Montag, 18. Dezember 2017

Warum man Weihnachten nicht in die Kirche gehen sollte.



Der Skydaddy macht mich fertig

Gerade lese mich erneut in den großen Kindersexskandal der australischen RKK ein, da falle ich über ein Facebook-Posting von ihm, in dem er einen WELT-Artikel verweist.

Warum wir Weihnachten in die Kirche gehen sollten

Da sage noch mal einer, es gäbe keine Pressevielfalt.
Soeben hatte Morgenpost-Autorin Myriam Khan als strenggläubige Katholikin dazu aufgerufen Weihnachten nicht in die Kirche zu gehen (wenn man nicht streng gläubig ist).

Claudia Becker, 51, promovierte Historikerin, drei Kinder, SPRINGER-Autorin, kannte ich bisher noch gar nicht.
Erstaunlich wie viele religliöse Claudias es unter Berliner Journalisten gibt.
Man denkt gleich an Claudia Keller, 49, vom Tagesspiegel, die von allen frommen Schreiberlingen vermutlich die Ungebildetste ist und in fast jedem neuen Artikel mit entwaffnender Naivität und krassen Bildungslücken beeindruckt.

Und wieso sollen wir nun in die Kirche gehen?

[….] Laut Umfrage wird auch die Mehrheit der Kirchenmitglieder zu Weihnachten nicht das Sofa gegen die harte Holzbank tauschen. [….] Weihnachten zeigt uns wie kein anderes Fest, „welch Geistes Kind“ wir sind. Wir feiern nicht nur die Geburt Jesu, sondern auch die Geburt einer Religion, die so modern ist wie keine andere. Nächstenliebe, Gleichberechtigung, das Verständnis von einem Miteinander, das Menschen die Möglichkeit gibt, immer wieder neu anzufangen – christliche Werte sind der Motor unserer westlichen Gesellschaft. [….]  Wie ansprechend christliche Werte sind, zeigt auch ein anderes Ergebnis der Umfrage, wonach es für neun Prozent der Muslime selbstverständlich ist, in den Weihnachtsgottesdienst zu gehen.
[….] Es gibt Momente, in denen man sich erst mal um seinen eigenen inneren Frieden kümmern muss. Der Weihnachtsgottesdienst bietet dafür eine großartige Gelegenheit. Kerzenlicht, Tannenduft, Worte, die von Dingen handeln, die man nicht auf Meetings hört oder in der Börsenberichterstattung.[….]

Puh, jetzt geht es mir wie nach einer Trump-Rede.
Mein Vokabular bietet einfach nicht genug Convicia, um eine adäquate Koprolalie zu generieren.
Ich denke an Michael Schmidt-Salomons These von der Inselverarmung. Das scheint mir bei Becker, die immerhin Akademikerin ist, offensichtlich zu sein. Da müssen bestimmte Teile ihres Hirns abgeschaltet sein, sonst könnte sie solche Artikel nicht schreiben.
Alle Werte der Aufklärung wurden gegen den erbitterten Widerstand der Kirchen von Ungläubigen durchgefochten.
Frau Becker, christliche Werte sind nicht der Motor unserer westlichen Gesellschaft, sondern bremsen uns bis heute aus.

(….) Es geht nicht amoralischer als kirchlich.
Nahezu sämtliche moralischen und gesellschaftlichen Fortschritte des Humanismus mußten gegen den erbitterten Widerstand der Kirchen erkämpft werden. Kirchen, die mit weltlicher Macht ausgestattet, Genozide, Massenmorde, Auto-Dafés, Missionierung, Hexenverbrennung, Kreuzzüge, Sklaverei, Inquisition und Pogrome veranstalteten.

Gestern mußte ich mal wieder an den stets gut gelaunten Seth McFarlane denken, der immer mal wieder bei Bill Maher zu Gast ist und dort einst einen schlauen Satz über den kirchlichen Widerstand gegen die Homoehe tat.

