Sonntag, 10. Juni 2018

Wann dreht Merkel endlich bei?

Trumps Auftritt beim G7-Gipfel im kanadischen La Malbaie war absolut typisch für ihn:


Zu spät kommen, früher abreisen, Jahrzehntelange Fundamente zertrampeln, für Autokraten werben und alle Anwesenden beleidigen. Letzteres auf maximal feige Weise. Solange er den anderen Staats- und Regierungschefs in die Augen blickte, lobte er sie, um dann aber in einer 180°C-Wende über sie herzufallen, als er wieder im sicheren Flugzeug saß.


Juni 2018

[……] "What worries me most however is the fact that the rules based international order is being challenged, quite surprisingly not by the usual suspects but by its main architect and guarantor, the US," Donald Tusk, the president of the European Council, said in Quebec before the spat over the communique.
Trump calls for elimination of tariffs, end to US being world's 'piggy bank'
When Trump was asked at his own press conference in Quebec about frustrations flying between he and other leaders like French President Emmanuel Macron and Canada's Prime Minister Justin Trudeau, he reacted angrily.
"I would say the level of relationship is a 10. We have a great relationship. Angela (Merkel) and Emmanuel (Macron), Justin (Trudeau). I would say the relationship is a 10," Trump said.
His anger was revealing of his operating method as President, his attitude towards America's traditional foreign policy positions and his skill in using theatrical moments on the world stage to send a strong message to his loyal voters back home.
Trump's hyperbolic praise for a summit that was evidently discordant shows his refusal to allow any venture in which he is involved to be portrayed as anything other than a roaring success.
It's far from the first time Trump has created an alternative reality that serves his political narrative.
[……] One senior European diplomat rejected Trump's 10-out-of-10 assessment.
"He must mean there are 10 things on which we totally disagree. Or like the title of the movie, '10 Things I Hate About You,'" the diplomat told CNN's Michelle Kosinski. […..]

Nachdem ausgerechnet Trump den Kanadischen Gastgeber als „very dishonest“ bezeichnete, sind wieder die Satiriker gefordert. Man kann diesen totalen präsidentiellen Schwachsinn nicht mehr ernsthaft kommentieren.





Juni 2018







Es hat keinen Sinn sich über den Weltenzerstörer aus dem Oval Office zu echauffieren.
Eins ist sicher, es spielt keine Rolle wie einschmeichelnd und wie oft man mit Trump spricht; er ist und bleibt ein zutiefst destruktiver Vollidiot, der lügt und betrügt, wenn er den Mund aufmacht.
Es ist ehrenhaft von Macron alles versucht zu haben, aber natürlich hat der französische Präsident inzwischen verstanden, daß es sich bei Trump wie mit der Taube und Religion verhält.


[…..] Nirgendwo hätte es mehr außenpolitischen Ruhm gegeben, als wenn ihm die Zähmung des Polit-Vandalen Trump gelungen wäre. Diese Ambition musste Macron nun aufgeben. Nach einem Jahr Männerfreundschaft mit Donald Trump dürfte Frankreichs Präsident zwei Dinge gelernt haben. Erstens: Alles, was knallt und glitzert - wie die Militärparade auf den Champs-Élysées- gefällt dem US-Präsidenten ausgezeichnet. Daraus ergibt sich jedoch zweitens: nichts.
Macron und Trump hatten beim Besuch des Franzosen in Washington im April so ausdauernd aneinander herumgeklopft und -gewischt, dass Körpersprache-Experten als politische Analysten gefragt waren. Was damals aber schon zu vermuten war, ist nun offiziell: Es ist egal, wie lange die beiden Präsidenten einander umarmt haben. Wenn Trump "America first" sagt, dann meint er "America first". […..]

Angela Merkels Erkenntnisprozess ist noch nicht in dem Maße fortgeschritten. Ängstlich und kontraproduktiv verharrt sie in Passivität und torpediert damit den einzigen Anti-Trump-Trumpf: Europas Einigkeit.
Selbst die Konservativsten, die Neoliberalen und Transatlantiker verstehen wie sehr Merkel gerade in den deutschen Fuß schießt.
Nur sie scheint immer noch erkenntnisresistent.
Die Außenpolitik der Kanzlerin schadet Deutschland; daher klingen inzwischen ihre engsten Presseverbündeten alarmistisch.
Es geht nicht nur um Europa, um die Welt – es geht auch um die USA. Weite Teile der amerikanischen Bevölkerung haben noch nicht verstanden welchen gewaltigen Schaden Trump anrichtet. Seine Beliebtheitswerte steigen gegenwärtig. Daran sind auch die viel zu devoten Europäer und die Shanghai-Gruppe Schuld.
Merkel, Macron und May müssen sich so deutlich äußern, daß es auch von den FOX-glotzenden Trumpfans begriffen wird, die in amerikanischen BMW-Fabriken oder Aldi-Märkten arbeiten.

