Samstag, 11. Juni 2022

Bätzings Pechsträhne

In Rom ist er nicht vernetzt, man hört nicht auf den Chef der deutschen Bischofskonferenz.  Die außerordentlich starken deutschen Netzwerke, die es im Vatikan gibt – Ratzinger, Müller, TVE, Gänswein, Woelki, Marx – nehmen ihn nicht ernst, weil er ihnen als zu liberal gilt.

Hunderttausende Katholiken treten jedes Jahr aus der RKK Deutschland aus, weil Bätzings Personal für die entweder keine Bedeutung hat, oder regelrecht abstoßend wirkt.

Diejenigen, die unbedingt katholisch bleiben möchten und sich 24/7 für die Kirche einsetzen – katholische Landjugend, Maria 2.0, Synodaler Weg, Kirche von unten – vergrault Bätzing ebenfalls, weil er zu konservativ ist, um auf ihre Forderungen einzugehen.

Inzwischen sind die indifferenten Katholiken, die ohnehin eine schwache Bindung an die Kirche hatten, gegangen.

Nun treten die tief Gläubigen selbst aus, die mit ihrem Schritt ausdrücklich Bätzings Verein schaden wollen, ihm die finanziellen Mittel entziehen möchten.

(….) Inzwischen haben meine atheistischen Agenten Woelki, Müller, Marx, Ratzinger und Co aber etwas Wundervolles geschafft: Sie verhalten sich so abstoßend und perfide, daß nicht nur Ungläubige oder finanziell Klamme austreten, sondern nun auch noch fromme Gläubige, die ausdrücklich den Protz-Bischöfen finanziell schaden möchten. In den USA würden solche Menschen weiterhin Katholiken bleiben, aber nach dem Gottesdienst weniger oder nichts in den Klingelbeutel schmeißen. Da es diese Möglichkeit in Deutschland durch das Reichskonkordat vom 20. Juli 1933 mit Adolf Hitler, an dem die katholische Kirche bis heute eisern festhält, nicht gibt, sind nicht nur die kirchenfernen Mitglieder, die Indifferenten und Zweifelnden ausgetreten, sondern nun folgt der harte Kern der Gläubigen.

[….] Viele Menschen, die aus der katholischen Kirche austreten, wollen der Institution schaden: Das ist das Zwischenergebnis einer Umfrage. Dass mittlerweile auch gläubige Personen austräten, sei etwas wirklich Neues, sagt Religionssoziologe Gert Pickel. [….] Nach einer Umfrage wollen die meisten, die aus der katholischen Kirche austreten, die Institution nicht mehr finanziell unterstützen oder sogar bestrafen. Dieses Motiv gäben neun von zehn Befragten an, wie eine Erhebung des SWR ergab, über die das Magazin "Report Mainz" am Dienstagabend berichtet. Der Austritt erfolge in über 82,6 Prozent der Fälle nicht aus finanzieller Not, hieß es weiter. Für rund 90 Prozent der Befragten seien die Missbrauchsfälle und der Umgang damit der Auslöser für ihren Kirchenaustritt. 55,2 Prozent gaben demnach an, sie könnten auch ohne Kirche religiös sein. Der Pressesprecher der Deutschen Bischofskonferenz, Matthias Kopp, zeigte sich bei "Report Mainz" besorgt: "Das beunruhigt die Bischöfe“. [….]

(katholisch.de, 07.06.2022)

Ein großartiger Erfolg der Kirchenoberen! Sie entwickeln eine derartige Abstoßungskraft auf die Kirchenunteren, daß selbst die Frommsten keinen müden Euro mehr geben wollen. (….)

(Kirchenobere und Kirchenuntere, 08.06.2022)

Beim Personal seiner eigenen Diözese beweist Pech-Bätzing ebenfalls Kontinuität. Kontinuität beim Griff ins Klo. Das Mitgefühl und die Nachsicht, die er gegenüber der Opfern sexuellen Missbrauchs nicht empfinden kann, lässt er wenigstens den Tätern zukommen. Wer jemanden vergewaltigt, bekommt von Bätzing klare Konsequenzen zu spüren: Eine Beförderung!

(….) Hahaha, Bätzing, der so froh darüber ist, in seinen Reihen mal einen Priester zu haben, der keine kleinen Jungs vergewaltigt, sondern „nur“ Frauen sexuell misshandelt, daß er den Vergewaltiger sogleich zum Bezirksdekan befördert.

[…] Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz und Limburger Bischof Georg Bätzing hat in seinem Bistum trotz Belästigungsvorwürfen einen Priester in eine Führungsposition befördert. […] Bätzing habe den von ihm selbst wegen der Belästigung von zwei Frauen ermahnten Mann demnach zum Bezirksdekan berufen. Das Bistum bestätigte sowohl die Vorwürfe gegen den Mann als auch dessen Beförderung.  Dem Bericht zufolge soll der Priester im Jahr 2000 eine evangelische Pfarrerin in Ausbildung verbal und körperlich sexuell belästigt haben. Dies habe die Frau dem Medium geschildert, das Bistum halte die Vorwürfe für glaubwürdig. Eine katholische Gemeindereferentin in Ausbildung soll derselbe Pfarrer zwischen 2006 und 2007 belästigt haben. Auch sie habe ihren Fall der »Zeit« geschildert. […] Bätzing habe beide Frauen angehört und dem Pfarrer »einen förmlichen Tadel« ausgesprochen. […]  Der Geistliche sei dennoch zu einem von elf Bezirksdekanen ernannt worden. Damit ist der Pfarrer regionaler Vertreter des Bischofs.  [….]

(SPON, 24.05.2022)

Ja, so geht vorbildliche Aufklärungen bei sexuell übergriffigen Priestern im Jahr 12 nach Canisius. Grandios, die Katholiken haben es geschafft, daß jeder Mensch auf der Welt spontan „Kinderficken“ mit der Kirche konnotiert. Das ist schon so selbstverständlich, daß einer, der seine Soutane für Frauen lüpft, schon als derartig vorbildlich gilt, um auf der Stelle eine Leitungsposition zu bekommen.   (….)

(Bätzings Bad im Fettnapf, 24.05.2022)

Winfried Roth, Dekan des katholischen Bezirks Westerwald, sollte eigentlich weiter Karriere machen. Jetzt aber; verdammte Presse; muss Bätzing sich einen neuen Stellvertreter suchen, denn blöderweise kam doch alles raus, das er mühsam verschwiegen hatte.

[…] Nach dem Bekanntwerden von Belästigungsvorwürfen ist ein Bezirksdekan im Bistum Limburg von seinem Amt zurückgetreten. Bischof Georg Bätzing habe den von dem Geistlichen selbst angebotenen Rücktritt mit sofortiger Wirkung angenommen, teilte die Diözese mit. Hintergrund sind demnach Vorwürfe der sexuellen Belästigung aus den Jahren 2000 und 2007. Durch die ZEIT-Beilage Christ & Welt war vergangene Woche bekannt geworden, dass Bätzing den Pfarrer 2020 trotz der Vorwürfe zum Bezirksdekan berufen hatte. Der Priester soll eine evangelische Pfarrerin in Ausbildung sexuell belästigt haben, später auch eine angehende Gemeindereferentin.  […]

(ZEIT, 02.06.2022)

Nach dieser endlosen Serie negativer Presse, gab es gleich den nächsten prominenten Missbrauchstäter unter Limburgs Top-Geistlichen

Der Leiter des Limburger Priesterseminars, Mitglied des Limburger Domkapitels und Bischofsvikar für Kirchenentwicklung, Regens Christof May, war mutmaßlich einer der engsten Mitarbeiter Bätzings.

