Samstag, 27. September 2014

M-people



Lange Zeit habe ich die berühmte M-Fraktion der deutschen Bischöfe – Mixa, Müller, Meisner – als die Krönung des kirchlichen Irrsinns angesehen.

Daher heißen meine beiden meistgeliebten Katholiken auch Matthias Matussek und Martin Mosebach. Das sind Doppel-M’s.

Für den organisierten Atheismus in Deutschland ist es wahrlich ein großer Verlust, daß Mixa (abgesetzt wegen Prügel, Lügen und Alkoholismus), Meisner (Abgesetzt wegen Gerontentums) und Müller (versetzt nach Rom als Nr.3 des Vatikans, nachdem er vorbildlich die Aufklärung von priesterlichem Missbrauch blockiert hatte) verschwunden sind.
Ich vermisse Mixa….

Dabei hatte er vom kruden Holocaustvergleich, über Veruntreuung von Geld bis hin zum beherzten Griff unter die Soutanen seiner Priesteramtskandidaten („Bleib hier - ich brauche deine Liebe!“) so ziemlich alles drauf, womit die allerhöchsten Kleriker des Vatikans glänzen.
Noch wichtiger ist natürlich sein hervorragender Draht zum Ratzinger, Joseph, der Mixa äußerst symbolträchtig als erste Amtshandlung seines Pontifikats zum Bischof von Augsburg beförderte.

So lange das Triumvirat der Trottel in Deutschland aktiv war, mochte ich Marx und Mussinghoff nicht recht dazu zählen, weil sie nicht bizarr genug erschienen.

Aber, das muß ich neidlos zugeben, seit Marx zum Kardinal erhoben wurde, den Vorsitz der DBK erkämpfte und zudem auch noch in Franzels exklusives Beratergremium aufrückte, erweist er sich seinem Anfangsbuchstaben würdig!

Er allein wird nach der Ausstrahlung der ARD-Doku über die Kirchenfinanzen durch sein dummdreistes Auftreten hunderte zum Austritt aus seinem Verein bewogen haben.
Und auch beim zweiten Aufregerthema, dem Kinderficken, ist Deutschland mal wieder Schlußlicht. 2011 und 2012 wurden vom Vatikan insgesamt 384 römisch-katholische Priester entlassen; im Jahr 2013 trudelten laut des vatikanischen Innenministers, Erzbischof Angelo Becciu noch einmal gut 600 Anzeigen gegen Päderasten-Priester ein.

Selbst die ultrafromme Tagesspiegel-Religiotin Claudia Keller, kritisiert ihre Kirche. Das will schon etwas heißen!

Erstmals macht der Vatikan einem hochrangigen Kirchenmitarbeiter wegen Missbrauchs den Prozess. In Deutschland dauert die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle noch an. Sehr viel passiert ist bisher nicht.
 [….] „Wenn Wesolowski tatsächlich der Prozess gemacht wird,  wäre das ein starkes Signal“, sagt Matthias Katsch, der Sprecher der Betroffenen-Vereinigung „Eckiger Tisch“. In dem Gremium versammeln sich Menschen, die als Jugendliche von Jesuitenpatern missbraucht wurden. „Es wäre ein Zeichen dafür, dass  die Kirche entschieden gegen Täter in den eigenen Reihen vorgeht, egal welche Positionen sie bekleiden“, sagt Katsch. Er hofft, dass dieses Signal auch in Deutschland gehört wird und  auch hierzulande manchen  Bischof  motiviert,   entschieden gegen Missbrauchstäter vorzugehen und auch die Fälle der Vergangenheit aufzuklären.
[…] Von einer solchen Signalwirkung bis nach Deutschland will man in der Deutschen Bischofskonferenz nichts wissen. „Das ist eine rein vatikanische Angelegenheit“, sagte Matthias Kopp, der Sprecher der Bischofskonferenz, am Donnerstag. „Die kommentieren wir nicht.“
Im März hatte die Deutsche Bischofskonferenz ein Forschungskonsortium um den Neurowissenschaftler Harald Dreßing vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim mit der Aufarbeitung der Fälle sexueller Gewalt in der katholischen Kirche beauftragt. […] Es ist der zweite Anlauf in der Aufarbeitung der Missbrauchsfälle. Im Januar 2013 war die Zusammenarbeit mit dem niedersächsischen Kriminologen Christian Pfeiffer gescheitert – unter anderem an der Frage, wer nach den Akten in den Kirchenarchiven sucht, ob das Forschungsteam in die Archive steigt oder Mitarbeiter der Kirche.
Doch seit März ist nicht viel passiert. Nach wie vor ist unklar, wie viele Bistümer sich in welcher Form beteiligen, bis in welche Zeit die Akteneinsicht zurückgehen soll und wer die Daten bereitstellt. […]

