Dienstag, 21. Mai 2019

Schmuddelkinder der Demokratie


Wie wirkt sich das extrem peinliche Strache-Gudenus-Video auf die Wahlchancen der antieuropäischen Rechtsextremen aus?


Viele rechtsnationale Wähler in Deutschland befürchten offensichtlich Nachteile, denn sie hetzen, lügen und verschwörungstheoretisieren in immer stärkerer Frequenz.
Sie versichern sich gegenseitig ihre Treue, euphemisieren das Fehlverhalten des ehemaligen österreichischen Vizekanzlers („jeder hat doch schon mal betrunken ein bißchen dick aufgetragen“), betonen die fehlende strafrechtliche Relevanz und drehenden Spieß um: Die wahren Bösen erkennt der rechtspopulistische verschwörungstheoretische Hassblogger D. Berger aus Berlin überall sonst: Bei den deutschen Medien, „den“ Linken, der Justizministerin Barley.



[….] Im Fall Strache hat sich nicht nur der Fallensteller und Filmer strafbar gemacht, sondern auch die Medien („Spiegel“ und „SZ“) haben nach deutschem Recht eine schwere Straftat begangen. Dass die deutsche Justizministerin das goutiert und Sebastian Kurz auf kriminellen Fundamenten Entscheidungen trifft, müsste jedem Anhänger unseres Rechtsstaates die Zornesröte ins Gesicht treiben.
Nach dem Fall Relotius hat der gleichgeschaltete Haltungsjournalismus mit der Causa Strache ein neues Level erreicht, das einen – zusammen mit der Reaktion unserer Bundesministerin – erschaudern lässt. [….]

In diesem Fall unterliegt Lügen-Berger einem multiplen Irrtum auf vielerlei Ebenen.
Natürlich ist die Veröffentlichung des Videos legal und durch die Pressefreiheit gedeckt, da hier zweifellos ein öffentliches Interesse vorliegt. SZ-Chefredakteur Kurt Kister nahm dazu in der Samstagsausgabe seiner Zeitung ausführlich Stellung. Seiner Zeitung liegen mehrere Stunden Videomaterial vor, das offenbar nur so von für die handelnden Personen hochnotpeinlichen persönlichen Angelegenheiten strotzt.
Davon wurde aber nichts veröffentlicht, sondern die Journalisten konzentrierten sich auf die wenigen politisch absolut relevanten Dinge.
Gerade diese Affäre ist ein gutes Beispiel dafür, daß wir in Europa dringend den klassischen, seriösen Journalismus brauchen. Gatekeeper, die diese Materialmassen sichten, bewerten und die relevanten Teile veröffentlichen. Das ist nichts für Wikileaks.

Den beiden Antisemiten schwant aber was die SZ- und SPIEGEL-Journalisten, sowie Jan Böhmermann und das „Zentrum für politische Schönheit“ noch gesehen haben und beugen schon mal vor.


Berger, dem böse Zungen ob des sichtlichen Verfalls seiner Zähne („Methmouth“) mutmaßlichen Konsum illegaler Substanzen nachsagen ……


– wovon ich mich natürlich empört und schockiert distanziere – irrt aber auch noch in anderer Hinsicht.
Er befürchtet die Aufdeckung kriminellen und amoralischen Verhaltens schade den Wahlchancen seiner AfD, in deren Stiftungsrat er zusammen mit Erika Berger sitzt.
Das träfe aber nur zu, wenn potentielle Rechts-Wähler Rechtstreue erwarteten.
Das tun sie aber offenbar nicht.
Große Stars der rechten Szene sind kriminell. Lutz Bachmann saß mehrere Jahre in Haft, wurde immer wieder verurteilt.
Dennoch wurde er zum bewunderten König der rechten Pegidioten, dem Zehntausende jubelnd hinterherliefen.

Rechtsextreme kennen nicht nur keinen Anstand und Moral, sie verhalten sich auch nichts rechtstreu. Sie müssen es auch nicht, weil ihre Wähler ebenfalls ethisch unterentwickelt sind.

