Montag, 10. Juli 2017

Teuer ist gut



Das Auto gilt vielen Deutschen nach wie vor als heilig.
Es wird gehegt und gepflegt, mit Tinkturen und Pasten behandelt.
Schon kleinste Kratzer verursachen Herzinfarkte beim Halter. In Endlosschleifen kann man in den Shoppingkanälen Werbung für Produkte wie „Platinum 20 Seconds“ sehen – ein Döschen für gerade mal 50 Euro – damit sollen Kratzer wieder verschwinden.
Für das Statussymbol Nummer 1 ist nichts zu teuer.
Benötigt Papis VW Golf einen Ölwechsel, wird genau recherchiert und 100 Euro für das beste Motoröl sind schnell weg. Da spielt Geld keine Rolle.
Anders ist das beim anschließenden Lebensmitteleikauf bei Lidl oder Aldi. Beim Salatöl, das man den eigenen Kindern zu essen gibt. Beim Brölio-Sonnenblumenöl gibt man ungern mehr als einen Euro; maximal Einsfuffzich aus.
Die Kinder stehen weit hinten in der Prioritätenliste, weil beim Auto der Wertverlust als Damoklesschwert über einem hängt.

[…..] Wertverlust bei Autos: Die Geldvernichtungsmaschine!
Wer ein Auto kauft, verliert Geld, sobald er vom Hof des Händlers fährt. Wie hoch der Wertverlust bei Neuwagen ist, wird regelmäßig ermittelt. Jetzt sind die neuen Zahlen da - und offenbaren überraschende Wertmeister. […..]

Der Terminus „Geldvernichtungsmaschine“ klingt gar nicht gut.
Man konnotiert schwarze Löcher, die unter der Motorhaube verborgen kontinuierlich die Geldscheine aus dem Portemonnaie des Fahrers saugen.

Geldverbrennung kann enorme Ausmaße erreichen; da muß man offenbar schon im Kleinen wachsam sein.
Man denke nur an die Zig Milliarden Euro Steuergeld, die überforderte und naive Kommunalpolitiker in den Landesbanken Berlin, der WestLB oder der HSH Nordbank verdaddelt haben.
Besonders heftig traf es die Bayern, deren heißgeliebte CSU, die sie manisch immer wieder wählen, 20 Milliarden Euro in der BayernLB versenkt haben. So viel Doof wie bei CSU-Politikern gibt es selten.

[…..] Steueraffäre kostet Landesbank 20 Millionen Euro
Die Luxemburger Tochterfirma der Bayern LB hat mit Briefkastenfirmen reichen Kunden in Panama geholfen, Vermögen zu verstecken.
Es ist nach vielen Jahren Misswirtschaft die letzte Altlast bei der Bayerischen Landesbank, die jetzt bereinigt wird. Eine Altlast, die nicht so teuer kommt wie andere Affären, die aber politisch besonders unschön ist. Die ehemalige Tochter der Bayern LB in Luxemburg, die Banque LB Lux, muss wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung mehr als 20 Millionen Euro Bußgeld zahlen.
Dafür aufkommen muss am Ende die Bayern LB. Deren Luxemburger Tochter hat im vergangenen Jahrzehnt zahlreichen vermögenden Kunden aus Deutschland Briefkastenfirmen in Panama vermittelt. Die reichen Kunden konnten dort Vermögen vor dem Fiskus verstecken. Ausgerechnet eine Tochter der bayerischen Staatsbank hat also geholfen, den Staat um Steuereinnahmen zu bringen und zu betrügen. Geschehen ist das vor allem in den Amtszeiten der Finanzminister und CSU-Politiker Kurt Faltlhauser und Erwin Huber, die zeitweise auch das Aufsichtsgremium der Bayern LB geleitet hatten, den Verwaltungsrat. [….]

Aber keine Sorge, das können private Konzerne, die professionell von achtstellig bezahlten Chefs gemanagt werden auch.

