Sonntag, 16. Februar 2020

Der Neue?

Zugegeben, der Rücktritt von Kardinal Marx hat mich überrascht, weil ich ihn seit beinahe zwei Jahrzehnten als extrem ehrgeizig wahrnehme. Stets trachtete er danach mehr Titel und mehr Funktionen, mehr Macht an sich reißen.
Mit gerade mal 53 Jahren wollte er im Jahr 2008 unbedingt Chef aller deutschen Bischöfe werden und litt schwer an der Wahlniederlage gegen Erzbischof Zollitsch. 2014, inzwischen zum Kardinal aufgestiegen, ließ er sich das Amt nicht mehr nehmen und übernahm stetig neue wichtige Posten in der Kurie, so daß man sich schon vorstellte, er könne wie zuvor die Bayern Ratzinger und Müller in die erste Garde des Vatikans aufrücken.
Aber nun, mit für katholische Verhältnisse jugendlichen 66 Jahren (Ratzi war 79 als er Papst wurde) hat er plötzlich keinen Bock mehr auf eine weitere Amtszeit und wirft mitten im synodalen Reformprozess den Bettel hin. Soll doch ein anderer im März 2020 für sechs Jahre den Vorsitz der deutschen Bischofskonferenz übernehmen.
Ausgerechnet der machtbewußte Hoppla-jetzt komm‘ ich-Kirchenfürst soll so zartbesaitet sein, daß er die Zickereien seiner Brüder im Amte nicht vertrug?

[….] Es ist aber kein Ge­heim­nis, dass Marx als Vor­sit­zen­der der Bi­schofs­kon­fe­renz un­ter sei­nen Mit­brü­dern um­strit­ten ist. Bei den Voll­ver­samm­lun­gen nervt er im­mer wie­der mit her­ri­schem Auf­tre­ten. Er rei­ße al­les an sich, heißt es, kön­ne nicht de­le­gie­ren, sei gleich­zei­tig aber un­or­ga­ni­siert und schlecht vor­be­rei­tet. Öffent­lich pre­sche er mit­un­ter ohne Ab­spra­che vor. One-Man-Show statt Mann­schaft. Mit die­sem Füh­rungs­ver­ständ­nis kommt er selbst in der an­ti­quier­ten ka­tho­li­schen Kir­che nicht mehr an. [….]
(Felix Bohr, SPIEGEL, 15.02.2020)

Die wenigen nicht extrem erzkonservativen deutschen Katholischen Bischöfe sind nun enttäuscht, da sie mit dem inhaltlich flexiblen Marx einen vermeidlichen Fürsprecher verlieren, der das Ohr des Papstes hat.
Marx ist sehr wendig.
So verlangte er nach der Wahl Bergoglios zum neuen Ratzi Bescheidenheit für die katholischen Bischöfe.
Außer natürlich für sich. Er blieb in seinem gigantischen Rokoko-Palais, kaufte sich in Rom für 10 Millionen Euro einen persönlichen Prunkpalast, den „Palazzo Marx“.
So verlangte er nach dem Aufkochen der Missbrauchsskandale unbedingte Offenheit der Bischöfe, volle Transparenz gegenüber den Opfern. Nur eben nicht in seinem eigenen Bereich.

[….] Wäh­rend er die 2018 ver­öf­fent­lich­te Miss­brauchs­stu­die der Bi­schö­fe we­sent­lich mit vor­an­trieb, hält er ei­nen 2010 er­stell­ten Be­richt zu se­xu­el­len Überg­rif­fen in sei­nem Erz­bis­tum für die Öffent­lich­keit un­ter Ver­schluss. [….]
(Felix Bohr, SPIEGEL, 15.02.2020)

Wie es in der gesamten deutschen Presse üblich ist, sorgen sich nun alle, um das Ansehen der katholischen Kirche in Deutschland. Alle stimmen schließlich darin überein der Kirche zu helfen nicht noch mehr Mitglieder zu verlieren, wollen unbedingt ihre Macht erhalten.
Nun eint sie die Furcht vor einem Durchmarsch der Konservativen um Overbeck und Woelki, die bestens mit dem vatikanischen Dunkelkatholiken Gänswein, TVE. Ratzinger und Müller vernetzt sind. Keine Handbreit den Reformern könnte das neue Motto lauten, nachdem auch Franzi mit einem gewaltigen Knall die Tür vor der Frauenordinierung und der Lockerung des Zölibats zuschlug.
Besonders gefürchtet wird die minderbezahnte Perücke aus Köln.
Wie eine mächtige Spinne hockt der Metropolit des Erzbistums Köln mit seinen  Suffraganbistümern Aachen, Essen, Limburg, Münster und Trier in der nach Rom reichsten Kirchenprovinz der Welt und zieht seine Fäden. Sollte Rainer Maria Kardinal Woelki neuer Vorsitzender der DBK werden, schwant den vielen Kirchenfreunden in den Redaktionen Böses: Mehr Austritte, mehr Nähe zur AfD, mehr Homophobie.
Da ich auch glaube ein Chef wie Woelki würde der RKK sehr schaden, hoffe ich natürlich, daß er sich durchsetzt.

