Mittwoch, 28. Oktober 2015

255 + 192 Teil VI



Das muß einen Psychopathen wie Horst Seehofer auf die Palme bringen.
Eine Protestantin aus dem Osten gibt die Richtung vor und ignoriert alle Drohungen aus Deutsch-Südost.
Nach den beiden bayerischen Super-Rohrkrepierern Herdprämie und Anti-Ausländermaut, sowie einer ganzen Kaskade völlig substanzloser Drohungen wider Merkel nimmt ihn jetzt niemand mehr ernst.
Die CSU wußte schon weswegen sie 1949 dem Grundgesetz die Zustimmung verweigerte.
Und dann noch dieses Österreich nebenan.
Allein schon das prächtige und geschichtsträchtige Wien, neben dem München als Bierprovinz oder „Hauptstadt der Bewegung“ verblasst.
Es ist alles so ungerecht.
Bayern ist kaum kleiner als Österreich (71.000 km2 zu 84.000 km2), hat sogar gute vier Millionen Einwohner mehr (12,7 Mio zu 8,6 Mio) und muß sich dennoch als föderales Bundesland Berlin unterordnen; kann keine Außenpolitik betreiben.
Österreich hingegen hat einen eigenen Bundeskanzler, einen eigenen Bundespräsidenten und ist in EU, UNO und FIFA als souveräner Staat Mitglied. Die haben sogar ein eigenes Bundesheer. Und Seehofer hat nichts. UN-GE-RECHT.
Da muß den Bayern ja die Hutschnur platzen.
Nach seinen Pöbelattacken gegen Angela Merkel nahm er gestern mit Werner Faymann gleich den zweiten Bundeskanzler ins Visier.
Merkels Reaktion machte es nur noch schlimmer, da sie ihm nicht den Gefallen tat auszurasten, sondern seine Drohungen weitgehend abtropfen ließ.

Merkel behandelt derweil Seehofer wie den hektischen französischen Komiker Louis de Funès: Sie macht ungerührt weiter. Ihre Entgegnung am Dienstag: "Wir können den Schalter nicht mit einem Mal umdrehen." Seehofers Forderung, sie solle umgehend mit Österreichs Kanzler Werner Faymann Kontakt aufnehmen, kontert sie nur lapidar: "Diese Kontakte haben heute schon stattgefunden, die werden morgen stattfinden, übermorgen stattfinden." Und das vermeintliche Ultimatum des Bayern, der Sonntag? Nun, Merkel nannte den 1. November einfach nur einen "interessanten Tag" - weil dann in der Türkei gewählt werde.

Schließlich auch noch die mediale Demütigung: Niemand will sich so richtig auf die Seite der CSU stellen. Noch nicht einmal die ganz konservative Presse.

"An der Politik der offenen Grenzen wollen weder Berlin noch Wien derzeit rütteln. Da kann der ohnehin geschwächte bayerische Löwe in München so laut brüllen wie er mag", kommentiert Hans-Peter Siebenhaar vom "Handelsblatt". Österreichs sozialdemokratischer Bundeskanzler Werner Faymann sei enger Verbündeter von Merkel in der Flüchtlingspolitik. Des Weiteren hätte die Polemik auch keine sachliche Begründung. Österreich nehme proportional mehr Flüchtlinge auf als jedes andere EU-Land.

Nicht ernst genommen zu werden, ist die sicherste Methode, um Crazy Horst noch mehr eskalieren zu lassen – zumal die CSU beim Thema Flüchtlinge selbst für ihre eigenen Verhältnisse immer besonders schrill auftritt.


Es gibt Dinge auf der Welt, die niemand braucht.
Dazu gehört in unserem politischen System die CSU.
Die Bayerische CDU-Schwester ist sowas wie ein zur Monstrosität aufgeblasener Appendix. Die CSU neigt zur Selbstentzündung (Appendizitis) und verbreitet dann höllenmäßig heiße Luft (Dobrindtizitis). Die einzige Therapie dagegen ist die Ektomie, die Appendektomie, also die bundespolitische Seehofektomie.
Wie der Name Blinddarm schon sagt, handelt es sich um eine Abzweigung des Dickdarms, die als Sackgasse endet.
Also einen Sack voll Scheiße. Wenn man ihn nicht rechtzeitig rausschneidet, kann es übel enden; nämlich mit einem Blinddarmdurchbruch (Morbus Seehoferus), der sich in grotesken Verbaleruptionen zeigt.
Das entspannt zwar SCHEINBAR zunächst die Lage, wird dann aber ganz ekelig.

