Sonntag, 19. August 2012

Small Penis Cars - Teil II



Nein, nein, ich habe überhaupt nichts gegen die Luxusbranche.

Sie ist ein durchaus sympathischer Wirtschaftszweig, weil die Wertschöpfung oft durch Know How, Qualität, Service und viel Handarbeit zustande kommt.
Dabei werden tendenziell nicht so viele Menschen ausgebeutet, wie in Billig-Ketten à la Schlecker oder Lidl. Die Wertschöpfung geschieht nicht so stark auf Kosten der Schwächsten.
 Die Arbeitsbedingungen bei Steinway oder Montblanc in Hamburg, bei Karl Lagerfeld in Paris oder bei Rolex in Genf sind nun einmal wesentlich besser, als die der jugendlichen Näherinnen für „kik“ in Bangla-Desh.

Generell sehe ich Deutschlands Weg in die Billig-Republik mit den Geiz-ist-Geil-Megastores, den superbillig-Lebensmittel-Discountern und den in Europa beispiellos gesunken Löhnen sehr skeptisch.
Für eine kurze Zeit mag das der Wettbewerbsfähigkeit gut getan haben. 
Eben wurde Deutschland wieder zum Exportweltmeister und ließ China hinter sich.

Man kann das aber auch anders ausdrücken: 
Deutschland leidet an einer extremen Importschwäche. Die Nachfrage ist de facto abgewürgt, weil immer mehr Menschen immer weniger ausgeben können.
Wir sind abhängig davon, daß andere Nationen die hier produzierten Waren kaufen und bezahlen können. Hauptabnehmer ist dabei nach wie vor eindeutig Europa. Das könnte sich aber ändern, wenn die Röslers und Söders Athen und Co wieder in Drachmen und Peseten reden.
 Damit lassen sich Importe aus Deutschland nämlich viel schlechter bezahlen.
Luxusgüter sind ein (noch) stabilerer Exportfaktor, weil es in Asien, Amerika und den Golfstaaten genügend Reichtum gibt.

Ich finde es nicht amoralisch sechs- und siebenstellige Summen für eine Armbanduhr, ein Auto, einen Flügel oder ein Gemälde auszugeben. 
Schließlich steht es dem Staat frei diese Käufe und diese Einkommen entsprechend zu besteuern.

 Daß gerade die deutsche Regierung Millionäre und Milliardäre mit Samthandschuhen anfasst und Zinseinkommen (die keinerlei Arbeitsleistung erfordern) niedriger besteuert als den Lohn eines Facharbeiters, ist ungerecht. 
Ich würde es sogar Regierungsversagen nennen. 
Aber wir bekommen das was wir wollten. Wie Guido Westerwelles FDP tickt, war schließlich immer bekannt und genau die Partei haben die Wähler im Jahr 2009 so stark gemacht wie nie zuvor.
Es gibt ja Parteien, die Erbschaftssteuern, Mindestlohn und Millionärssteuern einführen wollen.
Sie werden aber nicht ausreichend gewählt. 
Dann soll man sich auch nicht beschweren, wenn die anderen die Reichen bevorzugen.

Luxus zu mögen ist weder amoralisch noch ökonomisch problematisch.

Wohl aber sehe ich ein PSYCHOLOGISCHES „Problem.“

Luxus kann (muß aber nicht) zu einem reinen Statusprojekt werden.
Der eine trägt eine € 100.000-Rolex aus Gold mit vielen Edelsteinen, um jedem zu zeigen, daß er es sich leisten kann.
Der andere trägt eine € 100.000-Patek Philippe, die schlicht und unauffällig mit Lederband und Stahlwerk daher kommt, dafür aber durch so extrem ausgefeilte Mechanik besticht, daß genügend Liebhaber bereit sind diesen Preis zu zahlen. Sie können nicht damit rechnen, daß der enorme Wert der Armbanduhr im täglichen Leben erkannt wird und das Renommee des Trägers aufwertet.