 […..] Wer noch geglaubt haben sollte, Donald Trump sei Argumenten und Fakten zugänglich, der sollte diese Hoffnung endgültig begraben. Mit diesem ungehobelten und dummen Mann wird die Welt weder besser noch friedlicher werden. Und hinter ihm stehen viele, Wähler und Anhänger, die bereit sind, sein Spiel "Einer gegen alle" mitzumachen. Noch droht Trump nicht mit Gewalt, aber mit heftigen wirtschaftlichen Waffen. Für Deutschland, das mehr als die meisten anderen Nationen auf wirtschaftlichen Austausch angewiesen ist und das seinen Wohlstand maßgeblich dem Handel verdankt, ist die Situation dramatisch gefährlich.
[…..] Dennoch wäre es völlig falsch, jetzt zu kuschen. Dieser Mann kennt keine Grenzen und keine Vernunft. Es hat keinen Sinn, ihm weiter hinterherzulaufen. Trump ist unbelehrbar, er stellt sich gegen alle Gewissheiten. Er akzeptiert weder die Notwendigkeiten der Klimapolitik noch die Regeln der Wirtschaftspolitik. […..] In dieser Situation kann man nur verzweifeln - oder die Reihen schließen und sich nach den wahren Verbündeten umsehen. Deutschlands Hoffnung liegt in Europa, nirgends sonst. […..]  Spätestens seit Trump sollte allen Deutschen klar sein: Wenn es hart auf hart kommt, dann haben sie nur Europa.
In diesem Europa spielt Nachbar Frankreich die zentrale Rolle; jenes Frankreich, das nicht genug dafür bewundert werden kann, mit Emmanuel Macron einen Mann zum Präsidenten gewählt zu haben, der wie ganz wenige Politiker Charakterstärke, Charisma, Tatkraft und europäischen Enthusiasmus in einer Person vereint. Macron hat Deutschland ein Angebot gemacht und bisher vor allem verlegenes Schweigen geerntet. […..] In dieser historischen Stunde darf die Bundeskanzlerin nicht zögern. […..]  Es ist höchste Zeit für eine große Geste und viele kleine Annäherungen. Bei der Verleihung des Karlspreises an den französischen Präsidenten vor einigen Wochen hat Merkel die Chance verstreichen lassen, auf dessen Werben demonstrativ enthusiastisch zu reagieren. […..]

Wenn Grünenfresser Beise wie Anton Hofreiter klingt, sollte sich Merkel ernste Sorgen machen.

[……] "Seit Jahren kranken die G7-Gipfel und hinken den Konflikten und Rissen in den internationalen Beziehungen nur hinterher. Trump hat mit seiner destruktiven Trotzreaktion der G7 nun auch noch die Rolle als Ort der Minimallösungen genommen und den Gipfel krachend scheitern lassen. Dass die USA nicht einmal bei der Vermeidung der Plastikverschmutzung bereit sind, einen Millimeter an Verpflichtung einzugehen, ist unverschämt und zeigt, wie sehr Trump Kooperation nur als Schwäche deutet. Die enorme Lücke, die im internationalen System klafft müssen wir mit einem Handelsbündnis demokratischer Staaten füllen, bei dem der wirtschaftliche Austausch einhergeht mit Klimaschutz, Arbeitsstandards und Menschenrechten. […..]  Die Bundeskanzlerin Merkel muss endlich einsehen, dass ihr Kurs, Trump einzufangen gegenüber einem egozentrischen US-Präsidenten keine Früchte tragen kann." [….]
(Anton Hofreiter, Fraktionsvorsitzender, 10.06.18)

So kann es einfach nicht weitergehen, Frau Merkel.
Trump ist derart gefährlich, daß es nun in voller Konfrontation gegen Amerika gehen muss.

