Freitag, 21. Juli 2017

Achtung Satire



Trump ist stinksauer.
Nun ist er genau sechs Monate im Amt und er bekommt rein gar nichts umgesetzt. Natürlich haben daran nur die anderen Schuld, Hillary Clinton und die Demokraten zum Beispiel.
Alle anderen sind Versager, nur er selbst ist einfach brillant und so wird er auch nicht müde das zu betonen.

[…..]  Je länger der Präsident im Amt ist, umso mehr zerfällt sein vom ihm über Jahrzehnte gepflegtes Bild als genialer Verhandler. Stattdessen wirkt der Präsident auch im jüngsten Interview wie jemand, der mit Aufmerksamkeit für seine Person leicht zu beeinflussen ist.
Über die kürzlich vom französischen Präsidenten Emmanuel Macron für ihn inszenierte Militärparade in Paris schwärmt Trump fast wie ein Kind und in den üblichen Superlativen. Ein Essen am Eiffelturm habe so gewirkt, "als ob sie niemals eine größere Feier in der Geschichte des Eiffelturms hatten". Seine Rede in Polen hätten sogar "Feinde von mir in den Medien" als "großartigste Rede, die je ein Präsident im Ausland gehalten hat" gelobt. […..]

Zutiefst unverständlich erscheint Trump wieso immer noch wegen des Einflusses Russlands auf sein Team und die US-Wahl ermittelt wird.
Er soll seit Wochen manisch TV gucken und dabei Schreianfälle bekommen.

Auch nach einem halben Jahr hat Trump nicht im Geringsten begriffen was eigentlich sein Job ist.

Republikanische Senatoren beklagen inzwischen öffentlich, daß die bestehenden GOP-Mehrheiten in beiden Häusern  nicht stehen bei der Obamacare-Abschaffung, weil Trump nicht die widerstrebenden Pole der Parteien zusammenbringe. Er könne das nicht, da ihm jede Detailkenntnis fehle und er gar nicht wisse was in dem „Trumpcare-Gesetzentwurf“ stehe.

Und so ist die neue Devise: Lass das alte Gesetz gegen die Wand fahren. Obamacare soll scheitern. I don’t own it.
Er, Trump, habe gar nichts mit Gesundheitspolitik zu tun.
Die Bedeutung des Ausfalls einer Krankenversicherung für zig Millionen Menschen, daß nämlich viele von ihnen krank werden und sterben, weil sie sich die Behandlung nicht leisten können, ist Trump offensichtlich nicht klar, oder es ist ihm egal.

Sollen die Armen doch abkratzen; das interessiert niemanden im Weißen Haus.
Wichtig sind nur die Russland-Untersuchungen, die Trump mit allen Mitteln verhindern will.

Da versucht er so einiges, das er aus dem Immobilienbusiness kennt: Den Gegner mit Dreck bewerfen, Staatsanwälte diskreditieren, Vorwürfe erfinden.

Der Sonderermittler Robert Mueller dürfe nicht seine Geschäftsbeziehungen untersuchen. Das sei eine Red Line.

Trump warns Mueller against investigating his family's finances beyond Russia probe. […..]

Trump glaubt scheinbar, daß der Angeklagte dem Ermittler vorschreiben darf was dieser ermitteln dürfe.

Als nächstes schoss Trump auf seinen engsten Vertrauten und Justizminister Sessions, weil dieser ihm nicht den Ermittler vom Hals gehalten habe.

Da KKK-Freund Sessions selbst in den Russensumpf verstrickt ist und log, daß sich die Balken bogen, hatte er sich in der Causa für befangen erklärt.
Der stellvertretende Justizminister Rod Rosenstein, der am 17.05.2017 den Sonderermittler einsetzte und ihn als einziger auch wieder absetzen könnte, steht ebenfalls auf Trumps Abschussliste, weil er aus Baltimore stamme; da gäbe es kaum Republikaner und so einem hätte er nie vertraut. Ein gutes Argument!