 […..] Die Rechtspopulisten stellen bundesweit 252 Abgeordnete, 92 davon sitzen im Bundestag. Dennoch hat die Partei ein schwerwiegendes Imageproblem, unter anderem weil es zahlreiche ihrer Vertreter mit Recht und Gesetz nicht so genau nehmen. Natürlich gibt es auch strafrechtliche oder dienstrechtliche Ermittlungen gegen die Volksvertreter anderer Parteien, aber nirgendwo ist die Quote so hoch wie bei der AfD, wie Recherchen der "Welt am Sonntag" ("WamS") ergaben.
Demnach laufen gegen 22 AfD-Abgeordnete 24 Verfahren oder sind mit einer Sanktion abgeschlossen, schreibt die Zeitung. Das ergibt eine Quote von knapp zehn Prozent bezogen auf alle AfD-Abgeordneten bundesweit - und es existiert ein Unterschied zwischen Ost und West. Im Osten liegt die Quote bei elf Prozent, im West bei acht Prozent. Vermutlich liegt die Gesamtzahl der Verfahren sogar höher. Aber in den meisten Landesparlamenten muss für ein offizielles Ermittlungsverfahren die Immunität des Abgeordneten aufgehoben werden. Aber nicht jedes Landesparlament gibt Auskunft über Verfahren zur Aufhebung des parlamentarischen Rechtsschutzes.
Die mutmaßlichen Delikte haben den "WamS"-Recherchen zufolge eine erstaunliche Bandbreite: Es geht um Trunkenheit am Steuer, unerlaubtes Entfernen vom Unfallort, Meineid, Steuerhinterziehung, Untreue, Beihilfe zur gefährlichen Körperverletzung, Verbreitung kinderpornografischer Schriften, sexuelle Nötigung, Verstöße gegen das Versammlungsrecht, Verwendung verfassungsfeindlicher Kennzeichen, Beleidigung und Volksverhetzung.
Unter den AfD-Abgeordneten gibt es zahlreiche zwielichtige Gestalten [….]

Eigentlich wenig überraschend. Wer sich vorstellen kann NSDAP-affine Politiker zu wählen, nimmt es mit dem Strafrecht nicht so genau.
Wir erleben das in Großbritannien mit Nigel Farage. Nicht nur, daß sich jedes einzelne seiner Versprechen von 2016 als Lüge erwiesen hat, nein, er persönlich verhielt sich auch noch besonders hinterhältig, stahl sich aus der Verantwortung, kassierte in der EU ab. Und fünf Tage vor der EU-Wahl 2019 sehen ihn englische Umfragen als den ganz großen Gewinner.
Das gleiche Bild in den USA: 10.000 Lügen, gebrochene Wahlversprechen, ein Sumpf von kriminellen Aktivitäten, ein halbes Dutzend Trump-Berater im Knast und die Massen jubeln ihm immer noch zu.



 Würde die Demokratie in unseren westlichen Ländern funktionieren, wären alle Wähler gut informiert, würden rational abstimmen.
Das sind sie aber nicht. Weite Teile der Wählerschaft sind phlegmatisch, desorientiert, desinformiert, missgünstig, irrational und gefühlig.

Wenn Anne Will, Sandra Maischberger, Illner und Plasberg wie in den letzten Jahren weit überproportional AfD-Themen behandeln, immer eine AfD-Figur in der Runde haben, dem sie Sendezeit schenken, um für sich zu werben, nützt es eben gar ncihts, wenn auch „einer von der Gegenseite“ widerspricht und auf Fakten hinweist.
Das nehmen ohnehin nur die jeweiligen Anhänger wahr.
Viele potentielle Rechts-Wähler sind so desperat, daß sie Widerspruch von etablierten und seriösen Politikern geradezu als Argument verwenden nun erst recht die Meuthengaulandhöckes zu wählen.