[….] Der aus der Westerwald-Gemeinde Waldbrunn (Limburg-Weilburg) stammende Priester hatte Philosophie und Theologie an der Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt und an der päpstlichen Universität Gregoriana in Rom studiert. Dort promovierte er 2004. Danach wurde er Kaplan in Königstein und Kronberg. Bevor er 2018 Regens wurde und damit die Priesterausbildung im Bistum verantwortete, war May Bezirksdekan in den Regionen Wetzlar und Lahn-Dill-Eder.  Dort war er beliebt und bekannt für seine klare Worte in Gottesdiensten. Überregionale Aufmerksamkeit erzielte er durch eine Predigt am 4. Oktober 2020, die im Internet viral ging. Darin forderte er vehement eine Öffnung der katholischen Kirche, insbesondere mit Blick auf wiederverheiratete Geschiedene und homosexuelle Paare […]

(Hessenschau, 11.06.2022)

Auch Regens May wurde „übergriffiges Verhalten“ vorgeworfen, so daß er vor zwei Tagen von seinem Bischof einbestellt wurde, um die Anschuldigungen zu erörtern.

[….] In den Wochen zuvor waren den zuständigen „Ansprechpersonen für Hinweise auf tatsächliche Anhaltspunkte für den Verdacht eines sexuellen Missbrauchs“ im Bistum Limburg Beschuldigungen gegen May bekannt geworden. Diese wurden leitlinienkonform im Gespräch mit den mutmaßlich betroffenen Personen protokolliert und nach einer ersten Bewertung auf ihre Plausibilität dem Bischof zugänglich gemacht. Bätzing, der auch Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz ist, suchte daraufhin selbst das Gespräch mit dem Geistlichen. Als Mitglied des siebenköpfigen Domkapitels, Verantwortlicher für die Priesterausbildung und auch als sogenannter Bischofsvikar für die Kirchenentwicklung im Bistum Limburg war May ihm in mehrerer Hinsicht direkt zugeordnet. [….]

(FAZ, 10.06.2022)

Nachdem aber das Desaster mit Dekan Winfried Roth erst eine Woche her ist, entschied sich Bätzing dazu, im Fall May ausnahmsweise nach den Richtlinien vorzugehen und stellte seinen Star-Priester erst einmal kalt.

[…] May war der Mitteilung zufolge am Mittwoch in einem persönlichen Gespräch zu Vorwürfen übergriffigen Verhaltens angehört und von Bischof Bätzing von allen Ämtern freigestellt worden, um die Vorwürfe prüfen und aufklären zu können. Bätzing handelte damit gemäß den Leitlinien der Deutschen Bischofskonferenz. [….]

(Anette Zoch, 10.06.2022)

Nach dem Gespräch mit seinem geliebten Bischof, schrieb May einen  Abschiedsbrief, setzte sich in sein Auto, fuhr in ein nahe gelegenes Wäldchen und brachte sich um. Eine Todsünde.

[….] Als sich der Bischof am Mittwoch zu dem Schritt entschloss, hatte er keine andere Wahl. Erst vor zwei Wochen war er scharf kritisiert worden, weil er einen Pfarrer zum Bezirksdekan beförderte - im Wissen, dass der von zwei Frauen der sexuellen Belästigung beschuldigt worden war. Auch ein Bischof, der zugleich Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz ist, darf Fehler machen, selbst beim Thema Missbrauch. Nur sollte er besser nicht denselben Fehler zweimal begehen; schon gar nicht kurz hintereinander. Hätte Bätzing also am Mittwoch erneut Nachsicht zeigen sollen? Die Leitlinien der Bischofskonferenz gaben ihm keinen Spielraum dafür. Nachsicht wäre ihm kaum nachgesehen worden. [….]

(SZ, 10.06.2022)

Wie man es macht, macht man es verkehrt, wird sich Bätzing denken.

An seinen Qualitäten als Oberhirte und Seelsorger sollte der gute Mann vielleicht noch ein bißchen feilen, wenn sich Mitarbeiter nach einem Gespräch mit ihm sofort zum Suizid entschließen.

Freitag, 10. Juni 2022

Bolsonaro von der Alster

Jetzt vergesse ich aber wirklich meine gute Kinderstube, Herr Senator!

Ist so viel Fanatismus zu fassen? Das ist ja wie bei Sarumans Orks mit unserem GRÜNEN Verkehrssenator.

"Nach Isengart! Am Tor gescharrt, und sei's so hart wie Stein!

Den Felsenwall mit Hörnerschall und Trommelschlag reißt ein!

Erwacht, erwacht, zur Schlacht, zur Schlacht! Für Baummord kein Verzeihn!

Wer Stamm und Ast im Herd verprasst, kann unser Freund nicht sein.

Voran, voran, mit Fluch und Bann! Schlagt alles kurz und klein!"

(Gesang nach dem tagelangen Entthing, als die Baumhirten von Fangorn beschließen Sarumans Abholzungen nicht mehr hinzunehmen.)

Es vergeht kaum eine Woche, in der Anjes Tjarks nicht mit seinem fanatischen Abholzwahn bundesweite Schlagzeilen macht. Der Baummörder wird nicht ruhen, bis Hamburg vollständig versiegelt und zubetoniert ist.

Wo ist Tolkiens Baumbart, wenn man ihn braucht?

Erst vor einer Woche hatte der Grüne Baumgrün-Hasser verkündet, 500 weitere große alte Bäume für seine elenden Velorouten fällen zu lassen.

Schon folgt der nächste brutale Grünen-Kahlschlag; diesmal im Herzen der Stadt, der exklusivsten und prächtigsten Gegend der feinen Hanseaten, der Außenalster.

[….] In der Innenstadt in Hamburg könnten schon bald 86 uralte alte Bäume aus dem Stadtbild der Hansestadt verschwinden.  Denn die Stadt will sie fällen lassen. Sie stehen am Ostufer der Außenalster in Hamburg. Der Grund für die Pläne, die alten Bäume zu fällen, macht die Menschen wütend. Für die Neugestaltung von rund einem halben Kilometer Radweg am Ostufer der Hamburger Außenalster will die Stadt 86 Bäume fällen lassen.  [….]

(moin.de, 09.06.2022)

Tjarks, die hanseatische Inkarnation der Kettensäge, ist so besessen von breiten, asphaltierten Fahrradstraßen, daß er wie ein Dampfwalze auf Speed jedes Stück intakte Natur, das die E-Bikes und E-Scooter behindert könnte, plattwalzt.

Offensichtlich bereitet es ihm ein perverses Vergnügen, das Stadtklima in jedem Sinne weiter aufzuheizen, Ökosysteme zu zerstören und die CO2-Bilanz weiter zu verschlimmern.

Inzwischen berichten sogar überregionale Medien über den Grünen Mann und seine Kreuzzug gegen jeden einzelnen Baum, den er noch nicht fällen lassen konnte.

Zunkunft à la Tjarks, Veloroute 11 in HHWilhelmsburg, kein einziges Blatt.

[….] Der verkehrspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Richard Seelmaecker, kritisierte am Mittwoch das Vorhaben und den dafür verantwortlichen Senator Anjes Tjarks (Grüne): "Mit dem "Vertrag für Hamburgs Stadtgrün" hat sich der Senat verpflichtet, Hamburg als "grüne Metropole am Wasser" zu erhalten, Baumfällungen gilt es, zu vermeiden. Für Verkehrssenator Tjarks scheint diese Verpflichtung nicht zu gelten." [….]

(Süddeutsche Zeitung, 09.06.2022)

Ich fühle in meiner Straße noch Jahre nach Tjarksschen Fällungen einen heftigen Stich in der Brust, wenn ich die Baumstümpfe sehe und meinen vielen Piepsis nachtrauere, die dort nisteten, die Eichhörnchen bedauere, die keine Wohnung mehr haben.

Dieser emotionale Verlust, den viele Menschen beim Anblick gefällter Bäume erleiden, ist rein subjektiv und daher ohnehin irrelevant für die fromme Großgrün-Nemesis.

Aber die verschiedenen Bedecktsamer und Nacktsamer sind keineswegs nur ein Zierde zur optischen Erfreuung degenerierter Urban-Menschen, sondern haben eine sehr reale klimatische und ökologische Bedeutung.

