinde, um eine gemeinsame Strategie gegen den IS-Terror öffentlich zu debattieren.


So wünscht man sich es vermutlich von einer US-Präsidentin.

Donald Trump und Ted Cruz sind zwei Männer, die sich um einen der wichtigsten politischen Posten der Welt bewerben. Und dabei weit gekommen sind. Zwei Männer, die sich auf Twitter eine Auseinandersetzung liefern, die peinlich zu nennen eine krasse Untertreibung wäre.
Der Wahlkampf in den USA, er wird noch lange dauern, bis am 8. November endlich abgestimmt wird. Und wer darauf hofft, dass die Show irgendwann nicht mehr niveauloser werden kann, der ist ein unverbesserlicher Optimist.

Nun beginnen auch eingefleischte Republikaner zu überlegen, ob Hillary Clinton nicht den Typen vorgezogen werden sollte, die währenddessen über ihre Penisgrößen und alte Tittenbilder ihrer Ehefrauen diskutieren.

Die neueste Umdrehung trifft den ultrakonservativen superreligiösen und radikal-konservativen Ted Cruz, der laut Gerüchten mindestens fünf außereheliche Affären gehabt haben soll.
So etwas verbreitet sich heutzutage natürlich über Twitter und Facebook.


Bewiesen ist nichts, aber immerhin gibt es erste Anzeichen, daß auch seriöse Medien zumindest Teile der Anschuldigungen glauben.

The April 4 edition of The National Enquirer makes damaging claims about Ted Cruz in a bold, above-the-fold headline. But don’t be so quick to write it off as another silly claim by a silly tabloid. A political columnist for The Washington Times just backed up the story that Cruz had multiple extramarital affairs.


Als ob das noch nicht schlimm genug wäre, outete die Boston-Herald-Journalistin und Trump-Unterstützerin Adriana Cohen live auf CNN die dort immer wieder als Cruz-Unterstützerin kommentierende Amanda Carpenter, die daraufhin wie ein Rohrspatz losschimpfte.


Alle suchen jetzt mit Hochdruck nach Beweisen für Cruz’ Sexgeschichten.

Die Aussichten sind also gut, daß die GOP noch tiefer sinken kann.

Irgendwann dürfte dann die geringe Beliebtheit Hillary Clintons egal sein. Man muß sie wählen.


Donnerstag, 24. März 2016

Kirchenaustrittswochende

Da Ostern vor der Tür steht, bemerkt man wieder einmal überdeutlich welch eine (Medien-) Macht die christlichen Kirchen haben.


Im säkularen gibt Hamburg das Abendblatt heute voller Stolz auf einer Doppelseite alle Gottesdiensttermine bekannt.
Zwei Tage vorher wurde ich schon von der umfangreichen Beilage „Himmel und Elbe“ molestiert, die so tut, als ob hier ein neues Kirchenzeitalter ausgebrochen wäre.
Dabei nähert sich die Zahl der Konfessionslosen in der dieser Stadt der Zwei-Drittel-Marke. Aktive Gottesdienstbesucher muß man mit der Lupe suchen.

Während sich die Katholiken offensichtlich Mühe geben die Mitglieder aktiv aus ihrem Verein rauszutreiben, indem beispielsweise der von Franzl mächtig geförderte Kardinal Pell erklärt die Kinderfickerei katholischer Priester sei weniger schlimm als Abtreibung, rätseln die Evangelen wie sie keiner mehr mag.

Evangelische Kirche Negativ-Rekord: Austrittswelle in der Nordkirche
Protestanten in Hamburg verlieren in einem Jahr 12.000 Mitglieder, ein bundesweiter Rekord. […]  In keinem Bundesland ist das Interesse am evangelischen Gottesdienst so gering wie in Hamburg. Da wird regelmäßig in Gemeindebriefen, im Internet und in Zeitungen für eine Veranstaltung geworben, die so sicher wie das Amen in der Kirche stattfindet. Aber gerade einmal zwei Prozent der evangelischen Kirchenmitglieder in Hamburg nehmen daran teil.
Das jedenfalls geht aus einer neuen Statistik der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) für das Jahr 2014 hervor. Pro Sonntag besuchen durchschnittlich 10.358 Hamburger einen evangelischen Gottesdienst – rund 60 Teilnehmer je Feier.
(Edgar Hasse, HH Abla, 17.02.16)

Es amüsiert mich immer zu sehen wie fassungslos die organsierten Protestanten vor diesen Zahlen stehen.
98% der Hamburger Kirchenmitglieder und 99,5% aller Hamburger besuchen keine evangelischen Gottesdienste und dennoch halten die üppig bezahlten hanseatischen Kirchenfunktionäre ihre Arbeit für so großartig, daß sie sich gar nicht erklären können, wieso ihre Schäfchen schreiend weglaufen.