Der SPIEGEL aber hebt schnell den angeblich liberalsten katholischen Bischof Deutschlands auf den Schild: Der neue Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer.
Der sei so bescheiden, spräche ein halbes Dutzend Sprachen – mindestens. Habe sich schon im Alter von 19 Jahren der Arbeit im Orden der Herz-Jesu-Pries­ter verschrieben und würde womöglich sogar ernsthaftes Interesse daran zeigen die Kinderfickereien seiner Priester offenzulegen.
Ein netter Bischofskonferenz-Vorsitzender?
Zunächst einmal ist das nicht so abwegig. Die nationalen Episkopate geben sich gern ein wenig moderner und liberaler als das sittenstrenge Rom.
Lehmann und Zollitsch galten durchaus als Widersacher der jeweiligen Päpste.
Aber das gehört auch zur Inszenierung, um ein möglichst breites Spektrum abzudecken.
Die RKK ist eine zentralistische und absolute Diktatur. Die nationalen Konferenz-Chefs können so viele Papiere aufsetzen wie sie wollen; keine der Teilkirchen hat auch nur das kleinste Fünkchen Macht.
Selbst wenn alle 17 deutschen Diözesen einstimmig das Frauenpriestertum fordern, wäre das völlig irrelevant, weil Rom entscheidet.

Die Liberalität Wilmers liest der Spiegel aus einer einzigen Äußerung ab, in der er die Binsenweisheit aussprach, der Missbrauch liege in der DNA der Kirchenstrukturen und seinem Werdegang, aus dem so viel Bescheidenheit und Weltkundigkeit spreche.

    geboren am 9. April 1961 in Schapen (Emsland)
    August 1980 Eintritt in die Ordensgemeinschaft der Herz-Jesu-Priester
    1980-1982 Noviziat in Freiburg i.Br.
    1985 Ablegung der Ewigen Profess
    31. Mai 1987 Priesterweihe in Freiburg
    1987-1993: Studium in Rom und Freiburg
    1993-1995 Referendar am Windthorst-Gymnasium in Meppen
    1995-1997 Lehrer für Religion, Geschichte und Politik und sowie Schulseelsorger an der Liebfrauenschule in Vechta
    1997-1998 Lehrer für Deutsch und Geschichte an der Fordham Preparatory School (Jesuit High School) in New York (Bronx)
    1998-2007 Schulleiter des Gymnasium Leoninum Handrup
    2007-2015 Provinzial der Deutschen Ordensprovinz der Herz-Jesu-Priester in Bonn
    2015-2018 Generaloberer der Herz-Jesu-Priester in Rom
    6.4.2018 Ernennung zum 71. Bischof von Hildesheim
    1.9.2018 Weihe zum Bischof und Amtseinführung im Bistum Hildesheim

Ein bißchen wenig für einen angeblichen großen Reformer, der sich nach seinem DNA-Spruch beeilte zu versichern, wie wunderbar er sich mit Kardinal Woelki verstehe und alles gleich viel tiefer hängte:
Ich sehe mich nicht als Revoluzzer, betonte er eilfertig beim erzkonservativen Domradio in Köln.

Selbst wenn Wilmer DBK-Vorsitzender werden sollte und tatsächlich liberaler als andere Bischöfe sein sollte, hätte er keine Macht etwas zu verändern.

Aber es wäre aus meiner Sicht natürlich bedauerlich ein sympathisches Gesicht an der Spitze der deutschen Kirchenfürsten zu haben.
Möge sich also lieber Woelki durchsetzen.

Samstag, 15. Februar 2020

Plädoyer für Friedrich Merz


Annegret Kramp-Karrenbauers Rücktrittsgrund war die von Merkel angeordnete Trennung von Parteivorsitz und Kanzlerkandidatur, bzw Bundeskanzleramt. Das habe nicht funktioniert und daher solle der nächste CDU-Bundesvorsitzende auch Kanzler/Kanzlerkandidat sein.
Was für eine fadenscheinige Scheiße, die von dem eigentlichen Grund – „ich bin unfähig und noch nicht mal der CDU-Vorstand unterstützt mich“ – ablenken soll.
Das Thema Kanzlerschaft steht nicht zur Debatte. Kein CDU-Politiker kann ohne Neuwahlen Angela Merkel im Kanzleramt beerben, weil dazu eine Kanzlermehrheit im Bundestag notwendig ist, die vollkommen ausgeschlossen ist.

Es gäbe sie nur in drei Konstellationen:
1.) Schwarzrot, aber das wird garantiert kein einziger SPD-Abgeordneter mitmachen, weil damit dem Neuen der ungeheure Vorteil eines Amtsbonus‘ für die nächste Bundestagswahl geschenkt würde.
2.) Jamaika, aber das ist nach Lindners Nein auf der FDP-Seite ohnehin unwahrscheinlich und von den Grünen ausgeschlossen; würden sie doch damit ihre 8,9% im Bundestag zementieren, während sie bei Neuwahl stabil über 20% erreichen könnten.
3.) Kemmerich-Koalition, aber auch das ist nach dem Erfurter Desaster ausgeschlossen.

Abgesehen von dieser mathematischen Unmöglichkeit einer neuen Kanzlermehrheit, wäre das auch taktisch für die CDU desaströs, da Merkel immer noch die beliebteste CDU-Politikerin ist und zudem zwei Drittel der Wähler wünschen, daß sie in der Groko bis zum Ende der Legislatur amtiert.

Ein CDU-Vorsitzender kann also vor dem Herbst 2021 maximal die Kanzlerkandidatur erreichen.
Dazu hätte aber AKK das Vorschlagsrecht. Wenn sie davon so überzeugt ist, hätte sie einfach ihren eigenen Anspruch anmelden müssen.
Ihre Theorie von der Zusammenführung der beiden Ämter ist aber löcherig, denn auch als zukünftige Kanzlerkandidatin hätte sie sich in Erfurt in der CDU-Landtagsfraktion eine blutige Nase geholt. Den Ostlern sind widersprüchliche Vorgaben aus dem Konrad-Adenauer-Haus inzwischen egal.
AKKs Unehrlichkeit bei ihrer Rücktrittsbegründung und ihr vollkommen idiotischer Zeitplan bis Ende Dezember, der erneut ihr strategische Naivität belegt, hat nur ihrer Partei erneut geschadet. Nun hat sie eine veritable Führungsdebatte mit Flügelstreit an der Backe. Dazu kommen eine lame-duck-Verteidigungsministerin, eine Kanzlerin in völlig erlahmter Ideenlosigkeitsendphase und eine autoritätslose Parteichefin mit nur noch sehr begrenzter Restlaufzeit.