Nur Blitzbirne Marx, der sich in seinem Luxus-Palais immer noch ganz als Fürstbischof geriert, rätselt immer noch wieso Gläubige aus der RKK austreten und weiß nicht was man dagegen tun könnte. Auskünfte über das dreistelligen Milliardenvermögen seiner Kirche in Deutschland, während täglich 20.000 Kinder auf der Welt verhungern und Millionen Flüchtlinge im Elend vegetieren, will Marx nicht geben.

179.000 Menschen kehrten 2013 der katholischen Kirche den Rücken. Suche nach "Gegenmittel"
Mit guter Arbeit in den Pfarreien will die katholische Kirche in Deutschland der Austrittswelle ihrer Mitglieder begegnen. Die Botschaft müsse lauten: "Wir sind für euch da – Tag und Nacht", sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Reinhard Kardinal Marx, am Freitag zum Abschluss der Herbstvollversammlung in Fulda. […..]
Marx betonte, er wolle den Mitgliederschwund nicht schönreden. Aber der Rückgang sei auch durch den gesellschaftlichen Wandel begründet, der nicht allein die Kirche treffe. "Wir werden den Trend nicht einfach brechen können", befand der DBK-Vorsitzende.
Gründe für die Verluste seien die Individualisierung, Säkularisierung und Pluralisierung, sagte Marx. Die Menschen heute seien wesentlich freier bei ihrer Sinnsuche in einer vielfältigen Gesellschaft. "An diesen äußeren Bedingungen können wir nicht so viel ändern", erklärte er. Marx mahnte aber: "Wir müssen das Gespräch mit ihnen suchen."  […..]


Freitag, 26. September 2014

Von Irren umzingelt.



Ein gutes Zitat steht für sich; auch wenn man manchmal vor lauter Zitat-Zitaten gar nicht mehr feststellen kann, wer der eigentliche Schöpfer desselben war.

“Wer mit 20 Jahren kein Kommunist ist, hat kein Herz. Wer mit 30 Jahren noch Kommunist ist, hat keinen Verstand!”
(Winston Churchill)

„Wer vor seinem dreißigsten Lebensjahr niemals Sozialist war, hat kein Herz. Wer nach seinem dreißigsten Lebensjahr noch Sozialist ist, hat keinen Verstand.“
(Benedetto Croce)

Zumindest als Metapher läßt sich dieser Ausspruch wunderbar verwenden. Er passt zum Beispiel auch auf Helmut Schmidt, der als junger Soldat in Kriegsgefangenschaft zum überzeugten Sozialdemokraten wurde, sich mit ganzer Kraft für die SPD einsetzte und später gesagt haben soll „Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen“. 
(Ein Zitat, dessen Urheberschaft Schmidt bestreitet. Aber es passt so schön zu ihm, daß es neun von zehn Journalisten pawlowsch verwenden, wenn sie über Schmidt schreiben.)

Ich mag die psychologische Abwandlung des Kommunismus-Zitats.

„Wer als Jugendlicher kein Philanthrop ist, hat kein Herz und wer als Erwachsener noch kein Misanthrop ist, hat keinen Verstand“
(Tammox)

Die Menschheit als Rasse ist eine so offensichtliche Fehlkonstruktion, daß man sie nicht ernsthaft mögen kann, wenn man sich ein bißchen bemüht über den Tellerrand hinaus zu blicken.