So sieht ganz nüchtern betrachtet, die Ausgangslage aus.
Es kommt aber erschwerend hinzu, daß Seehofer immer mal wieder psychotische Schübe erleidet und dann vollkommen wahllos die gesamte Bundespolitik talibanisiert.

Heute nun nahm sich der CSU-Berserker ein Beispiel an Kim Jong UN und drohte offenbar seine drei Politstars – die drei Stützen des Bundeskabinetts – aus Berlin abzuziehen.

Kim Jong-un ist sauer. Dem nordkoreanischen Diktator ist zu Ohren gekommen, dass der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer gegenüber Angela Merkel ultimative Forderungen bezüglich der Flüchtlingskrise stellt. Nun sorgt er sich um sein politisches Alleinstellungsmerkmal und verurteilt den bayerischen Landesvater scharf.
In einer Videoansprache richtet sich Kim Jong-un unmittelbar an Seehofer: "Nur der größte und mächtigste aller politischen Führer darf sich herausnehmen, ultimative Drohungen auszusprechen. Wenn Sie nicht bis spätestens morgen Mittag damit aufgehört haben, ultimative Drohungen gegenüber Ihnen weit überlegenen Mächten auszusprechen, werden Sie es bereuen!" [….]

Die Bundesregierung ohne die Blitzbirnen Gerd Müller, Christian Schmidt und Alexander Dobrindt??
Da kann man Deutschland ja gleich zu machen und abwickeln!

Der CSU-Vorsitzende und bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer erwägt den Rückzug der drei CSU-Minister […] aus dem Bundeskabinett.
Das berichtet die "Bild"-Zeitung unter Berufung auf „enge Vertraute“ Seehofers. Dieser mögliche Schritt gilt in CSU-Parteikreisen als höchste Eskalationsstufe und „Ultima Ratio“ für den Fall, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel weiterhin nicht bereit ist, ihre Politik der offenen Grenzen zu korrigieren.
Seehofer prüft nach Informationen der "Bild"-Zeitung einen entsprechenden Beschluss auf der Sitzung des CSU-Parteivorstands am kommenden Montag. „Wir können es nicht zulassen, dass die CDU uns weiter in den Abgrund zieht“, begründete ein CSU-Bundesvorstandsmitglied die Pläne gegenüber der Zeitung.
Seehofer hatte am Dienstag in der „Passauer Neuen Presse“ Notwehrmaßnahmen angekündigt, wenn Merkel im Konflikt um die Begrenzung der Zuwanderung bis Allerheiligen nicht einlenkt, aber offen gelassen, wie die CSU konkret reagieren könnte. [….]

Immerhin Gerda Hasselfeldt fiel inzwischen ein, was ich seit zwei Jahren in diesem Blog predige – die CSU ist in der GroKo auch rechnerisch völlig überflüssig. Der Auszug der CSU würden CDU und SPD das Leben erheblich erleichtern.
Wenn Seehofer seine Gaga-Partei freiwillig abzöge, wäre das eine Win-Win-Situation für Deutschland.
Man kann ihm also nur von ganzem Herzen Erfolg wünschen.
Für Angela Merkel wäre das wie Geburtstag und Weihnachten am selben Tag.
Dies erkennend gibt sich Hasselfeld große Mühe die Drohkulissen ihres Parteichefs wieder abzuräumen.