  […..] In einer idealen politischen Welt hätte eine Partei wie die FPÖ abgewirtschaftet. In dieser Welt würde sich einer wie Heinz-Christian Strache demütig davonmachen. Auf Nimmerwiedersehen. Viele Bürger würden am kommenden Sonntag bei der Europawahl das Kreuzchen, das sie für die Blauen reserviert hatten, etwa bei den Roten oder Türkisen setzen. Und auch im näheren Ausland beschlössen manche Wähler, die nationalen politischen Freunde der FPÖ, die vielleicht nicht alle charakterlich, aber inhaltlich aus ähnlichem Holz geschnitzt sind, nicht mehr zu unterstützen.
Die politische Welt ist aber nicht ideal, wie unter anderem der Brexit, eine Entscheidung wider jegliche Vernunft, und vor allem Donald Trump gezeigt haben. Die Lehre aus dem Wirken des US-Präsidenten ist doch diese: Er kann nach Herzenslust Frauen begrapschen, Gegner diffamieren, Unsinn erzählen, lügen, Hasard spielen mit den Diktatoren der Welt, er kann sich alles, wirklich alles bis zu der Schwelle erlauben, die zum Impeachment oder ins Gefängnis führt. Und er wird dennoch gewählt. Nein, schlimmer: deswegen. [….]


Montag, 20. Mai 2019

Schwarz-Braunes.


Heute möchte ich die Namen der Zentrumspolitiker Heinrich Brüning
(1885–1970) und Franz von Papen (1879–1969), sowie des Parteilosen Kurt von Schleicher (1882–1934) in die Runde werfen.
Sie waren die letzten drei Reichskanzler vor Adolf Hitler und verstanden ihre Rolle als Konservative im Zweifelsfall eher an der Seite der Demokratie-zerstörenden extremistischen Nationalisten. Sie stellten sich gegen die Demokraten auf der linken Seite, stimmten für Hitler und protestierten gegen die SPD, die als einzige gegen Hitlers Ermächtigungsgesetz stimmte.
Die frommen konservativen Christen fühlten sich dem Katholiken Hitler eher verbunden als den (damals noch) kirchenfernen Sozialdemokraten.

Brüning regierte ohne die NSDAP, war aber bereit selbst deutlich nach rechts zu rücken und Hitler Zugeständnisse zu machen, um ihn einzuhegen.
Nachfolger und Rechtsaußen von Papen nahm schon drei rechtsextreme, völkische Minister der „Deutschen Nationalen Volkspartei“ (DNVP) auf, deren Mitglieder nach 1933 alle in die NSDAP übertraten.
Reichskanzler von Schleicher, der ehemalige General und Reichswehrminister hielt sich aber nur wenige Wochen im Kanzleramt, bevor ihm sein Vorgänger von Papen zusammen mit Adolf Hitler aus dem Amt kegelte. Erneut hatte sich das katholische Zentrum mit den Nationalsozialisten gegen die Demokratie gestellt.
Der konservative Paul von Hindenburg ernannte den baldigen Führer zum Kanzler einer Koalition aus NSDAP und DNVP.

Während sich Sozialdemokraten immer grämend fragen was sie womöglich irgendwann falsch gemacht haben könnten, haben Konservative a posteriori nie Bauchschmerzen. Die CDU nahm nach 1945 die glühendsten NSDAP-Politiker auf, ernannte sie zu Ministern und hatte in Herrn Kiesinger sogar ein ehemaliges NSDAP-Mitglied als Kanzler und Parteivorsitzenden.
1990 fusionierte die westdeutsche CDU mit der zwei ehemaligen Blockparteien, der Bauernpartei und der Ost-CDU, die beide immer brav für Mauer und Schießbefehl eingetreten waren.
Auch dafür schämt sich die CDU bis heute nicht nur gar nicht, sondern wagt es ausgerechnet der SPD Vorhaltungen wegen möglicher Regierungsbündnisse mit den Linken zu machen.

