Freitag, 8. Januar 2021

Trumpismus und Brandmauern

Der dritte Tag „Sturm auf die amerikanische Demokratie“ durch den eigenen Präsidenten.

Ein interessanter Aspekt ist das eklatante Versagen der deutschen Medien, die allesamt die ersten 12 Stunden der dramatischsten Attacke auf den Kern der USA seit über 200 Jahren verschliefen.

Die Informationen erhielt ich aber ausschließlich von amerikanischen Medien; insbesondere von CNN. Der Sender hat sich in den letzten vier Jahren deutlich positiv entwickelt und fand aus seiner Wischiwaschi-Neutralität hinaus.

Inzwischen gibt es dort nicht nur Aktualität und ein gewaltiges Netzwerk von kompetenten Experten für Hintergrundinformationen, sondern auch meinungsstarke Kommentatoren und Hosts, welche die angemessen drastischen Worte finden.

Nicht nur die prominenten Talkshow-Giganten der Abendschiene brillieren, sondern auch die weniger im Rampenlicht stehenden Tagesschichtler wie die 40-Jährige in Australien geborene Brianna Keilar sind eine wahre Freude.

ARD und ZDF hingegen verschliefen sie Angelegenheit vollkommen, sendeten ihr normales Programm.

Spon und SZ boten einen Newsticker an, brauchten aber Vorlaufzeit.

24 Stunden später sieht es schon ganz anders aus. Diese klassischen Medien griffen inzwischen auf ihr Netz von erfahrenen Korrespondenten zurück und berichteten großartig. So hintergründig, daß ich heute noch allerlei Neuigkeiten und kluge Gedanken deutschen Zeitungen entnahm, die ich noch nicht kannte, obwohl ich praktisch ununterbrochen CNN laufen ließ.

Eine spezifisch deutsche Perspektive ist natürlich schon deswegen interessant, weil der AfD-Covidioten-Q-Mob auch hierzulande längst mit dem Trumpismus verwoben ist.

Auch in Deutschland sind wir nicht so weit davon entfernt. Am 29.08.2020 stürmten einige Tausend Rechtsradikale und Verschwörungstheoretiker die Treppen des deutschen Reichstags.

Am 18.11.2020 schleuste die AfD-Fraktion rechtsextreme Aktivisten in den Reichstag, die dort Abgeordnete und Minister anpöbelten.

[……] Albrecht von Lucke, Politologe: „Die Bilder des gestrigen Abends sind ein Fanal gegen die Demokratie und für eine rechte Revolution gegen die Demokratie. Wenn ein solches Bild um die Welt geht, ist das natürlich ein ungeheurer Triumph für eine rechte Revolution.”

Doch es sind Bilder, die uns auch in Deutschland bekannt vorkommen. Am Rande einer Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen stürmten erst vor ein paar Monaten Chaoten mit rechten Symbolen die Treppen des Reichstags. Auch sie besetzten bewusst einen Ort mit symbolischer Bedeutung für die Demokratie. Eine Inszenierung, die auch Abgeordnete der AfD mitmachen, als sie im November rechte Aktivisten in den Bundestag einschleusen. Dort gehen sie Minister und andere Abgeordnete an – live im Netz gesendet für ihre Anhänger. [……][……][……] Aus ihrer Gesinnung machen einige der Randalierer in Washington keinen Hehl. Beim Sturm aufs Kapitol trägt einer etwa dieses Shirt: „Camp Auschwitz” steht darauf. Darunter der Slogan: „Arbeit macht frei”. Aber es sind auch unauffälligere Codes darunter, dieses Q etwa. Das Erkennungszeichen einer Gruppe rechtsextremer Verschwörungserzähler. Sie verbreiten die Lüge, eine weltweite, einflussreiche Elite entführe und ermorde Kinder, um aus ihrem Blut ein Serum zu gewinnen, das sie verjüngt. Donald Trump kämpfe gegen diese Elite. Es ist hanebüchener Unsinn, aber die Gruppe findet immer mehr Anhänger, auch in Deutschland. Im Messenger-Dienst Telegram zum Beispiel folgen allein der Gruppe „Donald J. Trump = Q Family” über 50.000 Abonnenten. Und auch bei der großen Demo gegen die Corona-Maßnahmen in Berlin Ende August sehen wir immer wieder das Q. Mit QAnon habe das nichts zu tun, sagen die meisten hier. Wirklich? Hier etwa steht unter dem Q der Slogan WWG1WGA. Er steht für „Where we go one, we go all” – auf Deutsch etwa „Wohin einer geht, gehen wir alle”, ein bekannter Slogan der QAnon-Verschwörer. So absurd die Lüge von der Entführung und Ermordung von Kindern auch ist, Experten halten sie für gefährlich. [……]

(Monitor 07.01.2021)

Die amerikanischen Republikaner, die „GOP“ hatte in den letzten 50 Jahren genau wie die CDU immer vereinzelte Extremisten vom äußersten rechten Rand in ihren Reihen.

Sie war aber mehrheitlich rational und band auch viele vernünftige Politiker ein.

Mit dem Aufkommen der Tea Party und spätestens mit dem offenen Rassismus als Reaktion auf die Obama-Wahl von 2008, nahmen die an der Realität orientierten Stimmen in der GOP immer mehr ab, weil es der Tea Party so leicht fiel an der in den USA traditionell nur lose organisierten Parteibasis ihre eigenen extremistischen Kandidaten durchzusetzen.

Viele altgediente Republikaner standen vor der Wahl entweder selbst immer schrillere, rechtsextreme, populistische, rassistische Töne anzuschlagen, oder aber zu riskieren bei der nächsten Kongresswahl nicht mehr aufgestellt zu werden, weil die Teebeutel in großer Zahl einen Partei-internen Gegenkandidaten pushten.

Einige wurden tatsächlich weggefegt, anderen wie Ted Cruz kam es gerade recht und sie mutierten im Rekordtempo selbst zu evangelikalen, homophoben Rassisten.

Nur weil die Partei schon weitgehend mit diesen Fanatikern durchsetzt war, denen es nur auf Haltung und Ideologie, nicht aber um Qualifikation und Fakten ankam, konnte Trump den Laden 2015 im Sturm erobern und in den Jahren seiner Amtszeit die letzten Anständigen aus der Partei jagen.

Nun sind die Republikaner vollständig der Moral und der Realität entkoppelt. Trump stürzte die Nation in Elend, Massenarbeitslosigkeit, Massenobdachlosigkeit, Megaschuldenkrise, Hunger und packte noch bald 400.000 Covid-Tote oben drauf.

Das Ansehen der USA ist international vollständig ruiniert.

Das Weiße Haus ist verloren.

Die Senatsmehrheit ist verloren.

Die Mehrheit im House ist verloren.

In den nächsten zwei Jahren werden die vier mächtigsten Politiker der USA allesamt Demokraten sein: Biden, Harris, Pelosi und Schumer.

Die CDU sollte also darauf lernen den Anfängen zu wehren und die Brandmauern gegenüber das faschistoiden AfD-Mobs aufrecht zu erhalten, auch wenn das gelegentlich Rückgrat und den Mut zur Wahrheit erfordert.

Leider versagt die CDU/CSU dabei immer mal wieder.

Seit 2015 ließen sie sich von der AfD in eine radikal inhumane Abschiebungspolitik treiben.

Sie wählten im Februar 2020 zusammen mit der AfD einen Ministerpräsidenten in Thüringen.

Im September 2020 wählte die Hamburger CDU den weit Rechtsaußen stehenden Christoph Ploß zum neuen Landesvorsitzenden.

(…..) Nun hat es Ploß also geschafft, ist unumstrittener Anführer der 11-Prozent-CDU.

Zum Vorsitzenden gewählt ohne Gegenkandidaten.

[….] Rückt die CDU jetzt nach rechts? [….]   Christoph Ploß ist mit seinen 35 Jahren der jüngste Hamburger CDU-Chef aller Zeiten.  In seinen Äußerungen klingt der Bundestagsabgeordnete aus Winterhude allerdings gar nicht mal so jung und modern, auch wenn er einen „Neuanfang mit inhaltlich neuer Ausrichtung“ verspricht. [….]

(Sandra Schäfer, 27.09.2020)

Der Bundestagsabgeordnete Ploß ist umtriebig. Nach nur drei Tagen im Amt gelang ihm ein Coup, auf den er sichtlich stolz ist.

Er holte die ehemalige Schleswig-Holsteinische AfD-Chefin Ulrike Trebesius in die CDU.

