Samstag, 13. Dezember 2014

Schlechte Nachrichten-Pause



Diese Woche war großer Mist.
Die Nachrichten waren nicht nur schlecht im Sinne von Tragödien, Katastrophen, Unglücken, Krieg, Mord und Todschlag.
Es waren eher die auf den Magen schlagenden Nachrichten, bei denen man sich vor Ekel den Bauch halten mußte.

Zeit für eine positive Meldung.
Und dafür gucke ich immer noch gerne nach Holland, auch wenn Jakes Freund Geert Wilders meiner These vom liberalen Land an der Nordseeküste irgendwie widerspricht.
Ich glaube dennoch, daß die Niederländer im Durchschnitt nicht so tumb-reaktionär wie Deutsche sind.
Anyway. Die guten Nachrichten kommen aus dem religiösen Bereich. Die Niederländer sind das am wenigsten religiöse Volk Europas. Über die Hälfte der Bevölkerung ist völlig konfessionslos, ein Viertel ist katholisch und etwa 15 % bekennen sich zu einer protestantischen Kirche.
Des Papstes Mannen gaben sich allerdings im 20. Jahrhundert auch besonders abschreckend.
Rückblick:

Henk Heithuis wurde 1935 in Holland geboren. 
Da seine Eltern sich scheiden ließen, galt er wie Hunderttausende andere Leidensgenossen als Fall für ein Kirchliches Erziehungsheim.

14-Jährig schickte man ihn in das von katholischen Mönchen geführte Vincentius-Stift in Harreveld. 

Über einen Zeitraum von drei Jahren vergewaltigten die katholischen Ordensleute den Jungen.

1956, mit gerade mal zwanzig Jahren, brachte Henk Heithuis einen für die damalige Zeit unglaublichen Mut auf; einen Mut, der auch heute noch selten vorkommt. 
Er stellte sich gegen die katholischen Autoritäten, ging zur Polizei und zeigte die Mönche wegen Vergewaltigung an.

Die Polizei wandte sich an die Kirche, welche sofort den Spieß umdrehte und behauptete, der Junge habe die Mönche verführt.
Man glaubte selbstverständlich der Kirche und schickte den nach damaligen Recht Minderjährigen Heithuis in die römisch-katholische Psychiatrie Huize Padu. 
Dort diagnostizierte man ihn als „homosexuell und pervers“ und ließ ihn auf Befehl des Bischofs im St. Joseph-Krankenhaus in Veghel kastrieren - und zwar so, daß Hodensack und Penis komplett entfernt wurden.

Wenig überraschend litt Heithuis daraufhin schwer an den psychischen Folgen. 
1957 erstattete der junge Mann erneut Anzeige gegen die Kirche; diesmal wegen der Kastration. 
Unter mysteriösen Umständen kam er bald darauf bei einem Autounfall ums Leben.

 Seine Leidensgeschichte hatte er dokumentiert.
Die Polizei beschlagnahmte und vernichtete seinen gesamten persönlichen Besitz und seine Prozessunterlagen noch am Todestag. Heithuis hatte selbst stets von seiner Furcht gesprochen, dass „sie mich wieder zu packen kriegen“
(Wikipedia)

Henk Heithuis ist kein Einzelfall in der römisch-katholischen Kirche der Niederlande. Insgesamt mindestens zehn Jungs ließ die Kirche kastrieren.

