Samstag, 8. Oktober 2016

Zum Mitschämen?



Die Hamburger Morgenpost erscheint heute unter der Überschrift „Hamburg schämt sich fremd“ mit einem ganzseitigen Nacktbild von  Ronald Schill, der in der RTL-Kuppelshow „Adam such Eva“ seine Nudel in die Kamera hält und 30 Jahre jüngere Frauen befummelt.

Für Menschen, die eine RTL-Reality-Show mit Nackten sehen, ist das Auftreten Ronald Schills keine Überraschung; er hatte schon zuvor stolz seine Penis in Reality-Shows vorgezeigt.

Noch vor dem ersten Kontakt zu den anderen Bewohnern haut Schill dann auch schon einen raus: „Die Merkmale einer Traumfrau – es sind nur vier. Erstens: Sie hat immer Lust auf Sex. Zweitens: Sie liebt Fellatio. Drittens: Sie kann ein Stöhnen/Schreien beim Sex nicht unterdrücken. Und viertens: Sie gibt dem Mann das Gefühl, dass sie gerade auf ihn besonders abfährt.“ [….]


Die Mopo spricht über den „gnadenlos peinlichen Auftritt“ des früheren Hamburger Bürgermeisters, als ob es eine totale Überraschung wäre; fühlt mit seinen früheren Wählern mit.

Mit baumelnder Skandalnudel schreitet er den Strand entlang, hochbeinig, die Schultern straff zurückgezogen, den Kopf seltsam vorgereckt. Das Gesicht scheint immer echsenartiger zu werden.
Was haben die Damen der Hamburger High Society für ihn geschwärmt, 2001, als der Richter so schneidig ins Rathaus einzog. Ob die jetzt in ihrer Blankeneser Villa sitzen und zugucken? Heimlich, damit der Gatte nicht meckert ("Du hast damals gesagt, dass wir dem spenden sollen! Das war deine Idee!"). [….]

Nein, man muß sich nicht für Schill schämen.
Ronald Schill war schon vor 2001 genauso schrill, genauso unwählbar und politisch sogar noch schlimmer, weil er damals rechtsextrem plapperte, während er heute nur ein erbärmlicher Sexist ist.

Wer sich schämen sollte, sind die 19,1%-Schill-Wähler von 2001, die SPRINGER-Presse, die ihn auf den Schild hob und insbesondere Ole von Beust, der aus purer Machtgeilheit so eine grauenvolle Flitzpiepe zum Bürgermeister der ehrwürdigen alten Hansestadt Hamburg machte.


Ich schäme mich auch nicht mit für das neue Sextape Donald Trumps, der 2005 darüber fabulierte, wie er Frauen sexuell belästigt.




Schämen müssen sich in diesem Fall die Republikanische Partei, die Trump zu ihrem Kandidaten gemacht haben und die Medien, die ihn mit einer nie dagewesenen kostenlosen Aufmerksamkeitskampagne beinahe bis ins Weiße Haus geschoben haben.

Jetzt ist es ihnen auf einmal peinlich, jetzt, gerade mal einen Monat vor der Wahl sprechen sie sich alle für Hillary Clinton aus.


Too litte, too late.

Und noch immer lassen die TV-Anstalten Trumps Bewunderer rund um die Uhr auftreten und für ihn werben.


Trump, der nicht nur so über Frauen redet, sondern sie auch so behandelt, ist für seine Surrogates immer noch der ideale Präsident, wegen….. weil…. Äh, wegen…., ach ja: BENGHAZI!

Scottie Nell Hughes tried to spin to blaming Hillary Clinton for Benghazi instead of talking about Trump’s words and the way he has historically treated women.

Es bleibt an den wenigen ohnehin Trump-kritischen Republikanern wie Ana Navarro, massiv zu fordern, daß er sofort aus dem Rennen aussteigen sollte, weil es eben keine neue Erkenntnis ist, wie Trump 2005 redete, sondern weil er immer so redet.
Die unfassbar dämliche Kayleigh McEnany beruft sich darauf eine gute Christin zu sein und Gott vergebe schließlich alles. Also ist Trump reingewaschen.