Selbst das Transatlantiker-Blatt „DIE WELT, welches die Amerikafreundlichkeit per Statut, das jeder Journalist unterschreiben muss, zu seinem journalistischen Auftrag erklärt, ist fassungslos.

[…..] "Trump verbindet ein schockierendes Maß an Ignoranz mit einem genauso schockierenden Maß an Feindseligkeit gegenüber Amerikas Alliierten und der westlichen Werteordnung. Egal ob Brexit, die Populisten in Osteuropa und Italien oder der Totalausfall an der Spitze der westlichen Führungsnation: Man bekommt derzeit das Gefühl, der Westen habe den roten Selbstzerstörungsknopf gedrückt. Wir brauchen die Chinesen und Russen gar nicht mehr, um unseren Niedergang zu betreiben, das bekommen wir viel besser selbst hin." [….]
(DIE WELT, 10.06.18)

Also bitte aufwachen, Frau Merkel!

[….] Ein Tweet reichte Donald Trump, um vieles von dem zu zerstören, was seine Vorgänger und andere Regierungschefs in den vergangenen Jahrzehnten aufgebaut hatten. […..] Mit seinem Wutausbruch per Twitter verursachte Trump nicht nur einen beispiellosen diplomatischen Eklat in den Beziehungen mit den westlichen Bündnispartnern der USA - er machte auch noch einmal mehr als deutlich, dass er gewillt ist, eine Ära der internationalen Handelsbeziehungen zu beenden.
[…..] Meint Trump es also wirklich ernst, wenn er schreibt, die anderen Volkswirtschaften bräuchten die USA mehr als umgekehrt? Und wenn er droht, den Handel mit anderen Staaten einfach ganz einzustellen, falls diese nicht spuren?    Eigentlich ist diese Drohung so absurd, dass man sie für leer halten muss. Doch bei Donald Trump scheint derzeit nichts ausgeschlossen. [….]

Frau Merkel muss endlich ihre comfort zone verlassen und Widerstand leisten.

[….]   Das G7-Debakel zeigt: Das eigentliche Problem an Donald Trumps Politik ist Donald Trump. Sein Handeln folgt keiner Ordnung, keiner Vernunft, sondern allein dem Willen, der Beste, Wichtigste und Größte sein zu wollen. Der Zusammenbruch des Westens, die Zerstörung jahrzehntealter Freundschaften sind nur das Nebenprodukt dieses beispiellosen Egotrips.
Beim G7-Gipfel behandelt Trump die ältesten Freunde Amerikas wie Feinde. Gleichzeitig hofiert er Wladimir Putin und nennt Diktatoren wie den Nordkoreaner Kim Jong Un "ehrenwert". In diesen Männern erkennt er sich wieder. Er tut, was er will. Absprachen mit Partnern, Regeln der internationalen Ordnung, das zählt für ihn alles nicht.
Trump will bestimmen, er duldet keinen Widerspruch. Er muss immer das erste und das letzte Wort haben. Deshalb war es klar, dass er dem Gipfel seine Agenda aufdrückt (Handelsstreit, Russland). Und deshalb war es auch logisch, dass er ihn nachträglich per Tweet aus dem Flugzeug platzen lässt - mit der Weigerung, die Gipfelerklärung zu unterschreiben. Es ist immer nur: Ich, ich, ich. […..]
Amerikas Wähler haben es in der Hand, Trump in die Schranken zu weisen. Sie können ihn und seine Partei, die Republikaner, bei den anstehenden Midterm-Wahlen für die Chaos-Politik abstrafen. Sie könnten ihn 2020 abwählen.
Europa kann dabei mittun: Indem es Widerstand leistet, indem es den Egomanen isoliert, indem es ihm aus dem Weg geht und den Bruch immer wieder sehr laut deutlich macht.
In diesem Ringen muss Europa auch lernen, Trump zu übertönen. Es muss nicht nur die eigenen Bürger, sondern auch die Amerikaner erreichen. Denn zwischen Basketball-Finale und Nordkorea-Gipfel haben etliche Menschen in den USA noch gar nicht wirklich mitbekommen, wie ernsthaft Trump gerade das westliche Bündnis beschädigt. [….]

