Sonntag, 26. Juni 2022

Kemmerich 2.0

Die FDP gerät mit ihrem bockigen, destruktiven Verhalten in immer schwereres Fahrwasser.

Sogar der traditionell sehr gelbe SPIEGEL – Gründer Rudolf Augstein saß für die FDP im Bundestag – senkt die Daumen.

Gute Wirtschaftspolitik macht man heute, indem man das Gegenteil der FDP-Propaganda umsetzt.

[….] Wir müssen aufhören, auf diese Leute zu hören  [….] »Die Versäumnisse der letzten Dekade«, das klingt immer noch ziemlich abstrakt, also buchstabiere ich mal aus, was Habeck da eigentlich meint: Wir haben uns politisch von Leuten in die falsche Richtung führen lassen, die mit dieser falschen Richtung viel Geld verdient haben. Von den Lobbyverbänden der Kohle-, Öl- und Gasbranchen, von den Lobbyverbänden gewisser Industrien, allen voran der Automobilindustrie.

Die größten und schlimmsten Versäumnisse aber sind:

    In der Solarbranche beispielsweise arbeiteten in Deutschland  im Jahr 2011 über 156.000 Menschen. Zehn Jahre später, im Jahr 2021, waren es fast 100.000 weniger.

    In der Windenergiebranche begann die Arbeitsplatzvernichtung erst später, nämlich 2016. Damals arbeiteten in der Branche, on- und offshore zusammengenommen, etwa 167.000 Menschen. 2021 waren es vorläufigen Daten des Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) zufolge etwa 37.000 weniger. [….] Insgesamt ist die Geschichte der Arbeitsplätze im Bereich der erneuerbaren Energien hierzulande eine Geschichte des Scheiterns nach hoffnungsvollem Anfang. Zukunftsjobs wurden kaputtreguliert, Vergangenheitsjobs vor jeder sinnvollen Regulierung geschützt und fleißig subventioniert. Dabei war längst klar, dass alle Volkswirtschaften dekarbonisieren müssen, und zwar schleunigst.

Im Jahr 2000, als das Erneuerbare-Energien-Gesetz verabschiedet wurde, gab es in allen erneuerbaren Energiebranchen Deutschlands – einschließlich Wasserkraft, Geothermie und Biomasse – zusammen knapp 105.000 Arbeitsplätze. Bis 2011 vervierfachte sich diese Zahl fast, auf über 415.000.

Ab da aber ging es bergab, was viel mit den Aktivitäten der FDP-Wirtschaftsminister Rainer Brüderle und Philipp Rösler zu tun hat. [….] Christian Lindner bleibt sich treu und gibt im Moment eins zu eins die Positionen des VDA wieder. Immer wieder fordert er, dass das vom EU-Parlament beschlossene Ende für neue Verbrenner ab 2035 auf keinen Fall kommen dürfe – ganz egal, was deutsche Autobauer wirklich wollen. Lindner liebt den Verbrennungsmotor noch mehr als VW, Audi und Daimler. Es gibt noch weit mehr auf den alten Geschichten Hängengebliebene in Berlin, aber Lindner ist derzeit der Mächtigste unter ihnen. [….]

(Prof. Christian Stöcker, 26.06.2022)

Noch nicht mal die Auto-Industrie selbst denkt so rückwärtsgewandt und kontrafaktisch wie Christian Lindners Epigonen.

[…] Immer mehr Hersteller nennen ein Datum für das Verbrenner-Ende. Darunter sind neben GM auch Ford, Audi, Mercedes, Volvo, VW, Hyundai und jetzt ebenfalls Opel. [….] Die Rüsselsheimer und ihre britische Schwestermarke haben es mit dem Verbrennerausstieg besonders eilig. Heute hat Opel zwölf elektrifizierte Modelle – darunter das gesamte Nutzfahrzeug-Portfolio – im Angebot, 2024 soll die gesamte Modellpalette mindestens teilelektrisch unterwegs sein. Doch das sind nur Zwischenschritte in eine vollelektrische Zukunft, die bereits 2028 anbrechen wird. […]

(Auto Motor Sport, 04.03.2022)

Offenbar ist es nur noch Porschefahrer Lindner selbst, der annimmt, im Jahr 2035 würden die Kunden noch gern neue Verbrenner-Autos kaufen.

Marc Beise neoliberaler Wirtschafts-Chef der Süddeutschen und der in der gesamten SZ-Redaktion mutmaßlich der Konservativste, schreibt hingegen über dem GRÜNEN Bundeswirtschaftsminister:

[….]  Robert Habeck macht seinen Job nahezu perfekt[….] Robert Habeck hat die zweite von drei Gaskrisenstufen ausgerufen, und das kann man ohne Übertreibung eine Zeitenwende in der Energieversorgung dieses Landes nennen. Dabei geht es um mehrere Konsequenzen, die zunächst wichtigste ist diese: Es wird sich (erst) jetzt im Land die Erkenntnis durchsetzen, dass die Lage ernst ist. Für viele Menschen ist die Energiefrage bisher immer noch eher akademisch: Da ist ein Problem, da kommt was, aber mich betrifft's noch nicht. Es ist Sommer, der Sommer nach einer langen Pandemie, und über den Ernst der Lage denken wir im Herbst nach.  Auch auf diese so überaus menschliche Regung hat der Bundeswirtschaftsminister in seiner Alarm-Pressekonferenz am Donnerstag voller Sympathie hingewiesen, er hat sie "Selbstvergesslichkeit" genannt und Verständnis geäußert. Man kann es drehen und wenden, wie man will, der Mann macht gerade mit einer nahezu unheimlichen Sicherheit einfach alles richtig. Er spricht frei, aber präzise, erklärt, zeigt (nur) eine Grafik, spielt keine parteipolitischen Spielchen, dramatisiert nicht, bagatellisiert aber auch nicht, und ordnet das auch noch so in den großen Putin-Zusammenhang ein, dass es passt. Habeck macht seinen Job, man muss es einfach sagen: nahezu perfekt. Gerade deshalb wird dieser Donnerstag seine Wirkung nicht verfehlen. [….]

(SZ, 23.06.2022)    

Autsch, das muss dem selbsternannten Wirtschaftsexperten Lindner, der schon mit 18 Jahren eine Kuhkrawatte umband, sich einen Benz lieh, als Unternehmensberater posierte, stets nur Häme für die Grünen übrig hatte, mit seinen persönlichen Geschäften aber immer nur Schiffbruch erlitt und sich für ganz schlau hielt, daß mächtigere Finanzministerium zu übernehmen, während er Vizekanzler Habeck auf der vermeidlich eher nachrangigere Wirtschaftsministerium abschob, wirklich weh tun.

Der stets um Aufmerksamkeit heischende ultra-eitle FDP-Chef muss sein Ego immer über die Sache, über die Regierung über das Wohl seines Landes stellen und erträgt es einfach nicht, daß Grüne Minister ihm im Beliebtheitsranking enteilen.

 [….] Unfug erlauben. Von Regierungsmitgliedern dürfen wir mehr erwarten. [….] Finanzminister Christian Lindner ist das Sorgenkind der Ampel. Offenbar zunehmend verzweifelt schreit er nach Aufmerksamkeit. [….]

»Mehr Fortschritt wagen« wollte die Ampel. Die FDP scheint davon nichts mehr wissen zu wollen – und macht jüngst lieber Angebote für ein Publikum, das sich zurück in eine Vergangenheit wünscht, in der Autos noch einen Auspuff haben mussten und die Kernkraft als zuverlässig galt. [….] Die Verlängerung der Atomlaufzeiten hingegen ist noch nicht einmal Lindners eigene Idee, er hängt sich hier an einen Vorschlag des CDU-Chefs Friedrich Merz, offenbar in Sorge wegen dessen zunehmender Beliebtheit beim liberalen Stammpublikum. [….]Wie bestimmt auch Christian Lindner und Friedrich Merz wissen (und womöglich sogar Markus Söder), ist ein Atomkraftwerk nicht einfach so an- und abzuschalten. Zunächst müsste man die richtigen Brennstäbe erst einmal beibringen. Zudem wären teure, zeitraubende Sicherheitsüberprüfungen nötig und der Einsatz von Personal, das sich angesichts der kommenden Abschaltung längst anderweitig orientiert hat. Mal ganz abgesehen davon, dass kein einziges der Probleme gelöst ist, die seinerzeit zur Abkehr von der Atomkraft geführt haben: wohin mit dem Müll? Was ist mit dem Restrisiko? Nein, nicht einmal der Chef des Energiekonzerns RWE wünscht sich längere Laufzeiten. Er hält die Debatte für rückwärtsgewandt. [….]

