Samstag, 9. Juli 2022

Raffgier

Frau Prange, die nur ein paar Häuser wohnt, der ich ab und zu mal helfe, wohnt im vierten Stock ohne Fahrstuhl. Ende des Jahres wird sie 80 und sucht schon länger dringend nach einer anderen Wohnung.

Ich kenne das Problem von meinem Vater, der auch im vierten Stock eines Altbaus ohne Lift wohnte und die letzten Jahre seines Lebens buchstäblich dort gefangen war.

Er liebte allerdings seine Bude, wollte nicht ausziehen und hatte schließlich einen Sohn, der ständig auftauchte, um ihm alles anzuschleppen. Bei Arztbesuchen musste ich ihn von einem Krankentransport rauf- und runtertragen lassen. Zum Glück war er sehr dünn.

Meine Nachbarin ist aber kinderlos und zudem keineswegs gewillt immer nur in ihrer Wohnung zu sitzen. Also muss sie da raus. Die finanziellen Mittel sind äußerst begrenzt, daher verfügt sie schon lange über einen Dringlichkeitsschein. Sie ist auch durchsetzungsfähig und geht den Behörden mit ihrem Gesuch ordentlich auf den Zeiger. Aber das wird nichts. „Wegen der Scheiß Ukrainer“, wie sie mir vorgestern erklärte. Sie war wieder bei der zuständigen Sachbearbeiterin, die ihr sachlich erklärte, sie habe keine kleinen zentral gelegenen, barrierefreien Wohnungen zur Verfügung, weil sie tausende ukrainische Familien unterbringen müsse. Frau Prange empörte sich, wieso sie als Deutsche weniger wert wäre. Die sachliche Sachbearbeiterin, parierte den ihr offensichtlich wohl bekannten Vorwurf mit „aber Frau Prange, sie haben ja immerhin eine Wohnung, die ukrainischen Flüchtlinge sitzen buchstäblich auf der Straße.“

Frau Prange wählt aus Gewohnheit SPD, seit Helmut Schmidt. Aber man kann sich vorstellen, wie die AfD aus solchen Situationen ihren Honig saugt.

Andererseits sind kinderlose 79-Jährige, die in absehbarer Zeit nicht mehr autark leben können und über wenig Geld verfügen, metaphorisch gesprochen das Problem Deutschlands. Ja, sie hat immer viel gearbeitet. Aber diese Leute sind eben schon in Rente oder gehen demnächst in Rente. Für die körperlich anstrengenden Jobs findet man keine deutschen Bewerber mehr.

Es herrscht de facto Vollbeschäftigung, wie man in der sehr informativen letzten Presseclubsendung Personalnot überall: Schwere Hypothek für unsere Wirtschaft? lernen konnte.

Eins ist sicher, wir brauchen sehr viel mehr Migranten auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Das wurde inzwischen auch von den meisten Politikern und allen Ökonomen verstanden. Allein, es fehlt immer noch an der Einsicht, daß Deutschland sich inzwischen um diese Leute bemühen muss. Daß die Bundesrepublik für Arbeitsmigranten gar nicht mehr erste Wahl ist, daß man nicht mehr wie in den 1960ern nur kurz die Grenzen lüpfen muss und schon strömen völlig anspruchslose, für alle schweren Arbeiten einsetzbare Europäer in gewünschter Anzahl hinein.

Wir können Deutschland bald beerdigen, wenn nicht jedes Jahr mindestens eine halbe Million Facharbeitskräfte ins Land geholt werden. Facharbeitskräfte, die keine seelenlosen Maschinen sind, die man in irgendwelchen Bruchbuden stapeln kann, sondern für die vielmehr der rote Teppich ausgerollt werden muss. Sie müssen sehr anständig bezahlt werden, angemessene Wohnungen finden und kommen natürlich auch nicht allein, sondern bringen ihre Familien mit.

Verblüffenderweise trauen sich die meisten Politiker immer noch nicht offensiv dem Urnenpöbel diese simple Tatsache einzuhämmern. Mal abgesehen davon, daß AfD und große Teile der C-Parteien das auch nicht wollen, weil sie mit Xenophobie Wahlkampf machen. Umso erstaunlicher, daß bei Ukrainern behördlicherseits tatsächlich weniger Hürden auftauchen und sie unkompliziert eine Arbeitserlaubnis erhalten.