1998 verschluckte Daimler-Benz-Chef Jürgen Schrempp mal eben den US-Autokonzern Chrysler und nannte diesen internationalen Bulimie-Anfall „Hochzeit im Himmel.“ Die Weltpresse war entzückt. Neoliberale Wirtschaftsjournalisten jubelten „Daimlerchrysler“ schon zu dem Weltkonzern hoch. Schrempp wurde ein Star, verdiente sich eine goldene Nase.
2007 gibt Daimler auf, trennt sich wieder von der US-Sparte, verkauft Chrysler an den Finanzinvestor CERBERUS und hat damit mindestens 40 Milliarden Euro aus dem Fenster geworfen.

Noch mehr Geld kosten Kriege. Da wird so viel Kapital verbraten, daß man schon 13-stellige Zahlen bemühen muß.

George W. Buhs Irakkrieg von 2003, der eigentlich gar nichts kosten sollte, weil man sich das Irakische Öl dafür holen wollte, wurde bereits im Jahr 2008 auf drei Billionen Dollar geschätzt. Das sind $ 3.000.000.000.000,-

Schlüsselt man die reinen Kosten des US-Verteidigungsministeriums nach Kriegen auf, kommt jährlich einiges zusammen.


US-Kriegskosten nach Militärbeteiligung/Kriegsschauplatz in den Jahren 2005 bis 2015 (in Milliarden US-Dollar).

Teuer ist auch die Zerstörung Syrien.

[….] Schätzung der Weltbank[….] Die Folgen des Syrienkriegs schlagen sich nicht nur in Opferzahlen, sondern auch wirtschaftlich nieder: Jedes vierte Haus liegt in Trümmern, neun Millionen Syrer haben weder einen Job noch Chancen auf eine Ausbildung.
Jeden Tag kommen Menschen in Syrien ums Leben, durch Gefechte oder als Folge der vielerorts katastrophalen humanitären Lage. Die Zahl der Toten ist seit dem Ausbruch des Konflikts auf mehr als 320.000 gestiegen - und ein Ende ist auch im siebten Jahr des Bürgerkriegs nicht in Sicht.
Die Weltbank hat nun den Versuch unternommen, auch die Schäden an Infrastruktur und Wirtschaft zu beziffern. Die Summe, die sie errechnet haben, beläuft sich auf 226 Milliarden Dollar, umgerechnet 198 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Im Jahr 2011 - dem letzten Jahr mit halbwegs verlässlichen Daten - betrug Syriens Wirtschaftsleistung insgesamt gerade einmal 65 Milliarden Dollar.
[….] Der Studie zufolge gingen in Syrien zwischen 2010 und 2015 schätzungsweise jedes Jahr 538.000 Arbeitsplätze verloren. Neun Millionen Menschen und damit mehr als drei Viertel der Syrer im arbeitsfähigen Alter haben demnach weder einen Job noch absolvieren sie derzeit eine Schul- oder Berufsausbildung. "Die langfristigen Folgen dieser Untätigkeit wird ein kollektiver Verlust des Humankapitals sein, der zu einem Mangel an Qualifikation in Syrien führen wird", hieß es in dem Weltbank-Bericht. [….]

Wozu machen wir eigentlich diese Kriege, die neben hunderttausenden Menschenleben auch noch so viele Dollars und Euros kosten?
Die Antwort ist leicht.

Meine Metapher von dem „schwarzen Loch“ unter der Motorhaube ist falsch.
Das Geld wird gar nicht vernichtet. Es verschwindet eben nicht.

Es gilt immer noch der simple Satz: „Das Geld ist nicht weg, es ist nur woanders.“

Stoiber und seine CSU-Minister haben nicht 20 Milliarden Euro der bayerischen Bürger in den Reißwolf geworfen, sondern sie haben es an internationale Spekulanten umverteilt.

Die Ausgaben des US-Verteidigungsministeriums werden ebenfalls nicht verbrannt, sondern fließen in die Taschen von Rüstungskonzernen, Aktionären und Hedgefonds.

Genau so funktioniert Kapitalismus. So werden Superreiche jeden Tag superreicher.

Kriege kosten und so holt Trump bei den Kopf-ab-Saudis mal eben einen Waffendeal für 110 Milliarden Dollar ab.
Das ist Kapital, das ist das Schmiermittel der Wirtschaft, so geht es voran. Kosten sind gut.

Die Toten gibt es dafür umsonst.

Sonntag, 9. Juli 2017

Wer ist der härteste Hund?



