Sonntag, 15. Juni 2014

Städter - Teil III


Das Leben im Dorf, in der Vorstadt hat eine Menge Vorteile, aber ich bin mit Leib und Seele Städter und will für’s Erste nicht außerhalb der Innenstadt leben.

Das Umfeld ist einfach liberaler und anonymer. 
Grundsätzlich ist ein höherer Anteil der Menschen gebildet und tolerant.

Das kann man unter anderem an den Wahlergebnissen ablesen, welche sich fundamental von den gesamtbundesrepublikanischen Trends unterscheiden.
 Merkel ist die beliebteste Politikerin und die CDU führt in allen Bundestags-Umfragen meilenweit vor der nächstgrößten Partei (gegenwärtig noch die SPD).

Der Blick auf die größten Städte Deutschlands, welche allesamt im Vergleich zu echten Weltstädten wie Rom, Paris, London oder gar New York und Shanghai winzig sind, zeigt aber eine erstaunliche CDU-Schwäche!

Seitdem sind auch noch Hannover und Düsseldorf an die SPD übergegangen. Nun stellt sich das Bild folgendermaßen dar.

1. Berlin  3,5 Millionen Einwohner. Wowereit SPD

2. Hamburg 1,8 Millionen Einwohner. Scholz SPD

3. München 1,4 Millionen Einwohner. Reiter SPD

4. Köln 1 Million Einwohner. Roters SPD

5. Frankfurt am Main 680.000 Einwohner. Feldmann SPD

6. Stuttgart 610.000 Einwohner. Kuhn Grüne

7. Düsseldorf 590.00 Einwohner. Geisel SPD

8. Dortmund 580.000 Einwohner. Sierau SPD

9. Essen 570.00 Einwohner. Paß SPD

10. Bremen 550.000 Einwohner. Böhrnsen SPD

11. Dresden 520.000 Einwohner. Orosz CDU

12. Leipzig 520.000 Einwohner. Jung SPD

13. Hannover 520.000 Einwohner. Schostok SPD

14. Nürnberg 510.000 Einwohner. Maly SPD

15. Duisburg 490.00 Einwohner. Link SPD

16. Bochum 370.000 Einwohner. Scholz SPD

17. Wuppertal 350.000 Einwohner. Jung CDU

18. Bonn 320.000 Einwohner. Nimptsch SPD

19. Bielefeld  320.000 Einwohner. Clausen SPD

20. Mannheim 310.000 Einwohner. Kurtz SPD

Die letzten Kommunalwahlen gingen für die Konservativen in den Großstädten allesamt desaströs aus.
Im März 2014 gab es für die CSU eine heftige Klatsche; insbesondere bei den Stichwahlen in den größten Städten.

Die CSU hat bei der zweiten Runde der bayerischen Kommunalwahlen in München und anderen Großstädten deutlich Stimmen verloren. Nach den Trendmeldungen konnte die CSU vier von fünf Oberbürgemeister-Stichwahlen nicht gewinnen – in München, Regensburg, Erlangen und Ansbach.
In München ist der SPD-Politiker Dieter Reiter zum neuen Oberbürgermeister gewählt worden. [….]
Auch in Regensburg hat ein SPD-Politiker gewonnen. Dem SPD-Kandidaten Joachim Wolbergs hatten vor zwei Wochen 18 Stimmen zum Wahlsieg gefehlt. In der Stichwahl gegen den Unionspolitiker Christian Schlegl (CSU) erreicht Wolberg über 70 Prozent der Stimmen und wird somit neuer Regensburger Bürgermeister.
Nach 18 Jahren wurde in Erlangen Oberbürgermeister Siegfried Balleis abgewählt, der SPD-Kandidat Florian Janik gewann deutlich. In Ansbach verlor ein CSU-Kandidat ebenfalls deutlich. Thomas Deffner unterlag der parteilosen Politikerin Carda Seidel deutlich, die die Wahl mit 60 Prozent der Stimmen deutlich gewann und so für sechs weitere Jahre im Amt bleibt.  

Und heute folgen noch ein paar angenehme Ergebnisse aus den NRW-Großstädten.