(Spiegel Leitartikel 25.06.2022)

Die Verzweiflung der FDP ist so groß, daß sie offenbar mal wieder an ihre bräunliche Phase anknüpfen will. Der oppositionelle Lindner hatte das immer wieder versucht, polterte rechter als Alexander Gauland und gratulierte dem Kemmerich-Coup mit der Höcke-AfD.

Sehr viel schlimmer ist es, daß Linder die Ausrichtung seiner Partei, die schon immer Berührungen mit dem rechtsextremen Spektrum hatte, seit Jahren immer stärker an die AfD anlehnt.

Die Lindner-FDP ist ein Gauland-Appendix.  (….) Die FDP suche nun ihren Platz weit rechts der Mitte zwischen CDU/CSU und AfD. Wieder muß ich Jörges zustimmen; die Christian-Linder-Partei (CLP) wird rapide unsympathischer.

Ungeniert feuert der Chef aus der rechten Ecke.

[…..] In einem Interview mit dem Magazin "Stern" wendet sich Linder recht offensichtlich an die Menschen am rechten Rand des Wählerspektrums. "Warum sind so viele Deutschtürken keine Verfassungspatrioten?", fragt Lindner darin. Deutschland sollte beginnen, sich "offensiver zu seinem großartigen liberalen Grundgesetz zu bekennen".  Der FDP-Chef befand in diesem Zusammenhang außerdem: Der türkischstämmige Fußballer Mesut Özil soll vor Spielen der Nationalmannschaft die deutsche Hymne mitsingen.

Lindner kritisierte zudem die Flüchtlingspolitik der Bundesreagierung. "Unsere Zuwanderungspolitik benötigt eine Generalinventur", sagte er dem "stern". "Wer bleibt, den müssen wir uns aussuchen. Da sollte das Ziel der Integration viel stärker die deutsche Staatsangehörigkeit sein."

Das Interview von Lindner sorgte in den sozialen Medien schnell für Wirbel. Vor allem der Satz über Mesut Özil missfiel vielen Lesern. "Leute zwingen, eine Hymne zu singen - ist das liberal?", fragte etwa einer. […..]

(HuffPo, 26.04.2017)

Die FDP in der Nähe der AfD scheint zu funktionieren. Petrys Umfragezahlen werden kleiner, die FDP kratzt schon wieder an den 10%.

Braun kommt immer an in Deutschland.

Bezeichnenderweise verwendet der eher linke Grüne Jürgen Trittin heute die gleiche Wortwahl wie CDU-General Tauber vor vier Monaten:

   [….] CDU-Generalsekretär Peter Tauber hat FDP-Chef Christian Lindner scharf attackiert. Zwei Tage nach dem Dreikönigstreffen der Liberalen, bei dem Lindner die Union erneut wegen ihrer Flüchtlings- und Sicherheitspolitik kritisiert hatte, warf Tauber dem FDP-Chef überhebliches Verhalten vor. Das provoziere ein erneutes Scheitern der Liberalen wie bei der Wahl 2013. Damals hatte die FDP bei der Bundestagswahl nur 4,8 Prozent der Stimmen geholt und ist seitdem nicht mehr als Fraktion im Bundestag vertreten. "Der Grund, warum die FDP damals aus dem Bundestag geflogen ist, war nicht die CDU, sondern sie selbst", sagte Tauber der Bild am Sonntag. "Und mit seinem selbstherrlichen Auftreten tut Herr Lindner gerade alles dafür, dass sie es wieder nicht schafft. Dann wäre die FDP erledigt."  Lindners Auftreten erinnere ihn an den stellvertretenden Parteichef der Alternative für Deutschland, sagte Tauber: "Er redet teilweise wie Herr Gauland von der AfD. Der einzige Unterschied besteht darin, dass er statt eines abgewetzten Tweed-Sakkos einen überteuerten Maßanzug trägt." […..]

(SZ, 08.01.2017)

Das ist schon eine sehr ekelige Allianz mit den Rechten, die Türkei-Basher Lindner anstrebt. Von taz bis WELT, von Linke bis CSU stehen Medien und Parteien in Deutschland ausnahmsweise zusammen, wenn es um die Menschenrechtsverstöße unter Präsident Erdoğan geht. Einheitlich fordert man die Freilassung Deniz Yücels und all der anderen inhaftierten Journalisten in der Türkei.  Aber rechts von der CSU, bei denen, die Lindner anvisiert sieht das anders aus. (…..)

(Türken-Twitter, 27.04.2017)

Rechtsaußen und Dunkelkatholik Thomas Kemmerich, vom 5. Februar bis zum 4. März 2020 der sechste Ministerpräsident des Freistaates Thüringen, ist bis heute FDP Landeschef in Thüringen, zeigte auf Covidioten-Demonstrationen ganz offen seine politische Verwandtschaft zur faschistischen AfD Thüringens. AfD-Freund Christian Lindner stört es nicht.

In der Baden Württembergischen FDP dominiert mit Hans-Ulrich Rülke, dem stellvertretenden Landesvorsitzender und Fraktionsvorsitzenden der FDP/DVP Landtagsfraktion ebenfalls ein stramm-rechter „AfD-Klon“ (CDU-Sozialverband).

[….] Der CDU-Sozialflügel im Südwesten hat FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke als "AfD-Klon" bezeichnet, der politisch isoliert werden müsse. Landeschef Christian Bäumler sagte der Deutschen Presse-Agentur, Rülke habe mit einem irreführenden Facebook-Post zu der Klimaaktivistin Greta Thunberg endgültig die Grenze des Erträglichen überschritten. "Das politische Geschäftsmodell Rülkes besteht in Spaltung und Hetze. Diesem Politiker muss die rote Karte gezeigt werden", sagte Bäumler[….] Der FDP-Fraktionschef hatte vor kurzem kommentarlos eine Bildkombination mit Greta Thunberg auf seiner Facebook-Seite veröffentlicht. Die obere Hälfte zeigt Greta Thunberg mit dem Satz "I demand everyone drive electric cars now!" ("Ich fordere, dass jeder sofort Elektro-Autos fährt"). Die untere Hälfte zeigt verschlammte Kinder in einer Mine in Afrika, dabei steht der Satz: "We're mining the cobalt for your batteries as fast as we can, Greta." ("Wir bauen das Kobalt für deine Batterien so schnell wie möglich ab, Greta").  Nach einem dpa-Faktencheck gibt es aber keine Belege dafür, dass Greta Thunberg je eine Pflicht für Elektrofahrzeuge gefordert hat. Das Foto aus Afrika passe zudem nicht in den Kontext, denn es zeige Kinder beim Abbau von Gold und nicht von giftigen Materialien für die E-Auto-Produktion. Im Netz wurde Rülke für den Post heftig kritisiert, ihm werden peinlicher Populismus und AfD-Methoden vorgeworfen. […]

(SZ, 26.06.2022)

Samstag, 25. Juni 2022

Widerliche fette Kröten

Die FDP ist schlimm, schadet Deutschland, schadet der Zukunft; sorgt für Ungerechtigkeit und Umweltverschmutzung, für mehr Corona- und Verkehrstote, für Geldverschwendung und Umverteilung von unten nach oben.

Allein, das Bundestagswahlergebnis gibt keine bessere Regierung her. Rechnerisch sind ohnehin außer der Ampel nur Groko und Jamaika möglich und es dürfte sich von selbst verstehen, daß in der gegenwärtigen allgemeinen multidimensionalen Megakrise, eine erneute Regierungsbeteiligung von Figuren wie Scheuer, Dobrindt, Spahn, Altmaier und Kramp-Karrenbauer definitiv noch schlimmer als die Ampel wäre. Da die FDP in dieser Konstellation wie zu erwarten, die schlechtesten und unfähigsten Minister stellt, gehen ihre demoskopischen Werter zurück, sie verliert die Landtagswahlen und die Gelben rutschen im Ministerranking nach ganz hinten.

[…] Auf dem 15. und vorletzten Platz liegt Christian Lindner. Der Finanzminister schaffte es im März noch auf Platz sechs. Im Vergleich dazu hat er nun jedoch 57 Indexpunkte weniger und landet auf dem vorletzten Platz. Überhaupt schneiden die liberalen Vertreter eher schlecht ab: Der beste FDP-Minister im SPIEGEL-Regierungsmonitor ist Justizminister Marco Buschmann auf Platz 8. [….]

(SPON Regierungsmonitor, 21.06.2022)

Es ist schlau von Olaf Scholz, angesichts der ebenfalls mauen SPD-Zahlen darauf zu verzichten, die FDP zu demütigen. Er ist der Chef der gesamten Koalition, muss den Laden zusammenhalten. Eine zu sehr verletzte FDP könnte Amok laufen und eine Regierungskrise darf er nicht riskieren.