[….] Am Mittwoch erregten Meldungen die Gemüter, Seehofer, erbost über den Kurs der Kanzlerin, erwäge, seine Minister aus der Bundesregierung abzuziehen.
[….] Nun war sogleich Gerda Hasselfeldt, die Vorsitzende der CSU-Landesgruppe im Bundestag, zur Stelle.
Aufschlussreich war, dass Hasselfeldt zu einem Gesamt-Dementi ausholte. Den Abzug der CSU-Minister erwäge „niemand“, sagte sie – genauso wenig die Aufkündigung der Fraktionsgemeinschaft mit der CDU im Bundestag. Und Hasselfeldt fügte noch hinzu, beides – Abzug der Minister und Kündigung der Fraktionsgemeinschaft – seien keine „hilfreichen Optionen“. Elegant war damit umschrieben, dass die CSU – strikt numerisch gesehen – in der großen Koalition gar nicht gebraucht wird. CDU und SPD hätten auch ohne die CSU eine ausreichende Mehrheit im Bundestag.  [….]
Und damit war auch die Debatte eröffnet, was denn wirklich hilfreiche Optionen für die CSU sein könnten, wenn die Kanzlerin am Sonntag nach dem Treffen der drei Parteivorsitzenden der Berliner Koalition immer noch das erlösende Wort „Obergrenzen“ verweigert. Seehofer fand dafür ein vielsagende Formel: „Wir für uns wissen immer, wie wir dann weiter vorgehen“, ließ er wissen.
[….] „Die CSU hat Regierungsverantwortung“, sagte Hasselfeldt am Mittwoch – nicht zum ersten Mal nicht ganz auf der Höhe von Seehofers Zeit, der zumindest für die Flüchtlingspolitik gerade keine Verantwortung haben will, jedenfalls nicht bis zum Wochenende. [….]

GROKO mit Merkel, Schäuble, Gröhe und Wanka wäre immer noch übel, aber ohne daß Seehofer seine sinnlosen Phantasien einfließen ließe, wäre es ein wesentlich geringeres Übel. Einen zusätzlichen Ministerposten für die SPD spränge auch raus. Vielleicht also doch noch ein Gesundheitsministerium für Lauterbach?

Der Fairness halber sei hinzugefügt, daß selbst in der CSU nicht alle so irre wie die Führung sind. Tobias Gerauer gab wegen der fremdenfeindlichen Hetze seiner Parteiführung just sein CSU-Parteibuch zurück.

[….] Finanzminister Wolfgang Schäuble schätzt die Stimmung an der CDU/CSU-Basis als "dramatisch" ein. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer sieht gar die Existenz der Union bedroht, wenn die Asylpolitik nicht korrigiert wird. Doch dass in der Zerreißprobe, vor die die Flüchtlingskrise die Partei stellt, eine Kurskorrektur nicht automatisch einen Rechtsruck bedeuten muss, zeigt ein Beispiel aus Tacherting. Dort hat Gemeinderat Tobias Gerauer sein Parteibuch zurückgegeben, weil er es für "brandgefährlich" hält, wie die CSU-Spitze in der Flüchtlingsfrage agiert, wie sie "in rechten Gewässern fischt" und der Partei "das Christliche und das Soziale, das sie im Namen trägt, abhandengekommen ist".
Die CSU biete keine Lösungen an, sondern gieße nur Öl ins Feuer, sagt der Steuerberater. "Es bringt nichts, Zäune oder Transitlager an der Grenze aufzubauen." Dass sich Flüchtlinge nicht durch Zäune aufhalten lassen, habe man in Ungarn gesehen. [….]

Dienstag, 27. Oktober 2015

Bizarre Entwicklungen


Rund um das Jahr 2002 lachte man über „Bushs Pudel“ Tony Blair.
Britische Labor-Wähler rieben sich die Augen, ob der Kriegsbegeisterung ihres Premiers. Wie konnte der sich nur so derartig von der intellektuellen Witzfigur George W. Bush einwickeln lassen?
Wie konnte Blair, die Ikone des „New Labors“, der fast im Alleingang die Fraktion der Progressiven Allianz der Sozialdemokraten im Europäischen Parlament bestückte, sich so extrem gegen Deutschland, Frankreich, Belgien und Russland  - und auch gegen seine eigene Bevölkerung stellen, nur weil Washington das wollte? Wie konnte er sich nur so von seiner aus der USA-Exklusivpartnerschaft gespeisten Eitelkeit leiten lassen?