Es ist nicht nur das Offensichtliche in der Weltpolitik vollkommen gaga, nein der Homo demens zeigt sein Potential als Irrer auch als einzelne Einheit, der man auf der Straße begegnet.
Heute konnte ich beispielsweise einige Interaktionen zwischen laut pöbelnden und wüst gestikulierenden Radfahren mit ihren natürlichen Feinden, den Autofahrern beobachten. Der Zweirädrige saust durch den Gegenverkehr mäandernd dahin, während der Vierräderige in sein Lenkrad beißend eine leicht unnatürliche Gesichtsfarbe annimmt. Den jeweiligen Cortisol-Ausstoß konnte ich aus 50m Entfernung deutlich wahrnehmen.
Von Irren umzingelt.
Außerdem war ich heute im Asia-Supermarkt Vinh Loi und wurde Zeuge einer offensichtlich von Loriot choreographierten Szene an der Kasse. Eine asiatische Frau verlangte vor Wut bebend den Umtausch von einigen Gläschen irgendeiner Currypaste, die sie offenbar vor Wochen in einer anderen Filiale gekauft hatte.
Da die Gläser kaputt gewesen wären, habe sie sie gleich wegschmeißen müssen. Die Kassiererin, ebenfalls Asiatin, argumentierte mit fast ähnlicher Verve dagegen; sie könne schließlich nicht wissen, ob die angeblich kaputten Gläser überhaupt bei ihnen gekauft wurden; oder ob sie überhaupt existiert hätten.
Asiatin A fand es aber Beweis genug, daß sie überhaupt da sei, denn schließlich wohne sie am anderen Ende der Stadt und sei wohl kaum mit dem Bus dahin gefahren um einen 79-Cent-Artikel zu tauschen, wenn es gar nicht stimme.
Asiatin B beklagte sich, daß sie als Angestellte das nicht tauschen dürfe, selbst wenn sie Asiatin A glaube.
Das Lustige war, daß A & B zwar beides Asiatinnen waren, aber keine gemeinsame Sprache hatten. A sprach fließend deutsch und ein Asiatisch, das ich nicht erkennen konnte, B sprach offenbar Vietnamesisch und dazu englisch.
Alle paar Minuten wallte es so auf, daß sie gegenseitig die Smartphones reichten, weil A verlangte den Vorgesetzten zu sprechen und B verlangte einen Zeugen für die kaputten Gläser zu sprechen. Das führte zunächst immer zu noch mehr Geschrei, dann aber wählten sie und kombinierten das empörte Gegenüber mit einer weiteren anderes asiatisch sprechenden Person. Das war toll, so kreischten dann insgesamt vier Stimmen unverständliches Zeug an der Kasse. Es endete dann mit einer Art Unentschieden: B saß mit verschränkten Armen auf ihrem Kassenstuhl, drehte ihrer Widersacherin grimassierend den Rücken zu und schüttelte stoisch mit dem Kopf. A wiederum pflanzte sich mit in die Hüften gestemmten Armen vor dem Kassenlaufband auf und erklärte jedem anderen Kunden im Laden auf Deutsch, daß sie nun erst recht nicht nachgeben werde und einfach dabliebe, bis sie ihr Recht bekäme.
Hätte es keine andere Kasse in dem Laden gegeben, säße ich vermutlich immer noch dort fest und könnte beobachten wie sich zwei Furien ob eines 79-Cent-Curryglases mit Blicken zu töten versuchten.

So sind die Menschen: Durch und durch schlecht.
Wir sind von Irren umzingelt.
Um das zu ertragen, gibt es nur wenige Strategien: Indolenz, extremer Zynismus, Doofheit oder Drogen.