Zunächst einmal eine gute Meldung aus Sicht eines SPD-Genossen.

Frank-Walter Steinmeier und Martin Schulz sind doch nicht tot oder nach Neuseeland ausgewandert, wie ich schon befürchtete, weil ich seit Wochen, bzw Monaten wirklich gar nichts mehr von ihnen hörte.
Eine seltsame Wahlkampfstrategie des Kanzlerkandidaten sich völlig aus den Medien heraus zu halten.

[…..] Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier informiert sich zurzeit in Hamburg. Er bedankte sich in einem Statement vor den Messehallen bei den Polizisten für ihren Einsatz beim G20-Gipfel. Zu den Krawallen sagte er, ein solches Ausmaß an Gewalt habe man in den letzten Jahren nicht erlebt. Er sprach von "maßloser Zerstörungswut". Steinmeier verteidigte die Entscheidung, den G20-Gipfel in Hamburg abzuhalten. "Wenn ein demokratisch gefestigtes Land wie Deutschland sich nicht mehr in der Lage sieht, internationale Gäste einzuladen und Konferenzen wie diese auszurichten, dann gerät mehr in Gefahr als nur eine einzelne Konferenz. Dann überlassen wir die Entscheidung und die Auswahl, was hier in Deutschland stattfindet, einigen wenigen brutalen Gewalttätern, die wir hier in Hamburg gesehen haben." […..]

[….] "Die Bilder aus Hamburg sind erschütternd", so Schulz. "Das ist sinnlose, widerwärtige Gewalt." An den Krawallen seien nicht nur Chaoten aus Deutschland beteiligt gewesen. "Das waren organisierte Gewalttäter aus ganz Europa. Die Gewalt hat eine völlig neue Dimension", sagte Schulz. "Wir haben es hier mit Mordbrennern zu tun - mit Gewalttätern, die Mordversuche vorbereiteten und brandschatzend durch die Straßen zogen." Die Verantwortlichen müssten mit der ganzen Härte des Rechtsstaats verfolgt und bestraft werden. [….]

Jetzt geht die politische Schlacht los. Endlich, so glaubt die Hamburger Opposition, hat sie einen Hebel gegen den übermächtigen und extrem beliebten SPD-Bürgermeister in der Hand. In maximaler Erbärmlichkeit hatte sich der Grüne Koalitionspartner, der bis vorgestern den G20 unterstützte und kein kritisches Wort zur Sicherheitsaspekt über die Lippen brachte in die Büsche verdrückt.
CDU-Fraktionschef Trepoll fordert Arm in Arm mit den Linken den Rücktritt von Olaf Scholz und des Innensenators Andy Grote.

 [….] SPD: Verhalten der CDU unerträglich
Zu den Rücktrittsforderungen an Scholz sagte SPD-Fraktionschef Andreas Dressel: "Es ist unerträglich und unverantwortlich, wie die CDU versucht, parteipolitisch aus den abscheulichen Krawallen Kapital zu schlagen." Für die Gewaltexzesse seien einzig und allein die Gewalttäter verantwortlich - niemand sonst. "Gerade die Hamburger CDU, die mit ihrer Kanzlerin den Gipfel in ihre Geburtsstadt Hamburg holen wollte und deren Bundesinnenminister das Sicherheitskonzept gelobt hat, sollte sich zu ihrer eigenen Gesamtverantwortung bekennen - alles andere ist heuchlerisch." [….]
(NDR, 09.07.17)

Es ist offensichtlich, daß sich Scholz heftig vergaloppiert hat.
Aber immerhin war es nun mal Angela Merkel, die den Gipfel unbedingt in Hamburg abhalten wollte. Als Bürgermeister der so geehrten und ausgekorenen Stadt zu sagen "Nö, da haben wir keinen Bock drauf" wäre ebenfalls eine sehr schlechte Option gewesen.
Dann wären CDU und FDP über ihn hergefallen und im Wahlkampf hätte man sich ewig anhören müssen, daß der SPD sicherheitstechnisch nicht zu trauen sei, daß sie sich vor dem linken Mob kapituliere.
Und hätte ein CDU-Bürgermeister Trepoll etwa zu seiner Kanzlerin und Parteichefin gesagt „such dir gefälligst eine andere Stadt für deine Gipfel-Show?“