Ich halte das für eine falsche Deutung.
Anthony „Tony“ Charles Lynton Blair ist in Wahrheit viel intelligenter als Bush und hatte im Jahr 2001 auch schon vier Jahre mehr Erfahrung als Regierungschef als das Greenhorn GWB.
Blair war schon vor seiner politischen Karriere regelmäßig in Frankreich, wo er in intellektuellen Kreisen verkehrte und in geschliffenem Französisch über komplexe Kulturelle Themen diskutierte.
Ganz anders als Bush, der offensichtlich gar keine intellektuelle Ader und keine kulturellen Interessen hat, ist Blairs Horizont recht weit.
Unterschätzt wird auch Blairs Religiosität, die bei ihm echte messianische Ausmaße erreicht. Er ist ein glühender Katholik, der sich schon heimlich im Jahr 2003 von Papst Johannes Paul II segnen ließ, obwohl er als britischer Regierungschef der anglikanischen Kirche angehören mußte. Nach seinem Rücktritt 2007 konvertierte er zum römisch-katholischen Glauben und offenbarte wie außerordentlich streng katholisch er seine vier Kinder erzogen hatte.
GWB hingegen ist als wiedergeborener Christ jemand, der Religion als Methode nutzte, um seine nicht-präsidentielle Vergangenheit als Kokser und Säufer zu vertuschen.
Der Blair’sche Messiaskomplex wird auch in seiner innenpolitischen Tatkraft deutlich. Während GWB gar keine politischen Interessen hatte, lediglich den Lobbyisten nachgab und auch in seiner Partei keine Rolle spielte – schon gar keine konzeptionelle – warf Blair schon mit seinem Amtsantritt als Parteivorsitzender 1994 mit gerade mal 41 Jahren die Programmatik völlig um.
Noch heftiger wirkte sich sein Tatendrang als Regierungschef (1997-2007) aus.
 Gegen die Bush's poodle–Theorie spricht auch, daß Blair gleich nach seiner Demission als Premierminister im Juni 2007 zum Sondergesandten des Nahost-Quartetts ernannt wurde uns bis heute politisch rund um den Irak involviert ist.
Der Mann ist immer noch umtriebig, verdient viele Millionen als Bankberater und Autor, während GWB seiner geistigen Faulheit entsprechend tumb auf seiner Ranch hockt und fürchterliche Ölbilder malt.

Das alles macht Blairs Politik nicht viel besser als die seines amerikanischen Kollegen, aber er handelte sicher bewußter und aus eigenem Antrieb.

Heute hört man erstaunliches von Blair.
Selbstkritik. Sogar Entschuldigungen. Auch das wäre von GWB niemals zu hören.
Aber der Brite erkennt immerhin, daß der von ihm maßgeblich mit angezettelte und durchkämpfte Irakkrieg katastrophale Folgen hatte.

[….] Der ehemalige britische Premierminister Tony Blair sieht eine Mitschuld der US-geführten Invasion im Irak an der Entstehung der Terrormiliz Islamischer Staat. Es gebe "Elemente der Wahrheit" in der Behauptung, dass der Irakkrieg den Aufstieg des IS verursacht habe, sagte Blair dem Fernsehsender CNN. "Natürlich kann man nicht sagen, dass diejenigen von uns, die Saddam (Hussein) 2003 entfernt haben, keine Verantwortung für die Situation 2015 tragen", sagte er. Der Arabische Frühling habe aber auch eine Rolle gespielt. […]

Kurioserweise befand sich die glühendste Unterstützerin des Blair-Bush’schen Kriegskurses 2003 in der Berliner Opposition.

[….] Den Irakkrieg der Amerikaner hat Angela Merkel verteidigt. „Man hatte einen Punkt erreicht, an dem Krieg unvermeidbar geworden war“, sagte sie, „bei einem Nichthandeln wäre der Schaden noch größer gewesen.“ Außerdem veröffentlichte sie unter der Überschrift „Schröder spricht nicht für alle Deutschen“ einen Gastbeitrag in der „Washington Post“, in dem sie das kategorische Nein der rot-grünen Bundesregierung hart kritisierte. Diese Haltung war falsch. Das dürfte heute unstrittig sein, obwohl die Union das nie wirklich aufgearbeitet hat. [….]
(Malte Lehming 23.08.2015)

Jene Merkel ist heute bekanntlich deutsche Regierungschefin und löffelt die Suppe mit aus, die der von ihr damals bewunderte GWB eingebrockt hatte.

