Dienstag, 16. Dezember 2014

Makel: Makler



Es ist schon deutlich über eine Dekade her, daß ich das letzte mal umgezogen bin.
Irgendwie peinlich so ein ortsfester Spießer zu sein. Aber ich bin ja auch schon alt.
Mein Vermieter ist eine große private Wohnungsbaugesellschaft, welche die gesamte Vermarktung selbst übernimmt. Man bewirbt sich direkt bei ihm und bekommt möglicherweise wie in meinem Fall das „go“.
Die Mieten sind einen Tick teurer als der Durchschnitt, aber dafür wurde keine Courtage fällig, da kein Makler beteiligt war.
So eine große Gesellschaft ist für den Mieter eigentlich angenehm, weil man weiß woran man ist. Man bekommt zwar keine Extrawünsche erfüllt und es wird streng durchgegriffen, wenn mal im Keller irgendetwas im Weg steht, aber andererseits funktioniert auch alles. Hat die Kloschüssel einen Sprung, oder liegt ein totes Eichhörnchen im Lüftungsschacht, macht man einen Anruf und sofort kommen die eigenen Handwerker der Vermietungsgesellschaft, bringen alles in Ordnung und man muß nichts dafür zahlen.
Schnee wird automatisch geschippt, das Treppenhaus wird von einer Putzkolonne pünktlich auf die Minute einmal in der Woche blitzeblank gewienert und jede kaputte  Glühbirne in Hauseingang wird wie durch Zauberhand innerhalb von 24 Stunden ersetzt.

Früher wohnte ich einmal in einem Mietshaus mit neun Wohnungen, deren Besitzer ein halbseniler 90-Jähriger war, der seine Wohngeldabrechnungen noch handschriftlich in Sütterlin verfasste.
Wenn ich damals kein heißes Wasser hatte oder der Herd kollabiert war, konnte ich den Vermieter nicht anrufen, weil der eigentlich sowieso nicht zu erreichen war und andererseits zu geizig oder zu pleite für Handwerker war.
Im Zweifelsfall schleppte er sich selbst blind und taub die Treppen hinauf, um mir dann zu versichern, daß er daran auch nichts ändern könne.
Und wer möchte schon einen 90-Jährigen verklagen?
Also lebte man mit dem Schaden, oder aber behob ihn selbst, bzw auf eigene Kosten.

Ein befreundeter Immobilienfachanwalt sagt mir immer: Mieten ist nur für Dumme. Monatlich Geld rausschmeißen, statt das in die eigene Immobilie zu stecken, könnten sich nur Vollidioten leisten.
Vermutlich hat er Recht. Aber wenn man kaufmännisch derart unterbelichtet ist wie ich, ist mieten auch ein Freifahrtschein, um Ärger mit Wohnungseigentümergemeinschaften, Handwerkern, Sonderumlagen, Abrechnungen, Grundsteuern etc aus dem Weg zu gehen.
Fall mein Dach verrottet, oder der Öltank für die Heizung leckschlägt, kann mir das quasi egal sein. Es wird sich schon jemand drum kümmern.

Seit über einem Jahr ist meine schöne Makler-freie Zeit unglücklicherweise vorbei.
Ca ein Dutzend mal mußte ich in einer Wohnungsverkauf-Angelegenheit anwesend sein, wenn Makler vor Ort agierten.
Kein Mieter mag Makler, weil diese, zumindest in den großen Städten mit Wohnungsmangel für eine NICHT-Leistung ihre drei Monatsmieten Courtage abgreifen.
Wohnungskäufer mögen Makler noch weniger, weil diese beispielsweise in Hamburg 6,5 % Provision abkassieren.
Für eine schöne große Wohnung in begehrter Innenstadtlage, also dem was am meisten gesucht wird, wird schnell mal eine Million Euro aufgerufen. Das sind rund 70.000 Euro Verdienst für die großen Maklerbüros wie „Dahler and Comany“ oder „Engels und Völkers“ für wenige Stunden Arbeit.

