Freitag, 19. März 2021

Geschlechtsidentität.

Vielleicht sind es einfach nur meine zufälligen Lebensumstände, daß ich nie mit männerbündnerischen Strukturen in Kontakt kam.

Meine Großväter waren schon lange vor meiner Geburt gestorben, meinen Vater sah ich nur sonntags; ihm genügte allerdings seine Kreativität als Künstler, um mit uns zu spielen. Seine eigenen Kindheitserfahrungen in der katholischen Kirche und Jungmann-Erfahrungen bei der US-Army hatten dazu geführt, daß er beide Organisationen zutiefst verachtete. Uniformität, Regeln, Hierarchien, Gehorsam waren wirklich keine Kategorien, in denen er dachte.

Heute fremdele ich mit dem Erziehungs-Zauberbegriff „male bonding“, das angeblich so wichtig für Jungs sein soll.

Das kann doch nur essentiell sein, wenn man davon ausgeht, daß Väter etwas qualitativ vollkommen anderes als Mütter bieten. Was sollte das sein, außer überkommenen Geschlechterklischees?

In Werbeclips gibt es gerne mit romantischer Tränenverdrücker-Musik untermalte Szenen, wie Papa dem eben pubertierende Sohn das Rasieren beibringt, mit ihm Fußball spielt. Die Fahrrad-Stützräder abmontiert oder den ersten Krawattenknoten bindet.

Ich halte das alles für pathetisch überladenen Popanz. In der Pubertät wacht man nicht über Nacht mit einem Vollbart auf; die Gesichtsbehaarung kommt langsam, so daß man automatisch lernen kann damit umzugehen. Das ist doch keine Raketenwissenschaft. Haar wächst, abschneiden, fertig.

Ich glaube, es war der Gärtner, der irgendwann meine Stützräder abschraubte. Offenbar hatte er dabei aber beobachtet, daß ich zuvor ohnehin nicht mehr mit vollem Gewicht nach links oder rechts driftete. Ohne die Räder schob er mich noch einmal kräftig an, damit ich Schwung bekam, fertig. Es ist nur Radfahren. Das kann jeder.

Fußball ist ohnehin ein Proletensport, den ich verachte und Krawattenknoten brauche ich bis heute nicht.

Daß ich ein Junge und kein Mädchen wie meine damalige beste Freundin aus dem Nachbarhaus war, musste auch nicht groß erklärt werden. Es waren liberalere Zeiten, es gab einen Teich und einen See, in dem wir als Kleinkinder nackt schwammen. Ich erinnere mich beim besten Willen nicht an besonderes Interesse an anderen Genitalien, aber daß es einen anatomischen Unterschied gab, war offensichtlich.

Als Pubertierender war ich kein Messdiener, kein Pfadfinder, sang in keinem Knabenchor, gehörte zu keinem Sportverein.

 Die einzige wirkliche Male-Only-Situation gab es im Sportunterricht 5. bis 10. Klasse.   Da ich mindestens ein Jahr jünger als die anderen war; die beliebtesten Klassenkameraden waren eher zwei oder drei Jahre älter; konnte ich bei den allgemeinen Pubertätsprahlereien nicht richtig mithalten. Die Älteren protzten wöchentlich mit erstem Bartflaum, übertrafen sich gegenseitig mit der Zahl ihrer Haare am Sack. Unser Klassensprecher verdankte fast alle männlichen Wahlstimmen der ungeheuerlichen Aussage während einer Klassenreise, er habe schon sechsundsechzig Haare da unten. Das war einerseits enorm, wenn man selbst mit der Lupe kontrollierte, ob man seine eigene Zahl nicht von zwei auf vier erhöhen könnte, aber andererseits schwante mir schon, daß der Typ seinen Altersvorteil ausspielte.   Ich müsste nur zweimal sitzenbleiben und könnte in der Sackhaar-Olympiade der Jungen-Umkleide in die Medaillenränge vorstoßen.

(Wie bestimmt man eigentlich im Jahr 2021 das Beliebtheitsranking in Unterstufen-Jungen-Umkleiden; nachdem nun die radikale Körperhaarlosigkeit Mode ist?)

Nach der Pubes-Zählungen wurden die Mädchen-Erfolgsgeschichten zu dem Thema der Sportumkleide. Küssen, Knutschen, Necking, Petting, Verkehr – wer hatte schon was gemacht und wie oft und wie lange?

Wer am meisten vorweisen konnte, stieg in der Umkleide-Hierarchie weit auf.

Das Thema war, a posteriori betrachtet, wenigstens insofern interessant, da ich glücklicherweise in der Zeit vor Internet und Klugtelefon aufwuchs.

Wir hatten alle noch nie einen Porno gesehen, machten unsere ersten sexuellen Erfahrungen selbst.

Aber dennoch war ich mit 12, 13 Jahren schlau genug, um den Mitschülern, die von ihren ausschweifenden sexuellen Erfahrungen berichteten, nicht zu glauben.

Später, als ich auch etwas zu erzählen gehabt hätte, war ich im Gegensatz zu vielen älteren Mitschülern reif genug, um das eben nicht in der Umkleide allgemein zu besprechen.

Ich war froh, als ab der elften Klasse, in die ich im Alter von 15 Jahren kam, die Sportgeschlechtertrennung aufhörte.

Den Sportunterricht hasste und verachtete ich zwar noch viel mehr, weil ich inzwischen Revoluzzer war und grundsätzlich die Notenvergabe aufgrund körperlicher Fähigkeiten ablehnte, aber die Jungs-Sex-Prahlerei aus der Umkleide vermisste ich nicht.

Nach der Schule musste ich als US-Amerikaner nicht zur Bundeswehr oder dem Zivildienst, es gibt in Hamburg keine Schützenvereine und schon gar nicht zog es mich jemals in Segelvereine, die damals immer noch keine Frauen aufnahmen.

Für den erzkatholischen heiligen CSU-Gral Männerverein Tuntenhausen (KMVT), den 1945 vom Alois Hundhammer gegründeten ultrakonservativen Verein, habe ich nur Verachtung übrig.

Unter welchen Störungen leiden diese Cis-Heteros, daß sie neben ihrem Katholizismus, der ohnehin schon Frauen als so minderwertig erachtet, daß sie noch nicht mal das minderste geistliche Amt annehmen können, einen noch exklusiveren frauenfreien Club benötigen?

Fehlt mir irgendwas; bin ich fehlentwickelt?
Ich kann mir keine Situation vorstellen, die mich dazu triebe, mein Heil in 100% männlicher Umgebung zu suchen.
   Wieso reagieren Männer bis heute dermaßen hysterisch, wenn Frauen in bisherige Men-only-Berufe wie Bundeswehr, Schiffskapitän oder DAX-Chefetage vordringen?

Geschlechtsexklusivität ist sicherlich ein Vorteil, wenn es sich um Lesben oder Schwule handelt, die gezielt Kopulationen anbahnen.

Dafür kann ich zur Not Verständnis aufbringen; Lesben-Abschleppschuppen oder schwule Dark Rooms.    Aber wenn man nicht nach homosexueller Triebabfuhr strebt, macht es doch keinen Sinn, eine Hälfte der Gesellschaft auszuschließen.

Es gibt allerdings kulturelle, meist religiöse Zwänge, welche die heterosexuelle Triebbefriedigung erschweren, so daß männliche Homosexualität zu einem Ventil werden kann.

(….) Das ist eigentlich gar nicht merkwürdig, daß Männerbünde – freiwillige und unfreiwillige – mit unterdrückter Homosexualität erfüllt sind.

Freiwillige Frauenfreiheit wie in Priesterseminaren, bei den US-Boyscouts oder dem Vatikan haben a priori einen überproportional hohen Schwulen-Anteil, weil sie für die Männer besonders attraktiv sind, die kein Interesse an Frauen haben.

Dieses Argument entfällt beispielsweise bei deutschen Protestanten, weil dort auch und gerade Frauen Geistliche werden. Dementsprechend gibt es unter evangelischen Pastoren ganz durchschnittlich viele Schwule, während sie bei den Katholiken extrem geballt auftreten.

In andere männerbündnerische Verhältnisse begibt man sich nicht unbedingt freiwillig; oder zumindest nicht explizit wegen der Abwesenheit von Frauen:
Gefängnis, Wehrdienst, Jungsinternate, Sportvereine, Armee, Messdiener.

Auch hier kommt es zu überdurchschnittlich viele homosexuellen Handlungen.

Ursache dafür ist aber nicht der grundsätzlich höhere Schwulenanteil, sondern die Kombination aus bei fast allen Menschen vorhandener partieller Bisexualität und dem Mangel an heterosexuellen Gelegenheiten.

Es gibt sogar Begriffe dafür wie „knastschwul“. Damit ist eine Art Generalentschuldigung für rein heterosexuelle Männer gemeint, die wegen der Alternativlosigkeit mit anderen Männern kopulieren.