# Düsseldorf: Geisel (59,2 %, SPD) gewinnt OB-Stichwahl gegen Elbers (40,8 %, CDU)
# Dortmund • Sierau (51,6 %, SPD) gewinnt die Stichwahl gegen Littmann (48,4 %, CDU)
# Bielefeld • Clausen (55,9 %, SPD) gewinnt die Stichwahl gegen Rüther (44,1 %, CDU)
(Wahlrecht.de 15.06.14)

Mit Düsseldorf ist die letzte CDU-Stadt der deutschen Top Ten gefallen.

Überraschender Machtwechsel in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt Düsseldorf: Der SPD-Politiker Thomas Geisel hat am Sonntag die Stichwahl um das Amt des Oberbürgermeisters klar gegen Amtsinhaber Dirk Elbers von der CDU gewonnen. […] Einen Wechsel gab es auch im Kreis Siegen-Wittgenstein. Dort löst SPD-Kandidat Andreas Müller Amtsinhaber Paul Breuer von der CDU als Landrat ab. Insgesamt wurden am Sonntag in sechs Großstädten die Oberbürgermeister und in sieben Kreisen die Landräte bestimmt.
[….]  Die SPD verteidigte die Landratssessel in Minden-Lübbecke (Ralf Niermann), Recklinghausen (Cay Süberkrüb) und Wesel (Ansgar Müller).
(SZ 15.06.14)


PS:

Braunschweig, die zweitgrößte Stadt Niedersachsens ging gestern auch an die SPD!

Samstag, 14. Juni 2014

Ich bin alt und konservativ – Teil II



Und schon wieder einmal Anlass mich mit Abscheu und Empörung von der Jugend- und Bildungspolitik Deutschlands abzuwenden.
Dabei ist es für Kinder ohnehin nicht sehr spaßig in Deutschland aufzuwachsen.

Das Bundeskriminalamt (BKA) hat die polizeiliche Kriminalstatistik im Hinblick auf Straftaten gegen Minderjährige ausgewertet und in Berlin seine Ergebnisse präsentiert. Demnach starben im vergangenen Jahr 153 Kinder in Deutschland durch Gewalt und Vernachlässigung. Mehr als drei Viertel von ihnen waren jünger als sechs Jahre, 84 von ihnen höchstens zwei Jahre alt.
Insgesamt wurden 4016 Kindesmisshandlungen polizeilich registriert - die Dunkelziffer ist aber bekanntermaßen groß. Noch immer droht Schutzbefohlenen die größte Gefahr aus dem direkten Umfeld: Bei der Hälfte der Todesfälle bestand zwischen Täter und Opfer ein Erziehungs- und Betreuungsverhältnis. "Diese Kinder wurden also in ihrem sozialen Nahraum getötet durch Personen, deren Aufgabe es gewesen wäre, für das Wohlbefinden und die Sicherheit dieser Kinder Sorge zu tragen", sagte BKA-Präsident Jörg Ziercke.
 13.647 Minderjährige wurden Opfer sexuellen Missbrauchs […]

Ich nehme mal an, daß diese „Ereignisse“ nicht unbedingt politisch gewollt sind, aber die Jugendämter personell besser ausstatten will man auch nicht.

Mir läge aber auch daran, Kindern in den Bildungseinrichtungen eine bessere Erziehung mitzugeben.

In diesem Zusammenhang wende ich mich auch entschieden gegen Projekte, die Schüler von Anfang an nur auf dem Laptop lernen lassen.
Ich befürchte, daß viele Fertigkeiten, die nur mit gewisser Mühe zu erlernen sind, dadurch verkümmern und letztendlich das ganze Denken simplifiziert wird.
Sich gegen Computer in der Schule zu positionieren ist ein aussichtsloser Kampf, aber das entsprechende Hamburger Pilotprojekt widerstrebt mir in extremer Weise.

Der Verfall der kindlichen Fertigkeiten ist allerdings schon erheblich weiter fortgeschritten, als man angesichts der Pläne ZUKÜNFTIG auf Handschrift zu verzichten, vermuten mag.
Das tumbe Konsumieren im frühen Kindesalter – also indem durch Fernsehen und Co ständig das Gehör und die Augen gereizt werden, ohne daß das Kind REagiert oder etwa körperlich INTERagiert, führt zur Verkümmerung vieler feinmotorischer Fähigkeiten. Simpelste Anforderungen wie eine Schleife zu binden, auf einem Bein zu stehen oder gar mit der Hand schreiben zu können, werden vermutlich aussterben.