Bis vor einem Jahr dachte ich, wenigstens Wohnungsbesitzer sollten Makler schätzen – immerhin können sie die beauftragen, von den Leistungen profitieren und müssen dafür nichts bezahlen.
Aber auch das ist falsch. Auch als VERkäufer wird man von Maklern schlecht behandelt.
Wehe wenn man nicht aus der Branche kommt, oder nicht über das nötige Kleingeld verfügt.
Der Makler hilft einem kein Stückchen weiter.
Er gibt einem immer nur den Einheitsrat möglichst viel in die Bude zu investieren. „Sparen Sie nicht bei den Materialien!“, „meine Kunden verlangen heutzutage perfekten Trittschallschutz, Vollholzeichenparkett und Fußbodenheizung!“, „Was die Küche ist schon drei Jahre alt? Die muß aber raus und ersetzt werden, bevor ich die Wohnung verkaufen kann!“
Ob man dazu das Geld hat und ob sich derart aufwändige Investitionen überhaupt lohnen, erfährt man nicht. Hauptsache der Verkaufspreis steigt und damit die Maklerprovision.
Und wehe es tauchen Probleme bei der Sanierung/Renovierung auf. Damit will der Makler nicht belästigt werden. „Engagieren sie doch neben dem Bauleiter noch einen Architekten. Und dann rufen sie mich wieder an, wenn die Wohnung fertig ist!“

Wenige Berufsgruppen dürften so unbeliebt sein wie die des Wohnungsmaklers. Die meisten Menschen nehmen sie wahr als Gierhälse, denen sie ausgeliefert sind, und die Hunderte oder Tausende Euro Provision verlangen, für ... ja wofür eigentlich? Für die Bekanntgabe einer Adresse.
Verbraucherschutzminister Heiko Maas (SPD) ist gewiss im Namen des Volkes tätig, wenn er zusammen mit der Mietpreisbremse ein neues Prinzip bei der Bezahlung von Maklern einführen will: Wer sie bestellt, soll sie auch bezahlen. In der ersten Jahreshälfte 2015 soll die Regelung in Kraft treten, und weil die Makler begriffen haben, dass sie wenig Lobby haben, steigen sie von der politischen Einflussnahme auf ein juristisches Vorgehen um: Sie wollen Verfassungsbeschwerde einlegen, kündigt der Immobilienverband Deutschland (IVD) an. [….]

Niemand will mit Maklern zu tun haben.
Insofern ist es natürlich völlig richtig, daß die Bundesregierung AUF STARKEN DRUCK DER SPD ein Gesetz zum Bestellerprinzip auf den Weg gebracht hat.
Zukünftig soll derjenige bezahlen, der den Makler beauftragt.
Richtig so!

Die Makler bewerten das Vorhaben als völlig falsch und wollten es zunächst den Lokführern und Piloten gleichtun.

Na, da haben Wohnungssuchende ja Glück gehabt. Mit einem Streik der Immobilienmakler am 7. November wolle man nicht die ganze Bundesrepublik lahmlegen, sagt Helge Norbert Ziegler, Vorstand des Bundesverbands für die Immobilienwirtschaft (BVFI). Das könne man auch gar nicht. Trotzdem hat der Verband 11.000 Mitglieder dazu aufgerufen, sich bis Freitag an einer Urabstimmung über Streik zu beteiligen. […] Die Makler befürchten, dass ihnen die Aufträge wegbrechen. Sie sehen Unternehmen und Arbeitsplätze in Gefahr. "Wir wollen nicht länger die Deppen der Nation sein und für Missstände wie Mietsteigerungen verantwortlich gemacht werden", sagt Verbandschef Ziegler. "Dabei sind das die Verfehlungen der Politik."
Als Deppen allerdings nehmen ihn nun auch Makler-Kollegen wahr: "Saublöd" findet Markus Gruhn, Vorsitzender des Rings deutscher Makler, die Aktion. "Das ist Schwachsinn. Die Politik zittert schon, dass die Wirtschaft wegen des Maklerstreiks zusammenbricht", zitiert ihn die Immobilien-Zeitung. […]

Dabei sind die BVFI-Befürchtungen ohnehin fast gegenstandslos.
So ein Gesetz könnte eindeutig formuliert werden. Beispielsweise: „Der Vermieter bezahlt den Makler.“
Das macht diese Regierung natürlich nicht, da sie unter massiven Druck der Maklerlobby steht.
Die besten Freunde der Makler sitzen in der CDU.