Ich fühle mich für dumm verkauft, wenn ein Baumkiller wie Tjarks überhaupt von Nachpflanzungen spricht. Die Vernichtung eines ganzen Mikrokosmos, der sich in einer alten Baumkrone befindet, wird natürlich nicht ausgeglichen, indem 20 Kilometer weiter auf dem Land ein hüfthoher Schößling in der Baumschule ausgegraben und an anderer Stelle wieder eingesetzt wird. Es wird kein einziges zusätzliches CO2-Molekül abgebaut, wenn man bereits vorhandenes Jungbäumlein von Platz A (Baumschule) zu Platz B (Ausgleichsfläche für die Hohenfelder Bucht) trägt.

Hinzu kommt aber auch der parteipolitische Schaden für RotGrün, den der rodende Senator anrichtet. Die meisten Städter lieben Bäume und insbesondere die großen Sichtbaren, die an prominenter Stelle seit über 100 Jahren wachsen und gedeihen. Rückt „die Stadt“ in den Fällen mit der Kettensäge an, ist der Ärger groß und die heuchelnde antiökologische CDU muss den Protest nur einsammeln.

[….] Durch die Bauarbeiten rund um die Hohenfelder Bucht leiden Anwohner und Verkehrsteilnehmer seither unter der unübersichtlichen Baustellenführung und Staus. Zahlreiche Unfälle zeugen leider auf tragische Weise von der undurchdachten Wegeleitung. Nun ist bekannt, dass für ein kleines Stück Veloroute auch noch 86 Bäume an der Alster gefällt werden sollen.  Dazu Richard Seelmaecker, verkehrspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion: „Der rot-grüne Senat scheitert erneut an den Selbstverpflichtungen. Mit dem „Vertrag für Hamburgs Stadtgrün“ hat sich der Senat verpflichtet, Hamburg als „grüne Metropole am Wasser“ zu erhalten, Baumfällungen gilt es, zu vermeiden. Für Verkehrssenator Tjarks scheint diese Verpflichtung nicht zu gelten. Die Veloroute soll vor Ort ausgebaut werden, auch wenn dies das Ende für 86 an der Alster stehenden Bäume bedeutet. Ein bitterer Nachtrag: Im weiteren Verlauf des Ausbaus der Veloroute bis zur Kennedybrücke stehen noch zahlreiche Bäume. SPD und Grüne lassen die Frage offen, ob es hier zu weiteren Fällungen kommen wird, da die Planungen noch immer nicht abgeschlossen sind. Der rot-grüne Senat misst weiterhin mit zweierlei Maß: Während Bürgern Baumfällungen grundsätzlich untersagt sind, gibt der grüne Verkehrssenator Tjarks dutzende Bäume an der Alster für ein kleines Stückchen Veloroute zum Kahlschlag frei. [….]

(CDU-Hamburg, 08.06.2022)

Ich kann es nicht ausstehen, die CDU zu zitieren und schon gar nicht, wenn sie wie in diesem seltenen Fall, auch noch Recht hat.

Donnerstag, 9. Juni 2022

Sehenden Auges in den Abgrund

Wenn ich alle gegenwärtigen Megaprobleme der internationalen und deutschen Politik vergleiche, gibt es eine Gemeinsamkeit: Sie kommen nicht überraschend. Seit vielen Jahren, manchmal Jahrzehnten, warnen Wissenschaftler, NGOs, Expertenräte, Elder Statesmen, aber die Regierenden sind nie in der Lage vorausschauend und damit rechtzeitig zu handeln.

Ein junger Mensch in Saudi Arabien, Nordkorea, Kirgisien oder China kann trotz aller Vernunft und allen guten Absichten nicht die Politik seiner Regierung beeinflussen. Es gibt keine demokratischen Wahlen, die Regime sind extrem repressiv, die Diktatoren sitzen ewig im Sattel.

Das macht es aber nur umso tragischer und unerträglicher, daß gebildete Menschen in Demokratien mit freier Presse, sich freiwillig dafür entscheiden, die Problemlösungsverhinderer zu ihren Regierenden zu wählen, die tumb dem Abgrund entgegen taumeln und die unweigerlich auf uns zukommenden Probleme nur noch verschärfen.

Nachdem die rotgrüne Schröder-Regierung tatschlich die Weichen in vielerlei Hinsicht richtig stellte, begannen die Wähler schon ab 1999 wieder damit, die Reformen zu blockieren, indem sie die bremsende Merkel-CDU stärkten.

(…) Unglücklicherweise ist das deutsche Volk leider verblödet und wählte nach nur vier Monaten rotgrüner Macht in beiden Kammern im Januar 1999 mit der Roland-Koch-Regierung eine CDU-Mehrheit in den Bundesrat, so daß Angela Merkel ihr notorisches NJET immer wieder einsetzte, um die Reformen zu Fall zu bringen.

Das Volk ist so bekloppt, daß es Merkel zur Bundeskanzlerin machte. Die stieg wieder in die Atomenergie ein, ließ alle Förderungen der erneuerbaren Energien auslaufen, so daß fast alle grünen Arbeitsplätze verloren gingen und wir heute am russischen Tropf hängen.  Der Urnenpöbel war vom totalen Stillstand so begeistert, daß der immer wieder CDU wählte und genüsslich zusah, wie Deutschland erstarrte und in nahezu jeder Hinsicht hinter alle anderen europäischen Länder zurückfiel.  Arbeitsmigranten werden abgewehrt, Flüchtlinge bei Pushbacks in den Tod geschoben und ich bin, obwohl in Deutschland von einer deutschen Mutter geboren nach über 50 Jahren in Deutschland immer noch Ausländer, weil CDU-Parlamentarier an Hitlers Blutrecht festkleben und immer noch ein modernes Staatsbürgerschaftsrecht blockieren.  (…)

(Klimapolitik kaputt, 05.06.2022)

Schon der nicht gerade als linker Eiferer bekannte Olaf Scholz war dem Wähler zu radikal, so daß er dafür sorgte, die Bremser-FDP im Kabinett zu haben, die eisern eine vernünftige Klimapolitik verhindert, ausgerechnet die extrem profitable und extrem klimaschädliche und extrem Russland-abhängige Mineralölindustrie mit weiteren drei Milliarden Euro „Tankrabatt“ pampert, dafür aber Tempolimit und vorausschauende Corona-Politik eisern blockiert.  FDP-Tankrabatt – dümmer geht nimmer.

In Diana Zimmermanns ZDF-Dokumentation „Armes reiches Königreich“ wurde die Verelendung Millionen Engländer analysiert, die sich durch extrem gestiegene Preise keine Heizung nun nicht mehr genügend zu Essen leisten können.

Im Arbeiterstädtchen Burnley gründete der einzähnige Klempner James Anderson eine Hilfsorganisation, weil die meisten Bewohner ihn auch im Winter bei ausgefallenen Heizungen nicht zu sich bestellten, da sie keine Reparatur bezahlen konnten. Nun ist der engagierte Mann privater Sozialarbeiter, bietet Reparaturen für ein Pfund an. James Anderson erklärt aber, schon 2016 so frustriert von der Verarmung der Menschen gewesen zu sein, daß er für den Brexit stimmte. Bei den vorgezogenen Unterhauswahlen nach dem totalen Mayschen Brexit-Chaos, gaben die Briten 2019 ausgerechnet Boris Johnson fast eine Zweidrittel-Mehrheit.

Und nun jammern sie über die rasanten Preissteigerungen bei Energie und Lebensmitteln, während sie Regierung die Sozialleistungen immer mehr zusammenstreicht.

[….] Nur Russland schneidet wohl noch schlechter ab als Großbritannien

Die OECD hat ihre Wachstumsprognose wegen des Ukrainekriegs deutlich gesenkt: 2023 könnten unter den großen Industrieländern vor allem Russland und Großbritannien leiden. [….] Die Post-Brexit-Wirtschaft wachse 2022 zwar noch um 3,6 Prozent, heißt es nun in der aktuellen Wachstumsprognose der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). 2023 allerdings werde die Konjunktur im Königreich zum Erliegen kommen: Nullwachstum.  Sollte es tatsächlich so kommen wie vorhergesagt, könnte nur Russland dann – mit minus 4,1 Prozent beim Bruttoinlandsprodukt – unter den 20 führenden Volkswirtschaften (G20) noch schlechter abschneiden als Großbritannien.  Besonders entscheidend dürfte nach den Einschätzungen der Industriestaaten-Organisation die Entwicklung der Inflation für das Land werden. Unter stark steigenden Verbraucherpreisen haben die Menschen in Großbritannien demnach aber wohl auch noch kommendes Jahr kräftig zu leiden.  [….]