Bevor ich es vergesse: Falls ein Hamburger, der dies liest noch Mitglied der Kirche ist: Hier findet man die Stelle, wohin man sich wenden muß, um auszutreten.
Wie heißt es so schön? Jeder Monat ist Kirchenaustrittsmonat!

Die bizarre Kostümshow der Katholo-Geistlichen mit ihren grellen Drag-Kostümen und den brennenden Handtäschchen überstrahlt ein bißchen die Tatsache, daß Evangelen noch fundamental irrer sind und übleres Personal aufweisen.

(…….)  Möglicherweise ist es tatsächlich so, daß der intellektuelle Niedergang der evangelischen Theologie, der in Huber und Käßmann ihre Apotheose fand, die eigentlich noch absurderen Katholiken (Zölibat, Primat des Papstes, Frauen-Ausschluss,..) in Relation gut dastehen läßt. (…..)

(……….) Der Niedergang des deutschen Protestantismus ist vermutlich unaufhaltsam.
Der Grund ist, daß es einfach keine sympathischen Führungspersönlichkeiten in der EKD gibt.
Die Laien werden von Politikern dominiert, die sich aus dem unsympathischsten Bodensatz ihrer jeweiligen Parteien rekrutieren: Volker Kauder, Hermann Gröhe, Günther Beckstein, Kathrin Göring-Kirchentag, Irmgard Schwätzer (FDP), Christoph Matschie (SPD), Kerstin Griese (SPD), Josef Philip Winkler (Grüne), Pascal Kober (FDP) oder Stefan Ruppert (FDP) sind die schlimmen Namen.

Bei den Theologen der EKD sieht es sogar noch düsterer aus: Huber, Schneider, Käßmann, Bedford-Strohm oder gar Petra Bahr heißen die Menschenschrecker, die meistens in die Talkshows geschickt werden.
Kein Wunder, daß die Gläubigen schneller aus der EKD flüchten als aus der zölibatären Kinderficker-RKK. (………….)

Wer würde nicht schreiend wegrennen wollen, wenn sich die EKD-Fürsten zu Wort melden?

Konsequenterweise wurde Plapperista Käßmann als BILD-Kolumnistin genau dort geparkt, wo sie intellektuell hingehört  - bei F.J. Wagner und Kai Diekmann.
Wenn man es gut mit der EKD meint, könnte man hoffen, daß Käßmann bei der enthirnten BamS-Leserschaft auch keinen Schaden mehr anrichten kann.

Zum höchsten christlichen Fest Ostern verbreitete sich meine besondere Freundin Bischöfin Breit-Keßler im GONG und demonstrierte ihre geistige Schlichtheit in bewährter Kombination mit Sendungsbewußtsein und Belehrungsattitüde.

Breit-Keßler kennt ihr nicht?
Das war die hier:

Gerade konnte ich im GONG vom 21.08.2015 ein Statement von Susanne Breit-Keßler, der Regionalbischöfin für München und Oberbayern, lesen.
Uiuiui.
Den Menschen, die sich keinen Urlaub leisten können, ruft sie zu:

Arbeit und Alltag sind eine Form der Selbstbestätigung, die einem zeigt: Hier hast du deine Fähigkeiten und Gaben- es ist schön, was du alles kannst! Die gleichen Handgriffe, die gleichen Gesichter. Tägliche Routine hat ihre guten Seiten. Es liegt an einem selber, ob man den Werktagen zusätzliche funkelnde Glanzlichter aufsteckt. „Durch Stillesein und Hoffen würdet ihr stark sein“ heißt ein biblisches Wort (Jesaja 30,15). Gebete am Morgen und Abend setzten Akzente, die die Tage voneinander unterscheiden.
(Bischöfin Susanne Breit-Keßler)

Na, das hört eine alleinerziehende Mutter mit drei Putzjobs sicher gerne von einer Bischöfin, die aus Steuermitteln ein fünfstelliges Monatsgehalt bezieht.

