Samstag, 13. September 2014

Merkel genervt.



Wie wir unter anderem der letzten SPIEGEL-Ausgabe entnehmen konnten, richtet sich Merkel in ihrem Regierungshandeln weitgehend nach Umfragen.
Millionen Euro gibt das Bundespresseamt für wöchentliche genaue Befragungen nach den Befindlichkeiten der Wähler aus.
Schon 200 exklusiv nur der Kanzlerin zugängliche Umfrageanalysen unterschiedlicher Institute nutzt die Frau für ihr Herrschaftswissen.
Das was ihr die Chefs der Institute als Mehrheitsmeinung des Urnenpöbels aufschreiben, verwendet sich bisweilen wortwörtlich in ihren Regierungserklärungen.
Bis auf wenige Ausnahmen ist es Merkel ziemlich egal WAS entschieden wird; es soll nur a) möglichst geräuschlos passieren und b) niemand im Wahlvolk verunsichern.
Die große Koalition ist daher Merkels natürlicher Lebensraum, wenn auch zu vermuten ist, daß sie lieber einer rechtere und illiberalere Agenda durchsetzen würde.
Dafür braucht es aber Schwarzgelb und wie wir gesehen haben, ist die FDP nicht regierungsfähig und führt zu schlechter Presse für die gesamte Regierung.
Dann schon lieber Schwarzrot mit Zugeständnissen an die Sozis. Umso besser für Merkel, wenn es sich dabei um populäre Vorhaben (bspw. Rente mit 63, Mindestlohn) handelt.
Kontraproduktive Gaga-Gesetze wie Maut und Herdprämie wachsen sich nicht zu echten Problemen Merkels aus, sofern sie schnell durchgedrückt werden, da der Urnenpöbel eine enorm kurze Aufmerksamkeitsspanne hat.
Mit der überwältigenden 80%-Mehrheit im Bundestag sollte man so einiges an Blödsinn in Gesetzesform durchwinken können.

Dabei vergisst man aber der Bundesrat, der in den meisten Fällen zustimmungspflichtig ist.
So wird die Maut plötzlich zum Problem, da schwarz-rot im Bundesrat nur über 27 von 69 Stimmen verfügt.


Sollte das immer noch schwarzgelbe Sachsen demnächst schwarzrot werden; und danach sieht es aus; steht es 31:38 gegen die GroKo.
Immer noch nicht genug für Harmonie-Merkel.
Die in wenigen Stunden beginnenden Wahlen in Thüringen und Brandenburg könnte der Bundesrat großkoalitionär werden; wenn Brandenburg zu einer GroKo zurückkehrt und in Thüringen alles so bleibt wie es ist. Erstmals hätten CDU, CSU und SPD mit 35 von 69 Stimmen eine absolute Mehrheit im Bundesrat.


Merkel kann aber auch großes Pech haben, wenn ihre CDU morgen die Regierung in Erfurt verlassen muß und nicht den Sprung ins Potsdamer Kabinett schafft.
Dann fielen die vier Stimmen für Thüringen weg. Sollte es in Sachsen Schwarzgrün werden, schrumpft der schwarzrote Stimmenblock sogar auf 23:46 Stimmen zusammen.
Zudem verlöre die CDU den Länderboden unter den Füßen nachdem sie schon in 18 der 20 größten Städte geschlagen ist.