Nein, es ist nicht die Zeit für Scham; es ist Zeit für alle auch nur halbwegs zurechnungsfähigen Köpfe Amerikas ihre Mitbürger zur Raison zu bringen und den irren Trump, wenn schon nicht aus dem Rennen zu nehmen, so doch wenigstens nicht zu wählen.





Freitag, 7. Oktober 2016

US-Update



Heute entspann sich in meinem Zeitungskiosk ein kleiner Disput über die Wahlen in Amerika.
Bei solchen Gelegenheiten haue ich meine Ansichten immer gern möglichst zugespitzt auf den Tisch, weil ich es hochinteressant finde wie „normale Menschen“ über die politische Welt denken.

Eigentlich weiß man eher wie seine Freunde und Bekannten denken und das ist natürlich nicht repräsentativ, weil glühende Seehofer-Fans oder AfD-Wähler auch nicht meine Freunde werden.

Meine heutige Beobachtung unter einer zufälligen Ansammlung von Hamburgern: Obama ist immer noch über alle Maßen beliebt und offenbar wünschen sich alle eine US-Präsidentin Clinton.

US-Präsidentschaftswahlen: Klare Präferenzen und Erwartungen der Deutschen
Weiterhin sehr einhellig wünschen sich 87 Prozent aller Befragten Hillary Clinton als nächste US-Präsidentin, Donald Trump wollen nur 5 Prozent. Einen Wahlsieg Clintons erwarten 72 Prozent, 17 Prozent setzen da auf Trump.

Bemerkenswert war aber, daß die Leute hier Hillary Clinton scheinbar richtig mögen, sie für kompetent und fähig halten.
Es wird positiv argumentiert.

Das ist der große Unterschied zur Stimmung in Amerika, wo Hillary Clinton von der Hälfte der Bevölkerung leidenschaftlich gehasst wird, von 2/3 als zutiefst unehrlich angesehen wird.
Warum eigentlich?
Was hat sie eigentlich verbrochen?
Wurde sie dabei erwischt silberne Löffel im Weißen Haus mitgehen zu lassen?
Hat sie die Botenjungen im Außenministerium zum Cunnilingus gezwungen?

In Amerika argumentieren die Wohlmeinenden negativ:
Vergiss Hillary; die muß man eben für vier Jahre im Oval Office ertragen, wenn man Schlimmeres verhindern will.
Und darum kreißt doch alles: Donald Trump ist das Allerschlimmste.
Da hätte man lieber einen netten Serienmörder oder Bankräuber als US-Präsident.

Das ist Hillary Clintons Glück; sie hat das Totschlagargument „Trump“ auf ihrer Seite.

Die Rolle als ultimativer Buhman spielt er allerdings bemerkenswert gut.

Offener Rassismus, manisches Dauerlügen, schwerste Beleidigung von Frauen, öffentliches Lustigmachen über Behinderte und immer wieder beeindruckende Beweise seiner radikalen Inkompetenz und seines sagenhaften Unwissens.

Innerhalb einer Woche legte Trump jetzt so viel „Ich-bin-unwählbar“-Material auf die Waagschale, daß es reichen sollte 100 GOP-Präsidentschaftskandidaten die Wahlchancen zu versauen.

Clinton sei nicht fähig, schlechte Handelsabkommen zu bekämpfen oder dem russischen Präsidenten Wladimir Putin Paroli zu bieten, denn "sie kann nicht mal die 15 Fuß (gut 4,50 Meter) zu ihrem Auto schaffen", sagte Trump am Samstag vor Tausenden Zuschauern in Manheim (US-Staat Pennsylvania).
Er imitierte dann Clinton, indem er zu schwanken begann und seine Arme bewegte, als wäre er dabei, sein Gleichgewicht zu verlieren. Er bewegte sich sogar scheinbar unsicher auf den Beinen vom Mikrofon weg und sagte: "Leute, wir brauchen Stehvermögen. Wir brauchen Energie."
In seiner Rede schrieb er sich nach Angaben der "Washington Post" auch ein "gewinnendes Temperament" zu, während Clintons "schlecht sei. Trump fügte dann hinzu: "Sie könnte verrückt sein. Sie könnte wirklich verrückt sein." [….]

