Zugegeben, es verlockt
manchmal ein homöopathisches Mittelchen auszuprobieren, wenn Menschen, denen
man normalerweise vertraut, Stein und Bein schwören, es helfe ganz phantastisch.
Die Versuchung ist
natürlich umso größer, wenn es um ein Leiden geht, welches mit schulmedizinischen
Methoden nicht in den Griff zu bekommen ist.
Aktuelles Beispiel ist
mein Heuschnupfen, der mich dieses Jahr in den Wahnsinn zu treiben droht.
Dazu wird mir immer wieder
das „absolute Wundermittel“ Regasinum empfohlen.
Regasinum Antallergicum ist
eine Arznei aus dem Kreis der Homöopathie mit vielversprechenden Erfolgen beim
Einsatz in der Allergiebehandlung, bei diversen Hautveränderungen aus dem
Ekzemkreis sowie gegen Psoriasis und Neurodermitis. Nach meiner Erfahrung
können diese Krankheitsbilder nachhaltig für eine gewisse Zeit gelindert werden.
Das Nebenwirkungsspektrum ist sehr gering und die Kosten sehr überschaubar und
von Jedem bezahlbar.
Die wenig spektakulären
Inhaltsstoffe sind selbstredend irrelevant, weil diese Homöopathen-Mittelchen
ja ohnehin so „verdünnt“ sind, daß man keinerlei Wirkstoff zu sich nimmt:
Apis mellifica Dil. D4: (Honigbiene)
Aralia racemosa Dil. D3: (Amerikanische Narde, Araliacceae), Naja tripudians
Dil. D8: (Kobra oder Brillenschlange), Acidum formicicum Dil. D6: (Ameisensäure).
Der Verdünnungsfaktor „D8“ bedeutet beispielsweise, daß ein Teil Wirkstoff auf
Einhundert Millionen Teile Wasser kommt. 1:100.000.000. Das wäre also ein
Tropfen geraspelte Kobra-Lösung in einer Tanklasterfüllung Wasser.
Hier ist also
Imaginationskraft gefordert.
Mit anderen Worten: Man muß schon dran glauben.
Und hier beginnt mein ganz
großes Problem.
Dinge einfach zu glauben, die wissenschaftlich als Schwachsinn enttarnt sind,
ist meine große Schwäche.
Kein Funken Spiritualität bringe ich auf und bin der
am wenigsten religiöse Mensch, den man sich vorstellen kann.
Glaubt man allerdings an
Homöopathie oder gerät an einen Arzt, der seine Methode überzeugend
verkaufen kann, kann ein gewaltiger Placeboeffekt eintreten.
Eine meiner Kommilitoninen jobbte
während des Studiums als Nachtschwester in einem Altenpflegeheim auf einer
Station, die für renitente Rentnerinnen verschrien war, die die ganze Nacht
andauernd klingelten und sich beklagten nicht schlafen zu können.
Mit der Zeit wurde
gemauschelt, daß diese Studentin heimlich aus dem pharmakologischen Institut
ein hochwirksames Schlafmittel schmuggele, welches sie an Bewohner mit
extremen Schlafstörungen abgebe.
Es war ein Wundermittel.
Wenige Minuten nach der Einnahme, schliefen die schwierigsten Patienten ein und
wachten acht Stunden nicht mehr auf.
Tatsächlich verabreichte
sie ihnen kleine Traubenzuckerdrops – mit der richtigen Geschichte.
Ich habe damals mit ihr
diskutiert, daß ich dieses Vorgehen amoralisch fände.
Sie war aber der Meinung
schließlich sei allen geholfen und sie verlange auch keine Gegenleistung.
Placebo-Effekte können
enorm sein.
Ich würde gerne wissen, ob ich mit so einem Mittel auch einschlafen
könnte. Es fällt mir allerdings schwer daran zu glauben, denn bei „Wunderschlafmittel“
würde ich automatisch hellhörig werden und nach dem Wirkungsmechanismus fragen.
Aber man darf
Placebo-Effekte nicht kleinreden.