1. Berlin  3,5 Millionen Einwohner. Wowereit SPD

2. Hamburg 1,8 Millionen Einwohner. Scholz SPD

3. München 1,4 Millionen Einwohner. Reiter SPD

4. Köln 1 Million Einwohner. Roters SPD

5. Frankfurt am Main 680.000 Einwohner. Feldmann SPD

6. Stuttgart 610.000 Einwohner. Kuhn Grüne

7. Düsseldorf 590.00 Einwohner. Geisel SPD

8. Dortmund 580.000 Einwohner. Sierau SPD

9. Essen 570.00 Einwohner. Paß SPD

10. Bremen 550.000 Einwohner. Böhrnsen SPD

11. Dresden 520.000 Einwohner. Orosz CDU

12. Leipzig 520.000 Einwohner. Jung SPD

13. Hannover 520.000 Einwohner. Schostok SPD

14. Nürnberg 510.000 Einwohner. Maly SPD

15. Duisburg 490.00 Einwohner. Link SPD

16. Bochum 370.000 Einwohner. Scholz SPD

17. Wuppertal 350.000 Einwohner. Jung CDU

18. Bonn 320.000 Einwohner. Nimptsch SPD

19. Bielefeld  320.000 Einwohner. Clausen SPD

20. Mannheim 310.000 Einwohner. Kurtz SPD

Die letzten Kommunalwahlen gingen für die Konservativen in den Großstädten allesamt desaströs aus.
Im März 2014 gab es für die CSU eine heftige Klatsche; insbesondere bei den Stichwahlen in den größten Städten.

Verlöre die CDU nun auch noch ihre Regierungsbeteiligung in Thüringen, gäbe es nur noch fünf Landesverbände der CDU in Regierungsverantwortung. Zählt man die CSU mit, wären es sechs von sechzehn.
Die SPD hingegen könnte außer in Bayern und Hessen überall mitregieren; also in 14 von 16 Bundesländern.

Ein Alptraum für die Kanzlerin.

Der Gedanke zerrt offenbar so an ihren Nerven, daß sie dieselben heute verlor.
Die Ostdeutsche packt 25 Jahre nach dem Ende der DDR die Rote-Socken-Kampagne aus und warnt vor dem Marxismus in Deutschland!
Wenn sich Merkel zu derart hanebüchenen Unsinn hinreißen läßt, muß sie sehr nervös sein.

Thüringen könnte nach der Landtagswahl erstmals eine linke Regierung bekommen - sehr zum Ärger von Kanzlerin Merkel. [….]
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die Grünen in Thüringen vor der Beteiligung an einer Landesregierung unter Führung der Linken gewarnt. Sie habe Achtung vor den Grünen, von denen sich viele vor 25 Jahren im Neuen Forum und anderen DDR-Bürgerrechtsbewegungen für die Freiheit eingesetzt hätten, sagte Merkel am Samstag beim CDU-Wahlkampfabschluss in Apolda. Dieselben Grünen seien jetzt bereit, mit der Linken zusammenzuarbeiten. "Da soll jetzt der Karl Marx in die Staatskanzlei getragen werden. Das kann doch nicht sein", sagte Merkel.
[….] Merkel rief die Bürger am Samstag dazu auf, zur Wahl zu gehen. Bei ihrem Auftritt vor etwa 2000 Menschen in Apolda, dem Wahlkreis von Lieberknecht, sah sich die Kanzlerin auch mit Kritik konfrontiert. Mit Plakaten protestierten Demonstranten gegen Waffentransporte in Kriegsgebiete und das Freihandelsabkommen TTIP. Zudem forderten sie, in der Ukraine-Krise auf Verhandlungen mit statt auf Sanktionen gegen Russland zu setzen.

Ach Merkel…
Ausgerechnet der Linke-Politiker Bodo Ramelow, der frommer Christ ist, taugt wirklich am wenigsten als Horrorbild.
Es wird nicht der Untergang des Abendlandes sein, wenn er Ministerpräsident werden sollte.
Es wird nur lästiger für die Bundesregierung und das begrüße ich.