Umso erbärmlicher, daß das für dunkelhäutigere Flüchtlinge immer noch nicht gilt, daß anhand Herkunft und Hautfarbe, Rechte unterschiedlich verteilt werden. Offene Arme für diejenigen, die vor Putin fliehen, Pushbacks und Tod im Mittelmeer für Schwarzhaarige. Syrer, Afghanen und Eritreer schmoren über Jahre in Massenunterkünften, dürfen ihren Aufenthaltsort nicht frei wählen, nicht arbeiten, erhalten keinen sicheren Aufenthaltsstatus und ihre Familien nachzuholen, kann man in C-Partei regierten Bundesländern auch vergessen.

So trübt sich die Freude über die unkomplizierte Hilfe für Ukrainer deutlich ein und altruistisch sind die Motive auch nicht immer.

Ich wohne in Sichtweite der „Mundsburgtower“; das sind drei Hochhäuser an einer breiten Straßenkreuzung mitten in Hamburg. Die 1973 fertig gestellten 90 bis 101 m hohen Wohntürme sind für Hamburger Verhältnisse mit 23 Stockwerken riesig. Sie sind so angeordnet, daß man aus vielen Blickwinkeln annimmt, es wären nur zwei Türme. Jahrelang habe ich Besuchern aus New York beim Vorbeifahren erklärt, das wäre unser World Trade Center.

Die Wohnungen sind recht klein, alles Ein- und Zwei-Zimmerbuden, die aber natürlich einen grandiosen Ausblick bieten und sagenhaft praktisch gelegen sind, weil sie über einem riesigen Einkaufszentrum, direkt an einer U-Bahnstation und auch noch ganz nah an der eleganten Außenalster stehen. Als ich studierte, versuchte meine Mutter mehrfach mir dort eine Wohnung zu mieten. Das wäre die beste Studentenwohnung gewesen. Leider kommt man natürlich nicht leicht ran und günstig war es auch nicht, so daß sich der Traum nie erfüllte.

Nach einem halben Jahrhundert gibt es dort allerdings erheblichen Sanierungsbedarf und so standen gerade viele Einheiten, die erneuert werden sollten leer, als die ersten Ukrainischen Flüchtlinge in Hamburg auftauchten.

Und so gab es eine dieser bewundernswert einfachen Lösungen. Die Großsanierung wurde verschoben – Handwerker und Materialien sind ohnehin schwer zu bekommen und so konnten auf einen Schlag viele Ukrainer sehr gut untergebracht werden.

Ich war sogar etwas stolz, wie gut das in meiner unmittelbaren Nähe funktionierte.

Schön, daß ein Projektentwickler, wie die Home United Spaces GmbH, zu so sozialen Aktionen fähig ist.

Die Stadt mietete 60 Wohnungen für insgesamt 300 Ukrainer in den Türmen.  Wie Die Linke aber inzwischen erfuhr, wurden pro Tag und pro Person 30 Euro Warmmiete mit dem United-Space-Besitzer Tomislav Karajija vereinbart.

[…] Wie viele Menschen in einer der Wohnungen untergebracht werden, entscheidet die Stadt. Ein Teil der Wohnungen sind kleine Ein-Zimmer-Wohnungen (ca. 30 Quadratmeter), die mit zwei bis vier Personen belegt werden. Ein weiterer Teil sind größere Wohnungen (ca. 65 Quadratmeter) für vier bis sechs Personen. Für eine Mutter mit zwei Kindern in einer kleinen Wohnung fallen pro Tag 90 Euro an. Das summiert sich im Monat auf horrende 2700 Euro. „Bei einer Belegung mit vier Personen sind das satte 3600 Euro für eine Wohnung im Monat“, empört sich Carola Ensslen, die flüchtlingspolitische Sprecherin der Fraktion der Linken. Die größeren Wohnungen können sogar 5400 Euro an Miete erlösen.  „Die Home United Spaces GmbH verdient sich eine goldene Nase auf dem Rücken von Geflüchteten. Das ist sittenwidrig“, kritisiert Ensslen, und dass sich der Senat auf so einen Deal trotz der Unterbringungsnot nicht hätte einlassen dürfen. […]

(MoPo, 09.07.2022)

Freitag, 8. Juli 2022

Bis die Bibel aus der Hand springt.

Schon klar, als rechtskonservativer Politiker, Propagandist, Papst, Premierminister, Publizist, Priester, Patriarch, Parteigänger muss man manchmal Thesen öffentlich vertreten, die man selbst nicht glaubt.

Gerade in den USA sollte man sich längst von der Wahrheit emanzipiert haben. Immerhin wird dort der 30.000-fache Lügner, Hochverräter und Verbrecher Donald Trump als Messias verehrt.