Das erinnert mich an eine sehr interessante SPIEGEL-TV-Reportage von Markus Grün, die 2008 einen 90-minütigen Blick auf die zweitägige Eignungsprüfung der Sporthochschule Köln warf.

Fazit:
Ja, es gibt sie noch, die sportlichen Abiturienten, aber das sind wenige. Viele sind „sehr schlecht“, weil ihnen die Grundsportlichkeit fehlt. Sie haben nie gelernt Körperspannung zu halten, gerade zu sitzen, ihre Muskeln zu koordinieren.
(Da ich selbst unsportlich bin, sei an dieser Stelle festgehalten, daß es um Jugendliche geht, die SPORT STUDIEREN wollen und nicht nur die Durchschnitts-Abiturienten!)

Von den über 2000 Bewerbern, die sich für das kommende Wintersemester angemeldet haben, wird etwa die Hälfte durchfallen.
Eine Versagerquote mit steigender Tendenz. Denn in den letzten zehn Jahren hat die Sportlichkeit der angehenden Studenten arg gelitten. Übergewicht, zu wenig Breitensportförderung und mangelnde Vorbereitungen zählen zu den Hauptursachen für den schlechten Allgemeinzustand der Bewerber.
Beim Hochsprung fällt die Trägheit der Masse besonders schwer ins Gewicht. 1,40 Meter müssen die Männer in dieser Disziplin mindestens überspringen - für viele der über 1,80 großen Bewerber eine schier unlösbare Aufgabe. Bei den Frauen liegt die Latte sogar nur bei 1,20 Meter.
"Das ist doch nur ein geschicktes Sich-Fallen-Lassen, was die hier bringen!", schimpft der Prüfer angesichts der zahlreichen Tiefflieger. Und legt nach: "Dabei ist die Prüfung nicht schwerer als ein normales Sportabzeichen."

Besonders gefürchtet beim Eignungstest: Schwimmen.
Bei kaum einer Teilprüfung gehen so viele Kandidaten baden. Manche plumpsen beim Kopfsprung eleganzfrei ins Wasser, andere tauchen wie ein nasser Sack. Zudem bewegt sich nicht jeder, der sich über Wasser hält, den Regeln entsprechend - und ist obendrein schnell genug.
(Jochen Leffers 08.10.2008)

"War gut", kommentiert Dozentin Karin Martin lakonisch - "kindgemäß. Wie ein Kleinkind." Die Prüferin hat in ihren Jahren an der Deutschen Sporthochschule in Köln die Kandidaten schon zu Tausenden straucheln gesehen und dabei offenbar einen etwas verschrobenen Humor entwickelt. Freundlich, aber streng kontrolliert sie den korrekten Bewegungsablauf - und fiebert durchaus mit.
Zum Beispiel bei Christina, die erkennbar kein Turngenie ist und zudem bei der Kleiderwahl daneben lag: Kurzes grünes Shirt, lange schwarze Hose - das macht optisch was her, aber beim Pferdsprung Probleme, weil die Hose über den Boden wischt. "Hochkrempeln, du kannst dich so böse verletzten", rät Martin. Trotzdem kracht Christina gegen das 1,20 Meter hohe Pferd, zwei Helfer fangen sie auf.
"Lag an der Hose", sagt Karin Martin vor dem Sprung und grinst. Danach: "Lag nicht an der Hose." Den einen oder anderen Lapsus von Christina beim Bodenturnen verbucht sie sarkastisch unter "Körpererfahrung". Die Kandidatin erhält noch eine letzte Chance, sie muss die Übung wiederholen.

Die hier portraitierten Jugendlichen, die sich an Deutschlands bester Sport-Uni bewarben, sich also immerhin selbst für besonders sportlich hielten, müssen +/- Jahrgang 1988 sein.
Die Extrapolation auf Abiturienten, die heute in Deutschland geboren werden, ist gruselig.