Freitag, 12. September 2014

Subsidiarität


Jeder deutsche Bundespolitiker, der etwas auf sich hält übt so lange das Wort „Subsidiaritätsprinzip“ auszusprechen, bis es ihm in jedem zweiten Satz flüssig über die Lippen kommt.
Wer von Subsidiarität spricht, erweckt den Eindruck sich im Dschungel der Zuständigkeiten auszukennen und zudem das Fach „politische Theorie“ belegt zu haben.
Mit so einem schönen Begriff im Wortschatz klingen selbst unterbelichtete Blitzbirnen wie Alexander Dobrindt fast intelligent.
Der Zungenbrecher wirkt zudem latent ehrfurchteinflößend und erstickt damit die Frage danach, was das eigentlich bedeutet im Keim.
Dabei bedeutet „Subsidiaritätsprinzip“ im politischen Sinne einfach nur, daß die Leute möglichst selbst entscheiden sollen und dementsprechend wenige Befehle von ganz oben kommen sollen. Angewendet wird es insbesondere auf Entscheidungshierarchien; beispielsweise Kommune -> Kreis -> Bundesland -> Bund  -> EU.
Die EU soll also nicht über Dinge entscheiden, die ein Kreistag selbst regeln könnte.
Üblicherweise wird das „Subsidiaritätsprinzip“ abhängig von der eigenen Position in der Hierarchie angewendet. Je weiter unten man steht, desto wichtiger ist einem die Regel.
Zudem ist das „Subsidiaritätsprinzip“ themenabhängig.
Lange Zeit galt es Konservativen als Ehrensache nicht in die Familien hineinzuregieren. Vergewaltigen in der Ehe oder das Schlagen von Kindern wollte die Rechte in Deutschland möglichst lange nicht unter Strafe stellen. KITAs galten als Teufelszeug.
Bei Homoehe und Abtreibung argumentieren Konservative genau umgekehrt; da sollten gerade staatliche Regeln von ganz oben durchgesetzt angewendet werden.

Besonders schön läßt sich das „Subsidiaritätsprinzip“ beschwören, wenn man gleichzeitig auf zwei, drei oder mehr verschiedenen Hierarchieebenen sitzt.
Dann kann man sich für alles Gute selbst loben und das was beim Urnenpöbel nicht gut ankommt auf „die da oben schieben“.
Horst Seehofer bestimmt als CSU-Chef die Personalien bis hinunter in die Bezirke, prägt die Landespolitik, ist einer der großen drei Entscheider in der Bundespolitik und bestimmt als solcher auch über das Brüsseler Personal mit.
Die bösen Brüsseler Beamten lassen sich in Bayerischen Wahlkämpfen trefflich verdammen und verulken, wenn man dabei verschweigt, daß die meisten dieser Beamten aus Deutschland kommen und maßgeblich von Führungsfiguren wie Merkel und Seehofer ausgesucht wurden.
Ebenso schön poltert es sich gegen die Bundesregierung in Berlin, wenn man in niederbayerischen Festzelten dezent verschweigt, daß die CSU diese Bundeskanzlerin gewählt und diesen Koalitionsvertrag ausgehandelt hat.

Gurkenkrümmungsverordnungen wurden auf Druck der deutschen Gemüsegroßhändler von deutschen Politikern durchgedrückt.
Es war die erste Merkel-Regierung, die Brüssel dazu zwang das Glühbirnenverbot zu exekutieren.

Es ist nicht die Schuld Europas oder des Bundes, daß es keinen flächendeckenden Breitbandinternetzugang gibt.
Wer sich tagtäglich über das Rumpel-Internet ärgert und sich beim Downloaden den Hintern platt wartet, kann dafür geradezu grotesk plastisch die Schuldigen ausmachen.
Es sind auf Bundesebene Alexander Dobrindt (im Kabinett Merkel III Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur) und auf Europaebene Günther Oettinger designierter EU-Kommissar für Digitale Wirtschaft und Gesellschaft.


Beide zeigen ihre Eignung für das Thema schon durch ihre exzellenten Englischkenntnisse.



Solche Typen fallen aber nicht vom Himmel, sondern sind die klassischen Resultate davon, daß der Urnenpöbel massenhaft CDU und CSU auf den Wahlzetteln ankreuzt.
Letztlich ist es die beliebteste Kanzlerin aller Zeiten, die solche Personalien verbricht.
Ihr Händchen für extrem ungeeignete Personen ist legendär. Man erinnere sich nur an Verteidigungsminister Jung, Familienministerin Schröder, Gesundheitsminister Gröhe, diverse CDU-Generalsekretäre oder die Fehlgriffe im Bundespräsidialamt.
Wer Merkel wählt oder sie dadurch in den Sattel hebt, daß er nicht zur Wahl geht, darf sich nicht über die Pfeifen Oettinger und Dobrindt beklagen.


