Donnerstag, 28. Juni 2018

Kein Held, nirgends.


Schon unangenehm, daß ausgerechnet der Papst mit seiner Kritik an Trump zur liberalen Ikone wird.
Alle mögen ihn, schreiben Jubelbücher oder verewigen ihn in PR-Filmchen.
Wim Wenders benimmt sich Bergoglio gegenüber wie eine Hundertschaft elfjähriger Mädchen mit feuchten Hosen beim Tokio-Hotel-Konzert.

Schlimm ist das. Der Mann spricht Frauen und Schwulen ihre Rechte ab und fördert bis heute das Kinderficken, indem er sich weigert die päderastenfreundlichen Strukturen zu ändern.
Wir müssen Bergoglio endlich als das behandeln was er ist: Ein raffgieriger Konservativer, der Menschen schadet.

[…..]  Er gilt als weltoffener älterer Herr. Tatsächlich vertritt der Papst in Sachen Sexualität und Frauenrechte Positionen, die eine Zumutung sind für alle, die in der Gegenwart leben.
[…..]  Meine Lieblingsthemen beim Papst sind soziale Ungleichheit und Sex. Ich bewundere es, wenn der alte Mann in goldverzierten Palästen unterwegs ist und über die Armut in der Welt plaudert. So inspirierend, wie er, seit Ewigkeiten per Definition Single, um Beziehungs- und Erziehungstipps nicht verlegen ist, oder um ein zackiges Statement zum Thema Abtreibung. Die höchste irdisch erreichbare Mansplainingstufe, Halleluja!
Homosexuelle können keine Familie sein, das hat Papst Franziskus jetzt also gesagt, […..]   Natürlich dürfen anständige Gläubige auch homosexuell sein, aber dann sollen sie halt im Staub kriechen und den Rest ihres Lebens die Hände über der Bettdecke lassen. So viel Gnade ist dann doch nicht. Happy Pride Month 2018!
[…..]  Abtreibung ist ohnehin schwere Sünde für Katholikinnen, aber zusätzlich hat sich der Papst jetzt dazu geäußert, dass nicht jede Frau es sich zutraut, einen schwerkranken Fötus weiter auszutragen. Die Ärztinnen und Ärzte, zu denen sie dann geht, stehen für den Papst auf einer Stufe mit den Nationalsozialisten, die zwischen 1933 und 45 etwa 200.000 - wohlgemerkt bereits geborene - kranke oder behinderte Menschen ermordeten: "Im vergangenen Jahrhundert war die ganze Welt schockiert davon, was die Nazis getan haben, um die Reinheit der Rasse sicherzustellen. Heute tun wir dasselbe, nur mit weißen Handschuhen." Nachdem Franziskus Priestern schon mal erlaubt hatte, die Sünde der Abtreibungen immerhin zu vergeben, nun also das. Ein Schritt vor, zehn zurück.    So redet einer, der zugleich Chef der Institution ist, die massenhaftes Leid an Kindern und Jugendlichen ermöglicht hat und sich weiterhin mit der vollständigen Aufklärung dieser Fälle schwertut. In Einrichtungen der katholischen Kirche wurden bis heute so viele Fälle sexualisierter Gewalt an Kindern und Jugendlichen aufgedeckt, dass man mit ziemlicher Gewissheit vom größten Missbrauchsskandal der vergangenen Jahrzehnte - mindestens - sprechen kann. Jeder andere Vorsitzende wäre schon tausendmal zurückgetreten, nicht so der Papst. [….]

Nur weil der alte Argentinier nicht ganz so tuntig wie sein Vorgänger wirkt und etwas weniger offensive Rechtsradikale und Holocaustleugner hofiert, ist der Mann noch kein Liberaler.

