Das Managermagazin präsentiert diese Woche seine neueste
Voyeur-Ausgabe über die 500 reichsten Deutschen.
[…..] Insgesamt gibt es
aktuell 249 Milliardäre in Deutschland – so viele wie nie zuvor. Die komplette
Liste der Hochvermögenden von Lidl-Gründer Dieter Schwarz über die alten
Industriefamilien bis hin zu Newcomern aus der Gründerszene. [….]
(mm, 04.10.2024)
Auch ich kann mich der Faszination dieser so nüchternen
Zahlen, schwarz auf weiß, nicht entziehen, kaufe mir das Heft, um im Detail
nachzulesen, wer im letzten Jahr wie viele Milliarden dazu gewonnen, oder
(seltener) verloren hat.
[….] In einem neuen
Vermögensranking fällt Hamburgs reichster Mann zurück. Der Milliardär muss
andere vorbeiziehen lassen. Wer sind die neuen Top 3?
Der Hamburger
Logistik-Milliardär Klaus-Michael Kühne hat im aktuellen Ranking der reichsten
Deutschen einen Rückschlag erlitten. Trotz eines Vermögenszuwachses von 500
Millionen Euro rutschte der Unternehmer vom vierten auf den fünften Platz ab,
wie aus der jährlichen Liste des "Manager Magazins" hervorgeht.
Kühnes Gesamtvermögen wird
nun auf 29 Milliarden Euro geschätzt. Im Vorjahr lag der HSV-Mäzen mit rund
28,5 Milliarden Euro noch auf dem vierten Rang. Der leichte Anstieg seines
Vermögens reichte nicht aus, um seine Position zu halten, da sich andere Milliardäre
über noch stärkere Gewinne freuen konnten.
An der Spitze der Liste
steht nun Lidl-Gründer Dieter Schwarz mit einem geschätzten Vermögen von 47,3
Milliarden Euro, gefolgt von den BMW-Großaktionären Susanne Klatten und Stefan
Quandt mit rund 34,4 Milliarden Euro. Auf den Plätzen drei und vier liegen die
Familie Merck mit 33,8 Milliarden Euro und die Familie Reimann mit 31,3
Milliarden Euro. […..]
(T-online.de, 02.10.2024)
Die Top-Namen sind alle bekannt; man weiß hinter welchen
Marken sie stehen: VW, BMW, Otto, Lidl, Aldi. Ich sehe mir die Listen aus zwei
Gründen so gern an. Einerseits zeigen sie die Dysfunktionalität unseres
politischen Systems, da durch Nichtstun generierte Gewinne am Kapitalmarkt viel
niedriger besteuert werden, als Erwerbsarbeit. Viele der Superreichen, wie zum
Beispiel Klaus-Michael Kühne entziehen sich durch Steuerflucht, den Regeln, die
eigentlich für uns alle gelten.
Andererseits verbinden wir Normalos mit Ultrareichtum,
die naive Vorstellung von totaler Freiheit. Mit ein paar Milliarden auf dem Konto
könnte man alles tun, was man will; so leben, wie man möchte und nach Belieben
das fördern, das einem wichtig ist.
Klein Fritzchen stellt sich das so vor: Man hat 250
Milliarden Dollar auf dem Konto, ärgert sich darüber, was auf Twitter
geschrieben wird, nimmt dann einfach 44 Milliarden aus seinem Vermögenstopf,
kauft das ganze Twitter, wirft alle Leute raus und macht damit, was man will.
Mit der Realität hat das nur bedingt zu tun, weil
Superreiche eher nicht ihr eigenes Geld riskieren. Aber wer 250 Milliarden hat,
kann problemlos weitere Milliarden leihen, diese bei sinnlosen Ego-Projekten
verpulvern und wenn man damit massive Verluste einfährt, umso besser: Das lässt
sich alles abschreiben und somit auf die Allgemeinheit umwälzen.
Gewinne sprudeln in Steueroasen, die miesen Investments werden
dem heimischen Fiskus auf das Auge gedrückt.