Eine bekannte Studie zu
Schein-Operationen ist die des amerikanischen Chirurgen Bruce Moseley. Als
Spezialist für Gelenkerkrankungen hatte er zahlreiche ältere Menschen mit
Knie-Arthrose unter seinen Patienten, und Arthroskopien gehörten zu seiner
Routine. Irgendwann wollte er wissen, ob nicht ein Teil des Behandlungserfolgs
auf einem Placebo-Effekt beruht.
Er inszenierte ganz
normale Operationen mit den üblichen Präliminarien wie Aufnahme ins
Krankenhaus, Beruhigungsspritze, Narkose und den typischen Geräuschen eines
OP-Saals, operierte aber tatsächlich nur die Hälfte der Patienten. Den anderen
ritzte er während der Narkose nur die Haut ein, damit das Knie etwas blutete,
und verpasste ihnen eine dicke Naht. Um die Täuschung zu perfektionieren,
konnten die Schein-Operierten ebenso wie alle anderen auf einem Monitor eine
echte Operation verfolgen, nur dass es bei ihnen gar nicht ihre eigene war.
Das Ergebnis war, dass die
zum Schein operierten Menschen nach der Heilungsphase ebenso zufrieden waren
mit der Behandlung wie die tatsächlich Operierten. Moseley betrachtete das als
Nachweis für einen Placebo-Effekt. Gleichzeitig zeigte es aber auch, dass eine
Kniegelenks-Operation in vielen Fällen nutzlos oder überflüssig ist, weil die
Beschwerden auch von selbst oder mit einer weniger invasiven Therapie verschwinden.
Quelle: Moseley, J. B., et al., A Controlled Trial of Arthroscopic Surgery for
Osteoarthritis of the Knee. N. Engl. J. Med. 347 (2002) 81-88.
Placebo-Effekte sind
durchaus zu erklären.
Die Stichworte sind „Erwartung“ und „Konditionierung“.
Ein hochreligiöser Mensch,
der fest an Marienerscheinungen und Wunder glaubt, kann also durch eine
aufwändige Pilgerfahrt seinen Heuschnupfen tatsächlich lindern, während das
Lourdes-Wasser bei mir gar keine Linderung brächte.
Bis zu einem gewissen Grad
sind also die tatsächlichen Wirkungsmechanismen irrelevant.
Patienten, die
homöopathische Mittel wünschen, nehmen sie mit einer hohen positiven
Erwartungshaltung ein, weil sie ihrer Weltanschauung und ihren Vorlieben
entsprechen. Hinzu kommt eine gewisse Konditionierung, da normalerweise jeder
Erwachsene in seinem Leben schon einmal die Erfahrung gemacht hat, dass
Arzneimittel ihm geholfen haben. Diese positive Erfahrung überträgt sich
sowohl auf Placebos als auch auf Globuli oder andere Substanzen. Somit tritt
mit hoher Wahrscheinlichkeit die gewünschte Wirkung ein. Ob dieser eine
pharmakologisch nachweisbare Substanz zugrunde liegt oder ein Placebo, ist
unwesentlich.
Man könnte das Spiel auf
die Spitze treiben und einem hochgradig überzeugten Homöopathiefan dazu animieren
eine Krebserkrankung oder einen Leistenbruch mit Globuli zu heilen, um ihm zu beweisen,
daß diese teuren Zuckerkügelchen nichts bringen.
Tatsächlich schützt sich
der Esoterikmedizinfan vor solchen Enttäuschungen, indem er sich selbst eben
nicht auf diese Probe stellt.
Instinktiv erwartet ein Homöopathie-Patient nur überschaubare
Erfolge, ohne sich aber die beschränkte Wirkung einzugestehen.
Hier handelt es sich um
dasselbe Phänomen, wie bei Religiösen, die um Heilung beten.
Milliarden Gläubige
weltweit würden schwören, daß ihre Gebete bei Krankheiten helfen können, obwohl
dies nie in einer Studie nachgewiesen werden konnte.
Aber selbst die
Strenggläubigen, die ihren Gott für allmächtig halten, erwarten in
Wirklichkeiten eben KEINE Wunder von ihm. Sie beten nur für einen Effekt, der
ohnehin eintreten könnte.