Vom massenhaften sexuellen Missbrauch durch perverse sadistische Pfaffen weiß ich schon mein ganzes Leben. Wer es wissen wollte, konnte es auch in den Medien finden.
Seit fast zwei Dekaden wird aber offen darüber gesprochen. Noch während des Woytila-Pontifikats begannen US-Diözesen Multimillionen Dollar Schmerzensgeld an sexuell missbrauchte Kinder zu zahlen.
Ulrike Meinhof machte den massenhaften Missbrauch sexueller, psychologischer und körperlicher Art schon Ende der 1960er Jahre publik, als sich brutal prügelnde Nonnen und Mönche an über 100.000 Kindern in christlichen Heimen vergriffen.
Die Augsburgerin Anna (Jahrgang 1911), berichtete in einer 45-Minütigen BR-Reportage über ihr bisher 107 Jahre andauerndes Leben; ein sehr schweres Leben mit vielen Schicksalsschlägen, die Anna wie viele Hochbetagte erstaunlich gelassen hinnahm. Nur ihre Zeit in einem katholischen Kinderheim verursacht ihr auch 100 Jahre später noch eine Gänsehaut, weil die Nonnen und Pfaffen sie so grausam verprügelten. Das Vergehen der 7-Jährigen: Uneheliche Geburt.

100 Jahre später will die Franziskus-Kirche lieber immer noch nicht so genau zuhören, was sie Generationen von Kindern antat.
Welch Wunder, sitzt doch der Papst-Bruder Georg Ratzinger, der in seinen Dekaden als Domkapellmeister derart auf Grundschüler eindrosch, daß ihm sein Gebiss aus dem Maul flog, immer noch als hochgeehrter Gast im Vatikan.

Auch der hochgeehrte Co-Papst spricht sich offensiv dafür aus kleine Kinder zu schlagen.
Man stelle sich vor, irgendein anderer Chef einer gemeinnützigen Organisation, die steuerprivilegiert Kinderheime, Schulen und KITAs betreibt, spräche sich für das Schlagen von Kleinkindern aus. Dann wäre aber was los. Bei Bergoglio macht es aber nichts. Niemand stört sich dran; sind halt nur Kinder, und so pilgern sie alle – Merkel, Nahles, Schavan, Söder, Seehofer - zu Privataudienzen zu ihm.

[….]  Nach der Anhörung der Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs fällt die Bilanz nüchtern aus.
[…..]  Als Claudia elf war, fing es an. Fünf Jahre lang lud der Gemeindepfarrer das Mädchen zu sich ins Pfarrhaus ein, fünf Jahre lang wurde sie von ihm sexuell missbraucht. […..]  Acht Jahre nach dem Bekanntwerden des Missbrauchsskandals in der katholischen und evangelischen Kirche fällt die Bilanz nüchtern aus: „Die beiden Kirchen haben häufig nur so viel getan, wie sie – vor allem auf Druck von Betroffenen und der Öffentlichkeit hin – tun mussten“, sagte die Vorsitzende der Kommission, Sabine Andresen. […..] 
Die Kommission wurde im Januar 2016 vom unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs berufen. Zwischen Herbst 2016 und April 2018 hat sie 650 vertrauliche Anhörungen durchgeführt und 254 schriftliche Berichte entgegen genommen. […..]  Bis heute bestehen in den Kirchen nach Einschätzung der Kommission Machtstrukturen, die Betroffenen die Aufarbeitung erschwert oder verhindert. „Die Kirchen haben einen ausgeprägten institutionellen Narzissmus, die glänzende Fassade soll bewahrt werden“, so Keupp. Hinzu käme ein „komplizitäres Schweigen“, mit dem die Dinge gemeinsam unter dem Teppich gehalten würden. „Besonders traurig ist die Tatsache, dass identifizierte Täter einfach weiterversetzt und damit Serientäter gefördert wurden“, fügte er hinzu. […..]

Man rollt einem Kinderfickerförderer nicht den Roten Teppich aus.
Nicht dem Mann, der nach über fünf Jahren im Amt immer noch taub ist für das Leiden der Opfer kirchlicher Gewalt.