Alle arbeiten immer mehr für irgendwie weniger. Es ist zu voll, zu laut, zu mühsam. Die Ungerechtigkeit wächst jeden Tag. Und so fucking weiter. Jedes Thema, das man untersucht, birgt Infarktpotential, aber bevor auch ich wieder regulierend ins Weltgeschehen eingreife, gönne ich uns einen Moment der Ruhe. [….]  Wir haben nichts zu erwarten. Von keinem. Weder eine bezahlbare Wohnung. [….] Alle Sätze, die mit "Das ist mein gutes Recht..." beginnen, kann man meist mit einem beherzten "nein, ist es nicht" beenden. Es gibt weder das Recht, unversehrt sein Leben zu beenden, noch von Gemeinheiten verschont zu bleiben. Es gibt kein Recht darauf, nicht verletzt, beleidigt, bespuckt zu werden.
Und dass die Welt sich nach dem eigenen Willen formt, gelingt vielleicht einem Menschen, der ohne Kontakt zur Außenwelt in einer Höhle sitzt seit 56 Jahren.
Vielleicht ist es das, was einen so sauer macht an. Die Erkenntnis, dass alles nur Zufall ist, und dass man sich nirgends halten kann, in diesem Meer, in dem man ersäuft an manchen Tagen. In dem Bewusstsein, dass einem nichts zusteht für die Mühsal, die man per Geburt vor sich hat.
Ich wundere mich oft, dass nicht viel mehr Menschen Amok laufen, durchdrehen oder einfach zu schreien beginnen. [….]

Wieder so ein Zitat im Zitat; Ich wundere mich oft, dass nicht viel mehr Menschen Amok laufen; habe ich auch schon vor der Berg-Kolumne oft gelesen und wohlwollend/zustimmend zur Kenntnis genommen.

Immerhin hat unser geliebter Staat erkannt welches Potential in seinen Bürgern schlummert. Lauter Vulkane, die auch ausbrechen könnten, wenn das germanische panem et circenses-System einmal versagen sollte.

Jeder, der auch nur mittelbar in Kontakt mit dem BKA kommt, wird in eine von 18 verschiedene Kategorien eingeteilt. Millionen Menschen werden demnach von den Behörden offiziell als „geisteskrank“ oder „Rocker“ gelistet.
Da es immer mehr Schubladen gibt, ist selbst das BKA verwirrt und steckt eine „Prostituierte“ schon auch mal aus Versehen zu den „Linksextremen“ usw. usf.

Im Bundesinnenministerium ist niemandem an den Zahlen etwas aufgefallen: Zehn Personen seien bundesweit beim Bundeskriminalamt (BKA) als mögliche rechtsmotivierte Straftäter registriert; 3490 dagegen als „Straftäter – linksmotiviert“. Der parlamentarische Staatssekretär Günter Krings (CDU) unterzeichnete die Tabelle und leitete sie an den Linke-Abgeordneten Andrej Hunko, der bei der Bundesregierung angefragt hatte, wie „personengebundene Hinweise“ von der Polizei gespeichert würden.
Hunko fiel etwas auf: Er stellte die Antwort ins Internet und kommentierte: „Das zeigt wie bei deutschen Sicherheitsbehörden immer noch gedacht wird.“ Im Innenministerium hat man sich daraufhin die Tabelle doch noch einmal angesehen – und eine Korrektur hinterhergeschickt. Es habe ein Versehen gegeben, hieß es. In den 18 Kategorien seien Zahlen durcheinandergeraten.
In der korrigierten Tabelle sind es nun nicht mehr zehn, sondern 20 054 gespeicherte rechtsmotivierte Straftäter, nicht mehr 3490 sondern 9763 linksmotivierte. BKA-bekannte Rocker gibt es nicht 92 742, sondern nur 2355. Und nicht mehr 2453, sondern nur noch 102 Personen werden in der Datenbank mit dem Hinweis „Prostitution“ versehen. Bei den beiden größten Gruppen hat sich das Ministerium dagegen nicht verrechnet. 1,1 Millionen Personen sind als Drogenkonsumenten registriert, rund 245 000 als Gewalttäter. Als „geisteskrank“ firmieren 8118 Personen. Auch etwa Suizid- oder Ansteckungsgefahr werden vermerkt.
Die Gesamtzahl der Hinweise ist aber gleich geblieben: Erfasst wurden 1,5 Millionen Personen.