Man muß schon extrem tief gesunken sein, um sich so über jemand mit Lungenentzündung lustig zu machen.


Äußerst beeindruckend auch, was das angebliche Finanzgenie Trump mit einer Casino-Lizenz erreichte; üblicherweise ist das die Erlaubnis Geld zu drucken. Mit einer Casino-Lizenz wird auch ein Schimpanse Multimillionär.
Trump hingegen schaffte es damit fast eine Milliarde Dollar zu verlieren und in Folge dessen fast 20 Jahre keinen einzigen Cent Steuern mehr zu bezahlen.

Donald J. Trump declared a $916 million loss on his 1995 income tax returns, a tax deduction so substantial it could have allowed him to legally avoid paying any federal income taxes for up to 18 years, records obtained by The New York Times show. [….]

Das freut die Bluecollar-Worker sicherlich, daß nur sie so doof waren Steuern zu zahlen und nun für einen Multimilliardär stimmen sollen, der seit zwei Jahrzehnten keine Steuern zahlt und nun dazu aufruft die Steuern für Multimillionäre radikal zu senken und dafür den einfachen Leuten die Krankenversicherung zu streichen.

Es ist schwierig genaueres über Trumps Steuermachenschaften zu erfahren, da er so ein pathologischer Lügner ist, daß selbst seine eigenen Anwälte das Sechsaugenprinzip einführen mußten.

Trump’s own bankruptcy lawyers say he lies so much they could only meet with him in pairs
[….] Donald Trump’s own bankruptcy lawyers testified that they had a policy of not meeting with the real estate mogul alone because he had a “problem” of constantly lying. [….] In one document, bankruptcy attorney George Miller reveals that when meeting with Trump, “it’s always been our practice to make sure that two people are present, and we don’t have a problem with people lying.”
[….] “We tried to [meet in pairs] with Donald always if we could because Donald says certain things and then has a lack of memory,” he says in the deposition. [….]

Trump ist auch noch stolz drauf und verkündet bei der Gelegenheit auch noch, er glaube nicht, daß Hillary ihm Mann treu sei – and why should she be?


Beeindruckend, daß ein alter Lustmolch, der selbst das dritte Mal verheiratet ist, und immer wieder Andeutungen darüber macht wie sexy er seine eigene Tochter findet, sich über den angeblichen Ehebruchs Clintons amüsiert.

Der vorbildliche Christ und Vorzeige-Ehemann Donald Trump rühmt sich selbst im Büro mit Playboy-Titelbildern und spielte 2000 sogar in einem Softporno mit.

"Playboy Video Centerfold: Playmate 2000 Bernaola Twins" heißt der Film, der seit seiner Produktion vor rund 16 Jahren auch in der weltgrößten Bewegtbild-Datenbank von IMDB zu finden ist. Dass der Softporno den umtriebigen Multimilliardär im US-Präsidentschaftswahlkampf in Schwierigkeiten bringen wird, ist unwahrscheinlich - dazu hat sich Trump schon ganz andere Dinge geleistet, die ihm auch nicht geschadet haben. [….]

Das ist also der Kandidat auf den die stramm religiösen Moralinsauren Amerikas setzen.


Nicht daß Mitwirkung in Softpornos etwas über die präsentiellen Fähigkeiten aussagt, aber es zeigt schon ein erstaunliches Maß an Doppelmoral, daß sich die religiösen Rechten hinter den mehrfach geschiedenen Pornomann stellen, statt die Frau mit der erfolgreichen Ehe zu unterstützen.