Noch im Frühling hatte Bergoglio bei seiner Südamerika-Visite Chilenische Missbrauchsopfer verhöhnt. Das gab keine gute PR und so wird es nun schon wieder als päpstliche Großtat aufgebauscht, daß er den Rücktritt zweier  in den Kindersexskandal verstrickter Bischöfe annahm.

[…..] Wie der Vatikanische Pressesaal mitteilte, hat der Papst den Rücktritt des Bischofs von Rancagua, Alejandro Goić Karmelić, sowie des Bischofs von Talca, Horacio del Carmen Valenzuela Abarca, angenommen. [….]

Tja, blöd, da ist was an die Öffentlichkeit geraten, was schlecht aussah.
Daß man auch prophylaktisch gegen das Kinderficken vorgehen könnte, hält der Papst aber nicht für notwendig.
Lieber werden bis heute Typen wie die Ratzingers im Vatikan geschützt.
Franz verdient keine Ehrenbekundungen.

 [….]  Zwei Monate vor dem Papst-Besuch in Irland machen tausende Internetnutzer mobil, um aus Protest gegen die Missbrauchsskandale in der katholischen Kirche eine Messe von Papst Franziskus zu boykottieren.
Die im sozialen Netzwerk Facebook organisierte Bewegung plant, die Plätze bei einer Messe, die der Papst Ende August in Dublin feiern wird, zu reservieren und dann nicht hinzugehen. Die 500.000 Plätze für die Messe mit Papst Franziskus sind seit Montag zu vergeben. Der Facebook-Nutzer Jonathan Keane etwa reservierte nach eigenen Worten 863 Plätze, weil ihn „die Skandale rund um die Kirche anekeln“. Er bezeichnete sein Vorgehen als „einfachen und friedlichen Akt des Protestes und des Widerstandes“.
Karten für Mülltonne reserviert
Die Facebook-Gruppe „Say Nope to the Pope“ zählt bisher rund 5.000 Mitglieder. „Ich habe meine zwölf Tickets für die Mülltonne reserviert“, schrieb ein Nutzer. Viele posten Artikel über Fälle von Pädophilie und Missbrauch in irischen Klöstern, die in den vergangenen Jahren bekannt wurden. […..]

Mittwoch, 27. Juni 2018

Wenn selbst Gebete und Globuli nicht helfen.

Als ich vor zehn, fünfzehn Jahren das erste Mal schwarzrotgoldene Fähnchen an den Autos sah, weil irgendwelche 22 Multimillionäre einer in Leder gehüllten Kugel voll Luft nachrennen, wunderte ich mich noch woher das Zeug kommt.
Bestellen die das alle im Internet?


Inzwischen sind sämtliche Geschäfte auf den Zug aufgesprungen. Kein Kiosk oder Supermarkt, bei dem man nicht erst durch Berge von billigem Tand in Deutschland-Farben kämpfen muss, um zur Kasse zu gelangen.
Quengel-Ware für Erwachsene.

Zehntausende Tonnen Plastikmüll zusätzlich, um den Nationalismus zu fördern.

Fußball ist ohnehin grauenvoll ordinär und proletig, aber dieses unvermeidliche exzessive Frönen deutschnationaler Symbolik macht ihn erst richtig abstoßend.

Ein monotones Farbenmeer.

Angespanntes, vielstimmiges Gemurmel, das zu lauten Schreien aufbrandet
und nun für Wochen nicht mehr verebbt.

Es klingt barbarisch und dumm in seiner brüllenden Kehligkeit.
Nach einer Hexenverbrennung oder einem Gladiatorenkampf
in der Arena mit extra Becksbier und stinkendem Nylon unter den Achseln.

Die „Worte" Toaa ah ah ah oarrrrr sind erkennbar -
nur leider singt nicht Katy Perry, sondern Jan-Patrick und Uwe-Bent (vermutlich).

