Sonntag, 26. Januar 2020

Weinen mit der AfD – Teil II


Ja, die Umfragewerte sind wie die Wahlergebnisse in Ostdeutschland stabil hoch, weil es eben auch einen stabilen Sockel von richtig schlechten Menschen in Deutschland gibt.

(…..) Die AfD-Fans sind sogar so klar antidemokratisch und menschenhassend eingestellt, daß sie sich keineswegs davon irritieren lassen, wenn immer mehr Fälle von kriminellen AfD-Parlamentariern bekannt werden.
Sie lieben alle Formen der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit (GMF) so sehr, daß sie es gern akzeptieren, wenn die AfD mit Spendengeldern mauschelt, die dümmsten Abgeordneten stellt und auch noch fauler als alle anderen Parteien ist. (…..)

Die politische Großwetterlage ist also gut. Die Wähler sind immer gern und freiwillig bereit sich aktiv weiter durch Zeitungsverzicht und Bildungsboykott zu verblöden.

Die AfD-Welt ist aber nicht nur rosig, da ihre Top-Politiker leider auch alle AfD-affin sind und somit einen Intelligenzquotienten in der Nähe der Zimmertemperatur aufweisen und eine geradezu unheimliche Abneigung gegen Legalität verspüren.

Sie scheitern nun schon daran rechtzeitig Veranstaltungsorte für ihre Parteisitzungen zu buchen.

[…..] Rechts-freie Räume. Der für das Wochenende geplante Parteitag der Berliner AfD fällt aus - ein Vermieter zog seine Zusage zurück. Für die Rechtsaußen wird es immer schwieriger, Räume für Veranstaltungen zu finden. […..]

Zuvor musste der Parteitag schon dreimal wegen Raumnot abgesagt werden.
Oberst Georg Pazderski, der Berliner Chef der Braunen wurde gerade aus seinem Amt gemobbt, weil er nicht rechtsradikal genug war.
Ein geordnetes Nachfolgeverfahren schaffen die Berliner aber nicht und installieren daher einen AfD-Notvorstand um den Ultrarechtsaußen Nikolaus Fest, dessen ohnehin schon erzkonservativer Vater Joachim vermutlich im Grab rotiert.

Wie bei allen AfD-Landesverbänden gibt es auch beim Bundesverband massive finanzielle Ungereimtheiten.

Der Hamburger Steuerberater Klaus Fohrmann, 68, AfD-Bundesschatzmeister, vor zwei Monaten mit 85% als Schatzmeister bestätigt, wurde auch dabei ertappt zu mauscheln.

[….] AfD-Schatzmeister Klaus Fohrmann [….]  schmeißt er die Brocken hin. Die offizielle Begründung fällt äußerst knapp und vage aus.
Fohrmann habe am Sonnabend bei einem Parteikonvent erklärt, er wolle aus persönlichen Gründen zurücktreten, sagte AfD-Sprecher Bastian Behrens in Berlin. Das Amt werde nun sein Stellvertreter Carsten Hütter übernehmen. [….]

Wie so viele andere AfDler hat auch er offenbar die Staatsanwaltschaft im Nacken.

[….] Im April 2019 bestätigte die Staatsanwaltschaft Berlin Ermittlungen gegen Fohrmann wegen des Verdachts auf Verstoß gegen das Parteiengesetz. Dabei geht es laut Staatsanwaltschaft um fragwürdige Werbemaßnahmen im Wert "einer Gesamtsumme im unteren sechsstelligen Bereich".
Medienberichten zufolge handele es sich dabei um Wahlkampfhilfen eines Vereins, der mithilfe der Schweizer Werbeagentur Goal jahrelang Werbung für die AfD gemacht haben soll. Unter anderem habe der Verein der Partei im Bundestagswahlkampf 2017 offenbar Tausende Exemplare einer rechten Wochenzeitung als Wahlkampfmaterial zur Verfügung gestellt. [….]

Aber damit passt Fohrmann immerhin gut zu seiner Partei. Denn dort greifen die Spitzenpolitiker alle gern mal in die Kasse. Wenn es rauskommt, wird es teuer.