In Hamburg wird „hanseatisches Understatement“ immer noch von vielen gelebt.
Obwohl der Reichtum in der Elbstadt gewaltiger als in jeder anderen deutschen Stadt ist, sieht man die Rolls Royce, die Ferraris, die Goldklunker eher in München und Düsseldorf.

Protzige Uhren werden in Hamburg trotz der deutlich größeren Kaufkraft nicht gut verkauft.
Wer in Hamburg seinen Reichtum deutlich zur Schau stellt, wird schief angesehen. 
PS-Protzen gilt hier noch als Domäne der Halbwelt.

Es war das Ende des aus Süddeutschland zugezogenen Bürgermeisterpaares Ahlhaus, als sie sich in der BUNTEN als Glamour-Paar in Edelroben ablichten ließen und ihre riesige Villa an der Elbchaussee Tagesgespräch wurde.

Von solchen Leuten, die ihre offenbar viel zu kleinen Penisse so kompensieren müssen, will Hamburg nicht repräsentiert werden.
 Die CDU verlor bei der nächsten Wahl 21 Prozentpunkte. Nachfolger, mit absoluter Mehrheit gewählt, wurde der bis zur Selbstaufgabe unprätentiöse Olaf Scholz, der seit Jahr und Tag in derselben Mietwohnung in Altona wohnt.

Vielleicht übertreibt man die Zurückhaltung in Hamburg.
 Vielleicht ist es natürlicher, wenn die Reichen und insbesondere Neureichen ihre Millionen für jeden offensichtlich spazieren führen. Wie in München.
Als in Hamburg lebender Amerikaner bin ich aber ein klassischer Konvertit. 

Größer könnten die Unterschiede könnten nicht größer sein. Im Amerika zeigt man nicht nur seinen Reichtum, sondern wird dafür bewundert. 
In Hamburg gibt man sich Mühe den Reichtum geradezu zu verstecken. Und wer Geld übrig hat, steckt es in Stiftungen. 
Kaum eine Kultur-, Bildungs- oder Sozialeinrichtung in Hamburg, die nicht von den Zuwendungen reicher Gönner profitiert.
In Museen und Theatern gibt es dezente Hinweisschilder auf die Spender und Stifter. Noch beliebter sind aber völlig anonyme Zuwendungen.
 Es erstaunt mich immer wieder wie schnell in Hamburg Finanziers gefunden werden, wenn es gilt eine Werft oder auch nur eine legendäre Kneipe auf dem Kiez vor Spekulanten zu schützen.

Ich bin was das Zurschaustellen von Geld betrifft ein Vollbluthamburger geworden.
Ist es nicht psychologisch ein bißchen bedenklich, wenn man es nötig hat sich selbst durch Protz und Prunk, durch BlingBling und Bonzentum aufzuwerten?
Eine Stilfrage.

Weit mehr als eine Stilfrage ist es aber, wenn sich Mensch sein Small-Penis-Car nicht selbst finanziert, sondern zur Eigenpimpung in andere Kassen greift.

Ich denke da an den inzwischen berüchtigten Ex-Tierheimchef Wolfgang Poggendorf, der die Mittel des vom Hamburger Tierschutzverein von 1841 e. V. (HTV) betriebenen Viecher-Asyls so geschickt nutzte, daß für ihn eine 2007 dem HTV vererbte Luxuseigentumswohnung auf Sylt abfiel.

Ich denke da an Hamburgs ersten Bürgermeister Christoph Ahlhaus, der es mit seiner kamerageilen Prunk-süchtigen „Fila“ fertigbrachte die Stadt für eine Million Euro Umbauten und Verschönerungen an der Ahlhausvilla bezahlen zu lassen.

Ich denke da an den wohl prunksüchtigsten Bischof Deutschlands, Herrn Tebartz-van-Elst, der bizarrerweise ausgerechnet der Nachfolger des bescheidensten aller deutschen Bischöfe - Franz Kamphaus wurde.


Die Kamphaus-artigen Bischöfe werden von Ratzi systematisch vertrieben.

Die Kirche driftet auseinander - die liberaleren und säkulareren Mitglieder verlassen jedes Jahr in sechsstelliger Zahl die beiden größten christlichen Sekten und am fundamental-traditionalistischen Rand ballt es sich zusammen.