Nun wächst zusammen was (zum Beispiel auch in Thüringen) zusammengehört.

Deutlicher kann man wohl nicht sagen wo es hingehen soll, als wenn man als erste Amtshandlung ehemalige AfD-Größen heim ins Reich holt. (….)

(Rechtsschwenk, Marsch!, 01.10.2020)

Im November 2020 war die Sachsen-Anhaltinische CDU, die zuvor schon davon träumte „das Nationale wieder mit dem Sozialen zu verbinden“, bereit die Kenia-Koalition zu opfern, um mit der AfD zusammen zu arbeiten.

Nach dem dramatischen Kapitol-Sturm von Washington, ist es wieder Christoph Ploß, der unangenehm auffällt und ganz im Stil der hetzerischen Verschwurbler auf FOX irgendwie versucht den Linken und der Antifa mit die Schuld für das Geschehene in die Schuhe zu schieben.

[….. ]   Empörung über Hamburgs CDU-Chef Nach Kapitol-Stürmung: Ploß warnt vor Linken

Die Bilder der Erstürmung des Kapitols in Washington gehen um die Welt – zahlreiche Politiker verurteilen die demokratieverachtenden Ausschreitungen. Für Hamburgs CDU-Chef Christoph Ploß ist es offenbar aber auch eine Gelegenheit, vor der Linkspartei zu warnen. Andere Parteien zeigen sich empört.    „Die Bilder aus den USA sollten auch eine Warnung für uns in Deutschland sein“, so der promovierte Historiker. Weder die Antifa noch Neo-Nazis dürften verharmlost werden, so der CDU-Chef. Und weiter: „Für alle demokratischen Parteien bedeutet das auch, eine klare Brandmauer zur Linkspartei und zur AfD zu ziehen.“ [….]

(Mopo, 08.01.2021)

Donnerstag, 7. Januar 2021

Konsens-Ende

Es war fast wie 9/11 vor knapp 20 Jahren, die Ereignisse von gestern fesselten einen vor die amerikanischen Newssender wie CNN.

Seit fünf Jahren quälen wir uns damit verbale Superlative zu finden, um die immer drastischeren Abscheulichkeiten Trumps in Worte zu fassen.

Mein Dank gilt Don Lemon, der erfreulich deutlich wurde:
You go down in history, as the worst of the worst!“

Während der dramatischsten Phase, als der rechtsradikale Mob durch das Kapitol tobte, die Sicherheitskräfte völlig überfordert den Rückzug antraten, Abgeordneter beider Parteien zusammen gekauert zwischen den Sitzreihen um ihr Leben fürchteten und Donald Nero „borderline enthusiastic“ den Coup auch noch befeuerte, verloren auch seine engsten Staffer die Hoffnung diesen Irren noch bändigen zu können.

Via Twitter mit QAnon, Proud Boys und White Supremacy zu flirten, um Wählerstimmen zu generieren, sei doch etwas anderes, als selbst physisch bedroht zu werden, war die Lesart vieler Journalisten.

Diese gemeinsame Erfahrung und Gelegenheit mit den Kollegen jenseits der Parteigrenze in so einer Ausnahmelage zu sprechen, schweiße zusammen.

Die Pro-Trump-Rioters, die Geister, die Republikaner selbst gerufen hatten, wurden nicht nur gefährlich für das eigene Wohl, sondern waren auch eine extreme internationale Blamage für die USA. Iran, China und Russland lachen hämisch über Washington.

Nun rauften sich GOPer und Demokraten doch zusammen, verurteilten gemeinsam die Angriffe.

Die US-Senatoren und Trump-Fans Kelly Loeffler und James Lankford zogen beide ihre angekündigte Unterstützung für maximal moralisch verkommenen Heuchler Ted Cruz und Josh Hawley zurück, die ein öffentliches Spektakel anzettelten, indem sie den Verlesungen der Wahlmännerstimmen einiger Bundesstaaten widersprachen. Sie fachten den Mob an, obwohl sie als Spitzenjuristen wußten, daß es weder Wahlbetrug gab, noch die Möglichkeit bestand Bidens Vereidigung zu verhindern. Sie wollten aber Punkte sammeln bei dem Millionenheer der bewaffneten total fanatisierten US-Faschisten.

Setzte nun die Erkenntnis ein, daß Trump und die zwölf Traitor-Senatoren (bis zu 14 hatten zugesagt) zu weit gegangen waren?

Dafür gab es Anzeichen. Großartige Reden von eloquenten Demokraten wie Cory Booker.

Aber auch Lindsey Graham erklärte Trump nun nicht mehr zu unterstützen. Moscow-Mitch und sogar Mike Pence garantierten nun die Regierungsübernahme Joe Bidens in 14 Tagen.

Der zukünftige Präsident beschwor wie andere Staats- und Regierungschefs, insbesondere Macron, der versuchte gewaltsame Sturz der Demokratie wäre nicht Amerika.

Es ist der schärfste Vorwurf, den amerikanische Politiker machen können: „This is unamerican!“.

Nein, diese Nazi-Vandalen wären nicht Amerika! „We are so much better than this!” und “This is not the real America”.

Aber das sind nur fromme Wünsche!

Unglücklicherweise sind auch genau die Naziproleten, die zu Myriaden Trumps Aufrufen folgten das Parlament zu stürmen und die 74 Millionen Menschen, die trotz der grausamen letzten vier Jahre Trump wählten Amerikaner.

White Supremacy, race inequality, Demokratieverachtung, Waffenwahn, Gewalttätigkeit, Mitleidslosigkeit, Antihumanismus sind auch Amerika.

Selbst im US-Parlament, kurz nachdem es gestürmt wurde, fanden sich sofort wieder Republikaner, die den Nazi-Mob angefacht hatten, um die Demokratie zu attackieren.

 Am meisten sind die sechs Senatoren um Ted Cruz zu verachten und zu verdammen, weil sie es besser wissen und dennoch absichtlich Feuer an der Basis der US-Verfassung legen.

US-Senator Tommy Tuberville muss man hingegen zur Klasse der über 120 GOP-House-Abgeordneten rechnen.

[…..] Senators Josh Hawley of Missouri, Ted Cruz of Texas, Tommy Tuberville of Alabama, Cindy Hyde-Smith of Mississippi, Roger Marshall of Kansas and John Kennedy of Louisiana voted to overturn the results in Arizona, while 93 senators voted against. Mr. Hawley, Mr. Cruz, Mr. Tuberville, Ms. Hyde-Smith, Mr. Marshall and Senators Cynthia Lummis of Wyoming and Rick Scott of Florida voted to overturn the results in Pennsylvania, while 92 voted against it.

The House rejected the Arizona challenge by a vote of 303 to 121 and rejected the Pennsylvania challenge by a vote of 282 to 138. […..]

(NYT, 07.01.2021)

Die 121, respective 138 Lawmaker agieren nicht unbedingt wider besseres Wissens um des politischen Vorteils willen, sondern sie sind tatsächlich so vollkommen verblödet und durch rechtsextrem Propaganda-Medien verwirrt, daß sie wirklich glauben, ihr Idol Trump habe mit riesigem Vorsprung gewonnen und wurde durch böse Mächte betrogen: Von Kommunisten in China über Hugo Chávez († 5. März 2013 in Caracas), die Reptiloiden vom Aldebaran-Nebel bis hin zu den Pädophilen-Kellern, von denen Trumps QAnons fantasieren.

Mit diesen bösartigen Wahnsinnigen, die aber in großer Zahl von den ebenso realitätsentrückten 74 Millionen Trumpmericans in ihre Ämter gewählt werden, kann es eben keine Zusammenarbeit geben.

Die Bipartisanship, von der nun wieder so viele schwärmen, ist tot.

Daher kann ich die Beschwörung des so viel besseren Amerikas nicht mehr hören.

Dieses gute Amerika haben die Republikaner in den letzten 20 Jahren sukzessive zerstört und schließlich aufgelöst.

Der House-Abgeordnete Dan Kildee aus Michigan, Chief Deputy Whip of the House Democratic, zeigte sich daher gestern auch pessimistisch und verzweifelt angesichts der politischen Verhältnisse in Washington.

 

Herr Kildee hat völlig Recht. Man kann nicht mit Menschen zusammenarbeiten, die sich hartnäckig weigern die Realität anzuerkennen und Gewalt ausüben.

Balance of Power funktioniert nur, wenn sich beide politischen Gruppen im selben Universum aufhalten.