[….]  So verhängte die Bundestagsverwaltung wegen Gratis-Werbeaktionen des Schweizer Unternehmens Goal AG für den heutigen Bundesvorsitzenden Jörg Meuthen in einem Landtagswahlkampf eine Strafzahlung von rund 270.000 Euro. Es ging dabei um Plakate, Flyer und Anzeigen, was die Bundestagsverwaltung als illegale Parteispende wertete. Eine Klage der AfD gegen diese Entscheidung hat das Verwaltungsgericht Berlin vor kurzem zurückgewiesen. In einem ähnlich gelagerten Fall um den heutigen Europaabgeordneten Guido Reil beträgt die verhängte Strafzahlung rund 133.000 Euro.
Auch Zuwendungen aus der Schweiz in Höhe von rund 132.000 Euro an den AfD-Kreisverband am Bodensee der Fraktionsvorsitzenden Alice Weidel werden untersucht. Sollte die Bundestagsverwaltung auch bei diesen, für Weidels Bundestagswahlkampf vorgesehenen Zahlungen ein illegales Vorgehen sehen und wie üblich eine Strafe in dreifacher Höhe verhängen, würde dies die AfD mit weiteren 396.000 Euro treffen. […..]

Aber bei sechs Millionen Wählern finden sich bestimmt genügend Spender, um den Laden finanziell wieder flott zu bekommen.

Samstag, 25. Januar 2020

Früher war alles einfacher

In vier Wochen wird in Hamburg gewählt. Wie wir gestern gesehen haben, wird das Ergebnis mutmaßlich irgendetwas links der Mitte.
Zumindest, wenn die Grünen nicht so stark werden, um sich den Partner aussuchen zu können, da sie ganz eindeutig die CDU präferieren.

[….] Im ersten Wahlkampfduell mit dem SPD-Amtsinhaber Peter Tschentscher bei der „ZEIT“ zog Fegebank nach Ansicht vieler Zuschauer eher den Kürzeren: Tschentscher machte mehr klare Punkte, bekam mehr Applaus und hatte mehr Lacher. [….] Die Mehrheit aber nahm einen eher dynamischen, sattelfesten Amtsinhaber wahr – und eine nette Herausforderin, die den Attacken wenig entgegen zu setzen hatte. [….]

Natürlich ist es auch ein bißchen gemein vom SPD-Kandidaten mit Sachpolitik und Faktenkenntnis aufzutreten, schließlich weiß doch jeder, daß es sich dabei um die große Schwäche der Grünen handelt. Fegebank setzt auf allgemeine Wohlfühlrhetorik mit wolkigen Sprüchen.


[….] Wahlduell in Hamburg: Wie viel Vision darf's denn sein?
Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) und seine Stellvertreterin Katharina Fegebank (Grüne) trafen erstmals als Spitzenkandidaten aufeinander. Harmonisch war das nicht.
[….] Der Bürgermeister preist sich für seinen Realitätssinn, für seinen Blick auf die gesamte Stadt und sieht in seiner Kontrahentin eine Frau, die mit wolkigen bis blumigen Visionen daherkommt. Die zweite Bürgermeisterin will mit Freude am Ausprobieren und Mut begeistern; sie stört an ihrem derzeitigen Chef vor allem, dass er aus ihrer Sicht zu kühl und rational analysiert. [….] In Bedrängnis gerät Katharina Fegebank einmal – als es um eine konkrete Forderung aus dem Wahlprogramm ihrer Partei geht. Die Grünen wollen das Vermummungsverbot bei Demonstrationen aufheben. Sie selbst gibt gleich im ersten Satz zu, dass dies in der Tat auf den ersten Blick verstörend wirken könne. Tschentscher nickt, das Publikum lacht. [….]

Da die zweite Bürgermeisterin thematisch nicht so mithalten kann, weichen die Grünen immer wieder auf ihr eines Thema aus, von dem insbesondere auch ihr Fraktionschef Tjarks vollkommen besessen ist: Fahrrad fahren!

(….) Die Radelei ist für die Sportskanone Hobby und Sucht gleichzeitig.