(SPON, 08.06.2022)

Die Entwicklung ist so überraschend, wie das Amen in der Kirche.

Klempner Anderson ist also gleichermaßen Opfer und Verursacher seiner Misere.

Nachdem in GB die drastischen Folgen des Zusammenbruchs der Lieferketten durch viel zu wenige LKW-Fahrer für jedermann sichtbar werden, könnte man meinen, FDP-Verkehrsminister Wissmann hörte so langsam mal auf die immer schrilleren Warnungen aus der deutschen Logistik-Industrie, die schon jetzt das Fehlen von 80.000 Lkw-Chauffeuren beklagt, daher immer mehr Laster stehen lassen muss, obwohl die Frachtraten auf der Straße unter anderem wegen des Totalversagens des Bahn-Managements aus CDUCSU, immer weiter ansteigen. Die Fahrer, die es noch gibt, sind zudem überdurchschnittlich alt, werden bald in Rente gehen.

Nachwuchs ist nicht zu finden, weil der Job zu unattraktiv ist: Extremer Stress, lange Arbeitszeiten, fern ab der Familie und zudem auch noch gefährlich, weil die Fahrer immer wieder überfallen werden, nachdem die Spediteure kaum noch bewachte Rastplätze anbieten.

Bisher konnten osteuropäische Fahrer, die zu Dumpinglöhnen von 1.000 Euro fuhren, den Mangel etwas ausgleichen.  Aber Ukrainische Fahrer sind gerade anderweitig beschäftigt.

Deutsche Spediteure zahlen nun bis zu 2.000 Euro für den brutalen Knochenjob und die Politik legt reichlich Steine in den Weg, um Asylbewerber, Flüchtlinge und Arbeitsmigranten davon abzuhalten als LKW-Fahrer in Deutschland zu arbeiten.

[….] Wie tückisch deutsche Regeln sein können, hat jüngst auch Horst Kottmeyer erlebt. Anfang Mai stand ein ukrainischer Lkw-Fahrer vor seinem Büro. Knapp ein halbes Jahr lang war Anton Karamow, 37, für eine litauische Transportfirma durch Europa gefahren, Spanien, Frankreich, Deutschland, das übliche Ausbeutungsmodell für 1000 Euro netto im Monat.  Dann überfiel Russland die Ukraine und daheim in Karamows Dorf bei Saporischschja flogen die Raketen über sein Haus. [….]  Karamov kündigte seinen Job in Litauen, zu Fünft sind sie bei einer Familie untergekommen. Bei Kottmeyer könnte Kamarow sofort anfangen. Aber das geht nicht. Polnische und baltische Fuhrunternehmer genießen in der EU einen Sonderstatus, dürfen ukrainische und belarussische Fahrer ohne Weiteres beschäftigen. In allen anderen EU-Ländern ist eine spezielle Qualifikation als Berufskraftfahrer nötig. [….] Von Anton Karamow wird nun erwartet, dass er erst Deutsch lernt und dann die Kraftfahrer-Ausbildung absolviert. Um danach dieselbe Arbeit zu tun wie vorher, nur dass sein Lkw dann ein deutsches Kennzeichen hätte, kein litauisches. Kottmeyer mag es kaum fassen: »Wir haben hier einen Mann, arbeitswillig, motiviert, erfahren auf europäischen Strecken, dem der Staat als Flüchtling nun Geld zahlt für sich und seine Familie.«  […]

(SPON, 09.06.2022)

Mittwoch, 8. Juni 2022

Kirchenobere und Kirchenuntere

Während Elisabeth Windsor auch mit 96 Jahren immer weiter macht, da sie als Oberhaupt der Anglikanischen Kirche mit heiligem Öl gesalbt wurde, haben andere Kirchenoberhäupter schon wesentlich früher keinen Bock mehr, sich um den Saftladen zu kümmern und zeigen dem Heiligen Geist den Stinkefinger.

Joseph Ratzinger, ein Jahr jünger als Elisabeth, warf im Alter von 85 Jahren die Tiara hin. Auch über den gegenwärtigen Stellvertreter Gottes auf Erden, Jorge Bergoglio, ebenfalls 85, gibt es heftige Rücktrittsspekulationen. Die Lusche!

 [….] Über Rom hängt ein Geflirre und Geschwirre: Tritt der Papst bald zurück? Nur Gerüchte, Gott bewahre! Aber da nun gleich mehrere Vaticanisti Spekulationen anstellen, lohnt ein Blick auf die Signale, die diese Experten des scheinbar Unergründlichen hinter den dicken Leoninischen Mauern des Vatikans anführen. Reiht man sie nämlich aneinander, was vielleicht völlig unziemlich ist, bekommt die These des Rücktritts eine gewisse innere Stringenz. [….] Und dann gibt es da noch ein weiteres Anzeichen, das vielleicht suggestivste von allen: Franziskus fährt am 28. August nach L'Aquila und nimmt dort in der Basilika Santa Maria di Collemaggio als erster Papst seit Menschengedenken an der "Festa della Perdonanza" teil - auf Deutsch "Coelestinische Vergebungsfeier". Eingeführt hatte sie Coelestin V., der in der Basilika bestattet liegt. Der Eremit war nur ein paar Monate lang Papst, im Jahr 1294 war das. Bekannt wurde er, weil er lange Zeit der einzige war, der, erdrückt von der Last der Verantwortung, freiwillig zurücktrat - nämlich bis zur spektakulären Abdankung Benedikts XVI., 2013.  L'Aquila ist eineinhalb Fahrstunden entfernt von Rom, das dann gerade alle Kardinäle beherbergen wird, die alten und die neuen, in passender Anzahl. Es wäre alles bereit für ein Konklave. [….]

(SZ, 07.06.2022)

Welch lausige Arbeitsmoral die konservativen Männchen im Kleid da doch an den Tag legen. Als Ratzi 2013 erklärte, ihm schwänden nun die Kräfte, er könne nicht mehr, verbreitete er die Lügengeschichte, er werde ohnehin bald sterben und sich nun quasi als einfacher Priester schweigend zum Gebet zurückziehen. Alles Humbug, neun Jahre später lebt er immer noch und dachte gar nicht daran, seine vatikanischen Insignien der Göttlichkeit abzugeben. Er lässt sich weiterhin als „eure Heiligkeit“ ansprechen und trägt auch stets das ausschließlich Päpsten vorbehaltene weiße Kleid, um der Nachfolger-Transe Bergoglio auch optisch klar zu machen, nicht der einzige Papst zu sein. Ratzi schweigt auch nicht, sondern zieht über Missbrauchsopfer her und verbreitet Lügen über seine Amtszeit als Erzbischof von München und Freising.

Die offensichtliche Unheiligkeit der kinderfic**rfreundlichen Heiligkeiten treibt, wie wir alle nur zu genau wissen, die Kirchenmitglieder aus dem deutschen Verein RKK. Deutschland ist dabei neben Italien und USA die relevanteste katholische Nation, auch wenn es Länder mit wesentlich mehr Katholiken gibt.

Aber Deutschland ist das einzige große katholische Land mit einem Konkordat, das den Amtsvorgang des schlichten Vereinsaustritts mit einer Exkommunikation gleichsetzt. Diese drakonische Strafe für den einfachen Gang zum Ortsamt, ist für die RKK deswegen so wichtig, weil ihre Mitgliedsbeiträge vom Staat als sogenannte „Kirchensteuer“ eingezogen werden und damit jährlich viele Milliarden Euro eingenommen werden.

In den USA gibt es keine in diesem Sinne formale RKK-Mitgliedschaft durch einen staatlichen Verwaltungsakt. Man wird durch Taufe Mitglied und gehört zu der Kirche, deren Gottesdienst man besucht. Dort spendet man seine Beiträge.