Etwas Unmögliches erwarten
sie aber eben nicht. Sie wissen im Grunde genommen genau, daß die Fähigkeiten
des „Allmächtigen“ sehr begrenzt sind. Warum beten sie dennoch?
Die Antwort scheint mir zu
sein, daß die Gläubigen sich ihre eigene Illusion nicht zerstören wollen und in
vorauseilendem Gehorsam nur für das beten, das mit einer messbaren
Wahrscheinlichkeit ohnehin eintreffen könnte.
Auf Gebete verlassen will sich aber keiner.
Noch nicht mal der Papst - sonst würde er nicht im Panzerglaswagen umher
fahren, sonst würden auf Kirchen keine Blitzableiter angebracht werden. Beides
sind schließlich Beweise dafür, daß nicht an die Kraft Gottes geglaubt wird.
Ähnlich verhält es sich mit Krankheiten.
Wenn, wie zum Beispiel bei Krebs eine (wenn auch extrem geringe) Aussicht der
Spontanremission besteht, oder man sich in onkologischer Behandlung befindet,
„lohnt“ es sich zu beten.
In ganz aussichtslosen Fällen, wird gar nicht erst gebetet, da sich der
Gläubige unterbewußt darüber klar ist, daß er doch kein Gläubiger ist und doch
nicht an die Allmacht Gottes glaubt.
Deswegen beten Amputierte nicht dafür, daß ihnen über Nacht ein Bein oder ein
Arm nachwächst.
Dies ist nichts anderes als das Eingeständnis, daß Gott gar nicht heilen kann.
Denn WÄRE er ALLmächtig, könnte er schließlich genauso einen Arm nachwachsen
lassen („ein Wunder“) wie die französische Ordensschwester Marie Simon-Pierre „über
Nacht“ von Parkinson zu befreien und damit seinem ehemaligen Vize Woytila zur
Seligkeit zu verhelfen.
In Wahrheit wissen wir aber keineswegs, weswegen die Nonne geheilt wurde.
Für den zu Parkinson analogen Fall eines Tumors schreibt „whywontgodhealamputees.com“
sinngemäß:
Bevor man sich nicht die Zeit nimmt hierüber einmal rational nachzudenken, erscheint
die Situation nicht eindeutig zu klären. Sowohl Gott kann hier geheilt haben,
wie die Gläubigen glauben, wie auch der Arzt und die Medizin. Oder es kam zur
Spontanheilung durch das eigene Immunsystem. Wenn der Tumor verschwindet kann
dies mit anderen Worten durch verschiedene Ereignisse geschehen sein. So kann
es lediglich ein zufälliges Zusammentreffen von Ereignissen gewesen sein, dass
Sie gebetet haben und die Heilung erfolgte. Dann hätten die Gebete absolut
Nichts mit der Heilung zu tun gehabt. Wie können wir also entscheiden, ob Gott
die Heilung verursachte oder irgendein anderer Effekt?
Ein Weg besteht darin, die Uneindeutigkeit aus solchen Ereignissen zu
eliminieren. In einer eindeutigen Situation können wir entscheiden, ob Gott
etwas mit der Heilung zu tun hat oder nicht.
Eindeutigkeit, also Hoffnungslosigkeit besteht aber bei Amputierten.
Es gibt kein medizinisches Verfahren Beine nachwachsen zu lassen. Es ist noch
nie eine Spontan-Beinnachwachsung beobachtet worden. Ein allmächtiger Gott
sollte das aber können, sonst wäre er qua Definition gar kein Gott. Zudem sagt
Jesus, daß jedes Gebet erhört wird.
Was passiert also, wenn wir zu Gott beten, er solle einen Amputierten
heilen? Nach Aussage der Bibel müssten nun die fehlenden Gliedmaßen nachwachsen.
In Wirklichkeit tun sie dies natürlich nicht. Warum tun sie es nicht? Weil Gott
eine Illusion ist! Man beachte, dass es in dieser Situation keinerlei
Mehrdeutigkeit gibt! Es gibt absolut nur einen einzigen Weg wie ein amputiertes
Glied nachwachsen kann. Dieser einzige Weg würde darin bestehen, dass Gott ein
Wunder wirkt. Gott müsste die Gebete erhören! Was wir aber finden ist, dass
wann immer wir eine eineindeutige Situation herstellen, in der es keinen Raum
für das Zusammentreffen zweier Ereignisse gibt, wir niemals eine Antwort Gottes
auf Gebete finden. Gott beantwortet NIEMALS Gebete, wenn diese Antwort nicht
durch bloßen Zufall geschehen kann.