Es hilft also alles nichts; als Grüner oder Sozialdemokrat, muss man der FDP etwas von ihrer destruktiven und widersinnigen Politik lassen.

Koalitionen sind Kompromissveranstaltungen, die von jedem Partner erfordern, Kröten zu schlucken. Insbesondere in Konstellationen wie Sachsen-Anhalt, Sachsen oder dem Bund, wo der Wählerwille den Parteien Bündnisse aufzwingt, die keiner wirklich wollte.

Es versteht sich von selbst, daß alle Koalitionäre etwas schlucken müssen. Die Krötengröße wird umgekehrt proportional zum Wahlergebnis verteilt. Der Kleinste muss die größten Viecher runterwürgen.

Da in der Bundes-Koalition drei Partner einigermaßen ähnlich stark sind, bedeutet das aus der Sicht jedes einzelnen, eine 1:2-Übermacht gegen sich zu haben, immer klein zu sein und daher kontinuierlich Riesendinger in den Mund nehmen zu müssen.

Das ist ganz normal, das ist Demokratie, das bildet den Wählerwillen ab.

Ganz anders sieht es allerdings aus, wenn es mehrere Koalitionsoptionen gibt. In dem Fall sollte die Formel gelten, nach der die Koalition regiert, in der die Summe aller geschluckten Kröten am kleinsten ist.

In der Praxis spielen aber auch politische Moden, persönliche Animositäten und auch unterschiedlich ausgeprägte Würgereflexe eine Rolle. Die CDU verfügt generell über einen ausgeprägteren Würgereflex, kann daher eigentlich nur kleinere Frösche zu sich nehmen. Die FDP mag auch nur magere Laubfrösche. Sozis sind als geübte Juniorpartner durchaus in der Lage, ihren Würgereflex zu kontrollieren und dementsprechend ausgewachsene Kröten im Stück runter zu schlingen. Nase zuhalten und dann geht das schon.

Ein Sonderfall stellen die Grünen dar, denen das Runterwürgen der fettesten Amphibien offensichtlich regelrecht Lust bereitet. Im Saarland, in Hessen, in Baden-Württemberg und in mehreren Bezirksregierungen Hamburgs schlugen sie eine linkere Regierung mit der SPD, bei der einige Kröten zu schlucken gewesen wären, aus, weil noch die CDU mit gewaltigen afrikanischen Ochsenfröschen und pfundschweren giftigen australischen Aga-Kröten lockte.

Dann lassen sie Wälder roden und stimmen mit der angebräunten Hessen-CDU gegen die NSU-Opfer, zeigen sich Nazi-freundlich.

Da ist Hessen. Im Juni 2021 stellten sich die Hessen-Grünen demonstrativ gegen die Opfer des NSU-Terrors.

(….) Aber statt sich auf die Seite der Opfer des rechtsextremen Terrorismus zu stellen, schützen die Grünen lieber die angebräunte Hessen-CDU („Jüdische Vermächtnisse“), die als Verfassungsschutzaufseher womöglich schlecht aussehen könne.

[…..] Nach taz-Informationen hat der Petitionsausschuss des hessischen Landtags am Mittwoch die Forderung nach Offenlegung der geheimen hessischen NSU-Akten mit der Mehrheit von CDU und Grünen zurückgewiesen. Offiziell gab es für diese Entscheidung weder eine Bestätigung, noch wollten die Landtagsparteien dazu Stellung nehmen. Hinter der Forderung, die Akten freizugeben steht die Petition Change.org/NSU-Akten. […..] Damit ist die Petition Change.org/NSU-Akten, die bereits von mehr als 120.000 BürgerInnen unterschrieben wurde, im ersten Anlauf gescheitert. Enttäuscht zeigte sich Miki Lazar, einer der Initiatoren der Kampagne. Die Argumentation von CDU und Grünen, der Persönlichkeitsschutz für V-Leute und Beamte erfordere die Geheimhaltung der Akten, nennt Lazar „scheinheilig.“ [….]

(taz, 12.05.2021)

Schande, Schande, Schande über die Grünen!

Hier handelt kein einzelner Spinner wie Boris Palmer, sondern ein ganzer Landesverband und die Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock findet nichts dabei!

Die Grünen verdienen keine einzige Stimme mehr, nachdem sie den Naziopfern nachträglich noch einmal in Messer in den Rücken gerammt haben. (…..)
(Grüne schützen Nazis, 03.06.2021)

Auch in NRW dachten die Grünen gar nicht daran, eine Koalition mit der SPD zu bilden, segneten geräuschlos das Bündnis mit Hendrick Wüst ab, schluckten dabei lautlos alles runter, das sie vorher noch extrem verwerflich fanden.

[….] In Ostwestfalen hat die grüne Seele Ruh'

Mit 85 Prozent Zustimmung besiegeln die NRW-Grünen in Bielefeld den Koalitionsvertrag mit der CDU. Zwar gab es auch Kritik auf dem grünen Parteitag, aber die Lust am Streit scheint verdrängt von der Lust am Regieren.  […]

(SPON, 25.06.2022)

 

Es ist geradezu hanebüchen; statt mit sozialer ausgerichteten SPD-Ministern auf der Regierungsbank zu sitzen, heben die West-Grünen ausgerechnet den erzkonservativen Opus-Dei-Mann Liminiski ins Kabinett.

Ein radikal Homophober wird damit als CDU-Schulminister gehandelt.

[….] Der bisherige Chef der Staatskanzlei, Nathanael Liminski, könnte in die Riege der Minister aufrücken. Zuletzt wurde sein Name mit dem Schulministerium in Verbindung gebracht. […]

(WDR, 24.06.2022)

Da es hier eben nicht um eine alternativlose Koalitionswahl handelt, muss man staunen, wie geräuschlos die NRW-Grünen so eine Monsterkröte den schleimigen Hals hinter rutschen lassen.

[…] Die "Standing Ovation" der 250 Delegierten im Parkett überwältigt die bisherige Landesvorsitzende und Spitzenkandidatin auf dem Podium. Sie weint. Früh zeichnet sich also ab, wie lustvoll die meisten Grünen anno 2022 an die Macht streben.  […..]

(SZ, 26.06.2022)

Freitag, 24. Juni 2022

Es geht bergab – wie zu erwarten.

Heute ist für die USA einer der besonders dunkelschwarzen Tage  - in der Flut der schwarzen Tage, die Republikaner und Donald Trump dem Land in den letzten beiden Dekaden bescherten.

50 Jahre Bürgerrechte einfach weg. Rücksturz ins Mittelalter. Tödliche Konsequenzen für Myriaden Frauen.

Mit kaum vorstellbarer Perfidie treiben die sechs ultraradikalen Menschenhasser des Supreme Courts einen weiteren Keil in die Gesellschaft; scheinen direkt auf einen blutigen Bürgerkrieg hinzuarbeiten.

[…] Der Spruch des Supreme Court ist dazu angetan, das ohnehin tief gespaltene Land weiter auseinanderzutreiben. Die fünf konservativen Richterinnen und Richter haben ihre drei liberalen Kollegen überstimmt. Der Vorsitzende Richter, John Roberts, wollte nur einen Teil der Entscheidung mittragen[…] Trotzdem ist das alte Grundsatzurteil »Roe versus Wade« aus dem Jahr 1973, das Frauen im ganzen Land das Recht auf Abtreibung bis zur 24. Schwangerschaftswoche zusprach, damit Geschichte. […] Einige von den Republikanern beherrschte Staaten, etwa Missouri, verfügen über sogenannte »Trigger Laws«, die für den Fall einer aus ihrer Sicht positiven Supreme-Court-Entscheidung das sofortige Abtreibungsverbot vorsehen. […] Eine konkrete Folge dieser Einschränkungen: Frauen in diesen Staaten, vor allem aus ärmeren Schichten, müssten wie vor hundert Jahren Abtreibungen künftig in der Illegalität unter medizinisch gefährlichen Bedingungen durchführen lassen. Für die Reise in andere Staaten, in denen Abtreibungen erlaubt bleiben, fehlt ihnen oftmals das Geld. […] Tatsächlich wird mit dem Urteil ein alter Traum der stramm konservativen, religiösen Rechten in den USA wahr. Viele Katholiken sowie evangelikale Christen im Süden und Mittleren Westen des Landes kämpfen seit Jahrzehnten gegen das Abtreibungsrecht nach Roe v. Wade. Die Tür, um dies zu ändern, hat dabei ausgerechnet Donald Trump aufgestoßen: In seiner Amtszeit konnte er drei konservative Richter für den Supreme Court ernennen und so die Mehrheitsverhältnisse an dem Gericht drastisch zugunsten der religiösen Rechten verändern. […] Die Republikaner sehen sich derweil auf der Siegerstraße. Vor allem viele stramm konservative Trump-Unterstützer dürften nun darauf setzen, dass das Verfassungsgericht ihnen weitere Erfolge beschert. […]

(Roland Nelles, 24.06.2022)

Weniger abgebrühte Zeitgenossen als ich, mögen sich über die höchstrichterliche Indolenz gegenüber den tödlichen und brutalen Konsequenzen ihres Handelns wundern. Könnten erstaunt sein, wie völlig mitleidslos sich gerade mal sechs Menschen über die riesige Mehrheit der 165 Millionen US-amerikanischen Frauen hinwegsetzen. 