Die homophilien Schwingungen altehrwürdiger Bildungsanstalten wie englischen Eliteschulen sind legendär und seit Jahrhunderten Gegenstand der Literatur.

Dafür stehen beispielsweise Robert Musils „Die Verwirrungen des Zöglings Törleß“ von 1906 oder das 1981 von Julian Mitchell verfasste Theaterstück „Another Country“, welches im Jahre 1984 kongenial von Marek Kanievska mit Rupert Everett und Colin Firth verfilmt wurde. Hier wird das Eton College der 1930er Jahre in seiner ganzen Pracht ausgebreitet.

Evelyn Waugh schildert in seinem Jahrhundertroman „Wiedersehen mit Brideshead“ von 1944 genauso erotische Schwingungen zwischen den Hauptpersonen im England der 1920er wie dem 1913 geschriebenen und 1971 posthum veröffentlichten E.M. Forster-Roman „Maurice“, der im viktorianischen Cambridge spielt.

Ob so viele derartige Romanzen unter Männern überhaupt stattgefunden hätten, wenn sie während ihrer Pubertät nicht strikt von Mädchen abgeschirmt gewesen wären und in Schlafsäle mit vielen anderen hormonüberfluteten Jungs gestopft worden wären, wage ich zu bezweifeln.

Offensichtlich sind sie diejenigen Mächtigen, die so sehr darauf dringen keine Frauen in ihre Institutionen zu lassen durchaus darüber bewußt damit den perfekten Nährboden für nächtliches Necking unter Nackten zu schaffen. (…..)

(Wenn Frauen fehlen, 20.09.2020)

Tatsächlich kann ich aufgrund meiner bisherigen Lebensumstände, die frei von jeden Männerbünden waren, keine derartigen Erfahrungen beisteuern und nur ganz nüchtern feststellen, als rein zufällig als weißer Cis-Mann Geborener, nicht den geringsten Antrieb zu verspüren mich einer frauenfreien Umgebung anzuschließen.

Ich möchte nicht mit Männern jagen gehen, nach dem Fußball „grab’em by the pu**y“-boytalk machen und fühle mich nicht wohl in einer zufälligen Feierabend-Männerrunde, in der alle mehr oder weniger scherzhaft über ihre Ehefrauen klagen. Dieses Al Bundy-Syndrom der Lang-Verheirateten ist lächerlich.

Ich verstehe auch nicht den scheinbar ganz natürlich eintretenden Hang zur Vulgarität und Aufschneiderei, wenn Männer unter sich sind.

Typische Männer, die Männerdinge machen, interessieren mich nicht.

Selbst wenn ich selbst eine männliche Episode habe – zum Beispiel verwandele ich mich bedauerlicherweise im Baumarkt in einen Klischeemann und verspüre einen extremen inneren Drang, mir Werkzeuge, Schrauben und Nägel zu kaufen – finde ich mich selbst dabei lächerlich.

Da ich zufällig ein Mann bin, habe ich zwar wenig, aber doch etwas Einblick in reine Männerwelten.   Es bleibt die Frage, ob reine Frauenwelten die Besseren sind.

Im Gegensatz zu unnützen freiwilligen Männerbünden, gibt es durchaus sinnvolle Frauenbünde dort, wo sie bisher drastisch minderrepräsentiert waren, oder wo Frauen gefährdet sind, Opfer zu sein.    Frauenhäuser sind natürlich notwendig.    Frauen sind gezwungen mehr zu netzwerken, weil sie einen religiös bedingten 2.000-jährigen Rückstand aufholen müssen.

Ich mutmaße aber weiterhin, daß frau sich nicht auf Frauensolidarität verlassen sollte, sondern auch von ihren Geschlechtsgenossinnen gnadenlos gemobbt werden kann.

Und ich nehme an, daß ich nicht nur ein merkwürdiger Mann bin, sondern als Frau ähnlich merkwürdig wäre.    Ich war noch nie Frau und kann mich mutmaßlich nicht in alles hineindenken, aber Frauenliteratur à la Hera Lindh und Gaby Kaufmann ist grauenvoll, Frauen-TV wie Heidi Klumps Modelshow ist abartig und die Frauenzeitschriften von Das Goldene Blatt bis Frau im Spiegel sind das Unterste des Unteren.

Ich mutmaße weiterhin, daß viele Frauen mir in den Punkten zustimmen. Wieso sollte es überhaupt eine leichtere und intellektuell verzwergte Literatur-Form extra für Frauen geben?

Die unendlichen Weiten der Medienwelt klärten mich just via VOX darüber auf, wie sich die moderne Frau in Berlin-Mitte entspannt und sich ihres Frauseins bewußt wird.

Der Megatrend seit 2019 lautet „Yoni-Steaming“.   Dabei wird die eigene Vulva mit einer Kräutermischung bedampft.   Natürlich ist das keine neue Erfindung, sondern wie alle Esoterik-Trends aus Asien, in diesem Fall Indien, adaptiert.

[….] Zuerst machen wir eine kurze Meditation zum erden und ankommen. Dann erkläre ich nochmal den Ablauf und du hast die Möglichkeit dir Gedanken zu machen, was deine Intention für diesen Steam sein kann (falls du das nicht schon getan hast). Jede bekommt einen speziellen Yoni Steam Hocker und wir stellen den heißen Kräutersud darunter und sorgen dafür, dass die Temperatur angenehm ist. Sobald alles fertig vorbereitet ist, setzt du dich mit deinem Handtuch und einem langen Rock über das Loch vom Hocker. Dann leite ich den Yoni Steam mit geführter Meditation, Visualisierungen und Atemübungen an. Nach dem Steam gibt es noch mal eine Entspannung im liegen.  [….] Die Yoni Steam Zeremonie dauert ungefähr zwei Stunden. Es gibt maximal sechs Teilnehmerinnen. Du musst zu keinem Zeitpunkt nackt vor den anderen Teilnehmerinnen sein (wir tragen einen langen Rock). Mit meiner Anleitung macht jede das Ritual ganz für sich. [….]

(Mahina-Leipzig)

Man kann beispielsweise im Berliner Waxing-Geschäft „Honigseele“ für günstige 490 Euro ein Schoßgesundheitspaket erwerben.

[…..] Für Deine Schoßgesundheit biete ich Dir folgendes Paket an: 490 €

    4 Yonisteamingsessions inkl. Massage, Wert 360 Euro

    eingehende Beratung/Anamnese und abgestimmte Kräuterrezepturen, Wert 90 Euro

    8 Yonisteaming Heilkräutersets für zu Hause, Wert 40 Euro

    daily-stress-release Videoanleitung inkl. Audioversion, Wert 50 Euro

    Yonisteaming at home Videoanleitung, Wert 50 Euro

Yonisteaming Einzelsession basic

45€ 30 min

Ein Yonisteaming mit kurzer Anamnese zum Ausprobieren oder als Folgebehandlung.

Yonisteaming Einzelsession grande

90€ 70 min

Ein Yonisteaming mit ausführlicher Anamnese und anschließender Heilbehandlung. […..]

(Honigseele Heilwissen)

Mitten im Laden, vor der Theke, setzt frau sich also auf einen IKEA-Hocker, dem vorher die Sitzfläche entfernt wurde.

Sie ist dabei unten ohne wie Oskar Matzeraths berühmte Kaschubische Oma aus Günther Grass‘ Blechtrommel, die unter ihren vielen Röcken einen glühenden Ziegel verbarg, um sich den Hintern warm zu halten. Und gelegentlich desertierende Soldaten darunter zu verstecken, die zum Dank…., aber das ist eine andere Geschichte.

Der moderne Berlinerin sitzt also nur notdürftig durch halbdurchsichtige Vorhänge im Schaufenster von der Außenwelt getrennt, breitbeinig auf dem halben IKEA-Hocker; man schiebt ihr einen Topf mit heißem Wasser und ein paar Kamillenteebeuteln unter die Röcke, spricht ein paar bedeutungsschwangere OMs, um sich dann coram publico die Vagina ätherisch ölen zu lassen.

Da das so etwas albern klingt, sagt man natürlich nicht „Scheide“ sondern auf Sanskrit „Yoni“, kombiniert mit dem englischen Wort für Dampf.

Nein, das würde ich als Frau nicht machen.  Da bin ich sicher.

Zumal ich eben entdeckt habe, daß es auch das männliche Gegenstück, das LINGAM-Steaming im esoterischen Angebot gibt.

Das gemeinsame Kräuterliche Bedampfen des Penis.

Machen das vielleicht die konservativen CSUler in Tuntenhausen?

Donnerstag, 18. März 2021

Wir wollen Karl

„Was kann eigentlich Jens Spahn?“ titelte der STERN letzte Woche.

[…..] Jens Spahn: Das Gesicht des Desasters

Jens Spahn hat alles, was künftige Kanzler brauchen: Talent, Ehrgeiz, Härte. Doch jetzt verkörpert der Gesundheitsminister wie kein anderer die umstrittene Corona-Politik der Regierung. Was kann er wirklich? […..]