Ich finde es großartig: Der Bürger musstraut seinem Staat und traut seinen eigenen Vertretern in Regierung und Parlament jede Schandtat zu.
Umgekehrt schaffen Regierungsbehörden offizielle Kennzeichen, die für ihre Schäfchen Bezeichnungen wie „geisteskrank“ vorsehen!
Jeder bekommt offenbar doch das was er verdient!

Ein Kontakt mit der Polizei kann unangenehme Folgen haben, auch solche, von denen man selbst nichts bemerkt. Und zwar selbst dann, wenn sich aus der Angelegenheit nie ein Verfahren ergibt, oder ein Verfahren ohne Urteil. Das Bundeskriminalamt hat mehr als 1,5 Millionen Menschen in einer Datenbank mit Stichworten versehen: „Rocker“, „Prostituierte“, Land/Stadtstreicher“ oder auch „BTM-Konsument“, also Nutzer von Betäubungsmitteln. […]
Wer mit dem BKA in Kontakt kam, kann deshalb bislang auch als „Fixer“ gekennzeichnet werden, als „Sexualtäter“ oder als „geisteskrank“. Die Kategorisierung kann nicht nur von BKA-Beamten eingesehen werden, sondern auch von Polizisten in den Bundesländern und vom Zoll. Dort wird sie nach Angaben des BKA auch in das Informationssystem der Polizei („Inpol“) eingetragen.   Das alles ist erlaubt, einerseits, um Beamte zu schützen und andererseits, um die Menschen zu schützen, mit denen die Polizisten Umgang haben. „Freitodgefahr“ und „Hilflosigkeit vermutet“ sind deshalb ebenfalls unter den Etiketten, die zumindest den Vorschriften nach nicht diskriminierend sein dürfen. […]
(Johannes Boie, SZ vom 26.09.2014)

Kein Wunder, daß sich die Bürger eines solchen deutschen Staates nicht über Snowden-Enthüllungen echauffieren.

Donnerstag, 25. September 2014

Wer austeilt….


Richtiges bleibt richtig, auch wenn es Gregor Gysi ausspricht.
Zu Reizthema „Böser, böser Putin“ schrieb er bei Bundestagsgeneralaussprachen der frommen Kollegin Göring-Kirchentag  und der Ukraine-Politik der GroKo einiges ins Stammbuch.

Aber wir wissen doch: Das Ganze geht nur mit, nicht ohne und schon gar nicht gegen Russland. Die internationalen Probleme sind nur mit Russland zu lösen, egal ob ich an ISIS denke, ob ich an die Probleme im Iran denke, ob ich an Syrien denke. Wir sind doch auf Russland angewiesen.
[…] Es gibt Extremisten auf beiden Seiten. Es gibt die sogenannten Freiwilligenverbände der ukrainischen Armee, die faschistisch strukturiert sind. Aber es gibt auch bei den Separatisten extremistische Kräfte, die den Anschluss des Donbass an Russland fordern und von einem großrussischen Reich träumen. Alle Fragen müssen am Verhandlungstisch geklärt werden.  Wie Finnland sollte die Ukraine nicht zur NATO gehören. Und ich sage Ihnen: Die NATO-Gipfel-Beschlüsse sind absolut kontraproduktiv - schnelle Eingreiftruppe, Aufrüstung im Baltikum und in Polen. Der Vertrag zwischen der NATO und Russland sieht aber vor, dass eine dauerhafte Stationierung von NATO-Streitkräften in Osteuropa verboten ist. Wollen Sie diesen Vertrag verletzen? Was sollen die geplanten Änderungen?   Russland wird darauf wiederum mit einer Änderung seiner Militärdoktrin reagieren. Es besteht die Gefahr einer neuen Runde des Rüstungswettlaufs. Das Minsker Abkommen über die Feuerpause   und zwar unbefristet   muss doch ein Anlass zur Deeskalation auch durch NATO und EU sein. Deshalb sind auch die neuen Sanktionsbeschlüsse falsch; denn sie führen zu einer Eskalation, obwohl das Gegenteil notwendig ist. [….] Und was macht die NATO?   Sie führt acht Manöver in der Ukraine durch - aktuell ein Manöver im Schwarzen Meer, zusammen mit den USA, der Türkei, Spanien und der Ukraine. Dann gibt es Northern Coast, ein Manöver in der Ostsee, an dem auch die Bundeswehr mit 1 000 Soldaten teilnimmt. Was soll diese Provokation Russlands?