Dem gemeinen Konservativen an der CDU-Basis gefällt das nicht.
Er wünscht sich einen Helmut Kohl zurück, der mit allen CDU-Gliederungen so verwoben ist, daß er sich problemlos durchsetzen kann. Der politisch die Richtung vorgibt, so daß man nicht selbst denken muss und sich einfach wieder auf das träge Dasein als Kanzlerwahlverein einlassen kann.

Kohl ist aber tot. Wer sollte so eine Führungsfigur geben können?
Wolfgang Schäuble wird dieses Jahr 78. Zu alt.
Spahn ist zu unstet, erst 39 und dazu auch noch schwul – das gefällt immer noch nicht jedem an der homophoben Basis.
Armin Laschet gilt zu sehr als Landespolitik und Merkel-Klon.
Bleibt also Friedrich Merz, den man mit seinen markigen Sprüchen erinnert und der bei den konservativsten Gliederungen JU, Wirtschaftsrat und Werteunion als Messias gefeiert wird.
Der würde endlich wieder klare Kante zeigen, wünschen sich die CDU-Rechten.
Merz mag keine Homos, Merz erfüllt kompromisslos alle Wünsche der Finanzlobbyisten. Merz schafft jeden sozialen Schnickschnack ab. Merz findet Ausländer blöd. Merz ist deutschnational.


 Die jungen Rechten der CDU – Kuban, Ploß, Amthor – lieben Merz dafür und freuen sich darauf, daß mit ihm die alte Sozialisten-fressende CDU der 1950er und 1960er Jahre wieder aufersteht.
Endlich müsste man sich nicht mehr vorhalten lassen einer in Wahrheit sozialdemokratisierten Union anzugehören. Endlich könnte man nach Herzenslust geben Vegetarier, Tierschützer und Klimakämpfer wettern. Endlich wäre Schluß mit der Leisetreterei bei der Rüstungsproduktion.
Endlich Schluß mit Windrädern, Tofu und lahmen E-Autos. Endlich wieder Atomstrom, spritschluckende SUV-Benziner und dreimal am Tag Nackensteak.

[….] „Ich schäme mich nicht dafür, dass ich die Leute vertrete, die mit einem Verbrennungsmotor unterwegs sind, Nackensteak essen und fleißig sind. Diese Leute sind das Rückgrat unserer Gesellschaft. Und mit ihnen zusammen und nicht gegen sie möchten wir als Union in die Zukunft gehen“ [….]

Nie war ich mir mit den stets zu feisten, zu schwitzenden, zu betrunkenen, zu frauenlosen JU-Führern um Tilman Kuban einiger.

Es wäre nämlich auch ein Geschenk für Rotrotgrün so eine Figur wie Merz als Gegenkandidaten bei der Bundestagswahl 2021 zu haben.
Kaum einer könnte so verdeutlichen wie wichtig es ist wählen zu gehen und auch bei ungeliebten Grünen oder SPD-Kandidaten einen davon zu wählen, um die Macho-maskuline maximal materialistische Merz-Kanzlerschaft zu verhindern.

Frauen, Schwule, Urbane, Migranten, Geringverdiener, Ökobewußte, Tierschützer könnten ihren Flirt mit der Merkel-CDU endlich beenden und wüßten mit einem Kreuz bei der CDU sicher gegen ihre eigenen Interessen zu stimmen.

Merz polarisiert und elektrisiert damit tatsächlich die Rechten. Aber ich bezweifele sehr stark, daß die CDU damit am rechten Rand mehr gewinnt, als sie auf der liberalen Seite verlieren würde.
Der Mittsechziger kommt aus einer ganz andere Zeit und steht zudem auch noch mustergültig für die negativsten Seiten des kapitalistischen Kollappses. Blackrock, tci, Hedgefonds, Heuschrecken, Steuertrickser – kurzum allen, denen Reichtum in den Schoß fiel und die durch hartnäckiges Nichtstun immer reicher werden wollen, während diejenigen, die dieses Geld erwirtschaften und jeden Tag arbeiten gehen, immer ärmer werden.
Mit Merz wäre Schluß mit Kündigungsschutz und Mindestlohn, mit staatlichen Rentenzuschüssen, Respektsrente und allen Versuchen dem Gesundheitssystem wenigstens oberflächlich den Anschein zu geben, als ob auch Kassenpatienten gut behandelt würden.

Als Sozialdemokrat kann ich so einen CDU-Kandidaten nur begrüßen. Endlich wäre nämlich auch Schluß mit der asymmetrischen Demobilisierung.
Träge Linksliberale könnten sich nicht mehr leisten nicht wählen zu gehen, weil Merkel ja ohnehin niemand wehtut.

(…..) Merz, der auch im Herbst 2018 noch genau so einen Unsinn von sich gibt wie vor 15 Jahren, ist gedanklich seit seiner großen Zeit in der Bundespolitik einfach stehengeblieben.


[….] Jetzt sind Experten gefragt. Merz könnte Bundeskanzler werden. Ein Sprecher von Innensenator Andreas Geisel (SPD) wollte „nicht alles kommentieren“, was auf Regionalkonferenzen der CDU gesagt wird. Tom Schreiber (SPD), Fachmann seiner Fraktion im Abgeordnetenhaus für Polizeithemen, sagt: „Es ist immer problematisch, wenn der Merz im Dezember ausbricht. Der Vorschlag zeugt davon, dass Merz null Ahnung davon hat. Das kann man unter Klamauk verbuchen.“ [….]