Ein Großteil der Erstklässler kann heute laut einer Forscherin nicht mehr richtig mit der Hand schreiben. Etwa 70 Prozent der Schüler brächten nach dem Kindergarten nicht mehr die nötigen motorischen Voraussetzungen für das sogenannte Kritzel-Alphabet mit, sagte die Nürnberger Bildungsforscherin Stephanie Müller. Diese zeichnerischen Elemente wie kleine Schleifen, Schlangen- oder Zickzacklinien seien die Grundlage für verbundene Schriften mit Buchstaben, die ineinander übergehen wie bei der Schreibschrift. Die Gründe seien unter anderem: Zu wenig Bewegung, fehlende Fingerfertigkeit, keine Eltern als Vorbilder und moderne Geräte wie Smartphones und Tablet-Computer.
„Die Kindheit heute ist nicht mehr so bewegt“, sagt Müller. Früher habe man viel draußen gespielt, sei rumgehüpft und auf Bäume geklettert. „Heute können Kinder in der dritten Klasse nicht mal mehr gerade rückwärtsgehen oder freihändig auf einem Bein stehen.“ Auch Aufgaben, die Fingerfertigkeit erfordern, wie etwa einen Faden einfädeln oder eine Schleife am Schuh binden, seien meist nicht mehr nötig durch Klettverschlüsse und Druckknöpfe. Grob- und Feinmotorik prägten sich dadurch nicht mehr gut aus.
[……]  Zudem seien bei Smartphones und Tabletcomputern ganz andere Handbewegungen und Muskeln nötig als beim Halten eines Stiftes. „Dafür braucht man nur den Zeigefinger oder beide Daumen zum Tippen, oder das Handgelenk, wenn man über das Pad wischt.“
Die 46-jährige Kunst- und Medienpädagogin plädiert dafür, schon in der Lehrerausbildung mehr Wert auf das Schreiben-Lehren zu legen. „Die meisten Lehrer sind hilflos. Sie wissen nicht, wie man den Kindern das Schreiben beibringt.“ Und sie hätten wegen des vielen Unterrichtsstoffs in den höheren Klassen auch gar keine Zeit dafür. „Seit zwei Jahren kommen selbst im Lehrer-Seminar junge Anwärter zu mir, die nicht mehr schreiben können. Und wenn schon die Lehrerin den Stift falsch hält, wie soll es dann der Schüler lernen?“, sagt die gelernte Grundschullehrerin. [….]


Freitag, 13. Juni 2014

Die Unauslöffelbare.


Vorgestern erschien Hillary Clintons neues Buch „Hard Choices“, welches allgemein als Bewerbungsschrift für ihre Präsidentschaftskandidatur 2016 interpretiert wird.
Es hängt an ihr. Wenn sie kandidiert, wird ihre eigene Partei mit hoher Wahrscheinlichkeit anders als 2008 keinen Gegenkandidaten aufstellen.
Man akzeptiert allgemein, daß sie jetzt „dran“ ist, daß eine Frau das Amt übernehmen sollte.
Sie hat Geld und Verbindungen.
Der politische Gegner kann zwar durch „sichere Wahlkreise“ relativ einfach mit seinen Teebeutel-Fanatikern das „House“ dominieren.
Aber bei einer Präsidentschaftswahl dürfte es der GOP von heute schwer fallen genügend Wahlmänner zusammen zu bekommen, da ihre ultraextremistischen Kandidaten für weite Teile der bunter werdenden US-Gesellschaft unwählbar sind.
Der stramm rechte GOP-Teebeutel Eric Cantor schmiss soeben sein Amt als Mehrheitsführer der Republikaner im US-Repräsentantenhaus hin, da er bei den Vorwahlen gegen einen noch ultrafundamentalistischeren Extremisten unterlag.
Cantor, der eigentlich starke Mann des US-Kongresses konnte John Boehner mehrfach während dessen Verhandlungen mit Barack Obama um die US-Finanzen die Hoden abklemmen.
Und nun warf ihn im Kreis Richmond im US-Staat Virginia ein Nobody namens Dave Brat aus dem Rennen. Mit solchen Brat-Beuteln müßten die Demokraten auf nationaler Ebene eigentlich leichtes Spiel haben. Weg frei für Hillary Clinton.