Wesentlich schlimmer ist hingegen, daß Trump nun auch noch der aktiven Bestechung überführt ist.
Er bestach Richter und Staatsanwälte, wenn sie gegen ihn ermittelten. Offenbar mit Erfolg.

Wie das "Wall Street Journal" (WSJ) berichtet, soll der republikanische Präsidentschaftsanwärter in den vergangenen Jahrzehnten mehrfach Spenden an Generalstaatsanwälte gezahlt haben. Das ist insofern besonders brisant, da laut der Zeitung gehäuft dann politische Spenden Trumps geflossen sein sollen, wenn sich die Justizvertreter mit Entscheidungen befassten, die seine Unternehmen direkt betrafen.
In den USA werden Generalstaatsanwälte anders als hierzulande nicht ernannt, sondern in ihr Amt gewählt. Das heißt: Auch sie führen Wahlkampf und brauchen dafür Spenden. Die Aufzeichnungen des WSJ sollen nun zeigen, dass Trump selbst sowie Mitglieder seiner Familie und seines engen Umfelds immer wieder Staatsanwälte aus Kalifornien, Florida und vor allem New York finanziell unterstützt haben. Zu Teilen bezieht sich das Blatt dabei auf Vorgänge aus den 80er Jahren, doch auch aktuelle Fälle sorgen für Aufsehen.
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Erst vor kurzem war bekannt geworden, dass Trump Floridas Staatsanwältin Pam Bondi in ihrem Wahlkampf 2013 über seine Stiftung mit 25.000 Dollar unterstützt hatte. Ob es Zufall war, dass sich Bondi damals entscheiden musste, ob sich der Bundesstaat Florida an den Ermittlungen wegen Betrugs gegen die Trump-Universität beteiligte? Sie entschied sich jedenfalls letztlich dagegen. [….]
(NTV 06.101.2016)

Die hier geschilderten Dinge betreffen nur eine Woche Trump.
Der Mann disqualifiziert sich jeden Tag dramatischer.

Welche Rolle spielen da die Fähigkeiten und der Charakter der Gegenkandidatin?
Verglichen mit dem GOPer wären auch Verona Pooth oder Lothar Matthäus brillante US-Präsidenten.

Donnerstag, 6. Oktober 2016

Reisewarnungen.



In meinem Bekanntenkreis gibt es zwei exzessive Reiser, die quasi andauernd durch die Welt fliegen.
Die kennen sich nicht, sind unterschiedlich alt und dennoch schwören beide, der Jemen sei mit Abstand das interessanteste Reiseland weltweit.

Angesichts des Alters der Kultur glaube ich das auch sofort.

Minäer und Sabäer errichteten schon vor 4.000 Jahren eine Hochkultur auf dem Gebiet des heutigen Jemen; etablierten die weltweit wichtigsten Handelsrouten.
Die über Jahrtausende begehrtesten Güter wie Edelsteine, Gewürze, Weihrauch und Myrrhe stammten aus dem Jemen oder wurden dort gehandelt. Vor 3.000 Jahren wurden dort Bewässerungssysteme errichtet, die effektiver waren als alles was wir dort heute kennen.
„Die Königin von Saba“ ging auch in unseren abendländischen kulturellen Horizont ein.
Die Römer bewunderten das jemenitische Himyar-Reich, versuchten immer wieder deren unermessliche Reichtümer zu erobern, scheiterten aber an den genialen Technikern im „glücklichen Arabien“.

Unfassbar, aber im heutigen Jemen existierten schon 2.500 Jahre Hochkultur, bevor der Islam erfunden wurde. In Deutschland saßen die tumben Germanen damals buchstäblich noch auf den Bäumen, lebten von Dreck und Aas, schlugen sich gegenseitig Keulen auf den Kopf.