Tatsächlich ist Subsidiarität (von lat. subsidium „Hilfe, Reserve“) auf der alleruntersten Ebene verankert. Es ist der einfache Wähler, der sich bei Bundes- und EU-Wahlen erbärmliche Funktionäre wie Juncker aussucht, die dann in so grotesker Weise Lobbyinteressen gegen die kleinen Wähler durchsetzen, daß man die Funktionsfähigkeit der Demokratie wirklich bezweifeln muß.

Man sollte doch annehmen, daß der Urnenpöbel in den letzten sechs Jahren ein Gefühl dafür entwickelt haben müßte, daß Investmentbanker und Derivatehändler die ganze Welt in den Abgrund stoßen.
Es sind Banker, die halb Europa ruiniert haben. Dafür bluten nun Griechen und Spanier. Der Steuerzahler ist so doof, daß er die Verluste der Banker verstaatlichen läßt und die Gewinne privatisiert.
Und damit es schön so weitergeht, wird die Brüsseler Finanzpolitik gleich direkt von einem korrupten Bankenlobbyisten gesteuert.
Möglichen machen es Juncker und die EVP, die vom EU-Pöbel zur größten Macht im Parlament aufgeblasen wurde. Jetzt gibt es inkarniert von Jonathan Hill die Strafe für so viel Wählerdoofheit.

[….] Am Donnerstag hat Jean-Claude Juncker die neue Kommission vorgestellt. Die Namen waren im Vorfeld bekannt, die Dossierzuteilungen überraschten dann sogar manchen Experten.
So verantwortet künftig ein gemäßigter Euroskeptiker den Bereich Finanzen in der EU-Kommission. Der Brite Jonathan Hill war Camerons erste Wahl, wohl weil er als treuer Konservativer gilt. [….] Parlamentspräsident Martin Schulz nannte den britischen Kommissar einen "radikalen Anti-Europäer".  Vor seiner Tätigkeit im Oberhaus, war der 54-jährige Lord Hill Lobbyist und PR-Manager. In Brüssel ist er nun für die Banken zuständig. Und das, obwohl gerade aus Großbritannien Widerstand gegen mehr Regeln für den Finanzsektor kommt. Nirgendwo kann ein britischer Kommissar also die Interessen seiner Heimat besser vertreten als auf diesem Posten. [….] Ebenso als "Fehlgriff" wird der ungarische Kandidat, der FIDESZ-Politiker Tibor Navracsics, von Lunacek bezeichnet. Er soll künftig für Bildung, Kultur und Jugend zuständig sein. Dabei ist besonders die FIDESZ-Regierung in der Vergangenheit immer wieder für Medienzensur und fragwürdige Kulturpolitik angeprangert worden.  Auch der spanische Kandidat, Miguel Arias Cañete, fiel Anfang des Jahres unangenehm auf. Mit Frauen könne man keine gleichberechtigte Diskussion führen, soll der konservative Politiker und künftige Energiekommissar vermeldet haben. Würde ein Mann außerdem seine intellektuelle Überlegenheit demonstrieren, gelte das gleich als sexistisch, ärgerte sich Arias Cañete laut Medienberichten. [….]

[….] Der konservative Brite und ehemalige Finanzlobbyist Jonathan Hill soll in Zukunft ausgerechnet für die Finanzmarkt- und Bankenregulierung zuständig sein. Eine Fehlbesetzung, wie sie im Buche steht.  Jonathan Hill gehört zu den Mitbegründern der britischen Lobbyberatungsfirma Quiller Consulting. Quiller Consulting hat unter anderem die global agierende HSBC Bank und viele andere Finanzmarktakteure beraten. Somit ist Hill bestens in der Londoner Finanzbranche vernetzt. Es ist also nicht verwunderlich, dass die Londoner Finanzbranche Hills Nominierung begrüßt und feiert. [….]