[….] Handball, Fußball, Tennis, Marathon – und jetzt auch noch der Wettbewerb für die Harten und Vielseitigen: Triathlon. Seit Monaten trainiert Anjes Tjarks für die Teilnahme an dem Kombinationswettbewerb aus Schwimmen, Radfahren und Laufen Mitte Juli an Alster und Elbe. Der Chef der Grünen-Bürgerschaftsfraktion schwimmt an Wochenenden 50 Bahnen im „Festland“, radelt zu allen Terminen durch die Stadt und läuft jeden Morgen um 6 Uhr, bevor er seine drei Söhne weckt, von der Altonaer Altbauwohnung zur Strandperle am Elbstrand und zurück. Falls das Sporttreiben nicht sogar eine Sucht ist, mehr als ein Hobby ist es auf jeden Fall für den Studienrat. „Sport ist die DNA meines Lebens“, sagt der 37-Jährige. […..]

Er agiert wie evangelische Bischöfinnen in ihren Kolumnen – sie erzählen voller Selbstbewunderung etwas aus ihrem Leben, das sie ganz toll machen und folgern und fordern aus dieser extremen Ego-Perspektive alle anderen mögen es ihnen bitte nachtun.
Tjarks radelt und sportelt, das sollen nun alle anderen Hamburger auch.
Daß es Menschen gibt, die aus beruflichen Gründen ein Auto brauchen, oder die womöglich schon 88 sind und nicht mehr Radfahren können, die auch nicht im öffentlichen Bus fahren können, weil sie dort beim Anfahren hinschlagen würde oder nicht mit ihrem Rollator hineinkommen, oder die wie ich aufgrund eines gebrochenen Beines und jeder Menge Schrauben im Knie und Sprunggelenk nicht Pedale treten können, kommt Tjarks offenbar nicht in den Sinn.
In seiner Welt sind alle Menschen genauso jung, perfekt und sportlich wie er. (…..)

Kein vernünftiger Mensch bestreitet, daß möglichst viele Verkehrsteilnehmer auf das ökologische und emissionsfreie Fahrrad umsteigen sollten, statt auf die ökologisch katastrophalen E-Scooter, die Fegebank so liebt.

[….] "Mit einem Elektro-Scooter zu fahren macht Spaß und schützt das Klima. [….] Von den Erfahrungen, die hier in Sachen Sicherheit und Fahrpraxis gemacht werden, können wir in Hamburg insgesamt profitieren und so einen wichtigen Beitrag zur Mobilitätswende leisten." […..]

Drei Monate später werden die E-Scooter von den Hamburger gehasst wie die Pest. Überall liegen die Dinger im Weg. Da taucht Fegebank natürlich ab.
[…..] Im Auftrag des „Hamburger Abendblatt“ befragte das Forsa-Institut zwischen Mitte Dezember 2019 und Anfang Januar insgesamt 1009 wahlberechtigte Hamburger*innen. Laut der Umfrage hätten sich mit 62 Prozent fast zwei Drittel der Befragten dafür ausgesprochen, die rund 2000 E-Scooter von Hamburgs Straßen zu nehmen. Dagegen haben nur ein Viertel der Hamburger*innen gegen ein Verbot gestimmt und etwa 13 Prozent haben sich enthalten. […..]
Also kehren die Grünen wieder zurück zu ihrem einzigen Thema Fahrrad und legen zur heißen Wahlkampfphase ihre „Grüne Radverkehrsstrategie“ vor.
Eigentlich hatten sie sich auch hinter die Initiative Autos raus aus der Innenstadt gestellt, aber das kam bei den Geschäftsleuten so schlecht an, nachdem Sporty-Tjarks sich dafür begeisterte.

[…..]  Sollen Autos raus aus der Innenstadt?
Die City wäre dann viel attraktiver, sagt Anjes Tjarks von den Grünen. Unsere besten Kunden kommen aber mit dem eigenen Wagen, entgegnet der Schuhunternehmer Ludwig Görtz. [….]

Also fiel Fegebank gleich wieder um und erklärte die eben noch begrüßten Pläne als „irre“.