Hat man keine Lust mehr auf den Pfaff oder den Katholizismus grundsätzlich, geht man nicht mehr hin oder sucht sich eine andere Gemeinde. Wie, ob und wie viel die Gläubigen an kirchliche Organe spenden, bleibt davon unberührt.

Kommen also weniger US-amerikanische Schäfchen in einen katholischen Gottesdienst, gibt es keine direkt kalkulierbaren finanziellen Folgen für den Kardinal. In der Regel wird er es kaum merken, da die weniger streng Gläubigen, die nicht regelmäßig in der Kirche erscheinen, ohnehin auch weniger bis nichts gespendet haben.

Ganz anders in Deutschland. Dort werden acht, respektive neun Prozent des Einkommens automatisch abgebucht, so daß die Diözese immer ganz genau weiß, mit welchen Einnahmen sie zu rechnen hat.

Ob der Zahler ein glühender Katholik ist, der keine Messe verpasst, oder längst den Glauben verloren hat und nur noch Mitglied ist, weil sonst seine Kinder aus der KITA in katholischer Trägerschaft fliegen würde, kann Kardinal Woelki völlig egal sein.

Kirchenaustritte sind also für deutsche Diözesen viel schlimmer als für Französische oder Spanische.

Ungläubig gewordene Mitglieder taten sich viele Jahrzehnte schwer mit einem Austritt, weil der mit schlechtem Gewissen, sozialer Ächtung im Heimatdorf oder auch bösen Konsequenzen für den Job verknüpft werden konnte.

Die rechtliche Verknüpfung von Kirchenmitgliedschaft und „Kirchensteuer“ hatte bisher also viele Vorteile für die Kirchenoberen, weil ihre Kirchenunteren immer die gleiche Summe zahlen mussten, egal wie unzufrieden oder frustriert sie waren. Dieses Junktim wird aber gerade zum Bumerang für die hochbezahlten Misogynen im Nachthemd.

[….] Zwischen 2017 und 2020 sind fast 900.000 Menschen aus der katholischen Kirche ausgetreten. [….] Und das Problem könnte schnell noch größer werden. Auf dem Katholikentag in Stuttgart denken viele Gläubige laut über einen Kirchenaustritt nach.

Besucherin des 102. Deutschen Katholikentags:  "Für mich ist ein großes Thema die Situation der Frau in der Kirche. Ich kann nicht verstehen, warum diese Kirche 50 Prozent ihrer Mitglieder von Ämtern ausschließt. Ich bin eine Frau. Also für mich ist das eine existenzielle Frage und manchmal weiß ich wirklich nicht, warum ich noch Mitglied bin."

Besucherin des 102. Deutschen Katholikentags:  "Ich finde, dass Menschen, die gerade schwul oder lesbisch oder anderswertig sind und in dem Fall nicht hetero, aus der Kirche ausgeschlossen werden."

Besucherin des 102. Deutschen Katholikentags: "Man muss sich schon Gedanken machen, ob man noch dahinter stehen kann hinter diesem Konzept, hinter diesen veralteten Hierarchiestrukturen der katholischen Kirche und ob man die auch durch aktive Mitarbeit noch weiter unterstützen will."  [….]

(Report Mainz, 07.06.2022)

Inzwischen haben meine atheistischen Agenten Woelki, Müller, Marx, Ratzinger und Co aber etwas Wundervolles geschafft: Sie verhalten sich so abstoßend und perfide, daß nicht nur Ungläubige oder finanziell Klamme austreten, sondern nun auch noch fromme Gläubige, die ausdrücklich den Protz-Bischöfen finanziell schaden möchten. In den USA würden solche Menschen weiterhin Katholiken bleiben, aber nach dem Gottesdienst weniger oder nichts in den Klingelbeutel schmeißen.

Da es diese Möglichkeit in Deutschland durch das Reichskonkordat vom 20. Juli 1933 mit Adolf Hitler, an dem die katholische Kirche bis heute eisern festhält, nicht gibt, sind nicht nur die kirchenfernen Mitglieder, die Indifferenten und Zweifelnden ausgetreten, sondern nun folgt der harte Kern der Gläubigen.

[….] Viele Menschen, die aus der katholischen Kirche austreten, wollen der Institution schaden: Das ist das Zwischenergebnis einer Umfrage. Dass mittlerweile auch gläubige Personen austräten, sei etwas wirklich Neues, sagt Religionssoziologe Gert Pickel. [….] Nach einer Umfrage wollen die meisten, die aus der katholischen Kirche austreten, die Institution nicht mehr finanziell unterstützen oder sogar bestrafen. Dieses Motiv gäben neun von zehn Befragten an, wie eine Erhebung des SWR ergab, über die das Magazin "Report Mainz" am Dienstagabend berichtet. Der Austritt erfolge in über 82,6 Prozent der Fälle nicht aus finanzieller Not, hieß es weiter. Für rund 90 Prozent der Befragten seien die Missbrauchsfälle und der Umgang damit der Auslöser für ihren Kirchenaustritt. 55,2 Prozent gaben demnach an, sie könnten auch ohne Kirche religiös sein. Der Pressesprecher der Deutschen Bischofskonferenz, Matthias Kopp, zeigte sich bei "Report Mainz" besorgt: "Das beunruhigt die Bischöfe“. [….]

(katholisch.de, 07.06.2022)

Ein großartiger Erfolg der Kirchenoberen! Sie entwickeln eine derartige Abstoßungskraft auf die Kirchenunteren, daß selbst die Frommsten keinen müden Euro mehr geben wollen.

Sollte Bergoglio wirklich im August zu Ratzi in die WG ziehen, empfehle ich dringend Kardinal Woelki als neuen Papst Benedikt XVII. Er würde das in Köln erprobte Zerstörungswerk dann weltweit fortführen und mit seiner besonders destruktiven Persönlichkeit und seiner abstoßenden Physiognomie Millionen Gläubige davon jagen.


 

Dienstag, 7. Juni 2022

Kriegsmotivation

Die deutschen Bellizisten, denen die Bundesregierung gar nicht genug Waffen nach Kiew schicken kann, die sich einen NATO-Einsatz wünschen, weil sie glauben Putins Persönlichkeit so gut analysiert zu haben, um zu wissen, daß er bei einer drastischen Machtdemonstration des westlichen Militärs, tief beeindruckt von unserer Entschlossenheit die Segel streichen würde und auf gar keinen Fall irrational gekränkt reagieren würde, stützen sich auf Argument:

David Ukraine werde gegen Goliath Russland gewinnen, weil Putins Armee völlig demotiviert sei, gar nicht wisse, was sie da verloren habe und von den Verlusten frustriert wäre.  Selenskyjs Männer hingegen kämpften mit vollster Überzeugung, um ihre Familien zu retten. Wären bis an die Haarspitzen durch ihren Nationalismus motiviert, hätten auch gar keine andere Wahl, da Putin sie bei einem Sieg alle umbringen würde.

All das klingt aus einem warmen sicheren westdeutschen Wohnzimmer plausibel.

Überprüfen kann man es aber nicht.

Sind Putin und Kyrill so von der Großmachtphantasie „der ganzen Rus“ besessen, daß sie unbedingt die Länder Ukraine, Kasachstan, Moldawien, Belarus zusammenfügen wollen? Wenn das aber so ist, der Kreml-Herrscher die Ukrainer als zu Russland gehörendes Brudervolk ansieht; wieso sollte er dann alle umbringen wollen?

Wollen die Ukrainer alle kämpfen und ziehen mit fliegenden Fahnen freiwillig in die Schlacht? Oder hat es eher etwas damit zu tun, daß sie müssen, weil ihre Präsident alle Männer zwischen 18 und 60 dazu verpflichtet?

Bis mindestens Ende August gilt in der Ukraine das Kriegsrecht. Demonstrationen sind verboten, das Militär verfügt über enorm erweiterte Rechte, Soldaten dürfen Menschen erschießen.