Doch vieles deutet daraufhin, dass die Maklerlobby das Gesetz unterlaufen will. Der Maklerverband IVD kämpft seit Wochen für einen aufgeweichten Gesetzentwurf, argumentiert mit verfassungsrechtlichen Bedenken. Bei der CDU stoßen die Makler offenbar auf offenes Gehör. CDU-Abgeordnete wie Jan-Marco Luczak fordern, "die Makler nicht im Regen stehen zu lassen".
Das Problem: Wird das Gesetz aufgeweicht, haben die Makler schon einen Plan in der Tasche, wie sie das Gesetz umgehen können. Einer der größten Hamburger Makler, Haferkamp Immobilien, verspricht etwa den Vermietern, auch in Zukunft werde der Mieter den Makler bezahlen. So sagt er: "Unser Ziel ist es: für den Vermieter kostenlos, der Mieter zahlt." Dafür hat der Makler ein ausgeklügeltes System erarbeitet.

Politik à la Merkel!
Links blinken:
Ihr lieben kleinen Leute, wir tun was für Euch durch Mietpreisbremse und Bestellerprinzip.
Rechts abbiegen:
Die entsprechenden Gesetze werden aber von den Lobbyisten so geschrieben, daß am Ende doch wieder die kleinen Leute zahlen müssen und die Reichen abkassieren.


Vor mir liegt ein ganzseitiger Artikel aus der SZ vom 18.11.2014. In „Das geht aufs Haus“ beschreibt Thorsten Schmitz die Berliner Immobilienbranche „zwischen Hysterie und Panik“.
Aus Rücksicht auf meinen Blutdruck erspare ich nun einen genaueren Blick auf die alltäglichen Ungeheuerlichkeiten, die sich Makler aufgrund der Wohnungsnot erlauben können.
Keinerlei Service. Niemals Rückrufe. Keine Auskünfte. Mutwilliges Demütigen von Menschen in Not.
Na gut, doch, ein kleiner Ausschnitt.


Wenn tatsächlich etwa 10.000 von 12.000 Maklerbetrieben vor dem Aus STÜNDEN – was offensichtlich NICHT der Fall ist, weil gekaufte CDU-Abgeordnete in der CDU das Gesetz so umformulieren, daß für Makler letztendlich doch alles bleibt wie zuvor – wäre das nur zu begrüßen.
Makler sind eine parasitäre Lebensform, die ihren Profit aus der Not anderer Menschen ziehen.

Das stimmt zumindest für die Großstädte mit enorm ansteigenden Mieten, die unter Wohnungsknappheit leiden.
Wenn 10.000 Parasiten weniger die leidenden Wohnungssuchenden aussaugten, kann ich das nur begrüßen.

Auf dem Land oder in verwaisenden Städten Ostdeutschlands mag das anders aussehen. Da muß sich ein Makler anstrengen, um Mieter zu finden.
Wenn sich so ein Makler ins Zeug legt und eine echte Leistung erbringt, spricht selbstverständlich nichts dagegen ihn entsprechend zu bezahlen.