Einer der festen Glaubenssätze der Trump-Religion lautet, daß Pistolen, beziehungsweise die freie Verfügbarkeit von automatischen Waffen, rein gar nichts damit zu tun haben, daß täglich mehrere Dutzend Menschen in den USA abgeknallt werden.

Da aber in keiner anderen Industrienation auch nur annähernd so viele Menschen erschossen werden, wie in den mit Waffen überfluteten USA, müssen die GOP kreativ sein, um andere Ursachen dafür zu erfinden, weswegen täglich ein neuer frustrierter weißer, rechtsradikaler, junger, männlicher Trump-Fan unschuldige Menschen erschießt.

Die Klassiker sind: Videospiele, Cannabis und natürlich feministische Mütter, die den armen kleinen Killer verwirrt haben. 

Im Gegensatz zu unschuldigen Schwarzen, werden die jungen weißen Massenmörder meist unverletzt von Polizisten gefangen genommen, mit Samthandschuhen behandelt und anschließend sogar gelegentlich wie Kyle Rittenhaus zu Helden stilisiert, die bei Trump-Audienzen geehrt und auf GOP-Meetings bejubelt werden.

Eine eher neue Erfindung, die erst durch Abschaum-Senator Ted Cruz nach dem Uvalde-Amoklauf populär wurde, ist die Tür-Theorie. Schulen hätten einfach zu viele Türen. Die müssten alle zugemauert werden und schon wären die Kinder für immer sicher. Das ist unheimlich überzeugend, denn wie wir ja wissen, haben australische, europäische, japanische und kanadische Schulen gar keinen Türen und deswegen auch keine Amokläufe.

Außerdem herrscht bei der Feuerwehr große Begeisterung für die Idee, bei so riesigen Gebäuden mit tausenden Insassen alle Fluchtwege zu sperren.

Da muss man sich bei Bränden nicht erst umständlich bemühen, Kinder aus den Flammen zu retten, sondern kann gemächlich wie die texanischen COPs in Uvalde abwarten, bis alle tot sind und später die Leichen einsammeln.

Wie gesagt, als Republikaner muss man abgehärtet sein. Aber mit viel Übung bekommen sie es tatsächlich hin, so einen hanebüchenen Schwachsinn, ohne zu lachen in die Kameras zu erzählen.

Mit diesen besonderen Fähigkeiten scheint auch die Republikanerin Lavern Spicer ausgestattet zu sein, der ohne vom Blitz getroffen zu werden nach dem Attentat auf den rechtsradikalen Japanischen Ex-Premier Shinzo Abe erklärte, das sei der Beweis dafür, daß strenge Waffengesetze keinen Schutz böten.

How did Shinzo Abe get assassinated when guns are banned in Japan? Liberals, care to explain?

(L. Spicer, GOP, 08.07.2022)

 

In Japan sind Waffen strikt kontrolliert und nachdem nun ein Menschen mit einer Pistole erschossen wurde, blitzberkt sich Spicer durch social media.

[….] Fatal gun violence is virtually unheard of in Japan, and most Japanese go through life without ever handling, or even seeing, a real gun. Stabbings are more common in killings.  Major universities have rifle clubs, and Japanese police are armed, but gun ownership rights have been a distant issue for decades. Even police rarely resort to firing their pistols.  With a population of 125 million, the country had just 10 gun-related criminal cases last year, resulting in a single death and four injuries, according to police. Eight of those cases were gang-related.  The densely populated capital of Tokyo had zero gun incidents, injuries or deaths during that same year, although 61 guns were seized there.  “Japanese people are in a state of shock,” said Shiro Kawamoto, professor at the College of Risk Management at Nihon University in Tokyo.  [….]

(WaPo, 08.07.2022)

Japan, strenge Waffengesetze, ein einziger Toter im Jahr 2021 durch Schusswaffen.

USA, so gut wie keine Waffengesetze, 45.222 Tote im Jahr 2021 durch Schusswaffen.

Ich weiß auch nicht, wieso es mir immer wieder passiert. Wie kann ich noch überrascht sein, von der unfassbaren Dummheit amerikanischer GOPer?

Japan, fast keine Schusswaffen im Privatbesetz, EIN Toter im Jahr.

USA, 400 Millionen Schusswaffen im Privatbesetz, mehr als 45.000 Tote im Jahr.

Und daraus folgert Spicer, Schusswaffenverbote wirken NICHT!