[….] Anjes Tjarks, Vorsitzender der Grünen Bürgerschaftsfraktion: „Wir treten kräftig in die Pedale und heben den Ausbau der Fahrradstadt Hamburg auf die nächste Stufe. Denn der Radverkehr ist ein zentraler Schlüssel für eine nachhaltige Mobilität und eine lebenswerte Stadt. Mit unserem Radverkehrskonzept stellen wir nun weitere konkrete Maßnahmen vor, um das Radfahren einfach, schnell, sicher und bequem zu machen. Denn dieser Vierklang ist es, der die Menschen auf’s Fahrrad bringt. Um dies zu erreichen, wollen wir ein Rad-Komfortnetz aufbauen, auf dem lästiges Warten an Ampeln möglichst vermieden wird. Ein solches Komfortnetz wollen wir auf allen viel befahrenen Routen testen und bei Erfolg weiter ausbauen. Die Kurzformel für diese Maßnahme lautet: Lange Strecken, wenige Stopps, mehr Freude am Radeln. Konkret stellen wir uns eine solche Strecke zum Beispiel auf der Veloroute 4 vor, so dass man aus Winterhude in einem Rutsch bis in die City radeln kann. Weitere wichtige Bausteine unseres Konzeptes sind u.a. mehr Protected Bike Lanes und das Fahrradparken vor der Haustür. Denn wer aus der Wohnung kommt und weiß, dass sein Fahrrad ebenerdig, sicher und wettergeschützt direkt vor der Tür parkt, wird auch danach greifen. Wir werden alles dafür tun, um das Radfahren in Hamburg noch besser und sicherer zu machen. [….]

Die meisten Medien steigen voll ein und erklären ebenfalls wie wichtig Schnellradwege, Ampelfreiheit, Komfort-Radparkhäuser, „bike protected lanes", Radstationen und Luxusräder sind.

Erstens: Ja, Radfahren ist gut.
Zweitens: Ist es trotzdem möglich einfach nur Fahrrad zu fahren, ohne das zu einem politischen Popanz aufzubauen und ein halbes Dutzend Forderungen zu stellen?
Ich bin heute zwar gezwungenermaßen Autofahrer, aber ich war auch mal jünger und viele Jahre ein passionierter Radfahrer.
Als Kind und Schüler war ich kaum von dem Ding runter zu bekommen und erledigte alle meine Wege mit dem Zweirad.
Allerdings war es damals so, daß man sich zu dem Zweck einfach draufsetze und losfuhr.
Ich war nie in einem Luxusfahrradshop und habe mir für vierstellige Beträge irgendwelche Must-have-Modelle aufschwatzen lassen, ich hatte nie einen Fahrradhelm, nie Radhosen, nie windschnittige Radschuhe, sicher keine Radwesten und auch kein besonderen Schlösser.
Ich habe auch nie eine Radstation, wettergeschützte protected lines, oder ampelfreie Velo-Routen vermisst.

Die heutige Ausstattung der Radler ist einfach nur lächerlich. Außerdem ist es mir rätselhaft wie es sein kann, daß heutzutage 60% der Radfahrer abends ohne Licht fahren, wenn sie schon so ein unglaubliches Bohei um ihre Treiben veranstalten, jedes Radtour zum Event verklären.
Meine Fahrräder hatten nie auch nur annähernd den Luxus, den zumutbare Drahtesel heute bieten müssen.
 Aber als Jugendlicher wußte ich durchaus, daß Fahrräder von Polizisten auf Verkehrssicherheit überprüft wurden. Dazu gehörten funktionierende Bremsen, eine Klingel und natürlich Licht.
Das war alles. Allerdings waren wir damals noch nicht so hoffnungslos verweichlicht, daß wir widerstandsfreie LED-Scheinwerfer mit uns rumschleppten – die offenbar ständig vergessen werden – sondern hatten schlichte festinstallierte Lampen, die über einen kleinen Dynamo am Reifen betrieben wurden. Ja, sicher, dafür mußte man minimal mehr in die Pedale treten, aber lange vor der Notwendigkeit von E-Scootern und Elektro-Bikes waren auch die vielen Komfort-Ansprüche von heute noch nicht erfunden.

Also bitte Tjarks und andere Radler: Fahrt Rad, aber das ist nicht das einzige Thema der Welt. Man muss nicht unbedingt pausenlos darüber sprechen und man braucht auch keine spezielle Rad-Infrastruktur.
Jetzt möchte ich schon aus Prinzip nur noch Auto fahren. Ihr nervt so dermaßen!