 Zweifellos ist die qualifiziert und aufgrund ihres Alters und ihrer Erfahrung vielleicht nicht so zaudernd und zögerlich wie Barack Obama.

Die Frage ist nur:
Warum zum Teufel sollte sie das wollen?
Sie muß doch wirklich wissen was für ein mieser und unterbezahlter Job das ist!
Der enorme Präsidentielle Nimbus innerhalb Amerikas ist längst weg. Man hat keine Ehrfurcht mehr vor dem Weißen Haus oder der Air Force One; im Gegenteil; jeder dahergelaufene von FOX-news anal aufgeladene Redneck kritisiert an einem rum.
Bundespolitik läuft mit der total fanatisierten GOPer Mehrheit im Kongress ohnehin nicht. Verglichen mit der neuen Teebeutel-Generation war Osama bin Laden ein umgänglicher und kompromissbereiter Mann.

Die verarbeitende Industrie ist weg, Amerika ist total abhängig von chinesischen Importen, weil es längst verlernt hat einen Staubsauger oder einen Kugelschreiber selbst herzustellen.
Selbst das US-Vorzeigeunternehmen überhaupt; Apple, läßt seine i-Dinger in China zusammenschrauben.
Arbeitsplätze für die ungebildeten ehemaligen Blue-Collar-Workers zu generieren ist ein Ding der Unmöglichkeit.
Die gesamte US-Infrastruktur ist marode und das Bildungssystem hat Dritte-Welt-Niveau.
Hinzu kommen diverse weitere Zeitbomben. Die Amerikaner sind das fetteste Volk der Welt und wenn kaum noch einer unter drei Zentner wiegt, wird das Gesundheitssystem irgendwann unbezahlbar, weil alle deprimiert, adipös und kardiologisch prekär in Richtung Arbeitsunfähigkeit gleiten.
Dafür ballern sie sich aber alle gegenseitig die Köpfe weg. Trotz der jährlich 35.000 Toten durch Schusswaffengewalt und einem Amoklauf nach dem nächsten kann man den Amis nicht abgewöhnen sich bis an die Zähne zu bewaffnen.

Oder denken wir an die rasant zunehmenden Umweltkatastrophen, weil Dürren, Feuersbrünste und Hurrikane durch den aberwitzigen US-Energieverbrauch immer dramatischer und teurer werden.

Last but not Least:
Die Außenpolitik!
Weitgehende durch US-Fehler verursacht ist der Nahe Osten zu einem noch schlimmeren Pulverfass geworden.


Selbst die konservative FAZ gratuliert Osama bin Laden zu seinem Erfolg.
(BTW – ich schließe mich denjenigen an, die den Tod des FAZ-Feuilletonisten und Herausgebers Schirrmacher bedauern. Er war ein Guter.)

Bin Ladins Traum ist wahr geworden
Abu Bakr al Baghdadi ist es gelungen, in Syrien und im Irak ein riesiges islamistisches Kalifat unter seiner Kontrolle zu errichten. [……] 
Seit der Eroberung der zweitgrößten Stadt des Irak, Mossul, durch die Dschihadisten am Dienstag und der Einnahme der Geburtsstadt Saddam Husseins, Takrit, am Mittwoch, sorgt die 2012 gegründete Terrorgruppe international für blankes Entsetzen. Hunderttausende sind auf der Flucht vor den Extremisten, die mit ihrer Hit-and-Run-Taktik die Armee des irakischen schiitischen Ministerpräsidenten Nuri al Maliki mit einer Leichtigkeit überrannt haben, die selbst Militärfachleute überrascht. [……] Das berüchtigte Gefängnis von Abu Ghraib musste Malikis Regierung im April räumen lassen, weil es mitten im Kampfgebiet steht. Weder Falludscha noch die Provinzhauptstadt Ramadi sind noch in der Hand der staatlichen Einheiten. Und die Erfolge der vergangenen Tage stärken Baghdadi weiter: In Mossul plünderten seine Männer das Hauptquartier des dritten Armeeregiments, von den erbeuteten Waffen kann die Truppe noch lange zehren.
[……] Und ein klares ideologisches Ziel verfolgt die Terrorgruppe auch: Nicht nur mit Anschlägen, sondern mit gezielten Operationen, die die Möglichkeit zum taktischen Rückzug lassen, strebt die Isis-Führung die Herrschaft über die historische Levante an, das Gebiet, das von Palästina über Libanon bis Syrien reichte, und in den Irak hinein. Ganz bewusst weckt Al Baghdadi mit seinem Kampfnamen Erinnerungen an die Blütezeit des Islam: Abu Bakr war ein Kampfgefährte des Propheten Mohammed und nach dessen Tod der erste Kalif. Ihm eifert er nach. [……]