Es war schlimm genug, was ein Untersuchungsbericht im vergangenen Jahr über Missbrauchsfälle durch katholische Geistliche in den Niederlanden festhielt. Zwischen 1945 und 1981 wurden 10000 bis 20000 Jugendliche in Einrichtungen der katholischen Kirche sexuell missbraucht, etwa 1000 Minderjährige wurden vergewaltigt. Inzwischen weiß man, dass der ausführliche Bericht der sogenannten Deetman-Kommission längst nicht alle Grausamkeiten jener Zeit erfasste, als das Leben der Niederländer noch felsenfest auf den Säulen der Kirchen ruhte. Offenbar ließ die katholische Kirche auch mehrere homosexuelle Jungen kastrieren, um sie von ihrer vermeintlichen Krankheit zu 'heilen'.
In den fünfziger und sechziger Jahren erteilten Kirchenvertreter Chirurgen den Auftrag, nicht nur schwule Männer, sondern auch Jungen zu entmannen. Das hätten Wissenschaftler bei einer Anhörung des Parlaments bestätigt, berichtete das NRC Handelsblad. Ein Professor für Medizingeschichte sagte, ein Chirurg habe ihm erzählt, er sei von einem Bischof, 'der übrigens noch lebt', zu solchen Kastrationen aufgefordert worden. Einem zweiten Historiker zufolge schickten Priester schwule Jungen nach dem Beichtgespräch zum Chirurgen. Man wisse nicht, um wie viele Fälle es sich handele, doch könne es eine 'nicht ungewöhnliche' Praxis gewesen sein.
[…] Schockierend für die Abgeordneten ist, dass viele der damaligen Vorkommnisse den Gesundheitsbehörden und der Justiz bekannt waren, aber nichts unternommen wurde. Kürzlich war die Staatsanwaltschaft in Archiven zufällig auf bisher unbekannte Akten gestoßen, die den sexuellen Missbrauch durch Geistliche in den fünfziger Jahren belegen. All dies fand ebenso wenig Eingang in den Deetman-Bericht wie die Rolle des christdemokratischen Premiers Vic Marijnen (1917 - 1975). Der leitete das Internat, in dem man Heithuis kastrierte, und erwirkte offenbar Straffreiheit für Brüder, die des Missbrauchs beschuldigt waren.

An Henk Heithuis erinnert (noch) keine Stiftung. 

Dem Ratzinger-Vatikan ist sein Schicksal egal. [....]

Anders und schneller als in anderen Ländern, ziehen die Niederländer Konsequenzen.

Das spürt jetzt auch der wichtigste Vertreter Roms vor Ort.
Willem Jacobus Kardinal Eijk (*1953), Erzbischof der mit 750.000 Seelen größten Niederländischen Katholen-Gemeinde Utrecht kommt kaum noch hinterher damit seine Kirchen zu zumachen.

Erzbistum rechnet mit 94% weniger Gotteshäusern
Das niederländische Erzbistum Utrecht geht von einem starken Rückgang bei der Zahl von Kirchen und Gemeinden aus.
Statt der heute 300 Gotteshäuser werde es in 15 Jahren wohl nur noch 20 geben, schreibt Kardinal Wim Eijk […]  In diesem Jahr wurden bereits 14 Kirchengebäude geschlossen. […] Eijk geht in seiner Prognose davon aus, dass die "Entkirchlichung" noch schneller voranschreitet als bisher. Zwischen 2007 und 2011 hatte das Erzbistum die Zahl seiner Kirchengemeinden durch Fusionen bereits von 326 auf 48 reduziert. […] (epd 11.12.14)


Die sympathischen Kleiderfetischisten sind not amuesed...


Freitag, 12. Dezember 2014

Es gibt so Tage…



Eigentlich haben professionelle Sarkasten wie ich gerade einen Lauf.
Gelegentlich wird es aber selbst mir zu viel.
 
Crazy Horst hält nach dem Deutschpflicht-für-zuhause-Vorschlag einen Parteitag ab, der vom SPIEGEL mit „Münchner Lach- und Schießgesellschaft“ beschrieben wird.

Dann ist da noch unser Verfassungsminister und mehrfach überführter Lügner Thomas de Maizière, der sich zu den rassistischen Pedigree-Pogromen äußert.

[….] Innenminister de Maizière äußert Verständnis für "Pegida"-Demonstranten.