Es gibt keine seriösen repräsentativen Meinungsumfragen zur Kriegsunterstützung in Russland. Sicher ist aber die allgegenwärtige Pro-Putin-Propaganda, die Unterdrückung der Kriegs-kritischen Stimmen in Russland. Eine hohe Zustimmung für Putins Kurs ist daher sehr wahrscheinlich.

[….] Im April 2022 sprachen sich nach Beginn des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine rund 82 Prozent der Russen für das Handeln des russischen Präsidenten Wladimir Putin aus. Der Beliebtheitsgrad Putins hatte in den letzten Monaten vor den Kampfhandlungen zugenommen und schnellte ungeachtet der westlichen Sanktionen, der russischen Repressionen gegen die Meinungsfreiheit und der Teuerung von Lebensmitteln auf diesen hohen Wert. Während des COVID-19-Lockdowns im Frühjahr 2020 war Putins Beliebtheitswert gesunken, bevor er im Spätsommer desselben Jahres wieder anstieg.  [….]

(Statista, 02.05.2022)

Auch wenn die Werte mit Vorsicht zu genießen sind, so sind sie doch exorbitant höher als die Zustimmungsraten der Regierungschefs Johnson, Scholz oder Biden in ihren jeweiligen Ländern.  In Deutschland lebende oppositionelle Russen bestätigen mit ihren Kontakten ebenso die hohe Putin-Zustimmung, wie in Russland lebende westliche Auslandskorrespondenten.

Ich bin daher außerordentlich skeptisch gegenüber der Annahme, die russische Armee würde bald wegen ihrer völligen Demotivierung zum Stehen kommen oder der Hoffnung, es könne eine Art Putsch gegen Putin geben.

Sicherlich wäre es wünschenswert, wenn sich auf wundersame Weise ein neuer Kremlherrscher fände, der die Armee aus der Ukraine abzöge und demokratische Prinzipien einführte. Allein, mir fehlt der Glaube.

Bei der Erörterung der Motivation der beiden Armeen wird die Tatsache, daß nur auf ukrainischem Gebiet gekämpft wird, stets so interpretiert, daß die Ukrainer mir viel mehr Verve kämpften, weil es um ihre Heimat ginge, während die Russen gar keine Gefühle für die Gebiete hätten.

Ich meine, das läßt sich auch umgekehrt deuten: Da es die Ukraine ist, die total zerstört wird und nicht Russland, haben Ukrainische Familien eine größere Sehnsucht danach den Krieg zu beenden. Es werden schließlich ihre Häuser zerstört, ihre Kinder und Frauen ermordet. Die Angehörigen der russischen Soldaten sind weit im Osten in Sicherheit. Werden die Ukrainer das wirklich so lange durchhalten, wie die Russen?

[….] Auch bei Kiews Truppen sinkt teilweise die Moral – erste Soldaten desertieren

Präsident Selenskyj berichtet von etwa 100 getöteten Soldaten täglich. Glaubt man den Ukrainern im Donbass, ließen sich einige davon verhindern. [….]  Wie die „Washington Post“ berichtet, ist die Stimmung bei einzelnen Einheiten der Ukrainer sogar so schlecht, dass sie desertieren. Das russische Militär soll im derzeitigen Hauptkampfgebiet des russischen Angriffskriegs in der Ukraine um Sjewjerodonezk demnach so übermächtig sein, dass die Ukrainer dort auf Gegenoffensiven verzichten könnten. Denn, so beschreibt es ein Kommandeur: „Die Russen wissen ohnehin schon, wo wir sind. Und wenn ein ukrainischer Tank von außerhalb schießt, wissen sie danach auch seine Position.“ [….]

(Tagesspiegel, 03.06.2022)

Ich war noch nie im Krieg und behaupte auch nicht, mir genau vorstellen zu können, wie das ist.

Aber zu gewinnen, dürfte durchaus motivierender sein, als von einer Übermacht massakriert zu werden.

Montag, 6. Juni 2022

Christentum als Hassverstärker

Vermutlich bin ich der letzte Mensch der Welt, der von der Bösartigkeit überzeugter Christen überrascht sein sollte. Schließlich nenne ich Religionen schon seit vielen Jahren die „wir sind besser als die“-Ideologie, die einer exkludierenden Grundhaltung frönt.

Aber es graust mich dann immer noch, wenn ich wegen des „pride months“ im Juni abends beim gesitteten MDR in die Dennis Parrot-Dokumentation über verschiedene Coming-Outs zappe und dort erlebe, wie Christen mit ausdrücklichem Bezug auf ihren Gott und die Bibel, ihre Kinder aus dem Haus in die Obdachlosigkeit jagen, oder sie sogar mit Mordfantasien überziehen.

Die Teenagerin oder der Teenager, der eben noch am Mittagstisch saß und angeblich so geliebt wurde, von seinen eigenen Eltern voller Hass verstoßen wird.

Der in diesem Video gezeigte Daniel Ashley Pierce lebte in Kennesaw, Copp County, Georgia, das zum 6th congressional district gehört, also unweit des berüchtigten 4th congressional district der Marjorie Taylor Greene liegt. Da ist der Hass der Religiösen am wenigsten abstrakt, sondern bedrückend konkret, wenn er sich gegen die eigene Familie, wendet. Unbeschreiblicher Hass auf seine eigenen Kinder von denjenigen, die jedem „God is Love!“ erklären und so stolz auf ihre „Family Values“ sind. 

Artem Kolesov, 23, erster Violinist in Chicago, Geigen-Wunderkind aus St. Petersburg, beschreibt besonders eindrücklich, wie die russisch-orthodoxe Kirche den blutigen Hass auf Schwule schürte, wie er dadurch schwer depressiv wurde und als Teenager viermal versuchte, sich umzubringen.

DAS ist Gottes real existierender Kirchismus: Eine Ideologie, die Hass zwischen Eltern und Kindern sät und Jugendliche mit äußerster Perfidie in den Suizid treibt.

Praktiziertes religiöses Leben stürzt unzählige Kinder und Heranwachsende in schweres Unglück, lädt ihnen so viele Schuldkomplexe auf, daß sie so sehr in Depressionen versinken, daß sie sich umbringen.   Umbringen für nichts. Weil sie ganz normale Menschen sind mit Gefühlen. Weil sie beispielsweise masturbieren oder nur daran denken zu masturbieren.

In religiösen Verhältnissen aufgewachsene Kinder leiden also keineswegs „nur“, wenn sie direkt von Priestern verprügelt oder sexuell missbraucht werden, sondern ihre Psyche wird durch die brutale christliche Lehre selbst ramponiert.

Ich muss an meinen Vater denken, der auch in so einer US-amerikanischen Kleinstadt in religiösen Verhältnissen aufwuchs. Ich bin mir sicher; er hatte nie homosexuelle Anwandlungen, aber dennoch erzählte er bis an sein Lebensende von den traumatischen Erfahrungen bei der Beichte, zu der er als kleiner Junge jeden Sonntag geschleppt wurde. Im Beichtstuhl interessierte sich der Pfarrer hauptsächlich für das Thema Masturbation, fragte meinen Vater, lange vor der Pubertät detailliert nach seinen Genitalien aus. Von Montag bis Samstag grauste ihm davor und verzweifelt suchte er nach Dingen, die er beichten könnte. Aber welche Sünden begeht schon ein kleiner Junge? Er dachte sechs Tage darüber nach, irgendetwas zu stehlen, damit er dem Priester etwas zu erzählen hätte und um das Penis-Gespräch herumkäme. Aber das traute er sich nie. Also erfand er schließlich Ladendiebstähle, nur um im Beichtstuhl etwas sagen zu können. Anschließend fühlte er sich erst recht schuldig, weil er den Priester belogen hatte. Seine Rettung war der Umzug nach New York, als er ein Stipendium für die Kunstschule bekam. Dort teilte er zunächst das Zimmer mit einem jüdischen Jungen (der ein lebenslanger Freund bleiben sollte) und guckte ihm abends beim Ausziehen verstohlen auf die Füße, da sein Priester immer erklärt hatte, Juden hätten ob ihrer teuflischen Abstammung oft noch Huf-artige Gliedmaßen.  Aber nein, es waren dann doch nur Füße mit fünf Zehen. Mein Vater lernte zum Glück, daß nicht alle Menschen den christlichen katholischen Glauben seines Heimatdorfes teilten und tat das einzig Vernünftige: Als Erwachsener wurde er Atheist und besuchte nie wieder eine Kirche von innen.

