Vor zwei Wochen hatte der CDU-Bundesvorsitzende die Spitzen seiner Partei zum sachsen-anhaltinischen Wahlabend ins Berliner Konrad-Adenauer-Haus geladen.
Neben CSU-Söder stellen die Schwarzen gegenwärtig sieben Herren (keine Frauen!); Wegner, Rhein, Wüst, Schnieder, Kretschmer, Schulze, Günther und Voigt.
Nur einer von Acht, ausgerechnet der politisch am meisten von Merz entfernteste grünschwarze Kieler, kam zur Unterstützung nach Berlin. Eine Demütigung für Merz, der so ins Straucheln geriet, daß er sich nur mit Mühe zwei Wochen Gnadenfirst bis heute erkämpfen konnte. Es war eine Unverschämtheit der CDU-Landesväter, den Weg nach Berlin zur Unterstützung ihres Chefs nicht anzutreten und zu Hause zu bleiben. So dachte ich bis vorgestern, als ich im SPIEGEL las, daß es sogar noch viel schlimmer war. Die meisten schwarzen MPs waren in der Hauptstadt, scheuten also nicht die Mühe, ihre Heimatbundesländer zu verlassen, aber sie ließen den Fritzekanzler demonstrativ allein in der CDU-Zentrale, um nicht zusammen mit ihm gesehen zu werden. Obwohl sie vor Ort waren.
Man ahnt, wie der Sauerländer Simpel tobte und so überließ er für das zu erwartenden Desaster von heute nichts dem Zufall. Zunächst wurden die sieben Provinz-Epigonen verdonnert, einen Solidaritätsbrief zu verfassen, dessen Notwendigkeit selbst, allerdings die Schwäche des Chefs bewies. Zudem hatte Boris Rhein jede Erwähnung des Namens „Merz“ aus dem Schreiben entfernt, um die Solidaritätsadresse noch unsolidarischer erscheinen zu lassen.
[….] Der Soli-Brief für Merz ging völlig nach hinten los
Die CDU-Ministerpräsidenten glaubten, mit ihrer Erklärung könnten sie Zweifel an ihrer Loyalität zum Kanzler ausräumen. Tatsächlich aber offenbart das Schreiben, wie tief der Riss zwischen ihnen und Merz wirklich ist. [….]
Zudem wurden die MPs diesmal ultimativ zur CDU-Sitzung um 17.00 Uhr; eine Stunde vor Schließung der Wahllokale; in KAH zitiert. Angesichts der traurigen demoskopischen Lage und den enormen globalen Schwierigkeiten, hatte aber keiner der Sieben Zwerge den Mut, vorzutreten, um Merz herauszufordern.
Bereits kurz nach 18.00 Uhr trat der Briloner Brausekopf allein im Helmut-Kohl-Saal vor die Presse und erklärte den verdutzten Hauptstadtjournalisten, in dieser enorm verzwickten Lage müssten seine sogenannten „Reformen“ mit eisernem Griff umgesetzt werden und dafür erfordere es „Rückgrat, Standhaftigkeit und Geduld“, also gleich drei sehr positive Eigenschaften, über die nur einer verfüge: Er selbst, der große Merz!
[…] Das Vertrauen in Institutionen sinke und werde gezielt untergraben – auf das alles könne man nur auf eine Art reagieren: „Die Reformen müssen kommen!“ Man brauche Rückgrat, Standhaftigkeit und Geduld. Und genau das wolle er nun aufbringen, um zu beweisen, dass Deutschland ein Land eben doch ein Land des Aufbruchs sein könne.
Kein Rücktritt also. Auch nicht vom Parteivorsitz.
Merz bleibt – das klingt sogar für manchen in der CDU wie eine Drohung
Dass der Kanzler nach den harten Pleiten wild entschlossen zu sein scheint, die Leute doch noch irgendwie emotional zu erreichen, ist spürbar. Dass die Zeit dafür davonläuft, ebenso. Und es wird nicht einfacher. Beim Koalitionspartner SPD werden weiter die Stimmen derer lauter werden, die an den Reformen nagen wollen. Schließlich ist Manuela Schwesig in ihrem Wahlkampf damit gut gefahren. […]
Fritze findet sich selbst weiterhin einfach fabelhaft, er ist nach der einzigen relevanten Einschätzung, nämlich seiner eigenen, der richtige Mann als Kanzler und CDU-Chef. Die "Reformen" findet er goldrichtig und will sie genauso umsetzen.
[…..] Wie Merz es schafft, so selbstgefällig wie abgedroschen, in einem Satz die gesichert rechtsextremistische AfD als lediglich radikal zu verharmlosen, um die Linke sodann mit der Höcke Truppe gleichzusetzen, das ist so erbärmlich, falsch & gefährlich. Ich will so einen Typ nicht als Kanzler. [….]