Kaum zu glauben, aber wahr: Inzwischen hat Trump seine sogenannte Regierung mit Claqueuren besetzt, die ihr selbst dann bejubeln, wenn er wie ein Elefant auf Speed mit Diarrhoe Amerikas engste Verbündete zuscheißt.

[…..] Donald Trumps wichtigster Wirtschaftsberater Larry Kudlow macht Kanada dafür verantwortlich, dass der US-Präsident seine Zustimmung der Abschlusserklärung des G7-Gipfel zurückgezogen hat. "Er hat uns das Messer in den Rücken gestoßen", sagte Kudlow im Fernsehsender CNN über den kanadischen Premierminister Justin Trudeau.
Der US-Präsident habe keine andere Wahl gehabt, nachdem Trudeau in einer Pressekonferenz nach Trumps Abreise erklärt hatte, die Kanadier ließen sich nicht herumschubsen. […..] Die Vereinigten Staaten hätten das Abschlusspapier in guter Absicht unterzeichnet, doch dann habe Trudeau mit seinen Äußerungen alles zunichte gemacht. "So verhält man sich nicht, ok? Das ist ein Verrat", sagte Kudlow. […..] Ähnlich äußerte sich Peter Navarro, Leiter von Trumps Nationalem Handelsrat und Berater im Weißen Haus. "Es gibt einen speziellen Platz in der Hölle für jeden ausländischen Staatsmann, der arglistige Diplomatie mit Donald Trump betreibt und versucht, ihm auf dem Weg zur Tür in den Rücken zu stoßen", sagte Navarro dem TV-Sender Fox News. "Das hat der arglistige Justin Trudeau mit dieser Pressekonferenz getan." […..]

Andere sind mutiger, während die Kanzlerin mit ihrer Passivität Europa schweren Schaden zufügt.

[….] EU-Ratspräsident Donald Tusk reagierte mit hintersinnigem Humor auf den Eklat. Auf Twitter dankte er Kanada für die Ausrichtung des G7-Gipfels und schrieb: "Es gibt einen besonderen Platz im Himmel für Justin Trudeau". [….]

Samstag, 9. Juni 2018

Stresemannstraße


Das mag ich ja nicht so gern, wenn Hamburg zum bundesweiten Gespött wird.
Nun lacht ganz Deutschland, weil an zwei Straßen bestimmte uralte Diesel nicht mehr fahren dürfen.


Das führt nun dazu, daß die beiden Straßen umfahren werden und es somit zu mehr Verkehr und mehr Dieselabgasen kommt.

[….] Beschränkung für Personenwagen in der Max-Brauer-Allee führt zu mehr Verkehr in der Stresemannstraße. [….]

Die Autos werden da weggeleitet, wo die Grenzwerte für Stickstoffdioxid von 40 Mikrogramm besonders deutlich überschritten werden.
Insofern ist die Maßnahme nicht ganz so lächerlich wie sie zunächst einmal wirkt.
Es gibt deutschlandweit tausende Todesfälle durch Stickoxide.
Der Hamburg Senat ist also gut beraten die Menschen, die an die stickoxidigsten Straßen leben – und es sind die Kleinkinder, die genau in Höhe der Auto-Auspuffe atmen – vor dieser Lebensgefahr zu schützen und schnell die Werte runterzubringen.

[…..] Auch niedrige Stickstoffdioxid-Werte verursachen bis zu 8.000 vorzeitige Todesfälle pro Jahr in Deutschland
In einer Studie des Umweltbundesamtes, die dem ARD-Politikmagazin REPORT MAINZ exklusiv vorliegt, wurde nach Angaben der Forscher erstmals flächendeckend für Deutschland untersucht, welche gesundheitlichen Schäden durch Stickstoffdioxid verursacht werden können. Die Wissenschaftler kommen zu dem Ergebnis, dass auch sehr geringe NO2-Konzentrationen, wie in ländlichen Gebieten, gravierende gesundheitliche Folgen haben können – und zwar auch weit unterhalb des gültigen Jahresmittel-Grenzwertes von 40 µg / m³ Luft. [….]

Tatsächlich wirkt die Maßnahme des Senats; die Menschen in der Stresemannstraße und Max-Brauer-Allee werden weniger durch Dieselabgase belastet.
Der Grüne Umweltsenator Kerstan kann vermutlich gar nicht anders; die Grenzwerte müssen eingehalten werden.