Vermutlich über eine Million Flüchtlinge aus dem IS-Gebiet und Afghanistan (und anderen Ländern) kommen 2015 nach Deutschland – dem Land, das 2003 am heftigsten der Politik, die das Chaos überhaupt verursacht hat, widersprach.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Ich glaube immer noch, daß sich die neuen Zuwanderer als Segen für Deutschland erweisen werden.

Herr Cameron, konservativer Kollege Merkels in London, spielt eine extrem schändliche Rolle in dieser Angelegenheit.
Kein Wort zur Verantwortung gerade seines Landes für die Zustände im Irak hört man von ihm.
Er zieht die Zugbrücken zu seiner Insel hoch und liefert Grenzschutzanlagen nach Calais, damit die Franzosen bloß keinen einzige Asylbewerber durch den Tunnel nach England lassen.
Erbärmlich.

Erst auf massiven Druck der EU gab Cameron nach und willigte ein 4.000 Syrische Bürgerkriegsflüchtlinge im Jahr nach England zu lassen.
Zum Vergleich: Allein die Stadt Hamburg nimmt dieses Jahr 40.000 Flüchtlinge auf.

Noch schlimmer verhält sich allerdings Obama, der im riesigen Amerika (320 Millionen Menschen; 30-fache Fläche Deutschlands), das die Hauptverantwortung für das Nahost-Chaos trägt, auf Tauchstation geht.

[….] Ein Land versteckt sich bislang, ist aber ebenso gefragt wie Deutschland, wie Großbritannien oder Frankreich: die USA. Wenn die Zahlen stimmen, die in diesen Tagen der englische "Guardian" veröffentlichte, dann haben die Vereinigten Staaten seit 2011 lediglich 1500 syrische Flüchtlinge aufgenommen. 1500! Das ist ein Witz für ein klassisches Einwanderungsland. [….]

Noch mehr Verantwortung als Obama, der gegen den Irakkrieg gestimmt hatte, tragen zweifellos die Kriegslüsternen Republikaner.
Was haben die zum Thema beizutragen?

[….] Das Einwanderungsland USA will nur wenige Tausend Syrer aufnehmen. Aber den Republikanern, allen voran Donald Trump, ist selbst das zu viel.
[….] Seit Präsident Obama auf Druck der unter einer beispiellosen Flüchtlingswelle leidenden Europäischen Union angekündigt hat, im nächsten Jahr die überschaubare Menge von 10.000 Menschen aus dem Bürgerkriegsland aufzunehmen, regt sich Widerstand, dessen Tonlage den radikalen Populismus der Pegida-Bewegung in Deutschland teilweise noch übertrifft. "Ich kann keine Politik unterstützen, die eine dschihadistische Pipeline in die USA legt", sagt der Kongressabgeordnete Michael McCaul.
Was der texanische Vorsitzende des Ausschusses für Heimatschutz verklausuliert umschreibt, hat der in Meinungsumfragen führende republikanische Kandidat für die Präsidentschaftswahl 2016, Donald Trump, in krassere Worte gefasst. Aus seiner Sicht ist es "unverantwortlich, Tausende junge, starke Männer aus Syrien einreisen zu lassen." Trumps Begründung ist: Es könnte sich um Terroristen des Netzwerks "Islamischer Staat" handeln. Trump: "Das ist vielleicht das größte Trojanische Pferd aller Zeiten." Im Fall seiner Wahl will der Bauunternehmer rigoros durchgreifen: "Ich schicke sie zurück."
[….] Mit Senator Ted Cruz, Gouverneur Bobby Jindal, dem früheren Gehirnchirurgen Ben Carson und Gouverneur Chris Christie haben sich weitere Möchtegern-Präsidentschaftskandidaten offensiv gegen die humanitäre Aufnahme von syrischen Flüchtlingen gestellt. Christie: "Die Leute können wirklich gefährlich sein."
[….] Bevor grünes Licht gegeben wird, schauen weitere Sicherheitsbehörden intensiv auf den Fall und gleichen alle Informationen mit Antiterrordatenbanken ab. Die Prozedur dauert heute bei Flüchtlingen aus Syrien 18 bis 24 Monate. Erst danach winkt die Einreise in die USA. "Wer als Terrorist zu uns kommen will, ist schlecht beraten, es über den offiziellen Weg als Flüchtling zu versuchen", sagen Mitarbeiter der Grenzkontrollbehörde hinter vorgehaltener Hand. Derzeit stecken über 10.000 Syrer aus früheren Jahren in der Warteschleife.
[….] Während die Türkei über zwei Millionen und Deutschland Hunderttausende Menschen aus Syrien aufgenommen hat, ließen die Vereinigten Staaten seit dem Kriegsbeginn in Syrien im Jahr 2011 insgesamt nur 1900 Menschen einreisen, die dem Assad-Regime den Rücken gekehrt haben.