(Michael Lühmann, @herrluehmann.bsky.social, 20.09.2026)
Weiterhin scheint der bornierte Briloner der Realität vollständig entkoppelt. Aber offenbar haben alle CDU-MPs die Hosen gestrichen voll und trauen sich nicht, Fritze zu stürzen. Dafür bringe ich ein gewisses Verständnis auf.
Wir haben es mehrheitlich mit einem tumben deutschen
Urnenpöbel zu tun, der sich nach einfachen Lösungen sehnt, von Zumutungen
verschont bleiben will und generell denkfaul ist. Ein Robert Habeck wird nicht
gewollt, eine rotgrüne Mehrheit scheint im Bund meilenweit außer Reichweite.
Leider sehe ich keinen realistischen Weg, wie es mit einem anderen C-Kanzler
besser werden soll. Was würden Bundeskanzler Rhein oder Bundeskanzler Söder
oder Bundeskanzler Wüst ändern? Die grundlegend falsche Fossillobby-Politik,
die Umverteilung von unten nach oben, die einwanderungspolitische Xenophobie,
die Kulturkampfattitüde teilen alle CDUCSUler. Bei Neuwahlen käme es NOCH
schlimmer. Die Lage ist aufgrund der Verblödung des Souveräns hoffnungslos.
Die Konservativen verstehen nach weit über einer Dekade des stetigen Anschwellens der braunen Pest immer noch nicht, die simplen Zusammenhänge.
[…] Gern noch mal in einfachen Worten für Union und FDP: Wenn man fünf Jahre lang so tut, als habe die AfD im Grunde Recht (“Migration=größtes Problem”, “Grüne=sozialistische Deutschlandhasser”), dann hilft man damit der AfD und schadet sich selbst. Es ist wirklich nicht schwer. [….]
(Christian Stöcker, @christianstoecker.de, 20.09.2026)
Aus Merzscher Sicht, war es richtig, schon um 18.00 Uhr vor die Presse zu treten, um seinen Kritikern zuvor zu kommen, denn in folgenden fünf Stunden verschlimmerten sich die Zahlen für seine CDU sogar noch.
In Mecklenburg-Vorpommern fliegt die CDU tatsächlich aus dem Parlament; Putinellas BSW überspringt nicht die 5%-Hürde.
Damit ist zwar keine Fortführung der alten RotRoten Regierungskoalition möglich, aber RRG hätte drei Sitze mehr als die absolute Mehrheit. Das ist für ein ostdeutsches Bundesland mit AfD-Rekordzuwachs ein bemerkenswertes Ergebnis.
Auch in Berlin kam es für Merz schlimmer als das erwartete Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Linken und Schwarzen. Tatsächlich hängte Elif Eralp den CDU-Finanzsenator mit sieben Prozentpunkten Differenz ab.
Graf, Krach und Evers sind erschreckend öde und zudem extrem ähnliche Kartoffel-Typen. Angegraute Mainstreamer mit Sparkassen-Appeal, deren Gesichter man gleich wieder vergisst. Den Grünen Graf googelte ich in den letzten Wochen immer wieder, weil der dermaßen langweilig und nichtssagend ist, daß ich sofort wieder vergaß, was der für einen Hintergrund hat.
Für die konservative Hauptstadt-CDU ein passender Kandidat. Aber Grüne und SPD haben bei ihrer Personalauswahl schwer danebengegriffen. Dagegen ist Elif Eralp natürlich ein extrem erfrischender guter Pick der Linken.
In Berlin bedauere ich fast das Scheitern des BSWs, weil mit dessen Einzug eine Kenia-Koalition rechnerisch unmöglich geworden wäre und nur noch RRG in Frage käme. Das BSW hätte einen Linke Bürgermeisterin erzwungen; genau das, was AfD-Fan-Girl Putinella Wagenknecht auf jeden Fall verhindern wollte.
Franziska Brantner rückt in der ARD schon von RGR für Berlin ab. Mit den Linken "Antisemiten in Neukölln" wollten die Grünen nicht zusammen regieren. Umgekehrt scheint die Linke Berliner Parteibasis insbesondere nach diesem starken Wahlergebnis keinerlei Kompromisse eingehen zu wollen.
'Vergesellschaftung', die für Linke essentiell ist, lehnen die Grünen und SPD ab. Beide blinken also Evers an! Allerdings verfehlte Krach sein Direktmandat und Bürgermeisterin Franziska Giffey, die für die CDU-Koalition stand, flog ganz aus dem Abgeordnetenhaus.
Man könnte das als klares RRG-Signal interpretieren. Zumal Eralp die ganz große Gewinnerin bei den Jungen ist.
Der jungen Generation den Stinkefinger zu zeigen, indem man den rechten Stefan Evers zum Regierenden Bürgermeister wählt, dürfte SPD und Grünen zukünftig schwer schaden.