Er sieht die Wirtschafts- und Sozialpolitik noch genauso durch die radikal neoliberale Brille wie vor 20 Jahren:
Sozialausgaben radikal kürzen, alle Regulierungen abschaffen, Steuerrecht ausmisten und massiv von unten nach oben umverteilen, damit die Unternehmer investieren.

So steht es auch in seinen Prä-Finanzkrise-Büchern „Mut zur Zukunft. Wie Deutschland wieder an die Spitze kommt“ (2002), „Nur wer sich ändert, wird bestehen. Vom Ende der Wohlstandsillusion“ (2004), „Mehr Kapitalismus wagen – Wege zu einer gerechten Gesellschaft“ (2008), in denen er Düsteres prognostizierte.

[…] Die Diagnose, die Merz in dem Buch [Vom Ende der Wohlstandsillusion] macht […]: Deutschland erlebe einen "historischen Niedergang"; die "Position der Exporteure auf den Weltmärkten verschlechtert sich ständig"; der Staat steckt in der "Schuldenfalle"; der Sozialstaat belohnt Faulheit; die "Überregulierung" des Arbeitsmarkts ist "schlicht eine Katastrophe", ebenso wie das böse Tarif- und Verbändekartell; die Lohnfindung ist "verkrustet"; dazu kommt, dass die Unternehmen ohnehin keinen einstellen, weil der Kündigungsschutz zu streng ist; unser Steuersystem ist schlechter als das von Gambia und Uganda; und überhaupt arbeiten wir zu kurz, und die Eliten verstehen nicht den Zusammenhang zwischen Leistung und Lohn; und die Gutmenschen haben uns zu bequem werden lassen.
Was es braucht, schien für Merz ebenso klar: die Deutschen müssen (fast) alle irgendwie verzichten. Und "länger arbeiten". Und flexibler. Und im Normalfall ohne Wohltaten vom Staat auskommen. Und ihre Rente am Kapitalmarkt gefälligst selbst verdienen. Für über 50-Jährige sollte es am besten gar keinen Kündigungsschutz mehr geben. Die Leute müssen ihren "Konsum beschränken" (damit - angeblich dann - mehr Geld für die Unternehmen übrig bleibt). Abgesehen davon braucht es weniger teure Beamte. Und weil "die Marktwirtschaft ihre Überlegenheit längst bewiesen hat", muss natürlich irgendwie (fast) alles den Märkten überlassen werden. [….]

Es gibt zwei Probleme an dieser hanebüchenen, einseitigen Sichtweise.

Zum einen hält Merz an diesen Rezepten und Prognosen bis heute fest und zeigt damit Starrsinn und Realitätsblindheit.
Zum anderen haben sich alle seine düsteren Unkenrufe als völlig falsch erwiesen. Nichts trat davon ein, obwohl Angela Merkel in 13 Jahren das Gegenteil einer Reformerin war und keine der radikalen Merz-Forderungen umsetze.
Hätte Merz Recht behalten, wäre Deutschland inzwischen untergegangen.

[….] Wenige Monate nach Merz' düsterem Gequassel über den angeblich so heillos verkrusteten Arbeitsmarkt begann die Arbeitslosigkeit in Deutschland zu fallen - bis heute fast ohne Unterbrechung. Und trotz des angeblich so furchtbaren Kündigungsschutzes haben deutsche Unternehmen mehr als fünf Millionen zusätzliche Stellen geschaffen.
All das, ohne dass sich in der kurzen Zeit noch viel geändert hätte, im Merz'schen Sinn. Kein radikal vereinfachtes Steuersystem. Keine Bierdeckelsteuerberechnung. Bis heute nicht. Im Gegenteil: im Frühjahr 2005 kündigte Gerhard Schröder Neuwahlen an, womit monatelang eigentlich nichts mehr groß entschieden wurde; und im Herbst - vor genau 13 Jahren - kam mit Angela Merkel die Kanzlerin, die das Nicht-groß-Reformieren zum Markenzeichen gemacht hat.
[….] Ein Teil der Forderungen, die Ultras wie Merz damals stellten, klingen mittlerweile bizarr, wo klargeworden ist, dass auch ohne Merz' Träume schon viel zu viel öffentliche Gelder gekürzt wurden - und jetzt überall die Infrastruktur kippt. Ziemlich gaga klingt im Nachhinein auch der damalige Befund, dass deutsche Exporteure angeblich immer weniger wettbewerbsfähig wurden (weil wir zu teuer und zu faul sind); dafür haben deutsche Exporteure zu viel Gutes zu bieten. In Wirklichkeit gab es schon zu der Zeit, als Merz sein Buch schrieb, einen historisch einmaligen Exportaufschwung.
Und wir haben in der Zeit, wenn überhaupt, zu wenig konsumiert, nicht zu viel, wie es Merz damals fehldiagnostizierte: sonst hätte Deutschland nicht seit Jahren jetzt dieses brisant gefährliche Ungleichgewicht zwischen Export und Import, das die nächste Krise auslösen könnte - und Donald Trump jetzt Vorwände für Wirtschaftskriegsspiele liefert. Ziemlich viel ökonomischer Unsinn. [….]

Das ist also das Wirtschaftssuperhirn, dem die CDUler nun begeistert nachlaufen?