Checks and Balance funktionieren nicht, wenn eine Hälfte der Bevölkerung der Abgeordneten sich in eine rassistische Fantasiewelt geflüchtet haben, in der Mathematik und Naturgesetze nicht gelten.

Auch die US-Demokraten haben viel zu lange geglaubt, man könne mit diesen Republikanern zusammenarbeiten. Joe Biden nimmt offenbar immer noch an, er könne zum Präsidenten aller Amerikaner werden, Kompromisse mit den Moscow-Mitches im Kapitol finden und möglicherweise sogar eine halbwegs faire Berichterstattung der Medien des Trumpversums erfahren.

Aber das ist illusorisch.

Der zukünftige Mehrheitsführer des Senats Chuck Schumer und Nancy Pelosi haben es verstanden. Sie fordern die GOP, insbesondere das Trump-Kabinett auf den durchgedrehten, hochgefährlichen IQ45 sofort nach dem 25. Verfassungszusatz abzusetzen. Anderenfalls werde  das House ein weiteres Impeachmentverfahren beginnen.

Und ja, natürlich wäre Trump ohnehin aus dem Amt ausgeschieden, bevor so ein Verfahren beendet würde, aber es hätte dennoch juristische Konsequenzen. So könnte ein a posteriori impeachter Donald Trump nicht zur US-Präsidentschaftswahl 2024 antreten.

Moscow-Mitches Ehefrau, Trumps Verkehrsministerin Elaine Chao ist aus Protest zurück getreten.

Der republikanische Abgeordnete Adam Kinzinger ruft dazu auf, den eigenen Präsidenten sofort abzusetzen.


Mittwoch, 6. Januar 2021

Impeachment now!

Bis heute Morgen um 11 Uhr klebte an den amerikanischen Newssendern, um die beiden wieder einmal extrem knappen Runoffs in Georgia zu verfolgen.

Am Ende werden sich vermutlich beide Demokraten knapp durchgesetzt haben und damit im US-Senat eine 50:50-Stimmenverteilung erreicht haben.

Da bei Stimmengleichstand der US-Vizepräsident die entscheidende Stimme abgibt und somit die dann ehemalige demokratische Senatorin aus Kalifornien Kamala Harris zum Zug kommt, verliert Moscow-Mitch McConnell tatsächlich seine Status als Majority-Leader.

Das ist extrem bedeutsam für Joe Biden, weil er dadurch Personalentscheidungen durchsetzen kann und nicht mehr blockiert wird im Parlament. Es könnte den Gridlock beenden.

Deutsche Zeitungen schreiben, Biden könne nun „durchregieren“. Das ist stark übertrieben.

Bei einer demokratischen Mehrheit von unter 60% können die Republikaner durch filibustern alles aufhalten.

Obama hatte in seinen ersten beiden Amtsjahren auch eine Mehrheit in beiden Kammern, konnte aber bekanntlich dennoch keine strengen Waffengesetze durchsetzen.

Trump hatte in seinen ersten beiden Amtsjahren auch eine Mehrheit in beiden Kammern, konnte aber bekanntlich dennoch nicht seine Mauer finanzieren oder Obamacare ersetzen.

Wichtiger ist aber, daß der neue Mehrheitsführer Chuck Schumer die Agenda bestimmt und Demokraten die Ausschussvorsitze übernehmen.

Damit kann Mitch McConnell nicht mehr wie bisher alle demokratischen Gesetzesinitiativen killen, indem er sie gar nicht zur Abstimmung stellt.

Die beiden Nachwahlen in Georgia sind auch deswegen so bedeutsam, weil diesen extrem konservativen und weißen Staat, in dem noch 1915 der jüdische Fabrikdirektor Leo Max Frank gelyncht wurde, in dem noch 1946 Schwarze gelyncht wurden, nun der 33-Jährige Jude Jon Ossoff und der 51-Jährige Schwarze Raphael Warnock im US-Kongress vertreten werden. This is historic.

Ossoff schlug den Rassisten David Perdue mit 50,3% zu 49,7%. Warnock schlug die korrupte Hardcore-Trumpistin Kelly Loeffler mit 50,7% zu 49,3%.

Trump gewann die Präsidentschaftswahl von 2016, weil er in den zuvor sicher demokratischen Bluecollar-Staaten eine enorme Wahlbeteiligung generierte und dadurch knapp Wisconsin, Pennsylvania, Michigan, Ohio flippte.

Trump kann also durchaus die Basis mobilisieren und durch seine Twitter-Tiraden in Wallung versetzen. So erklärt sich die hündischer Ergebenheit der Senatoren Graham, Rubio und Cruz; daher wiederspricht Mike Pence keiner der 25.000 Trump-Lügen.

Sie alle haben ihr Rückgrat abgegeben, agieren mit vollgeschissenen Hosen und wollen sich für die Präsidentschaftswahl 2024 in Position bringen, bei der sie glauben ohne die Unterstützung der Trumpschen faschistoiden Lügenhorden keine Chance zu haben.

Sie alle machen aber den Fehler Trumps Lügen von seiner eigenen Unbesiegbarkeit zu glauben.

In Wahrheit ist er ein politischer Loser.

Er verlor die popular votes 2016 mit drei Millionen Stimmen.

Er verlor die popular votes 2020 mit sieben Millionen Stimmen.

Er verlor die Zwischenwahlen von 2018 haushoch.

Er verlor sämtliche Special Elections während seiner Amtszeit.

Er verlor das Electoral College und die Präsidentschaft 2020 deutlich.

Er verlor die beiden Senats-Runoffs in Georgia 2021.

Nach vier Jahren Trump, hat seine Partei das White House, den US-Senat und das House verloren.

14 Tage vor dem endgültigen Abschied aus seinem Amt stürmt der Trump-Mob den Kongress.

Angeheizt von den erbärmlichen staatszersetzenden Lügen der gesamten Trump-Familie spielt sich vor den Augen der Welt ein versuchter Coup ab.

Ivanka Trump nennt diese Verbrecher auf Twitter „American Patriots“

[…..] Rudy Giuliani calls for ‘trial by combat’ to settle election in rant at wild DC rally.  'This is bigger than Donald Trump, it's bigger than you and me,' Mr Giuliani told the hyped-up crowd. […..]

(Gustaf Kilander, 06.01.2021)

Don Trump Jr. gießt Öl ins Feuer, ruft den Gewalttäter zu: "This gathering should send a message to them. This isn't their Republican Party anymore. This is Donald Trump's Republican Party." 

 

Donald Trump erklärt, er liebe diejenigen, die gerade die USA zerstören, sie wären „very special“.

In der Rotunde des Kapitols wurde geschossen, der Vizepräsident musste evakuiert werden, das Büro der House-Sprecherin Nancy Pelosi, der drittmächtigsten Person in der USA wurde gestürmt, die amerikanischen Volksvertreter mussten unter ihre Tische kriechen, das Pult, an dem eben noch Mike Pence im Senat sprach, wurde abgerissen und von jubelnden und grölenden Trumpisten aus dem Parlament geschleppt.

Die Republikaner bekommen nun ihre Quittung für ihre Nibelungentreue.

Sie haben sich dem kriminellen Mob ergeben.

Wann, wenn nicht jetzt, ist es Zeit für das amerikanische Kabinett Donald Trump nach dem 25. Verfassungszusatz sofort abzusetzen.

Der potus ist ganz offensichtlich ein Krimineller und Hochverräter.

Dienstag, 5. Januar 2021

Männer und Männlichkeit.

Ein wirklich guter Freund von mir, der in Pennsylvania lebt und seine Trump-wählenden Landleute noch viel mehr als ich hasst, tickt in politischen und religiösen Fragen weitgehend genau wie ich.

Wir sind gleich alt, haben beide eine ähnliche Bildung, lesen viel, blicken fatalistisch in die Welt und sind Antinatalisten.

Es klingt nach Klischee, aber ich habe manchmal den Eindruck bestimmte Fragen besser „unter Männern“ besprechen zu können, obwohl ich das selbst nicht verstehe, da ich ganz sicher kein Chauvinist bin.

Wir lachen über genau die gleichen Dinge und es gibt doch manchmal einen grenzwertigen Witz, oder drastische Memes, die ich lieber ihm nach PA schicke und nicht an eine FreundIN whatsappen würde.

Die Sozialisation in einer liberalen europäischen Stadt und einen kleinen Ort irgendwo mitten in den USA unterscheiden sich aber doch.