(Tilman Gerwien, 10.03.2021)

Nun, das Clickbaiting funktionierte zumindest bei mir; ich kaufte das Heft, fragte mich, ob die einst so großen Rechercheure beim Gruner&Jahr-Flaggschiff Neues hervorzaubern würde.

Gerwien lieferte leider nicht; malte die enormen Anforderungen seines Amtes aus, betone wie sehr sich Spahn dennoch in den Job gedrängt hatte und hob hervor, daß der „erst“ 40-Jährige allerdings schon seit 25 Jahren intensiv und fleißig konservative Netzwerke in der CDU knüpft. In dem Vierteljahrhundert verfilzte sich Spahn so sehr in den Partie-Machtstrukturen, daß selbst Merkel, die ihn wirklich nicht mag, im Jahr 2018 nicht mehr an ihm vorbei kam, ihn zum Minister machen musste.

Der STERN beschreibt zutreffen, wie der Gesundheitsminister seit 2018 bei all seinen Themen vorprescht, um sich ins Gespräch zu bringen, daß aber meistens nur Staub aufgewirbelt und nichts bewirkt wird.

Sein „Pflegepersonalstärkungsgesetz“ begleitete er mit der Gründung einer eigenen Agentur zur Anwerbung von Pflegefachkräften aus dem Ausland.

Nach drei Jahren weist die Spahn-Agentur 28 (!) erfolgreiche Vermittlungen auf.

Sein Umbau der Notfallversorgung wurde gestoppt, das Terminserviceprogramm ist für Patienten nutzlos, die Organspende musste Annalena Baerbock für ihn lösen, die „elektronische Patientenakte“ scheitert am Datenschutz.

Weggelassen wird Spahns private Raffgier, seine sagenhafte Anstandslosigkeit.

Da sind andere Medien viel weiter und legen den Finger in die Wunde, wehren sich gegen Spahns Einschüchterungsversuche.

 […..] Ausdauernd ging der Minister gegen Berichte über seinen millionenteuren Immobilienkauf vor. Doch der Druck, Transparenz zu schaffen, wurde immer größer.   Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will künftig offenbar nicht mehr gegen Medien vorgehen, die über den Kaufpreis seiner Villa in Berlin-Dahlem berichten.   Spahn hatte gerichtliche Verfügungen erwirkt, unter anderem gegen den Tagesspiegel, denen zufolge die Kaufsumme von 4,125 Millionen Euro öffentlich nicht genannt werden dürfe. […..]

(Tagesspiegel, 18.03.2021)

Spahns dramatisches Missmanagement kostet Leben.

Und es kostet aber auch Geld.

Minister Scheuer verursachte durch seine persönliche Doofheit 540 Millionen Euro Verlust für den Steuerzahler.

Da kann Spahn nur lachen; allein mit seinen gegen alle Widerstände durchgedrückten FFP-Apothekendeals drückte er uns zwei Milliarden Mehrkosten auf.

[…..] Es war kein schönes Jahr für den Apotheker Simon Krivec aus der Ruhrgebietsstadt Moers. Erst die Pandemie und dann wurden auch noch die Erkältungsmittel zu Ladenhütern. Doch Mitte Dezember wendete sich das Blatt. Da bekam Krivec plötzlich 120 000 Euro überwiesen. Das Geld stammte von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und sollte Krivec - so wie alle Apotheker im Land - ermuntern, in seinen drei Filialen kostenlose FFP2-Masken an Covid-Risikopatienten zu verteilen. Bloß: Krivec brauchte das viele Geld dafür überhaupt nicht.   "Wir haben Masken gekauft für einen Einkaufspreis zwischen sechzig und siebzig Cent", sagt er. Der Bund rechnete dagegen mit sechs Euro pro Maske. Das sei "ein gutes Zubrot" gewesen, sagt Krivec. Man könnte es auch so formulieren wie der Berliner Pharmazeut Detlef Glaß: "Wir haben uns dumm und dämlich verdient", sagt er.  Die Verteilung von Schutzmasken wird die Steuerzahler letztlich mehr als zwei Milliarden Euro kosten. [……]

(SZ, 17.03.2021)

Das Gesundheitsministerium wußte genau, was der Wahnsinn kostet, aber die Beamten versuchten vergeblich den Apotheken-Großlobbyisten Spahn davon abzuhalten.

[…..] Bereits Anfang November warnte das Fachreferat demnach den Minister vor "gravierenden Finanzwirkungen" und wies daraufhin, dass viele Anspruchsberechtigte "durchaus in der Lage sind",  die Masken "selber zu finanzieren". Acht weitere Referate zeichneten das klare Votum ausweislich der Unterlagen mit: "Verzicht auf die Verordnungsfähigkeit von FFP2-Schutzmasken". Doch mit grünem Stift notierte Spahn handschriftlich auf die Vorlage: "Nein, bitte um kurzfristige Erarbeitung eines ÄA". Das Kürzel steht für "Änderungsantrag". Und das Wort "kurzfristig" hatte Spahn extra unterstrichen. […..]

(Tagesschau, 17.03.2021)

Wann reicht es endlich? Kann Angela Merkel nicht verdammt noch mal Jens Spahn endlich in Rente schicken? Viele Medien, die SPD und die überwältigende Mehrheit der Bundesbürger wünscht sich Spahns Ablösung.

Merkel ist es Wurscht, Laschet fürchtet selbst im Strudel unterzugehen, wenn es zu Kabinettsumbildungen käme und Söder weiß, daß seine beiden Megaschwachstellen Seehofer und Scheuer dann auch fällig wären.

Und so traut sich der CSU-Chef, dem gerade ein korrupter Parlamentarier (Nüßlein, Sauter, Zech,..) nach dem nächsten von der Fahne geht, nicht auf den Tisch zu hauen.

[….] Forderungen nach Ablösung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn wegen des Impf- und Testdebakels wies Söder zurück - ohne diesem allerdings volle Rückendeckung zu geben. "Das würde jetzt nicht helfen, weil in der Kürze der Zeit kann keiner mit dem Erfahrungswert von Jens Spahn da auch einsteigen. Es hat jetzt keinen Sinn zu wechseln, sondern wir müssen einfach besser werden. Die Kommunikation muss klarer werden", sagte er. […..]

(NTV, 15.03.2021)

Selten lag Herr Söder so dermaßen falsch. Das Gegenteil ist der Fall, fast jeder wäre besser als Jens Spahn in diesem Job, aber insbesondere steht mit Prof. Karl Lauterbach ein geradezu idealtypischer Experte bereit, der politisch, fachlich, medizinisch, medial perfekt als Gesundheitsminister geeignet ist.

Lauterbach muss übernehmen.

Schließlich ist da noch der zentrale Minister Spahn, der im Vergleich mit seinem langjährigen SPD-Pendant Lauterbach mit grotesker Fehlplanung und Ahnungslosigkeit auffällt.

(……) Wäre Angela Merkel eine wirklich verantwortungsvolle Kanzlerin, hätte sie Spahn längst mit einem kräftigen Tritt gefeuert und stattdessen Karl Lauterbach zum Bundesgesundheitsminister gemacht.      Aber wir leisten uns lieber Pfeifen an den Schaltstellen und haben dafür ein paar Tausend Tote mehr.     Der heute angesetzte Dezember-Lockdown ist so überraschend wie das Amen in der Kirche, nachdem sich all die C-Politiker ein halbes Jahr öffentlich spreizten. (……)

(Immer noch nicht begriffen, 13.12.2020)

#WirWollenKarl trendet es auf Twitter.

Es muss endlich DER Fachmann schlechthin den Job übernehmen, an dem Spahn so entsetzlich scheitert.

[…..]  Anfang der Woche tauchte nun bei Twitter die Frage an die Gemeinde auf: „Wollen wir nicht #WirWollenKarl oder #Karl4Gesundheitsminister trenden lassen?“ Seitdem ist die Welle losgerollt. Das sei eine richtig gute Idee, schrieb ein User. „Der Mann ist kompetent und rackert sich seit Monaten ab.“ Ein anderer meinte: „So einen interessierten Epidemiologen brauchen wir jetzt als Gesundheitsminister! Er ist der einzige, dem ich noch glaube und vertraue.“ Lauterbach sage stets, was Sache sei. Mehrere Tausend Posts sind inzwischen zusammengekommen – nicht alle, aber viele pro Lauterbach.   Zugleich fand auch ein anderer Hashtag jede Menge Zustimmung: #spahnruecktritt. Erst recht, seit es den neuen Vorwurf gibt, die Apotheken hätten an der Verteilaktion von FFP2-Masken an besonders gefährdete Gruppen dank des Gesundheitsministeriums massiv verdient. Lauterbach selbst hat sich mit Kritik am verantwortlichen Minister immer sehr zurückgehalten. Weil er wohl weiß, wie hart der Job im Gesundheitsressort ist. […..]