Zehn Jahre Politik gingen an Friedrich Merz spurlos vorbei. Er klammert immer noch an seinen altbackenen und längst von der Realität widerlegten Rezepte und ist zudem auch noch polittaktisch so unfähig, daß er simple und vorhersehbare Attacken nicht parieren kann.
Rechte Publizisten wie Jan Fleischhauer geben sich große Mühe ihr einstiges Idol hochzuschreiben und AKK zu verhindern. (……)

Neben der inhaltlichen Merzschen Irrlichertei kommt hinzu, daß er in den anderthalb Jahrzehnten seiner politischen Abstinenz als Politstratege nie liefern konnte. Immer wieder vergaloppierte er sich, lieferte schwache Reden.
Seine gewaltiger Ehrgeiz und die sagenhafte Arroganz treiben ihn immer wieder dazu sich alles zuzutrauen und Spitzenämter zu beanspruchen.
Ihm fehlen dazu aber Mut und Killerinstinkt.
Immer wenn es drauf ankommt, kneift und schwächelt er, unterliegt weiblichen Kandidaten, spielt anschließend die beleidigte Leberwurst, die sich nicht in den Dienst der Sache oder der Partei stellen will.
Merz hat kein Rückgrat, kein Durchhaltevermögen und kann als Mann des letzten Jahrtausends einfach nicht damit umgehen, wenn ihm widersprochen wird; insbesondere wenn die Gegenrede von einer Frau kommt.
Dann zieht er sofort den Schwanz ein und verschwindet jammernd – wie zuletzt auch auf dem Leipziger Parteitag im November 2019, als AKK plötzlich die Machtfrage stellt und Merz sich blitzartig ins tiefste Erdloch duckte.
Bei Gegenwind wegzulaufen ist ein Merzsches Verhaltensmuster. So kniff er als Merkel ihn beim Kampf um den Bundestagsfraktionsvorsitz 2002 überrumpelte, so lief er nach dem Hamburger Parteitag 2018 weg und auch wieder in Leipzig.
Merz taucht dann unter und lässt sich erst wieder vor seinen gereuen Fans in Wirtschaftskreisen oder der JU blicken, wo er keinerlei Kritik befürchten muss.

Ein idealer Kanzlerkandidat also für SPD und Grüne. Das könnten lustige TV-Debatten werden, wenn sich Friedrich, der Möchtegern-Große jedes Mal einnässt, wenn man ihm seine Irrtümer vorhält.

Ich befürchte nur, daß mir mein Wunsch nach einem Kandidaten Merz nicht erfüllt wird.
Auch der CDU dämmert, daß der Mann völlig ohne Regierungserfahrung, der anderthalb Jahrzehnte im politischen Abklingbecken kauerte, Blackrock-Millionen und zwei Flugzeuge an sich raffte und weniger denn je zu solidarischer Parteiarbeit fähig ist, sich zur lose cannon entwickeln könnte, die das Konrad-Adenauer-Haus weniger in den Griff bekommt als AKK, die immerhin vorher sehr gut vernetzt war, als Generalsekretärin die volle Rückendeckung Merkels genoss.
Zu allem Übel mag die CSU ihn nicht.

[….] Denn die Implosion der CDU gefährdet auch die CSU. In Hamburg steht die CDU in der jüngsten Umfrage bei 13 Prozent, in Thüringen bei 14. Dabei hat die Partei in beiden Bundesländern schon mit absoluter Mehrheit regiert.    In München sprechen sie längst von "Erosion" und "disruptiver Entwicklung", wenn sie über ihre Schwesterpartei reden[….] Nicht einmal die größten Optimisten in der Union können sich vorstellen, dass ein CDU-Chef Merz mit Merkel zusammenarbeiten könnte, ohne dass es zu Verwerfungen kommt. Zu groß sind die Unterschiede zwischen beiden, und zu gewaltig ist das Ego des Sauerländers. Merz hat schon mit seinem Verhalten in den ersten Tagen nach Kramp-Karrenbauers Rücktrittsankündigung gezeigt, dass Mannschaftsspiel nicht seine größte Stärke ist.   Das ist einer der Gründe, warum man trotz des öffentlichen Schweigens der CSU-Spitze eine Tendenz erkennen kann: Merz scheint man sich in München bestenfalls als Teil einer Teamlösung vorstellen zu können. Das liegt auch daran, dass sie in der CSU-Spitze Zweifel an der Professionalität und Erfahrung von Merz haben. Er war noch nie Minister oder gar Ministerpräsident. In der ersten Reihe der Politik stand er nur zwei Jahre - und das ist zwei Jahrzehnte her. Die vielen Fehler, die Merz seit seiner Rückkehr gemacht hat, zeigen, dass eine Entscheidung für ihn riskant wäre. Und die Zeit, in der Söder leichtfertig ins Risiko ging, ist vorbei. […..]

Freitag, 14. Februar 2020

Opferinszenierung ins Ekelhafte


Wenn man sich ausgerechnet kurz vor der Landtagswahl so richtig tief ins Braune geritten hat, hilft nur noch ein öffentliches Mea Culpa. Gibt man sich ordentlich zerknirscht, kann man darauf hoffen, daß die ehrliche Reue positiv angenommen wird.

In den USA funktioniert das wunderbar bei all den extrem homophoben religiösen Eiferern unter den GOP-Senatoren und TV-Predigern wie Ted Heggard, nachdem sie mit Koks und Strichjungen erwischt wurden:

Man tritt heulend mit der Ehefrau im Arm vor ein Pult mit Mikrofonen, erzählt ausführlich davon wie viel man gebetet habe und daß Gott ihnen verziehen habe.