Obama, der Friedensnobelpreisträger….

Montag, 26. Oktober 2015

Weinen mit der AfD



Seit sich die Parteiführerin Frauke Petry mit ihrem national-völkisch-religiösen Kurs bei der „Alptraum für Deutschland“ durchsetzte, ist ihr immerhin einiges gelungen.
Sie warf ihren langweiligen Pfarrer-Ehemann raus und paarte sich offiziell mit dem viel zackigerem Marcus Pretzell, 43, der sich vom Bielefelder Parteikonto bediente und von der Lucke-Führung noch aus der Partei geworfen werden sollte.
Auch die ultranationalistische Thüringer Trümmer-Type Björn Höcke wollte Bernd Lucke aus seiner ohnehin stramm rechten Partei werfen, weil Höcke einst mit der NPD anbändelte.
Jetzt aber steht er unter dem Schutz der neuen Führerin und kann sich ungeniert in Erfurt als Goebbels-Imitator versuchen.


Es läuft so richtig gut für die AfD – mit ihrem Selbstverständnis als PEGIDA-Partei hat sie den Boden für hunderte rechtsradikale Anschläge in Deutschland bereitet.
Läuft.
Die Inszenierung als armes Opfer gelingt auch immer besser.

Der Thüringer AfD-Landes- und Fraktionschef Björn Höcke (AfD) ist wegen Volksverhetzung angezeigt worden. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Erfurt bestätigte MDR THÜRINGEN, das eine entsprechende Anzeige vorliege. Darin gehe es um den Auftritt von Höcke in der ARD-Talkshow von Günther Jauch am 18. Oktober 2015. Weitere Details nannte die Staatsanwaltschaft nicht.
Die Staatsanwaltschaft habe einen entsprechenden Prüfvorgang eingeleitet, so der Sprecher weiter. Sollte sich daraus ein Anfangsverdacht ergeben, könne die Staatsanwaltschaft einen Antrag auf Aufhebung von Höckes Immunität beim Thüringer Landtag stellen. […]

Ganz im Sinne der rechten Männer mit den winzigen Penissen, bringen sich die „Altparteien“ immer mehr in Stellung gegen sie. Das ist PR pur.

[…] Der Vizevorsitzende der SPD Ralf Stegner fordert eine Beobachtung der Alternative für Deutschland (AfD) durch den Verfassungsschutz. Jemand wie der Thüringer AfD-Chef Björn Höcke sei "von Neonazis nicht mehr zu unterscheiden", sagte Stegner der Zeitung "Die Welt". Die Partei nähere sich immer stärker an die rechtsextreme NPD an. "Solche Typen" in der Führungsriege der Partei seien "ein Fall für Verfassungsschutz und Staatsanwaltschaft".
[…] Nach Meinung von Stegner gibt es auch Schnittmengen zwischen AfD und Pegida: "Ich sehe da viele Übereinstimmungen mit den Pegidioten." Sein Parteifreund Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) machte die Teilnehmer der Pegida-Demonstrationen mitverantwortlich für ausländerfeindliche Straftaten. "Wer da mitmacht, trägt auch moralische Verantwortung für die Taten, die auf diese radikale Hetze folgen", sagte Maas der "Bild"-Zeitung. Pegida hat auch für diesen Montag in Dresden zu einer Kundgebung aufgerufen.
[…] Vizekanzler Sigmar Gabriel hatte bereits vergangene Woche die AfD als "offen rechtsradikal" bezeichnet. "Ich dachte früher immer, sie wären unanständig, weil sie den Mob aufwiegeln", sagte der SPD-Vorsitzende. Doch: "Sie pflegen die Sprache der NSDAP, die Begriffe von Nazis, wenn sie davon sprechen, Politiker an die Wand zu stellen."