Aber es handelt sich bei allen Sechs um Religioten und damit anmaßende Ideologen, die schon bei der Waffengewalt, der jedes Jahr an die 40.000 Menschen zum Opfer fallen, voller Verachtung für die Würde des Menschen zeigten.

Als Trumpisten kennen sie ohnehin nicht den Gedanken an das gemeinsame Wohl aller Amerikaner, sondern hassen die bunte Mehrheit, die Atheisten, die Queeren und insbesondere die Nicht-Weißen.

Es bereitet ihnen Freude, den „anderen“ zu schaden.

In der Folge sind nun Urteile zu Gunsten der Rassentrennung und ein Verbot der „Ehe für alle“ zu erwarten. Die Ultrarechten führen einen Kampf gegen die eigene Bevölkerung und sie scheinen zu gewinnen.

[…] Die drei Demokraten im Richtergremium erheben in ihrer Minderheitsmeinung schwere Vorwürfe gegen ihre konservativen Kolleginnen und Kollegen: Die missbrauchten ihre Übermacht für politische Entscheidungen. "Die amerikanische Öffentlichkeit sollte nie zu dem Schluss kommen, dass ihre Verfassungsrechte an einem Faden hängen, dass eine neue Mehrheit, die einer neuen Doktrin anhängt, einfach durch ihre zahlenmäßige Übermacht verfassungsmäßige Rechte auslöschen kann", schreiben Stephen Breyer, Sonia Sotomayor und Elena Kagan.  […]

(Fabian Fellmann, SZ, 24.06.2022)

Der erschreckendste Aspekt des heutigen Unrechts ist aber wieder einmal das desinteressierte Volk, welches sehenden Auges in diese Katastrophen stolpert.

Die Richter-Ernennungen waren schon das ganz große Argument im Wahlkampf Trump versus Clinton aus dem Jahr 2016. Aber nur 54,8% der wahlberechtigten 249 Millionen Amerikaner konnte sich überhaupt aufraffen, die Stimme abzugeben. Dabei wählten die Alten und Weißen mit 65% überdurchschnittlich, während Afroamerikaner, Hispanics und Asian Americans eher zu Hause blieben.

Die Quittung sind nun Trumps drei ultrarechten Supremecourt-Richter, die ihnen Stück für Stück die Rechte beschneiden werden.


Als ich am 11.September 2001 mit offenen Mund auf die CNN-Bilder aus New York starrte, war ich ehrlich geschockt. Kaum jemand außerhalb der Geheimdienste hatte mit so einem gewaltigen Terroranschlag gerechnet.

Die Zahl von 3.000 Todesopfern machen die USA Dank der republikanischen Partei inzwischen jeden Monat voll – erschossenen von den eigenen Landsleuten. Es fehlt aber der schockierende Aspekt, weil alles absehbar, erwartet und einkalkuliert ist. Die Amerikaner wollen es entweder so oder sind zu desinteressiert, um etwas zu ändern.

Sie tapsen sehenden Auges in die Katastrophe.

Demokratische Aktivisten hoffen nun, die Abtreibungs-Entscheidung und die Insurrection-Hearings könnte die über 100 Millionen apathischen Wahlberechtigten, denen alles egal ist, doch dazu bringen bei den Midterms im November zu wählen und den Demokraten zum Sieg verhelfen.

Ich bin Pessimist. Der amerikanische Urnenpöbel war zu oft, zu drastisch gewarnt worden, schickte aber dennoch auch noch 2020, nach den vier Jahren Trump und dem blutigen Coup-Versuch, die rechtsradikalen Hetzer und skrupellosen Lügner wieder in den Kongress. Mitch McConnell und Lindsey Graham und Ted Cruz  - die neben Trump und Death Santis vielleicht den übelsten menschlichen Abschaum der Welt bilden, wurden alle wieder gewählt.

Gewalt, Ungerechtigkeit, Krieg, Klimawandel, über eine Million Covid-Tote, ungezählte Obdachlose, mehr als zehn Millionen in den USA hungernde Kinder interessieren die Wähler nicht genug. Das Thema sind die Benzinpreise, die unter Trump niedriger waren. Daher wird ein republikanischer Durchmarsch erwartet.

Die guten US-Amerikaner haben ganz offensichtlich nicht die Kraft gegen die Massenverdummung zu stemmen. Sie gehen in eine düstere Zukunft. 29 Bundesstaaten werden unbewohnbar für anständige Menschen.

[….]  Zurück in eine repressive Vergangenheit[…] Neunundvierzig Jahre lang hatten amerikanische Frauen das Recht, eine ungewollte Schwangerschaft beenden zu lassen, wenn sie das wollten. Am Freitag wurde ihnen dieses Recht genommen. […]  Die Entscheidung vom Freitag ist das Ergebnis einer sehr gezielten, vollkommen offenen und mit viel Energie betriebenen politischen Kampagne. […] In gesellschaftlicher Hinsicht ist das Urteil ein gewaltiger Rückschritt. Man kann Abtreibungen aus allerlei Gründen befürworten oder ablehnen. Aber ein Verbot verhindert ja nicht alle Abbrüche, es macht sie zunächst einmal nur strafbar und gefährlicher. Es ist gut denkbar, dass dieses Urteil, das werdendes Leben schützen soll, das Leben von Müttern kosten wird. Und ein Verbot entmündigt Frauen, weil es so tut, als seien diese nicht fähig oder zu leichtfertig, um die schwierigen Abwägungen zu treffen, die mit einer Abtreibung verbunden sind. Das ist eine herablassende, bevormundende Haltung, die nichts mit der Realität zu tun hat. […] 

(Hubert Wetzel, 24.06.2022)


Donnerstag, 23. Juni 2022

Typisch deutsch.

Der deutsch-russische Instagrammer Richard Cwiertnia scheint seine knapp 200.000 Follower durch selbstironische Ethno-Comedy-Clips über die Eigenarten seiner russischen Einwanderer-Familie in Deutschland gewonnen zu haben.

Mark Zuckerbergs Algorithmus spielte mir seine gestrige Insta-Story zu, die nahezu wortgleich schon vor 50 Jahren von meiner Mutter lautstark beklagt wurde. Er berichtet von einem Treffen seiner Arbeitskollegen (Mitschüler? Ich weiß nicht, was er beruflich macht), bei dem jeder eine kulinarische Spezialität aus seiner Heimat mitbringen sollte. Es gab äthiopisches, südafrikanisches, brasilianisches, russisches und polnisches Essen. Man genoss den Abend, probierte, lachte, erzählte Geschichten aus der Heimat. Richards Geschichten unterschieden sich ein wenig, weil er schon als Kind nach Deutschland kam und in der Schule deutsche Freunde hatte, die er nachmittags besuchte. Die deutsche Küche lernte er aber kaum kennen, weil die Eltern seiner Mitschüler immer gegen 18.00 Uhr ins Kinderzimmer platzen und höflich darauf hinwiesen, er müsse sich langsam auf dem Weg machen, nach Hause gehen, man wolle nämlich gleich Abendbrot essen. Deutsche Mütter wollen ihr Kind nämlich bei Schnittchen und dem Glas Milch für sich haben. Weitere Esser sind fernzuhalten.

Richards Zuhörern aus Polen, Russland, Äthiopien, Südamerika und Nahost fielen die Kinnladen herunter. Sie konnten es gar nicht glauben, was sie hörten.

Wer als Fremder in Russland auf eine einheimische Familie trifft, entkommt der Mutter und Babuschka nicht mehr, bevor die nicht sämtliche Lebensmittelvorräte aufgefahren haben und man für eine Woche genug gegessen hat. In Brasilien wird immer ein Stuhl und ein Gedeck für einen unerwarteten Gast freigehalten. Genauso ergeht es Gästen aber auch in Italien oder Spanien. Wer dort seinen Schulfreund, Arbeitskollegen, Kommilitonen mit nach Hause nimmt, hat keine Chance ihn loszuwerden, bevor la mama, la madre ihm nicht mindestens zehn Gänge serviert hat.