Aber mehrere Tausend Euro zu verlangen für eine 20-Minuten-Besichtigung ohne irgendwelche Serviceleistungen ist keine schützenswerte Tätigkeit.
Ich hoffe, daß sich Herr Maas weitgehend durchsetzt.
Ich sagte ja schon, daß Maas „ein Guter“ ist!
Das bewies er erst heute wieder, als er zu den Pedigree-Untermenschen erklärte:

Für Bundesjustizminister Heiko Maas war es die Gelegenheit, noch einmal seine Abscheu gegenüber Pegida zu verdeutlichen: Er habe "kein Verständnis für die Verführer", aber auch keines für jene, die sich zu einfach verführen ließen. Und keines dafür, dass "diese Vorurteile auf dem Rücken von Flüchtlingen ausgelebt werden - in einem Land mit einem Ausländeranteil von gerade einmal 2,2 Prozent."
Es sei absurd, dass ausgerechnet christliche Werte zur Demonstration gegen Flüchtlinge herangezogen würden, "wie armselig und peinlich ist das denn?", fragte der SPD-Politiker. Deutschland habe eine Geschichte von "trauriger Einzigartigkeit": "In keinem anderen Land sind Millionen von Menschen aus Rassenhass fabrikmäßig ermordet worden." Deshalb hätten die Väter des Grundgesetzes der Meinungsfreiheit scharfe Grenzen gesetzt, die "wenn nötig, neu justiert" werden müssten.


Montag, 15. Dezember 2014

Dreck in Bayern



Rückblick; das war der Stand vor einer Woche:

Die Glaubenskrieger von Pegida stoppen
"Der rassistische Schulterschluss von biederen Wutbürgern und bekennenden Neonazis in Dresden und anderswo ist eine brandgefährliche Mischung. Das ist der Boden, auf dem Pogromstimmung gedeiht wie Anfang der 90er Jahre in Rostock. Diese Entwicklung wurde nach Kräften durch das unverantwortliche Gerede über Wirtschaftsflüchtlinge und Asylmissbrauch in den Parteien der Regierungskoalition befeuert. Rechte Rattenfänger haben so leichtes Spiel, die diffuse Unzufriedenheit gegen die als alternativlos dargestellte Politik der Kanzlerin in Hass auf alles vermeintlich Fremde zu kanalisieren", erklärt die innenpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE, Ulla Jelpke, zum Aufmarsch von mittlerweile 10.000 Demonstranten gegen eine angebliche "Islamisierung des Abendlandes" in Dresden. Jelpke weiter:
"Die Aktivisten von Pegida scheinen in ihrem rassistischen Eifer überhaupt nicht wahrzunehmen, wie sehr sie selbst ihrem erklärten Feindbild ähneln: Sie folgen einem vorbestraften Ex-Kriminellen aus dem Rotlichtmilieu, der sich einem Haftbefehl durch Flucht ins Ausland entzogen hatte –dort also aus ihrer Sicht ein ‚krimineller Ausländer‘ war. Sie gebärden sich wie Glaubenskrieger, wenn sie in der Hetze gegen Flüchtlinge und Migranten die Lösung politischer Probleme sehen. Und um ausgerechnet in einer Stadt wie Dresden, mit einem minimalen Anteil von Muslimen, gegen eine angeblich drohende Islamisierung Europas auf die Straße zu gehen, muss man schon ein dickes Brett vor dem Kopf haben."

Der kotbraune Human-Dreck, der sich hinter dem kriminellen Lutz  Bachmann auf Dresdens Straßen zusammenrottet, ist heute noch einmal fetter geworden.
Das nahezu ausländerfreie Sachsen ist scheinbar der perfekte Nährboden, um assistiert von der Landesregierung den xenophoben Mob zu mobilisieren.

Pegida legt zu: 15.000 Anhänger in Dresden unterwegs
[….]  Pegida-Gründer Lutz Bachmann hat sich in seiner Rede gegen die persönliche Angriffe gegen ihn gewehrt. Bachmann steht wegen seiner kriminellen Vergangenheit im Fokus der Öffentlichkeit.
[….] Pegida konnte nochmals deutlich mehr Anhänger mobilisieren. Wie eine Polizeisprecherin MDR SACHSEN sagte, haben sich mehr als 15.000 Teilnehmer dem "Spaziergang" angeschlossen. [….]