Tatsächlich gibt es diverse groß angelegte Studien, die finanziert von Christen
zu dem für sie niederschmetternden Ergebnis kamen, daß Gebete beim Krankheitsverlauf gar nicht helfen.
Würde stimmen, was in der Bibel steht, könnten wir ohnehin Hunger und
Krankheiten recht einfach überwinden:
You can see the same effect in the following prayer. Let's assume that
you are a true believer and you do believe that God cures cancer. What would
happen if we get down on our knees and pray to God in this way:
Dear God, almighty, all-powerful, all-loving creator of the universe, we pray
to you to cure every case of cancer on this planet tonight. We pray in faith,
knowing you will bless us as you describe in Matthew 7:7, Matthew 17:20,
Matthew 21:21, Mark 11:24, John 14:12-14, Matthew 18:19 and James 5:15-16.
In Jesus' name we pray, Amen. We pray sincerely, knowing that when God answers
this completely heartfelt, unselfish, non-materialistic prayer, it will glorify
God and help millions of people in remarkable ways.
If God cures cancer, then this is an easy prayer for an omnipotent, all-loving
God to answer.
The fact is, what this prayer does is remove ambiguity. As soon as we do that,
we see the true nature of "God."
There is no way that a coincidence can answer this prayer, and, sure enough, the
prayer goes unanswered.
If you look at the data, you can see exactly what is happening here:
When we pray to God about any non-ambigous situation, God never answers the
prayer.
When we analyse any ambiguous prayer using statistical tools, we find zero
effect from prayer.
Gott existiert also nicht, oder das was
in der Bibel über ihn steht ist alles Bullshit.
Simple as that.
(Tammox 02.07.2011)
Es wäre zu einfach zu
sagen, Homöopathie wäre zwar Humbug, aber außer dem materiellen Schaden bei den
Esoterikgläubigen werde niemand verletzt.
So leicht ist es nicht,
denn Eso-Scharlatane können durch Verdrängung der klassischen Medizin durchaus
schwere gesundheitliche Probleme verursachen.
Und auch der von mir so
gepriesene Placebo-Effekt, hat eine Kehrseite, nämlich seinen dunklen Bruder „Nocebo-Effekt“
(von lat. nocere = schaden, nocebo = ich werde schaden). Analog des
Placebo-Effektes tritt hier durch eine Behandlung ohne Sinn, oder ein Medikament
ohne Wirkstoff ein Effekt ein, der aber dem Wohlbefinden nicht etwa
förderlich, sondern abträglich ist.
Kopfschmerzen,
Schlafstörungen und Unruhe verursacht von Elektrosmog oder unterirdische
Wasserströme dürften so ein Beispiel sein.
Diese Effekte gibt es zwar
nicht, aber es wird so viel darüber geschrieben, daß viele Menschen schon
anfangen unter den Folgen zu leiden, weil sie von den negativen Folgen des
Elektrosmogs überzeugt sind.
Besonders problematisch
sind Beipackzettel, die viele Menschen nur durchlesen müssen, um schon an den
beschriebenen Nebenwirkungen zu leiden.
Ein Mann, der zum Tode
verurteilt wurde und auf seine Hinrichtung wartet, bekommt Besuch von einem
Arzt, der ein Experiment vorbereitet hat: Er verbindet ihm die Augen, fesselt
ihn an Armen und Beinen an sein Bett und ritzt mit einem Skalpell die Haut an
Handflächen und Fußsohlen ein. Gleichzeitig sticht er kleine Löcher in
Wasserbeutel, die er an den Bettpfosten angebracht hat. Mit dem Schnitt in die
Haut beginnt das Wasser in Blechschüsseln zu tropfen.