Zieht man die Perspektive aber weiter auf, wird es aber schon lächerlich:
Um an den Messstationen mit besonders hohen Werten Entlastung zu schaffen, wird der Verkehr dahin umgeleitet, wo es etwas weniger Dieselabgase gibt. Insgesamt, über ganz Hamburg gemittelt, steigt also die Stickoxidbelastung.


Natürlich fühlen sich die Dieselfahrer verarscht; insbesondere wenn man weiß, daß die hofierten dicken im Hamburger Hafen vertäuten Kreuzfahrtschiffe, die noch nicht mit Landstrom versorgt werden, am Tag so viele Stickoxide rausblasen, wie 300.000 KFZs.
Da haben die Satiresendungen wirklich leichtes Spiel.


Ein typischer Fall von Urnenpöbelungerechtigkeit.
Die Stickoxid-Jahresmittel-Grenzwerte von 40 µg / m³ Luft gelten seit 2010.
Acht Jahre weiß die Bundesregierung was auf die Autoindustrie zukommt.

Acht Jahre CSU-geführtes Bundesverkehrsministerium.

2009-2013 Peter Ramsauer
2013-2017 Alexander Dobrindt
Ab 2018 Andi Scheuer

Acht Jahre totales politisches Versagen.
Acht Jahre Lobbyhörigkeit der bestens von der Auto-Industrie finanzierten C-Parteien.

Acht Jahre, in denen die Deutschen immer wieder mit großen Mehrheiten die C-Parteien in die Bundesregierung schickten.


Der kommunale Senator Kerstan muss nun das ausbaden, was auf Bundesebene Ramsauer, Dobrindt und Scheuer verbockt haben.

Das könnten die Satiriker bitte zumindest erwähnen, bevor sie über meine wunderschöne Heimatstadt lästern.

Freitag, 8. Juni 2018

Nazis hofieren


Das sage und schreibe ich schon seit Jahren:
So wie die amerikanischen Sender mit ihrer hysterischen Dauerübertragung Trump ins Weiße Haus gebracht haben, wurde in Deutschland durch Maischberger, Will, Illner und Plasberg die AfD groß gemacht und die Xenophobie gefördert.

Gerade schwappt es mal wieder durch die Medien; unter uns „Linksgrünversifften“ sind einige ernsthaft sauer auf die Blabla-Redaktionen.


[…..] Und es gibt die ebenso liebreizende wie begnadete "Journalistin" Sandra Maischberger, die uns zum tausendsten Mal mit dem Islam, Muslimen, Flüchtlingen, Gotteskriegern, Wutbürgern, Angstbürgern und so exklusiven Themen wie „Die Islamdebatte: Wo endet die Toleranz?“ überrascht.
Auf Twitter hat Amir El-Shamy Sandras Hochleistungen zum Einthementalk penibel (und für jeden nachlesbar) aufgelistet. Die AfD soll die Tabelle als Dankgebetsbuch nutzen.
Erlauben Sie uns ein paar Fragen, zauberhafte Frau Maischberger: Wieviel schieben ihnen Beatrix von Storch, Alexander Gauland und die anderen Neovölkischen für dieses fabelhafte Themenrepertoire in den Arsch Ausschnitt? Haben sie was mit Björn Höcke? Oder gar mit Alice Weidel? Und wie hin- und hergerissen ist erst die ARD über Ihre allwöchentliche Islambeschallung?
[….]

Bedauerlicherweise gibt es diese Vorwürfe nun schon seit drei Jahren – unter anderen erhoben von Redaktionen des eigenen Senders (MONITOR, ARD) und Bundestagsabgeordneten (Marco Bülow, SPD), ohne daß ein Funken Einsicht bei den ARD-Granden herrscht.


Kontinuierlich pushten sie extrem überproportional AfD-Themen, bis diese in Hundertschaften in Parlamente zog.

(…..) Im Jahr 2016 waren mehr als die Hälfte aller ARD/ZDF-Polittalkshows mit AfD-Themen beschäftigt, boten Vertretern der braunen Bande Woche um Woche stundenlang kostenlose Sendezeit zur Selbstdarstellung an.