Seine These lautete, daß die Kirchen mit ihrem Widerstand gegen Aufklärung ihre Zeit verschwenden.
Menschenrechte, Meinungsfreiheit, Religionsfreiheit, Pressefreiheit, Rechtsstaat, Frauenemanzipation, Folterverbot, Abschaffung der Sklaverei, Abschaffung der Todesstrafe, Freiheit der Kunst, Abschaffung der Prügelstrafe, Tierrechte, Ächtung von Antisemitismus, Schwulenrechte, Abschaffung des Verbots gemischtrassiger Ehen, Abschaffung des Verbots gemischtkonfessioneller Ehen, Verbot von Vergewaltigungen in der Ehe, etc pp - all das mußte gegen den erbitterten Widerstand der Kirchen erkämpft werden.

Die Kirchen waren dagegen und verschwendeten damit sinnlos über Dekaden ihre Kraft.
Glücklicherweise hat sich der kirchliche Widerstand üblicherweise als Mißerfolg erwiesen, weswegen Seth Macfarlane es als Zeitverschwendung betrachtet auf Seiten der Kirche zu stehen:

It is a huge waste of time; if you look back in history every civil rights-movement; the blacks or woman, they always lose. Anyone who tries to fight the advance on any particular minority-group is going to lose - whether it is now, whether it is 20 years from now.
They are wasting their time.

Kirche ist ekelhaft. Wieso wird das nicht erkannt?

Ist es nicht offensichtlich, daß 99% der Nazis Christen waren? Daß in den Kirchen für Hitler gebetet wurde, daß Kirchen Waffen segnen, daß Militärbischöfe noch heute Soldaten auf den Krieg einstimmen, daß Luther der Stammvater aller protestantischen Antisemiten ist, daß sich gerade die "C"-Parteien immer mit ausländerfeindlichen Parolen ins Gespräch bringen, daß christlich erzogene Jugendliche mehr Vorurteile haben und weniger teilen, daß Christen weit überdurchschnittlich Prügelstrafe, Folter und Militäreinsätze befürworten, daß alle gesellschaftlichen Liberalisierungen wie Frauenwahlrecht oder das Verbot von Vergewaltigung in der Ehe gegen den erbitterten Widerstand der Kirchen erkämpft werden mußten, daß Kirchen die eifrigsten Unterstützer von faschistischen Mörderregimen in Südamerika waren, daß die katholische Kirche bis 1975 fest an der Seite der Franco-Diktatur stand, daß es die Kirchen sind, die massiv in Osteuropa und Russland gegen Schwule und Lesben hetzen, daß in christlichen Kinderheimen Hundertausende Kinder verprügelt, ausgebeutet und missbraucht wurden, daß deutsche Bistümer noch heute an den Börsen Geld mit Waffenproduzenten verdienen, daß Kardinal Woelki und Bischof Bohl als erstes von Ausweisungen sprachen, daß die evangelische Kirche in Sachsen Pegida in Schutz nimmt, daß Petrys Ex-Ehemann Pfarrer ist. Daß Beatrix von Storch bibeltreue Christin ist. Daß Christen vier Kontinente kolonialisiert und ausgebeutet haben, daß Christen den Tod von 100 Millionen indigenen Menschen in Nord- und Südamerika anzettelten, daß die Päpste das bis heute als „glückliche Schuld“ schönreden, daß Kirchen die Welt mit Konfessionskriegen, Inquisition und Kreuzzügen überzogen haben, daß Religionen die Hautursache für Gewalt in der Geschichte der Menschheit sind.
Daß die katholische Kirche nach 1945 die KZ-Schlächter vor der alliierten Justiz in Sicherheit brachte, daß sich die Kirchen in Argentinien bemüßigt fühlte Adolf Eichmann zu beschützen, daß Papst Pius XII pauschal alle Angehörigen der Armee, die Auschwitz BEFREITE exkommunizierte, aber hingegen für Hitler nach seinem Tod noch ein Requiem veranstaltete, ihn bis heute nicht exkommunizierte.
Daß der Vatikan bis heute die UN-Menschenrechtskonvention nicht akzeptiert, daß Kirchen in Afrika für die Todesstrafe auf Homosexualität kämpfen, daß Kirchen den sexuellen Missbrauch von Kindern in der ganzen Welt vertuschten.