Ebenfalls unter schwerem Feuer befindet sich auch Robert  Mueller selbst, über den Trump jede Menge schmutzige Informationen haben will. Auch über Muellers Team wird Dreck gesammelt.

[….] President Trump’s lawyers and aides are scouring the professional and political backgrounds of investigators hired by the special counsel Robert S. Mueller III, looking for conflicts of interest they could use to discredit the investigation — or even build a case to fire Mr. Mueller or get some members of his team recused, according to three people with knowledge of the research effort. […..]

Das typische Verhalten eines Unschuldigen also: Laut Rumkreischen und die Ermittler bedrohen.

Sollte Mueller doch Beweise für Trumps kriminelles Verhalten finden, hat der US-Präsident aber noch ein Ass im Ärmel:
Er plant sich selbst und seine Familie zu begnadigen.

[….] Late Thursday, The Washington Post reported that President Donald Trump is seeking to understand his pardon power, a development that seems directly linked to the ongoing special counsel investigation into Russian meddling in the 2016 election and possible collusion between the Trump campaign and the foreign power.
The Post raises the possibility of Trump pardoning top advisers, family members and even himself. [….]

Tatsächlich ist das Präsidentenamt mit so viel Power ausgestattet, daß er jeden freisprechen und begnadigen kann.
Die Verfassung verbietet das nur für den Präsidenten selbst in einem Impeachmentverfahren, das aber noch nicht eröffnet ist.

Amerikanische Verfassungsjuristen sind sich einig, daß Trump Kushner oder Trump Jr. problemlos freisprechen könnte. Ob er sich selbst für unschuldig erklären kann, wenn es nicht um ein Impeachment geht, ist etwas umstritten.

Denkbar ist aber, daß Trump dies tut, Mueller unter Rosensteins Protektion (sofern Trump nicht auch Rosenstein feuert) weiterarbeitet, eine detaillierten Bericht mit den Beweisen für Trumps mutmaßliche Verbrechen vorlegt, die dann zwar jeder kenne, die aber kein juristisches Nachspiel hätten, da sich Trump schon vorher selbst begnadigt hätte.

Kann man sich nicht ausdenken.

Daß Trump sogar seinen engsten Alliierten Jeff Sessions attackiert, der fest in seinem Rektum verankert nichts anderes tut als Trump zu preisen, verstehen andere Mitarbeiter als Warnung.
Trump läßt einen nicht nur wie eine heiße Kartoffel fallen, sondern zerstampft einen auch mit Vergnügen zu Kartoffelmus.

Es wird also Zeit sich abzusetzen.

Trumps Anwalt Marc Kasowitz, der ihn seit 2000 vertritt und sich noch vor wenigen Tagen mit Cortisol vollgepumpt wüst pöbelnd für Trump einsetze, schmiss gestern hin.

Donald Trump's personal lawyer quits top role as administration faces fresh setback over Russia probe. […..]

Auch Kushners Anwalt Jamie Gorelick warf diese Woche das Handtuch.

In den Monaten zuvor hatten schon Trumps communications director Michael Dubke und Deputy chief of staff Katie Walsh das sinkende Schiff verlassen.

Es wird schon gewettet wer als nächstes geht.

[…..] Commerce Secretary Wilbur Ross’s interminable teleconference babbling to a Christian Democratic Union meeting in Berlin made him a laughingstock in Germany — and we know that the president is not amused by public mockery. National Economic Council director Gary Cohn has angered conservatives who believe him a moderating force on the president. [….]

Heute kündigte aber erst einmal, wie erwartet, der Mann, der “Comical Ali” wie einen seriösen Mann aussehen läßt; die weltweit ausgelachte peinliche Witzfigur Sean Spicer aka Melissa McCarthy.


Irgendwie schade, Spicy war viel lustiger als Sarah.