Aber alle Zahlen, die uns Forbes oder das Managermagazin
präsentieren, die so schön klar sind, sich „ranken“ lassen und somit
automatisch als Ausbund der Seriosität konnotiert werden, sind in Wahrheit
reine Trugbilder.
Grobe Schätzungen. Weitgehend ausgedacht.
Die MM-Redakteure haben gar keine Möglichkeit, genau zu
erforschen, was eine Susanne Klatten oder ein Thomas Strüngmann oder eine Beate
Heister wirklich besitzten. Bestenfalls sind ihre größten Aktienpakete bekannt,
deren tagesaktuellen Wert man ablesen kann. Aber niemand weiß, in welchen
Steuer-Oasen, Doppelstiftungsmodellen und Tochterfirmen-Geflecht welche Assets
stecken, ob in den Privathäusern, Schmuck, Kunst oder Goldbarren lagern.
Das beste Beispiel ist René Benko, der über viele Jahre von
allen Fachjournalisten für märchenhaft reich gehalten wurde, ohne daß
irgendjemand durchblickte, wie es wirklich um dessen Finanzen aussieht.
Manche Superreiche, wie Hasso Plattner, wehren sich gegen
solche Listen, halten dagegen. Ihr Vermögen stecke vollständig in der Firma (in
diesem Fall SAP) und stünde ihm eben nicht persönlich zu Verfügung. Viele
Superreiche sprechen nie über ihr Vermögen, wissen vermutlich selbst nicht
genau, was unterm Strich da ist. Aber auf die Milliardärs-Listen angesprochen, antworten
sie unisono, es handele sich um reinen Humbug.
Soziologen wissen ziemlich gut über die ärmsten Deutschen
und ihre Lebenswelt Bescheid. Die 0,1% an
der Reichtumsspitze, sind hingegen eine Blackbox. Ihre Steuerunterlagen sind
nicht zugänglich, sie nehmen auch nicht an Umfragen teil und sind somit
statistisch nicht zu erfassen.
Es lassen sich nur allgemeine Aussagen treffen.
[….] Ungeachtet aller Krisen, sind weltweit die
Superreichen im vergangenen Jahr immer reicher geworden. Den größten Anstieg
gab es dabei in Deutschland. Das birgt auch sozialen Sprengstoff.
Superreiche in Deutschland
haben ihre Finanzvermögen im vergangenen Jahr mit Abstand am meisten steigern
können. Das zeigt der diesjährige Global Wealth Report der Unternehmensberatung
Boston Consulting Group. Zudem ist das weltweite Nettovermögen im vergangenen
Jahr deutlich gestiegen, das liegt vor allem am Finanzvermögen, Aktien und
Anleihen. Immobilien etwa verzeichneten ein schwächeres Plus, sinkende
Immobilienpreise bremsten hier das Wachstum.
Der Global Wealth Report
ist nicht der einzige Bericht, der die Superreichen unter die Lupe nimmt - die
Daten decken sich mit anderen Vermögensstudien. Demnach konnten Superreiche in
Deutschland ihre Finanzvermögen deutlich steigern, um mehr als zehn Prozent.
"2023 war tatsächlich ein Jahr, das in Deutschland nochmal für einen
richtigen Schub bei den Superreichen gesorgt hat", sagt Chris-Oliver
Schickentanz vom Vermögensmanager Capitell: "Da haben natürlich auch die
boomenden Aktienmärkte entsprechend geholfen."
Die Superreichen werden
auch "Ultra High Net Worth Individuals" genannt, denn sie haben ein
Vermögen von mehr als einhundert Millionen US-Dollar. Die meisten davon leben
in den USA, gefolgt von China und Deutschland auf Platz drei.
Auffällig ist: Je mehr
Vermögen, desto stärker waren zuletzt auch die Zuwächse in Deutschland. Damit
besitzen laut Global Wealth Report 3.300 Superreiche hierzulande knapp ein
Viertel des gesamten Finanzvermögens. Die Zahl der Millionäre in Deutschland wächst
auf 555.000 an. […..]