(Saarbrücker Zeitung, 18.03.2021)

Die Chancen, daß es so kommt sind verschwindend gering.   Dazu verhandelt sie SPD-Parteiführung viel zu schlecht.   Dafür sitzt der total verängstigten Unionsführung zu sehr Friedrich Merz im Rücken, der Jogi Löws und Peter Altmaiers Job haben will.    Merz ist Spahns und Scheuers politischer Klon, Genauso unfähig und noch viel weniger erfahren. Lauterbach hingegen ist einfach nur gut.   Leider leben wir in keiner Meritokratie.

[….] Der Mann ist kompetent und denkt konstruktiv, wo andere einen pandemischen Kippschalter zwischen Öffnen und Schließen eingebaut zu haben scheinen. Oder eben eine Chance wittern, beim Wettlauf mit Corona noch ein Geldgerinnsel aufs eigene Konto wandern zu lassen. "Visionen statt Provisionen", wenn man so will.   Eine interessante Wandlung, wo der Mann noch vor einem Jahr mehr verlacht oder verhasst wurde. Geht man nach dem berühmten Zitat "Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du", ist Lauterbach jetzt sowas wie der Gandhi aus Düren. Wenngleich Gandhi gegen den salzlosen Asketen natürlich ein geradezu maßloser Hedonist war.  Dass die SPD diesen Mann nicht viel enger an sich bindet und mit ihm wirbt, verwundert wenig bei einer Partei, deren Führung sich lieber öffentlich für Parteimitglieder schämt und einen Kanzlerkandidaten aufstellt, den sie vorher noch verhindern wollten. [….]

(M. Beisenherz, 18.03.2021)

Mittwoch, 17. März 2021

Ein Gescheiterter aus Würzburg – Teil II

Wie Hitler, wie der Nationalsozialismus vollständig von Deutschland Besitz ergreifen konnte, welche Rolle dabei der christliche und insbesondere Lutherische Antisemitismus spielte, wie Weimar und die Kriegstreiber-Kaiser der Hohenzollern auf den Zweiten Weltkrieg hinarbeiteten, Was der Versailler Vertrag damit zu tun hatte, wie deutsche Eliten, Wirtschaftsbosse, Adel, Klerus und insbesondere die Wehrmacht die Jahrhundertverbrechen erst ermöglichten, wird immer noch erforscht.

Es ist ein komplexes Thema. Vergleiche zu anderen faschistischen Diktaturen des frühen 20. Jahrhundert müssen gezogen werden.

Wieso versagten die demokratischen Kräfte, weshalb ließ sich die Linke auseinander dividieren, welche Rolle spielte die Person Hitler? Hätte es tatsächlich keinen WK-II gegeben, wenn ein mittelbegabter Herr Schickelgruber vor gut 100 Jahren in der Wiener Kunsthochschule angenommen worden wäre und als Maler seinen Lebensunterhalt verdient hätte?

Wieso wurden die Bahnstrecken in die Konzentrationslager nie bombardiert? Was hätten Papst und Vatikan verhindern können, wenn sie nicht geschwiegen und für Hitler gebetet hätten, sondern  alle Katholiken ultimativ durch Androhung der Exkommunikation zum Ende des Mordens aufgerufen hätten? Diejenigen, die Auschwitz befreiten, die sich Hitler entgegen stellen, also die Angehörigen der Roten Armee ließ der Papst exkommunizieren.

Wie führte die NS-Finanz- und Sozialpolitik zu so großer Zufriedenheit der Deutschen? Welche Rolle spielten die enorm erfolgreiche Goebbels-Propaganda, die deutschen Kinofilme, Wochenschauen und Radioansprachen, das Genie der Leni Riefenstahl?

Immer noch werden neue Quellen zugänglich gemacht, tauchen neue Archivfunde auf.

Aber es gibt auch einige Gewissheiten.   So haben sich die verbliebenen demokratischen Mächte, die USA, England und Frankreich viel zu lange beschwatzen lassen, knickten vor Hitler ein, nahmen seine Weltmachtgelüste nicht ernst genug.

Das Münchner Abkommen vom 29. September 1938, als Neville Chamberlain, Édouard Daladier und Benito Mussolini im Führerbau in München zustimmten Hitler weite Teile der Tschechoslowakei und die sudetendeutschen Gebiete bekäme, ohne daß die Tschechoslowakei und die Sowjetunion gefragt wurden.   Er habe den Frieden bewahrt, ließ sich der britische Premier anschließend feiern. Deutschland sei nun eingehegt und zufrieden.   Die artige internationale Bewunderung für die Olympischen Spiele 1936 in Berlin, die Vatikanische Adelung der Hitler-Regierung durch das Reichskonkordat von Reichskonkordat vom 20. Juli 1933 waren allesamt grausame Fehleinschätzungen.

Für Hitler-Deutschland galt, das lässt sich a posteriori sicher sagen: Auf einen groben Klotz gehört ein grober Keil.

Die Deutschen waren nicht fähig Hitler zu stoppen. Die Allermeisten kämpften noch verbittert weiter, als schon lange alles in Trümmern lag und keine Aussicht mehr auf den propagierten „Endsieg“ bestand.  Sie bewunderten seinen Erfolge und hegten eine groteske Vorliebe für alles Uniformierte.

Damit komme ich auch den vielfach gescheiterten David Berger zurück.

Mit seinen eher liberalen Eltern verbindet ihn nichts, dafür adorierte er umso mehr seine erzkatholische Großmutter († mit 100 Jahren) und ihren Wehrmachtsflieger-Gatten, den er nie kennenlernte.

Als die damalige Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen 2017 plante gegen altes Wehrmachts- und Nazi-Gedankengut in der Bundeswehr vorzugehen, flippte der Berliner PP-Blogger vollkommen aus, verfasste einen verstörend psychotischen „offenen Brief“ zur Ehrenrettung deutscher Weltkriegssoldaten.



Beim Geschichtsrevisionismus ist Berger seinem Idol Alexander Gauland ganz nah.

[….] Gauland hatte im Juni beim Bundeskongress der AfD-Nachwuchsorganisation Junge Alternative im thüringischen Seebach erklärt: „Hitler und die Nazis sind nur ein Vogelschiss in über 1000 Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte.“ Der Satz fiel nach einem Bekenntnis Gaulands zur Verantwortung der Deutschen für den Nationalsozialismus mit Millionen ermordeten Juden und Millionen Kriegstoten. [….]

(Tagesspiegel, 13.11.2018)

In frappierender Verkehrung von Ursache und Wirkung setzt Berger auch im März 2021 zu einem großen Lamento über die Zerstörung von Opas Heimatstadt Würzburg durch britische Bomber 1945 an.    Noch 76 Jahre später weint er gar bitterlich um seinen Wehrmachts-Opa, wütet in bajuwarischer Ausprägung des sonst nur für Dresdens Pegida typischen Opferkults.   Auch dort hat man in dem Briten „Bomber-Harris“ den eigentlichen und einzigen Schuldigen an der Bombardierung der Heimat gefunden.

Wieso taten sie das? Wie konnte das nur passieren?

Herr Dr. Dr. Berger scheint da einige Bildungslücken zu haben, die er in den letzten 53 Jahren noch nicht füllen konnte.

Ja, wie sind die Briten bloß auf die Idee gekommen damals?

Könnte es vielleicht etwas damit zu tun gehabt haben, daß Deutschland die Welt mit Krieg überzogen hatte und damit 60 Million Menschen tötete?

Daß Deutschland damit anfing systematisch durch Bombenangriffe die Zivilbevölkerung  Europas zu töten? Daß Deutschland jeden fünften Polen ermordete? Daß Deutschland den gesamten Kontinent zerstörte? Daß Deutschland 25 Millionen Sowjetbürger tötete? Daß Deutschland sechs Millionen Juden tötete und plante insgesamt elf Millionen Juden Europas zu töten?   Könnte es etwas damit zu tun haben, daß Deutschland, auch als der Krieg offenbar verloren war, fanatisch immer weiter killte? Daß Deutschland sich freiwillig hinter Hitlers Nero-Befehl stellte? Daß insbesondere die Berger-Bayern - München, Hauptstadt der Bewegung, Nürnberg - Reichsparteitagsstadt – die wichtigste Stütze des Nazi-Regimes waren?

Könnte es vielleicht etwas mit Ursache und Wirkung zu tun gehabt haben?