Ob nun Obama, Clinton oder Supermann im Oval Office hocken – der Schlamassel ist kaum lösbar.
Der Irak und ganz Syrien in Flammen. Mit ein paar Drohnenangriffen läßt sich das nicht stoppen und wie nachhaltig erfolgreich US-Bodentruppen im Jahr 2003 waren, haben wir alle noch in Erinnerung.


Mehr als ein Jahrzehnt nach der US-geführten Invasion im Irak rächen sich nun die fundamentalen Fehler, die damals von der Regierung unter US-Präsident George W. Bush begangen wurden. Der bedrohliche Vormarsch der radikalislamistischen Terrormiliz Isis bringt nicht nur den Staat Irak an den Rand des Scheiterns.
Da Isis auch die virulenteste Kraft im benachbarten Syrien ist, entsteht ein riesiger staatenloser Raum, den die Gotteskrieger zum Training, zum Schmuggel von Waffen und zur Rotation von Kämpfern an beiden Fronten nutzen können. Die Geiselnahme von Dutzenden türkischen Staatsbürgern kommt obendrein einem Angriff auf das Nato-Land Türkei gleich, dessen Ministerpräsident Erdogan sich als eiserner Schutzpatron türkischer Interessen präsentiert. Die Hinnahme einer Demütigung kann sich Erdogan politisch nicht leisten.
[…] Grundlegende Ursache des Chaos ist die spektakulär verfehlte Irak-Politik von Bush. Die neokonservative US-Administration hatte den Irak in eine Modelldemokratie umwandeln wollen – als Teil des unfassbar überambitionierten Projekts "Greater Middle East", mit dem diese gesamte Weltregion zu Amerika-kompatiblen Systemen mutieren sollte. Der Kardinalfehler im Irak war die Entscheidung des amerikanischen Prokonsuls Paul Bremer, die regierende Baath-Partei sowie die starke Armee kurzerhand aufzulösen. Damit zerbrachen die beiden Hauptsäulen, auf denen der irakische Staat ruhte. Tausende gut ausgebildete sunnitische Soldaten, ihrer Perspektiven beraubt, liefen zu Radikalen über. Und indem die USA die von Saddam unterdrückten Schiiten an die Macht brachten und Ministerpräsident al-Maliki nichts Vordringlicheres zu tun hatte, als seinerseits die Sunniten zu demütigen, gossen sie Öl in das schwelende Feuer des sunnitisch-schiitischen Schismas. […]
 

Daß die geisteskranke Hybris-Politik GWBs die Hauptschuld an dem Desaster trägt ist genauso wahr wie irrelevant.

 Falls Hillary Clinton in zweieinhalb Jahren US-Präsidentin werden sollte, ist es IHR Problem.
Ich befürchte, daß auch einer der intelligentesten Politiker der Welt, nämlich Bill Clinton*, dabei ratlos sein wird, wenn er seiner Frau dann Tipps geben soll.

Den Job möchte ich ums Verrecken nicht haben.

Natürlich würde ich den Wahlkampf Hillary Clintons unterstützen und sie auch wählen.
Aus dem einfachen Grund, daß eine Alternative in jedem Fall schlimmer wäre. Ein GOPer mit den „Nuclear Codes“ in der Hand könnte das Ende der Welt bedeuten, wenn Israel in die ISIS-Zange gerät, der NATO-Partner Türkei angegriffen wird, sich der Atomwaffenstaat Pakistan auflöst und womöglich auch noch die kraftstrotzenden neoautoritären Staaten Russland und China ínvolviert werden.