A posteriori meine ich schon, daß Scholz besser "Nein" gesagt hätte, aber an ihm hätte dann erst recht das Loser-Image geklebt. Es war eine no-win-Situation.
Gegen die Guerilla-Taktik der organisierten G20-Protestierer, die mal in schwarz Pflastersteine werfen, dann blitzschnell umgezogen sich in bunt unter friedliche Demonstranten mischen gibt es in einer 1,9 Millionen-Stadt auf 756 km2 ohnehin keine Polizeitaktik, die funktioniert – solange man sich in einem demokratischen Rechtsstaat befindet und nicht wie in China oder Saudi Arabien vorgehen kann.


Olaf Scholz ist einer der besten Bürgermeister, die wir je hatten. Hamburg ist deutlich besser regiert als vorher von der CDU. Schon daher möchte ich ihn weiterhin im Amt sehen.
Wir haben da auch keine personelle Alternative.

Innenpolitisch und wahlkampfpolitisch ist der G20 in Hamburg mit 476 verletzten Polizeibeamten und einem sehr dürftigen Output noch nicht ausgestanden.
Nun gilt es sich die Schuld gegenseitig zuzuschieben.
Dabei scheißt die SPD nach bewährter Tradition in jede Hose, die man ihr hinhält (Hildebrandt). Die Angst in Zeiten von Terrorismus und IS als sicherheitspolitischer Warmduscher dazustehen, ist gewaltig.
 In Zeiten vom „Supergundrecht auf Sicherheit“ (Hans Peter Friedrich) überbieten sich jetzt die Parteivertreter mit Verdammungen der Schwarzen Blocker, die spanisch oder italienisch parlierend mit 300-Euro-Sneakern und hervorlugenden Calvin-Klein-Unterhosen eine Budnikowski- und eine REWE-Filiale niedermachten.

Besonders billig machen es die Politiker, die nun nach „Bestrafung der Täter“ rufen.

Ein Glück, daß Polizei und Staatsanwaltschaften diese Idee nahe gebracht wird. Vermutlich wären sie von sich aus gar nicht auf die Idee bekommen, daß es irgendwie strafbar sein könnte Autos anzuzünden oder Polizisten mit Zwillen niederzuschießen.

Wolfgang Bosbach ist so einer, der sich billig Applaus abholt.

[….] In einem Interview mit „n-tv“ stellte Bosbach gleich klar, wer für ihn die Schuld an den Ausschreitungen trägt – und wer nicht: „Schuld sind die Chaoten und Kriminellen, nicht die Mehrzahl der friedlichen Demonstranten. [….] „Greift die Polizei hart durch, wird am nächsten Tag Polizeigewalt kritisiert. Ist die Polizei nicht an allen Orten zur gleichen Zeit, was sie gar nicht sein kann, wird sofort kritisiert, dass die Polizei nicht konsequent durchgegriffen hat. Man muss der Polizei jetzt den Rücken stärken!“, so Bosbach. [….]

Danke Bosbach! Endlich mal einer.
Die anderen Politiker fordern ja alle, daß man mit Strafen für Gewalttäter möglichst inkonsequent sein sollte. Daß Polizisten gegen Steinewerfer und Randalierer sehr nachsichtig zu behandeln wären. Alle anderen Politiker sind ja der Meinung es wäre richtig und wichtig mal einen Renault Twingo abzufackeln, um den Weltfrieden zu bewirken.
Bosbach ist für mich einer der ekelhaftesten Politiker, weil er immer wieder mit dieser „Man wird doch wohl noch sagen dürfen“-Emphase die größten Banalitäten von sich gibt, um sich beim Publikum anzubiedern.
Damit vergiftet er das politische Klima, indem er latent anderen unterstellt, sie hätten Sympathien für Kriminelle.

Der arme Martin Schulz, leider mehr und mehr ein Totalausfall, warf sich nun mit seiner oben schon genannten Mordbrenner-Sätzen dem Urnenpöbel an den Hals, statt irgendetwas Konstruktives zu sagen.

Ähnlich peinlich bedauerlicherweise auch der mittlerweile mit Angela Merkel zusammen beliebteste Politiker in Deutschland; Vizekanzler Gabriel.