Wer als Kartoffel in Deutschland aufgewachsen ist, macht sich keine Vorstellung davon, welche zentrale Rolle die Gastfreundschaft in den meisten anderen Kulturen spielt.

Meine Mutter erzählte mir das immer wieder von ihren monatelangen Reisen nach Osteuropa, die Türkei und den Nahen Osten als ganz junge Frau. Sie brauchten fast kein Geld, weil sie sowieso in jedem kleinen Dorf eingeladen wurden. Freundlich und großherzig zu Fremden zu sein, war vor 80, 70 oder 60 Jahren in Deutschland genauso unbekannt, wie offensichtlich jetzt noch. Im Orient ist das undenkbar.

[….] Menschen aus dem Orient sind gemeinhin dafür bekannt, sehr gastfreundlich zu sein. Diese Eigenschaft hat auch eine Verankerung im Koran. Sie hängt mit niemand geringerem als Abraham zusammen. [….] den ehrenvollen Gästen Abrahams zu Ohren gekommen?“  Abraham ist im Koran der „Führer“ oder das „Vorbild“ für die Menschen (Sure 2 Vers 124). [….]  Abrahams Berufung zum Propheten oder Patriarchen wird im Koran auf vielen Ebenen geschildert. Eine der bedeutendsten Geschichten über ihn ist die des Empfangs „ehrenvoller Gäste“ in seinem Zelt. [….] Abrahams Benehmen wird als das bestmögliche eines Gastgebers beschrieben. Er bereitet die besten Speisen zu, stellt sie dicht neben seine Gäste und lädt sie unaufdringlich zum Essen ein. [….] Abrahams Geschichte über seine Gäste haben viele als Ausdruck von Selbstlosigkeit und Offenheit gegenüber Fremden verstanden. Wer Fremde aufmerksam und fürsorglich in seinem Haus willkommen heißt, sie also nicht einfach nur duldet, für den wird ihre Anwesenheit am Ende vielleicht ein Segen sein. [….]

(Prof. Dr. Mona Siddiqui, 01.12.2017)

Mal abgesehen davon, daß die germanische Gäste-feindliche Haltung sehr unsympathisch ist, fällt die draus resultierende antimigrantische Politik der konservativen Parteien uns gerade gewaltig auf die Füße.

Kitas, Handwerk, Schulen, Gastro, Pflege, Service, Flughafenpersonal, Bademeister - Deutschland wird zunehmend durch die konservative migrantenfeindlichen Gesetze lahmgelegt. Überall herrscht drastische Personalnot.

Aber die EU zahlt Milliarden, um mit Frontex und Erdogan jeden, der nach Europa fliehen will, mit Gewalt fernzuhalten.

Daß Zehntausende dabei im Mittelmeer ertrinken, ist uns egal

Es erstaunt mich, wie hartnäckig sich diese kartoffelige Austernhaltung, bloß niemand anderen zu Hause willkommen zu heißen, sich über die Dekaden hält.

Bei „GuteFrage.net“ findet man bezeichnenderweise auf die Frage nach der mangelnden deutschen Gastfreundschaft, als erstes folgende Antwort:

[….] Ich verstehe unter Gastfreundlichkeit, dass man sich zwar um den Gast kümmert und natürlich auch etwas anbietet, aber trotzdem irgendwo eine Grenze setzt.   […]

(Sarah Tee)

Und anschließend:

[….] Meine Frau und ich hätten gar nicht die Zeit für irgendjemanden 10 unterschiedliche Gericht zuzubereiten. Der Gast darf sich über Kaffee und Kuchen freuen und das wars, v.a. wenn er dann vielleicht auch noch unangekündigt vor der Türe steht.  […]

(Jack98765)

Aus der Sicht eines Migranten, sind solche Ansichten bestenfalls Realsatire. Eher aber schockierend. Wieso lernen die Deutschen nicht dazu?

Immerhin sind die Deutschen Reiseweltmeister und wissen um die Gastfreundlichkeit anderer Länder. Sie lieben exotische Lebensmittel, haben so viele Speisen, Gewürze und Tränke aus dem Ausland kennengelernt und in ihre Essgewohnheiten übernommen. Jedes Kind in Deutschland kennt heute Pizza, Döner, Balsamico, Kiwis, Mangos, Avocados, Mozzarella. Aber die Deutschen sind offenbar resistent gegen die Übernahme freundlicher Verhaltensweisen.

[….] Im Ausland gelten Deutsche als penibel, berechnend, geizig – und damit als nicht gastfreundlich.

Was vielen Menschen ohne Migrationshintergrund meist schon gar nicht mehr auffällt, sehen Menschen mit Migrationshintergrund dafür oft umso deutlicher. Und so haben einige von ihnen bei Twitter gerade Erfahrungen zusammengetragen, die sie in der Kindheit mit deutscher Gastfreundschaft – oder eher dem Gegenteil davon – gemacht haben. Sie zitieren Sätze wie "Wir essen jetzt, du musst gehen" oder "Du kannst solange im Kinderzimmer warten", wenn es Essenszeit wurde bei der Familie, bei der sie zu Gast waren. Zum Mitessen eingeladen werden? Das gab es früher bei ihren weißen deutschen Freunden offenbar nicht – ganz anders, als sie es von Zuhause kannten. [….] Die Journalistin Anna Aridzanjan hat solche Situationen als Kind selbst erlebt:  [….] Sie erinnert sich an Verabredungen mit der Schulfreundin, bei denen sie allein im Zimmer warten musste, während die Familie gegessen habe. Die Zeit habe sie sich zum Beispiel mit einem Buch vertrieben. Im ganzen Haus roch es nach Essen und sie bekam Hunger. Aber sagen mochte sie nichts.  "Ich habe gelernt, dass es einen Unterschied zwischen Essenskulturen gibt", sagt sie. In ihrer armenischen Familie könne man sich nicht vorstellen, einen Gast nicht zu verköstigen. Ihre Mutter habe stets alle überredet, noch zum Abendessen zu bleiben, immer sei ein Nachschlag angeboten worden. Viele Deutsche dagegen würden eher befürchten, es gäbe nicht genug Essen, mutmaßt sie. Als ob es nicht für alle reiche.  [….]

(Wiebke Bolle, 03.05.2019)

Es ist fasziniert zu googeln, wie auch im Jahr 2022 die typisch deutsche Unfreundlichkeit weiterhin gepriesen wird. Man sei eben ein rationales, direktes Volk. Klare Regeln wären nötig. Es ginge um Effizienz im Familienleben. Die Mutter müsse den Lebensmitteleinkauf planen können. Es sei doch wichtig, nichts wegzuschmeißen.

Und so wird es wohl beim globalen Kopfschütteln über die deutschen Sitten bleiben.

[….] Oliver Towfigh Nia (Iran): „Damit ich nicht falsch verstanden werde, muss ich vorausschicken, dass die Iraner wahrscheinlich das gastfreundlichste Volk der Welt sind. Gemessen daran sind die Deutschen nicht sonderlich gastfreundlich. Hier beschränkt sich Gastfreundschaft auf ein Glas Wasser aus der Leitung und, wenn es hochkommt, einen Kaffee. Ein Iraner dagegen würde die halbe Bäckerei leer kaufen und dem Besucher servieren. Ich war mal zu Gast bei einem Kollegen in der Nähe von Nürnberg. Da musste ich auf einer uralten Couch schlafen, die man nicht einmal ausziehen konnte. Neben mir schlief der Hund, der zumindest noch ein Kissen gehabt hat. Ich habe keines bekommen und musste mir meine Jacke unter den Kopf legen. Am nächsten Morgen hatte ich einen Hexenschuss und konnte zwei Tage nicht richtig laufen. Im Iran hätte ich als Gast das beste Bett bekommen und der Gastgeber hätte auf diesem altersschwachen Sofa gelegen.“ […]

(Deutschlandfunk, 08.06.2017)

Mittwoch, 22. Juni 2022

Ideologische Verbohrtheit

Wenn man die US-Republikaner in ihrer Wahnwelt beobachtet, staunt man wie sich mächtige Politiker so vollkommen losgelöst von der Realität bewegen können.

Warum eigentlich?

Wir kennen das Phänomen doch auch von einer deutschen Regierungspartei, die so sehr von purer Ideologie getrieben wird, daß sie dafür bis zur völligen Realitätsverleugnung geht. Hier ist es die in Schwurbelsphären entrückte FDP. 