Angesichts des Zulaufs zu Demonstrationen der Anti-Islam-Bewegung "Pegida" mehren sich in der Union Stimmen, die Sorgen der Teilnehmer ernst zu nehmen. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) sagte in den ARD-"Tagesthemen", zwar gebe es bei den Initiatoren "problematische Entwicklungen". Und, anders als sie sich selbst bezeichneten, seien sie auch keine patriotischen Europäer. "Aber unter denjenigen, die da teilnehmen, gibt es doch ganz schön viele, die bringen ihre Sorgen zum Ausdruck vor den Herausforderungen unserer Zeit."
De Maizière wies auf eine Studie hin, die belege, dass sich ein Teil der Bürger wie Fremde im eigenen Land fühlten. "Diese Sorgen müssen wir ernst nehmen, damit müssen wir uns auseinandersetzen." [….] Ähnlich äußerte sich Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU). "Dabei müssen wir die Ängste der Bevölkerung aufnehmen,.. [….] Zuvor hatte bereits Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) für Gespräche mit den Teilnehmern geworben. [….]

Allerliebst; der Innenminister geht auch auf Hasskurs, wie sein sächsischer Kollege.


Und dann ist da noch der ehemalige Vizepräsident der Vereinigten Staaten, der die  abartigen Foltermethoden der CIA immer noch richtig findet. 


Der Feinstein-Bericht hingegen sei „full of crap“.
Und wenn sich ein Mann mit „crap“ auskennt…


CIA-Chef Brennan hat versucht, Zweifel am Bericht über die Folterpraxis zu säen. Die Chefin des Geheimdienstausschusses Feinstein ließ sich das nicht gefallen: Via Twitter widerlegte sie Brennans Thesen - eine nach der anderen.[…] Es habe aber, so Brennan, eindeutige Erfolge durch den Einsatz dessen gegeben, was die CIA mit dem Euphemismus "Enhanced Interrogation Techniques" (EITs, "verstärkte Verhörpraxis") bezeichnet. .[…] Senatorin Dianne Feinstein war bei der Veranstaltung nicht anwesend, aber sie nahm offenkundig sehr wohl war, was Brennan da erzählte. Über Twitter begann sie, die Behauptungen des CIA-Direktors live zu widerlegen, eine nach der anderen. Oft mit Verweisen auf konkrete Seiten im Abschlussbericht ihres Ausschusses, immer versehen mit dem Hashtag #ReadTheReport ("Lesen Sie den Bericht").
Brennan behauptete zum Beispiel, mit Hilfe von EITs sei Information gewonnen worden, die "nützlich" gewesen sei bei der Jagd nach Quaida-Chef Osama bin Laden.
Feinstein schoss zurück:
"Die Studie zeigt definitiv, dass EITs nicht zu Bin Laden führten. Seite 378."
"Die kritischen Informationen, die zu Bin Laden führten, hatten mit EITs nichts zu tun." […]


Sehr sympathisch auch die Meldung über ein IS-Sexsklaven-Handbuch.
Da soll noch mal einer behaupten, der IS verginge sich willkürlich an Frauen!
Nein, da hat alles seine Ordnung! Sehr löblich.

[…] Die Versklavung von gefangen genommenen Frauen gehört zur grausamen Strategie des Islamischen Staates. Doch ihm Alltag scheint es allerhand Verwirrung unter ISIS-Kämpfer über den Umgang mit Sexsklavinnen zu geben.
Nun hat die Terrormiliz ein Handbuch veröffentlicht, das deren Behandlung regelt: Eine Art "Sexsklavinnen für Dummies". […] Der Titel lautet "Fragen und Antworten über Gefangene und Sklaven".[…]
    Frage 5: Ist es erlaubt, Geschlechtsverkehr mit einer weiblichen Gefangenen zu haben, nachdem man sie in Besitz genommen hat?
    Wenn Sie eine Jungfrau ist, darf man sofort Geschlechtsverkehr mit ihr haben, nachdem man sie in Besitz genommen hat. Wenn Sie keine ist, muss erst ihr Uterus gereinigt werden.
[…]     Frage 8: Wenn zwei oder mehr Männer eine Gefangene kaufen, kann jeder der Männer über sie verfügen?
    Es ist verboten, Geschlechtsverkehr mit einer weiblichen Gefangenen zu haben, wenn der Besitzer sie nicht alleinig besitzt. Ein Mann, der eine Sklavin in Partnerschaft mit einem anderen Besitzt, darf nicht mit ihr Geschlechtsverkehr haben, bis der andere sie ihm verkauft oder ihm seinen Anteil überlässt.
[…]     Frage 13: Ist es erlaubt, Geschlechtsverkehr mit einer weiblichen Sklavin zu haben, die noch nicht die Pubertät erreicht hat?
    Es ist erlaubt, Geschlechtsverkehr mit einer weiblichen Sklavin zu haben, wenn sie körperlich bereit dafür ist. Ist sie allerdings noch nicht bereits, sollte es reichen, sie ohne Geschlechtsverkehr zu genießen.