Sie tragen den gleichen Merch wie die Pegida und AfD - Dumpfbacken
und labern vom Zusammenkommen der Nationen,
während Seehofer (Mordskerl!) Geflüchtete an der Grenze abweisen möchte.
(Ist doch gar kein Platz mehr bei uns hier.)

Sorry not sorry. Aber: WM ist Haram!
Weil der Fake von der nationenübergreifenden
Freude am Sport nach Eiter schmeckt,
und an Ekeligkeit nicht zu übertreffen ist,
während AfD (-Wähler), CSU, Trump und Konsorten
de Facto wieder die Herrenrasse propagieren.

Niemand kann mit gutem Gewissen Schwarz Rot Scheiße tragen.
Niemand kann mit gutem Gewissen (für) Deutschland sein.
Lasst eure Nationalistischen Klamotten zu hause.
Kommt lieber nackt (weil am Speckbauch sind wir alle gleich)

(Tino Hahnekamp, Übel und Gefährlich Newsletter, 21.06.2018)

Medien wie CNN brandmarken xenophobe, rassistische oder Flüchtlings-feindliche Aktionen Trumps, seiner Regierung und seiner Anhänger stets als „unamerican“ und verkünden empört „we are better than that!“
Schön wäre es. Leider ist das was Liberale als unamerikanisch brandmarken aber für große Teile Amerikas absolut typisch.
63 Millionen Menschen haben Trump gewählt und noch viel mehr sind zutiefst von Amerikas Großartigkeit, seiner Überlegenheit überzeugt. Gods own country. God bless America. Land of the Free. Leader of the free world. Greatest nation on Earth. So reden leider nicht nur Teebeutler und GOPer.

Mit dem deutschen Fußball ist es ganz ähnlich.
So sicher wie das Amen in der Kirche, kommt es bei jedem internationalen und Bundesligaspiel zu gewalttätigen Ausschreitungen und nationalistischen Beleidigungen. Gewaltige Polizeiaufgebote müssen jedes einzelne Spiel begleiten, weil die „Fans“ eben sehr gern auf andere einschlagen.
Auch bei dieser Russischen WM zog sich das von unten bis ganz oben.
Selbst auf dem Spielfeld benahmen sich die Spielerbetreuer und Trainer abstoßend und herablassend gegenüber anderen.
Und genau wie CNN White Supremacists als „unamerican“ beschimpft, melden sich auch die deutschen Fußballjournalisten nach den obligatorischen Widerlichkeiten, um zu erklären, das habe nichts mit Fußball zu tun.

[…..] Die dunkle Seite der WM - das hat mit Fußball nichts zu tun 
 In den vergangenen Tagen hat sich die dunkle Seite der WM gezeigt: Provokationen, Scharmützel, Beleidigungen, Hetzkampagnen, Hass bis hin zu Morddrohungen.
[…..] Die übelste Entgleisung von Teilnehmerseite hat sich Serbiens Nationaltrainer Mladen Krstajic (44) nach dem 1:2 gegen die Schweiz geleistet.
Auf die Frage, ob der langjährige Bundesliga-Profi Schiedsrichter Felix Brych die Gelbe oder Rote Karte für dessen Leistung zeigen würde, sagte Krstajic: „Ich würde ihm weder Gelb noch Rot geben, sondern nach Den Haag schicken, damit sie ihm den Prozess machen, wie sie ihn uns gemacht haben.“
Beschämend. Den Haag ist der Sitz des UN-Kriegsverbrechertribunals für das ehemalige Jugoslawien. Im Balkankrieg wurde tausendfacher Völkermord begangen.
Hatte nicht Waldemar Hartmann gerade erst bei seinem inkompetent-peinlichen Auftritt bei „Lanz“ gedröhnt: „Fußball ist Krieg“? Unerträglich ist übrigens auch das platte Geätze und Gepöbel deutscher Ex-Nationalspieler rund um diese WM. So schlimm war das noch nie. Viele Sätze grenzten an Hetze. Aber wir, die Medien, sind mitschuldig, bieten die Plattform für ihre Plattheiten. […..] Noch viel übler sind Hetze und Hass im Netz. Jüngstes Opfer: Schwedens Jimmy Durmaz, der den Freistoß vor dem deutschen Siegtreffer verursacht hatte. Der Mittelfeldmann mit türkischen Wurzeln sieht sich mit Beschimpfungen, rassistischen Beleidigungen und sogar Morddrohungen konfrontiert, was seine Mitspieler schockt.
Kolumbiens Carlos Sanchez wird im Netz ebenfalls mit dem Tod bedroht, nachdem er gegen Japan die Rote Karte gesehen hatte. Die Polizei ermittelt. In Sanchez’ Heimat werden Erinnerungen an Andres Escobar wach, der zehn Tage nach seinem Eigentor bei der WM 1994 in seiner Heimat erschossen worden war. […..]