[….]  Paukenschlag im Weißen Haus: Trumps Sprecher Sean Spicer gibt seinen Job auf [….]  Spicer hatte sich zuletzt aus der Öffentlichkeit zurückgezogen und die Pressebriefings seiner bisherigen Stellvertreterin Sarah Huckabee Sanders überlassen. Sie wird nun Spicers Nachfolge antreten. Das teilte Scaramucci kurz nach Spicers Rücktritt mit.
Spicer hatte als Sprecher mehrfach für Irritationen und Spott gesorgt. Schon zu Beginn von Trumps Amtszeit hatte er behauptet, Journalisten hätten falsch über die Anzahl der Zuschauer bei Trumps Vereidigung berichtet. [….] Im April musste sich der 45-Jährige entschuldigen, nachdem er den syrischen Machthaber Baschar al-Assad mit Adolf Hitler verglichen und gesagt hatte: "Nicht einmal Hitler hat Chemiewaffen eingesetzt." [….]

Donnerstag, 20. Juli 2017

Sterben – Teil II



Jedes Jahr sterben in Deutschland zwischen 850.000 und 950.000 Menschen.


Sterben ist die natürlichste Sache der Welt.

Das Leben ist eine durch Geschlechtsverkehr übertragene Krankheit, die zu 100% tödlich endet.
Oder wie der Amerikaner sagt:

    „Life sucks – and then you die“

Wir sterben also alle und zwar auf jeden Fall.
Seltsamerweise bildet sich der kleine Homo Sapiens ein durch intensives Ignorieren und Verdrängen die absolute Sinnlosigkeit des eigenen Seins ausblenden zu können.

Niemand will an sein eigenes Ende denken.
Daß man endet ist klar, aber WIE man endet, ist außerordentlich vielfältig. So unterschiedlich, daß man dabei glatt vergessen könnte, daß man ja doch stirbt und demnach alles egal ist was man tut.

    Ich möchte im Schlaf sterben wie mein Großvater, nicht schreiend und heulend wie seine Beifahrer im Wagen.
    (Will Shriner)

Zig Millionen Menschen sterben weltweit jedes Jahr und in der Geschichte des Homo Sapiens starben bisher etwa 110 Milliarden Individuen.
Allein heute sind bis 23.00 Uhr etwa 152.000 Menschen gestorben.

Dank der wunderschönen Website WORLDOMETERS erfährt man das menschliche Sterben in Echtzeit.

Wie viele Menschen sind auf der Welt heute gestorben?
Wie viele sind es in diesem Jahr bisher?
Woran sind dieses Jahr die Menschen gestorben?


Angesichts der gewaltigen Fallzahlen und der über 590.000 Suizide, die es dieses Jahr bereits gab, ist es reichlich bizarr den Selbstmord einer bekannten Persönlichkeit als großes Tabu zu betrachten.

Vor einigen Stunden erhängte sich Chester Bennington, der 41-Jähriger Sänger der „Nu Metal“-Band Linkin Park.

Das ist natürlich sehr bedauerlich für seine vielen Fans überall auf der Welt. Seine sechs Kinder und die weiteren Angehörigen. Auch seine Bandkollegen sind heute frustriert; erst recht das Management, welches sich um das in finanzieller Hinsicht zugkräftigste Mitglied grämt.

Für eine Person ist dieser Suizid aber gut und das ist Chester Bennington selbst.
Man muß kein Fan seiner Musik sein, um zu wissen, daß der Mann mit schweren Depressionen und diversen Suchterkrankungen litt.
Er hat es jetzt hinter sich.
Er hat das hinter sich, was wir alle, ausnahmslos alle noch vor uns haben.

Es gibt unterschiedliche Angaben über die Mortalität von Depressionen. 15% der an schweren Depressionen Erkrankten sterben. Das Leiden ist also gravierender als so mache Krebsart. Psychisch so zu leiden, daß man sich deswegen umbringt, ist also offensichtlich sehr grausam. Das an die Adresse all derjenigen, die depressive Erkrankungen nicht ernst nehmen und glauben, man müsse sich nur zusammenreißen.