(Tagesschau, 10.07.2024)
Sicher ist, daß gerade in Deutschland die "Ultra
High Net Worth Individuals" steuerlich enorm privilegiert werden. Reichensteuer,
Vermögenssteuer oder eine gerechte Erbschaftssteuer haben hier keine Chance,
obwohl das durchaus im Angebot der politischen Parteien liegt – nämlich bei
SPD, Grünen und Linken.
Schuld ist ganz allein der Urnenpöbel, der kontinuierlich
die Beschützer der Superreichen in die Regierung wählt. Gegenwärtig hätten die
Milliardärslobbyisten von CDU, CSU, AfD und FDP zusammen nach allen Umfragen deutlich über 50% der
Parlamentssitze.
Klatten, Quant, Albrecht, Porsche, Schwarz und Co haben
ihre Parteispenden gut eingesetzt und können beruhigt genießen, wie sie von
allein immer reicher und die Armen immer ärmer werden.
[…..] Ich habe mich in
meinem vorherigen Buch „Wir Erben: Was Geld mit Menschen macht“ (2015) mit
Mittelreichen beschäftigt, also mit Menschen, die ein paar Millionen haben.
Seitdem kenne ich die Daten zur Vermögensverteilung und weiß, dass Deutschland
zumindest in einer Sache noch internationale Spitze ist, und das ist die
Ungleichheit der Vermögen. Bei uns ist sehr viel Geld in den Händen von sehr
wenigen Menschen. Gleichzeitig ist das eine Gruppe, die sich eher abschottet,
die sich nicht so gerne öffnet und über die wir wenig Daten haben. All das ist
journalistisch eine spannende Gemengelage, denn man hat eine mächtige Gruppe,
über die relativ wenig bekannt ist. […..]

Eine Soziologie der
Superreichen gibt es tatsächlich nicht, obwohl ich finde, dass sie sehr nötig
wäre. Das liegt daran, dass Soziologen einen Drang nach unten haben. Daher ist
Armut wirklich bestens erforscht. Zum einen ist es einfacher, Armut zu erforschen,
weil wir da Daten haben und arme Menschen eher bereit sind, sich interviewen zu
lassen. Außerdem stammen viele Soziologen selbst aus der Mittelschicht, und da
ist extremer Reichtum einfach auch sehr weit entfernt. Jedenfalls gibt es wenig
Wissen über diese Welt. […..] Die Forschung kommt da jetzt langsam
hinterher. Ich würde mich freuen, wenn Forscher, die viel mehr Möglichkeiten
und oftmals viel mehr Kapazitäten haben als Journalisten, versuchen würden, in
diese Welt hineinzukommen. Meine Recherche hat gezeigt, dass es möglich ist.
Aber es ist wahnsinnig mühsam, man muss ein dickes Fell haben, was Absagen
angeht. Doch die Gespräche, die dann zustande gekommen sind, haben für mich
wahnsinnig viele neue Erkenntnisse gebracht. [….]
(Julia Friedrichs, Autorin von „Crazy Rich“, 26.09.2024)
Auf der internationalen Reichtumsliste stehen
üblicherweise Elon Musk, Jeff Bezos, Bernard Arnault und Mark Zuckerberg ganz
oben.
Auch das beruht auf Schätzungen. Niemand weiß genau, was
Musk wirklich auf der hohen Kante hat. Auch nicht die Steuerbehörden.
Gelegentlich wird gemutmaßt, auch diese vier Herren
würden von einigen gekrönten Häuptern weit übertroffen. König Salman al Saud
zum Beispiel.
Über Wladimir Putin verkünden russische Medien
bescheidene Verhältnisse.
[….] Offiziellen Angaben
des Kremls zufolge verdient der russische Präsident umgerechnet rund eine
Viertelmillion Euro pro Jahr für die Ausübung seines Amts. Er würde darüber hinaus
eine 77 Quadratmeter große Wohnung in Sankt Petersburg sowie vier Autos
besitzen. Auf seinem Bankkonto befänden sich etwa 200.000 Euro. […..]