[…..] Zum 76. Mal jährt sich heute der Bombenangriff auf Würzburg im Jahr 1945. Der Krieg war für die Deutschen längst verloren, [Tja, dann hätte Opa Berger mal aufhören sollen für Deutschland zu morden] als britische Bomber eine der schönsten Städte Deutschlands [bei weniger schönen Städten hingegen darf man die Zivilbevölkerung schon eher töten?] am 16. März 1945 innerhalb von 20 Minuten in ein Trümmerfeld verwandelten. Für die Überlebenden ein Trauma, das auch noch mich als Nachgeborenen zutiefst prägte. [Im Gegensatz zu den Ponyhof-Polen und Romantik-Russen – die waren alle fröhlich und haben nichts Schlimmes erlebt?]  […..] Aus der heiteren mainfränkischen Metropole war das „Grab am Main“ geworden. […..] Die in der Altstadt eng aneinander gebauten Häuser, häufig mit Holz und Lehm konstruierte Fachwerkbauten, entzündeten sich rasend schnell, was von den Briten auch so intendiert war. [Pfui, wie gemein von den Briten! Bomber, die bombardieren? Wo gibt es denn sowas? Bergers Luftwaffen-Opa hingegen warf bloß Rosen und Grußkarten aus seinem Flugzeug ab!]  […..] Und noch heute bewegt es mich, wenn ich daran denke, wie mir meine Großmutter von jenem Augenblick  erzählte: ich sehe sie als junge Frau vor mir, deren Mann seit Monaten vermisst ist, das Kind stillend, wie die Tränen auf ihren Sohn an ihrer Burst tropfen. [Der Berger-Papa an der Oma-BURST – außerhalb Würzburgs setzt man Kinder hingegen nach der Geburt im Wald aus?]   […..][…..] Und doch sehe ich immer dieses Bild meiner Großmutter vor mir, wenn heute linksgrüne  Aktivisten, [Genau! Haben nicht die Linksgrünversifften in Wahrheit damals die deutschen Städte bombardiert??? Hatten da nicht Claudia Roth und George Soros ihre Hände im Spiel??] die auch in Würzburg vermehrt ihren Terror verbreiten, erneut einen Bomber Harris für Dresden wünschen und ein hasserfülltes „Do it again“ hinausschreien:  Welche neurotische Niedertracht, welcher grausame Selbsthass gegen die eigenen Vorfahren, gegen die Heimat, die einem jene Geborgenheit gegeben hat, in der wir ohne Krieg und in Wohlstand aufwachsen konnten?   […..] Der Kampf, den ich auf PP sowohl gegen den braunen wie den roten Faschismus, für Rechtsstaat und Demokratie auf der Basis des Menschenbildes des jüdisch-christlichen Abendlandes führe, hat hier eine seiner biographischen Wurzeln. […..]

(David Berger auf PP, 16.03.2021)

Genau, PP kämpft gegen Faschismus! Und die Linksgrünen sind für den Zweiten Weltkrieg verantwortlich.

Und Jorge Bergoglio ist ein atheistischer Sozialist, der den Dalai Lama geheiratet hat.

Dienstag, 16. März 2021

Ein Gescheiterter aus Würzburg

Ein Psychogramm.

Der AfD-Fanboy David Berger mit seinem verschwörungstheoretischen Hetzblog „Philosophie Perennis“ ist in so vieler Hinsicht ein wandelndes Klischee, daß man wie schon vor zehn Jahren bei Kreuznet, die Titanic oder den Postillon als eigentliche Autoren am Werk sieht. 

Als Alt- und Neu-Rechter passt der früh gealterte Bayer mit der auffällig lederigen Haut, der mangelnden Zahnhygiene und mit dem außergewöhnlich kleinen Schädel perfekt in die Identitätsschwangeren 2020er Jahre. Er empfindet sich als Opfer, als von dubiosen linken Mächten verfolgter Rächer seiner selbst.

[……] Immer mehr Menschen betonen ihre Identität als Mitglied einer diskriminierten Gruppe, grenzen sich so von der Mehrheitsgesellschaft ab und reklamieren besondere Rechte für sich. […..]

(SZ, 16.03.2021)

Der erzkonservative Katholik tat sich von Anfang an schwer.

Mit seiner Schwester und seinen Eltern überwarf sich der frömmelnde Besserwisser schon als Schüler, suchte stattdessen Halt bei seiner erzkatholischen Großmutter, die er bis heute in seinen Postings lobt, während er seine Eltern konsequent verschweigt.

  Früh kristallisierten sich die beiden Passionen des mageren Außenseiters in den 1980er Jahren der Würzburger Provinz. Er wollte ein großer Intellektueller des Vatikanischen Kosmos werden, am liebsten mit den prunkvollen Insignien eines geistlichen Amtes und andererseits als sexuell aktiver Schwuler seinen Gelüsten frönen.

Im Kosmos der ausgestoßenen Piusbrüder, in der Verschwiegenheit der tridentinischen Messe, war weniger die Kombination aus Zölibat und Sex problematisch. Nirgends gibt es so viele Schwule wie unter katholischen Geistlichen.

Als schwieriger hingegen erwies sich, daß der heute 53-Jährige Braunblogger in beiderlei Hinsicht nicht gerade brillierte.

Nur mit großer Mühe schaffte er nach mutmaßlich zweimaligem Sitzenbleiben mit 21 Jahren das Abitur und seine sexuelle Attraktivität war aufgrund seiner mickrigen Statur, des beständigen Hängens an Omas Rockzipfel und den dubios-dunkelkatholischen Umgangsformen soweit unterentwickelt, daß er mit Ende 20 beginnen musste sich manisch Oberkörpermuskeln anzutrainieren, die er sogleich stolz in sämtlichen schwulen Datingportalen präsentierte.

In „Der Heilige Schein“, seinem „Enthüllungsbuch“ von 2010 berichtet der 42-Jährige wie ihn alternde Theologen lüstern auf seine Muskeln und seine Jugend ansprechen.

In einem Umfeld aus notgeilen Klemmschwestern im Gerontenalter mag es an sexuellen Avancen nicht gefehlt haben. Ich halte diese Berger-Schilderungen aufgrund vieler anderer Berichte für glaubwürdig.

Unglücklicherweise entsprechen alte Männer nicht seinem Beuteschema. Ich spekuliere hier nicht, sondern beziehe mich auf Bergers eigene Veröffentlichungen. Im Jahr 2011 betrieb er beispielsweise einen „Familienblog“, in dem er das Zusammenleben mit seinem gleichaltrigen devoten Freund Klaus und ihrem „gemeinsamen Sohn“, nämlich einem 18-Jährigen Berger-Fan bilderreich beschreibt. Aufgekratzt wies er darauf hin, dem Teenager zwar vor seinem ersten Besuch in der Berliner Berger-Wohnung ein Gästebett bereitet zu haben, das aber glücklicherweise nie zum Einsatz gekommen wäre, da der Frischling bereitwillig zur dreisamen Kopulation ins Ehebett gesprungen wäre.

Sein zeitweiliger Ruhm und die Medienöffentlichkeit der frühen 2010ner Jahre führten offensichtlich zu einigen sexuellen Erfolgen mit sehr, sehr jungen Männern, die er stolz in den sozialen Medien vorführte.





Es konnte aber nur schwer darüber hinwegtäuschen, daß seine intellektuelle und finanzielle Karriere in Trümmern lagen.

Er scheiterte immer wieder, wurde entlassen, musste aufgeben oder flog im hohen Bogen.

Der Vatikan warf ihn raus, er verlor den Job als Herausgeber von „Theologisches“, wurde von seinen früheren Kreuznet-Fans angeklagt, musste als einfacher Deutschlehrer eines Kölner Gymnasiums arbeiten, wurde auch dort gefeuert, verdingte sich als Chefredakteur des schwulen Monatsblattes „Männer“, wurde ebenfalls nach kurzer Zeit wieder gefeuert, bis ihm am Ende nur sein privater Blog blieb, in dem er so viel lügt, daß er schon mehrfach Schmerzensgeld zahlen musste.

Heute erscheint unter jedem einzelnen „Artikel“ eine flehentliche Bitte um Spendengelder.

Berger ist gezwungen die ultrarechte Szene zu triggern, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten.

Wie die Chancen eines sichtlichen gealterten Mittfünfzigers, der einen Kopf zu klein ist und über keine finanziellen Mittel verfügt, in der schwulen Datingszene aussehen, weiß ich nicht.

Ich vermute aber, daß er mindestens drei Dekaden außerhalb des besten Alters operiert.

Ähnlich wie sein Idol Donald Trump und dessen Fans, sehnt sich Berger nun in bessere Zeiten zurück und findet sehr viele Ausreden für sein vielfältiges Scheitern.

So viele Mächte sind schuld. Der Zeitgeist, die Mainstreammedien, die Linksgrünversifften, Merkel, der liberale Papst, die Emanzen und Feministen, die Ausländer, die Muslime, die Corona-Pandemie, Bill Gates, Annetta Kahane, natürlich George Soros, geheime Weltverschwörungen und nicht zu vergssen die Illuminaten und Reptiloiden.

So viele bringen Berger um seinen Erfolg und seine sexuelle Attraktivität.

Nur er selbst ist frei von jeder Verantwortung .