Es gibt eindeutige geschmackliche Unterschiede zwischen uns. Ich höre ganz andere Musik und staune immer, wenn ich Bilder von ihm geschickt bekomme, wie uneitel diese Amerikaner auf dem Land rumschlurfen. Immer nur „baggy shorts“, irgendwelche bunten bedruckten Shirts oder Sweater und dazu seine geliebten  superbequemen Trecking-Sandalen.

So etwas zieht ein Hamburger einfach nicht an und es stört mein ästhetisches Empfinden! Wir ziehen uns gegenseitig damit auf. Ich mache mich über sein lotteriges Outfit lustig und er preist die Bequemlichkeit, kann nicht verstehen wieso ich mir die Mühe mache Oberhemden zu bügeln.

Und er liebt FART-PRANKS. Mir ist die Komik, die offenbar beim gegenseitigen Anfurzen empfunden wird, nicht zugänglich.

Im Laufe der letzten 20 Jahre bekomme ich immer wieder farting-Youtube-clips geschickt; immer mit der stillen Hoffnung, ich möge irgendwann doch endlich einmal eins davon lustig finden.

Er beißt dabei auf Granit bei mir, aber immerhin habe ich im Laufe der Dekaden herausbekommen, daß es eine USA-weite Begeisterung für das Furzen gibt. Das übt eine generelle Faszination auf dem gemeinen Amerikaner aus.

So wie erigierte Penisse auf Bewohner des Vatikanstaates.

Von jedem denkbaren Ereignis gibt es „fart-compilations“ und natürlich wurde es zu einem riesigen Medienthema als Trumps Chef-Jurist Rudy Giuliani Anfang Dezember bei einer gerichtlichen Anhörung in Michigan flatulierte.

Das war Stoff für alle Comedians der Nation. Rudy farts on Camera!

Ich sah mir das an, weil ich über den Fortgang der fatalen Trumpschen Wahlanfechtungen unterrichtet werden wollte, wurde aber dank des Youtube-Algorithmus immer wieder zu Fart-Compilations geschickt, in denen nicht nur Amerikaner, wie ich lange vermutete, sondern auch viele andere Männergruppen aus Frankreich, England oder Australien beim begeisterten gemeinsamen Rülpsen und Furzen unter großem Gejohle und Gelächter gezeigt werden.

Vielleicht ist es das, was Männer in ihren „MAN-CAVES“ tun?

Zu dem Begriff kenne ich kein deutsches Äquivalent, aber in den USA scheint es der ultimative und allgemeine Traum eines jeden Mannes zu sein, ein Haus mit Man-Cave zu besitzen.

Dabei handelt es sich um einen abgeschlossenen Raum, vorzugsweise im Souterrain, zu dem Frauen und Kinder keinen Zutritt haben, in dem der Hausherr mit seinen männlichen erwachsenen Kumpels sitzen kann, um vorzugsweise Football zu gucken.

Enthalten sein müssen außer dem großen Flachbildschirm-TV unbedingt die obligatorischen riesigen braunen Sessel aus Lederimitat, in denen man sich gehen lassen kann.

Je nach den finanziellen Möglichkeiten, können diese Man-Caves aber auch eine eigene Bar, eine Zapfanlage, Billardtische und Pinball-Machines beinhalten.

Wieso der gemeine (heterosexuelle) Mann so viel Wert darauf legt, Pool, Bier und TV in einer frauenfreien Zone zu praktizieren, erschließt sich mir nicht.

Aber ich vermute, es hängt mit dem archaischen Drang zusammen sich gehen zu lassen und ohne strafende weibliche Blicke nach Herzenslust nicht nur rülpsen und furzen zu können, sondern darüber auch schallend zu lachen.

Das ist aber nur eine nicht verifizierte These, die voraussetzt, daß Männer grundsätzlich deutlich ordinärer und schlampiger als Frauen sind. Ob das stimmt?

Bei gelegentlichen Einblicken in das männliche Man-Cave-Verhalten, also möglichst phonstarke Flatulenz, Prahlerei mit den eigenen sexuellen Erfahrungen („grab’em by the pussy“ – Trump, harharhar), auf der Jagd Tiere abknallen, breitbeinig sitzen, sich zwischen den Beinen kratzen, Frauen mit großen Oberweiten hinterher zu grölen; frage ich mich, warum ich so gar nicht in diesem Sinne männlich bin.

Oder bin ich einfach zu urban-metrosexuell-verweichlicht?

Andererseits gibt es Situationen, in denen ich auch von Männerklischees „übermannt“ werde. Ich bin beispielsweise kein großer Handwerker, setze aber leidenschaftlich gern IKEA-Möbel zusammen. Wenn ich irgendetwas aus dem Baumarkt brauche, komme ich immer mit Dutzenden zusätzlichen Artikeln heraus, weil ich plötzlich von dem Drang befallen wurde Werkzeug zu kaufen.

Ich hänge in meiner Wohnung höchstens mal ein Bild auf, habe aber eine Kollektion von verschiedenen Stahlnägeln, Schrauben und Dübeln, daß ich damit Bilder in allen Wohnungen dieser Stadt fixieren könnte..

Ich glaube, diesen Wahn, Werkzeug zu horten, haben Frauen nicht.

Beim Nachdenken über typisch weibliches Verhalten und typische Männlichkeitsgebaren, fällt auf, daß Frauen eher über einen Kamm zu scheren sind.

Es gibt mehr Eigenschaften, die scheinbar auf alle Frauen zutreffen. Männlichkeit scheint hingegen heterogener definiert zu werden.

Strenge und sich gehen lassen sind gleichermaßen männlich. Fürsorge und Rücksichtlosigkeit. Es ist typisch männlich sich bekochen zu lassen und die Wäsche den Frauen zu überlassen. Gleichzeitig sind aber die bekanntesten Köche und Modeschöpfer auch Männer.

Unendlich viele Witze ranken sich um die Dummheit und Primitivität von Männern, die aber andererseits auch klar für die Klügsten Köpfe der Welt stehen.

Wir y-Chromosomenträger sind gleichzeitig härter und stärker als Frauen, als auch wehleidiger und wir sterben früher. Tatsächlich wird diese größere Varianz unter Männern von Wissenschaftlern bestätigt. Turboegoisten und vor Selbstbewußtsein strotzende Typen sind Männer, aber eben auch hilfsbereite Altruisten.

[……] Gerade haben Wissenschaftler um Christian Thöni von der Universität Lausanne im Fachmagazin Psychological Science eine Studie publiziert, welche das beschriebene Phänomen stützt. Eine Meta-Analyse zahlreicher Einzelarbeiten mit insgesamt mehr 22 000 Probanden legt nahe, dass Männer auch in der Sphäre kooperativen Verhaltens eher als Frauen auf den Extrempositionen zu finden sind - sehr egoistisch oder sehr altruistisch. Im Mittelwert hingegen, also im Durchschnitt, fänden sich keine relevanten Geschlechtsunterschiede, schreiben die Forscher um Thöni. Die Varianz unter Männern sei jedoch größer als unter Frauen, was eine Betrachtung mithilfe des Mittelwertes verdecke.   Um es mithilfe moderner Modebegriffe auszudrücken: Die Diversität oder Vielfalt von Eigenschaften ist unter Männern ausgeprägter als unter Frauen, sie unterscheiden sich deutlicher voneinander. Das Phänomen ist als "Greater Male Variability Hypothesis" bekannt und wird teils kontrovers diskutiert, seit es Charles Darwin im 19. Jahrhundert erstmals formulierte. [……]  Zum Beispiel berichteten Forscher um Anne-Catherine Lehre von der Universität Oslo 2009 im Fachmagazin Developmental Psychobiology, dass schon das Geburtsgewicht unter männlichen Babys weiter gestreut ist als unter weiblichen. Auch die Körpergröße, die Leistung in manchen sportlichen Disziplinen oder gar verschiedene Blutmarker wie etwa Cholesterin seien unter Männer in einer breiteren Spanne zu finden. Andere Studien berichten, dass das Phänomen auch für Attribute wie mathematische sowie sprachliche Begabung, für räumliches Vorstellungsvermögen, physische Aggressivität und Intelligenz gelte. Mit anderen Worten: Unter Männern finden sich mehr Volldeppen und zugleich mehr Genies als unter Frauen. Sie sind an den extremen Rändern der Verteilung überrepräsentiert. [……] Männer, so ließe sich das alles vorsichtig zusammenfassen, unterscheiden sich deshalb stärker voneinander als Frauen, weil auf diese Weise auch eine besondere Vielfalt in den menschlichen Genpool findet, so die evolutionäre Perspektive. [……]

(Sebastian Herrmann, SZ, 05.01.2021)

Die Forschungen beruhigen mich. Meine Männlichkeit fällt also unter die breite Varianz des Männlichen.