Als Apotheose der konservativen Transformation gilt das Bistum Limburg, welches von 1982 bis 2008 von einem Bischof Franz Kamphaus geleitet wurde, der so integer und menschenfreundlich ist, daß sogar ich ihn mag!
Vor drei Jahren fiel dann der denkbar schwerste Hammer auf den Limburger Dom, indem Ratzinger das diametrale Gegenteil auf den Bischofsstuhl hievte.
Franz-Peter Tebartz-van Elst, jener prunk- und protzsüchtige ultrarechte Spalter, der innerhalb von kurzer Zeit das ganze Bistum gegen sich aufbrachte.



Tebartz-van Elst ist der Schrecken jedes katholischen Laien.

Er ist ultrakonservativ, diffamiert Minderheiten und schockiert zudem noch mit seiner abstoßenden Physionomie.



Kamphaus hingegen war der Jedermanns-Bischof.
Ohne Dünkel und persönliche Bedürfnisse wurde er zu einem echten Hoffnungsträger für die Liberalen.
Bis zum Schluß stemmte er sich gegen den Ratzinger-Erlass, der die deutschen Bischöfe zwang Frauen in Not die Tür vor der Nase zuzuschlagen und keine Schwangerschaftsberatungen mehr durchzuführen.
Mit persönlichem Prunk konnte er nie etwas anfangen. Sein Gehalt spendete er vollständig und antwortete auf das „Warum“ mit einer Gegenfrage:
„Wozu sollte ich Geld brauchen? Ich wohne umsonst, bin immer unterwegs und zum Essen werde ich immer eingeladen.“
Seinen Bischofsstab hatte sein Bruder selbst geschnitzt, seinen Bischofspalast überließ er einer tamilischen Flüchtlingsfamilie und lebte stattdessen in einer winzigen Zelle des Priesterseminars.

Auf Personal verzichtete Kamphaus und fuhr Zeit seines Lebens selbst Auto - aber nur einen gebrauchten Kleinwagen. Jahrelang einen Opel Kadett, später leistete er sich etwas mehr und übernahm einen 60-PS VW-Golf.

Nachfolger TVE ist hingegen ein Bischof aus dem 19. Jahrhundert.

Für ihn gilt „protz as protz can!“

Der Millionen-teure neue Amtssitz des schönen Bischofs wird sogar noch viel teurer als geplant.

Die ursprünglichen Kosten für das "Diözesane Zentrum St. Nikolaus" auf dem Limburger Domberg waren auf 5,5 Millionen Euro veranschlagt worden. Der Neubau soll ein rund 500 Jahre altes denkmalgeschütztes Fachwerkhaus, das frühere Küsterhaus von 1904 sowie eine ebenfalls neu errichtete Kapelle miteinander verbinden. Kritiker hatten immer wieder die Kosten sowie Art und Umfang der Baumaßnahmen beanstandet. Auch Eigenmächtigkeit, Selbstverliebtheit und Prunksucht war Tebartz-van Elst vorgeworfen worden.

Die "Kaaba von Limburg:"








 



Während sich Tebartz-van Elst zu Hause ein Heim für Millionen Euro zulegt - und die Millionen hat er eben NICHT selbst verdient - wollte er sich auch mal einen Überblick darüber verschaffen, wie gottlose Arme in Indien leben müssen.
 In die Slums flogen der Bischof und Generalvikar selbstverständlich „first class“. 
Im Januar 2012 ging es los zu den armen Kinderchen, die in Bangalore in den Steinbrüchen schuften müssen.