Irrtum, Mopo-Reporter Nils Weber, das hat sehr wohl was mit Fußball zu tun und ist geradezu typisch für Massenevent-taugliche Mannschaftssportarten.

Das ist auch alles andere als neu. 1998 hatten im französischen Lens die vier deutschen Fußballfans Andre Zawacki, Frank Renger, Tobias Reifschläger und Christopher Rauch den französischen Gendarmen Daniel Nivel am Rande der Fußball-Weltmeisterschaft um ein Haar umgebracht, nachdem sie in einen regelrechten Blutrausch gerieten, während sie seinen leblosen Körper zusammentraten.
Das ist eben Fußball!
Solche extrem gewalttätigen Fanausschreitungen gibt es bei Individualsportarten nicht, weil der nationalistische Aspekt wegfällt.
Fans von Eiskunstläufern, Golfspielern, Turmspringern, Marathonläufern, Triathleten oder Springreitern müssen nie von Hundertschaften schwer gepanzerter Polizisten in Schach gehalten werden.

Unnötig zu erwähnen, daß Deutschlands Vollzeit- und Möchtegern-Nazis, die ohnehin immer schwarzrotgold tragen, begeistert auf den Zug aufspringen.
Immer wieder hetzten Gauland, Storch, Berger und Co gegen deutsche Nationalspieler, deren Hautfarbe zu dunkel ist und deren Namen nicht arisch genug klingen.

Der ehemalige Deutschlehrer Dr. Berger ist in seinem rechtsextremen Pipi-Blog schwach in Rechtschreibung und weiß nicht wie man „widerspiegeln“ schreibt.
Aber dafür ist er ein großer Fußballexperte und hat erkannt, dass Deutschland verloren hat, weil Türken mitspielen und natürlich sind generell die linksgrünversifften Merkel und Löw Schuld.



Auch das ist Fußball.
Solchen Hass bringt deutscher Fußball hervor und daher bin ich heute sehr dankbar, daß der Spuk für diese WM vorbei ist.

Und dabei hatte der oberste Christenführer der Evangelen in Deutschland doch noch extra dazu ermutigt für die deutsche Mannschaft zu beten.

[….] EKD-Ratsvorsitzender ermutigt zum Gebet für die deutsche Mannschaft [….]

Gebete sind schließlich die radikalste Form der Einmischung. Wenn selbst Globuli und Gebete nicht halfen, muss Gott wohl tatsächlich ein US-Amerikaner sein.

Dienstag, 26. Juni 2018

Milde Xenophobie


Die CSU verfügt über einen ihr sehr gewogenen Hausdemoskopen; Herrn Jung von GMS.
Das Institut fertigt kontinuierlich Umfragen für die CSU-Staatskanzlei; finanziert vom Steuerzahler.
Umfragen lehnt man zwar empört als unseriös ab, wenn einem die Ergebnisse nicht passen, aber in Wahrheit sind fast alle Politiker von Umfragen besessen. Insbesondere CDU und CSU richten sich manisch nach Umfragen aus und auch die AfD verfügt mit INSA aus Bernd Höckes Heimat über ein Hausinstitut.