[….] Worüber wurde in den größten deutschen Politik-Talkshows im letzten Jahr gesprochen? Wir haben alle Sendungen des letzten Jahres von ARD und ZDF ausgewertet, insgesamt 141 Sendungen. Davon ging es in 40 Talkshows um das Thema Flüchtlinge und Flüchtlingspolitik, 15-mal wurde über das Thema Islam, Gewalt und Terrorismus gesprochen. 21-mal über Populismus, vor allem Rechtspopulismus. Insgesamt machten diese Themen 54 Prozent aller Talkshows aus.
Prof. Claus Leggewie, Politikwissenschaftler: „Ich glaube, es gibt erheblich interessantere Themen in der politischen Öffentlichkeit, die durch diese vermeintlich aktuellen und dramatischen Themen immer wieder in den Hintergrund gerückt werden. Dadurch fokussiert sich Politik auf die Themen der Rechtspopulisten. Das sind nämlich ihre Themen, der Islam, die Flüchtlinge, der Terror.“
Andere Themen hatten keine Chance: Über Energie-Themen, wie die Zukunft der Kohle oder den Atomausstieg wurde nicht gesprochen. Auch das Thema Bildungspolitik war kein Thema. Und selbst der viel diskutierte Abgasskandal war keiner der Talkshows eine Sendung wert. Klar, die Flüchtlingspolitik war das Megathema des letzten Jahres. Aber stimmt das Verhältnis noch? [….]

So lange die Illner-, Will- und Plasberg-Redaktionen diese Einladungspraxis nicht ändern, muß man diese Sendungen mit Quotenschwund bestrafen. (…..)


Leider sind die Deutschen nicht schlau genug, um so zu reagieren, sondern kleben weiterhin tumb jeden Abend an den Glotzen.
Da können Warner warnen, so viel sie wollen.
Diese Woche bewies es wieder; kaum hatte Alexander Gauland besonders widerlich die Holocaust-Opfer verhöhnt, rollten ihm Plasberg und Maischberger den Roten Teppich aus, und hielten AfD-Werbesendungen ab.

[…..]  Sind die Politik-Talkshows von ARD und ZDF einseitig und verzerrend? Zu diesem Ergebnis kommt der Dortmunder SPD-Abgeordnete Marco Bülow, nachdem er mehr als 200 Talkshows über einen Zeitraum von eineinhalb Jahren ausgewertet hat. Er sieht ein "krasses Missverhältnis" bei den Themen, die nicht die Realität widerspiegeln würden. […..]“Die Themenauswahl spiegelt absolut nicht die tatsächlichen Probleme in unserer Gesellschaft wider und stellt damit ein Zerrbild der Wirklichkeit dar”, resümiert der SPD-Abgeordnete in seiner Untersuchung. Er bestätigt damit, was Kommunikationswissenschaftler seit Jahren kritisieren. Über anderthalb Jahre hat Bülow 204 Sendungen der fünf relevantesten politischen Talkshows von ARD und ZDF analysiert: darunter “Maischberger”, “Anne Will”, “Hart aber fair”, “Günther Jauch” (seit Ende 2015 eingestellt) und “Maybrit Illner”.
Jede vierte Sendung behandelte der Untersuchung zufolge speziell das Thema Flüchtlinge. Der Themenkomplex Flüchtlinge, Islam, Terror/IS und Populismus/Extremismus stand sogar fast jede zweite Sendung auf der Agenda. “Wichtigen Themen wie NSU, Rassismus und rechte Gewalt wurden zum Beispiel jeweils nur eine Sendung gewidmet”, schreibt der SPD-Mann. Und das, obwohl es im vergangenen Jahr laut BKA fast 3.400 Anschläge auf Geflüchtete und Asylbewerberheime gegeben hatte. In nur sechs von 204 Sendungen wurde zudem über Armut und Ungleichheit diskutiert. Der Klimawandel spielte in den Talkshows der Öffentlich-Rechtlichen überhaupt keine Rolle. […..]

Seit Jahren im Wochenrhythmus erprobt: Eine gezielte Nazi-Provokation der AfD-Bande – auch die CSU versucht es erfolgreich mit dieser Methode – und schon springen die Talk-Azubis der großen Sender über das braune Stöckchen.
Sie alle lassen sich von einem Geronten, der nicht mal auf seine Klamotten aufpassen kann, willig und devot instrumentalisieren.