Ja, es stimmt schon, als der liebe Gott vor 6000 Jahren das Universum, die Erdenscheibe und als Krönung der Schöpfung den Menschen erschuf, vollbrachte er ein wahres Meisterwerk.
Gerade heute bin ich so richtig stolz auf die Rasse des Homo Sapiens.



Donnerstag, 11. Dezember 2014

Dreck in Dresden – Teil II


Gerade fand ein Block-CDU-Parteitag in Köln statt.
Ganz im Stile der großen Vorsitzenden fanden keine Diskussionen statt. Alle strittigen oder gar heiklen Themen wurden schon vorher von der Parteiführung abgeräumt.
Bei den Vorstands- und Präsidiumswahlen gab es keinerlei Überraschungen; alle wurden so wie von der großen Vorsitzenden gewünscht in ihre Ämter gesetzt. Die große Vorsitzende hatte selbstverständlich keinen Gegenkandidaten und kam auf ein Ergebnis, das auch Honecker gefallen hätte: 97%.
Angela Merkel findet innerparteiliche Demokratie gut! Aber eben eher für andere Parteien. Nicht in ihrer CDU. Da läßt man lieber die Hände von so einem anarchischen Teufelszeug.
Die große Vorsitzende sicherte sich ihre zehn Minuten Standing Ovations mit einer Attacke auf den sozialdemokratischen Koalitionspartner:
Wie klein wolle sich die SPD eigentlich noch machen?
Das saß. Der Saal tobte.

R2G in Thüringen ist ein großes Geschenk an die CDU; nämlich das perfekte Ablenkungsmanöver für eine vollkommen inhaltsleere Beliebigkeitspartei, die dem Machterhalt alles unterordnet.

Es stimmt schon; weite Teile der Bevölkerung haben einen massiven Merkel-Fetischismus entwickelt und hängen ihr entzückt an den Lippen, wenn sie gar nichts sagt und gar nichts tut.
Sie sind verliebt ins Phlegma, huldigen dem Stillstand.

Fals Merkel allerdings irgendwann keine Lust mehr haben sollte, kann die CDU gleich zu machen.
Ihre Basis ist bereits völlig erodiert.
Sie stellt nur noch vier von 16 Ministerpräsidenten und regiert in weniger Bundesländern als die Grünen!
Die SPD hingegen sitzt in allen Landesregierungen – außer Hessen und Bayern. 14 von 16.
Von den 20 größten Städten Deutschland regiert die CDU gerade noch eine! Damit kommt die Kanzlerinnenpartei auf dieselbe Stadtregierungsquote wie die Grünen: 1 von 20.
Zum Vergleich: Die SPD stellt 18 der 20 größten Stadtregierungen.

Jenseits der Kölner Rhetorik, die sich als bloßes Gehabe entpuppt, blickt die CDU in eine ganz düstere Zukunft.
Nur so ist ihre geradezu hysterische Reaktion auf den Machtwechsel in Thüringen zu verstehen.
Nach 24 Jahren Dauerregierung dachte die Erfurter CDU offenbar, sie würde für immer regieren und konnte es nicht fassen, daß auf einmal keine Mehrheit mehr da war.
Aber so ist das mit der Demokratie. Die Parteifarbe des Regierungschefs mag einem nicht gefallen, aber wenn er eine Stimmenmehrheit hat, muß man sich bis zu den nächsten Wahlen damit abfinden.
Ramelow hat seine absolute Mehrheit im Landtag bekommen; Lieberknecht nicht. Simple as that. Deal with it, CDU!