Tatsächlich messen wohl alle Demoskopen weit verbreitete xenophobe Tendenzen unter den Deutschen. Ihnen sind es generell zu viele Ausländer im Land. Obwohl kaum einer über das Aufenthaltsrecht, das Staatsbürgerschaftsrecht und die wahren Zahlen von „Ausländerkriminalität“, oder die Anzahl der Muslime in Deutschland informiert ist, hält sich hartnäckig das Vorurteil, es wären zu viele, die es viel zu leicht hätten und überdies auch noch bevorzugt würden.
Nichts davon stimmt, aber CSU, Lindner, Wagenknecht, AfD und deutsche Talkshows haben effektiv Agitprop betrieben.
Nun will der deutsche Michl die Fremden loswerden.
Alle Maßnahmen, die Ausländern Knüppel zwischen die Beine werfen, sind bei weit über der Hälfte der Bürger beliebt.

Da Xenophobie und „Mir san mir“ schon immer die Kernkompetenz der CSU sind, stellt sie sich jetzt an die Spitze der Bewegung und führt einen ausländerfeindlichen Wahlkampf an, der das Zeug hat die Bundesregierung zu sprengen.
Wäre doch gelacht, wenn Söder, Dobrindt und der arme alte Trottel im Innenministerium, der den beiden Jung-Rechts-Agitatoren hinterherrennen laufen muss, nicht mit ordentlich Dresche auf „die Musel und Neger“ einen schönen fetten Wahlsieg im Oktober in Bayern einfahren könnten.
Und schreien die Menschen nicht ohnehin auf der Straße alle „Merkel muss weg“?

Ein naheliegendes Konzept für die CSU, denn mit Nachplappern der AfD-Hetze hatten die Bayern bereits bei der letzten Bundestagswahl die heftigsten Unions-Verluste und größten AfD-Gewinne aller westlichen Bundesländer eingefahren.
Die Leute wählen das Original. Und weil die CSU damit so spektakuläre gegen die Wand prallte, versucht sie es nun noch mal.

Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten.
(Albert Einstein)

Es kommt nun, wie erwartet.
Die CSU reißt die gesamte Union mit nach unten und verhilft der AfD zu neuen Rekordumfrageergebnissen.
Besonders extrem schmiert die CSU zu Hause ab. Ausgerechnet die zutiefst verhasste Kanzlerin ist in Bayern populärer als Söder.

[….] Forsa-Umfrage: Merkel erhält in Bayern mehr Zuspruch als die CSU
[….] Mit ihrem Kurs unter anderem in der Flüchtlingspolitik kann die CSU einer Umfrage zufolge bei der Mehrheit der Bayern nicht punkten. [….] Der von Seehofer geforderte nationale Alleingang in der Flüchtlingspolitik wird überwiegend abgelehnt - in Bayern ebenso wie im Rest der Republik. 
In der Forsa-Umfrage sprechen sich bundesweit 71 Prozent der Bürger für die von Merkel angestrebte europäische Lösung in der Asylpolitik aus. Auch zwei Drittel der Bayern (68 Prozent) wollen ein gemeinsames europäisches Vorgehen. Der Anteil der Befürworter einer europäischen Flüchtlingspolitik sei im Laufe des Junis sogar um vier Prozentpunkte gewachsen, erklärten die Demoskopen. Seehofer wird demnach vor allem von den Anhängern der AfD unterstützt: 83 Prozent von ihnen sind für den nationalen Alleingang, aber nur 44 Prozent der CSU-Anhänger.
[….] Von der Verteidigung der absoluten Mehrheit bei der Landtagswahl im Oktober ist Söder immer noch weit entfernt. Laut Forsa kommt die CSU in Bayern aktuell auf 40 Prozent. [….]  Bei einer Bundestagswahl könnte die CSU in Bayern zurzeit nur noch mit 36 Prozent rechnen, 2,8 Prozentpunkte weniger als bei der Wahl im September 2017. [….]