Aus religiöser Sicht ist dieser Pluralismus eine reale Gefahr. Fundamentale Evangelikale, streng gläubige Katholiken, Amish People und ultraorthodoxe Juden bekommen weit überdurchschnittlich viele Kinder, weil ihre Religion lehrt, sich gegen die Ungläubigen zu verbreiten. Diese Religionsgemeinschaften wachsen aber keineswegs so schnell wie sie es mathematisch angesichts von zehn Kindern pro Mutter müssten, weil ihnen immer mal wieder ein Schäfchen abhanden kommt.

Bei den Amish ist es das „Rumspringa“-Jahr, bei den Ultraorthoxen in Jerusalem die Nähe zum säkularen Tel Aviv und bei Fundi-Christen in den USA sind es die öffentlichen Schulen.

All das sind Möglichkeiten mit anderen Philosophien, mit Bildung in Kontakt zu kommen, so daß man den eigenen Glauben hinterfragt und gegebenenfalls (wie mein Vater) fallen lässt.

Daher rührt auch der radikale Kampf der religiösen Republikaner gegen öffentliche Schulen, gegen die angeblich so liberalen Universitäten und für das Homeschooling. Daher dürfen Orthodoxe in Israel kaum Bildung außerhalb der Thora-Schulen bekommen und es wird hart gegen die dort eigentlich obligatorische Wehrpflicht gekämpft.

Schon so mancher strenggläubige Jude lernte in der Armee das erste mal säkulare Israelis kennen, die masturbieren, einen Joint rauchen, Fluchen und sich womöglich auch mal in einen Menschen desselben Geschlechts verlieben, ohne sofort in die Hölle zu kommen.

Nach der Armeezeit geht es für alle erst einmal für eine ausgiebige Drogenparty nach Goa in Indien, um vom Krieg zu entspannen. Wer hat anschließend schon Lust auf ein ärmliches Leben in einer Zweizimmerbutze mit einer Frau, die stets ihr Haar verhüllt, zehn Kinder am Rockzipfel hängen hat und man ansonsten den ganzen Tag mit anderen stinkigen Schläfenlockentypen den Talmud auswendig lernt?

Nichts anderes stand hinter dem von so vielen angeblich Liberalen (Jauch, Thierse, Käßmann, Arne Friedrich, FDP, CDU) kategorischem Eintreten für das Berliner Volksbegehren „Pro Reli“ von 2009. Sie wollten mit allen Mitteln verhindern, daß christliche Kinder gemeinsam mit Säkularen, mit Muslims, mit Juden und Ungläubigen lernen, weil sie insgeheim wußten, daß ihre eigene Ideologie so wackelig und paradox ist. Da könnte das ein oder andere Schäfchen verloren gehen und man wird keineswegs Schäfchen hinzugewinnen.

Nicht nur Toleranz oder gar Akzeptanz sind eine Bedrohung für christliche Fundamentalisten, sondern schon Informationen an sich.  Fakten sind der Feind eines kontrafaktischen Glaubens.

Dagegen hilft nur der gemeinsame Hass auf alles andere. Wer sein eigenes Kind so sehr hasst, daß er es aus dem Hause prügelt, zeigt sich dabei als besonders christlich, weil er damit auch ein enormes Opfer bringt. Ein aus der Bibel bekanntes Opfer. Schließlich ist es niemand geringeres als G*tt selbst, der verlangt seine Kinder zu töten und zu schlagen. Die zunehmende öffentliche Sensibilität für die Trans-Community kommt den Rechten und Religiösen gerade Recht, um ihren über so viele Generationen anerzogenen Hass mal wieder richtig zu zelebrieren.

[….]  Kardinal Müller: Trans-Akzeptanz ein „Verbrechen an Kindern“

In einem Interview mit der queerfeindlichen „Demo für alle“ sprach der Kardinal gleichgeschlechtlichen Paaren ihre Ehe, Regenbogenfamilien ihre Familien und trans Personen ihr Geschlecht und ihre Selbstbestimmung ab.

(…)  Konkret hatte Beverfoerde gegen Ende des Interviews beklagt, Kinder und Jugendliche würden derzeit „vielfach in diesen Transgender-Wahn hineingezogen“. Der 74-Jährige antwortete: „Das ist ein großes Verbrechen an der Menschheit und an jungen Kindern.“ In der Pubertät gebe es eine Orientierungsphase. „Da müssen sie bestärkt werden. Wenn ich als Mann auf die Welt gekommen bin, muss ich gerade durch die Pubertät hindurch gehen und mich dann mental auch mit meinem eigenen Geschlecht identifizieren.“ Wie in weiteren Passagen verknüpfte der Kardinal beim folgenden Gedankengang dann noch wirr Geschlechtsidentität und sexuelle Orientierung: „Wenn ich Mann bin, bin ich auf eine Frau hin geschaffen. Und wenn ich eine Frau bin, bin ich auf den Mann hin geschaffen.“  [….]

(AMB, 05.06.2022)

Für den Mann im bunten Kleid ist nichts schlimmer als Männer in bunten Kleidern.

Die Döpfner-Poschardtsche WELT gießt zum Beginn des pride-Months ebenfalls Öl ins Feuer, indem sie ordentlich gegen Trans-Menschen hetzt.

[….] Unter der Überschrift „Wie ARD und ZDF Kinder sexualisieren und umerziehen“ werfen in der „Welt“ „fünf Gastautoren, Biologen und Mediziner“ dem öffentlich rechtlichen Rundfunk vor, eine „bedrohliche Agenda“ zur verfolgen. (Der Online-Titel ist mittlerweile geändert worden in: „Wie ARD und ZDF unsere Kinder indoktrinieren.“)  Die „Welt“ suggeriert, ergebnisoffene wissenschaftliche Expert*innen hätten „Beiträge des öffentlich-rechtlichen Rundfunks analysiert“ und seien zu diesen angeblich „alarmierenden“ Ergebnissen gekommen. Dem ist nicht so. Die fünf Autor*innen gehören seit Jahren fast alle zum Who’s Who der deutschen Gegnerschaft von Trans-Identitäten. Es ist eine Gruppe von Menschen, die angesichts der Abschaffung des Transsexuellengesetzes und Einführung eines neuen Selbstbestimmungsgesetzes, die die Bundesregierung plant, gerade aus allen Rohren gegen Trans-Rechte schießen.  [….]Doch obwohl trans Menschen besonders oft Opfer sind und dafür angegriffen werden, dass sie trans sind, versucht nicht nur die „Welt“ immer wieder in klassischer Täter-Opfer-Umkehr eine gegenteilige Erzählung zu verbreiten. Sarah Wagenknecht promotete ihr jüngsten Bestseller „Die Selbstgerechten“ erfolgreich mit der Warnung vor „skurrilen Minderheiten“ inklusive Andeutungen über trans, und auch der Kulturchef des „Spiegel“ problematisierte in einem Essay das Verhalten von trans Menschen, die sich gegen das Deadnaming verwahren, was er mit dem „Neusprech“ ins George Orwells 1984 verglich. Also mit dem Verhalten eines totalitären Staates.

Trans als Trigger funktioniert, und deshalb wird auch die in der „Welt“ verbreitete, über das trans Thema aufgeladene Kritik am öffentlich-rechtlichen Rundfunk funktionieren. Auch das ist Desaster. Denn anders als die Verfasser*innen behaupten, zeigen die im Dossier zusammengetragenen Programm-Beispiele nicht die Übermacht „woker“ Themen, sondern wie selten Vielfalt dort tatsächlich stattfindet. Wenn man sich die dort angeprangerten 40 mühsam zusammen getragenen Programminhalte (gegenüber den Zigtausenden, die jährlich produziert werden) wundert man sich, auf was sie alles zurückgreifen müssen, um Alarm zu erzeugen. […..]