Nein, auch im Jahr 2017 sind „die Kirchen“ gut und Atheisten werden laufend als moralisch zweifelhaft dargestellt. (….)

Becker erwähnt ausdrücklich „Gleichberechtigung“ als christlichen Wert. Uff.

Die Ansichten der bedeutendsten christlichen Kirchenlehrer sprechen eindeutig nicht dafür, daß Weibsbilder Führungsrollen übernehmen sollten.

"...der Gang, wie sich die göttliche Lehre verbreitet: Von Gott zu Christus, von Christus in den Mann und von diesem in das Weib hinab. Umgekehrt verbreitet sich die teuflische Lehre: Sie kommt zuerst in das Weib, denn dies besitzt weniger Unterscheidungsvermögen."
(Alexander von Hales, 1185-1245, Lehrer des Thomas von Aquin)

"Das Weib ist ein minderwertiges Wesen, das von Gott nicht nach seinem Ebenbilde geschaffen wurde. Es entspricht der natürlichen Ordnung, daß die Frauen den Männern dienen."

(Kirchenvater Augustinus, hl., 354-430)

"...wer mag alle leichtfertigen und abergläubischen Dinge erzählen, welche die Weiber treiben...es ist ihnen von der Mutter Eva angeboren, daß sie sich äffen und trügen lassen."
(Martin Luther)

"Der wesentliche Wert der Frau liegt in ihrer Gebärfähigkeit und in ihrem hauswirtschaftlichen Nutzen. Die Frau ist ein Mißgriff der Natur... mit ihrem Feuchtigkeits-Überschuß und ihrer Untertemperatur körperlich und geistig minderwertiger...eine Art verstümmelter, verfehlter, mißlungener Mann...die volle Verwirklichung der menschlichen Art ist nur der Mann."
(Thomas von Aquin, hl., Kirchenlehrer, 1225-1274)


Jesus preist die Sklaverei, fordert von den Sklaven sich unterzuordnen und die RKK lässt bis heute Frauen wegen ihrer Minderwertigkeit nicht das geringste geistliche Amt übernehmen.

Wie man daraus ableitet, Gleichberechtigung sei ein christlicher Wert, bleibt Beckers Geheimnis.

Daß die katholische Kirche immer noch so radikal jede Frau aus ihren Reihen ausschließt, ihre weltweit 400.000 Priester streng von Frauen isoliert ausbildete und den Zölibat verlangt, hat Folgen.

Allein in Australien, also unter lediglich 5,7 Millionen Katholiken wurden 60.000 Kinder sexuell misshandelt.

[….] In Australien wurden über Jahrzehnte hinweg mehrere zehntausend Kinder in kirchlichen und staatlichen Einrichtungen sexuell missbraucht.
Das geht aus dem am Freitag vorgestellten Abschlussbericht einer offiziellen Ermittlungskommission hervor. Die genaue Zahl von Opfern ist nicht bekannt. Etwa ein Drittel der Täter sollen Geistliche gewesen sein. Geschätzt wird, dass etwa 60.000 Menschen Anspruch auf Entschädigung geltend machen können. [….]

Selbst der fromme Katholik Matthias Drobinski von der Süddeutschen Zeitung macht sich nichts vor.