Seit zwei Jahren empfiehlt es sich allerdings nicht mehr in den Jemen zu reisen, weil unser geliebter Handelspartner Saudi-Arabien das Land mit den von uns gelieferten Waffen zu Klump schießt.

[….] Ein Jahr lang zerbomben modernste Kampfjets von Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten nun schon das arme Land Jemen an der Südspitze der Arabischen Halbinsel – ein Krieg, der ein humanitäres, militärisches und strategisches Desaster angerichtet hat. [….] Allein in der Hauptstadt Sanaa wurden 250.000 Menschen ausgebombt. Denn die saudische Luftaufklärung ist schwach und ungenau, die Kampfpiloten unerfahren und skrupellos. Aus Angst vor Abwehrraketen fliegen sie extrem hoch, so dass sie ihre militärischen Ziele meist verfehlen und stattdessen Krankenhäuser und Schulen, Moscheen und Flughäfen, Fabriken und Marktplätze sowie Hochzeitsgesellschaften und Privathäuser in die Luft jagen. [….]

Blöd an den Kriegen sind für das Riader Königshaus weniger der internationale Ansehensverlust oder gar die Myriaden Toten und Verletzten.

Insgesamt versuchen sich nach UNHCR-Angaben rund 2,4 Millionen Flüchtlinge innerhalb der Landesgrenzen vor den Kriegswirren in Sicherheit zu bringen. Über 8000 Menschen sind durch den Krieg bereits gestorben.

Wenn man über den Jemen als Reiseland spricht, ist schnell die Rede von der Todesstrafe für Homosexualität.
Dabei handelt es sich um eine sehr neue Entwicklung.
Über Jahrtausende gab es keine Probleme mit Schwulen im Jemen und auch in den islamischen Kalifaten herrschte die längste Zeit Toleranz – während in Europa das finstere Mittelalter willkürlich Menschen schon bei leisen Verdächtigungen auf den Scheiterhaufen beförderte.

Zum Glück gibt's den Islam
 […]  Das echte "finstere Mittelalter" Europas lag etwa zwischen dem vierten und dem achten Jahrhundert nach Christus. Damals hatte das Christentum sich in weiten Teilen Europas verbreitet, und seine Verfechter und Verteidiger begannen mit etwas, das man heute eher mit den Taliban assoziieren würde als mit dem christlichen Abendland: der systematischen Vernichtung von Kulturgütern.
Christliche Herrscher und Kirchenführer sorgten beispielsweise dafür, dass in West- und Osteuropa massenweise Bücher verbrannt wurden, ganze Bibliotheken opferte man der höheren Ehre Gottes. Alles Wissen jenseits der Bibel und theologischer Abhandlungen galt als gefährlich, weil es den Glauben hätte in Frage stellen können. Viele Schriften griechischer Philosophen und Dramatiker, natur- und geisteswissenschaftliche Abhandlungen konnten nur überleben, weil Gelehrte in den Osten flohen, Wissen und Bücher mitnahmen. "Über diese verschlungenen Pfade sollten also Araber Aristoteles und all die Schätze der griechischen Wissenschaft erben", schreibt Peter Watson in seiner grandiosen Welt-Kulturgeschichte "Ideen".
Aristoteles' Dialektik etwa sei im christlichen Denken geächtet worden, "weil ein Dialog mit Gott schlicht als unvorstellbar empfunden wurde". So kam es, "dass Aristoteles' Werke - mit Ausnahme von zwei seiner Abhandlungen über die Logik - aus dem Abendland verschwanden und uns nur erhalten blieben, weil sie von arabischen Übersetzern gehortet wurden". Andere Werke verschwanden vollständig. Sophokles etwa hat wohl mindestens 123 Dramen geschrieben - ganz erhalten sind gerade einmal sieben davon, ebenso wenige von Aischylos.
Die christlichen Kulturvernichter leisteten ganze Arbeit, auch später noch einmal, als im Zuge des byzantinischen Bilderstreits im achten und neunten Jahrhundert massenweise Kunstwerke zerstört wurden, weil die aktuelle religiöse Doktrin sie als Götzenbilder verdammte. […] Hätten Araber und Perser nicht viele antike Schriften gerettet, noch weit mehr von der Geistesgeschichte des Abendlandes wäre verlorengegangen. Zu unserem Glück flossen die Ideen und das Wissen schließlich aus dem arabisch-persischen Raum zurück nach Europa. […] Anders als im christlichen Abendland herrschte in der arabischen Welt damals nämlich vergleichsweise weitgehende religiöse Toleranz. […]
Nichtmuslime standen sogar unter dem Schutz der jeweiligen Herrscher, solange sie sich an bestimmte Regeln hielten. […]