(Johannes Kram, 02.06.2022)

Die Rechten und die Religiösen müssen Toleranz und Akzeptanz und Bildung gleichermaßen mit purem Hass bekämpfen.

Anderenfalls werden sie immer schwächer.

Sonntag, 5. Juni 2022

Klimapolitik kaputt

Die ganz großen Probleme Deutschlands lassen sich nicht klar voneinander trennen.

Bildungssystemversagen, Klimakatastrophe, schwerfällig-überkomplizierte Verwaltung, vergeigte Energiewende, Abhängigkeiten von China und Russland, Infrastrukturdesaster, 20 Jahre Digitalisierungsrückstand, nicht mehr einsatzfähige, total durchbürokratisierte Bundeswehr, nicht aufholbarer Rückstand in vielen Kerntechnologien (IT, Elektromotoren, Solaranlagen, Windkraft, Großprojekte) und als immer noch nicht erkanntes größtes sozio-ökonomisches Hemmnis, der drastische allgemeine Personalmangel, der immer mehr Branchen in die Knie zwingt.

Alles hängt mit einander zusammen und war durchaus nicht immer so schlecht in Deutschland. Bundesumweltminister Jürgen Trittin hatte diese Problematik längst erkannt, als er 1998 Bundesumweltminister wurde, fand in Bundeskanzler Schröder einen ebenso tatendurstigen Mitstreiter. Er organisierte den Atomausstieg und das „Gesetz zum Einstieg in die ökologische Steuerreform“.

Vor einem Vierteljahrhundert also wurden die exakt richtigen Weichenstellungen von der rotgrünen Bundesregierung vorgenommen: Die Steuerlast wurde von dem Faktor Arbeit genommen und dafür auf den Verbrauch fossiler Energien gelegt, um damit eine starke Lenkungswirkung zu erneuerbaren Technologien zu entfalten. Das bekämpfte den Klimawandel, verringerte die Abhängigkeit von Öl-exportierenden Schurkenstaaten, schuf enorm viele Arbeitsplätze und war ein Segen für den Umweltschutz.

Deutschland wurde Markführer bei modernen grünen Technologien, es gab mehr hochqualifizierte Jobs in der Solar- und Windindustrie als bei den Autoherstellern.

Landwirtschaftsministerin Künast stellte die Weichen auf Biolandwirtschaft, wollte von den enorm flächenverbrauchende Monokultur-Agrarriesen wegkommen, Innenminister Schily arbeitete an einem Einwanderungs- und Staatsbürgerschaftsrecht.

Unglücklicherweise ist das deutsche Volk leider verblödet und wählte nach nur vier Monaten rotgrüner Macht in beiden Kammern im Januar 1999 mit der Roland-Koch-Regierung eine CDU-Mehrheit in den Bundesrat, so daß Angela Merkel ihr notorisches NJET immer wieder einsetzte, um die Reformen zu Fall zu bringen.

Das Volk ist sogar bekloppt, daß es Merkel zur Bundeskanzlerin machte. Die stieg wieder in die Atomenergie ein, ließ alle Förderungen der erneuerbaren Energien auslaufen, so daß fast alle grünen Arbeitsplätze verloren gingen und wir heute am russischen Tropf hängen.

Der Urnenpöbel war vom totalen Stillstand so begeistert, daß der immer wieder CDU wählte und genüsslich zusah, wie Deutschland erstarrte und in nahezu jeder Hinsicht hinter alle anderen europäischen Länder zurückfiel.

Arbeitsmigranten werden abgewehrt, Flüchtlinge bei Pushbacks in den Tod geschoben und ich bin, obwohl in Deutschland von einer deutschen Mutter geboren nach über 50 Jahren in Deutschland immer noch Ausländer, weil CDU-Parlamentarier an Hitlers Blutrecht festkleben und immer noch ein modernes Staatsbürgerschaftsrecht blockieren.

Woher kommt dieser totale Rückstand, der Deutschland doch zu der „Komikernation“ werden ließ, die Merkel nicht sein wollte, als sie auch dem archaischen Genitalverstümmelungsgesetz für kleine Jungs beharrte?

Da war keine höhere Macht am Werk, sondern die Demokratie-untauglichen Dummdeutschen wählten zu gern die tumben Bremser auf die Berliner Regierungsbänke, so daß sich unseriöse fachfremde Deppen wie von und zu Guttenberg, von der Leyen und Kramp-Karrenbauer so lange auf der Hardthöhe einnisteten, bis in der Bundeswehr wirklich gar nichts mehr funktionierte.

Was Renate Künast angeschoben hatte, wurde abgewickelt, weil Merkel Agrarlobby-hörige Umweltfeinde als Landwirtschaftsminister einsetzte, xenophobe Innenminister das Asylrecht schrumpfen ließ, sagenhaft überforderte Alibifrauen wie Schavan, Wanka und Karliczek die Bildungseinrichtungen so verdorren ließen, daß nach wie vor nur einen Minderheit der Schulen über WLAN verfügt, kein moderner Unterricht möglich ist, 100.000 Lehrerstellen nicht besetzt werden können und jeder, der in die Spitzenforschung gehen möchte, Deutschland nach dem Abitur verlassen muss, weil die deutschen Unis einfach zu schlecht sind.

 
Die Infrastruktur, also  Brücken, Straßen, Bahn und Co sind nicht grundsätzlich marode in Deutschland, sondern durch die vom deutschen Volk gewählten Figuren systematisch kaputt gemacht worden.

Was haben die Wähler denn bitte sehr anderes erwartet, als sie Ramsauer, Dobrindt und Scheuer wählten?

Digi-Baer und Oettinger als Merkels zuständige Manager des „Neulands“ Internet  – selbstverständlich wurden wir so zur internationalen Lachnummer.

Die Deutschen wußten es, haben die albernen Witzfiguren in den Ministerämtern jeden Tag erlebt und doch immer wieder CDUCSU gewählt.

Und auch im Juni 2022 steht die Union in Umfragen bundesweit wieder weit vorn.

Natürlich funktioniert die deutsche Bahn nicht mit so einer Führung:

12 Jahre CSU-Bundesverkehrsminister und sechs Monate FDP-Verkehrsminister, sieben Jahre CDU-Minister Ronald Pofalla als Bahn-Vorstand, vier Jahre CSU-Minister Otto Wiesheu als Bahn-Vorstand.

[…..] Der Güterverkehr wird von der Schiene auf die Straße verlagert

Ein Lastwagen ist fünfmal so umweltschädlich wie ein Güterzug. Trotzdem schlägt sogar die Bahn vor, Güter auf der Straße zu transportieren. […..] Manche Geschichten, die derzeit aus der Güterzugbranche zu hören sind, klingen nach Systemversagen. So stand zuletzt ein Zug – beladen mit Getreide aus der Ukraine – drei Wochen lang in Bad Schandau hinter der tschechischen Grenze. Er war an Baustellen gestrandet und kam dort nicht mehr weg. Ein Symptom von vielen.  […..]  Güter auf die Straße? Die Politik will eigentlich das Gegenteil, die Branche auch.  Längst aber meiden erste Firmen die Bahn mit ihren notorischen Verspätungen. Als nach einem Tunnelröhreneinbruch im August 2017 auf einer Baustelle bei Rastatt die Strecke wochenlang gesperrt war, entschieden sich viele Unternehmen kurzfristig für den Lkw – manche blieben gleich dabei, selbst als die Strecke wieder befahrbar war.Das Güteraufkommen bei den Eisenbahnen stieg 2021 auf rund 358 Millionen Tonnen, auf der Straße wurden im selben Jahr knapp 3,2 Milliarden Tonnen transportiert.  [….]

(SPON, 03.06.2022)

Es ist ein totales Systemversagen und die Mehrheit will es so. Sie wollten einen starken Lindner in der Regierung, der nun drei Milliarden Euro „Tankrabatt“ in die Mineralölkonzerne pumpt.