Junge machtgeile Konservative wie Ole von Beust oder Sebastian Kurz kennen immer noch und schon wieder keine Skrupel, der eine ließ sich 2001 in Hamburg von einem dubiosen Rechtsextremen zum Regierungschef wählen; der Andere 2017 in Wien.
Skrupellos ließen Beust und Kurz ihren jeweiligen extremistischen Stellvertreter die häßliche nationalistische Fratze zeigen und gegen Minderheiten hetzten.
Sie saßen alle Peinlichkeiten aus, ignorierten die internationalen Proteste, den gewaltigen Imageverlust, stellten sich nicht vor Verfassung und Pressefreiheit.
Beide zogen erst dann die Reißleine, als sie persönlich um ihre Macht bangten.
Beust und Kurz gingen aber auch dann nicht etwa in Sack und Asche, schämten sich dafür die braunen Menschenfeinde in die Regierung geholt, sie aufgewertet zu haben.
Nein, tolldreist inszenierten sie sich auch noch als Opfer.
DAS habe man nun wirklich nicht wissen können, wie sich Schill/Strache entwickeln würden.

Das Appeasement mit Nazis, Hetzern und Rassisten liegt Konservativen offenbar im Blut. Wir sehen das auch am Elend der GOP in den USA, die sich nicht mit den Demokraten für Verfassung und Rechtstreue einsetzt, sondern im Zweifelsfall immer mit Diktator Trump stimmt.

Anschließend, falls es noch ein „anschließend“ gibt, will niemand etwas gewußt haben.

Strache und Gudenus sind Rechtsextreme? Woher soll Bundeskanzler Kurz das gewußt haben? Das konnte ja keiner ahnen!

[…..] Selbst im rechtskonservativen Milieu finden sich nicht viele, die zuvor tief in der Neonazi-Szene gesteckt haben. Die mit Kampfanzügen im Wald Krieg gespielt haben oder von der Polizei festgenommen wurden, weil sie mit der Wiking-Jugend marschiert waren - die wenig später wegen ihrer Wesensverwandtschaft zu Hitlers NSDAP verboten wurde.
Als Heinz-Christian Strache in den 90er-Jahren, inzwischen gelernter Zahntechniker, in der FPÖ aufsteigt, marschiert er nicht mehr mit Nazis, seine Kontakte ins rechtsnationale Milieu aber bleiben bestehen. Das stramm Rechte ist so etwas wie sein Markenzeichen in der FPÖ und außerhalb, und führt sogar dazu, dass sein Vater - der die Familie in Straches früher Kindheit verlassen hatte - seinen Nachnamen änderte. Er wollte nicht mit seinem Sohn in Verbindung gebracht werden.
Über das rechte Gedankengut kommt es sogar zum Bruch zwischen Strache und seinem einstigen Idol Jörg Haider, dem er vorwarf, dieses Klientel nicht mehr genug zu bedienen. [….]
(Süddeutsche Zeitung, s.3, 20.05.19)

[….][…..] "Die jüngsten Ereignisse sind ein Schlag für uns, aber wir werden aufrecht und kämpferisch in den Wahlkampf gehen", sagt ein ranghoher FPÖ-Politiker, der seinen Namen nicht genannt wissen will, dem SPIEGEL. "Ich gehe davon aus, dass wir uns weiter rechts positionieren werden, um uns von der ÖVP abzugrenzen. Unsere Zukunft ist rechts."
[…..] Verkehrsminister Norbert Hofer […..] in der Sitzung des Bundesparteipräsidiums einstimmig zum neuen Parteichef bestimmt worden sei. […..] Ideologisch steht der zwar auch rechtsaußen, […..] auch er hat in der Vergangenheit mit rechtsextremen Symbolen irritiert. Zeitweise trug er die blaue Kornblume am Revers, einst Erkennungszeichen der Nationalsozialisten. […..] Innenminister Herbert Kickl. Seine Stärken: Poltern und feindselige Sprüche. Kickl, wie Strache unter Jörg Haider in der FPÖ groß geworden, dann, nach Haiders Austritt stets treu an der Seite von Strache, war von 2005 bis 2018 Generalsekretär der FPÖ. Er ist der Erfinder von Sprüchen wie "Daham statt Islam" und "Abendland in Christenhand". […..] Kickl jedoch ist in seiner Radikalität der ÖVP und vor allem Kurz ein Dorn im Auge. Schließlich stand die Regierung Kurz immer wieder wegen Kickls Eskapaden in der Kritik. […..]