Ich begrüße es außerordentlich, daß Bundesjustizminister Heiko Maas am Wochenende so klare Worte gegen die verblödeten Braunen fand und sie als „Schande für Deutschland“ bezeichnete.

Ähnlich klar drückt sich auch die LINKE-Bundestagsfraktion aus. Man müsse das Abendland vor Pedigree retten.

„Die Innenminister haben es verpasst, ein klares Signal der Solidarität mit den Flüchtlingen zu setzen“, kritisiert die innenpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE, Ulla Jelpke, das Treffen der Innenminister von Bund und Ländern. Jelpke weiter:
„Der Nazi-Anschlag auf ein geplantes Flüchtlingsheim in Bayern unterstreicht: Wir nähern uns mit Riesenschritten den Zuständen von Anfang der 1990er Jahre, als es in Deutschland regelrechte Pogrome gegen Flüchtlinge und Zuwanderer gab.
Da genügt es nicht, sich gegen die Hetzer von Pegida zu wenden, schon gar nicht, wenn zugleich deren Mitläufern Verständnis signalisiert wird. Es hilft auch kein Lamentieren gegen rechtsextreme Rattenfänger, solange vor allem Unionspolitiker, wie jetzt erst wieder Bayerns Innenminister Joachim Herrmann, gegen angebliche Asylbetrüger hetzen.
Die Hausaufgabe für die Innenminister lautet deswegen: Keine Toleranz für Rassisten. Mit einem offensiven Werben um Solidarität mit Flüchtlingen, der Abschaffung diskriminierender Sondergesetze und einer humanen Asylpolitik müssen Pegida und Hogesa in die Schranken gewiesen werden. Konkret bedeutet das mindestens die vollständige Abschaffung der Residenzpflicht, die Abschaffung des Asylbewerberleistungsgesetzes und ein bedingungsloses Bleiberecht für alle mehrjährig Geduldeten.“


Statt sich aber zu schämen, heizen CSU-Politiker xenophobe Stimmungen begierig weiteran und beschimpfen nun ausgerechnet Heiko Maas.
Ausgerechnet der Mann, der für „wer betrügt, fliegt!“ steht, bei seinem erschummelten Doktortitel betrog, aber nicht flog und zuletzt eine Deutsch-im-Schlafzimmer-Pflicht anregte, reißt wieder sein Maul auf:

[…] Die CSU hat Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) wegen seiner Kritik an der Anti-Islam-Bewegung Pegida scharf attackiert. Generalsekretär Andreas Scheuer sagte, Maas liege mit seinen Äußerungen "voll daneben". Es sei eine "ungeheure Verunglimpfung, friedlich demonstrierende Menschen, die ihre Sorgen ausdrücken, als 'Schande für Deutschland' zu bezeichnen".
Scheuer sagte, gerade der Bundesjustizminister sollte die Versammlungsfreiheit anerkennen. […] Gleichzeitig erhält die Pegida-Bewegung viel Zuspruch aus der Bevölkerung: Eine repräsentative Umfrage von ZEIT ONLINE zeigt, dass fast jeder zweite Bundesbürger (49 Prozent) Verständnis für die Demonstranten hat. […]

Herr Scheuer und die anderen Dunkeldeutschen, die sich nun als „Patrioten“ gegen alles Fremde auskotzen, bestätigen noch einmal meine generelle Einstellung zum Patriotismus.