 […] Jetzt gibt es gewisse Fortschritte: eine Feuerpause, angeordnet von Präsident Poroschenko, und die Rücknahme des Beschlusses der Föderationsversammlung in Moskau, wonach Russland in die Ukraine einmarschieren darf. Auch das ist sehr wichtig. Ich sage Ihnen: Jetzt müssen die Europäische Union und die NATO endlich wirkliche Deeskalationsschritte gehen. Hören Sie auf mit den Sanktionen und mit der Androhung von Sanktionen! […] Frau Göring-Eckardt, Sie haben hier zur Ukraine gesprochen und sich mit Sahra Wagenknecht auseinandergesetzt. Sie haben gesagt, wer die Regierung bzw. deren Politik nicht unterstütze, der unterstütze nicht die Demokratisierung der Ukraine. Wie soll ich das verstehen? Wir sind doch schon gemeinsam gegen Nazis aufgetreten. Warum kritisieren Sie nicht ebenso scharf wie wir die Mitgliedschaft von faschistischen Politikern in der ukrainischen Regierung?
[…] Ich sagen Ihnen auch: Was die belgische Regierung dazu sagt, ist das eine. Wir haben eine andere Geschichte. Ich finde, der gesamte Deutsche Bundestag und die gesamte deutsche Regierung müssten der ukrainischen Regierung sagen: Bevor wir euch helfen, entlasst die faschistischen Minister aus euren Reihen. - Das wäre doch wohl das Mindeste. […] Ich höre immer wieder, bei der Präsidentenwahl hätten die Faschisten so wenig Stimmen bekommen. Na, umso besser! Was gibt es dann für einen Grund, deren Minister nicht aus der Regierung zu entlassen? Dann können wir den Druck ja sogar noch erhöhen.
[…] Haben Sie Zweifel, dass das Faschisten sind? Ich habe hier ja den Vorsitzenden der faschistischen Partei zitiert; ich wiederhole das heute nicht. Aber eins sage ich Ihnen: Die Partei Swoboda hatte ein Institut, das bis zum Jahr 2014 den Namen „Joseph Goebbels“ trug. Jetzt hat die Partei es wegen des Drucks von außen umbenannt. Dieses Institut trug also den Namen „Joseph Goebbels“. Außer der Partei Swoboda hat das sich noch keine rechtsnationale Partei nach der Nazidiktatur in Europa getraut. Und da verlangen Sie von uns, dass wir dazu nichts sagen. Das ist doch grotesk!
[…][…]    Nun muss ich Ihnen Folgendes erklären, Frau Bundeskanzlerin: Wenn Sie mit Ihrem Ehemann Professor Sauer telefonieren oder mit dem Vizekanzler Gabriel oder mit Staatsminister Altmaier oder mit Ihrem Fraktionsvorsitzenden Kauder - die werden alle abgehört -, dann hört man Sie zufällig mit; wenn Sie gar so dreist wären, mit mir zu telefonieren, erst recht.
(Lachen bei Abgeordneten der CDU/CSU - Katrin Göring-Eckardt (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Ruf mich an!) […]  (Beifall bei der LINKEN - Volker Kauder (CDU/CSU): Gott sei Dank! Das war ein Niveau! Mannomann! - Johannes Kahrs (SPD): So viel Unsinn in einer halben Stunde! Das ist unglaublich!)

Die Berichterstattung über die Vorgänge in der Ostukraine ist; vorsichtig formuliert; nicht immer völlig neutral.
Russland-Experten wie Prof. Krone-Schmalz sind verärgert und der Blogger Jens Berger fragt angesichts des russophoben Spins der großen Verlage und Sender, ob es noch dümmer ginge.

Ich will an dieser Stelle nicht über unklare Vorgänge orakeln oder über die Zukunft spekulieren, sondern mich auf einige, wenige Fakten konzentrieren.