[….]"Joschi", wie Gudenus von Parteifreunden genannt wird, kennt Strache schon seit Jahrzehnten. Er war 15 Jahre alt, als er durch seinen Vater, den FPÖ-Veteran und Holocaust-Leugner John Gudenus, dem sieben Jahre älteren FPÖ-Bezirkspolitiker Strache vorgestellt wurde. 
Der Ältere wurde sein Mentor, wies ihn ein in seine Burschenschaft "Vandalia". Gudenus wurde Straches "Leibfuchs", sein untergebener Verbindungsbruder. […..] So sagte Gudenus 2013 bei einer FPÖ-Wahlkampfveranstaltung, sollte Strache Bundeskanzler werden und die Partei den Innenminister stellen, heiße es bei Bedarf "Knüppel aus dem Sack für alle Asylbetrüger, Verbrecher, illegalen Ausländer, kriminellen Islamisten und linken Schreier".[…..]

Solche Leute sind also rechtsextrem? Das konnte ja keiner ahnen!
Und so orakelt Kramp-Karrenbauers Sachsen-CDU weiter über eine Zusammenarbeit mit der AfD.
So schart sich die gesamte europäische Volkspartei und die deutsche CDU hinter ihrem CSU-Spitzenkandidaten Weber, dessen Partei immer wieder den FPÖ- und AfD-Fan Viktor Orban als Ehrengast bei ihren Parteiveranstaltungen begrüßt und umjubelt.

Sonntag, 19. Mai 2019

GOP next level


Donald Trump zerstört die alte Republikanische Partei.
Er macht sie für alle anständigen Menschen unwählbar und treibt somit urbane, gebildete Menschen, auch wenn sie völlig unpolitisch sind, zu den Demokraten.

Allerdings war #45 keineswegs der Anfang des GOP-Verfalls, sondern sprang auf den fahrenden Zug auf, als dieser sein Tempo in Richtung Abgrund schon auf Maximalgeschwindigkeit gestellt hatte.
Totale Destruktivität entwickelte schon Fraktionschef Newt Gingrich in den 1990 gegen Bill Clinton.
Irrationalität, Lügen und Frömmelei wurden unter George W. Bush zum Markenzeichen der Partei und mit dem Amtsantritt Barack Obamas brach bei den Republikanern blanker Wahnsinn und Rassismus aus.
Der Durchmarsch der Teebeutler Cruz, Palin und Bachmann war das Ende.
Trump versetzte dann lediglich den Todesstoß und jagte die letzten, wenigen verbliebene „sane republicans“ aus der Partei.

Was so dramatisch klingt, weil die GOP als rationale, ernsthafte Partei verschwunden ist und zu einem Sammelbecken irrer Fanatiker verkommen ist, bringt dem GOP-Abgeordneten durchaus noch Vorteile.
Während Trumps Dauer-Show des absoluten Wahnsinns können die etwas Minderwahnsinnigen in seinem Windschatten ihre extremsten politischen Träume verwirklichen.
Mr. Lie-10K im Oval Office absorbiert fast die gesamte Medienaufmerksamkeit, während das Land USA nachhaltig und langfristig verändert wird:
Hunderte Milliarden Dollar werden zu den reichsten 1% der Amis umverteilt, die GOP-Topspender freuen sich über gewaltige Steuerentlastungen und haben freie Hand bei der totalen Ausbeutung des Landes, weil Umweltschutzbestimmungen und Arbeitnehmerrechte systematisch abgeschafft werden.
Der US Supremecourt ist für Jahrzehnte auf ultrakonservativ gestellt und wird in gesellschaftspolitischer Hinsicht das Rad in die 1950er Jahre zurückdrehen. Schluss mit Frauen-, Minderheiten-, POC- und Homorechten. Die Herrschaft der reichen weißen alten Männer wird re-etabliert.