[….] „Den Tätern "aus allen Teilen Europas" sei es nur "um Gewalt an sich" gegangen, schreibt Gabriel weiter. Sie unterschieden sich "überhaupt nicht von Neonazis und deren Brandanschlägen". […..]
(BamS, 09.07.17)

Natürlich kommt das gut an beim Wähler.
Es ist aber sachlich völlig falsch.

Sigmar Gabriel hatte sich so gut entwickelt in den letzten Monaten.
Er gab fast nur sinnvolle Statements ab, war präsent und nach dem unauffälligen Steinmeier war eine Zierde für sein Amt.
Aber heute so ein Klopper in der BAMS!

Rechtsradikale Anschläge auf Flüchtlingsheime richten sich gezielt gegen die Schwächsten und Traumatisierten, gegen Ausgegrenzte, die alles verloren haben.
Rechtsradikale gehen grundsätzlich auf Minderheiten ohne Lobby los, die eben nicht genügend geschützt werden. Rechtsradikale Opfer sind immer die Wehrlosesten.
Rechtsradikale wollen dabei gezielt Menschen verletzen und töten.

Der "schwarze Block" ist keineswegs aus Philanthropen zusammengesetzt, aber immerhin lässt er die Schwachen in Ruhe.
Er greift nicht gezielt Schwule, Juden, Obdachlose, Dunkelhäutige oder Ausländer an.
Der "schwarze Block" agiert nicht rassistisch, nicht homophob, antisemitisch oder xenophob.
Der "schwarze Block" ist auch nicht feige, indem er sich heimlich an die Schwachen heran macht.
Der "schwarze Block" bastelt auch keine Bomben oder Geschosse, mit denen gezielt schlafende Kinder oder Frauen umgebracht werden sollen, so wie es die Rechtsradikalen jeden Tag in Deutschland machen.

[…..] „Fast 1000-mal wurden im vergangenen Jahr in Deutschland Flüchtlingsunterkünfte attackiert. Dazu hat es laut Bundesinnenministerium mehr als 2500 Angriffe auf Flüchtlinge gegeben.
2016 hat es in Deutschland mehr als 3500 Angriffe auf Flüchtlinge und Flüchtlingsunterkünfte gegeben. Dabei wurden 560 Menschen verletzt, unter ihnen 43 Kinder, wie die Zeitungen der Funke-Mediengruppe am Sonntag unter Berufung auf eine Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Parlamentsanfrage berichtet.
Demnach wurden 2545 Angriffe auf Flüchtlinge außerhalb ihrer Unterkünfte gezählt. Hinzu kamen 988 Angriffe auf Flüchtlingsheime - das waren nur geringfügig weniger als im Vorjahr mit 1031 Angriffen. Zudem wurden 217-mal Hilfsorganisationen oder freiwillige Asyl-Helfer attackiert.
"Das sind nahezu zehn Taten am Tag", sagte Ulla Jelpke, innenpolitische Sprecherin der Linksfraktion.“ [….]

Wo bleibt die massive Verurteilung durch die gesamte deutsche Politprominenz bei den 3.500 Angriffen auf Flüchtlinge in Deutschland?

Ich hätte nicht gedacht, daß sich Gabriel dazu hinreißen lässt links- und rechtsradikale Gewalt gleichzusetzen.
Das ist wirklich erbärmlich und nötigt MICH jetzt dazu den schwarzen Block zu verteidigen, unter dem ich als Hamburger jetzt selbst drei Tage litt und für den ich keine Sympathien hege.
Das nehme ich Sigmar Gabriel heute übel!