Nein es ist keine Satire, im Jahr drei der Pandemie, nach 6,3 Millionen an Covid 19 gestorbenen Menschen, will die FDP unbedingt wieder planlos in den nächsten Corona-Winter stolpern, blockiert Karl Lauterbachs Anstrengungen, Vorsorge zu betreiben. Justizminister Buschmann scheint geistig auf Trump-Niveau abgefallen zu sein, indem er nun ernsthaft den Nutzen von Masken bezweifelt.

[….] Wiedereinführung der Maskenpflicht? Justizminister fordert Beweise zum Nutzen.  "Will der Staat Masken vorschreiben, etwa in Innenräumen, muss das evidenzbasiert und verhältnismäßig sein", sagte der Justizminister der "Rheinischen Post". Er fordert, weitere Studien zum Nutzen von Masken abzuwarten.  [….]

(gmx, 18.06.2022)

Verkehrsminister Wissing stemmt sich eisern gegen das inzwischen von 75% der Deutschen befürwortete Autobahntempolimit und nimmt uns damit die einzige Möglichkeit, mit einem Handstreich, ohne zusätzliche Kosten, große Mengen Benzin zu sparen. Als Nebeneffekt gäbe es auch weniger Verkehrstote, aber Wissing hält es da wie die US-Republikaner mit der Waffenlobby: Menschenleben scheinen für ihr irrelevant zu sein. Und so sabotiert er nach Kräften den Klimaschutz.

(…) Es bleibt bei dem doppeltragischen Konstruktionsfehler der Ampel: Das Ergebnis der Bundestagswahl erlaubt außer einer SPD-CDU-Koalition, die faktisch unmöglich ist, keine Regierungsbildung ohne die FDP, so daß die Hepatitisgelben über ein enormes Erpressungspotential verfügen, das sie voll ausnutzen. Die Ampel ist besser als Jamaika, aber die FDP ist ob ihrer Alternativlosigkeit nicht nur überproportional stark, sondern abgesehen davon auch noch überproportional schlecht. Halsstarrig beharrt sie auf ihrer Rolle als Lobbyhure für die Superreichen und Industrieverbände – auch wenn das Ergebnis extrem schädlich für Deutschland ist. (…)

(Verblödete Energiepolitik, 03.06.2022)

Porsche-Boy Christian Linder hängt sogar der Automobillobby um 50 Jahre hinterher. Die hat längst eingesehen, aus dem Verbrennermotor aussteigen zu müssen, begrüßt die entsprechenden Beschlüsse der EU, will sogar noch früher auf Elektromotoren umsteigen.

Nur Lindner agiert vollständig realitätsblind, hängt einer uralten Umweltpest-Ideologie an, die es selbst in der Industrie nicht mehr gibt.

[…] Finanzminister Lindner kündigt Widerstand gegen EU-Verbrennerverbot an.

Deutschland werde dem geplanten Aus für Verbrennungsmotoren ab 2035 auf EU-Ebene nicht zustimmen, sagt Bundesfinanzminister Christian Lindner. [….]

(SPON, 21.06.2022)

Der Mann, der uns allen, der aber insbesondere den zukünftigen Deutschen durch seine radikale ideologische Verbohrtheit so schweren Schaden zufügt, scheint allerdings in jeder Hinsicht die Realität verlassen zu haben. Seine ganze Aufmerksamkeit gilt offenbar nur noch seiner Promi-Hochzeit auf Sylt.

Wie übergeschnappt der FDP-Chef ist, erkennt man auch an seiner Parteipolitik.

Als die FDP in die Bundesregierung eintrat, regierte sie in bereits in Kiel und Düsseldorf.

Es folgten drei Landtagswahlen, drei schwere Klatschen für die Hepatitisgelben. Die GELB-Schwarz-Grüne Regierung Schleswig-Holsteins existiert nicht mehr. Die FDP sitzt nun in der Opposition, es wird eine schwarzgrüne Regierung geben.

Die GELB-Schwarze Regierung NRWs existiert nicht mehr. Die FDP sitzt nun in der Opposition, es wird eine schwarzgrüne Regierung geben.

Die Wähler sind, für jeden offenkundig, so entsetzt von den FDP-Bundesministern und dem Corona-Schwurbler Kubicki, daß sie überall abgestraft wird.

Lindner aber ist so verblendet, die diametral entgegen gesetzten Schlüsse zu ziehen. Die Wähler rennen seiner verqueren Ansicht nach schreiend von der FDP weg, weil sie noch zu wenig Irrsinn betreibe.

Nun will er endgültig ins Gaga-Reich einziehen, die Förderungen von E-Autos streichen und zurück zur Atomkraft.

Man rufe die Männer im gelben Kittel.

Dienstag, 21. Juni 2022

Busen-Clickbaiting.

Völlig unsportlich zu sein war die ersten 30 Jahre meines Lebens kein Problem. Als junger Mensch ist man automatisch fit.

Als Student war ich aufgrund meiner Körpergröße ein sehr gern gesehener Umzugshelfer, weil ich riesige unhandliche schwere Teile, wie zum Beispiel Omas alte Ohrensessel, allein heben und in den fünften Stock tragen konnte. Mit über 50 klappt es leider nicht mehr, ohne jegliche Bewegung fit zu sein. Das stört mich, aber ich kann nichts dagegen machen, weil ich für jede sportliche Betätigung leider zu faul bin.  Ich bin weder ehrgeizig, noch eitel genug, meinen Körper in Form zu bringen, weil ich Sport extrem stupide finde.

Es gibt nur eine Form der sportlichen Betätigung, die mir jemals Spaß gemacht hat und das war schwimmen. Da es hinter unserem Haus zwei tiefe Teiche gab und meine Oma außerdem einen Gartenpool besaß, schickte meine Mutter mich lange bevor ich eingeschult wurde, in eine Schwimmschule. Wie sich herausstellte, war das mein Element. Aus dem Pool konnte man mich nur mit Gewalt rausholen. Als wir in der vierten Klasse Schwimmunterricht bekamen, staunte mein Lehrer nicht schlecht, als ausgerechnet ich, der notorische Sportmuffel, der nie mitmachen wollte, sich als Fisch im Wasser herausstellte, endlos tauchen konnte und ohne zu zögern aus jeder Höhe ins Becken sprang.

Heute träume ich im wahrsten Sinne des Wortes davon, die Gelegenheit zum Schwimmen zu bekommen. Immer wieder befinde ich mich während meiner REM-Phasen in eigenartigen Umgebungen, fremden Häusern, Hotels, Ferienanlagen, bei denen ich überraschend einen Swimmingpool entdecke und begeistert die Gelegenheit nutze endlich mal wieder zu schwimmen. Angeblich verlernt man es ja nicht. Auf Traumdeutung gebe ich genauso wenig, wi auf Sport, aber es wird schon so sein, daß ich schwimmen vermisse.

Leider kann ich schon lange nicht mehr schwimmen gehen, weil ich dazu in ein öffentliches Bad müsste und das geht nicht, weil ich zu einer Mischung aus Sozialphobiker und Misanthrop geworden bin. Ich finde andere Menschen ekelig und will sie schon gar nicht nackt sehen. Genauso ungern will ich, daß jemand mich nackt sieht.  Ich finde es selbst kurios, weil ich zu der Generation gehöre, die als Kind und Teenager nur nackt geschwommen ist und es sehr lästig fand, wenn ich ausnahmsweise in einer öffentlichen Schwimmanlage war und dort zur Badehose gezwungen wurde. Wenigstens waren es damals das, was man heute als „Speedos“ bezeichnen würde. Schon das nervte aber, weil man nach dem Verlassen des Beckens mit einer nassen Hose rumsaß. In der prüdisierten Welt der 2020er Jahre sind sogar „Speedos“ weitgehend verpönt. In den USA sogar an vielen Stränden verboten. Es könnte sich ja irgendwas unter dem Stoff abzeichnen! Herr, im Himmel, das darf nicht sein. Amis bilden sich gern ein, untenrum alle wie Kens zu sein. Also tragen Amis und offenbar auch die durch social media weltweit modisch nivellierten deutschen Jugendlichen knielange Baggy-Shorts beim Schwimmen. Das muss einerseits im Wasser extrem hinderlich sein und andererseits saugen die mehrere Liter Flüssigkeit auf, die man anschließend mit sich herumschleppt. Das heißt entweder Blasenentzündung oder jedes Mal umziehen, wenn man aus dem Becken/Meer/Fluß/See/Teich steigt.

Mir sind die Geschlechtsorgane anderer Menschen aller Geschlechter herzlich egal. Ich mag generell nicht die physische Nähe, die Präsenz anderer, die mir durch nackte Bäuche oder Beine noch drastischer erscheint.