Vorhin grübelte ich wie eigentlich das Antonym zu „Patriotismus“ lautet.
Ich bin nämlich so gar kein Patriot und kann für patriotische oder gar nationale Gefühle (gegenüber Deutschland ODER Amerika) einfach kein Verständnis aufbringen.
Auch das Wort „Stolz“ liegt mir nicht. Insbesondere könnte ich keinen Stolz auf eine Nation empfinden, da ich Stolz immer mit einer eigenen Leistung verbinde.
Was aber ist weniger ein eigener Verdienst als der Zufall wo man geboren wurde?
Wie nennt man aber nun Menschen, die keine Patrioten sind?
Im Zweifelsfall googlen. Eine Internetsuche spuckt folgende Begriffe aus:

Vaterlandsverräter, Fahnenflucht, Verrat, Unzufriedenheit, Untreue, Falschheit, Wankelmut, Unbeständigkeit, Perfidie, Nestbeschmutzer, „Jemand der sich ganz schnell verpissen sollte. Er mag sein Land nämlich nicht“, Landesverräter, Idiot, Zecke,..

Nun bin ich noch unpatriotischer, nachdem ich sehe welche Konnotationen aktiviert  werden, wenn man Menschen nach dem Gegenteil von Patriotismus fragt.
Das Abstoßende am Patriotismus ist also nicht nur das penetrante Sich-mit-fremden-Federn-schmücken, sondern die mehr oder weniger latent damit einhergehende Abwertung anderer Nationen, bzw der Nicht-Patrioten im eigenen Land.
Es stimmt eben, daß die Grenzen vom Patriotismus zum Nationalismus fließend sind und Letzterer ist einer der destruktivsten Ismen, den die Menschheit hervorgebracht hat.

Immer wenn die Patriotismuskarte gespielt wird, folgt etwas Ekelhaftes. (…….)

Es ist doch immer wieder bezeichnend welche Art Mensch sich selbst als „Patriot“ versteht. Ex-Knackis und Multikriminelle wie der Hetzer Lutz Bachmann, dem sie nun Myriaden-fach bundesweit folgen. Der Pedigree-Chef verfügt offenbar über den gleichen IQ wie seine Namenkollegin Michele aus Minnesota.

In a speech that encapsulated the right-wing Minnesota congresswoman’s xenophobia and astounding ignorance, Michele Bachmann called on President Obama Friday  to “declare war” on Islam.
Speaking to the Family Research Council’s Values Voters Summit, Bachmann assailed the Obama administration’s foreign policy as bringing about “a smaller, diminished, less-powerful United States.” Blasting the notion that the rise of groups like the Islamic State (ISIS) isn’t about Islam itself, Bachmann came unhinged.
“Yes, Mr. President, it is about Islam!” Bachmann proclaimed, reinforcing the very narrative ISIS wishes to propagate. “And I believe if you have an evil of an order of this magnitude, you take it seriously. You declare war on it, you don’t dance around it. Just like the Islamic State has declared war on the United States of America.”

Bachmanns dieses Schlages gefallen offenbar auch in der alten Welt.


Deutschland, mir graut’s vor dir!

Die CIA-Folterknechte waren "PATRIOTEN", denen man für Ihren Einsatz danken müsse, meinte Georg W. Bush. Womöglich fände er für die "PATRIOTISCHEN Europärer gegen die Islamisierung des Abendlandes" ähnlich freundliche Worte. Was soll man dazu sagen? Nun, ich habe für "Keine Macht den Doofen" eine Reihe von Begriffen zur Bennenung spezieller Formen der Idiotie geprägt, u.a. "Religiot", "Ökonomiot", "Ökologiot", "Politiot" - das Wort "PATRIOT" ist in diesem Zusammenhang wunderbar selbsterklärend...
Bevor jetzt ein Shitstorm über mich hereinbricht, zwei Anmerkungen:
1. Ja, ich gebe zu, dass die obige Aussage polemisch ist. Aber, liebe Leute, mit welchen rationalen Argumenten will man Menschen gegenübertreten, die allen Ernstes das "jüdisch-christliche Abendland" retten wollen?! Ich frage mich: In welchem Paralleluniversum leben die denn?!
2. Ich bin nun wirklich der allerletzte, der die Gefahr des politischen Islam kleinreden würde, schließlich habe ich in den letzten 20 Jahren in zahlreichen Veröffentlichungen auf die Bedrohungen durch islamische Fundamentalisten hingewiesen. Dennoch (oder besser: gerade deshalb) würden mich keine zehn Pferde auf eine Pegida-Demo bringen! Fakt ist doch: Deutsch- oder Abendlandtümler verhindern das gute Zusammenleben der Menschen in ähnlicher Weise wie streng orthodoxe Muslime auf der anderen Seite. Man müsste schon "PATRIOT" sein (sprich: unter einer "vaterlandsfixierten Hirnerweichung" leiden). um diesen Sachverhalt zu übersehen...
(Michael Schmidt-Salomon via Facebook 15.12.14)