[…..] Kurz zur Erinnerung, der weiße Mann Alexander Gauland ist eine Person der Zeitgeschichte. Als solche ist er weniger geschützt als andere, wenn er sich in der Öffentlichkeit aufhält: Er ist Parteichef der größten Oppositionspartei Deutschlands. Er tritt regelmäßig in Talkshows auf. Und er sagt regelmäßig entwürdigende Sachen, beispielsweise, dass niemand den schwarzen Fußballspieler Jérôme Boateng als Nachbarn wolle, dass er die türkischstämmige Politikerin Aydan Özoguz in Anatolien „entsorgen“ wolle, dass Hitler und die Nazis „nur ein Vogelschisss“ seien unter denen ein „Schlussstrich“ gezogen gehöre und dass er auch noch stolz auf die „Leistungen deutscher Soldaten in zwei Weltkriegen“ sein wolle.
Kurz Luft holen.
Und auch sonst bedient er sich bei dem Vokabular von Rechtsextremisten: Er hat gesagt, dass Polen entscheiden müssten, wieviele „Flüchtlinge sie in ihrem Volkskörper“ wollen und wiederholte die NPD-Parole „heute sind wir tolerant, morgen fremd im eigenen Land“.
Die vielen Entgleisungen dieser Brandenburger Kartoffel deuten darauf hin, dass sie schon lange nicht mehr auf Gleisen fährt.  […..]

Es ist unnötig das zu erwähnen, aber zur Sicherheit:
Selbstverständlich soll auch in deutschen Talkshows über Integrationsprobleme, den Islam und Migration gesprochen werden.
Das sind aber nicht die einzig relevanten Themen, die extrem überproportional, nahezu allein das Programm bestimmen sollten.
Außerdem ist es sinnlos immer wieder dieselben AfD-Gäste einzuladen, da ihre Methoden, ihre Lügen hinlänglich bekannt sind.

(…..) AfD, CSU, Gauck, NPD und auch weite Teile der heutigen CDU und FDP erklären in jede Kamera, man müsse die Ängste der Bürger vor der Überfremdung ernst nehmen.

Man müsse sich endlich in der Flüchtlingsfrage ehrlich machen. Es dürfe nicht mehr tabuisiert werden den Islam zu kritisieren.

„Aber wir müssen die Ängste und Sorgen der Bürger doch ernstnehmen…..
So ein Blödsinn!
Wir müssen den Bürgern die Ängste nehmen und ihre Sorgen zerstreuen.“
(Wilfried Schmickler 12.11.2015)


Wenig verwunderlich, daß von so einer Performance nur die Originale profitieren: AfD, Pegida und NPD.
Thomas Oppermann will nun auch Kontingente.
Gabriel ist ein Stimmungs-Politiker, der den Muffigen und Motzenden voller Verständnis entgegen eilt.

Verständnis? Wofür?
Verständnis aufbringen für die Ängste und Sorgen der Bürger in Deutschland. Keine Talkshow mehr ohne diesen Satz, keine Diskussion am Stammtisch und keine Debatte im Bundestag. Verständnis VON oder Verständnis FÜR? Es ist der kleine semantische Unterschied, der den Analysten vom Aktivisten unterscheidet. Den, der Stimmungen deutet von dem, der Stimmung macht. Ja, auch ich verstehe, dass es Ängste vor Flüchtlingen gibt und woher diese Ängste kommen. Nur, mit Verlaub, ich habe kein Verständnis dafür.
Ich habe kein Verständnis dafür, dass Menschen Angst haben vor einer "Islamisierung des Abendlandes", wo der Anteil der Muslime im europäischen „Abendland“ gerade mal 4 % ausmacht, und auch dann nur auf 5 % anwachsen würde, wenn sämtliche syrischen Flüchtlinge auf einmal nach Europa kämen.
Ich habe kein Verständnis dafür, dass Menschen in diesem Land davor Angst haben, dass 2, 3 oder 5 Millionen Flüchtlinge uns unserer Lebensgrundlage berauben. In einem Land, das gerade Milliarden Überschüsse erwirtschaftet und dabei von der Armut der Länder profitiert, aus denen viele Flüchtlinge zu uns kommen.
Ich habe kein Verständnis dafür, dass besorgte Bürger Angst davor haben, dass unsere Verfassungswerte in Gefahr geraten, wo doch die Gleichen, die das befürchten, sofort dazu bereit sind, Artikel 1 des Grundgesetzes zu opfern, wenn es um eine menschenwürdige Behandlung von Flüchtlingen in diesem Land geht.
Nein, ich habe keinerlei Verständnis für diese Ängste – und schon gar nicht dafür, dass Politiker Verständnis für solche Ängste heucheln und dabei nichts anderes tun, als diese Ängste jeden Tag aufs Neue anzufachen.
(Georg Restle, Monitor, 06.10.2015)