Abgesehen davon, daß es mir in Arabien viel zu warm ist, daß ich nicht auf Abenteuer-Urlaub stehe, bei dem man Bomben und Raketen ausweichen muß, daß ich ohnehin Reisen für eine ökologische Katastrophe halte, daß ich überhaupt Misanthrop bin und ohnehin am liebsten meinem Troglodyten-Dasein fröne, könnte ich durchaus in ein Land mit Homotodesstrafe reisen, da ich auch in Deutschland üblicherweise keinen Sex mit Männern habe.

Es ist für mich eher eine grundsätzliche moralische Frage, ob ich Volkswirtschaften mit solchen Gesetzgebungen finanziell unterstützen möchte.

Homohass kommt von uns christlichen Europäern.
Wir trugen ihn insbesondere auch in die afrikanischen Kolonien.
So befinden sich die brutalsten antischwulen Gesetze in Afrika. Homosexualität wird in Afrika schwer bestraft.

Unter den zehn Nationen, die tatsächlich heute noch, bzw wieder die Todesstrafe für schwule Liebe vorsehen, sind vier Afrikanische.

• Jemen – Nach dem Strafrecht aus dem Jahr 1994 können verheiratete Männer gesteinigt werden wegen Homosexualität. Unverheiratete Männer werden ausgepeitscht oder müssen für ein Jahr ins Gefängnis. Frauen müssen sieben Jahre lang ins Gefängnis.

• Iran – Nach Schariarecht Todesstrafe und Männer können z.B für Küssen ausgepeitscht werden, ebenso wie Frauen.

• Irak – Strafrecht verbietet Homosexualität nicht ausdrücklich, aber die Menschen werden von Milizen getötet oder von Richtern unter Bezug auf Schariarecht verurteilt

• Mauretanien – Homosexuelle Männer können gesteinigt werden, nach einem Gesetz von 1984, Frauen kommen ins Gefängnis.

• Nigeria – Homosexualität ist ein Haftgrund, aber in einigen Gegenden gibt es Schariarecht, dort wird die Todesstrafe umgesetzt. Homosexuelle dürfen auch keine Treffen abhalten oder Vereine gründen.

• Katar – Schariarecht, Todesstrafe für außerehelichen Sex, egal welcher sexuellen Orientierung

• Saudi Arabien – Homosexuelle werden nach Schariarecht gesteinigt. Jeder Sex außerhalb der Ehe ist illegal.

• Somalia – Strafrecht fordert Gefängnis, aber in einigen Gegenden gibt es Schariarecht, dort gilt die Todesstrafe

• Sudan – Nach dreimaligem Verstoß Todesstrafe, beim ersten und zweiten Mal auspeitschen und Gefängnis. Im Süden des Landes wurden etwas gelockerte Gesetze erlassen.

• Vereinigte Arabische Emirate – Uneinigkeit ob das Gesetz Todesstrafe vorschreibt für einvernehmlichen homosexuellen Sex oder nur bei Vergewaltigung. Nach AI keine Todesstrafen, aber alle sexuellen Akte außerhalb der Ehe sind verboten.

Die mehrheitlich von US-amerikanischen Evangelikalen aufgehetzten stramm christlichen Schwulenhasser sind inzwischen Legende, weil sie so unfreiwillig komisch agieren – natürlich kann man das nur aus sicherer Entfernung „komisch“ finden.