[…..] „Die Krawalle am Rande des G20-Gipfels in Hamburg schaden nach Ansicht von Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) Deutschlands Ansehen in der Welt. "Deutschlands Bild in der internationalen Öffentlichkeit wird durch die Ereignisse in Hamburg schwer in Mitleidenschaft gezogen", schreibt Gabriel in einem Gastbeitrag für die "Bild am Sonntag". Es habe eine "Orgie an Brutalität" gegeben. Die unfassbare Gewalt dürfe nicht ohne Konsequenzen bleiben.
Den Tätern "aus allen Teilen Europas" sei es nur "um Gewalt an sich" gegangen, schreibt Gabriel weiter. Sie unterschieden sich "überhaupt nicht von Neonazis und deren Brandanschlägen". Mit angeblich linken Motiven habe das nichts zu tun. Gabriel forderte eine europaweite Zusammenarbeit bei der Fahndung nach den Straftätern. Dafür müssten "alle möglichen rechtsstaatlichen Mittel eingesetzt werden". "Der demokratische Rechtsstaat muss jetzt seine Wehrhaftigkeit beweisen", forderte Gabriel.“ […..]

Was für ein wohlfeiles Blabla, wenn es nichts kostet und man sich ohnehin der Zustimmung von 95% der Leser sicher ist. JETZT muß der demokratische Rechtsstaat wehrhaft sein? Sonst etwa nicht?
Schulz und Gabriel go Bosbach. Pah.

Samstag, 8. Juli 2017

Fegebank, es reicht wirklich.



Na, da war ja mal ordentlich was los in Hamburg.
Nach Wochen hat endlich das permanente Hubschrauber-Kreisen über meiner Birne aufgehört und während die G20-Staatschefs noch auf dem Rückflug sind, kassieren sie schon ihre lauen Hamburger Versprechen wieder ein.

[….]Kurz nachdem diese weitgehende Einigkeit beim Thema Klima verkündete, grätschte der türkische Präsident Erdogan dazwischen. Sein Land werde den Klimavertrag von Paris nicht ratifizieren. [….] 19 Staaten halten am Klimaabkommen von Paris fest, sehen es als "unumkehrbar" an, wollen es "zügig" umsetzen - nur einer, die USA, tut das eben nicht.
Man einigt sich, dass man sich nicht einigen kann. Das hat es bisher noch nicht gegeben bei den G20-Gipfel. Aber man könnte sagen: Es hätte schlimmer kommen können. Der Gipfel hat immerhin einen Klima- und Energieaktionsplan verabschiedet. [….] Doch wenig später scheint das gar nicht mehr das einzige Problem zu sein. Da erklärt der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan auf einer Pressekonferenz nach Gipfelende, sein Land werde das Pariser Abkommen nicht umsetzen. Das habe er Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron mitgeteilt.
"Solange die Versprechen, die man uns gegeben hat, nicht gehalten werden, werden wir das in unserem Parlament auch nicht ratifizieren", so Erdogan. Und es sei auch nicht so, dass alle anderen Staaten als die USA auf dem Gipfel ihre volle Unterstützung für das Abkommen gezeigt hätten. "Bei allen gibt es Probleme" - so sieht es jedenfalls der türkische Präsident nach eigenem Bekunden. [….]

Die ohnehin nicht verbindlichen Vereinbarung des G20 von Hamburg halten also noch nicht mal 24 Stunden.
Was soll also so ein Gipfel, wenn anschließend mehrere Stadtteile in Schutt und Asche liegen, hunderte Menschen verletzt wurden und die an sich sehr bürgerliche Bevölkerung Hamburgs in kollektiver Wut auf Bundeskanzlerin Merkel und Bürgermeister Scholz zusammensteht.

Bekanntlich bin ich ein großer Unterstützer von Olaf Scholz, lobpreise ihn regelmäßig dafür wie viel besser es in Hamburg läuft seit er die CDU aus dem Senat verdrängte.
Aber auch ein kühler Intellektueller wie Scholz, der selbst völlig unprätentiös ist, scheint sich gelegentlich bei seinem Drang der Stadt etwas Gutes zu tun und ihr zusätzliche Bedeutung zu verschaffen, gewaltig zu vergaloppieren.

Mit enormem PR-Aufwand betrieb er die Olympiabewerbung für das Jahr 2024. Das wäre doch ein Riesending für Hamburg sich im Zenit des internationalen Interesses zu sonnen.
Scholz, die gesamte Hamburger Presse, die gesamten Hamburger Verbände, der gesamte Senat und alle anderen Hamburger Politiker mit Ausnahme der Linken, lebten allerdings in einer Blase der Großartigkeit, die das gemeine Volk nicht teilte.