Sonntag, 14. Dezember 2014

Dreck in Deutschland



Jetzt trennt sich die politische Spreu vom Weizen in der gegenwärtigen Parteienlandschaft:
Gibt es noch humanistische Werte, die man nicht für einen vermeidlichen demoskopischen Vorteil aufgeben will?


Die Unionsparteien zeigen sich angesichts der aktuellen Übergriffe und Angriffe auf Flüchtlingsheime von ihrer widerlichsten Seite.
Sie gießen Öl ins Feuer und artikulieren ihr Verständnis für die geistigen Brandstifter. Sie sind geistige Brandstifter.


Herr Riexinger und Herr Hofreiter und Frau Jelpke haben bedauerlicherweise völlig Recht, wenn sie der Union eine Mitschuld an den xenophoben Brandanschlägen zuweisen.

 
Anti-Ausländerunterschriftenlisten, Antiausländermaut, Asylrechtsverschärfungen, Deutschpflicht im Schlafzimmer, Burkaverbot, „Wer betrügt fliegt!“, deutsche Leitkultur, Kampagnen gegen Rumänen und Bulgaren, Familienzerstörungen bei brutalen Abschiebungen, „Grundrecht auf innere Sicherheit“, Selbstmorde in „Abschiebehaft“ – all das steht für xenophobe Stimmungsmache der CDU und CSU.
Solche Parteien wählt man nicht!
Das sollten sich all diejenigen, die nicht zur Wahl gehen oder CDU und SPD in einen Topf rühren hinter die Ohren schreiben.


Stimmungsmache gegen Minderheiten findet man nicht bei den linkeren Parteien.

[….]  Bundesjustizminister [….] Maas sagte der Süddeutschen Zeitung, er befürchte, dass Deutschland "gerade eine neue Eskalationsstufe der Agitation gegen Zuwanderer und Flüchtlinge" erlebe.
[….] Es gingen "aber auch Menschen mit einer klaren Affinität zur Ausländerfeindlichkeit auf die Straße". Das sei "widerwärtig und abscheulich". Es sei nicht neu, dass es Vorurteile gegen Flüchtlinge gebe. "Jetzt trauen sich einige aber, ihre Ressentiments auch so offen auszuleben." Es sei "eine Schande für Deutschland, dass das bei den Pegida-Demonstrationen auf dem Rücken von Flüchtlingen geschieht, die gerade alles verloren haben und uns um Hilfe bitten".   Maas forderte deshalb "ein breites Gegenbündnis der gesamten Zivilgesellschaft und aller politischen Parteien". Der Justizminister sagte: "Wir müssen Pegida entlarven". Die Argumente von Pegida seien "wirklich hanebüchen". Niemand in Deutschland müsse "Angst haben vor einer sogenannten Islamisierung, erst recht nicht in Sachsen". Das gelte umso mehr als "die Mehrheit der syrischen Flüchtlinge keine Muslime, sondern Christen sind".


Zu Vorwürfen, die CSU habe Pegida mit ihrem Man-Spricht-Deutsch-Antrag indirekt unterstützt, sagte Maas: "Ich hoffe, dass die CSU bei diesem Thema eher auf dem Rückzug ist. Die haben sich am Ende wohl auch mal gefragt, welche Sprache Pep Guardiola zu Hause mit seinen Kindern spricht."  [….]