(T-online.de, 18.03.2024)
Die Angaben glaubt selbstverständlich auch in Russland
niemand. Schon gar nicht, wer einmal die Bilder seines Palast-Komplexes im Wert
von 1,12 Milliarden Euro am Schwarzen Meer gesehen hat.
Es wird wild über Putins Milliardenvermögen spekuliert.
Sind es 20 oder 200 Milliarden Dollar. Oder gar eine Billion Dollar?
Immerhin herrscht Gewissheit über die reichste
Organisation der Erde. Das ist nach 2.000 Jahren erfolgreich praktizierter Raffgier, selbstverständlich
die katholische Kirche.
Allein in Italien besitzt die katholische Kirche mindestens 100.000 Immobilien.
Die Kirchen als Massenkindesmissbrauchsorganisationen verstehen sich natürlich wie andere superreiche
Steuerflüchtlinge darauf, Gewinne in die eigenen Taschen zu leiten und mit Verlusten
die Allgemeinheit zu belasten.
Sogar ihre gegenwärtigen Kernkosten, die Entschädigungen
für die von ihren Klerikern vergewaltigten Kinder, drücken sie mit maximaler
Unverschämtheit anderen auf’s Auge.
Kirchen sind gegen Kinder**cken versichert. Dafür wenden
sie keine eigenen Mittel auf.
[…..] Mehr als 630 Fälle
sexualisierter Gewalt in beiden großen Kirchen sind bislang der
Verwaltungs-Berufsgenossenschaft (VBG) gemeldet worden. Über mehr als 200 davon
wurde bereits entschieden – in über der Hälfte mit Anerkennung. Das teilte der
für die Kirchen zuständige gesetzliche Unfallversicherer am Montag auf Anfrage
der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Hamburg mit. Für die Betroffenen
würden etwa die Kosten einer psychologischen Behandlung übernommen. In schweren
Fällen, die sich auf die Erwerbsfähigkeit auswirken, könne zudem Anspruch auf
eine Verletztenrente bestehen. Eine solche werde bereits in 20 Prozent der
anerkannten Fälle bezahlt.
Die Zahlen beziehen sich
auf den Zeitraum von April 2022 bis heute. Damals hatte die VBG den Kirchen
erstmals mitgeteilt, dass auch Fälle sexuellen Missbrauchs Versicherungsfälle
sein können. Die VBG ist als gesetzliche Unfallversicherung für Menschen zuständig,
die haupt- oder ehrenamtlich in den Kirchen beschäftigt sind. Über die
Berufsgenossenschaft sind nach deren eigenen Angaben allein 1,7 Millionen
Menschen versichert, die in den Kirchen ehrenamtlich tätig sind. […..] Die
Voraussetzungen für einen Versicherungsfall seien gesetzlich geregelt. Nach
Eingang einer Meldung nehme die VBG Kontakt zum Betroffenen auf. Bei
Einverständnis würden auch Unterlagen der kirchlichen Unabhängigen Kommission
zur Anerkennung des Leids (UKA) oder aus Straf- oder Entschädigungsverfahren
herangezogen sowie bereits vorliegende Gutachten. Erst dann könne eine
Entscheidung über eine Anerkennung getroffen werden.
Zuletzt war ein Fall
bekannt geworden, in dem ein Betroffener Missbrauch durch einen Priester im
Erzbistum Paderborn geltend machen wollte. Die Rente für den damaligen
Messdiener wurde mit der Begründung abgelehnt, die Vorfälle seien im Privaten
und nicht in Zusammenhang mit der Messdienertätigkeit geschehen. Der Betroffene
hatte der VBG eine Täter-Opfer-Umkehr vorgeworfen und Widerspruch eingelegt.
Auf Nachfrage erklärte die Versicherung, sie könne zu dem Fall keine Stellung
nehmen, da es sich um ein laufendes Verfahren handele. (KNA) [….]
(Katholisch, 07.10.2024)
Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren. So bleiben
die Kirchen an der Spitze der Superreichen!