Dem von der Werchowna Rada gewählten Kabinett Jazenjuk gehören kriminelle Faschisten an. Es handelt sich um den Vize-Ministerpräsident Olexandr Sytsch, den Minister für Ökologie und natürliche Ressourcen Andrij Mochnyk, den Minister für Agrarpolitik und Lebensmittel Ihor Schwajka und den inzwischen zurückgetretenen Verteidigungsminister Ihor Tenjuch.

Das merkte gestern unter anderem auch Alexander Pantelejmonow vom Ukrainischen Fernsehen, der es wagte eine Putin-Rede zu übertragen.

Igor Miroschnitschenko von der rechtspopulistischen Partei Swoboda, auf Deutsch "Freiheit", drang gemeinsam mit mindestens fünf Helfern in das Büro des TV-Chefs in Kiew ein und attackierte ihn. Der Senderchef unterzeichnete daraufhin eine Rücktrittserklärung.


Miroschnitschenko sitzt in dem Ausschuss, der unter anderem für die Pressefreiheit in der Ukraine zuständig ist.
Wir haben vielleicht keinen Hebel gegen Russland, aber die Ukraine ist PLEITE und braucht unbedingt westliche Milliarden.
 Da hätten Merkel und Steinmeier einen Hebel, um die fanatischen Antisemiten in der Regierung zu stoppen. [….]
Die Grüne Christin-Aktivistin und Chef-Religiotin Kathrin Göring-Kirchentag mag es offensichtlich nicht, wenn der Jude Gysi auf Antisemitismus in der Ukrainischen Regierung hinweist. Lieber hetzt sie mit perfiden Plakaten gegen die LINKE.

Oleg Tiagniboks Nazi-Sprüche stören sie hingegen nicht so sehr.

Auch sie verurteile die Swoboda, sagt zum Beispiel die grüne Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt, "aber es hilft nicht, mit einem Zitat von 2004 zu kommen".
Das ist eine reichlich wackelige Argumentation. Sicher, Swoboda tritt inzwischen gemäßigter auf als noch vor einigen Jahren. Doch wer weiß, ob die Partei sich tatsächlich gewandelt oder nur etwas Kreide gefressen hat? Endgültig naiv wirkt es dann, wenn Göring-Eckardt reichlich lapidar sagt, dass "Demokratie und Freiheit" in der Ukraine mit den Rechten schon fertigwerden würden.

Judenhetze, Mordaufrufe, Rechtsradikalismus?
Ach, das stört doch nicht, meinen die Grünen.
Die Grünen sind augenblicklich noch sinnloser als die Piraten.

Hier geht es darum, Freiheit, Demokratie, Menschenrechte, also die europäischen Werte, zu verteidigen. Also unterstützten wir die Freiheitsforderungen der Demonstranten auf dem Maidan und unterstützen die Übergangsregierung in ihren Bemühen um eine demokratische Ukraine, inklusive demokratischer Wahlen. Da kann Europa nicht neutral sein.
Wer meint, die Europäer müssten beim Kreml anrufen, wenn sie mit der Ukraine reden wollen, liegt falsch. Man muss Russlands Interessen ernst nehmen und mit Putin sprechen, aber da kann es keinen Werte-Rabatt geben. Die Linkspartei, die sich gern pazifistisch gibt und militärisches Vorgehen prinzipiell ablehnt, verteidigt im Konflikt um die Krim Wladimir Putins Verhalten. Das trennt uns.
[….] Gysi macht den Beschwichtiger. Das ist ein Streit in der Sache. [….] Viele Staaten des ehemaligen Ostblocks, so auch die baltischen Staaten, haben sich freiwillig und demokratisch legitimiert Europa zugewandt. Und die Ukraine versucht jetzt dasselbe. Putin aber scheint daran gelegen zu sein, eine Stimmung wie im Kalten Krieg zu produzieren.
 (Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt in der SZ vom 19.03.2014)

Die Krim-Ukraine-Russland-MH17-Krise ist eine komplizierte Kiste und ich verlange wirklich nicht, daß jeder Politiker alles durchschaut.
Daß aber Grüne Christen so gar keine Berührungsängste mit radikalen Faschisten haben, ist unentschuldbar.