(Fortsetzung folgt.)

Montag, 15. März 2021

Der böse Jojo-Effekt

So viel Eigenlob muss sein;

Das was jetzt große Medienhäuser wie der SPIEGEL empfehlen, nämlich Karl Lauterbach zum Bundesgesundheitsminister zu machen, hatte ich schon vor einem Vierteljahr gefordert.

Schließlich ist da noch der zentrale Minister Spahn, der im Vergleich mit seinem langjährigen SPD-Pendant Lauterbach mit grotesker Fehlplanung und Ahnungslosigkeit auffällt.

(……) Wäre Angela Merkel eine wirklich verantwortungsvolle Kanzlerin, hätte sie Spahn längst mit einem kräftigen Tritt gefeuert und stattdessen Karl Lauterbach zum Bundesgesundheitsminister gemacht.      Aber wir leisten uns lieber Pfeifen an den Schaltstellen und haben dafür ein paar Tausend Tote mehr.     Der heute angesetzte Dezember-Lockdown ist so überraschend wie das Amen in der Kirche, nachdem sich all die C-Politiker ein halbes Jahr öffentlich spreizten. (……)

(Immer noch nicht begriffen, 13.12.2020)

Es ist alles anderes als unwichtig, wer das Gesundheitsministerium führt.

Ob die Bürger „genervt“ von Lauterbach sind, sollte kein Kriterium sein.

Aber er behielt mit seinen Prognosen stets Recht.

Wären Merkel, die Ministerpräsidenten und Deutschland seinen Ratschlägen gefolgt, hätten wir deutlich weniger Tote und den Lockdown womöglich schon hinter uns gelassen.

[…..] Warum nicht Lauterbach?  Viele Bürger mögen genervt sein von seinen ewigen Warnungen. Übersehen wird aber oft, dass Karl Lauterbach auch konstruktive Vorschläge am Fließband produziert. Mit ihm wäre Deutschland vermutlich besser durch die Krise gekommen. […..]

(Markus Feldenkirchen, 12.03.2021)

Die Desorientierung, Halbherzigkeit und Flatterhaftigkeit Laschets, Günthers und der Ministerpräsidenten aus dem Osten, haben zu genau dem Jojo-Effekt geführt, den wir jetzt erleben und den wer prophezeit hatte?
Genau, Lauterbach.

[…..] Infektionszahlen steigen dramatisch – Notbremsen-Lockdown zu Ostern wird wahrscheinlich! RKI-Experten erwarten in der Woche nach Ostern eine Corona-Inzidenz zwischen 200 und 500. Viele Lockerungsschritte dürften deswegen ausfallen. […..] Epidemiologen, darunter der SPD-Politiker Karl Lauterbach, hatten bereits vor einen Jo-Jo-Effekt gewarnt und empfohlen , mit den Lockerungen zu warten, bis die Inzidenz deutlich unter 35 liegt. Ministerpräsidenten und Kanzlerin hatten jedoch eine Kehrtwende weg von der Ziel-Inzidenz 35 vollzogen und die Lockerungen bereits für Inzidenzen zwischen 50 und 100 beschlossen. [….]

(Donata Riedel, Handelsblatt, 15.03.2021)

Der habilitierte Mediziner und Hamburger Regierungschef Peter Tschentscher gehörte nicht zu den Öffnungsfetischisten und argumentierte in der MP-Kanzler-Konferenz strikt dagegen.

Deutschland leidet aber nicht nur unter einem drastischen Strategie-Mangel, sondern auch an sagenhafter Organisationsunfähigkeit der handelnden Minister.

R-Wert und Inzidenz steigen und zudem hören wir auch noch auf Astrazeneca zu verimpfen.

  […..] Intensivärzte fordern sofortige Rückkehr zum Lockdown in Deutschland! Deutschlands Intensivmediziner warnen vor einer heftigen dritten Welle, wenn Lockerungen nicht schnell zurückgenommen werden. Es gelte jetzt, sich in den Sommer zu retten. [….]

(SPON, 15.03.2021)

Jetzt müsste man eine gute Impftaskforce haben.

Blöderweise sind in Berlin mit Scheuer und Spahn ausgerechnet die Minister mit Zimmertemperatur-IQ zuständig.

Man hätte doch lieber Kader Loth oder Joey Heindle den Job geben sollen.

[…..] Nach AstraZeneca-Verwirrung: SPD-Politiker fordert Spahns Entlassung. Die SPD zürnt schon länger über das Krisenmanagement des CDU-Gesundheitsministers. Nun geht NRW-Landeschef Thomas Kutschaty einen Schritt weiter – und bezeichnet Jens Spahn als »nicht mehr tragbar«. […..]

(SPON, 15.03.2021)

Schon ein Jahr haben die Chaoten in den CDU-Ministerien verdaddelt und noch immer ist ihnen nicht aufgefallen, daß sich Viren auch am Wochenende verbreiten. Im Gegensatz zu allen anderen Industrieländern, machen deutsche Gesundheitsämter Freitagnachmittag zu und können dann eben erst am Montag wieder per Fax die aktuellen Corona-Zahlen nachmelden.

Daß es dafür keine Software gibt und Spahns Corona-App nicht funktioniert, muss gar nicht erst erwähnt werden, in einem Land, das nach 15 Jahren Merkel bei den Themen Innovation, Breitbandausbau und digitaler Infrastruktur hinter Rumänien, Albanien und Tansania zurück gefallen ist.

Asien hat uns ohnehin nach Merkels Schlafwagenkanzlerschaft uneinholbar abgehängt.

Aber selbst die Dinge, die man schnell und unbürokratisch ändern könnte, werden nicht umgesetzt, weil die Kanzlerin immer noch stupide auf die Volltrottel Spahn und Scheuer setzt.

Inzwischen horten wir Impfstoff, haben tausende Mediziner bereit stehen, die das Vakzin nur zu gern der Bevölkerung spritzen würden, aber leider sind die Öffnungszeiten der Impfzentren zu kurz!

Und nein, das ist keine Satire; sicherheitshalber muss man das inzwischen bei CDU-Ministern dazu schreiben.

[…..] Oliver Dierssen würde gerne helfen, doch man braucht seine Hilfe gerade nicht. Der Kinderpsychiater aus Gehrden bei Hannover hat wie viele andere Menschen in den vergangenen Wochen zugeschaut, wie die Zahl der täglichen Impfungen in Deutschland nur langsam anstieg, während die Liefermengen der Hersteller in viel größerem Tempo zunahmen. Vielleicht liegt es ja daran, dass es nicht genug Ärzte gibt, die bereit sind, in den Impfzentren Spritze und Oberarm zusammenzubringen, dachte Dierssen - und bot seine Hilfe als Impfarzt an. Doch zu seiner Überraschung teilte man ihm mit: Es stehen über tausend Mediziner vor ihm auf der Liste.  Aber wieso kriegt man dann den Impfstoff nicht schnell an die Frau oder Mann? „Ich wollte wissen, warum das Impfzentrum nicht auch nachts aufmacht oder sonntags“, erzählt Dierssen. Schließlich sei er als Arzt gewohnt, auch zu ungewöhnlichen Uhrzeiten zu arbeiten. Die Antwort des Zuständigen im Impfzentrum, der laut Dierssen von einem städtischen Schwimmbad für diesen Job abgestellt wurde: „Das wissen wir. Aber das Impfzentrum hat knappe Öffnungszeiten.“ […..]

(SZ, 15.03.2021)

Worauf wartet Merkel noch?
Ihre Amtszeit ist bald vorbei, für die CDU ist ohnehin schon lange jemand anders verantwortlich. Begreift sie denn immer noch nicht, was das Totalversagen der C-Minister für verheerende Folgen hat?

Offensichtlich sind die Unionspolitiker alle in einen gemütlichen Dämmerschlaf gefallen, nachdem endlich die Hochbetagten in den Pflegeheimen durchgeimpft wurden.

Das waren die Vulnerablen, also die, die mit der höchsten Wahrscheinlichkeit nach einer Covid19-Erkrankung starben.

Offensichtlich glaube die Unionspolitiker, damit wäre das Schlimmste vorbei, die Intensivstationen entlastet; man könne zum Alltag übergehen, weil die Jungen und insbesondere die Schüler ohnehin nur milde Krankheitsverläufe erwarte.

Das ist aber falsch, weil es ohnehin nie die Uralten waren, die Monatelang auf Intensivstationen behandelt werden mussten.    Total falsch. RKI und Ärzte waren lange davor, Lauterbach warnt davor.   Spahn und Scheuer fehlt aber offensichtlich grundsätzlich der Intellekt, um diese Zusammenhänge zu begreifen.