Für mein Problem gibt es allerdings eine einfache Lösung: Nicht in Schwimmbäder gehen, die sommerlichen Liegewiesen voller nackter Leute meiden und einen großen Bogen um Saunen machen. Es handelt sich schließlich um mein „Problem“. Davon sollen andere Menschen nicht betroffen sein. Im Gegenteil, ich würde sogar dafür kämpfen, den Rest der Welt nicht durch meine privaten Ansichten zu beeinträchtigen. FKK-Ferienanlagen finde ich gut. Ich verstehe, daß viele Menschen sich da wohlfühlen und gönne ihnen ihr Freiheitsgefühl. Daß ich so eine Anlage nicht besuchen würde, ist herzlich irrelevant. Ich gehe auch nicht zum Fußball, nicht zu Formel1-Rennen, nicht in den Gottesdienst, nicht zu Helene Fischer-Konzerten, nicht ins Ballett, nicht in Fetisch-Bars, nicht auf Straßenfeste oder Flohmärkte. Das ist der Kern einer freiheitlichen Gesellschaft. Jeder kann das tun, was er möchte, so lange er andere damit nicht stört. So wie mir die Kirche nicht vorschreiben soll, was ich am Karfreitag für Filme sehe, so rede ich niemanden rein, der sich gern mit Myriaden anderen rosa-häutigen adipösen Pyknikern am Baggersee drängelt.

Von außen oktroyierte Sittlichkeitsvorstellungen haben 2022 nichts mehr bei uns verloren.

Das vollkommen hysterische Verhältnis der US-Amerikaner zu entblößten Brustwarzen, kann man gar nicht genug kritisieren. Eine Nation, die sich selbst als „Land Of The Free“ bezeichnet und so kompromisslos auslebt, daß sie die Freiheit der über 500 Millionen Schusswaffen im Privatbesitz auch um den Preis nicht antasten will, daß jedes Jahr Zehntausend Kinder erschossen werden, greift bei den 330 Millionen weiblichen Brustwarzen rabiat durch. Die USA erlaubt unter keinen Umständen das öffentliche zur Schau tragen derselben, während „Open Carry“ von Pistolen oder Maschinengewehren in fast allen US-Bundesstaaten ausdrücklich garantiert wird. Es braucht schon eine besondere Moral, um Myriaden Schusswaffenopfer achselzuckend zu akzeptieren, aber einen weiblichen Nipple als so gefährlich einzustufen, daß jedes öffentliche Bild, jede Darstellung im Kino, in der Werbung, Strafen nach sich zieht. Mark Zuckerberg, der Herr über Milliarden Instagram- und Facebook-Accounts setzt diesen Nipple-Bann sogar global durch. Ein Oben-Ohne-Bild und das Facebook-Profil wird gelöscht. Zuckerwerg will es so und lebt daher auch konsequent in Kalifornien, dem weltweit größten Porno-Produzenten. AR15, konföderierte-Flaggen. Hakenkreuze, Antisemitismus – all das wird toleriert. Ein Busen aber nicht!

Als Nicht-Jurist frage ich mich, wie eigentlich die Ungleich-Behandlung von Männer- und Frauen-Brustwarzen gerechtfertigt wird, zumal Zuckerbergs Instagram voll von anabolen Männerbrüsten ist, die größer und runder als die allermeisten weiblichen Brüste sind.

Wie erbärmlich, wenn in Deutschland dieser prüden Moralverirrung nachgeeifert wird und Frauen in Bikinis gezwungen werden. Auch in deutschen Schwimmbädern ist Barbrüstigkeit bisher ein rein männliches Privileg.

[…]  In Göttingen hat der Stadtrat jüngst entschieden, dass an Wochenenden alle Menschen unabhängig von ihrem Geschlecht obenrum textilfrei ins Wasser dürfen. Das nordrhein-westfälische Siegen zog nach. Und jetzt soll Hamburg-Eimsbüttel folgen.

Hamburger SPD-Frau gegen "diskriminierende Kleidervorschriften"

Auch hier soll das Baden oben ohne in Schwimmbädern ausdrücklich für alle Gäste erlaubt werden, teilte die SPD im Bezirk nun mit. Begründung: "Für viele Menschen ist das schlicht und einfach eine Frage der Gleichberechtigung", sagte die Bezirksabgeordnete Paulina Reineke-Rügge. Dass im Jahr 2022 solche Unterschiede zwischen den Geschlechtern gemacht werden, sei nicht mehr zeitgemäß.  "Für uns ist klar, dass diskriminierende Kleidervorschriften in Eimsbüttel keinen Platz haben", führte Reineke-Rügge weiter aus. "Wer will, sollte im Schwimmbad mit freiem Oberkörper unterwegs sein dürfen." [….]

(T-online.de, 20.06.2022)

Danke Hamburger SPD! Leider verfügt sie aber in der Bezirksversammlung Hamburg-Eimsbüttel über keine absolute Mehrheit und ist auf die Stimmen der Grünen angewiesen. Aber die erzkonservativen Hamburger Grünen stimmen natürlich mit der CDU.

Bäderland, die Betreiberin der öffentlichen Hamburger Schwimmbäder begibt sich unterdessen auf Zuckerberg-Kurs und argumentiert mit Sittlichkeitsempfindungen – DER MÄNNER.

Die könnten dann nämlich gar nicht anders, als sich aufzuregen und die Frauen sexuell zu belästigen. In der verqueren wahabitisch-zuckerbergschen-bäderländischen Ideologie müssen sich daher die potentiellen Opfer der Übergriffe einschränken und nicht etwa die Täter gemaßregelt werden.

[….] „Bäderland“-Sprecher Michael Dietel äußerte sich nämlich ablehnend gegenüber der „Hamburger Morgenpost (Mopo)“. Der Zeitung sagte er: „Ich weiß nicht, ob es so sinnvoll ist, den geschützten Rahmen wieder aufzuheben. Frauen werden anders behandelt, wenn sie nackt sind, als dass das bei Männern der Fall ist. Sie werden dann manchmal mit Übergriffigkeiten konfrontiert von Männern, die sich eben nicht benehmen können. Je mehr Freizügigkeit man lebt, desto mehr Angriffsfläche gibt es auch.“ […]

(Moin.de, 21.06.2022)

Nackte Männerbrüste im Schwimmbad? Kein Problem. Nackte Frauenbrüste? furchtbar unanständig! Was für Luder! Es ist die klassische Täter-Opfer-Umkehr.

Offenbar denken nicht nur Bischöfe so, wenn es um übergriffige Priester und vergewaltigte Messdiener geht.

Jetzt weiß ich auch wieder, wieso ich Misanthrop bin und grundsätzlich Menschen meide.

Montag, 20. Juni 2022

Super-woke oder klassischer Sexismus.

Bill Maher ist sauer. Auf die Linken. Mal wieder. Die US-amerikanischen „liberals“ sind so sehr zu ihrer eigenen Karikatur geworden, daß sie sich nicht einmal trauen, das Wort „liberal“ zu verwenden. Ganz im Gegensatz zu den Konservativen, die sich selbst gar nicht oft genug als „conservative“ loben können und es geschafft haben, „liberal“ zum Schimpfwort umzudefinieren. Im Gegensatz zu den schlauen LGBTIQs, die es mit geschickten Marketing vermochten, sowohl das amerikanische Wort „gay“, als auch das deutsche Wort „schwul“ aus der Schmuddelecke zu holen und in etwas, auf das sie stolz sind umzudeuten.

Aber „liberal“ ist das US-amerikanische „fag“ von vor 50 Jahren; so will keiner genannt werden.

Das Wort „liberal“ bedeutet dort „links“, während der deutsche politische Begriff „liberal“ (FDP) im amerikanischen Gebrauch eher „libertär“ (libertarian) bedeutet.

Es handelt sich um ein schweres politisches Versagen der amerikanischen Linken. Wieder einmal. Schon bei dem von den Ultrarechten aufgezwungenem Wortpaar „pro life“ und „pro choice“ liefen sie in die Falle; müssen nun mit dem Makel „Lebensfeindlichkeit“ leben, obwohl es in Wahrheit genau umgekehrt ist. Die „Pro-Life“-Agenda führt a) zu mehr Abtreibungen und b) zu mehr toten Frauen auf dem Küchentisch, die sich in ihrer Verzweiflung einem dubiosen „Engelmacher“ auslieferten.

Den amerikanischen Ultrarechten gelingt das immer wieder. So bezeichneten sie sich selbst schon seit Reagans Zeiten als „moral majority“, als ob liberale Menschen mit humanistischen Werten und Bürgerrechtaktivisten amoralisch wären. Das diametrale Gegenteil ist der Fall.