Der arme Söder: Hundert Tage Dauerhetze, Krawall gemacht, der das Zeug hat die EU zu sprengen und massiven Unmut der Unternehmerverbände auslöst und nun lehnen die Bayern ihn mehrheitlich ab????

[……] Horst Seehofer schneidet im Urteil der Bayern genauso schlecht ab wie sein ungeliebter Nachfolger Söder. Nur 37 Prozent der Bürger im Freistaat bewerten seine Arbeit positiv, 61 Prozent aber negativ. Auch der Innenminister findet mehrheitlich Zustimmung nur bei den Anhängern von CSU (55 Prozent) und AfD (61 Prozent). Besonders kritisch sehen ihn die Anhänger der Grünen (94 Prozent).
Seehofer betrachtet die „Lösung der Flüchtlingsfrage“ als seine Hauptaufgabe in der Bundesregierung – 75 Prozent der Bayern sind allerdings der Auffassung, dass es Probleme gibt, „die genauso wichtig oder sogar noch wichtiger sind“. Das glauben sogar auch zwei Drittel der CSU-Anhänger (66 Prozent). [….]

Die Zahlen sind von Forsa und das Institut war in der Vergangenheit immer treffsicherer, als es seine Kritiker wahrhaben wollen.

Die CSU, die weniger aufgrund ihrer Überzeugung, als durch Auswertung der Umfragen agiert, fraß aufgrund der Forsa-Zahlen sofort Kreide und milderte heute den Ton gegenüber der Kanzlerin deutlich ab.

Aber wie konnte sich die CSU so irren? Hatte sie nicht einfach das gefordert, was eine große Mehrheit will? Wieso wird sie demoskopisch nicht belohnt?
Das sind die Fragen, die sich Markus Söder heute auch stellt, während er in sein Kopfkissen weint.

Ich sehe einige mögliche Erklärungen:

Allzu durchsichtig ist das CSU-Verhalten. Jeder weiß, daß es sich nur um Wahlkampfspektakel handelt.

Aus den letzten Jahren wissen wir, daß die CSU viel fordert, gern das Maul aufreißt, aber in Regierungsverantwortung nichts davon umsetzen kann, weil ihre Minister zu unfähig sind. Anti-Ausländermaut, Herdprämie, Obergrenze…

Die handelnden Personen (Dobrindt, Söder und Seehofer) sind charismafrei, unsympathisch und unglaubwürdig.

Nicht jeder, der ein mulmiges Gefühl bei Muslimen und dunkelhäutigen Ausländern bekommt, ist zwangsweise ein AfD-affiner Rassist. Offenkundig gibt es auch Abstufungen von Xenophobie zwischen den Extremen Gauland und mir.
Es gibt Leute, die meiner Auffassung von der völligen Grenzöffnung nicht folgen können und unbedingt weniger Migranten in Deutschland haben wollen, die aber dennoch Mitleid mit Flüchtlingen haben und noch lange nicht Seehofer folgen.
Diesen milden Xenophoben versucht auch Sahra Wagenknecht nachzulaufen, wenn sie immer mal wieder AfD-Rhetorik verwendet, oder neuerdings auch noch gegen Schwule agitiert. Das ist zwar widerlich und macht die LINKE für mich unwählbar, aber Wagenknecht ist nur skrupellos und unsensibel. Sie ist nicht selbst eine derartige Ausländerhasserin wie Pegidioten, Storch oder Höcke.
Diese moderaten Ausländer-Ablehner möchten gern, daß im Krankenhaus alle deutsch sprechen, daß die hier lebenden Migranten schön still und möglichst angepasst leben und nicht etwa als Kurden für ihre Rechte demonstrieren. Sie wollen aber nicht jeden einzelnen rauswerfen und gruseln sich bei herzzerreißenden Szenen, wenn Familien bei nächtlichen Abschiebungen auseinandergerissen werden.
Kurzum, sie sind eben nicht so mies wie Söder.