Man kann sich das heute kaum noch vorstellen; aber es gab einst sehr gute und informative Talkmaster in Deutschland.
Menschen, die ihre Themen beherrschten und nicht einfach die von der Redaktion aufgeschriebenen Fragen ablasen, unabhängig vom Fortschritt des Diskussion die Teilnehmer alternierend sprechen lassen und keinerlei Reaktion zeigen, wenn die Gäste sich wiederholen oder nicht auf Fragen antworten.

Es gab die begnadete Lea Rosh, 82, (1982 bis 1988 Gastgeberin „III nach Neun” von Radio Bremen. 1988 bis 1991 „Freitagnacht”), die in ihrer monothematischen zweistündigen Berliner-Talkshow ein freundliches, aber strenges Regiment führte. Wiederholte sich ein Gast, entzog sie das Wort. Wenn es unübersichtlich wurde, griff sie ein, fasste in knappen neutralen Sätzen den bisherigen Sachstand zusammen und führte inhaltlich voran.

Eine extrem fähige Diskussionsleiterin war auch die Berlinerin Juliane Bartel, „III nach Neun”  (1989 bis 1998) und Alex (Sender Freies Berlin, ab 1993), die 1998 im Alter von 52 Jahren an Krebs starb.

Um auch einen Mann zu nennen, sei der hochgebildete Atheist Volker Panzer,71,  erwähnt, der heute als Herausgeber des „humanistischen Pressedienstes“ aktiv ist. Er führte von 1997 bis 2012 durch eine der besten und erkenntnisreichsten Talkshows der deutschen Fernsehgeschichte, das sonntägliche ZDF-Nachstudio.
Panzer setzte eher auf Wissenschaftler und Experten, statt auf die bei Willmaischbergerplasbergillnerlanz so beliebten politischen Dauergäste Leyen/Bosbach/Storch.


Es geht also; man kann sinnvolle und informative Talkshows machen.
Leider sind sie alle offline und wurden durch inhaltsleere AfD-Nachplapperer ersetzt.

[…] Wir müssen mal wieder über Talkshows reden. Denn was da seit Monaten passiert, fühlt sich langsam an wie eine Art stiller Putsch von Redakteuren, die offensichtlich im ganzen Quoten-Quatsch ihren Kopf verloren haben.
Wie ist es sonst zu erklären, dass zum Beispiel bei einem Thema wie Integration bei Anne Will ausgerechnet Frauke Petry sitzt? Da könnte man genauso einen Pyromanen in eine Streichholzfabrik einladen.
Denn ernsthaft: Was soll das? Es ist klar, was Frauke Petry sagen wird, es ist nicht konstruktiv, es ist polemisch, es vergiftet das Klima, es macht die Diskussion kaputt - und vor allem, es wurde schon 1000-mal gesagt, von ihr und ihren AfD-Kollegen.
[…] Es ist schließlich eine der großen Lügen der "Lügenpresse"-Krakeeler, dass die AfD ausgegrenzt wird: Im Gegenteil, aus lauter Selbsthass oder stiller Sympathie oder weil sie ihr eigener Quoten-Populismus dazu treibt, machen ARD und ZDF seit Monaten Wahlwerbung für die AfD.
[…] Aber nach links hin, so scheint es, hat man immer noch mehr Ängste als nach rechts - erinnert sich noch jemand an den grotesken Auftritt von Björn Höcke mit seiner Deutschlandfahne und dem Moderatorenversagen von Günther Jauch?
Lange schon haben die Rechten einen symbolischen Anteil im Fernsehen, der deutlich höher ist als ihre Stimmen bei Wahlen - oder, genauer gesagt, die Wahlergebnisse nähern sich langsam ihrer symbolischen Präsenz, und man darf da durchaus einen Zusammenhang sehen.
[…][…] Das öffentlich-rechtliche Fernsehen jedenfalls begleitet und moderiert mit seinen Talkshows den gesellschaftlichen Rechtsrutsch. Und befördert ihn damit.