Im Oberdeck eines Jumbojets machten er und sein Generalvikar Franz Kaspar es sich auf First-Class-Plätzen bequem. Zum Service gehören Champagner, Kaviar und ein Bett. "Erstklassig reisen bedeutet, stets das Außergewöhnliche erwarten zu können", verspricht die Lufthansa.
[…] Auch für den Rückflug gönnten sich die Kleriker, auf den Plätzen 82 H und 82 C, erstklassigen Service. Ticketpreis und Meilen-Upgrade für Hin- und Rückflug entsprechen einem Wert von rund 7000 Euro pro Person.
Luxus umgibt Tebartz-van Elst, 52, nicht nur, wenn er zu den armen Kindern und Ordensschwestern nach Indien reist. Auch daheim in Limburg legt er Wert auf ein angenehmes, standesgemäßes Leben. Seine neue, millionenschwere Bischofsresidenz direkt neben dem Dom steht vor der Vollendung und sorgt bei Katholiken für eine Mischung aus Staunen, Wut und Resignation. Viele verstehen nicht, warum sie darben sollen, während ihr Bischof prasst.
Seinen Gläubigen predigt Tebartz-van Elst nicht Wein, sondern Wasser. "Erneuerung beginnt da, wo die Hausaufgaben zum Sparen gemacht sind", belehrte er sie. "Das ist der Mensch des Glaubens - bettelarm und gnadenreich", sagte er in einer Weihnachtsansprache. Und zu Mariä Himmelfahrt verkündete er: "Wer die Armut in sich selbst wahrnimmt, wird die wirkliche Größe Gottes entdecken."
[…]  Handwerker an der geheimnisumwitterten Baustelle schweigen, als hätten sie ein Gelübde ablegen müssen. Nicht einmal die Abgeordneten des Limburger Bau-Ausschusses durften kürzlich alles sehen. Die Herren aus dem Kreistag konnten keines der Gerüchte überprüfen, die in der Stadt kursieren: eigene Räume für Reliquien, Sauna, Kamin, Weinkeller, Edelsteinverzierungen, Heiligenfiguren, ein beheizbares Dach, das die bischöfliche Privatkapelle vor Schnee und Eis beschützen könnte.
[…]  Sein Vorgänger Franz Kamphaus hatte einst das alte Bischofshaus Asylbewerbern überlassen und sich mit einer bescheidenen Unterkunft im Priesterseminar begnügt. Für Tebartz-van Elst gibt es nun auf einem engbebauten Areal genügend Raum für Einkehr und Repräsentation - größer könnte der Unterschied zwischen volksnahem Hirten und statusverliebtem Kirchenfürsten kaum sein.
Zum Anwesen gehört, obwohl der Dom nur wenige Schritte entfernt ist, eine private Bischofskapelle, die zu einem tiefschwarzen Monolith geriet, der Anwohner, Architekten und Denkmalschützer entsetzt. In der Stadt spottet man bereits über die "Kaaba von Limburg", weil die Kapelle manche an den schwarzen Block von Mekka erinnert.
Auch ein Park für den Bischof wurde angelegt. Im Designergarten kann Tebartz-van Elst abends wandeln und sein Brevier lesen.
(Spon 19.08.12)
 

Kommentare:

  1. Unmöglich, dieser Tebartz van Elst, er sollte 'demütig' zurücktreten und falls er das nicht tut, sollten seine Vorgesetzten ihn absetzen......

    Aber so etwas passiert in der Kirche niemals. Fehltritte jeglicher Art werden, falls es gar nicht anders geht, schöngeredet oder wenn das nicht so richtig zieht, werden diese einfach totgeschwiegen. Jahrhundertlange bewährte Praxis. Semper idem!

    Die Frage ist jedoch, wie lange sich das noch auf diese Art machen lässt?

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  2. Das sind genau die Typen, die Ratzi mag.
    Die "dem Glauben" wieder mehr Würde und Glanz verleihen.
    TVE wird niemals zurück treten. Warum sollte er?
    Wer sich so richtig beschissen benimmt, wird am Ende auf die Top-Positionen befördert. Siehe Bischof Müller, der jetzt Nr. 3 im Vatikan ist.


    MIR ist das allerdings hochwillkommen. Solche Typen wie TVE, Schick, Schraml und Mixa sind die besten Helfer des Atehismus - schneller als sie kann man gar nicht Katholiken zum Kirchenaustritt bewegen.
    Also viel Glück weiterhin dabei TVE!!!

    LGT

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