Fassungslos starrte man am 29.11.2015 auf die Ergebnisse des NOlympia-Referendums.
Lernfähigkeit ist anders.

München sagte klar Nein im Jahr 2013, Oslo sagte 2014 Nein zu der Bewerbung für die Winderspiele 2022, Im Juli 2015 schließlich gab Boston bekannt die Bewerbung für die Spiele 2024 wegen der mehrheitlichen Ablehnung in der Bevölkerung zurück zu ziehen. In diese Reihe passte auch das Hamburger Nein zur Olympiabewerbung.
Nur Politik und Journaille wollten es partout nicht begreifen.

(…..) Heute staune ich allerdings nicht schlecht über das Verhalten der Hamburger Presse.
Seitenlanges Lamento und Schuldzuweisungen.
Immer noch wird wie selbstverständlich die Position vertreten, daß man vernünftigerweise nur FÜR Olympische Spiele sein könne.
Das Aus für die Bewerbung wird ausschließlich als Schmach und Schande beschrieben. Offensichtlich wurde das 52%-Dagegen-Ergebnis in den Zeitungsredaktionen als 99%-Zustimmung uminterpretiert, die aber durch irgendeine Ungerechtigkeit des Satans nicht zählte.

Der Abendblatt-Chef Lars Haider ließ sogar wissen wie sehr man sich nun für Hamburg schämen müsse. Es sei eine Blamage. (…..)

Ein Top-Deal, den Scholz mit Merkel eingegangen war. Er unterstützt ihren Wunsch den G20 in der schönsten Großstadt Deutschlands anzuhalten und dafür unterstützt sie seine Olympiabewerbung.
Das nennt man im Hamburger Koofmich-Deutsch „mit Zitronen gehandelt“.

Angesichts der Schreckensbilder der letzten 48 Stunden aus Hamburg, darf man heute doppelt froh sein, daß bei dem NOlympia-Referendum ausnahmsweise mal etwas richtig entschieden wurde. 


 


Gewaltchaos in Hamburg, oder wie es der Bürgermeister und Merkels Regierungssprecher vorher ausdrückten:

[…..] [Olaf Scholz] sagte im Juli („Tagesspiegel am Sonntag“): „Seien Sie unbesorgt: Wir können die Sicherheit garantieren.“ Die Polizei sei sehr gut vorbereitet und werde mit fast 20.000 Kräften für einen geregelten Ablauf des Gipfels sorgen. „Wir werden Gewalttaten und unfriedliche Kundgebungsverläufe unterbinden.“
... sagte im Juni: „Wir richten ja auch jährlich den Hafengeburtstag aus. Es wird Leute geben, die sich am 9. Juli wundern werden, dass der Gipfel schon vorbei ist.“
... sagte im Juni zu Hamburg als Standort: „Es geht gar nicht woanders.“
... sagte im Juni: „Tatsächlich glaube ich, dass das eine große Sache ist für unsere Stadt.“ [….]
 Regierungssprecher Steffen Seibert
... sagte im Februar: „Wir wollen natürlich, dass das Leben in der Stadt an beiden Tagen so normal wie möglich bleibt.“
... sagte im Juni 2016: Das Gelände erfülle alle „logistischen und sicherheitstechnischen Anforderungen“ für ein solches Treffen.
[….] Hamburgs Innensenator Andy Grote
... sagte im Mai über friedliche Proteste: „Es ist eine Chance, dass die Regierungschefs mit einem autokratischen, populistischen Background mitkriegen, wie eine lebendige demokratische Gesellschaft funktioniert und wie intensiv auch die Auseinandersetzung ist. Eigentlich muss das ein Stück der Hamburger Gipfelkultur sein.“ Er gehe davon aus, dass der allergrößte Teil der Protestaktionen friedlich sein werde. „Im Prinzip ist das ein Festival der Demokratie.“ Er rechne nur ganz vereinzelt mit Problemen.
... sagte im Mai: „Der G20-Gipfel wird auch ein Schaufenster moderner Polizeiarbeit sein.“
[….] Grünen-Innenpolitikerin Irene Mihalic sagte im Juli („Frankfurter Rundschau“): „Das ist alles von vorne bis hinten nicht durchdacht. Und man kann nur hoffen, dass die Situation am Wochenende nicht entgleitet.“ [….]