Christian Lindner war nicht koksend mit einem Mann im Bett. Das wäre in Deutschland auch relativ unproblematisch, zumal sich Lindner nie homophob äußerte. Und mal ein paar Drogen zu nehmen, kann man durchaus politisch überleben, wie Michel Friedmann und Volker Beck beweisen.
Nein, Christian Lindner tat etwas gewaltig viel Schlimmeres!
Trotz eindringlicher Warnungen Tage vorher, gab er letztendlich das Go für den Pakt der Thüringer FDP mit dem Nazi Bernd Höcke.
Lindner war mitschuldig an dem Bild, das am nächsten Tag auf fast allen Titelbildern war: FDP-Ministerpräsident Kemmerich reicht AfD-Höcke die Hand.
Spätestens da hätte Lindner zurücktreten müssen.
Aber er machte es laufend schlimmer. Während selbst die konservativen Politiker Merkel, Söder, Ziemiak und AKK sofort begriffen welche Katastrophe angerichtet wurde, den Rücktritt Kemmerichs und Neuwahlen verlangten, eierte Linder vor der Presse rum, forderte SPD und Grüne auf mit AFDP-Ministerpräsident Kemmerich zusammen zu arbeiten.
Ein hochgradig hanebüchenes Ansinnen: Sollte nun Rotgrün die Nazi-Kooperation der 5%-FDP absichern?
Es ging aber weiter, noch Tage später, als schon Dutzende Sondersendungen ausgestrahlt, hunderte empörte Leitartikel erschienen und bundesweite Demonstrationen gegen die FDP stattgefunden hatten, verschlimmbesserte der Parteichef die Situation erneut, indem er die katastrophen-Metapher von „Kemmerichs Übermannung“ als Erklärung heranzog.

[….] Im ersten Moment klang es fast, als würde Christian Lindner sein altes Konzept gefühlsbetonter Männlichkeit wieder herausholen, wie damals im Wahlkampf lässig mit T-Shirt und Dreitagebart auf dem Sofa. Thomas Kemmerich sei halt einfach "übermannt" gewesen von der Situation, erklärte der FDP-Chef, als Marietta Slomka ihn im "heute journal" am Abend nach der vergurkten Ministerpräsidentenwahl interviewte: [….] Wie verzweifelt die FDP sein muss, wird klar, wenn ihr als Lösung nur einfällt, die Legende von der eigenen Hilflosigkeit zu spinnen - nach über 24 Stunden Nachdenken: letzte Ausfahrt Ohnmacht. Und sich dann bezeichnenderweise ausgerechnet einen Begriff dafür aussucht, der diese These ad absurdum führt.
Denn "Übermannung" ist ein Terminus vom Schlachtfeld, erklärt schon Grimms Wörterbuch: Wenn die Mannstärke der Feinde das eigene Heer überrennt. Der einzige Moment aller Weltgeschichten, in dem es Männern als positiv ausgelegt wird, zu unterliegen. Außerdem, so Lindner in dem Slomka-Gespräch, habe die AfD "handstreichartig" für Kemmerich gestimmt – noch so ein Kriegsheldenmoment des Überrumpeltwerdens.
Schaut, will dieses Narrativ uns vormachen, ich bin wehrlos, ausgeliefert. Meinen Emotionen (Siegesdurst, Herrschsucht, Machttrunkenheit). Und den "anderen", sie haben mich überwältigt, mich gegen meinen Willen genommen. Die Horden der CDU und AfD gegen uns, die fünf Sitze starke FDP. Schaut, mein einziger Schutz ist ein wackeliger Backshop-Stehtisch für meine Pressekonferenz. Dass schon die Grimms notieren, "übermannen" stehe "euphemistisch" auch für Vergewaltigung, dreht diese Opferinszenierung ins Ekelhafte.
Es ist übrigens die gleiche FDP, für die Thomas Kemmerich mit seinem Glatze-und-Stiefel-Wahlkampf in Beton gegossene Männlichkeitsbilder inszenierte: der Bruce-Willis-Gladiator, der Versuch der ironischen Brechung mit dem militaristischen Nazi-Klischee. [….]

Das anhaltende Christian-Lindner-Debakel war eine einzige Variation des Projektes „Postenrettung“.
Kaum jemals klebte jemand so an seinem Stuhl wie der FDP-Chef.
Das wird umso frappierender, als inzwischen eine ganze Reihe weniger Schuldiger ihre Karriere beendeten.
Hirte, Kemmerich, Kramp-Karrenbauer, Kardinal Marx und jetzt Mohring – alle weg.

[….] Politische Ämter verlangen denen, die sie ausüben, viel ab. Ein Amtsverzicht ist ein Akt der Demut. Aber er dient nur dann wirklich der demokratischen Kultur, wenn er nachvollziehbare Gründe liefert, wenn er dem Amt hilft und nicht bloß dem Ego. Um so viel verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen, braucht Politik mehr Ehrlichkeit und eine Fehlerkultur, die es zulässt, über Scheitern offen zu reden. Theresa May hatte die Größe, bei ihrem Rücktritt einzugestehen, dass sie "nicht fähig" gewesen sei, den Brexit zu liefern. [….]

Aber Lindner ist noch nicht mal bereit mit falschen Gründen zurückzutreten, geschweige denn aus den Richtigen.
Er klebt am Amt und tut nun zur Schadensbegrenzung das einzige, das wirklich nichts kostet und keinerlei Konsequenzen für ihn bedeutet:
Eine Entschuldigung vor dem Bundestag, als ob nichts gewesen wäre.

Seine Lieblingsstellvertretern Katja Suding, im Nebenberuf Hamburger FDP-Chefin und Bürgerschaftsabgeordnete, die zusammen mit ihrer Partei in der vergangenen Legislaturperiode 49 mal gemeinsam mit der AfD stimmte und sich 44 mal zu AfD-Anträgen enthielt, machte diesen erbärmlich konsequenzlosen Schritt nach, aber immerhin wortreich.

[….] „Wir haben damals als FDP den Versuch unternommen, die AfD als eine Partei, die im Parteienspektrum gewählt wurde, wahrzunehmen und zu gucken, was sind die Inhalte – genauso wie wir es mit den Linken machen, mit jeder anderen Partei. Rückblickend muss man sagen, nach dem, was wir jetzt auch sehen, was die AfD macht, wie sie die Demokratie nicht nur aushöhlen will, sondern zerstören will – würde ich nie, nie wieder machen!" [….]