Frappierend ist insbesondere die Unfähigkeit dieser Kategorie der Plapper-Bischöfinnen über ihren eigenen Tellerrand hinauszublicken.

Genau wie Kollegin Käßmann, nimmt auch Breit-Keßler stets sich selbst und ihr eigenes Leben zum Maßstab.
In ihren Texten erzählt sie aus ihrer Familie, ihrem Alltag, beschreibt was ihr gefällt und überträgt das dann flugs auf alle anderen.

Die ganze bischöfliche Theologie ließe sich auf den Kernsatz: „Seid alle so wie ich, dann wird alles gut!“ reduzieren.

Auch in der heutigen Kolumne geht das so.


In der HIMMEL UND ELBE – Kirchenbeilage wird genau nach dem Motto verfahren.

Hier ist es eine Pröbstin, die Irrelevantes aus ihrem eigenen Alltag als bahnbrechende und zu verallgemeinernde Weisheit hochjazzt.

Ob man das im Theologiestudium so lernt? Suhlen in Banalitäten als Selbstzweck?

Dabei wird dem kirchlichen Bildersprachen-Drang entsprechend eine so unfassbar plump-primitive Metaphorik eingesetzt, daß ich nur hoffen kann, Frau Lützenich, meine frühere Deutschlehrerin muß das nicht lesen.
Ihr stürben vor Schreck die Hälfte der Hirnzellen ab.

Oft geht es mir so, dass ich für einen kleinen Moment richtig froh bin, wenn ich das Altpapier weggebracht habe. Das mag lächerlich klingen, aber solange sich die gelesenen Zeitschriften und Zettel bei mir stapeln, machen sie mir ein schlechtes Gewissen und rufen: "Wir wollen in den Container!"
Ich war auf dem Weg zum Gottesdienst. […] Und dann fiel mir etwas auf: Ein Mann brachte eine große Holzkiste mit Altpapier zum Container und sortierte es sorgfältig hinein, sodass nichts danebenfiel. Der Nächste zog einen gelben Sack mit Verpackungsmüll zum entsprechenden Behälter.
Als ich weiterging: eine Frau, die ihren Müllbeutel aus der Wohnung trug. […] Verblüffend, dachte ich, dass viele Menschen diesem Bedürfnis, bei sich Ordnung zu schaffen, offenkundig mit Vorliebe sonntagmorgens nachgehen. Die einen, indem sie zu Hause aufräumen, die anderen, in dem sie zum Gottesdienst gehen. […]

Erstaunlich, daß sich 98% der Hamburger Kirchenmitlgieder und 99,4 % aööer Hamburger sonntags diese Art der Predigten nicht anhören mögen.
Es sollten doch eigentlich 99,999% sein, die das nicht ertragen.

Mittwoch, 23. März 2016

Kommentarsucht



Sascha Lobo nennt es Kollektivkatastrophen was wir gerade mal wieder in Brüssel erleben.

Auf merkwürdige, aber irgendwie nachvollziehbare Weise tritt das Publikum selbst, seine Trauer, seine Wut, seine Hilflosigkeit dabei in den Vordergrund, die tatsächlichen Opfer geraten zum Anlass. Das Wichtigste scheint, sich in solchen Situationen nicht allein fühlen zu müssen. Wir sind doch alle Überlebende, irgendwie.
Immer ist irgendwo jemand, der mit dem Smartphone live sendet oder fast live vom Ort des Geschehens oder ein paar Kilometer entfernt, das ist auch Bewältigung, verpackt in eine Nachrichtennachahmung: Bitte, Welt, nimm zur Kenntnis, was wir durchmachen, aber wir haben Glück und bis jetzt überlebt.
Schweigen würde als herzlos interpretiert.

Unser elendes Twitter-Instagram-Facebook-Zeitalter führt dazu, daß ich nur noch mit Schwierigkeiten erfahre was eigentlich ganz genau gestern in Brüssel geschah, weil ich erst einmal von lauter eingefärbten Profilbildchen, Trauer-Emojis und Drama-Memes erschlagen werde.

 Es gibt jetzt sogar schon Gegen-Memes, mit denen sich immer mehr Entnervte gegen die allertumbsten Sprüche, wie zB „Pray for Brussels“, wehren.