[….] Eine Gruppe um den Mathematiker Andreas Schuppert von der RWTH Aachen hat untersucht, wie sich das Zusammenspiel von Infektionsgeschehen und Impfungen auf die Belastung der Intensivstationen auswirken. Dazu hat Schuppert Daten zu den Intensivpatienten an den Unikliniken Aachen und Köln ausgewertet. Das zentrale Ergebnis: Noch ist die Impfkampagne längst nicht weit genug, um eine dritte Welle von den Intensivstationen fernzuhalten. „Es ist eine völlig fatale Fehleinschätzung, dass wir aus dem Gröbsten raus sind“, sagt Schuppert. Denn die prioritär Geimpften aus der Altersklasse 80+ haben zwar das höchste Risiko, an Covid-19 zu versterben – für die Intensivmedizin spielen sie aber nicht die Hauptrolle. Hochbetagte werden oft erst gar nicht auf eine Intensivstation gebracht oder liegen dort nur wenige Tage. Das höchste Risiko, in Folge einer Sars-Cov-2-Infektion in Intensivbehandlung zu müssen, haben demnach die 60- bis 79-Jährigen. Diese Gruppe wartet großteils noch auf die Impfung, soll aber in den nächsten Wochen folgen. Schupperts Berechnungen, die in der Fachzeitschrift Medizinische Klinik und beim Intensivmediziner-Verband Divi erschienen sind, berücksichtigen die erhöhte Infektiosität der britischen Mutante B.1.1.7, nicht jedoch neuere Erkenntnisse, dass diese auch vermehrt zu schweren Verläufen führt. […..]

(SZ, 15.03.2021)

Bevor sich Laschet und Merkel dazu entschließen endlich Personal auszutauschen, werden wir also weiter konsequent die Fähigen von den Entscheidungsstellen fernhalten und sehenden Auges in eine gewaltige dritte Welle rutschen.

Sonntag, 14. März 2021

Personenwahl und Links-Ruckeln.

Die grüne Bundesgeschäftsführerin-Vertreterin-parlamentarische Geschäftsführerin Britta Haßelmann erklärte heute in der traditionellen Berliner Runde in schönstem Populisten-Sprech: Ganz viele Menschen in diesem Land hätten kein Interesse an dieser Art der ritualisierten Auseinandersetzung.

„..und die Menschen interessiert doch als allererstes mal, was haben denn die Parteien angeboten, inhaltlich, gab’s den Wunsch, konzeptionell und inhaltlich Themen und Vorstellungen für das jeweilige Land anzubieten..“

Was für ein sagenhafter Blödsinn!

Kein Mensch liest sich Wahlprogramme und Konzeptionen durch!
Sie wählen den, den sie kennen. Am liebsten den, den sie sympathisch finden und manchmal wählen sie auch gegen eine Partei, wenn sie sich akut über etwas ärgern.

Deswegen verlor die CDU heute in Baden Württemberg 3,4 Prozentpunkte und sogar 5,3 Prozentpunkte in Rheinland-Pfalz, landete jeweils bei ihrem historisch schlechtesten Ergebnis.

Schuld waren der fehlende Amtsbonus, die blassen Spitzenkandidaten und natürlich die Maskenaffäre.

Dabei hatte die Union noch sehr große Glück im Unglück, da mindestens die Hälfte der Stimmen per Briefwahl abgegeben wurde und daher schon entschieden worden war, bevor die Maskendeals die Nachrichten bestimmten.

Es zeigt sich wie schon so oft, daß die Wähler auf Amtsinhaber setzen und eben nicht Parteien und Programme analysieren.

Zwei Wochen nach dem Bundestagswahldesaster für die SPD holte SPD-Ministerpräsident Weil am 15.10.2017 fast doppelt so viel wie Schulz; 36,9%.

Einmal bestätigten die Wähler CDU-Amtsinhaberin Merkel, einmal SPD-Amtsinhaber Weil.

Die drei Ost-Bundesländerwahlen, die nahezu gleichzeitig im Herbst 2019 stattfanden zeigten mit drei unterschiedlichen Siegerparteien ebenfalls: In einer wirren Zeit wählen die Bürger schlicht und ergreifend den Amtsinhaber.

01.09.2019 CDU-MP Kretschmer in Sachsen: 32,1%

01.09.2019 SPD-MP Widke in Brandenburg 26,2%

27.10.2019 Linke-MP Ramelow in Thüringen 31,0%

Auch in Hamburg holte sich der SPD-Amtsinhaber Tschentscher am 23.02.2020 mit 39,2% ein Ergebnis weit über dem Bundesniveau seiner Partei.

Im aktuellen SPIEGEL gibt es ein extrem bösartiges Olaf-Scholz-Portrait, „Verschlumpft […..] Besuch bei einem Kanzlerkandidaten, der sich großartig findet“, in dem wirklich alle journalistischen Standards vergessen werden.  Die Autoren Dirk Kurbjuweit und Christian Teevs nutzen alle sprachlichen Mittel, um das Selbstbewußtsein des Vizekanzlers ins Lächerliche zu ziehen.

[…..] Von Selbst­zwei­feln re­det er oh­ne­hin fast nie, aber heu­te ist er in ei­ner Hoch­stim­mung, als wäre dies nicht der 10. März, son­dern der 27. Sep­tem­ber, der Tag nach der Bun­des­tags­wahl, die der ge­won­nen hat, der das als Ein­zi­ger ver­dient.

Er glüht, er sprüht, er spru­delt. Er singt den gro­ßen Song der Ein­zig­ar­tig­keit, ge­spickt mit Ad­jek­ti­ven wie die­sen: loy­al, se­ri­ös, ab­ge­brüht, macht­voll, rit­ter­lich. Nicht ein­fach Po­li­tik ma­chen, son­dern eine neue Welt schaf­fen! Und wenn ei­ner die enor­men Pro­ble­me des Kli­ma­wan­dels in den Griff be­kom­men kann, dann, tja, wer wohl?

Eine mög­li­che Ant­wort auf die­se Fra­ge: der Mann, der sich gern mit ei­nem Schlumpf ver­glei­chen lässt.

Beim letz­ten Gip­fel­tref­fen zur Pan­de­mie­po­li­tik hat der baye­ri­sche Mi­nis­ter­prä­si­dent Mar­kus Sö­der den Fi­nanz­mi­nis­ter bei ei­nem Streit er­mahnt, nicht so »schlump­fig« zu grin­sen. Manch ei­ner wäre be­lei­digt, hät­te man ihm Ähn­lich­keit mit je­nen ul­ki­gen We­sen un­ter­stellt, die sich durch wei­ße Zip­fel­müt­ze und blaue Haut aus­zeich­nen, nicht aber Scholz. Der freut sich.

Freut sich wirk­lich, freut sich rie­sig. Es klingt bil­lig, es klingt wie be­stellt, doch es ist die Wahr­heit: Scholz grinst und grinst und grinst, wäh­rend er über die Schlümp­fe spricht. Es packt ei­nen schon die Sor­ge, dass er gleich blau an­läuft. [….]

(SPIEGEL; 13.03.2021)

Tatsächlich zeigte Scholz in Hamburg zweimal durch sensationelle Wahlergebnisse wie man Wahlen gewinnt.

Bei der Wahl zur 20. Hamburgischen Bürgerschaft am 20.02.2011 holte Olaf Scholz für die SPD 48,4% und damit die absolute Mehrheit, 62 von 121 Sitzen.

Bei der Wahl zur Bürgerschaft 2015 wiederholte er mit 45,7% fast den Erfolg.

Die starken Ergebnisse der Ministerpräsidenten Dreyer und Kretschmann heute zeigen einmal mehr wie enorm wichtig ein bekannter und beliebter Amtsinhaber ist.

Im Herbst tritt aber keine bei Liberalen extrem beliebte Amtsinhaberin Merkel an.

Dann wird der erfolgreiche Bundesfinanzminister und Vizekanzler der vertraute Quasi-Amtsinhaber sein, der gegen einen Außenseiter antritt.

Die Wähler werden sich im September nicht in großer Zahl Zeit nehmen, um 70 Seiten Parteiprogramme zu studieren, Schattenkabinette zu analysieren und Steuerkonzeptionen nachzurechnen.

Dafür ist unsere Demokratie viel zu sehr von Apathie, Bequemlichkeit und Desinteresse geprägt.

Viele werden wie immer nach vagem Bauchgefühl entscheiden.

Zudem zeigt sich heute ein Trend, der endlich nicht mehr nach Rechtsdrift aussieht.

In Baden Württemberg verloren die CDU 3,4 und die AfD 5,4 Prozentpunkte.

In Rheinland-Pfalz verloren die CDU 5 und die AfD 4,2 Prozentpunkte nach gegenwärtigem Auszählungsstand.

Es ist extrem wichtig eine Machtperspektive aufzeichnen zu können; niemand wählt gern eine Partei, die ohnehin nicht regieren wird.

Mit der Abnahme der demoskopischen CDU-Dominanz und der Zunehmenden Bereitschaft der FDP sich auf eine Ampel einzulassen, eröffnen sich tatsächlich, genau wie Scholz sagt, endlich Machtperspektiven links von der CDU.