Ich muss mich also nicht zwangsweise übermäßig für das gemeinsame Furzen begeistern, um ein echter Mann zu sein.



Montag, 4. Januar 2021

Und wann werde ich geimpft?

Es ist immer leichter zu kritisieren und zu erklären was man alles für falsch hält.

Die großen politischen Bewegungen entstehen heutzutage auch weniger, weil man gemeinsam etwas liebt, verbessern will.

Die große Klammer ist jetzt der Hass. Man versammelt sich hinter Trump, Farage, der AfD, Hildmann, weil man gemeinsam etwas abgrundtief hasst.

Die Trumpisten halten nicht zusammen, weil sie ihren Cult-Leader so sehr lieben, sondern weil sie alle gemeinsam die gleichen Personen und Ideen wie die Pest hassen.

Daher ist es wichtig und sinnvoll sich immer mal wieder Zeit zu nehmen, um sich darüber bewußt zu werden, was im politischen Bereich funktioniert, was richtig läuft, wer einen guten Job macht und dies auch auszusprechen.

In diesem Zusammenhang möchte ich dringend die SPIEGEL-Titelgeschichte über das Mainzer Biontech-Gründer-Ehepaar Özlem Türeci und Uğur Şahin empfehlen.

Die beiden habilitierten Spitzenforscher haben nicht nur quasi in Eigenregie den weltweit erste hochwirksamen Corona-Impfstoff entwickelt – und zwar schneller als die internationalen Pharmariesen, die mit Milliardenaufwand ebenfalls mit Hochdruck daran forschten, sondern sie sind persönlich auch noch die sympathischsten Menschen, die man sich vorstellen kann.

Völlig zu Recht feiert sie der SPIEGEL-Leitartikel als „Helden der Moderne“ und empfiehlt dem US-Nach­rich­ten­ma­ga­zin »Time« die beiden als Nachfolger von Joe Biden und Kamala Harris zur „Person des Jahres“ zu küren.

[….] Bi­ontech macht aber noch in an­de­rer Hin­sicht Mut: Şahin und Tü­re­ci sind nicht nur ex­zel­len­te For­scher, wie be­ses­sen da­von, die Mensch­heit von Gei­ßeln wie Krebs und töd­li­chen Vi­ren zu be­frei­en; das Paar tür­ki­scher Her­kunft ist auch der bes­te Be­leg da­für, wel­chen Nut­zen Mi­gra­ti­on für eine Volks­wirt­schaft stif­tet. So wie in den USA, wo zahl­rei­che der Tech-En­tre­pre­neu­re eben­falls aus Zu­wan­de­rer­fa­mi­li­en stam­men.

Die Fir­ma aus Mainz legt in­des noch mal ei­nen drauf: Der Kopf der For­scher­trup­pe ist eine Frau. Ohne Tü­re­ci, Şahins Ehe­part­ne­rin seit 18 Jah­ren, wäre Bi­ontech wohl nicht halb so viel wert. Die bei­den sind ein gleich­be­rech­tig­tes Team. Und bei al­lem Er­folg sind sie de­mü­tig ge­blie­ben. Der plötz­li­che Welt­ruhm spornt sie an, der da­mit ver­bun­de­ne Reich­tum be­deu­tet ih­nen per­sön­lich of­fen­kun­dig: gar nichts. Un­ter­neh­mer, wie man sie nicht bes­ser hät­te cas­ten kön­nen. […..]

(Steffen Klusmann, 02.01.2020)

Vor einem Monat war ich verärgert darüber, daß ausgerechnet die drei Länder, die von rechtspopulistischen Lügnern angeführt werden – also Israel, England und die USA – mit dem in Deutschland entwickelten Vakzin Massenimpfungen begannen, während die Bundesregierung geschlafen zu haben schien und in deutschen Pflegeheimen immer noch auf die ersten Biontech-Serumlieferungen gewartet wurde.

In diesem Punkt möchte ich mich korrigieren.

Es gilt zwei verschiedenen Interessen abzuwägen:

Einerseits die eigene Bevölkerung so schnell wie möglich durchzuimpfen, damit das große Sterben zu beenden und Lockdowns überflüssig zu machen.

Andererseits sind wir als steinreiche Industrienationen verpflichtet an die armen Menschen in Entwicklungsländern zu denken, die ohnehin nur eine rudimentäre Gesundheitsversorgung haben und sich das Vakzin nicht leisten können.

[…..] Schamlos und unter Aufbietung ihrer enormen finanziellen und machtpolitischen Ressourcen haben sich die reichen Nationen der Welt den Großteil der globalen Impfvorräte gesichert. Und tatsächlich gibt es jetzt viel Empörung in der westlichen Öffentlichkeit über die Impfstrategie. Doch leider nur darüber, dass europäische Regierungen in ihrem Bestreben, wenigstens im EU-Verbund zu versuchen, eine gleichmäßige Verteilung des wertvollen Stoffes zu gewährleisten, „wichtige Tage“ verschenkt hätten, verglichen mit den noch größeren Impfstoffegoisten USA, Großbritannien oder Israel.  Die Tatsache, dass sich die Regierungen der wohlhabender Staaten, die lediglich 14 Prozent der Weltbevölkerung repräsentieren, bereits jetzt über die Hälfte aller Impfstoffdosen gesichert haben, scheint indes kaum jemanden zu stören.    Wie muss das in den Ohren der Menschen in Brasilien, Indien, Südafrika klingen?   Die Hilfsorganisation Caritas rechnet damit, dass 2021 in 70 ärmeren Ländern nur zehn Prozent der Bevölkerung geimpft werden könnten. […..]

(Harald Stutte, RND, 03.01.2021)

Es war richtig, in Deutschland nicht dem nationalistisch-egoistischen, rücksichtlosen Vorbildern Jerusalem, London und Washington zu folgen.

[…..] Manche Kritiker der deutschen Impfstrategie merken gar nicht, dass die Bundesregierung bei der Beschaffung des Impfstoffs genau das getan hat, was sie von Angela Merkel immer wieder gefordert haben. Als die Kanzlerin nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima den rot-grünen Atomausstieg reaktivierte, wurde ihr vorgeworfen, die europäischen Partner mit der Entscheidung überfallen zu haben. Als Merkel 2015 die Flüchtlinge ins Land ließ, lautete der Vorwurf wieder, sie habe sich nicht mit den europäischen Partnern abgestimmt und spalte damit die EU. Als die Bundesregierung in der ersten Welle der Corona-Pandemie einen Exportstopp für wichtige medizinische Güter verhängte, wurde sie des hartherzigen Nationalismus bezichtigt.   Nun haben Merkel und ihr Gesundheitsminister Jens Spahn im Sommer die Beschaffung des Impfstoffs an die Europäische Union delegiert, und in Deutschland ist jetzt der Aufschrei groß, weil angeblich zu wenig Vakzin geordert wurde. Die Kommission hat offenkundig suboptimal verhandelt, der Geschäftsführer der Firma Biontech hat diesen Verdacht nun in einem Spiegel-Interview verstärkt. Aber ist das wirklich ein Argument gegen die Europäisierung der Beschaffung an sich? Die Alternative wäre ein ruinöser Überbietungswettbewerb der einzelnen EU-Staaten gewesen. Deutschland hätte dieses Rennen dank seiner finanziellen Möglichkeiten wahrscheinlich sogar gewonnen, aber politisch und moralisch wäre es - noch dazu in den Monaten der EU-Ratspräsidentschaft - ein Desaster geworden. […..]

(Nico Fried, SZ, 02.01.2021)

Wir wissen noch nicht genau, ob Geimpfte möglicherweise trotzdem das Sars-CoV2 übertragen können und wie lange der Impfschutz anhält.

Das Biontech-Gründer-Ehepaar Özlem Türeci und Uğur Şahin erwartet dazu aber schon im Laufe dieses Monats erste Antworten.

Wenn es sich bestätigen sollte, daß Menschen nach der doppelten Verabreichung des Biontech-Vakzins nicht nur selbst gegen Covid19 geschützt sind, sondern auch keine Überträger mehr sein können, stellt sich die Frage, ob diese „sicheren Bürger“ Sonderrechte erhalten.