[…..] Viele Fälle haben sehr wohl mit kirchlichen Schweigestrukturen zu tun und mit den Abgründen, in die der Zölibat führen kann.
Das gilt überall in der Welt. Auch hierzulande hat eine Studie gezeigt, wie sehr Einsamkeit, Alkoholismus, verdrängte Sexualität Missbrauch begünstigen. Nur dass in Deutschland die katholische Kirche die Aufklärung in der Hand hat, der Aufarbeitungsbericht auf sich warten lässt und die Devise gilt: Nein, mit dem Zölibat hat das nichts zu tun.
Die katholische Kirche sollte also dringend über die Lebensform ihrer Priester nachdenken, wie der Bericht empfiehlt. [….]

Drobinski spricht es nicht explizit an, denkt aber offenbar in die Richtung:
Der Skandal in Deutschland besteht darin, daß sich die Bundesregierung und das Parlament so fest im Griff von christlichen Lobbyisten befindet, daß sie sich trotz des myriadenfachen Kindesmissbrauchs durch katholische Geistliche nie einschalteten, nie eigene Untersuchungen anstellten – so wie das in anderen Ländern, Holland, Belgien, Irland, Australien, ganz selbstverständlich geschah.
Die frommen Christen der CDU, CSU, FDP, aber eben auch der fanatischen Katholiken bei den Sozis (Nahles, Thierse) konnten kein Mitleid für die Opfer der Kirche aufbringen, ließen die Täter selbst ihre Missetaten „aufarbeiten“, nahmen achselzuckend hin, daß beim „runden Tisch“ Opfergruppen noch nicht mal gehört werden durften.

Möglich macht es das erbärmliche Christenkartell aus Kirche, Politik und Journalisten wie Keller und Becker.

[….] Eine Untersuchungs­kommission dokumentiert den tausendfachen sexuellen Missbrauch von Kindern.
[….] Es war "ein Höllenloch", so erinnert sich Max an das katholische Waisenhaus, in dem er in den Fünfzigerjahren aufwuchs. Ein- oder zweimal in der Woche kamen Bruder Goode, Bruder Kelly oder Bruder Sawney an sein Bett und missbrauchten den Jungen. Als er zehn war, erzählte er einem Arzt, was die Geistlichen vom Orden der Barmherzigen Brüder mit ihm machten. Zur Strafe brachen sie ihm den Arm. Max ist einer von Tausenden in Australien. Fast viertausend Geschichten von Menschen, die als Kinder sexuell missbraucht wurden in Heimen, in Schulen, in Sportvereinen, in Gefängnissen und besonders oft in religiösen Einrichtungen, hat eine unabhängige Untersuchungskommission der australischen Regierung veröffentlicht. Und gehört hat sie noch weit mehr. Fast 9000 Opfer von Kindesmissbrauch haben in den vergangenen fünf Jahren vor der Kommission ausgesagt. Deren Abschlussbericht, am Freitag dem Parlament in Canberra vorgelegt, "offenbart eine nationale Tragödie", würdigte Premierminister Malcolm Turnbull die Arbeit der Kommissare.
Allein der Abschlussbericht der weltweit wohl bisher gründlichsten Untersuchung zum Umgang von Behörden und Institutionen mit Kindesmissbrauch umfasst 17 Bände mit mehr als 7000 Seiten. 409 Empfehlungen haben die sechs Kommissare abgegeben - und davon treffen einige gerade die katholische Kirche in ihrem Kern. [….]
So konnte der Priester Gerald Ridsdale aus der Stadt Ballarat über Jahrzehnte Jungen und Mädchen vergewaltigen. Seit 1975 wusste der örtliche Bischof von den Verbrechen, doch der Priester wurde nur immer wieder versetzt. Erst als sich 1993 ein Opfer bei der Polizei meldete, wurde der Serienvergewaltiger im Priesterrock verhaftet. Er bekannte sich schuldig, über die Jahre 79 Kinder vergewaltigt zu haben. [….]

Nein, Claudia Becker, in diese Kirche gehe ich nicht.
Auch nicht Weihnachten.

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