Vermutlich reisen durchaus auch Schwule in die zehn genannten Länder. Man wird es dann nicht gerade an die große Glocke hängen und auf offener Straße beginnen mit anderen Männern zu kopulieren.

Schlecht verbergen könnte ich allerdings durch meine öffentlichen Äußerungen und meine Blogs was ich über Religionen denke.
Nennen wir das Kind beim Namen: Ich bin nicht gerade der Bilderbuch-Gläubige.
Und was noch schlimmer ist, ich bin bekennender Atheist, rufe sogar andere dazu auf sich ebenfalls von ihren Religionen zu lösen.

Ich mag nur ein winziges Licht sein, aber doch bin ich ein „atheistischer Blogger“. Und die haben es bekanntlich in vielen Ländern nicht gerade einfach.

Raif Badawi könnte möglicherweise morgen den Friedensnobelpreis verliehen bekommen und damit eine Art Lebensversicherung erlangen.
Anderenfalls ist keineswegs sicher, daß er die zehn Jahre Zuchthaus und 1.000 Peitschenhiebe überlebt.

Atheisten, die dies auch noch öffentlich zugeben, sich „dazu bekennen“, wie zu einer schweren Sünde, leben in vielen Ländern extrem gefährlich.
Zum Beispiel in Bangladesh.

    Für Atheisten ist die Lage in Bangladesch sehr beängstigend. In den letzten vier Jahren wurden dreizehn säkulare Aktivisten in Bangladesch ermordet. Nazimuddin Samad ist das jüngste Opfer.
    Neulich habe ich erfahren, dass eine Aktivist und Blogger mit seinen beiden Kindern von Hotel zu Hotel zieht, um sich zu verstecken. Er bekam Todesdrohungen und Drohungen, dass seine Kinder entführt würden. Faisal Arefin Dipan, der säkulare Bücher verlegte, wurde am 2. November erstochen. Am selben Tag stürmten Angreifer einen weiteren Verlag und bedrohten zwei Männer mit ihren Waffen, während andere den Verleger Ahmed Rahim Tutul und die Autoren Ranadeep Basu und Tareque Rahim attackierten.
    Ein weiterer, 73 Jahre alter Verleger wurde am 16. Februar wegen "des Verletzens religiöser Gefühle" verhaftet, weil er ein Buch veröffentlicht hatte, das Islamisten für beleidigend hielten und deshalb mit gewaltsamen Gegenreaktionen drohten. Ich denke Sie verstehen: für Atheisten und Freidenker sind nicht nur die Islamisten eine Bedrohung, sondern auch die Regierung. [….]

Peter Scholl-Latour schrieb immer wieder über seine blendenden Kontakte in die muslimische Welt, daß er dort als Christ wesentlich besser akzeptiert werde, als jemand der gar nicht glaubt.
Ungläubige sind der absolute Abschaum, die man aus Sicht vieler Religiöser nicht nur totschlagen kann, sondern auch soll.

Als atheistischer Blogger ist die Liste der „No-Go-Reiseländer“ länger als die für Schwule.

[….] In thirteen countries, you can be sentenced to death for not having a faith:

1. Afghanistan
2. Iran
3. Malaysia
4. Maldives
5. Mauritania
6. Nigeria
7. Pakistan
8. Qatar
9. Saudi Arabia
10. Somalia
11. Sudan
12. United Arab Emirates
13. Yemen

In a number of other countries, the death penalty is not a formal punishment on statute books but atheists and humanists have been murdered by religious extremists on account of their beliefs.
In countries including India and Bangladesh, police have been accused of condoning these murders by failing to investigate them properly. At least three atheist bloggers have been hacked to death in Bangladesh after penning posts advocating that scientific proof should inform opinion above religious beliefs. [….]

Wenn doch bloß diese widerliche religiöse Infektion der Erde geheilt werden könnte….