Mama, ich will es auch nie, nie, nie wieder tun – willkommen in der FDP-Kindergartenversion von Landespolitik.

Selbst dieses Niveau unterbot Christian Lindner aber noch locker.

Zunächst betonte er, persönlich gar nicht wirklich verantwortlich zu sein.

[….] „Ja – aber wie gesagt: Ich bin nicht Mitglied des Thüringer Landtags. Ich kann nur mit der Krise umgehen wie wir alle. Ich kann mich nur namens der FDP insgesamt entschuldigen.“ [….]

Hier lügt Lindner gleich mehrfach. Natürlich ist er als FDP-Bundeschef politisch verantwortlich und er ist auch persönlich verantwortlich, weil er von AKK vorgewarnt war und seit Monaten Briefe der AfD öffentlich vorlagen, die genau diese Taktik ankündigten.
Insbesondere ist es aber gelogen, daß er nur die Entschuldigung aussprechen kann; er könnte schließlich auch endlich zurücktreten.

Lindner erreichte aber erstaunlicherweise eine weitere Verschlimmbesserung am Bundestagsrednerpult.

[…..] "Dafür entschuldige ich mich namens der Freien Demokraten." [….]

Morallehre für Grundschüler: Man kann sich niemals SELBST entschuldigen, sondern immer nur um Entschuldigung bitten. Es obliegt dem Geschädigten die Entschuldigung zu gewähren oder nicht.
Bei dieser erbärmlichen Formulierung ohne das persönliche Schuldeingeständnis, ohne persönliche Reue, mit dem vagen Hinweis „namens der FDP“, gewähre ich ihm jedenfalls keine Entschuldigung.

Donnerstag, 13. Februar 2020

Franz outet sich – Teil XXIII


Kein Wunder, daß Franz von seinem „Georg il bello“ (Gänswein) so genervt war, daß er ihn vor einer Woche endgültig absägte und als Präfekt des Päpstlichen Hauses entließ.
Gänsi ist zwar hübsch und hat diese wichtigen engen persönlichen Kontakte zur erzkonservativen Milliardärin Prinzessin Gloria in Regensburg, aber er ist eben auch ein unverbesserlicher Intrigant, der seinem zweiten Papst ständig in den Rücken fällt.
Zuletzt eskalierte „Georg il bello“ weltöffentlich den Gerontenzickenkrieg zweier Päpste, um einen erfundenen Dissens.
Ratzinger wurde als Erzbewahrer kirchlicher Tradition gegen einen vermeidlich ideologisch ungefestigten Spaßpapst Bergoglio inszeniert, bevor dieser Zölibat und männerexklusives Priestertum abschaffen könnte.
Das war alles großer Blödsinn, denn auch Ratzis Nachfolger ist stockkonservativ bis zur tiefen Frauenverachtung.

(….) Am frühen Abend des 13. März 2013 einigten sich 115 stockkonservative Kardinäle, darunter kein Verheirateter, keine Frau und nur fünf unter 60 Jahren, die meisten im Alter zwischen 70 und 80, im fünften Wahlgang auf einen neuen Boss.
50 der wahlberechtigten Kardinäle wurden von dem Kinderfickerfreund Johannes Paul II. und 67 von Kinderficker-Vertuscher Benedikt XVI. ernannt.
Gewählt wurde – Überraschung – ein konservativer alter Mann: Der Erzbischof von Buenos Aires, 76, zukünftiger Franziskus.

Franz tat vor Allem das nicht, das er nicht tun sollte: Frauen die gleichen Rechte wie Männern zu gewähren, Schwule zum Priesterseminar zuzulassen oder den Zölibat zu lockern. (….)

Ratzinger, Sarah, der Urinduscher, Müller und Gänswein hatten sich aber ganz umsonst gesorgt.
Franz ist ganz auf ihrer Seite.
Endlich erschien heute sein Apostolisches Schreiben "Querida Amazonia" indem er noch mal ganz klar stellt wie minderwertig er Frauen findet.

[….] Ein solcher Reduktionismus würde uns zu der Annahme veranlassen, dass den Frauen nur dann ein Status in der Kirche und eine größere Beteiligung eingeräumt würden, wenn sie zu den heiligen Weihen zugelassen würden. Aber eine solche Sichtweise wäre in Wirklichkeit eine Begrenzung der Perspektiven: Sie würde uns auf eine Klerikalisierung der Frauen hinlenken und den großen Wert dessen, was sie schon gegeben haben, schmälern als auch auf subtile Weise zu einer Verarmung ihres unverzichtbaren Beitrags führen.
[….] Jesus Christus zeigt sich als der Bräutigam der Eucharistie feiernden Gemeinschaft in der Gestalt eines Mannes, der ihr vorsteht als Zeichen des einen Priesters. Dieser Dialog zwischen Bräutigam und Braut, der sich in der Anbetung vollzieht und die Gemeinschaft heiligt, sollte nicht auf einseitige Fragestellungen hinsichtlich der Macht in der Kirche verengt werden. Denn der Herr wollte seine Macht und seine Liebe in zwei menschlichen Gesichtern kundtun: das seines göttlichen menschgewordenen Sohnes und das eines weiblichen Geschöpfes, Maria. Die Frauen leisten ihren Beitrag zur Kirche auf ihre eigene Weise und indem sie die Kraft und Zärtlichkeit der Mutter Maria weitergeben. [….]  In einer synodalen Kirche sollten die Frauen, die in der Tat eine zentrale Rolle in den Amazonasgemeinden spielen, Zugang zu Aufgaben und auch kirchlichen Diensten haben, die nicht die heiligen Weihen erfordern, und es ihnen ermöglichen, ihren eigenen Platz besser zum Ausdruck zu bringen. Es sei daran erinnert, dass ein solcher Dienst Dauerhaftigkeit, öffentliche Anerkennung und eine Beauftragung durch den Bischof voraussetzt. [….] (Papst Franziskus, 13.02.20)