Unverständlich ist mir insbesondere mal wieder die große allgemeine Überraschung der Verantwortlichen.

Seit einigen Jahren fanden G20-, G7, EU- oder NATO-Gipfel in sehr abgelegenen Orten oder totalitären Städten statt.
Lange gab es für Europas Linksautonome keine Gelegenheit mehr überhaupt an die Mächtigen heran zu kommen.
Auf so etwas wie Hamburg hatten sie nur gewartet.

Und wer könnte im Ernst bestreiten, daß Typen wie Herr Xi, der jährlich an die 10.000 Menschen hinrichten läßt und freien Journalismus blockiert, wie die Saudi-Herrscher in ihrer abstrusen Luxus-Sucht, die ebenfalls jedes Jahr Hunderte hinrichten lassen, untreue Frauen steinigen und Schwule köpfen, daß Typen wie Trump, Putin oder das besondere Schätzchen Erdoğan, daß diese Typen, die in der Tat für die Ungerechtigkeiten in der Welt, den Hunger in Afrika verantwortlich sind, die Krisen der Welt mit Waffenexporten und Kampfeinsätzen anheizen,…, ja wer könnte bestreiten, daß sie Proteste verdienen?

Ich bin nicht gegen Gipfel und da Trump, Xi und Erdoğan nun einmal die starken Männer sind, muß man auch mit ihnen reden.
Treffen müssen irgendwo stattfinden. Aber natürlich kann in dieser superkurzen Zeit – 48 Stunden für 10.000 Gesprächspartner – nichts Sinnvolles daraus resultieren.

Olaf Scholz ist heute ernsthaft betroffen, Merkel plant bereits öffentliche Gelder einzusetzen, um den G20-Opfern finanziell zu helfen.

Das erbärmlichste Bild gaben wieder einmal die Grünen mit ihrer CDU-affinen Bürgermeisterin Fegebank ab.

Es ist schon peinlich genug – wenn auch nach der Grünen Genehmigung von Europas größter CO2-Dreckschleuder Moorburg und dem Einsatz für die Olympischen Spiele bereits bekannt – daß Grünen Bürgerrechte und Umwelt vollkommen gleichgültig sind.
Sie sind reine machtverliebte Polit-Wurmfortsätze, denen Moral nichts mehr bedeutet.
Noch peinlicher ist aber, daß die Grünen während zwei Jahren der G20-Vorbereitung kein kritisches Wort sagten und auch die ersten 48-Gipfelstunden kein Wort über ihre Lippen brachten.
Erst als schon Straßenzüge in Flammen standen und klar war, daß die weitüberwiegende Mehrheit der Hamburger das G20-Spektakel ablehnten, kippten auch die drei Senatoren um.
Fegebank, die prunkverliebte Chefgrüne im Senat, ließ mitteilen, sie werden nun ihrerseits klare Kante zeigen und nicht zum festlichen G20-Konzert in der Elbphilharmonie gehen!

[…..] Die massiven Ausschreitungen beim G20-Gipfel bringen jetzt auch den Senat in Bedrängnis. Bei den Grünen gibt es schon eine erste Distanzierung vom Gipfel! Die zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank postete auf Facebook: „Der G20-Gipfel ist so groß, dass er selbst in eine Großstadt wie Hamburg nicht mehr passt.“ Da sei sie einer Meinung mit ihren Parteikollegen Justizsenator Til Steffen und Umweltsenator Jens Kerstan.
Fegebank weiter: „Das bewahrheitet sich jetzt, und wir verstehen, wie viele Hamburger genervt, wütend und auch erschrocken von den Ereignissen sind.  Wir wünschen uns breiten Protest gegen Putin, Erdogan, Trump & Co.– und genauso breiten Protest gegen diejenigen, die nur nach Hamburg kommen, um zu verletzen und zu zerstören.“ […..]

Ach was? Daß Trump, Putin, Xi und Erdoğan keine philanthropischen Politikonkel sind, mit denen man nett beim Mate-Tee die Ungerechtigkeiten der Welt beseitigt, fällt ihr jetzt auf?



Hamburger Grüne eben. Bitte beim nächsten mal nicht wiederwählen.