[….] Secondly, by asking "liberals" to explain, Spicer is suggesting that gun laws don't prevent gun violence, since those who identify with "liberal" political beliefs tend to support stricter gun control measures. However, the simple fact that this act of violence is so rare in Japan supports the idea that gun control in Japan is working. Yes, culture is one reason for the low rate, but gun regulation is a major one, too. The result is a situation where citizens and police seldom use guns. The fact that the shooter of Shinzo Abe most likely used a "homemade gun"2 to get past laws restricting the sales of firearms and ammunition, proves that guns are harder to obtain in Japan.   According to a recently published article on Vox, gun regulations in other countries reflect a significant difference in recorded instances of gun violence. 

“No other high-income country has suffered such a high death toll from gun violence. Every day, more than 110 Americans die at the end of a gun, including suicides and homicides, an average of 40,620 per year. Since 2009, there has been an annual average of 19 mass shootings, when defined as shootings in which at least four people are killed. The US gun homicide rate is as much as 26 times that of other high-income countries; its gun suicide rate is nearly 12 times higher.

The following excerpt published in The Guardian by reporters Cait Kelly and Justin McCurry compares gun violence in U.S. and Japan and other high-income countries.

“A 2022 report from the University of Washington revealed that, while the US had more than four firearm homicides per 100,000 people in 2019, Japan had almost zero. Comparing high-income countries in the World Bank with the rate of firearm homicide per 100,000 people, the US had 4.2, Australia had 0.18 and Japan 0.02, the report found. In 2013, the country hit a record high for gun crime, with 40 criminal cases of guns being fired, but it has followed a downward trend since. There are also strict laws about how many gun shops are allowed to open – in most of the countries’ 47 prefectures, a total of three gun shops can operate in each prefecture”. [….]

(Fact Check 08.07.2022)

Donnerstag, 7. Juli 2022

Kleine Amtsvorteile

Ach wie schön so eine Promi-Hochzeit à la Christian Lindner doch ist.

[….] Ein Kuss unter weißen Blüten: Finanzminister Christian Lindner und seine Lebensgefährtin Franca Lehfeldt haben auf Sylt standesamtlich geheiratet. Gegen 17.30 Uhr trat das Paar vor das Sylt-Museum, wo bereits Gäste warteten, um Blütenblätter zu werfen. [….] Dabei winkten sie zahlreichen Neugierigen und Journalisten zu, die auf das Paar gewartet hatten. [….]  Polizisten stellten sich vor die überwiegend aus Urlaubern bestehende Schar von Neugierigen. [….] Die standesamtliche Hochzeit von Lindner und Lehfeldt war der Auftakt mehrtägiger Hochzeitsfeierlichkeiten auf Sylt. Am Freitag soll nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur ein Polterabend stattfinden. Am Samstag will sich das Paar in einer Kirche trauen lassen. Medienberichten zufolge soll dann abends in der »Sansibar« gefeiert werden. Auf der Gästeliste sollen demnach zahlreiche Prominente stehen – darunter Bundeskanzler Olaf Scholz. [….]

(SPON, 07.07.2022)

Wie bei Queen Elisabeth II. 70-Jährigen Thronjubiläum, sollen die Feierlichkeiten drei Tage andauern. Die Wunschliste des Porsche- und Rolex-Fans Lindner ist typisch neureich – so möchte der Finanzminister unter anderem eine Suppenterrine der Königlich Kopenhagener Porzellan Manufaktur für über 1.000 Euro haben.

Übermorgen folgt die kirchliche Trauung des mit 18 Jahren aus der Kirche ausgetretenen Lindners.

Es ist die klassische Heuchelei des Millionärs Lindner: Kirchensteuer zahlen will er natürlich nicht, aber den kirchlichen Pomp zur Selbstinszenierung maximal ausnutzen. Üblicherweise macht die Kirche das nicht mit und behält christliche Trauungen ihren zahlenden Mitgliedern vor. Zumindest eine Hälfte des Paares muss Mitglied sein. Aber so wie Christian aus der katholischen Kirche austrat, verließ auch seine Franca die evangelische Kirche.

Aber wir sprechen eben von der Kirche, der Erfinderin der Heuchelei, die eine geschiedenen Chirurgen aus einem Krankenhaus in katholischer Trägerschaft, genauso unbarmherzig feuert, wie eine Kindergärtnerin, die sich in eine Frau verliebt.

Bei Chris und Franca ist es aber etwas anderes, denn beide sind reich und berühmt. Man verschreckt nicht den Bundesfinanzminister und scheißt daher auf alle Regeln, wenn man sich dadurch weiterhin Protektion vom Staat versprechen kann.