Als Nachrichtenkonsument wird man auch eine sehr bizarre Nebenebene gezerrt, auf der man sich fast nur noch mit den Reaktionen auf solche Anschläge beschäftigt.
Die eigentlichen Fragen, also die nach den Ursachen und den möglichen Abhilfen, werden gar nicht mehr gestellt, wenn man die perfide Hetze sieht, mit der die Petrys, von Storchs und Pretzells sofort die Toten für ihre Zwecke nutzen.

Irgendjemand scheint Frau Steinbach ihr Klugtelefon abgenommen zu haben, denn offenbar setzte sie gestern gar keinen perfid-faschistoiden Tweet ab.

Aber dafür sprang die geistig mindestens ebenso verwerfliche CDU-Kollegin Lengsfeld ein und gab Merkel die Schuld an dem Brüsseler Terroranschlägen.

Merkel habe "alles dafür getan, dass der Terror in Europa Fuß fassen kann", erklärte die Ex-CDU-Bundestagsabgeordnete Vera Lengsfeld auf Facebook.

Es kommt eines Tages noch so weit, daß mir Merkel Leid tut wegen dieser Horror-Partei, die sie an der Backe hat.

Wenn man die oberste Schicht des Betroffenheits-Brummen und der Polit-Doofheiten der Rechten durchdrungen hat, folgt unweigerlich die Diskussion darüber, ob das alles „gar nichts mit dem Islam zu tun“ habe, ob kollektiv alle 1,irgendwas Milliarden Muslime irgendwie mitverantwortlich wären, wer jetzt gefordert sei sich zu distanzieren und natürlich kommen auch die Forderungen nach strengeren Gesetzen.

Die Westeuropäer drehen durch und auch wenn nach wie vor die allermeisten Terrorismusopfer Muslime in muslimischen Ländern sind, kann ich mich als weißer, atheistischer Mann in einem NATO-Staat nicht dem Gruselfaktor entziehen.

Der linke Terrorismus der 1970er und 1980er Jahre hatte auch schon ganz Deutschland verrückt gemacht, dabei war die RAF „nur“ gegen oberste Staats-, Wirtschafts- und Militärrepräsentanten gerichtet.

Der später folgende und bis heute anhaltende Rechtsterrorismus in Deutschland forderte bisher ungefähr 10 mal so viele Todesopfer wie der RAF-Terrorismus, grub sich aber vergleichsweise wenig in das Bewußtsein der Deutschen ein, weil die Opfer alle arm waren oder Minderheiten angehörten. Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe konnten bekanntlich fast ein Dutzend Menschen bei Anschlägen töten, ohne daß irgendeinem bei Polizei, Staatsschutz oder Medien überhaupt eingefallen wäre das als „Terrorismus“ zu bezeichnen. Die Opfer waren ja „bloß Ausländer“ und wer weiß bei diesen Türken/Arabern/Kanaken schon genau, ob die sich nicht gegenseitig erschießen? Offenbar waren ja gelegentlich sogar BND-Agenten bei diesen Morden zugegen und hielten es nicht für nötig einzugreifen.

Der IS-Terrorismus ist ganz anders, weil er nicht opferspezifisch ist.
Es ist gewissermaßen spezifisch für den Schrecken der Radikal-Islamisten, daß sie nicht spezifisch sind und es ihnen „nur“ darum geht möglichst viele Menschen zu töten und möglichst viel Aufmerksamkeit zu erregen.

Es ist relativ unvorstellbar, daß ein RAF-Kommando versucht hätte ein Atomkraftwerk hochzujagen, weil sie doch noch Skrupel angesichts der gewaltigen Kollateral-Opferzahlen gehabt hätten.
Fanatisierte Möchtegern-Märtyrer von IS oder Al Kaida würden hingegen sicher gern ein belgisches AKW sprengen und große Teile Westeuropa unbewohnbar machen.
Zumindest weiß man, daß Osama bin Laden und seine Kollegen gebannt den Einsturz der WTC-Türme verfolgen. Mit großen Jubel wurde jeweils der Moment des Zusammenfalls quittiert; die Vervielfachung der Opferzahlen löste also offensichtlich große Freude aus.

Die später von Augenzeugen berichteten Geschehnisse zeigen wieso es so schwer ist mit religiösem Terror umzugehen. Wer seinen Gott so interpretiert, daß dieser sich umso mehr freue, je mehr „Feinde“ getötet würden und dazu auch noch sein eigenes Leben ohnehin wegwirft, weil er zum Märtyrer werden möchte, ist mit westlicher Gerichtsbarkeit nicht zu sozialisieren.