[….] Nach dem monatelangen Poker um die wichtigsten Ressorts in der neuen EU-Kommission bleibt für Deutschland nur ein Platz in der zweiten Reihe. Merkels CDU-Parteigenosse Günther Oettinger hat in der Behörde keinen der sieben machtvollen Vizepräsidenten-Posten ergattert - und verantwortet auch keines der Schlüsselressorts.
[….] Künftig aber wird er sich um das Mini-Ressort Digitales kümmern, also Telekommunikation, Netzausbau oder Urheberrechte. Und wird auch noch von dem Esten Andrus Ansip als Vizepräsident überwacht. [….] Nichtsdestotrotz regnete es prompt Häme. Der FDP-Fraktionschef im EU-Parlament, Alexander Graf Lambsdorff, nannte die Personalie eine »schallende Ohrfeige für die Bundesregierung«. Der grüne Europa-Abgeordnete Jan Philipp Albrecht sprach von der »größten Fehlbesetzung« der neuen Kommission unter Jean-Claude Juncker. Das EU-Parlament muss dem Personalpaket noch zustimmen.
[….] Am meisten überraschte Juncker mit der Berufung des konservativen britischen Europaskeptikers Jonathan Hill zum Finanzkommissar. Ausgerechnet Großbritannien: Die Briten wollen ihre Bankenmetropole London schützen und bremsen regelmäßig bei EU-Vorstößen. Laut EU-Diplomaten ist dies ein großes Zugeständnis an Premier David Cameron, damit das Land in der EU bleibt. Cameron will sein Volk 2017 über einen EU-Austritt abstimmen lassen. Nun könnte Hill die von Cameron geforderten Reformen der EU im Londoner Sinne vorantreiben. [….]

Da wird es in den nächsten Jahren wieder viele Gründe geben, sich gegen „die da oben“ zu empören.


Donnerstag, 11. September 2014

Gute Prolls



Wenn man sich mit absoluter Sicherheit unbeliebt machen will, muß man nur etwas gegen Fußball sagen.
Insbesondere in dem Land, das gerade Weltmeister wurde, funktioniert das immer.
Auf den Mainstream werde ich aber niemals Rücksicht nehmen; also bleibe ich dabei, daß Fußball ein massenverblödendes Proletenspiel ist, das auch noch zu Gewalt und Patriotismus, bzw Nationalismus führt.

Besonders ärgerlich ist es für mich als TV-Gebührenzahler auch noch mit dafür zu sorgen, daß hochkorrupte rechtslastige Krakenorganisationen wie die Fifa jedes Jahr Milliarden Euro einnehmen.
Ich will verdammt noch mal nicht solche Funktionäre wie Mayer-Vorfelder oder Blatter mitfinanzieren, nur weil ich einen Fernseher besitze.
Da Christoph Schwennicke im April 2013 Fußball so wunderbar charakterisiert hat, muß ich das in einzelnen nicht selbst formulieren, sondern schließe mich dem an und lese seine Suada noch einmal genüsslich…

 […] Ich finde Fußball doof. Nein, ich finde Fußball grässlich – und ungemein langweilig. Ein Reigen alter Männer steht am Rand und schreit herum, viele mehr oder weniger junge Männer rennen auf einer Wiese herum, erst alle nach links, dann Ballverlust, dann wieder nach rechts, Ballverlust, wieder nach links.
[…] Fußballgucken finde ich, ist Ödnis in Vollendung, die überflüssigste Sache der Welt. Dann doch lieber Minigolfspielen, oder Monopoly, und das ist schon ganz schön schlimm öde.
Wer meine, wie ich finde, einzig vertretbare Grundeinstellung zum Fußball hat, bekommt ganz viel Lebenszeit geschenkt. Ganze Wochenenden verplempern Fußballbegeisterte an diese ungemein primitive Sportart. Dekaden an sinnlos verbrachter Lebenszeit kommen da zusammen.
[…] Dieses Spiel ist unästhetisch und ordinär. Schon der Klang, wenn der Ball getreten wird, macht mich übellaunig. Es ist ein zutiefst ordinäres Geräusch, es klingt so ähnlich wie die Schläge von Bud Spencer in den alten Prügelfilmen mit Terence Hill. Die Spieler haben keine Manieren, tun sich absichtlich weh, sind nicht nur furchtbar verschwitzt, sondern oft auch noch sehr verdreckt und vom Regen pitschenass und rotzen dauernd auf die Wiese. Manchmal sogar ins Nackenhaar eines Gegners. Das ist so unappetitlich. […]