Schon jetzt überbieten sich die Bundesstaaten mit den radikalsten misogynen Schwangerschaftsgesetzen aller Zeiten.
All das ist möglich, weil Trump Mehrheiten generiert und die Pressefreiheit schleift.
Im Jahr 2019 können weiße mächtige Menschen wie Beer Kavanaugh Skandale überleben, die ihnen noch vor zehn Jahren das Genick gebrochen hätten: Offener Rassismus und Vergewaltigung.
Inzwischen sind das offenbar nur noch unschöne Petitessen, die eine politische Karriere nicht behindern müssen.
Lange Zeit waren die USA eine Meritokratie, in der mit sehr guter Ausbildung und Fleiß der sprichwörtliche Tellerwäscher ganz nach oben kommen konnte. Unabhängig von Hautfarbe, Herkunft und sexueller Orientierung.
Bildung und Qualifikation verlieren unter Trump ihren Stellenwert; Hautfarbe, Geld und Herkunft gewinnen an Bedeutung.

Dank des die GOP bevorzugenden US-Wahlrechts und der politischen Unfähigkeit der Demokraten sieht es so aus, als ob die Republikaner ihre Übermacht in den Bundesstaaten, dem Weißen Haus, der Juristerei und dem Senat noch eine Weile genießen können.
Das „bunte Amerika“ setzt hingegen auf seine demographische Power, hofft daß eines Tages so viele junge urbane people of color das Wahlalter erreichen, daß die GOP sie nicht mehr überkompensieren kann.
Als Strategie ist das zu wenig, da auch die Trumpster nicht untätig sind und versuchen durch Grenzschließungen, Panikmache und systematische Angriffe auf das Bildungssystem ihr demographisches Defizit auszugleichen.

Es sieht also nicht schlecht aus für die GOP und der Preis, den sie für Trump zahlen muss, ist nicht hoch: Klappe halten, Rückgrat entfernen lassen und dem König Honig ums Maul schmieren.

Trump ist durch seine Dummheit und Egomanie relativ leicht zu lenken.
Verbrecher wie Sheriff Arpaio, Michael Behenna oder Conrad Black wissen das. Man lobpreist den großen Präsidenten bis der Schleim trieft und bekommt eine Begnadigung.

[….] Der frühere Medienmogul Conrad Black ist von US-Präsident Donald Trump begnadigt worden. Das Weiße Haus teilte mit, der Oberste Gerichtshof habe Blacks Verurteilung wegen Betrugs und Justizbehinderung in fast allen Punkten gekippt.
In der Erklärung wurde der 74-Jährige, der ein Buch mit dem Titel "Donald J. Trump: Ein Präsident wie kein anderer" geschrieben hat, zudem als "Unternehmer und Wissenschaftler" gewürdigt, der einen "enormen Beitrag" in Wirtschaft und Politik geleistet habe.
In einem Beitrag für die von ihm gegründete kanadische Zeitung "National Post" berichtete Black, Trump haben ihm die Entscheidung persönlich am Telefon mitgeteilt. "Ist dort der großartige Lord Black?", lautete demnach Trumps Begrüßung. Der US-Präsident habe außerdem gesagt, dass er Black zwar schon lange kenne, dies sei aber ebenso wenig ein Grund für die Begnadigung wie "irgendeine der unterstützenden Dinge, die Sie über mich gesagt und geschrieben haben". [….]

Steve Mnuchin und William Barr wissen auch wie es geht: Ungeniert setzten sie sich über die Verfassung hinweg und sonnen sich dafür in der Gunst Trumps.

[…..] Kicking it off by noting that the country is “so fucked” that “Venezuela put us on the travel advisory,” the comedian added that “if America was a summer blockbuster, it would be called Democracy: Endgame.”
The revelation from earlier this week that Special Counsel Robert Mueller wrote a letter to the attorney general complaining that Barr had mischaracterized the findings in the Mueller report makes that very clear, he said.
“And Barr responded, ‘Well the report was my baby.’ My baby?! I thought Republicans were against killing babies,” Maher cracked
This Bill Barr is so far up Trump’s ass he bumped into Hannity,” he added, referencing the pro-Trump Fox host who is known as the White House shadow chief of staff. […..]