Ich staune über die Verdruxtheit mit der wieder einmal alle Medien das Thema behandeln.
Völlig verklemmt wird von „Hinweisen auf Suizid“ orakelt.
Viele Websites lassen diesen Aspekt ganz weg und diejenigen, die es erwähnen, lassen pawlowsch sofort anschließend die Hinweise auf die Suizidprävention aus der Feder.

Kreisen Ihre Gedanken darum, sich das Leben zu nehmen? Sprechen Sie mit anderen Menschen darüber. Hier finden Sie - auch anonyme - Hilfsangebote in vermeintlich ausweglosen Lebenslagen. Per Telefon, Chat, E-Mail oder im persönlichen Gespräch.

Suizide bekannter Personen dürfen nicht öffentlich erwähnt werden, weil alle den Nachahmungs-Effekt fürchten, der beispielsweise nach dem Selbstmord des Ballspielers Robert Enke 2009 zu registrieren war.

Der damalige CDU-Ministerpräsident Christian Wulff hatte zu einer geigantischen Trauerfeier in einem Fußballstadion geladen und inszenierte sich vor 35.000 anwesenden Fans.

[….] Nach der Andacht von Pfarrer Heinrich Plochg wurde der Sarg Enkes zum Song "The Rose" von Bette Midler und dem Fußball-Kultlied "You'll never walk alone" von Vereinskollegen des Torwarts aus dem Stadion getragen. Tränenreich nahmen die trauernden Zuschauer endgültig Abschied von ihrem Idol. [….]

Die seinerzeitige Ratsvorsitzende der EKD, Bischöfin Margot Käßmann, hielt den Trauergottesdienst in Hannover.

[….] Doch Robert Enke ist seinen Weg alleine zu Ende gegangen. Ganz alleine in der Dunkelheit, die ihn umgab und die in ihm gewesen sein muss. Alle dachten, er ist wieder da, kehrt zurück zu seinem geliebten Sport, geht seinen Weg weiter gemeinsam mit der Mannschaft und den Fans von Hannover 96, weiter auch mit der Nationalmannschaft. Und dann kam gestern Abend die unfassbare Nachricht, dass er in diesem Leben nicht mehr weitergehen wollte. […..]

Ein voller Erfolg für den frommen Wulff und die Bischöfin.
Das inspiriere einige Nachahmer. Nun sprangen drei Mal so viele Menschen vor Züge wie zuvor.

[…..] Geht es nach den Psychotherapeuten, sind Depression und Suizid für Journalisten heikle Themen. Da ist zum Beispiel der Fall Robert Enke. Als sich der Bundesliga-Torwart im November 2009 an einem Bahnübergang das Leben nahm, schnellte die Zahl der Nachahmer in die Höhe, immer mehr Menschen sprangen vor Züge.
Kam es in den Jahren zuvor zu durchschnittlich 2,3 „eisenbahnsuizidialen Handlungen“ pro Tag, stieg die Zahl am Todestag Enkes zunächst auf drei an und kletterte dann auf einen Höchststand von neun Vorfällen täglich. Nach eineinhalb Wochen sank die Zahl wieder, der Durchschnittswert vor 2009 wurde aber nicht mehr erreicht.
Verantwortlich dafür soll unter anderem die Berichterstattung sein. [….]

Was lernen wir daraus?
So eine gewaltige massenwahn-artige Suizidaltrauer wie im Stadion von Hannover ist keine brillante Idee.

Es ist aber auch absurd um eine Todesursache ein so lautes Schweigen anzufangen, daß man inzwischen schon sicher gehen kann, daß es sich um einen Suizid handelt, wenn nicht ausdrücklich eine andere Todesart genannt wird.

Die Chester Bennington-Nachricht erreichte mich vorhin zufällig über Facebook und da wir im Zeitalter des Internets leben, war die soziale Plattform in Windeseile mit Berichten über die genaue Methode geflutet.

(Ehrlich gesagt wundere ich mich, daß jemand, der offensichtlich so einen problemlosen Zugang zu harten Drogen hat und dazu auch noch sehr reich ist, eine so mechanische Methode wie Erhängen wählt. Wäre eine Überdosis nicht naheliegender und weniger quälend?)