Und gerade wenn man denkt, das Schlimmste sei vorbei, weil Deutschland das WM-Finale unter dem Böllergeknalle ganz Deutschlands gewonnen hat, schaltet man den Fernseher ein und schon wieder spielen Argentinien und Deutschland gegeneinander. Diesmal sind allerdings die „Gauchos“, welche eben noch in Berlin mit diffamierenden Tänzen der Deutschen lächerlich gemacht wurden, mit 4:0 Weltmeister geworden.

Ich fühle mich regelrecht verfolgt vom Doofensport Fußball; insbesondere seit auch noch ein Fußballer und ein Fußballtrainer den Supermarkt gekauft haben, in dem ICH wöchentlich mein grocery shopping vollziehe.
Unverschämtheit. Ich war schon viel länger da! Können die nicht einen anderen Lebensmittelladen erwerben?


Wenn ich morgens meine Zeitungen von der Fußmatte aufklaube, will ich jedenfalls nicht schon gleich auf der Titelseite irgendwelche dieser kurzbehosten Denkbremsen mit aufgerissenen Mäulern sehen.
Besonders dieser eine mit dem Tiernamen, den Merkel so liebt und der jetzt scheinbar Chef von allen Fußballern geworden ist, sieht physiognomisch so abstoßend aus wie ein humanisierter Pitbull: Keine Augen, keine Augenbrauen, keine Lippen, dafür aber eine Riesengummer und eine Ausstrahlung, die auf einen Zimmertemperatur-IQ schließen läßt.
Kein Wunder, daß Merkel den immer als ihren Liebling der Nationalmannschaft bezeichnet.
Und kein Wunder, daß er auch auf Merkel steht. Das entspricht seiner Geistesleistungsfähigkeit.

Heute titelte das Hamburger Abendblatt mit einer Fußballstory.
Ich wollte gerade ohnmächtig vor Wut zusammenbrechen, als ich im Fallen aus dem linken Augenwinkel sah, daß es sich diesmal um eine tatsächlich interessante Story handeln könnte.
So ist es denn auch.
Es geht um Clubs der Leistungsklasse B, Staffel III; was auch immer das heißt. Offenbar irgendwelche Typen, die ein, zwei Millionen weniger als Merkels Liebling verdienen. (Merkel mag scheinbar nur den Reichsten.)
Das Problem bei dieser Division ist eine Mannschaft aus Hamburg-Barmbek; quasi mein Nachbarstadtteil. Der SC Osterbek wurde 1973 gegründet, spielt in Gelb-Schwarz (à la Guido und Angie) und mischt in irgendwelchen Amateur-Wettbewerben von Hamburg-Nord mit. „Untere Herren B-III“ – das klingt für meine Ohren ein bißchen nach schwulen Resteficken im Darkroom unter dem Darkroom.
Genauer recherchieren kann ich leider nicht, da deren Website heute offline ist.
Die Spieler dieses  Vereins scheinen richtig sympathische Kerlchen zu sein.
Sie grölen die erste Strophe des Deutschlandliedes, sind mit Nazisymbolen tätowiert und geben in den sozialen Netzwerken rechtsextremes Zeug von sich.

Der SC Sternschanze hatte keine Lust mit den Nazis Ball zu spielen.

Wer Hamburg kennt, weiß daß „in der Schanze“ die linksalternative Szene zu Hause ist. Dort hält man nichts von Hetze gegen Ausländer und so nehmen die Spieler lieber Punktabzüge hin, als gegen Nazis zu spielen.
Entsprechende Ankündigungen an den Hamburger Fußball-Verband gab es schon vor vier Jahren.