Arschkriechen war schon immer die Lieblingsbeschäftigung der Rechten, aber kein Präsident war je so ein großes Arschloch und genoss das Hineinkriechen so sehr wie Donald Trump.

Ohne Anstand und Moral und Gewissen ist republikanische „Politmethode Zäpfchen“ ein ganz natürlicher Vorgang.

Die einstmals Trump-kritischen Senatoren Cruz und Graham haben ihr Dasein als mit einer dicken Schicht Anal Lube eingefetteten braunen Torpedos perfektioniert.




[….] Trump repeatedly insulted Cruz’s wife, Heidi Cruz, and at one point Trump suggested that Cruz’s father, a Cuban immigrant, may have been involved in the assassination of President John F. Kennedy.
Cruz, for his part, called Trump a “pathological liar,” a “sniveling coward,” a “serial philanderer” and “utterly amoral.” [….]

[….]Sen. Ted Cruz -- a man who once warned that the country would "plunge into the abyss" under a Donald Trump presidency -- is now offering gushing praise for the President, calling him a much-needed "flash-bang grenade" who has upended the status quo in Washington for the better.
"The fact that his first year as commander in chief disoriented and distressed members of the media and political establishment is not a bug but a feature," the Texas Republican wrote of Trump for Time magazine's list of the 100 most influential people of 2018 that was published Thursday.
The Texas Republican touts Trump's achievements as passing tax reform, bringing jobs back to the US and taking a "strong stand" against North Korea.
[….]


Graham und Cruz mauserten sich zu den eifrigsten Trump-Unterstützern im US-Senat.

Eine schöne Variante der Methode Trump-Zäpfchen lieferte der Bil­ly Nun­ges­ser, Vi­ze­gou­ver­neur von Loui­sia­na, als er Trump stolz seine Trump-Socken vorführte.
Trump war begeistert und wird Nungesser zukünftig unterstützen.






Samstag, 18. Mai 2019

Glück im Unglück

Die Monsteraffäre, die gerade die rechts-rechtsextreme Regierung Österreichs zerrockert hat diesen speziell Trumpischen Twist:
Einerseits sind die handelnden Personen moralisch derartig verkommen und agierten öffentlich schon so abscheulich, daß man ihnen das Schlimmste zutraut.
Kommen dann aber genau die eigentlich erwarteten korrupten und bösartigen Dinge ans Licht, ist man von der Realität trotzdem schockiert, starrt ungläubig auf seine Zeitung.

An dieser Stelle sei ein kleiner Shout-out an die Print-Verachter gestattet.
Das sensationelle Videomaterial über FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache und FPÖ Hardliner Johann Gudenus in Ibiza, das in Rekordzeit die Regierung eines EU-Staates niederriss, gelangte exklusiv an die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG und den SPIEGEL und ist nur ihren Abonnenten vollständig zugänglich.
Drei ganze Seiten erschienen dazu in der SZ-Printausgabe von heute.

Nun sind wir von Österreich einiges gewohnt. Seit 30 Jahren gibt es dort starke rechtsextreme politische Kräfte. Ich bin mit den österreichischen Peinlichkeiten Waldheim und Haider aufgewachsen.
Aber seit der Regierung Kurz-Strache (Antritt Dezember 2017) werden ungeniert demokratische Grundregeln zerstört.