Für demokratische Fairness ist die CDU aber nicht zu haben.
Sie spielt immer mit gezinkten Karten. Normale demokratische Abläufe sind ihr zuwider.
Als Helmut Schmidt um 1981 dämmerte, daß seine Regierung vielleicht in finale Schwierigkeiten geraten könne, verfügte er einen totalen Beförderungs- und Verbeamtungsstopp.
Es sollte noch nicht einmal einen Hauch des Eindrucks erweckt werden, man würde auf den letzten Drücker noch Parteifreunde mit Posten versorgen.
Als Kohl Kanzler wurde, traf sich Schmidt mit ihm, übergab seine geheimen Aufzeichnungen und unterrichtete ihn über alle wesentlichen Vorgänge.
Das diametrale Gegenteil bei der Abwahl Kohl im Jahr 1998. Diesmal ordnete der noch amtierende Kanzler die sogenannten „Bundeslöschtage“ an. Über eine Woche lang waren alle Mitarbeiter nur mit Schreddern beschäftigt. Nichts, aber auch gar nichts sollten grüne oder Sozen-Minister erfahren. Natürlich wurden alle Kohl-Getreuen mit fetten Beamtenjobs versorgt und noch nicht mal den Kanzlerbungalow überließ Kohl seinem gewählten Nachfolger Schröder.
Er blieb einfach drin wohnen.

Diese dem Wesen der Demokratie diametral widersprechende Auffassung, nämlich den politischen Wechseln mit allen Mitteln zu verhindern, legte erst recht die Thüringer CDU an den Tag.

Keine Zornesblitze fuhren auf Bodo Ramelow nieder, den „verirrten Christen“, wie er noch am Donnerstagabend auf der Angstdemo gegen Rot-Rot-Grün genannt wurde. Der Dom und die Severikirche thronen auch nach seiner Wahl zum ersten linken Ministerpräsidenten weiterhin auf ihrem Hügel über Erfurt, und das Abendland ist nicht untergegangen.
So hätte es eigentlich kommen müssen, hätte man dem Zweckpessimismus von Alt-Ministerpräsident Bernhard Vogel (CDU) oder Teilen der Wirtschaft geglaubt. Es half auch nicht, dass mit Schmähanrufen, Drohmails oder Anschlägen auf Abgeordnetenbüros jeder demokratische Boden verlassen wurde. Und die Thüringer Allgemeine suchte vergeblich nach jedem Haar in der rot-rot-grünen Suppe, räumte zuletzt noch einem wahrnehmungsgestörten Rentner namens Wolf Biermann enormen Platz ein.
(Michael Bartsch, taz, 05.12.14)

 Zum Schaden des ganzen Landes taten CDU-Minister alles, um die Nachfolgeregierung möglichst zu sabotieren und die Arbeitsabläufe unmöglich zu machen. Lieberknechts Leute betrachten die Regierung und das Land offenbar als Parteieigentum, auf das niemand anders Zugriff haben darf.