Aus lauter Panik vor Nachahmern drücken sich die herkömmlichen Presseorgane um Details, während überall sonst schon jeder weiß, daß sich der Mann erhängte.

Man sollte lieber offen darüber reden, kein Tabu inszenieren und den Tod verdammt noch mal endlich als das behandeln was er ist: Ganz normal und natürlich.

Wer über sein Lebensende selbst bestimmen will, soll das gefälligst tun dürfen, ohne daß moralische Zeigefinger erhoben werden.

Vermutlich konnte der Fall Enke nur deswegen so viele Menschen dazu inspirieren sich ebenfalls vor einen Zug zu werfen, weil immer so ein Bohei um den Tod gemacht wurde und diese Menschen nicht in der Lage waren ohne Hysterie darüber nachzudenken.

Mittwoch, 19. Juli 2017

Russland im Jahr 2017



Was auch immer man zu Russland assoziiert; niemand kann im Ernst bestreiten, daß „die Russen“ eine der ganz großen Kulturnationen bilden.
Kaum ein Volk ist so belesen, bringt so viele geniale Dichter, Schriftsteller, Musiker, Tänzer, Künstler und Choreographen hervor.

Interessanterweise haben sich Wertschätzung und Kenntnis der „schönen Künste“ durch alle politischen Systeme erhalten.
Russische Literaten und Theater waren im Zarenreich, in der Sowjetunion und im Putin-Russland gleichermaßen weltberühmt.

Trotz der über Jahrzehnte prekären Finanzanlage existierten immer Strukturen, die russische Ballett-Tänzer oder Eiskunstläufer so förderten, daß sie besser als alle anderen in der Welt wurden.

Sicher „fördert“ politische Unfreiheit unfreiwillig die Kunst der Romanciers, weil sie sich äußerst geschickt ausdrücken müssen, um der Zensur zu entgehen.
Aber Schriftsteller können nicht leben, wenn es keine Leser gibt.

Ich erinnere mich noch mit großer Freude an die ZDF-Doku „Wo Taxifahrer Puschkin lesen“ über die Bedeutung der Literatur in der Sowjet-Union, die Anke Ritter 1986 produzierte.
Nicht nur, daß man mit allen willkürlich angesprochenen Passanten über die russischen Klassiker diskutieren konnte, nein, sie lesen auch Goethe, Grass und Mann und können ausführlich über die Qualität verschiedener Übersetzungen berichten.

Stephan Orth, der unablässig durch die ganze Welt reist, beschreibt in seinem aktuellen Russland-Buch, daß nirgendwo sonst so viele Menschen in den U-Bahnen und Bussen richtige Bücher lesen, wie in Russland.
In Deutschland gab es nie so viele Leser wie in Russland, aber heute schon gar nicht mehr. In einem Hamburger Bus spielen 95% der Menschen mit ihren Smartphones, in St. Petersburg gibt es genauso viele Klugtelefone, aber jeder zweite hat dennoch ein Buch in der Hand.

Das Bolschoi-Ballett funktioniert als Apotheose Russlands, so wie das Burgtheater die Apotheose Wiens ist.
Trotz ungeheuerlicher Skandale ist das Bolschoi zweifellos nach wie vor das Maß der Dinge.

Es gibt auch in New York, Paris - und übrigens auch in Hamburg – Ballett auf Weltniveau. Der Unterschied ist aber, daß in den USA, Frankreich und Deutschland 99% der Einwohner niemals ins Ballett gehen. Es handelt sich dabei um eine kleine, elitäre Szene.
Das ist in Russland anders, dort sind diese Künste breiten Schichten der Bevölkerung vertraut.

Es gibt allerdings auch eine dunkle Seite des Balletts.
Unter Tänzern und womöglich auch Choreographen soll es, angeblich, HOMOSEXUELLE geben. Schock, schwere Not. Ich kann das zwar nicht mit Quellen belegen, natürlich auch kaum glauben, aber derartige Gerüchte gibt es immer wieder. Wo soll das nur hinführen? Am Ende behaupten sie, daß es sogar unter Friseuren oder gar Priestern Schwule gibt!