Nachdem der Verfassungsschutz seine überragenden Analysequalitäten eindrucksvoll bei der Aufklärung der NSU-Morde und den Ausspähaktionen der Amerikaner unter Beweis gestellt hat, fürchten sich Höcke, Pretzell, Gauland und Co gar sehr.
Noch mehr PR, noch mehr Möglichkeiten sich als verfolgte Unschuld zu präsentieren, die als einzige mutig genug wäre Tabus zu brechen.

[………..] Das zweite Missverständnis derjenigen, die mit "man wird ja wohl noch mal sagen dürfen" operieren, liegt in der impliziten Unterstellung des "dürfen". Als dürften sie nicht "wohl noch mal sagen". Als würden ihre Wörter unterdrückt. Als koste es Mut, sich von sozialen Konventionen von Höflichkeit und Gesittung zu entbinden. Als sei es ein Zeichen von Tapferkeit, andere Menschen, andere Überzeugungen oder Lebensweisen herabzuwürdigen. Als gäbe es in dieser zunehmend entgrenzten Mediengesellschaft noch ethische oder ästhetische Tabus, die nicht längst in einer der "Gesprächs-Sendungen" auf dem Altar der inszenierten Kontroversen geopfert wurden. So lange schon wurden Gäste wie Zuschauer ihrer eigenen vernünftigen Erwartungen an politische Gespräche, in denen zugehört und gemeinsam nachgedacht wird, entwöhnt, dass mittlerweile fast jede noch so faktenfreie Hetze, jedes noch so von Wissen bereinigte Ressentiment öffentlich-rechtlich ausgestellt werden kann. [………..]

Nun muß man nicht befürchten, daß die unterlektuellen Peginesen in Deutsch-Südost am Wochenende die Feuilletontexte von Carolin Emcke studieren.
Sie laufen auch heute wieder in fünfstelliger Zahl pöbelnd und hetzend durch Dresden. Das ist auch wieder die erste und prominenteste Meldung der Leitmedien wie der Tagesschau. 10.000 braune Plattköpfe werden medial so hofiert, wie es 250.000 Anti-TTIP-Protestierer nie erleben würden. Die Viertelmillion wurde kaum erwähnt.
Läuft für die AfD.

Ein bißchen zu jammern haben Petrys Pappenheimer allerdings im grünrot regierten Baden Württemberg.
Dort wird am 13.03.2016 ein neuer Landtag gewählt und traditionell sind dort ganz rechte Parteien sehr stark. Entsprechend hofft auch die AfD auf ein zweistelliges Ergebnis.
Aber eins verwundert die nationalen Narren: Nicht jeder Schwabe liebt sie!
Potzblitz. Wie kann das sein? Und ist das überhaupt erlaubt?

Eine Partei fühlt sich wenig gemocht. […]
Gern gesehen sind sie nicht in Horb, das zeigt das Städtchen den gut 300 AfD-Mitgliedern und ihren 100 Gästen schon bei der Anfahrt zur Stadthalle, wo sie ihren Landesparteitag abhalten. An vielen Masten in dem Ort südlich von Stuttgart hängen Plakate mit AfD-Logo - und der schlichten Feststellung: "Hier nicht." Und unten am Neckar feiern die Bürger am Samstag ein Fest des "Friedens und Respekts", das ein Statement gegen die AfD sein soll. Auf der Bühne steht auch Oberbürgermeister Peter Rosenberger, ein CDU-Mann, der der AfD ein Grußwort verweigert hat: Die passe nicht zu Horb.
[…] Es ist eine Nicht-Willkommens-Kultur, aber das dürfte sie in der Stadthalle eigentlich nicht so sehr grämen: Als sie am Vormittag loslegen, da erklärt ein AfD-Funktionär, dass "Willkommenskultur" - diese Haltung vieler Deutscher zu Flüchtlingen - einer der "seltsamsten Begriffe" sei, die der "untergehende Staat" hervorgebracht habe. Und doch ist den ganzen Tag in larmoyantem und manchmal wütendem Ton zu hören, wie ungerecht es sei, wenn man geschnitten werde von den "Altparteien" und bald vielleicht auch vom Verfassungsschutz verfolgt werde: Die AfD, das sei doch die "Grundgesetzpartei", die die Regierung an ihre Rechtsbrüche erinnere. So sehen sie das hier. […]