Für Laschet und Söder sind das keine gute Nachrichten, zumal sich auch innerhalb der sehr CDUCSU-freundlichen Hauptstadtpresse immer mehr herumspricht, daß die C-Minister die großen Schwachstellen im Merkel-Kabinett sind.

[…..] Es sind vor allem Unionsminister, die derzeit als Underperformer auffallen.

Da ist Gesundheitsminister Spahn, das Gesicht dieser Krise. Er hat mittlerweile nicht nur eine beachtliche Liste an Versäumnissen vorzuweisen, sondern bringt sich und die Regierung immer wieder mit vorschnellen Zusagen in die Bredouille. […..] Und der Rest von Merkels Mannschaft steht kaum besser da.

Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) führte in der Mautaffäre den Bundestag hinters Licht und torpedierte die Arbeit des Untersuchungsausschusses.

Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) verhob sich an der Aufgabe, die Coronahilfen für Betriebe auszuzahlen.

Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) bekommt weder den pannenanfälligen Rüstungssektor noch die rechtsextremen Umtriebe beim Kommando Spezialkräfte in den Griff.

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) sieht hilflos dabei zu, wie die Pandemie die Digitalisierungsdefizite des Schulwesens aufdeckt.

Und Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) wirkt in diesen Tagen nicht wie der oberste Coronakoordinator der Bundesregierung, sondern wie ein Dirigent, der keine Ahnung hat, wo sich sein Orchester befindet. […..]

(SPIEGEL, 13.03.2020)

Dabei haben die Autoren freundlicherweise noch den größten Totalausfall Horst Seehofer vergessen.

Die veröffentlichte Meinung ist vor Wahlen mindestens so wichtig wie die öffentliche Meinung.

Erstere ändert sich gerade deutlich.

[…..] Bei der CDU brennt derzeit die Hütte, die sonst so souveräne Dauer-Regierungspartei ist sechs Monate vor der Bundestagswahl in Aufruhr. Ihre Probleme gehen weit über zwei verlorene Landtagswahlen hinaus. Bei der CDU gerät gerade etwas ins Rutschen, ihr Fundament wankt und bekommt Risse. Sie steckt in mehreren Krisen zugleich, die allesamt das Potenzial haben, im Herbst das Kanzleramt zu verlieren. [….]

(Tagesschau, 14.03.2021)

[…..] Tatsächlich steht Laschets Partei vor unübersehbaren Problemen. Die unionsgeführte Bundesregierung versagt beim Impfen. Die eigenen Leute entpuppen sich als gierige Maskenhändler. Zwei Herren rangeln um die Kanzlerkandidatur. Und jetzt gehen die Wahlen in Mainz und Stuttgart auch noch dermaßen schief, dass man sich fragt, wo diese Rutschbahn nach unten eigentlich enden soll. Sechs Monate vor der Bundestagswahl wirkt die Union so desorientiert, ja so blank, dass selbst SPD und FDP wieder ein bisschen an sich glauben. Und das will wirklich etwas heißen. […..]

(Veit Medick, 14.03.2021)

Samstag, 13. März 2021

Bad Timing

Möglicherweise bekommen die CDU-Spitzenkandidaten in Mainz und Stuttgart bei den Landtagswahlen morgen etwas auf die Mütze.

Vielleicht kommen sie mit einem blauen Auge davon, weil die Enthüllungsmaschinerie gerade erst anläuft.

Ich mutmaße aber jetzt schon, daß die Affären-Kaskade um die CDUCSU-Abgeordneten, die sich kaufen lassen, nicht ganz so schnell wie üblich vergessen wird.

Die dreistesten Abzocker-Affären der Bundesrepublik gab es in der CSU und der CDU-Hessen. Die Wähler straften das aber nicht ab, sondern wählten die Parteien stumpf immer wieder in die Regierungsverantwortung.

Noch vor wenigen Wochen gelang es den C-Parteien den Wirecard- und Augustus-Sumpf tolldreist kleinzureden und zu ignorieren.   Der Mann, der mittendrin saß und sich für eine Schwindelfirma mit Aktienoptionen bezahlen ließ, Philipp Amthor, stieg direkt anschließend innerhalb der CDU auf, wurde zum Spitzenkandidaten seines Landesverbandes gekürt.

Keiner der beteiligten ehemaligen CDU- und CSU-Regenten bekam irgendwelche Konsequenzen zu spüren.

CDUCSUler kommen mit diesen Skandalen davon, weil ihre Wähler generell moralisch niedrigere Standards als die aus dem RRG-Kosmos anlegen, weil sie vergesslich sind und weil diese Milliarden-Blamagen abstrakt bleiben.

99% der Wähler können nicht erklären, welche Geschäfte Augustus und Wirecard eigentlich gemacht haben und wie CDUCSU-Politiker dabei halfen.

Selbst so eine Mega-Affäre wie Scheuers Mautdebakel bleibt undurchsichtig, obschon das CSU-Vorhaben, für das Seehofer und Söder so intensiv warben, a priori klar illegal war.

Aber wem hat Scheuer wann genau was zugesagt, das nun eine halbe Milliarde Steuergelder kostet? Auch das wird nur eine Minderheit der Wähler genau nacherzählen können.

Die „Maskendeals“ sind sehr viel einfacher zu verstehen und erregen die Aufmerksamkeit auch der üblicherweise wenig interessierten Wähler, weil jeder genau versteht worum es geht, jeder einzelne von uns schon FFP-Masken organisieren, bezahlen und tragen musste.

Auch wer, wie ich zum Beispiel, die Maskenplicht akzeptiert und dafür eintritt FFP2-Masken statt selbstgenähter Stoffteile zu tragen, tut das schließlich nicht gern. Die Masken sind genauso notwendig wie lästig. Sie sind immer präsent und jeder assoziiert damit sofort Situationen aus seinem persönlichen Alltag.

Daher generiert sich kontinuierlich Aufmerksamkeit für die CDUCSU-Politiker, die bei der Maskenbeschaffung zum Schaden der Steuerzahler die Hand aufhielten.

Daher werden die klassischen investigativen Medien – der Blogger und Social-Media-Nutzer zu Hause wird nichts bewirken – ihre Stärken ausspielen.

Der SPIEGEL kommt heute mit einer großen Titelstory mit vielen neuen Namen.

Die unglückliche BW-CDU muss erleben wie zur Unzeit zwei Figuren ihres Landesverbandes ganz besonders unsympathisch und dreist dastehen:

Nikolas Löbel aus Mannheim

[….] Nikolas Löbel und sein besonderes Gespür für schmieriges Geld

Eine Viertelmillion Euro Provision kassierte Nikolas Löbel als CDU-Abgeordneter für Deals mit Corona-Masken. Seine Vita zeigt: Es ging ihm stets mehr um Geld und Karriere als um politische Ziele. […..]

(Spiegel, 12.03.2021)

und Thomas Bareiß aus Zollernalb-Sigmaringen.

[…..]  Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, Thomas Bareiß (CDU), hat im Auftrag Aserbaidschans bei einem deutschen Hersteller von Medizintechnik den Stand einer Lieferung von rund 150 Beatmungsgeräten abgefragt. Dabei ging es um die Frage, ob Aserbaidschan schneller beliefert werden könnte. Bareiß Verbindungen in die Kaukasusrepublik sind seit Jahren eng. […..]

(Andreas Niesmann, 12.03.2021)

Hektisch versucht nun die CDU sich an die Spitze der Beweghung zu stellen, fordert auf einmal Strenge und Transparenz bei den Lobbykontakten und Nebenjobs der Bundestagsabgeordneten.

Außerordentlich erbärmlich, nachdem es die CDU war, die sich Dekaden gegen ein Lobbyregister sperrte und zehn Jahre im Alleingang verhinderte, daß Abgeordnetenbestechung überhaupt strafbar wird.

Die rotgrüne Schröder-Regierung unterzeichnete im Jahr 2003 die UN-Konvention gegen Korruption, aber Merkels Partei hintertrieb bis zum Jahr 2014 die Ratifizierung im Parlament.

[…..] In der großen Koalition ist ein Streit darüber ausgebrochen, welche Konsequenzen aus der Masken- und der Aserbaidschan-Affäre gezogen werden müssen. Die Unionsfraktion hat am Freitag einen ganzen Katalog an Verschärfungen präsentiert […..] Der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Dirk Wiese, sagte, dass die Unionsfraktion ihre Vorschläge "Transparenzoffensive" nenne, wirke "wie ein schlechter Witz". Denn bei "den ganz wichtigen Punkten" handele es sich "um nichts anderes als ein Feigenblatt". Es zeige sich jetzt einmal mehr: "Die Ankündigungen des Koalitionspartners sind nach jedem Korruptionsskandal groß - daraus sollen aber offensichtlich keine Taten folgen." […..]  

(Robert Roßmann, 13.03.2021)