Der radikale Antisemit Johann Baptist Björn Gudenus, 42, Abgeordneter des Nationalrats und Fraktionschef der FPÖ ist einer der gefährlichsten Rechtsextremisten Europas, weil er die antidemokratischen Kräfte vernetzt.
Er tritt bei der ungarischen rechtsextremen Jobbik auf, besucht den Präsidenten der russischen Teilrepublik Tschetschenien Ramsan Kadyrow, setzt sich zusammen mit belgischen Rechtsextremisten für die russische Krim ein, provozierte in Serbien beim verfassungswidrigen bosnisch-serbischen „Nationalfeiertag“, pflegt engste Kontakte zu Moskau und der AfD.
Der Beau ist insofern besonders gefährlich, weil er ähnlich wie einst der gern mit nacktem Oberkörper posierende Schönling Jörg Haider auf unpolitische junge Leute sympathisch wirkt; auch durch seine sexuelle Anziehungskraft Wählerstimmen generiert.
Das darf man nicht unterschätzen. So brachte es Karl-Theodor Baron von und zu Googleberg trotz kontinuierlichen Lügens, extremen politischen Versagens und rechtskonservativer Einstellungen zu 90% Zustimmung in Deutschland.
Die politische Agenda Alexander Gaulands unterscheidet sich nur minimal von Guttenberg, auch er lügt wie gedruckt und generiert Stimmungen, ohne irgendwelche Konzepte zu haben.
Gauland ist aber alt, dick, häßlich und hat vergammelte braune Zahnstümpfe.
Da bekommen weder Frauen ein feuchtes Höschen noch Männer feuchte Träume. Daher wurde Guttenberg von 90% gemocht und Gauland nur von 10%.

Ein attraktiver intelligenter deutscher Rechtsextremer war daher schon seit Haiders Zeiten meine große Angst.
Glücklicherweise gab es zu Haiders Glanzzeiten, als seine FPÖ ein Drittel der Stimmen holte, nur alte, muffige Quasimodos wie Gerhard Frey (*1933 †2013, DVU) und Franz Schönhuber (*1923 †2005, Republikaner) in Deutschland, die kaum jemals die 5%-Hürde übersprangen.
Seither sind sie wenig schöner geworden und genauso dumm geblieben.
Sagenhaft naiv, ungebildet und durch ihre Faulheit auch unvorbereitet gehen die europäischen Rechtsextremen in ihre politischen Funktionen.

Wladimir Putin, den ich nach wie vor nicht für einen überzeugten Rechtsextremen halte, sondern einen vom Westen vor den Kopf Gestoßenen, der allerdings zu Skrupellosigkeit fähig ist, hat mit Typen wie Le Pen, Strache, Gudenus, AfD-Kaspar Markus Frohmaier und eben auch Donald Trump leichtes Spiel. Sie eignen sich nicht so sehr als Putin-Marionetten, weil sie egomane Rechtsextreme sind, sondern weil sie so sagenhaft dämlich sind, daß man sie leicht manipulieren kann.

Das ist einerseits umso erschreckender, wenn diese Typen wie in Washington und Wien in Regierungsverantwortung kommen, wird aber andererseits durch ihre Neigung zur Kriminalität und Skandalen wieder abgemildert.

So dümmlich-naiv wie sich der AfD-Bundestagsabgeordnete Frohmaier von Moskau benutzen lässt, reagierte auch Don Trump Jr. auf mutmaßliche russische Wahlkampfhilfe, schrieb über die Twitter-Plattform (sic!) „I love it“ und ließ das konspirative Treffen im Trump-Tower (sic!) stattfinden.
Genauso tumb ließen sich offenbar auch der Österreichische Vizekanzler austricksen.

Würde sich ein Bösewicht im Film so verhalten, hielte ich den Drehbuchautoren für unfähig, weil er den Figuren so plumpe Fehler zuschreibt. Das empfände ich als ärgerlich unterkomplex und unrealistisch.

Aber die Realität ist tatsächlich so einfach. Die Rechten sind so doof.
Trump schreibt tatsächlich als amerikanischer Präsident für Milliarden Menschen lesbar, daß Windmühlen Ohrenkrebs erzeugen.

[…..]  You want to see a bird cemetery? Go under a windmill sometime.
You will see the saddest, you got every type of bird. You know, in California you go to jail for five years if you kill a bald eagle. You go under a windmill, you see them all over the place. Not a good situation. [….]