Der Arzt stimmt einen
monotonen Singsang dazu an, der immer leiser wird. Irgendwann tropft das Wasser
nur noch langsam in die Schüsseln, und der Mann ist nicht mehr ansprechbar. Der
Arzt vermutet, der Mann sei eingeschlafen oder ohnmächtig geworden. Doch er
irrt, der Verbrecher ist tot – gestorben an dem Glauben, dass er verbluten
würde. Dabei hat er durch die kleinen Schnitte in die Haut nicht mal ein
Schnapsglas voll Blut verloren.
Dieses ebenso grausame wie
aufschlussreiche Experiment fand in den Dreißigerjahren in Indien statt. Es
ging in die Medizingeschichte ein, als drastisches Beispiel für die Kraft
negativer Gefühle und Vorstellungen. […] »Der Placebo-Nocebo-Effekt ist ein
erstaunliches Beispiel dafür, wie Seele und Geist mit dem Körper interagieren«,
sagt Fabrizio Benedetti. Amerikanische
Psychologen konnten zum Beispiel zeigen, dass die Wahrscheinlichkeit, an einem
Herzschlag zu sterben, für Frauen dreimal so hoch ist, wenn sie glauben, sie
seien besonders anfällig für einen Infarkt. »Negative Gefühle erhöhen bei allen
Menschen die Gefahr für einen Infarkt so stark wie Bluthochdruck«, sagt
Karl-Heinz Ladwig, Herzexperte in der Klinik für Psychosomatik der Technischen
Universität München. Symptome wie Erschöpfung oder Hoffnungslosigkeit in den
sechs Monaten vor einem Infarkt seien so typisch, dass Ärzte den seelischen
Beschwerden und Stimmungstiefs viel mehr Aufmerksamkeit schenken und nicht nur
die klassischen Risikofaktoren Bluthochdruck, Diabetes und erhöhtes Cholesterin
beachten sollten. […] »Der Schaden durch
Nocebos geht in die Milliarden«, sagt Manfred Schedlowski, Psychologe an der
Universität Essen. »Viele Menschen nehmen ihre Medikamente aus Angst vor
möglichen Nebenwirkungen nicht ein – Ärzte müssten viel besser darüber
aufklären.« Schedlowski ärgert sich, dass kaum ein Mediziner seinen Patienten
die beruhigende Wahrheit sagt: Die Pharmafirmen sind aufgrund immer strengerer
Sicherheitsbestimmungen verpflichtet, jede Nebenwirkung, die jemals irgendwo
aufgetreten ist, in Beipackzetteln aufzulisten, und sei sie noch so selten. Die
möglichen Schäden lesen sich dann selbst bei den harmlosesten Medikamenten wie
eine Horrorliste – »auch wenn es wahrscheinlicher ist, vom Blitz getroffen zu
werden als diese Nebenwirkung zu erleiden«, so Schedlowski.
Kaum zuträglicher für die
Genesung von Patienten ist deren Gefühl, zu billig behandelt zu werden. In
einer Studie wurden Probanden mit ein und demselben Medikament behandelt,
erhielten aber unterschiedliche Angaben über den Preis des Mittels. 85 Prozent
der Teilnehmer, die ein angeblich teureres Medikament bekamen, berichteten
daraufhin von nachlassenden Schmerzen; in der Gruppe mit dem vermeintlich im
Preis herabgesetzten Mittel waren es nur 61 Prozent. Diese Haltung kennen Ärzte
auch aus der täglichen Praxis. So bevorzugen viele Patienten rezeptpflichtige
teure Schmerzmittel gegenüber rezeptfreien billigen. Viele Patienten klagen
auch darüber, dass preisgünstige Generika bei ihnen nicht so gut wirken wie das
teure Original – obwohl der Wirkstoff des Nachahmermittels chemisch absolut
identisch ist mit dem des Ursprungspräparats. Der Essener Placeboforscher
Manfred Schedlowski fordert daher, Patienten eingehender an der Therapie zu
beteiligen. »Ärzte sollten sich mehr Zeit nehmen und Patienten erklären, dass
diese Mittel genauso gut wirken wie die teuren, statt ihnen nur zu sagen: Die
Krankenkasse bezahlt die anderen nicht mehr.«