Bekämen sie ein behördliches Zertifikat „Corona-frei“ auf die Stirn tätowiert, könnte man sie theoretisch vom Lockdown befreien und den um ihr Überleben kämpfenden Branchen der Gastronomie, des Kulturwesens und stationären Handels endlich wieder Kunden zu verschaffen. Dieser Post-Corona-Status wäre zudem ein wunderbares Druckmittel auf Covidioten und Aluhüte, die weiterhin zum Lockdown verdammt wären.

Eigentlich ein reizvoller Gedanke.

Bundesregierung und Bundesländer lehnen aber diese Privilegien für Geimpfte kategorisch ab und zwar MIT RECHT!

[…..] Bundesjustizministerin Lambrecht hält Privilegien für Menschen mit Corona-Impfung zum jetzigen Zeitpunkt für falsch.   Es sei nicht einmal klar, ob das Virus möglicherweise trotz einer Impfung weiterhin übertragen werden könne, sagte Lambrecht der Deutschen Presse-Agentur. Allein deshalb verböten sich gegenwärtig Privilegien für Geimpfte. Solange es nicht genügend Impfstoff für alle gebe, sei es zudem ein Gebot der Fairness, Sonderrechte weder einzufordern noch anzubieten, erklärte die SPD-Politikerin. Parteichef Walter-Borjans meinte dazu ebenfalls: „Wie sollten Privilegien für Geimpfte denn denen erklärt werden, die noch gar keine Chance hatten, sich impfen zu lassen?“   Rechtspolitiker von Union und SPD hatten ein gesetzliches Verbot von Sonderrechten für Geimpfte in die Diskussion eingebracht. Der rechtspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Fechner, sagte der Zeitung „Die Welt“, es sei nicht hinnehmbar, wenn Fluggesellschaften nur Geimpfte mitnehmen oder Restaurants Nicht-Geimpften den Zutritt verwehren wollten. Eine solche Sonderregelung würde zu Spaltungen in der Gesellschaft führen. Ähnlich äußerten sich die Unionsparteien. […..]

(Deutschlandfunk, 29.12.2020)

Es wäre zutiefst amoralisch solche Sonderrechte zuzulassen, während die allermeisten Menschen sich gar nicht impfen lassen konnten.

Die Vorstellung, daß reiche Geimpfte aus den Industrienationen als Kreuzfahrtouristen immun durch Jamaika oder Marokko spazieren, wo sich niemand in der einheimischen Bevölkerung das Vakzin leisten kann, ist abartig.

Die Richtigkeit eines Verbots von Impfprivilegien zeigt sich schon daran, daß AfD und FDP sich diese Privilegien für sich selbst durchaus vorstellen. Sowohl Lindner als auch Christine Aschenberg-Dugnus, die gesundheitspolitische Sprecherin der Partei der Besserverdienenden haben sich so geäußert.

Es ist richtig keine Sonderrechte zuzulassen, es ist richtig auf eine europäische Lösung bei der Vakzin-Beschaffung gesetzt zu haben und nicht mit deutschen Milliarden Ärmeren und Bedürftigeren das lebenswichtige Biontech-Eloxier wegzuschnappen.

Es ist auch richtig bei der Verteilung des Impfstoffs stringent die vulnerablen Gruppen zu bevorzugen.

Erst müssen die >80-Jährigen in Pflegeheimen mit Corona-Fällen geimpft werden, dann die anderen Pflegeheimbewohner, das medizinische Personal und schließlich die anderen über 80-Jährigen. Dann folgen all die systemrelevanten Menschen, diejenigen, die sehr viele Kontakte haben.

Ich werde mich sehr weit hinten anstellen müssen.

Und auch das ist richtig so.

Sonntag, 3. Januar 2021

Die letzten Amtswochen.

Noch drei Wochen; dann ist der Alptraum zwar noch lange nicht vorbei, weil die Trump-Familie, die vollkommen verfassungswidrig agitierenden Faschistoiden GOP-Senatoren um Ted Cruz, sowie 74 Millionen fanatisierte Cult-Anhänger weiter existieren, um Unheil und Tod zu verbreiten.

Aber immerhin fungiert IQ45 dann nicht mehr Oberbefehlshaber der mächtigsten Armee der Welt und wird weit entfernt vom Atomkoffer mit seinen miesen kleinen Wurstfingern auf sein Smartphone eintippen.

Vielleicht werden wir sogar das Glück haben, daß Jack Dorsey Trumps Twitteraccount ganz löscht. Zumindest wird er nicht mehr die Sonderrechte des Staatsoberhauptes genießen, so daß die schlimmsten Lügentweets gelöscht werden.

Die Bilanz ist so verheerend, daß man sich kaum vorstellen kann, wie die letzten paar Tage noch irgendwas ändern könnten.


Aber, unfassbar, aber wahr; auf den letzten Metern dreht der psychopathische Parasit noch mal richtig auf.

[…..] Obwohl immer mehr Amerikaner die Todesstrafe ablehnen, nahm die Trump-Regierung Hinrichtungen auf Bundesebene im Sommer wieder auf. In den fünf Monaten seither wurden zehn Delinquenten exekutiert. Das sind so viele wie in den vorherigen sieben Jahrzehnten zusammen.   Exekutionen auf Bundesebene waren selten, auch vor dem Moratorium. Die meisten Verfahren, die zu Todesstrafen führen, sind Sache der einzelnen Staaten, nur in besonderen Fällen greift das US-Justizministerium ein. Unter Trump hat sich das geändert: Er hat die ausstehenden Vollstreckungen sogar noch beschleunigt.   Allein in den Wochen seit der Wahlniederlage fanden vier Hinrichtungen statt. Es war das erste Mal seit 1889, dass ein Präsident die Phase des Machtwechsels zwischen der Wahl und der Amtseinführung des Nachfolgers derart nutzt. Es scheint, als wolle Trump so viele Urteile wie möglich vollstrecken, bevor Joe Biden, ein Gegner der Todesstrafe, antritt.

Es seien »moderne Lynchmorde«, empörten sich der Theologe James Keenan und der Menschenrechtsanwalt William Montross in der Zeitung »National Catholic Reporter«: Der Nochpräsident sei im »Blutrausch«. Selbst die EU verurteilte die Hinrichtungswelle als »grausam und unmenschlich«.[…..] Trump macht keinen Hehl aus seiner makabren Haltung. »Ich war immer für die Todesstrafe«, sagte er 2016. Er avisierte sie für Landesverräter, Deserteure, Drogendealer, Whisteblower und, in ganzseitigen Zeitungsanzeigen, für die »Central Park Five«, fünf Teenager, die 1990 wegen Vergewaltigung verurteilt und mehr als zehn Jahre lang inhaftiert wurden – zu Unrecht, wie sich herausstellte.  Doch nicht nur Trump zeichnet verantwortlich für die Wiederaufnahme der Hinrichtungen auf Bundesebene, mit der sich die USA in der westlichen Welt isoliert haben. Ex-Justizminister Bill Barr, der zu Weihnachten zurücktrat, und sein Vize und kommissarischer Nachfolger Jeff Rosen haben diesen Entscheidungsprozess maßgeblich mit vorangetrieben. […..]

(Marc Pitzke, 03.01.2021)

Trumps Attacken auf die US-Verfassung, seine Versuche die Wahl zu manipulieren sind offen und offensichtlich.


Ted Cruz, den ich bis zu Trumps Kandidatur von 2015/16 für den allerübelsten Republikaner aller Zeiten hielt, wird seiner alten Rolle gerecht und führt eine garstige Truppe aus 11 radikalen rechtsextrem-verblödeten Verfassungsfeinden an. Sie wollen eine autokratische faschistische Diktatur und den demokratischen Willen von 81 Millionen Biden-Wählern aushebeln.

 

 

Trump hatte Cruz konsequent als „Lyin‘ Ted“ bezeichnet, seine Frau Heidi übel beleidigt und seinen Vater Raffael mit dem Kennedy-Mord in Verbindung gebracht.  Zum Dank kriecht Cruz ihm nun sogar noch tiefer in den Hintern als Lindsey Graham.

Ihr Cult-leader übertrifft aber selbst diese elf Peinlichkeiten, indem er direkt die Verantwortlichen für die Durchführung der Wahlen bedroht, wenn sie nicht das Ergebnis in seinem Sinne fälschen.