Der Direktor des Bolschoi-Theaters, ein Mann mit dem wunderschönen Namen Wladimir Urin, wollte diese Woche den Saison-Höhepunkt mit einem Ballett über den vermutlich berühmtesten Tänzer aller Zeiten beginnen: Rudolf Nurejew.
Also den (womöglich einzigen?) Balletttänzer, der tatsächlich schwul war.

Drei Tage vor der Premiere setzt Urin das Stück ab. Zu heikel.

 [….] War­um Urin so plötz­lich der Mut sank, dar­über wird ge­rät­selt. Ale­xej We­ne­dik­tow, gut ver­netz­ter Chef des Sen­ders Echo Mos­kau, er­fuhr: Kirchen­ver­tre­ter hät­ten die Pro­be be­sucht und den Kul­tur­mi­nis­ter un­ter Druck ge­setzt, der wie­der­um Urin ge­droht habe. Re­gis­seur Se­re­bren­ni­kow schweigt. [….]  Un­ter der Hand gab es Vi­de­os von der letz­ten Pro­be zu se­hen. Rie­sen­haft ist da über der hei­li­gen his­to­ri­schen Büh­ne des Bol­schoi ein Nackt­fo­to Nu­re­je­ws zu se­hen. [….]
(Der Spiegel, 29/2017 s.116)

Ja, Russland, ist eine große Kulturnation, aber Homoperversion hat darin keinen Platz.

[…..] Das Stück über den sowjetischen Startänzer Rudolf Nurejew, der 1961 in den Westen floh und 1993 an den Folgen von Aids starb, war mit großer Spannung erwartet worden, zumal es von Kirill Serebrennikow stammte, einem der innovativsten und renommiertesten Film- und Theaterregisseure Russlands. […..] Gerüchte, wonach er auf Anweisung der Regierung gehandelt habe oder selbst über das Stück schockiert gewesen sei, wies Urin am Montag zurück. Es sei allein eine "künstlerische Entscheidung" gewesen. Einer der "Nurejew"-Tänzer, der ungenannt bleiben wollte, zeigte sich jedoch skeptisch. Zwar habe es während der Proben Probleme gegeben, doch sei dies normal, sagte er der Nachrichtenagentur AFP. "Deshalb glaubt auch niemand in der Truppe an die Begründung". Niemand glaube zudem daran, dass "Nurejew" eines Tages tatsächlich auf die Bühne kommen werde.
Eine regierungsnahe Quelle sagte dem unabhängigen Sender Rain TV, in dem Ballett sei es um "Freiheit für Schwule" gegangen, und dies habe wie eine "Provokation" gewirkt. In Russland ist Homosexualität weitgehend ein Tabu-Thema: Homoehen sind verboten, der Ruf nach rechtlicher Gleichstellung Homosexueller wird abgelehnt. Ein seit 2013 geltendes Gesetz stellt positive Äußerungen über Homosexualität, angebliche "Homosexuellen-Propaganda", in Anwesenheit von Minderjährigen unter Strafe. Vorsorglich hatte das Bolschoi die Aufführung mit einer Altersbegrenzung ab 18 Jahren versehen. [….]

Die Kulturbanausen übertreiben es aber auch.
Vor einigen Jahren erst wurde behauptet, daß es sogar einen zweiten russischen Homo-Künstler geben könne.

Ich bin entsetzt.
Zum Glück konnte dieser Skandal gerade noch verhindert werden.

[….] Serebrennikow beklagt seit Langem, dass Kulturschaffende in Russland von den Behörden drangsaliert werden. Für ein Filmporträt von Peter Tschaikowski, das Serebrennikov vor einigen Jahren plante, wurden zum Beispiel bereits bewilligte Fördergelder zurückgezogen - weil bekannt wurde, dass Tschaikowskis Homosexualität im Film vorkommen sollte. [….]