Rebecca Harms, die Fraktionsvorsitzende der Grünen im EU-Parlament, war sogar so ungeniert sich mit dem amerikanischen Kriegshetzer John McCain und diversen Faschisten zusammen auf die Bühne des Euro-Maidans zu stellen und dort zum Sturz einer demokratisch gewählten Regierung aufzurufen. Ganz in ihrem Sinne regieren nun ein russophober Oligarch als Präsident und rassistische Schläger in der Kiewer Regierung. Sie lobt die von Nazi-Schlägern des Rechten Sektors durchsetzte Menge als „überzeugte Europäer“.
Die Europäische Union sei stolz auf das was dort passiere. Das werde die Geschichte verändern, jubilierte sie.


Nein, auch ich war nicht dabei und kann nicht beschwören wer genau auf dem Maidan was getan hat. Aber, daß die paramilitärischen Schläger und Neonazis des „Rechten Sektors“ eine Rolle spielten, wird auch von den ganz normalen deutschen Massenmedien, wie der ARD, nicht bestritten.
Antisemitismus, Hitlerverehrung, Kontakte zur NPD und strammer Rassismus sind alltäglich.


Frau Harms, zu solchen Leuten stellt man sich nicht.
Schon gar nicht als Grünen-Chefin des Europaparlaments.
Ich bin der Meinung, daß man so ein Verhalten den Grünen übel nehmen MUSS.
Daß es ihr Wladimir Putin übel nimmt, ist ungefähr so verwunderlich wie das Amen in der Kirche.
Die EU ist es auch, die massiv die Sanktionen gegen Russland fordert und verhängt. Als erstes kamen Einreiseverbote gegen russische Spitzenpolitiker.

Was passiert nun, wenn eine EU-Spitzenpolitikerin dreister als dreist nach Moskau reisen will und es sich dabei auch noch um genau jene Politikerin handelt, die schon vor zehn Monaten Anti-Putin-Agitation in Kiew betrieb?

Die Fraktionsvorsitzende der Grünen im EU-Parlament, Rebecca Harms, wollte in Russland einen Strafprozess beobachten. Doch bei ihrer Ankunft in Moskau wurde die Politikerin harsch abgewiesen.
[….]  Als sie am Flughafen in Moskau ankam, wurde sie zurückgehalten, wie das Brüsseler Büro der Politikerin mitteilte. Nach drei Stunden des Wartens sei ihr schließlich gesagt worden, dass sie eine "unerwünschte" Person und ihre Einreise ein krimineller Akt sei. Kurz darauf sei Harms aufgefordert worden, in den nächsten Flieger zurück nach Brüssel zu steigen.  [….]
Die Gründe für die Zurückweisung Harms sind bislang unklar. Das Büro der Grünen-Politikerin vermutet, dass Harms ein Opfer von russischen Sanktionen geworden ist. Russlands Außenministerium habe erst am Nachmittag bekanntgegeben, dass es sich Strafmaßnahmen gegen Europa-Abgeordnete vorbehalte.

Na Potzblitz. So eine Überraschung. Da wird Putin bis aufs Blut gereizt und dann reagiert er gereizt auf die Person, die ihn reizt.
So eine Überraschung.

Willkommen im Kindergarten der Weltpolitik.

Das deutsche Außenministerium, das die Einreisesanktionen gegen russische Politiker mit veranlasst hat, ist nun stinksauer, daß die bösen Russen es wagen genau das gleiche zu machen. Das sei  "völlig unvermittelt" und "inakzeptabel".

"Das Auswärtige Amt und die deutsche Botschaft in Moskau haben sofort bei der russischen Botschaft in Berlin und im russischen Außenministerium in Moskau demarchiert und dagegen protestiert."

Es fällt mir außerordentlich schwer bei dieser Deppenparade zu entscheiden, wer der größte Depp ist. Harms? Oder doch das Auswärtige Amt Berlins?