Die rot-rot-grünen Minister fühlen sich ein wenig von den früheren CDU-Kabinettsmitgliedern sabotiert.
[…] Im Umweltministerium. Der bisherige Amtsinhaber Jürgen Reinholz war nicht erschienen, um seine Nachfolgerin Anja Siegesmund (Grüne) zu begrüßen. Der Christdemokrat sah sich offenbar nicht zu dieser Höflichkeit in der Lage, nachdem ihn Siegesmund aus der Opposition hart attackiert hatte.   Im Ministerbüro fand die Neue nichts vor. Der Kalender leer, der Computer auch. Selbst die anstehenden Termine musste sie sich erst einmal aus den Abteilungen besorgen.
Wolfgang Voß (CDU) machte es anders. […] Voß hatte ja auch seine kleinen Gemeinheiten längst erledigt. Die Rücklagen in Höhe von 200 Millionen Euro steckte er einfach in die Schuldentilgung, was Taubert in die peinliche Lage versetzt, womöglich neue Kredite aufzunehmen und dies im sogenannten Haushaltsvollzug zu tarnen. Zudem wurde der komplette Ministerstab in die Fachreferate versetzt - weshalb in den Büros im Führungstrakt kaum jemand saß.  Dies sei, sagte Taubert, "schon ein unfreundlicher Akt", […] Dies gilt auch für Ministerpräsident Bodo Ramelow und seinen Staatskanzleiminister Benjamin Hoff: Zwar sind aufgrund der vielen Kabalen der Vergangenheit in der Staatskanzlei fast alle Abteilungsleiterposten unbesetzt. Doch in ihrem näheren Umfeld existiert kaum personeller Handlungsspielraum. […]

Das ist aber alles noch harmlos gegen die dreckigen Tiefschläge, zu denen die verkommene und Xenophobie-fördernde Sachsen-CDU griff.
Um ihre Kumpel im Nachbarbundesland zu rächen, setzten sie nun die im Freistaat offenbar alles andere als unabhängige Justiz in Gang.
Im prädemokratischen Sachsen ist das durchaus üblich. Auch Journalisten, die kritische Fragen stellen oder Friedensaktivisten werden von der „Sachsensumpf“-Justiz zur Raison gebracht. In Dresden ist die CDU-Regierung sakrosankt.
In Dresden gibt es nicht nur myriadenfachen Humandreck auf den Straßen bei Pediga-Demonstrationen, sondern auch in der regierenden CDU.
In der letzten Legislatur hatten CDU und FDP immer wieder auch für Anträge der NPD gestimmt und stattdessen die gegen Nazis engagierten Linken verfolgt.
Daß nun aber sogar versucht wird mit aus erkennbar parteitaktischen Überlegungen mittels der hörigen Sumpf-Justiz eine andere Regierung zu stürzen, ist neu.

Anfang 2010, also vor fast fünf Jahren, hatte Ramelow in Dresden bei Protesten gegen einen Aufmarsch der rechtradikalen "Jungen Landsmannschaft Ostdeutschland" teilgenommen und wurde wegen einer angeblichen Sitzblockade gegen einen Neonazi-Aufmarsch angezeigt.
Man stellte das Verfahren wegen Geringfügigkeit ein. Aber unmittelbar vor seiner Wahl zum MP „erinnert“ sich die Sachsenjustiz an den Fall und will Ramelows Immunität aufheben lassen, um ihn erneut anzuklagen.
Engagement gegen Nazis wurde in Sachsen schon lange scharf verfolgt.

 [….] Ramelow störte sich vor allem daran, dass der Antrag kurz vor seiner Wahl zum Ministerpräsidenten gestellt wurde. "Ein Schalk, wer Böses dabei denkt", sagte der Linken-Politiker der "Welt". [….] Linken-Fraktionschef Gysi kritisierte das Vorgehen des Gerichts scharf. Der Antrag des Richters, die Immunität Ramelows aufzuheben und das Strafverfahren fortzusetzen, zeige "eine politische Motivation", sagte Gysi der "Welt". Der Richter hätte dies monatelang tun können, sei aber erst zur Wahl der Ministerpräsidenten tätig geworden.
Die Linken-Bundesvorsitzende Katja Kipping warf der sächsischen Justiz vor, sie führe "einmal mehr eine Posse auf". Es sei "ehrenwert und Beispiel gebend", dass Ramelow gemeinsam mit Tausenden in Dresden Zivilcourage gezeigt habe, sagte Kipping dem "Tagesspiegel" vom Mittwoch. Zivilcourage sei kein Verbrechen. "Die Kriminalisierung friedlicher Anti-Nazi-Proteste ist empörend", kritisierte die Linken-Chefin.
[….] (AFP 10.11.14)

Glückwunsch Sachsen-CDU! Als im Zuge der Pediga-Proteste CDU-Innenminister Markus Ulbig eine Anti-Ausländer Taskforce einrichten ließ, um den Rechtsextremen Zucker zu geben, obwohl er selbst zugeben mußte, daß diese gar nicht kriminell wären, dachte ich schon, tiefer könne Merkels Partei nicht mehr sinken.
Aber weit gefehlt.