[……] Noch-US-Präsident Donald Trump hat einem Bericht zufolge in einem ungewöhnlichen Telefonat auf eine nachträgliche Änderung des Wahlergebnisses im Bundesstaat Georgia gedrungen. In dem etwa einstündigen Gespräch hat Trump den für die Durchführung der Wahl verantwortlichen Innenminister Georgias, Brad Raffensperger, unverblümt aufgefordert, genügend Stimmen für ihn "zu finden" und das Ergebnis "nachzuberechnen".  […..] Trump bezeichnete Raffensperger nach dem


Telefonat auf Twitter als "ahnungslos". Der Republikaner Trump drohte seinem Parteikollegen Raffensperger in dem Gespräch, dass er ein "großes Risiko" eingehe und sich womöglich einer Straftat schuldig mache, wenn er nicht gegen den Wahlbetrug vorgehe.
[…..] Die Ergebnisse wurden zwei Mal nachgezählt; es fanden sich dabei trotz Trumps Behauptungen keine Hinweise auf Wahlbetrug.

In dem Telefonat klagte Trump über das "falsche" Ergebnis und beteuerte, er habe die Wahl gewonnen. "Ich will nur 11 780 Stimmen finden... weil wir den Bundesstaat gewonnen haben", sagte er dem Mitschnitt zufolge. "Wir haben die Wahl gewonnen, und es ist nicht fair, uns den Sieg so zu nehmen", sagte Trump. Raffensperger solle die Ergebnisse nochmals prüfen, forderte der scheidende US-Präsident. "Aber prüfen Sie es mit Leuten, die Antworten finden wollen", sagte Trump. […..]

(SZ, 03.01.2021)

Trump begeht Hochverrat und gehört dafür lebenslänglich in den Knast. Das ist schon ungeheuerlich genug.

Aber fast die gesamte republikanische Partei unterstützt diese „Insane Reality Show“ und agiert dadurch wesentlich zerstörerischer für die USA als es Al Kaida, Taliban, IS oder Kim Jong UN je könnten.


 

Samstag, 2. Januar 2021

Wieso Friedrich Merz geliebt wird.

Es gibt so wenige Gewissheiten. Vieles, das meine Gerontengeneration über Dekaden als in Stein gemeißelt betrachtete, verrutscht nicht nur, sondern verkehrt sich vor unsere Augen in das diametrale Gegenteil.

·        Das kommunistische China, dessen kommunistische Partei absolut unangefochten und allmächtig regiert, steht nun für die reinste Form des Turbokapitalismus. Es ist so radikal kapitalistisch, daß das FDP-Parteiprogramm dagegen sozialistisch wirkt.

·        In Russland, dem Mutterland des Kommunismus regiert immer noch zentralistisch der Kreml, aber der Kreml-Führer ist nun der Held, Finanzier und beste Freund der deutschen Faschisten von der AfD.

·        Der US-Präsident bekämpft die US-Verfassung und agitiert gegen freie Wahlen. Dafür wird er von 74 Millionen Amerikanern frenetisch bejubelt.

·        Prominente Politiker der deutschen Partei „Die Linke“ betreiben völkische und nationalistische Politik, agitieren gegen den Internationalismus und loben den weit rechts außen stehenden US-Präsidenten.

·        Die CDU-Mitglieder wünschen sich mehrheitlich einen jungen Schwulen als Parteichef, nachdem sie endlos lange von Frauen geführt wurden.

·        Die Grünen plädieren nun für mehr Militäreinsätze und bemühen sich als Establishment angesehen zu werden, weil sie nicht nur die wohlhabendsten Wähler aller Parteien haben, sondern auch die weißeste Partei sind. Migranten machen einen Bogen um die Grünen. Die Grünen möchten lieber Schwarz-Grün als Grün-Rot regieren, weil sie in den CSU-Chef verliebt sind, der Jahrzehntelang mit besonders ausländerfeindlichen, nationalistischen Parolen, sowie als größter Verfechter der Atomkraft Karriere machte. Die Grünen lassen als Minister der Landesregierungen höchst selbst die Wälder abholzen, für deren Erhalt sie vor 40 Jahren in die Schlacht zogen.

·        Die urbanen und liberaleren Wähler Deutschlands begeistern sich hingegen für die im 16 Jahr regierende CDU-Kanzlerin.

·        Deutschlands Ingenieurswesen wird dafür international als rückständig betrachtet. Deutsche können keine Großprojekte mehr durchführen, keine modernen Autos bauen und die Infrastruktur, insbesondere die Digitale, hinkt weit hinter Rumänien oder ehemaliger baltischer Sowjetrepubliken hinterher.

Vor knapp 20 Jahren machte Chris Rock noch Witze über die Wandlungen der Stereotype.

[…..]  “You know the world is going crazy when the best rapper is a white guy, the best golfer is a black guy, the tallest guy in the NBA is Chinese, the Swiss hold the America's Cup, France is accusing the U.S. of arrogance, Germany doesn't want to go to war, and the three most powerful men in America are named "Bush", "Dick", and "Colin." Need I say more?” [….]

(Chris Rock)

Heute mäandern die gesellschaftlichen und ökonomischen Kräfte so virtuos durch das politische Koordinatensystem, daß man sich gar nicht mehr wundert, wenn wieder einmal Berichte über das rege Treiben schwuler Callboys im Vatikan berichtet wird, oder der langjährige SPD-Chef für die Deutsche Bank Kapitalismus betreibt.

Als Wolfgang Menges Geschöpf Alfred Tetzlaff in den 1970er Jahren gelegentlich die Nachrichten einschaltete oder in die Zeitungen sah, fand er stets sein Weltbild bestätigt. Die CDU war rechts, die SPD links, die Amerikaner die Guten und der Warschauer Pakt kommunistisch-aggressiv.

Auch wenn man ein Jahr die Zeitungslektüre ausließ, fand man sich anschließend sofort wieder zu Recht. Die Koordinaten der großen Player blieben an ihrem Platz.

Ein halbes Jahrhundert später muss man ununterbrochen am Nachrichtenfluss hängen, um bei den immer irrsinnigeren Wendungen noch mitzukommen.

Nicht jeder mag immer „up to date“ sein, sehnt sich nach den alten Gewissheiten und wendet sich entnervt ab.

Da kommt Friedrich Merz ins Spiel.

Bei ihm gab es seit Jahrzehnten keine politische Weiterentwicklung.

Ihm kann man keine Uneitelkeit wie der Kanzlerin nachsagen.

Der Mann hält immer die Hand offen, wenn es etwas zu holen gibt.

Wirecard-Skandal. Während Ex-Großzampano Jan Marsalek noch international gesucht wird und CEO Markus Braun im Knast sitzt, lernen wir, daß Merz sich mehrfach mit Braun traf.

Merz bemühte sich immer erst einmal um sein eigenes finanzielles Wohl, wurde so zum Multimillionär. Für Geringverdiener und Rentner in Armut kennt Merz nur Spott und Verachtung.

Eine Frau als CDU-Generalsekretärin will er nicht mehr. Auch in der Schwulenfrage hat er sich in 50 Jahren nicht bewegt; die mag er nicht und hält sie offenbar alle für Pädophile. Auch der gute alte tumbe Sexismus gegen Frauen lebt in Merz munter weiter.

(……) Wie halten sie es eigentlich mit ihrem Chef und Vorsitzenden Roland Tichy, der im Namen der Stiftung gegen Klimaschutz wettert und in seinem Blatt über den „G-Punkt“ von SPD-Politikerinnen mit Migrationshintergrund orakeln lässt.

Selbstverständlich gehört auch Multifunktionär Friedrich Merz, der selbst mit multiplen Shitstorms kämpft  zur Ludwig-Erhard-Stiftung.

Es wäre eine Gelegenheit von seinen eigenen schwulenfeindlichen Sprüchen abzulenken. Aber der Mann ist nicht lernfähig.

Einer der Merzschen Helden, Donald Rumsfeld, dem damals die CDU-Größen Merkel, Schäuble, Merz und Pflüger begeistert in den Irak-Krieg folgen wollten, sagte im Jahr 2002 an die Adresse der Kriegsgegner „Wenn du in einem Loch sitzt, solltest du aufhören zu graben“.

Friedrich Merz nimmt sich den Ratschlag allerdings nicht zu Herzen und gräbt sich nach seiner schwulenfeindlichen Attacke tiefer in sein Loch der Uneinsichtigkeit.

Obwohl man ihm bundesweit erklärte, wie diskriminierend, missachtend, falsch und ungehörig seine gedankliche Verknüpfung von Homosexualität und Pädophilie ist, gibt sich der renitente Multimillionär absolut beratungsresistent und unterstreicht tags darauf noch einmal explizit diesen angeblichen Zusammenhang.