Sternschanze III mit offenem Brief an HFV […]
„Sehr geehrter Herr Marschner, sehr geehrter Herr Ennuschat, sehr geehrter Herr Picker, liebe Sportsfreunde,
die Dritte Mannschaft des SC Sternschanze hat sich erneut dazu entschlossen, in dieser Saison nicht gegen die Fünfte Mannschaft des Meiendorfer SV (MSV) anzutreten und dies jetzt auch öffentlich zu machen.
Die Gründe für unsere Entscheidung sind die gravierenden Vorfälle bei vorangegangenen Spielen gegen den MSV. In der Vergangenheit ist es zu zahlreichen rassistischen und sonstigen schweren Beleidigungen, Pöbeleien und sogar körperlichen Übergriffen von Spielern, Betreuern und sonstigen Begleitern der Meiendorfer auf unsere Mannschaft, unsere Fans und den Schiedsrichter gekommen. In der vergangenen Spielzeit wurden überdies im Heimspiel gegen den MSV durch deren überhartes Einsteigen zwei Spieler des SC Sternschanze schwer verletzt.
Erschwerend kommt hinzu, dass es sich bei diesen Vorfällen nicht etwa um ein einmaliges Ereignis handelt. Wegen ähnlicher Vorkommnisse haben wir uns bereits in der Vergangenheit gezwungen gesehen, beim HFV die Entsendung eines Spielbeobachters zu beantragen. Leider wurde dem nicht entsprochen. [….]

Neu ist allerdings, daß die Verbandsbosse beim SC Osterbek diesmal nicht die Nazis belohnen und den Typen von der Sternschanze keine Punkte geben, sondern daß die Rechten gemaßregelt wurden. Das Spiel wurde abgesagt.

 […]  Als der Libero der 3. Herren des SC Osterbek vor dem Anpfiff auf dem Fußballplatz die erste Strophe der Nationalhymne anstimmte, dachten die Gegenspieler noch an einen geschmacklosen Scherz. Als sie Tätowierungen und Kleidungsstücke mit eindeutig rechtsextremistischem Bezug entdeckten, war endgültig Schluss mit lustig. Und spätestens, als Nachforschungen im sozialen Netzwerk Facebook den Verdacht nationalsozialistischer Umtriebe in Reihen der Osterbeker Amateure erhärteten, war sich die 5. Herrenmannschaft des SC Sternschanze einig: "Da spielen wir nicht länger mit."
[…]  In einem Brief an den Hamburger Fußball-Verband und die anderen Clubs der Leistungsklasse B, Staffel III, begründeten die Kicker von der Schanze Ende vergangener Woche auf acht Seiten ihren Beschluss, fortan nicht mehr gegen die Osterbeker Mannschaft antreten zu wollen. Lieber nehme man Punktabzug in Kauf.
Die Reaktion erfolgte prompt: Der Verband strich die für kommenden Sonntag um elf Uhr an der Schanzenstraße angesetzte Partie aus dem Spielplan. So etwas gab es noch nie im Hamburger Amateurfußball.
Am 18. September berät das Präsidium über weitere Maßnahmen. Zuvor hatte der Vorstand des SC Osterbek mit Heimat in Bramfeld von sich aus Konsequenzen gezogen und fünf namentlich bekannte Männer mit sofortiger Wirkung aus dem Verein ausgeschlossen. Die Spielerpässe wurden eingezogen.
[…]  "Wir wollen solchen Leuten keine Plattform zum Spielen geben", begründete Sternschanze-Trainer Carsten Heidemann die einmütige Entscheidung seines Teams. "Es geht nicht an, dass wir Neonazis im sportlichen Wettstreit auf Augenhöhe begegnen", ergänzt Mitspieler Sergio Dias. […]

Gute Aktion des Fußballverbandes.
Wenn das Schule macht, werden womöglich sogar eines Tages Schwule auf dem Fußballfeld erlaubt.


NACHTRAG:

Das Sportgericht muß erst noch entscheiden. Dieser SPON-Bericht war noch nicht erschienen, als ich das Posting schrieb.

NACHTRAG II