Ein weiteres Beispiel ist die konservative Autodiscription mit dem Begriff „family values“, der natürlich nichts anderes bedeutet, als LGBTIQs vorzuwerfen, sie agierten gegen Familien, würden Familien zerstören. Auch das ist in mehrfacher Hinsicht hanebüchener Unsinn. Kein Frau/Mann-Ehepaar verliert  irgendetwas, wenn auch gleichgeschlechtliche Paare heiraten. Schwule und Lesben stammen natürlich auch aus Familien, haben Eltern und Geschwister. Sie fallen nicht einfach vom Himmel. Es sind aber ihre heterosexuellen „Family-values“-Eltern, die jede Achtung der Familie mit Füßen treten, wenn sie ihre queeren Kinder aus dem Haus jagen.

(…) Die Teenagerin oder der Teenager, der eben noch am Mittagstisch saß und angeblich so geliebt wurde, von seinen eigenen Eltern voller Hass verstoßen wird.  Der in diesem Video gezeigte Daniela Ashley Pierce lebte in Kennesaw, Copp County, Georgia, das zum 6th congressional district gehört, also unweit des berüchtigten 4th congressional district der Marjorie Taylor Greene liegt. Da ist der Hass der Religiösen am wenigsten abstrakt, sondern bedrückend konkret, wenn er sich gegen die eigene Familie, wendet. Unbeschreiblicher Hass auf seine eigenen Kinder von denjenigen, die jedem „God is Love!“ erklären und so stolz auf ihre „Family Values“ sind. 

Artem Kolesov, 23, erster Violinist in Chicago, Geigen-Wunderkind aus St. Petersburg, beschreibt besonders eindrücklich, wie die russisch-orthodoxe Kirche den blutigen Hass auf Schwule schürte, wie er dadurch schwer depressiv wurde und als Teenager viermal versuchte, sich umzubringen. DAS ist Gottes real existierender Kirchismus: Eine Ideologie, die Hass zwischen Eltern und Kindern sät und Jugendliche mit äußerster Perfidie in den Suizid treibt. (…)

(Christentum als Hassverstärker, 07.06.2022)

Es ist verrückt; eine von zwei US-amerikanischen Parteien verschreibt sich mit Haut und Haaren einem antidemokratischen, verfassungsfeindlichen, Hochverräter, Sexisten und Rassisten, der im Amt 30.000 Lügen verbreitete, seinen Vize lynchen lassen wollte, zweimal impeacht wurde, begeistert für immer mehr Massenschießereien sorgt, Kleinkinder in Käfige sperrt, nach Folter und Prügeln verlangt, den Kongress von einem terroristischen Mob stürmen ließ und seinen sadistischen, sowie gewalttätigen Impulsen freien Lauf lässt.

Diese Partei empfindet sich selbst als moralisch überlegen, lebensfreundlich und werteorientiert.

Was für eine Propaganda-Meisterleistung!

Was für ein Ausweis des politischen Versagens der anderen Seite, die sich als weniger familienfreundlich, weniger moralisch und weniger vertrauenswürdig darstellen lässt.

[…] Mehr als 5000 Delegierte hatten sich in Houston, der größten Metropole der republikanischen Hochburg, zu der drei Tage dauernden Versammlung getroffen, am Samstag wurde dann über das Parteiprogramm abgestimmt.  »Wir lehnen die bestätigten Ergebnisse der Präsidentschaftswahlen 2020 ab und sind der Meinung, dass der amtierende Präsident Joseph Robinette Biden Jr. nicht rechtmäßig vom Volk der Vereinigten Staaten gewählt wurde«, heißt es in der Resolution, die auf dem Parteitag mit Stimmenmehrheit verabschiedet wurde. Damit folgen die texanischen Republikaner dem von Ex-Präsident Donald Trump verbreiteten Verschwörungsmythos, bei der Präsidentschaftswahl sei betrogen worden. […] In ihrem Programm positionieren sich die Republikaner auch gegen Homosexualität und Transgender-Personen. Homosexualität sei eine »abnormale Lebensweise«, heißt es. […] Außerdem stellt sich die Partei gegen »alle Bemühungen zur Anerkennung der Transgender-Identität« . […]

(SPON, 20.06.2022)

Schuld daran sind die „liberals“ zum Teil selbst, die das Zerrbild, welches die Ultrarechten von ihnen zeichnen, genüßlich auswalzen, indem sie nun in den großen Fettnapf der „Wokeness“ springen.

„Woke“ zu sein, ist eigentlich etwas Gutes; wir sollten alle woke sein.

[…] Der Begriff „woke“ wurde in den letzten Jahren vor allem durch Social Media geprägt. Mit Hashtags wie #woke oder #staywoke soll auf soziale, strukturelle und/oder politische Missstände aufmerksam gemacht werden.  „Woke“ oder auch „Wokeness“ genannt, kommt aus dem Englischen und bedeutet übersetzt „aufgewacht“ bzw. „wachsam“. Verwendet wird der Begriff heute umgangssprachlich vor allem für die Aufmerksamkeit (Wachsamkeit) bzw. die Feinfühligkeit gegenüber Menschen von Minderheiten und Momenten von Diskriminierungen. Im Fokus der Wokeness-Bewegung stehen vor allem Themen wie Rassismus, Sexismus und ähnliche Diskriminierungen. Nicht selten wird der Begriff aber auch für vermeintlich allgemein strukturelle und politische Missstände benutzt. [….]

(Stuttgarter Zeitung, 01.09.2021)

Weil wir glücklicherweise „woke“ sind nennen wir People of Color nicht mehr „Neger“, behandeln LGBTIQs nicht als „Perverse“. Einige linke Woke übertreiben es aber derartig, daß sie sich beispielsweise rückwirkend für Filme aus den 1970ern schämen, wenn sie dort in einer Filmrolle eine Kellnerin als „Sweety“ ansprachen.  Der Wahnsinn aus Wokistan treibt solche Blüten, daß es den rechten Republikanern leicht fällt, sich über die Liberalen lustig zu machen.

Ein besonders groteskes Beispiel aus der WaPo-Redaktion prangerte Bill Maher in seiner letzten Sendung an.

Im Lichte solcher Spinner, kann ein „Grabb’em by the Pussy“-Spruch von Donald Trump als geradezu heldenhaft empfunden werden. Obwohl das klar sexistisch ist und genau das, was Wokeness zu Recht unterbinden sollte, freuen sich die QTrumpliKKKans darüber, wie ihr oranger Lügen-Berserker die Linken damit ärgert.

Von dieser Über-Wokeness profitiert nun auch der CSU-Abgeordnete Klaus Steiner, der eine sexistischen Ausfall locker aussitzen kann, weil er in konservativen „Man darf ja gar nichts mehr sagen“-Kreisen dafür gefeiert wird, den bajuwarischen Mini-Trump zu geben.

[….] Der Abgeordnete Klaus Steiner rät deutschen Produktköniginnen, am besten Bikini und String zu tragen, um ihre Chancen bei der Suche nach einem "Prinzen" zu erhöhen. Er fand's wohl lustig. [….] Die Szene der zwei fassungslosen Frauen stammt aus einer Reportage des Rechercheteams "Y-Kollektiv", die auf Youtube zu sehen ist. Sie trägt den Titel "Deutschlands Produktköniginnen: echte Heimatliebe oder doch Sexismus?"

 Dieser Frage sind die Filmemacher also nachgegangen, am 12. Juni, beim Königinnentag in Oberbayern. Seine ganz eigene Antwort hat ihnen dann der CSU-Landtagsabgeordnete Klaus Steiner geliefert, der beim Empfang im Kulturforum ein Grußwort gesprochen hat, das die SPD als "Sexismus-Attacke" bezeichnet. [….] Darin ist Steiner, 68, am Rednerpult des Kulturzentrums zu sehen. Er freut sich sichtbar über den Besuch des durchweg weiblichen Produktadels, für den er dann auch "eine Empfehlung" parat hat, freundlich wie er ist. Wenn man den CSU-Politiker und sein Grußwort richtig versteht, geht Steiner ganz selbstverständlich davon aus, dass die Königinnen im Kulturzentrum "auf der Suche" nach "Prinzen" sind. In Sorge um deren Marktchancen rät er den Frauen, besser "im Bikini oder im String" zu erscheinen. Das werde zwar "kühl", aber "die meisten" der Produktköniginnen dürften ja mit diesen Kleidungsstücken "ausgestattet sein", säftelt Steiner. Oh Mann. [….]

(Andreas Glas, 20.06.2022)