[…..] Merz sagte der “Welt” weiter: “Die Toleranzgrenze ist immer überschritten, wenn Kinder betroffen sind, und da haben wir nun genug abscheuliche Dinge gesehen in letzter Zeit.” Das werde er auch in Zukunft so sagen, “selbst wenn es offenbar dem einen oder anderen nicht gefällt”. [….]

(RND, 22.09.2020)

Das ist schon interessant; der Mann, der so gern Kanzler werden will ist nicht nur ganz offensichtlich intellektuell nicht in der Lage seinen Irrtum zu bemerken, sondern ihn verlassen auch alle politischen Instinkte. Selbst wenn er anderer Meinung ist, sollte er doch erkennen sich total verrannt zu haben, weil ihm niemand, auch nicht aus seinem engsten Umkreis beispringt. Kein CDUler will ihn noch verteidigen.

[…..] Friedrich Merz hat sich „verplappert“. Okay, das kann passieren. Zumal, wenn man zu verbaler Inkontinenz neigt, die Worte einem mitunter unkontrolliert entgleiten. Doch statt sich zu entschuldigen, behauptet er jetzt in der „Welt“, da sei etwas „bösartig konstruiert“worden. Um dann nochmals sein eigentliches Motiv zu unterstreichen: „Die Toleranzgrenze ist immer überschritten, wenn Kinder betroffen sind, und da haben wir nun genug abscheuliche Dinge gesehen in letzter Zeit.“ Was es fast noch schlimmer macht. Denn wieder konstruiert er diese merkwürdige Assoziation zwischen Homosexualität und Pädophilie. Und profiliert sich darüber hinaus als selbstloser Tugendwächter, dem es doch nur um das Wohl der Kinder geht. Damit begibt sich Merz in schlechteste Gesellschaft: Donald Trump hatte Hillary Clinton unterstellt, als Mitglied einer „Pizza-Connection“einem Pädophilenring anzugehören. […..][…..]

(H. Stutte, Mopo.de, 23.09.2020)

Von diesem Merz kann man nicht erwarten, daß er den Tichy-Affront begreift und sich aus Solidarität mit Chebli ebenfalls aus der LES zurückzieht.

Gut so; dann erkennt auch der Begriffsstutzige woran er bei Merz ist. (…..)

(Und noch einmal CDU-Sexismus in Reinkultur, 23.09.2020)

Bei Merz muss man nie befürchten, er könne auf einmal wie Markus Söder einen Baum umarmen oder sich mit Hundewelpen abbilden lassen.

Merz bleibt immer der weit rechts stehende Kapitalist, der seinem multiplen Vorurteilen; seinem Hass auf Minderheiten und Schwache freien Lauf lässt.

Für von der Gegenwart überforderte Konservative ist Friedrich Merz in die Inkarnation alter Gewissheiten.

Während uns grausige Bilder des EU-Versagens im bosnischen Elendslager Lipa erreichen, wir Kinder barfuß im Schnee kauern sehen, 900 Menschen im tiefsten Winter mitten in Europa erfrieren und hungern, ist auf Merz Verlass. Er kennt kein Mitleid. Wer arm und womöglich noch nicht mal weiß ist, soll ruhig krepieren.

[….] Nach dem Brand in einem Flüchtlingslager in Bosnien harren Migranten in Eis und Kälte aus, während Soldaten provisorische Zelte aufstellen. Aus der CDU kommen warnende Stimmen: Auf keinen Fall dürften die Menschen dort nach Deutschland geholt werden, meint der Kandidat für den Unionsvorsitz Merz.    CDU-Vorsitzkandidat Friedrich Merz hat sich prinzipiell gegen die Aufnahme von Flüchtlingen aus Lagern in Griechenland oder Bosnien ausgesprochen. [….] "Diese humanitäre Katastrophe lässt sich allerdings nicht dadurch lösen, dass wir sagen: Kommt alle nach Deutschland. Dieser Weg ist nicht mehr geöffnet."   [….] Europa müsse Verabredungen mit den Herkunfts- beziehungsweise Transitländern treffen, um die illegale und lebensbedrohliche Migration über das Mittelmeer noch in den Ausgangsländern zu unterbinden. "Die klare Botschaft an die Flüchtlinge wie an die Schlepperorganisationen muss sein: Es ist lebensgefährlich, und es wird keinen Erfolg haben", erklärte Merz. [….]

(NTV, 02.01.2021)

Die völlig herzlose, eiskalte kapitalistische Sicht, kennen wir nur noch von AfD, Werteunion und Seehofer so deutlich.

Natürlich unterstützen die meisten politischen Kräfte Europas diesen zutiefst amoralischen Kurs, der Tausende Flüchtlinge ersaufen oder in der Kälte krepieren lässt. Aber die meisten schweigen, weil sie noch einen Rest von Schamgefühl haben.

(…..) In den europäischen Elendslagern herrschen nun teilweise Temperaturen unter dem Gefrierpunkt.

Kinder, Frauen, Alte erfrieren und verhungern unter freiem Himmel.

[…..] Die Menschen sitzen im Dreck, es gibt kein warmes Wasser und keine Heizung. Im Lager Kara Tepe auf Lesbos werde die Situation immer schlimmer, sagt Katrin Glatz-Brubakk von Ärzte ohne Grenzen. Es gebe Kinder, die an Selbstmord denken.   In dieser Woche haben 7.000 Flüchtlinge auf die Not in ihrem Zeltlager Kara Tepe auf der griechischen Insel Lesbos aufmerksam gemacht – mit einem Brief an die EU-Kommission und an alle Europäer. Sie haben dabei nicht um Spenden gebeten, sondern um professionelle Hilfe von Experten, damit sie unter deren Anleitung das Lager selbst instand setzen könnten. Sie sagen, die Zustände seien dort zum Teil schlimmer als im alten Lager Moria, und selbst Tiere hätten mehr Rechte als sie. […..]

(Deutschlandfunk, 27.12.2020)

Der überzeugte Christ, Papst-Freund und regelmäßige Petersdom-Besucher Seehofer lehnt Nächstenliebe prinzipiell ab.

[….]  Seehofers Abschiebe-Populismus

Obwohl die Situation in Syrien die Hölle ist, will Innenminister Seehofer Geflüchtete dorthin abschieben. Es ist ein aussichtsloses Vorhaben – zulasten des Rechtsstaats. [….] Syrien ist kein Staat, sondern die Hölle. Diktator Baschar al-Assad ringt zehn Jahre nach Ausbruch des Bürgerkriegs mit Rebell*innen, Milizen, Söldner*innen um die Macht. Nach wie vor lässt sein Regime Kritiker*innen verhaften, foltern, ermorden. Die Wirtschaft ist vollkommen kollabiert. Selbst in Städten wie Damaskus haben Bürger*innen Schwierigkeiten an Brot zu kommen.    Trotzdem will Bundesinnenminister Horst Seehofer Menschen in diese Hölle zurückschicken. Der Abschiebestopp für Syrien läuft zum Jahresende aus. Seehofer hat am Wochenende angekündigt, unmittelbar im neuen Jahr Gefährder*innen und Straftäter*innen nach Syrien überstellen zu wollen.  Die Rechtslage ist eindeutig: Wenn Menschen in ihrer Heimat Unheil droht, Verfolgung, Folter, Hinrichtung, dann dürfen sie nicht dorthin zurückgebracht werden. Genau das aber ist in Syrien der Fall. Das Vorhaben der Bundesregierung ist deshalb eine Farce. [….]

(Maximilian Popp, 29.12.2020)

Menschenleben retten?
Pfui Teufel, da stemmt sich die fromme christliche CSU mit aller Macht dagegen!

[….]  2021 in Europa: Schutzsuchende leben im Schlamm, Kinder werden von Ratten gebissen, weil EU-Regierungen das für richtig halten.   Deutschland könnte dieses Lager 10x evakuieren und wäre immer noch unter Seehofers Obergrenze. [….]

(Erik Marquardt, MEP, Die Grünen, 23.12.2020)

Die Bundesregierung sollte sich für den Bayern und die Bayern in ihren Reihen schämen. (….)

(Die Schande Bayerns und Deutschlands, 29.12.2020)

Friedrich Merz kennt keinerlei Scham; er sagt offen, daß er all diese Menschen in ihrer ausweglos scheinenden Situation zur Abschreckung sterben lassen will.

Das ist eben ein wahrer Christ, der sich dafür prädestiniert fühlt die C-Partei anzuführen und auch als der Kandidat mit den besten Chancen auf CDU-Parteivorsitz und Kanzlerschaft gehandelt wird.

Bei Friedrich Merz weiß man immer woran man ist.