Freitag, 24. Januar 2020

Das lachende Auge


In vier Wochen wird in Hamburg gewählt. So langsam sollte die heiße Phase des Wahlkampfes eintreten, aber es plätschert bloß dahin.
Die einzig spannende Frage ist, ob diesmal die Grünen stärkste Partei werden, oder ob es der SPD gelingt vorn zu bleiben. Sie liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit gegenwärtig etwas besseren Aussichten für die Sozis.


Ein Kampf um die Spitzenposition elektrisierte in den letzten Jahren schon oft die Wähler und trug zu dem erstaunlich guten Abschneiden der Linken in Thüringen, der SPD in Brandenburg und der CDU in Sachsen bei. Sie alle kämpften mit der AfD um den Titel „stärkste Partei“.
Dahinter gehen die anderen Parteien verloren.
Wer in Hamburg vorn liegen wird, interessiert mich aus zwei Gründen brennend:
Einerseits ist die Hamburger Landes-SPD der beste und erfolgreichste Zweig der SPD und andererseits sind die Elb-Grünen der vermutlich schlechteste Teil der Gesamtpartei. Sie ticken CDU-schwarz und stolpern von Peinlichkeit zu Peinlichkeit.
Und ja, auch etwas völlig Unpolitisches und Irrationales spielt eine Rolle.
Ich hege eine enorme subjektive persönliche Abneigung gegenüber der Grünen Bürgermeisterin und Spitzenkandidaten Katharina Fegebank. Noch schlimmer finde ich nur die dauerfröhliche Grinsemaschine Anjes Tjarkes, der sich gern halbnackt zeigt und als Sportfanatiker dauern erzählt wie sportlich er ist.

Aber das ist Leiden auf hohem Niveau. Ein Richtungsentscheidung steht gar nicht an.
Hamburg, immerhin das Bundesland mit dem größten Bevölkerungszuwachs und dem höchsten ProKopf-Einkommen, also das wirtschaftliche Aushängeschild mit einer Millionärs- und Milliardärsdichte wie nirgends sonst in Deutschland, ist gegenwärtig auch das Linkeste Bundesland.
Addiert man R2G – und das ist sonst der Strohhalm an den man sich hält, wenn man sich fragt, ob jemals die CDU die Regierungsbank räumen könnte – nähert man sich der 70%-Marke.
In Hamburg sind nicht nur CDU und FDP schwach, sondern auch die AfD ist in diesem Bundesland, in dem über die Hälfte der Bevölkerung migrantische Wurzeln hat, schwach wie nirgends sonst.
Natürlich möchte ich nicht, daß Fegebank eine grün-rote Stadtregierung führt, sondern möchte Peter Tschentscher als Bürgermeister behalten.
Aber wenn die Grünen doch ein paar Stimmen mehr bekommen sollten, bleibt mir als Trost eine 15%-CDU, eine FDP an der 5%-Hürde und eine AfD nur kurz drüber.
Ein Viertel für die Rechtsbürgerlichen CDUFDPAFD und drei Viertel für Rotrotgrün.
Das soll erst mal ein anderes Bundesland nachmachen.
Zum Glück gibt es hier eine vernünftige Scholz-Tschentscher-Leonhard-SPD, die so eine Ausgangslage möglich macht.
Zum Glück sind Hamburgs Sozis so schlau Saskia Esken, Norbert Walter-Borjans und Kevin Kühnert dankend als Wahlkämpfer abgelehnt zu haben.
Die katastrophalen SPD-Ergebnisse aus den Ländern, in denen sie verantwortlich sind, können wir in Hamburg nicht gebrauchen.

Donnerstag, 23. Januar 2020

Damit konnte keiner rechnen!


Bei jeder Wahl in Deutschland sitze ich anschließend vor dem Fernseher und höre in den großen Abendrunden die Parteienvertreter einen Satz in immer neuen Variationen aufsagen:
„Wir sind sehr besorgt über das starke Abschneiden der rechtsextremen AfD, aber natürlich sind nicht deren Wähler rechtsextrem und daher werden wir unsere Anstrengungen vergrößern sie wieder zurück zu holen.“
Oder so ähnlich.
AfD ganz ganz böse, Wähler nett.