Macht und Geld sind für die Kirche grundsätzlich erheblich wichtiger als Moral.

Die WELT-Reporterin Lehfeldt mit über 100.000 Instagram-Followern, spielt offenbar alle Hochzeitsinformation direkt ihrem Springer-Konzern zu, Lindner heuerte eigens für die Kirchengemeinde eine PR-Sprecherin an. Ute Spangenberg leitet eine "Gesellschaft für Veranstaltungsorganisation"; bei so viel Klatsch-Content kann auch Lehfeldt über ihre Followerschaft prächtig abkassieren.

[…] Spangenberg ist mit ihrer Firma auf "Veranstaltungen im politischen Bereich spezialisiert". Vertraulichkeit dürfte für sie kein Neuland sein, davon profitieren jetzt auch Lindner und Lehfeldt. Dementsprechend überrascht es, wie viele Details über die Hochzeit aktuell in der "Bild"-Zeitung zu lesen sind. "Die Party ++ Die Trauzeugen ++ Das Menü ++ Welche Gäste geladen sind", steht unter einem Artikel mit der Überschrift "So wird die Polit-Hochzeit des Jahres". Zu lesen ist dort außerdem, es herrsche eine "hohe Sicherheitsstufe". Was dabei unerwähnt bleibt: Der Personenschutz durch das Bundeskriminalamt wird durch Steuergelder finanziert – und darum kreist inzwischen eine lebhafte Debatte.   […]

(T-online.de, 06.07.2022)

Das sind Synergie-Effekte. FDP und Springer verhindern gemeinsam, daß die unangenehmen Aspekte in der Presse erscheinen und die Kirche lässt sich mit der Aufmerksamkeit schmieren.


So eine Politiker-Mega-Hochzeit, die Reiche und Presse, Mächtige und Kirchen, gegen den Plebs zusammenschweißt, soll es auch in London geben.

Deswegen kann Boris Johnson, den es nach einer aberwitzigen Kaskade von Lügen und Skandalen, nun doch aus dem Parteivorsitz kegelte, auch noch nicht als britischer Premier zurücktreten.

Carrie Symonds, verheiratete Carrie Johnson, 34, also ein Vierteljahrhundert jünger als ihr Ehemann, konservative Politikberaterin und Mutter eines der knapp 10 Johnson-Kinder (die genaue Anzahl kann ich mir bei diesen superfertilen Typen, wie zB auch Musk, nie merken), hatte aber bisher nur eine kleinere Zeremonie in der Westminster Cathedral. Da muss noch ordentlich einer draufgesetzt werden und das geht eben am besten auf Staatskosten. Also muss ihr Boris noch im Amt bleiben.

[….] Boris Johnson will wegen seiner Hochzeitspläne Regierungschef bleiben  [….] Johnson und seine Frau Carrie hatten im Mai 2021 im kleinen Kreis geheiratet – wegen der Coronabeschränkungen konnten sie nur 30 Gäste zu einer Gartenparty in die Downing Street einladen. Für den 30. Juli ist nun eine große Party in Chequers, dem offiziellen Landsitz des britischen Premierministers, geplant. Am Donnerstag kündigte Johnson an, noch so lange Regierungschef zu   bleiben, bis ein neuer Parteichef gewählt ist – möglicherweise also bis zum Parteitag im Oktober. Der »Daily Mirror«, der »Guardian«  und andere britische Medien berichten nun, der Zeitplan hänge vor allem mit Johnsons Hochzeitsplänen zusammen – die Einladungen nach Chequers seien bereits verschickt. Auch ein Versprecher deutet darauf hin, dass Johnson in seiner Rücktrittsrede das Herrenhaus aus dem 16. Jahrhundert im Sinn hatte: Als er vor seinem Amtssitz in der Londoner Downing Street seinen Rücktritt bekanntgab, bedankte er sich bei seinen »wunderbaren Mitarbeitern hier in Chequers«. Londons Bürgermeister Sadiq Khan von der oppositionellen Labour-Partei kommentierte die Vorwürfe ironisch: »Auch wenn wir alle gerne ein rauschendes Hochzeitsfest auf Kosten des Steuerzahlers in Chequers haben würden, wird er das nicht tun können, weil die britische Öffentlichkeit es abscheulich finden wird«, sagte Khan im Sender LBC Radio. [….]

Die Hochzeitspläne sind natürlich wichtiger. Unter den Umständen kann BoJo ja gar nicht zurücktreten und muss weiter britischer Regierungschef bleiben.