Die Welt steht kurz vor dem Untergang, besonders akut ist die Gefahr im Osten Deutschlands. Wer das noch nicht wusste, muss nur nach Sachsen schauen und nach Thüringen. In Dresden gehen die selbsternannten „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ auf die Straße, die Pegida-Bewegung, wie sie sich selbst nennt.
Neben dem vorbestraften Hauptorganisator Lutz Bachmann laufen bekannte Rechtsextreme auf, […]  Weltuntergangsstimmung auch in Thüringen. Die Tatsache, dass mit Bodo Ramelow ein Politiker der Linkspartei, wenn auch ein ziemlich pragmatischer Wessi, zum thüringischen Ministerpräsidenten gewählt wurde, ließ Hunderte Menschen mit Fackeln durch die Straßen Erfurts ziehen.
Und jetzt  […]  kommt die Dresdner Justiz ins Spiel. Sie will Ramelow den Prozess machen, wegen „Sprengung einer Versammlung“. Die sächsischen Verhältnisse sind wieder da.
Das Amtsgericht Dresden, so wurde nun bekannt, hat am 3. Dezember, also ausgerechnet kurz vor Ramelows Wahl, um die Aufhebung seiner Immunität gebeten. Es geht um einen Fall, der eigentlich schon abgehakt war. Er begann am 13. Februar 2010 in Dresden. Damals marschierten Neonazis der „Jungen Landsmannschaft Ostpreußen“ in der sächsischen Landeshauptstadt auf.  Rund 12.000 Gegendemonstranten stellten sich ihnen entgegen, auch Ramelow, damals noch Linken-Fraktionsvorsitzender. Er soll, so die Staatsanwaltschaft, die friedliche Blockade der Neonazi-Demo mitorganisiert haben. Schon einmal war deshalb seine Immunität aufgehoben worden. Auch andere Linken-Politiker wurden angeklagt.
[…]  Die sächsische Einschüchterung hat Methode. Mehrere Antifaschisten wurden schon vor Gericht gezerrt, weil sie angeblich Nazi-Kundgebungen blockierten oder zu Gewalt aufriefen. Der prominenteste Angeklagte: der evangelische Jugendpfarrer Lothar König aus Jena. […]  Die Anklageschrift gegen König war auf Lügen aufgebaut. Als seine Verteidiger vor Gericht Videos präsentierten, die die Aussagen von Polizisten ins Absurde verkehrten, platzte der Prozess im Juli 2013 – zunächst. Aber die sächsische Justiz gab nicht auf. Das Amtsgericht Dresden setzte die Hauptverhandlung neu an – um dann doch das Verfahren in diesem November gegen eine Geldauflage einzustellen.[…]

Rechtspflege ist ein schönes Wort für das, was die Justiz tun soll. Sehr unschön ist, was die Justiz in Dresden daraus macht. Sie nutzt die Paragrafen des Strafrechts, um den einst von der Bundesregierung geforderten „Aufstand der Anständigen“ einzuschüchtern. Die Sicherheitsbehörden sekkieren couragierte Leute, die sich Aufmärschen der Neonazis in den Weg stellen. […]  Das ist nicht nur Posse, das ist Bosheit. Die Justiz setzt sich dem Verdacht aus, politische Spielchen zu treiben. Solche Spielchen lassen sich unter dem Begriff Rechtspflege nicht subsumieren.
Den Pfarrer Lothar König, der auch gegen die Neonazis demonstrierte, hat die Dresdner Justiz lange wegen Landfriedensbruchs verfolgt, bis endlich das Verfahren eingestellt wurde. Man fragt sich, wer da eigentlich den Landfrieden stört.