Die Differenzierung zwischen rechtsextremer Partei/rechtsextremen Abgeordneten einerseits und ihren lieben demokratischen Wählern andererseits, die nur verwirrt sind oder protestieren wollen, ist natürlich dem Opfer-Narrativ der AfD-Führer geschuldet.
Weidel, Kalbitz, Höcke, Gauland und Co lassen sich nämlich ganz gern beschimpfen. Denn dann können sie mit voller Emphase ihre Empörung darüber vorspielen. „Wir stehen für sechs Millionen Wähler! Die Altparteien sind so undemokratisch, weil sie so viele Bürger totschweigen!“ Etc pp


 CDU, CSU, FDP, SPD, Grüne und Linke kämpfen tatsächlich um die Millionen Wählerstimmen, die zu den Braunen übergelaufen sind. Das zeigt sich schon ganz klar durch das immer wieder geheuchelte Verständnis für die „besorgten Bürger“ und die partielle Übernahme von AfD-Positionen.
Besonders ungeniert kopieren Lindner, Wagenknecht, die CSU und die Sachsen/Sachsen-Anhaltinische CDU die AfD-Programmatik.
Darüber hinaus spielt aber auch übergroße Hoffnung, Naivität und Optimismus in den Parteien jenseits von Rechtsaußen eine große Rolle.
Wenn man den Wählern nur aufzeigt wie eindeutig rassistisch und völkisch AfD-Führer agieren, werden die als gute, grundgesetztreue Demokraten schon einsehen, daß sie nicht noch mal ihr Kreuz bei der AfD machen können.
In dieser Gedankenwelt sind wir alle tolerante Pluralisten, die höchstens mal versehentlich rechtsextrem wählen. Mit ein paar freundlichen Hinweisen sieht man den Irrtum aber ein und wendet sich wieder dem demokratischen Spektrum zu.

Ich wünschte, es wäre so. Leider ist diese Perspektive völlig falsch.
Auch wenn wie in Sachsen-Anhalt und Thüringen der völkisch-rassistische und antidemokratische Kurs der AfD-Führer zweifelsfrei feststeht, bekommen sie sogar noch mehr Stimmen.
Es ist wie bei Trump und den ihn bejubelnden Rednecks bei seinen cult-leader-gatherings: Sie wählen Trump nicht trotz seines Rassismus‘, sondern gerade deswegen.


 Die AfD-Fans sind sogar so klar antidemokratisch und menschenhassend eingestellt, daß sie sich keineswegs davon irritieren lassen, wenn immer mehr Fälle von kriminellen AfD-Parlamentariern bekannt werden.
Sie lieben alle Formen der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit (GMF) so sehr, daß sie es gern akzeptieren, wenn die AfD mit Spendengeldern mauschelt, die dümmsten Abgeordneten stellt und auch noch fauler als alle anderen Parteien ist.

[…..] Anfragen von Abgeordneten, die für die AfD in die Parlamente gewählt worden sind, bieten des öfteren Grund zum Lachen oder Kopfschütteln. Sei es Anfragen zu einem Park, welchen es gar nicht gibt oder zu der Szene der “militanten Veganer” ließen schon des öfteren Zweifel daran aufkommen, ob es sich nicht doch um Satire gehandelt hatte.
Doch die Anfrage der inzwischen fraktionslosen Abgeordneten Sauermann sorgte für besonders viel Erheiterung im Netz. Sie wollte vom Landtag in Sachsen-Anhalt wissen: “Wo befinden sich [Seitan- und Tofu-Anbaugebiete] in Sachsen-Anhalt und wie viel wird pro Jahr produziert? Bitte angeben auch seit Jahren.” […..]

Arbeitsscheu, verblödet, kriminell – lügen wie gedruckt. Dafür steht das AfD-Personal; das ist zweifelsfrei erwiesen.

Völlig falsch ist aber der Schluss, den viele wohlmeinende Journalisten und Parteienvertreter daraus ziehen: Wenn der Wähler das erst mal erkannt hat, wählt er die AfD nicht mehr.
Im Gegenteil, durch dieses primitive Verhalten können sie sich sogar noch besser mit ihrer Lieblingspartei identifizieren.


Eine große Forsa-Umfrage aus dem November 2019 zeigt deutlich die rassistisch-völkische Einstellung der AfD-Wählerschaft.