Also bleibt uns offenbar nur übrig diesen Terror auszuhalten.
Aber das ist leicht gesagt. Es gilt dabei nicht den Extremisten auf den Leim zu gehen, indem man sich von den Werten verabschiedet, die Höcke und Abu Bakr al-Baghdadi gleichermaßen verachten.
Dem Superpopanz Sicherheit, vom ehemaligen Verfassungsminister Friedrich flugs als über den Grundrechten stehend aufgeblasen, ist man bereit viele europäische Freiheiten zu opfern.
Wir sollten das nicht tun.

Wenn man nach so einem Anschlag wie gestern weiter bohrt, durch die Lobo-Schicht und die „wie böse ist der Islam-Schicht“ gedrungen ist, stößt man auch auf sinnvolle Artikel.

Erhellendes erschien dazu heute von Edelfeder Kurt Kister, dem SZ-Chefredakteur und zweifellos einem der klügsten Journalisten des deutschsprachigen Raumes.

Aber auch wenn Kister sicher kein Religiot ist, rutschen ihm rudimentäre christliche Überheblichkeiten in seinen Text, die ich nicht akzeptieren kann.

Kein Gott braucht Mörder. Menschen, die sich auf Gott berufen, um andere Menschen zu verletzen und zu töten, sind die größten Gotteslästerer. Sie schaffen sich einen Gott nach ihrem Bilde und versuchen so, ihrem Hass, ihrer Paranoia und ihrer Rachsucht höhere Weihen zu geben. Gläubige wie Ungläubige dürfen gerade auf dieses zutiefst unmoralische Konstrukt nicht hereinfallen. Es ist nicht "der" Islam, der tötet, sondern in Brüssel und Paris war es eine kleine, verblendete Minderheit junger, aggressiver Männer, die sich auf etwas berufen haben, was sie nie verstanden.

Alle gläubigen Menschen erschaffen sich Gott nach ihrem Bild. Es gibt keinen Gott und demzufolge auch keinen „echten Gott“ der gegen Morden ist und dazu einen „falschen Gott“, den sich jemand nur ausgedacht hat.
Wenn man diese Unterscheidung anfängt, landet man unweigerlich in einem unlösbaren religiösen Antagonismus. Das ist ja der Kern der Tausenden von Religionen ausgelösten Kriege – jeder meint, daß nur sein Gott der richtige wäre.
Wenn Kister nun bestätigt, daß tatsächlich der eine Gott der Richtige und der andere falsch ist, spielt er genau das gefährliche Spiel mit, das wir überwinden sollten.

Übrigens: Auch George W. Bush hat sich vor 13 Jahren im Irak-Krieg auf Gott berufen. Jesus hatte mit diesem Feldzug so wenig zu tun wie Allah mit Molenbeek. Und gerade Christen, die am kommenden Freitag des Todes Jesu am Kreuz gedenken, sind sich sicher, dass er gestorben ist, um Menschen zu erlösen und nicht lebte, um töten zu lassen.

Die Aussage kann man angesichts der gewaltigen Kriminalgeschichte des Christentums, die mit Sicherheit in den letzten 2000 Jahren viel mehr Opfer forderte als die Opfer aller anderen Religionen zusammengenommen, nicht stehen lassen.
Wieder versucht Kister den einen Gott, in diesem Fall Jesus, als etwas absolut Gutes darzustellen.

Gewiss, Sicherheit und Freiheit stehen immer in einem Spannungsverhältnis. Und dennoch darf der Westen diese Freiheit nicht Schritt für Schritt aufgeben, um die abzuwehren, die ihn wegen der Freiheit angreifen. Die auf den Rechten des Individuums und der Menschenwürde ruhende Gesellschaft Europas hat nicht versagt, weil sie nun von Fanatikern attackiert wird. Sie würde versagen, wenn sie bei der nötigen Abwehr ihre Grundwerte in Frage stellte.

Dem Zusammenhang stimme ich natürlich zu, aber leider halte ich Kisters „würde-Konjunktiv“ für verspätet.
Online-Überwachung, Bundestrojaner, Vorratsdatenspeicherung, Grenzkontrollen und allgemeines Misstrauen – all das gibt es leider schon.