Der Bergoglio ist schon tricky. Da zwingt er mich ganze 99 Kapitel seines Schreibens zu lesen bis er endlich zum eigentlichen Thema kommt:
Frauen sind ja ganz nützlich, um in Orten ohne männliche Priester die RKK-Strukturen zu erhalten – natürlich nur, wenn der Bischof es ihnen vorher erlaubt hat! Aber sie bleiben natürlich zu minderbemittelt, um selbst Priesterinnen zu werden. Überhaupt könnte man die Weiber gar nicht mehr als billige Putzkräfte und Köchinnen würdigen, wenn sie auf einmal anfingen auch zu predigen. Und Jesus mochte sie auch nicht, ätsch!

[…..]  Papst Franziskus erlaubt die Weihe verheirateter Männer zu Priestern vorerst nicht. Auch Frauen sollen keine Weiheämter in der Kirche zukommen. […..]  Zu den besonderen Aufgaben zählen die Eucharistie und die Beichte, diese Amtsgewalt könne nur im Weihesakrament empfangen werden. Die Mehrheit der Teilnehmer der Synode, die sich mit den spezifischen Problemen der Amazonas-Region beschäftigte, hatte sich für die Weihe sogenannter "Viri Probati" (bewährter Männer, die auch verheiratet sein dürfen) ausgesprochen sowie dafür zu prüfen, ob man Frauen zu Diakoninnen weihen könne.
In den abgelegenen Amazonas-Gemeinden herrscht ein eklatanter Priestermangel, sodass viele Gemeinden teilweise monatelang keinen Priester sehen und weder die Eucharistie feiern noch beichten können. Franziskus geht in seinem Schreiben nicht auf verheiratete Männer für diese besondere Region ein. Stattdessen fordert er alle Bischöfe zu mehr Gebet um Priesterberufungen auf. Außerdem sollten die Bischöfe diejenigen, die eine "missionarische Berufung" zeigten, dazu bewegen, sich für das Amazonasgebiet zu entscheiden.
Franziskus würdigt zwar "die Kraft und die Gabe der Frauen", die die Gemeinden im Amazonasgebiet mit "bewundernswerter Hingabe und leidenschaftlichem Glauben" aufrechterhielten. Weiheämter für Frauen - und damit verbunden mehr Macht - lehnt er dennoch ab. Dies würde zu einer "Klerikalisierung der Frauen hinlenken und den großen Wert dessen, was sie schon gegeben haben, schmälern".[…..]  Die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) […..]  sprach von einem "herben Schlag für alle Frauen, die auf ein starkes Signal zur Gleichberechtigung in der katholischen Kirche gehofft haben". Es sei "unerträglich, dass die Amtskirche weiterhin Frauen gleiche Rechte abspricht und sie aus biologistischer Argumentation heraus zu Dienstleisterinnen degradiert", sagte die stellvertretende kfd-Bundesvorsitzende Agnes Wuckelt der Katholischen Nachrichten-Agentur. […..]  Auch der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Thomas Sternberg, hatte sich mehr erwartet: "Wir bedauern sehr, dass Papst Franziskus hier in seinem Schreiben keinen Schritt nach vorne wagt. Vielmehr befestigt er sowohl in Bezug auf den Zugang zum Priesteramt, wie auch die Beteiligung von Frauen an Diensten und Ämtern der Kirche, die bestehenden Positionen der römischen Kirche", sagte er. […..]   

An dieser Stelle sage ich Bergoglio meinen aufrichtigen herzlichen Dank für seinen neuerlichen Schlag ins Gesicht der Majorität der Gläubigen.
Hardcore-Katholikiotinnen wie Kramp-Karrenbauer und Nahles wird es nicht davon abhalten jedes Jahr Zehntausende Euro Mitgliedsbeiträge (vulgo „Kirchensteuer“) an den Verein zu zahlen, der ihnen nun wieder einmal sagt „ohne Penis seid Ihr wertlos!“

Aber die beiden Päpste werden damit den Trend zum Kirchenaustritt weiter befeuern.
Insbesondere weil sie ausgerechnet diejenigen, die ihr wichtigstes Fundament sind, nämlich die Myriaden unbezahlten Laiinnen an der Basis, so nachhaltig frustrieren, daß sie ihr Engagement für die RKK langfristig aufgeben werden.

Es tut immer wieder gut so einen wichtigen Propagandisten für den Atheismus an der Kirchenspitze zu wissen.

[…..] Eine Ohrfeige für die Reformer
[…..]  Peng, die Tür ist zu. Zugeschlagen hat sie Franziskus, der Papst, den viele bislang für den Türöffner der katholischen Kirche hielten. Er ist nicht dem Votum der Amazonas-Synode im Oktober gefolgt, die wünschte, dass in Ausnahmefällen auch verheiratete Männer der Eucharistie vorstehen können. Nichts da: Nur der geweihte und damit zölibatäre Priester kann das, sagt Franziskus. Seine Antwort auf den Priestermangel: tapfer um mehr Priester beten.
Ähnlich geht er mit dem Wunsch um, ein Weiheamt für Frauen zumindest zu diskutieren. Das sei eine "Klerikalisierung der Frauen"; zugespitzt: So eine Weihe tut denen doch gar nicht gut - es ist Paternalismus pur. […..]   Das Schreiben ist ein hartes Nein zum Hoffen der Reformer. […..]