[…..] Nur eine Minderheit von 21 Prozent der Wahlberechtigten, die keine Präferenzen für die AfD hegen, meint, dass rechtsradikale Gruppen in dem einen oder anderen Punkt mit ihrer Meinung durchaus recht hätten. Unter AfD-Anhängern ist die übergroße Mehrheit (75 Prozent) davon überzeugt. Das entspricht dem Anteil der Anhänger der NPD, DVU oder Republikaner, die auch vor fast 20 Jahren dieser Ansicht waren.
Nur eine Minderheit der AfD-Anhänger glaubt heute wie auch schon die Anhänger früherer rechtsradikaler Parteien, dass rechtsextreme Gewalttaten in Deutschland in den letzten Jahren zugenommen hätten. Von den Wahlberechtigten ohne AfD-Präferenz aber glaubt das (wie auch schon 2000) die große Mehrheit (77 Prozent).
Dass rechtsextreme Tendenzen in Deutschland eine ernsthafte Gefahr für das demokratische System sind, glauben 63 Prozent der Wahlberechtigten ohne AfD-Präferenz, aber nur 20 Prozent der AfD-Anhänger.
Der Anteil der Wahlberechtigten ohne Präferenz für die AfD (bzw. früher für eine der anderen rechtsradikalen Gruppen), die die Zahl der Ausländer in Deutschland für zu hoch halten, ist seit 2000 trotz des großen Flüchtlingszustroms 2015 nur von 22 auf 25 Prozent angestiegen. Von den Anhängern der AfD aber glauben das heute mit 87 Prozent noch deutlich mehr als von den Anhängern der damaligen rechtsradikalen Parteien im Jahr 2000. [….]

Das sind keine schlecht informierten Wähler, die lediglich protestieren wollen, sondern richtige Nazis.
Es ist hohe Zeit endlich die Samthandschuhe auszuziehen. Nicht nur die AfD-Funktionäre und AfD-Parlamentarier sind erschreckende Rechtsextreme, sondern diese kriminell-gewalttätigen Hass-Überzeugungen werden auch von ihren Wählern geteilt.

[…..] Mit dem demokratischen System in Deutschland so wie es im Grundgesetz verankert ist, sind 30 Prozent der Wahlberechtigten ohne AfD-Präferenz nicht zufrieden. Dabei zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschen: Von den Ostdeutschen sind 38, von den Westdeutschen nur 25 Prozent nicht zufrieden. Von den AfD-Anhängern aber lehnen drei Viertel (75 Prozent) sowohl in Ost- wie in Westdeutschland das demokratische System an sich ab. [….]

Da gibt es keine berechtigten Sorgen, die es ernst zu nehmen gelte.
Das sind keine normalen Deutschen, die hoffentlich bald wieder eine andere Partei wählen und außer am Wahltag nicht beachtet werden müssen.

Nein, Deutschland hat ein massives Problem mit Rechtsextremismus.
Millionen Menschen haben den demokratischen Konsens verlassen und befinden sich auf brutal-extremistischen Abwegen.


 Wenn Weidel, Curio, von Storch und Gauland im Bundestag hetzen, sind sie eben nicht nur eine besonders peinliche Komikertruppe, sondern sie stehen tatsächlich für über sechs Millionen Wähler. Sechs Millionen Arschlöcher, die Gewalt befürworten und sich daran aufgeilen Schwächere zu quälen. Wer so redet wie AfD-Politiker und wer diese Leute wählt, hegt zumindest Sympathie für Mord und Hassverbrechen.

[….] Der Hauptverdächtige im Mordfall des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke hatte offenbar engere Verbindungen zur AfD als bisher bekannt. Nach Informationen des NDR soll der Rechtsextremist Stephan E. die AfD im hessischen Landtagswahlkampf 2018 unterstützt haben.
So soll E. unter anderem Wahlplakate aufgehängt und mehrere Treffen der Partei in Nordhessen besucht haben. Das gaben AfD-Mitglieder gegenüber der Polizei an, wie NDR-Recherchen ergaben. Bisher waren lediglich eine Spende an die Partei sowie die Teilnahme an einer AfD-Demonstration in Chemnitz 2018 bekannt. [….]

Keine Überraschung nirgends.
So ticken AFD-Anhänger.